von Nick Lüthi

Macht Dominic Geisseler das Rennen?

Die MEDIENWOCHE hat gefragt, wer als Nachfolger von Martin Spieler an der Spitze der Sonntagszeitung das Rennen machen könnte. Aus der Umfrage sticht ein ein Name klar hervor: Dominic Geisseler. Der amtierende Stellvertreter Spielers bringt breite Erfahrungen als Chefredaktor mit und hat offenbar sein Interesse am frei werdenden Job angemeldet.

An Berufserfahrung als Chefredaktor mangelt es ihm nicht. Bereits drei Mal stand Dominic Geisseler an einer Redaktionsspitze. Nun könnte es bei der Sonntagszeitung ein viertes Mal werden. Für die Leserinnen und Leser der MEDIENWOCHE scheint der Fall klar zu sein: Mit grossem Abstand vor allen anderen Namen sehen sie Geisseler als möglichen Nachfolger von Martin Spieler.

Seinen ersten Spitzenjob trat der damals 38-jährige Journalist 1999 bei der Coopzeitung an. Fünf Jahre leitete er das Publikumsorgan des Grossverteilers. Danach führte er vier Jahre die Redaktion des Fernsehmagazins Tele («mein Traumjob»), bevor er den wichtigsten Posten im schweizerischen People-Journalismus besetzen durfte.

Bei der Schweizer Illustrierten, wo er bereits Mitte der 1990er-Jahre gearbeitet hatte, trat er ein schweres Erbe an. Als Nachfolger von Marc Walder und dem interimistischen Chef Urs Heller, der als Verlagsdirektor und Heftli-König eingesprungen war, trat Geisseler in übergrosse Fusstapfen; zu grosse offenbar. Nach neun Monaten war er wieder weg. Heller sagte damals: «Ein paar Dinge sind bei uns nicht ideal gelaufen, er und die Redaktion haben sich nicht gerade zum Dream-Team zusammengefunden.»

Derweil hatte Geisseler schon einen nächsten Posten gefunden, wenn auch einen Rang tiefer. Bei der Sonntagszeitung wurde er im Sommer 2007 stellvertretender Chefredaktor. Die Redaktion reagierte mit Unverständnis auf die Ernennung, berichtete das Branchenportal persoenlich.com. Sie rechnete mit einer Stärkung des investigativen Journalismus; Geisseler hat andere Stärken.

Dieses Spannungsfeld öffnet sich auch wieder vor der Ernennung eines neuen Chefredaktors bei der Sonntagszeitung. Auch diesmal verkörpert Geisseler den soften Kurs, jetzt als Kandidat für die Spitzenfunktion. Von ihm ist bekannt, dass er seine Kandidatur schon redaktionsintern thematisiert hat. Gut möglich, dass sein Name auch deshalb in unserer Umfrage mit grossem Abstand am häufigsten geklickt wurde. Gegenüber der MEDIENWOCHE wollte Geisseler die Umfrage und seinen Spitzenplatz nicht kommentieren.

Die nächstfolgenden Namen, Fast-«Blick»-Chefin Andrea Bleicher und NZZaS-Mann Francesco Benini, erhielten weniger als die Hälfte (je 77) von Geisselers Stimmen (167). Ein Name tauchte in der Umfrage der MEDIENWOCHE bei den freien Nennungen besonders häufig auf: Peer Teuwsen, Redaktionsleiter der Schweizer Seiten der «Zeit». Auf Anfrage wollte sich Teuwsen nicht dazu äussern, ob diese Nennungen ein Hinweis auf eine allfällige Bewerbung sein könnten.

Natürlich sagt eine solche Umfrage wenig bis gar nichts aus, zumal sie anfällig für Manipulationen ist. So wissen wir nicht, wer mit welcher Motivation welche Namen gewählt hat. Abgesehen vom nicht ganz ernstzunehmenden Umfrageergebnis, gibt es aber gute Gründe, die für Geisseler als valablen Kandidaten für die Chefredaktion der Sonntagszeitung sprechen.

Sein Hintergrund als People-Journalist könnte eine Wahl durchaus begünstigen. So wünscht sich Verleger Pietro Supino für den künftigen Kurs der Sonntagszeitung mehr «Vanity Fair» und weniger Primeur-Bolzen um der Zitierungen willen. Ein solcher Kurswechsel kommt bei den Journalistinnen und Redaktoren aus Nachrichtenressorts natürlich schlecht an. Entsprechend negativ sind denn auch die Reaktionen von einem Teil der Redaktion: Von ihm komme wenig, was Substanz hätte, heisst es. Und man wundert sich, dass er sich so lange halten konnte.

Angesichts des grossen Sparauftrags und der zu erwartenden Eingriffe in Architektur und Ausrichtung der Sonntagszeitung dürfte eine externe Person, die unbelastet von einer Vorgeschichte auf der Redaktion das Ruder übernimmt, die besseren Chancen haben. Wie wir bereits vor einer Woche geschrieben haben, braucht es für die SOZ-Chefredaktion einen «sparfreudigen Baustellenmanager». Da sind in erster Linie Managementqualitäten gefragt und nicht profilierte Publizistik. Auch das spräche für Geisseler. Er sei zwar ein «lieber Cheib», habe aber journalistisch ein noch bescheideneres Profil als der amtierende Chefredaktor, heisst es von Leuten, die mit ihm zusammenarbeiten.

Korrigendum: In einer früheren Fassung stand geschrieben, Martin Spieler habe Dominic Geisseler 2007 als seinen Stellvertreter zur Sonntagszeitung geholt. Das stimmt nicht. Der damalige Chefredaktor hiess Andreas Durisch.

Kommentieren

*Pflichtfelder

Ihre Persönlichen Daten werden nicht veröffentlicht oder weitergegeben.

Leserbeiträge

deep throat 10. September 2013, 17:48

ich würde mal damit anfangen, für ein rutishauser-porträt zu recherchieren

Antworten...

bradley Manning 11. September 2013, 10:28

Wer sich auch nur ein bisschen rumhört weiss: Rutishauser hat abgesagt. pole im moment: Der momentane Bundeshaus-Chef Denis von Burg.

Antworten...

Tamedia-Insider 11. September 2013, 10:31

In den letzten Tagen wurde Bundeshaus-Chef Denis von Burg auffällig oft in der Zentrale in Zürich gesichtet.

Antworten...

Flurfunk 11. September 2013, 12:41

Auf dem Flurfunk hört man: Philippe Pfister, Simon Bärtschi, Edgar Schuler

Antworten...