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	<title>Niklaus Meienberg | MEDIENWOCHE</title>
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	<link>https://medienwoche.ch</link>
	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
	<lastBuildDate>Tue, 12 May 2020 06:46:06 +0000</lastBuildDate>
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		<title>«Wer heute schreibt wie Meienberg, wäre schnell weg vom Fenster»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2020/05/12/wer-heute-schreibt-wie-meienberg-waere-schnell-weg-vom-fenster/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 12 May 2020 06:46:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Niklaus Meienberg]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der berühmte und streitfreudige Schweizer Journalist und Schriftsteller Niklaus Meienberg hätte heute seinen 80. Geburtstag feiern können.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Der berühmte und streitfreudige Schweizer Journalist und Schriftsteller Niklaus Meienberg hätte heute seinen 80. Geburtstag feiern können.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/05/12/wer-heute-schreibt-wie-meienberg-waere-schnell-weg-vom-fenster/">«Wer heute schreibt wie Meienberg, wäre schnell weg vom Fenster»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Meienberg vs. Schawinski</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2018/10/16/meienberg-vs-schawinski/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Oct 2018 15:46:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Auf dem Radar]]></category>
		<category><![CDATA[Niklaus Meienberg]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Magazin «Persönlich» publiziert in seiner aktuellen Ausgabe einen bisher unveröffentlichten Briefwechsel zwischen Niklaus Meienberg und Roger Schawinski aus dem Jahr 1991. Gegenstand ist der Zweite Golfkrieg, als eine von den USA angeführte Koalition den Irak angegriffen hatte. Meienberg kritisierte polemisierend die in seinen Ohren US-freundliche Berichterstattung von Schawinskis Radio 24. Der Sender sei «eine Agentur für zionistisch-militaristische Propaganda» und sein Chef ein «ausgemachter Medienspekulant», der «schon längst kein journalistisches Ehrgefühl mehr» habe. Schawinski zeigte sich ob des Tons und der Anwürfe schockiert: «Noch nie habe ich ein so hasserfülltes Schreiben erhalten, gespickt mit Unterstellungen und Verwünschungen. Deine faschistoide Sprache und Denkweise erschweren es mir, mich in Ruhe mit deinen Äusserungen auseinanderzusetzen…»</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Magazin «Persönlich» publiziert in seiner aktuellen Ausgabe einen bisher unveröffentlichten Briefwechsel zwischen Niklaus Meienberg und Roger Schawinski aus dem Jahr 1991. Gegenstand ist der Zweite Golfkrieg, als eine von den USA angeführte Koalition den Irak angegriffen hatte. Meienberg kritisierte polemisierend die in seinen Ohren US-freundliche Berichterstattung von Schawinskis Radio 24. Der Sender sei «eine Agentur für zionistisch-militaristische Propaganda» und sein Chef ein «ausgemachter Medienspekulant», der «schon längst kein journalistisches Ehrgefühl mehr» habe. Schawinski zeigte sich ob des Tons und der Anwürfe schockiert: «Noch nie habe ich ein so hasserfülltes Schreiben erhalten, gespickt mit Unterstellungen und Verwünschungen. Deine faschistoide Sprache und Denkweise erschweren es mir, mich in Ruhe mit deinen Äusserungen auseinanderzusetzen…» </p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/10/16/meienberg-vs-schawinski/">Meienberg vs. Schawinski</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Eine Beichte zum 25. Todestag Niklaus Meienbergs</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2018/09/24/eine-beichte-zum-25-todestag-niklaus-meienbergs/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 24 Sep 2018 08:15:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Auf dem Radar]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Niklaus Meienberg]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Titel klingt knackig und irritiert zugleicht. In der aktuellen Ausgabe der Weltwoche steht die Zeile: «Ich tötete Niklaus Meienberg». Im Artikel dazu erklärt der Autor und Werber Dominik Imseng, wie er als junger Journalist vor 25 Jahren der lebensmüden Reporterlegende den ultimativen Tipp gegeben hatte, mit welcher Methode er sich umbringen könne. Meienberg fragte zwar «für einen Freund», aber man hätte ahnen können, worum es ihm wirklich ging. Im Tages-Anzeiger fragt nun Philippe Zweifel, warum der junge Imseng diesen Tipp gegeben hatte. Dieser antwortet: «Aus einer Mischung von Naivität, Dummheit und Gefallsucht heraus. Im Nachhinein ist mir das klar, auch, dass ich mir davon eine vertrautes Verhältnis mit ihm erhoffte.»</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/09/24/eine-beichte-zum-25-todestag-niklaus-meienbergs/">Eine Beichte zum 25. Todestag Niklaus Meienbergs</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Der Titel klingt knackig und irritiert zugleicht. In der aktuellen Ausgabe der Weltwoche steht die Zeile: «Ich tötete Niklaus Meienberg». Im Artikel dazu erklärt der Autor und Werber Dominik Imseng, wie er als junger Journalist vor 25 Jahren der lebensmüden Reporterlegende den ultimativen Tipp gegeben hatte, mit welcher Methode er sich umbringen könne. Meienberg fragte zwar «für einen Freund», aber man hätte ahnen können, worum es ihm wirklich ging. Im Tages-Anzeiger fragt nun Philippe Zweifel, warum der junge Imseng diesen Tipp gegeben hatte. Dieser antwortet: «Aus einer Mischung von Naivität, Dummheit und Gefallsucht heraus. Im Nachhinein ist mir das klar, auch, dass ich mir davon eine vertrautes Verhältnis mit ihm erhoffte.»</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/09/24/eine-beichte-zum-25-todestag-niklaus-meienbergs/">Eine Beichte zum 25. Todestag Niklaus Meienbergs</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<item>
		<title>Niklaus Meienberg knöpft sich General Wille vor – und gerät selbst unter Beschuss</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2018/02/19/niklaus-meienberg-knoepft-sich-general-wille-vor-und-geraet-selbst-unter-beschuss/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 19 Feb 2018 15:59:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Niklaus Meienberg]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mit einem Buch über den Oberbefehlshaber im Ersten Weltkrieg landet Niklaus Meienberg 1987 einen umstrittenen Knüller. Der Journalist rüttelt gekonnt an der Stellung der Mächtigen. Das zeigt sich auch an einem Streitgespräch in Zürich.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/02/19/niklaus-meienberg-knoepft-sich-general-wille-vor-und-geraet-selbst-unter-beschuss/">Niklaus Meienberg knöpft sich General Wille vor – und gerät selbst unter Beschuss</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Mit einem Buch über den Oberbefehlshaber im Ersten Weltkrieg landet Niklaus Meienberg 1987 einen umstrittenen Knüller. Der Journalist rüttelt gekonnt an der Stellung der Mächtigen. Das zeigt sich auch an einem Streitgespräch in Zürich.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/02/19/niklaus-meienberg-knoepft-sich-general-wille-vor-und-geraet-selbst-unter-beschuss/">Niklaus Meienberg knöpft sich General Wille vor – und gerät selbst unter Beschuss</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Wirklichkeiten unter dem Strich</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2017/01/31/wirklichkeiten-unter-dem-strich/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Fredi Lerch]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 31 Jan 2017 15:16:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Feuilleton]]></category>
		<category><![CDATA[Niklaus Meienberg]]></category>
		<category><![CDATA[Otto F. Walter]]></category>
		<category><![CDATA[Albert Bitzius]]></category>
		<category><![CDATA[Zürcher Illustrierte]]></category>
		<category><![CDATA[Anthologie]]></category>
		<category><![CDATA[Arnold Kübler]]></category>
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		<category><![CDATA[Fiktion]]></category>
		<category><![CDATA[Friedrich Dürrenmatt]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Max Frisch]]></category>
		<category><![CDATA[NZZ]]></category>
		<category><![CDATA[Meinrad Inglin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Anthologie «Literatur und Zeitung» ergründet die narrativen Möglichkeiten im Grenzgebiet zwischen journalistischer Berichterstattung und literarischer Fiktion am Beispiel von 16 Deutschschweizer Autorinnen und Autoren. Den Feuilletonjournalismus, von dem darin die Rede ist, gibt es zwar nicht mehr. Aber vieles, was ihn wertvoll machte, lebt weiter. Seit dem 1. Januar betreibt Tschechien ein Abwehrzentrum gegen Fake News, <a href="https://medienwoche.ch/2017/01/31/wirklichkeiten-unter-dem-strich/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Anthologie «Literatur und Zeitung» ergründet die narrativen Möglichkeiten im Grenzgebiet zwischen journalistischer Berichterstattung und literarischer Fiktion am Beispiel von 16 Deutschschweizer Autorinnen und Autoren. Den Feuilletonjournalismus, von dem darin die Rede ist, gibt es zwar nicht mehr. Aber vieles, was ihn wertvoll machte, lebt weiter.<br />
<span id="more-33102"></span><br />
Seit dem 1. Januar betreibt Tschechien ein Abwehrzentrum gegen Fake News, das Falschmeldungen als «Fälschung und Erfindung» kennzeichnen soll. Liest man die <a href="http://www.chronos-verlag.ch/php/book_latest-new.php?book=978-3-0340-1356-7&amp;type=Kurztext" target="_blank">eben erschienene Anthologie «Literatur und Zeitung»</a>, lächelt man über diese hysterische Reaktion von politisch Verantwortlichen, die offenbar ihre Definitionsmacht darüber, was Wirklichkeit zu sein hat, gefährdet sehen. Denn bloss wegen Verleumdungen von Einzelpersonen wird man kein «Abwehrzentrum» finanzieren – dagegen gibt es das Strafrecht.</p>
<p>An dem Phänomen der Fake News ist neu, dass sie die narrativen Möglichkeiten im Grenzgebiet zwischen journalistischer Berichterstattung und literarischer Fiktion nutzen, um politisch breitenwirksam zu desinformieren. Dass diese narrativen Möglichkeiten genutzt werden, ist hingegen nicht neu. In den letzten zweihundert Jahren hat sich der Feuilletonjournalismus immer auch in diesem Grenzgebiet getummelt, kreativ narrativ, manchmal als l’Art pour l’art, manchmal mit gesellschaftspolitischen Hintergedanken – und ab und zu immer schon in verleumderischer Absicht: mit anonymen Schmähungen in Zeitungen oder mittels Blossstellungen in Schlüsselromanen.</p>
<p><strong>Journalismus «unter dem Strich»</strong><br />
Tatsache ist: Es gab schon immer ein herrschaftliches Misstrauen gegen die Kulturschaffenden, die aufgrund ihres Bisschens Bekanntheit öffentlich reden können, ohne entsprechend instruiert und abhängig gemacht worden zu sein – Kulturschaffende sind einfach oft zu wenig «embedded». In der Printpublizistik wurde dieses Problem bereits Ende des 18. Jahrhunderts erkannt. Seither gab es in den Zeitungen zwei Abteilungen, die durch einen horizontalen Querstrich über die Zeitungsseite getrennt waren: Über dem Strich schrieben jene, die fähig und gewillt waren, mit Sprache die Wirklichkeit so abzubilden, dass sie auch ihre Geldgeber als «objektiv» dargestellt akzeptierten. Und unter dem Strich, im sogenannten «Feuilleton», durften auch andere schreiben.</p>
<p>Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die im 19. und 20. Jahrhundert in schweizerischen Zeitungsfeuilletons mitarbeiteten: Das ist das Thema der Anthologie, die auf den Redebeiträgen der Tagung «Literatur in der Zeitung» von Januar 2014 in Bern basiert. Wenn das Buch eines zeigt, dann das: Auch in der Deutschschweiz wurden Feuilletonschreiberinnen und -schreiber insgesamt als unsichere Kantonisten betrachtet, wenn es nach den Regeln der journalistischen Kunst um die korrekte Abbildung von Welt ging.</p>
<p><strong>Wechselwirkungen zwischen Journalismus und Literatur</strong><br />
Das Buch eröffnet mit einem Beitrag zu Albert Bitzius alias Jeremias Gotthelf, dessen oft polemische Zeitungsartikel den Zweck hatten, insbesondere in sozial- und erziehungspolitischen Fragen Volksaufklärung zu betreiben. Dass er dabei auch im Grenzgebiet zwischen Bericht und Fiktion operierte, wird an einem fingierten Leserbrief gezeigt, den Bitzius gegen einen eigenen Artikel veröffentlichen liess in der Absicht, seine politischen Gegner durch die Plumpheit der Replik doppelt dumm aussehen zu lassen. Die Literaturwissenschaft mag interessieren, inwiefern der Journalismus des Albert Bitzius eine Voraussetzung war für die Kunst des fiktiven Erzählens von Jeremias Gotthelf. Unbestritten ist, dass es vielfältige Bezüge gibt.</p>
<p>Und nicht nur bei ihm: Der weitgehend unpolitisch schreibende junge Max Frisch war bis nach 1945 ein fleissiger Mitarbeiter des NZZ-Feuilletons und «Spuren von Frischs journalistischer Recherchetätigkeit der frühen Jahre sind sowohl in inhaltlicher als auch textstrukturierender Art in späteren literarischen Werken zu finden». Wie bei Bitzius und vielen anderen gibt es bei Frisch dieses unübersehbare Wechselspiel, auch wenn es in seinem Fall bereits 1948 zum Bruch mit der NZZ kam, weil sich der Autor zunehmend politisch und gesellschaftskritisch zu äussern begann. Für solches war «unter dem Strich» kein Platz – und bei seinen zunehmend linken Positionen «über dem Strich» auch nicht. Die Anthologie bringt mit C. A. Loosli übrigens nur einen Schriftsteller, der sich – zum Beispiel mit Leitartikeln – zumindest eine Zeit lang auch über dem Strich hat halten können.</p>
<p>Literatinnen und Schriftsteller ohne volksaufklärerische Ambition verstanden die Zeitungsarbeit nicht selten als Fron und journalistische Texte als minderwertig. Für Zeitungen schrieb man des Geldes wegen. Dichtung dagegen konnte nur Dichtung sein, wenn sie von der autonomen Künstlerschaft (in Randstunden) zweckfrei erdacht worden war. Entsprechend heisst es über Meinrad Inglin: «Texte mit informativer, pragmatischer oder auch kritischer Ausrichtung erweisen sich für den reiferen Inglin im Vergleich zu eigentlich literarischen Texten […] als defizitär.»</p>
<p><strong>Literatur «unter dem Strich»</strong><br />
Allerdings gab es in den Feuilletons nicht nur «defizitär» Journalistisches, sondern auch rein Literarisches: Neben dem zeitweise verbreiteten Abdruck von Gedichten ist hier vor allem der Fortsetzungsroman zu nennen – die Anthologie thematisiert ihn an den zuerst im «Schweizerischen Beobachter» erschienenen Kriminalromanen Friedrich Dürrenmatts («Der Richter und sein Henker» [1950/51] und «Der Verdacht» [1951/52]). Nachgewiesen wird, dass die Serialität des Zeitungsabdrucks gegenüber dem Buchdruck in Bezug auf Leserbindung andere Anforderungen stellt und so Einfluss nimmt auf die Form des literarischen Textes.</p>
<p>Auf der Achse zwischen reiner Fiktion und Volksaufklärung schliesst an den Roman der subjektive Feuilletonismus an, wie ihn etwa Robert Walser mit seinen «Prosastückli» oder Annemarie Schwarzenbach in ihren Reisereportagen gepflegt haben. Daneben gehört die instrumentalisierte Subjektivität einer Emmy Hennings hierher, die im Tessin für touristische «Fremdenblätter» Spaziergänge zu Reportagen verarbeitet hat: Diese Texte haben zwar eine klare Werbefunktion, beharren aber auf subjektivem Storytelling, auf Narrativen, «die sich wie ein fliegender Teppich über die realen Landstriche erheben und diese sanft umschmeicheln». Ebenfalls hierher gehört die Collagierung von literarischen Texten mit Fotomaterial zu Foto-Reportagen, wie sie Arnold Kübler zwischen 1925 und 1941 als Redaktor der «Zürcher Illustrierten» gepflegt hat.</p>
<p><strong>Das Grenzgebiet als Spielwiese: Dieter Bachmann </strong><br />
Vor allem aber wird im Grenzgebiet zwischen Journalismus und Literatur – vom essayistisch erzählerischen Text bis zur sozialkritischen Reportage – mit dem Anspruch geschrieben, Wirklichkeit präziser, differenzierter und mehrdeutiger abbilden zu können, als es die Faktenreihung des journalistischen Berichts vermag. Welche journalistischen und literarischen Werkzeuge dabei wie einzusetzen sind, bleibt kontrovers.</p>
<p>In seiner Dissertation schrieb der Publizist Dieter Bachmann 1969: «Erzählerische Werke höchsten Anspruchs kommen zustande unter dem denkbar grössten Vorbehalt gegen die Legitimität des Erzählens. Aus dieser Spannung entstehen Werke, deren hervorstechendes Merkmal ihr Essayismus ist.» Mit dieser Skepsis gegen das naive Erzählen korrespondiert seine Skepsis gegen die rein faktisch-journalistische Berichterstattung: Seinen Roman «Unter Tieren» (2010) gliedert er mit Zeitungsmeldungen, um am Schluss des Buches lakonisch anzumerken: «Die Zeitungsmeldungen stammen aus verschiedenen Publikationen. Sie sind oft nicht wörtlich wiedergegeben, und nicht immer sind sie echt.» Die in die Fiktion eingestreuten journalistischen Materialien sind also – möglicherweise – frei erfunden, sozusagen desinformierende «Fake News» auf dem Spielfeld des Romans.</p>
<p>Daraus kann man lernen: Zeitungsprosa «über dem Strich» ist nie so «objektiv», «wahr» oder «unverzerrt», wie sie scheinen mag. Diese Prosa wirkt bloss durch Konventionen – durch Platzierung, Aufmachung und allerlei rhetorische Tricks – so, wie wenn sie im Gegensatz zu literarischer Prosa nichts mit Fiktion zu tun hätte. Sprache bleibt aber nichts als Sprache, auch wenn sie sachlich abgebildete Welt zu sein scheint.</p>
<p><strong>Das Grenzgebiet als Kampffeld: Meienberg vs. Walter</strong><br />
1983 kritisierte Niklaus Meienberg den Roman «Das Staunen des Nachtwandlers am Ende der Nacht» von Otto F. Walter als «subrealistisch», weil schlecht recherchiert. Die Übertragung von Wirklichkeit in Sprache könne dem Anspruch auf Realismus nur dann genügen, wenn das Faktische zuvor bis an die Grenze des Recherchierbaren ausgeleuchtet worden sei. Erst jenseits dieser Grenze dürften allfällige Lücken im Recherchierten mit «logischer Phantasie» geschlossen werden. Walter dagegen war schon früh skeptisch, ob hundert Jahre nach dem Literarischen Realismus eines Dostojewski, Balzac oder Fontane noch «realistisch» erzählt werden könne, weil ihm zunehmend zum Problem wurde, was überhaupt real sei. Um dieses Problem thematisieren zu können, hat er in zwei verschiedenen Romanen als Protagonisten einen Journalisten gewählt, der auch Fiktionen schreibt (im erwähnten und in «Die Verwilderung» [1977]). Walter war zunehmend überzeugt, dass das Dokumentarische nur mehr ein Stilmittel sei «im täglich produzierten Roman, der sich ‹Zeitung› und nicht etwa ‹ Roman›» nenne.</p>
<p>Daneben gab es im 20. Jahrhundert viele Autorinnen und Autoren, die mit Kolumnen in «volksaufklärerischer» Absicht in den Feuilletons wirkten – in der Anthologie vertreten sind Hedi Wyss und Hansjörg Schneider. Diese subjektiv-diskursive Publizistik wird von der Anthologie damit nur ungenügend gewürdigt. Es würde sich lohnen, den Zeitungskolumnen insbesondere der nonkonformistischen Autorinnen und Autoren mehr Beachtung zu schenken. Sie haben zweifellos mitgeholfen, die weitgehende Illiberalität der deutschschweizerischen Öffentlichkeit im Kalten Krieg zurückzudrängen. Wollte man diesen Aspekt von «Literatur und Zeitung» gebührend würdigen, müssten die Werke etwa von Peter Bichsel, Walter Matthias Diggelmann, Hans Rudolf Hilty, Hugo Lötscher, Kurt Marti, Adolf Muschg oder Walter Vogt exakt konsultiert werden. Sie alle werden von der Anthologie übergangen.</p>
<p><strong>Feuilletonjournalismus gibt es nicht mehr</strong><br />
Ab den Fünfzigerjahren schafften die Zeitungen den horizontalen Strich allmählich ab und ersetzten ihn durch separate Zeitungsbünde, die sie gewöhnlich «Kultur» nannten. Die Berichterstattung dieser Teile degenerierte seither allmählich zu einem harmlosen Warentestjournalismus für die wichtigeren kulturindustriellen Neuheiten der Saison – opportunistisch gegenüber der Marktkraft des Produkts und eskapistisch gegenüber der Wirklichkeit des Zielpublikums: Ein deutschschweizerischer Roman aus kleinem Verlag und 1000er Auflage hat keine Chance auf Erwähnung, wenn ihm in der Zeitungsredaktion die Übersetzung eines philippinischen Roman aus einem Grossverlag und 30000er Auflage entgegengestellt wird.</p>
<p>Was den subjektiven Blick auf die Wirklichkeit im ehemaligen Feuilletonjournalismus betrifft: Er spielt kaum mehr eine Rolle. Kolumnen, Essays von oder Interviews mit Kulturschaffenden sind weitestgehend aus den Printmedien verschwunden. Die 16 Beiträge der Anthologie widmen sich deshalb einem untergegangenen Aspekt der Printpublizistik. Sie ist trotzdem spannend zu lesen, weil sie das Phänomen Literatur und Zeitung mit anregend unterschiedlichen Fragestellungen porträtiert und so auf unterhaltende Weise deutlich macht, welches die Tugenden des Feuilletons waren.</p>
<p>Nimmt man diese Tugenden in den Blick, wird auch klar: zwar ist der Feuilletonjournalismus in der Printpublizistik tot, aber seine Tugenden leben: Zumindest ein Teil der heutigen Netzpublizistik kann als wieder auferstandener «Journalismus unter dem Strich» angesprochen werden. Dass er vorderhand schlecht geredet wird, hat nicht in jedem Fall mit seiner Qualität zu tun: Die gratis zur Verfügung gestellte Netzpublizistik bedroht die zwar professionell gemachten, aber zunehmend einfach gestrickten und PR-infiltrierten Print-Kulturteile existentiell. Von Jahr zu Jahr mehr gilt: «Unter dem Strich» wird die Welt online vielfältiger und origineller gesehen als in den Zeitungen.</p>
<p><small><strong>Stefanie Leuenberger, Dominik Müller, Corinna Jäger-Trees, Ralph Müller (Hg.):<a href="http://www.chronos-verlag.ch/php/book_latest-new.php?book=978-3-0340-1356-7&amp;type=Kurztext" target="_blank"> Literatur und Zeitung</a>. Fallstudien aus der deutschsprachigen Schweiz von Jeremias Gotthelf bis Dieter Bachmann. Zürich (Chonos-Verlag) 2016, 284 Seiten, 48.-</strong>. Mit Beiträgen über Gotthelf (Ruedi Graf), Carl Albert Loosli (Dariusz Komorowski), Meinrad Inglin (Daniel Annen), Max Frisch (Daniel Foppa), Hedi Wyss (Vesna Kondrič Horvat), Dieter Bachmann (Magnus Wieland), Robert Walser (Peter Utz), Emmy Hennings (Christa Baumberger), Annemarie Schwarzenbach (Gonçalo Vilas-Boas), Hansjörg Schneider (Ulrich Weber), Arnold Kübler/Zürcher Illustrierte (Simone Wichor), Feuilleton der National-Zeitung (Bettina Braun), Friedrich Dürrenmatt (Ralph Müller / Franziska Thiel), Otto F. Walter (Rosmarie Zeller), Hermann Burger (Elias Zimmermann) und Niklaus Meienberg (Peter Rusterholz).</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/01/31/wirklichkeiten-unter-dem-strich/">Wirklichkeiten unter dem Strich</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>«Une femme de lettre»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2013/09/22/une-femme-de-lettre/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2013/09/22/une-femme-de-lettre/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 22 Sep 2013 09:21:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Weltwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Niklaus Meienberg]]></category>
		<category><![CDATA[Aline Graf]]></category>
		<category><![CDATA[Jürg Ramspeck]]></category>
		<category><![CDATA[Sex]]></category>
		<category><![CDATA[Suizid]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Niklaus Meienberg und Aline Graf führten von 1984 bis zu seinem Tod 1993 eine Beziehung, die vor allem aus Sex und Gesprächen bestand. Das Buch von 1998, «Der andere Niklaus Meienberg &#8211; Aufzeichnungen einer Geliebten», wieder gelesen. Die viereinhalb Jahre nach dem Selbstmord von Niklaus Meienberg erschienenen Aufzeichnungen von Aline Graf sind mit Vorsicht zu <a href="https://medienwoche.ch/2013/09/22/une-femme-de-lettre/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Niklaus Meienberg und Aline Graf führten von 1984 bis zu seinem Tod 1993 eine Beziehung, die vor allem aus Sex und Gesprächen bestand. Das Buch von 1998, «Der andere Niklaus Meienberg &#8211; Aufzeichnungen einer Geliebten», wieder gelesen.<br />
<span id="more-15916"></span><br />
Die viereinhalb Jahre nach dem Selbstmord von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Niklaus_Meienberg">Niklaus Meienberg</a> erschienenen Aufzeichnungen von Aline Graf sind mit Vorsicht zu konsumieren, sie zeigen lediglich die eine Seite einer Beziehung auf. Doch sie wirken authentisch und lösen das Versprechen, einen «anderen Meienberg» zu zeigen, durchaus ein. Ein gieriger, brummliger, ernsthafter, egoistischer, bisweilen auch depressiver Meienberg. Was auch immer das Buch an nicht für die Öffentlichkeit bestimmten Enthüllungen bereit hält, kleingeistig oder kleinmütig wirkt Meienberg dabei nie. Nie geht es ihm um den Schein, immer um die Sache.</p>
<p>Ein Telefongespräch auf Seite 117 bringt die Beziehung der beiden auf den Punkt:</p>
<blockquote><p>Und weiter belehre ich ihn: «Moi je suis une femme de lettre, pour ça je ne peux pas te dire ce que je porte», M. lenkt sofort ein.</p></blockquote>
<p>Meienberg ruft Graf alle paar Tage, paar Wochen wieder an, auch mitten in der Nacht oder frühmorgens, fragt, was sie grade an habe und gibt dann bekannt, er komme in einer halben Stunde vorbei. Dann trinkt man und treibt es miteinander, öfters auch zweimal. Mehrfach zerreisst Meienberg dabei Grafs Unterwäsche, sie notiert ins Tagebuch, wie viel die Dessous jeweils gekostet haben &#8211; um sich wenige Seiten später über den Geiz Meienbergs auszulassen, der sie nie zum Essen einlädt und ihr nie etwas mitbringt. Sie konversieren auf Französisch oder Hochdeutsch, manchmal auch auf Englisch, ihm geht es um den Sex, ihr um die Gespräche, die Liebe, die Dichtkunst, das Leben und noch viel mehr, ein Drama zwischen zwei Menschen. Warum Meienberg sie immer wieder anruft? «Weil du so offen bist.» (S. 61).</p>
<p>«M.», wie sie ihn stets vielsagend nennt, will von ihr wissen, welche der Benennungen für den Geschlechtsverkehr sie am besten finden würde: «Bumsen, vögeln, ficken, nehmen etc.»; doch sie findet alle diese Ausdrücke «vulgär, abgegriffen, abgeschmackt und daneben» (S. 186). Aline Graf nutzt tatsächlich keine solchen Begriffe, sie schreibt von «frequentieren», «praktizieren», «Liebes-Angelegenheit», «Liebes-Gerangel» oder schreibt einfach nüchtern: «Nachdem die sexuelle Angelegenheit erledigt ist &#8230;» (S. 118).</p>
<p>Das Buch zeugt davon, wie zwei aneinander geraten können, und nicht wieder voneinander loskommen. Aus einer zufälligen Bekanntschaft in einem Nachtzug nach Paris wird für beide mehr, als sie sich selbst eingestehen wollen, eine Art gegenseitiges Suchtverhältnis. Graf über ihn (S. 403): «Mit gebrochener, abgrundtief depressiver Stimme fleht er mich an, ihn doch anzurufen &#8230;». Graf über sich (S. 97): «Ich beschliesse, zu einem Psychiater nach Rapperswil zu gehen, um von M. loszukommen». Ein halbes Jahr nach Erscheinen des Buchs <a href="http://lukesch.ch/Text98_28.htm">beklagt sie bitter</a>:</p>
<blockquote><p>Na wunderbar: Tote Männer sind also automatisch gute Männer. Nein, ich weigere mich, bei dieser ganzen verlogenen Tabuisierung von Tod und Selbstmord mitzumachen. Und ich halte auch nichts davon, aus Künstlern und Schriftstellern halbe Heilige zu machen, die Anrecht auf eine Sonderbehandlung haben. Meienberg war eine Person der Öffentlichkeit, und wenn eine solche Person moralisch verwerfliche Sachen macht und eine Frau acht Jahre lang in seiner Abhängigkeit hält, darf man das ja wohl schreiben.</p></blockquote>
<p>Waren die immer neuen Kontaktversuche von Meienberg moralisch verwerflich? Immerhin ist Graf auf diese stets aus freien Stücken eingegangen und hat auch selbst den Kontakt immer wieder aufgenommen. Während er ihr gegenüber bemerkenswert ehrlich war, hat sie ihn mit ihren heimlichen Notizen hintergangen und am Ende aus der Beziehung sogar künstlerisch und finanziell Kapital geschlagen. Ernsthafte Bemühungen, sich von ihm zu lösen, finden sich in den Aufzeichnungen erst 1991. Im Eintrag vom 13. Juni heisst es:</p>
<blockquote><p>Eigentlich ist mein Leben alles andere als abgeschlossen. Der Aufbruch findet erst statt. Meine Befreiung von M. ist das Grösste für mein Ich, wenn überhaupt etwas wichtig ist. Der bedeutendste Punkt in meinem Dasein.</p></blockquote>
<p>Ihrer Situation ist sie sich durchaus bewusst (S. 245/246):</p>
<blockquote><p>Er könnte mit tausend polnischen Krankenschwestern weggehen, ich hätte kein Recht, ihm etwas vorzuwerfen. Meine Eifersucht, die ich anderen immer vorhalte. Ich weiss, dass ich absolut kein Recht auf ihn habe. Trotzdem brennt sich dieses Gefühl wie ein Feuer-Schwert in mein Herz, in meine Eingeweide hinein, zerstört mich, zerstört mein Ich! Mein ganzes Selbstbewusstsein! Es macht mich schlechtweg «mad».</p></blockquote>
<p>Jedes Mal, wenn sie Konkurrentinnen wittert, gerät sie in eine Krise und reagiert unsouverän. Einer attestiert sie «zerbrechliche Geissen-Beinlein» (S. 167), über eine andere heisst es: «Sie ist so gross wie ich, aber das Unförmige sind bei ihr die Hüften, sie hat keine Hüften» (S. 146).</p>
<p>Um das Thema Selbstmord geht es öfters im Buch: «Ich bin stark suizidgefährdet», sagt Meienberg (S. 139). Und fragt sie (S. 211): «Was macht man gegen Depressionen?»:</p>
<blockquote><p>Ich frage M., wie sich diese Depressionen bei ihm auswirken würden, er gesteht, er sei dann gedanklich verwirrt, könne keinen klaren Gedanken fassen. Die letzten Tage hätte er als Ablenkung gelesen. Aber das gehe auch nicht endlos so weiter. Man könne nicht immer Zuflucht zum Lesen finden. Natürlich sei er dann zu gelähmt, um zu schreiben, sei zur Untätigkeit verdammt.</p></blockquote>
<p>Das Problem der Beziehung ist das Gefälle. Er, der immer berühmter werdende Schriftsteller und Journalist, sie, die 17 Jahre jüngere, vor der Öffentlichkeit versteckte, literarisch erfolglose. Meienberg gibt sich tatsächlich Mühe (oder behauptet das zumindest ihr gegenüber), ihre dichterische Arbeit mit seinen Kontakten zu fördern, doch die Redaktionen und Verlage reagieren nur immer mit höflichen Absagen und Ausweichmanövern. Selbst nach den verheerenden Reaktionen auf die Veröffentlichung und einem desaströsen <a href="https://www.youtube.com/watch?v=y9yWFS02VSU">Interview mit Roger Schawinski</a> gibt sich Graf <a href="http://www.lukesch.ch/Text98_28.htm">zuversichtlich</a>: «Das war mein erstes, noch relativ harmloses Buch. Aber die Öffentlichkeit wird mit mir rechnen müssen &#8211; da kommt noch einiges.» Selbst vom Literaturnobelpreis träumt sie öffentlich.</p>
<p><iframe width="460" height="345" src="//www.youtube.com/embed/y9yWFS02VSU" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Veröffentlicht wurde seither nichts mehr, Graf lebt zurückgezogen, zuletzt bekannt wurde <a href="http://www.meienberg.ch/aktuell/ueberbleibsel/archiv-ueberbleibsel/was-macht-eigentlich-aline-graf/index.html">2005</a>, dass sie als Übersetzerin arbeitet. In der Rezension des «Spiegel» (<a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-7892347.html">«Die Affäre der Einsamen»</a>) ist zu lesen, sie sei «bildungshungrig, prominentengeil und schutzbedürftig». Graf sieht diesen Text <a href="http://www.lukesch.ch/Text98_28.htm">so</a>:</p>
<blockquote><p>Vergessen Sie nicht: Sogar der «Spiegel» hat mein Buch wohlwollend besprochen. Das ganze war für mich eine hochinteressante Erfahrung, die mir viel über den Zustand der Schweiz offenbart hat.</p></blockquote>
<p>Das Ungleichgewicht zwischen Meienberg und ihr, aber auch zwischen den eigenen Vorstellungen und der Realität, muss verarbeitet werden. So entsteht das 800-seitige, handschriftliche Manuskript. Es landet bei Jürg Ramspeck, der es auf die Hälfte kürzt und dabei vor allem die erotischen Stellen kürzt, was erstaunt, strotzt das Tagebuch doch nur so von pikanten Passagen.</p>
<p>Ramspeck befindet sich bei der «Weltwoche» nach 14 Jahren in der Chefredaktion in bereits gekündigtem Zustand und muss noch ein paar Monate absitzen. Also kommt man auf die Idee, dass er das Buch als Lektor betreut. In drei Monaten tippt er das Manuskript druckfertig in den Computer ab und nimmt so auch am Schicksal von Graf teil: «Ich hatte nie das Gefühl, dass sie Meienberg niedermacht. Sie hat ihre Erlebnisse verarbeitet beim Niederschreiben.» Ramspeck betreute Meienberg als Redaktor bei der Weltwoche: «Er wollte ernstgenommen werden als Autor und Historiker und nicht angehimmelt werden von Leuten, die in ihm den Bürgerschreck sahen. Er wollte immer Gegenwind, er wollte jemand, der ihn kritisch liest und ihm auch kritische Rückmeldungen gibt.»</p>
<p>Die Ablehnung des Buchs durch die Medien ist so einhellig (Ausnahme: Yvonne-Denise Köchli in der «Weltwoche») und hämisch nicht gerechtfertigt. Sie entstammt grösstenteils dem Neid auf das eigensinnige Leben Meienbergs einerseits und der Schadenfreude über die «Rache» seiner heimlichen Geliebten andererseits. Oder ging es um echte Solidarität ihm gegenüber, der zur Veröffentlichung nichts mehr sagen konnte? Dann hätte man das Buch nicht herausgeben und diskutieren dürfen. Es scheint fast, als hätten sich damals einige daran ergötzt, des grossen Meienbergs privates Leben so aufgedeckt zu sehen.</p>
<p>Ob das eigenwillig aufgeschriebene und inhaltlich einzigartige Werk literarischen oder dokumentarischen Gehalt hat, ist fraglich. Doch die Literaturwissenschaft täte gut daran, Aline Grafs originale Aufzeichnungen einer Analyse zu unterziehen, sie sind vielleicht wertvoller, als viele glauben. Dem «Tages-Anzeiger» sagte sie 1999:</p>
<blockquote><p> Das Buch hat bei vielen Wut erzeugt. Der ganze Volkskörper Schweiz hat sich auf mich geworfen. Ein Minimum an Menschlichkeit wäre schön gewesen. Es ist doch gemein, dass Spiesser, die selbst nicht den Mut haben, persönliche Dinge zu nennen, so auf einen losgehen. Der Öffentlichkeit und den Medien fehlen einfach die emotionale Intelligenz, um meinen Fall zu begreifen.</p></blockquote>
<p><small>«Der andere Niklaus Meienberg &#8211; Aufzeichnungen einer Geliebten» (Weltwoche ABC Verlag, 1998, 422 Seiten).</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/09/22/une-femme-de-lettre/">«Une femme de lettre»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Der gefürchtete Bewunderte</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Fredi Lerch]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Sep 2013 08:44:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Todestag]]></category>
		<category><![CDATA[WOZ]]></category>
		<category><![CDATA[Niklaus Meienberg]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wer eng mit Niklaus Meienberg zusammengearbeitet hat, trägt zwiespältige Erinnerungen an den heute weitherum bewunderten Journalisten mit sich. So auch Fredi Lerch. Zehn Jahre lang kreuzten sich die Wege der beiden auf der WOZ-Redaktion. Erinnerungen an einen polarisierenden Polterer, der einem alles abverlangen konnte. Zuletzt, als er immer hektischer unterwegs war, um in der Weltpolitik <a href="https://medienwoche.ch/2013/09/19/der-gefuerchtete-bewunderte/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/09/19/der-gefuerchtete-bewunderte/">Der gefürchtete Bewunderte</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wer eng mit Niklaus Meienberg zusammengearbeitet hat, trägt zwiespältige Erinnerungen an den heute weitherum bewunderten Journalisten mit sich. So auch Fredi Lerch. Zehn Jahre lang kreuzten sich die Wege der beiden auf der WOZ-Redaktion. Erinnerungen an einen polarisierenden Polterer, der einem alles abverlangen konnte.<br />
<span id="more-15902"></span><br />
Zuletzt, als er immer hektischer unterwegs war, um in der Weltpolitik zum Rechten zu schauen, haben wir uns schliesslich aus den Augen verloren. Ich sass zuhause über Dokumenten zum Berner Nonkonformismus der Sechzigerjahre, als am Nachmittag des 22. September 1993 das Telefon läutete und der Kollege von der Berner WOZ-Aussenstelle, Urs Frieden, mitteilte, Niklaus habe sich umgebracht.</p>
<p>Als ich Meienberg im Winter 1982/83 kennenlernte, war er Korrespondent des «Stern» in Paris. Kam er in Zürich vorbei, dann gewöhnlich auch auf der WOZ-Redaktion. Die Zeitung war damals gerade ein gutes Jahr alt, galt als linksextrem, und Meienberg hat ihren Start vor seinem Weggang nach Paris mit regelmässigen Beiträgen unterstützt. So kam er jeweils herein: Raumfüllend von einer Sekunde auf die andere, das schmuddelige Jackett über die Schulter geworfen, voller Geschichten und Belehrungen, bewundernswürdig, bewundert. Hin und her gehend vor meinem Schreibtisch erteilte er mir eines Abends eine Privatvorlesung: «Lerch, wenn du schreiben willst, dann musst du zuerst eine Antwort haben auf die Frage, wem die Sprache gehört.» Die Frage hat mich danach jahrelang umgetrieben.</p>
<p>Im Herbst 1983 lebte er wieder in Zürich. Eines Tages kam er mit Otto F. Walters neuem Roman vorbei, «Das Staunen der Schlafwandler am Ende der Nacht». Schlecht sei dieser Text, schimpfte er, nicht recherchiert, ins Blaue hinaus fiktioniert, «sub-realistisch». Er setzte sich im Nebenraum an eine Schreibmaschine und als wir tags darauf zur Arbeit kamen, sass er zwischen überfüllten Aschenbechern und Manuskriptseiten voller durchgeschlagener Punkte und wilden Kugelschreiberkorrekturen. Der Text gab zu reden. «Organisiert eine Diskussion!», sagte er. Ich war bei denen, die organisierten. Gegen zwei Dutzend Autoren und Autorinnen äusserten sich schliesslich zur «Subrealismus»-These. Otto F. Walter schwieg lange verletzt, schliesslich aber, am 27. April 1984, kam er nach Zürich, um sich zur Diskussion mit Meienberg an einen Tisch zu setzen. Das Gespräch wurde Höhepunkt und Abschluss dieser «Realismusdebatte».</p>
<p>Langsam wurde mir allerdings klar, dass Meienberg nicht nur fabulierte, brillierte und charmierte, sondern auch intrigierte und diktierte. Die einen bewunderten ihn, die anderen fürchteten ihn. Aber Kollege war er niemandem. Im Januar 1987 kritisierte ich ihn in einer WOZ-Kolumne: Statt die prekäre kulturelle Identität der ausserparlamentarischen Linken zu stärken, mache sich Meienberg mit seinen Artikeln zunehmend zum Don Quichotte im Kampf mit den «Abziehbildchen des Zürcher Establishments» – die WOZ diene ihm als Rosinante. Kritik an der edelsten Firmenfeder im eigenen Blatt? Es gab Streit. Man strich den entsprechenden Abschnitt in meinem Text. Das tat Meienbergs Empörung, als er ihn zu Gesicht bekam, keinen Abbruch: «Lieber Lerch (…) bist Du stolz, dass Du es kalten Arsches diesem Meienberg gesagt hast? Es wäre gratis-Stolz, weil keine Argumentation dahintersteckt, sondern Ressentiment-Rülpser und schlecht riechende Eifersüchteleien.»</p>
<p>In ihrer Meienberg-Biografie von 1999 schreibt Marianne Fehr: «In den nächsten paar Wochen herrscht dicke Luft auf der Redaktion. Diejenigen, die Meienbergs informell starke Position schon längere Zeit beargwöhnten, bekämpften die ‘Meienberg-Fraktion’ und umgekehrt.» Ich fühlte mich damals vom WOZ-Kollektiv zensuriert, von Meienbergs Anwürfen verletzt und vom nachfolgenden Konflikt als Kollektivmitglied bedroht. Seither traute ich diesem Vorbild nicht mehr über den Weg. Als er Anfang 1990 mit Telefon und Telefax von der WOZ-Redaktion aus den Golfkrieg verhindern wollte, gehörte ich zu jenen, die mit Spott und Häme nicht geizten. Dafür schäme ich mich heute.</p>
<p>Ich bin sicher: Nach dem Anruf von Urs Frieden war da zuerst weder Bestürzung, Trauer noch die Enttäuschung, dass der gefürchtete Bewunderte sich so aus der Welt schlich – da war nichts als Ratlosigkeit. Manchmal, wenn ich nach einem empörenden Ereignis die üblichen windelweichen Zeitungskommentare lese, denke ich: Was würde Meienberg jetzt sagen? Dass mir seine Stimme wichtig blieb und manchmal fehlt, kann ich hier trotzdem nur deshalb schreiben, weil es ihn nicht mehr gibt.</p>
<p><small>Der vorliegende Text wurde erstmals 2003 im «Kleinen Bund» veröffentlicht.</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/09/19/der-gefuerchtete-bewunderte/">Der gefürchtete Bewunderte</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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