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	<title>Res Strehle | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
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		<title>Auch gute Nachrichten sind Nachrichten</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/09/06/auch-gute-nachrichten-sind-nachrichten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 06 Sep 2015 12:14:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Tages-Anzeiger]]></category>
		<category><![CDATA[Res Strehle]]></category>
		<category><![CDATA[konstruktiver Journalismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Fünf Gründe, warum der «Tages-Anzeiger» künftig zu Wochenbeginn einen lösungsorientierten Beitrag publiziert.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Fünf Gründe, warum der «Tages-Anzeiger» künftig zu Wochenbeginn einen lösungsorientierten Beitrag publiziert.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/09/06/auch-gute-nachrichten-sind-nachrichten/">Auch gute Nachrichten sind Nachrichten</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Die Konzern-Chefredaktoren</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/03/04/die-konzern-chefredaktoren/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 04 Mar 2015 16:01:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Bruno Schletti]]></category>
		<category><![CDATA[Chefredaktor]]></category>
		<category><![CDATA[Abhängigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Tages-Anzeiger]]></category>
		<category><![CDATA[Einfluss]]></category>
		<category><![CDATA[Tamedia]]></category>
		<category><![CDATA[Roger Köppel]]></category>
		<category><![CDATA[Res Strehle]]></category>
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		<category><![CDATA[Unabhängigkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Kandidatur von Roger Köppel als SVP-Nationalrat stellt die Frage nach seiner Unabhängigkeit als Journalist. Doch wie unabhängig sind die Chefredaktoren der grossen Medienkonzerne? Die Medienkrise hat dazu geführt, dass bei den grossen Verlagen nur noch Journalisten in Führungspositionen kommen, die bereit sind, in erster Linie die Interessen ihres Arbeitgebers verfolgen und verteidigen. Die Einnahmenkrise <a href="https://medienwoche.ch/2015/03/04/die-konzern-chefredaktoren/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Kandidatur von Roger Köppel als SVP-Nationalrat stellt die Frage nach seiner Unabhängigkeit als Journalist. Doch wie unabhängig sind die Chefredaktoren der grossen Medienkonzerne? Die Medienkrise hat dazu geführt, dass bei den grossen Verlagen nur noch Journalisten in Führungspositionen kommen, die bereit sind, in erster Linie die Interessen ihres Arbeitgebers verfolgen und verteidigen.<br />
<span id="more-23819"></span><br />
Die Einnahmenkrise vieler Medien hat es Journalisten, auch guten, sehr schwierig gemacht, in Führungspositionen aufzusteigen. Erstens haben die aktuellen Amtsinhaber Sitzfleisch, freiwillig geht kaum je einer. Zweitens ist der Weg nach oben verbunden mit dem Eingehen eines Pakts der erhöhten Loyalität dem Arbeitgeber gegenüber. Das Geld in den Grossverlagen wird je länger, je mehr mit journalismusfernen Produkten verdient, und da sind die geschäftlichen Interessen des Arbeitgebers vor allem anderen zu wahren. Wer zahlt, befiehlt. Und wer nur noch oder erst wenig verdient, empfängt den Befehl und führt ihn aus.</p>
<p>Wie macht sich das in der Praxis bemerkbar? Ex-Tagi-Wirtschaftsredaktor Bruno Schletti wirft <a href="http://www.edito.ch/de/2015/03/02/keine-motivation-mehr-fuer-den-tagi/">auf Edito.ch</a> Tagi-Chefredaktor Res Strehle vor, er habe nach einer Intervention aus dem Umfeld der Credit Suisse einen Artikel von ihm unterdrückt. «Ich habe meine Kritik Strehle gegenüber direkt formuliert. Er hat zugehört und nichts geantwortet – keine Reaktion.» Auch gegenüber Edito.ch schweigt Strehle, lediglich Unternehmenssprecher Zimmer antwortet, der Artikel sei «aufgrund der zu dünnen Belege und der Vermischung von Fakten und Meinungen» nicht erschienen.</p>
<p>Strehle, der selbst reihenweise Leute entliess oder in die Frühpensionierung verabschiedete, wird über seine Pensionierung hinaus für den Tages-Anzeiger arbeiten. Seine Nachfolge im Frühjahr 2016 wurde bereits jetzt, ein Jahr vorher, geregelt. Die Wahl fiel auf einen, der bereits einen Job hat, den «Sonntagszeitung»-Chefredaktor Arthur Rutishauser. Die Betrauung von Rutishauser mit dieser Doppelbelastung ist ein Affront für alle ambitionierten Journalisten im Haus Tamedia und darum herum. Denn es gibt offenbar nicht eine Frau und nicht einen Mann, den man mit der Leitung dieser Zeitung hätte betrauen können. Natürlich ist dem nicht so, vielmehr geht es der Tamedia-Leitung um die Kontrolle über die Redaktionen, zudem hat Rutishauser bei der «Sonntagszeitung» bewiesen, dass er ein Sparprogramm im Sinne der Firma durchziehen kann. Der Entscheid muss als vorausschauend eingestuft werden, denn mit einer Fusion der beiden Titel ist durchaus zu rechnen. Journalistisches bei Tamedia wird immer häufiger zusammengefügt, kleiner gemacht und am Ende geschlossen. Derweil Hunderte Millionen Franken für Kleinanzeigenportale ausgegeben werden, die man selbst aufzubauen verpasst hat.</p>
<p>Dass sich Res Strehle gar keinen kritischen Fragen mehr stellt, ist aber nicht wahr. <a href="http://www.persoenlich.com/news/medien/tages-anzeiger-frauenfoerderung-ist-schwieriger-als-angenommen-323325#.VPbERHYWcyE">Er gibt Auskunft</a>, wie es aussieht mit der Umsetzung der <a href="http://www.persoenlich.com/sites/default/files/Stauffacher-Deklaration.pdf">«Stauffacher-Deklaration»</a>, die vorsieht, bis Mitte 2016 beim Tagi einen Frauenanteil von 30 Prozent zu erreichen. Nicht so gut, lautet die Antwort. Aber das Problem wird dann sowieso Nachfolger Rutishauser erben. Und der wird das Thema wieder ganz neu beurteilen dürfen. Statt dass ambitionierte Frauen in Führungspositionen gehievt werden, erhalten sie mutmasslich bedeutungslose Absichtserklärungen. Und für ambitionierte Männer sieht es eher noch schlechter aus, wie Strehle gegenüber Persoenlich.com mitteilt: «Einzelne Kollegen verliessen den Tagi, weil sie sich bewusst wurden, dass sie in naher Zukunft nicht weiter aufsteigen können. Wenn ein Kollege zu mir kommt und fragt: ‹Wo bin ich in drei Jahren?›, dann kann ich ihm nichts versprechen, denn in einzelnen Funktionen hier sind die Frauen nach wie vor deutlich untervertreten, in der Tagesleitung zum Beispiel. Gäbe es diese Stauffacher-Deklaration nicht, die ich unterschrieben habe und weiterhin unterstütze, wären wir zweifellos flexibler.»</p>
<p>Die <a href="http://www.tamedia.ch/de/unternehmen/organisation/unternehmensleitung/">wie Klone in schwarzen Anzügen</a> auftretenden Herren der Tamedia-Unternehmensleitung fahren eine Strategie der Zermürbung. Weil sie die negativen Schlagzeilen über Massenentlassungen scheuen, demoralisieren sie ihre Mitarbeiter, wo es nur geht, vor allem die teuren mit den guten Verträgen. So geht, wer immer es sich leisten kann oder es nicht mehr aushält, freiwillig. Wer schon jemals beobachtet hat, wie eine Wohnungsverwaltung vorgeht in einem Boombezirk mit alteingesessenen Mietern, kennt das Prinzip. Wenn die Heizung nicht mehr funktioniert und das Fenster nicht mehr repariert wird, geht irgendwann auch der Renitenteste. Keine Frage, Wandel ist notwendig. Es müssen sich einfach alle bewusst sein, dass es ein Wandel auf Kosten des Journalismus ist.</p>
<p>Der Chefredaktor des Grosskonzern-Medientitels ist je länger je weniger ein Journalist, sondern ein Verlagsvertreter. Bewertet wird seine Leistung nicht mehr nach journalistischen Gesichtspunkten, sondern nach Restrukturierungsleistungen und Loyalitätsdemonstrationen. Wer ist nun gefährlicher für das freie Wort? Ein Chefredaktor, der parteiisch ist? Oder ein Chefredaktor, der in erster Linie den Verlagsinteressen dient? Ideal wäre ein Chefredaktor, der absolut frei von Interessen schreibt und schreiben lässt, was Sache ist. Aber so einer benötigt die völlige Freiheit von Geldsorgen und Beziehungsabhängigkeiten &#8211; vollumfänglich ist das nur in der Theorie der Fall.</p>
<p>Die Vermögenden könnten solche Journalisten problemlos finanzieren, wenn sie denn wollten, denn Geld gibt es nun wirklich nicht zu wenig in der Schweiz. Doch an einem ergebnisoffenem Journalismus sind viele von ihnen nur bedingt interessiert. Lieber sind ihnen Journalisten, die direkt ihren Interessen dienen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/03/04/die-konzern-chefredaktoren/">Die Konzern-Chefredaktoren</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Märtyrer für die freie Meinung</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/01/08/maertyrer-fuer-die-freie-meinung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 07 Jan 2015 22:34:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[tagesanzeiger.ch]]></category>
		<category><![CDATA[Satire]]></category>
		<category><![CDATA[Charlie Hebdo]]></category>
		<category><![CDATA[Meinugsfreiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Leitartikel]]></category>
		<category><![CDATA[Res Strehle]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Attentat auf das Satiremagazin «Charlie Hebdo» richtet sich gegen das freie Wort und Bild. Die Medien werden sich davon nicht einschüchtern lassen.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Attentat auf das Satiremagazin «Charlie Hebdo» richtet sich gegen das freie Wort und Bild. Die Medien werden sich davon nicht einschüchtern lassen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/01/08/maertyrer-fuer-die-freie-meinung/">Märtyrer für die freie Meinung</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Chefs mit weisser Weste</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2014/09/16/chefs-mit-weisser-weste/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Sep 2014 07:36:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Geri Müller]]></category>
		<category><![CDATA[Schweiz am Sonntag]]></category>
		<category><![CDATA[Verlegerkongress]]></category>
		<category><![CDATA[Markus Spillmann]]></category>
		<category><![CDATA[Patrik Müller]]></category>
		<category><![CDATA[Norbert Neiniger]]></category>
		<category><![CDATA[Res Strehle]]></category>
		<category><![CDATA[NZZ]]></category>
		<category><![CDATA[Tages-Anzeiger]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Chefredaktoren fünf führender Zeitungen diskutierten in Interlaken über ihre Verantwortung für die Privatsphäre von Politikern und Sekretärinnen. Dabei war wenig Selbstkritik zu hören.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Chefredaktoren fünf führender Zeitungen diskutierten in Interlaken über ihre Verantwortung für die Privatsphäre von Politikern und Sekretärinnen. Dabei war wenig Selbstkritik zu hören.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/09/16/chefs-mit-weisser-weste/">Chefs mit weisser Weste</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<item>
		<title>Ohne Not direkt in den Fettnapf</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2013/02/22/ohne-not-direkt-in-den-fettnapf/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 22 Feb 2013 12:03:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Terrorismus]]></category>
		<category><![CDATA[Res Strehle]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Weltwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Markus Wiegand]]></category>
		<category><![CDATA[Schweizer Journalist]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Überraschende Wendung in der Affäre Weltwoche/Strehle: Der angegriffene Tages-Anzeiger-Chefredaktor meldet sich in der aktuellen Ausgabe des «Schweizer Journalist» zu Wort. Viel sagt er nicht, dafür Entscheidendes. Was tut einer, wenn er nichts sagen will? Er schweigt. Was macht Res Strehle, wenn er nichts sagen will? Er redet trotzdem. Das ist nicht die einzige Eigentümlichkeit an <a href="https://medienwoche.ch/2013/02/22/ohne-not-direkt-in-den-fettnapf/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Überraschende Wendung in der Affäre Weltwoche/Strehle: Der angegriffene Tages-Anzeiger-Chefredaktor meldet sich in der aktuellen Ausgabe des «Schweizer Journalist» zu Wort. Viel sagt er nicht, dafür Entscheidendes.<br />
<span id="more-31168"></span><br />
Was tut einer, wenn er nichts sagen will? Er schweigt. Was macht Res Strehle, wenn er nichts sagen will? Er redet trotzdem. Das ist nicht die einzige Eigentümlichkeit an einem Interview, das der Tages-Anzeiger-Chefredaktor dem Branchenmagazin «Schweizer Journalist» gewährt hat.</p>
<p>Strehle sieht sich seit zwei Wochen heftigen Vorwürfen der Weltwoche ausgesetzt. Das Blatt rückte Strehle in die Nähe von Terroristen und verlangt von ihm eine Erklärung zu seinen früheren politischen Positionen. Bisher zog es der Angegriffene vor zu schweigen. Der Weltwoche gegenüber wollte er sich nicht äussern. Nur im Tages-Anzeiger hielt er auf <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Der-TAChefredaktor-und-die-Kampagne/story/30974390?track" target="_blank">ein paar Zeilen</a> fest, was er von der Berichterstattung der Weltwoche zu seiner Person hält: realitätsferner Kampagnejournalismus, auf den er wenn schon mit rechtlichen Mitteln zu reagieren gedenke.</p>
<p>Umso überraschender, dass es sich Strehle nun doch <a href="https://medienwoche.ch/2013/02/18/bereue-suender/" target="_self">anders überlegt</a> hat. Selbst Markus Wiegand, Chefredaktor «Schweizer Journalist», der mit Strehle gesprochen hat, weiss nicht, was den Tages-Anzeiger dazu bewogen hat, das Schweigen zu brechen. Seiner Sache so ganz sicher scheint sich Strehle aber nicht zu sein. Die längste Zeit erklärt er im Interview, weshalb er nicht den «hässlichen Teppich der Unterstellungen» betreten wolle, den die Weltwoche für ihn ausgelegt hat. So weit, so konsistent.</p>
<p>Doch plötzlich kommt Strehle auf jenen Punkt zu sprechen, der ihm die Weltwoche unter die Nase gerieben hatte: die Gewaltfrage. Autorisierter O-Ton Strehle: «Es gibt auf die Gewaltfrage nicht nur eine apodiktische Antwort: ja oder nein. Die Skala zwischen der Gewaltfreiheit eines Dalai Lama und dem militärischen Weg der kurdischen Arbeiterpartei PKK oder dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus ist breit. Es wäre interessant zu diskutieren, was in welcher historischen Situation mehr Erfolg verspricht.»</p>
<p>Das hätte Strehle, zumindest zu diesem Zeitpunkt und in dieser Kürze, besser bleiben lassen. Nun tritt er ohne Not in einen Fettnapf. In seine knapp gefasste Aussage lässt sich vieles hineininterpretieren. Wer ihn, wie die Weltwoche, in die Nähe von politischen Gewalttätern gerückt hat, wird in dieser Aussage selbstverständlich die Bestätigung dafür sehen, dass Strehle bis heute politische Gewalt gutheisst. Näher an der Realität wäre freilich die Lesart, dass es Strehle zuerst einmal interessant findet, über das Phänomen der politischen Gewalt in Vergangenheit und Gegenwart zu debattieren.</p>
<p>Auch mit der folgenden Antwort begibt sich Strehle genau dorthin, wo ihn die Weltwoche haben wollte, er aber eigentlich gar nicht hingehen wollte: Strehle findet Worte des Bedauerns für sein früheres Agieren. Er bedaure, dass es Zeiten gegen habe, «in denen ich dogmatisch war und ideologisch argumentierte». Umso irritierender mutet es an, wenn Strehle gleichzeitig den «Kampagnejournalismus» der Weltwoche geisselt und nicht merkt, dass er ihn mit seinen Antworten geradezu neu befeuert.</p>
<p>Das Interview, zumindest die erste beiden Seiten, ist ein Dokument missglückter Krisenkommunikation. Es zeigt, dass Journalisten, wenn sie sich selbst mit heftigen Vorwürfen konfrontiert sehen, die gleichen Fehler machen, wie die Akteure, die ihnen mit Tritten ins Fettnäpfchen den willkommenen Stoff für die Berichterstattung liefern.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/02/22/ohne-not-direkt-in-den-fettnapf/">Ohne Not direkt in den Fettnapf</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Bereue, Sünder!</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2013/02/18/bereue-suender/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 Feb 2013 12:05:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Roger Köppel]]></category>
		<category><![CDATA[Tages-Anzeiger]]></category>
		<category><![CDATA[Terrorismus]]></category>
		<category><![CDATA[Res Strehle]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wenn Res Strehle die ihm von der Weltwoche vorgehaltene einstige Nähe zu Terroristen nicht kommentieren will, ist das nachvollziehbar und verständlich. Eine Stellungnahme käme zum jetzigen Zeitpunkt einem Unterwerfungsakt gleich. Aber Aussitzen hilft nicht ewig. Denn nicht nur politisch anders Gesinnte haben Fragen zu den verblüffenden Wendungen in Strehles Biografie. Was sagt eigentlich der Betroffene <a href="https://medienwoche.ch/2013/02/18/bereue-suender/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/02/18/bereue-suender/">Bereue, Sünder!</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn Res Strehle die ihm von der Weltwoche vorgehaltene einstige Nähe zu Terroristen nicht kommentieren will, ist das nachvollziehbar und verständlich. Eine Stellungnahme käme zum jetzigen Zeitpunkt einem Unterwerfungsakt gleich. Aber Aussitzen hilft nicht ewig. Denn nicht nur politisch anders Gesinnte haben Fragen zu den verblüffenden Wendungen in Strehles Biografie.<br />
<span id="more-31166"></span><br />
Was sagt eigentlich der Betroffene selbst? Ist er inzwischen geläutert oder wirkt die einstige Sympathie für den sogenannten Linksterrorismus bis heute nach? Res Strehle als schlafende revolutionäre Zelle an der Spitze des Tages-Anzeigers? Antworten auf diese Fragen fordert die Weltwoche. In den beiden letzten Ausgaben leuchtet das Magazin das frühere persönliche und politische Umfeld des Journalisten aus und förderte mehr und weniger Bekanntes zutage. Strehle bevorzugte es zu schweigen. Weder zu den Ergebnissen der Recherche wollte er Stellung nehmen, noch nahm er das Angebot an, auf die Vorwürfe mit einem eigenen Artikel in der Weltwoche zu reagieren. Auch die Anfragen anderer Medien lehnte er bisher ab. Das Einzige, was der Tagi-Chefredaktor bisher dazu geschrieben hat, sind <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Der-TAChefredaktor-und-die-Kampagne/story/30974390" target="_blank">ein paar Zeilen im eigenen Blatt</a>; nichts von Substanz, sondern eine pauschale Zurückweisung des «politischen Kampagnejournalismus», als den er die Weltwoche-Berichterstattung zu seiner Person bezeichnet und eine Ankündigung, rechtliche Schritte zu prüfen.</p>
<p>Inzwischen sind zehn Tage vergangen, seit die Weltwoche erstmals die Vergangenheit Strehles aufs Tapet gebracht hat und es sieht nicht danach aus, als ob der Kritisierte sein Schweigen brechen würde. Das ist verständlich und nachvollziehbar. Aus mehreren Gründen.</p>
<ul>
<li><span style="font-size: 13px; line-height: 19px;">Wo Strehle politisch steht, dokumentiert er mit seinen Artikeln <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/stichwort/autor/res-strehle/s.html" target="_blank">als Journalist seit Jahr und Tag</a>. Daraus wäre in keiner Weise erkennbar, dass für ihn die revolutionären Organisationen, deren politisches Handeln er vor Jahrzehnten verständnisvoll kommentiert hatte, für ihn heute noch einen positiven Bezugspunkt darstellten; sein politisch-publizistischer Standpunkt befindet sich heute klar innerhalb der Schranken des freiheitlich-demokratischen Rechtsstaats.</span></li>
<li><span style="font-size: 13px; line-height: 19px;">Eine öffentliche Distanzierung von seinem früheren Schreiben und Handeln (wobei sich dessen Rechtswidrigkeit auf eine Verhaftung nach einer Hausbesetzung anno 1984 beschränkt), wie sie etwa <a href="http://www.weltwoche.ch/die-weltwoche/details/article/hervorragende-ausgangslage-kopie-1.html" target="_blank">Roger Köppel verlangt</a>, würde Strehle als reuigen Sünder erscheinen lassen: Ich krieche zu jenem Kreuze, das die Weltwoche für mich aufgestellt hat; ein unwürdiger Unterwerfungsakt, der beim jetzigen Stand der Dinge in keiner Weise erkenntnis- und gewinnbringend zur Diskussion über den Wandel linker Biografien beitragen könnte.</span></li>
<li><span style="font-size: 13px; line-height: 19px;">Mit dem Polizeifoto auf dem Titelbild, das Strehle nach der erwähnten Hausbesetzung zeigt, lieferte die Weltwoche ein willkommenes Argument, um die Redlichkeit der Recherche als Gesamtes in Zweifel zu ziehen. Strehle zielt in seiner Stellungnahme denn auch direkt darauf ab. Damit wiederholt sich <a href="https://medienwoche.ch/2012/04/12/in-der-pose-des-missverstandenen/" target="_self">ein bekanntes Muster</a>: Bei an und für sich diskutablen Phänomenen fährt die Weltwoche vermehrt mit dem Holzhammer ein. Sei es beim umstrittenen Roma-Cover oder dem «Fahndungsplakat» mit den irrenden Professoren. Das ist nicht «schrieben, was ist», sondern hinbiegen, bis es uns passt. Dass ein provokantes Bild die Diskussion prägt und von ihrem intendierten Kern ablenkt, darf niemanden überraschen, die Weltwoche zuletzt.</span></li>
</ul>
<p>Aussitzen geht aber nicht ewig.  Als Chefredaktor, Journalist und Publizist stehen Strehle alle möglichen Plattformen zur Verfügung. Die muss er irgendwann nutzen, um Fragen zu beantworten, die nicht nur politisch anders Gesinnte stellen, wie die Weltwoche oder SVP-Politiker. Auch sein näheres und weiteres persönliches Umfeld wundert sich bisweilen, wie es Strehle scheinbar mühelos gelingt, als Journalist eine bürgerliche Karriere hinzulegen und gleichzeitig als «intellektueller Vordenker der Zürcher Autonomen» <a href="http://www.woz.ch/0915/medien/gewissen-leuten-verzeiht-man-nicht-einmal-den-tod" target="_blank">(WOZ)</a> engen Kontakt zu linksradikalen Kreisen zu pflegen.</p>
<p>Wer seinen Werdegang auch nur aus der Ferne beobachtet, wundert sich nicht, dass ihm aus dieser Doppelrolle irgendeinmal ein Strick gedreht würde. Bisher war es ja so, dass die Medien mit einer Mischung aus Irritation und Faszination Strehles Spagat zwischen radikaler Politik und bürgerlicher Publizistik kommentierten. So etwa die NZZ am Sonntag, als sie vor vier Jahren feststellte: «Tatsächlich ist es schwierig, die Eindrücke und Fakten zu einem einheitlichen Bild zusammenzufügen.» Nachdem die Weltwoche nun Strehles Vergangenheit skandalisiert hat, erwarten auch ehemalige Weggefährten, wie der <a href="http://gtrepp.blogspot.ch/2013/02/fall-strehle-wird-auch-zum-fall-koppel.html" target="_blank">Wirtschaftspublizist Gian Trepp</a>, eine Reaktion: «Auf Strehles Antwort darf man gespannt sein», schrieb Treppe jüngst in seinem Blog.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/02/18/bereue-suender/">Bereue, Sünder!</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Sorry? Not me.</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2013/02/18/sorry-not-me/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 Feb 2013 10:50:05 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Die Debatte um die Vergangenheit von Res Strehle zeigt, wo es harzt in den Schweizer Medienbetrieben. Weil es keine Kultur des Eingestehens von Fehlern gibt, hat die offene Kritik einen schweren Stand. Während eigenes Fehlverhalten nachsichtig behandelt wird, werden anderen selbst kleinste Vergehen noch nach Jahren vorgehalten. Was ist denn so schwierig daran, Verfehlungen einzugestehen, <a href="https://medienwoche.ch/2013/02/18/sorry-not-me/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Debatte um die Vergangenheit von Res Strehle zeigt, wo es harzt in den Schweizer Medienbetrieben. Weil es keine Kultur des Eingestehens von Fehlern gibt, hat die offene Kritik einen schweren Stand. Während eigenes Fehlverhalten nachsichtig behandelt wird, werden anderen selbst kleinste Vergehen noch nach Jahren vorgehalten. Was ist denn so schwierig daran, Verfehlungen einzugestehen, zu korrigieren, sich gegebenenfalls zu entschuldigen? Strehle darf nicht schweigen. Er muss sich erklären.<br />
<span id="more-31165"></span></p>
<div align="right"><small>It&#8217;s sad, so sad<br />
Why can&#8217;t we talk it over? Oh, it seems to me<br />
That sorry seems to be the hardest word<br />
<a href="http://www.youtube.com/watch?v=J2e4NlnLr28">Elton John, 1976</a></small></div>
<p></p>
<p>Andreas Strehle hatte schon mehrfach die Möglichkeit, seine politische und publizistische Vergangenheit zu thematisieren: Sei es im Buch <a href="http://www.echtzeit.ch/buecher.php?id=40">«Mein Leben als 68er»</a>, sei es im das Buch promotenden Artikel «68, aber lieb» im Tagi-Magi, sei es in einem Leitartikel nach dem Stellenantritt als Tagi-Chef, sei es in einem Essay, sei es in einem Gastbeitrag in einem anderen Blatt, zum Beispiel der WOZ. Doch Strehle schweigt bis heute. Er schweigt auch, wenn eine <a href="http://www.presseverein.ch/2013/02/res-publica/">Debatte</a> über seine Vergangenheit im Gang ist und sich doch einige fragen, ob er Gewalt auch heute, so wie früher, für ein legitimes Mittel des Klassenkampfes hält. Eine <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Der-TAChefredaktor-und-die-Kampagne/story/30974390">Stellungnahme</a>, die erklärt, keine Stellung nehmen zu wollen, ist keine Stellungnahme.</p>
<p>Weil Strehle schon viele Jahre keine Unterstützung für den bewaffneten Klassenkampf geäussert hat, ist zu vermuten, dass er diese Positionen heute nicht mehr vertritt. Es ist doch aber schon sehr wunderlich, wenn der Chefredaktor des Tages-Anzeigers nicht öffentlich erklären kann, wie er zum Thema Terrorismus stand und steht. Mindestens diese Information ist er der Öffentlichkeit schuldig, schliesslich führt er eine grosse, linksliberale Tageszeitung und ist nicht mehr bei einer kleinen linken Wochenzeitung angestellt. Der vor wenigen Tagen verstorbene taz-Redaktor Christian Semler könnte Strehle ein Vorbild sein: «Ich bin froh, dass wir nie die Macht in den Händen hatten – es wäre schlimm ausgegangen», <a href="https://www.taz.de/!110964/">sagte</a> der ehemalige Chef der maoistischen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kommunistische_Partei_Deutschlands_%28Aufbauorganisation%29">KPD-AO</a>.</p>
<p>Doch was ist mit den Kritikern? Ich selbst feierte in einem <a href="http://blog.ronniegrob.com/2010/03/02/tamedia-holt-martin-spieler-von-axel-springer-schweiz-als-neuen-chef-der-sonntagszeitung/">Blogtext 2010</a> die Auflagezahlen von Martin Spieler bei der Handelszeitung, bis ich merkte, dass der Gewinn aus den übernommenen Cash-Abos resultiert. Ein dummer Fehler, der den ganzen, eindeutig zu schnell geschriebenen Artikel in Frage stellt und den ich besser nicht veröffentlicht hätte. Wir machen alle Fehler. Die Weltwoche, die nun Strehle so eindringlich auffordert, Abbitte zu leisten, bezeichnet das breit kritisierte <a href="https://medienwoche.ch/2012/06/04/kaum-mittel-gegen-zweckentfremdung/">Roma-Cover</a> bis heute weder als Fehler noch als grosses Missgeschick. Wider besseren Wissens wird ein Zusammenhang behauptet zwischen dem Titelbild mit dem mit einer Waffe auf den Leser zielenden Jungen im Kosovo und den im Artikel behandelten Verbrecherbanden in der Schweiz.</p>
<p>Im Journalismus tut man sich schwer mit Korrekturen. Was verschwiegen werden kann, wird verschwiegen. Man entschuldigt sich, wenn es die Anwälte fordern, dann auch mal ganz gross auf der Titelseite, so wie <a href="http://netzwertig.com/2007/09/29/sorry-juerg-sorry-thomas-sorry-leser/">«Blick» 2007</a> bei Jürg Maurer, dem sogenannt «frechsten Pensionskassenverwalter der Schweiz». Auf rechtlichen Druck hin räumt auch ein Tages-Anzeiger selbstkritisch ein, dass Alexander Müller, mit dem Strehle Ende Januar überraschend ein <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Ich-erlebe-seit-letztem-Sommer-den-sozialen-Tod/story/11144999">zweiseitiges Interview</a> führte, «vorgängig zur Berichterstattung korrekt hätte angehört werden» hätte müssen: «Diese Interpretation ging zu weit», «das war unzutreffend», geht doch.</p>
<p>Schweigen hat lange ganz gut funktioniert. Doch in Zeiten des Internets gibt es auf lange Frist kein Pardon mehr, was falsche Fakten betrifft, das haben viele Journalisten immer noch nicht begriffen. Dabei hat doch, wer journalistisch seriös arbeitet, kein Problem, einen trotz aller Sorgfalt durchgerutschten Fehler zuzugeben.</p>
<p>Der Nachsicht den eigenen Unzulänglichkeiten gegenüber steht die harte Kritik von Journalisten an unliebsamen Politikern, denen auch noch die kleinsten Fehler haarklein und ewig nachgetragen werden. Als der damalige Bundesrat Christoph Blocher in seiner <a href="http://www.blocher.ch/artikel/agenda-2006/1dd10b2de755f9cd4e2babbb3008a120.html">Albisgüetli-Rede 2006</a> (nach eigener Aussage versehentlich) zwei mutmassliche Verbrecher als Verbrecher bezeichnet hatte, führte das zu einer Untersuchung der Geschäftsprüfungskommission des Ständerats (<a href="http://www.parlament.ch/d/dokumentation/berichte/berichte-aufsichtskommissionen/geschaeftspruefungskommission-GPK/berichte-2006/Documents/9051.pdf">Bericht als PDF-Datei</a>). Zur Sache veröffentlichten Schweizer Journalisten 2006 Hunderte, eher Tausende von Artikeln. Blocher entschuldigte sich öffentlich. Die GPK stellte fest, Blocher habe «mit seinen öffentlichen Verlautbarungen über die zwei betroffenen albanischen Flüchtlinge der Unschuldsvermutung nicht Rechnung getragen» und «zudem den Flüchtlingsstatus zweier in der Schweiz aufgenommener Personen missachtet». Nun ja, wenn so etwas bloss mal nie einem Journalisten passiert, wenn er sich öffentlich äussert.</p>
<p>Journalisten sind keine Götter, sondern Menschen. Auch sorgfältige Arbeiter machen Fehler &#8211; aus den verschiedensten Gründen: Unwissenheit, Unachtsamkeit, Zeitdruck, und so weiter. Es ist ein erfreulich unreglementiertes, freies Gewerbe, dem sich jeder, der sich dazu berufen fühlt, anzuschliessen versuchen darf. Allerdings stelle man sich nur mal vor, Atomphysiker, Ingenieure oder Mathematiker würden ebenso viele Fehler wie Journalisten machen und ebenso sorglos damit umgehen. Die Gesellschaft geht mit den Fehlern der Journalisten recht gnädig um, denn, <a href="https://medienwoche.ch/2012/06/25/ja-klar-interessiere-ich-mich-fuer-macht-was-gibt-es-dramatischeres/">so Constantin Seibt</a>: «Du wirst nicht für Deine Fehler in Erinnerung behalten, sondern für die Sachen, bei denen Du mal wirklich gut warst.» Das stimmt, und auch die Arbeitgeber sind tolerant: selbst angerichtete Schäden in der Höhe von mehreren hunderttausend Franken führen nicht zur Entlassung. Unter diesen Umständen zu arbeiten, ist eigentlich pures Glück. Um so einfacher müsste es doch sein, a) begangene Fehler einzugestehen, b) begangene Fehler öffentlich und transparent zu korrigieren, c) gegebenenfalls um Verzeihung zu bitten.</p>
<p>Erst aus einer Kultur des Fehler-Machens und des Fehler-Eingestehens kann auch eine Kultur des Kritik-Anbringens und des Kritik-Eingestehens entstehen. Eine Kultur, in der jedem und jeder eine gewisse Anzahl Fehler zusteht, die offen besprochen werden können, führt zu einer Kultur, die offene Kritik nicht nur aushält, sondern aktiv als Arbeitsinstrument verwendet. Offen ausgetragene Kritik ist zweifellos nicht immer angenehm, dafür oft lehrreich. Sie führt zu Verbesserungen.</p>
<p>Dagegen die Welt, in der Fehler nicht angesprochen werden, in der vordergründig immer alles super ist, selbst wenn die Dinge überhaupt nicht in Ordnung sind. Es geht je länger je weniger auf, eine Redaktionskultur des Verschweigens und Vertuschens zu pflegen und Blattkritiken des Hochjubelns und Selbstlobs zu zelebrieren, während im Internet jedermann nachlesen kann, welches Redaktionsmitglied welche Fehler gemacht hat. Gruppen, die sich auch noch für den übelsten Murks und das langweiligste Stück gegenseitig auf die Schulter klopfen, sind dem Untergang geweiht. Zurecht. Sie sollten Raum schaffen für kritischere Geister.</p>
<p>Es bleibt die Frage, ob Res Strehle klagen wird, und wenn ja, weswegen. Noch werden «alle rechtlichen Schritte» geprüft, «um in Zukunft eine korrekte Berichterstattung anzumahnen». Wem das wichtig ist und generell für engagierten Journalismus einsteht, hat kein Problem, selbst einen Schritt zu tun und so Transparenz und Klarheit zu schaffen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/02/18/sorry-not-me/">Sorry? Not me.</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Das Dilemma des Presserats</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2013/02/11/das-dilemma-des-presserats/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 11 Feb 2013 16:15:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Dominique von Burg]]></category>
		<category><![CDATA[Pranger]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Studer]]></category>
		<category><![CDATA[Presserat]]></category>
		<category><![CDATA[Res Strehle]]></category>
		<category><![CDATA[Weltwoche]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Dominique von Burg, Präsident des Schweizer Presserats, geht mit der Weltwoche hart ins Gericht: Die Titelseite mit den Polizeifotos von Res Strehle sei «unverhältnismässig», der Tagi-Chefredaktor an den Pranger gestellt. Das sei eine Vorverurteilung und schmälere die Glaubwürdigkeit der Beschwerdeinstanz, finden Journalisten. Der Presserat steckt in einem Dilemma. Deutliche Worte von Dominique von Burg gestern <a href="https://medienwoche.ch/2013/02/11/das-dilemma-des-presserats/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Dominique von Burg, Präsident des Schweizer Presserats, geht mit der Weltwoche hart ins Gericht: Die Titelseite mit den Polizeifotos von Res Strehle sei «unverhältnismässig», der Tagi-Chefredaktor an den Pranger gestellt. Das sei eine Vorverurteilung und schmälere die Glaubwürdigkeit der Beschwerdeinstanz, finden Journalisten. Der Presserat steckt in einem Dilemma.</strong></p>
<p>Deutliche Worte von Dominique von Burg <a href="http://www.sonntagonline.ch/ressort/medien/2784/" target="_blank">gestern im «Sonntag»</a>: «Es ist völlig unverhältnismässig, Res Strehle derart <a href="http://martinsteiger.ch/sharing/twitter/weltwoche_201306.pdf">an den Pranger zu stellen</a>, wie das die ‹Weltwoche› auf ihrer Frontseite getan hat. Für mich ist das nicht zulässig.» Ohne die Beratung des Presserats abzuwarten, kommt sein Präsident bereits zu einem klaren Schluss. Gut möglich, dass auch die beratenden Kammern zu einem ähnlichen Schluss kommen werden, sollte jemand eine Beschwerde gegen die Weltwoche einreichen oder der Presserat aus eigenem Antrieb den Fall aufgreifen. Noch ist es aber nicht so weit.</p>
<p>Dass von Burg ohne das übliche Prozedere abzuwarten einen möglichen künftigen Fall bewertet, wirft die Frage auf, ob der Presseratspräsident damit die Glaubwürdigkeit des Gremiums in Mitleidenschaft zieht. Wie unbefangen kann die Beschwerdeinstanz arbeiten, wenn der Vorsitzende schon mal den Tarif durchgegeben hat? Das habe sich gestern auch <a href="http://storify.com/nick_luethi/gesprach-mitchristophzimmer-schaerwords-thbenkoe-m" target="_blank">mehrere Journalisten gefragt</a>.</p>
<p>Dominique von Burg ist sich bewusst, dass er sich mit seinen wertenden Aussagen zur Berichterstattung der Weltwoche auf eine Gratwanderung begibt. Er habe sich gegenüber dem «Sonntag» als Privatperson geäussert, schreibt von Burg auf Anfrage. Dass sich die Rollen nicht sauber trennen lassen, ist ihm aber sehr wohl bewusst: «Sollte eine Beschwerde eingereicht werden, erkläre ich mich für befangen.» Das habe er in vergleichbaren Situationen auch schon gemacht. Auch Peter Studer, sein Vorgänger an der Spitze des Presserats, trat in vergleichbaren Situationen in den Ausstand; etwa beim Fall Blick/Borer, nachdem Studer in der «Arena» des Schweizer Fernsehens aufgetreten war.</p>
<p>Das Verhalten seines Präsidenten zeigt ein Dilemma auf, in dem der Presserat steckt: Einerseits ist es für die Branche ein Ärgernis, wenn das Expertengremium für Fragen der Medienethik erst Monate nach der Publikation eines umstrittenen Artikels Stellung nimmt. Andererseits kann der Eindruck der Befangenheit entstehen, wenn Vertreter des Gremiums aktuell intervenieren, ohne die Bearbeitung der Beschwerde abzuwarten. Für Dominique von Burg muss der Presserat diese Spannung aushalten. «Man würde es  nicht verstehen, wenn die Stimme des Presserats abwesend wäre in den medienethischen Diskussionen, solange sie sich entwickeln.»</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/02/11/das-dilemma-des-presserats/">Das Dilemma des Presserats</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
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		<title>Online-Journalisten bleiben zweitklassig</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2012/11/06/online-journalisten-bleiben-zweitklassig/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 06 Nov 2012 12:04:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Medienwandel]]></category>
		<category><![CDATA[Marco Boselli]]></category>
		<category><![CDATA[NZZ]]></category>
		<category><![CDATA[Online]]></category>
		<category><![CDATA[Tamedia]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Wälty]]></category>
		<category><![CDATA[Hansi Voigt]]></category>
		<category><![CDATA[Redaktionskultur]]></category>
		<category><![CDATA[Markus Spillmann]]></category>
		<category><![CDATA[Res Strehle]]></category>
		<category><![CDATA[20 Minuten]]></category>
		<category><![CDATA[Konvergenz]]></category>
		<category><![CDATA[Print]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nach NZZ und «20 Minuten» übernimmt auch beim Tages-Anzeiger ein Zeitungsmann die Leitung der konvergenten Redaktion. Obwohl alle Verlage wissen, dass die Zukunft der Zeitung im Netz liegt, vertrauen sie weiterhin auf Führungspersonal aus der Papierwelt. Die Entwicklung geht derzeit unaufhaltsam in eine Richtung. Ob Zeitungen, Radio oder Fernsehen – alle wollen sich konvergent aufstellen; <a href="https://medienwoche.ch/2012/11/06/online-journalisten-bleiben-zweitklassig/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Nach NZZ und «20 Minuten» übernimmt auch beim Tages-Anzeiger ein Zeitungsmann die Leitung der konvergenten Redaktion. Obwohl alle Verlage wissen, dass die Zukunft der Zeitung im Netz liegt, vertrauen sie weiterhin auf Führungspersonal aus der Papierwelt.<br />
<span id="more-11211"></span><br />
Die Entwicklung geht derzeit unaufhaltsam in eine Richtung. Ob Zeitungen, Radio oder Fernsehen – alle wollen sich konvergent aufstellen; die traditionellen Verbreitungskanäle verschmelzen zunehmend mit dem Internet. Entsprechend müssen Redaktionskompetenzen und -abläufe neu definiert werden. Gestern hat die Zürcher <a href="http://www.tamedia.ch/de/pressekontakt/medienmitteilungen/2012/pressrelease/res_strehle_uebernimmt_gesamtleitung_der_konvergenten_tages_anzeiger_redaktion" target="_blank">Tamedia bekanntgegeben</a>, mit welchem Spitzenpersonal ihr Flaggschiff Tages-Anzeiger die Herausforderungen der Konvergenz meistern soll. Mit Res Strehle übernimmt ein altgedienter Zeitungsmann die Gesamtleitung. Der bisherige Online-Chef, Peter Wälty, wird sein Stellvertreter. Damit wiederholt sich ein Vorgang, wie man ihn unlängst auch <a href="http://www.tamedia.ch/de/pressekontakt/medienmitteilungen/2012/pressrelease/20_minuten_online_und_pendlerzeitung_mit_vollstaendig_integrierter_redaktion_und_unter_einheitliche-1" target="_blank">bei «20 Minuten» beobachten konnte</a>. Auch hier  hat Print-Chefredaktor Marco Boselli das Rennen an die Spitze der konvergenten Redaktion gemacht. Anders als beim Tages-Anzeiger hat Tamedia für Online-Chef Hansi Voigt keine Verwendung mehr und lässt ihn ziehen. Auch bei der Konkurrenz sieht es nicht anders aus: Bei der NZZ leitet seit bald einem Jahr  Markus Spillmann, der frühere Zeitungschefredaktor, <a href="http://www.persoenlich.com/news/show_news.cfm?newsid=98827" target="_blank">die zusammengeführten Redaktionen</a>.</p>
<p>Von einem Trend zu sprechen wäre übertrieben. Bei jedem der drei Personalentscheide gibt es je spezifische Gründe und Erklärungen dafür, weshalb es ausgerechnet der Zeitungsmann an die Spitze geschafft hat und nicht ein Onliner. Dennoch lohnt sich ein Blick auf die strukturellen Gemeinsamkeiten:</p>
<ul>
<li>Verlage gehen in Zeiten des Umbruchs lieber auf Nummer sicher und entscheiden sich für das Bewährte und Vertrauten; Zeitung kennen sie, Online entpuppt sich immer wieder als eine terra incognita.</li>
<li>Konvergenz wird primär verstanden als Weiterführung des Zeitungsgeschäfts mit anderen Mitteln.</li>
<li>Den aktuellen Online-Führungskräften traut man entweder nicht zu, eine redaktionelle Gesamtorganisation zu leiten, oder glaubt, auf ihr Fachwissen verzichten zu können.</li>
<li>Jetzt zahlt sich das Versäumnis aus, in den letzten 15 Jahren den Online-Journalismus nur als notwendiges Übel geduldet und entsprechend wenig in die Förderung von Führungskompetenz investiert zu haben.</li>
</ul>
<p>Das richtige Rezept für eine erfolgreiche Umsetzung der Konvergenz kennt niemand. Mit Rückschlägen, Blockaden und Widerständen ist in jedem Fall zu rechnen. Denn die Verschmelzung von Print und Online, die von den Verlagen zu lange als zwei getrennte Welten positioniert wurden, wird nicht reibungslos über die Bühne gehen. Für das Konfliktmanagement spielt es im Prinzip keine Rolle, ob das Führungspersonal eine Vergangenheit in Zeitung oder Netz hat; eine der beiden Seite wird sich immer übergangen oder benachteiligt fühlen.</p>
<p>Dennoch hinterlassen die Entscheide, für die Leitung von konvergenten Redaktionen auf das Alte und nicht auf das Neue zu setzen, einen komischen Nachgeschmack. Versteht man die Konvergenz als den ersten Schritt in eine volldigitale Zukunft, dann wäre es nur folgerichtig, hierfür auch Personal mit der Führung zu betrauen, das sich mit der neuen Medienwelt auskennt. Das braucht auch nicht aus dem eigenen Haus zu kommen. Von gestandenen Zeitungsmachern darf keine übermässige Innovationsfreude erwartet werden, da sie mit den Entwicklungen und Gepflogenheiten der digitalen Nachrichtenproduktion nur beschränkt vertraut sind – wobei man sich natürlich gerne vom Gegenteil überraschen lässt.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/11/06/online-journalisten-bleiben-zweitklassig/">Online-Journalisten bleiben zweitklassig</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Unter dem Content-Diktator</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2011/12/02/unter-dem-content-diktator/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[René Worni]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 02 Dec 2011 14:47:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Wälty]]></category>
		<category><![CDATA[Tages-Anzeiger]]></category>
		<category><![CDATA[Tagi]]></category>
		<category><![CDATA[Tamedia]]></category>
		<category><![CDATA[Res Strehle]]></category>
		<category><![CDATA[Christoph Zimmer]]></category>
		<category><![CDATA[Michael Marti]]></category>
		<category><![CDATA[Newsnet]]></category>
		<category><![CDATA[Newsnetz]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Lieber arbeitslos als Redaktor beim Newsnetz: Das hört, wer mit Angestellten der Tamedia-Plattform für «Qualitätsjournalismus im Netz» spricht. Weil die Chefredaktion ihre Schreiberinnen und Schreiber durch den journalistischen Alltag peitscht, ist die Personalfluktuation rekordverdächtig hoch. Unter diesen Bedingungen bleibt die journalistische Qualität mitunter auf der Strecke. Solange die Zahlen stimmen, ist das für die Verantwortlichen <a href="https://medienwoche.ch/2011/12/02/unter-dem-content-diktator/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/12/02/unter-dem-content-diktator/">Unter dem Content-Diktator</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="alignleft" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2011/07/logo_newsnetz.jpg" alt="" width="120" height="115" /> Lieber arbeitslos als Redaktor beim Newsnetz: Das hört, wer mit Angestellten der Tamedia-Plattform für «Qualitätsjournalismus im Netz» spricht. Weil die Chefredaktion ihre Schreiberinnen und Schreiber durch den journalistischen Alltag peitscht, ist die Personalfluktuation rekordverdächtig hoch. Unter diesen Bedingungen bleibt die journalistische Qualität mitunter auf der Strecke. Solange die Zahlen stimmen, ist das für die Verantwortlichen kein Thema.<br />
<span id="more-28951"></span><br />
Seit dem Start der Onlineplattform Newsnetz sind die Arbeitsbedingungen für Journalistinnen und Journalisten belastend. Stellenwechsel und Abgänge gehören zur Tagesordnung. «Arbeitslose Journalisten gehen lieber stempeln, als bei Newsnetz zu arbeiten», sagen Ehemalige übereinstimmend. Vergangene Woche hatte das Medienportal persoenlich.com die aktuellen Abgänge von einer Redaktorin und vier Redaktoren zum Anlass genommen Chefredaktor Peter Wälty <a href="http://www.persoenlich.com/news/show_news.cfm?newsid=98738" target="_blank">nach den Gründen zu befragen</a>. Wältys Aussagen lösten auf der Redaktion von Tages-Anzeiger Online Kopfschütteln und Verärgerung aus. Man empfand sie – milde ausgedrückt – als beschönigend. «Das Interview ist ein Schlag ins Gesicht für jeden, der mal dort gearbeitet hat oder noch arbeitet», sagt ein Ehemaliger.</p>
<p>Wälty stellte im besagten Interview seine Redaktion als Talentschmiede dar, wo journalistisch unerfahrene Leute gefördert würden. Doch viele sind längst gestandene Berufsleute mit beachtlichem Leistungsausweis. Die Praktikantin wurde nicht aus Talentförderungsmotiven zur Lokalreporterin, sondern füllte lediglich eine freigewordene Lücke. Offenbar ist es nicht leicht, Leute für den Job zu finden. Laut mehreren übereinstimmenden Aussagen sei es in der Regel so, dass Leute nicht von der Konkurrenz abgeworben würden, sondern die erstbeste Gelegenheit packten, die Galeere Newsnetz zu verlassen. «Galeere» ist kein von der MEDIENWOCHE erfundenes Bild, sondern ein gängiges Synonym für die Arbeitsbedingungen beim Newsnetz.</p>
<p>Zwei Zahlenbeispiele für die hohe Personalfluktuation: Von den 40 Redaktorinnen und Redaktoren beim Start im August 2008, haben es lediglich zwölf Personen bis heute ausgehalten. Im Januar 2010, also vor dem Ausbau auf heute etwa 60 Redaktorinnen und Redaktoren (ohne Korrektorat, IT etc.), waren insgesamt 45 Leute auf der Redaktion. Von ihnen haben 25, also mehr als die Hälfte, das Boot verlassen. Und das trotz renommiertem Arbeitgeber Tamedia und schlechten Chancen auf dem Arbeitsmarkt.</p>
<p>Was sind die Gründe? Chefredaktor Wälty will mit Verweis auf das persoenlich.com-Interview, in dem er bereits alles zum Thema gesagt habe, keine weiteren Auskünfte geben. Stellung nimmt Tamedia-Unternehmenssprecher Christoph Zimmer: «Die Anforderungen, die Peter Wälty an sich und seine engagierte Redaktion stellt, sind hoch.» Das Team sei jedoch sehr motiviert und das Arbeitsklima keineswegs schlecht.</p>
<p>Res Strehle, Co-Chefredaktor des Tages-Anzeigers und einstiger Projektleiter des Newsnetz, fühlt sich für eine Beurteilung nicht kompetent: «Ich sehe zuwenig in die Arbeitsbedingungen hinein.» Wälty bestätigt im Interview auf persoenlich.com den hohen Druck auf seine Leute. Das liege jedoch in der Natur des Onlinejournalismus mit mehr als einem Publikationstermin täglich. Doch der Chefredaktor und sein Stellvertreter und Jugendfreund aus Aargauer Tagen, Michael Marti, trieben es auf die Spitze, sagen Newsnetz-Redaktoren übereinstimmend.</p>
<p>Wältys Redaktion schleudert täglich bis zu 20 Storys mit unzähligen Updates auf die Newsnetz-Frontseite. Das beginnt mit der Morgenschicht im Newsressort, wo man spätestens ab 7 Uhr schon die neuesten Updates und Zusammenfassungen von Ereignissen des Vortages lesen kann. Die letzte Schicht endet um Mitternacht. Der Job am Newsdesk aber auch im Lokalressort ist besonders anstrengend. «Ich habe Leute erlebt, die bis zu 14 Tage am Stück durchgearbeitet haben», sagt ein Ehemaliger. «Man kommt am Morgen und klebt dann den Rest des Tages am Bildschirm und am Telefon.» Das hohe Arbeitstempo lasse keine Sekunde, um sich mit Arbeitskollegen auszutauschen, eine eigentliche «Arbeitsstimmung» sei deshalb inexistent. «Manchmal hatte ich das Gefühl, wir schreiben bloss für sich langweilende News-Junkies, die alle halbe Stunde die Tagi-Site mit der Refreshtaste neu laden», sagt ein weiterer ehemaliger Redaktor.</p>
<p>Die Frontseite auf Tages-Anzeiger online wird so zum unübersichtlichen Durchlauferhitzer für Geschichten. Wie lange sie auf der Front bleiben, hängt einzig von den Zugriffszahlen ab. Mit zweifelhaften Folgen: Am Ende eines Wahltages etwa erfährt man auf der Newsnetz-Frontseite nicht mehr, wer eigentlich gewählt wurde. «Aus meiner Zeit als Chef von 20 Minuten Online weiss ich, dass die Nutzungsintensität zunimmt, wenn das Tempo hoch ist», sagte Wälty vor knapp dreieinhalb Jahren zum Start von Newsnetz. Doch das gilt heute offenbar nur noch begrenzt, denn es ist kein Naturgesetz, wonach eine hohe Publikationsfrequenz alleiniger Erfolgsgarant ist. Blick aber auch die NZZ operieren online mit deutlich weniger Geschichten und sind – je nach Messzahlen – nicht weniger erfolgreich.</p>
<p>Die Journalistinnen und Journalisten sehen sich in ein enges Zeitkorsett gezwängt. Die Schreibenden müssen an der 9-Uhr-Sitzung ihre Story samt Titel bereits fertig im Kopf haben, welche die Chefredaktion am liebsten schon bis zum Mittag hätte, und zwar in der exakt von ihr bewilligten Form und Stossrichtung. Meist wird es jedoch später. In der Regel bleibt aber zuwenig Zeit für Recherche, Interviews und das Schreiben. Das führt zu standardisierten, körperlosen Artikeln mit der Gefahr, dass regelmässig dieselben Auskunftspersonen zitiert werden.</p>
<p>Die Chefredaktion wird übereinstimmend für journalistische Argumente und Kritik als weitgehend taub geschildert. Der Führungsstil sei chaotisch und wenig transparent. Die journalistische Erfahrung der Schreibenden sei nicht gefragt und ihre Leistungen würden nicht geschätzt. Wälty sei zwar grundehrlich, habe aber von Journalismus wenig Ahnung, heisst es. Dafür ist sein Stellvertreter Michael Marti zuständig. Marti, einst bei Facts und bei der NZZ am Sonntag, gilt als Wältys «kongenialer» Partner und Journalist mit kreativen Ideen. Er setze jedoch die Redaktion laufend unter Druck, reite endlos auf kleinsten Fehlern seiner Leute herum und lasse Storys regelmässig wieder umschreiben, die nicht wie vereinbart abgeliefert würden. Durchschnittlich erwartet die Chefredaktion von jedem Mitarbeiter zwei Artikel pro Tag. Im News- bzw. Lokalressort oder bei den Webscouts, die Artikel aus anderen Medien «nachdichten» , ist die Frequenz höher. Das Wirtschaftsressort weigert sich jedoch, mehr als eine Story pro Redaktor täglich abzuliefern.</p>
<p>Wälty weiss aus langjähriger Erfahrung, wie eine Geschichte im Web performt. Da ist er in seinem Element, da macht ihm so schnell keiner was vor. In der Branche gilt er deshalb als der wohl Beste seines Fachs. Und das bereits seit seiner Zeit als Leiter von 20 Minuten Online, wo er zusammen mit Geschäftsführer Rolf Bollmann das Newsportal zum kommerziellen Erfolg führte.</p>
<p>Von 20 Minuten hat Wälty auch das Onlinesystem (CMS) übernommen und für Newsnet angepasst. Es heisst – Nomen est Omen – «Content Dictator». Wälty gilt als Maniac, ein von der Webstatistik Getriebener. Und die Zahlen geben ihm Recht. Einzig die Tatsache, dass die vergleichsweise verschlafene NZZ Online gemäss Net Metrix Audit Oktober 2011 dem Tages-Anzeiger Online nur um 10&#8217;000 Unique Clients (auf insgesamt 1,6 Mio. pro Monat) voraus ist, muss den Rechenkünstler zutiefst wurmen.</p>
<p>«Wir werden niemals in Versuchung geraten, einen Tages-Anzeiger zu trivialisieren», sagte Wälty 2008 beim Start. Die Journalistinnen und Journalisten sollten nicht ständig nach dem Webseismographen schielen, welche Story vom Publikum am meisten geklickt werde. Doch das Gegenteil scheint der Fall zu sein und die Klickraten sind der treibende Motor. Beim rasanten Produzieren von Inhalten bleiben viele Geschichten an der Oberfläche oder auf dem Boulevard, wie etwa jüngst eine Strassenumfrage, ob der Grünliberale Martin Bäumle als Politiker noch tragbar sei, nachdem er eine Stripteasetänzerin aus der Ukraine geheiratet hatte. Das wirkt sich auch auf die Qualitätsmarke Tages-Anzeiger aus.</p>
<p>Tagi Co-Chefredaktor Strehle, der schon beim Start von Newsnetz die gegenseitige Befruchtung von Print und Online beschworen hatte, weist solches von sich. «Es gibt zwar ein paar Dinge, die mich stören, Umfragen müssten kontroverser und interessanter sein.» Doch die Onlinekultur tue dem Tagi gut. «Ich sehe keine Gefahr, dass dadurch die Marke Tages-Anzeiger beschädigt wird.» Anders sieht das etwa Markenexperte Thomas Ramseier von Brandpulse, der sich dazu in der MEDIENWOCHE bereits <a href="https://medienwoche.ch/2011/07/19/tagi-auch-tagi-doch-nicht-tagi/" target="_blank">Mitte Juli geäussert hat</a>: «Der Tages-Anzeiger funktioniert eigentlich nicht mehr als Marke. Das Newsnetz (&#8230;) erzählt etwas anderes als die Zeitung.» Laut Strehle soll jedoch die Zusammenarbeit zwischen Print und Online schrittweise verstärkt werden. Allerdings bestehen ausser zwischen dem Online-Lokalressort und dem blauen Bund der Printausgabe keine Berührungspunkte, vielmehr herrscht Gleichgültigkeit. Auf Kaderebene gibt es sogar vereinzelte Feindseligkeiten. Ob der Befruchtungsfaktor steigt, wenn sich im neuen Tamedia-Gebäude an der Zürcher Werdstrasse die Print und Onlineredaktionen räumlich näher kommen, bleibt abzuwarten.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/12/02/unter-dem-content-diktator/">Unter dem Content-Diktator</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Potpourri de luxe</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2011/10/24/potpourri-de-luxe/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Stephanie Rebonati]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 24 Oct 2011 07:53:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Um neue Werbekunden anzulocken, lancieren Zeitungen und Zeitschriften Magazinbeilagen zu Luxus- und Lifestyle-Themen. Sie sind in erster Linie willkommene Möglichkeit, das schwächelnde Inserategeschäft der Stammblätter zu stützen. Daraus machen auch die Chefredaktoren keinen Hehl. Kürzlich in einem Zürcher Szenelokal. Der Vater mit seiner halbwüchsigen Tochter. Sie in Jeans und Indianer-Mokassins, er mit Tweed-Veston und Seidenfoulard. <a href="https://medienwoche.ch/2011/10/24/potpourri-de-luxe/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/10/24/potpourri-de-luxe/">Potpourri de luxe</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="alignleft" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2011/10/Text-Bild.jpg" alt="" width="120" height="124" /> Um neue Werbekunden anzulocken, lancieren Zeitungen und Zeitschriften Magazinbeilagen zu Luxus- und Lifestyle-Themen. Sie sind in erster Linie willkommene Möglichkeit, das schwächelnde Inserategeschäft der Stammblätter zu stützen. Daraus machen auch die Chefredaktoren keinen Hehl.<br />
<span id="more-28933"></span><br />
Kürzlich in einem Zürcher Szenelokal. Der Vater mit seiner halbwüchsigen Tochter. Sie in Jeans und Indianer-Mokassins, er mit Tweed-Veston und Seidenfoulard. Der Senior zu seinem blonden Spross:<br />
&#8211; Hast du dir schon überlegt, ob du ans Gymnasium gehen oder eine Lehre absolvieren möchtest?<br />
&#8211; Mhm. Ich will etwas Stylisches machen.<br />
&#8211; Was heisst das?<br />
&#8211; Mann Papi. So Zeugs halt mit Mode, Party und Reisen und so.<br />
Der Vater verstummt. Und überlegt. Die Halbwüchsige kramt in der ledrigen Beuteltasche und zückt das neue «Stil Magazin» der «NZZ am Sonntag» hervor. Darauf der Vater:<br />
&#8211; Du möchtest also Kulturjournalistin werden?<br />
&#8211; Kultur? Das ist für Alte. Ich will Models stylen und so. Das ist doch voll der Luxus-Job.<br />
Der Vater verstummt erneut und bleibt still, bis der Kaffee ausgetrunken und die Quiche aux légumes verspeist sind.</p>
<p>Es irritiert zunächst, wenn renommierte und journalistisch ambitionierte Titel wie eine «NZZ am Sonntag» oder die «Bilanz» auf Lifestyle- und Luxus-Supplements setzen, wo der Journalismus in erster Linie dazu da ist, den Platz zwischen den Inseraten zu füllen. Rasch wird aber klar: die Neulancierungen sind attraktive Mitfinanzierungsmodelle der Hauptblätter.</p>
<p>Seit 2010 wurden in der Deutschschweizer Medienlandschaft fünf neue Beilagen zum Thema Lifestyle und Luxus lanciert. Die zum Axel Springer Verlag gehörenden Titel «Bilanz», «Handelszeitung» und «PME Magazine» geben seit 2010 gemeinsam vier Mal jährlich «First – das Magazin für guten Stil» heraus. «Wir haben Leser, die sich sehr für Lifestyle, Stil und Luxus interessieren. Die entsprechenden Inhalte in diesen Titeln noch weiter auszubauen, wäre aber einer Verwässerung ihres Charakters als Wirtschaftsmagazine gleichgekommen», sagt Pierre-André Schmitt, Chefredaktor von «First». Da sei es auf der Hand gelegen, die Lifestyle-Themen mit einem Supplement zu transportieren.</p>
<p>Und diese bietet Werbekunden eine Plattform, wie Markus Köchli, Gesamtleiter Specials der «Handelszeitung», sagt: «Im Gesamtrahmen von über 90 Fach-Specials pro Jahr ist es wichtig, dass auch der Lifestyle-Bereich angesprochen wird. Zugegebenermassen sind diese Specials sowohl für die Leserinnen und Leser wie aber auch für die Werbewirtschaft interessant. Natürlich wollen wir eine Plattform bieten für gezielte Werbung, die sonst in der Wirtschaftspresse nicht vorkommt.» Kommerziell müssten die Luxus-Beilagen  immer gewinnbringend sein, sonst verzichte die «Handelszeitung» darauf.</p>
<p>Der Tamedia-Verlag gründete seit 2010 drei neue Beilagen. Der «Tages-Anzeiger» bringt drei Mal jährlich «Luxus», die «Sonntagszeitung» gleich oft «Finest» und die «Finanz und Wirtschaft» zusammen mit «Bilan» vier Mal jährlich «Luxe» – ein zweisprachiges Heft. Laut Res Strehle, Chefredaktor des «Tages-Anzeigers», bewegt sich die «Luxus»-Beilage nicht im «Ultra-Luxus-Segment», sondern in einem Bereich, den sich auch Tages-Anzeiger-Leser leisten können. Ausserdem achte man auf Schweizer Produkte und Protagonisten, «Prada und Gucci kommen möglicherweise in der Modestrecke vor, aber nicht als Story». Strehle sagt, dass neue Werbekunden Ziel der Gründung waren.</p>
<p>Diego Quintarelli, Verlagsleiter bei der «Sonntagszeitung», sagt: «Ein Produkt, das nur für den Werbemarkt konzipiert wird, funktioniert nicht». Und Martin Coninx, Geschäftsführer bei der «Finanz und Wirtschaft», hält ganz dagegen: «Bei der gemeinsamen Publikation von Finanz und Wirtschaft und Bilan stand bei der Lancierung das Journalistische und nicht eine Kostenoptimierung im Mittelpunkt. Wir publizieren ein sprachübergreifendes Produkt, das für Romands und Deutschschweizer interessant ist. Da die Publikation seit der ersten Ausgabe auch wirtschaftlich sehr erfolgreich ist, sehen wir unser redaktionelles Konzept bestätigt.»</p>
<p>Die jüngste aller Lifestyle-Beilagen ist das «Stil Magazin» der «NZZ am Sonntag». Es ersetzt seit dem 28. August 2011 den früheren Stil-Bund, der für Anzeigenkunden hochwertiger Konsumgüter im Laufe der Jahre zu wenig attraktiv wurde. «Mit dem Stil Magazin können wir nun diesen Werbekunden wieder eine qualitativ erstklassige Plattform bieten», sagt Felix E. Müller, Chefredaktor der «NZZ am Sonntag».</p>
<p>Das Magazinformat bietet bessere Druckqualität, bessere Gestaltungsmöglichkeiten und ermöglicht einen Ausbau des Inhalts. Bereits der Stil-Bund war bei seiner Gründung vor bald zehn Jahren eine Pioniertat. Das «Stil Magazin» folgt seinem Vorläufer und trifft nicht zuletzt dank einer zurückhaltenden Optik den Zeitgeist.</p>
<p>Seit sechs Jahren gibt es im Hause «NZZ» das «Magazin Z – Die schönen Seiten». Die Hochglanzbeilage erhalten sowohl Leser der Tagesausgabe, als auch der «NZZ am Sonntag». «Das Magazin Z ist die Welt der Träume, des Hedonismus, des reinen Luxus. Das Stil Magazin ist lebensnaher. Es bringt Ratschläge für die konkrete Lebensgestaltung», wie Felix E. Müller erklärt. Solche Ratschläge sind beispielsweise Tipps für den spontanen Sonntagsausflug – auf der letzten Seite zum Ausschneiden.</p>
<p>Schon vor 2010 haben Zeitungen und Zeitschriften auf Luxus und Lifestyle gesetzt. Einer der Pioniere ist die «Weltwoche» mit ihrer Stilausgabe – im November 2007 lanciert, habe der Werbeumsatz stetig und markant erhöht werden können, wie Jean-Claude Plüss, Leiter Werbemarkt, sagt. Den Erfolg erklärt Plüss so: «Die Stilausgaben haben ein Gesicht. Sie sind publizistisch und optisch eigenständig positioniert». Dies zeigt sich nicht zuletzt der Gestaltung der Titelseiten.</p>
<p>Dort spielt die «Weltwoche» gekonnt mit Schriftarten- und graden, mit Texteffekten wie 3-D-Drehungen, Folgepfaden und Abschrägungen. Entwickelt und produziert vom renommierten deutschen Büro Borsche. Das gefällt auch den Werbekunden: «Durch die Stilausgaben gewannen wir neue Kunden, die auch den Weg ins Hauptblatt gefunden haben», so Jean-Claude Plüss.</p>
<p>Zurück zu Vater und Tochter im Szenelokal. Als die Quiche aux légumes verspeist ist, legt der Senior seinem Spross nahe, dass dieses den Luxus-Begriff doch differenziert anschauen sollte:<br />
&#8211; Sind für dich nur Models und Modehefte Luxus?<br />
&#8211; … und Louis Vuitton und Paris Hilton und so.<br />
&#8211; Sind Liebe, Familie und Gesundheit nicht auch Luxus für dich?<br />
&#8211; Hä? Papi, das sind doch Menschenrechte.</p>
<p><em>Die Luxus- und Lifestyle-Beilagen <a href="https://docs.google.com/spreadsheet/ccc?key=0AuZv5IS6RhDqdEREbFhkT2VZLW4zT0lIaEZ1eElHRmc&amp;hl=en_US" target="_blank">im Überblick</a>.</em></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/10/24/potpourri-de-luxe/">Potpourri de luxe</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Aufgestellt für den Selbstmord</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2011/09/02/aufgestellt-fur-den-selbstmord/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 02 Sep 2011 08:20:59 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Die Schweizer Journalistenbranche will lieber gemeinsam alt werden, statt sich konsequent zu erneuern. Frischen Kräften bleibt der Zugang zu verantwortungsvollen Aufgaben verwehrt. Jüngere Generationen arbeiten und informieren sich woanders. So ist man auf dem besten Wege, sich selbst abzuschaffen. Änderungen sind gefragt! &#8222;Die Zukunft liegt nicht in der Vergangenheit&#8220;, stellt der einzige hauptamtliche Medienredaktor der <a href="https://medienwoche.ch/2011/09/02/aufgestellt-fur-den-selbstmord/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/09/02/aufgestellt-fur-den-selbstmord/">Aufgestellt für den Selbstmord</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" alt="" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2011/09/Bild-von-Lodovico-Agostino-Marazzani-Visconti.png" class="alignleft" width="120" height="120" /> Die Schweizer Journalistenbranche will lieber gemeinsam alt werden, statt sich konsequent zu erneuern. Frischen Kräften bleibt der Zugang zu verantwortungsvollen Aufgaben verwehrt. Jüngere Generationen arbeiten und informieren sich woanders. So ist man auf dem besten Wege, sich selbst abzuschaffen. Änderungen sind gefragt!<br />
<span id="more-28913"></span><br />
<a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/medien/simulation_alter_arena-zeiten_1.12104086.html">&#8222;Die Zukunft liegt nicht in der Vergangenheit&#8220;</a>, stellt der einzige hauptamtliche Medienredaktor der Schweizer Tageszeitungen, Rainer Stadler, in der NZZ fest: das &#8222;neue&#8220; Format der &#8222;Arena&#8220; sei nicht mehr als eine Simulation der alten. Richtig, auch <a href="https://medienwoche.ch/2011/08/19/schauinski/">Schaüinski</a> ist nicht mehr als ein abgefilmter &#8222;Doppelpunkt&#8220;, ein &#8222;Talk Täglich&#8220; mit Designer. Ist es nicht verwunderlich, dass ausgerechnet die mehr oder minder verwitterten Gesichter von Roger Schawinski (*1945) und Filippo Leutenegger (*1952) frischen Wind in die öffentlich-rechtlichen und privaten Talkformate bringen sollen?</p>
<p>Die etablierten journalistischen Formate werden zusammen mit ihrem Publikum immer älter. Jüngere Generationen werden damit oft nicht mehr erreicht, denn die <a href="http://www.mpfs.de/?id=189">informieren sich zunehmend im Web</a>. Kontakt mit journalistischen Angeboten haben sie vor allem durch Videoportale, Gratiszeitungen und Online-Portale, doch letztere befinden sich nur noch ab und zu in der Hand der etablierten Verleger. Die Frage sei erlaubt: Wann hat zuletzt eine Titelgeschichte einer Printpublikation die Jugend so begeistert, dass sie deswegen die Kioske stürmte? Es muss irgendwann im letzten Jahrtausend gewesen sein.</p>
<p>Über die Themen, die viele junge Menschen interessieren, berichten etablierte journalistische Formate nur am Rande und wenn, dann nicht selten falsch. Auch wenn das Problem vielerorts erkannt und verbessert wurde, fühlen sich Onlinespieler, Weblogger, Webnutzer zurecht oft unangemessen behandelt. Wer beispielsweise Wegweisendes lesen will über die neusten Entwicklungen im Internet, kann das im Netz täglich tun. Doch in den journalistisch etablierten Medien werden die ganze Branchen umwälzenden Veränderungen durch das Internet noch immer recht stiefmütterlich behandelt. Natürlich auch, weil es sich dabei um die direkte Konkurrenz handelt.</p>
<p>Dass Zeitungen und Zeitschriften kaum noch junge Leser für sich gewinnen können, liegt auch an den Personalstrukturen der Verlage. Es werden zwar durchaus junge Mitarbeiter beschäftigt, doch die sind entweder für online zuständig oder für untergeordnete Aufgaben &#8211; was im Bewusstsein vieler Print-Führungskräfte fatalerweise ein Äquivalent ist. Ganz im Gegensatz zur USA, dort sind die aufstrebenden Stars der journalistischen Branche <a href="http://www.thelmagazine.com/gyrobase/theyre-young-they-re-successful-theyre-not-you/Content?oid=1454923&amp;storyPage=8">26</a>, <a href="http://www.thelmagazine.com/gyrobase/theyre-young-they-re-successful-theyre-not-you/Content?oid=1454923&amp;storyPage=9">25</a>, <a href="http://www.thelmagazine.com/gyrobase/theyre-young-they-re-successful-theyre-not-you/Content?oid=1454923&amp;storyPage=7">23</a> Jahre alt. Wir erinnern uns: &#8222;Weltwoche&#8220;-Chef Roger Köppel, der sich bald als eines der grössten Talente der Schweizer Medienbranche herausstellte, schrieb ab 1994 (mit 29) lange Feuilleton-Texte im &#8222;Tages-Anzeiger&#8220; und wurde 1997 (mit 32) zum Chefredakteur des &#8222;Magazins&#8220;. Welche journalistischen Stars unter 30 oder unter 35 hat die Schweizer Medienszene eigentlich die letzten Jahre geboren? Fällt jemandem ein Name ein?</p>
<p>Überhaupt sind die Plätze in den Redaktionen bereits besetzt und besonders die wirklich attraktiven Jobs werden auch besetzt gehalten. Von Journalisten, die die grosse Sparrunde vor zwei Jahren überlebt haben. Das war gar nicht so einfach und manchmal auch einfach Zufall, denn viele von denen, die ihren Job behalten durften, sind ja nicht besser als jene, die gehen mussten. Gehen mussten alle möglichen Mitarbeiter: Aus nachvollziehbaren sozialen Gründen nicht ganz so schwer fiel der Abschied von Alten, die frühpensioniert werden konnten und von Jungen, die &#8222;sicher wieder was finden&#8220;. Doch Journalismus sollte von allen Gesellschaftsschichten für alle Gesellschaftsschichten gemacht werden. Neben den Jungen in Führungspositionen fehlen auf vielen Redaktionen die Nicht-Akademiker, eine riesige Gruppe, von denen durchaus viele schreiben können. &#8222;Tagi&#8220;-Co-Chef Res Strehle, (&#8222;68, aber lieb&#8220;), sagte in einem <a href="http://www.woz.ch/artikel/2009/nr28/schweiz/18118.html">Interview mit der &#8222;Woz&#8220;</a>: &#8222;Wir stossen niemanden ins Prekariat.&#8220; Wieviele aber das journalistische Prekariat gar nicht erst verlassen und dann irgendwann in ganz andere Jobs verschwinden, zählt niemand.</p>
<p>Geblieben sind nach den <a href="http://www.persoenlich.com/news/show_news.cfm?newsid=82610">«Mai-Massakern»</a> 2009 (eine Übersicht der Entlassungen hat <a href="http://medienspiegel.ch/abbauschlacht.html">medienspiegel.ch</a>) viele Anpassungsfähige, die eine Familie zu versorgen haben und ohne zu murren das tun, was von oben gefordert wird. Oft sind das akademisch gebildete Eltern, zwischen 35 und 55 Jahren. Kaum zum Opfer fielen den Entlassungen überraschenderweise die Vorgesetzten. Nehmen wir mal <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/ueberuns/impressum/Impressum/story/28680087">die Chefs beim &#8222;Tages-Anzeiger&#8220;</a>: Neben vier Mitgliedern der Chefredaktion gibt es zwei Nachrichtenchefs und sieben Ressortleiter. Man fragt sich unwillkürlich, ob der &#8222;Tagi&#8220; bald mehr Chefs als Mitarbeiter hat. Die Krise führt in den Printmedien immer mehr zu einer umgekehrten Hierarchie-Pyramide. Während die Inhalte produzierende Basis immer schmaler wird, bleiben die Führungsetagen unangetastet, sie werden nur gemeinsam älter. Frank A. Meyer (*1944) beispielsweise darf jeden Sonntag zweimal seine vorgestrige Sicht der Welt im &#8222;Sonntags-Blick&#8220; ausbreiten. Seine &#8222;Hasstirade gegen das Internet&#8220; (<a href="http://hyperkontext.at/weblog/artikel/frank-a-meyer-und-seine-reproduzierte-wirklichkeit-der-medien/">Zitat hyperkontext.at</a>) mit dem Titel <a href="http://www.blick.ch/news/fam/basta-125570">&#8222;Basta!&#8220;</a> sorgte im Web für ungläubiges Staunen und unverhohlenes Gelächter. Hunderte von Twitterern verlinkten einen von Michel Reimon verfassten Brief <a href="https://wp_updatethoughts.wordpress.com/2009/08/14/offenster-brief-zum-dummsten-text-eines-journalisten-uber-das-internet/">&#8222;zum dümmsten Text eines Journalisten über das Internet&#8220;</a>.</p>
<p>Natürlich gibt es überall Ausnahmen, und bei der WOZ, bei der Weltwoche und auch beim Schweizer Fernsehen hat man durchaus hin und wieder mal den Eindruck, dass auch Jüngere Verantwortung übernehmen dürfen.</p>
<p>Weil das Boot schon voll ist, erhalten junge Journalisten heute kaum Chancen, ihre Talente auszuleben. Sie bleiben im Vergleich schlecht bezahlt und müssen unter Druck Agenturmeldungen umformulieren und oberflächliche Beiträge raushauen &#8211; andere wiederum sehen Redaktionen seit jeher nur von Aussen. Die vielleicht verdienstvollste Schweizer Journalistin der letzten Jahrzehnte, Margrit Sprecher, sagte <a href="http://www.klartext.ch/?p=9219">im &#8222;Klartext&#8220; (Ausgabe 5/09)</a>: &#8222;Es ist entwürdigend, wie mit den Jungen umgegangen wird.&#8220; Zusammengestrichene und nicht erscheinende Artikel würden das Selbstvertrauen beschädigen, &#8222;das Wichtigste, das man in unserem Beruf haben muss&#8220;. Auch wenn Tamedia und NZZ erfreulicherweise angekündigt haben, neue Mitarbeiter im Online-Bereich einzustellen, werden nur wenige davon den journalistischen Bereich betreffen. Wiederum werden die meisten von denen, die Inhalte erstellen, ein Kürzel bleiben und nicht die Chance erhalten, zu einer der publizistischen Stimmen zu reifen, an die sich die Leserschaft erinnert und die sie wieder und wieder lesen will.</p>
<p>Fasst sich mal ein Verleger (Peter Wanner) ein Herz und setzt einen damals 31-Jährigen (Patrik Müller) an die Spitze einer Sonntagszeitung (&#8222;Sonntag&#8220;), dann wird das mit Misstrauen, man könnte auch sagen Herablassung, aus dem inzestuösen Zürich verfolgt. Thomas Knellwolf vom &#8222;Tages-Anzeiger&#8220; schrieb 2007 über die erste Ausgabe des Neulings, &#8222;die kleine, teilweise profilierte Redaktion aus Baden&#8220; habe &#8222;nichts Weltbewegendes zu vermelden&#8220;. Er stiess ausserdem auf &#8222;Interviews ohne kritische Fragen&#8220;, und auch die &#8222;lokalen Nachrichten im &#8218;Sonntag&#8216; konnten nicht überzeugen&#8220;. Dass die &#8222;Sonntag&#8220;-Redaktion viel kleiner ist als die der &#8222;Sonntagszeitung&#8220; oder der &#8222;NZZ am Sonntag&#8220;, wurde nicht erwähnt.</p>
<p>Nur wenig später tanzten die Zürcher Grossverlage um Patrik Müller wie um ein goldenes Kalb und wollten ihn zum Chef von &#8222;Tagi&#8220; und &#8222;Blick&#8220; machen &#8211; der aber lehnte alle Angebote ab (<a href="https://twitter.com/#!/patrik_mueller/status/106014245518446593">Tweet vom 23. August 2011</a>: &#8222;Liebe Zürcher, bin 8 Jahre bei Peter Wanner &#8211; es macht Spass, bei ihm zu arbeiten&#8220;). Selbst Talente zu entdecken und Verantwortung zu übertragen, gehört heute offenbar nicht mehr zu den Stärken der Grossverlage. Lieber besetzen sie die Spitzen mit alten Haudegen der Branche, oder, falls den Job gar niemand machen kann oder will, mit Marc Walder. Frische Kräfte kommen nicht an die Macht, denn die haben ja noch keine Erfahrung. Jene wiederum, die ausreichend Erfahrung sammeln durften, sind bereits so betriebsblind, dass sie nicht als frische Kräfte gelten können.</p>
<p>&#8222;Bei Ringier habe ich erlebt, dass gewisse Chefs Angst haben, bessere Leute zu engagieren, weil ihnen diese gefährlich werden könnten&#8220; sagte Müller 2009 in einem <a href="http://www.persoenlich.com/news/show_news.cfm?newsid=81502">Interview mit &#8222;Persönlich&#8220;</a>. Das ist auch in anderen Verlagen so. Doch weil sich, solange die Zahlen einigermassen stimmen, darum niemand kümmert, bleibt alles, wie es ist. Für die Zukunft ist diese Haltung jedoch Selbstmord. Wenn keine Erneuerung mehr stattfindet, wenn keine jungen oder unbequemen Journalisten mehr Verantwortung übernehmen dürfen, dann verlieren die Publikationen bald auch noch den letzten Geruch von Frische. Und werden, was sie schon zu einem guten Teil geworden sind: Rentnerblätter mit einer laufend wegsterbenden Leserschaft. Wer sich wirklich um die Zukunft des Landes Sorgen macht, wie es im aktuellen Wahlkampf fast alle Parteien behaupten, sollte die Jugend mit gutem Journalismus versorgen.</p>
<p>Der Schweizer Journalismus verabschiedet sich nach und nach von den Menschen unter 35 Jahren, sowohl als wichtige Mitarbeiter als auch als Leser. Überhaupt, die treiben sich ja, man musste es bitter erfahren, doch nur in diesem Internet rum. Ihre Zahlungsbereitschaft tendiert angeblich gegen null. Und dann sind sie auch noch untreu. Viele Wohngemeinschaften machen sich nicht mal mehr die Mühe, für jedes WG-Mitglied und für jede Tageszeitung kostenlose Probeabos aneinanderzureihen &#8211; dabei würde das doch der Auflage zugutekommen.</p>
<p>Die 548 Franken für ein NZZ-Jahresabo setzen einen gut entlöhnten Job mit Lesefreizeit voraus, ein Luxus, über den nicht alle verfügen. Studenten haben zwar 40 Prozent Rabatt, doch dann sind es immer noch über 300 Franken, die auch anders ausgegeben werden können. Und die Zukunft verheisst zweierlei: Teurere Jahresabos und weniger sichere Jobs für junge Leser &#8211; eine Todesspirale. Bei den ganz jungen Lesern setzen einige Verlage mit Projekten wie <a href="http://new.baz.ch/zisch/">&#8222;Zeitung in der Schule&#8220;</a> an, doch dann verlieren sich die Bemühungen um die Jugend wieder, Beilagen wie &#8222;Ernst&#8220; tauchten zuletzt in den 1990er-Jahren auf.</p>
<p><a href="http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/dossier/finanzkrise/Sie-begehen-Selbstmord-aus-Angst-vor-dem-Tod/story/20100068">&#8222;Selbstmord aus Angst vor dem Tod&#8220;</a> nannte Roger Schawinski die Internetstrategie der in Panik geratenen Printmedien. Doch wenn es überhaupt eine Zukunft gibt für Printmedien, dann liegt sie in dieser schmählich vernachlässigten U35-Generation, die Printprodukte gar nicht generell ablehnt, wie manch ein verzweifelter Verlagsmanager vermutet.</p>
<p>Das Problem liegt bei den Trainern der Branche. Sie und ihr aufgeblähter Stab sind zu einem guten Teil nicht für die Zukunft aufgestellt. Und da niemand Druck macht in der Schweizer Medienbranche und lieber alle vordergründig Freunde bleiben, denken die Clubpräsidenten nicht daran, zu handeln, also mal den einen oder anderen Cheftrainer zu feuern. Am Schluss bleiben die Zuschauer aus und die schönen Stadien müssen für immer schliessen. Dann wird halt wieder auf dem Acker gespielt.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/09/02/aufgestellt-fur-den-selbstmord/">Aufgestellt für den Selbstmord</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Viel Redundanz und wenig Substanz</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 07 Mar 2011 14:23:29 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Erstmals lanciert Tamedia ein mehrsprachiges publizistisches Angebot. Im Politblog, an dem vier Deutschschweizer Zeitungen und zwei Redaktionen aus der Romandie beteiligt sind, will der Sprachaustausch aber nicht recht gelingen. Und auch sonst liegt in diesem Projekt des Newsnetz zum «Superwahljahr» einiges im Argen. «Online-Foren sind Hochemotionszonen» schrieb kürzlich tagesanzeiger.ch in einem Artikel über die «zehn <a href="https://medienwoche.ch/2011/03/07/viel-redundanz-und-wenig-substanz/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/03/07/viel-redundanz-und-wenig-substanz/">Viel Redundanz und wenig Substanz</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Erstmals lanciert Tamedia ein mehrsprachiges publizistisches Angebot. Im <a href="http://politblog.derbund.ch/blog/" target="_blank">Politblog</a>, an dem vier Deutschschweizer Zeitungen und zwei Redaktionen aus der Romandie beteiligt sind, will der Sprachaustausch aber nicht recht gelingen. Und auch sonst liegt in diesem Projekt des Newsnetz zum «Superwahljahr» einiges im Argen.<br />
<span id="more-28748"></span><br />
«Online-Foren sind Hochemotionszonen» schrieb kürzlich tagesanzeiger.ch in einem <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/diverses/SIND-HIER-ALLE-BESCHEUERT/story/29036155" target="_blank">Artikel über die «zehn häufigsten Typen von Online-Kommentatoren»</a>. Dabei blieb unerwähnt, dass die Redaktion mit ihrer Themenwahl die Art und Weise sowie die Qualität der Publikumsreaktionen massgeblich beeinflusst. Es gibt Reizthemen, polarisierende Sujets, die eine rege und laute Kommentarbeteiligung geradezu garantieren. Dazu zählt die SVP. Reizthemen bringen Quote. Das wissen Medienmacher.</p>
<p>Wenn das neue Newsnetz-Politblog mit einem Text zur SVP loslegt, kann das kaum Zufall sein. Gepaart mit dem etwas schwächeren, aber dennoch quotenträchtigen Reizbegriff «Medien», ergab das die perfekte Mixtur für einen zumindest quantitativ erfolgreichen Start. Inhaltlich lag der Text <a href="http://politblog.derbund.ch/blog/index.php/61/helfen-die-medien-der-svp-3/?lang=de" target="_blank">«Helfen die Medien der SVP?»</a> unter dem Niveau, das Co-Chefredaktor Res Strehle eigentlich bieten könnte. Der analytisch stumpfe Beitrag, der den Medien pauschal eine Absolution erteilt, in der Berichterstattung zur SVP nichts falsch gemacht zu haben, ja: gar nichts falsch machen zu können, verheisst wenig Gutes für die Zukunft des Politblog. Dem Publikum ist das egal. Kommentiert wird sowieso. Zum Thema selbst, aber auch zu Grundsatzfragen. Viel Redundanz und wenig Substanz. Die ist zwar in einzelnen Kommentaren vorhanden, nicht aber im gesamten Strang der bisher fast 400 veröffentlichten Talk-backs.</p>
<p>Als wollten die Politblog-Verantwortlichen Strehles These Nachdruck verleihen, erhielt <a href="http://politblog.derbund.ch/blog/index.php/259/dunkelkammer-standerat/?lang=de" target="_blank">SVP-Nationalrat Lukas Reimann als Gastautor eine Carte blanche</a>, die er zu einem Angriff auf den Ständerat als Institution nutzt. Auch die weiteren in der ersten Woche veröffentlichten Beiträge lassen wenig Hoffnung aufkommen, dass die Redaktion neue Akzente zu setzen imstande ist in der bisher nicht besonders erspriesslichen Online-Debattenkultur. <a href="http://politblog.derbund.ch/blog/index.php/115/wie-die-wissenschaft-die-medien-schlecht-macht/?lang=de" target="_blank">Ein erzürnter Thierry Meyer</a>, Chefredaktor von 24 Heures, bezichtigt die Medienwissenschaft des Dilettantismus bei ihrer Einschätzung zur Zukunft der Medien und beschwört die grandiosen staatsbürgerlichen Leistungen der Presse im Internet. Dumm nur, dass Meyer ebenso selbstgefällig und überheblich daherschreibt, wie er dies den Akademikern vorwirft. Vielleicht entsteht dieser Eindruck auch nur wegen der Übersetzung von Meyers Artikel aus dem Französischen, was die Sache aber auch nicht wirklich besser macht.</p>
<p>Überhaupt will das mit der Zweisprachigkeit noch nicht so recht gelingen, obwohl gerade der Brückenschlag über den Röstigraben das Innovative am Politblog sein könnte. Mit der «Tribune de Genève» und «24 Heures» kommen zwei der vier beteiligten Redaktionen aus der Westschweiz. Tamedia als inzwischen gesamtschweizerischer Konzern lanciert mit dem Politblog erstmals ein zweisprachiges Angebot mit identischen Artikeln in Deutsch und Französisch. Doch die Leser der welschen Titel haben offensichtlich keine Lust zum Mitdiskutieren. Abgesehen von vereinzelten französischen Kommentaren, bleibt das Politblog eine Deutschschweizer Veranstaltung. Von einem Dialog zwischen den Landesteilen kann keine Rede sein. Das sagt vermutlich weniger über die Debattierlust der Romands aus, als über die Kommentarkultur der Deutschschweizer.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/03/07/viel-redundanz-und-wenig-substanz/">Viel Redundanz und wenig Substanz</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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