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	<title>Ringier2013 | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
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		<title>Golden Boy der begüterten Kapitalistenhasser</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 17 Dec 2013 10:55:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Cicero]]></category>
		<category><![CDATA[Frank A. Meyer]]></category>
		<category><![CDATA[Ringier2013]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am 6. Januar wird Frank A. Meyer 70 Jahre alt. Seit bald 40 Jahren ist er ein Unikum im Ringier-Verlag. Ohne selbst je gross Verantwortung übernommen zu haben, übt er Einfluss auf die Entscheidungsträger aus. Während die einen in ihm das journalistische Gewissen Ringiers sehen, rechnen ihm andere seine Schadensbilanz vor. Doch wer ist der <a href="https://medienwoche.ch/2013/12/17/golden-boy-der-begueterten-kapitalistenhasser/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Am 6. Januar wird Frank A. Meyer 70 Jahre alt. Seit bald 40 Jahren ist er ein Unikum im Ringier-Verlag. Ohne selbst je gross Verantwortung übernommen zu haben, übt er Einfluss auf die Entscheidungsträger aus. Während die einen in ihm das journalistische Gewissen Ringiers sehen, rechnen ihm andere seine Schadensbilanz vor. Doch wer ist der Mann, über den sich Generationen von Journalisten so gerne aufregen? Ein Journalist? Ein Opportunist? Ein Politiker? Ein Angsthase? Teil 3 unserer Serie zum Ringier-Verlag.<br />
<span id="more-16912"></span></p>
<div align="right"><small>«Als mich einmal jemand fragte, was ich bei Ringier eigentlich mache, sagte ich: Ich bin einfach da, vertrete nach wie vor die publizistischen Belange, rede mit bei der Besetzung von Chefredaktionen und stehe ein für die publizistische Kultur des Unternehmens &#8211; gerade im Boulevard-Journalismus.»</p>
<p>Frank A. Meyer, zitiert in «Ringier bei den Leuten» von Karl Lüönd, Seite 450.</small></div>
<p>
Ich treffe Meyer (violettblaue Cordhosen, Hemd und Jackett, in dessen Brusttasche ein Tüchlein steckt, das mit den Hosen farblich korrespondiert) an einem <a href="http://www.cicero.de/berliner-republik/christian-lindner-fdp-neuanfang-vom-einzelnen-her/56486">Sonntagmorgen im Berliner Ensemble</a>, wo er sich einen Liberalen eingeladen hat, den er zu den Anständigen zählt, den am 7. Dezember zum neuen Vorsitzenden der deutschen FDP gewählten Christian Lindner. Parlamentarier wie Frank Schäffler, Peter Gauweiler oder Wolfgang Bosbach, die aufgefallen sind durch ihren Widerstand gegen den antiliberalen Mainstream, hält Lindner für eine kleine Gruppe, die Friedrich August von Hayek «wörtlich» nehmen würden &#8211; er hingegen habe «keine religiöse Verehrung der Schriften von Hayek». Die auf 11 Uhr angesetzte Veranstaltung beginnt heiter mit einem Austausch von Meyer und Lindner über ihre Sternzeichen (Steinbock). Nach rund zehn Minuten mischt sich «Cicero»-Chefredakteur Christoph Schwennicke aktiv in das Gespräch ein, der wohl ansonsten den Tag schweigend auf der Bühne hätte verbringen müssen. Und natürlich darf die Veranstaltung nicht zu den Zuschauervoten übergehen, bevor nicht um 12.20 Uhr ein Meyer-Exkurs über die «Marktradikalen», erfolgt, diese «Voodoozauberer der Ökonomie». «Alles ist Ökonomie», klagt er, der schon so lange keine Geldsorgen mehr hat und nie direkte Verantwortung für missglückte Projekte tragen musste.</p>
<p>Hier ein kurzer <a href="https://www.youtube.com/watch?v=K_q5uUbpTCo">Ausschnitt</a> der <a href="http://www.youtube.com/watch?v=G5754ZEdnyU">Veranstaltung</a>, man beachte die Körpersprache seiner Mitdiskutanten:</p>
<p><iframe width="450" height="253" src="//www.youtube.com/embed/K_q5uUbpTCo?rel=0" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Nach der Veranstaltung überreiche ich Meyer meine Visitenkarte und bitte ihn darum, diesen Text mit seinen Aussagen besser zu machen. Er werde sich melden, sagt er. Und meldet sich nicht. (Eine offizielle Interviewanfrage bei der Ringier-Medienstelle wurde einige Monate zuvor mit Verweis auf die bescheidene Relevanz der Medienwoche abgelehnt.)</p>
<h3>Boulevard-Kampfsprache</h3>
<p>«Vielen Dank, Frank A. Meyer, für Ihre treffende Entlarvung der Strategie planmässiger Herabsetzung von Politikern durch selbst ernannte Berliner Leitmedien», schreibt Dr. Hans Walter S.. «So hat mir ein Beitrag noch nie aus dem Herzen gesprochen», Holger P. Und auch Herbert N. spricht Meyer «aus dem Herzen». So lauten drei Leserbriefe, mutmasslich eher nicht von Anfangzwanzigern, in der Dezemberausgabe des Magazins «Cicero», einer der aktuellen Spielwiesen Meyers.</p>
<p>In dieser Ausgabe schreibt er unter dem Titel «Der Wert des Menschen» über den gesetzlichen Mindestlohn. Im bloss etwas über eine Seite hinausgehenden Text finden sich ein volles Dutzend für die Boulevard-Kampfsprache von Meyer typische Formulierungen, hier in der Reihenfolge ihres Auftretens:</p>
<ul>
<li>«neoliberale Ideologie»</li>
<li>«fanatische Privatisierer»</li>
<li>«Marktgläubige»</li>
<li>«Profitbilanzen»</li>
<li>«Marktradikale»</li>
<li>«Geldkirche»</li>
<li>«Ökonomen-Pfäffchen»</li>
<li>«Boniritter»</li>
<li>«kapitalistische Perversion»</li>
<li>«ökonomische Rechnerei»</li>
<li>«Marktanbeter»</li>
<li>«Ökonomen-Klerus»</li>
</ul>
<p>Was klingt wie in den Ergüssen eines Attac- oder Juso-Bloggers, ist immer wieder neu von Meyer, im Impressum aufgeführt als Mitglied des Publizistischen Beirats. In Deutschland wird Meyer gelesen und geliebt von jenen Menschen, die an das Soziale (vom Staat) glauben, von den letzten Ausläufern der 68er, jener zumeist bestens situierten Babyboomer-Generation, die in den nächsten Jahren die Sozialkassen an den Rand ihrer Existenz bringen wird.</p>
<h3>Statische Feindbilder</h3>
<p>Frank A. Meyer hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, das auch in der Ringier-Familie omnipräsente soziale Gewissen (siehe <a href="https://medienwoche.ch/2013/12/05/koenigshaus-der-anstaendigen/">Teil 1</a> unserer <a href="medienwoche.ch/tag/ringier2013">Serie</a>) publizistisch umzusetzen. Er verkörpert eine sozialdemokratische Grundhaltung, die mehr sozialistisch und elitär ist als demokratisch oder volksverbunden (Direkte Demokratie, in der Schweiz bestens erprobt, gehe in Deutschland nicht, <a href="http://www.direktedemokratie.com/2011/11/27/frank-a-meyer-direkte-demokratie-geht-nicht-fuer-deutschland/">behauptet</a> er beispielsweise). Seit vielen Jahrzehnten wettert er unermüdlich gegen das Kapital, von dem er bestens lebt und seine bunten Hosen kauft. Seine Feindbilder sind ermüdend statisch und heissen <a href="http://www.blick.ch/news/politik/fam/ueber-boni-banker-und-das-berner-larifari-id14863.html">Banker</a> («Wer im Hamsterrad der Geldinstitute rennt und rennt und rennt, der hat nur eins vor Augen: Geld, Geld, Geld»), <a href="http://www.blick.ch/news/politik/fam/hansel-id169902.html">Blocher</a> («Er diffamiert seine Widersacher. Er macht Andersdenkende nieder. Er höhnt und hetzt») oder auch <a href="http://www.blick.ch/news/politik/fam/ueber-muetter-maenner-und-manager-id26955.html">Weltwoche</a> («ein rechtsradikales Sektenblatt») inklusive <a href="http://www.blick.ch/news/politik/fam/laptoptaeter-id6867.html">Roger Köppel</a> («journalistischer Lustknabe»). Vor einigen Jahren hinzugekommen ist der Islam, von dem er offenbar eine grössere Bedrohung auszugehen sieht als von anderen Religionen. Das Wort, das er in der letzten Zeit am Liebsten mit Verachtung ausspuckt, ist «Marktradikale», womit er im Prinzip niemand anders meint als die klassischen Liberalen. Wer wirtschaftsliberale oder gar libertäre Positionen vertritt, wie sie in der Schweiz am ehesten in der FDP und SVP anzutreffen sind, darf mit seiner Verachtung (alternativ: Nichtbeachtung) rechnen. Sich selbst zählt er auch zu den Liberalen, zu den <a href="http://www.schweizer-illustrierte.ch/gesellschaft/espresso/ueber-links-und-rechts-und-frank-meyer">linken Liberalen</a> («Links und liberal zu sein, ist doch nett. Was gäbe es gegen dieses Etikett einzuwenden?»). Vielleicht mag Meyer die Marktwirtschaft ja deshalb nicht, weil er einsehen musste, dass jene Projekte, die im Journalismus wirklich interessant sind, vom Markt her (direkt) nicht zu finanzieren sind.</p>
<p>Was er liebt? Die <a href="http://www.blick.ch/news/schweiz/klassischer-kanon-id1763949.html">NZZ am Sonntag</a> («gehört zum Besten, was die Schweizer Publizistik zu bieten hat»). Und <a href="http://www.presseverein.ch/2012/12/frank-a-meyer-menschen-mag-ich-auch-menschen-die-anders-denken/">Menschen</a> («Ich liebe Menschen»). Vor allem aber jene Menschen, die er für «anständig» hält. Das sind meistens Leute, die seine eigenen Haltungen und Meinungen teilen (wobei er einzelne Abweichungen durchaus tolerieren kann). Durch seine lange Karriere ist er herausragend vernetzt und kennt viele wichtige Leute aus dem politischen und journalistischen Establishment, in Deutschland und in der Schweiz. Wie viele Linke ist er aufrichtig davon beseelt und überzeugt, Gutes zu tun. Aus dieser Gewissheit speist sich ein erstaunliches Selbstvertrauen, und daraus quillt eine beachtliche Tatkraft. Eindrucksvoll von sich selbst überzeugt stolziert er wie ein Pfau durch die Redaktionen, nötigt Chefredaktoren mit dem Vorlesen seiner eigenen Kolumnen, zelebriert herrlich überzogene Blattkritiken.</p>
<h3>Meister der kontrollierten Information</h3>
<p>Meyer teilt gerne und oft aus, doch sobald es um die Konfrontation geht, scheut er wie Michael Ringier die Debatte. «Der Angstmacher ist in Wahrheit ein Angsthase», schrieb Urs Paul Engeler in seinem hervorragenden Porträt <a href="http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2004-51/artikel-2004-51-der-herr-der-sch.html">«Der Herr der Schwachen und Eitlen»</a> von 2004. Wäre Meyer wirklich offen und mutig, würde er sich in Streitgesprächen regelmässig seinen Gegnern stellen und jenen, die ihn kritisieren, Rede und Antwort stehen. Doch Meyer liebt das freie Wort vor allem für sich selbst und für jene, die er gutheisst oder wenigstens zu Wort kommen lassen will &#8211; wirklich konträre Positionen hält er unter Verschluss, wenn das möglich ist. Diese Haltung pflegt er auch in der inzwischen auf 3sat zu sehenden Sendung «Vis-à-vis», die sich vom Mainstream vor allem aufgrund ihrer hinreissend antiquierten Form abhebt &#8211; es ist die am längsten ununterbrochen und mit dem gleichen Moderator ausgestrahlte Talksendung des deutschsprachigen Fernsehens. Man darf Meyer zugute halten, dort ab und an auch Menschen einzuladen, deren Positionen er nicht vollumfänglich teilt. Und doch bleibt er ein Meister der kontrollierten Information. Weil sich mit dem Aufkommen von Publikationsformen im Internet diese Zeit zu Ende neigt, verdammt und hasst er diesen Raum, bis hin zur <a href="https://medienwoche.ch/2013/04/18/erfolgreicher-schrotthaendler/">Realitätsleugnung</a> («Zeitungsjournalisten entlarven das Funkengestiebe des Internets, von bildschirmsüchtigen Kids und Nerds fürs Sternenzelt gehalten, als unendlich viel Meteoritenschrott»). Dass Menschen einfach so im Internet schreiben können, ohne dass sie ruhig zu stellen sind, ist für Elitisten wie ihn ein Graus. Er selbst nutze das Internet nur für E-Mails, sagt er mir, das mag glauben, wer will.</p>
<h3>Bewährter Hofnarr mit Einfluss</h3>
<p>In einem Handelszeitung-Interview 1985 sagte Michael Ringier: «Wir brauchen (&#8230;) jemand, der unbelastet ist, der uns von aussen sieht. Frank A. Meyer bleibt Journalist als Anstoss und als Anstösser. Ich denke an die Hofnarren-Position im positiven Sinne.» Heute hat er die Position als Hofnarr mehr denn je inne, und seine Rolle als exzentrischer Paradiesvogel wurde perfektioniert. Ob er hingegen noch fähig ist, Ringier «unbelastet» «von aussen» zu sehen, darf doch sehr bezweifelt werden. Während seiner ganzen Karriere hat er seine Mitspieler zu grauen Mäusen gemacht und seine Macht stets höchst geschickt ausgeübt. Nie hat er eine Verantwortung übergenommen, bei der er tatsächlich abstürzen oder verlieren könnte. Deshalb ist er auch nie gestürzt, sondern blieb immer die Figur im Hintergrund. Mit Einfluss. <a href="http://www.sonntagszeitung.ch/fokus/sonntagsgespraech/sonntagsgespraech-detailseite/?newsid=263405">Der «Sonntagszeitung»</a> sagte er kürzlich: «Wer Einfluss hat, redet nicht darüber. Sonst verflüchtigt sich der Einfluss.» Dass er welchen hat, <a href="http://netzwertig.com/2008/02/06/journalisten-selbstkritik-ein-versuch-immerhin/">war ihm immer klar</a>: «Medien sind ja unglaublich mächtig, das muss man sehen. Wobei: Journalisten streiten das immer vehement ab – das ist ein Kniff.» Davon <a href="http://www.schweizer-illustrierte.ch/gesellschaft/espresso/ueber-boulevard-journalisten-und-putschisten">weiss auch Marc Walder</a>: «Sie nehmen doch selber Einfluss. Massiv sogar!» Dass Meyer Einfluss ausübt, ist ihm nicht vorzuhalten. Seine Macht im Haus ist vor allem im Duckmäusertum und der Ideenlosigkeit der Anderen zu suchen. Er ist genau so stark, wie das die anderen zulassen.</p>
<h3>Verpasste Karrieren</h3>
<p>Bei der Betrachtung von Meyer fällt auf, dass er nicht das liefert, für was er angeblich steht. Er ist mehr der Typus «meinungsstarker Blogger» als der Typus «nüchterner Journalist», was ja nicht das Schlechteste ist. Statt Fakten zu liefern, führte er in der Schweizer Illustrierten der 1970er-Jahre die Homestory ein und zeigte die angeblich «menschliche», tatsächlich aber politikferne und irrelevante Seite von Bundesräten beim Essen von Spaghetti, Risotto oder Fondue. Statt ausgewogen zu berichten, betreibt er Politik und versucht, Leute im eigenen Sinne zu beeinflussen. Statt kritisch nachzufragen, gefällt er sich als Vis-à-vis im Spiegel bedeutender Leute. Statt die Wahrheit herauszufinden, schreibt er meinungslastige Kolumnen. Heute hält er Ringier-Mitarbeiter von der Arbeit ab mit seinen Visionen eines untergegangenen Journalismus. Die Wahrheit ist, dass genau jener, der im Hause Ringier für den Journalismus steht, gar nicht für den Journalismus steht &#8211; sondern für Boulevard, für Beziehungsfilz, für Günstlingswirtschaft, für Meinungsmache, für Absprachen abseits der Öffentlichkeit. Wie einige andere Journalisten, die Ideologie mitunter mit Wahrheit verwechseln, wäre er besser frühzeitig Politiker geworden. Seine verpasste Karriere ist die eines offenen Gegenspielers von Christoph Blocher. Er hätte ein Aushängeschild der SP sein können, wie Peter Bodenmann. Ein Gewerkschaftsführer wie Lech Walesa. Ein EU-Funktionär wie Martin Schulz. Oder ein PR- und Werbekampagnenleiter im Hintergrund. Nur als Journalist taugt einer, der vor allem Politik und Propaganda machen will, nicht.</p>
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<h3>Relikt &#8230;</h3>
<p>Während der Altstar wie eh und je seine Privilegien geniesst und über den untergehenden Journalismus auf Papier doziert, produziert das Ringier-Fussvolk längst multimedial, jedoch zusammengepfercht im Newsroom. Wenn eine Andrea Bleicher keine Lust verspürt, Meyer den Hof zu machen (<a href="http://medienwoche.tumblr.com/post/60835708237/meine-eltern-erzogen-mich-man-solle-nicht">«Meine Eltern erzogen mich, man solle nicht arschkriechen»</a>), dann hat das vielleicht gar nicht so viel mit einer tatsächlichen Abneigung zu tun, sondern mehr mit dem Unwillen, mit jemandem über Journalismus zu reden, der seit Jahrzehnten weg ist von jenem Journalismus, wie er im Ringier-Newsroom betrieben wird. Frank A. Meyer gehört nun mal ins Museum, als Relikt des Ringier-Verlags im späten 20. Jahrhundert. Er ist ein anarchronistisches Auslaufmodell, von dem der Verlag offenbar tatsächlich verspricht, er könne sich damit das Image aufpolieren. Die Frage ist: Glaubt Marc Walder ernsthaft, Frank A. Meyer stehe für Journalismus? Er muss furchtbar naiv sein. Oder äusserst gewitzt. Denn man könnte es als Kniff des Unternehmens bezeichnen, die sich an Ringier reibenden Journalisten am Paradiesvogel Meyer abarbeiten zu lassen, während die Ringier-<a href="http://www.sueddeutsche.de/medien/serie-wozu-noch-journalismus-schreckgeweitete-augen-1.934245">«Rollkoffer-Kommandos»</a> im Hintergrund schon lange nicht mehr verlegerisch-journalistische, sondern vor allem kommerzielle Ziele verfolgen. «Der Espresso, den ich jeden Dienstagmorgen mit Frank A. Meyer trinke, ist in der Tat eine Versicherung für mich – dass ich journalistisch tätig bleibe», <a href="http://www.nzz.ch/aktuell/wirtschaft/uebersicht/eine-marke-auf-allen-kanaelen-1.1676634">sagt</a> Walder jedenfalls öffentlich, und es macht fast den Anschein, als glaube er, <a href="http://www.schweizer-illustrierte.ch/gesellschaft/espresso">diese Gespräche</a> seien journalistisch mindestens so wertvoll wie das, <a href="https://medienwoche.ch/2011/06/23/morgeli-sunneli-herrliberg/">was Matthias Ackeret mit Christoph Blocher macht</a>.</p>
<h3>&#8230; und Golden Boy</h3>
<p>Am 6. Januar 2014 wird Meyer 70 Jahre alt &#8211; mit ihm geht eine zumindest finanziell goldene Zeit des Journalismus zu Ende. Er ist ein Glückskind, ein Götterknabe, ein Golden Boy, der alle guten Zeiten voll ausgenützt hat und zum Verwundern aller die wichtigen Machtkämpfe für sich entscheiden konnte. Sein Auf- und Abstieg verlief erstaunlich parallel zu dem der «Blick»-Print-Ausgabe. Der Aufstieg des jungen Arbeiterkinds im Sportwagen, der die Frauen reihenweise beeindruckte. Der Höhepunkt der Macht als Strippenzieher in der ständigen Suite des Berner Nobelhotels Bellevue Palace, als er sogar <a href="http://www.parlament.ch/ab/frameset/f/v/4601/5107/f_v_4601_5107_5119.htm">Stimmen bei der Bundesratswahl</a> erhielt. Und der Abstieg seiner Relevanz mit dem Beginn des Internet-Zeitalters. Meyer ist nur «ein linker Moralist» (<a href="http://www.blick.ch/news/politik/fam/ueber-ringiers-juengsten-kolumnisten-frank-a-meyer-id10912.html">Thomas Hürlimann</a>) und «ein Journalist, mittlerweile pensioniert, der in Berlin lebt» (<a href="http://blog.persoenlich.com/?p=452">Christian Unger</a>). Eine Stimme aus dem letzten Jahrhundert in einem Konzern, in dem die zukünftige Rolle des Journalismus ein grosses Fragezeichen bleibt.</p>
<p>Wahr ist aber auch, dass der Ringier-Verlag ohne seinen gealterten Prinz grauer wäre, langweiliger und mehr nach Zahlen geführt würde. So abgeschmackt und pauschal seine Aussagen über die Rollkoffer-Kommandos sind und so seltsam sie sich anhören aus dem Mund eines Mannes, der alles hatte und alles machen konnte, so ein bisschen treffen sie natürlich dennoch. Fast alle, die ich auf Meyer angesprochen habe, sagten sinngemäss, dass Meyer zwar schlimm sei, ohne ihn aber alles noch viel schlimmer wäre. Stellvertretend für viele <a href="http://blog.dasmagazin.ch/2013/09/20/herr-meyer-oder-unsere-famose-branche/">schreibt Martin Beglinger</a>:</p>
<blockquote><p>Entschuldigung, aber was wollen wir Journalisten denn? Noch mehr Erbsenzähler in den Verlagshäusern? Oder als Journalisten getarnte Generalunternehmer, die Hefte und Zeitungen zwischen Salatsaucen und Konzerten verkaufen? Gerade wir Journalisten müssten doch froh sein, wenn ein Journalist das Ohr des Verlegers hat und nicht nur die Buchhalter. Stattdessen wird Meyer genüsslich vorgerechnet, was er seinen Verlag schon alles gekostet habe. Als würde das die Journalisten ernsthaft interessieren. </p></blockquote>
<p>Tatsächlich ist und bleibt er für viele eine Inspiration, ein zuverlässiger Auslöser von Liebe, Freude, Ärger und Hass. Wäre er langweilig oder irrelevant, hätte er sich nie so lange an der Macht gehalten. Es sind die anderen, die durchschnittlich sind.</p>
<h3>«Ich bleibe Journalist»</h3>
<p>Meyers Untergang, wie er im September in der NZZ am Sonntag (<a href="http://webpaper.nzz.ch/2013/09/15/hintergrund/KMA7V/abstieg-des-einfluesterers?guest_pass=471fba1b66:KMA7V:cb92a3465f3f71bfaed9c03fde5bf3ca39b3b1a0">«Abstieg des Einflüsterers»</a>, von Francesco Benini) und im Tages-Anzeiger (<a href="http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Ringiers-Schlossgespenst/story/15531599">«Ringiers Schlossgespenst»</a>, von Michèle Binswanger) beschworen wurde, ist wohl mehr Wunschdenken als Realität. «Ich bleibe Journalist, bis zu meinem letzten Tag. Und Ringier bleibt meine journalistische Heimat», sagte er <a href="http://netzwertig.com/2007/06/20/frank-a-meyer-ist-kein-dinosaurier/">2007</a> dem «Schweizer Journalist». Die Chancen, dass er recht behalten könnte, stehen gar nicht schlecht. Solange Michael Ringier lebt und etwas zu sagen hat, hat auch Frank A. Meyer etwas zu sagen. Er sei der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kardinal_Richelieu">Kardinal Richelieu</a> des Ringier-Verlags, schrieb Peter Rothenbühler 2004 in einem «Persönlich»-Porträt. In diesem Vergleich wäre Michael Ringier <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_XIII.">Ludwig XIII.</a> &#8211; letzterer stützte seinen langjährigen Berater bis zu dessen Tod. Richelieu war ein Verfechter des Zentralismus und Absolutismus, wie Frank A. Meyer zog er die Fäden im Hintergrund.</p>
<p><b>Übersicht der <a href="https://medienwoche.ch/tag/ringier2013/">Ringier-Serie</a>:</b><br />
1. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2013/12/05/koenigshaus-der-anstaendigen/">Königshaus der Anständigen</a><br />
2. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2013/12/09/palastrevolution/">Palastrevolution</a><br />
3. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2013/12/17/golden-boy-der-begueterten-kapitalistenhasser/">Golden Boy der begüterten Kapitalistenhasser</a></small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/12/17/golden-boy-der-begueterten-kapitalistenhasser/">Golden Boy der begüterten Kapitalistenhasser</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Palastrevolution</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2013/12/09/palastrevolution/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 Dec 2013 22:11:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Rolf Cavalli]]></category>
		<category><![CDATA[René Lüchinger]]></category>
		<category><![CDATA[Frank A. Meyer]]></category>
		<category><![CDATA[Andrea Bleicher]]></category>
		<category><![CDATA[Andreas Kunz]]></category>
		<category><![CDATA[Florian Fels]]></category>
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		<category><![CDATA[Ringier2013]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im August 2013 herrschte einmal mehr Unruhe in der Führung des «Blick» und seinem Politikressort. Ein Protest des Newsroom-Kaders scheiterte, René Lüchinger wurde Chefredaktor. Mehrere langjährige Mitarbeiter gingen oder mussten gehen, so der die politische Linie prägende Henry Habegger. Im Richtungsstreit der Boulevardzeitung verlieren die in den letzten Jahren dominierenden linkskonservativen Kräfte an Einfluss. Teil <a href="https://medienwoche.ch/2013/12/09/palastrevolution/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Im August 2013 herrschte einmal mehr Unruhe in der Führung des «Blick» und seinem Politikressort. Ein Protest des Newsroom-Kaders scheiterte, René Lüchinger wurde Chefredaktor. Mehrere langjährige Mitarbeiter gingen oder mussten gehen, so der die politische Linie prägende Henry Habegger. Im Richtungsstreit der Boulevardzeitung verlieren die in den letzten Jahren dominierenden linkskonservativen Kräfte an Einfluss. Teil 2 unserer Serie zum Ringier-Verlag.<br />
<span id="more-16830"></span><br />
Die Frage nach dem «Blick»-Chef und und der Linie der Boulevardzeitung ist immer wieder neu ein Thema. Während die deutsche «Bild», politisch konservativ und mit sinkender Auflage kommerziell erfolgreich, seit 13 Jahren vom heute auch erst 49-jährigen Kai Diekmann geleitet wird, <a href="http://www.nzz.ch/aktuell/feuilleton/medien/18-blick-chefs-in-54-jahren-1.18137276">wechseln die Verantwortlichen bei der Schweizer Boulevardzeitung ständig</a>: Jürg Lehmann (1999), Werner de Schepper (2003), Rolf Cavalli (2007, interimistisch), Bernard Weissberg (2007), Ralph Grosse-Bley (2010).</p>
<h3>Abgänge langjähriger Mitarbeiter</h3>
<p>Nach der Trennung im Februar 2013 von Ralph Grosse-Bley («in bestem Einvernehmen») ergriff Andrea Bleicher die ihr interimistisch übertragene Leitung mit Enthusiasmus und stellte mehrere Mitarbeiter ein. Hinter den Kulissen wurde im März bereits René Lüchinger kontaktiert, was vermuten lässt, dass Bleicher gar nie eine echte Chance hatte, ihre interimistische Chefposition zu behaupten. Um Bleicher zu halten, wurde das Angebot an Sie, zu Lüchingers Stellvertreterin herabbefördert zu werden, mehrfach finanziell aufgebessert, die Rede ist von bis zu 300&#8217;000 Franken Jahreslohn. Dass schlussendlich sowohl Bleicher als auch ihr Lebenspartner Rolf Cavalli nach vielen Jahren Mitarbeit die Firma verliessen, hat die Ringier-Führung ernstlich überrascht, auch wenn sie durchaus informiert war über die private Beziehung der beiden. Mit Cavalli hat man sich dem Vernehmen nach noch um Ferientage gestritten. Nach 16 Jahren treuer Mitarbeit.</p>
<p>Am 11. August berichtete die NZZ am Sonntag über Lüchingers Berufung als Chefredaktor, was die Woche darauf eine breite Solidarisierungsaktion der «Blick»-Redaktion mit Bleicher auslöste, die in einem <a href="http://www.presseverein.ch/2013/08/meuterei-auf-der-blick/">Brief an Marc Walder</a> gipfelte («ein abermaliges Experiment mit ungewissem Ausgang»). Lüchinger, der bisher kaum je unbequem aufgefallen ist und mit Boulevard nur wenig Erfahrung hat, erhielt einen Dreijahresvertrag. Er ist zwar als fleissiger Arbeiter bekannt, aber man spottet schon, er werde sich wohl danach frühpensionieren lassen und nach Spanien gehen, um seinen Ruhestand zu geniessen.</p>
<p>Die Mitarbeiter-Aktion nützte nichts. Die Verunsicherung danach war aber so gross, dass neben Florian Fels (CEO Publishing), René Lüchinger, Christine Maier, Frank A. Meyer, Michael Ringier und weiteren mehr sich tatsächlich auch CEO Marc Walder mit der in einem Grosskonzern doch eher nachrangigen Personalie eines Politik-Redaktors befassen musste. Warum? Weil sich letztlich niemand endgültig dafür verantwortlich zeigen wollte, den Meyer-Vertrauten Henry Habegger zu entlassen &#8211; zu oft wurden Leute, die Meyer nahe standen, bald darauf auch zu Ex-Ringier-Mitarbeitern. Veranlasst hat den fristlosen Rauswurf von Habegger dann Florian Fels, dabei seit März 2013. Wie intern mitgeteilt wurde, sei Habeggers Verhalten in diesem konkreten Fall nur der Tropfen, der ein ohnehin volles Fass zum Überlaufen gebracht habe.</p>
<p>Hintergrund für die Entlassung von Habegger, der bei der «Schweiz am Sonntag» vorerst einen neuen Job als Politikredaktor gefunden hat, war eine Auseinandersetzung mit dem eben erst von Andrea Bleicher neu eingestellten stv. Politchef der «Blick»-Gruppe, Andreas Kunz (der in einem Weltwoche-Text 2008 die Rechnung aufstellte, dass der konzernweite Schaden, den Frank A. Meyer bei Ringier bisher angerichtet habe, sich auf rund 300 Millionen Franken belaufe). Nach dem Abgang von Andrea Bleicher geriet Kunz bald in Konflikt mit Henry Habegger und Irene Harnischberg, die seine Artikel intern aggressiv kritisierten. In der Folge erhielten die beiden Redaktoren eine von den Kadermitarbeitern in der «Blick»-Gruppe getragene, schriftliche Abmahnung &#8211; von illoyalem Verhalten war darin die Rede, von Beschimpfungen anderer Mitarbeiter und eigenmächtigem Verhalten.</p>
<h3>Fall «Carlos»</h3>
<p>Kunz, entnervt von der Auseinandersetzung, kündigte am 27. August, just an jenem Tag, als er die Titelgeschichte zeichnete, einem Dienstag (Titelschlagzeile: «Sozial-Wahn! Zürcher Jugend-Anwalt zahlt Messerstecher (17) Privatlehrer, 4 1/2-Zimmer-Wohnung und Thaibox-Kurse. Kosten: 22 000 Fr pro Monat»). Der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Fall_%C2%ABCarlos%C2%BB">Fall «Carlos»</a> war auch am Mittwoch («Zu brutal für den Knast!»), Donnerstag («‹Der Staat macht ihn zur Killermaschine›») und Freitag («Samurai-Kurse für einen Mutter-Prügler!») Titelschlagzeile, immer mit Kunz als Lieferant der Story. Weil Kunz mit dem Aufgreifen des Fall «Carlos» den «Blick» für eine Woche wieder in das Zentrum der nationalen Aufmerksamkeit rückte, was sonst selten bis nie passiert, sorgten sich die Ringier-Kader mit mehreren Sitzungen um seinen Verbleib &#8211; am Ende blieb er jedoch bei der Kündigung, was jene, die sich um ihn bemühten, enttäuschte. Für Kunz ist die Sache «abgeschlossen», er <a href="http://www.tamedia.ch/de/pressekontakt/medienmitteilungen/2013/pressrelease/andreas_kunz_wird_stellvertretender_chefredaktor_der_sonntagszeitung_neue_gestaltung_und_blattar/">übernimmt</a> nun die stv. Chefredaktion der «Sonntagszeitung», gemeinsam <a href="http://www.tamedia.ch/de/pressekontakt/medienmitteilungen/2013/pressrelease/andrea_bleicher_wird_neue_stellvertretende_chefredaktorin_der_sonntagszeitung/">mit Andrea Bleicher</a>.</p>
<h3>Verwaistes Politik-Ressort</h3>
<p>Seit ihrem Abgang hat die «Blick»-Redaktion gleich vier interimistische Chefs, dafür ist das Politikressort nach dem Abgang von Kunz, Habegger und dem bisherigen Chef, Jürg Auf der Maur, verwaist. Erkundigt man sich zur Absetzung von Habegger, so ist von einer Palastrevolution, von einem grossen Befreiungsschlag die Rede, denn Habegger war sozusagen der Abgesandte von Meyer in Zürich. Wenn auch nicht in allen Fragen gleicher Meinung, teilt er grundsätzlich Meyers Weltanschauung und setzte sie erfolgreich im «Blick»-Politikressort durch. Chefredaktoren, die ihn kritisch hinterfragten, beschied er auch mal selbstbewusst, sein Chef heisse Meyer. Gegenüber der MEDIENWOCHE gibt Habegger zur Sache keine Auskunft, bei «Interna» verfahre er immer so. Nach seinem Verständnis sind Journalisten «keine Akteure».</p>
<p>Mit den Abgängen von Henry Habegger (16 Jahre bei Ringier) und Clemens Studer (ehemaliger stv. Chefredaktor, 13 Jahre bei Ringier, ging im Februar) schwinden jene Kräfte, die den «Blick»-Politikteil gegen den Grossteil der Leserschaft auf gewerkschaftlich-sozialdemokratischer Linie gehalten haben. Werner Vontobel, seit vielen Jahren der Garant für eine solche Haltung in Wirtschaftsfragen, bleibt an Bord. Für Habegger wurde schnell Ersatz gefunden &#8211; ausgerechnet im Pressesprecher der SP Schweiz, <a href="http://www.akbonline.ch/">Andreas Käsermann</a>. Der war überrascht von der Anfrage, hatte aber Interesse am Job und unterzeichnete deshalb einen bis zum 3. Februar befristeten Vertrag. Er werde die SP in seiner Berichterstattung nun aber weder strafen noch bevorzugen, auch wenn nun einige vermuten würden: «Es stimmt: Ich wähle links, ich stimme links, ich habe schon als Bundeshausjournalist meine Denke gehabt», sagt er auf Anfrage, und natürlich ist es so, dass auch jene Politikjournalisten, die ihre politische Haltung verschleiern, eine haben. Käsermann gibt aber zu, dass er sich als Pressesprecher der SVP nicht beworben hätte: «Das hätte ich nicht glaubwürdig vertreten können.»</p>
<h3>Personelle Engpässe</h3>
<p><img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2013/12/bli_20131206_0_0_a2.jpg" alt="" title="Blick vom 6. Dezember 2013, Seite 2" width="200" height="294" class="alignleft size-full wp-image-17274" />Ausgewählt wurde Käsermann auch, weil Mitarbeiter der «Blick»-Politikabteilung, die sich den Ruf einer «Schlangengrube» erarbeitet hat, derzeit verzweifelt gesucht werden, angeblich geht man die Impressen der Konkurrenz Name für Name durch. Politik findet derzeit im «Blick» kaum noch statt. Am vergangenen Freitag waren auf der Seite 2, bei der deutschen «Bild» Pflichtlektüre für die Politiker, Geschenkideen zu lesen sowie ein Bericht, dass die Oberstufe Wädenswil 40&#8217;000 Franken gewonnen hatte. Auch die an sich begehrenswerte Stelle des «Blick»-Politikchefs, die in den letzten vier Jahren von Clemens Studer, Michael Perricone und Jürg Auf der Maur besetzt wurde, wird von vielen abgelehnt. Könnte nicht Frank A. Meyer mal diesen Posten übernehmen und im Newsroom das Zepter schwingen? Dafür müsste er aber Berlin verlassen und Verantwortung übernehmen &#8211; was ausgeschlossen erscheint. Von Ringier kontaktiert wurden unter anderem Constantin Seibt (Tages-Anzeiger) und Christof Moser (Schweiz am Sonntag). Doch so richtig kann man sich Seibt nicht vorstellen beim «Blick», und auch Moser hat kürzlich öffentlich <a href="https://twitter.com/christof_moser/statuses/401029672341086208">Freiheit vor Führungsaufgaben</a> gestellt.</p>
<p>Immerhin eine Personalie konnte inzwischen vermeldet werden. Der Anfang Juni angekündigte Autorenpool der «Blick»-Gruppe, der <a href="http://www.kleinreport.ch/news/blick-geht-mit-neuem-autorenpool-die-offensive-75396/">am 1. November seine Arbeit aufnehmen wollte</a>, hat nach fünf Monaten neben Leiter Peter Hossli einen ersten Mitarbeiter gefunden: <a href="http://www.ringier.com/de/medien/medienmitteilungen/jean-francois-tanda-neu-im-autorenpool-der-blick-gruppe">Jean François Tanda</a>. Der «Blick»-Autorenpool ist übrigens eine <a href="http://www.kleinreport.ch/news/autorenpool-fuer-die-blick-gruppe-44989/">aufgewärmte Idee aus dem Jahr 2002</a>, die damals augenscheinlich keinen dauerhaften Erfolg nach sich zog. Neben den Stellen im Politikressort ist weiterhin auch der Blick.ch-Chefsessel unbesetzt, den sich derzeit Thomas Enderle und Benjamin Rüegg teilen (ad interim).</p>
<p>Die linkskonservative Fraktion um Meyer hat nach dem Abgang von Werner de Schepper 2008 die zweite Niederlage erlitten. Auch wenn nun der Weg für nachhaltige Reformen in der Zeitung freier ist als auch schon, scheuen die Journalisten vor Ringier wie Pferde vor der Klapperschlange. Mit der fristlosen Entlassung von Henry Habegger durch Florian Fels ist ein Schritt getan, es braucht aber wohl noch weitere grundlegende Veränderungen, damit die Marke «Blick» zu einer Adresse wird, die gute Journalisten anzieht. An Intrigen, Mobbing und Missachtung der Kompetenzbereiche haben verständlicherweise nur wenige ein Interesse.</p>
<h3>Ausblick</h3>
<p>Die von Fels geleitete «Blick»-Gruppe steht vor der wichtigen Frage, wie es mit den Konvergenz-Bestrebungen weitergeht. Mit dem Newsroom existiert dafür eine gute Grundlage, die letzten Entscheidungen zielten aber eher in eine andere Richtung: Weder René Lüchinger noch Christine Maier sind für herausragende Onlinekompetenz bekannt und mit <a href="http://www.blickamabend.ch/">Blickamabend.ch</a> wird diesen Donnerstag ein neues Fass aufgemacht, das seine Verträglichkeit mit <a href="http://www.blick.ch/">Blick.ch</a> erst noch beweisen muss.</p>
<p>Was die Leser wirklich interessiert und empört, zeigte kürzlich Roger Baur. <a href="http://www.blick.ch/news/schweiz/bern/berner-politiker-erhoehen-sich-den-lohn-um-50-prozent-id2543348.html">Sein Text</a> über sich selbst den Lohn erhöhende Berner Kantonsparlamentarier wurde bisher über 5000 mal bei Facebook geteilt.</p>
<p><b>Übersicht der <a href="https://medienwoche.ch/tag/ringier2013/">Ringier-Serie</a>:</b><br />
1. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2013/12/05/koenigshaus-der-anstaendigen/">Königshaus der Anständigen</a><br />
2. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2013/12/09/palastrevolution/">Palastrevolution</a><br />
3. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2013/12/17/golden-boy-der-begueterten-kapitalistenhasser/">Golden Boy der begüterten Kapitalistenhasser</a></small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/12/09/palastrevolution/">Palastrevolution</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Königshaus der Anständigen</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2013/12/05/koenigshaus-der-anstaendigen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Dec 2013 10:37:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Annette Ringier]]></category>
		<category><![CDATA[Evelyn Lingg-Ringier]]></category>
		<category><![CDATA[Pool Position]]></category>
		<category><![CDATA[Ringier2013]]></category>
		<category><![CDATA[Ringier]]></category>
		<category><![CDATA[Marc Walder]]></category>
		<category><![CDATA[Familie]]></category>
		<category><![CDATA[Unabhängigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Michael Ringier]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Unterhaltungskonzern und Medienverlag Ringier funktioniert auf zwei Ebenen: der gegen aussen gezeigten Hochglanz-Fassade &#8211; und den sich innen abspielenden Beziehungen und Abgründen. Geführt wird das vor 180 Jahren gegründete Familienunternehmen wie eine Familie, in der man Wert legt auf Anstand. Teil 1 unserer Serie zum Ringier-Verlag. Der Ringier-Verlag aus Zofingen und Zürich war mal <a href="https://medienwoche.ch/2013/12/05/koenigshaus-der-anstaendigen/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Der Unterhaltungskonzern und Medienverlag Ringier funktioniert auf zwei Ebenen: der gegen aussen gezeigten Hochglanz-Fassade &#8211; und den sich innen abspielenden Beziehungen und Abgründen. Geführt wird das vor 180 Jahren gegründete Familienunternehmen wie eine Familie, in der man Wert legt auf Anstand. Teil 1 unserer Serie zum Ringier-Verlag.<br />
<span id="more-16950"></span><br />
Der Ringier-Verlag aus Zofingen und Zürich war mal ein ganz normaler Zeitungs- und Zeitschriftenverlag, man nannte ihn Heftliverlag. Heute er ein Konzern mit rund 8000 Mit­ar­bei­tern und einem Umsatz von fast 1,1 Milliarden Franken, der seit einiger Zeit mit den Bereichen Publishing, Digital und Entertainment eine Drei-Säulen-Strategie fährt. Die Eigentümer heissen Evelyn Lingg-Ringier, Annette Ringier und Michael Ringier, letzterer ist aktueller Verwaltungsratspräsident. Aufgewendet wurden 2012 956.3 Millionen Franken, davon rund 46 Prozent (438 Mio.) für Löhne und Gehälter, Sozialleistungen, Personalnebenkosten und Redaktionshonorare sowie rund 11 Prozent (108.5 Mio.) nur für Papier. 70.9 Prozent des Umsatzes wird in der Schweiz und Deutschland erwirtschaftet, aber auch 26.4 Prozent in Osteuropa und 2.7 Prozent im Bereich «Asien Pazifik / Neue Märkte», weshalb es den Jahresfilm 2012 in <a href="http://www.youtube.com/watch?v=AcmNjMY_ZOY">Deutsch</a> und <a href="http://www.youtube.com/watch?v=zZk0nJwkBsM">Englisch</a> gibt.</p>
<p><iframe width="450" height="253" src="//www.youtube.com/embed/AcmNjMY_ZOY?rel=0" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Für die Blick-Gruppe hat das Unternehmen in Zürich einen der modernsten Newsrooms Europas gebaut und auch sonst gibt es sich gerne hochmodern &#8211; unzählige Image-Broschüren, -Filme und Apps, die Ringier stets glänzend und hochprofessionell darstellen, zeugen davon. Doch neben den offiziellen Strukturen gibt eine zweite, nicht schriftlich festgehaltene Ebene, die stark an einen Königshof erinnert. An dem intrigiert wird, protegiert, gemobbt, gepusht und geblockt. An dem Loyalität und Beziehung vor Leistung und Fähigkeit gehen. An dem der Schein oft mehr ist als das Sein. An dem Mitarbeiter daran gewöhnt wurden, sich zu ducken und anzupassen, nicht zu sagen, was sie denken. An dem altgediente Mitarbeiter es sich erlauben können, neue einfach gar nicht zu grüssen. Ringier ist nicht nur ein Weltkonzern, sondern auch ein Familienunternehmen, in dem der Mensch mehr im Vordergrund steht als anderswo (positive Sichtweise), das manchmal fern jeder Unternehmenslogik herumwurstelt (negative Sichtweise).</p>
<p>Das Vermögen der Familie Ringier wird von der «Bilanz» auf 1 bis 1,5 Milliarden Franken geschätzt (2012). Sie besitzt also etwa, was das Gesamtunternehmen in einem Jahr erwirtschaftet. Mit so einem Vermögen kann man es sich gut gehen und das Geld für sich arbeiten lassen. Doch einfach nur reich sein, das will man nicht; man will auch anständig sein. Deshalb wird das Unternehmen nicht nur nach betriebswirtschaftlichen Aspekten, sondern auch wie eine grosse Familie geführt.</p>
<p>Wer einmal in diese Familie aufgenommen wurde, weil er sich irgendwie verdient gemacht hat, die richtigen Leute kennt oder zur richtigen Zeit am richtigen Ort war, muss sich schon sehr illoyal verhalten, um wieder ausgeschlossen zu werden. Ein einmal unter die Fittiche genommenes Kind schickt man nicht einfach zum Teufel, nur weil es sich als unfähig herausstellt, Alkoholprobleme hat oder Fehler gemacht hat. Das Gefühl einiger Mitarbeiter für diese Familie ist stark: fast wie in einer Firma in Tokio oder Kyoto verbringt man auch mal die Freizeit miteinander, sitzt gemeinsam in Cafés, Kneipen oder Karaokebars herum und spielt Fussball miteinander. Und das durchaus hierarchieunabhängig; man kann mit dem grössten Chef der beste Freund sein, jedenfalls hier und heute. Freundschaften sind Seilschaften. Und Seilschaften sind Freundschaften. Wer dennoch abgeseilt werden muss, darf damit rechnen, gut unterstützt ins Tal hinab begleitet zu werden.</p>
<p>Verlässt einer die Familie, wird ihm in der Regel nachgeweint. Das kapitalistische Prinzip des nüchternen Hire &#038; Fire hält man für eklig, auch wenn man sich mitunter selbst leider, leider gezwungen sieht, zu solchen Mitteln zu greifen. Man mag das grossherzig oder heuchlerisch finden, konkret verbunden mit dieser Haltung sind oft Abgangsentschädigungen, lange Lohnfortzahlungen und absurd grosszügige Bleibeangebote (von Mitarbeitern auch als «mit Geld zuscheissen» bezeichnet). Viele, von denen man sich getrennt hat, arbeiten als Externe weiter für den Verlag, und das nicht etwa für schlechtes Geld. Abgesehen von den Beengungen im Newsroom dürften die Mitarbeiter mehrheitlich zufrieden sein mit den Arbeitsbedingungen, es wird auch gut gezahlt. Und fällt jemand durch alle Maschen, so hat er gute Chancen, von der <a href="http://www.moneyhouse.ch/u/annette_ringier_stiftung_CH-160.7.005.238-4.htm">Annette Ringier-Stiftung</a> aufgefangen zu werden: «Die Stiftung bezweckt zudem die Unterstützung von Arbeitnehmern und ehemaligen Arbeitnehmern der Ringier Holding AG, Zofingen, oder mit dieser wirtschaftlich oder finanziell eng verbundener Unternehmungen im Fall von Arbeitslosigkeit, Krankheit, Invalidität, Alter, Tod und Notlagen, vor allem in Fällen, für welche von anderen Fürsorgeeinrichtungen keine oder nicht ausreichende Leistungen erbracht werden können.»</p>
<p>Die Verantwortung für seine Mitarbeiter ernst zu nehmen und nicht ausschliesslich auf eine Gewinnmaximierung hinzuzielen, ist eine Eigenschaft, die jedem Unternehmer gut steht und die Ringier durchaus positiv von der Konkurrenz abhebt. Aus dieser Verantwortung heraus ist eine bemerkenswert sozialsensitive Haltung erwachsen (die übrigens Unternehmer aus anderen politischen Ecken mit etwas weniger Attitüde auch tragen). Man gibt sich allergrösste Mühe, das Einkommen sauber, nachhaltig, sozial- und umweltverträglich zu erwirtschaften. Um jeden Preis möchte man zu den «guten» Reichen gehören, denn unter Linken werden solche Unterschiede durchaus gemacht, wie Martin Beglinger in seinem <a href="http://blog.dasmagazin.ch/2013/11/15/die-stadt-der-lieben-und-der-boesen-reichen/">Text über die Basler Elite</a> aufgezeigt hat. Dass viele Journalisten trotzdem niemals bei Ringier arbeiten würden, liegt daran, dass der Verlag mit Blick, Sonntagsblick, Schweizer Illustrierte, Glückspost und ihren vielen Ablegern im Ausland, mit Boulevard erfolgreich ist, mit Klatsch, Tratsch, Stars, grossen Schlagzeilen, aufgemotzten Storys und manchmal auch mit Grenzüberschreitungen, wie sie der Schweizer Presserat <a href="http://presserat.ch/positions.htm">dokumentiert</a>.</p>
<p>Wer bei Ringier erfolgreich sein will, muss auf beiden Ebenen bestehen: Auf der Hochglanz-Ebene, wo jede Schwäche retuschiert, jede Wahrheit gebogen und jedes Gefühl verkitscht wird. Und auf der Beziehungs-Ebene, wo es darum geht, Allianzen zu schmieden, sich mit den richtigen Leuten gut zu stellen, und im richtigen Moment alles fallen zu lassen. Es ist kurzgefasst ein Weltbild, das aus dem Hochglanz aussen und dem Dreck innen besteht. Man korrumpiert die Menschen auf der Beziehungsebene und schmeichelt ihrer Eitelkeit &#8211; um sich dann in einem Moment der Schwäche mit ihnen im Dreck zu wälzen, Geheimnisse auszuplaudern und Schattenseiten zu thematisieren. Wer sich als betont integrer Charakter sieht, als ein Mensch, der aussen wie innen der Gleiche ist, passt nicht in dieses Konzept und wird im Zweifel bekämpft oder ignoriert. Im heutigen Zeitalter der Transparenz passt ein solches Weltbild für viele nicht mehr, sie möchten gerne ein einziger Mensch sein, nicht einer, der in der Öffentlichkeit lacht und zu Hause weint. So modern sich Ringier gibt: Der Verlag hält ein konservatives Weltbild aufrecht, das zwingend aus einer Fassade und einer dunklen Seite zu bestehen hat. Verlagsintern, aber auch in seinen Publikationen.</p>
<p>In den letzten Jahren ist man dazu übergegangen, «familiäre» Beziehungen ausserhalb der Firma vertraglich abzusichern, was die Unabhängigkeit der Redaktionen sehr in Frage stellt. <a href="http://www.ringier.com/de/media/press-releases/ringier-nimmt-ottmar-hitzfeld-unter-vertrag">Ottmar Hitzfeld</a> und <a href="http://www.sonntagszeitung.ch/nachrichten/kolumne-peter-rothenbuehler/kolumne-peter-rothenbuehler-detailseite/?newsid=218265">Gölä</a> kommen deshalb so oft vor in Ringier-Publikationen, weil sie sozusagen mittels Vertragsabschluss in die Familie aufgenommen wurden. 2013 schloss <a href="http://www.pool-position.ch/">Pool Position</a>, eine «Künstler Management-Firma», an der Ringier zu 40 Prozent beteiligt ist, Verträge ab mit <a href="http://www.ringier.com/de/medien/medienmitteilungen/pool-position-switzerland-nimmt-comedian-peter-loehmann-unter">Peter Löhmann</a>, <a href="http://www.ringier.com/de/medien/medienmitteilungen/pool-position-switzerland-nimmt-chris-bachmann-unter-vertrag">Chris Bachmann</a> und <a href="http://www.ringier.com/de/medien/medienmitteilungen/pool-position-switzerland-nimmt-renzo-blumenthal-unter-vertrag">Renzo Blumenthal</a> (siehe unsere Bildergalerie rechts), die gemäss den Medienmitteilungen alle ihre «Karriere weiter vorantreiben» möchten.</p>
<p>Der Preis für das Familienfeeling, das längst auf Werbekunden und Vertragspartner ausgeweitet wurde und in Prinzip jeden Bereich beherrscht und vereinnahmt, ist der Verlust der Unabhängigkeit. In einem <a href="http://www.ringier.com/de/medien/interviews/was">Interview der «Schweiz am Sonntag»</a> mit CEO Marc Walder ergab sich folgender, bezeichnender Wortwechsel:</p>
<blockquote><p><em>Wie tickt eigentlich der CEO politisch?</em><br />
In meinem Büro hängt der allererste «Blick» aus dem Jahr 1959, und da steht unter dem Logo «Die unabhängige Zeitung der Schweiz»…</p>
<p><em>Das Wort «unabhängig» fehlt heute.</em><br />
Aber es gilt nach wie vor.</p></blockquote>
<p>Andere Verlage und Publikationen mögen ebensowenig unabhängig sein, doch die Strategie, alles zu einer grossen Mélange zu machen, fährt nur Ringier. Ob sie am Ende aufgeht? Bis jetzt läuft es, finanziell zumindest, bestens.</p>
<p><b>Übersicht der <a href="https://medienwoche.ch/tag/ringier2013/">Ringier-Serie</a>:</b><br />
1. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2013/12/05/koenigshaus-der-anstaendigen/">Königshaus der Anständigen</a><br />
2. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2013/12/09/palastrevolution/">Palastrevolution</a><br />
3. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2013/12/17/golden-boy-der-begueterten-kapitalistenhasser/">Golden Boy der begüterten Kapitalistenhasser</a></small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/12/05/koenigshaus-der-anstaendigen/">Königshaus der Anständigen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Buzz auf Schloss Elektronia</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2013/10/22/buzz-auf-schloss-elektronia/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 22 Oct 2013 09:07:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Watson]]></category>
		<category><![CDATA[Marc Walder]]></category>
		<category><![CDATA[Huffington Post]]></category>
		<category><![CDATA[Blick.ch]]></category>
		<category><![CDATA[20min.ch]]></category>
		<category><![CDATA[Buzzfeed]]></category>
		<category><![CDATA[Ringier2013]]></category>
		<category><![CDATA[Ringier]]></category>
		<category><![CDATA[Hansi Voigt]]></category>
		<category><![CDATA[Blick am Abend]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Ankündigung von Ringier, Buzzfeed kopieren zu wollen, passt zum Wandel des Verlags zum Unterhaltungskonzern. Doch hinter der Verlautbarung verstecken sich Ideenlosigkeit und Leere &#8211; die man mit dem Einsatz von Geld kompensieren will. So versuchte man vergeblich, Hansi Voigt mit einem Jahreslohn von 500&#8217;000 Franken von seinem Projekt Watson abzuwerben. «Exklusiv» vermeldete am Freitagmittag <a href="https://medienwoche.ch/2013/10/22/buzz-auf-schloss-elektronia/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/10/22/buzz-auf-schloss-elektronia/">Buzz auf Schloss Elektronia</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Ankündigung von Ringier, Buzzfeed kopieren zu wollen, passt zum Wandel des Verlags zum Unterhaltungskonzern. Doch hinter der Verlautbarung verstecken sich Ideenlosigkeit und Leere &#8211; die man mit dem Einsatz von Geld kompensieren will. So versuchte man vergeblich, Hansi Voigt mit einem Jahreslohn von 500&#8217;000 Franken von seinem Projekt Watson abzuwerben.<br />
<span id="more-16332"></span><br />
«Exklusiv» vermeldete am Freitagmittag der Schweiz-Korrespondent des deutschen «Handelsblatt» unter dem Titel <a href="http://www.handelsblatt.com/unternehmen/it-medien/nachrichtenportale-schweizer-konzern-plant-buzzfeed-kopie/8952870.html">«Schweizer Konzern plant ‹Buzzfeed›-Kopie»</a>, dass Ringier «mit einem eigenen neuen Portal an den Markt» gehen sowie «junge, urbane Leser» ansprechen wolle. Auf meine Anfrage nach der Quelle der Story antwortet Autor Holger Alich, er nehme grundsätzlich keine Stellung zu seinen Quellen.</p>
<p>Womöglich werden einige diese Meldung für einen mutigen Schritt des Ringier-Verlags in die digitale Zukunft halten. Doch sie sagt nur wenig aus: Viele Printverleger glauben, ihr Glück zu finden, in dem sie den aktuell heissesten Scheiss für sich zu nutzen versuchen. Vor ein paar Jahren waren es die Tablets von Apple, die die Branche retten sollten. Jetzt offenbar <a href="http://www.buzzfeed.com/">Buzzfeed</a>: Eine durchaus unterhaltsame Contentfabrik, in der Inhalte und Werbung nur schwach voneinander getrennt Klicks ohne Ende fabrizieren. Wie auch das Modell «Huffington Post» ist Buzzfeed für den Journalismus eher Untergang als Lösung. In beiden Modellen kommt er nur am Rande vor.</p>
<p>Bei der HuffPo, vor einer Woche im deutschsprachigen Raum als <a href="http://www.huffingtonpost.de/">Huffington Post Deutschland</a> an den Start gegangen, werden nur die festangestellten Contentschieber bezahlt &#8211; ausserredaktionelle Inhalte, also das, was Journalismus ist oder sein könnte, bleiben unentlöhnt. Statt mit Honoraren zahlt die Tomorrow Focus AG lieber mit «Aufmerksamkeit» (2012 machte Mutterkonzern Hubert Burda Media 2456 Millionen Euro Umsatz und einen <a href=" http://www.wuv.de/medien/das_medienhaus_als_mischkonzern_burda_faehrt_dreistelligen_millionengewinn_ein">dreistelligen Millionengewinn</a>). Die Leistungen des HuffPo-Redaktionsteams zeigen sich bisher im Finden von wilden Farben für grosse Überschriften und im Aufmotzen von an sich banalen Tatsachen. Vielleicht mausert sich das Portal irgendwann zu einer lesenswerten Plattform, doch aktuell ist es ein Boulevard-Eintopf, in den jeder seinen PR- und Ego-Senf reindrückt. Um den Anschein von Fadheit gar nicht aufkommen zu lassen, würzt die Redaktion stets kräftig nach. Ein wohlschmeckendes Menü? Wer gratis gefüttert werden will, muss sich mit dem, was er kriegt, zufrieden geben.</p>
<p>Buzzfeed ist vom Prinzip mehr ein grosser Fleischwolf, mit dem Inhalte aus dem Internet zu wohlschmeckenden Mini-Würstchen verarbeitet werden, die dann in Listen oder Galerien angeboten und mit etwas Content drumrum angepriesen werden. Die Ergebnisse sind oft sehr kreativ und witzig, zwischendurch gelingen echte Highlights, auch journalistische. Man könnte Buzzfeed auch als ein heisser, süsser Griessbrei sehen, der Texte, Bilder, Videos und Werbung, also Griesskörner, Milch, Zucker und Zimt miteinander vermengt und so den Lesern mit einem grossen unbedeutenden Nichts überrollt.</p>
<p>In einem Experiment hat die Website «Neue Elite» <a href="http://www.neueelite.de/internet/20131021120516/39687/eine-woche-buzzfeed-das-ende-eines-experiments/">letzte Woche</a> konsequent eine Buzzfeed-Strategie verfolgt &#8211; und damit (nicht sehr überraschend) Klicks und Likes wie noch nie eingefahren:</p>
<blockquote><p>In dieser einen Woche hatten wir mehr Besucher als andere Onlinemagazine in einem ganzen Jahr. Uns gingen bereits nach kurzer Zeit die Banner aus, selbst die auf der untersten Backupebene.</p></blockquote>
<p>Manche weigern sich, den vorgesetzten Brei zu essen und spucken darauf, so Maddox von Thebestpageintheuniverse.net, der seit 1997 im Netz aktiv ist. In einem <a href="http://www.thebestpageintheuniverse.net/c.cgi?u=buzzfeed">Blogeintrag</a> und einem <a href="https://www.youtube.com/watch?v=8lni1b3Lw1U">Video</a> begründet er, weshalb er Buzzfeed für einen Schandfleck des Internets hält:</p>
<p><iframe loading="lazy" width="460" height="345" src="//www.youtube.com/embed/8lni1b3Lw1U" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Das Prinzip «Everything goes» und «Hauptsache Aufmerksamkeit» manifestiert sich sowohl bei HuffPo als auch bei Buzzfeed. Es sind beides keine schlechten und sicher gewinnbringende Ideen, die viele Menschen <del datetime="2013-10-21T09:41:41+00:00">zu Tode amüsieren</del> unterhalten werden. Die Gewinne, welche durch die Brei- und Eintopf-Verfütterung entstehen, können eine Grundlage sein für ernsthaften Journalismus, den es unter <a href="http://www.buzzfeed.com/Longform">BuzzReads</a> eben tatsächlich auch gibt &#8211; selbst ein kleines Investigativ-Team wurde <a href="http://www.nytimes.com/2013/10/22/business/media/buzzfeed-hires-pulitzer-winner-to-head-investigative-unit.html">neu gegründet</a>.</p>
<p>Hinsichtlich des sich abzeichnenden Wandels von Ringier von einem Verlagshaus mit gesellschaftlicher Verantwortung zu einem Konzern, der vor allem unterhalten will, passt Füttern (feed) mit Klatsch (Buzz) ganz gut. Die Frage ist aber auch, ob man dem Unternehmen im aktuellen Zustand eine ernstzunehmende Kopie von Buzzfeed überhaupt zutraut. David Bauer, «Digitalstratege» der Tageswoche, <a href="https://twitter.com/davidbauer/status/391237574984867840">twitterte</a> dazu diesen <a href="http://gifrific.com/wp-content/uploads/2012/09/Jennifer-Lawrence-ok-thumbs-up.gif" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="">Link</a>.</p>
<p>Fragt man sich, wer denn in der Schweiz am ehesten so etwas kann, stösst unweigerlich auf eine Antwort: <a href="http://www.20min.ch/">20min.ch</a>. Noch immer läuft es als eine Art Nachrichtenportal, doch mindestens die Hälfte aller Einträge segeln inzwischen unter dem Label «Kurioses aus dem Internet». Seit dem Abgang von Hansi Voigt vor einem Jahr konnte das Portal (<a href="http://www.tamedia.ch/de/pressekontakt/medienmitteilungen/2013/pressrelease/peter_waelty_wechselt_zu_20_minuten/">seit 1. September</a> mit Peter Wälty als Leiter der Digitalentwicklung) mit einem entschiedeneren Boulevard-Kurs die Aufmerksamkeit nochmals verstärken. <a href="http://netreport.net-metrix.ch/audit/detail.php?id=28990&#038;l=de&#038;s=51421">Vergleicht</a> man die September-Monate 2012 und 2013 miteinander, stiegen die Unique Clients um 22 Prozent, die Visits sogar um 48 Prozent an.</p>
<p>Hier will nun die unter den jüngeren Medienkonsumenten bekannte, aber bisher online schwache bis nicht existente Marke «Blick am Abend» nachziehen. Die Ringier-Buzzfeed-Kopie soll aus dem Newsroom heraus produziert werden, etwa 10 bis 12 Mitarbeiter dafür abgestellt werden (Buzzfeed hat aktuell <a href="http://techcrunch.com/2013/09/04/buzzfeed-profitable/">über 300 Angestellte</a>). Ein Name ist noch nicht bekannt, auf Blick.ch soll das Portal <a href="http://www.persoenlich.com//news/medien/ringier-neues-onlineportal-sucht-journalisten-310386#.UmYrySSJB5h">«keinen Einfluss»</a> haben, wie eine Ringier-Sprecherin sagt.</p>
<p><a href="http://www.sonntagszeitung.ch/nachrichten/artikel-detailseiten/?newsid=260387">«Ringier lehnt Einstieg bei neuem Newsportal ab»</a>, war vor zwei Monaten in der «Sonntagszeitung» zu erfahren. Wer den Artikel von Reza Rafi liest, erhält den Eindruck, als habe Ex-20min.ch-Chefredaktor Hansi Voigt bei Ringier Watson vorgestellt und sei daraufhin abgeblitzt. Doch Voigt erzählt auf Anfrage eine andere Version: Ringier-CEO Marc Walder habe im Mai angerufen, um sich mit ihm mal über Watson zu unterhalten. Tatsächlich habe er sich darauf während einer Stunde mit einer Ringier-Delegation getroffen, doch konkret wurde nichts besprochen, kein Businessplan gezeigt. «Blick.ch ist ja potenziell der grösste Konkurrent, da kann ich doch nicht befreit erzählen», so Voigt auf Anfrage. Etwas später folgte ein weiteres Gespräch, auch dabei habe er sich «vollkommen bedeckt gehalten». Lediglich die Möglichkeit eines Joint-Venture sei in Betracht gezogen worden.</p>
<blockquote class="twitter-tweet">
<p><a href="https://twitter.com/medienspiegler">@medienspiegler</a> <a href="https://twitter.com/watson_news">@watson_news</a> Wie bereits gegenüber Reza Rafi gesagt: Ringier hat nie den Businessplan oder das Konzept von Watson gesehen.</p>
<p>&mdash; hansi voigt (@hansi_voigt) <a href="https://twitter.com/hansi_voigt/statuses/392050669722820608">October 20, 2013</a></p></blockquote>
<p><script async src="//platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script></p>
<p>Nach dem für die Ringier-Führung überraschenden Abgang von Blick.ch-Chef Rolf Cavalli erhielt Voigt nach Informationen der Medienwoche ein Wahnsinns-Angebot für die Umsetzung einer Buzzfeed-Strategie unter der Marke «Blick»: 500&#8217;000 Franken Jahreslohn wurden ihm angeboten, ein Betrag, der sogar die kühnsten Annahmen der <a href="https://medienwoche.ch/2013/09/06/die-wigdorovits-liste/">Wigdorovits-Liste</a> sprengt. Dazu wäre eine einmalige Ablösesumme von 500&#8217;000 Franken bezahlt worden. Voigt bestätigt lediglich, ein Angebot von Ringier erhalten und abgelehnt zu haben, weitere Details sind ihm nicht zu entlocken. Bei <a href="http://www.watson.ch/">Watson</a>, dem nach wie vor unenthüllten Projekt von Voigt, ist man an einer Zusammenarbeit mit Ringier offensichtlich nicht interessiert. Man twittert, wohl mit Anspielung auf den Bericht in der «Sonntagszeitung»:</p>
<blockquote class="twitter-tweet">
<p>Watson verzichtet nach sorgfältiger Prüfung auf Einstieg bei Buzzfeed-Kopie der <a href="https://twitter.com/ringier_ag">@ringier_ag</a> Gutes Projekt, aber wirtschaftl. nicht plausibel</p>
<p>&mdash; watson (@watson_news) <a href="https://twitter.com/watson_news/statuses/392205566371577856">October 21, 2013</a></p></blockquote>
<p><script async src="//platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script></p>
<p>Neben weiteren Playern buhlen also zukünftig die Marken Blick, 20 Minuten und Watson um die Aufmerksamkeit des gelangweilt auf dem Handy herumtippenden Jugendlichen an der Bushaltestelle. Entscheidet sich die Zukunft des Journalismus in der Frage, wer ihm die meisten lustigen Kätzchen unterjubeln kann? Ich zweifle daran.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/10/22/buzz-auf-schloss-elektronia/">Buzz auf Schloss Elektronia</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Sieg der Schwachen</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2013/08/20/sieg-der-schwachen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 20 Aug 2013 13:24:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[René Lüchinger]]></category>
		<category><![CDATA[Andrea Bleicher]]></category>
		<category><![CDATA[Andreas Dietrich]]></category>
		<category><![CDATA[Ringier2013]]></category>
		<category><![CDATA[Ringier]]></category>
		<category><![CDATA[Blick]]></category>
		<category><![CDATA[Marc Walder]]></category>
		<category><![CDATA[Kurt W. Zimmermann]]></category>
		<category><![CDATA[Rolf Cavalli]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Andrea Bleicher verliert den Machtkampf gegen die Ringier-Führungsspitze und verlässt das Unternehmen per sofort, Rolf Cavalli folgt ihr. Installiert wird mit René Lüchinger ein loyaler «Blick»-Chef, der es gut kann mit der Werbung, aber Langeweile verspricht. Chefredaktoren in der Schweiz sind je länger je weniger gewichtige Publizisten, sondern führungsloyale Verlagsadlaten. Fangen wir an mit den <a href="https://medienwoche.ch/2013/08/20/sieg-der-schwachen/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/08/20/sieg-der-schwachen/">Sieg der Schwachen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Andrea Bleicher verliert den Machtkampf gegen die Ringier-Führungsspitze und verlässt das Unternehmen per sofort, Rolf Cavalli folgt ihr. Installiert wird mit René Lüchinger ein loyaler «Blick»-Chef, der es gut kann mit der Werbung, aber Langeweile verspricht. Chefredaktoren in der Schweiz sind je länger je weniger gewichtige Publizisten, sondern führungsloyale Verlagsadlaten.<br />
<span id="more-15536"></span><br />
Fangen wir an mit den Neuen, den Siegern:</p>
<p><a href="http://www.ringier.com/de/medien/medienmitteilungen/rene-luechinger-wird-chefredaktor-des-blick">Neuer «Blick»-Chefredaktor</a> ist der 54-jährige René Lüchinger, einst Chefredaktor von «Facts» und «Bilanz», irgendwann aber ohne Job &#8211; die «Weltwoche» nahm sich seiner an und liess ihn firmenfreundliche Porträts schreiben: Interessante Einsichten manchmal, langweiliges PR-Gesülze in anderen Fällen, <a href="http://www.weltwoche.ch/weiche/hinweisgesperrt.html?hidID=546433">hier ein Beispiel</a>. Seine Anteile an der Corporate-Publishing-Agentur <a href="http://www.luechingerpublishing.com/">Lüchinger Publishing GmbH</a> wird er mit dem Jobantritt abgeben.</p>
<p>Sein Stellvertreter wird der 49-jährige Andreas Dietrich, der journalistisch zuletzt als Mitglied der Chefredaktion des «Tages-Anzeigers» die zweimal täglich erscheinende iPad-Ausgabe verantwortete, ein gescheitertes Projekt. Aktueller Arbeitgeber (seit Januar) ist die Kommunikationsagentur Ammann, Brunner &amp; Krobath AG. Sein <a href="https://www.linkedin.com/profile/view?trk=tyah2&amp;locale=de_DE&amp;id=207830752">LinkedIn-Profil</a> weist Erfahrungen aus als «Berater» und «PR-/Werbetexter».</p>
<p>Aufgefallen sind die beiden bisher mit einigen guten Stücken und, mit zunehmendem Alter, gar nicht mehr. Die Bissigkeit jüngerer Tage ist bei beiden der Gemütlichkeit gewichen, nicht die Eigenschaft, die es in einer Boulevard-Chefredaktion braucht. Unter dieser Führung ist ein langweiliger und publizistisch ärmlicher «Blick» zu erwarten, der vermehrt die Ringier-Verwertungskette bedient und sich weniger um journalistische Erfordernisse kümmert.</p>
<p>Alles Neue und Umwälzende beim «Blick» ist nämlich mit dem Abgang von Andrea Bleicher gestoppt. Nach der Absetzung von Ralph Grosse-Bley im Februar (<a href="http://www.persoenlich.com/news/medien/ringier-ralph-grosse-bley-neu-zust-ndig-f-r-blick-k-ferspiel-308744#.UhMtQryjjZ4">der heute zuständig ist für Blick-«Käferspiele»</a>), bewegte die selbstbewusste Interims-Chefredaktorin einiges. Sie stellte fröhlich viele neue Mitarbeiter ein (mehrheitlich Frauen), gewährte einige Interviews und machte einen angriffigen und dennoch gefälligen «Blick». Die unter Grosse-Bley notorischen Presseratsbeschwerden versiegten plötzlich. Bleicher bewies, dass man eine Boulevardzeitung machen kann, ohne täglich Grenzen zu überschreiten. Ihre Personalentscheide waren progressiv und liessen Hoffnung auf Veränderung aufkeimen. Die öffentlichen Auftritte dagegen hinterliessen eher Verwirrung, zum Beispiel das <a href="http://www.srf.ch/sendungen/focus/andrea-bleicher-blick-chefredaktorin-ja-wir-machen-fehler">Gespräch mit der SRF-3-Talksendung «Focus»</a>. Bleicher hörte sich darin nicht wirklich an wie die Stimme einer grossen Boulevardzeitung (fehlende Interview-Skills könnten aber auch ein Ausbildungsversäumnis sein von Seiten Ringier).</p>
<p>Die vor allem von Weltwoche-Medienkolumnist Kurt W. Zimmermann geäusserte Kritik an Bleicher blieb oberflächlich und <a href="http://blog.tagesanzeiger.ch/blogmag/index.php/7654/von-cowboys-und-blondinen/">befasste sich ernsthaft mit Haarfarben</a> («Es begegneten sich eine Blonde und eine Dunkle»). «Lustlosen Blut-Boulevard wie aus dem Mittelalter» warf er Bleicher vor und dozierte, heutige Boulevardzeitungen müssten Celebrity-Quatsch betreiben. Ausserdem fehle der Zeitung, trotz dem täglichen Seite-1-Girl, der Sex. Die Wahrheit ist: Gedruckte Boulevardzeitungen verlieren an Auflage, weil die ihn lesenden Senioren wegsterben, mit dem Inhalt hat das oft weniger zu tun. Als sehr kurzes Gedankenexperiment: Was hätte Zimmermann geschrieben, wenn Bleicher keinen «Crime» geliefert hätte? Eben.</p>
<p>Auch wenn es möglicherweise Gründe für die Absetzung von Bleicher und Cavalli gibt, von denen die Öffentlichkeit nichts weiss, ist der Entscheid der Ringier-Führung ein Paradebeispiel, wie man ein motiviertes Redaktionsteam entmutigt. Marc Walder hat die eigene Macht im Verlag zu beachtlicher Grösse auswachsen lassen, was mehr und mehr <a href="https://medienwoche.ch/2013/04/05/ein-walder-steht-die-maennlein/">an das System Merkel erinnert</a>. Im Konfliktfall trennt sich die Führungsspitze auch von langjährigen, augenscheinlich hochloyalen Mitarbeitern wie Cavalli, der dem Unternehmen immerhin 16 Jahre gedient hat. Es ist auch eine Zementierung der eigenen Unfähigkeit, Kritik anzunehmen und umzusetzen. In einem Brief hat sich ein grosser Teil des Führungskaders gegen die schon im Vorfeld bekannt gewordene Ablösung gestellt. Nun wird es unter dem neuen Chefredaktor arbeiten müssen &#8211; was eine grosse Herausforderung sein wird sowohl für Lüchinger als auch für die Belegschaft. Zu erwarten ist eine <a href="https://twitter.com/mathieuvonrohr/status/369755735350976512">«peinliche erste Redaktionssitzung»</a>. Ein Chef muss enorm stark sein, um ein Führungskader für sich zu gewinnen, das sich nahezu geschlossen gegen ihn ausgesprochen hat. Ob Lüchinger solche Kräfte entfalten kann, wird sich weisen.</p>
<blockquote class="twitter-tweet"><p>Gute Lösung gegen die Chef-Fluktuation bei <a href="https://twitter.com/Blickch">@Blickch</a>: halbe Belegschaft wird Interims-Nachfolge-Übergangs-Chefredaktor.</p>
<p>— Viktor Giacobbo (@viktorgiacobbo) <a href="https://twitter.com/viktorgiacobbo/statuses/369778176764821505">August 20, 2013</a></p></blockquote>
<p><script src="//platform.twitter.com/widgets.js"></script></p>
<p>Bis zu Lüchingers Antritt übernehmen Felix Bingesser sowie Thomas Ley, Dominik Hug und Fabian Zürcher die redaktionelle Verantwortung für den «Blick» &#8211; letztere drei haben den <a href="http://www.persoenlich.com/news/medien/ringier-aufstand-des-blick-redaktionskaders-308633#.UhNYN7yjjZ5">Brief gegen die Absetzung von Bleicher</a> unterschrieben (die ursprüngliche Fassung, die später von persoenlich.com kommentarlos ausgetauscht wurde). In der es hiess, «mit dem jetzt geplanten Wechsel an der Blick-Spitze ist die Grenze unseres Verständnisses erreicht. Wir halten ihn für ein abermaliges Experiment mit ungewissem Ausgang».</p>
<p>Die Ringier-Experimente gehen also weiter. Besonders verschaukelt vorkommen dürfen sich jene Angestellten, die von Bleicher (mit dem offensichtlichen Einverständnis von Ringier) geholt worden sind und sich nun neu orientieren dürfen. Aber Ringier hat Geld zum Verschwenden, im Zweifel zahlt man einfach alle anständig aus und lässt sie einen neuen Job suchen.</p>
<p>Andrea Bleicher ist nun eine valable Kandidatin für die Spitze der «SonntagsZeitung», die nach dem Abgang von Martin Spieler dringend (offiziell ab 2014) <a href="https://medienwoche.ch/2013/02/04/chefredaktor-am-sonntag/">eine neue Führung braucht</a>. Sie wäre die richtige Person, um den eingeschlafenen Laden aufzumischen. Allerdings wurde sie von dieser Zeitung bereits übergangen, <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Jung-hartnaeckig-fordernd/story/18576085">als sie Inlandchefin werden wollte</a>. Ganz generell scheinen Schweizer Verlage bei der Besetzung von Spitzenpositionen eher auf Führungstreue und Aussenwirkung zu setzen als auf publizistische Leistungen. Die Anzahl von Chefredaktoren, die nicht vor allem Managementaufgaben erfüllen, schwindet &#8211; vielleicht sollten sie umbenannt werden in «Verlagsadlaten».</p>
<p>Als Detail am Rande. So wirbt der «Blick» heute für sich selbst:</p>
<blockquote class="twitter-tweet"><p>
Soeben die neuste Blick-Werbung erhalten. Meister der Koordination. <a href="https://twitter.com/search?q=%23ringier&amp;src=hash">#ringier</a> <a href="https://twitter.com/Mark_Balsiger">@Mark_Balsiger</a> <a href="http://t.co/6xBYVMA2Mm">pic.twitter.com/6xBYVMA2Mm</a></p>
<p>— Christoph Lauener (@ChLauener) <a href="https://twitter.com/ChLauener/statuses/369761775891533824">August 20, 2013</a>
</p></blockquote>
<p><script src="//platform.twitter.com/widgets.js"></script></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/08/20/sieg-der-schwachen/">Sieg der Schwachen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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