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	<title>Webgrafik | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
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		<title>Alles gecheckt in 7 Sekunden</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2014/04/23/alles-gecheckt-in-7-sekunden/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Apr 2014 09:34:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Iwan Städler]]></category>
		<category><![CDATA[Mario Nowak]]></category>
		<category><![CDATA[Tages-Anzeiger]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine animierte Grafik aus dem Datenblog des Tages-Anzeigers, die Erkenntnisse über Verschiebungen in der politischen Schweiz verspricht, erlangt hohe Aufmerksamkeit. Aber ist sie diese wert? Eine Kurzanalyse. Iwan Städler, Redaktor beim Tages-Anzeiger, twitterte am Tag nach dem Ostermontag: 30 Jahre Schweizer Politik komprimiert in 7 Sekunden: http://t.co/nNbe8R6h3K Berechnung und Regie: @mhermann_ und @mnowak_ch &#8212; Iwan <a href="https://medienwoche.ch/2014/04/23/alles-gecheckt-in-7-sekunden/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Eine animierte Grafik aus dem Datenblog des Tages-Anzeigers, die Erkenntnisse über Verschiebungen in der politischen Schweiz verspricht, erlangt hohe Aufmerksamkeit. Aber ist sie diese wert? Eine Kurzanalyse.<br />
<span id="more-19174"></span><br />
Iwan Städler, Redaktor beim Tages-Anzeiger, twitterte am Tag nach dem Ostermontag:</p>
<blockquote class="twitter-tweet" lang="en">
<p>30 Jahre Schweizer Politik komprimiert in 7 Sekunden: <a href="http://t.co/nNbe8R6h3K">http://t.co/nNbe8R6h3K</a> Berechnung und Regie: <a href="https://twitter.com/mhermann_">@mhermann_</a> und <a href="https://twitter.com/mnowak_ch">@mnowak_ch</a></p>
<p>&mdash; Iwan Städler (@Iwan_Staedler) <a href="https://twitter.com/Iwan_Staedler/statuses/458498042359189504">April 22, 2014</a></p></blockquote>
<p><script async src="//platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script></p>
<p>7 Sekunden, um 30 Jahre Schweizer Politik zu verstehen, genial!</p>
<p>Menschen mit rascher Auffassungsgabe nehmen in 7 Sekunden vielleicht wahr, dass die SVP sich abgesetzt hat von den anderen bürgerlichen Parteien und nun dort politisiert, wo bisher Parteien wie die Eidgenössisch-Demokratische Union, die Schweizer Demokraten oder die Freiheitspartei politisiert hatten. Nicht sehr überraschend wurden der Tweet und die Story <a href="http://blog.tagesanzeiger.ch/datenblog/index.php/1791/wie-sich-die-svp-aus-dem-buergerblock-verabschiedet-hat">«Wie sich die SVP aus dem Bürgerblock verabschiedet hat»</a> intensiv und oft zustimmend geteilt. Nicht sehr überraschend ist es aber nicht so einfach.</p>
<p>Zunächst mal mussten die Macher des Datenblogs durch mehrere den Beitrag kommentierende Leser überzeugt werden, tatsächlich auch Daten zu liefern und nicht nur Ergebnisse, die gar nicht nachzuvollziehen sind. Am Dienstagnachmittag dann wurde der am Montagabend online gestellte Beitrag mit <a href="https://docs.google.com/spreadsheets/d/1YV1QiCGKkoffrydb9zeYNIFVAzVAPD5ggzC24Iw7-4w/pubhtml">Rohdaten</a> ergänzt.</p>
<p><img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2014/04/abstimmungsparolen.gif" alt="" title="Die fragliche, animierte Grafik des TA-Datenblogs, erstellt von Mario Nowak und Michael Hermann." width="450" height="450" class="alignleft size-full wp-image-19193" /><br />
<small>Die betreffende Datenblog-Grafik, erstellt von Mario Nowak und Michael Hermann.</small></p>
<p>Es lohnt sich, die wunderschön animierte Grafik und die zugrundeliegenden Daten genau zu studieren. Aber auch schon eine oberflächliche Betrachtung gibt einiges her:</p>
<p><strong>1. Die Unschärfe der Achsen</strong><br />
Zwei Achsen durchziehen das Quadrat, horizontal geht es von links nach rechts, vertikal von konservativ (unten) nach progressiv / liberal (oben). Dass es über die Definition von links und rechts kaum einen Konsens gibt, ist bekannt. Sehr fragwürdig ist jedoch, dass der Begriff «liberal» Seite an Seite von progressiv steht, und gegenüber von konservativ. Wie die Begriffe gemeint sind, wird seit Dienstagnachmittag im Beitrag erklärt, aber natürlich ist das nur eine von vielen möglichen Auslegungsarten der Begriffe.</p>
<p><strong>2. Die Parteiparolen als Datengrundlage</strong><br />
Man muss es sich vergegenwärtigten: Grundlage der animierten Grafik sind tatsächlich die von den Parteien gefassten Parolen zu den Volksabstimmungen. Die Parolenfassung ist, wie der Beitrag aufzeigt, innerparteilich oft umstritten, nicht selten führen allerlei recht zufällige Faktoren zu skurillen Ergebnissen. Parolen werden manchmal auch gefasst, um sich abzugrenzen und zu profilieren &#8211; oder aus rein werbe- und wahltechnischen Überlegungen.</p>
<p><strong>3. Die Einstufung per «Faktorenanalyse»</strong><br />
Haben Sie letztes Jahr für die Volksinitiative <a href="http://www.admin.ch/ch/d/pore/vi/vis380t.html">Volkswahl des Bundesrates</a> gestimmt? Dann werden sie als konservativ (Wert «-1») eingestuft, so wie die Parteien SVP und EDU, die die Ja-Parole dazu herausgegeben haben. Wunderlich, ich hätte die angestrebte Neuerung für ein progressives Anliegen gehalten, gerade auch, weil schon zwei frühere Volksinitiativen, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Volkswahl_des_Bundesrates#Geschichte">so die Sozialdemokraten 1939</a>, mit dem gleichen Anliegen scheiterten.</p>
<p>Gehörten Sie 2001 zu jenen 84,7 Prozent aller Stimmbürger, die dem <a href="http://www.admin.ch/ch/d/pore/va/20011202/det480.html">«Bundesbeschluss für eine Schuldenbremse»</a> zustimmten, so werden Sie als rechts (Wert «+2») eingestuft, so wie jene Parteien, die dazu eine Ja-Parole gefasst haben (CSP, CVP, EDU, EVP, FDP, FPS, LPS, SD und SVP).</p>
<p>Grundlage für die interaktive Grafik sind nämlich die Einstufungen der so genannte «Faktorenanalyse» der <a href="http://www.sotomo.ch/">Forschungsstelle Sotomo</a>, die dort seit dem <a href="http://www.sotomo.ch/index.php?option=com_content&#038;view=article&#038;id=84:atlas-der-politischen-landschaften&#038;catid=35:projektarchiv&#038;Itemid=58">«Atlas der politischen Landschaften»</a> (Fertigstellung 2003) verwendet wird.</p>
<p><strong>4. Die Skala</strong><br />
Tatsächlich verfügt die Skala der animierten Grafik über keine Erklärung, was überhaupt gemessen wird. Wurde sie vergessen? Unbeschriftete Skalen sind in aller Regel ein klarer Indikator für Bullshit. Plus 20 was? Minus 40 was?<br />
<small><strong>Nachtrag</strong>, 23. April, 15:15 Uhr: Michael Hermann weist per E-Mail darauf hin, dass unter der zweiten (vergleichenden, nicht animierten) Grafik durchaus eine Skala zu lesen ist. Sie lautet: «Abweichung in Prozentpunkt vom Mittelwert der Stimmenden». Zu lesen ist das auch in den am Dienstagnachmittag nachgereichten Informationen zur Methode am Ende des Beitrags: «Die einzelnen Abstimmungen wurden so standardisiert, dass die Position der Parteien im politischen Raum ihrem Abstand in Prozentpunkten vom Mittelwert der Stimmenden (Median) entspricht.»</small></p>
<p><strong>5. Das Herrschaftswissen</strong><br />
Dass der Beitrag online gestellt wurde ohne Rohdaten, ist ein Zeichen dafür, dass sich Journalisten nach wie vor gefallen in der Gatekeeper-Rolle und das in Geheimnisse uneingeweihte Publikum gerne aussen vor halten. Wer mit Daten etwas sagen will, muss sie so präsentieren, dass keine Fragen offen bleiben. Ein Ergebnis zu präsentieren, ohne den Weg dazu zu offenbaren, lässt den Journalist immer noch etwas Zauberer sein vor einem staunendem Publikum. Schade eigentlich nur, dass immer noch ein Grossteil dieses Publikums, darunter offenbar viele unkritische Journalisten, lieber staunt als mitdenkt.</p>
<p><img decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2014/04/meistgelesen-im-tagi.jpg" alt="" title="Meistgelesen auf Tagesanzeiger.ch, Screenshot vom 22. April 2014" width="200" height="201" class="alignleft size-full wp-image-19206" /><strong>6. Die Beweise?</strong><br />
«Nicht die FDP und die CVP haben sich bewegt, sondern die SVP» &#8211; tatsächlich? Ist es nicht womöglich sogar umgekehrt? Nachweisbar scheint mir lediglich, dass die SVP in den letzten Jahren mit vielen Volksinitiativen aufgetreten ist, die als konservative Anliegen eingestuft werden können. Und dass sie sich, während die anderen Parteien im Konsens bleiben, oft eine eigene Meinung und Haltung leistet.</p>
<p>Die Strategie, den Tagi-Leser mit einer SVP-Schlagzeile zu ködern und ihn sein Urteil über diese Partei bestätigen zu lassen, ist jedenfalls mal wieder aufgegangen; der Beitrag war am Dienstag zwischenzeitlich der meistgelesene Beitrag auf Tagesanzeiger.ch.</p>
<p><strong>7. Das Fazit</strong><br />
Das Manipulationspotenzial bei Grafiken ist hoch. Der kritische Leser tut gut daran, sein Urteil nicht in sieben Sekunden zu fällen. Und der kritische Journalist tut gut daran, seine Informationen und Daten so aufzubereiten, dass beim Leser keine Rückfragen oder Unsicherheiten bestehen.</p>
<blockquote class="twitter-tweet" lang="en">
<p>Eine Analyse, die mehr über die Untersucher als über die Realität aussagt. <a href="http://t.co/ejdUYiImV0">http://t.co/ejdUYiImV0</a></p>
<p>&mdash; Roland Scheck (@RolandScheck) <a href="https://twitter.com/RolandScheck/statuses/458484017356996608">April 22, 2014</a></p></blockquote>
<p><script async src="//platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script></p>
<p>Diskutiert wird die Grafik auch unter dem lesenswerten Beitrag <a href="http://arslibertatis.com/datenjournalismus-oder-politische-datenmalerei/">«Datenjournalismus oder politische Datenmalerei?»</a> auf arslibertatis.com.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/04/23/alles-gecheckt-in-7-sekunden/">Alles gecheckt in 7 Sekunden</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Zeigt her eure Zahlen</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2011/05/05/zeigt-her-eure-zahlen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 May 2011 07:15:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Guardian]]></category>
		<category><![CDATA[MAZ]]></category>
		<category><![CDATA[Infografik]]></category>
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		<category><![CDATA[Joseph Dreier]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Trend geht um: Der Datenjournalismus. Allmählich entdecken Medien die Möglichkeiten der Infografik im Netz. Der Guardian in London, ein Pionier dieser neuen journalistischen Disziplin, beschäftigt ein eigenes Ressort mit der Datenaufbereitung und -darstellung. Auch andernorts setzt man auf animierte Webgrafiken zur Visualisierung zahlenbasierter Zusammenhänge; etwa das ZDF mit dem Arbeitsmarkt Scanner oder die Zeit mit der <a href="https://medienwoche.ch/2011/05/05/zeigt-her-eure-zahlen/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Trend geht um: Der Datenjournalismus. Allmählich entdecken Medien die Möglichkeiten der Infografik im Netz. Der Guardian in London, ein Pionier dieser neuen journalistischen Disziplin, beschäftigt <a href="http://www.guardian.co.uk/news/datablog" target="_blank">ein eigenes Ressort</a> mit der Datenaufbereitung und -darstellung. Auch andernorts setzt man auf animierte Webgrafiken zur Visualisierung zahlenbasierter Zusammenhänge; etwa das ZDF mit dem <a href="http://module.zdf.de/arbeitsmarkt-scanner/" target="_blank">Arbeitsmarkt Scanner</a> oder die Zeit mit der Visualisierung von <a href="http://www.zeit.de/datenschutz/malte-spitz-vorratsdaten" target="_blank">Handy-Verbindungsdaten</a>. In der Schweiz hat die NZZ erste Gehversuche unternommen mit einer interaktiven Karte zum <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/schweiz/dicht_an_dicht_im_mittelland_1.10307133.html" target="_blank">Wachstum der Siedlungsfläche</a> im Mittelland.<br />
Im Gespräch mit der MEDIENWOCHE erklärt Joseph Dreier was Datenjournalismus leisten kann und soll und wo seine Grenzen liegen. Dreier arbeitet als <a href="http://dreierdesign.com/Dreier_Infografik/Samples.html" target="_blank">Informationsdesigner</a>, er ist Mitglied der <a href="http://www.snd.org/" target="_blank">Society for News Design</a> und leitet an der Journalistenschule MAZ Kurse in <a href="http://www.maz.ch/Journalismus/kurse.asp?n=013600_8090" target="_blank">Datenjournalismus</a> und <a href="http://www.maz.ch/Kommunikation/kurse.asp?n=020400_7421" target="_blank">Dataminig</a>.</p>
<p><span id="more-28814"></span><br />
<img decoding="async" alt="" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2011/05/dreier_klein.jpg" class="alignleft" width="170" height="174" /> <em>Medienwoche: Weshalb erlebt der Datenjournalismus ausgerechnet jetzt eine Blüte?</em><br />
Joseph Dreier: Weil immer mehr Daten zur freien Nutzung und Bearbeitung online zur Verfügung stehen. Genauso wie die dafür erforderliche Software. Aber so neu ist das alles eigentlich gar nicht. Beim Datenjournalismus handelt es sich um die logische Fortsetzung der Infografik im Web. Auch Datamining gibt es schon lange. Bisher war es aber der Wissenschaft – Soziologen, Psychologen, Ökonomen – vorbehalten, grosse Datensätze auszuwerten und zu interpretieren. Allmählich beginnt sich diese Arbeitsmethode auch in den Medien zu etablieren.</p>
<p><em>Welche Rolle spielten die Veröffentlichungen von Wikileaks für den Datenjournalismus?</em><br />
Ich würde das nicht überbewerten. Wikileaks trug seinen Teil dazu bei, indem auf einen Schlag grosse Datenmengen öffentlich verfügbar waren, die bearbeitet werden konnten. Wichtiger erscheinen mir die neuerdings verfügbaren umfangreichen Datensätze von Behörden, Universitäten und anderen öffentlichen Institutionen, die gerne unter dem Schlagwort <a href="http://opendata-network.org/" target="_blank">Open Data</a> zusammengefasst werden.</p>
<p><em>Wo liegen die Anfänge des Datenjournalismus?</em><br />
Das begann meiner Ansicht nach vor rund zehn Jahren mit der Aufbereitung und Darstellung von Wahlergebnissen. Schon damals haben Medien Karten ins Netz gestellt, wo Resultate interaktiv abgefragt werden konnten. Daher sehe ich den heutigen Datenjournalismus lediglich als einen neuen Begriff für bestimmte Darstellungsformen von Information, die es in ähnlicher Form früher schon gab. Aber auch der gedruckten Infografik liegt letzlich Datenjournalismus zugrunde. Damals wie heute geht es darum, Zahlen und Daten grafisch umzusetzen. Animation und Interaktivität machen den Unterschied zwischen Papier und Web aus. Man kann heute einfach mehr rausholen, weil es im Netz zusätzliche Darstellungsformen gibt.</p>
<p><em>Datenjournalismus sollte der einfacheren und transparenteren Vermittlung von Fakten dienen. Versteht das Publikum die neue Sprache?</em><br />
Ich denke sehr wohl, dass damit einem Bedürfnis entsprochen wird. Wenn man sieht, wie unattraktiv früher Daten und Zahlen dargestellt wurden, sei es mit Tabellen oder im Text eingebaut, dann sehen wir heute einen klaren Fortschritt, der vom Publikum honoriert wird.</p>
<p><em>Das Publikum soll nicht nur bunte Grafiken anschauen, sondern sich selbst einbringen. In welchem Mass ist das sinnvoll?</em><br />
Das betrachte ich eher als Spielerei. Das Publikum kann sich an der Recherche beteiligen. Das ist interessant, weil eine Redaktion damit das Feld erweitern kann. Bei der Umsetzung und der Darstellung der Ergebnisse sehe ich aber kaum Möglichkeiten, wie sich das Publikum einbringen kann. Es braucht diese redaktionelle Schleuse, wo die Daten zusammengefasst, interpretiert und veranschaulicht werden.</p>
<p><em>Wie lässt sich das Risiko des <a href="http://berlinergazette.de/datenjournalismus-populismus-transparenz-re-publica/" target="_blank">Datenpopulismus</a>, der unzulässigen Verkürzung von Fakten, vermeiden</em>?<br />
Wichtigstes Prinzip ist die Transparenz: Wie sind die Zahlen zustande gekommen, aus welchen Quellen stammen sie, wie ist die Darstellung zustande gekommen? Ganz normale journalistische Fragestellungen. Besondere Vorsicht ist angezeigt, wenn es um die Zukunft geht. Da muss man klar kennzeichnen, dass das keine gesicherten Daten sind, sondern Prognosen, Hochrechnungen und manchmal auch nur Mutmassungen.</p>
<p><em>Der Datenjournalismus im Netz ist ein junges Genre. Was sind die grössten Fehler und Mängel, die Sie beobachten?</em><br />
Schlechte Darstellungen entstehen oft, wenn Printgrafiken eins zu eins online übernommen werden. Öfters beobachte ich auch, dass Inhalt und grafische Mittel nicht miteinander korrespondieren und die Darstellung dadurch unübersichtlich wird. Sodann halte ich auch Relevanz beim Datenjournalismus für ein entscheidendes Kriterium. Wenig ergiebig war in diesem Zusammenhang jüngst die Behandlung von The Royal Wedding in London. Alles, was man auf vielen Grafiken sah, war die <a href="http://www.simplesitetutorials.org/whos-sitting-where/" target="_blank">Sitzordnung</a> in der Westminster Abbey; oder<a href="http://www.novafm.com.au/lib/images/contents/Wedding-Route-Map.jpg" target="_blank" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""> der Weg zum Buckingham Palace</a>. Das kann ich auch auf Google Maps nachschauen.</p>
<p><em>Wie werde ich Datenjournalist?</em><br />
Den Beruf des Datenjournalisten gibt es nicht. Das ist immer Teamwork. Datenjournalismus erfordert Rechercheure, die eine Geschichte ausgraben. Für das Storytelling braucht es Journalisten. Denn auch am Anfang eines datenjournalistischen Prozesses stehen die Fragen: Welche Geschichte will ich erzählen und welche Aussage will ich mit den Zahlen machen? Bei der Umsetzung kommen dann Grafiker und Webdesigner zum Zug, die ein Auge haben für die visuelle Inszenierung einer Geschichte. Für die Aufbereitung der Daten sind Programmierer und teilweise auch Mathematiker zuständig.</p>
<p><em>Sie unterrichten Datenjournalismus am MAZ, der Schweizer Journalistenschule. Was kann der Einzelne lernen, wenn Datenjournalismus immer im Team entsteht?</em><br />
Der schreibende Redaktor soll sich Grundbegriffe der Grafik und des Webdesigns aneignen. Zum anderen müssen Grafiker und Webdesigner journalistische Grundbegriffe lernen, wie man eine Geschichte erzählt und Sachverhalte auf den Punkt bringt. Für beide Seiten ist es sinnvoll und wichtig, sich für den anderen Bereich zu öffnen und zu interessieren. Ich versuche einen Überblick zu geben über gute und schlechte Beispiele aus der aktuellen internationalen Medienlandschaft. Gemeinsam erarbeiten wir Kriterien der Beurteilung und diskutieren verschiedene Webtools und spezielle Software für die Datenaufbereitung und -präsentation. In kleinen Übungen geht es um erste Schritte in der Praxis.</p>
<p><em>Wie wird sich der Datenjournalismus weiterentwickeln?</em><br />
Momentan wird noch viel Buntes gezeigt. Mit der Zeit wird sich der Datenjournalismus konsolidieren und zu einer klareren grafischen Sprache finden. Das ging auch bei der gedruckten Infografik so. Im Kern wird es immer darum gehen, wie ich meine Story so erzählen kann, damit sie von den Betrachtern schnell erfasst und verstanden werden kann. Womit auch klar ist, dass der Journalismus nicht ausstirbt. Denn gerade bei der Aufbereitung von riesigen Datenmengen braucht es professionelle Journalisten mehr denn je.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/05/05/zeigt-her-eure-zahlen/">Zeigt her eure Zahlen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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