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	<title>Tuğba Ayaz | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
	<lastBuildDate>Wed, 05 Feb 2020 14:47:48 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Recherchen, die wirken</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2019/12/17/recherchen-die-wirken/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Tuğba Ayaz]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 17 Dec 2019 14:51:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Impact]]></category>
		<category><![CDATA[Wirkung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Journalismus erfüllt seine Rolle als Vierte Gewalt am wirkungsvollsten, wenn er etwas bewegt. Doch ist Wirkung planbar? Und wie lässt sie sich messen? Der Chef einer Bank investiert in eine Firma. Daraufhin kauft seine Bank diese Firma. Seine Doppelrolle als Käufer und Verkäufer legt der Chef nicht offen. Er vervielfacht seinen privaten Gewinn. Der <a href="https://medienwoche.ch/2019/12/17/recherchen-die-wirken/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Der Journalismus erfüllt seine Rolle als Vierte Gewalt am wirkungsvollsten, wenn er etwas bewegt. Doch ist Wirkung planbar? Und wie lässt sie sich messen?</strong><br />
<img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-75238" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/12/MW-Wirkung-Journalismus-20191217.jpg" alt="" width="1456" height="976" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/12/MW-Wirkung-Journalismus-20191217.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/12/MW-Wirkung-Journalismus-20191217-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/12/MW-Wirkung-Journalismus-20191217-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/12/MW-Wirkung-Journalismus-20191217-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/12/MW-Wirkung-Journalismus-20191217-470x315.jpg 470w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
Der Chef einer Bank investiert in eine Firma. Daraufhin kauft seine Bank diese Firma. Seine Doppelrolle als Käufer und Verkäufer legt der Chef nicht offen. Er vervielfacht seinen privaten Gewinn.</p>
<p>Der Journalist Lukas Hässig erzählt diese Geschichte ungerechtfertigter Bereicherung auf seinem Blog <a href="https://insideparadeplatz.ch/" target="_blank" rel="noopener">Inside Paradeplatz</a>. Wenig passiert. Er legt mit Details nach. Kein anderes Medium recherchiert weiter. Im Frühjahr 2018 kommt der ehemalige Raiffeisen-Chef <a href="https://insideparadeplatz.ch/?s=raiffeisen+vincenz" target="_blank" rel="noopener">Pierin Vincenz</a> wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung in Untersuchungshaft. Das Verfahren läuft noch.</p>
<p>Im Alleingang deckt Hässig einen der vermutlich grössten Wirtschaftsskandale auf. Ein paar Jahre vorher enthüllt er, dass Daniel Vasella, damals abtretender Verwaltungspräsident von Novartis, als Abfindung 72 Millionen auf einem privaten Konto parkiert hatte. Der Primeur wird breit debattiert, schliesslich gibt Vasella das Geld zurück.<br />
<img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-75240" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/12/Lukas_Haessig_960x960px.jpg" alt="" width="960" height="960" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/12/Lukas_Haessig_960x960px.jpg 960w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/12/Lukas_Haessig_960x960px-150x150.jpg 150w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/12/Lukas_Haessig_960x960px-300x300.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/12/Lukas_Haessig_960x960px-768x768.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/12/Lukas_Haessig_960x960px-320x320.jpg 320w" sizes="(max-width: 960px) 100vw, 960px" /><br />
Hässig bringt auf Inside Paradeplatz immer wieder die Mächtigen in Erklärungsnot. Rechnet er jeweils mit grosser Wirkung? «Nicht immer. Bei Vincenz war ich sicher, bei Vasella nicht. Ich dachte nicht, dass Vasella die Millionen zurückgibt», sagt Hässig am Telefon.</p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Denken Sie vorab über die mögliche Wirkung Ihrer Recherchen nach?</p>
</div><div class="answer"><h4>Lukas Hässig:</h4> <p>Täglich. Ich will maximale Wirkung erzielen, Nachhall erzeugen, das Publikum berühren. Den Wert einer Geschichte kategorisiere ich dabei nicht nach der Grösse der Wirkung.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Wollen Sie sich auch an Bankern rächen?</p>
</div><div class="answer"><h4>Lukas Hässig:</h4> <p>Wozu? Ich bin ein Aussenstehender. Ich weiss nicht, was Banking ausmacht. Ich weiss, was Journalismus ausmacht.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Besteht die Tendenz, dass Sie trotzdem publizistisch eine intendierte Wirkung anstreben – wenn Sie etwa CS-Chef Tidjane Thiam nicht mehr haltbar finden?</p>
</div><div class="answer"><h4>Lukas Hässig:</h4> <p>Ob Thiam weg muss, überlege ich mir nicht. Ich frage mich: Ist Beschattung zulässig? Ich finde nicht. Thiam hat offenbar eine andere Meinung – er will ja nichts davon gewusst haben. Dem gehe ich nach und suche nach Verantwortlichen. Mag sein, dass man hin und wieder Blut leckt, doch nicht das treibt mich an.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Was treibt Sie an?</p>
</div><div class="answer"><h4>Lukas Hässig:</h4> <p>Machtmissbrauch aufzudecken. Meine Pflicht als vierte Gewalt zu erfüllen. Ich will es richtig machen, bei allen Fehlern, die unterlaufen. Geld ist die Spur, der man folgen muss, will man enthüllen. Inside Paradeplatz funktioniert wie der Boulevard: laut sein, kommentieren, zuspitzen – so erzielt man Wirkung. Den Boulevard finde ich übrigens nicht schäbig, er rüttelt wach.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Was heisst für Sie zuspitzen?</p>
</div><div class="answer"><h4>Lukas Hässig:</h4> <p>Schreiben wie mit einem gespitzten Bleistift: scharf, klar, direkt.</p>
</div><br />
<img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-75241" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/12/Adrienne_Fichter-960x960px.jpg" alt="" width="960" height="960" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/12/Adrienne_Fichter-960x960px.jpg 960w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/12/Adrienne_Fichter-960x960px-150x150.jpg 150w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/12/Adrienne_Fichter-960x960px-300x300.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/12/Adrienne_Fichter-960x960px-768x768.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/12/Adrienne_Fichter-960x960px-320x320.jpg 320w" sizes="(max-width: 960px) 100vw, 960px" /><br />
Auch die «Republik»-Reporterin <a href="https://www.republik.ch/~adriennefichter" target="_blank" rel="noopener">Adrienne Fichter</a> sieht sich im Dienste der Gesellschaft. Wirkung zu erzielen heisst für sie, die Gesellschaft über die Gefahren der Digitalisierung aufzuklären. «Wir alle sind in diesem Überwachungskapitalismus handlungsfähig», sagt sie am Telefon. Ihre Haltung: Stärkung der Demokratie, Schutz der Privatsphäre, Transparenz im Umgang mit Daten. Diese Haltung transportiert sie auch in ihren Texten. Doch sieht sie dies als Gratwanderung zwischen Haltung und Aktivismus: «Je mehr ich über die Abgründe der Digitalisierung erfahre, desto vorsichtiger muss ich mich auf dieser feinen Linie bewegen.» Anfragen für Mitgliedschaften in Gremien etwa lehnt sie trotz vorhandenem Interesse ab. Sie hat den Blick der Journalistin, der ihr lieb ist, und will Themen frei von ihrer Meinung beleuchten. Beim E-Voting etwa vertrat sie erst keine Position, später eine positive, und nachdem sie Sicherheitslücken erkannt hatte, schliesslich eine negative. «Ich habe viel erreicht, wenn die Bevölkerung informiert ist. Was sie daraus macht, will ich nicht beeinflussen», sagt sie.</p>
<p></p>
<p>Über die mögliche Wirkung einer Geschichte denkt Fichter vorab nicht nach. Sie geht meist von den Fragen aus: Was ist neu? Was lernt das Publikum? Nach der möglichen Wirkung fragt sie sich erst bei der Umsetzung, wenn sie Erzählweisen oder sprachliche Mittel einsetzt, um Dringlichkeit zu vermitteln.</p>
<p>Wirkung im Kleinen erfährt Fichter als sinnstiftend. Etwa bei der Initiative zu «No Billag» oder dem Referendum gegen die Sozialdetektive eruierte sie bei einigen Plattformen, dass diese Daten sammelten, ohne die Nutzenden ausreichend darüber zu informieren. «Sie ergänzten die Datenschutzhinweise, nachdem ich für eine Stellungnahme angefragt hatte. Solche Erfahrungen inspirieren mich.» Sie wünscht sich breitere Debatten zur Digitalisierung in der Schweiz.</p>
<blockquote><p>Die Wirkung des Journalismus über Klickzahlen hinaus zu messen und offenzulegen, würde das Vertrauen der Gesellschaft in die Medien stärken.</p></blockquote>
<p>Die Wirkung journalistischer Arbeit lässt sich schwer messen. Ist Wirkung: Aufsehen erregen, die Welt verbessern, Ungereimtheiten enthüllen? Zudem verflüchtigt sich Wirkung heute durch die Flut an Information oder Desinformation. Redaktionen messen Seitenaufrufe, Klicks, Verweildauer, weil diese Faktoren Teil des Einkommens via Werbetreibende und Nutzende sind. Doch über die Wirkung sagen diese Zahlen noch nichts aus. Die drei Artikel über Pierin Vincenz, sagt Hässig, lieferten nur mittelprächtige Klickzahlen. Doch ihre Wirkung war massiv.</p>
<p>Die Wirkung des Journalismus über Klickzahlen hinaus zu messen und offenzulegen, würde das Vertrauen der Gesellschaft in die Medien stärken, <a href="https://www.niemanlab.org/2018/12/measuring-impact-will-increase-audience-trust/" target="_blank" rel="noopener">schreibt Patrick Butler</a>, Vizepräsident des <a href="https://www.icfj.org/" target="_blank" rel="noopener">International Center for Journalists</a>. Doch wie lässt sich ein kaum greifbares Phänomen messen?</p>
<p>Einen Versuch, Wirkung zu messen, initiierte 2015 die Journal News Media Group, in White Plains, unweit von New York. Das regionale Medienhaus, das dem amerikanischen Medienkonzern Gannett gehört, entwickelte den sogenannten <a href="https://www.cjr.org/innovations/impact-tracker-journal-news-lohud.php" target="_blank" rel="noopener">Impact Tracker</a>. Mit einem Online-Tool können Autorinnen und Autoren aus zwölf Kategorien mögliche Wirkungsphänomene wählen, die ihre Geschichte nach Publikation auslösen könnte: etwa eine Gesetzesänderung, Untersuchungen seitens Behörden, Engagement in der Bevölkerung und weitere. Mit dem Impact Tracker lassen sich über unbestimmte Zeiträume vermutete oder eingetretene Wirkungsphänomene publizierter Artikel mitsamt Eigenschaften festhalten. Dies ermöglicht Autorinnen und Autoren, die intendierte und tatsächliche Wirkung einer Publikation zu vergleichen oder Entwicklungen zurückzuverfolgen.<br />
<img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-75243" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/12/Hannes_Grassegger-960x960px.jpg" alt="" width="960" height="960" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/12/Hannes_Grassegger-960x960px.jpg 960w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/12/Hannes_Grassegger-960x960px-150x150.jpg 150w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/12/Hannes_Grassegger-960x960px-300x300.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/12/Hannes_Grassegger-960x960px-768x768.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/12/Hannes_Grassegger-960x960px-320x320.jpg 320w" sizes="auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px" /><br />
«Magazin»-Reporter Hannes Grassegger denkt vorab nicht über die mögliche Wirkung seiner Geschichten nach. Seine Reportagen über Facebook beförderten weltweit Recherchen und wurden in mehrere Sprachen übersetzt. «Impact ist unvorhersehbar. Vorab darüber nachzudenken, ist müssig. Etwa bei der Geschichte über die Content-Moderatoren bei Facebook entfaltete sich der impact nach und nach», sagt er am Telefon. «In Deutschland ergänzte man das Netzwerkdurchsetzung-Gesetz betreffend der Transparenz über die psychologische Betreuung von Content-Moderatoren. Und zwei Jahre nach Publikation sass ich 2018 in der US-Senatsanhörung von Sheryl Sandberg, als plötzlich aus diesem Text zitiert wurde. Damit hätte ich nicht gerechnet.»</p>
<p>Für Grassegger zählt vor der Recherche nicht die möglich Wirkung, sondern «wie ich meine Quellen und Familie schütze. Erst danach komme ich. Meine Frau meint, ich hätte einen suizidalen Trieb bei der Wahl meiner Geschichten.» Für ihn sind es heilige Missionen. Dringlichkeit treibt ihn dabei an. «Ich erzähle, was erzählt werden muss. Würde ich mögliche gesellschaftliche Folgen voranstellen, könnte ich nicht Reporter sein.»</p>
<p>Weder bei seinen Recherchen zu Facebook noch bei «Die Finkelstein Formel» hatte Grassegger mit Wirkung in dieser Grösse gerechnet. «Bei <a href="https://www.tagesanzeiger.ch/ausland/europa/diese-firma-weiss-was-sie-denken/story/17474918" target="_blank" rel="noopener">Cambridge Analytica</a> dachte ich, das interessiere bloss die Nerds.» <a href="https://www.woz.ch/-7527" target="_blank" rel="noopener">Die Kritik</a> aus dem deutschsprachigen Raum betreffend Zuspitzungen im Text teilt er nicht: «Die Kritiker positionieren sich so, als hätten intendierte Zuspitzungen den impact ausgelöst. Dabei waren es die didaktischen Inhalte zu Big Data. Wir rüttelten an Konzepten. Der Reflex war wie üblich Ablehnung.»</p>
<p>Über die mögliche Wirkung einer Geschichte vorab nachzudenken, findet Grassegger unverantwortlich, denn er sieht sich als Überbringer von Informationen. «Meine Mission ist nicht die Welt zu verbessern, sondern die Welt abzubilden. Ich kämpfe für Informationen, nicht für politische Ziele.» Mit der möglichen Wirkung befasst er sich einzig bei der Textgattung Essay, etwa in <a href="https://www.dasmagazin.ch/2019/11/01/ein-ga-fuer-news/" target="_blank" rel="noopener">«Ein GA für News»</a>, «wo ich etwas vorschlage, argumentiere, kommentiere. Bei der Reportage folge ich der Faszination für die Geschichte.» Unabhängig von der Textgattung zählt für ihn die Wirkung der Sprache: «Sie soll treffend sein, damit ankommt, was ich sage.»</p>
<div style="margin: 4%; border: 1px; border-style: solid; border-color: #cccccc; padding: 4%; font-size: 16px;">
<h2>Forschung: «Generell erzeugen Bildmedien stärkere, affektive Wirkung»</h2>
<p>Heinz Bonfadelli, emeritierter Professor der Universität Zürich, befasste sich als Medienwissenschaftler mit diversen Phänomenen der Wirkungsforschung. In den 1950er-Jahren, erzählt Bonfadelli am Telefon, sei man in der Wirkungsforschung davon ausgegangen, die Medien würden Meinungen nur bestätigen und nicht verändern. In den 1970er-Jahren habe man zusätzlich die kognitiven Effekte erkannt: «In den Medien ständig präsente Themen erachteten Menschen auch als wichtig, das nennt sich Agenda-Setting-Effekt», sagt Bonfadelli. «Heute befasst sich die Wirkungsforschung vor allem mit Medien-Frames: Wie Meinungen, Haltung und Ton in der Berichterstattung zu einem Thema die Sichtweise des Publikums prägen.»</p>
<p>Die Medienwirkungsforschung, sagt Bonfadelli, beobachte die Wirkungsphänomene beim Individuum. Der Fokus liege je nach Theorie auf der Art und Dauer der Wirkung: «Bilder etwa erzeugen vor allem affektive Wirkung, Texte kognitive. Der Boulevard etwa arbeitet mit viel Bildern und erzeugt vorwiegend affektive Wirkung, während anspruchsvolle Texte eines Magazins kognitive Wirkung erzeugen», sagt er. «Generell erzeugen Bildmedien stärkere, affektive Wirkung, weil man kaum Zeit zum Verarbeiten hat. Doch die Effekte können sich je nach Involviertheit eines Individuums unterscheiden.» Für die Art der Wirkung sind Bonfadelli zufolge nebst dem Medium auch das jeweilige Mediensystem und die kulturelle Prägung entscheidend. «In einem Land mit gleichgeschalteten Medien wirkt Kritik am System anders als in einem liberalen System. Zudem kann Wirkung stärker sein, wenn man keinen unmittelbaren Kontext dazu hat. Eine Reportage aus Syrien etwa wirkt auf das Publikum eines Schweizer Mediums erschreckender als auf die Menschen vor Ort, die den Krieg erleben.»</p>
<p>Jeglicher Wirkungsprozess setzt die Präsenz eines Themas in den Medien voraus. Wie essenziell dies ist, zeigte der Politologe Daniel Kübler von der Universität Zürich 2018 in einer Studie: Je magerer die lokale Berichterstattung über eine Gemeinde, desto geringer ist dort die Wahlbeteiligung.</p>
<p>«Wirkung beginnt, wenn eine Person ein bestimmtes Thema in den Medien wahrnimmt», sagt Bonfadelli zur ersten Phase des Wirkungsprozesses. «Dann bestimmt die Neugier die zweite Phase: Die Person will mehr über das Thema erfahren und liest den Artikel oder schaut die Sendung. Schliesslich erzielt diese Information gegebenenfalls eine Wirkung auf das Verhalten oder die Sichtweise dieser Person.» (Tuğba Ayaz)</p>
</div>
<p><small>Bilder: René Ruis (Hässig), Anne Morgenstern (Fichter), Miguel Kratzer (Grassegger)</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2019/12/17/recherchen-die-wirken/">Recherchen, die wirken</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>«Frustriert sein über die Umstände und darin verharren, ist nicht mein Ding»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2019/03/28/frustriert-sein-ueber-die-umstaende-und-darin-verharren-ist-nicht-mein-ding/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Tuğba Ayaz]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 28 Mar 2019 16:40:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Annabelle]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Seit zwanzig Jahren ist die Journalistin Silvia Binggeli (46) bei der Frauenzeitschrift «Annabelle», bis zum Sommer noch als Chefredaktorin. Nach einem Sparbeschluss von Tamedia entschied sich Binggeli, das Magazin zu verlassen. Im Gespräch mit der MEDIENWOCHE erklärt sie, was die «Annabelle» einzigartig macht und warum sie das künftige Konzept zwar noch mitentwickelt, aber nicht mehr <a href="https://medienwoche.ch/2019/03/28/frustriert-sein-ueber-die-umstaende-und-darin-verharren-ist-nicht-mein-ding/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Seit zwanzig Jahren ist die Journalistin Silvia Binggeli (46) bei der Frauenzeitschrift <a href="https://www.annabelle.ch/" target="_blank" rel="noopener">«Annabelle»</a>, bis zum Sommer noch als Chefredaktorin. Nach einem Sparbeschluss von Tamedia entschied sich Binggeli, das Magazin zu verlassen. Im Gespräch mit der MEDIENWOCHE erklärt sie, was die «Annabelle» einzigartig macht und warum sie das künftige Konzept zwar noch mitentwickelt, aber nicht mehr verantworten mag.</strong><br />
<img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-67659" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/03/Foto-Silvia-Binggeli-1.jpeg" alt="" width="1280" height="855" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/03/Foto-Silvia-Binggeli-1.jpeg 1280w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/03/Foto-Silvia-Binggeli-1-300x200.jpeg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/03/Foto-Silvia-Binggeli-1-768x513.jpeg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/03/Foto-Silvia-Binggeli-1-1024x684.jpeg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/03/Foto-Silvia-Binggeli-1-470x315.jpeg 470w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/03/Foto-Silvia-Binggeli-1-728x485.jpeg 728w" sizes="auto, (max-width: 1280px) 100vw, 1280px" /><br />
«‹Annabelle› mit neuem Redaktionsmodell», <a href="https://www.tamedia.ch/de/gruppe/newsroom/medienmitteilungen/annabelle-mit-neuem-redaktionsmodell" target="_blank" rel="noopener">teilte Tamedia Ende Januar mit</a>. Je innovativer eine Umstrukturierung angekündigt wird, desto drastischer wird die Sparübung. So steht denn auch weiter in der Medienmitteilung: «die wirtschaftlich notwendige Anpassung des Redaktionsmodells hat 14 Kündigungen zur Folge.» Natürlich unter Berücksichtigung – wie gesetzlich vorgeschrieben – der Vorschläge von Mitarbeitenden. Nach Anhörung aller Mitarbeitenden steht seit Anfang März fest: Zehn Mitarbeitenden wird gekündigt, vier Pensen werden reduziert. Für Chefredaktorin Silvia Binggeli und ihre Kolleginnen und Kollegen war die Anhörungsphase eine bewegte Zeit. Ich treffe Binggeli in einem Café unweit des Tamedia-Holzbaus, wo sich die «Annabelle»-Redaktion befindet. Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern. Das Frühlingserwachen wirkt tröstend und nimmt dem Gespräch ein wenig die Schwere.</p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Du hast die Anhörung mit den Mitarbeitenden abgeschlossen. Wie geht es dir?</p>
</div><div class="answer"><h4>Silvia Binggeli:</h4> <p>Die letzten Wochen waren sehr anstrengend und emotional, eine schwierige Zeit. Insgesamt geht es mir aber gut, ich stehe noch. Und ich freue mich auf den Frühling.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Was war besonders anstrengend?</p>
</div><div class="answer"><h4>Silvia Binggeli:</h4> <p>Die Zeitspanne von mehreren Wochen, in denen im Team grosse Unsicherheit herrschte. Die Mitarbeitenden wussten nicht, wer von einer Kündigung betroffen sein wird. Sie machten sich Gedanken über Lösungsvorschläge, um den Abbau zu vermeiden, hatten aber nicht in jedem Fall alle nötigen Informationen. Ich bot einmal die Woche ein Zeitfenster an, um Fragen zu stellen, persönliche Wünsche oder mögliche Profile für das neue Team zu platzieren, so dass wir diese nach Möglichkeit berücksichtigen konnten. Die Klarheit durch die Kündigungsgespräche war sicher erst mal eine Erleichterung. Nichtsdestotrotz ist die Stimmung auf der Redaktion nach wie vor angespannt. Wir müssen uns jetzt wieder darauf einstellen, nach vorne zu blicken.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Musstest du entscheiden, wem gekündigt wird?</p>
</div><div class="answer"><h4>Silvia Binggeli:</h4> <p>Es war eine gemeinsame Entscheidung mit den Ressortleiterinnen und -leitern. Sie kennen die Profile in ihren Teams am besten. Von oben gab es keine Anweisungen. Als wir das neue Redaktionsmodell zeichneten, wurden erst die Profile definiert. Wir mussten eruieren, welche Kompetenzen es für die neue Kernaufgabe der Redaktion künftig braucht: weniger Eigenleistung, mehr Zukauf. Die Struktur des neuen Redaktionsmodells war im Grundsatz bereits definiert, bevor es kommuniziert wurde. Das Konzept war offen für Vorschläge der Mitarbeitenden, aber es hätte sich kaum grundlegend umstossen lassen. Wir konnten etwa auf den Vorschlag des Jobsharing eingehen. Es haben sich während der Anhörungsphase auch bereits andere Tamedia-Redaktionen und Externe gemeldet, die offene Stellen angeboten haben. Das hat mich berührt.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Wurde bei den Kündigungen Rücksicht darauf genommen, wie lange jemand für die «Annabelle» gearbeitet hat?</p>
</div><div class="answer"><h4>Silvia Binggeli:</h4> <p>Nein, bei so einer massiven Umstellung sind die Profile für das neue Modell entscheidend. Natürlich werden bestimmte Kriterien berücksichtigt, etwa wenn jemand wichtige Kontakte in der Branche hat, grosse Erfahrung bei der Textarbeit oder Wissen für die Digitalisierung mitbringt. Im Entscheidungsprozess gab es aber keine unantastbaren Mitarbeitenden. Besonders hart ist ja auch, dass gute Leistungen nicht vor einer Kündigung bewahrt haben.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Wie entlässt man jemanden?</p>
</div><div class="answer"><h4>Silvia Binggeli:</h4> <p>Man kann es nie richtig machen. Eine Kündigung ist eine Kündigung, da muss man sich nichts vormachen. Mir war es wichtig, mit allen ein Gespräch zu führen, den Betroffenen und denen, die bleiben. Ich wollte niemanden dem Druck aussetzen, dass man an einem besagten Tag aufgeboten wird und ahnt, dass man die Kündigung erhält. Jeder und jede hat einen Termin bekommen, um sich auf das Gespräch einstellen zu können. Bei den Gesprächen waren ich, die jeweiligen Ressortleiterinnen und -leiter und die Personalverantwortliche anwesend. Man versucht, schnell zum Punkt zu kommen. Man muss sich bewusst sein: Es geht um das Gegenüber und nicht um die eigenen Gefühle in diesem Moment. Man versucht es so empathisch wie möglich zu kommunizieren. Aber es bleibt eine beschissene Ansage, man kann es nicht anders sagen. Man muss erste Reaktionen abfangen: Wut, Verständnis, Verzweiflung. Warum ich? Warum in dieser Härte? Das alles ist gekommen, auch in meine Richtung. Das gehört dazu, man muss es aushalten.</p>
</div></p>
<blockquote><p>«Kreativität wird im neuen Modell der ‹Annabelle› nicht mehr in der selben Form mit Eigenleistungen möglich sein.»</p></blockquote>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Wie sieht das künftige Redaktionsmodell der «Annabelle» aus?</p>
</div><div class="answer"><h4>Silvia Binggeli:</h4> <p>Wir halten am einzigartigen Konzept fest: Die Mischung aus Reportagen und Lifestyle. Bislang haben wir in einem grossen Team viel Eigenleistungen in jeder Rubrik erbracht, etwa aufwändige Reportagen umgesetzt, Kochrezepte selber ausprobiert und fotografiert, im eigenen Fotostudio Inszenierungen gemacht. Kreativität wird im neuen Modell nicht mehr in der selben Form mit Eigenleistungen möglich sein. In einem so viel kleineren Team wäre das gar nicht möglich. Mit dem neuen Redaktionsmodell wird das Team die Inhalte verwalten und planen, externe Beiträge dazukaufen und redigieren. Es wird ausserdem keine ausgeprägte Ressortaufteilung mehr geben wie bis anhin, sondern ein Pool von Redaktoren, die für Print- und Online-Beiträge verantwortlich sind – das war bis jetzt getrennt. Die Inhalte sollen dennoch Exklusivität bieten, keine Sammlung von Zweitabdrucken sein.</p>
</div></p>
<p></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Klingt trotz der Kündigungen tröstlich. Aber wie motivierst du im jetzigen Klima das Team, mitzuziehen?</p>
</div><div class="answer"><h4>Silvia Binggeli:</h4> <p>Die Frage kommt natürlich auch im Team immer wieder auf: Wie soll das funktionieren? Ernüchternde Momente gibt es und wird es geben, wenn neue Abläufe nicht sofort funktionieren. Wir können jetzt nur anpacken. Auch für die Stimmung in der Redaktion ist es besser, nicht weiterhin alles in Frage zu stellen, sondern vorwärts zu denken. Derzeit machen die Ressortleiter Workshops, bei denen alle Ideen einbringen können: Etwa dazu, wie wir Abläufe künftig effizienter machen, bei bestimmten Gefässen Zeit sparen können, inhaltliche Perlen definieren und auf anderes verzichten. Von den Gekündigten im Team kann man nicht den vollen Einsatz und die Motivation dafür erwarten. Ihnen muss man die Zeit und Unterstützung geben, sich auch auf ihre Zukunft konzentrieren zu können. Manche Kolleginnen und Kollegen werden uns im Mai verlassen, andere im August. Trotzdem sind sie noch Teil eines Teams, das immer zusammengehalten hat, und sollen sich und ihre Kompetenz einbringen.</p>
</div></p>
<blockquote><p>«Ich fordere auch meine Vorgesetzten mit kritischen Fragen heraus. Von manchen Ideen konnte ich sie überzeugen, von anderen nicht.»</p></blockquote>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Alle Printmedien kämpfen mit dem Rückgang der Einnahmen bei den Inserate. Jeder weiss aber, dass Tamedia jährlich Gewinne in Millionenhöhe erzielt, wovon sich die Teppichetage grosszügige Beträge auszahlt. Gewinne werden nicht in die Publizistik investiert. Wie hast du die Tamedia-Geschäftspolitik in deinen 20 Jahren bei der «Annabelle» erlebt?</p>
</div><div class="answer"><h4>Silvia Binggeli:</h4> <p>Die Medienbranche verändert sich derzeit tatsächlich sehr stark. Der Einbruch in der Werbebranche ist massiv und trifft Titel, die hauptsächlich durch Werbung finanziert werden, wie uns, sehr hart. Tamedia ist ein börsenkotiertes Unternehmen, das seine Titel nicht quer-subventioniert. Das Unternehmen strebt Gewinn an oder anders gesagt: will sich finanziell gesund halten, um sich für die Zukunft zu rüsten. Das kann man gut oder schlecht finden. Es ist Realität. Ich habe meine Aufgabe unter diesen Voraussetzungen immer so gesehen: Ich trage die Verantwortung und kämpfe für den Titel. Leidenschaftlich und engagiert. Ich fordere auch meine Vorgesetzten mit kritischen Fragen heraus. Von manchen Ideen konnte ich sie so überzeugen, von anderen nicht. Das ist anspruchsvoll und kann auch zwischendurch sehr frustrieren. Aber ich habe mich nie dem kompletten Frust über schwierige Voraussetzungen hingegeben, es hätte nichts an der Unternehmensstrategie geändert. Frustriert sein über die Umstände und darin verharren, ist nicht mein Ding.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Der Frust wäre mit der Umstrukturierung nun eingetreten, also gehst du?</p>
</div><div class="answer"><h4>Silvia Binggeli:</h4> <p>Ich bin seit zwanzig Jahren bei der «Annabelle», das ist mein Baby, meine Herzensangelegenheit. Ich habe eine sehr reiche Geschichte mit diesem Blatt, durfte es mit allen Farben der Palette bemalen. Mit dieser Umstellung sah ich mich nicht mehr in der Leitung. Ich hätte mich immer an dem gemessen, was ich bis jetzt gemacht habe. Ich bin eine Überzeugungstäterin und funktioniere am besten, wenn ich mich in einer Sache zu hundert Prozent sehe. Für jemand, der die Position neu übernimmt, ist das anders. Sie oder er kann dem Titel eine eigene Handschrift verleihen und eine neues Kapitel schreiben.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Mit welchen Erwartungen hast du 1999 nach Abschluss der Ringier Journalistenschule bei der «Annabelle» angefangen?</p>
</div><div class="answer"><h4>Silvia Binggeli:</h4> <p>Ich war einfach sehr neugierig. Ich habe damals nicht an Karriere gedacht, sondern war fasziniert von der Arbeit als Reporterin. Ich wollte: Menschen treffen, herumreisen, möglichst viel erfahren, erzählen.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>In deinen zwanzig Jahren bei der «Annabelle» hast du diverse Stationen durchlaufen: sechs Jahre im Ressort Reportagen, sieben Jahre Lifestyle-Ressort, dann sechs Jahre als Chefredaktorin. Du hast Porträts über Designer, Politikerinnen oder Künstlerinnen geschrieben. Reportagen aus fernen Ländern mitgebracht, etwa über junge <a href="https://www.annabelle.ch/node/3660" target="_blank" rel="noopener">Businessleute in Senegal</a> oder ein afghanisches Frauenunternehmen. Was hat dich davon am meisten geprägt?</p>
</div><div class="answer"><h4>Silvia Binggeli:</h4> <p>Die Aufregung. Sie ist bis heute geblieben. Recherchieren und schreiben bedeutet Aufregung. Menschen treffen, zuhören, nachfragen. Da ist Nervenkitzel und Spannung, man kämpft aber auch mit Zweifeln: Habe ich im Interview die richtigen Fragen gestellt, habe ich genug Material? Man hört die Tonaufnahmen ab und fragt sich, wie sich daraus eine gute Geschichte erzählen lässt. Geprägt hat mich auch ständig zu reflektieren, nicht mit vorgefassten Meinungen auf Gesprächspartner zuzugehen. Bei manchen gelang mir das nicht. Im Nachhinein merkte ich dann etwa, an der Stelle hätte ich nochmals nachfragen sollen. Kritisch sein und nachhaken ist wichtig, auch wenn man sein Gegenüber nervt. Mann kann nicht erwarten, dass sich das Gegenüber einfach so öffnet.</p>
</div></p>
<p>(Denkt nach)</p>
<div class="answer"><h4>Silvia Binggeli:</h4> <p>Über all diese Jahre war der Job für mich eine bezahlte Weiterbildung. Das ist ein riesiges Privileg. Vielleicht klingt es pathetisch, aber ich meine es so. In der schwierigen Zeit der letzten Wochen befragte mich mein Lebenspartner einmal spontan zu meiner Zeit bei der «Annabelle», wie in einem Interview: Zu den Anfängen, den bedeutenden Geschichten, was oder wer mich in welchen Phasen bewegte und prägte, was mir gelang und was nicht. In einem langen Gespräch liessen wir die zwanzig Jahre Revue passieren, das tat gut. Mir wurde bewusst, wie gross mein Wissensschatz durch die «Annabelle» ist. Die Begegnungen mit Menschen, mein Team, haben mich bereichert. Die letzten zwanzig Jahre waren eine Riesenchance, auch dass ich den Posten der Chefredaktion sechs Jahre lang übernehmen durfte. Ich hatte inhaltlich komplette Freiheit, und ich bin sehr stolz darauf, was wir daraus gemacht haben. Mein Leben wäre nicht das, was es ist, wäre ich nicht so lange bei diesem Titel gewesen. (Hat Tränen in den Augen.) Entschuldige, das kann man nicht abstellen.</p>
</div>
<div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Überhaupt kein Problem.</p>
</div>
<p>(Wir schweigen kurz.)</p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Und was kommt denn nach dieser grossartigen Zeit bei der «Annabelle»?</p>
</div><div class="answer"><h4>Silvia Binggeli:</h4> <p>Ich habe mir leider noch nicht genügend Zeit genommen, mich darum zu kümmern. Ich habe Ideen, Möglichkeiten, die ich aber noch nicht konkretisiert habe. Ich will das bald angehen.</p>
</div></p>
<blockquote><p>«Ich habe noch immer grosse Lust, Geschichten zu erzählen. Ich habe mit diesem diesem Beruf nicht abgeschlossen.»</p></blockquote>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Bleibst du im Journalismus?</p>
</div><div class="answer"><h4>Silvia Binggeli:</h4> <p>Ich habe noch immer grosse Lust, Geschichten zu erzählen. Ich habe mit diesem diesem Beruf nicht abgeschlossen. Natürlich weiss auch ich, dass sich der Beruf, die Branche verändert hat. Ich will nicht überstürzt alles hinwerfen, will aber auch nicht verbissen an Vergangenem festhalten, vielmehr weiterhin neugierig sein. Insofern:Journalismus, grundsätzlich ja, aber ich kann mir auch vorstellen, auf anderen Kanälen Geschichten zu erzählen, Hauptsache ich kann welche erzählen, mit Menschen zusammenarbeiten, entdecken und bewegen, beides liebe ich und beides will ich weiterhin machen.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Als Chefredaktorin bist du in den letzten Jahren wohl wenig zum Schreiben gekommen ausser dem Editorial. Hat dich das vom Beruf entfernt?</p>
</div><div class="answer"><h4>Silvia Binggeli:</h4> <p>In meinen ersten Jahren bei der «Annabelle» konnte ich als Reporterin unzählige Geschichten realisieren, ich habe das Handwerk damals richtig ausgeschöpft, deshalb habe ich nicht das Gefühl, in den letzten sechs Jahren etwas verpasst zu haben. Auch habe ich es nicht vermisst, denn ich habe auch als Chefredaktorin weiterhin Geschichten erzählen können, einfach in einer anderen Form, konzeptueller. Ich habe mit dem Team im letzten Jahr zum 80-jährigen Bestehen von «Annabelle» das Projekt «Schweizer Macherinnen» umgesetzt. Bei solchen Projekten muss man sich überlegen, wie man die Geschichte im Titel einbettet, welche Handschrift sie dem Titel gibt. Die «Annabelle» gab es Jahrzehnte vor mir, und es wird sie nach mir geben, dennoch habe ich mit dem Team den Titel geprägt, das ist für mich auch eine Art Geschichten zu erzählen.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Die Mischung aus Reportagen und Lifestyle, sagtest du, macht die «Annabelle» einzigartig. Trifft das nicht auf alle Frauentitel zu?</p>
</div><div class="answer"><h4>Silvia Binggeli:</h4> <p>Es gibt kaum Frauenzeitschriften in denen man eine Reportage über eine <a href="https://www.annabelle.ch/leben/politik-umwelt/gefangen-guantanamo-ber%C3%BCchtigtste-gef%C3%A4ngnis-welt-34092" target="_blank" rel="noopener">Gerichtszeichnerin in Guantánamo</a> lesen kann, die über Walfänger in Alaska berichten, oder die eine Spezialausgabe zum Thema Nacht machen; die Texte publizieren, die mit Preisen ausgezeichnet werden. Das sind keine Geschichten, die man von Frauenzeitschriften erwartet oder überhaupt noch oft in den Printmedien findet. Und diese gesellschaftspolitischen Beiträge sind uns genauso wichtig wie Lifestyle-Themen, Mode, Beauty, Kosmetik. Das schliesst sich nicht aus. In einem Frauentitel muss man sich nicht für das Eine oder Andere entscheiden. Ich musste in den Medien schon häufig erklären, ob Gesellschaftspolitik und Lifstyle-Themen zusammen gehen. Logisch geht das! Zu denken, dass Frauentitel nur für Wohlfühl-Themen und Lifestyle zuständig sind, ist überholt. Die Form von Hintergrundbeiträgen, wie wir sie haben, gibt es kaum in anderen Frauentiteln. Natürlich ist das nicht neutral, wenn ich das sage. Wir bekommen auch Komplimente aus unerwarteten Ecken. Etwa aus der Chefredaktion des SZ-Magazins, die in den Sozialen Medien einmal zu einem Cover der «Annabelle» geschrieben hat: «Das beste Frauenmagazin im deutschsprachigen Raum erscheint in der Schweiz.» Das machte mich sehr stolz, auch weil das Kompliment keines aus der Fan-Community ist, die «Annabelle» seit jeher von der Mutter oder Schwester oder Tochter kennt. Andere Frauentitel in Ehren, ich will nicht sagen, dass wir besser als die anderen sind. Wir sind einfach anders.</p>
</div></p>
<blockquote><p>«Ich hatte keinen Karriereplan. Ich machte meinen Beruf einfach sehr gerne.»</p></blockquote>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Frauen müssen sich doppelt behaupten, um nach oben zu kommen, heisst es oft. Hast du bei einem Frauentitel, wo überwiegend Journalistinnen arbeiten, weniger Ellenbogen-Kämpfe erlebt?</p>
</div><div class="answer"><h4>Silvia Binggeli:</h4> <p>Ich habe keine geführt. Das mag kokett klingen, aber ich habe diese Position nicht anvisiert. Ich hatte keinen Karriereplan. Ich machte meinen Beruf einfach sehr gerne. Ich kam aber auch in einer Zeit in den Journalismus, als man sich noch langsam entwickeln konnte. Nachdem ich die Journalistenschule abgeschlossen hatte, war ziemlich klar, dass man einen Anstellung findet. Die Branche war nicht unter demselben Druck wie jetzt. Bei jungen Kolleginnen beobachte ich, wie sich die Voraussetzungen verändert haben, sie sind schwieriger geworden; die Kolleginnen sind ungeduldiger, wenn sich in wenigen Monaten in ihrer Karriere nichts bewegt.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Dafür sind wir, ich zähle mich zu dieser Generation, frecher, trauen uns mehr zu, fordern mehr – wie mir ein Redaktor über 50 einmal beschied. Erlebst du die jungen Kolleginnen und Kollegen auch so?</p>
</div><div class="answer"><h4>Silvia Binggeli:</h4> <p>Ja, dem stimme ich zu, obwohl ich mich mit Pauschalurteilen schwer tue. Und ich fühle mich auch alt, wenn ich über die Jungen urteile. Junge Kolleginnen erlebe ich tatsächlich als selbstbewusster als ich es damals war. Auch wollen sie einen guten Ausgleich zwischen Arbeiten und Leben, stehen nicht über Jahre loyal zu einem Unternehmen. Das Fordernde mag meine Generation überrumpeln, doch es zwingt uns auch, uns auf Forderungen einzulassen, Dinge zu hinterfragen und Stellung zu beziehen. Dass Frauen fordern, den Mund aufmachen, das wollten wir ja, jetzt muss man damit umgehen und sich darüber freuen. Ich finde es gut, dass jüngere Kolleginnen trotz Medienkrise fordernd sind.</p>
</div></p>
<blockquote><p>«Meine Mutter und meine Grossmutter haben mir Stärke und Durchsetzungsvermögen vorgelebt. Beide packten an und lehrten mich, dass es gar keine Frage ist, ob mir etwas wegen meiner Herkunft oder als Frau offensteht.»</p></blockquote>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Du bist in einer Familie mit starken Frauen aufgewachsen. Deine Mutter war alleinerziehend, deine Grossmutter Mitte fünfzig verwitwet. Was gaben dir diese Frauen für deine Laufbahn als Journalistin mit?</p>
</div><div class="answer"><h4>Silvia Binggeli:</h4> <p>Beide waren wichtige Figuren für mich. Durch das Band gab es in meiner Familie starke Frauen. Weder meine Grossmutter noch meine Mutter oder Tanten waren aktiv in der Frauenbewegung. Zuhause lagen keine Bücher von Simone De Beauvoir herum oder es gab keine politische Debatten über Frauenfragen am Küchentisch. Sie haben mir aber Stärke und Durchsetzungsvermögen vorgelebt. Beide packten an und lehrten mich, dass es gar keine Frage ist, ob mir etwas wegen meiner Herkunft oder als Frau offensteht. Es war logisch, dass man alles machen kann, solange man sich dafür einsetzt. Diese Selbstverständlichkeit habe ich mitgenommen und sie hat mich in entscheidenden Momenten bestärkt; etwa als es darum ging, beruflich wichtige Aufgaben zu übernehmen, oder bei meiner Bewerbung um die Chefredaktion – das war ein langer Bewerbungsprozess mit einigen Mitstreiterinnen. Ich konnte für mich einstehen und sagen: Ja, ich will das, ich kann das. Genauso im Umgang mit einer von Männern dominierten Teppichetage.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Hat dich eine Figur im Journalismus besonders geprägt?</p>
</div><div class="answer"><h4>Silvia Binggeli:</h4> <p>Margrit Sprecher habe ich früh bewundert, für ihre Schreibe, ihre spitze Feder. Ich lernte sie bei einem Besuch an der Journalistenschule kennen. Mich überraschte ihr bescheidenes, zurückhaltendes Wesen im Gespräch. Hat sie aber ihr Material zusammen, ist sie scharf in der Analyse, in der Schreibe, ohne Aggression, sondern entschlossen und klar. Das hat mich beeindruckt. Das wollte ich auch umsetzen. Es entspricht auch dem, was mir meine Mutter und Grossmutter vorlebten: Man geht offen an eine Sache heran, analysiert, entwickelt seine Haltung, die sehr kritisch sein kann – wie eine Journalistin oder ein Journalist eben.</p>
</div></p>
<p><small>Das Gespräch fand am 20. März in Zürich statt.</small></p>
<p><small>Bild: zVg/Tamedia</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2019/03/28/frustriert-sein-ueber-die-umstaende-und-darin-verharren-ist-nicht-mein-ding/">«Frustriert sein über die Umstände und darin verharren, ist nicht mein Ding»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Podcasts in der Schweiz: Es fehlt an Geld und Mut</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2018/10/30/podcasts-in-der-schweiz-es-fehlt-an-geld-und-mut/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Tuğba Ayaz]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Oct 2018 20:19:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Podcast]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=62848</guid>

					<description><![CDATA[<p>In den USA oder in Grossbritannien gehören Podcasts längst zum Multimedia-Angebot von Zeitungshäusern. In der Schweiz wagen sich Verlage wie Tamedia, Ringier oder die NZZ-Gruppe nur zögerlich in die Audio-Welt vor. Doch es gibt auch löbliche Ausnahmen. Wir haben uns umgehört. Wir hören wie Glas zersplittert. Eine Frau erzählt von einer rassistischen Beschimpfung. Ein Mann <a href="https://medienwoche.ch/2018/10/30/podcasts-in-der-schweiz-es-fehlt-an-geld-und-mut/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/10/30/podcasts-in-der-schweiz-es-fehlt-an-geld-und-mut/">Podcasts in der Schweiz: Es fehlt an Geld und Mut</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>In den USA oder in Grossbritannien gehören Podcasts längst zum Multimedia-Angebot von Zeitungshäusern. In der Schweiz wagen sich Verlage wie Tamedia, Ringier oder die NZZ-Gruppe nur zögerlich in die Audio-Welt vor. Doch es gibt auch löbliche Ausnahmen. Wir haben uns umgehört.</strong><br />
<img loading="lazy" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/10/MW-Postcasts-in-der-Schweiz_20181030c.jpg" alt="" width="1456" height="976" class="alignnone size-full wp-image-62850" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/10/MW-Postcasts-in-der-Schweiz_20181030c.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/10/MW-Postcasts-in-der-Schweiz_20181030c-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/10/MW-Postcasts-in-der-Schweiz_20181030c-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/10/MW-Postcasts-in-der-Schweiz_20181030c-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/10/MW-Postcasts-in-der-Schweiz_20181030c-470x315.jpg 470w" sizes="auto, (max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
Wir hören wie Glas zersplittert. Eine Frau erzählt von einer rassistischen Beschimpfung. Ein Mann von der Hemmung, zu seiner Heroinsucht zu stehen. Ein anderer beklagt die Mühsal, das Bett in einer Dreierbeziehung zu teilen. Eine Frau spricht von der Angst, mit einem Burnout als Irre schubladisiert zu werden. 20 Sekunden führen uns in die Lebenswelt eines Menschen. Dann ein paar Takte Musik. Schliesslich eine Frauenstimme: «Willkommen bei <a href="https://www.letemps.ch/podcast" rel="noopener" target="_blank">Brise-Glace ein Podcast von ‹Le Temps›</a>. Wir stellen den Menschen aus unserer Mitte ungestellte Fragen.» So beginnt ein halbstündiges Hörerlebnis. Die Sprache, das erzählerische Interview, die Tonqualität vermitteln das Gefühl, als sässen wir direkt dabei. «Brise-Glace» hat es kürzlich unter die Finalisten des <a href="https://www.parispodcastfestival.com/" rel="noopener" target="_blank">Paris Podcast Festival</a> geschafft. Es ist derzeit der einzige Schweizer Podcast von dieser Qualität, der von einem Zeitungshaus und nicht von einem Radiosender produziert wird. Mit Blick auf den internationalen Markt, liegt hier ein grosses Potenzial brach.</p>
<p>Wie packend Podcasts sein können, wissen wir spätestens seit den amerikanischen Audio-Krimis <a href="https://www.zeit.de/digital/internet/2014-11/serial-podcast-journalismus" rel="noopener" target="_blank">«Serial»</a>, <a href="https://www.deutschlandfunk.de/serial-nachfolger-erschienen-wird-s-town-das-neue-podcast.807.de.html?dram:article_id=382543" rel="noopener" target="_blank">«S-Town»</a> oder den Sozialstudien von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/This_American_Life" rel="noopener" target="_blank">«This American Life»</a>. In den USA brillieren damit aber nicht nur Radiosender, wie der stilbildende Service-public-Anbieter NPR. Auch Zeitungshäuser wie die «New York Times», «Los Angeles Times» oder «Washington Post» erzählen mit Podcasts eigenständige Geschichten. Ähnliches lässt sich auch in Grossbritannien beobachten, wo neben der übermächtigen BBC auch der «Guardian» seit über einem Jahrzehnt Podcasts produziert, darunter zehn laufende Serien, wöchentliche Beiträge zu Politik, Wissenschaft oder Kultur. Der Guardian veröffentlichte letztes Jahr 550 Podcast-Episoden. Im September hat das Blatt mit der Anstellung von sechs Audiospezialistinnen und -spezialisten das Podcast-Ressort ausgebaut.</p>
<blockquote><p>Anders als Blogs oder sonstige Nischenmedien können Medienhäuser von einer Marke zehren und erzielen mit ihren Online-Angeboten bereits grosse Reichweiten. Doch Multimedia reimt sich bisher nur auf Video. Audio verschmähen die meisten Medien.</p></blockquote>
<p>Über den Podcast-Trend im fernen Ausland berichten Schweizer Medien gern und viel. Die Handelszeitung stellte im September <a href="https://www.handelszeitung.ch/management/diese-podcasts-steigern-leistung-und-kreativitat" rel="noopener" target="_blank">die besten Podcasts für bessere Führungstechniken</a> vor. Die NZZ bot eine Liste <a href="https://www.nzz.ch/feuilleton/weshalb-podcasts-gerne-auf-true-crime-zurueckgreifen-ld.1418712" rel="noopener" target="_blank">«exzellent recherchierter true crime-podcasts»</a>. Aber selber machen, anstatt nur darüber zu schreiben? Fehlanzeige. Dabei wären die Voraussetzungen ideal. Anders als Blogs oder sonstige Nischenmedien können Medienhäuser von einer Marke zehren und erzielen mit ihren Online-Angeboten bereits grosse Reichweiten. Doch Multimedia reimt sich bisher nur auf Video. Audio verschmähen die meisten Medien. Zwar gibt es vereinzelte Gehversuche, aber etabliert haben sich Podcasts noch bei keinem privaten Medienunternehmen.</p>
<p>Im September 2017 lancierte Tamedia ein Pilotprojekt. Während acht Wochen konnte das Publikum längere Artikel aus der «Sonntagszeitung» und von «Le Matin Dimanche» via App oder Website professionell eingesprochen als Podcast beziehen. Nach der Testphase folgten keine weiteren Audio-Beiträge mehr. «Das Marktpotenzial, also die Anzahl Downloads, ist in den Schweizer Podcast-Stores sehr klein», schreibt die Medienstelle von Tamedia auf Anfrage. Wie und ob Tamedia weiter mit Tonbeiträgen experimentieren wird, bleibt vage: «Wir werden in der Zukunft neue Tests machen, warten aber die Marktentwicklung ab.» </p>
<p>Ein bisschen mehr läuft bei der NZZ-Mediengruppe. Bereits 2006 experimentierte die NZZ mit Audio-Artikeln, indem die damals neue Übersichtsseite <a href="https://www.persoenlich.com/medien/positive-reaktionen-auf-nzz-kompakt-podcast-264275" rel="noopener" target="_blank">«NZZ-Kompakt»</a> vorgelesen wurde. Seit kurzem stehen auf den Online-Plattformen des Blatts sämtliche Artikel auch als Audio zur Verfügung. Diese werden aber nicht von Menschen gelesen, sondern mittels Text-To-Speech-Software automatisch generiert. Die neue Funktion mag ein Service für Lesefaule sein, doch mit einem guten Podcast hat sie wenig zu tun. Was es dazu braucht, zeigte das Zürich-Ressort der NZZ mit <a href="https://www.nzz.ch/zuerich/zuerich-podcast-9-zuercher-9-chreis-ld.1353194" rel="noopener" target="_blank">«9 Zürcher, 9 Chreis»</a>. Anfang Jahr erschien anlässlich der Stadtzürcher Wahlen eine Podcast-Serie, in der nicht wie üblich bloss Artikel vertont wurden, sondern eigenständige, dem Format angemessene, Geschichten für das Ohr erzählt wurden.</p>
<blockquote><p>«Es war ein Experiment. Wir wollten ausprobieren, was mit einem kleinen Team und wenig Investitionen möglich ist.»<br />
<small>Daniel Fritzsche, NZZ</small></p></blockquote>
<p>Die Idee zum Projekt entstand bei einem Apéro am Feierabend, berichtet NZZ-Lokalredaktor Daniel Fritzsche, eine der treibenden Kräfte hinter dem Projekt. Man habe über die Lieblings-Podcasts geplaudert und sei so auf das fehlende Angebot in der Schweiz gekommen. Schliesslich produzierte ein Team den ersten genuinen NZZ-Podcast. «Am Ende waren wir ein harter Kern von etwa zehn Redaktorinnen und Redaktoren. Alle jünger, alle im Podcast-Fieber», teilt Fritzsche auf Anfrage mit. «Es war ein Experiment. Wir wollten ausprobieren, was mit einem kleinen Team und wenig Investitionen möglich ist.» Seine Radioerfahrung habe geholfen. Vor seiner Zeit bei der NZZ war Fritzsche beim Regionaljournal Zürich-Schaffhausen von Radio SRF tätig. Doch auch Kolleginnen und Kollegen ohne Radioerfahrung hätten schnell gelernt. Die Aufnahmen machten sie erst mit Ansteckmikrofon im geräumigen Video-Studio. Da überzeugte aber die Tonqualität nicht. Schliesslich nahmen sie in Fritzsches kleinem Büro mit einem Second-Hand-Recorder und Reporter-Mikrofon auf. «Was Storytelling und Tonqualität angeht, wäre viel mehr möglich gewesen», findet Fritzsche im Rückblick. Der Erfolg von «9 Zürcher, 9 Chreis» überraschte dennoch. Die Serie sei in kurzer Zeit über 60&#8217;000 mal heruntergeladen worden. Zeitweise sei man in den Schweizer iTunes-Charts sogar auf dem ersten Platz gelegen, noch vor dem «Echo der Zeit» von Radio SRF, das die Rangliste seit jeher anführt. Sicher habe man da von der Marke NZZ und ihren diversen Kanälen profitiert. Weitere Podcasts folgten aber nicht. Die Zeit dazu fehlte. «Der Aufwand neben der täglichen Schreibtätigkeit war doch für alle hoch. Bei einer nächsten Serie können wir nicht erneut so viel Freizeit hergeben», schreibt Fritzsche. Es soll aber weitergehen, denn «wir lieben dieses Medium. In welcher Form ist aber nicht entschieden.»</p>
<p>Auch bei der «NZZ am Sonntag» macht man sich verstärkt Gedanken zu Audio. Im Frühjahr ergab eine <a href="https://nzzas.nzz.ch/notizen/wieso-wir-bei-nzzas-mit-podcasts-experimentieren-ld.1381141" rel="noopener" target="_blank">Umfrage bei der Leserschaft</a>, dass Dreiviertel der Befragten ein Audio-Angebot nutzen würden. Darum bietet das Sonntagsblatt jetzt drei bis fünf vorgelesene Artikel an oder ein Gespräch mit einem Autor, einer Autorin über ihre Recherche. «Das sind keine Podcasts im eigentlichen Sinne. Sie lassen sich nicht über entsprechende Apps abrufen und erscheinen unregelmässig», sagt Marco Metzler, Leiter Digital bei der «NZZ am Sonntag», im Gespräch mit der MEDIENWOCHE. Die Entwicklung klassischer Podcasts sei in Arbeit. «Ideen sind viele da», sagt Metzler. «Mit Workshops im Haus und externen Profis sprechen wir über Realisierbarkeit und technische Umsetzung.» Man tausche sich auch mit der NZZ-Redaktion aus. Ob man sich für die Realisierung weiterer Audio-Formate zusammentut, sei noch offen. «Podcasts nach amerikanischen Standards können wir aus fehlenden finanziellen und personellen Ressourcen ohnehin nicht realisieren», sagt Metzler. Aus seiner Sicht sollten sie auch gar nicht als Vorbild dienen: «Wir wollen eine eigene Stimme entwickeln, die zu unserer Marke passt.»</p>
<blockquote><p>Dramaturgisch liesse sich bei den «Blick»-Podcasts noch Schwung in die eintönigen Gespräche bringen.</p></blockquote>
<p>Während Ringier Axel Springer in der Westschweiz mit «Brise-Glace» von «Le Temps» Massstäbe setzt, geht man es in der Deutschschweiz etwas bescheidener an. Die «Blick»-Redaktion produziert heute <a href="https://www.blick.ch/interaktiv/audio/" rel="noopener" target="_blank">drei regelmässige Formate</a>. «Fux über Sex» mit Sexberaterin Caroline Fux und «Popcast», bei dem eine People-Redaktorin mit einem Kollegen über Popkultur plaudert. Dramaturgisch liesse sich bei beiden Formaten noch Schwung in die eintönigen Gespräche bringen. Das gilt auch für den Sport-Podcast «Pro &#038; Konter». Hier diskutieren zwei Sportredaktoren ähnlich schwunglos wie die anderen Audio-Anfänger über das nationale und internationale Sportgeschehen. «Unsere Podcasts sind noch im Aufbau. Erste Zahlen sind vielversprechend: Wir können eine hohe Verweildauer der Hörerinnen und Hörer feststellen», teilt Manuel Bucher von der Ringier-Medienstelle mit. «Audio-Formate werden für uns an Bedeutung gewinnen, weil wir eine steigende Nachfrage sehen.» Kooperationen mit der französischsprachigen Redaktion oder dem unternehmenseigenen Radio Energy seien für die Weiterentwicklung der Audio-Formate jedoch nicht geplant.</p>
<p>Auch die «Republik» will Podcasts etablieren. In einer Umfrage wünschte sich die Verlegerschaft ausdrücklich auch ein klingendes Angebot. Wie andere Medien hat die «Republik» mit vorgelesenen Artikeln angefangen. «Wir haben uns mit dem dänischen Magazin Zetland vernetzt, um Erfahrungen und Arbeitsabläufe bei Audio-Formaten auszutauschen», sagt Marco Di Nardo, Multimedia-Produzent. «Uns bestärkte, dass bei Zetland die Hälfte der Artikel gehört werden.» Das Feedback des Publikums sei positiv, gerade längere Texte höre man lieber als sie zu lesen. Wie andere Medienhäuser nutzt die «Republik» Audio für vertiefende Gespräche zu Themen, die zuvor in Artikelform behandelt wurden.</p>
<p>Das junge Online-Magazin will nach und nach seine Audio-Kompetenz ausbauen, um auch aufwändige Beiträge zu realisieren und wo nötig, externe Fachleute beiziehen. Mit Urs Bruderer arbeitet zudem ein langjähriger Radio-SRF-Journalist bei der «Republik», der sein Fachwissen bereits einbringen konnte. Autoren und Reporterinnen sollen langfristig selbst Audio-Beiträge produzieren können. Ein dramaturgisch <a href="https://www.republik.ch/2018/09/18/wer-bist-du-vater" rel="noopener" target="_blank">hochwertiges Audio-Feature</a> publizierte die «Republik» kürzlich als Testlauf. Ein Stück von Michelle Akanji, das im Rahmen einer Abschlussarbeit an der ZHdK entstand. «Wir erhielten erfreuliche Rückmeldungen, auch von kritischen Profis. Freie Autorenteams für Podcasts schickten uns daraufhin Angebote», sagt Di Nardo und verspricht: «Weitere solcher Audioperlen werden folgen.»</p>
<p>Warum entdecken die grossen Medienhäuser Audio im Allgemeinen und Podcasts im Speziellen erst jetzt, wo die Technologie doch schon seit Jahrzehnten bereitsteht und auch genutzt wird? Marco Metzler findet die Entwicklung nicht weiter überraschend. Digitale Geräte, allen voran iPod und später das iPhone von Apple, mit denen man Podcasts hören kann, hätten sich erst allmählich etabliert. So sei das Format beliebter geworden. «Die Menschen entdecken Audio immer mehr, also auch die Verlage.» Die Zeit müsse reif sein für eine Sache, damit sie sich etabliert. Als er noch bei der NZZ angestellt war, erzählt Metzler, habe man 2008 den Video-Podcast «NZZ Impulse» lanciert. «Die Reichweite war gross. Man konnte damals aber damit erst wenig Geld mit Werbung generieren. Wir planten Pre-Roll-Werbung zu schalten. In der Schweiz gab es aber noch kaum Werbung für Online und Video. Der Werbemarkt dafür ist erst in den letzten Jahren entstanden.» Für die Vermarktung ihrer Audio-Formate hat die NZZ am Sonntag noch keine Strategie festgelegt.</p>
<blockquote><p>«Noch ist die Vermarktung von Audioformaten eine Nische. Der Bereich Podcast entwickelt sich in der Schweiz, aber vor allem im Ausland, rasant.»<br />
<small>Matthias Fehr, Admeira</small></p></blockquote>
<p>Sollten sich Podcasts bei den Verlagen etablieren, eröffnet dies den Medienvermarktern ein weiteres Werbesegment neben den bereits etablierten Plattformen. «Noch ist die Vermarktung von Audioformaten eine Nische. Das Potential lässt sich noch nicht abschätzen», schreibt Matthias Fehr vom Medienvermarkter Admeira auf Anfrage. Das Unternehmen verkauft unter anderem die Werbung für «Blick» und «Le Temps», die beide mit Podcasts experimentieren. Dafür bestünden aber bislang noch keine Angebote für Werbetreibende. Fehr fügt hinzu, dass die sogenannten Smart-Speakers wichtige Treiber für die Etablierung von Audio-Formaten seien. «Dieses Segment könnte für Werbekunden interessant werden, sobald eine hohe Marktdurchdringung vorhanden ist. In der Schweiz steckt diese, verglichen mit den USA, aber noch in den Kinderschuhen.»</p>
<p>Werbung in Podcasts wirft auch eine medienethische Frage auf: Wie lässt sich die Rolle der Journalistin oder des Journalisten damit vereinbaren, selbst Werbung vorzutragen, wie das bei vielen grossen Podcasts der Fall ist? <a href="https://www.thiswachter.com/" rel="noopener" target="_blank">This Wachter</a>, Journalist und freier Podcast-Produzent, sieht darin kein Problem – sofern die Werbung als solche deklariert ist. «In den Print-Medien stehen ja auch Werbeinserate neben den Artikeln. Heikel finde ich in beiden Formaten, wenn das Publikum Werbung und redaktionellen Inhalt nicht unterscheiden kann. Oder der Werbekunde den redaktionellen Inhalt diktiert», sagt Wachter im Gespräch. Werbung in Podcasts sei auch eine Frage der Gewohnheit. «Für uns in der Schweiz ist es ungewohnt, dass die journalistisch glaubwürdige Stimme einen Werbespruch aufsagt. In den USA ist das normal.» This Wachter widmet sich seit einem halbjährigen Aufenthalt in Kalifornien vertieft dem langen Audio-Format. Seit diesem Jahr führt er ein eigenes Unternehmen für <a href="https://www.audiostorylab.com/" rel="noopener" target="_blank">professionelle Podcast-Produktionen</a>. Davor war er viele Jahre bei Radio SRF 4 News als Produzent und stellvertretender Redaktionsleiter tätig. Der Podcast «Serial» hat aus Wachters Sicht in den USA 2014 auch deshalb einen Boom ausgelöst, weil er <a href="https://qz.com/298094/how-mailchimps-irresistible-serial-ad-became-the-years-biggest-marketing-win/" rel="noopener" target="_blank">kommerziell erfolgreich war</a>. In Europa habe man den Verlauf erst mal beobachtet. Wachter fragte in einem Blogeintrag im Herbst 2016 wann deutschsprachige Zeitungsverlage mit Podcasts loslegen. «Ende 2016 leistete dann die Rheinische Post mit Audio-Formaten Pionierarbeit in Deutschland. Grosse Verlage wie Spiegel, Süddeutsche und Zeit zogen nach», sagt er. «Und die Schweizer? Haben nach Deutschland geschielt und experimentieren jetzt zaghaft.»</p>
<p>Als generelles Problem, weshalb sich Audio-Formate bei Schweizer Verlagen kaum etabliert haben, sieht Wachter in fehlenden finanziellen und personellen Ressourcen: «Verlage wollen zwar ihr Publikum über neue Kanäle erreichen. Können oder wollen dafür aber nicht investieren. Ich habe oft den Eindruck, sie stellen sich die Produktion von Podcasts billig und leicht vor.» Ein attraktives Hörangebot zu produzieren, koste aber schnell einen Betrag im fünfstelligen Bereich. Darunter versteht Wachter eigenständige Geschichten als Podcasts, keine epischen Gespräche oder Zweitverwertung gedruckter Texte. Gerade Letzteres findet er «äusserst lustlos, denn geschriebene Texte eignen sich nur bedingt für Audio. So schöpft man die Stärke des Formats nicht aus.» Wachter verwundert es nicht, dass man bei Tamedia die vorgelesenen Artikel nach der Testphase nicht weitergeführt hat. «Will man den Marktwert eines Formats einschätzen, muss man erst mal etwas Mitreissendes liefern», sagt er. Als gelungene Beispiele in ihrer Tonqualität wie auch in der Erzählform preist Wachter die Beispiele von «Le Temps» und der NZZ. «Die Nachfrage nach hochwertigen Audio-Formaten besteht. Ansonsten hätte die NZZ nicht wider Erwarten so gute Abrufzahlen gehabt. Doch den Markt muss man sich erst mal erschaffen.»</p>
<blockquote><p>«Journalistische Erfahrung allein reicht nicht für einen guten Podcast. Interviews führt man für Audio-Formate anders als für Print.»<br />
<small>This Wachter, Podcast-Spezialist</small></p></blockquote>
<p>Dabei gilt es nicht zu vergessen, dass die starke Stellung und die finanziellen Mittel des Radios die Etablierung eines kommerziellen Podcast-Markts hemmen könnten und die Verlage vielleicht auch abschrecken, selbst stärker die Initiative zu ergreifen. Radio SRF bietet einerseits seine Sendungen als Podcast zum zeitversetzten Hören an, andererseits produziert der gebührenfinanzierte Sender auch aufwändige Podcasts ausserhalb des Radioprogramms <a href="https://s3.srf.ch/sendungen/edi/sendungen" rel="noopener" target="_blank">wie «Edi – Leben am Limit»</a> oder <a href="https://www.srf.ch/sendungen/einfachpolitik" rel="noopener" target="_blank">«Einfach Politik»</a>. Das Radio mag die Verlage hemmen, sagt Wachter, andererseits haben Podcasts dem Radio das Monopol auf Audio-Formate entzogen. «Der Podcast ermöglicht etwa in Länge oder Inhalt Freiheiten, die sich das Radio wegen Vorgaben für fixe Formate gar nicht nehmen, oder auch aus zeitlichen Gründen nicht realisieren kann.» Sicher seien die vom Radio produzierten Podcasts hochwertig. Würde also ein Verlag in Podcasts investieren, bräuchte es auch die Schulung der Print-Journalisten. «Journalistische Erfahrung allein reicht nicht für einen guten Podcast. Interviews führt man für Audio-Formate anders als für Print», sagt Wachter.</p>
<p>Bleibt schliesslich die Frage der Finanzierung. Müssten Podcasts von Verlagen hinter eine Bezahlschranke? Würde das Publikum überhaupt dafür bezahlen? Oder funktioniert die Finanzierung über Werbung? This Wachter kennt die Antwort nicht. Für ihn ist aber klar: «Wer mediale Pionierarbeit leisten will, muss etwas riskieren.» Aufgrund seiner Beobachtungen in der freien Podcast-Szene der USA weiss er, dass jeder und jede die Geschichten sehr gut vermarktet, «weil man laufend um die Finanzierung buhlen muss. Durch Werbeblöcke im Beitrag finanziert man einen bedeutenden Anteil. In der Schweiz existieren solche Gefässe noch gar nicht.»</p>
<p>Beim Hintergrundmagazin «Reportagen» liegt das Projekt Podcast aufgrund fehlender finanzieller Ressourcen auf Eis. «Das Magazin ist knapp selbsttragend. Nach wie vor sind wir auf neue Abonnenten angewiesen», sagt Lucas Hugelshofer, Marketing- und Vertriebsleiter. «Podcasts wären für uns ein zusätzlicher Kostenpunkt, und keine Nebeneinkunft, mit der wir zusätzliche Einnahmen sichern könnten.» An der Begeisterung für Podcasts fehlt es dem Team des Magazins nicht: «Unsere Geschichten wären geeignet für dieses Format. Wir haben auch schon mit Profis Ideen zur Umsetzung angedacht. Hätten wir finanzielle Subventionen dazu, würden wir sofort loslegen!» </p>
<p>In den USA gibt es derweil erste Anzeichen, dass der Podcast-Trend schon wieder abflacht. Gemäss einem jüngst in der Colombia Journalism Review erschienen Artikel, mussten einige Redaktionen in ihren Podcast-Abteilungen Personal abbauen, weil es auf dem Markt ein Überangebot gibt. Dadurch habe das Format auch an Qualität eingebüsst. Der Artikel bringt das Dilemma auf den Punkt: Mit Podcasts könnten Verlage zwar ein treues Publikum langfristig an sich binden. Gute Podcasts zu produzieren, braucht aber Zeit und Geld.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/10/30/podcasts-in-der-schweiz-es-fehlt-an-geld-und-mut/">Podcasts in der Schweiz: Es fehlt an Geld und Mut</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Weil wir Stadtgeschichten lieben</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2018/10/25/weil-wir-stadtgeschichten-lieben/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Tuğba Ayaz]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 25 Oct 2018 12:52:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[tsüri.ch]]></category>
		<category><![CDATA[hello zurich]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die beiden Zürcher Online-Magazine «Hello Zurich» und «Tsüri» starteten beide als befristete Experimente. Doch es gibt sie bis heute und sie wachsen stetig. Finanziell sind sie aber noch nicht selbsttragend. Bei allen Unterschieden, verbindet sie ein Punkt: Beide brennen für eine Stadt und ihre Geschichten. Sieht so der neue Lokaljournalismus aus? Simon Jacoby schrieb und <a href="https://medienwoche.ch/2018/10/25/weil-wir-stadtgeschichten-lieben/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/10/25/weil-wir-stadtgeschichten-lieben/">Weil wir Stadtgeschichten lieben</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die beiden Zürcher Online-Magazine <a href="https://www.hellozurich.ch/de" rel="noopener" target="_blank">«Hello Zurich»</a> und <a href="https://tsri.ch/zh/" rel="noopener" target="_blank">«Tsüri»</a> starteten beide als befristete Experimente. Doch es gibt sie bis heute und sie wachsen stetig. Finanziell sind sie aber noch nicht selbsttragend. Bei allen Unterschieden, verbindet sie ein Punkt: Beide brennen für eine Stadt und ihre Geschichten. Sieht so der neue Lokaljournalismus aus?</strong><br />
<img loading="lazy" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/10/MW-hello-tsueri_20181010a-print.jpg" alt="" width="1680" height="1126" class="alignnone size-full wp-image-62640" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/10/MW-hello-tsueri_20181010a-print.jpg 1680w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/10/MW-hello-tsueri_20181010a-print-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/10/MW-hello-tsueri_20181010a-print-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/10/MW-hello-tsueri_20181010a-print-1024x687.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/10/MW-hello-tsueri_20181010a-print-470x315.jpg 470w" sizes="auto, (max-width: 1680px) 100vw, 1680px" /><br />
Simon Jacoby schrieb und schrieb und schrieb in den Vorlesungen. Aber nicht etwa zum Referat der Professorin. Er sinnierte über Zürichs ungeschriebene Geschichten. Inspiriert hatte ihn Constantin Seibts «Skizze einer Hauptstadtzeitung» auf dem Blog «Deadline». Seibt listet diverse Szenen einer Stadt auf – etwa Kunst, Party, Sport, Gesundheit –, über die ein Lokalmedium berichten sollte. Weil: «Hier sitzt unser Publikum. Hier lebt, hier leidet, hier plant, hier kämpft es. Und deshalb muss eine städtische Zeitung ihr Kerngeschäft nach ihrer Leserschaft organisieren», schreibt Seibt. Wie wahr!, dachte Simon.</p>
<p>Nach einem Praktikum bei «Watson» hatte <a href="https://tsri.ch/simon-jacoby/" rel="noopener" target="_blank">Simon Jacoby</a> den Online-Journalismus für sich entdeckt. Er wollte die Möglichkeiten unterschiedlicher Formate ausschöpfen. Und über Stadtpolitiker, Musikerinnen oder Rentner in Zürich schreiben. Eins, zwei, los! Simon erzählte einem guten Freund davon. Die beiden trommelten junge Medienschaffende zusammen. Bastelten eine Website. Am 18. Januar 2015 ging «Tsüri.ch» online. Ohne Rechtsform, ohne Strategie. Im ersten Monat hofften sie auf 1000 Besucher der Website. 25&#8217;000 kamen. Ihre Geschichten schlugen ein. Etwa über einen palästinensischen Imbiss als Politikum an der Langstrasse, oder über eine Freikirche, die konservative Werte in Popkultur verpackt. So sass Simon schreibend in den Vorlesungen. Das Studium in Kulturpublizistik brach er daraufhin ab. Seine Zeit gehörte fortan «Tsüri». Er erinnert sich heute, mit 29: «So beflügelt wir auch waren, Zweifel kamen schnell. Überleben in einer Branche, die kollabiert? Zum Teufel!, sagten wir.»</p>
<p>Bummelt Christian Schiller durch das Niederdorf, denkt er an seine Jugend: Abhängen in den Lokalen. Mein «Dörfli» hat sich verändert, dachte er immer wieder Anfang 2017. Nur noch wenige alteingesessene Geschäfte können sich halten. Aber wie? Ihre Geschichten müsste man erzählen. Vom Journalismus zu leben, hatte er abgeschrieben als er mit 32 Vater wurde. Nach dem Journalistik-Studium verdiente er weniger als nach der einstigen Banklehre. Er wechselte in die Kommunikation. Heute, mit 39, führt er <a href="https://www.schiller-kommunikation.ch/" rel="noopener" target="_blank">seine PR-Agentur</a>. Das Blog über das «Dörfli» sollte ein Herzensprojekt werden. Eine Nebenbeschäftigung.</p>
<blockquote><p>«Wir wollen Zürcherinnen aus der Alltagsblase locken, Touristen und Zugezogenen Zürich näher bringen»<br />
<small>Christian Schiller, «Hello Zurich»</small></p></blockquote>
<p>Als «Hello Zurich» am 1. September 2017 startete, hatte Christian wie die Tsüri-Crew nichts als Geschichten im Kopf. Auch sie kamen an. Mit ehemaligen Kollegen porträtierte er jahrzehntealte Geschäfte im Zürcher Niederdorf. Im ersten Monat verzeichnete «Hello Zurich» 13&#8217;920 Besucher. Christian sagte sich: Geschichten aus der ganzen der Stadt sollten wir erzählen. So entwickelte sich das Magazin zu einem Stadtführer in Deutsch und Englisch. «Wir wollen Zürcherinnen aus der Alltagsblase locken, Touristen und Zugezogenen Zürich näher bringen», sagt Christian. Wir sitzen in einem kleinen Büro in einem Altbau hinter dem Schauspielhaus. Viel Licht, Designmöbel, alles an seinem Platz. Hier schreiben und produzieren seine Kollegin Eva Hediger und er für das Magazin. Bespielen die Sozialen Medien und betreuen freie Mitarbeitende, die einen Drittel des Inhalts liefern. Beide mit einem Pensum von 60 Prozent. Pro Woche erscheinen zwei bis fünf Artikel, etwa jüngst ein Porträt über einen Glace-Verkäufer am See oder einen Flohmarkt im Kreis 4. «Die Beiträge leisten auch Service. Im Fokus sind aber die Köpfe hinter einem Geschäft oder Lokal.» Das ist ihre Nische. Solche Geschichten finden sich auch in den Regionalmedien, sie sind für «Hello Zurich» aber keine Konkurrenz. Das Online-Magazin bietet keinen Polit-Journalismus oder Nachrichten. Auch in «Tsüri» sieht «Hello Zurich» keine Konkurrenz, der Fokus der beiden ist zu unterschiedlich, als dass sie aufeinander schielen müssten. Sie würdigen zwar ihre Arbeit gegenseitig. Bis auf eine flüchtige Bekanntschaft zwischen Simon und Christian besteht aber kein Austausch.</p>
<p>«Tsüri» setzt auf Hintergründe zu aktuellen Themen wie Digitalisierung, Drogenpolitik, Stadtentwicklung oder Food Waste. Für sie zählt Haltung. Der Inhalt ist entscheidend, weniger die Schreibkunst. Doch erbringt auch Tsüri Service etwa mit einem Veranstaltungskalender oder Serien wie zum besten Pizzalokal der Stadt. Tsüri will die Zürich erreichen. Darum besteht die «Tsüri»-Crew «aus Jungen, Alten, Partygängern, Stubenhockern, Stylern, Hippies», wie das Magazin schreibt. «Wir müssen so divers wie unser Publikum sein, um Lebenswelten abzubilden», sagt Simon. Deshalb wollen sie auch mit ihrer Leserschaft diskutieren, nachdenken, «mit der Stadt verschmelzen». Über diverse digitale Kanäle und im Gespräch. «So bekommen wir ein Gespür für Themen, die an Regionalmedien vorbeigehen.» Wir sitzen in der Lounge beim Eingang eines Bürogebäudes im Kreis 5. In diesem Neubau arbeitet die «Tsüri»-Redaktion mit anderen Kreativen etwa einer Kommunikationsagentur, dessen Geschäftsleiter auch im Verwaltungsrat der Tsüri-AG sitzt. Plötzlich erklingt aus der Redaktion oben ein Hupen. «Wir haben einen neuen Member! Dann wird gehupt», erklärt Simon.</p>
<blockquote><p>«Journalismus muss künftig interaktiv sein. Lese ich einen Text, bleibt bedeutend weniger hängen, als wenn ich zu einem Thema recherchiere.»<br />
<small>Simon Jacoby, Tsüri</small></p></blockquote>
<p>«Tsüri» will Themen setzen und so in der Stadt zu Debatten anregen. Und sie moderieren. Mit dieser Vision lancierte das Magazin letzten Sommer ein Projekt zu «Civic Media», Simon nennt es «Journalismus zum mitmachen». Zum Thema «Smart City» fanden einen Monat lang sieben Veranstaltungen statt. Den Auftakt machte die sogenannte Pitch-Night. Fachpersonen aus Bereichen wie Mobilität, Architektur oder Bauunternehmen erläuterten ihr Vision einer intelligenten Stadt. In einem Workshop etwa konnte jeder Ideen zur politischen Partizipation im digitalen Zeitalter einbringen, mit einer digitalen Schnitzeljagd durch Zürich. «Journalismus muss künftig interaktiv sein. Lese ich einen Text, bleibt bedeutend weniger hängen, als wenn ich zu einem Thema recherchiere», sagt Simon. «Leistet das Publikum Denkarbeit wie bei einer Recherche, bleibt einen mehr. Fundiertes Wissen prägt öffentliche Debatten.»</p>
<p>Klingt alles nach dem Idealismus, ohne den es heute keinen guten Journalismus mehr gäbe. Rechnungen lassen sich damit aber keine zahlen. Wie finanzieren sich die beiden Magazine? «Hello Zurich» startete mit zinslosen Darlehen von Freunden und eigenem Kapital. Nun versuchen sie das erste Jahr zu refinanzieren. Seit September können Supporter monatlich mit 50 oder Member mit 5 Franken das Magazin unterstützen. Die Bilanz nach einem Monat: 115 Member (Privatpersonen) und 14 Supporter (Firmen). Die Aktion läuft ohne Wirbel, «weil wir herausfinden wollen, wie es ankommt.» Christian wirkt entspannt. «Keine grossen Summen sind im Spiel. Hello Zurich ist ein Liebhaberprojekt.» Member und Supporter können unterschiedliche Kanäle als Werbeplattform nutzen. In einer Rubrik können Member auf private Websites verlinken. Supporter ihr Firmenlogo platzieren, oder in den Sozialen Medien oder im Newsletter ihr Unternehmen präsentieren. «Hello Zurich» sagt, sie seien werbefrei. Warum dann diese Werbeform? «Die Inhalte von Supportern und Membern sind deutlich von redaktionellen Beiträgen getrennt», sagt Christian. «Wir setzen keine Themen nach lukrativen Werbeeinnahmen.» Die Unabhängigkeit sieht er durch die Werbetätigkeit der Mitglieder nicht eingeschränkt: «Wir sind eine Einzelfirma. Ohne Verlag im Rücken. Wir entscheiden über die Inhalte.» Einige Unternehmen fragen «Hello Zurich» um Kooperationen an. Christian will aber erst Partner an Board holen, die wirklich passen. Das Magazin will 2020 selbsttragend sein.</p>
<p>Bei «Tsüri» zahlte das Team anfangs mit freier Arbeitszeit. Andere Jobs besorgten das Geld. Das Projekt war auf zwei Jahre angesetzt. Mit einer Spende von 6000 Franken der Basler Stiftung für Medienvielfalt deckten sie erste Ausgaben. Im Herbst 2016 warb «Tsüri» bei einem Crowdfunding um zahlende Mitglieder. Als «Tsüri»-Member, -Freundin oder -Komplize kann man seither wahlweise mit fünf, zehn oder fünfzehn Franken monatlich das Magazin mitfinanzieren. Die erste Aktion brachte 30&#8217;000 Franken. Der Betrag verdoppelte sich letztes Jahr bei einer zweiten Runde. Kürzlich hat Tsüri das Membersystem ausgebaut, ein Manifest niedergeschrieben. #TsüriGäng nennt sich neu die Gemeinschaft von Redaktion und Mitgliedern.</p>
<blockquote><p>«Wir müssen hinter der Firmenkultur der Investoren stehen können. Eine Anfrage haben wir aus ideologischen Gründen abgelehnt.»<br />
<small>Simon Jacoby, Tsüri</small></p></blockquote>
<p>Aktuell weibelt das Magazin um Investoren für die Tsüri-AG. Sie ist für das Unternehmerische zuständig. Die Redaktion agiert unabhängig als Verein. Das Modell ist vergleichbar mit jenem der «Republik». So kann der Geschäftsführer nicht verlangen, wohlwollend über einen Werbekunden zu berichten. Als Investoren sind bereits ein mittelgrosses Unternehmen und der Innovationsfond einer Bank dabei. Durch erste Investoren konnte «Tsüri» das Team im Juni um vier Personen erweitern. «Wir müssen hinter der Firmenkultur der Investoren stehen können. Eine Anfrage haben wir aus ideologischen Gründen abgelehnt», sagt Simon. Ob sie die Namen offenlegen, ist noch nicht entschieden.</p>
<p>Trotz kommerzieller Erfolge finanziert sich «Tsüri» noch mit Investitionen. In einem Jahr will das Magazin selbsttragend sein. Langfristig setzen sie auf Werbung und Member, wollen aber ohne Bezahlschranke bleiben. «Unsere Geschichten sollen alle erreichen. Nicht nur jene die zahlen.»<br />
Nach knapp vier Jahren «Tsüri» ist für Simon der grösste Misserfolg Erfolg zugleich: «Mit Journalisten ein Start-Up überlebensfähig machen. Die wenigsten unter uns können unternehmerisch denken. Wir denken in Geschichten, nicht in Zahlen. Ohne Businessplan loszulegen, war ökonomisch unklug. Uns hat es angetrieben, geschöpft aus den Erfahrungen, unterwegs zu entscheiden.»</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/10/25/weil-wir-stadtgeschichten-lieben/">Weil wir Stadtgeschichten lieben</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die Trümmer der türkischen Presse</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2018/06/21/die-truemmer-der-tuerkischen-presse/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Tuğba Ayaz]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 21 Jun 2018 10:18:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Türkei]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=58546</guid>

					<description><![CDATA[<p>Am Sonntag wählt die Türkei ihr Parlament und ihren Präsidenten. In den Medien dominierte während des Wahlkampfes die Stimme der Regierungspartei AKP. Ein weiteres Beispiel für die massive Beschneidung der Medienvielfalt und Pressefreiheit in der bewegten Geschichte der türkischen Medien. Doch der Kahlschlag ist auch das Ergebnis einer langjährigen Konzentration unter starkem staatlichem Einfluss. Redet <a href="https://medienwoche.ch/2018/06/21/die-truemmer-der-tuerkischen-presse/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/06/21/die-truemmer-der-tuerkischen-presse/">Die Trümmer der türkischen Presse</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Am Sonntag wählt die Türkei ihr Parlament und ihren Präsidenten. In den Medien dominierte während des Wahlkampfes die Stimme der Regierungspartei AKP. Ein weiteres Beispiel für die massive Beschneidung der Medienvielfalt und Pressefreiheit in der bewegten Geschichte der türkischen Medien. Doch der Kahlschlag ist auch das Ergebnis einer langjährigen Konzentration unter starkem staatlichem Einfluss.</strong><br />
<img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-58547" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/06/MW-Die-Truemmer-der-tuerkischen-Presse-20180605d-print-sRGB.jpg" alt="" width="1680" height="1200" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/06/MW-Die-Truemmer-der-tuerkischen-Presse-20180605d-print-sRGB.jpg 1680w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/06/MW-Die-Truemmer-der-tuerkischen-Presse-20180605d-print-sRGB-300x214.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/06/MW-Die-Truemmer-der-tuerkischen-Presse-20180605d-print-sRGB-768x549.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/06/MW-Die-Truemmer-der-tuerkischen-Presse-20180605d-print-sRGB-1024x732.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 1680px) 100vw, 1680px" /><br />
Redet der Präsident, hört die Türkei zu. Recep Tayyip Erdoğans Stimme dröhnt in Cafés, in Amtsstuben, in Wohnzimmern. Der Präsident ermahnt: ewige Feinde wie die USA oder die EU. Der Präsident begeistert: mit Anekdoten aus seiner Jugend. Der Präsident imponiert: mit Zitaten aus Gedichten. Was dem Präsidenten Trump seine Tweets sind Erdoğan seine Reden. Jeden Tag hält er bis zu drei. Das Fernsehen ist sein Medium. Mehrere TV-Sender übertragen alle Reden live. Und ZuschauerInnen hat er genug, denn 80 Prozent der türkischen Bevölkerung informiert sich über das Fernsehen.</p>
<p>Zu Wahlkampfzeiten beanspruchen der Präsident und seine Regierungspartei AKP das Fernsehen zusätzlich. Im Mai veröffentlichte die staatliche Rundfunkaufsicht (RTÜK) die Zahlen der Sendeminuten auf dem öffentlichen Sender TRT. Sie prüfte sie in einem Zeitraum von drei Wochen, nachdem die Regierung am 17. April den vorgezogenen Wahltermin bekannt gab. Die Sendezeit der grossen Parteien verteilte sich in diesem Zeitraum wie folgt:</p>
<ul>
<li>Prokurdische HDP: 0 Minuten</li>
<li>Nationalkonservative İyi-Partei: 9.5 Minuten</li>
<li>Sozialdemokratische CHP: 3 Stunden 4 Minuten 28 Sekunden</li>
<li>Regierungspartei AKP im Bündnis mit der MHP: 37 Stunden 40 Minuten 2 Sekunden.</li>
</ul>
<p>Zwar ist das Türkische Radio und Fernsehen (TRT) gesetzlich als «unparteiische öffentliche Einheit» definiert, diese Kriterien erfüllte sie aber auch unter anderen Regierungen nicht. Die Rundfunkaufsicht prüft im Auftrag der höchsten Wahlbehörde jeweils, ob TRT und private Sender ausgewogen berichten – pro forma. An den ungleichen Verhältnissen ändert RTÜK nichts. Was nicht überrascht. Die Konstellation ihrer neun Mitglieder illustriert die Verquickung politischer Akteure mit den Medien. Aktuell amtieren fünf Mitglieder der Regierungspartei AKP und je zwei der sozialdemokratischen CHP und der rechtsnationalistischen MHP. Die Mitglieder wählt das Parlament. Im Rat sitzen keine Vertreter aus Medien oder Gewerkschaften. Ausgewogenes Berichten, Pressefreiheit und Kritik an den Mächtigen waren in der Türkei unter jeder Regierung eingeschränkt. Das Gefängnis bezeichnet man schon seit jeher als die «Schule türkischer JournalistInnen». Morde an Medienschaffenden prägen die blutige Geschichte der türkischen Presse. Teil dieser Geschichte ist auch fraglos politische und wirtschaftliche Interessen über die Medien durchzusetzen. Die aktuellen Verhältnisse aber sind auf allen Ebenen von ungekanntem Ausmass. Die Türkei erlebt seit dem versuchten Militärputsch im Juli 2016 den vielleicht grössten Umbruch in der Geschichte der Republik. Für die Presse bedeutet der seit bald zwei Jahren andauernde Ausnahmezustand in Zahlen unter anderem:</p>
<ul>
<li>780 eingezogene Presseausweise</li>
<li>191 inhaftierte Medienschaffende</li>
<li>839 angeklagte Medienschaffende</li>
<li>62 Zeitungen, 19 Magazine, 34 Radiostationen, 5 Nachrichtenagenturen, 28 TV-Sender, 29 Verlage die geschlossen, verboten oder von regierungsnahen Unternehmen übernommen wurden.<br />
<small>(Die Zahlen stammen vom Stockholm Center for Freedom und von «Reporter ohne Grenzen». Aufgrund intransparenter Verhältnisse können sie in allen Kategorien variieren.)</small></li>
</ul>
<p>Die Trümmer der türkischen Presse sind aber nicht allein den jüngsten Ereignissen zuzuschreiben. Sie sind das Ergebnis einer Medienkonzentration, die in den Nullerjahren einsetzte und bei der die Regierung mitzumischen begann. Sie fand zwei Wege, um ihre Kontrolle auf die Medien sukzessive auszuweiten. Erstens fungierte der Staat als Geldgeber. Die staatliche Treuhandanstalt (TMSF) zahlte Medien oder Konzernen bei finanzieller Not Kredite aus, woraus sich Abhängigkeitsverhältnisse entwickelten. Waren ein Medium oder Konzern pleite, konfiszierte sie die staatliche Treuhandanstalt. Bei Ausschreibungen berücksichtige sie häufig regierungsnahe Unternehmer als einzige Bieter (es waren tatsächlich ausschliesslich Männer). Zudem sollen staatliche Geldinstitute den Käufern Zuschüsse in Millionenbeträgen gegebenen haben, deren Rückzahlung bis heute nicht belegt ist.</p>
<blockquote><p>Unparteiischer – nicht einmal kritischer – Journalismus über Innenpolitik bedeutete hohe finanzielle Einbussen.</p></blockquote>
<p>Zweitens dominierten die türkische Medienlandschaft lange schon Mischkonzerne, die ihre Gewinne aus anderen Branchen als den Medien erzielten. Die Auswüchse wucherten über die Jahre in Sektoren wie Versicherungen, Bau, Energie, Telekommunikation, Bankwesen, Immobilien oder Tourismus. Wirtschaftliche Interessen kamen vor publizistischen Leitlinien – selbst in Konzernen die nicht zwingend regierungsnah waren. Unparteiischer – nicht einmal kritischer – Journalismus über Innenpolitik bedeutete hohe finanzielle Einbussen. Öffentliche Aufträge begannen über Tod oder Leben der Konzerne zu entscheiden, und so konkurrierten sie sich nicht bei Primeurs, sondern Grossaufträgen wie dem Bau des dritten Istanbuler Flughafens oder von Wohnsiedlungen in ganzen Stadtteilen. Einige der regierungsnahen Unternehmer, deren Medienkonzerne auch im Bauwesen tätig sind, wurden in den vergangen Jahren mit solchen Projekten betraut.</p>
<p>In der Studie <a href="https://turkey.mom-rsf.org/en/" rel="noopener" target="_blank">Media Ownership Monitor</a> haben «Reporter ohne Grenzen» und das unabhängige türkische Nachrichtenportal Bianet die Besitzverhältnisse der Medienkonzerne entwirrt. Sie zeigen unter anderen, wie gross der Anteil regierungsnaher Unternehmer ist: 7 der 10 meistgelesenen Tageszeitungen, wie auch der meistgesehenen TV-Sender in der Türkei sind in regierungsnaher Hand.</p>
<blockquote><p>Manche JournalistInnen wechselten die Fronten, weil sie dem Druck von allen Seiten nicht mehr standhalten konnten.</p></blockquote>
<p>Die Führung dieser Konzerne entliess vor allem ab 2010 JournalistInnen mit spitzer Feder, darunter auch einige bekannte Kolumnisten, die sich gemässigt konservativ positionierten. Manche JournalistInnen wechselten die Fronten, weil sie dem Druck von allen Seiten nicht mehr standhalten konnten: des Verlags, der Regierung, der Justiz und der KollegInnen. Heute debattieren sie in regierungsfreundlichen Politshows und kotzen den Hass über ehemalige KollegInnen aus. Als wäre der Kahlschlag der Presse nicht bitter genug, setzt die Schlammschlacht unter Medienschaffenden einen drauf.</p>
<p>Ideologische Grabenkämpfe über die Medien auszutragen – auch das ist kein neues Phänomen in der Türkei. Doch die Debatten heute sind verroht. So polarisiert die Gesellschaft wegen politischer Ideologien ist, so polarisiert sind es auch die JournalistInnen untereinander. Der Zusammenhalt in den einzelnen Lagern ist ungebrochen. Die Gräben dazwischen sind aber tief. In Kolumnen etwa beleidigt man die Gegenseite oder wünscht einem die Haft. Wäre aber auf einem sinkenden Schiff der Zusammenhalt der BerufskollegInnen – ungeachtet politischer Haltungen – nicht der Rettungsring?</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/06/21/die-truemmer-der-tuerkischen-presse/">Die Trümmer der türkischen Presse</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Die Medienfreiheit in der Türkei wird auch in der Schweiz verteidigt</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2018/03/29/die-medienfreiheit-in-der-tuerkei-wird-auch-in-der-schweiz-verteidigt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Tuğba Ayaz]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 29 Mar 2018 12:50:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Türkei]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Solidarität aus der Schweiz mit den Medienschaffenden in der Türkei könnte grösser sein, zumal die Regierung sehr wohl registriert, wenn man ihr auf die Finger schaut. Öffentliche Kritik ist bitter nötig. Denn wer in der Türkei nicht auf Regierungslinie berichtet, läuft jederzeit Gefahr, mit seiner Freiheit und Unabhängigkeit zu bezahlen für seine Arbeit. Unlängst <a href="https://medienwoche.ch/2018/03/29/die-medienfreiheit-in-der-tuerkei-wird-auch-in-der-schweiz-verteidigt/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Solidarität aus der Schweiz mit den Medienschaffenden in der Türkei könnte grösser sein, zumal die Regierung sehr wohl registriert, wenn man ihr auf die Finger schaut. Öffentliche Kritik ist bitter nötig. Denn wer in der Türkei nicht auf Regierungslinie berichtet, läuft jederzeit Gefahr, mit seiner Freiheit und Unabhängigkeit zu bezahlen für seine Arbeit.</strong><br />
<img loading="lazy" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/03/MW-Medienfreiheit-Tuerkei_20180329a.jpg" alt="" width="1456" height="976" class="alignnone size-full wp-image-55588" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/03/MW-Medienfreiheit-Tuerkei_20180329a.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/03/MW-Medienfreiheit-Tuerkei_20180329a-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/03/MW-Medienfreiheit-Tuerkei_20180329a-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/03/MW-Medienfreiheit-Tuerkei_20180329a-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/03/MW-Medienfreiheit-Tuerkei_20180329a-470x315.jpg 470w" sizes="auto, (max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
Unlängst erzählte mir ein Kollege aus der Türkei, sein Name stehe nicht mehr im Impressum der Zeitung, obwohl er noch immer eine leitende Position inne hat. Die Anzeigen und Verfahren gegen ihn wegen Beiträgen, Aufmachern oder Titeln häuften sich. Die Redaktion beschloss als Schutzmassnahme seinen Namen aus dem Impressum zu streichen. Ausserdem soll der Posten der Redaktionsleitung in kurzen Abständen wechseln. So hängt die Verantwortung nicht an einer Person, wenn die Polizei anklopft. Trotz der schwierigen Umstände, sagt der Kollege, hat er bislang nicht mit dem Gedanken gespielt, seinen Beruf als Journalist aufzugeben. Ihn beschäftigt aber:</p>
<blockquote><p>«In der Türkei können wir kaum mehr Debatten auslösen. Vieles wird im Keim erstickt. Welche anderen Wege gibt es?»</p></blockquote>
<p>JournalistInnen in der Türkei ringen um ihren Beruf. Laut dem Stockholm Center for Freedom, eine Menschenrechtsorganisationen gegründet von JournalistInnen mit Fokus auf die Türkei, sind derzeit 190*1 Medienschaffende inhaftiert, 139 werden von der Polizei gesucht und 55 wurden verurteilt. Seit dem versuchten Militärputsch im Juli 2016 herrscht offiziell noch immer Ausnahmezustand im Land. Die Medienfreiheit hatte sich in den Jahren davor sukzessive verschlechtert. Heute ist sie am Tiefpunkt. Die Medienkonzentration im Land ist zudem dramatisch vorangeschritten. Kürzlich wurde der Doğan-Konzern, ein Medienunternehmen zu dem Zeitungen, TV-Sender, eine Nachrichtenagentur sowie ein Buchverlag gehören, an einen regierungsnahen Unternehmer verkauft. Das Aushängeschild des Medienkonzerns war die Tageszeitung Hürriyet, einer der meistgelesenen Blätter in der Türkei. Kritik an der Regierung übte das Blatt zwar nur leise, war aber nie auf Regierungslinie. Zudem erreichte das Blatt eine durchmischte Leserschaft aus unterschiedlichen politischen Lagern.</p>
<p>Die noch wenigen unabhängigen Nachrichtenportale und Zeitungen kämpfen um ihre Finanzierung. In den vergangenen Jahren haben regierungskritische JournalistInnen diverse unabhängige Nachrichtenportale in Leben gerufen. Diese Angebote drohen zu verschwinden. Das türkische Parlament hat kürzlich ein Gesetzesentwurf verabschiedet. Demnach wird man künftig unter anderem für publizistische Inhalte im Internet eine Lizenz der staatlichen Regulierungsbehörde brauchen.</p>
<p>Barış İnce von der linksliberalen Tageszeitung BirGün sagt, bei fast jedem kritischen Beitrag werden jetzt schon umgehend Verfahren eingeleitet. «Entweder gibt es eine Geldbusse oder es wird Untersuchungshaft angeordnet», sagt er. Zwei Mitglieder der Redaktionsleitung von BirGün seien für eine Woche in Haft gewesen. Sie kamen unter der Bedingung frei, sich täglich bei der Polizei zu melden. Ein anderer Kollege wurde, wie so häufig, wegen «Unterstützung terroristischer Organisationen» inhaftiert. Bei Twitter wurde er versehentlich zu einer Liste hinzugefügt, die eine Verbindung zu einer Hacker-Gruppe aufwies. «Er hatte nicht einmal über die Angelegenheit berichtet», sagt Barış. Inzwischen ist der Kollege frei. Das Verfahren gegen ihn läuft aber noch. Es gibt ein paar wenige prominente Fälle inhaftierter JournalistInnen in der Türkei, die international für Aufsehen sorgen. Der Grossteil sind KollegInnen wie jene von BirGün, die höchstens versteckt in der Gesamtzahl aller in der Türkei inhaftierten JournalistInnen in hiesigen Medien auftauchen.</p>
<p>Welche Formen der Unterstützung gibt es für die KollegInnen in der Türkei? «Mit öffentlichen Veranstaltungen in Europa, je nach Möglichkeit auch mit Präsenz vor Ort, können wir Zeichen der Solidarität setzten», sagt Bettina Büsser, zuständig für die Deutschschweiz der Schweizer Sektion von Reporter Ohne Grenzen (ROG).</p>
<blockquote><p>«Auch kann man Briefe an Inhaftierte KollegInnen schreiben.» <small>Bettina Büsser</small></p></blockquote>
<p>Die Schweizer Sektion von ROG ist klein. Auf die prekäre Situation in der Türkei macht sie bei vereinzelten Veranstaltungen und mit diversen Petitionen aufmerksam. Doch eine starke Präsenz als Beobachter vor Ort oder grosse Solidaritätsaktionen wie es ROG Deutschland organisiert, übersteigen die Möglichkeiten der Schweizer Sektion. «Generell findet ROG in der Schweiz öffentlich leider wenig Aufmerksamkeit. Solange wir uns auf der Liste der Pressefreiheit nicht dramatisch nach unten bewegen», sagt Büsser.</p>
<p>Markus Spillmann, ehemaliger NZZ-Chefredaktor und Vizepräsident des International Press Institute (IPI), war als Vertreter und Beobachter bei Anhörungen zum Cumhuriyet-Prozess immer wieder in der Türkei. Spillmann ist überzeugt: Die Präsenz als Beobachter vor Ort ist wirksam. «Den einen spendet man Mut, den anderen gibt man zu verstehen: wir lassen euch nicht gewähren.» Das IPI sei 2014 noch vom Staatschef persönlich, dem Justizminister und Vertretern der Regierungspartei empfangen worden. Ein Jahr darauf seien bloss noch Gespräche mit der Opposition möglich gewesen.</p>
<blockquote><p>«Dass Regierungsvertreter kein Interesse an Gesprächen mit dem IPI haben, zeigt: die internationale Präsenz stört sie. Sie wollen dieses Problem loshaben.» <small>Markus Spillman, IPI</small></p></blockquote>
<p>Nachdem vermehrt auch ausländische JournalistInnen ins Fadenkreuz der türkischen Regierung gerieten, ist die internationale Aufmerksamkeit auf die Mediensituation in der Türkei gewachsen. «So hart das klingt: Sind eigene KollegInnen oder solche aus Nachbarländern betroffen, wird das Problem real und somit stärker wahrgenommen», sagt Bettina Büsser.</p>
<p>Markus Spillmann sagt, die Solidarität mit den KollegInnen in der Türkei könnte in der Schweiz grösser ausfallen:</p>
<blockquote><p>«Gemessen an den trotz allem sehr guten Bedingungen im hiesigen Journalismus ist das Engagement beschämend.» <small>Markus Spillmann</small></p></blockquote>
<p>Durch das IPI ist er mit diversen Ländern in Kontakt. In Skandinavien etwa seien Berufsverbände, Verleger und auch einzelne Titel sehr aktiv, ebenso in den USA und in einigen Staaten Asiens – die teilweise selbst mit schwierigen Bedingungen kämpfen. «Fühlt man sich zu diesem Berufsstand zugehörig, sollte man sich auch für die Mission Pressefreiheit stark machen», sagt Spillmann.</p>
<p>Kommt die Unterstützung aus Europa denn in der Türkei an? «Die Solidarität der europäischen Zivilgesellschaft ist gross. Sie erreicht uns», sagt Barış İnce. Auch von den Regierungen europäischer Staaten würden sie Unterstützung erfahren. Unter den oppositionellen JournalistInnen, sagt Barış, ist allerdings der Eindruck entstanden, dass die Solidarität europäischer Regierungen stärker ausfällt, wenn ihr Verhältnis mit dem türkischen Präsidenten grad nicht zum Besten steht: «Entspannt sich das Verhältnis, geht die Solidarität seitens der Regierungen gerne vergessen.»</p>
<p>Einen wichtigen Beitrag können Barış zufolge auch westliche Medien leisten, indem sie mehr über die Mediensituation in der Türkei und die Verfahren gegen JournalistInnen berichten. Hierzu könne man etwa mit türkischen JournalistInnen vor Ort arbeiten. İnce findet es wichtig, dass diese Stimmen in westlichen Medien präsent sind: «In der Türkei existiert eine breite Basis, die demokratische Werte vertritt, und für diese kämpft. In Europa erfahren die Menschen zu wenig über diese andere Türkei.»</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/03/29/die-medienfreiheit-in-der-tuerkei-wird-auch-in-der-schweiz-verteidigt/">Die Medienfreiheit in der Türkei wird auch in der Schweiz verteidigt</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Inga Rogg (NZZ): «Die internationale Berichterstattung aus der Türkei wird ärmer»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2018/03/01/die-internationale-berichterstattung-aus-der-tuerkei-wird-aermer/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Tuğba Ayaz]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Mar 2018 15:01:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Türkei]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In der türkischen Medienkrise wird zunehmend auch die Arbeit ausländischer Medienschaffenden vor Ort erschwert. Die Journalistin Inga Rogg berichtet seit sechs Jahren für die NZZ aus der Türkei. Als belastend empfindet sie den Druck, den die Regierung auf die Medienschaffenden ausübt.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/03/01/die-internationale-berichterstattung-aus-der-tuerkei-wird-aermer/">Inga Rogg (NZZ): «Die internationale Berichterstattung aus der Türkei wird ärmer»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>In der türkischen Medienkrise wird zunehmend auch die Arbeit ausländischer Medienschaffenden vor Ort erschwert. Die Journalistin Inga Rogg berichtet seit sechs Jahren für die NZZ aus der Türkei. Als belastend empfindet sie den Druck, den die Regierung auf die Medienschaffenden ausübt.</strong><br />
<img loading="lazy" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/03/MW-Interview-Inga-Rogg_20180301.jpg" alt="" width="1456" height="976" class="alignnone size-full wp-image-54254" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/03/MW-Interview-Inga-Rogg_20180301.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/03/MW-Interview-Inga-Rogg_20180301-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/03/MW-Interview-Inga-Rogg_20180301-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/03/MW-Interview-Inga-Rogg_20180301-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/03/MW-Interview-Inga-Rogg_20180301-470x315.jpg 470w" sizes="auto, (max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
<div class="question"><h4>Medienwoche:</h4> <p>Unzählige inhaftierte Medienschaffende, zahlreiche geschlossene Redaktionen: die Türkei erlebt eine tiefgreifende Medienkrise. Wie fühlt man sich vor diesem Hintergrund als Korrespondentin vor Ort?</p>
</div><div class="answer"><h4>Inga Rogg:</h4> <p>Die Verhaftungen bereiten uns ausländischen Medienschaffenden auch Sorgen. Das stetige Gefühl, mit einem Bein im Gefängnis zu stehen, löst Unbehagen aus. Besonders für deutsche Staatsbürgerinnen und Staatsbürger – Schweizer sind weniger im Fokus. Aktuell hat es sich etwas entspannt. Die Türkei hat ja etwa angekündigt, mit Deutschland ein neues Kapitel aufzuschlagen. Dann wurden der Menschenrechtler Peter Steudtner und die Journalistin und Übersetzerin Mesale Tolu freigelassen. Und jetzt wurde auch Deniz Yücel freigelassen, der mehr als ein Jahr ohne Anklage in Haft verbrachte. Die diplomatische Grosswetterlage beeinflusst hier immer auch uns. Obwohl wir ja nichts mit den Regierungen zu tun haben.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>Medienwoche:</h4> <p>War das vor einigen Jahren noch anders?</p>
</div><div class="answer"><h4>Inga Rogg:</h4> <p>Ja, die Haltung der türkischen Regierung gegenüber Medienschaffenden hat sich radikal verändert. Ich selbst habe die guten Zeiten in der Türkei nie erlebt. Von KollegInnen weiss ich jedoch: Früher wurden Medienschaffende zu Hintergrundgesprächen eingeladen, AKP-Vertreter gaben bereitwillig Interviews, man konnte sie beim Wahlkampf begleiten. Heute ist das nicht denkbar. Als ich 2012 nach Istanbul kam, wurden Korrespondenten in Ruhe gelassen. Die Gezi-Proteste 2013 waren das erste grosse Ereignis über das ich aus der Türkei berichtete. Der Regierung gefiel es damals nicht, wie die ausländische Presse darüber berichtete. Trotzdem versuchte sie nicht, Einfluss auf die Berichterstattung zu nehmen.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>Medienwoche:</h4> <p>Tut sie das heute?</p>
</div><div class="answer"><h4>Inga Rogg:</h4> <p>Eindeutig. Seit dem Putschversuch im Juli 2016 will man auch ausländischen Medien die Position der Regierung aufdrücken, wie das bei der regierungsnahen Presse im Land geschieht.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>Medienwoche:</h4> <p>Wie?</p>
</div><div class="answer"><h4>Inga Rogg:</h4> <p>Beispielsweise bei der Offensive gegen kurdische Kämpfer in der nordwestsyrischen Region Afrin. Die Regierung hat laut türkischen Medien für die inländische Presse einen Punktekatalog herausgegeben. Darin macht sie Vorgaben, wie über die Militäroperation berichtet werden soll. In einem Punkt hebt sie etwa hervor, dass sie sich gegen den Islamischen Staat (IS) richtet. In Afrin gibt es den IS aber gar nicht.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>Medienwoche:</h4> <p>Wie gehen ausländische Medienschaffende mit solchen Informationen um?</p>
</div><div class="answer"><h4>Inga Rogg:</h4> <p>Was in den türkischen Medien geschrieben wird, beeinflusst unsere Informationslage. Denn die erste Quelle sind für uns die türkischen Medien. Sind dort die Fakten falsch, haben wir ein Problem. Im Zusammenhang mit Afrin haben uns türkische Regierungsvertreter mitgeteilt, dass wir etwa die Gegenseite nicht zu zitieren haben und nicht über zivile Opfer berichten sollen. Zudem wurde vermerkt, dass eine Berichterstattung von vor Ort rechtliche Konsequenzen hat.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>Medienwoche:</h4> <p>Kann man unter solchen Umständen noch recherchieren?</p>
</div><div class="answer"><h4>Inga Rogg:</h4> <p>Es ist tatsächlich schwieriger geworden, vor allem Gesprächspartner zu finden. Allgemein herrscht in der Türkei grosse Angst. Sie ist auch innerhalb der Regierungspartei spürbar. Politische Vertreter möchten nicht mit Medien sprechen, weil sie Angst haben, etwas Falsches zu sagen und ihren Job zu verlieren. Ähnlich ist es auch bei öffentlichen Einrichtungen wie Universitäten. Viele ExpertInnen dürfen offiziell nicht mit der Presse reden oder haben Angst, es zu tun. Mit Menschen auf der Strasse sind Gespräche schwierig, weil sie Angst haben belauscht zu werden. Es gibt viel Denunziantentum: Nachbarn, Verwandte gar Ehepartner werden bei der Polizei gemeldet, wenn sie sich kritisch äussern.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>Medienwoche:</h4> <p>In der Türkei müssen Medienschaffende jährlich eine Akkreditierung beantragen. Bei ausländischen Journalistinnen und Journalisten ist diese an die Aufenthaltsgenehmigung gekoppelt. Klappt das aktuell reibungslos?</p>
</div><div class="answer"><h4>Inga Rogg:</h4> <p>Ende des Jahres geht immer die grosse Zitterpartie los: Wird die Akkreditierung verlängert oder nicht? Sie gilt jeweils von Januar bis Dezember. Jedesmal muss man Arbeiten vorlegen, was ja auch Teil des Nachweises ist, dass man als Medienschaffende arbeitet. Die Arbeiten werden übersetzt, geprüft und es wird ein Bericht darüber verfasst. Meines Wissens wurden die Presseausweise für ausländische Medienschaffenden dieses Jahr grösstenteils verlängert. Aber das kann sich morgen wieder ändern. Es gab auch schon KollegInnen, die ewig gewartet haben. Die Auskunft war dann: «Ist noch in Bearbeitung», obwohl man davon ausgehen konnte, dass sie abgelehnt wird.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>Medienwoche:</h4> <p>Wird das auch als Druckmittel verwendet?</p>
</div><div class="answer"><h4>Inga Rogg:</h4> <p>Das ist anzunehmen. Rechtlich ist es eine Grauzone. Solange der Antrag noch in Bearbeitung ist, arbeitet man im Grunde legal. Aber die journalistische Tätigkeit kann – und wurde schon – ohne gültige Pressekarte als illegal ausgelegt. Ein Kollege, der fünf Jahre in der Türkei gelebt hatte, war im Südosten unterwegs, während sein Antrag noch in Bearbeitung war. Er wurde verhaftet, sass vier Wochen im Gefängnis und wurde dann des Landes verwiesen.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>Medienwoche:</h4> <p>Haben einige ausländische KollegInnen das Land auch freiwillig verlassen?</p>
</div><div class="answer"><h4>Inga Rogg:</h4> <p>Ja, etliche Deutsche und Kolleginnen und Kollegen aus anderen Ländern. Die Süddeutsche Zeitung hat derzeit niemanden vor Ort. Der Korrespondent der FAZ ging schon vor dem Putschversuch 2016. Für Schweizer Titel berichten Ruth Bossart für SRF, mein Kollege Marco Kaufmann Bossart und ich für die NZZ. Für die Freien sind die prekären Umstände in der Türkei noch schwieriger. Sie haben kein starkes Medienhaus hinter sich. Man fühlt sich schon sicherer, wenn man eine Redaktion hinter sich weiss. Einige der freien KollegInnen berichten aus Sicherheitsgründen nicht mehr aus bestimmten Regionen oder zu gewissen Themen. Insgesamt wird die internationale Berichterstattung aus der Türkei ärmer.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>Medienwoche:</h4> <p>Wie genau verfolgt die Regierung die Arbeiten der ausländischen Medienschaffenden?</p>
</div><div class="answer"><h4>Inga Rogg:</h4> <p>Von der türkischen Vertretung in der Schweiz wird alles mehrfach gelesen, gehört und gesehen. Es gilt ja grundsätzlich als eine der Aufgaben der Botschaften, die Berichterstattung über das jeweilige Land zu verfolgen. Dagegen ist nichts zu sagen. Aber im Falle Türkei scheint es nicht bloss darum zu gehen, sich zu informieren. Sondern gezielt auch Inhalte zu identifizieren, die nicht im Einklang mit der Regierung sind. So geht auch das Presseamt in Ankara vor, dessen Hauptaufgabe es unter anderem ist, zu beobachten, wie über die Türkei berichtet wird. Kürzlich sagte mir jemand, dass sie auch eine Liste mit Namen der Medienschaffenden führen, die genauer beobachtet werden.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>Medienwoche:</h4> <p>Wird man als Journalistin mit antiwestlicher Haltung konfrontiert?</p>
</div><div class="answer"><h4>Inga Rogg:</h4> <p>Ja, auch das hat sich radikal verändert. Man wird als Ausländerin nicht angegriffen, aber die grundsätzliche Hetze gegen den Westen und vor allem gegen die westliche Presse bekommt man zu spüren. Wir Medienschaffende werden mit unseren Regierungen über einen Kamm geschert. Aus Sicht der türkischen Regierung funktionieren wir wie die ihr nahen Medien im Land: als Sprachrohr der Regierung. Deshalb wird es unter anderem als Terrorpropaganda eingestuft, wenn in der Berichterstattung Positionen der Gegenseite abgebildet werden.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>Medienwoche:</h4> <p>Spürt man diese Haltung auch in der Bevölkerung?</p>
</div><div class="answer"><h4>Inga Rogg:</h4> <p>Kürzlich war ich bei einer Behörde. Da sagte der Beamte zu mir: „Sie wissen schon, dass wir die Deutschen nicht mögen.“ Ich fragte ihn höflich nach dem Grund. Er schwieg einen Moment. Dann wiederholte er den Satz. Natürlich gibt es genug Menschen in der Türkei, die nicht so denken. Beunruhigend ist vielmehr, dass so eine Äusserung vor einigen Jahren kaum denkbar gewesen wäre.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>Medienwoche:</h4> <p>Hast du Ähnliches aufgrund der journalistischen Arbeit erlebt?</p>
</div><div class="answer"><h4>Inga Rogg:</h4> <p>Von Seiten der Regierung nicht. Von KollegInnen weiss ich, dass bei ihnen schon Regierungsvertreter angerufen haben und sie zu bestimmten Formulierungen in ihren Texten befragt haben. Mir ist das bislang nicht passiert. Auf Sozialen Medien haben mich Regierungsanhänger verbal attackiert. Dies ging bis zur Bedrohung. Die Gegenseite ist allerdings auch nicht besonders zimperlich.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>Medienwoche:</h4> <p>Vermeidest du es, über bestimmte Themen zu schreiben?</p>
</div><div class="answer"><h4>Inga Rogg:</h4> <p>Es gibt bisher kein Thema, das ich deswegen nicht angefasst hätte. In meiner Arbeit bemühe ich mich immer, alles zu belegen. Unter diesen Umständen noch stärker. Bei heiklen Themen muss die Geschichte sowieso immer wasserdicht sein.</p>
</div></p>
<div class="question"><h4>Medienwoche:</h4> <p>Welche Themen gelten als heikel?vAlles, was die Familie Erdogan betrifft – auch deshalb wurde der Fall Yücel etwa zur Chefsache erklärt –, die Rolle der Gülen-Bewegung beim Putschversuch und die Kurdenfrage.</p>
</div>
<p><div class="question"><h4>Medienwoche:</h4> <p>Achtest du bei diesen Themen besonders darauf, unverfänglich zu formulieren?</p>
</div><div class="answer"><h4>Inga Rogg:</h4> <p>Grundsätzlich trenne ich Meinung und Bericht gerne eindeutig. Eine persönliche Haltung ist aber in jedem Text herauszulesen, etwa zur Demokratie, Menschen- und Freiheitsrechten. Da kann und will ich nicht davon abrücken.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>Medienwoche:</h4> <p>Haben inhaftierte KollegInnen aus deiner Sicht Themen aufgegriffen oder eine Sprache gewählt, die du nicht gewählt hättest?</p>
</div><div class="answer"><h4>Inga Rogg:</h4> <p>Überhaupt nicht. Alles, was etwa Deniz Yücel an Berichterstattung gemacht hat, bewegt sich im Rahmen unserer Arbeit. Ihm wird zum Beispiel auch ein Interview mit einem PKK-Vertreter zur Last gelegt. Ich hätte den IS interviewt, wäre das möglich gewesen. Es gehört zu unserem Job, verschiedene Positionen abzubilden. Wir müssen möglichst korrekt und umfangreich in allen Fragen berichten. Dazu gehört zweifelsohne, der Position der türkischen Regierung Platz einzuräumen, aber auch die der anderen Seite zu beleuchten.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>Medienwoche:</h4> <p>Eine türkische Kollegin sagte einmal: Die Regierung signalisiert, wenn sie ein Problem mit einem hat. Einige Verhaftungen kamen aber auch überraschend. Wie schätzt du das ein – lassen sich Signale vorab deuten?</p>
</div><div class="answer"><h4>Inga Rogg:</h4> <p>Mir scheint es schwierig, Signale zu deuten, sollte es denn welche geben. Einige ausländische KollegInnen wurden auf den Frontseiten regierungsnaher Blätter als Terroristen oder Propagandistinnen bezeichnet. Passiert einem das, kann man davon ausgehen, dass man bald ein Verfahren am Hals hat. Aber verlässt man das Land, weil man auf der Front einer regierungsnahen Zeitung war? Kaum. In anderen Fällen passierte im Vorfeld gar nichts. Würden wir irgendwelche Signale deuten wollen, wären wir alle ständig dabei, die Türkei zu verlassen. Für die türkischen Medienschaffenden ist es zudem viel schlimmer. Sie haben keine Alternative. Und werden auch viel leichter festgenommen.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>Medienwoche:</h4> <p>Hast du in der Türkei schon einmal eine gefährliche Situation erlebt?</p>
</div><div class="answer"><h4>Inga Rogg:</h4> <p>Nicht wirklich. Einmal wurde ich mitten in der Nacht in Diyarbakir länger an einem Checkpoint aufgehalten. Die Situation war beunruhigend, da es in einer heissen Phase des Kurdenkonflikts war und solche Checkpoints häufig Anschlagziele sind. Was Gefahren angeht, habe ich aber andere Massstäbe. Nach neun Jahren im Irak, Syrien während des Kriegs, Libyen – dort macht man existenzielle Erfahrungen. Im Südosten der Türkei wurde nachts geschossen. Jetzt, während der Offensive auf Afrin hörte man im türkischen Grenzgebiet die Kampfjets und Artilleriegeschosse. Und nach wie vor besteht in der Türkei die Gefahr von Terroranschlägen. Aber das alles ist nicht vergleichbar mit der Bedrohung, die ich in Ländern wie dem Irak oder Syrien erlebt habe. In Bagdad konnten wir zeitweise so gut wie nicht mehr auf die Strasse. Das Regime in Syrien liess zu Beginn des Bürgerkriegs auch gezielt Orte bombardieren, an denen sich Medienschaffende aufhielten.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>Medienwoche:</h4> <p>Verglichen mit solchen Verhältnissen scheint die Arbeit in der Türkei harmlos.</p>
</div><div class="answer"><h4>Inga Rogg:</h4> <p>Was die Bedrohung an Leib und Leben angeht wie auch die psychische Belastung in Kriegssituationen klar. Belastend ist in der Türkei, dass die Regierung Medienschaffende gezielt unter Druck setzt. Im Irak zum Beispiel versuchen diverse Kriegsparteien die Medien jeweils auf ihre Seite zu ziehen. Die Gewalt ist massiv, einige Medienschaffende sind umgekommen. Man hat aber keine Regierung, die grundsätzlich gegen Medienschaffenden ist und gezielt Druck auf sie ausübt. So prekär die Lage im Irak auch ist, in dieser Hinsicht ist man freier als in der Türkei.</p>
</div></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/03/01/die-internationale-berichterstattung-aus-der-tuerkei-wird-aermer/">Inga Rogg (NZZ): «Die internationale Berichterstattung aus der Türkei wird ärmer»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Freiburger Modell: wenn Staatsbetriebe die Medienvielfalt sichern</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Tuğba Ayaz]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 Feb 2018 09:21:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[La Liberté]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Seit drei Jahren sind die Kantonalbank und das Energieunternehmen «Groupe E» Aktionäre der traditionsreichen Tageszeitung «La Liberté» in Freiburg. Für die Staatsbetriebe steht nicht die Renditeerwartung im Zentrum ihres Engagements, sondern die Sicherung einer publizistischen Institution. Chefredaktor Serge Gumy bestätigt: «Wir waren frei. Wir sind es noch immer.» Die Geschichte dieser Zeitungsaktionärinnen ist ebenso einzigartig <a href="https://medienwoche.ch/2018/02/22/freiburger-modell-wenn-staatsbetriebe-die-medienvielfalt-sichern/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Seit drei Jahren sind die Kantonalbank und das Energieunternehmen «Groupe E» Aktionäre der traditionsreichen Tageszeitung «La Liberté» in Freiburg. Für die Staatsbetriebe steht nicht die Renditeerwartung im Zentrum ihres Engagements, sondern die Sicherung einer publizistischen Institution. Chefredaktor Serge Gumy bestätigt: «Wir waren frei. Wir sind es noch immer.»</strong><br />
<img loading="lazy" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/02/liberte.jpg" alt="" width="1456" height="971" class="alignnone size-full wp-image-53932" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/02/liberte.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/02/liberte-300x200.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/02/liberte-768x512.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/02/liberte-1024x683.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/02/liberte-728x485.jpg 728w" sizes="auto, (max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
Die Geschichte dieser Zeitungsaktionärinnen ist ebenso einzigartig wie ihr Weg, die Zukunft ihrer Zeitung zu sichern. Richtig: Aktionärinnen. Die katholische Glaubensgemeinschaft der Paulus-Schwestern, seit Gründung 1871 alleinige Eigentümerin der <a href="https://www.laliberte.ch/" rel="noopener" target="_blank">Freiburger Tageszeitung «La Liberté»</a> und der Paulus-Druckerei, öffneten im September 2014 ihr Aktionariat zu einem Drittel. Wegen fehlendem Nachwuchs sorgten sich die Schwestern um den Fortbestand ihrer Zeitung. Eine Zeitung, in die sie stets investierten. Eine Zeitung mit stabilen Leserzahlen, die jüngst gar anstiegen. Eine Zeitung, die sich 1970 unter der Chefredaktion des bedeutenden <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Fran%C3%A7ois_Gross" rel="noopener" target="_blank">Publizisten François Gross</a> nicht mehr länger als konservative Stimme des Bistums diente, und bis heute mit starkem Regionaljournalismus wie auch profunden Auslandsreportagen auffällt. Welche Aktionäre sollten da infrage kommen?</p>
<p>Die Bedingungen der Schwestern für die Öffnung des Aktionariats: Kein grosser Verlag, regionale Verankerung, langfristiges Interesse am Blatt, Anerkennung der redaktionellen Charta. Ein Anteil von 30 Prozent ging schliesslich hälftig an die Freiburger Kantonalbank und den grösstenteils staatlich gehaltenen Energiekonzern «Groupe E». Seit 2014 hat die «Liberté» zwei staatliche Unternehmen als Miteigentümer – funktioniert das?</p>
<p>«Wir waren frei. Wir sind es noch immer», sagt Chefredaktor Serge Gumy, der seine journalistische Laufbahn schon bei der «Liberté» begonnen hatte. Die zwei neuen Aktionäre verhielten sich genauso diskret wie die Paulus-Schwestern. «Bislang haben wir keinerlei Einmischung in die Redaktion gespürt», sagt er. In der Westschweiz seien praktisch alle Zeitungen im Besitz grosser Verlagshäuser aus dem In- und Ausland. Serge Gumy ist froh, dass Freiburg nicht von Zürich und Paris aus erklärt wird: «In einem föderalistischen Land wie der Schweiz müssen sich auch regionale Stimmen in Debatten einbringen können.» Für die «Liberté» sei es bedeutend, dass die zwei Unternehmen für eine unabhängige Freiburger Stimme in der Medienlandschaft einstehen.</p>
<p>«Die ‹Liberté› gehört zur Freiburger Identität. Wir wollen ihre ausgezeichnete Berichterstattung unterstützen», sagt Dominique Gachoud, Generaldirektor des Energieunternehmens «Groupe E».<br />
<div class="question"><h4>Medienwoche:</h4> <p>Als Unternehmen erwarten Sie doch bestimmt Gewinne?</p>
</div><div class="answer"><h4>Dominique Gachoud:</h4> <p>«Eine vernünftige Dividende, ja.»</p>
</div><div class="question"><h4>Medienwoche:</h4> <p>Auch dass sie jährlich höher ausfällt?</p>
</div><div class="answer"><h4>Dominique Gachoud:</h4> <p>«Das erwarten wir in unserem Kerngeschäft, zu denen die Medien nicht gehören.»</p>
</div><div class="question"><h4>Medienwoche:</h4> <p>Könnte sich die «Groupe E» vorstellen, bei anderen Medien einzusteigen?</p>
</div><div class="answer"><h4>Dominique Gachoud:</h4> <p>«Nein, die ‹Liberté› ist ein Sonderfall. Wir sind durch die Verwurzelung in Freiburg emotional mit der Zeitung verbunden.»</p>
</div></p>
<p>Klingt harmlos. Wie aber steht es um unterschwellige Einflussnahme auf die Redaktion? Etwa bei der Berichterstattung über die kantonale Energiepolitik? Liest man stichprobenweise Artikel zum Thema aus den letzten Jahren, fällt nichts Besonderes auf. «Wir haben uns verpflichtet, die redaktionelle Charta einzuhalten», sagt Gachoud. «Die ‹Liberté› schont uns nicht. Sie titelte einmal: ‹Wenn die &#8218;Groupe E&#8216; der FDP den Apéro offeriert›.» Die «Groupe E» hatte für eine Podiumsdiskussion zum Atomausstieg ihre Räumlichkeiten der FDP mitsamt Apéro zur Verfügung gestellt. Die SP und die Grünen seien verärgert gewesen. «Ein Journalist der ‹Liberté› hakte bei mir nach und wollte mehr über unser Verhältnis zur FDP wissen», sagt Gachoud. Er erklärte es ihm: «Für Panels rund um das Thema Energie sind wir für jeden Verein offen, unabhängig seiner politischen Ausrichtung.»</p>
<p>Die «Groupe E» zählt zu den vier tragenden Pfeilern der Freiburger Wirtschaft (quatre piliers), zusammen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, einer Gebäudeversicherung und der Kantonalbank, die auch Mitaktionärin der «Liberté» ist. Die Bank hat in Freiburg politisch, kulturell und wirtschaftlich grosses Gewicht. Sie sponsert Anlässe und pflegt Partnerschaften mit Vereinen und Verbänden des Kantons. Ein Gespräch mit der MEDIENWOCHE lehnte die sie ab, eine zweite Anfrage blieb unbeantwortet. Christian Campiche, ehemaliger Wirtschaftsjournalist der «Liberté» und Präsident des Berufsverbands impressum, überrascht dies nicht. «Die Bank ist sehr verschwiegen. Mitglieder der Generaldirektion und des Verwaltungsrats gelten als graue Eminenzen in Freiburg», sagt Campiche.<br />
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Mit wem man auch über das «Freiburger Modell» spricht: Die Unabhängigkeit des Blatts sieht niemand gefährdet. Campiche betont aber: «Die bisherigen Chefredaktoren der ‹Liberté› haben die Unabhängigkeit gewahrt. Viel ist diesen Persönlichkeiten zu verdanken.» Auch Urs Haenni, Wirtschaftsredaktor der lokalen deutschsprachigen <a href="http://www.freiburger-nachrichten.ch/" rel="noopener" target="_blank">Tageszeitung Freiburger Nachrichten</a>, teilt diese Sicht. «Wir haben zwar erst Sprüche geklopft. An die Schere im Kopf haben wir nicht ernsthaft geglaubt» sagt er. Der ehemalige «Liberté»-Chefredaktor François Gross, mittlerweile verstorben, habe ihm einmal gesagt: «Für das Blatt ist entscheidend, wer in Zukunft die Chefredaktion besetzt», erzählt Haenni. «Unterdessen hat die ‹Liberté› einen neuen Chefredaktor, und dieser zeichnet sich wie seine Vorgänger durch Unabhängigkeit aus.»</p>
<p>Kritischer sieht die Sache SVP-Grossrat Emanuel Waeber. Nachdem die Beteiligung der Aktionäre 2014 öffentlich wurde, richtete er eine Anfrage an den Staatsrat: <a href="https://www.emanuelwaeber.ch/wp-content/uploads/politischevo_20_291.pdf" rel="noopener" target="_blank">«Pressefreiheit in Gefahr?»</a>, stand in der Überschrift. Der Staatsrat erklärte, dass die Lösung «vollkommene Pressefreiheit» garantiere. Waebers Befürchtungen haben sich bis heute weder bestätigt, noch wurde er positiv überrascht, sagt er. Auch glaubt er nicht, dass die beiden Unternehmen Einfluss auf das Blatt nehmen können. Die regionale Lösung begrüsst er zwar, ist aber weiterhin der Meinung, das Aktionariat sollte breiter gestreut sein. «Wenn beide Unternehmen in einem zweiten Schritt die Aktienmehrheit halten, wird es zu einer Monopolstellung.» Dies findet auch «Liberté»-Chefredaktor Serge Gumy heikel: «Der Anteil der Schwestern könnte zwischen anderen Unternehmen und der Leserschaft aufgeteilt werden.» Die Paulus-Schwestern wollen sich hierzu nicht äussern.</p>
<p>Grundsätzlich ist man in der Westschweiz offener, was das Verhältnis zwischen Staat und Medien betrifft. «Da besteht definitiv ein kultureller Unterschied. In der Westschweiz ist man weniger staatskritisch», sagt Medienwissenschaftler Manuel Puppis von der Universität Freiburg. Auch liege das an der Medienkrise, «die die Westschweiz mit mehr Entlassungen und Schliessungen von Redaktionen noch härter trifft.» Die staatlichen Unternehmen als Aktionäre bei der «Liberté» findet Puppis nicht grundsätzlich problematisch, und sieht bisher keine Einschränkung in ihrer Unabhängigkeit: «Die Gefahr der Einflussnahme auf eine Redaktion besteht auch bei klassischen Medienunternehmen. Wie kritisch kann etwa der Titel eines grossen Verlags über dessen Umstrukturierungen berichten?»</p>
<p>Das «Freiburger Modell» könnte Puppis zufolge zum Teil Vorbildcharakter für den Lokaljournalismus haben, da es die Verankerung der Eigentümerschaft in der Region sichert. Die Frage nach dem Erlös regle das Modell aber nicht. «Auch hier braucht es Strategien, um etwa den Rückgang bei den Inseraten zu kompensieren. Die Beteiligung der Unternehmen bedeutet keine Medienförderung.»</p>
<p>Fragt sich, welches Szenario auf lange Sicht nachhaltiger ist: Blätter in Besitz von Medienkonzernen ohne publizistische Vision oder branchenfremde Aktionäre mit staatlicher Nähe? «Entscheidend ist die Höhe der Renditeerwartung des Eigentümers. Sie ist unabhängig von der Nähe zur Branche», sagt Manuel Puppis. «Zentral ist dabei, ob eine Redaktion unabhängig ist und über ein ausreichendes Budget verfügt, um die journalistische Leistung zu erbringen. Beides setzt eine publizistische Vision voraus.»</p>
<p>Bilder: <a href="https://www.retoschlatter.ch/" rel="noopener" target="_blank">Reto Schlatter</a></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/02/22/freiburger-modell-wenn-staatsbetriebe-die-medienvielfalt-sichern/">Freiburger Modell: wenn Staatsbetriebe die Medienvielfalt sichern</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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