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	<title>Philipp Cueni | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
	<lastBuildDate>Thu, 07 Jan 2021 08:03:35 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Von der journalistischen Pflicht, keine Falschaussagen zu verbreiten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Philipp Cueni]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 12 Nov 2020 16:45:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[US-Wahlen]]></category>
		<category><![CDATA[Donald Trump]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die vier US-Sender, die unlängst die Live-Übertragung einer Trump-Rede abklemmten, zeigten journalistische Verantwortung. Die Redefreiheit zu respektieren heisst nicht, ungefiltert Lügen zu verbreiten. «Bravo» – war meine erste Reaktion. Vier US-amerikanische TV-Stationen, MSNBC, NBC, CBS und ABC, brechen die Direktübertragung einer Rede des noch amtierenden US-Präsidenten Donald Trump ab. NBC-Moderator Lester Holt erklärt: «Wir müssen <a href="https://medienwoche.ch/2020/11/12/von-der-journalistischen-pflicht-keine-falschaussagen-zu-verbreiten/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die vier US-Sender, die unlängst die Live-Übertragung einer Trump-Rede abklemmten, zeigten journalistische Verantwortung. Die Redefreiheit zu respektieren heisst nicht, ungefiltert Lügen zu verbreiten.</strong><br />
<img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-83331" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/11/MW-Trump-TV-Rede-abgebrochen-20201112.jpg" alt="" width="1456" height="976" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/11/MW-Trump-TV-Rede-abgebrochen-20201112.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/11/MW-Trump-TV-Rede-abgebrochen-20201112-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/11/MW-Trump-TV-Rede-abgebrochen-20201112-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/11/MW-Trump-TV-Rede-abgebrochen-20201112-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/11/MW-Trump-TV-Rede-abgebrochen-20201112-470x315.jpg 470w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
«Bravo» – war meine erste Reaktion. Vier US-amerikanische TV-Stationen, MSNBC, NBC, CBS und ABC, brechen die Direktübertragung einer Rede des noch amtierenden US-Präsidenten Donald Trump ab. NBC-Moderator Lester Holt erklärt: «Wir müssen hier unterbrechen, weil der Präsident eine Reihe falscher Aussagen gemacht hat. [&#8230;] Dafür gibt es keine Beweise.»<br />
</p>
<p>Die vier TV-Sender schreiben damit vermutlich Mediengeschichte. Mir ist kein vergleichbarer Fall bekannt, wo Medien einem amtierenden Präsidenten das Wort abschneiden. Was aber heisst das für den Journalismus?</p>
<p>Nicht alle Beobachter reagieren positiv: <a href="https://www.nzz.ch/meinung/trumps-luegen-zur-wahl-auch-sie-sollten-angehoert-werden-koennen-ld.1585668" target="_blank" rel="noopener">Die NZZ kommentiert</a> das Handeln dieser TV-Sender als «Tiefpunkt der politischen Berichterstattung», nennt das Vorgehen eine «Machtdemonstration» und einen «entmündigenden Paternalismus» gegenüber dem Publikum.</p>
<blockquote><p>Auch ein Staatspräsident hat kein Anrecht darauf, dass seine Reden live verbreitet werden.</p></blockquote>
<p>Mich führt die medienethische Reflexion nach dem ersten «Bravo» zu einer Reihe von Einwänden und Fragen. Darf ein Sender ausblenden, dem Publikum vorenthalten, was ein amtierender Staatspräsident äussert? Und allgemeiner gefragt: Was soll live verbreitet werden? Ein Sender entscheidet eigenständig, welche Ereignisse er live übertragen will, welchen Äusserungen er auf seinem Kanal eine direkte Plattform bietet – seien es Reden, Medienkonferenzen, Kundgebungen.</p>
<p>Auch ein Staatspräsident hat kein Anrecht darauf, dass seine Reden live verbreitet werden. Die Argumentation, die genannten TV-Sender hätten den «Präsidenten um sein Recht der freien Äusserung» gebracht, wie das die NZZ schreibt, ist falsch. Denn das Recht der freien Äusserung ist nicht zu verwechseln mit einem Recht auf eine Live-Verbreitung durch unabhängige Medien.</p>
<blockquote><p>Macht sich eine Redaktion mit der Live-Schaltung zum PR-Instrument des Absenders?</p></blockquote>
<p>Die reine Übermittlung eines Ereignisses ist noch keine journalistische Leistung. Der Entscheid über eine Direkt-Übertragung muss jeweils redaktionell geprüft und begründet werden. Gute Gründe für eine Live-Übertragung sind etwa die hohe Relevanz eines Ereignisses oder die Möglichkeit fürs Publikum, sich durch das Live-Setting besser eine eigene Meinung bilden zu können. Die entscheidende Frage bleibt aber: Macht sich eine Redaktion mit der Live-Schaltung zum PR-Instrument des Absenders?</p>
<p>Zur Frage der Relevanz im konkreten Fall. Es ist durchaus von öffentlichem Interesse, was der US-Präsident in einer heiklen Phase der Stimmenauszählung zu sagen hat – sogar wenn er lügt. Aber selbst wenn man die Relevanz bejaht, folgt daraus nicht automatisch, dass man die Botschaft ungefiltert verbreiten muss. Eine Redaktion ist kein Multiplikator, kein Transmissionsriemen. Auch bei gegebener Relevanz bleiben für die Redaktion zwei zentrale Aufgaben bestehen: Was dem Publikum angeboten wird, soll überprüft und eingeordnet werden. Erst diese Leistung macht den Journalismus aus.</p>
<blockquote><p>Die Redaktion muss es dem Publikum ermöglichen, die übermittelte Botschaft einzuordnen.</p></blockquote>
<p>Oft wird eine Direktübertragung gleichgesetzt mit einem neutralen Abbild – so könne sich das Publikum ein eigenes, objektives Bild machen. Aber eine Übertagung garantiert weder die Wiedergabe einer komplexen Realität noch vollständige Transparenz. Deshalb muss eine Redaktion auch im Live-Setting Verantwortung übernehmen. Etwa indem sie die Hintergründe transparent macht: Welchen Fokus der Realität wählt und macht sie sichtbar? Soll etwa bei der live übertragenen Medienkonferenz der Regierung der vorgängige Satz des Pressesprechers, Fragen der Medien seien heute nicht zugelassen, mit übertragen werden? Sollen die kritischen Fragen der Konkurrenz in die Übertragung mitgenommen werden? Werden während eines Live-Fussballspiels Proteste auf Zuschauerrängen gezeigt oder ausgeblendet? Die Redaktion muss es dem Publikum ermöglichen, die übermittelte Botschaft einzuordnen.</p>
<p>Das Gebot, eine Vielfalt von Positionen abzubilden, bewahrt den Journalismus nicht davor, deren Wahrheitsgehalt zu überprüfen, mit Fakten zu argumentieren und selbst einzuordnen. Offensichtliche Falschinformationen oder unbelegte Anschuldigungen sind keine Meinungen. Sollen etwa Holocaust- oder Klimaleugner unter dem Aspekt der Meinungsvielfalt ihre Lügen in den Medien verbreiten dürfen? Natürlich nicht. Etwas anderes ist es, wenn Medien über solche Akteure berichten und deren Positionen kritisch referieren und einordnen.</p>
<blockquote><p>Die vier amerikanischen TV-Sender haben mit ihrer Unterbrechung der Präsidenten-Rede an die Verantwortung des Journalismus erinnert.</p></blockquote>
<p>Redaktionen müssen im konkreten Fall entscheiden und belegt begründen, was als Interpretation von Fakten in einem Meinungsspektrum zulässig sei und was als klare Tatsachenwidrigkeit eben nicht. Solche Entscheide gehören zum Standardrepertoire der Redaktionsarbeit und bedingen Faktencheck, Sachwissen und Recherche. Allein der Hinweis auf die Vielfalt von Meinungen genügt nicht.</p>
<p>Die vier amerikanischen TV-Sender haben mit ihrer Unterbrechung der Präsidenten-Rede an die Verantwortung des Journalismus erinnert. Das ist ihr Verdienst und so darf man den Moment gar als historisch bezeichnen: Sie haben die Reissleine gezogen, als der US-Präsident die unabhängigen Medien immer schamloser zu instrumentalisieren versuchte in seiner Absicht, einen Grundpfeiler der Demokratie, freie Wahlen, zu unterlaufen. Die vier Redaktionen haben mit ihrem Entscheid Verantwortung übernommen und damit Haltung gezeigt.</p>
<blockquote><p>Medienschaffende sind in den unterschiedlichsten Situationen gefordert, und müssen das Gesagte des Gegenübers überprüfen und einordnen.</p></blockquote>
<p>Die Ausblendung der Trump-Rede war eine einmalige Situation. Sie erinnert aber gleichzeitig an die Herausforderungen im unspektakulären journalistischen Alltag. Etwa dann, wenn in Interview-Situationen die Gesprächspartner Lügen verbreiten oder unbelegte Behauptungen aufstellen und Beschuldigungen in die Welt setzen. Auch dann sind Medienschaffende gefordert, und müssen das Gesagte überprüfen und einordnen. Das erfordert aber entsprechende Sachkenntnis und Vorbereitung.</p>
<p>Gut, wenn Sätze wie «das ist in weiten Teilen absolut unwahr» (CNBC), «wir müssen korrigieren» (MSNBC) oder «dafür gibt es keine Beweise» (NBC) wieder stärker im journalistischen Repertoire verankert sind.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/11/12/von-der-journalistischen-pflicht-keine-falschaussagen-zu-verbreiten/">Von der journalistischen Pflicht, keine Falschaussagen zu verbreiten</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Die neue SRF-Kultur</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2019/06/21/die-neue-srf-kultur/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Philipp Cueni]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 21 Jun 2019 12:38:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[SRF Kultur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mit dem Einzug ins neue Meret-Oppenheim-Haus am Basler Bahnhof hat Schweizer Radio und Fernsehen seine Abteilung Kultur an einem einzigen Standort zusammengeführt. Von hier aus erfolgt künftig die konvergente Berichterstattung für Radio, TV und Online. Wie das genau gehen soll, erklären Mitarbeitende und der Leiter von SRF Kultur. «Jetzt ist auch das Radio im 21. <a href="https://medienwoche.ch/2019/06/21/die-neue-srf-kultur/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2019/06/21/die-neue-srf-kultur/">Die neue SRF-Kultur</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Mit dem Einzug ins neue Meret-Oppenheim-Haus am Basler Bahnhof hat Schweizer Radio und Fernsehen seine Abteilung Kultur an einem einzigen Standort zusammengeführt. Von hier aus erfolgt künftig die konvergente Berichterstattung für Radio, TV und Online. Wie das genau gehen soll, erklären Mitarbeitende und der Leiter von SRF Kultur.</strong><br />
<img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-70315" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/06/MW-SRF-Kultur-Basel_20190621.jpg" alt="" width="1456" height="976" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/06/MW-SRF-Kultur-Basel_20190621.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/06/MW-SRF-Kultur-Basel_20190621-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/06/MW-SRF-Kultur-Basel_20190621-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/06/MW-SRF-Kultur-Basel_20190621-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/06/MW-SRF-Kultur-Basel_20190621-470x315.jpg 470w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
«Jetzt ist auch das Radio im 21. Jahrhundert angekommen», bemerkte eine Redaktorin, als sie die neuen Studios erstmals sah. SRF Kultur befindet sich seit Juni in Basel in einem markanten Hochhaus des Architekturbüros Herzog und De Meuron gleich neben dem Bahnhof. SRF Kultur umfasst in diesem Studio neu Radio, Fernsehen und Online.</p>
<p>Das neue Gebäude ist auch <a href="https://medienwoche.ch/tag/bruderholz/">vom ehemaligen Radiostudio</a> mit Blick Richtung Stadt nicht zu übersehen. 1940 hat das Schweizer Radio erstmals vom Bruderholz aus gesendet. Wer in den vergangenen Wochen noch einmal durch Gänge, Büros und Studios und vorbei an Hörspielregie und Sendepulten gegangen ist, konnte die sinnliche Seite der Radioarbeit noch gut fassen: Immer noch standen vereinzelte Tonbandmaschinen herum, auch bei den modernen digitalen Senderegien beeindruckte vor allem der Kabelsalat. An den Wänden hingen die letzten Einsatzplän, auf den Pulten der Redaktorinnen und Redaktoren türmten sich noch die Dossiers. In den verwinkelten Gängen liegen die Einzelbüros, zum Teil mit Fenstern auf einen lauschigen Garten. Es hätte nicht überrascht, die Stimmen von längst verstummten Radiolegenden zu hören, die den Ruf des Bruderholz-Studios prägten. Die Abgeschiedenheit dieses Medienhauses sorgte immer wieder für Spott. Aber das Haus hatte eine einzigartige Arbeitsatmosphäre und bot vielen Medienschaffenden eine kreative Heimat.</p>
<blockquote><p>Es gibt keine Einzelbüros mehr, überhaupt kaum abgeschlossene Räume, dafür Reihen von langen Tischen mit Bildschirmen.</p></blockquote>
<p>Ganz anders als das Bruderholz-Studio muten die neuen Räume im Meret Oppenheim Haus, kurz MOH, an: Architektur, Raumkonzept und Inneneinrichtung strahlen Offenheit, coole Modernität und doch eine mediale Atmosphäre aus. Es gibt keine Einzelbüros mehr, überhaupt kaum abgeschlossene Räume, dafür Reihen von langen Tischen mit Bildschirmen. Die grossen Flächen werden durch Kuben unterteilt, wo Produktions- und Senderegien, Sitzungszimmer, Edit-Suiten, Sprecherkabinen, Audio-Suiten untergebracht sind – alle hinter Glas. Überall modernes Design, grosse Fensterfronten hin zu einer urbanen Umgebung. Niemand hat ein eigenes Büro, auch die Chefs nicht, niemand hat einen eigenen Arbeitsplatz. Dafür gibt es Lounges, Rückzugsräume, und sogenannte Think Tanks. An den langen Pulten herrscht das Prinzip des «Clean Desk» – nach Arbeitsschluss alles wegräumen, von der Teekanne über die Joggingschuhe bis zum Arbeitsdossier. Dafür stehen überall ganze Reihen von insgesamt über 300 Schliessfächer.</p>
<p>Der neue Kulturstandort von SRF ist als konvergentes Studio konzipiert – für Radio, Fernsehen und Online. Die Mitarbeitenden sollen über diese einzelnen Vektoren hinaus denken, planen und teilweise auch produzieren. Darum müssen die Redaktionen mehr als bisher untereinander kommunizieren und gemeinsam planen. Davon zeugt auch das offene Raumkonzept.</p>
<blockquote><p>Eigentliche Fernsehstudios gibt es im Basler Neubau keine.</p></blockquote>
<p>Man sieht kaum Kabel – aber alles ist vernetzt und transparent. Von den offenen Flächen sieht man durch die grossen Glasscheiben in alle Regien. Jeder Arbeitsplatz und jedes Studio kann für jede Art von Arbeit genutzt werden. Und wenn sich beim Auditorium im Parterre mit etwa hundert Plätzen aussen ein Regiewagen andockt, entsteht daraus ein Radio- oder TV-Studio. Eigentliche Fernsehstudios gibt es im Basler Neubau keine. Ein Teil der «Sternstunden»-Sendungen wird weiterhin in Zürich aufgenommen.</p>
<p></p>
<p>Die Mitarbeitenden von SRF Kultur sind nach erst wenigen Tagen am neuen Arbeitsort noch zurückhaltend mit Wertungen. Von Skepsis bis zu Begeisterung ist alles zu hören – die meisten «müssen sich erst mal an den neuen Ort gewöhnen» oder «wollen mal sehen». Bei jenen, die neu pendeln müssen, steht diese Belastung im Vordergrund. Immerhin befindet sich das Studio gleich neben dem Bahnhof. Für andere ist der Arbeitsweg massiv kürzer geworden. Hört man sich im Studio bei den Mitarbeitenden um, dann gibt es bereits Kritik zur Klimaanlage und zur Lärmsituation: «Man hört auf diesem schönen Holzboden jede Schritt.» Und: «Schön, wenn die Nähe zu den Kolleginnen und Kollegen die Kommunikation fördern soll. Aber bei allen Gesprächen hat man das Gefühl, man störe die andern.»</p>
<blockquote><p>SRF will die Betriebskosten im Vergleich zu den bisherigen Studiosituationen in Basel und Zürich um einen Drittel senken.</p></blockquote>
<p>Knapp über 300 Mitarbeitende arbeiten im MOH – inklusive Regionaljournal und Korrespondentenstelle des Fernsehens SRF. Dafür stehen 250 unpersönliche Arbeitsplätze bereit. Auf vier Stockwerke verteilt, belegt SRF 8000 Quadratmeter – das ist gerade mal die Hälfte der bisher benötigten Fläche für die gleichen Redaktionen und Funktionen.</p>
<p>SRF hat für das neue konvergente Studio 20 Millionen Franken investiert – davon hat die SRG Basel fünf Millionen beigetragen. SRF könne, wird kommuniziert, im neuen Haus die Betriebskosten im Vergleich zu den bisherigen Studiosituationen in Basel und Zürich langfristig um einen Drittel senken.</p>
<p>Der Ausbau des SRF-Standortes Basel birgt politische Brisanz. Ungefähr 120 Arbeitsplätze sind von Zürich-Leutschenbach ins Meret-Oppenheim-Haus transferiert und der Standort Basel damit gestärkt worden. Gleichzeitig wehrt man sich in Bern und Genf dagegen, dass die dortigen SRG-Standorte geschwächt und redaktionelle Entscheidungskompetenz nach Zürich, respektive Lausanne, verschoben wird. Die Frage, welche föderalen Rücksichten die SRG nehmen müsse, beschäftigt inzwischen die Bundespolitik. Der Nationalrat setzte kürzlich <a href="https://medienwoche.ch/2019/06/20/ein-schlag-ins-zentrum-der-festung-srg/">ein klares Signal gegen die Zentralisierungspläne der SRG</a>.</p>
<blockquote><p>Basel sollte auf ein Regionalstudio reduziert werden. Doch man lobbyierte erfolgreich für den neuen SRF-Kulturstandort.</p></blockquote>
<p>Basel führte den Kampf für ein starkes SRF-Studio schon früh. Er begann, nachdem Radio DRS 1, dann DRS 3 und später Radio Virus vom Bruderholz nach Zürich abgezogen wurden. Es gab damals Pläne, Basel <a href="https://www.nzz.ch/in_basel_fuerchtet_man_die_sogwirkung_leutschenbachs-1.5664498" target="_blank" rel="noopener">auf ein Regionalstudio zu reduzieren</a> und auch DRS 2, das heutige SRF 2 Kultur, in Zürich anzusiedeln. Bereits 2009 hat deshalb die SRG Basel in einer politisch breit abgestützten Kampagne für den SRF-Standort Basel lobbyiert und auf die Karte «Kulturstandort» gesetzt. Dabei wurde offensiv argumentiert: «DRS 2 sollte sich als mediales ‹Kompetenzzentrum Kultur› verstehen und Modelle ausarbeiten für ein konvergentes, multimediales SRG-Studio zum Themenbereich Kultur.» Die Kampagne war erfolgreich.</p>
<p>Zehn Jahre später ist nun die ganze Abteilung Kultur von SRF am neuen Standort in Basel vereint und für eine konvergente multimediale Arbeitsstruktur angelegt. Wir treffen dort Stefan Charles, Leiter der Abteilung Kultur SRF:</p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Wohin steuert jetzt SRF Kultur, was ist die strategische Hauptachse?</p>
</div><div class="answer"><h4>Stefan Charles:</h4> <p>Wir wollen die Online-Angebote massiv ausbauen auf 50 Prozent unseres Angebots – in Entsprechung der SRG-Strategie. Dafür wollen wir passende Erzählformate entwickeln. Es sollen neue Themen in unser Angebot integriert werden. Und Ausbau bei Recherche und Hintergrund.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Nur noch 50 Prozent lineare Angebote – heisst das, klassisches Radio und TV werden zurückgefahren?</p>
</div><div class="answer"><h4>Stefan Charles:</h4> <p>Nein, das Online-Angebot wird massiv ausgebaut, während das lineare Angebot in etwa gleich bleibt.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Mit neuen Themen wollen Sie das Angebot inhaltlich verbreitern – mit welchen Themen denn?</p>
</div><div class="answer"><h4>Stefan Charles:</h4> <p>Etwa bei Migration und Integration oder Natur, Umwelt und Klima – und dafür wollen wir die Fachkompetenz in den Redaktionen weiterentwickeln.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Heisst das auch, Recherche und Hintergrund ausbauen?</p>
</div><div class="answer"><h4>Stefan Charles:</h4> <p>Das ist das, was unser Publikum erwartet. Dennoch müssen wir auch eine Berichterstattung darüber leisten können, was aktuell in Theatern, Museen, bei Literatur oder Musik geboten wird. Denn viele Printmedien können das nicht mehr breit abdecken. Wir setzen da neben der Tagesaktualität auf wöchentliche Überblicke und sehen, dass unser Publikum bereit ist, dafür mehr als 20 Minuten aufzuwenden.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Mehr Online – also mehr klickgetriebenes Kurzfutter?</p>
</div><div class="answer"><h4>Stefan Charles:</h4> <p>Nein. Es geht um ein Angebot, das auf Themen und nicht auf Sendungen aufbaut. Das Publikum wählt selbst Themen aus, entscheidet, wo es weitersuchen, verknüpfen und vertiefen will. Und es geht um Online-spezifische neue Erzählformen. Wichtig ist, dass unsere Inhalte auch über Suchmaschinen gefunden werden.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Was heisst neue Erzählformen?</p>
</div><div class="answer"><h4>Stefan Charles:</h4> <p>Es reicht nicht, einen Radiobeitrag einfach ins Netz zustellen. In welche Richtung diese Formen gehen, können wir aber nicht pauschal sagen. Ausser: Sie werden sich laufend verändern. Und wir sind überzeugt, dass diese Erzählformen nicht oberflächlich sind, sondern neue Vertiefungen ermöglichen. Ein Video-Dok oder ein «Kontext»-Stoff kann beispielsweise völlig anders dargestellt werden.</p>
</div></p>
<p>Spricht man mit den Mitarbeitenden, ist man schnell bei den vielen Veränderungen. Neuer Standort, neue Räume, ein anderer Typ von Arbeitsplätzen. Vor allem soll das konvergente Denken, Planen und Umsetzen konsequenter umgesetzt werden; nicht nur die Produktionen, sondern auch die Teams aus Radio, TV und Online sollen näher zusammengebracht werden. Die neu eingeführten «Planer» koordinieren und entscheiden künftig, welche Themen in welcher Form auf welchen Vektoren und Plattformen ausgespielt werden. Beim Fernsehen werden die Fachredaktionen eingeführt, beim Radio hat SRF die beiden grossen Redaktionen «Kontext» und «Aktuell» unter einer neuen Leitung zusammengelegt. Das ist ein grösserer Change-Prozess. «Schon wieder», bemerken viele Mitarbeitende. Denn sie sind ob der seit Jahren andauernden Reformen müde und fühlen sich dadurch bei der eigentlichen Programmarbeit behindert. Wie werden sie in diesem Prozess begleitet? «Eher nicht – zumindest bisher nehmen wir da nichts wahr» – so die Antworten aus den Redaktionen.</p>
<blockquote><p>Bei vielen Radiomitarbeitenden steht die Befürchtung im Raum, man werde sich mit der Konvergenz dem teureren und schwerfälligeren Fernsehen anpassen müssen.</p></blockquote>
<p>Die Strukturreformen lösen Erwartungen und auch Ängste aus. Gut sei, hört man da und dort, dass das «Gärtlidenken» der einzelnen Redaktionen zurückgedrängt werde. Andere hoffen, die Reformen würden langjährige Machtstrukturen endlich aufbrechen. Dennoch fürchten viele, dass die Redaktionen an Bedeutung verlieren. Es drohe eine weitere Entfremdung zwischen Planern und Machern. Man wünsche sich endlich Reformen, welche die Kreativität und die Qualität der Beiträge beförderten, indem die Position der Beitragsmacherinnen und -macher gestärkt werde. Stattdessen werde die Arbeit immer mehr verwaltet. Und bei vielen Radiomitarbeitenden steht die Befürchtung im Raum, man werde sich mit der Konvergenz dem teureren und schwerfälligeren Fernsehen anpassen müssen und so an Qualität und Profil verlieren.</p>
<p>Die grösste Sorge, vor allem bei den Radioleuten, betrifft aber die Ressourcen: Jetzt schon müsse mit gleichem Zeitbudget mehr geleistet werden. Hinzugekommen sei in den letzten Jahren viel an Strukturarbeit und das Aufbereiten der Radio-, respektive TV-Beiträge auch noch für Online. Befürchtet wird, dass die neuen Planungsfunktionen auf Kosten von Redaktionsstellen finanziert würden, dass die Strukturen, sowie die zusätzlichen Angebote fürs Publikumnicht ausreichend finanziell hinterlegt seien. «Und zumindest beim Radio», so ein Mitarbeiter, «habe ich das Gefühl, gespart werde kontinuierlich auf Kosten der Redaktionen.»</p>
<blockquote><p>«Die Medienlandschaft verändert sich derart rasant, da müssen auch wir uns verändern. Medienschaffende müssen sich dauernd bewegen.»<br />
<small>Stefan Charles, Leiter SRF Kultur</small></p></blockquote>
<p>Stefan Charles verneint: «Das Wichtigste ist, möglichst viele Ressourcen ins Programm zu schieben.» Gespart werde, so Charles, SRF-weit bei den Führungspositionen und in der Verwaltung, über die weniger aufwändige Technik und via Verbesserung der Prozessabläufe. Charles ist von den Reformen überzeugt. «Die Medienlandschaft verändert sich derart rasant, da müssen auch wir uns verändern. Medienschaffende müssen sich dauernd bewegen. Aber tatsächlich kann es nicht immer Richtung ‹mehr› gehen. Eine bessere Planung trägt dazu bei, dass die Mitarbeitenden für ihre Themen genügend Zeit erhalten.»</p>
<p>Mit den Fachredaktionen werde das Know-how konzentriert. Die einzelnen Redaktionen können im Planungstool eingeben, welche ihrer Themen ein weiteres Potenzial haben, und steuern damit den Prozess. Bei den Planern würden alle Themen erfasst und koordiniert. Dort werde geprüft, welche vorgeschlagenen Themen zusätzlich tiefer und breiter bearbeitet werden, wo sie platziert und in welcher Form sie erzählt werden können. Die Planer koordinieren dann auch die Ressourcen. «Wir sehen das als Unterstützung für die Redaktionen. Diese sollen in ihren Kompetenzen nicht geschwächt werden.» Kein Medium werde gegen das andere ausgespielt: «Jeder Vektor, Radio, Fernsehen, Online, hat seine eigenen Stärken, die er ausspielen soll. Gleichzeitig kann man voneinander profitieren, wenn zum Beispiel eine Radiosendung in die Nähe eines TV-Beitrags mit ähnlichem Thema gesetzt wird oder umgekehrt.» Und schliesslich sollen sich die Reformen «als Mehrwert im Programm auswirken. Wir wollen dadurch dem Publikum neben der Aktualität mehr Hintergrund und Recherche bieten können.»</p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Herr Charles, Stichwort Programm: Bei der «No Billag»-Abstimmung hat sich die Kulturszene stark für SRF engagiert. Eine Chance?</p>
</div><div class="answer"><h4>Stefan Charles:</h4> <p>Kooperationen sind uns wichtig, das war schon vor der Abstimmung so. Wir streben einen Mehrwert an – nicht einfach einen Ausbau der Berichterstattung über die vielen kulturellen Leistungen. Die Themen, Fragestellungen, Inputs des Kulturlebens möchten wir mit unseren eigenen Kompetenzen angehen und etwas Eigenes oder Gemeinsames entwickeln. Damit bieten wir dem Publikum wiederum einen neuen Zugang zu den Leistungen der Kulturszene.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Gibt es bereits Beispiele?</p>
</div><div class="answer"><h4>Stefan Charles:</h4> <p>Ja – und da sind wir wieder bei den Chancen des Online-Bereichs. Die neue klassische Musik ist nicht leicht zu vermitteln. Mit mehr Sendezeit ist es nicht getan. Nach Vorbild von MX3, einer Plattform für Schweizer Popmusik, schaffen wir neo.mx3. Diese Plattform lancieren wir technisch und betreuen sie mit unseren Fachkompetenzen. Sie soll zur besseren Sichtbarkeit der neuen Klassik beitragen. Oder beim Jazz: Unserer Hörerinnen und Hörer haben ein immenses Wissen. Wir haben dafür eine Facebook-Community geschaffen. Dorthin vermitteln wir die Fragen unseres Radiopublikums. Aus der Facebook-Gruppe kommen die besten Antworten, welche wir zurück ins Programm spielen. Wir «erklären» nicht einfach den Jazz, sondern wir treten in einen Fachdialog mit unserem Publikum. Auch dieser Einbezug des Publikums ist ein Strategie-Element.</p>
</div></p>
<p>Die 300 Mitarbeitenden und die vielen Redaktionen – je nach Zählweise mehr als 14 – im konvergenten Haus müssen sich offenbar erst noch zu einem gemeinsamen Team finden. Stefan Charles will neue Kommunikationsformen einführen: «Es wird offenere, durchlässigere Sitzungsformen geben, zum Beispiel wöchentliche Feedbackrunden zu allen Produktionen. Diese sind ohne Anmeldung für alle Kolleginnen und Kollegen aus allen Redaktionen offen. Dann wollen wir ein wöchentliches Redaktionsmonitoring einführen, weil es mehr Schnittstellen zwischen Produktionen und Redaktionen geben wird. Und wir müssen lernen, schneller zu reagieren – gerade, wenn etwas nicht gut läuft. Deshalb kann jede Mitarbeiterin, jeder Mitarbeiter sich zu jedem Thema, auch ausserhalb ‹seines› Bereichs, mit Fragen, Inputs, Kritik melden. Und wir vom Leitungsteam wollen uns verpflichten, darauf innert einer Woche zu antworten und Lösungsvorschläge anzubieten.»</p>
<blockquote><p>«Oft hat man das Gefühl, das Kreative unserer Arbeit werde gar nicht zur Kenntnis genommen.»<br />
<small>Mitarbeiterin SRF Kultur</small></p></blockquote>
<p>Zur internen Kommunikation in der Abteilung Kultur hört man von den Mitarbeitenden viel Kritik: «Wir wissen eigentlich nicht, was die Chefs planen, wohin die Reise von SRF Kultur geht», «zu Fragen erhält man meist unklare Antworten», «informiert wird meist erst nach Abschluss eines Prozesses». Der Abteilungsleiter, Stefan Charles, wird von sehr vielen Mitarbeitenden als «weit weg» und «nicht präsent im Alltag» beschrieben. Das provoziere Verunsicherung, «wohin unsere Arbeit überhaupt führen soll». Und eine weitere Stimme: «Oft hat man das Gefühl, das Kreative unserer Arbeit werde gar nicht zur Kenntnis genommen, denn wenn diskutiert wird, dann über Organisatorisches.» Und oft in Gesprächen geäussert: «Man merkt nicht, ob unsere Arbeit geschätzt wird.»</p>
<p>«Ist das so?» – so die Reaktion von Stefan Charles, wenn man ihn mit dieser Kritik konfrontiert. Aus seiner Sicht habe man die Strukturveränderungen «nicht top-down vorgenommen». Und er erklärt seine Rolle: Er sei Teil der SRF-Geschäftsleitung, dort gehe es um Probleme des ganzen Unternehmens. Operationell wolle er beim Tagesgeschäft nicht in die Redaktionen eingreifen. Seine Aufgabe sei, Strukturen zu schaffen, damit das Team gut arbeiten könne. Aber jetzt, die erste Zeit nach dem grossen Wechsel ins neue Haus, da müsse er präsent sein und spüren, was die Leute brauchen, was sie plage. «Und selbstverständlich werde ich auch bei den erwähnten wöchentlichen Feedbackrunden anwesend sein.»</p>
<p>SRF-Direktorin Nathalie Wappler titelte ihre Ansprache zur Eröffnung mit: «Neuer Standort, neue Chancen» und sagte: «Das wird ein Neuanfang im Denken». Mit dem Konvergenz-Ansatz, einer neuen Studioarchitektur und einem Haus ganz für die Kultur setzt SRF Zeichen. Man darf gespannt beobachten, ob sich daraus wirklich Aufbruchstimmung entwickelt. Und vor allem, wie das im Programm hör- und sichtbar wird.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2019/06/21/die-neue-srf-kultur/">Die neue SRF-Kultur</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Journalistische Grenzgänge</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2018/09/13/journalistische-grenzgaenge/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Philipp Cueni]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 13 Sep 2018 11:18:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Dokumentarfilm]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im Dokumentarfilm «Women with Gunpowder Earrings» begleiten wir die irakische Journalistin Noor Al Helli in ehemaliges IS-Herrschaftsgebiet, von wo sie über das Leben und Sterben von Kindern und Frauen im Krieg berichtet. Das am Festival von Locarno erstmals gezeigte Werk wirft Fragen auf zum journalistischen Handwerk. Und zeigt uns erschreckende Realitäten. Der Journalismus ist am <a href="https://medienwoche.ch/2018/09/13/journalistische-grenzgaenge/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/09/13/journalistische-grenzgaenge/">Journalistische Grenzgänge</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Im Dokumentarfilm «Women with Gunpowder Earrings» begleiten wir die irakische Journalistin Noor Al Helli in ehemaliges IS-Herrschaftsgebiet, von wo sie über das Leben und Sterben von Kindern und Frauen im Krieg berichtet. Das am Festival von Locarno erstmals gezeigte Werk wirft Fragen auf zum journalistischen Handwerk. Und zeigt uns erschreckende Realitäten.</strong><br />
<img decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/09/womanwithgunpowderearrings.jpg" alt="" width="1280" height="720" class="alignnone size-full wp-image-61014" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/09/womanwithgunpowderearrings.jpg 1280w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/09/womanwithgunpowderearrings-300x169.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/09/womanwithgunpowderearrings-768x432.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/09/womanwithgunpowderearrings-1024x576.jpg 1024w" sizes="(max-width: 1280px) 100vw, 1280px" /><br />
Der Journalismus ist am Filmfestival von Locarno allgegenwärtig: mit einer Vielzahl akkreditierter Medienschaffender, und einer entsprechend vielfältigen Berichterstattung. Aber genauso auf der Leinwand, am deutlichsten sichtbar bei Dokumentarfilmen, zum Beispiel in der Reihe <a href="http://www.semainedelacritique.ch" rel="noopener" target="_blank">«Semaine de la Critique»</a>. Der Dokumentarfilm bietet heute eine breite Palette, um die Realität abzubilden: subjektiv, parteiisch, als nüchterne Faktendarstellung. Aber immer liegt dem Stoff eine journalistische Recherche zugrunde. Und oft vermittelt der Dokfilm einen Einblick in eine Welt, die wir so sonst nicht erfahren könnten. «Man kämpft mit dem Anspruch, möglichst verständliche, wahrheitsgetreue, gar neuartige Interpretationen für jene zu liefern, die Tausende Kilometer entfernt nur über die Leinwand von den Fakten erfahren», schreibt der Tessiner Journalist Marco Zucchi, der Leiter der «Semaine».</p>
<p>In diesem Jahr ging es um Themen wie die Industrialisierung des Waldbestandes in Frankreich («The Time of Forests»), um die Integrationsgeschichte einer jungen Somalierin in Ungarn («Easy Lessons») oder um die Unterdrückung der weiblichen Sexualität, erzählt von fünf Frauen aus fünf verschiedene Religionskulturen («#Female Pleasure») in einem Film der Schweizerin Barbara Miller.</p>
<p>Als Journalist hat mich «Women with Gunpowder Earrings» am meisten beeindruckt – auch deshalb, weil der Film meine journalistischen Überzeugungen immer wieder herausfordert.</p>
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<p>Der Iranische Filmemacher Reza Farahmand begleitet die Irakische Journalistin Noor Al Helli. Sie will im Irak aus Dörfern berichten, die vom IS kontrolliert und kürzlich aufgegeben worden sind. Um in diese Gegend zu gelangen, überredet sie im Irak Soldaten, sie in ihren Militärfahrzeugen mitzunehmen. Sie durchfährt und durchläuft dabei, entgegen den Empfehlungen der Soldaten, Zonen, die beschossen werden – im Feuerschutz der Soldaten, spornt diese sogar an, vorwärts zu gehen. Als die Militärs gleich danach in einem kleinen Dorf grob mit aufgestöberten Bewohnern umgehen, legt sich Noor Al Helli deswegen massiv mit der Truppe an. Die Journalistin wird so zur Akteurin. Später im Film sieht man die Journalistin in der Jacke einer Hilfsorganisation herumlaufen. Dieses Verhalten der Journalistin Noor Al Helli entspricht nicht unbedingt unseren gängigen journalistischen Standards.</p>
<p>Der Film führt uns in ein anderes Dorf, ein leeres ehemaliges Schulhaus. Noor Al Helli lässt Überlebende, darunter auch Kinder, über ein Massaker des IS erzählen, das hier offenbar stattgefunden hat. Sind alle diese Informationen gesichert? Wir wissen es nicht. Die Interviewsituation scheint vertrauenswürdig, auch weil die Journalistin an verschiedene Zeugen die gleichen Fragen stellt und übereinstimmende Antworten erhält. Und die Aussagen sind erschreckend, sie zeigen das Bild eines grausamen Kriegs.</p>
<p>Ortswechsel – ein grösseres betreutes Lager mit geflüchteten Frauen und Kindern, die aus einer Zone stammen, die der IS beherrschte. Ein Teil dieser Frauen hat sich aus ferneren Ländern, zum Beispiel aus Aserbaidschan, vom IS begeistern und anwerben lassen – und fühlt sich jetzt betrogen. Andere Frauen sind als Opfer des IS aus ihren Dörfern geflüchtet. Weitere Frauen verteidigen den IS, weil ihre Männer dort Arbeit gefunden hätten. Sie sind geflohen, weil der IS das Gebiet aufgegeben hat. Alle Frauen leben im gleichen Lager und erleben mit ihren Kindern das gleiche Kriegsschicksal. Diese Optik der Frauen und Kinder steht im Zentrum des Films.</p>
<p>Der Film fesselt gerade wegen seiner Widersprüchlichkeit der journalistischen Erzählweise: «Der Film bewegt sich auf einem schmalen Grat, was den Voyeurismus angeht», sagt auch Marco Zucchi. Die irakische Journalistin filmt in einem ankommenden türkischen Bus verletzte und offensichtlich traumatisierte Kinder – und versucht sie gleichzeitig zu betreuen. Als dann die Reporter-Crew in einem weiteren Transport zusammen mit Militärs weiter zieht, wird der Konvoi von Flugzeugen beschossen –dabei wird auch ein Begleiter der Journalistin getötet.</p>
<p>«Jede Kamera in einem Kriegsgebiet produziert fragwürdige Effekte», kommentiert Zucchi. Der Leiter der «Semaine» ist sich wohl bewusst, dass dies widersprüchliche Reaktionen und Debatten auslösen wird. Aber: «Der Film beschäftigt unser Gewissen», so Zucchi. Ein Dokumentarfilm hat den Anspruch, wie der Journalismus auch, ein Stück Realität abzubilden. Aber er muss nicht an den Regeln des Newsjournalismus gemessen werden – er darf subjektive Ausschnitte oder parteiliche Optik wählen. In dieser Subjektivität liefern uns Noor Al Helli und der Regisseur Reza Farahmand Versatzstücke und Bilder aus einem Krieg, die starke Eindrücke hinterlassen. Auch wenn man die gefilmten Ereignisse faktisch schwer einordnen kann, sind es letztlich wichtige Elemente, damit wir uns ein Bild machen können von einem Krieg, der in unseren Medien zwar omnipräsent ist, von dem wir aber doch nur sehr wenig wissen. Schon gar nicht aus der Optik der Opfer. Noor Al Helli hat uns vielleicht gerade wegen ihrer widersprüchlichen Arbeitsweise wichtige Einsichten geliefert, die sonst kaum möglich wären.</p>
<p><small>Die <a href="http://www.semainedelacritique.ch" rel="noopener" target="_blank">«Semaine de la Critique»</a> wird getragen vom Verband der Filmjournalistinnen und Filmjournalisten <a href="http://www.filmjournalist.ch" rel="noopener" target="_blank">SVFJ</a>.<br />
«Women with Gunpowder Earrings». Director Reza Farahmand. World Sales: ArtHouse Cinematheque.</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/09/13/journalistische-grenzgaenge/">Journalistische Grenzgänge</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<item>
		<title>Radio SRF: Was mit einem Abzug aus Bern auf dem Spiel steht</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2018/04/10/radio-srf-was-mit-einem-abzug-aus-bern-auf-dem-spiel-steht/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Philipp Cueni]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 10 Apr 2018 10:08:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Radiostudio Bern]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nostalgie und Standortmarketing der Städte dürfen keine ausschlaggebenden Faktoren beim Entscheid über das Radiostudio Bern SRF sein. Denn es geht um mehr. Die SRG prüft, die Abteilung Information von Radios SRF vom Studio Bern zum Fernsehen nach Zürich zu verlegen. Sie begründet das mit zwei möglichen Vorteilen: Mit Einsparungen bei den Immobilien und mit Synergien <a href="https://medienwoche.ch/2018/04/10/radio-srf-was-mit-einem-abzug-aus-bern-auf-dem-spiel-steht/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Nostalgie und Standortmarketing der Städte dürfen keine ausschlaggebenden Faktoren beim Entscheid über das Radiostudio Bern SRF sein. Denn es geht um mehr.</strong><br />
<img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-55976" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/04/MW-Umzug-Radio-SRF-DNA_20180410b.jpg" alt="" width="1456" height="976" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/04/MW-Umzug-Radio-SRF-DNA_20180410b.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/04/MW-Umzug-Radio-SRF-DNA_20180410b-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/04/MW-Umzug-Radio-SRF-DNA_20180410b-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/04/MW-Umzug-Radio-SRF-DNA_20180410b-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/04/MW-Umzug-Radio-SRF-DNA_20180410b-470x315.jpg 470w" sizes="auto, (max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
Die SRG prüft, die Abteilung Information von Radios SRF vom Studio Bern zum Fernsehen nach Zürich zu verlegen. Sie begründet das mit <a href="https://medienwoche.ch/2018/04/06/die-chefredaktorin-sieht-im-studioumzug-fast-nur-vorteile/">zwei möglichen Vorteilen</a>: Mit Einsparungen bei den Immobilien und mit Synergien zwischen den Redaktionen aus Bern und Zürich. Dort befinden sich bereits die Fernseh- und die Online-Redaktion. Radio SRF 1 und 3 sollen in den nächsten Jahren folgen, wenn das Studio Brunnenhof aufgehoben wird, was schon länger beschlossen ist.</p>
<p>Die Ankündigung der SRG verursachte Enttäuschung und Unverständnis, gar von «Aufruhr» ist die Rede, bei den meisten Mitarbeitenden im Radiostudio Bern an der Schwarztorstrasse und Proteste von lokalen Behörden und Parteien.</p>
<p>Bei der Abteilung Information geht es um ein Herzstück von Radio SRF, sie produziert unter anderem die Flaggschiffe «Echo der Zeit», «Rendez vous» und Nachrichten. Und sie ist massgebend für die über Jahrzehnte hohen Qualitätsrankings von Radio SRF verantwortlich.</p>
<p>Die Verlegung werde «geprüft», meldet die SRG. Die Gewerkschaft SSM reagierte mit «Irritation» über die Art der Information, das «schafft Verunsicherung». «Wir informieren mit Absicht offen», kontert die SRG, es gehe um Transparenz. Das macht aber nur Sinn, wenn die öffentliche Debatte ernsthaft in die Evaluation einbezogen wird. Mit dem von der SRG kommunizierten Ziel, bereits im Juni entscheiden zu wollen, sind an dieser Ernsthaftigkeit Zweifel angebracht.</p>
<blockquote><p>Es braucht diese Debatte. Aber sie braucht Zeit.</p></blockquote>
<p>Das Studio Bern an der Schwarztorstrasse hat eine lange Geschichte und eine Tradition, die der Abteilung Information von Radio SRF schon fast Kultstatus verschafft hat. Nur: Nostalgie allein kann als Gegenargument zu einer Zentralisierung in Zürich nicht genügen. Genauso falsch wäre es, Qualitäts- und Glaubwürdigkeitsrankings zwischen Bern und Leutschenbach, respektive Radio und TV, auszuspielen. Richtig ist eine tabulose Prüfung der Argumente.</p>
<p>Die SRG muss sparen, das ist bekannt. Sie will dort sparen, wo es das Programm am wenigsten tangiert. Das ist richtig und entspricht dem öffentlichen Auftrag und dem Gebot der Wirtschaftlichkeit. Wieviel mit der Verschiebung der Abteilung Information nach Zürich tatsächlich gespart werden kann, muss erst noch berechnet werden. Entscheidend ist dabei, nach welchen Parametern und im Verhältnis zu welchen anderen Szenarien eine allfällige Einsparung beurteilt wird.</p>
<p>Nicht genügen darf eine Kostenberechnung alleine zum Faktor Immobilien. Schwergewichtig zu prüfen und zu belegen ist, welche Folgen für die publizistische Qualität eine Konzentration der Info in Leutschenbach nach sich ziehen würde. Dabei dürfen die Beurteilungskriterien nicht «billiger», «schneller» und «effizienter» heissen. Sondern es müssen andere Qualitäten geprüft werden.</p>
<ul>
<li><strong>Tradition</strong>: Jedes Medienhaus, jede Redaktion hat eine DNA, die sich aus der eigenen Geschichte herausbildet: wie man arbeitet, wie man die Ansprüche definiert, welches Selbstverständnis man verfolgt. So hat das Radio eine lange Tradition von Fachredaktionen, das Fernsehen ist erst gerade dabei, solche einzuführen. Solche Redaktionskulturen zusammenzubringen, ist enorm schwierig – sogar dann, wenn sie auf gleichen publizistischen Grundsätzen basieren. Oft geht dabei mehr verloren, als gewonnen wird.</li>
<li><strong>Kompetenz</strong>: Die DNA beim TV ist auch durch die Art geprägt, wie man Fernsehen macht, beim Radio durch das Hörfunk-Handwerk. Das sind unterschiedliche Kompetenzen und sie führen dazu, dass eine Geschichte auf eine andere Art, mit anderer Optik erzählt wird. Richtig ist, dass sich Radio und TV durch die Konvergenz und den gemeinsamen Online-Bereich angenähert haben, dass gerade der Online-Bereich beide Kompetenzen vereinen sollte. Aber Radio bleibt Radio und Fernsehen bleibt Fernsehen, solange es eine lineare Programmverbreitung gibt</li>
<li><strong>Vielfalt</strong>: Beim Konvergenzprozess vor zehn Jahren ist bewusst entschieden worden, dass die Info-Redaktionen von SRF TV und SRF Radio getrennt bleiben – mit zwei Chefredaktionen. Damit soll der Gefahr einer einheitlichen SRF-Information begegnet, Vielfalt gefördert werden. Und politisch sollte die Angst vor einer allzu mächtigen Info-Chefredaktion SRF abgefedert werden. Dass die zwei getrennten Strukturen und zwei Chefredaktionen auch unter einem Dach beibehalten werden, muss bezweifelt werden.</li>
<li><strong>Föderalismus</strong>: Im Abstimmungskampf um «No Billag» hat sich gezeigt, dass die föderalistische Struktur der SRG von der Bevölkerung hoch bewertet wird. Es geht dabei nicht allein um verschiedene Standorte. Aber diese prägen auch die Sicht auf die Themen. Eine Konzentration der Abteilung Information in Zürich kann deshalb politisch heikel sein. Sie kann auch ein falsches Bild vom «Zürcher Fernsehen und Radio» begünstigen.</li>
</ul>
<p>An diesen Überlegungen sind ein allfälliger Spareffekt und mögliche Synergien zu beurteilen. Will man diese Analyse ergebnisoffen und dialogisch durchführen, braucht es vermutlich mehr Zeit als bis zum Juni.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/04/10/radio-srf-was-mit-einem-abzug-aus-bern-auf-dem-spiel-steht/">Radio SRF: Was mit einem Abzug aus Bern auf dem Spiel steht</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Nach einem Verkauf wird die BaZ eine andere sein</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2018/03/27/nach-einem-verkauf-wird-die-baz-einen-andere-sein/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Philipp Cueni]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 27 Mar 2018 14:12:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Basler Zeitung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Basler Zeitung BaZ steht offenbar zum Verkauf – das hat Verleger und Chefredaktor Markus Somm seiner Redaktion bestätigt. Doch das letzten Wort hat Mitbesitzer Christoph Blocher. Als Käufer in Frage kommen realistischerweise nur Tamedia oder AZ Medien. Der neue Eigentümer wird aus der BaZ wohl eine andere Zeitung machen. Die BaZ ist heute wirtschaftlich <a href="https://medienwoche.ch/2018/03/27/nach-einem-verkauf-wird-die-baz-einen-andere-sein/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Basler Zeitung BaZ steht offenbar zum Verkauf – das hat Verleger und Chefredaktor Markus Somm seiner Redaktion bestätigt. Doch das letzten Wort hat Mitbesitzer Christoph Blocher. Als Käufer in Frage kommen realistischerweise nur Tamedia oder AZ Medien. Der neue Eigentümer wird aus der BaZ wohl eine andere Zeitung machen.</strong><br />
<img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-55486" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/03/MW-BaZ-Verkauf_20180327b.jpg" alt="" width="1456" height="976" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/03/MW-BaZ-Verkauf_20180327b.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/03/MW-BaZ-Verkauf_20180327b-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/03/MW-BaZ-Verkauf_20180327b-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/03/MW-BaZ-Verkauf_20180327b-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/03/MW-BaZ-Verkauf_20180327b-470x315.jpg 470w" sizes="auto, (max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
Die BaZ ist heute wirtschaftlich und publizistisch angeschlagen. Die Auflage der Zeitung ist seit dem Verkauf an Tettamanti/Blocher 2010 massiv eingebrochen – von etwa 80‘000 auf 46‘000 Exemplare. Ebenfalls tief gesunken ist in Basel das Image der BaZ. Texte mit Persönlichkeitsverletzungen und der aggressive journalistische Stil stiessen viele ab. Die Dauerpredigten gegen die EU, gegen Bundesrat und Regierungsrat oder gegen die Migrationspolitik nervten. Viele zweifelten wegen eklatanten Fehlern an der journalistischen Glaubwürdigkeit der BaZ.</p>
<p>Die BaZ wollte in den vergangenen Jahren im traditionell linken und liberalen Basel eine dezidiert rechte Gegenstimme etablieren. Sie tat dies mit einem stark meinungsgeprägten, aggressiven und teilweise handwerklich fragwürdigen Journalismus. Dieses Modell ist gescheitert – offenbar nicht nur verlegerisch, sondern auch politisch und wirtschaftlich. Das Blocher-Team hat das Unternehmen auf die «nackte Zeitung» reduziert. Obwohl die BaZ angeblich schwarze Zahlen schreiben soll (einen öffentlichen Geschäftsbericht gibt es nicht), hat die Zeitung ohne Kooperationen keine wirtschaftliche Perspektiven, sie ist alleine zu klein. Tamedia, die NZZ und die AZ legen Redaktionen zusammen oder kooperieren, nun wäre das offenbar auch für die BaZ notwendig. Aber dem Basler Verlag fehlen Partner, ein Zusammengehen mit der Südostschweiz scheiterte kürzlich am öffentlichen und politischen Widerstand gegen einen BaZ-Journalismus in Graubünden.</p>
<p>Sowohl Tamedia wie die AZ Medien hätten gute Gründe für einen Kauf der BaZ. Tamedia arbeitet bereits mit der BaZ zusammen und beliefert die Zeitung mit «Magazin» und Newsnet. Der Zürcher Verlag könnte mit der Übernahme des Titels seine Reichweite auf die Region Basel ausweiten. Damit würde er die grossen Tageszeitungen in den drei Zentren der Deutschschweiz besitzen. Und Tamedia könnte die BaZ in den Verbund ihrer Deutschschweizer Tageszeitungen integrieren.</p>
<p>Ginge die BaZ an die AZ Medien, dann verliert Basel eine ihrer Zeitungen. Dass sich der Aargauer-Verlag auf ein Modell mit zwei Zeitungen in einer Stadt einlässt – wie Tamedia in Bern mit «Bund» und «Berner Zeitung» – ist unwahrscheinlich. Heisst der Käufer Tamedia, wird es neben der BZ Basel weiterhin eine zweite Basler Tageszeitung geben.</p>
<p>Die AZ hatte mit ihrem Ausbau in Basel, von der Basellandschaftlichen Zeitung zur BZ Basel, ihr Blatt politisch gegen die BaZ positioniert und konnte damit langsam, aber stetig an Auflage zulegen – wenn auch weniger stark, als man vielerorts vermutet hatte. Die BZ betreibt in Basel bereits eine vollständige Redaktion und liefert auch die überregionalen Themen für den AZ-Mantel aus ihrem Verbund. Die bisherige BaZ-Redaktion braucht der AZ-Verlag nicht, er müsste auch nicht gross in Redaktionskapazitäten investieren. Offen wäre, wieviele der bisherigen BaZ-Abos er für die BZ sichern kann. Und interessant wäre zu beobachten, was die AZ mit dem Traditionsnamen «Basler Zeitung» machen würde.</p>
<p>Anders das Szenario «Tamedia». Der Zürcher Verlag müsste die «Basler Zeitung» radikal umbauen, denn das neu erworbene Blatt würde so, wie es sich heute präsentiert, Tamedia keine Perspektive bieten. Setzt Tamedia mit der BaZ auf Kontinuität und würde mit bisherigem Personal und redaktionellem Konzept weiterarbeiten, könnte sie zwar die bestehende Reichweite übernehmen und ihr Geschäft auf die Nordwestschweiz ausdehnen, sowie einige verlegerische Synergien nutzen. Aber dieser Weg ist für den Verlag unsinnig. Mehrere Gründe sprechen dagegen:</p>
<p><strong>Das Redaktionskonzept:</strong> Tamedia hat für ihre Regionalzeitungen in Zürich und Bern und ihre Sonntagszeitung ein Konzept mit zentralen Redaktionen für die überregionalen Themen (Ausland, Inland, Wirtschaft, Kultur und Sport) installiert. Die entsprechenden Redaktionen der BaZ wären in diesem Konstrukt ein Fremdkörper und geschäftlich eine unnötige Parallelstruktur.</p>
<p><strong>Die politische Positionierung:</strong> Die aktuelle Ausrichtung der BaZ als rechtskonservatives, neoliberales Blatt mit grosser Nähe zur SVP passt überhaupt nicht zum Kurs der bisherigen Tamedia-Titel, die alle als Forumszeitungen mit einem Hang nach mitte-links positioniert sind. Diese Färbungen zeigt auch eine aktuelle <a href="http://www.foeg.uzh.ch/de/analyse/alleanalysen/Vielfalt-publizistischer-Profile.html" target="_blank" rel="noopener">Analyse der Uni Zürich</a>.</p>
<p><strong>Die journalistische Kultur:</strong> Tamedia legt Wert auf grosse Recherchen und setzt entsprechend spezialisierte Investivativ-Teams ein. Diese Kultur gibt es bei der BaZ nicht. Viele der grossen Rechercheleistungen des Tagi (zum Beispiel die Panama-Papers), realisiert in einem internationalen Verbund, wurden von der BaZ sogar vehement angegriffen. Auch was den journalistische Stil angeht, gibt es augenfällige Unterschiede. Die BaZ zielt regelmässig massiv auf den Mann und noch lieber auf die Frau. In Basel sprechen viele von «Fertigmacher-Journalismus». Viele Themen, im kritischen Ansatz durchaus interessant, arteten in regelrechten Kampagnen aus, die dann weit übers Ziel hinausschossen. Und die BaZ arbeitet oft mit «Vermutungsjournalismus». Institutionen und Personen werden auf Grund von schwach gestützten Vermutungen wegen angeblicher Fehlleistungen derart massiv beschuldigt, dass es auf Rufmord hinausläuft. Stützen die Fakten die anfänglichen Vermutungen nicht, wird das auch nicht adäquat richtig gestellt. Solchen Kampagnen- und Vermutungsjournalismus findet man im Tages-Anzeiger kaum. Und schliesslich legt Tamedia, gerade sein Verwaltungsratspräsident Pietro Supino, grossen Wert auf eine klare Trennung zwischen Fakten (Berichterstattung) und Meinung. Für die BaZ ist das Gegenteil ein prägendes Merkmal. In sehr vielen Texten der BaZ sind Fakten, Vermutungen und Meinungen wild durcheinander kombiniert.</p>
<p>Diese Ausgangslage stellt Tamedia vor vier Aufgaben: Sie muss die BaZ publizistisch neu positionieren, eine neue regionale Redaktion aufbauen, eine zusätzliche und erst noch anders positionierte Leserschaft als heute gewinnen, und vor allem beweisen, dass sie eine Baslerische und keine Zürcher Zeitung ist, keine Basler Tagi. Das wird sich bereits daran zeigen, ob es ihr gelingt eine Basler Redaktion aufzubauen, welche die regionale Optik in alle Ressorts einbringen und der BaZ ein eigenständiges Gesicht verleihen kann. Gut möglich, dass Tamedia für die BaZ gegen 20 Redaktorinnen und Redaktoren mit Basler Knowhow suchen wird. Sicher ist: Nach dem Verkauf hat die Basler Zeitung nicht nur einen anderen Besitzer. Sie würde auch zu einer anderen Zeitung.</p>
<p>Welcher Verlag was mit der BaZ anstellen würde, interessiert Miteigentümer und Mastermind Christoph Blocher derweil kaum; Geld braucht er auch nicht. Ihn interessiert primär das Tauschgeschäft. Bei einem allfälligen Verkauf an Tamedia stünde das Tagblatt der Stadt Zürich als Beigabe bereit, war zu lesen. Aber auch die AZ Medien haben einige Lokalzeitungen, die nicht zu ihrem Kerngeschäft gehören, dafür umso besser ins Portfolio von Blochers neuem verlegerischen Engagement mit Gratisanzeigern passen würden. Wann genau Blocher entscheiden wird, ist weiterhin offen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/03/27/nach-einem-verkauf-wird-die-baz-einen-andere-sein/">Nach einem Verkauf wird die BaZ eine andere sein</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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