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	<title>Ronnie Grob | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
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		<title>100&#039;000 Abos zusätzlich – und die NZZ-Medien sind werbefrei!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Oct 2016 07:42:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Verkauf der NZZ-Frontseite an einen Werbetreibenden hat für Aufruhr gesorgt. Tatsächlich war das unnötig, denn würden die NZZ und ihre Sonntagsausgabe nur 100 000 Abos zusätzlich verkaufen, könnten sie werbefrei erscheinen. Manche von jenen, die der NZZ einen Seelenverkauf anlasten, sind selbst für die Lücke bei den Einnahmen verantwortlich. Der erstmalige Verkauf der Titelseite <a href="https://medienwoche.ch/2016/10/10/100000-abos-zusaetzlich-und-die-nzz-medien-sind-werbefrei/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Der Verkauf der NZZ-Frontseite an einen Werbetreibenden hat für Aufruhr gesorgt. Tatsächlich war das unnötig, denn würden die NZZ und ihre Sonntagsausgabe nur 100 000 Abos zusätzlich verkaufen, könnten sie werbefrei erscheinen. Manche von jenen, die der NZZ einen Seelenverkauf anlasten, sind selbst für die Lücke bei den Einnahmen verantwortlich.<br />
<span id="more-28152"></span><br />
Der erstmalige Verkauf der Titelseite der Neuen Zürcher Zeitung an einen Werbetreibenden hat grosse Wellen geschlagen. Auf Facebook, einem Portal, das einen grossen Teil der bisherigen Werbeeinnahmen der Printverlage übernehmen konnte, zeigt man sich bestürzt, ja, empört, dass eine ehrwürdige Zeitung zu solchen Mitteln greift.</p>
<p>War das wirklich notwendig? Offensichtlich ja. Ich habe in den letzten zehn Jahre in vielen Texten darauf hingewiesen, dass neuartige Kommunikationsmöglichkeiten einen Medienwandel provozieren und ganze Industrien von Grund auf verändern werden, und bin darum wenig überrascht, dass Verantwortliche in Zeitungsverlagen aus <a href="https://medienwoche.ch/2016/10/07/mut-oder-verzweiflung/">«Mut oder Verzweiflung»</a> zu solchen Mitteln greifen. Verwunderlich ist nur, dass sie erst handeln, wenn es nicht mehr anders zu gehen scheint.</p>
<p>Treibt die NZZ die Gier nach Geld? Ich glaube nicht. Wahrscheinlich will sie vor allem ihren Umfang und ihre Qualität beibehalten. Und das funktioniert nur, wenn die Einnahmen nicht einbrechen. NZZ-CEO Veit Dengler hat die durchaus mutige Strategie eingeschlagen, auf publizistische Inhalte zu setzen, und wer das tut, muss – lässt man mal grosszügig alle Details weg – zwei wichtige Kennwerte beachten: Die Anzahl bezahlter Abos und der damit verbundene Werbeerlös.</p>
<p>Um eine Rechnung aufzustellen: Gemäss der im Jahresbericht veröffentlichten Konzernrechnung erzielten die NZZ-Medien im Jahr 2015 einen «Ertrag Werbemarkt» von <a href="http://lbwp-cdn.sdd1.ch/nzz-mediengruppe/files/1458567037/gb2015_komplett.pdf">76,5 Millionen Franken</a> und einen «Ertrag Lesermarkt» von 78,4 Millionen Franken. 12 Monate NZZ und NZZ am Sonntag in den Briefkasten und aufs Tablet kosten <a href="https://abo.nzz.ch/">792 Franken</a>. Das heisst, dass beiden Zeitungen und ihre Online-Präsenzen nur etwa 96591 solcher Abos <span style="text-decoration: underline;">zusätzlich</span> verkaufen müssten, und schon könnten sie ohne ein einziges Inserat erscheinen. Aktuell weist die Neue Zürcher Zeitung 82023 Abonnements aus in ihrer gemäss <a href="http://www.wemf.ch/pdf/de/auflagen/2015/Auflagebeglaubigung_Bulletin2015-d.pdf#page=19">WEMF 2015</a> ausgewiesenen verkauften Auflage von 119956 – sie müsste diese Zahl also mehr als verdoppeln, um sich alleine von Aboeinnahmen zu finanzieren.</p>
<p>Die Realität ist jedoch, dass auch einige von denen, die «Geldgier!» oder «Seele verkauft!» rufen, kein NZZ-Abo bezahlen. Sie lesen die Inhalte online und löschen von Zeit zu Zeit ihre Cookies, um die aufgestellte Bezahlmauer wieder einzureissen. Sie haben in ihren Browsern Adblocker installiert. Und wenn sie es tatsächlich mal mit Print versuchen, hangeln sie sich – «Geiz ist geil!» – von vergünstigtem Probeabo zu vergünstigtem Probeabo. Es geht es ihnen wohl so wie im Schlager «Ich hab ne alte Tante» im Film <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Privatsekret%C3%A4rin_(1931)">«Die Privatsekretärin»</a> von 1931 – auch die «Neue Zürcher» ist ja als «Alte Tante von der Falkenstrasse» bekannt:</p>
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<p>Medienprodukte, die journalistische Inhalte liefern, wird es immer weniger geben. Wer sie am Leben erhalten will, muss sie regelmässig bezahlen, also abonnieren. Die beiden anderen Schweizer Grossverlage, Tamedia und Ringier, haben in den letzten Jahren publizistische Inhalte eher abgebaut statt aufgebaut. Sie suchen ihre künftigen Einnahmen im Digitalgeschäft, im Datengeschäft und in der unheiligen Allianz mit der staatlichen Swisscom und der gebührenfinanzierten SRG. Die Existenz von publizistischen Inhalten bei diesen beiden und auch bei anderen Zeitungsverlagen werden auf lange Frist von der Gunst und dem Willen ihrer Besitzer abhängig sein. Um Werbegeld verdienen zu können, benötigt es nicht zwingend publizistische Inhalte. Das haben auch andere begriffen, zum Beispiel Facebook oder Google.</p>
<p>Unabhängige Journalisten, die Zeit haben, um Fakten aufzubereiten und der Wahrheit nachzuspüren, gibt es nicht einfach so. Sie müssen bezahlt werden. Und wenn es die Leser nicht tun, dann tun es die Werbetreibenden. Und wenn es niemand tut, dann verschwinden sie. Und Nein, Steuergelder und Gebührengelder können diese Einnahmen nicht ersetzen, denn sie erzeugen neue Abhängigkeiten. Gefährlichere als jene der privaten Seite. Wer die Institution NZZ also erhalten will, soll sie abonnieren oder ein Inserat schalten darin. Ein bezahltes und offen deklariertes bitte, das unabhängigen Journalismus erlaubt.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/10/10/100000-abos-zusaetzlich-und-die-nzz-medien-sind-werbefrei/">100'000 Abos zusätzlich – und die NZZ-Medien sind werbefrei!</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Journalisten ohne Bodenhaftung?</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/05/28/journalisten-gegen-journalisten/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 28 May 2016 06:59:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Pro Service public]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Fast ausnahmslos lehnen Journalisten die von Journalisten der Konsumentenmagazine K-Tipp und «Saldo» eingereichte Volksinitiative «Pro Service Public» ab. Auch wenn es sachliche Gründe für ein Nein gibt, überrascht die eindeutige Positionsnahme. Damit bewegen sich die Medien im Gleichschritt mit Parlament, Parteien, Gewerkschaften und Verbänden. Haben die Journalisten den Draht zur Bevölkerung verloren, wo das Anliegen <a href="https://medienwoche.ch/2016/05/28/journalisten-gegen-journalisten/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/05/28/journalisten-gegen-journalisten/">Journalisten ohne Bodenhaftung?</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Fast ausnahmslos lehnen Journalisten die von Journalisten der Konsumentenmagazine K-Tipp und «Saldo» eingereichte Volksinitiative «Pro Service Public» ab. Auch wenn es sachliche Gründe für ein Nein gibt, überrascht die eindeutige Positionsnahme. Damit bewegen sich die Medien im Gleichschritt mit Parlament, Parteien, Gewerkschaften und Verbänden. Haben die Journalisten den Draht zur Bevölkerung verloren, wo das Anliegen zur Stärkung von Post, SBB, Swisscom grosse Sympathien geniesst?<br />
<span id="more-27421"></span><br />
«Der Schnauf geht aus: Kampagne gegen die Service-public-Initiative zeigt Wirkung», schrieb die Neue Zürcher Zeitung in ihrer gestrigen Ausgabe. Diese Kampagne haben aber nicht nur die Politiker geführt, die fast geschlossen eine Einheitsfront gegen die Volksinitiative bildeten, sondern auch die Medien. Als Beispiel die sich selbst als liberal verstehende NZZ; sie schreibt also auch über sich selbst.</p>
<p>Dass der Service public hierzulande früher viel schlechter war, das hat wohl tatsächlich nur Heinz Karrer von der Economiesuisse so in Erinnerung. In der Neuen Zürcher Zeitung vom 20. Mai 2016 erinnert er sich an eine konservative PTT, die Tastentelefonen misstraute und an SBB-Züge, die im Hochsommer zu «Backöfen» wurden. Heute dagegen sei das nicht mehr so: «All diese Verbesserungen ereigneten sich parallel mit der schrittweisen Liberalisierung von Post, SBB und Swisscom.» Mal naiv gefragt: Wäre der Fortschritt vielleicht auch so gekommen?</p>
<p>Als Liberaler habe ich selbstverständlich überhaupt nichts gegen Liberalisierungen. Privatunternehmen sollen alles übernehmen, was sie genau so gut ausführen können wie der Staat oder ein staatsnaher Betrieb. Die Furcht von Linken vor der Privatisierung rentabler Bereiche ist unberechtigt. Rentable Bereiche müssen privatisiert werden! Aber es besteht eben ein Anspruch des Schweizer Bürgers auf eine möglichst perfekt funktionierende und dennoch bezahlbare Infrastruktur – übrigens eines der Erfolgsgeheimnisse der Schweiz. Bei der Einschätzung der Qualität dieser Infrastruktur gibt es ganz offenbar Stimmbürger, die unzufrieden sind mit den aktuellen Zuständen.</p>
<p>Gegen verdreckte Züge, geschlossene Poststellen oder eine falsch ausgerichtete SRG wird diese Initiative auf kurze Frist nichts ausrichten, das sollte allen klar sein, die den Initiativtext gelesen haben. Doch auch wenn die Initiativbefürworter von den Medien als kleingeistige, dem Populismus verfallene Gruppe von Stänkerern dargestellt werden, denen nicht gewahr ist, dass sie in paradiesischen Zuständen leben, gibt es eben Stimmbürger, die finden, dass Angestellte staatsnaher Betriebe nicht mehr verdienen müssen als Staatsangestellte. Und die sich Service-Public-Betriebe wünschen, die einen echten Service Public liefern – und nicht sich unternehmerisch gebärdende Staatsbetriebe. Ob sie der Initiative zu einer Mehrheit verhelfen, wird sich am 5. Juni zeigen.</p>
<p>Explizit stark gemacht für «Pro Service Public» haben sich nur eine Handvoll liberale Journalisten: Zum Beispiel Roger Köppel in der Weltwoche oder Markus Somm in der Basler Zeitung. Die Zeiten, in denen sich populäre linke Journalisten wie ein Roger Schawinski im Kassensturz des Schweizer Fernsehens für die Konsumenten gegen die Grossbetriebe eingesetzt haben, sind offenbar vorbei. Die Neue Luzerner Zeitung und dann am Tag darauf auch der Tages-Anzeiger und der «Bund» <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/damit-hat-die-post-eine-grenze-ueberschritten/story/10788405">fragten immerhin</a>, ob es erlaubt sein soll, dass zwei Millionen Schweizer Haushalte eineinhalb Wochen vor der Abstimmung das Kundenmagazin der Post erhalten, in dem für die Ablehnung der Initiative geworben wird.</p>
<p>Gemäss der neusten <a href="http://www.gfsbern.ch/de-ch/Detail/vorabstimmungsanalyse-zur-eidg-abstimmung-vom-5-juni-2016-152">GfS-Umfrage im Auftrag der SRG</a> wollen 69 Prozent der grünen Wähler die Initiative annehmen und 48 Prozent der SP-Wähler. Eine ablehnende Mehrheit gibt es mit 54 Prozent nur bei den FDP-Wählern – eine Auswirkung der vielen Contra-Artikel in der NZZ? Einen Pro-Artikel habe ich keinen gefunden in dieser Zeitung. Die GfS-Umfrage erkennt einen «Elite/Basis-Konflikt: Während die politischen Eliten (Bundesrat, Parlament und Parteien) dem Vorhaben eine deutliche Abfuhr erteilt haben, steht das Stimmvolk hinter der Service-public-Initiative.»</p>
<p>Journalist Peter Salvisberg, der Kampagnenleiter der Initiative, wundert sich denn auch über die ablehnende Haltung der Journalisten, vor allem aber über ihr Desinteresse: «Drei Jahre lang interessiert sich niemand unsere Initiative, dann plötzlich springen alle auf. Wie gute Beobachter der Alltagssorgen der Bevölkerung sind Journalisten eigentlich?» Die <a href="http://www.srf.ch/sendungen/arena">SRF-«Arena»</a> bespricht die Initiative denn auch heute Abend, und das, obwohl sie sie bereits vor zwei Wochen schon mal besprochen hatte. Auch sonst hält sich Salvisberg, der in einigen Porträts durchaus wohlwollend dargestellt wurde, nicht zurück mit Kritik an den Medien. WOZ und «Beobachter» hätten ohne vorherige Konfrontation Vorwürfe verbreitet. In anderen Medien wurden Salvisbergs Aussagen entschärft, «wohl aus Angst, die Werbekunden zu verärgern», schliesslich seien Post, Swisscom und SBB gute Anzeigenkunden.</p>
<p>Argumente gegen die Initiative gibt es einige, am ehesten krankt sie an der unklaren Neuformulierung des Verfassungsartikels. Die Chancen eines «Ja» dazu schätze ich dennoch als intakt ein. Die <a href="http://servicepublic.ch/">Gegenkampagne</a> kommmt konservativ und erschreckend fantasielos in einer Art moderatem SVP-Stil der 1990er-Jahre daher. Und auch die im Bundesbüchlein abgedruckten Gegenargumente treffen nicht. Der Bundesrat lehnt die Initiative allen Ernstes ab, weil «die Vorgaben zu den Löhnen und Honoraren» für staatsnahe Betriebe «die Attraktivität der Unternehmen auf dem Arbeitsmarkt mindern». Zur Erinnerung: Gefordert wird, dass «die Löhne und Honorare der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieser Unternehmen nicht über denjenigen der Bundesverwaltung liegen». Als hätten sichere und gut entlöhnende Arbeitgeber wie der Staat, die Post oder die SBB irgendwelche Attraktivitätsprobleme auf dem Arbeitsmarkt. Der Service Public, also die staatsnahen Unternehmen, werden nicht geschwächt, wenn man sie auf ihre tatsächlichen Aufgaben zurückbindet. Sondern eben gestärkt. Diese Unternehmen haben in erster Linie einen öffentlichen Auftrag zu erfüllen. Wenn sie privat sein und eigenverantwortlich geschäften wollen, dann sollen sie auf Gebührengelder und Steuergelder verzichten und sich in der Marktwirtschaft bewähren – so ein Verzicht hätte Freiheit zur Folge: die Befreiung vom öffentlichen Auftrag.</p>
<p><small>Offenlegung: Ronnie Grob hat für die Volksinitiative «Pro Service Public» gestimmt, pflegt aber keine Verbindungen zu den Initianten.</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/05/28/journalisten-gegen-journalisten/">Journalisten ohne Bodenhaftung?</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Wenn Journalisten am eigenen Ast sägen</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/05/09/wenn-journalisten-am-eigenen-ast-saegen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 May 2016 08:16:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Medien beklagen sich regelmässig und völlig zurecht über die Kommunikationsverhinderung durch Verwaltung und Behörden. Nur: Das Know-How der Staatsangestellten stammt mehrheitlich von praktizierenden und ehemaligen Journalistinnen und Journalisten, welche die Gegenseite schulen. Wie die Recherche zeigt, ist das ein florierendes Geschäft. Ist es berufsethisch vertretbar, wenn Journalisten neben ihrer Hauptbeschäftigung Staatsangestellte trainieren, damit sie gegenüber <a href="https://medienwoche.ch/2016/05/09/wenn-journalisten-am-eigenen-ast-saegen/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Medien beklagen sich regelmässig und völlig zurecht über die Kommunikationsverhinderung durch Verwaltung und Behörden. Nur: Das Know-How der Staatsangestellten stammt mehrheitlich von praktizierenden und ehemaligen Journalistinnen und Journalisten, welche die Gegenseite schulen. Wie die Recherche zeigt, ist das ein florierendes Geschäft.<br />
<span id="more-27254"></span><br />
Ist es berufsethisch vertretbar, wenn Journalisten neben ihrer Hauptbeschäftigung Staatsangestellte trainieren, damit sie gegenüber den kritischen Fragen der Medien besser dastehen? Kein Problem, findet zum Beispiel Eva Novak, die Leiterin der Bundeshausredaktionen der Neuen Luzerner Zeitung und der Zentralschweiz am Sonntag. 2013 und 2014 liess sie sich vom Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) für zwei Medienseminare sowie einen Grundkurs Medienarbeit bezahlen (<a href="https://medienwoche.ch/2015/11/27/hoechste-bundeshausjournalistin-staerkt-behoerdenkommunikation/">die MEDIENWOCHE berichtete</a>). Das Ziel der Kurse war es, mit Kamera- und Interview-Trainings die Kommunikations- und Auftrittskompetenz der Verwaltungsangestellten zu verbessern sowie deren Verständnis für die Arbeitsweise und Bedürfnisse von Medienschaffenden zu fördern.</p>
<p>Kein Problem, findet auch ihr langjähriger Chef, der per Ende April zurückgetretene NLZ-Chefredaktor Thomas Bornhauser. Er wies auf die 80-Prozent-Teilzeitarbeit seiner Kadermitarbeiterin hin: «Frau Novak arbeitet bei uns als redaktionelle Teilzeitangestellte. Sie ist damit arbeitsrechtlich grundsätzlich frei in der Gestaltung ihrer weiteren beruflichen Tätigkeiten, soweit diese die Interessen ihres Arbeitgebers LZ Medien nicht tangieren.» Kein Problem, findet auch EDA-Sprecher Georg Farago: «Wir wollen betonen, dass Journalistinnen und Journalisten, die solche Mandate übernehmen, keinesfalls ihre Unabhängigkeit und Kritikfähigkeit gegenüber dem EDA oder der Bundesverwaltung verlieren. Weder verlangt das EDA von Ihnen Wohlwollen in der Berichterstattung noch erwartet es diese indirekt.»</p>
<p>Aber ist es wirklich kein Problem? Novak unterstützt die Verwaltung, die sie mit den Fragen der Öffentlichkeit konfrontieren sollte, darin, sich geschickter diesen Fragen zu widersetzen. Kann journalistisch glaubwürdig bleiben, wer der Gegenseite beibringt, wie man die Anfragen der eigenen Zunft am Besten ins Leere laufen lässt? Können die Leser von der NLZ und der ZaS kritischen Journalismus über die Behörden erwarten, wenn die Bundeshauschefin einen Teil ihres Einkommens von ihnen finanzieren lässt? Sehen die Journalisten in der Vereinigung der Bundeshaus-Journalisten (VBJ), der Novak als Präsidentin vorsteht, in ihr weiterhin eine Vertreterin der eigenen Interessen gegenüber der Bundesverwaltung? Und wenn diese Tätigkeiten so problemlos und unverfänglich sind, wie sie dargestellt werden, warum gibt es nur sehr wenige Journalisten, die mit dem Thema offen umgehen? Einer der wenigen ist Jacques Briod, der auf seiner Website <a href="http://jbcomm.ch/" target="_blank">jbcomm.ch</a> Journalismus, Kommunikation, Beratung und Medientraining anbietet – als gäbe es keinen grundlegenden Unterschied zwischen journalistischen und werblichen Tätigkeiten. 2012 schulte er zusammen mit der ehemaligen Radio- und Fernsehjournalistin Elisabeth Weyermann das Bundesamt für Polizei fedpol – das EJPD verbuchte den Betrag von 22&#8217;872 Franken.</p>
<p>Neben Novak war auch der Verantwortliche der Bundeshausredaktion der Tageszeitung «Le Temps», Bernard Wuthrich, für die Behörden tätig. 2013 erklärte er für 1000 Franken Honorar Mitarbeitern des BFS, was ein Journalist von einer Medienmitteilung erwartet. Ausserdem führte er für das EDA an fünf halben Tagen einen jeweils mit 700 Franken vergüteten Grundkurs Medienarbeit durch. Er wäre, so schreibt er auf Anfrage, für seinen Aufwand gerne nur mit einer Schachtel Pralinen oder einer Flasche Wein kompensiert worden, aber das sei leider nicht Usus bei der Bundesverwaltung: «Mein Ziel war, die Kursteilnehmer zu ermutigen, Fragen von Journalisten zu beantworten und nicht zu verweigern. Diese Engagements wurden im Einvernehmen mit meiner Chefredaktion durchgeführt und haben immer ein einziges Ziel verfolgt: die Interessen der Journalisten zu verteidigen.»</p>
<p>Jürg Rüttimann vom Tages-Anzeiger war 2013 Leiter der Wirtschaftsredaktion bei der SDA. Für 4500 Franken brutto unterrichtete er drei Kurstage über Medienarbeit und schulte Fachmitarbeiter des Bundesamts für Kultur (BAK) im Verfassen von Medienmitteilungen. Einen Interessenskonflikt mit seiner Arbeit als Journalist sieht Rüttimann deshalb keinen, weil die Behördenmitarbeiter in einem anderen Bereich tätig waren als er (Kultur statt Wirtschaft) – wäre das anders gewesen, hätte er das Angebot abgelehnt. Vermittelt wurde er über einen Bekannten eines Bekannten, weil noch deutschsprachige Kursleiter gesucht wurden. Im Budget des BAK tauchen die Kurstage mit 9000 Franken auf, verrechnet an die Weiterbildungsstelle der Universität Fribourg.</p>
<p>Das SRF hat die Problematik von Medientrainings durch Journalisten erkannt und gehandelt. Seit einem Geschäftsleitungsentscheid im Sommer 2012 dürfen SRF-Mitarbeiter keine Medientrainings mehr anbieten. Im entsprechenden Reglement heisst es: «Eine Tätigkeit als Medientrainer/in (Training von Interviews, Medienauftritten, Tipps für Medienarbeit) ist für Mitarbeitende von SRF aus Glaubwürdigkeitsgründen problematisch und mit ihrer beruflichen Funktion grundsätzlich nicht zu vereinbaren.» Der inzwischen pensionierte SRF-Journalist Thomas Kropf führte im Auftrag des MAZ ab 2012 jedes Jahr Kurse für Personen aus dem EJPD durch – das Departement listet einen Betrag von 14&#8217;000 Franken auf. Keine Medientrainings, vielmehr schulte Kropf EJPD-Juristen in einer regelmässig stattfindenden Schreibwerkstatt, die zu besser verständlichen Manuskripten für Reden von Bundesrätin Sommaruga führen sollte. Problematisch findet er das aus mehreren Gründen nicht: die Kursteilnehmer waren nicht im Kontakt mit Journalisten, er selbst hatte als Radio-Nachrichtenredaktor keinen Kontakt zu den Kursteilnehmern und vermittelt wurde nicht, wie man sich gegenüber Journalisten verhält, sondern nur die Erstellung eines verständlichen Redetextes. SRF-Mediensprecherin Andrea Wenger bestätigt seine Tätigkeiten für die Behörden: «Thomas Kropf war bis 2015 Teilzeit bei SRF in der Ausbildung und in der Chefredaktion Radio tätig und durfte damit Nebenbeschäftigungen nachgehen.»</p>
<p>Viele der Staatsbediensteten-Trainer sind ehemalige Journalisten: Noch letztes Jahr bildeten Christian Müller und Andreas Stutz die Chefredaktion der Zürcher Oberland Medien (ZOB) und verantworteten die Tageszeitungen «Zürcher Oberländer» und «Anzeiger von Uster». Jetzt sitzen sie in einer Villa in Uster und bieten speziell auf Behörden und Organisationen zugeschnittene Medientrainings an. Zum Pauschalpreis von 4400 Franken können staatliche Stellen bei der <a href="http://dimedio.ch/#seminare" target="_blank">Dimedio GmbH</a> für maximal 12 Personen ein Tagesseminar inklusive Vorbesprechung, Kursunterlagen und Zertifikat buchen. Daniel Deicher (Ex-Sonntagsblick) und Simon Kopp (Ex-SRF) im luzernischen Buchrain werben damit, besonders praxisnah zu sein: «<a href="http://www.deicherkopp.ch/de" target="_blank">Deicher | Kopp Kommunikation</a> arbeitet mit Fallbeispielen aus dem Umfeld Ihrer Organisation oder mit realen Medienmitteilungen und Kampagnen.» Die <a href="http://www.metacom.ch/" target="_blank">metacom GmbH</a> in Aarau wird geführt vom ehemaligen Kriegsreporter Beat Krättli und von der Ex-Videojournalistin Anna Muser und beschäftigt auch SRF-Journalisten, wie die SRF-Mediensprecherin auf Anfrage bestätigt: «Henriette Engbersen arbeitet 60 Prozent als Journalistin für die Tagesschau und darf damit Nebenbeschäftigungen nachgehen. Dasselbe gilt für Thomas Pressmann, der 80 Prozent für das Regionaljournal Bern, Freiburg, Wallis tätig ist. Beide gehen einer Nebenbeschäftigung in Nachdiplom- und Diplomstudiengängen in Krisenkommunikation nach. Die SRF-Journalisten unterstützen dort die Übungsleitung während Krisensimulationen. Hierbei geht es primär darum, den Studierenden aufzuzeigen, wie die Medien arbeiten und welche Bedürfnisse sie haben.» Für Dimedio, Deicher/Kopp und Metacom verbuchte das Staatssekretariat für Migration SEM im Zeitraum von 2013 bis 2015 62&#8217;800 Franken. Der Gesamtbetrag aller Medientrainings für den Staat ist natürlich viel höher, kann aber nicht offiziell beziffert werden.</p>
<p>Aufgrund der Integration der Medientrainingskurse der Zollverwaltung in das Kursangebot des Ausbildungszentrums der Bundesverwaltung (AZB) musste das Eidgenössische Personalamt (EPA) Ende März erstmals eine Ausschreibung auf Simap.ch publizieren (Projekt-ID 138216), denn der im Bundesgesetz über das öffentliche Beschaffungswesen Art. 6b festgesetzte Schwellenwert von 230&#8217;000 Franken für Dienstleistungen wurde überschritten. Wie im Aufgabenbeschrieb der Ausschreibung ersichtlich ist, geht es bei den (allen Mitarbeitern der Bundesverwaltung offenstehenden) Medientrainings um das Erlernen des Umgangs mit Journalisten: «Die Kurse zum Umgang mit Medien bereiten Mitarbeitende und Kader auf die Kommunikation mit den Medien in unterschiedlichen Situationen vor.» Wichtig scheint die Pflege des Images der Bundesangestellten zu sein: «Der professionelle Auftritt der Mitarbeitenden der Bundesverwaltung vor den Medien beinhaltet immer auch die Komponente der Imagepflege der Bundesverwaltung.» Noch bis zum 13. Mai 2016 können sich Medientrainer bewerben, die dem Anforderungsprofil entsprechen – darunter werden natürlich auch Journalisten sein. Das EPA rechnet von 2017 bis 2024 mit 144 Kurstagen auf Deutsch und 48 Kurstagen auf Französisch. Rechnet man mit dem Behördentraining-Tagessatz der Dimedio von 4400 Franken, so wären es rund 120&#8217;000 Franken pro Jahr, die das EPA einsetzen will, um Journalisten zu verstehen und um den eigenen Glanz zu pflegen.</p>
<p>Anders als beispielsweise in Deutschland, wo sich renommierte Journalistenschulen klar von der PR abgrenzen, wird Journalismus und PR in der Schweiz bereits in der Ausbildung vermischt. Im Institut für angewandte Medienwissenschaften IAM in Winterthur studieren künftige Journalisten und PR-Leute im modular aufgebauten Studium «Bachelor Kommunikation» Seite an Seite. Bereits hier werden Beziehungen aufgebaut, die danach für den kritischen Journalismus zum Problem werden können. Denn welcher Journalist möchte schon einem netten ehemaligen Schulkamerad mit einer Story ein grosses Problem einhandeln? Im PR-Sprech auf der Website des IAM klingt das freilich anders: «In der Ausbildung trainieren Sie von Anfang an, die Perspektiven nicht zu vermischen, sondern einander entgegen zu setzen und im Verlauf des Studiums zu profilieren.» Die Journalistenschule MAZ führt regelmässig Medientrainings durch und unterrichtet dabei auch Behörden. Die Kursleiter werden aus einem Pool von Medientrainern ausgewählt, die nach Angaben des MAZ allesamt keine aktive Journalistenfunktion inne haben. Umsätze gibt das MAZ keine bekannt, aber die «Kunden Kommunikation | Rhetorik» sind im Jahresbericht nachzulesen. 2015 waren zum Beispiel dabei: die Eidgenössischen Departemente EDA, WBF, VBS, EFD, die Bundesämter BLV, BBL, BFE, BAG, BSV, BFS, BAV, BABS, ARE, Baspo, Bafu, Astra, Swisstopo, Armasuisse, die Finma, Präsenz Schweiz, die Zollverwaltung. Weiter aufgeführt sind sechs Universitäten, fünf Stadtverwaltungen, fünf IV-Stellen, vier Gemeindeverwaltungen, vier Kantonspolizeien, zwei Stadtpolizeien, zwei Fachstellen. Und selbst die Medien brauchen Medientrainings: Die SRG ist genau so unter den Kunden wie die NZZ, die AZ Medien AG oder die BauernZeitung. Insgesamt nahm das MAZ 4,8 Millionen Franken netto durch Kursgelder ein; die Abteilung Kommunikation erwirtschaftete dabei erstmals mehr Umsatz als die Abteilung Journalismus.</p>
<p><small>Der Text erschien zuerst in gekürzter Form in der Zeitschrift «Schweizer Journalist».</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/05/09/wenn-journalisten-am-eigenen-ast-saegen/">Wenn Journalisten am eigenen Ast sägen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Mehr PR-Kritik, bitte!</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/03/14/mehr-pr-kritik-bitte/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 14 Mar 2016 13:21:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Irène Harnischberg]]></category>
		<category><![CDATA[Johann Schneider-Ammann]]></category>
		<category><![CDATA[Konsulenten]]></category>
		<category><![CDATA[parlament.ch]]></category>
		<category><![CDATA[Lobbyismus]]></category>
		<category><![CDATA[PR]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Alpiq]]></category>
		<category><![CDATA[Hirzel Neef Schmid]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Während sich die Medien- und Journalistenkritik im letzten Jahrzehnt eines Aufschwungs erfreuen konnte, wird die Arbeit hochbezahlter Kommunikationsstellen und -büros kaum je kritisiert. Das muss sich ändern. Gerade direkt und indirekt von Steuergeldern finanzierte PR-Leute benötigen mehr Kontrolle und Kritik durch die Öffentlichkeit. Ein Blick auf vier aktuelle Fälle aus der Praxis. Es ist ein <a href="https://medienwoche.ch/2016/03/14/mehr-pr-kritik-bitte/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/03/14/mehr-pr-kritik-bitte/">Mehr PR-Kritik, bitte!</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Während sich die Medien- und Journalistenkritik im letzten Jahrzehnt eines Aufschwungs erfreuen konnte, wird die Arbeit hochbezahlter Kommunikationsstellen und -büros kaum je kritisiert. Das muss sich ändern. Gerade direkt und indirekt von Steuergeldern finanzierte PR-Leute benötigen mehr Kontrolle und Kritik durch die Öffentlichkeit. Ein Blick auf vier aktuelle Fälle aus der Praxis.<br />
<span id="more-26901"></span><br />
Es ist ein erfreuliches Novum. In den letzten Wochen gaben in den Medien gleich mehrere Fälle aus der Kommunikationsbranche zu reden:</p>
<p><strong>Die Kommunikationsberatung von Johann Schneider-Ammann</strong><br />
«Vorgeführt!» worden sei Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann von seinen Kommunikationsleuten, lautete das <a href="http://www.blick.ch/news/politik/wie-berater-johann-schneider-ammann-global-zum-gespoett-machen-vorgefuehrt-id4794955.html">Urteil von Peter Hossli im Sonntags-Blick</a>. «Komplett versagt» gar habe die Kommunikation in diesem Fall, <a href="http://www.20min.ch/schweiz/news/story/13105560">fand Peter Rothenbühler</a>. In der Kritik, den Wirtschaftsminister mit einem <a href="https://www.rts.ch/play/tv/allocutions-declarations/video/allocution-de-johann-schneider-ammann-president-de-la-confederation?id=7549928">Video zum Tag der Kranken</a> in eine lächerliche Situation gebracht zu haben, steht vor allem Noé Blancpain, Informationschef des Kommunikationsdiensts des Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF). Zum <a href="https://www.wbf.admin.ch/wbf/de/home/dokumentation/dienstleistungen/dienstleistungen-wbf/zugang-zu-amtlichen-dokumenten.html">Team</a> von Blancpain gehören die beiden langjährigen Pressesprecher Evelyn Kobelt und Erik Reumann sowie die Ex-Journalistin Irène Harnischberg, die bis 2014 als Ringier-Politikredaktorin gearbeitet hatte. In der Kommunikationsberatung brauche es «eine solide Vorbereitung und ehrliche Feedbacks», <a href="http://www.wahlkampfblog.ch/was-man-von-bundespraesident-schneider-ammanns-peinlichem-auftritt-lernen-kann/">findet</a> etwa Politikberater Mark Balsiger – beim Videodreh zum Tag der Kranken scheint das nicht stattgefunden zu haben. Wer glaubte, dass sich die WBF-Kommunikationsleute wenigstens im Nachhinein ihrer Verantwortung stellen, sah sich getäuscht. «Wir hätten strenger sein sollen», <a href="http://www.blick.ch/news/schweiz/die-welt-lacht-sich-krank-ueber-schneider-ammanns-rede-das-sagen-die-berater-wir-spuerten-ein-heikles-unterfangen-id4784190.html">verlautbarten sie</a>, als wäre der Minister ein ungezogener Schüler. Bundesrat Schneider-Ammann hatte auch vorher schon keine glückliche Hand bei der Auswahl seines Kommunikations- und Beraterstabs. Sein früherer Sprecher Ruedi Christen kam bereits angeschlagen wegen seines Verhaltens <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Aktiver-Mitspieler-im-Fall-Borer-wird-Sprecher-von-SchneiderAmmann/story/21258002">in der Affäre um Botschafter Thomas Borer</a>. Bei Schneider-Ammann agierte er glücklos und musste gehen.</p>
<p><strong>Hirzel Neef Schmid Konsulenten</strong><br />
Das <a href="https://etwasanderekritik.files.wordpress.com/2016/03/alpiq_konzept.pdf">«Public Affairs Konzept 2016»</a>, ausgeheckt von der PR-Firma für den Stromkonzern Alpiq, empörte nach einem <a href="http://bazonline.ch/schweiz/standard/alpiq-will-too-big-to-fail-werden/story/13803131">Bericht von Dominik Feusi in der Basler Zeitung</a> viele: Um politischen Druck zu erzeugen, soll der finanziell angeschlagene Konzern als «too big to fail» dargestellt werden und so entweder verstaatlicht oder stark subventioniert werden. Via Verbände sollen Forschungsaufträge an ETH, EPFL, HSG und Juristen erteilt und finanziert werden, deren Stossrichtung dann auf Nachfrage durch die Alpiq selbst bestätigt werden soll. Die Medien sollen die Rolle von «Supportern» spielen, die «Politiker als Helden ins Zentrum stellen». Autor des Papiers ist der Lobbyist Dominique Reber. Einen <a href="http://www.srf.ch/play/tv/tagesschau/video/lobbying-fuer-die-verstaatlichung-von-akw?id=9f269afc-d42f-4708-ab79-aa25a643a1b2&amp;startTime=0">Bericht der SRF-Tagesschau</a> dazu kommentierte die Agentur <a href="https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=1251457871548249&amp;id=359297660764279">mit den Worten</a>: «Kleine Neider beleben das Leben. Wer das Papier wirklich liest, weiss dass wir richtig gehandelt haben». <strong>Nachtrag</strong>, 14. März 2016, 16 Uhr: Nachdem auch Watson.ch zu diesem Facebook-Eintrag <a href="https://www.watson.ch/!765490779">etwas schrieb</a>, machte die Agentur Krisenkommunikation in eigener Sache – und nahm gleich die komplette eigene Facebook-Seite offline.</p>
<p><strong>Die Kommunikation von itsystems AG, Namics und DTI</strong><br />
Nach dem millionenteuren Relaunch von Parlament.ch – ein gemäss <a href="http://www.itsystems.ch/wp-content/uploads/Relaunch-parlament.ch-Medienmitteilung-der-itsystems-AG-und-Namics.pdf">Medienmitteilung</a> «wegweisendes Projekt der Parlamentsdienste unter der Federführung des IT- Dienstleisters itsystems AG in Zusammenarbeit mit Namics und DTI» – ärgerten sich Politiker, Journalisten und Bürger über Unzulänglichkeiten der Website und über tote Links, <a href="https://medienwoche.ch/2016/02/22/die-totlink-produzenten-vom-dienst/">die MEDIENWOCHE berichtete zuerst</a>. Während die Parlamentsdienste zeitnah, transparent und in der gebotenen Ausführlichkeit informierten, schwiegen die Firmen, die den Auftrag ausführten. Und das, obwohl sie ihre Mitarbeit am Relaunch in veröffentlichten Medienmitteilungen priesen und natürlich auch Kontaktpersonen nannten für Medienanfragen. Sebastian Pastuschek von Namics antwortete auf die Anfrage der MEDIENWOCHE, er werde Feedback einholen und sich wieder melden. André Heymann von IT Systems schrieb lediglich zurück, er habe die Anfrage an die Parlamentsdienste weitergeleitet. Beide meldeten sich nicht wieder.</p>
<p><strong>Die Ringier-Kommunikationsabteilung</strong><br />
Der Blick.ch-Artikel «‹Steuererleichterungen gehen zu wenig weit›: Kanton Zürich vergrault Start-ups» ist nicht mehr verfügbar, <a href="http://tsri.ch/zh/wie-der-blick-seine-eigenen-journalisten-zensiert/">er wurde gelöscht</a>. Weshalb? <a href="http://sonntagszeitung.ch/read/sz_13_03_2016/fokus/So-wichtig-ist-Walder-der-Blick-58081">Barnaby Skinner von der «Sonntagszeitung» schreibt</a>, Ringier-CEO Marc Walder habe der Chefredaktion ein SMS geschrieben: «Der Artikel müsse weg.» Skinners Erkundigungen bei Ringier ergaben dieses Resultat: «Die Redaktion wollte keine Stellung nehmen und verwies an die Medienstelle. Diese gab an, der Ringier-CEO habe Besseres zu tun, als sich um ‹Blick›-Artikel zu kümmern.» Wer den zweiten Satz genau liest, merkt sofort, dass das gar kein Dementi ist, sondern eine allgemeingültige, vage Aussage, die sich auf alles Mögliche beziehen könnte. Eine erneute Nachfrage an die Ringier-Medienstelle mit der Bitte um die Aufklärung der Sachlage zum SMS von Walder blieb unbeantwortet.</p>
<p><strong>Fazit</strong><br />
«Keine Gegendarstellung von der Wissenschaft oder von Medienschaffenden, dass sie sich nicht derart instrumentalisieren lassen, kein Aufschrei von Parlamentarierinnen und Parlamentariern, dass sie als Marionetten der Spin-Doktoren vorgeführt werden», notiert Andreas Von Gunten in einem <a href="https://andreasvongunten.com/blog/das-alpiq-strategiepapier-zeigt-vor-allem-wie-verwerflich-die-public-affairs-branche-vorgeht/">Blogbeitrag zum Alpiq-Strategiepapier</a>. Er fordert, «dass wir eine Debatte über die ethischen Grundlagen der politischen Öffentlichkeitsarbeit führen, denn offenbar scheinen sich die Medienschaffenden, die Volksvertreter und die Wissenschafter bereits daran gewöhnt zu haben, dass die Politik so funktioniert. Keine Empörung weit und breit.»</p>
<p>Man kann da Von Gunten nur beipflichten. Wer unter den Journalisten ein echtes Interesse hat an einer kritischen Öffentlichkeit, muss die bezahlte Öffentlichkeitsarbeit demaskieren – gerade dann, wenn es auch um Steuergelder des Bürgers geht. Dass Journalisten im Dienste der Wahrheit immer schlechter bezahlt werden und immer genauer unter die Lupe genommen werden, ist ein Fakt. Aber muss es denn sein, dass Kommunikationsarbeiter immer besser bezahlt werden, ihre teilweise die Öffentlichkeit täuschende und manipulierende Arbeit jedoch von der Öffentlichkeit unbeachtet bleibt?</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/03/14/mehr-pr-kritik-bitte/">Mehr PR-Kritik, bitte!</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>«Der Sport hat nichts Politisches»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/01/14/der-sport-hat-nichts-politisches/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 14 Jan 2016 13:43:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gespräche]]></category>
		<category><![CDATA[Sportjournalismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Seit zehn Jahren ist Stefan Osterhaus Sportkorrespondent der NZZ in Deutschland. Im MEDIENWOCHE-Interview spricht der Bundesliga-Fachmann über seine Lieblingsspieler, über Sepp Blatter und die Fifa und über den Fussball als Pseudowissenschaft und Unterhaltungsindustrie. Ich treffe Stefan Osterhaus abends in einer Pizzeria in Berlin Neukölln. Osterhaus, grossgewachsen und mit sonorer Stimme, sieht etwas aus wie eine <a href="https://medienwoche.ch/2016/01/14/der-sport-hat-nichts-politisches/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Seit zehn Jahren ist Stefan Osterhaus Sportkorrespondent der NZZ in Deutschland. Im MEDIENWOCHE-Interview spricht der Bundesliga-Fachmann über seine Lieblingsspieler, über Sepp Blatter und die Fifa und über den Fussball als Pseudowissenschaft und Unterhaltungsindustrie.<br />
<span id="more-26419"></span><br />
<em>Ich treffe Stefan Osterhaus abends in einer Pizzeria in Berlin Neukölln. Osterhaus, grossgewachsen und mit sonorer Stimme, sieht etwas aus wie eine Kreuzung zwischen Ulli Potofski und Kai Diekmann. Er formuliert mit grosser Mühelosigkeit und bringt auch noch die kompliziertesten Sätze korrekt zu ihrem Ende. Seine geschriebenen Texte fallen auf, weil sie nicht nur sprachlich elegant daherkommen, sondern auch auf ein grosses Hintergrundwissen schliessen lassen. Besonders gelungen sind die von ihm verfassten Porträts von Fussballspielern. Hier einige zur Auswahl:</em></p>
<p><a href="http://www.nzz.ch/sport/fussball/die-freiheit-nahm-er-sich-1.18611208">«Franz Beckenbauer wird 70: Die Freiheit nahm er sich»</a><br />
(11. September 2015)<br />
<a href="http://www.nzz.ch/sport/wm-2014/narziss-und-goldschuh-1.18337126">«Der Schlüsselspieler Arjen Robben: Narziss und Goldschuh»</a><br />
(5. Juli 2014)<br />
<a href="http://www.nzz.ch/sport/fussball/klopp-der-narziss-und-vollmund-1.18190740">«Jürgen Klopp, der Narziss und Vollmund»</a><br />
(23. November 2013)<br />
<a href="http://www.nzz.ch/sport/fussball/heller-don-osram-nie-strahlte-1.18084964">«Jupp Heynckes – eine Würdigung: Don Osram strahlte nie heller»</a><br />
(22. Mai 2013)</p>
<p><strong>Sie sind von Berlin aus für die NZZ tätig. Wie arbeiten Sie, wenn zum Beispiel an einem Dienstagabend ein Champions-League-Spiel mit Verlängerung ansteht und am Mittwoch ein Spielbericht in der NZZ stehen muss?</strong><br />
Bei grossen Spielen wenn möglich immer im Stadion auf der Pressetribüne, und da bedeutet Verlängerung, dass nur noch wenige Augenblicke nach dem Schlusspfiff bleiben, um den Text fertig zustellen. Manchmal sind wir auch aufmerksame Zuschauer am TV. Ich versuche, wenigstens jedes zweite Wochenende im Stadion zu sein, einfach auch, um Mannschaften besser einschätzen zu können. Wie verteidigt Mannschaft X, wie greift Mannschaft Y an – das sieht man nur im Stadion.</p>
<p><strong>In den Medien werden die Offensivspieler oft viel stärker wahrgenommen als die Defensivspieler &#8211; warum?</strong><br />
Die Wertschätzung der Defensivspieler ist letzten Jahren grösser geworden. Aber es ist eben sehr viel schwieriger, die Qualitäten eines Defensivspielers zu erkennen. Man muss dazu konzentriert zuschauen, denn das Zulaufen einer Lücke zur Verhinderung eines Passes oder einer Chance ist eben sehr unspektakulär. Wahrgenommen vom Defensivpersonal der Bundesliga wurde in den letzten Jahren vor allem Mats Hummels von Borussia Dortmund, ein lässiger, aber auch spektakulärer Defensivspieler, der schon mal mit einem 40-Meter-Pass die Offensive in Szene setzt. So einer kann besser aussehen als ein Verteidiger ohne Offensivdrang. Jerome Boateng von den Bayern, für mich der beste Abwehrspieler der Gegenwart, wurde von den Medien erst richtig gefeiert, nachdem er mit zwei langen Pässen ein Spiel gegen Borussia Dortmund entscheiden konnte.</p>
<p><strong>Wie sind Sie zum Spezialgebiet Bundesliga gekommen? </strong><br />
Bis 2005 war ich Redaktor bei der Berliner Zeitung. Dann wechselte mein Vorgänger Martin Hägele in die Auslandvermarktung des FC Bayern München. So wurde ich sein Nachfolger.</p>
<p><strong>Sie schreiben seit 1997 für die NZZ über Sport. Und seit zehn Jahren über die Bundesliga, als Sportkorrespondent der NZZ in Deutschland. Ist Ihnen noch nie öde geworden dabei?</strong><br />
Nein, der Fussball von 2005 ist ein anderer als der von 2016. Die Entwicklung des Spiels ist interessant genug, dass es einem kaum langweilig werden kann. Natürlich gibt es auch altbekannte Rituale wie Trainerwechsel: Erst das Dementi, dann das Aussprechen der Nibelungentreue, am Ende der Dolchstoss.</p>
<p><strong>Ist die Bundesliga nicht so etwas wie die Lindenstrasse für Männer, also eine Art Soap-Opera mit vielen altbekannten Darstellern, die gemeinsam Woche für Woche an der Fortsetzung eines Dramas stricken?</strong><br />
Die Bundesliga scheint vor allem durch die Erfolge des deutschen Nationalteams für Frauen interessanter geworden zu sein, jedenfalls sehe ich mehr Frauen im Stadion. Generell halte ich viel davon, die Bundesliga nicht nur als Sport zu begreifen, sondern auch als Teil der Unterhaltungs-, also auch der Kulturindustrie. Der Fussball erfüllt hier alle wesentliche Merkmale, wenn Sie so wollen eine Soap mit Wettbewerbscharakter.</p>
<p><strong>Wie wahren Sie die Distanz zu den Objekten der Berichterstattung?</strong><br />
Wenn man ihre Aussagen und Handlungen hinterfragt, wird zwangsläufig eine Distanz hergestellt: Vor kurzem etwa erzählte der Dortmunder Trainer Thomas Tuchel, er hätte sich überlegt, seinen Spieler Mats Hummels nun doch aufzustellen im letzten Bundesligaspiel, und das, obwohl er es eigentlich wollte – damit nicht eine Diskussion über die Fehler von Hummels entsteht. Sowas ist Dialektik für Fortgeschrittene.</p>
<p><strong>Melden sich auch mal Fussballer, die nicht zufrieden sind mit der Berichterstattung?</strong><br />
Jürgen Klopp beispielsweise hat Journalisten sowohl in Mainz als auch in Dortmund immer sehr unmittelbar Feedback gegeben, und das auch nicht immer freundlich, was ich sehr erfrischend finde. Mit ihm war es ein Geben und Nehmen, von dem beide Seiten profitiert haben. Die Wahrscheinlichkeit einer Rückmeldung ist dann am grössten, wenn man etwas schreibt, das sich deutlich von der Mehrheitsmeinung abhebt. Für die Spieler spielt Print heute nicht mehr so eine grosse Rolle. Sie versuchen vor allem über Twitter, ihre Interessen zu lancieren.</p>
<p><strong>Wie unterscheidet sich die NZZ von anderen Zeitungen?</strong><br />
Sie gibt einem den Rahmen, auch mal ins Detail gehen zu können – ich empfinde das als Privileg. Im Gegensatz zu deutschen Zeitungen kann sie in vielen Fragen, die den deutschen Fussball betreffen, zurückgelehnter sein.</p>
<p><strong>Ein <a href="http://www.nzz.ch/sport/wm-2014/narziss-und-goldschuh-1.18337126">Porträt über Arjen Robben</a> begannen Sie mal mit den Worten: «Aus der Ferne sieht er ein wenig mechanisch aus. Seine Arme sind angewinkelt, sie wirken wie die Pleuelstange einer Dampflokomotive, die gerade Fahrt aufnimmt. Andere erinnert er an Soldaten, die im Stechschritt marschieren, wenn er über das Feld eilt.»</strong><br />
Robben ist kein eleganter, aber ein technisch sehr beschlagener, effizienter, in seiner Art soldatisch wirkender Spieler. Er wirkt mechanisch, aber ein Arbeiter ist er nicht, dazu ist er viel zu kreativ. Ein Arbeiter ist etwa Javi Martinez, ein Defensivspieler der Bayern. Robbens technische Möglichkeiten sind riesig. Bei ihm hat man immer das Gefühl, es könnte jederzeit etwas aus seinem Körper herausbrechen, das noch grossartiger ist. Für mich war er bei der WM 2014 der beste Spieler überhaupt.</p>
<p><strong>Haben Sie einen Lieblingsverein?</strong><br />
Ich habe zwar gewisse, aus der Jugend stammende Sympathien für Borussia Mönchengladbach, aber ich bin weit entfernt davon, mich als Fan irgendeiner Mannschaft zu bezeichnen. Ich bin ein Liebhaber des Spiels, nicht eines bestimmten Vereins.</p>
<p><strong>Und einen Lieblingsspieler?</strong><br />
Mein Lieblingsspieler der Gegenwart ist der defensive Mittelfeldspieler Sergio Busquets vom FC Barcelona, ein Stratege, wie ich ihn bisher nicht gesehen habe. Er ist unglaublich effektiv und beherrscht das Pass- und Stellungsspiel sowie die Organisation einer Mannschaft wie kein anderer. Der spanische Nationaltrainer Vicente del Bosque hat einmal gesagt: «Wenn ich wieder auf die Welt komme als Fussballer, dann möchte ich Sergio Busquets sein.» Unter den Spielgestaltern gefällt mir auch Toni Kroos, der in Deutschland lange verkannt wurde: «Der macht sich nicht schmutzig», sagte man über ihn. Warum sollte er auch? Er ist ein eleganter, intelligenter Spieler, der muss nicht den Platz umpflügen. Ganz vorne mag ich die Leichtigkeit von Neymar, der oft wie eine Feder auf dem Platz zu schweben scheint – ihm zuzusehen ist ein ästhetisches Vergnügen. Als Torhüter muss man Manuel Neuer nennen, der das Torwartspiel auf eine gewisse Weise neu erfunden hat.</p>
<p><strong>Und wenn Sie etwas weiter zurückblicken?</strong><br />
Die Leichtigkeit von Franz Beckenbauer ist unerreicht. Seine Art, das ganze Leben mit dem Aussenrist zu spielen, hat mich immer beeindruckt. Die Lässigkeit, mit der er gegnerische Angriffe abfing, und auch seine Körperlosigkeit – das hat es danach nie wieder gegeben. Auch er war einer, der sich nie schmutzig gemacht hat und es immer verstanden hat, sich ein Milieu zu schaffen, das ihm die Unannehmlichkeiten vom Leibe hielt. Seine Lebenstüchtigkeit besteht darin, zu wissen, auf wen er sich verlassen kann. Und dann natürlich Günter Netzer, der im direkten Vergleich mehr von seiner Athletik lebte. Er hatte ein grosses Gespür für Theatralik, zelebrierte seine Freistösse. Und er konnte im deutschen Fussball etwas die Fassade der Biederkeit aufbrechen: Einen Fussballer, der Ferrari fuhr und eine Disco in Mönchengladbach besass, hatte es zuvor nicht gegeben. Bemerkenswert ist, dass diese beiden EM-Sieger von 1972 nun auch im Zuge des Skandal um WM-Vergabe an Deutschland genannt wurden: Der eine, Netzer, spielt den Chauffeur für die Granden vom Organisationskomitee, der andere unterschreibt blanko alles, was man ihm vorlegt.</p>
<p><strong>Waren die Enthüllungen rund die WM-Vergabe nach Deutschland für Sie überraschend?</strong><br />
Überhaupt nicht. Ich wundere mich eher darüber, dass so viele geglaubt haben, dass die WM-Vergabe nach Deutschland ganz anders abgelaufen sein soll als WM-Vergaben davor. Die Diskussion dazu in den Medien fand ich etwas hysterisch, eine Art Selbstgeisselung: Jetzt soll das «Sommermärchen» plötzlich entwertet worden sein? Wer damals begeistert war, dessen Erinnerung ist doch nicht getrübt, wenn er nun weiss, dass irgendwelches Geld auf irgendwelche Konten geflossen ist. Wohin, das wissen wir ja immer noch nicht. Aber man darf nicht vergessen, dass die WM 2006 für die Deutschen weit über den Fussball hinaus sehr wichtig war. Die Sonne schien über sechs Wochen, Deutschland wurde von der Welt als ein guter Gastgeber wahrgenommen, alles schien prima. Keine Imagekampagne, wäre sie auch noch so teuer gewesen, hätte bewerkstelligen können, was diese Weltmeisterschaft für das Land erreicht hat.</p>
<p><strong>Wie nehmen Sie den kürzlich suspendierten Fifa-Präsidenten Sepp Blatter wahr? Er hat ja den Fussball von einer Kirchenmaus zu einem Milliardär gemacht, was durchaus auch viele positive Auswirkungen hatte.</strong><br />
Die Verdienste der Fifa und von Sepp Blatter sind in den Diskussionen dazu immer untergegangen, was ich ein wenig ungerecht finde. Natürlich kommt es in so einer grossen Organisation immer auch zu Reibungen und auch zu Unsauberkeiten. Viele glauben ja, die Fifa sei eine multinationale Organisation mit über 200 weisungsgebundenen Dependancen. Doch das sind sie nicht: Es sind autonome Nationalverbände, die ein Eigenleben führen. Wir sehen das doch auch bei der UNO, dort funktioniert auch nicht immer alles problemlos. Gemessen daran glaube ich, dass Blatter über viele Jahre einen schwierigen Job gut gemeistert hat, die Fifa ist prosperiert unter seiner Führung. Es ist Blatter, der den Fussball zu einem globalen Phänomen gemacht hat, weg von der Dominanz der Europäer und der Südamerikaner. Auch die Förderung des Fussballs in Afrika hat er wesentlich vorangetrieben. Bei aller berechtigten Kritik an Blatter wurde er, gerade in deutschen Medien, übermässig dämonisiert.</p>
<p><strong>Ist es richtig, dass die Öffentlich-rechtlichen Millionenbeträge ausgeben für Sportübertragungen?</strong><br />
Grundsätzlich habe ich nichts dagegen. Aber ich weiss nicht, woher der Anspruch kommt, dass Öffentlich-rechtliche diese übertragen sollen.</p>
<p><strong>Aus welchen Medien abseits der NZZ informiert sich der geneigte Fussball-Fan am Besten?</strong><br />
Der «Kicker» ist als Fachmagazin unerlässlich. Ab und zu sollte man mal einen Blick in das Blog <a href="http://spielverlagerung.de/">Spielverlagerung</a> riskieren – da sind ein paar Fussballnerds mit grosser Leidenschaft zugange.</p>
<p><strong>Spielen Sie selbst Fussball?</strong><br />
Ich war Torwart früher, mittlerweile spiele ich nur noch selten. Das Knie.</p>
<p><strong>Gibt es Doping im Fussball?</strong><br />
Selbstverständlich. Es ist ein Graubereich, der ungern illuminiert wird.</p>
<p><strong>Sind die Beine von Roberto Carlos also auf unnatürliche Art so dick?</strong><br />
Solche Beine kriegt man auch mit Doping nicht hin, das ist Veranlagung. Karl-Heinz Rummenigge und Gerd Müller hatten übrigens auch solche unglaublich muskulösen Beine.</p>
<p><strong>Wie gut ist der Schweizer Fussball? </strong><br />
Ziemlich gut. Die Schweizer stellen derzeit die grösste Gruppe unter den Bundesliga-Legionären.</p>
<p><strong>Wer ist aktuell der beste Fussball-Kommentator?</strong><br />
Ich höre lieber die Live-Reportage am Radio. Der beste TV-Kommentator ist für mich immer derjenige, der am wenigsten sagt – das Bild ist ja da. Er soll nur jene Informationen liefern, die sich mir nicht vom Augenschein her erschliessen.</p>
<p><strong>Was für Wendungen sollte jemand, der über Fussball schreibt, vermeiden?</strong><br />
«Umschaltspiel», «abkippende Sechser», «Chancen liegen lassen» oder «die Bälle durchstecken» muss man nicht schreiben.</p>
<p><strong>Die Einschätzung der Taktik nimmt in den Medien heute viel Raum ein. Zurecht?</strong><br />
Manche Medienschaffende übernehmen gerne diese eigenartige technokratischen Sprache der neuen Trainergeneration und versuchen so eine Art Pseudowissenschaft aus dem Fussball zu machen. Ich plädiere dafür, den Fussball als das zu sehen, was er ist: Ein Hochleistungssport. Ein Teil der Unterhaltungsindustrie. Und für die Fans eine Religion im säkularen Zeitalter. Der Medienkonsument sieht heute viele Tabellen und Statistiken über Ballbesitz, angekommene Pässe oder gewonnene Zweikämpfe, die für das Ergebnis oft irrelevant sind. Für manche Leute scheinen diese Zahlen wichtig zu sein – und zwar bei der Suche nach Gewissheiten in einem Spiel, in dem oft der Zufall über Erfolg und Misserfolg entscheidet.</p>
<p><strong>Was ist denn wichtiger?</strong><br />
Die Wahl des Sportdirektors, der die Transferpolitik verantwortet, also neue Spieler und neue Trainer holt, ist für den Erfolg viel entscheidender – und dennoch sind diese Schlüsselpositionen auch heute noch oft von Dilettanten besetzt.</p>
<p><strong>Jene, die im Fussball das Geschäft sehen (müssen), reden nochmals ganz anders über Fussball.</strong><br />
Sprachlich bemerkenswert ist doch, dass Fussball-Funktionäre wie Hans-Joachim Watzke oder Karl-Heinz Rummenigge neuerdings wie schlechte Politiker sprechen. Durch diese Staatssekretärsdiktion entsteht ein falscher Eindruck, zum Beispiel, der Sport sei politisch. Dabei hat der Sport nichts Politisches. Er ist allenfalls ein Vehikel zum Erreichen eines Ziels, das sehen wir im Extremfall bei Terrorakten in Sportstadien. Im Kern jedoch ist er unpolitisch.</p>
<p><strong>Das sehen aber einige Journalisten anders als Sie.</strong><br />
Denen empfehle ich, die Begriffe mal durchzudenken. Keiner wird wegen des Fussballs oder wegen eines Olympiaboykotts einen Krieg riskieren – und als Wirtschaftsfaktor ist die Bundesliga zu klein, um wirklich relevant zu sein. Damit hat sich das Politische erübrigt. Sport dient &#8211; wenn schon &#8211; eher dazu, Konflikte zu entschärfen. Und mal im Ernst: Von welchem der aktuellen Bundesliga-Fussballer erwarten Sie denn eine politische Aussage? Das sollten besser jene tun, deren Aufgabe es ist. Andererseits ist es aber wichtig, dass sich Sportler an die Öffentlichkeit wenden, wenn sie persönlich eine Diskriminierung erfahren haben, so wie es Kevin-Prince Boateng in Mailand getan hat. Aber Fussballer und Sportfunktionäre als Ersatzpolitiker oder Diplomaten im Trainingsanzug? So ein Laientheater braucht es wirklich nicht.</p>
<p><small>Das Gespräch mit Stefan Osterhaus fand am 2. Dezember 2015 in Berlin statt.</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/01/14/der-sport-hat-nichts-politisches/">«Der Sport hat nichts Politisches»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Gefährliche Lockrufe an die krisengeschwächten Verleger</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/01/11/gefaehrlicher-lockrufe-an-die-krisengeschwaechten-verleger/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 11 Jan 2016 13:54:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Verleger]]></category>
		<category><![CDATA[Roger De Weck]]></category>
		<category><![CDATA[Kooperation]]></category>
		<category><![CDATA[NZZ]]></category>
		<category><![CDATA[SRG]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>SRG-Generaldirektor Roger de Weck ködert die durch den Medienwandel geschwächten Schweizer Verleger mit elf Angeboten und verspricht im Gegenzug Einkünfte ohne Bedingungen. Die Unternehmer sollten dem schnellen Geld widerstehen. Denn am Ende des Vereinnahmungsprozesses mit öffentlichem Geld steht ihre Auflösung, das Verschwinden des Privaten auf Kosten des Öffentlichen. Was Mark Zuckerberg kann, das kann ich <a href="https://medienwoche.ch/2016/01/11/gefaehrlicher-lockrufe-an-die-krisengeschwaechten-verleger/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>SRG-Generaldirektor Roger de Weck ködert die durch den Medienwandel geschwächten Schweizer Verleger mit elf Angeboten und verspricht im Gegenzug Einkünfte ohne Bedingungen. Die Unternehmer sollten dem schnellen Geld widerstehen. Denn am Ende des Vereinnahmungsprozesses mit öffentlichem Geld steht ihre Auflösung, das Verschwinden des Privaten auf Kosten des Öffentlichen.<br />
<span id="more-26453"></span><br />
Was Mark Zuckerberg kann, das kann ich schon lange, wird sich Roger de Weck gesagt haben. Der Facebook-CEO offeriert nämlich seit einiger Zeit Verlegern weltweit <a href="https://instantarticles.fb.com/">«Instant Articles»</a>. Das Konzept ist in etwa auch das, was YouTube offeriert: Überwindet man sich, die Kontrolle über den Inhalt fast vollständig abzugeben, erhält man dafür Verbreitung und Werbeeinnahmen &#8211; über die man auch keine Kontrolle hat.</p>
<p>=&gt; <a href="https://medienwoche.ch/2016/01/11/mit-dem-ruecken-zur-wand-in-den-vorwaertsgang/">Warum kommt das Angebot der SRG jetzt?</a></p>
<p>«Kooperationen, um einander zu stärken und Marktanteile zu halten», heisst die «zukunftsweisende Alternative», welche de Weck den Verlegern offeriert. Im Gastbeitrag <a href="http://www.nzz.ch/feuilleton/medien/elf-angebote-der-srg-an-die-verleger-ld.4073">«Elf Angebote der SRG an die Verleger»</a> in der NZZ fordert der SRG-Generaldirektor, den «anachronistischen Grabenkampf zwischen privaten Medienhäusern und dem öffentlichen Medienhaus SRG SSR» zu beenden.</p>
<p>Keine Frage, nicht jede Kooperation zwischen Privaten und Öffentlichen ist des Teufels, eine punktuelle Zusammenarbeit macht durchaus Sinn. Aber was passiert wohl, wenn sich die Privaten in der grössten Ertragskrise ihrer Geschichte mit dem Milliardengigant SRG ins Bett legen? Eine Weile lang wird es ihnen gut ergehen. Sie werden die schlimmsten Verluste ausgleichen können und sich vorerst halten können.</p>
<p>Auf längere Frist aber versteht der Konsument, was es geschlagen hat: Was draufsteht, ist nicht mehr drin. <a href="https://medienwoche.ch/tag/newsnet/">Newsnet</a>, ein Vehikel, das Tamedia gegründet hatte, um im Internet Geld zu verdienen, ist ein gutes Beispiel: die DNA der kleineren der beteiligten Zeitungen wurde aufgelöst, von der Öffentlichkeit wird Newsnet mittlerweile mehrheitlich als Online-Ausgabe des Tages-Anzeigers wahrgenommen. Wenn die Privaten die von Steuergeldern finanzierten SRG-Inhalte annehmen, dann zerstören sie auf lange Frist ihre eigene DNA, den Grund, ihnen überhaupt Aufmerksamkeit zu schenken.</p>
<p>Nehmen wir mal an, dass <strong>Tele Züri</strong>, ein sich rein privat finanzierender TV-Sender, den Lockrufen erliegt und neu seine Sendungen auch auf Play SRF anbietet. Die SRG würde so auf längere Frist unumgänglich und unverzichtbar, eine Art YouTube für Schweizer Inhalte, auf dem alles, was man sehen will, früher oder später zu sehen ist. Mit dem grossen Unterschied, dass es sich nicht um ein Privatunternehmen handelt, das meiden kann, wer will, sondern ein öffentliches, zwangsfinanziertes.</p>
<p>Nehmen wir mal an, dass die <strong>Basler Zeitung</strong>, eine sich rein privat finanzierende Zeitung, den Lockrufen erliegt und nicht nur Inhalte des Tages-Anzeigers auf seiner Website ausspielt, sondern auch noch Videos der SRG. Sicher wird sich die Ertragslage von Bazonline.ch verbessern. Doch wenn sich der Konsument auf Bazonline.ch mit Inhalten von SRF und Tages-Anzeiger vergnügen kann, weshalb sollte er dann auch noch für die Recherchen von Mischa Hauswirth, die Kolumnen von -minu oder die Leitartikel von Markus Somm bezahlen?</p>
<p>Nehmen wir mal an, dass <strong>Radio 1</strong>, ein sich rein privat finanzierender Radiosender, den Lockrufen erliegt und die Nachrichtenbulletins neu von der SRG einkauft und ausstrahlt, 24 jeden Tag? Welchen Grund gäbe es dann noch, nicht auf das werbefreie SRF3 umzuschalten und dort keine Radiowerbung ertragen zu müssen?</p>
<p>Die Vorschläge von Roger de Weck dienen vor allem dazu, die SRG noch mächtiger, noch unverzichtbarer, noch unzerschlagbarer zu machen. Die Privaten tun gut daran, die Vorschläge genau zu prüfen und jene Kooperationen einzugehen, die Sinn machen. Jene Kooperationen aber, die auf längere Frist die eigene Existenz und Unverzichtbarkeit in Frage stellen, sollten sie vollumfänglich ablehnen.</p>
<p>Öffentliches Geld für Private ist wie eine Droge. Zuerst glaubt man, alles laufe bestens. Dann aber geht die Eigenständigkeit nach und nach verloren, und die Konsumenten meiden einen oder konsumieren das öffentliche Original. Am Ende dann steht entweder der Kollaps oder aber die vollständige Vereinnahmung. Also der Tod des Privaten auf Kosten des Öffentlichen.</p>
<p>Die Zeichen der Zeit hat Roger de Weck jedoch durchaus verstanden, blöd sind seine Ideen nicht. Wenn die Schweizer Verleger vielleicht dann doch mal ihre kleinlichen Streitereien überwinden und sich dazu entscheiden, die längst existierende Zukunft für sich zu nutzen, könnten sie darauf kommen, einige dieser Ideen für sich selbst auszunutzen. Die SRG, die Swisscom und der Ringier-Verlag haben sich &#8211; von der Wettbewerbskommission unverständlicherweise abgesegnet &#8211; dazu entschieden, eine Art staatliches Werbe- und Datenkonglomerat zu bilden. Warum also nicht ein schlagkräftiges, rein privates Gegenstück dazu aufbauen? Norbert Neininger, er ruhe in Frieden, hat mit <a href="http://www.foerderland.de/digitale-wirtschaft/netzwertig/news/artikel/news1ch-ist-da-mehr-community-wagen/">2008 mit News1.ch</a> einen Versuch unternommen, der auch deshalb hilflos wirkte, weil er von seinen Mitverlegern nicht ausreichend unterstützt wurde. Die Richtung stimmte nämlich, nur die Ausführung nicht.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/01/11/gefaehrlicher-lockrufe-an-die-krisengeschwaechten-verleger/">Gefährliche Lockrufe an die krisengeschwächten Verleger</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Marktplatz der Talente</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/01/11/marktplatz-der-talente/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 11 Jan 2016 09:40:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzierung/Geschäftsmodelle]]></category>
		<category><![CDATA[Crowdfunding]]></category>
		<category><![CDATA[Do Nxt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Zürcher Startup Do Nxt will kreativen Menschen ein regelmässiges Einkommen ermöglichen und zieht dazu ein Abomodell für Produzenten von Inhalten auf. Für den Start Mitte Januar 2016 werden noch Künstler, Journalisten und Blogger gesucht. Falls sich Konsumenten ähnlich grosszügig zeigen wie bisher beim Crowdfunding, könnte das Projekt eine Chance haben. Do Nxt ist ein <a href="https://medienwoche.ch/2016/01/11/marktplatz-der-talente/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Zürcher Startup Do Nxt will kreativen Menschen ein regelmässiges Einkommen ermöglichen und zieht dazu ein Abomodell für Produzenten von Inhalten auf. Für den Start Mitte Januar 2016 werden noch Künstler, Journalisten und Blogger gesucht. Falls sich Konsumenten ähnlich grosszügig zeigen wie bisher beim Crowdfunding, könnte das Projekt eine Chance haben.<br />
<span id="more-26407"></span><br />
<a href="http://donxt.com">Do Nxt</a> ist ein Marktplatz, der Produzenten und Konsumenten von Inhalten zusammenbringen will: Auf der einen Seite stehen Kunden, die per Abo regelmässig Geld zur Verfügung stellen. Und auf der anderen Lieferanten, die ihre Supporter regelmässig mit «Belohnungen» in Form von Inhalten versorgen, also mit Musikstücken, Videos, Tutorials, Rezepten oder Produkten. An den Vermittler Do Nxt zahlt der Kunde eine Kommission von fünf Prozent sowie die Transaktionskosten an den Payment-Provider. Insgesamt werden rund zehn Prozent wegfallen vom gespendeten Betrag &#8211; vergleichbar mit dem, was die Crowdfundingplattform <a href="https://wemakeit.com/">We Make it</a> abzieht. Die periodische Zahlung steht im Gegensatz zu den Einmaleinlagen der klassischen Crowdfunding-Portale und löst deren Probleme. <a href="http://krautreporter.de/">Krautreporter.de</a> etwa musste kürzer treten, weil nach einem Jahr nicht mehr so viele Leser zahlen mochten. Mit regelmässigen Zuwendungen jedoch &#8211; nichts anderes als das klassische Abomodell &#8211; ist allen geholfen. Der Spender verkraftet die regelmässige Abbuchung von Kleinbeträgen gut. Und der Empfänger kann dank dem kontinuierlichen Geldstrom arbeiten und für die nähere Zukunft planen.</p>
<p><iframe src="https://player.vimeo.com/video/151365889" width="460" height="259" frameborder="0" webkitallowfullscreen mozallowfullscreen allowfullscreen></iframe> </p>
<p><a href="https://vimeo.com/151365889">So funktiniert Do Nxt</a> from <a href="https://vimeo.com/user43545584">donxt.com</a> on <a href="https://vimeo.com">Vimeo</a>.</p>
<p>Gründer von Do Nxt ist der Niederländer Joris Straatman. Er legt Wert darauf, dass Do Nxt nicht in erster Linie mit Wohltätigkeit zu tun hat. Vielmehr sei es ein Abosystem, mit dem man sich auf Produzenten von Inhalten abonnieren könne: «Der Vorteil von Do Nxt ist, dass man nur zahlt für das, was man wirklich will. Die Kunden können ihr Geld gezielt anlegen und es bieten sich Finanzierungsmöglichkeiten für sehr viele freie Berufe.» Straatman wird bald 40, hat eine Tochter, und wohnt nun schon seit zwölf Jahren im Raum Zürich; nach einem abgeschlossenen Studium in Nijmegen (Artificial Intelligence) zog er um in die Schweiz. Vor zwei Jahren hörte er beim von ihm mitgegründeten Carsharing-Plattform <a href="http://sharoo.com/">Sharoo</a> auf, um etwas Neues zu bauen: «Ich wollte zunächst eine Plattform bauen für Startups, die sich vernetzen können. Doch dann sah ich, dass es im Kulturbereich von Etsy und Dawanda abgesehen kaum professionelle Plattformen gab. Aber ein grosses Bedürfnis von Menschen, zu interagieren, auch auf einer finanziellen Basis.»</p>
<p>Mit Sprachversionen in Deutsch und Englisch ziehlt Do Nxt auf den gesamteuropäischen Markt ab. Vorbild ist offensichtlich das 2013 in San Francisco gegründete <a href="https://www.patreon.com/">Patreon</a>. Im Moment wirke es wie eine sehr ähnliche Vision, gibt Do-Nxt-Mitarbeiter Jonas Wechsler zu: «Wir wollen aber im Vergleich den Content stärker in den Vordergrund stellen. Es wird eine Wall geben und man wird den Leuten folgen können, so ein bisschen wie bei YouTube.» Anders als bei <a href="https://wemakeit.com/">We Make it</a> sind nicht kreative Gruppen, sondern vor allem Individuen und Indie-Leute angesprochen. Aber nicht nur: Wer zum Beispiel den Breakdancern <a href="http://donxt.com/de/campaigns/andrey27">«Dominance Crew»</a> 5 Franken im Monat gibt, erhält dafür ein monatliches «Breakdance Instruction Video».</p>
<p>Dem Leitspruch des Portals &#8211; «Democratising media and culture with monthly support income» &#8211; werden vor allem Blogger unterschreiben können, aber natürlich auch Journalisten. «Wir haben bisher zwei Foodblogger mit dabei, aber auch Magazine», sagt Straatman: «Ich glaube, dass sich auch Leute, die ein Buch schreiben wollen, so gut finanzieren könnten. Autoren etwa könnten ein Buch stückweise verkaufen: 15 Kapitel à 3 Franken ergäben so einen Verkaufspreis von 45 Franken, das ist doch ein fairer Preis.»</p>
<p>Bisher aktiv sind etwa Comiczeichner, die ihren Supportern regelmässig einen neuen Comic zur Verfügung stellen. Oder Spieledesigner, die ihrer Crowd den jeweils neusten Prototyp anbieten können. Nach eineinhalb Monaten in der Pre-Beta haben bereits über hundert Kreative ein Profil angelegt und stehen bereit für den Start des Portals Mitte bis Ende Januar. Wenn sie ihre Inhalte monatlich auf Do Nxt posten, dann entsteht so etwas wie ein geschlossenes Soziales Netzwerk mit Bezahllösung. Für grosse Medien wie Zeitungen und Zeitschriften gibt es ja <a href="https://medienwoche.ch/tag/blendle/">Blendle</a>. Do Nxt könnte eine Chance für Kleine sein, die gross werden wollen (oder wenigstens ihre Spesen einspielen wollen). Dazu braucht es aber nicht nur Kreative, die ihre Arbeiten einstellen, sondern auch Konsumenten, die diese finanzieren wollen. Und warum sollte das nicht gelingen?</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/01/11/marktplatz-der-talente/">Marktplatz der Talente</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
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		<title>Höchste Bundeshausjournalistin stärkt Behördenkommunikation</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/11/27/hoechste-bundeshausjournalistin-staerkt-behoerdenkommunikation/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 Nov 2015 13:08:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[VBJ]]></category>
		<category><![CDATA[Bundeshaus]]></category>
		<category><![CDATA[Medientraining]]></category>
		<category><![CDATA[Eva Novak]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eva Novak, die als Präsidentin der Vereinigung der Bundeshaus-Journalisten (VBJ) sowie als Leiterin von zwei Bundeshausredaktionen die Interessen von Journalisten vertreten sollte, schult in ihrer Freizeit Mitarbeiter des Aussendepartements EDA mit Kamera- und Interviewtrainings. Die Bundesangestellten sollen so ihre «Kommunikations- und Auftrittskompetenz» verbessern &#8211; gegenüber Journalisten, versteht sich. Die Journalistin Eva Novak leitet mit einem <a href="https://medienwoche.ch/2015/11/27/hoechste-bundeshausjournalistin-staerkt-behoerdenkommunikation/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/11/27/hoechste-bundeshausjournalistin-staerkt-behoerdenkommunikation/">Höchste Bundeshausjournalistin stärkt Behördenkommunikation</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Eva Novak, die als Präsidentin der Vereinigung der Bundeshaus-Journalisten (VBJ) sowie als Leiterin von zwei Bundeshausredaktionen die Interessen von Journalisten vertreten sollte, schult in ihrer Freizeit Mitarbeiter des Aussendepartements EDA mit Kamera- und Interviewtrainings. Die Bundesangestellten sollen so ihre «Kommunikations- und Auftrittskompetenz» verbessern &#8211; gegenüber Journalisten, versteht sich.<br />
<span id="more-26229"></span><br />
Die Journalistin Eva Novak leitet mit einem 80-Prozent-Pensum die Bundeshausredaktionen der Neuen Luzerner Zeitung und der Zentralschweiz am Sonntag. Von ihr erscheinen auch regelmässig Texte in Publikationen wie dem St. Galler Tagblatt, der Ostschweiz am Sonntag oder dem Boten der Urschweiz. Darüber hinaus ist sie die Präsidentin der Vereinigung der Bundeshaus-Journalistinnen und Journalisten (VBJ). In dieser Funktion ist es ihre Aufgabe, die Rechte und Bedürfnisse von Bundeshausjournalisten gegenüber der Verwaltung vertreten.</p>
<p>2013 und 2014 arbeitete Novak nicht nur als Journalistin. Sie liess sich auch in ihrer Freizeit von der Verwaltung für verschiedene Medienseminare anstellen und bezahlen. Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) verbuchte Gelder für:</p>
<ul>
<li>ein Medienseminar vom 1. Juni bis zum 31. August 2013<br />
(1600 Franken)</li>
<li>ein Medienseminar vom 28. April bis zum 31. Mai 2014<br />
(1600 Franken)</li>
<li>ein Grundkurs Medienarbeit vom 1. Mai bis zum 30. Juni 2014<br />
(700 Franken)</li>
</ul>
<p>Auf Anfrage bestätigt das EDA diese Informationen. Man habe von Eva Novak «einzelne Ausbildungssequenzen auf Mandatsbasis» bezogen: «Bei den aufgeführten Beträgen handelt sich um Bruttohonorare, von denen die Sozialversicherungsbeträge abgezogen wurden. Die Verträge wurden mit Frau Novak persönlich abgeschlossen.» EDA-Sprecher Georg Farago &#8211; früher übrigens auch ein Journalist (St. Galler Tagblatt) &#8211; schreibt weiter: «Beim Medienseminar und Mediengrundkurs handelt es sich um EDA-intern organisierte Kurse. Sie gehören zu den obligatorischen Weiterbildungsmassnahmen für die EDA-Mitarbeitenden. Ziel der Kurse ist es, mittels Kamera- und Interview-Training die Kommunikations- und Auftrittskompetenz zu verbessern sowie Verständnis für die Arbeitsweise und Bedürfnisse von Medienschaffenden zu fördern. Insbesondere für die im Ausland eingesetzten Kader-Mitarbeitenden gehören Auskünfte an Medienschaffende sowie Radio- und TV-Interviews zum Berufsalltag. Die externen Mandate umfassen in der Regel ein ganz- oder halbtägiges Interview-Training in kleinen Gruppen.»</p>
<p>Ein paar Tausend Franken, die sich eine Journalistin neben ihrem Job verdient, sind nicht das Problem. Das Problem ist, dass Novak das Geld vom Bund bezieht. Sie unterstützt also konkret die Verwaltung, gegenüber der sie als Bundeshausjournalistin antreten sollte, darin, sich geschickter den Fragen der Journalisten zu widersetzen. Sie korrumpiert so nicht nur die eigene journalistische Glaubwürdigkeit, sie schadet damit auch dem Ansehen der Vereinigung der Bundeshaus-Journalisten (VBJ).</p>
<p>Novak selbst sieht die von ihr durchgeführten Kurse für Bundesangestellte nicht als Problem an. Sie beschreibt ihre Tätigkeiten für die Verwaltung wie folgt: «Was ein Kameratraining ist, können Sie sich vorstellen: Die Leute werden angewiesen, sich kurz und verständlich zu fassen, in die Kamera zu schauen und nicht ins Mikrofon zu beissen, sich angemessen zu kleiden etc. Geübt wird das in praxisnahen Situationen, unter anderem in Interviews. Ich sehe nicht, inwiefern sich das nicht mit meinen Tätigkeiten als Journalistin und als VBJ-Präsidentin vereinbaren liesse. Mein Arbeitgeber und meine Kollegen sind selbstverständlich informiert.»</p>
<p>Die Vereinigung der Bundeshaus-Journalistinnen und -Journalisten (VBJ), früher durchaus mit Haltung und Bedeutung, ist spätestens unter Novak in die Bedeutungslosigkeit abgerutscht &#8211; in den Printmedien ist kaum die Rede vom der Vereinigung, im Internet ist sie nicht präsent. Ein sehr grosses Anliegen scheint der VBJ unter Novak vor allem zu sein, zu entscheiden, wer sich zum Club der vorgeblich ehrenwerten Bundeshausjournalisten zählen darf und wer nicht. Den Statuen gemäss vertritt die VBJ «die Interessen der Medienschaffenden im Bundeshaus gegenüber der Bundesverwaltung, der Regierung und dem Parlament». Davon vertreten fühlen sich nicht alle Bundeshausjournalisten. Der altgediente Journalist Markus Schär etwa, angestellt bei der «Weltwoche», schreibt auf Anfrage: «Die Bundeshausjournalisten und die Kommunikationsleute von Bundeskanzlei, Departementen und Bundesämtern sollten eigentlich natürliche Gegner sein. Die Bundeskommunikatoren, die sich immer noch rasant vermehren, betreiben teils pure Propaganda; die Journalisten müssten das aufdecken. Ein grosser Teil von ihnen schielt aber auf die andere Strassenseite, weil dort sichere, ruhige, besser bezahlte Jobs locken. Entsprechend verhalten sie sich, leider auch die Vereinigung.»</p>
<p>VBJ-Mitglied Urs Paul Engeler (Handelszeitung), der sich zweimal aufgrund von unwillentlich und unwissentlich begangenen Verletzungen von Sperrfristen vor dem VBJ-Vorstand rechtfertigen musste, sieht die Vereinigung als «schon immer viel zu behördennah», als «verlängerten Arm der Verwaltung», als «Fortsetzung des Beamtentums auf den Journalismus»: «Die VBJ müsste die Antipode zur Verwaltung sein. Sie sollte ihren Mitgliedern nicht Wohlverhalten predigen, sondern für offene Information kämpfen, das wuchernde Informationsbeamtentum und die Steuerung der Information von oben thematisieren und hart für die Rechte der Medienleute kämpfen. Das Ziel muss es doch sein, möglichst vielen Journalisten einen möglichst breiten Zugang zu möglichst vielen Informationen zu bieten. Denn die Informationen gehören der Öffentlichkeit, und nicht der Verwaltung und einem exklusiven Club von Journalisten namens VBJ.»</p>
<p>Andere Bundeshausjournalisten waren noch nie Teil der Vereinigung, und haben auch nicht vor, ihr beizutreten. So Christof Moser von der Schweiz am Sonntag: «Der VBJ ist mir zu wenig unabhängig. Was staatliche Behörden, also die Parlamentsdiente oder die Bundeskanzlei sagen, scheint für den VBJ massgebend zu sein. Das widerspricht meiner journalistischen Auffassung, die sich darin manifestieren muss, sich bei der Arbeit nicht staatlichen Vorgaben zu unterwerfen.»</p>
<p>Novak ist nicht die einzige Journalistin, welche sich von der Verwaltung bezahlen lässt. Bei Bedarf engagiere das EDA Journalistinnen und Journalisten für Medienseminare und Moderationen, lässt EDA-Sprecher Farago verlauten: «Eine Liste der Journalistinnen und Journalisten, mit denen wir in den letzten Jahren zusammengearbeitet haben, können wir Ihnen nicht abgeben.»</p>
<p>Will die VBJ zukünftig von den Journalisten ernstgenommen werden, dann muss sie mehr machen als einmal im Jahr eine Schulreise und einmal im Jahr ein Essen mit dem Bundespräsidenten zu organisieren. Mit der bescheidenen Jahresgebühr von 40 Franken ist die Schlagkräftigkeit des Vereins zugegebenermassen beschränkt. Festzuhalten aber bleibt: Nicht diese Anlässe, sondern die Durchsetzung der Rechte von (allen) Journalisten gegenüber dem Staatsapparat ist die vordringlichste Aufgabe der VBJ. Eine Präsidentin, die hinter den Kulissen gegen die Anliegen der Journalisten arbeitet, ist untragbar.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/11/27/hoechste-bundeshausjournalistin-staerkt-behoerdenkommunikation/">Höchste Bundeshausjournalistin stärkt Behördenkommunikation</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Mischmasch der Gewalten im Bundeshaus</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/11/23/mischmasch-der-gewalten-im-bundeshaus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Nov 2015 14:54:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Akkreditierung]]></category>
		<category><![CDATA[Bundeskanzlei]]></category>
		<category><![CDATA[Exekutive]]></category>
		<category><![CDATA[Legislative]]></category>
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		<category><![CDATA[Bundeshaus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mais im Bundeshaus: Für die Akkreditierung der Journalisten im Parlamentsgebäude ist die Regierung zuständig. Ohne dass dies die betroffenen Journalisten gemerkt hätten, hat sich die Exekutive gegenüber der Legislative via Verordnung mehr Macht verschafft. Korrekt wäre es, den Journalisten zwei voneinander unabhängige Akkreditierungen abzufordern. So könnte der unangebrachte Einfluss der Exekutive auf die Akkreditierungen gestoppt <a href="https://medienwoche.ch/2015/11/23/mischmasch-der-gewalten-im-bundeshaus/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Mais im Bundeshaus: Für die Akkreditierung der Journalisten im Parlamentsgebäude ist die Regierung zuständig. Ohne dass dies die betroffenen Journalisten gemerkt hätten, hat sich die Exekutive gegenüber der Legislative via Verordnung mehr Macht verschafft. Korrekt wäre es, den Journalisten zwei voneinander unabhängige Akkreditierungen abzufordern. So könnte der unangebrachte Einfluss der Exekutive auf die Akkreditierungen gestoppt werden.<br />
<span id="more-26125"></span><br />
Wie vielleicht einige wissen, habe ich persönlich keine guten Erfahrungen gemacht mit der Akkreditierungspraxis des Bundeshauses. Aufgrund von zwei harmlosen Fotos von der Journalistentribüne, für die ich gemäss einem von den Parlamentsdiensten verfassten Merkblatt keine vorherige ausdrückliche Erlaubnis eingeholt hatte, wurde mir einfach mal unbefristet der Zugang entzogen &#8211; nur, um kurz darauf zu behaupten, ich könne ja jederzeit wieder eine Akkreditierung beziehen (<a href="http://nachbern.ch/2015/10/25/rueckblick-auf-nachbern-ch-2015/">Zusammenfassung auf Nachbern.ch</a>).</p>
<p>Verantwortlich für den Entzug war der Bundesangestellte Mark Stucki, ein ehemaliger Journalist (Radio extraBERN, TV SRF), verheiratet übrigens mit der seit 1995 als SRF-Bundeshausjournalistin arbeitenden Géraldine Eicher. Zwei Tätigkeiten, die natürlich strengstens voneinander getrennt sind, wie die beiden versichern. Stucki: «Bei beruflichen Informationen beschränken wir uns auf einen ausschliesslich faktischen Austausch, d.h. ich gebe die gleichen Sachauskünfte, wie allen interessierten Medienschaffenden und Bürgerinnen und Bürger.» Eicher: «Ich trenne Beruf und Privates strikt und professionell. Meine Anfragen bei den Parlamentsdiensten und die Kontakte beschränken sich auf alltägliche, für alle Journalisten erhältlichen Anliegen und Auskünfte. Ich recherchiere keine Beiträge rund um die Parlamentsdienste und trete wo nötig in den Ausstand.»</p>
<p>Bundesbern ist also ein kleines Dorf in einer kleinen Stadt in einem kleinen Land. Rund 400 Journalisten sind derzeit dort registriert, wobei etwa die eine Hälfte für vier Jahre geltende Akkreditierungen haben und die andere Hälfte über Zutrittsausweise verfügen, welche sie jährlich erneuern müssen. In der Praxis dürfen während der Sessionen alle durch den Haupteingang rein. Ausserhalb der Sessionen müssen jene mit Zutrittsausweis beim Eingang Bundeshausterrasse rein, also zusammen mit den Touristen und den für einen Tag Akkreditierten durch die Sicherheitsschleuse.</p>
<p>Urs Paul Engeler, mit Sicherheit ein mehr als verdienter Bundeshausjournalist, muss nun zukünftig auch den Hintereingang durch die Sicherheitsschleuse nehmen, wie Persoenlich.com in einem <a href="http://www.persoenlich.com/news/medien/handelszeitung-urs-paul-engeler-verliert-die-bundeshaus-akkreditierung-328184#.Vk3VLMqhdPM">Interview</a> und einem <a href="http://www.persoenlich.com/news/medien/urs-paul-engeler-kein-machtmittel-sondern-neue-regeln-328208#.Vk3VKMqhdPM">Bericht</a> darlegt. Engelers Vergehen? Er ist neu Teilzeitarbeiter mit einem 50-Prozent-Pensum bei der «Handelszeitung», und hat das auch so bei seinem Akkreditierungsgesuch vermerkt.</p>
<p>Zur Nicht-Erneuerung seiner Akkreditierung beklagte Urs Paul Engeler, die Vereinigung der Bundeshausjournalisten unterstütze «diesen Entscheid – übrigens ohne mich je angehört zu haben». Eva Novak, Präsidentin des VBJ, schreibt dazu auf Anfrage: «Zuständig für die Akkreditierung ist gemäss der Verordnung die Bundeskanzlei, die ihren (positiven oder negativen) Entscheid zu den Gesuchen jeweils dem Vorstand der Vereinigung der Bundeshaus-Journalistinnen und Journalisten (VBJ) zur Stellungnahme unterbreitet. Der VBJ-Vorstand schaut, ob die betreffende Person gemäss ihren Angaben im Gesuch die in der Rechtsgrundlage aufgeführten Voraussetzungen erfüllt. Er veranstaltet keine Anhörungen – wozu auch und wann bitte?» Vielleicht habe Engeler da etwas missverstanden.</p>
<p>Wer nicht mindestens ein 60-Prozent-Pensum aufweisen kann, erhält keine Akkreditierung, so ist es in der seit 2012 gültigen, vom Bundesrat erlassenen «Verordnung über die Akkreditierung von Medienschaffenden für das Medienzentrum Bundeshaus und über die Zutrittsberechtigung zum Medienzentrum» (MAkkVm, SR 172.071) in <a href="https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/20122776/index.html#a2">Art. 2</a> festgelegt.</p>
<p>«Zuständig für die Akkreditierung der Medienschaffenden ist die Bundeskanzlei», heisst es darin. Und das schon ganz schön lange, wie Thomas Abegglen von der Bundeskanzlei auf Nachfrage erläutert: «Für die Akkreditierung wurde das erste Reglement anfangs der 1970er Jahre erlassen, es trat am 1. August 1972 in Kraft. 1979 wurde es in eine Verordnung des Bundesrats überführt; diese trat am 1. Juni 1979 in Kraft. 1990 wurde die Verordnung überarbeitet, die geänderte Verordnung trat am 1. Januar 1991 in Kraft». Diese «Verordnung über die Akkreditierung von Journalisten» (SR 170.61) sah in Art. 11 eine «Ahndung von Verstössen» vor. Der Artikel erlaubte der Bundeskanzlei, einem akkreditierten Journalisten, der «vertrauliche oder geheime Informationen» verbreitet, die Ak­kreditierung bzw. den Zutritts-Ausweis zu entziehen.</p>
<p>In der aktuellen Regelung ist dieser Passus nicht mehr drin. Der in <a href="https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/20122776/index.html#a14">Art. 14</a> geregelte «Entzug der Akkreditierung oder der Zutrittsberechtigung» kann von der Bundeskanzlei nur dann vorgenommen werden, wenn die Bedingungen gemäss Verordnung nicht mehr erfüllt sind oder ein eindeutiger Missbrauch des Anspruchs der Arbeitserleichterungen vorliegt.</p>
<p>Die Bundeskanzlei prüft lediglich, ob der Antragsteller die Voraussetzungen gemäss Verordnung erfüllt. Tut er das, dann erhält er auch eine Akkreditierung. Die beiden Unterschriften im <a href="https://www.bk.admin.ch/org/bk/00346/00347/04702/index.html?lang=de">auf bk.admin.ch</a> zugänglichen Formular <a href="https://www.bk.admin.ch/org/bk/00346/00347/04702/index.html?lang=de&amp;download=NHzLpZeg7t,lnp6I0NTU042l2Z6ln1acy4Zn4Z2qZpnO2Yuq2Z6gpJCHeIF9e2ym162epYbg2c_JjKbNoKSn6A--">«Gesuch um Akkreditierung»</a> verlangt die Bundeskanzlei einfach mal vorsorglich und ohne konkrete Grundlage. Einklagen, dass die Journalisten diese Regeln einhalten, kann sie nicht.</p>
<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-26136" alt="Ausschnitt aus dem «Gesuch um Akkreditierung», das Medienschaffende bei der Bundeskanzlei einreichen können." src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2015/11/«Gesuch-um-Akkreditierung»-bei-der-Bundeskanzlei.png" width="460" height="285" /></p>
<p>Obwohl also das Formular auch ohne Unterschriften eingereicht werden könnte, haben es alle Journalisten unterschrieben &#8211; und warum auch nicht? Nicht unterschriebene Formulare seien noch nie vorgekommen, so Abegglen. Passierte das, würde man das einfach zur Kenntnis nehmen. Auf die Erteilung der Akkreditierung habe das keinen Einfluss. Doch weshalb hat sich die Bundeskanzlei überhaupt als zuständige Instanz für die Akkreditierung von Journalisten durchgesetzt? Es sind historische und praktische Gründe.</p>
<p>Gemäss dem seit dem 1. Januar 2000 gültigen «Bundesgesetz über die Bundesversammlung» (ParlG, SR 171.10) gilt im Parlament, zu dem rund 95 Prozent aller eine Akkreditierung beantragenden Journalisten Zugang möchten, das in <a href="https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/20010664/index.html#a69">Art. 69</a> bestimmte Hausrecht:</p>
<blockquote><p>«Das Hausrecht in den Ratssälen wird durch die Ratspräsidentinnen und Ratspräsidenten, das Hausrecht in den übrigen Räumlichkeiten der Bundesversammlung und der Parlamentsdienste durch die Verwaltungsdelegation ausgeübt.»</p></blockquote>
<p>Die Verwaltungsdelegation? Das waren in der abgelaufenen Legislaturperiode Claude Hêche (Präsident), Stéphane Rossini (Vizepräsident), Jürg Stahl, Christa Markwalder, Raphaël Comte und Ivo Bischofberger, alles gewählte Parlamentarier.</p>
<p>Sie also bestimmen gemäss Gesetz, wer ins Parlament darf und wer nicht. Dass die konkrete Umsetzung der Akkreditierung von Journalisten aus praktischen Gründen von der Stabsstelle der Bundesversammlung, den Parlamentsdiensten, übernommen wird, ist nachzuvollziehen. Nicht aber die Verantwortlichkeit der Bundeskanzlei in dieser Frage, die ja die Stabsstelle des Bundesrates ist.</p>
<p>Nimmt man die Gewaltentrennung ernst, so müsste für das Parlamentsgebäude unter der Bundeshauskuppel (Legislative) und für die Pressekonferenzen im Medienzentrum (Exekutive) zwei verschiedene Akkreditierungen ausgestellt werden &#8211; so ist das zum Beispiel in Berlin Usus, wo Journalisten für Reichstag und Kanzleramt je eine separate Akkreditierung benötigen. Da dann aber der «Bürokratie!»-Aufschrei unter Journalisten noch grösser wäre, steht in <a href="https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/20031220/index.html#a11">Art. 11</a> der «Verordnung der Bundesversammlung zum Parlamentsgesetz und über die Parlamentsverwaltung» (ParlVV, SR 171.115):</p>
<blockquote><p>«Die von der Bundeskanzlei ausgestellten Akkreditierungen für Medienschaffende gelten auch für die Bundesversammlung.»</p></blockquote>
<p>Die aktuelle Akkreditierungsverordnung (MAkkV) stützt sich auf <a href="https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19970118/201505010000/172.010.pdf">Artikel 62f</a> im Regierungs- und Verwaltungsorganisationsgesetz (RVOG, SR 172.010, <a href="http://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc.do?id=10054067">Botschaft von 1996</a>) ab, in dem es lapidar heisst:</p>
<blockquote><p>«Der Bund übt das Hausrecht in seinen Gebäuden aus.»</p></blockquote>
<p>Dass sich die Verordnung darauf beruft, ist schlicht nicht korrekt.</p>
<p>Und auch neu: Die Akkreditierungs-Verordnung vom 21. Dezember 1990 stützte sich auf Artikel 4, Buchstabe e, Ziffer 4 der Verordnung vom 9. Mai 1979 über die Organisation der Bundeskanzlei (AS 1979 710). In Art. 4 «Besonderer Aufgabenbereich» war lediglich festgehalten, dass der «Informationsdienst des Bundesrates» für die «Akkreditierung von Journalisten im Bundeshaus» zuständig ist. Der Bezug der Verordnung auf ein «Hausrecht» des Bundes ist neu und nicht nachvollziehbar, eine von Journalisten ignorierte Machtdemonstration der Verwaltung.</p>
<p>Möglich ist das überhaupt erst, weil der Begriff «Bundeshaus» schon immer Legislative und Exekutive meinte. Zusätzlich zum Parlamentsgebäude unter der Bundeshauskuppel, in dem der gemeine Bürger das «Bundeshaus» sieht und in dem sowohl der Nationalrat als auch der Ständerat tagen (klar Legislative), werden auch mehrere Gebäude der Exekutive «Bundeshaus» genannt:</p>
<ul>
<li>die Gebäude <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bundeshaus_%28Bern%29#Bundeshaus_West">Bundeshaus West</a>, in dem EDA, EJPD und die Bundeskanzlei residieren, das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bundeshaus_%28Bern%29#Bundeshaus_Ost">Bundeshaus Ost</a>, in dem das VBS und das WBF untergebracht sind sowie das sich derzeit im Umbau befindende <a href="https://www.admin.ch/gov/de/start/dokumentation/medienmitteilungen.msg-id-58067.html">Bundeshaus Nord</a> mit dem UVEK und dem EDA.</li>
<li>das <a href="https://www.admin.ch/gov/de/start/dokumentation/medienkonferenzen/live/medienzentrum.html">Medienzentrum Bundeshaus</a>, welches dem Bundeshaus West gegenüberliegt und wie alle Gebäude des Bundes dem Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL) gehört. In diesem Bundesgebäude dürfen Journalisten arbeiten, ohne eine Miete zu zahlen. Ein Angebot, das sehr viele in Anspruch nehmen.</li>
</ul>
<p>Gelaufen ist es also so: Zunächst wurden die Journalisten aufgrund eines Entscheids 2000 der Verwaltungsdelegation der Bundesversammlung gegen ihren Willen aus dem Bundeshaus in ein Medienzentrum vertrieben, das dem Bund (Exekutive) gehört und in dem er das Hausrecht hat. Die Akkreditierungsverordnung (MAkkVm, SR 172.071) beruft sich in der Folge auf genau dieses Hausrecht (RVOG, SR 172.010, Art. 62f). Wegen des Umzugs der Bundeshauspresse vom Parlamentsgebäude in das Medienzentrum unterstanden die Journalisten also plötzlich nicht mehr dem im ParlG, SR 171.10, Art. 69 festgesetzten Hausrecht der Verwaltungsdelegation der Bundesversammlung (Legislative). Obwohl in erster Linie 95 Prozent aller Journalisten Zugang zum Parlament wollen und nur 5 Prozent Zugang zu den Medienkonferenzen des Bundes, stellt sich der Bund spätestens mit der neusten Akkreditierungsverordnung auf den Standpunkt, das Hausrecht des Bundes durch die Bundeskanzlei auch dann ausüben zu dürfen, wenn es um Vorgänge in einem Gebäude der Legislative geht.</p>
<p>Die Akkreditierungen für Journalisten müssen meiner Meinung nach in Zukunft zwischen Exekutive und Legislative getrennt werden. Wer ins Parlamentsgebäude unter der Bundeshauskuppel will, sollte sich bei den Parlamentsdiensten akkreditieren lassen müssen. Wer ins «Medienzentrum Bundeshaus» will, sollte sich bei der Bundeskanzlei akkreditieren lassen müssen. Die Exekutive sollte nicht darüber bestimmen können, welche Öffentlichkeit der Legislative zugemutet werden kann &#8211; die Macht, welche sich der durch die Bundeskanzlei vertretene Bundesrat anmasst, muss zurückgebunden werden. Das ist konkret umsetzbar, und zwar unbürokratisch. Dass akkreditierte Journalisten auch weiterhin durch den Vordereingang ins Parlament kommen können sollen, versteht sich von selbst.</p>
<p>Was bleibt, ist der in jedem Fall grosse Regulierungsaufwand für die 400 Leute. Der wäre ja noch nachzuvollziehen, wenn es im Bundeshaus Platzprobleme geben würde. Aber die gab es nicht mal am letzten Wahltag, dem 18. Oktober 2015: Die vielen Journalisten und die wenigen Politiker kamen problemlos aneinander vorbei, und das obwohl das SRF die ganze Wandelhalle vollgestellt hatte. Und wenn es bei den kommenden Bundesratswahlen etwas enger wird, dann ist das sicher auszuhalten.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/11/23/mischmasch-der-gewalten-im-bundeshaus/">Mischmasch der Gewalten im Bundeshaus</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<item>
		<title>Kopflose Produkte</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/10/30/kopflose-produkte/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 30 Oct 2015 15:06:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Tamedia]]></category>
		<category><![CDATA[Blick]]></category>
		<category><![CDATA[Sonntagszeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Arthur Rutishauser]]></category>
		<category><![CDATA[Chefredaktor]]></category>
		<category><![CDATA[Tages-Anzeiger]]></category>
		<category><![CDATA[Ringier]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ringier schafft den «Blick»-Chef ab, bei Tamedia teilt ab 2016 eine Person die Leitung von Tages-Anzeiger und Sonntagszeitung: Bei den Grosskonzernen hat der Chefredaktor ausgedient. Dafür gibt es neu Kanalverantwortliche, die den Content marktförmig konfektionieren. Die publizistische Verantwortung wird so verwischt. Es ist wahr: Der 1959 gegründete, einst gloriose «Blick», geführt von Persönlichkeiten wie Felix <a href="https://medienwoche.ch/2015/10/30/kopflose-produkte/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ringier schafft den «Blick»-Chef ab, bei Tamedia teilt ab 2016 eine Person die Leitung von Tages-Anzeiger und Sonntagszeitung: Bei den Grosskonzernen hat der Chefredaktor ausgedient. Dafür gibt es neu Kanalverantwortliche, die den Content marktförmig konfektionieren. Die publizistische Verantwortung wird so verwischt.<br />
<span id="more-26010"></span><br />
Es ist wahr: Der 1959 gegründete, einst gloriose «Blick», geführt von Persönlichkeiten wie Felix von Schumacher, Charles La Roche, Fridolin Luchsinger oder Peter Übersax, hat <a href="https://twitter.com/ediester/status/659623414030860288">keinen «exklusiven» publizistischen</a> Leiter mehr, wie Ringier-Mediensprecher Edi Estermann twitterte:</p>
<blockquote class="twitter-tweet" lang="en">
<p lang="de" dir="ltr"><a href="https://twitter.com/nick_luethi">@nick_luethi</a> Keinen &quot;exklusiven&quot; mehr, wenn Sie so wollen, nein.</p>
<p>&mdash; Edi Estermann (@ediester) <a href="https://twitter.com/ediester/status/659623414030860288">October 29, 2015</a></p></blockquote>
<p><script async src="//platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script></p>
<p>Ex-«Cash»-Chefredaktor Fred David kommentierte das so:</p>
<blockquote class="twitter-tweet" data-conversation="none" lang="en">
<p lang="de" dir="ltr"><a href="https://twitter.com/nick_luethi">@nick_luethi</a> <a href="https://twitter.com/ediester">@ediester</a> Fiel mir auch auf:Viele sind plötzlich Chefs, irgendwo irgendwie. Wer wirklich Chef ist, bleibt offen. Newsroom halt.</p>
<p>&mdash; Fred David (@frontsight) <a href="https://twitter.com/frontsight/status/659480607676854272">October 28, 2015</a></p></blockquote>
<p><script async src="//platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script></p>
<p>Wenn also der «Blick» zukünftig über die Stränge schlägt, dann gibt es keinen Chefredaktor mehr, der zur Verantwortung gezogen und gegebenenfalls entlassen werden könnte. Rechtlich verantwortlich ist so oder so der Verlag. Doch die publizistische Verantwortung wird künftig irgendwo im Newsroom versanden. Klar, es gibt eine <a href="https://twitter.com/ediester/status/659738721873473536">«Tagesverantwortlichkeit»</a>, aber die wird intern bleiben. Vielleicht war&#8217;s ja dann die Praktikantin, die den Fehler gemacht hat. Oder die Reinigungskraft. So geschützt werden dann auch die unheilvollsten Mitarbeiter überleben können, solange ihre Beziehungen zu den wichtigen Bezugspersonen im Ringier-Universum intakt sind. Denn wenn die Verantwortlichkeit nicht mehr zugeordnet werden kann, wird die Leistung zum Accessoire. Dass deswegen die durchaus gerechtfertigte Kritik an Managern und Unternehmern, die sich nach groben Fehlleistungen davonstehlen, im «Blick» eingestellt werden wird, ist jedoch nicht zu erwarten. Auch nicht zu erwarten ist, dass der «Blick» keine Fehlleistungen mehr produzieren wird.</p>
<p>Gemäss der <a href="http://www.ringier.ch/de/press-releases/corporate/publishing/weiterentwicklung-des-newsrooms-der-blick-gruppe-iris-mayer-und">Ringier-Medienmitteilung</a> bleiben Christine Maier und Philippe Pfister Chefredaktoren des «SonntagsBlick». Sebastian Pfotenhauer und Katia Murmann sind neu «Mitglieder der Chefredaktion der Blick-Gruppe». Der bisherige Leiter des «Blick am Abend», Peter Röthlisberger, wird gemeinsam mit Iris Mayer und vier Stellvertretern den «Blick-Desk» leiten. Mayer ist eine Vertraute des Geschäftsführers der Blick-Gruppe, Wolfgang Büchner, und neben Michael Ludewig, «Managing Editor» der «Blick»-Gruppe, der einzige frische Geist in der Reorganisation.</p>
<p>Abseits davon hat sich das Modell Frank A. Meyer, also wichtig zu sein und viel zu verdienen, ohne eine besondere Verantwortung zu tragen, vervielfacht &#8211; was den Auserwählten natürlich zu gönnen ist. Meyer, der wie alle wirklich wichtigen Leute nicht in Medienmitteilungen aufgeführt werden muss, bleibt selbstverständlich Ringier-Publizist in Berlin. Daneben scharen sich nun der enttrohnte «Blick»-Chefredaktor René Lüchinger («Chef-Publizist» sowie «Mitglied der Chefredaktion der Blick-Gruppe sowie der Chefredaktion des SonntagsBlick») sowie die Ringier-Publizisten Hannes Britschgi und Peter Hossli, die sich beide auf LinkedIn als «Editor-at-large» ausweisen. Wie bis anhin werden also Lüchinger und Britschgi die Marken «Ringier» oder «Blick» vertreten, wenn mal wieder eine Podiumsdiskussion ansteht oder ein Empfang. Da es mangels Chefredaktor keine charismatische Autorität gibt, die den «Blick» vertritt, darf sich jeder etwas als Botschafter fühlen.</p>
<p>Dass es zur Marktwirtschaft gehört, nicht nur Personal einzustellen, sondern auch, sich davon zu trennen, fällt Ringier schwer, insbesondere bei Kaderleuten. Führungskräfte werden wegbefördert, oder man schreibt einen Satz wie diesen in die Medienmitteilung, bei dem man gar nicht weiss, ob man mehr Mitleid haben soll mit dem Arbeitgeber oder dem Arbeitnehmer:</p>
<blockquote><p>Mit Rüdi Steiner, heute Chefredaktor von Blick.ch, werden derzeit noch Gespräche über eine neue verantwortungsvolle Aufgabe bei Ringier geführt.</p></blockquote>
<p>Bei Tamedia wird Arthur Rutishauser ab 2016 auch noch den Tages-Anzeiger leiten &#8211; als wäre es nicht anspruchsvoll genug, Chef der «Sonntagszeitung» zu sein. Die Redaktionen der beiden Zeitungen, aber auch Print und Online, arbeiten je länger je mehr zusammen, und auch mit den Zeitungen «Der Bund» und «Berner Zeitung» werden eifrig Artikel ausgetauscht. Hinzu kommt die <a href="http://www.tamedia.ch/de/pressekontakt/medienmitteilungen/2015/pressrelease/leading_european_newspaper_alliance_europaeische_zeitungen_gruenden_gemeinsamen_verbund/">Content-Partnerschaft LENA</a>, die mit Zeitungen wie «Die Welt» oder «Le Figaro» Artikel teilt. Das alles verwässert, für was der Tages-Anzeiger und die Sonntagszeitung mal angetreten waren. Für was diese Zeitungen stehen und ob sie eine Haltung haben, die nicht austauschbar ist, wird in Zukunft noch schwieriger zu eruieren sein.</p>
<p>Falls es stimmt, dass Journalisten zu Marken werden müssen oder untergehen werden, dann ist der Entscheid pro kopflose Produkte seltsam. Oder können Journalisten etwa nur zu Marken werden, wenn sie keine Verantwortung tragen? Angesichts der Schwemme von Kadermitarbeitern bei Ringier glaubt man fast gar nicht mehr, dass ein Peter Übersax den «Blick» mit einem oder vielleicht zwei Stellvertretern zur höchsten Auflage aller Zeiten bringen konnte. Aber eben, die Zeiten haben sich geändert. Heute ist der «Blick» nicht mehr nur eine einmal täglich erscheinende Zeitung, sondern einiges mehr. Nur: Die Organisation der Verantwortlichkeiten hat damit nichts zu tun.</p>
<p><small>Siehe dazu auch den Beitrag <a href="https://medienwoche.ch/2015/03/04/die-konzern-chefredaktoren/">«Die Konzern-Chefredaktoren»</a>, der sich mehr mit der Situation der Chefredaktoren bei Tamedia auseinandersetzt sowie die <a href="https://medienwoche.ch/tag/ringier2013/">Ringier-Serie von 2013</a>.</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/10/30/kopflose-produkte/">Kopflose Produkte</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Warum Print vielleicht doch bewahrt werden sollte</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/08/28/warum-print-vielleicht-doch-bewahrt-werden-sollte/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2015/08/28/warum-print-vielleicht-doch-bewahrt-werden-sollte/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 28 Aug 2015 12:48:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Papier]]></category>
		<category><![CDATA[Print]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus im Internet]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=25366</guid>

					<description><![CDATA[<p>Die mit dem Journalismus im Internet verknüpften Träume gingen bisher nicht in Erfüllung. Der bis heute existierende, ernsthafte Journalismus auf Papier muss deshalb bewahrt werden – aufgrund fehlender Alternativen. Was haben wir uns vom Journalismus im Internet versprochen &#8211; und was wurde bisher eingelöst? Sind Printmedien tatsächlich tot oder stehen sie vor einem Comeback? Die <a href="https://medienwoche.ch/2015/08/28/warum-print-vielleicht-doch-bewahrt-werden-sollte/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/08/28/warum-print-vielleicht-doch-bewahrt-werden-sollte/">Warum Print vielleicht doch bewahrt werden sollte</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die mit dem Journalismus im Internet <a href="https://medienwoche.ch/2015/08/18/der-journalismus-im-internet-ist-eine-enttaeuschung-denn-damit-du-diesen-text-liest-brauchst-du-so-eine-schlagzeile/">verknüpften Träume</a> gingen bisher nicht in Erfüllung. Der bis heute existierende, ernsthafte Journalismus auf Papier muss deshalb bewahrt werden – aufgrund fehlender Alternativen.<br />
<span id="more-25366"></span></p>
<div style="border: 1px solid #dddddd; margin: 3px 0px 10px 10px; padding: 7px; background: #ececec none repeat scroll 0% 0%; float: right; font-size: 0.9em; width: 147px; line-height: 1.3em; color: #4382cf;">Was haben wir uns vom <a href="https://medienwoche.ch/tag/journalismus-im-internet/"><strong><big>Journalismus<br />
im Internet</big></strong></a> versprochen &#8211; und was wurde bisher eingelöst? Sind Printmedien tatsächlich tot oder stehen sie vor einem Comeback? Die MEDIENWOCHE beleuchtet in einer Serie die <strong>Veränderungen des Journalismus</strong> durch das Internet.</div>
<p>Tatsächlich habe ich lange gehofft, dass die Werbegelder von Print ins Internet fliessen und dort den Journalismus im gleichen, vielleicht sogar erweiterten Ausmass ermöglichen. Denn ist es nicht der Traum eines jeden Journalisten, unbehindert von technischen Einschränkungen arbeiten zu können und Text, Ton, Bild beliebig zu kreuzen? Doch entweder bin ich nicht geduldig genug oder ich habe mich getäuscht. Denn bisher zeigt sich: <a href="https://medienwoche.ch/2015/08/25/warum-journalismus-im-internet-kein-geld-verdient/">Die Werbegelder</a> folgen online nicht den Inhalten mit Qualität, sondern stumpf der Quotenmessung.</p>
<p>Folgenden Gründe sprechen dafür, dass Print eine längere Zukunft vor sich hat, als manche bisher geglaubt haben:</p>
<h3>1. Die fehlenden Alternativen</h3>
<p><a href="https://firstlook.org/theintercept">The Intercept</a>, <a href="http://www.mediapart.fr/">Mediapart</a>, <a href="http://www.bildblog.de/">Bildblog</a> &#8211; es gibt wahrlich brillante und wichtige Internet-Medien. Aber nur wenige, es dominieren kuratierte Inhalte und klickgetriebene Unterhaltung. Eine neue NZZ, eine neue FAZ, eine neue New York Times, das hat das Internet bisher nicht hervorgebracht. Sondern nur die unbezahlten Blogposts der Huffington Post, die Listenmanie von Buzzfeed und die durch den Perlentaucher zusammengefassten Kritiken.</p>
<h3>2. Die Einkünfte</h3>
<p>Printmedien haben es verstanden, ihre Einkünfte wenigstens teilweise in die Gegenwart hinüberzuretten. Feste Einnahmen bei den Werbegeldern und von Abonnenten sichern die finanzielle Planbarkeit. Anders als viele Online-Medien verfügen sie &#8211; Status 2015 &#8211; über ein funktionierendes Geschäftsmodell. Mit der finanziellen Planbarkeit sind die ernsthaften und für das Funktionieren einer Demokratie relevanten Inhalte gesichert. Journalisten haben Zeit, um zu recherchieren, um fragwürdige Umstände erschöpfend zu untersuchen und um Beiträge zu erstellen, die auch vor Gericht bestehen können.</p>
<h3>3. Die Archivierung</h3>
<p>Papier eignet sich als Archivdokument &#8211; wenigstens für einige hundert Jahre. Es vergilbt zwar und verfällt, auch Fälschungen sind möglich, doch die sind nicht besonders einfach auszuführen. Das Internet dagegen verändert sich ständig: Links verfallen, Websites schliessen, Texte werden publiziert und dann auch wieder gelöscht. Unterstützungswürdige Projekte wie die <a href="https://archive.org/web/">«Wayback Machine» von Archive.org</a> versuchen hier Ordnung, Nachvollziehbarkeit, Beweisbarkeit und Aufbewahrungssicherheit zu schaffen. Denn an sich ist das Internet als lebender und sich ständig entwickelnder Organismus höchst unstet. Die Manipulationsmöglichkeiten sind vielfältig.</p>
<h3>4. Die Überwachung</h3>
<p>Das Internet hat sich dank den von Edward Snowden bereitgestellten Snowden-Leaks als perfide Überwachungsmaschine herausgestellt. Noch ist es zu früh, um zu urteilen, was überwiegt: Das Internet als ein Instrument der Mächtigen oder das Internet als ein Instrument gegen die Mächtigen. Print jedenfalls kann weiter gedruckt und gelesen werden, und zwar ohne dass die Überwacher mitlesen und diese Ergebnisse auswerten können (vgl <a href="https://medienwoche.ch/2013/08/16/die-loesung-heisst-rueckschritt/">«Die Lösung heisst Rückschritt»</a> vom 16. August 2013). Bedrucktes Papier garantiert nicht nur beim Bezahlen, sondern auch beim Lesen die Privatsphäre getätigter Aktionen &#8211; gegenüber nicht dazu legitimierten Spähern von staatlicher und kommerzieller Seite.</p>
<h1 style="text-align: center;">* * *</h1>
<p>Ich gebe es zu: Den Niedergang von Print habe ich zeitweise mit einer gewissen Genugtuung betrachtet. Und zwar aus diesen Gründen:</p>
<h3>1. Die Handhabung</h3>
<p>Print ist gegenüber online unpraktisch und unhandlich. Man kann keine Textabschnitte daraus kopieren, man muss diese &#8211; man stelle sich das vor! &#8211; abschreiben. Oder abfotografieren &#8211; dann aber kann der Text nicht weiter editiert werden. Dass so eine Steinzeit-Technik stirbt, fand ich mehr als gerecht. Die «Argumente» der Haptiker und der romantisch-verträumten Papierschnüffler konnten mir schon immer gestohlen bleiben.</p>
<h3>2. Die Umwelt</h3>
<p>Zeitungen werden heute zu einem grossen Teil aus Altpapier hergestellt. Aber ein Aufenthalt in einer S-Bahn des Gratiszeitungslands Schweiz genügt, um die unbekümmerte Wegwerfmentalität zu beobachten, die sich mit Papier ergeben hat. 2014 entsorgte allein die SBB &#8211; die Abfälle der vielen Hundert aufgestellten Recyclingstationen ausgenommen &#8211; 6120 Tonnen Papier und Karton. Das sind pro Tag 16&#8217;767 Kilogramm.</p>
<h3>3. Die Arroganz der alten Medien</h3>
<p>Da drucken die Zeitungsleute ihre Texte während Jahrhunderten ohne ernsthafte Konkurrenz. Dann kommt mit dem Internet eine &#8211; und schon reagieren sie, als sei es ein lästerlicher Frevel, sich anzumassen, ihnen Konkurrenz zu machen. Mit dem Abbau der Printmedien findet bis heute in den Betrieben der Druckwirtschaft ein erbärmliches Rückzugsgefecht statt, das oft nicht die Besten in den Verlagen zurücklässt, sondern die Ausdauerndsten. Neue Mitspieler haben wenig bis keine Chancen auf interessante Posten, denn die Etablierten verteidigen ihre dem Lauf der Geschichte zu verdankenden Vorteile verbissen wie kleine Beamte. Ist da nicht nachvollziehbar, dass man Leuten, die sich neuen Technologien gegenüber zunächst völlig unflexibel zeigen und sich neuen Mitspielern gegenüber auch noch arrogant verhalten, nicht das Beste wünscht?</p>
<h1 style="text-align: center;">* * *</h1>
<p>Ist es nicht möglich, dass das Problem weniger in der Technik zu suchen ist, sondern in einer mit dem Wohlstand sich ausbreitenden Gleichgültigkeit gegenüber grundsätzlichen bürgerlichen Werten? Doch an Willen, journalistisch wertvolle Internetmedien zu gründen und zu betreiben, mangelt es nicht. Sondern an der Möglichkeit, solche mit Anzeigen zu finanzieren. Oder aber es liegt am Versagen von Journalisten als Unternehmer.</p>
<p>Ich glaube heute, es ist falsch, den Niedergang von Print mit Häme zu beobachten. Denn wie können wir einen demokratischen Staat, gar einen direktdemokratischen Staat wie die Schweiz sinnvoll gestalten, wenn wir diesbezüglich nur noch von Klickquatschportalen, nicht kontinuierlich berichtenden Bloggern und den staatsunkritischen Öffentlich-rechtlichen informiert werden? Eine Zeitung wie die Neue Zürcher Zeitung, aber auch andere wichtige Printpublikationen müssen zwingend von privater Seite gestützt werden &#8211; mit Anzeigen, Abonnements oder auch mit Investitionen, Spenden und Gönnerbeiträgen. Es geht um nichts weniger als um eine informierte Öffentlichkeit.</p>
<p><small><b>Übersicht der <a href="https://medienwoche.ch/tag/journalismus-im-internet/">Serie zum Journalismus im Internet</a>:</b><br />
1. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2015/08/18/der-journalismus-im-internet-ist-eine-enttaeuschung-denn-damit-du-diesen-text-liest-brauchst-du-so-eine-schlagzeile/">Die Enttäuschung</a><br />
2. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2015/08/21/hereinspaziert-klicken-und-liken/">Die Klicks</a><br />
3. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2015/08/25/warum-journalismus-im-internet-kein-geld-verdient/">Das Geld</a><br />
4. Teil: Das Papier</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/08/28/warum-print-vielleicht-doch-bewahrt-werden-sollte/">Warum Print vielleicht doch bewahrt werden sollte</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Warum Journalismus im Internet kein Geld verdient</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/08/25/warum-journalismus-im-internet-kein-geld-verdient/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 25 Aug 2015 14:02:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Konkurrenz]]></category>
		<category><![CDATA[Adblocker]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus im Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Geschäftsmodell]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Warum ist mit publizistischen Inhalten im Internet kaum Geld zu verdienen? Es liegt an der unendlichen Konkurrenz im Netz, der unangenehm daherkommenden Werbung und den daraus resultierenden Werbeblockern sowie an einer ungleichen und unfairen Behandlung gegenüber Print. Was haben wir uns vom Journalismus im Internet versprochen &#8211; und was wurde bisher eingelöst? Sind Printmedien tatsächlich <a href="https://medienwoche.ch/2015/08/25/warum-journalismus-im-internet-kein-geld-verdient/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/08/25/warum-journalismus-im-internet-kein-geld-verdient/">Warum Journalismus im Internet kein Geld verdient</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Warum ist mit publizistischen Inhalten im Internet kaum Geld zu verdienen? Es liegt an der unendlichen Konkurrenz im Netz, der unangenehm daherkommenden Werbung und den daraus resultierenden Werbeblockern sowie an einer ungleichen und unfairen Behandlung gegenüber Print.<br />
<span id="more-25368"></span></p>
<div style="border: 1px solid #dddddd; margin: 3px 0px 10px 10px; padding: 7px; background: #ececec none repeat scroll 0% 0%; float: right; font-size: 0.9em; width: 147px; line-height: 1.3em; color: #4382cf;">Was haben wir uns vom <a href="https://medienwoche.ch/tag/journalismus-im-internet/"><strong><big>Journalismus<br />
im Internet</big></strong></a> versprochen &#8211; und was wurde bisher eingelöst? Sind Printmedien tatsächlich tot oder stehen sie vor einem Comeback? Die MEDIENWOCHE beleuchtet in einer Serie die <strong>Veränderungen des Journalismus</strong> durch das Internet.</div>
<h3>1. Konkurrenz</h3>
<p>Die Anzahl Werbemöglichkeiten in Zeitungen bleibt etwa gleich oder sinkt leicht, was einen klar begrenzten Markt darstellt. Die Werbemöglichkeiten im Internet sind dagegen unendlich. Denn nicht nur die traditionellen Medien bieten Werbemöglichkeiten an, sondern jede einzelne Website, jedes Soziale Netzwerk. Dank der ausgiebigen Datensammlung und -auswertung der Websites sind die angepeilten Zielgruppen viel genauer zu erreichen.</p>
<h3>2. Dynamik</h3>
<p>Das Werbegeschäft der Printmedien ist träge; fast wie damals in der Sowjetunion werden Jahrespläne ausgegeben. Für die Printmedien ist das grossartig, weil es ihnen Planungs- und Budgetsicherheit gibt. Doch wird ihre langfristige Mediaplanung bestehen können? Mit neuen Werbevermittlungsformen wie Programmatic Buying spielt sich das moderne, vom Internet getriebene Werbegeschäft mehr und mehr in Echtzeit ab. Diese Entwicklung stellt auch das von den Internetmedien der Printverlage bisher praktizierte Reichweitenmodell in Frage: Es wird in Zukunft wohl nur noch für unbestrittene Leader wie 20min.ch oder Blick.ch funktionieren, die auf Masse statt Klasse setzen. Ansonsten wird es für die beworbene Plattform wichtiger sein, die Werbebotschaft der angepeilten Zielgruppe punktgenau zu servieren &#8211; und hier lockt oft das süsse, die Glaubwürdigkeit der Marke zersetzende Gift der Schleichwerbung.</p>
<h3>3. Gefälligkeit</h3>
<p>Was spricht wohl einen Kunden mehr an? Eine ganzseitige, ästethisch gestaltete Anzeige eines Produkts auf Papier? Oder eine aggressiv blinkende, ohne Vorwarnung Töne produzierende, nicht sofort zu schliessende Anzeige im Internet? Internetwerbung ist mehr ein Ärgernis als dass es positive Gefühle gegenüber dem beworbenen Produkt auslöst.</p>
<h3>4. Werbeblocker</h3>
<p>Zur Abwehr der Zumutung Internetwerbung verwenden die Internetnutzer Werbeblocker. Die Möglichkeit, Werbung einfach blocken zu können, ist das grosse Verhängnis der klassischen Internetwerbung. Kaum produziert die Branche eine neue Werbemöglichkeit, so ist auch schon die Möglichkeit da, diese auszuschalten. Geschaltete und bezahlte Werbung erreicht so die Zielperson nicht &#8211; ein Desaster.</p>
<h3>5. Wirkungsbereich</h3>
<p>Soll man die Reichweite der Printmedien bezweifeln? Gemäss Studien sollen gewisse Zeitungen und Zeitschriften ja nicht nur von einer Person oder zwei gelesen werden, sondern von 5, 7, gar 10. Das kann man glauben, oder auch nicht. Ich persönlich glaube, dass einige gekaufte und abonnierte Exemplare überhaupt nicht gelesen werden.</p>
<p>Im Internet dagegen wird jede kleinste Bewegung des Mauszeigers gemessen und ausgewertet. Die nackte Wahrheit zeigt, dass Leser beim Klicken nicht immer ihrem Verstand folgen, sondern ihren niederen Trieben: Schaulustigkeit treibt sie an, Elementartriebe wie Sexualität und Angst werden bedient.</p>
<p>Bemerkenswert ist aber nun das Verhalten der Werbetreibenden. Während sie den per Telefon (!) durchgeführten Umfragen zur Nutzung von Printmedien blind vertrauen und grosszügig Werbung schalten, stehen die Internetmedien unter Druck, die Werbung nicht nur punktgenau zu platzieren, sondern auch noch gleich einen direkten Verkauf damit zu erzielen. Natürlich werden auch in Zeitungen viele Artikel nicht oder kaum gelesen &#8211; und trotzdem vertrauen die Werbetreibenden dort in das Gesamtpaket. Die Ungleichbehandlung ist unfair. Und auch die Datengrundlage ist zu bezweifeln. Denn wer die Zeit hat und sich bereiterklärt, Telefonumfragen zu beantworten, hat vermutlich auch sehr viel Zeit, um Printmedien zu lesen (und sie an x Personen weiterzugeben).</p>
<p><small><b>Übersicht der <a href="https://medienwoche.ch/tag/journalismus-im-internet/">Serie zum Journalismus im Internet</a>:</b><br />
1. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2015/08/18/der-journalismus-im-internet-ist-eine-enttaeuschung-denn-damit-du-diesen-text-liest-brauchst-du-so-eine-schlagzeile/">Die Enttäuschung</a><br />
2. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2015/08/21/hereinspaziert-klicken-und-liken/">Die Klicks</a><br />
3. Teil: Das Geld</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/08/25/warum-journalismus-im-internet-kein-geld-verdient/">Warum Journalismus im Internet kein Geld verdient</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Blendle: Schweizer Verlage zeigen wenig Interesse</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/08/23/blendle-kaum-interesse-von-schweizer-verlagen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 23 Aug 2015 17:26:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Blendle]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das niederländische Startup Blendle wird als «iTunes für Zeitungsartikel» gefeiert. Tatsächlich bringt das Portal dem Online-Leser endlich eine gute Usability, ein simples Bezahlsystem und eine Auswahl von potenten Medien. Den Printmedien bietet sich eine Chance, die sie nicht verpassen sollten. Während Blendle die Schweizer Verleger unbedingt mit im Boot haben möchte, ist deren Interesse an <a href="https://medienwoche.ch/2015/08/23/blendle-kaum-interesse-von-schweizer-verlagen/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Das niederländische Startup Blendle wird als «iTunes für Zeitungsartikel» gefeiert. Tatsächlich bringt das Portal dem Online-Leser endlich eine gute Usability, ein simples Bezahlsystem und eine Auswahl von potenten Medien. Den Printmedien bietet sich eine Chance, die sie nicht verpassen sollten. Während Blendle die Schweizer Verleger unbedingt mit im Boot haben möchte, ist deren Interesse an einer zusätzlichen Vertriebsplattform bisher bescheiden bis inexistent.</strong></p>
<p>Was macht heutzutage jemand, wenn er von der Lust auf ein Medium überfallen wird? Er sucht eine bestimmte Website oder App auf, um dort eine möglichst uferlose Auswahl vorzufinden. Hat Melanie Lust auf Musik, so öffnet sie Spotify und sucht sich dort eine Band, einen Song, eine Playlist. Will Sandro fernsehen, so öffnet er Netflix und sucht dort eine Serie, eine Doku oder einen Film. Aber was macht Laura, wenn sie mal ein paar wirklich gute journalistische Texte lesen will, und es ist 22:30 Uhr, und der Kiosk ist zu? Für Laura gibt es nun <a href="https://blendle.com/de/">Blendle</a>. Auf dem Smartphone, auf dem Tablet, auf dem Laptop.</p>
<p><strong>Klingt das wie ein Werbetext?</strong> Ja, genau. Ich bin zwar nicht bezahlt, Blendle gut zu finden. Aber ich finde Blendle gut. Die Software macht mir den Eindruck, als könnte sie eine Lösung bereit halten für all die Probleme, die Printmedien im Internet bisher hatten: Konkurrenzierende Zeitungskioske, katastrophale Usability, komplizierte Bezahlsysteme. Eine Flatrate wie bei Spotify oder Netflix gibt es bei Blendle zwar nicht, und trotzdem vergisst man das Bezahlen ziemlich schnell, was eindeutig für die Bequemlichkeit des Angebots spricht. Im Unterschied zu anderen Online-Kiosken wird Blendle Konsumenten zu bezahlenden Kunden machen, die bisher wenig bis gar nichts für Journalismus bezahlten.</p>
<p><strong>Was macht nun Laura, die am Dienstagabend faul auf dem Sofa liegt, ihren Geist aber noch etwas beschäftigen will?</strong> Sie blättert auf Blendle durch die Seiten eines digitalen Mediums. Oder sie lässt sich Artikel vorschlagen, von Kontakten und Algorithmen. Die Titel und die Leads sind frei zugänglich. Will sie den ganzen Artikel lesen, dann klickt sie ihn an, und der vom Medienunternehmen dafür verlangte Betrag wird ihr vom Guthaben abgebucht. Liest sie den Text mit Gewinn, so ist die Transaktion abgeschlossen: Laura ist zufrieden, weil sie einen guten Text gelesen hat. Das Medienunternehmen ist zufrieden, weil es einen guten Text verkauft hat. War Laura hingegen unzufrieden mit dem Stück oder hat es nicht ihren Erwartungen entsprochen, so gibt sie es einfach wieder zurück und bezahlt nichts dafür.</p>
<p><strong>Was ist Blendle überhaupt?</strong> Ein Startup aus Utrecht, das im April 2014 angefangen hat, seine Dienste in den Niederlanden anzubieten. Das man Blendel ausspricht, so wie Googel also. In das die New York Times und die Axel Springer Digital Ventures <a href="http://www.gruenderszene.de/allgemein/blendle-axel-springer-new-york-times">drei Millionen Euro investiert</a> haben. Das zur Mehrheit den Co-Gründern Marten Blankesteijn und Alexander Klöpping gehört. Und das ganz offensichtlich DER eine Kiosk für journalistische Textmedien im Internet sein will.</p>
<p><strong>Lohnt sich Blendle für Schweizer Medienkonsumenten?</strong> Nun ja, zur Auswahl stehen der Economist, das Wall Street Journal, die Washington Post. Der Spiegel, der Stern, Cicero. Die Zeit, die FAZ, die Süddeutsche, die Welt, die deutsche Bilanz. 11 Freunde und die Sport-Bild. Die Gala, die Brigitte und die Neon. Und einige Titel mehr.</p>
<p><strong>Machen die Schweizer Medien mit?</strong> Bisher sind ihre Medien bei Blendle nicht zu finden. Immerhin fällt in der kleinen Gruppe der Blendle-Beta-Tester ein Name auf: Steven Neubauer, Geschäftsleitungsmitglied der NZZ. Auf Anfrage teilt er mit, er finde «das Angebot von Blendle sehr interessant». Mehr ist nicht zu erfahren: «Über die Existenz oder den Status von Verhandlungen geben wir grundsätzlich nie Auskunft.» Die anderen grossen Schweizer Zeitungsverlage scheinen derzeit wenig Interesse zu haben. Ringier-Mediensprecher Edi Estermann antwortet: «Der Online-Kiosk ist bislang kein Thema bei Ringier. Wir führen unseren eigenen, sehr gut frequentierten Online-Kiosk.» Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer: «Wir verfolgen Blendle und andere Anbieter mit Interesse, planen derzeit aber keine Kooperation.» AZ-Medien-Sprecherin Nathalie Enseroth: «Mit dem Online-Kiosk Blendle gibt es aktuell keine Gespräche, und es sind momentan auch keine vorgesehen.»</p>
<p><strong>Wann startet Blendle im deutschen Sprachraum?</strong> Bald. Blendle-Gründer und -CEO Marten Blankesteijn jedenfalls möchte die Schweizer Verleger unbedingt dabei haben, wie er auf Anfrage mitteilt:</p>
<blockquote><p>«I&#8217;m very eager to have Swiss publishers on board. Blendle poses a huge opportunity, especially for publishers in smaller countries like Switzerland. On Blendle, Swiss publishers can grow their potential audience significantly.»</p>
<p>«Ich möchte die Schweizer Verleger unbedingt dabeihaben. Blendle bietet eine riesige Chance, vor allem für Verlage in kleineren Ländern wie der Schweiz. Auf Blendle können Schweizer Verleger ihr potenzielles Publikum deutlich erweitern.»</p></blockquote>
<p>Blendle wolle den weltbesten Journalismus allen zugänglich machen, schreibt Blankesteijn, und dank Globallizenzen für alle Blendle-Zeitungen sei das auch möglich. In der Schweiz sei Blendle mit vielen Verlagshäusern in Kontakt, doch bis zur Unterschrift, also bis zum Vertragsabschluss, werde man diesbezüglich nichts mitteilen.</p>
<p><strong>Sollten die Schweizer Verlage da mitmachen?</strong> Schliesslich behält Blendle von den erlösten Transaktionen satte 30 Prozent für sich, was man mit Recht unverschämt viel finden kann. Wiederum: Warum haben die Printverlage selbst so etwas bisher nicht hingekriegt? Wer bei Blendle mitmacht, gibt, genau wie auch im Apple-Store, Kontrolle und Rechte ab. Ob die bezahlte Verbreitung an zufriedene Kunden wichtiger ist oder die totale Kontrolle über die eigenen Medien &#8211; das muss am Ende jeder Verlag selbst entscheiden. Klar ist, dass je mehr von ihnen mitmachen, desto mehr es sich für den Kunden lohnt, sich bei Blendle zu registrieren und Geld auszugeben. Am Schweizer Medienkongress 2015 in Interlaken können sich die Medienmanager (<a href="http://www.medienkongress.ch/programm/">am Freitagnachmittag</a>, 11. September) mal in Ruhe (und auf Englisch) anhören, was Blankesteijn so zu sagen hat. Der Vortrag läuft unter dem ergebnisoffenen Titel «Kommt Blendle, der digitale Zeitungs-Kiosk, in die Schweiz?»</p>
<p><strong>Was ändert sich für den Journalismus?</strong> Setzt sich Blendle durch, so wird dank Datenauswertungen sehr schnell klar, welche Inhalte von welchen Journalisten gelesen und gekauft werden und welche nicht. Anders als bei den simplen Klickmessungen, die oft nicht mehr sind als ein Ausweis niederer Triebe, wird die Blendle-Auswertung den gefragten Journalismus und die gefragten Journalisten herausschälen. Verlage werden sich in der Folge von nicht nachgefragten Journalisten trennen, nicht nachgefragte Texte einstellen. Ob diese Entwicklungen für den Journalismus positiv sind oder nicht, ist derzeit noch nicht abzuschätzen.</p>
<p><small>Übersetzungen: Ronnie Grob</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/08/23/blendle-kaum-interesse-von-schweizer-verlagen/">Blendle: Schweizer Verlage zeigen wenig Interesse</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Hereinspaziert, klicken und liken!</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/08/21/hereinspaziert-klicken-und-liken/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 21 Aug 2015 10:48:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Clickbait]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus im Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Serie]]></category>
		<category><![CDATA[Klicks]]></category>
		<category><![CDATA[Crowdfunding]]></category>
		<category><![CDATA[Geschäftsmodell]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Viele journalistische Projekte im Internet bleiben Herzensangelegenheiten, denn Werbegelder gibt es dafür kaum. Wer Geld verdienen will, muss sich ganz auf eine hohe Zahl von Seitenaufrufen und Interaktionen in Sozialen Medien konzentrieren. Der Journalismus verändert sich dadurch. Oder schafft sich ab. Was haben wir uns vom Journalismus im Internet versprochen &#8211; und was wurde bisher <a href="https://medienwoche.ch/2015/08/21/hereinspaziert-klicken-und-liken/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Viele journalistische Projekte im Internet bleiben Herzensangelegenheiten, denn Werbegelder gibt es dafür kaum. Wer Geld verdienen will, muss sich ganz auf eine hohe Zahl von Seitenaufrufen und Interaktionen in Sozialen Medien konzentrieren. Der Journalismus verändert sich dadurch. Oder schafft sich ab.<br />
<span id="more-25265"></span></p>
<div style="border: 1px solid #dddddd; margin: 3px 0px 10px 10px; padding: 7px; background: #ececec none repeat scroll 0% 0%; float: right; font-size: 0.9em; width: 147px; line-height: 1.3em; color: #4382cf;">Was haben wir uns vom <a href="https://medienwoche.ch/tag/journalismus-im-internet/"><strong><big>Journalismus<br />
im Internet</big></strong></a> versprochen &#8211; und was wurde bisher eingelöst? Sind Printmedien tatsächlich tot oder stehen sie vor einem Comeback? Die MEDIENWOCHE beleuchtet in einer Serie die <strong>Veränderungen des Journalismus</strong> durch das Internet.</div>
<p>Ich habe in den letzten Jahren sehr viele journalistische Projekte im Internet vorgestellt. Viele von ihnen sind gescheitert oder dümpeln vor sich hin. <a href="http://www.clack.ch/">Clack.ch</a> beispielsweise weilt seit Monaten in den Sportferien, auf <a href="http://promiagent.ch/">Promiagent.ch</a> oder <a href="http://bar-storys.ch/">Bar-storys.ch</a> gibt es keine neuen Beiträge mehr. <a href="http://www.klatschheftli.ch/">Klatschheftli.ch</a>, <a href="http://www.presseverein.ch/2012/04/kuratieren-am-bodensee/">Topcomments.ch</a>, <a href="https://medienwoche.ch/2011/03/14/grosse-jagd-auf-kleine-fehler/">Fehler.li</a> sind eingestellt. Auch den von Peter Hogenkamp gegründeten Verlag Blogwerk, der ab 2006 mit Blogs Geld verdienen wollte, gibt es nicht mehr. Meine damaligen Texte auf Medienlese.com sind nun zum zweiten Mal unter einer anderen <a href="http://www.foerderland.de/digitale-wirtschaft/netzwertig/">URL</a> zu finden.</p>
<p>Zum grossen, nachhaltigen Erfolg, gar zu einer Goldgrube sind Internet-Medien mit publizistischer Qualität bisher kaum geworden. Zwar konnten ernsthafte und wichtige Projekte wie das medienkritische <a href="http://www.bildblog.de/">Bildblog</a> oder die Internetpolitik-Site <a href="https://netzpolitik.org/">Netzpolitik</a> Spenden und Abonnements generieren; doch damit können gerade mal die Mitarbeiter bezahlt werden. Hyperlokale Blogs, als geniale Alternative zur verknöcherten Lokalzeitung gefeiert, <a href="http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=fl&amp;dig=2015%2F05%2F23%2Fa0089&amp;cHash=5dd951b4930398594e496049edc2590e">kämpfen um ihr wirtschaftliches Überleben</a>. Die im Frühling 2014 gesammelten <a href="https://www.startnext.com/substanz">37.176 Euro</a> für das Wissenschaftsmagazin «Substanz» sind verbraucht, man macht <a href="https://www.substanzmagazin.de/substanz-macht-pause/">«Pause»</a>. Selbst erfolgreich 1 Million Euro sammelnde Crowdfunding-Projekte wie <a href="https://krautreporter.de/">Krautreporter.de</a> müssen sich <a href="https://krautreporter.de/pages/erneuern">anstrengen</a>, um im Jahr 2 ihres Bestehens zu überleben.</p>
<p>Bisher haben sich neue deutschsprachige, publizistisch wertvolle Internetprojekte vor allem in von den traditionellen Medien vernachlässigten Bereichen wie eben Medienkritik oder Netzpolitik gebildet und etabliert. Gut funktionieren auch Projekte, die Inhalte sammeln, ordnen und beschreiben, also kuratieren &#8211; eine Funktion, die auch Soziale Medien sehr gut erfüllen.</p>
<h3>Klicks und Interaktionen durch Überzeichnungen</h3>
<p>Vorwürfe muss man den journalistischen Unternehmern keine machen. Wer &#8211; Status 2015 &#8211; nicht Geld sammeln, sondern Geld verdienen will mit Inhalten im Netz, ist dazu gezwungen, viele Leser zu vielen Interaktionen zu bringen, und das passiert nicht mit ausgewogenen, vernünftigen Journalismus. Sondern mit Emotionen, Sex, Kriminalität, Satire, Gerüchten, Überzeichnungen, Halb- und Unwahrheiten. Das Träumen von einer anderen Welt ist zwar nach wie vor erlaubt, doch die Realität des «Journalismus» online sieht so schlimm aus wie Focus.de oder Huffingtonpost.de. Portale, die für einen Klick oder ein Like wohl auch ihre Grossmutter verkaufen würden.</p>
<p>Der Fokus auf das Erreichen möglichst vieler Interaktionen in Sozialen Netzwerken hat Portale wie Likemag.com, Storyfilter.com oder Heftig.co hervorgebracht. Sie preisen ihre Storys an wie Türsteher vor Stripclubs, die arglose Touristen zu einem Besuch anregen wollen. Dafür verwenden sie nicht selten die Substanz von anderenorts aufgeschnappten Storys, schmücken diese aus und ernten so die Aufmerksamkeit von wenig medienaffinen Personen. Mit Journalismus haben solche Projekte so wenig zu tun wie die Neue Zürcher Zeitung mit Lockerheit oder die britische Zeitung Daily Mail mit der Wahrheit.</p>
<h3>Auswirkungen der Auswertungen</h3>
<p>Mit den Sozialen Netzwerken und der Möglichkeit, das Verhalten der Leser minuti­ös zu messen, ist die Quote in einen vormals quotenfreien Bereich des Journalismus gekommen &#8211; und zwar durch die Auswertung von Klicks, Visits, Shares, Likes, Favs, Retweets, Hearts, Thumbs up, etc. Wer darauf schielt beim Schreiben, erzeugt ein anderes Produkt. Und wer ein anderes Produkt erzeugt, braucht dafür andere Leute. Billigere, jüngere Kräfte in den Redaktionen konkurrenzieren deshalb sehr konkret die altgedienten Kräfte. Rainer Stadler <a href="http://www.nzz.ch/meinung/blogs/medienblog/581/2015/07/14/originalitaet-als-krisensymptom">stellte kürzlich fest</a>, dass «das Personal, das sich längerfristig in ein Sachgebiet vertiefen kann», rar wird. Die Veränderungen führen, wie es beim «Spiegel» oder bei der NZZ zu beobachten war, zu grossen, innerbetrieblichen Abwehrschlachten, zu Budgetkriegen.</p>
<p>Die Verschiebungen von zugeteilten Geldern verändern die Qualität des Produkts. Wer dem Praktikant die Verantwortung überträgt, darf sich nicht wundern, wenn es Qualitätsprobleme gibt. Man bemerkt den Qualitätsverlust, wenn man auf längere Stücke journalistisch etablierter Marken stösst, auf Beiträge, die vor zehn oder vor fünfzehn Jahren erschienen sind; sie haben oft sehr viel mehr Substanz als heutige Beiträge.</p>
<p>Weil Leser nur eine Marke wahrnehmen, schadet die Klickjägerei von Focus Online eben auch dem Printprodukt Focus &#8211; oder zieht die Qualität von beiden Titeln herunter. Die gesunkene Qualität bringt schliesslich Abonnenten dazu, ihre Abos zu kündigen. Ein Teufelskreis mit einem absehbarem, bösen Ende. Wiederum ist es aber auch nicht so, als hätten Print-Titel, die sich dem Internet ferngehalten haben, keine Verluste.</p>
<h3>Versuchsanlage «Welt»-Feuilleton</h3>
<p>Sehr schön zu beobachten sind die Personalverschiebungen innerhalb einer Marke im Feuilleton der «Welt», das kürzlich eine Reihe von ganz jungen Leuten angestellt hat, die man sicher ungestraft Inszenierungsjournalisten oder Krawalljournalisten nennen darf. Frédéric Schwilden beispielsweise, der auf seinem <a href="http://www.welt.de/autor/frederic-schwilden/">Profilbild</a> (Achtung: Provokation!) Schnurrbart, Seitenscheitel und dämonischen Blick spazieren führt. In seinen Texten, sorry, Schlagzeilen, bringt er sich mit grosser Emotion ein («Ohne Stefan Raab hätte ich mich umgebracht»), erweitert den Kulturbegriff («Jetzt hat Miley Cyrus&#8216; auch ihr Nippelgate») und fürchtet sich nach einem publizierten Artikel zuhause («Wie der Rapper Fler die ‹Welt› bedroht»). Andere, die Boulevard fahren, bittet er dann aber mit deutlichen Worten um etwas mehr Zurückhaltung: «Verschont uns mit Mozarts flachen Fäkal-Witzchen!»</p>
<p>Die Devise der neuen, von Performance getriebenen Medienordnung lautet: Wer Aufmerksamkeit holt, gewinnt. Wie, ist fast egal. Diesen Frühling teilte eine Facebook-Freundin den Artikel «Schafft endlich den Pfingstmontag ab!» von Politikredakteur Matthias Kamann mit dem Kommentar: «Hallo Welt! Selten so nen subjektiven Bullshit gelesen. Was hier für Leute schreiben&#8230;». Kurz: Das Konzept des Axel-Springer-Verlags, alle journalistischen Produkte entweder auf dem breiten Boulevard («Bild») oder auf dem sich über den Sumpf erhebenden Boardwalk («Welt») zu verteilen, und von den Intensivnutzern dieser Inhalte Geld zu verlangen, geht auf. Dank Menschen, die diese Storys beachten und teilen.</p>
<p>Zu Folgern bleibt: Wenn nur noch die Klickperformance zählt und nicht mehr die Argumente, der Nachrichtenwert oder die Qualität, dann hat sich der Journalismus &#8211; will man ihn denn noch so nennen &#8211; grundlegend verändert.</p>
<p><small>Hinweis: Links auf klickgierende Storys und Websites wurden mit Absicht unterlassen.</small></p>
<p><small><b>Übersicht der <a href="https://medienwoche.ch/tag/journalismus-im-internet/">Serie zum Journalismus im Internet</a>:</b><br />
1. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2015/08/18/der-journalismus-im-internet-ist-eine-enttaeuschung-denn-damit-du-diesen-text-liest-brauchst-du-so-eine-schlagzeile/">Die Enttäuschung</a><br />
2. Teil: Die Klicks</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/08/21/hereinspaziert-klicken-und-liken/">Hereinspaziert, klicken und liken!</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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