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	<title>Anne-Sophie Scholl | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
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		<title>SRF Kultur, Tamedia, CH Media</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Anne-Sophie Scholl]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 09 Jan 2021 10:46:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Tamedia]]></category>
		<category><![CDATA[CH Media]]></category>
		<category><![CDATA[SRF Kultur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>The Good – Smarter Start beim digitalen Marathon von SRF Sie sind quasi das Aushängeschild des digitalen Wandels, den SRF dieses Jahr anpacken will: die Videoclips «Bleisch &#38; Bossart», seit November auf dem SRF-Youtube-Channel. Ein wöchentliches Zehn-Minuten-Häppchen Philosophie mit dem Moderatorenduo der SRF-Sendung «Sternstunden»: Alltagsnah und persönlich diskutieren Barbara Bleisch und Yves Bossart Lebensfragen wie <a href="https://medienwoche.ch/2021/01/09/srf-kultur-tamedia-ch-media/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-84777" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/01/MW-Good-Bad-Ugly-20210109b-1.jpg" alt="" width="1456" height="488" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/01/MW-Good-Bad-Ugly-20210109b-1.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/01/MW-Good-Bad-Ugly-20210109b-1-300x101.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/01/MW-Good-Bad-Ugly-20210109b-1-768x257.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/01/MW-Good-Bad-Ugly-20210109b-1-1024x343.jpg 1024w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /></p>
<h3>The Good – Smarter Start beim digitalen Marathon von SRF</h3>
<p>Sie sind quasi das Aushängeschild des digitalen Wandels, den SRF dieses Jahr anpacken will: die Videoclips <a href="https://www.youtube.com/watch?v=b5cMSU1H2Og&amp;list=PL1NXgjXDUNJk3K30oY0_2smwIaQ5aH2_L" target="_blank" rel="noopener">«Bleisch &amp; Bossart»</a>, seit November auf dem SRF-Youtube-Channel. Ein wöchentliches Zehn-Minuten-Häppchen Philosophie mit dem Moderatorenduo der SRF-Sendung «Sternstunden»: Alltagsnah und persönlich diskutieren Barbara Bleisch und Yves Bossart Lebensfragen wie den Nutzen von Ritualen, den Sinn der Ehe oder die Gründe fürs Strafen.</p>
<p>Das Setting ist Backstage, das Gespräch als interessierter Austausch inszeniert und immer wieder schlagen die beiden den Bogen vom privaten Alltag zu grossen Denkerinnen und Denkern. Persönliche Nähe und philosophische Tiefe, das Ganze flankiert vom intensiven Dialog mit dem Publikum, auch auf Instagram und Facebook: Das funktioniert.</p>
<p>Und wie. Schon beim ersten Clip sei die Zahl der erwarteten Aufrufe ums Dreifache übertroffen worden. Die Zahl der Kommentare gar fast ums Zehnfache, sagt Kathrin Ruther, Bereichsleiterin Online &amp; Distribution von SRF Kultur und verantwortlich für das neue Format. Allein auf Youtube finden sich im Schnitt rund 180 Kommentare unter einem Clip.</p>
<p>Aber: Wird es auch gelingen, das Publikum auf die SRF-Plattformen zu ziehen, wie es die Distributionsstrategie vorsieht? Daten dazu gibt es zurzeit noch keine. Die Clips sollen ein Tor zur Themenwelt Philosophie und den langen Gesprächen auf den SRF-Plattformen auftun. Gelingen soll dies via Links, den Markenaufbau von SRF und die Persönlichkeit der Moderatoren. «Das ist kein Sprint, es ist ein Marathon», sagt Kathrin Ruther. Die anvisierte Zielgruppe sei jedenfalls erreicht: ein SRF-ferneres Publikum unter 45 Jahren, das zeigen die Daten.</p>
<p>Was man sagen kann: Ein fulminanter Start.</p>
<h3>The Bad – Erstickungsgefahr bei Tamedia</h3>
<p>Es war eine kleine Notiz: «Kultur ist nicht systemrelevant. Zum Glück, weil damit eine Last an Verantwortung einherginge, die alles ersticken würde, was Kultur sonst so gross macht: die Lust am Spiel, das ästhetische Experiment, das Risiko.» Das schrieb Tamedia im Kulturbund der Sonntagszeitung über das klobige Wort des Jahres. Die neue SRF-Kulturchefin Susanne Wille hingegen liess unlängst in einem Interview verlauten: «Kultur ist der Sauerstoff, den wir alle brauchen.» Entgegengesetzter könnten die beiden Aussagen nicht sein.</p>
<p>Systemtheorie sagt: Jedes System braucht Reflexionsräume, damit das System sich weiterentwickeln kann und – nun ja, nicht erstickt. Man mag an die Narrenfiguren im Mittelalter und in der frühen Neuzeit denken. Und an den abtretenden NZZ-Medienredaktor Rainer Stadler, der in seinem denkwürdigen Abschiedsinterview gesagt hat, in heutigen Zeiten schwinde in der Medienwelt die Toleranz gegenüber Hofnarren. Die Tamedia-Notiz ist eine Absage an die gesellschaftliche Relevanz des Spiels, des ästhetischen Experiments, des Risikos. Sie ist eine Entmündigung der Kultur.</p>
<p>Sauerstoff oder Nice-to-have: Das ist keine Aussage über die Kultur, sondern über den Kulturbegriff – und damit über das jeweilige Unternehmen.</p>
<h3>The Ugly – Pinkwashing* bei CH Media</h3>
<p>Dieses Jahr feiern wir 50 Jahre Frauenstimmrecht. Und auf den Online-Seiten von CH Media prangt noch immer ein Artikel von mir — als Mahnmal quasi einer mutmasslich frauenverachtenden Haltung der publizistischen Leitung. Es ist mein <a href="https://www.annesophiescholl.ch/beitrag-2/" target="_blank" rel="noopener">persönlicher Essay</a> zum Frauenstreik im Juni 2019. Bei der Erstpublikation erzielte der Essay höchste Zugriffswerte. In der Folge wurde der Artikel von weiteren Online-Plattformen des Konzerns übernommen, notabene dem St. Galler Tagblatt — als verstümmelte Trophäe: Ohne Rücksprache zensierten die Verantwortlichen Passagen, bei denen sie sich selbst in der Kritik sahen. Ein St. Galler Politiker qualifizierte das Vorgehen als Realsatire. Der Essay einschliesslich Kommentar zur Publikationsgeschichte wurde für den Schweizer Reporterpreis nominiert.</p>
<p>Ein <a href="https://www.zytglogge.ch/frau-macht-medien-schweiz-journalistinnen-bader-fopp" target="_blank" rel="noopener">vielbeachtetes Buch</a> hat jüngst festgehalten: CH Media seien Frauen offenbar egal. Was man in dem Buch auch nachlesen kann: Die bekannte Wirtschaftsjournalistin Patrizia Laeri musste sich mit Hilfe einer Anwältin gegen eine sexistische Darstellung ihrer Person in Aarau zur Wehr setzen. Und: Journalistische Nachfragen der Autorinnen zu dem Fall hat der Chefredaktor ignoriert.</p>
<p>Unterdessen hat man jedoch auch in Aarau gemerkt: Es braucht eine Frau in der Teppichetage, das muss heute sein. Seit Jahresanfang gibt es eine stellvertretende Chefredaktorin in der CH Media Redaktion. Die Frau ist eine ausgewiesene, sehr fähige Journalistin, keine Frage. Doch: Der bestehenden Chefredaktion mit zwei Stellvertretern wird neu einfach eine zusätzliche Frau hinzugestellt. Wandelt sich die Redaktion mit der weitaus grössten Reichweite in der Deutschschweiz damit in Sachen Diversität wirklich vom Saulus zum Paulus?</p>
<p>Solange CH Media nicht einsieht, dass sie dieses Memento misogynen Machtmissbrauchs von ihren Portalen nehmen müssen und sich eine Entschuldigung bei der Autorin aufdrängt, zwingt CH Media dazu, jeglichen vermeintlich gleichstellungspolitischen Schachzug zu qualifizieren als: Pinkwashing*.</p>
<p><small>* Unter dem Begriff «Pinkwashing» wurde an der Corona Session #5 des Reporter-Forums die Instrumentalisierung von Frauen in den Medien diskutiert, namentlich von Patrizia Laeri. Mitglieder der LGBT+-Community haben eine solche Verwendung des Begriffs auch in dieser Kolumne auf Facebook scharf kritisiert: Pinkwashing bezeichne die Instrumentalisierung von LGBT+. Tatsache ist: In aktueller feministischer Literatur, die sich für umfassende Diversity einsetzt ist, die Farbe Pink sehr präsent. Möglicherweise findet derzeit gerade eine Erweiterung und/oder Aneignung des Begriffs statt.</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/01/09/srf-kultur-tamedia-ch-media/">SRF Kultur, Tamedia, CH Media</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Das Magazin, Literaturkritik, Sonntagsblick</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2020/11/07/das-magazin-literaturkritik-sonntagsblick/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Anne-Sophie Scholl]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 07 Nov 2020 09:52:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Literaturkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Das Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Sonntagsblick]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>The Good – Das Wort den Turnerinnen Der «Blick» zuerst, danach folgten weitere Zeitungen, «Le Temps», die «NZZ am Sonntag», das Westschweizer Fernsehen RTS: Sie meldeten im Sommer menschenunwürdige Trainingsmethoden im Leistungszentrum des Schweizerischen Turnverbands in Magglingen. Köpfe rollten und eine Anwaltskanzlei wurde mit einer Untersuchung beauftragt. Damit hätte die Geschichte gegessen sein können. Doch <a href="https://medienwoche.ch/2020/11/07/das-magazin-literaturkritik-sonntagsblick/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/11/07/das-magazin-literaturkritik-sonntagsblick/">Das Magazin, Literaturkritik, Sonntagsblick</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-83154" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/11/MW-GBU-20201107b.jpg" alt="" width="1456" height="488" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/11/MW-GBU-20201107b.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/11/MW-GBU-20201107b-300x101.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/11/MW-GBU-20201107b-768x257.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/11/MW-GBU-20201107b-1024x343.jpg 1024w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /></p>
<h3>The Good – Das Wort den Turnerinnen</h3>
<p>Der «Blick» zuerst, danach folgten weitere Zeitungen, «Le Temps», die «NZZ am Sonntag», das Westschweizer Fernsehen RTS: Sie meldeten im Sommer menschenunwürdige Trainingsmethoden im Leistungszentrum des Schweizerischen Turnverbands in Magglingen. Köpfe rollten und eine Anwaltskanzlei wurde mit einer Untersuchung beauftragt. Damit hätte die Geschichte gegessen sein können.</p>
<p>Doch die beiden «Magazin»-Journalisten Christof Gertsch und Mikael Krogerus bohrten weiter. Am Samstag vor einer Woche publizierten sie <a href="https://www.tagesanzeiger.ch/wie-turnerinnen-in-magglingen-gebrochen-werden-170525604713" target="_blank" rel="noopener">«Die Magglingen-Protokolle»</a> in einer quasi monothematischen Ausgabe im «Magazin» und in weiteren Tamedia-Publikationen in der Romandie. In dem Text richten sie den Fokus nicht auf einzelne Personen, sondern auf das System, auf den historisch-politischen Kontext, auf die Gesellschaft — auf uns alle. Nicht zum ersten Mal wurden Vorwürfe gegen missbräuchliche Trainingsmethoden laut, nicht zum ersten Mal wurden Verantwortliche ausgewechselt. War die mediale Aufmerksamkeit verschwunden, blieben die Missstände.</p>
<p>Vor allem aber: Gertsch und Krogerus stellen die Frauen ins Zentrum. Acht junge Frauen stehen hin, mit Bild, mit vollem Namen, mit ihren Aussagen. Ihr O-Ton dominiert den Artikel, die Journalisten lassen die jungen Frauen und weitere ehemalige Turnerinnen als die starken Akteurinnen auftreten, die sie sind.</p>
<p>Das setzt Massstäbe. Es ist eine grossartige Recherche, in Form und Inhalt. Schon jetzt ist klar: Es ist einer der wichtigsten Texte des Jahres.</p>
<p>Unterdessen hat <a href="https://www.bluewin.ch/de/sport/weitere/magglingen-protokolle-frau-amherd-war-erschuettert-457919.html" target="_blank" rel="noopener">Viola Amherd</a> reagiert, die Bundesrätin will durchgreifen. Drei Monate haben die beiden Journalisten für die Recherche investiert – solchen Journalismus muss man sich leisten können. Die Schweiz muss sich solchen Journalismus leisten.</p>
<h3>The Bad – Achtung: elitäre Literatur!</h3>
<p>Am Sonntag wird der Schweizer Buchpreis für das wichtigste Buch des Jahres verliehen. Schon jetzt ist klar: Dorothee Elmiger muss den Preis gewinnen. Ihr Buch «Aus der Zuckerfabrik» ist herausragend, inhaltlich und literarisch.</p>
<p>Falls Sie das Buch lesen wollen, geben wir Ihnen hier eine Einordnung der Berichterstattung mit Lesetipps:</p>
<p>📚 Das Buch ist experimentell. Das ist nichts Schlimmes. Es heisst einfach: Das Buch hat keinen Plot, die Textfragmente treten miteinander in Dialog. Die Verbindungen dürfen Sie herstellen. Befolgen Sie den <a href="https://www.zeit.de/2020/34/dorothee-elmiger-aus-der-zuckerfabrik-buch" target="_blank" rel="noopener">Rat der Autorin</a>: Wenn Ihnen eine Stelle zu wirr erscheint, lesen Sie einfach darüber hinweg.</p>
<p>📚 Das Buch zitiert eine Vielzahl historischer Persönlichkeiten. Sie haben diese Namen noch nie gehört? Das spielt keine Rolle. Auch hier: Folgen Sie dem Rat der Autorin, lesen Sie das Buch nicht mit zu viel Respekt. Alles, was Sie wissen müssen, steht im Text. Wissen über das zitierte Personal auszuspielen ist eine überholte Kritikereitelkeit. Es ist auch eine Form der Aneignung des Textes – im Buch selbst wirft Elmiger die Frage auf: Wie kann ich schreiben, ohne mir den Gegenstand des Textes anzueignen?</p>
<p>📚 Kolonialismus, Kapitalismus, Kant: Sie glauben, das Buch ist ein Männerbuch? Dann haben Sie vermutlich <a href="https://www.tagesanzeiger.ch/ueberall-zeichen-und-zusammenhaenge-729643450104" target="_blank" rel="noopener">die eine</a> oder <a href="https://www.tagblatt.ch/kultur/elmiger-im-zuckerschock-ld.1247219" target="_blank" rel="noopener">andere Rezension</a> eines Kritikermannes gelesen — die statistische Wahrscheinlichkeit dafür ist in der Schweiz sehr hoch. Aber es stimmt nicht: Es kommen viele Frauen darin vor, mit <a href="https://www.woz.ch/-ad4a" target="_blank" rel="noopener">bemerkenswerten Biografien</a>. «Aus der Zuckerfabrik» ist ein sehr offener Text — Frauen lesen anders, Männer auch, das zeigt sich in diesem Fall deutlicher als gewöhnlich. Es geht in dem Buch um Rassismus UND um Sexismus, vor allem geht es darum, wie die beiden zusammenhängen.</p>
<p>Lesen Sie das Buch einfach selbst. Seien Sie neugierig. Haben Sie Humor. Lassen Sie sich berauschen. Viel Vergnügen!</p>
<h3>The Ugly – Goldene Tomate für den Sonntagsblick</h3>
<p>Wir haben es immer vermutet. Nun wissen wir: Jürg Halter KANN lächeln. Der Beweis gelang SRF-Literaturclub-Moderatorin Nicola Steiner jüngst in <a href="https://www.facebook.com/srfkultur/posts/3587044551357339" target="_blank" rel="noopener">einem Clip</a> mit dem düsteren Barden.</p>
<p>Nichts zu lächeln hatte Jürg Halter diese Woche. Am Sonntag publizierte der Sonntagsblick viereinhalb Doppelseiten zum Thema, wie «wir» durch die Krise kommen – und erntete damit einen <a href="https://twitter.com/QuotenTweet/status/1322856888220995584?s=20" target="_blank" rel="noopener">Shitstorm</a> auf Social Media. Unter den 111 portierten Persönlichkeiten waren lediglich 23 Frauen, auf der ersten Doppelseite war eine einzige Frau zu sehen, der Rest lauter Männer ü50, ü60, ü70, ü80. Zahlreiche Frauen protestierten, ganz genau sah der düstere Barde hin: Es sind alles <a href="https://twitter.com/halterjuerg/status/1322884529938378756" target="_blank" rel="noopener">Millionäre</a>, schreibt Jürg Halter auf Twitter, das sei geradezu zynisch.</p>
<p>Oder: Haben wir etwas verpasst und sie alle wollen freiwillig eine Solidaritäts-Sondersteuer zahlen – wie sie in Deutschland bei Wiederaufbau nach dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg erhoben wurde?</p>
<p>Liebe Medienkommission, lieber Nationalrat, lieber Ständerat: Wir bitten Sie inständig, integrieren Sie eine griffige Genderpolitik in die überarbeitete Version der Medienförderung. Retten Sie so die Herren an den Schaltstellen der Vierten Gewalt vor künftigen geschäfts- und gesellschaftsschädigenden Fauxpas.</p>
<p>Wir vergeben derweil den Preis der Goldenen Tomate.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/11/07/das-magazin-literaturkritik-sonntagsblick/">Das Magazin, Literaturkritik, Sonntagsblick</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Gut recherchiert, gut gemeint, gut geklickt</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2020/10/17/gut-recherchiert-gut-gemeint-gut-geklickt/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Anne-Sophie Scholl]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 17 Oct 2020 08:10:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Literaturkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Nationalbank]]></category>
		<category><![CDATA[Gendergerechte Sprache]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>The Good — Recherche wirkt, SNB reagiert Guter Journalismus hat Folgen: Erst auf Swissinfo, dann in der «Republik» machten Fabio Canetg und Patrizia Laeri Sexismusvorwürfe gegen die Schweizerische Nationalbank SNB publik. Das Thema wurde breit aufgegriffen, schweizweit etwa in der Tagesschau, sowie in internationalen Medien. Diese Woche musste sich Thomas Jordan, Präsident der SNB, vor <a href="https://medienwoche.ch/2020/10/17/gut-recherchiert-gut-gemeint-gut-geklickt/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/10/MW-GBU-Jordan-20201017b.jpg" alt="" width="1456" height="488" class="alignnone size-full wp-image-82308" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/10/MW-GBU-Jordan-20201017b.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/10/MW-GBU-Jordan-20201017b-300x101.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/10/MW-GBU-Jordan-20201017b-768x257.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/10/MW-GBU-Jordan-20201017b-1024x343.jpg 1024w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /></p>
<h3>The Good — Recherche wirkt, SNB reagiert</h3>
<p>Guter Journalismus hat Folgen: Erst auf <a href="https://www.swissinfo.ch/ger/hat-die-nationalbank-ein-maennerproblem-/45980892" rel="noopener" target="_blank">Swissinfo</a>, dann in der <a href="https://www.republik.ch/2020/09/24/die-letzte-bastion" rel="noopener" target="_blank">«Republik»</a> machten Fabio Canetg und Patrizia Laeri Sexismusvorwürfe gegen die Schweizerische Nationalbank SNB publik. Das Thema wurde breit aufgegriffen, schweizweit etwa in der Tagesschau, sowie in internationalen Medien. Diese Woche musste sich Thomas Jordan, Präsident der SNB, vor dem <a href="https://www.handelszeitung.ch/unternehmen/arbeitskultur-der-snb-thomas-jordan-muss-sich-rechtfertigen" rel="noopener" target="_blank">Bankrat</a> erklären.</p>
<p>Online-Kommentatoren versuchten hingegen, die Vorwürfe kleinzureden. Die Beweislage sei dünn, hiess es etwa. Eine derartige Argumentation ist jedoch nur nachvollziehbar, wenn man Sexismus mit Vergewaltigung gleichsetzt. Der Druck auf Thomas Jordan macht klar: Eine solche Auffassung ist letztes Jahrhundert. </p>
<p>Die Recherchen zum Männerverein SNB haben Standards verschoben. Sie zeigen bei einer der prestigeträchtigsten Institutionen der Schweiz: In der Arbeitskultur von Unternehmen gehört  ein Verständnis für Diversität und Gleichstellungsfragen heute dazu. Und: Die Chefs stehen in der Verantwortung. Gut so.</p>
<h3>The Bad — Die Frau, das Mängelwesen</h3>
<p>Kurz nachdem die Sexismusvorwürfe gegen die Nationalbank laut wurden, veröffentlichten die Tamedia-Zeitungen einen Artikel zu <a href="https://www.tagesanzeiger.ch/so-koennen-frauen-den-lohn-besser-verhandeln-710966204208" rel="noopener" target="_blank">Lohnverhandlungen</a>. Der Autor liess eine Gleichstellungsexpertin und eine Coachin für Führungskräfte zu Wort kommen. Frauen müssten lernen, höhere Löhne zu verlangen, hiess es in dem Text. Schon klar. Der Artikel ist gut gemeint, das würdigen wir an dieser Stelle. Trotzdem ist er sexistisch.</p>
<p>Thomas Jordan, der Chef der Nationalbank, ist sicher gut in Lohnverhandlungen. Er ist Topverdiener, auch im <a href="https://www.handelszeitung.ch/panorama/kein-notenbank-chef-verdient-so-viel-wie-thomas-jordan" rel="noopener" target="_blank">internationalen Vergleich</a>. 2019 erhielt er, Arbeitgeberbeiträge, Pensionspläne und AHV inklusive, <a href="https://www.blick.ch/wirtschaft/boss-jordan-mit-dicker-einbusse-jedes-snb-direktoriumsmitglied-verdiente-letztes-jahr-920000-franken-id15228809.html" rel="noopener" target="_blank">1,22 Millionen Franken</a> Lohn, notabene finanziert aus Steuergeld – und dies, obwohl er offensichtlich eklatante Führungsdefizite hat. Im Interview von SRF auf die Sexismusvorwürfe angesprochen, bewies er vor laufender Kamera: Mit dem Thema Gleichstellung hat er sich bisher <a href="https://www.srf.ch/news/wirtschaft/sexismusvorwuerfe-an-snb-thomas-jordan-wir-weisen-die-vorwuerfe-ganz-entschieden-zurueck" rel="noopener" target="_blank">nie auseinandergesetzt</a>.</p>
<p>Männer würden bei der Arbeit Entwicklungs- und Aufstiegschancen privilegieren, Frauen eine sinnvolle Arbeit und ein gutes Umfeld, so der Artikel. Aber: Ein Lohn von 1,22 Millionen Franken ist absurd. Zum Vergleich: Eine systemrelevante Pflegefachfrau, die Nachtschicht arbeitet und in der Coronakrise ihr Leben und das ihrer Familie riskiert, verdient rund <a href="https://www.nzz.ch/zuerich/coronavirus-braucht-es-mehr-lohn-fuer-schweizer-pflegepersonal-ld.1550773" rel="noopener" target="_blank">80’000 Franken</a>.</p>
<p>Nicht (nur) Frauen haben Nachholbedarf. Was es braucht, sind Gender-Sensibilisierungskurse für Führungskräfte. Was es ebenfalls braucht, sind Männerlimits in Führungspositionen. Denn in den Führungsetagen ist beides gefragt: Der Fokus auf Aufstieg und Entwicklung UND der Fokus auf ein gutes Umfeld und Sinn. </p>
<p>Was wir gerne hätten: Mehr Service-Artikel zu Gender-Sensibilisierung für Kadermänner und zu Psychologieseminaren, wie sie Geldgier und Geltungsdrang in Griff kriegen.</p>
<h3>The Ugly — Bro-Culture und Clickbaiting</h3>
<p>Skandal! Skandal! Jüngst enthüllte die <a href="https://www.tagesanzeiger.ch/dandy-vom-bund-bezahlt-902919851617" rel="noopener" target="_blank">«Sonntagszeitung»</a> auf zwei Seiten: Pro Helvetia, die Kulturstiftung des Bundes, hat dem Autor Christian Kracht einen Werkbeitrag von 25’000 Franken zugesprochen. Dies, obwohl der Autor mutmasslich ein grosses Vermögen hat. Jury-Mitglied Philipp Theisohn soll die Fäden gezogen haben. Dies, obwohl der Literaturprofessor wegen Befangenheit bei dem Entscheid in Ausstand getreten war. Am vergangenen Sonntag doppelte die Zeitung in einer Kolumne nach. </p>
<p>Mit Verlaub: Ein Werkbeitrag ist keine Sozialhilfe für Autoren. Ein Werkbeitrag wird für den künstlerischen Wert eines literarischen Projekts gesprochen – weil sich der Aufwand für ein Buch normalerweise niemals auszahlt. Das hat Bestsellerautor Charles Lewinsky unlängst <a href="https://www.tagesanzeiger.ch/sexgeschichten-meine-kinder-wuerden-sich-schuetteln-vor-lachen-964011018053" rel="noopener" target="_blank">vorgerechnet</a>, ebenfalls in der «Sonntagszeitung». Ein Werkbeitrag ist quasi der aufgestupfte Lohn für ein literarisch wertvolles Projekt. Der Skandal ist herbeigeschrieben.</p>
<p>Liebe Tamedia. Wenn Ihr originell sein wollt, schlagt Reichen-Detektive vor, die zum Beispiel das Vermögen von Thomas Jordan erschnüffeln. Man könnte dann – eventuell – zum Schluss kommen: Er braucht keinen Lohn. Rein monetär betrachtet würde sich der Aufwand so wenigstens lohnen.</p>
<p>Der Artikel ist Unfug. Er ist dem neuen Genre des Aufreger-Journalismus zuzurechnen. Auf Neudeutsch: Clickbaiting. Auf Kosten der Kultur.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/10/17/gut-recherchiert-gut-gemeint-gut-geklickt/">Gut recherchiert, gut gemeint, gut geklickt</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Lehrstück Medienmacht, Männer fördern Männer, Interview als Kommentar-Aufguss</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Anne-Sophie Scholl]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 12 Sep 2020 07:55:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Medienförderung]]></category>
		<category><![CDATA[persönlich]]></category>
		<category><![CDATA[CH Media]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>The Good — Schleuderkurs des Grossverlegers Ein Aufatmen geht durch die Branche. Am Donnerstag hat der Nationalrat mit deutlichem Mehr die Medienförderung an die vorberatende Kommission zurückgewiesen. Diese hatte in letzter Minute die Online-Förderung aus dem Paket ausgeschlossen. Der Entscheid, das Förderpaket aufzuschnüren, war äusserst knapp gefallen. Er ist wahrscheinlich dem Verwaltungsratspräsidenten von CH Media <a href="https://medienwoche.ch/2020/09/12/lehrstueck-medienmacht-maenner-foerdern-maenner-interview-als-kommentar-aufguss/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-81322" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/09/MW-Good-Bad-Ugly-20200912b.jpg" alt="" width="1456" height="488" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/09/MW-Good-Bad-Ugly-20200912b.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/09/MW-Good-Bad-Ugly-20200912b-300x101.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/09/MW-Good-Bad-Ugly-20200912b-768x257.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/09/MW-Good-Bad-Ugly-20200912b-1024x343.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /></p>
<h3>The Good — Schleuderkurs des Grossverlegers</h3>
<p>Ein Aufatmen geht durch die Branche. Am Donnerstag hat der Nationalrat mit deutlichem Mehr die Medienförderung an die vorberatende Kommission <a href="https://www.persoenlich.com/medien/print-und-online-bleiben-zusammen?fbclid=IwAR15aUQlVbwuik1iWmPFU-CRx_Pp4fERAP6k-RuIlC3_vXzT_8ZihMJKVUA" target="_blank" rel="noopener">zurückgewiesen</a>. Diese hatte in letzter Minute die Online-Förderung aus dem Paket ausgeschlossen. Der Entscheid, das Förderpaket aufzuschnüren, war äusserst knapp gefallen. Er ist wahrscheinlich dem Verwaltungsratspräsidenten von CH Media zu verdanken. Peter Wanner hatte zuvor in einem ganzseitigen <a href="https://www.aargauerzeitung.ch/kommentare-aaz/ungereimtheiten-bei-der-digitalen-medienfoerderung-eine-analyse-von-verleger-peter-wanner-138844319" target="_blank" rel="noopener">Meinungsbeitrag</a> in der «Schweiz am Wochenende» geschrieben, die Online-Förderung sei unausgereift. Die «Schweiz am Wochenende» ist seine eigene Zeitung. Die Zeitung hat eine Reichweite von Aarau bis Zernez und die mit Abstand höchste Auflage in der Schweiz — allerdings nur im Print.</p>
<p>Dabei sei es gar nicht in seinem Sinn gewesen, die Online-Förderung abzuschiessen. Das jedenfalls schrieb Wanner, der auch stellvertretender Präsident des Verlegerverbandes ist, allen Nationalrätinnen und Nationalräten <a href="https://www.republik.ch/2020/09/08/verleger-wanner-zur-medienfoerderung-ich-befuerworte-das-paket" target="_blank" rel="noopener">in einer Mail</a>, um sie wieder auf Spur zu bringen, wie die Republik bekannt machte.</p>
<p>Wanners kommunikativer Schleuderkurs führt vor: Der Grossverleger hat zu viel Macht. Damit liefert er das beste Argument für eine starke Förderung neuer, innovativer, unabhängiger Online-Medien. Das Geschäft geht also in die vorberatende Kommission zurück. Es dauert nun alles ein bisschen länger. Im besten Fall bauen sie nun die Online-Förderung sogar aus — und ergänzen das Paket mit einer ebenso dringend benötigten griffigen Genderpolitik, zum Beispiel Frauenquoten. Damit wären wir beim «The Bad» der Woche.</p>
<h3>The Bad — Leadership in den Medien</h3>
<p>Seit diesem Monat schreibt der frühere NZZ-am-Sonntag-Mann Francesco Benini für die CH-Media-Zeitungen. Wir erinnern uns: Bei der Bekanntgabe der Personalie liess sich CH-Media-Chefredaktor Patrik Müller mit folgendem Satz <a href="http://www.kleinreport.ch/news/francesco-benini-von-der-nzz-am-sonntag-zu-ch-media-94314/" target="_blank" rel="noopener">zitieren</a>: «Man kennt sich gegenseitig, über die Zeit ist es dann zu dieser Entscheidung gekommen».</p>
<p>Was der CH-Media-Chefredaktor nicht zu wissen scheint: Diesen Satz, den er hörbar stolz vorbringt, führt moderne Leadership-Literatur exemplarisch an als Ursache für die Verhinderung von Frauenkarrieren. Mit solcher Personalpolitik ist CH Media nicht alleine. Im jüngst erschienenen Buch <a href="https://www.zytglogge.ch/frau-macht-medien-schweiz-journalistinnen-bader-fopp" target="_blank" rel="noopener">«Frau. Macht. Medien»</a> sagt Andrea Bleicher, vormals Chefredaktorin beim «Blick» und stellvertretende Chefredaktorin der «Sonntagszeitung»: «Die Beförderungsstrategien im Journalismus sind hochgradig amateurhaft. Man findet jemanden witzig beim Feierabendbier und stellt ihn ein.»</p>
<p>Zusammen mit Männerdominanz in Entscheidungsgremien und harten Hierarchien, die durch die Medienkonzentration maximiert werden, ist das der Grund, warum Frauen in der Branche nicht vorankommen, die sich als vierte Gewalt sehen will und neuerdings Anspruch auf satte Steuergelder stellt. Apropos Männerdominanz, bei CH Media sieht die Chefredaktion einschliesslich Chefsessel in St. Gallen, Luzern, Basel und Aarau so aus:<br />
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<p>Jüngst hat mehr als eine halbe Million Menschen auf der Strasse echte Gleichstellung verlangt.<br />
Das <a href="https://www.medienfrauen.ch/" target="_blank" rel="noopener">Netzwerk Medienfrauen Schweiz</a> fordert 50 Prozent Frauen auf allen Führungsebenen.</p>
<p>Vor einem Jahr hat das CH-Media-Männergremium vorgeführt, dass sie, um Platz für andere zu schaffen, problemlos ausgewiesene Journalistinnen auf die Strasse stellen können — etwa die langjährige Bundeshausjournalistin <a href="https://www.google.com/search?q=eva+novak+entlassen&amp;oq=eva+novak+entlassen&amp;aqs=chrome..69i57j33.2598j0j1&amp;sourceid=chrome&amp;ie=UTF-8" target="_blank" rel="noopener">Eva Novak</a>, damals 60-jährig.</p>
<p>Wir wünschen keinem Kollegen, dass er seinen Job verliert. Trotzdem, was wir jetzt gerne sehen würden: Wie dieses Gremium Platz schafft für fünf wunderbare Frauen. Wie CH Media dann vertrauensvoll in die Zukunft schaut, dass diese Frauen mit Unterstützung vom Team und der neuen Co-Leitung ganz neue Talente beweisen werden.</p>
<h3>The Ugly — Journalismus als Schalltrichter</h3>
<p>Wenn drei vergleichbare Ereignisse auftreten, spricht man von einem Trend. So geht ein Bonmot im Journalismus. Letzte Woche haben wir an dieser Stelle einen Text von Chefredaktor Matthias Ackeret des Medienportals «Persönlich» kritisiert, diese Woche müssen wir es wieder tun.</p>
<p>«Persönlich» steigt am Montag in die Woche ein mit einem gross aufgemachten Interview mit <a href="https://www.persoenlich.com/medien/wir-werden-aspekte-aus-dem-buch-publizieren" target="_blank" rel="noopener">Tamedia-Chefredaktor Arthur Rutishauser</a>. Dieser hatte in der Sonntagszeitung einen Kommentar verfasst. Darin ging es um den Entscheid des Zuger Kantonsgerichts und dessen vorsorgliche Verfügung in der Causa Jolanda Spiess-Hegglin und — nein, nicht Blick, sondern Tamedia. Punkt für Punkt durfte der Tamedia-Chefredaktor auf «Persönlich» seinen Kommentar noch einmal ausführen.</p>
<p>Dabei vergass der Interviewer die einzig relevante Frage: Warum in dem Kommentar in der «Sonntagszeitung» von Buchverbot die Rede ist, wo das Gericht doch bloss ein Persönlichkeitsverletzungsverbot verfügt hat. Ein Verbot der Persönlichkeitsverletzung ist keine Verletzung der Pressefreiheit. Ein Verbot der Persönlichkeitsverletzung bedeutet Schutz der Intimsphäre, hier: der Intimsphäre einer Frau. Wenn ein Chefredaktor einem anderen Chefredaktor den Teppich ausrollt — kann man da noch von Journalismus reden?</p>
<p>&#8212;<br />
<small><strong>Update 13.9.2020</strong>: In einer früheren Version der Rubrik «The Ugly» stand: «Ein Verbot der Persönlichkeitsverletzung ist keine Einschränkung der Pressefreiheit.» Das ist insofern falsch, weil Persönlichkeitsschutz die Pressefreiheit sehr wohl einschränkt: Die Pressefreiheit reicht nur so weit, wie sie das Gebot des Persönlichkeitsschutzes nicht verletzt.</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/09/12/lehrstueck-medienmacht-maenner-foerdern-maenner-interview-als-kommentar-aufguss/">Lehrstück Medienmacht, <br>Männer fördern Männer, <br>Interview als Kommentar-Aufguss</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Role Models für die Zukunft, Nachruf auf die Literaturkritik, geschmackloses Beirut-Bild</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2020/08/15/role-models-fuer-die-zukunft-nachruf-auf-die-literaturkritik-geschmackloses-beirut-bild/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Anne-Sophie Scholl]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 15 Aug 2020 11:52:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Blick]]></category>
		<category><![CDATA[Schweizer Monat]]></category>
		<category><![CDATA[Susanne Wille]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>The Good – Susanne Wille und Franz Fischlin Die Medien müssten in Fragen der Gleichstellung und des Sexismus Vorbildfunktion einnehmen. Sie müssten Leuchttürme sein. Sonst setzen sie sich dem Vorwurf aus, scheinheilig zu sein: Das sagte Susanne Wille vor einem Jahr in einem Interview mit den Tamedia-Zeitungen. Seit diesem Sommer leitet Wille bei SRF die <a href="https://medienwoche.ch/2020/08/15/role-models-fuer-die-zukunft-nachruf-auf-die-literaturkritik-geschmackloses-beirut-bild/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-80420" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/08/MW-Good-Bad-Ugly-Anne-Wille-20200815b.jpg" alt="" width="1456" height="428" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/08/MW-Good-Bad-Ugly-Anne-Wille-20200815b.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/08/MW-Good-Bad-Ugly-Anne-Wille-20200815b-300x88.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/08/MW-Good-Bad-Ugly-Anne-Wille-20200815b-768x226.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/08/MW-Good-Bad-Ugly-Anne-Wille-20200815b-1024x301.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /></p>
<h3>The Good – Susanne Wille und Franz Fischlin</h3>
<p>Die Medien müssten in Fragen der Gleichstellung und des Sexismus Vorbildfunktion einnehmen. Sie müssten Leuchttürme sein. Sonst setzen sie sich dem Vorwurf aus, scheinheilig zu sein: Das sagte Susanne Wille vor einem Jahr in einem <a href="https://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/srg-frauenfoerderung-wird-zur-chefsache/story/24889874" target="_blank" rel="noopener">Interview mit den Tamedia-Zeitungen</a>. Seit diesem Sommer leitet Wille bei SRF die <a href="https://medien.srf.ch/-/susanne-wille-wird-abteilungsleiterin-kultur-bei-srf" target="_blank" rel="noopener">Abteilung Kultur</a>.</p>
<p>Viel Arbeit hinsichtlich Gleichstellung scheint in ihrer neuen Funktion nicht auf sie zu warten: SRF hat bereits lauter fähige Frauen gefunden. Neben Susanne Wille etwa Sandra Leis als Leiterin Kultur und Gesellschaft, Judith Hardegger als Leiterin «Sternstunde», Esther Schneider als Leiterin Literatur, Nicola Steiner als Leiterin «Literaturclub».</p>
<p>Bei den klassischen Zeitungshäusern hingegen herrscht nach wie vor Gleichstellungswüste: Alle nationalen Leitungsposten sind in fester Männerhand, auch das redaktionelle Fussvolk ist grossmehrheitlich männlich. Ich rede hier von der Kulturberichterstattung — für die sich beim Publikum bekanntermassen deutlich mehr Frauen als Männer interessieren.</p>
<p>Trotzdem: Wie ernst es Susanne Wille mit ihrer Aussage ist, führt sie auch im Privaten vor, zusammen mit ihrem Partner Franz Fischlin: Im Juli gab Fischlin den «Medienclub» ab, um, wie er sagte, mehr Zeit für die Familie zu haben. Im Klartext: Er trat kürzer, sie trat vor.</p>
<h3>The Bad – «Schweizer Monat»</h3>
<p>Nach der Sommerpause nimmt das Leben wieder Fahrt auf und die Schweiz ist um ein Literaturmagazin ärmer: Im Juli gab der «Literarische Monat» mit der letzten gedruckten Ausgabe <a href="http://www.kleinreport.ch/news/der-literarische-monat-wird-eingestellt-95067/" target="_blank" rel="noopener">sein Ende bekannt</a>. Der «Literarische Monat» erschien seit 2011 als Beilage des «Schweizer Monats». Das Magazin berichtete ausschliesslich über Schweizer Literatur, aus allen Landesteilen, war kritisch und hat immer wieder relevante Themenschwerpunkte gelegt. Ein Hintertürchen behalten sich die Macher offen: Vereinzelt sollen nun online Texte erscheinen.</p>
<p>Der «Literarische Monat» ist nicht die einzige Plattform für Literatur, die verschwindet. Die NZZ publiziert heute vor allem Essays, die Kulturredaktion von Tamedia ist in einem neuen Ressort «Leben» aufgegangen, der langjährige Literaturredaktor ist seit diesem Monat pensioniert. Ob er ersetzt wird, ist unklar. Und die «NZZ am Sonntag»-Beilage «Bücher am Sonntag» präsentiert sich seit Corona merklich dünner.</p>
<p>Dabei sind Bücher durchaus beliebt. Zum Start des zusammengelegten Ressorts «Leben» machte Tamedia eine nicht repräsentative Umfrage bei ihrem Publikum. Diese ergab: 90 Prozent der Teilnehmenden lesen, 50 Prozent lesen mehr als zehn Bücher pro Jahr. Blogs füllen wichtige Lücken. Ein Ersatz für einen professionellen Diskurs in der Öffentlichkeit über Schweizer Kulturschaffen sind sie nicht. Die reiche Schweiz leistet es sich, einen solchen schleichend austrocknen zu lassen. Gegensteuer will <a href="https://www.persoenlich.com/medien/wir-gehen-zuruck-zu-den-ursprungswurzeln" target="_blank" rel="noopener">ausgerechnet die Weltwoche</a> geben. Diese Woche ist sie neu gestartet mit einem Ausbau des Kulturteils unter dem ehemaligen «NZZ Folio»-Chef Daniel Weber als «Herausgeber». Sie verspricht «mindestens 12 Seiten» pro Woche und einen «möglichst breiten Kulturbegriff», zählen soll vor allem eine brillante Schreibe. Wir sind gespannt.</p>
<h3>The Ugly – «Blick»</h3>
<p>«Vielleicht etwas geschmacklos» reisst der «Blick» diese Woche <a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/08/Bild_Blick.jpg" target="_blank" rel="noopener" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="">ein grosses Bild</a> auf der Frontseite an. Auf dem Foto posiert eine Frau supersexy vor den Ruinen in Beirut. Verkaufen tut sich das sicher gut. Nebenbei kann man noch ein bisschen Frauen bashen. Lieber «Blick»: Das ist sehr geschmacklos.</p>
							<h3 style="margin-bottom:20px;display:block;width:100%;margin-top:10px"> </h3>
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									Über diese Kolumne:								</span>
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							<p>Die Medienwelt ist zu aufgewühlt, um mit Reflexionen und Recherchen abzuwarten, bis sie Stoff für einen längeren Text bieten. Die Medienwelt ist zu aufgewühlt, um ihr nur mit nüchternen Branchen-News zu begegnen. Darum gibt es diese Kolumne.</p>

<p>«The Good, the Bad and the Ugly» ist das neue Kurzformat der Medienwoche: Ab sofort werden Woche für Woche eine besonders positive, eine besonders negative und eine bizarre News aus der Schweizer Medien- und Werbewelt präsentiert und kurz eingeordnet. Die Autor*innen sind nicht um Ausgeglichenheit bemüht, sondern schreiben so subjektiv, wie sie ihre Themen wählen.</p>

<p>Im «The Good, the Bad and the Ugly»-Redaktions-Chat finden sich von Anfang an ein Vielfaches mehr schlechte und bizarre Nachrichten als Good News. Ein Zeichen, dass es gut ist, dass «The Good» eine Regel ist. Im Wechsel schreiben Medienwoche-Redaktor Nick Lüthi, die langjährigen freien Mitarbeitenden Miriam Suter (u.a. Videokolumne), Benjamin von Wyl (u.a. «So schreibe ich») und – neu bei der Medienwoche – die freie Kulturjournalistin Anne-Sophie Scholl.</p>

<p>Niemand von ihnen ist Fan von Italo-Western.</p>						  </div>
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