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	<title>Spaziergang | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
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		<title>Das Zentrum ist überall: Mit Gabriel Vetter in Schaffhausen</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2022/06/30/das-zentrum-ist-ueberall-mit-gabriel-vetter-in-schaffhausen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Benjamin von Wyl]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Jun 2022 13:07:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Gabriel Vetter]]></category>
		<category><![CDATA[Schaffhausen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Besuch des Satirikers löst in Schaffhausen eine riesige Resonanz aus, die der MEDIENWOCHE ermöglicht, Lokaljournalismus beim Entstehen zuzuschauen. Ein Spaziergang, ein «Schwank», ein «Fiebertraum», in einer kleinen Stadt «wo ein dä ander kännt». Bilder: Evelyn Kutschera Der Morgen beginnt damit, dass einfach Bernhard Ott auf dem Perron steht, als unser Zug einfährt. Während 43 <a href="https://medienwoche.ch/2022/06/30/das-zentrum-ist-ueberall-mit-gabriel-vetter-in-schaffhausen/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Der Besuch des Satirikers löst in Schaffhausen eine riesige Resonanz aus, die der MEDIENWOCHE ermöglicht, Lokaljournalismus beim Entstehen zuzuschauen. Ein Spaziergang, ein «Schwank», ein «Fiebertraum», in einer kleinen Stadt «wo ein dä ander kännt».</strong><br />
<a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7137.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone wp-image-98253 size-full" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7137.jpg" alt="" width="1679" height="1200" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7137.jpg 1679w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7137-300x214.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7137-1024x732.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7137-768x549.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7137-1536x1098.jpg 1536w" sizes="(max-width: 1679px) 100vw, 1679px" /></a></p>
<p><small>Bilder: <a href="https://www.evelynkutschera.com/" target="_blank" rel="noopener">Evelyn Kutschera</a></small></p>
<p>Der Morgen beginnt damit, dass einfach <a href="https://www.shaz.ch/2022/01/08/der-heilige-bernhard/" target="_blank" rel="noopener">Bernhard Ott</a> auf dem Perron steht, als unser Zug einfährt. Während 43 Jahren prägte Ott die «Schaffhauser AZ», unter anderem als Chefredaktor, Verleger und Verwaltungsratspräsident. Ohne ihn gäbe es die Wochenzeitung wohl schon lange nicht mehr. Anfang Jahr ging er in Pension, jetzt steht er am Gleis. Ott hat wenig Lust auf ein Gespräch, aber er ist eine Art Vorbote.<br />
</p>
<p>Gabriel Vetter hat eine Stadtführung «wie ein ungeprobtes Stand-up-Programm» angekündigt. Doch es kommt anders. Dass wir in Schaffhausen so viel erleben, ist schon auch Vetters anarchischer Energie zu verdanken. Aber es ist nicht der Satiriker, der die Pointen liefert, sondern die Stadt selbst. An diesem Montagmorgen häufen sich die Zufälle.</p>
<p>Während ihrer Zeit in England habe sie manchmal Dieter Wiesmanns «Bloss e chlini Stadt» gehört, erzählt Fotografin Evelyn Kutschera, als wir das erste Mal über den zentralen Fronwagplatz in der Schaffhauser Altstadt laufen. Vetter erzählt vom «sehr analogen Medium Glühweinstand», der hier im Winter einige Jahre lang die ganze Stadt zusammenbrachte. Dieter Wiesmann besingt im Lied «e chlini Stadt, wo ein dä ander kännt». Man kennt sich nicht nur, wie ich später erlebe, man spricht es auch aus: «Gabriel, Gabriel! Gabriel schau hier!» – «Hallo du, was machst du? Wer bist du?» – «Komm rein!» – «Hier ein Wasserball!»</p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK6878.jpg" data-rel="lightbox-image-1" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img decoding="async" class="alignright wp-image-98244" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK6878-217x300.jpg" alt="" width="360" height="498" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK6878-217x300.jpg 217w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK6878-740x1024.jpg 740w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK6878-768x1062.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK6878-1110x1536.jpg 1110w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK6878.jpg 1200w" sizes="(max-width: 360px) 100vw, 360px" /></a>Vetter ist auf dem Land aufgewachsen, hat in den Dörfern Beggingen und Schleitheim gewohnt. Schaffhausen, der Kanton, das sei wie Frankreich, sagt Vetter. Schaffhausen, die Stadt, sei wie Paris. Alles sei auf die Hauptstadt ausgerichtet. Auf dem Land lese man zwar den «Klettgauer Boten», aber der komme ja nur dreimal pro Woche. Das Entscheidende erfährt man täglich in den «Schaffhauser Nachrichten». Darum komme auch das Klettgau nicht um die «SN» rum.</p>
<p>Wie viel die Region auf sich hält, sieht man in der Werbung, mit der die «Schaffhauser Nachrichten» sich selbst und ihren Horizont bewerben: «Unser Eiffelturm – Unsere Sicht auf die Welt» steht beim Foto eines Ausflugsziels, das Vetter als «Schleitheimer Randenturm» benennt. Schleitheim darf also auch ein bisschen Paris sein, der ganze Kanton ist für die «SN» anscheinend Hauptstadt.</p>
<p>Am Verlagshaus der MEIER + Cie in der Vordergasse ist die aktuelle Ausgabe hinter Glas für alle ausgehängt. Ein Bericht vom Munotball, eine Tour mit der Wasserpolizei. «Das sind die ewigen Themen», sagt Vetter. Früher sass hier nur die Zeitung. Heute hat das Medienunternehmen MEIER + Cie seine Redaktionen gebündelt: «Radio Munot» und das «Schaffhauser Fernsehen» sind ebenfalls hier. Seit 2008 erhält der Fernsehsender keine Bakom-Gelder mehr. Der Kanal, der lokal für die Sendung «Hüt im Gschpröch» und national für «Tele Blocher» bekannt ist, muss seither sparen.</p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7000-scaled.jpg" data-rel="lightbox-image-2" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img decoding="async" class="alignleft wp-image-98246" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7000-300x200.jpg" alt="" width="360" height="240" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7000-300x200.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7000-1024x683.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7000-768x512.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7000-1536x1025.jpg 1536w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7000-470x315.jpg 470w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7000-728x485.jpg 728w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7000-scaled.jpg 1680w" sizes="(max-width: 360px) 100vw, 360px" /></a>Vetter, der heute in Basel lebt, hat die «Schaffhauser AZ» abonniert. Die SN lese er aber immer, wenn er zu Besuch sei. Zu Schaffhausen gehöre die Zeitung dazu – und sie lande bei kaum wem ungelesen im Altpapier. «Für viele mit SN-Abo ist die Zeitung wie Trinkwasser.» Zwischen Munotball und Wasserpolizei ist ein Artikel über das lokale Craftbeer-Festival: «Nur wenige wollten Biere probieren». Am Bier kann es Vetter festmachen: «Niemand interessiert sich hier für Craftbeer. Hier in Schaffhausen ist doch die Falken-Brauerei, eine der letzten grösseren unabhängigen Brauereien.» So wie die Meier + Cie eines der letzten unabhängigen, mittelgrossen Verlagshäuser ist. Die SN bezieht ihre überregionalen Inhalte zwar von CH Media und das Falkenbier munde nicht – trotzdem! «Falkenbier schmeckt metallisch, es fehlt Kohlensäure, aber: Das ist meine Jugend.»</p>
<p>&nbsp;</p>
<div style="margin: 4%;border: 1px;border-style: solid;border-color: #cccccc;padding: 4%;font-size: 16px">
<h3>Ein Platzhirsch und seine Herausforderer</h3>
<p>Den gut 84&#8217;000 Einwohnerinnen und Einwohnern des Kantons Schaffhausen steht ein erstaunlich breites und vielfältiges Angebot unabhängiger Lokalmedien zur Auswahl. Platzhirsch sind die Medien des Unternehmens Meier + Cie. mit dem Flaggschiff <a href="https://www.schaffhausen24.ch/" target="_blank" rel="noopener">«Schaffhauser Nachrichten»</a>. Die Tageszeitung existiert als «Intelligenzblatt» seit 1861 und erreicht heute gemäss aktuellen Wemf-Zahlen 40&#8217;000 Leserinnen und Leser. Weiter hält Meier Mehrheitsanteile am konzessionierten <a href="https://www.radiomunot.ch/radio" target="_blank" rel="noopener">«Radio Munot»</a> und dem konzessionsfreien <a href="https://www.shf.ch/" target="_blank" rel="noopener">«Schaffhauser Fernsehen»</a>. «Munot» bringt tagsüber alle halbe Stunden Nachrichten, der TV-Sender produziert täglich eine Stunde News und Talk («Hüt im Gschpröch»). Zum Meier-Verlag gehören auch drei Lokalzeitungen, die im ländlichen Teil des Kantons erscheinen.</p>
<p>Zu den Meier-Medien gibt es starke Gegenstimmen. Mit der <a href="https://www.shaz.ch/" target="_blank" rel="noopener">«Schaffhauser AZ»</a> seit über hundert Jahren. In den Wochen nach dem Landesstreik 1918 als sozialdemokratische Tageszeitung gegründet, erscheint die «Schaffhauser AZ» heute wöchentlich und hält sich nach schwächeren Phasen inzwischen stabil im Markt. Am Leben hält das Blatt der preisgekrönte Journalismus. Seit ein paar Jahren schafft es die AZ immer wieder, nationale oder gar internationale Vorgänge auf die Verhältnisse in und um Schaffhausen herunterzubrechen und so verständlich zu machen.</p>
<p>Die Vielfalt wird abgerundet durch zwei Medien, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Der <a href="https://epaper.bockonline.ch/" target="_blank" rel="noopener">«Schaffhauser Bock»</a> gehört mittlerweile dem Unternehmer, emeritierten Professor und Handball-Mäzen Giorgio Behr. Neben der gedruckten Ausgabe betreibt der «Bock» das Nachrichtenportal <a href="https://www.schaffhausen24.ch/" target="_blank" rel="noopener">«schaffhausen24.ch»</a>. Beide Medien informieren umfassend und gratis über die Region, online oft mit der Publikation von Medienmitteilungen von Behörden und Vereinen.</p>
<p>Und schliesslich noch <a href="https://www.rasa.ch/" target="_blank" rel="noopener">«Radio Rasa» Schaffhausen</a>. Der nicht-kommerziell ausgerichtete Sender ist das kleinste der neun Komplementärradios, die es in allen grösseren Städten des Schweizer Mittellands gibt. «Rasa» versteht sich als Hörer:innen-Radio; wer zuhört, kann auch selbst Radio machen. Über 50 Leute tun das in Schaffhausen und bieten so ein Programm mit Sendungen von A wie «Aquì Suìza» (in Spanisch) bis Z wie «Zeitzeichen».</p>
<p><em><small>Nick Lüthi</small></em></p>
</div>
<p>Vetter kommt aus einer Journalist:innenfamilie: Mutter, Vater, Onkel. Seine Mutter war die erste Frau in der «AZ»-Redaktion und arbeitete später viele Jahre für den «Schaffhauser Bock». Als Zwölfjähriger schrieb Vetter Berichte aus dem Pfadilager, etwa für den «Klettgauer Boten». Doch er lebt eben schon lange nicht mehr in der Region: Seine letzten Falkenbiere hat er in einem Basler Denner gekauft. «Aus Nostalgie und weil es Aktion war.» Vetter ist kein Lokaler mehr – ist also Schaffhausen deshalb aus dem Häuschen, weil der weggezogene Sohn wieder hier ist?</p>
<p>Vielleicht drei Minuten stehen wir vor dem Aushang bei der Meier + Cie. Da kommt Vetters Lieblingsweinhändler, der ihn nach zwei, drei Sätzen fragt, ob er später bei einem Apéro im Service aushelfen könne. Kaum ist er weg, kommt die nächste Person. «Hallo, ich bin von der SN.» Die Journalistin hat ihren ersten Tag auf der Redaktion. Der Chef habe den Gabriel erspäht und sie rausgeschickt. «Was machst du genau in Schaffhausen? Bist du zurück aus Norwegen?»</p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK6958-scaled.jpg" data-rel="lightbox-image-3" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-98245" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK6958-scaled.jpg" alt="" width="720" height="480" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK6958-scaled.jpg 1680w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK6958-300x200.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK6958-1024x683.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK6958-768x512.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK6958-1536x1025.jpg 1536w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK6958-728x485.jpg 728w" sizes="auto, (max-width: 720px) 100vw, 720px" /></a></p>
<p>Vetter lebt schon eine Weile nicht mehr in Norwegen, doch als das geklärt ist, interessiert sich die Journalistin weiter für ihn. Auch, dass wir einen Medienspaziergang machen, dass also die SN unser Inhalt ist, schreckt sie nicht ab. Wir warten, während die Journalistin drinnen abklärt, ob sie uns begleiten darf. So was sei typisch, sagt Vetter: «Wenn im ‹Tages-Anzeiger› was über Schaffhausen steht, steht am nächsten Tag in den Schaffhauser Nachrichten, dass am Vortag im ‹Tages-Anzeiger› was über Schaffhausen stand.»</p>
<p>Andere verlassen Schaffhausen Richtung «Tages-Anzeiger», so wie der heutige «Magazin»-Journalist Christoph Lenz. Er, aber auch die feministische Autorin Anna Rosenwasser, CH Media-Bundeshaus-Co-Chefin Doris Kleck, die Literaten Andri Beyeler, Lukas Linder und einige, an deren Namen sich Vetter nicht sofort erinnert: «Allesamt sind sie irgendwann weg, allesamt haben sie hier begonnen.» Beim «Express», dem Ausgangsmagazin, das der SN bis vor einigen Jahren am Donnerstag beilag. «Das war der Ort, wo du dich probieren konntest. Der Ort für lange Reportagen, 15&#8217;000 Zeichen!» Diese fanden auch viele Leser:innen, denn wenn man wissen wollte, was im Kino oder im «Taptab» läuft, gab es zum «Express» keine Alternative.</p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7013-scaled.jpg" data-rel="lightbox-image-4" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-98247" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7013-scaled.jpg" alt="" width="720" height="480" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7013-scaled.jpg 1680w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7013-300x200.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7013-1024x683.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7013-768x512.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7013-1536x1025.jpg 1536w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7013-728x485.jpg 728w" sizes="auto, (max-width: 720px) 100vw, 720px" /></a></p>
<p>Die SN-Journalistin ist zurück. Sie dürfe nicht mitkommen. Ja, leider. «Aber dann kommen wir doch rein», sagt Vetter. Es geht nun alles sehr schnell. Am Empfang kennt man den Gabriel. «Geht’s gut? Wir machen hier einen Medienspaziergang. Ist denn gerade Redaktionssitzung irgendwo?» Fotografin, Vetter und ich folgen der SN-Journalistin durch die Gänge. Am Ende des Ganges ein grosser Raum. Fragende Gesichter. «Sali Gabriel», sagt Chefredaktor Robin Blanck. «Hallo Robin, grüezi mitenand!» «Jetzt bist du in unserer Redaktionssitzung gelandet.» «Das ist gut. Wir machen eben einen Medienspaziergang durch Schaffhausen.» Komische Stille, leichtes Unwohlsein, kein Groll. Was sollen wir hier? Die müssen arbeiten. Nach drei Sekunden drehen wir wieder um. Im Rausgehen sagt uns die Journalistin: «Wahrscheinlich kommt ihr im Format ‹Sachen … Sächeli›.» Der Beitrag ist noch nicht erschienen.</p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/?p=95981&amp;preview=true"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-96029" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/Mehr-ueber-Spaziergang-Bild2-300x268.jpg" alt="" width="320" height="286" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/Mehr-ueber-Spaziergang-Bild2-300x268.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/Mehr-ueber-Spaziergang-Bild2-1024x914.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/Mehr-ueber-Spaziergang-Bild2-768x686.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/Mehr-ueber-Spaziergang-Bild2.jpg 1456w" sizes="auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px" /></a>Robin Blanck selbst startete ebenfalls beim «Express», sagt Vetter. «Die SN verstanden es immer sehr gut, eigene Leute aufzubauen», erzählt Vetter wieder auf der Vordergasse. Bis zu seinem Tod 2015 prägte Norbert Neininger den Meier-Verlag und mit ihm den ganzen Medienplatz Schaffhausen. Er war Erfinder von «Tele Blocher», aber auch Initiator der ersten italienischsprachigen Radiosendung in Schaffhausen, einem Industriekanton mit grosser italienischer Community. Neininger galt als Patron im besten Sinn – als fördernder Kümmerer oder kümmernder Förderer. Der Chefredaktor und Verleger sei etwa bekümmert gewesen, dass die Journalist:innen ihr Studium abschlossen, wenn sie eines begonnen hatten. Reihenweise seien sie auch nach Luzern ans MAZ geschickt worden. Wie es heute ist, weiss Vetter nicht. Klar ist, dass heute die Meier + Cie keine Einzelperson so umfassend prägt, wie es jahrzehntelang Neininger getan hatte.</p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7072-scaled.jpg" data-rel="lightbox-image-5" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-98249" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7072-195x300.jpg" alt="" width="360" height="554" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7072-195x300.jpg 195w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7072-665x1024.jpg 665w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7072-768x1183.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7072-998x1536.jpg 998w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7072-scaled.jpg 1091w" sizes="auto, (max-width: 360px) 100vw, 360px" /></a>Als nächstes geht es zum «Haus zur Fortuna». Hier lässt der «HD-Soldat Läppli» im gleichnamigen Filmklassiker zu, dass die Katze den Kanarienvogel des Offiziers frisst. Vetter kennt den Text auswendig, doch Schaffhausen unterbricht die Nachstellung der Szene: Vom Büro im obersten Stock des Hauses gegenüber wirft ein Herr mit aufblasbaren Wasserbällen. Warum, wird nicht ganz klar – der Gabriel soll einfach einen haben. Unten auf der Strasse geht es so weiter: «Ah, da ist ja der Gabriel Vetter, ja hoi!»</p>

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<p>Als wir die Bachstrasse überqueren, muss ein Traktor am Fussgängerstreifen warten. Vetter will in der Unterstadt «Sweet Schaffhausen» zeigen. Der Süssigkeitenladen zieht Jugendliche aus der ganzen Deutschschweiz, aus der Romandie und Deutschland an, seit er zum Tiktok-Phänomen geworden ist – zuvor hätte er fast schliessen müssen. In der Unterstadt hat es keine Passant:innen. Es beginnt eine ruhige halbe Stunde. Einige hundert Meter weiter oben an der Bachstrasse ist das Haus, in dessen Keller einst zwei Ska-Bands ihre Proberäume hatten. In denen ist der jugendliche Gabriel Vetter verhockt. In den oberen Stockwerken hatte damals das «Schaffhauser Fernsehen» seine Redaktion – bevor der Bakom-Geldhahn schloss. Zuletzt war das Objekt aber als Recherchegegenstand relevant: Hier befindet sich der Sitz von Walmart, hier ist «der grösste Konzern der Welt in einem Schaffhauser Briefkasten», wie es in der Gonzo-Recherche von Kevin Brühlmann heisst. <a href="https://www.shaz.ch/2017/07/31/walmart-milliarden-an-der-bachstrasse/" target="_blank" rel="noopener">Mit dem Artikel</a> gewann dieser 2018 den «Schweizer Reporter:innenpreis» für die «Schaffhauser AZ». Es war der allererste «Reporter:innenpreis» und die erste Anerkennung für die neue AZ.</p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7084b.jpg" data-rel="lightbox-image-6" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-98250" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7084b-300x232.jpg" alt="" width="400" height="309" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7084b-300x232.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7084b-1024x791.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7084b-768x593.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7084b-1536x1186.jpg 1536w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7084b.jpg 1554w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" /></a>Die Wochenzeitung erreicht heute eine verkaufte Auflage von 2520 Exemplaren. Die SN geht Tag für Tag in über 15’000 Haushalte. Doch in der Deutschschweizer Journalismus-Szene ist die AZ wohl bekannter. Weil sie überlebt hat: neben dem Stadtzürcher «P.S.» als letztes Blatt der einst beinahe flächendeckenden sozialdemokratischen Zeitungsfamilie. Aber auch, weil die Walmart-Recherche nur die erste von einigen preisgekrönten Beiträgen der jungen Redaktion war. Zuletzt bekam dieses Jahr Mattias Greuter mit einer Recherche über ein Pflegeheim mit «mieser» Hygiene und schlechten Arbeitsbedingungen einen «Swiss Press Award» und den Titel «Swiss Press Journalist of the Year».</p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7124-scaled.jpg" data-rel="lightbox-image-7" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-98252" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7124-300x200.jpg" alt="" width="360" height="240" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7124-300x200.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7124-1024x683.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7124-768x512.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7124-1536x1025.jpg 1536w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7124-470x315.jpg 470w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7124-728x485.jpg 728w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7124-scaled.jpg 1680w" sizes="auto, (max-width: 360px) 100vw, 360px" /></a>Bei den Briefkästen der Briefkastenfirmen bleiben wir nicht lange, wir spazieren Richtung AZ-Redaktion weiter. Vetter kennt noch andere Heimweh-Schaffhauser:innen, die die AZ lesen. Nachdem das «Express» eingegangen ist, habe sich die AZ zu jenem Medium entwickelt, wo ambitionierte junge Journalist:innen in Schaffhausen hingehen. «Lustigerweise nachdem die AL-Postille das SP-Blatt übernommen hat.» Die «AL-Postille»? Knapp 20 Jahre lang, bis zu ihrer Auflösung vor wenigen Monaten, mischte die Alternative Liste die kantonale Schaffhauser Politik auf. Die heutige AZ-Redaktion kommt aus dem Umfeld des Satiremagazins «Lappi tue d&#8217;Augen uf». Seit 2016 prägen die Macher:innen dieser «AL-Postille» die «Schaffhauser AZ». Seither konnte die AZ ihre Abos um 40 Prozent steigern. «Sie haben viel über Themen geschrieben, die einfach da waren», sagt Vetter. Themen, über die die «SN» schlecht berichten konnte, «weil sie halt auch über jedes Turnerkränzchen in Ramsen berichten muss.»</p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7244.jpg" data-rel="lightbox-image-8" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-98254" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7244-257x300.jpg" alt="" width="360" height="420" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7244-257x300.jpg 257w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7244-878x1024.jpg 878w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7244-768x896.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7244.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 360px) 100vw, 360px" /></a>Der Wettbewerb zwischen den beiden Zeitungen sei heute gut austariert. «Die AZ schafft es, Recherchen zu machen, auf die die SN reagieren muss. Die SN schreibt dann vielleicht, die AZ bringe Bullshit, aber die Wechselwirkung tut allen gut.» Wir sind nun in der Webergasse. Hier ist die «Fassbeiz», wo Vetter bis heute die meisten Interviews seines Lebens gegeben habe, die legendär-unabhängige Buchhandlung «BücherFass» und eben die AZ-Redaktion. In der leeren Halle unter der Redaktion wird Kunst ausgestellt. Noch bis Anfang Jahr standen hier die Maschinen der Unionsdruckerei, die nun mit einer anderen Schaffhauser Druckerei fusioniert ist.</p>
<p>«Hey! Hallo! Sali! Hoi! Schaffhausen ist zwar protestantisch, aber die Leute haben diese Grundbesoffenheit wie in Köln», sagt Vetter. Du kommst hierhin und einer macht das Fenster auf und schmeisst dir einen Wasserball an. Die Läden in der Webergasse sind noch zu, es ist sehr still.</p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7326-scaled.jpg" data-rel="lightbox-image-9" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-98257" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7326-300x200.jpg" alt="" width="400" height="267" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7326-300x200.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7326-1024x683.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7326-768x512.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7326-1536x1025.jpg 1536w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7326-470x315.jpg 470w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7326-728x485.jpg 728w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7326-scaled.jpg 1680w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" /></a>Denkste! Wir stehen an der Ecke Webergasse/Vorstadt, vor uns wieder der Fronwagplatz. «Hoi Gabriel, Gabriel, wie hast du meine Doku gefunden, also die Doku, die sie über mich gemacht haben?» Beat Hochheuser hält das Smartphone quer vor sich und startet den 30-minütigen Film ohne Umschweife. «Er ist einer der wohl aussergewöhnlichsten Unternehmer der Schweiz», sagt ein Offsprecher. Der Hochheuser kann aber nicht still sein, während der Hochheuser im Film von seinen Unternehmen erzählt. «Ich labere zwischen drin und dann kommen Filmsequenzen dazwischen.» Die Doku ist eine Publireportage; ihr Protagonist trifft Gabriel Vetter und will nichts lieber, als dass dieser sie schaut. Der Protagonist hat mehrere Unternehmen gegründet, mit einem Computer-Versandhandel und dem Nachfüllen von Tintenpatronen ein Vermögen gemacht. Seit Jahrzehnten pflegt Hochheuser auch den Blog «Schaffhausen.net». Vetter sagt, das sei lange Zeit das einzige lokale Onlineportal gewesen. «Ah, Rechtsanwalt bin ich auch», sagt Hochheuser, drückt mir eine Visitenkarte in die Hand. «Ich muss jetzt zu einer Klientin.» Davor will er aber noch ein Selfie machen.</p>
<p>Wir gehen ein paar Schritte, aber es sind wirklich nur ein paar Schritte. «Ich fühle mich wie in einem Schwank», sagt Vetter, als er die Dreiergruppe sieht, die uns nun entgegenkommt. Auf dem Liegestuhl, den sie dabeihaben, prangt der Schriftzug «Schaffhauser Nachrichten». «Wir machen eine Strassenumfrage», sagt Reporterin Jurga Wüger. Vetter, der weggezogene Sohn, nimmt im «SN-Klappstuhl» Platz und beantwortet vor der Videokamera Fragen, viele Fragen. Solche, zu seinem «peinlichsten Moment» und dem «besten Ort für ein erstes Date».</p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7379-scaled.jpg" data-rel="lightbox-image-10" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-98258 size-full" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7379-scaled.jpg" alt="" width="1680" height="1121" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7379-scaled.jpg 1680w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7379-300x200.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7379-1024x683.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7379-768x512.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7379-1536x1025.jpg 1536w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7379-470x315.jpg 470w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7379-728x485.jpg 728w" sizes="auto, (max-width: 1680px) 100vw, 1680px" /></a></p>
<p>«Rheinfall oder Stein am Rhein?» – «Stein am Rhein ganz klar, der Rheinfall kann einpacken.» Als der Fragenkatalog durch ist, braucht es noch einen Vorstellungssatz. Wüger schlägt vor: «Sag ‹Ich bin der Gabriel und liebe das Abenteuer›.» Aber ist das nicht zu kompliziert? «Ich bin der Gabriel und… was er auch für das Intro sagen will. Hier ist rollende Planung», sagt sie dann.</p>
<p>«Ich bin Gabriel, ich wohne in Basel und ich bin zum Glace essen in Schaffhausen.» Alles im Kasten. «Das ist jetzt eben der Regionaljournalismus», sagt Vetter. Fotografin Evelyn Kutschera nimmt als nächstes auf dem Klappstuhl Platz. Die MEDIENWOCHE bringt den «Schaffhauser Nachrichten» die ersten Protagonist:innen. Bis Mittwoch werden Wüger und das Videoteam 30 weitere Interviews führen. Chapeau für die Ausdauer! Wüger arbeitet seit zwei Jahren bei der «SN». Zuvor war sie zehn Jahre beim «Bock».</p>
<p>Zum «Schaffhauser Bock» müssen wir unbedingt noch. Der Gratis-Anzeiger mit einer Auflage von knapp 50&#8217;000 Exemplaren hat sich im «Haus der Wirtschaft» eingemietet. Dort hat auch die Industrie-Vereinigung Schaffhausen ihren Sitz. Deren Präsident ist Professor Dr. Giorgio Behr. Weiter ist Behr unter anderem Präsident des Handballclubs Kadetten Schaffhausen und die Kadetten Schaffhausen haben ihren Fanshop in den Räumen des «Schaffhauser Bock». Der «Bock» wird «zu 100 Prozent durch den Unternehmer und emeritierten Wirtschaftsprofessor Giorgio Behr kontrolliert», heisst es im auffallend positiven <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schaffhauser_Bock" target="_blank" rel="noopener">Wikipedia-Artikel</a>, den ein Nutzer mit der Bio «Journalist in Schaffhausen» verfasst hat.</p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7399-scaled.jpg" data-rel="lightbox-image-11" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-98259" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7399-scaled.jpg" alt="" width="720" height="480" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7399-scaled.jpg 1680w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7399-300x200.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7399-1024x683.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7399-768x512.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7399-1536x1025.jpg 1536w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7399-728x485.jpg 728w" sizes="auto, (max-width: 720px) 100vw, 720px" /></a></p>
<p>Vetter klingelt beim «Bock». Ein Verkaufsmitarbeiter öffnet die Tür in der Glasfront. Der freundliche Herr zeigt uns die Lokalität, den «grössten Bildschirm im Kanton» für Public Viewings, Plüsch-«Böcklein», das Merchandise der Kadetten Schaffhausen. Aber Handball habe keine spezielle Position in der Berichterstattung des Gratis-Anzeigers. «Wir berichten breit, von Wasserball bis Flamenco», erklärt er. Der «Bock» setze immer «die Menschen in den Mittelpunkt», fasst der Verkaufsmitarbeiter die journalistische Linie zusammen. Ich frage, ob er vielleicht was über Gabriel machen möchte, wenn er schon mal hier ist. Der Verkaufsmitarbeiter wirkt verwirrt. «Du kannst gerne das Format <a href="https://schaffhausen24.ch/dossiers/bock-heimat" target="_blank" rel="noopener">Bock Heimat</a> ausfüllen. Das sind so verschiedene Fragen, warum man noch in Schaffhausen lebt.» – «Ich wohne eben gar nicht mehr in Schaffhausen. Aber ich mach das imfall schon.» «Wenn du nicht mehr in Schaffhausen wohnst, ist es vielleicht ein wenig … jooo.» Der «Bock»-Mitarbeiter hat uns eingelassen, sich Zeit genommen und uns alles gezeigt. Aber er hatte dabei keine Ahnung, wer wir sind. Das ist Vertrauen. Das ist auch das Kontrastprogramm zur SN, wo die Journalist:innen auf Gabriel Vetter reagieren wie Insekten auf Glühbirnen.</p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7425-scaled.jpg" data-rel="lightbox-image-12" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-98261" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7425-scaled.jpg" alt="" width="720" height="480" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7425-scaled.jpg 1680w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7425-300x200.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7425-1024x683.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7425-768x512.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7425-1536x1025.jpg 1536w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Gabriel-Vetter-SH-20220628_NIK7425-728x485.jpg 728w" sizes="auto, (max-width: 720px) 100vw, 720px" /></a></p>
<p>Als ihm der SN-Klappstuhl entgegengekommen ist, sprach Vetter noch von einem «Schwank». Am Ende des Spaziergangs nennt er den Morgen «einen Fiebertraum». Doch der pink-weisse Wasserball ist der Beweis: Das alles ist wirklich passiert. Anfang Juli geht das Video bei der SN online, und ja, eventuell kommt ja noch ein Beitrag in «Sache … Sächeli».</p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Wanderkarte-Schaffhausen-2-scaled.jpg" data-rel="lightbox-image-13" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-98285 size-full" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Wanderkarte-Schaffhausen-2-scaled.jpg" alt="" width="1680" height="730" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Wanderkarte-Schaffhausen-2-scaled.jpg 1680w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Wanderkarte-Schaffhausen-2-300x130.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Wanderkarte-Schaffhausen-2-1024x445.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Wanderkarte-Schaffhausen-2-768x334.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Wanderkarte-Schaffhausen-2-1536x667.jpg 1536w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/Wanderkarte-Schaffhausen-2-2048x890.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1680px) 100vw, 1680px" /></a></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2022/06/30/das-zentrum-ist-ueberall-mit-gabriel-vetter-in-schaffhausen/">Das Zentrum ist überall: Mit Gabriel Vetter in Schaffhausen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Das Zentrum ist überall: Mit Florence Van Hove in Freiburg</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2022/05/25/das-zentrum-ist-ueberall-mit-florence-van-hove-in-freiburg/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2022/05/25/das-zentrum-ist-ueberall-mit-florence-van-hove-in-freiburg/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Benjamin von Wyl]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 25 May 2022 17:48:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[La Liberté]]></category>
		<category><![CDATA[Freiburger Nachrichten]]></category>
		<category><![CDATA[Freiburg]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=97399</guid>

					<description><![CDATA[<p>In Freiburg treffen Universität und Katholizismus ebenso aufeinander wie Französisch und Deutsch. Ein Spaziergang durch eine Stadt, deren lokaler Journalismus auf internationale Kommunikationswissenschaften trifft. Ob es denn wie im Wallis in die Berge gehen müsse, fragte Florence Van Hove am Telefon. Nein, nein, ein Stadtspaziergang passt sehr gut. Doch die Route, auf der mich die <a href="https://medienwoche.ch/2022/05/25/das-zentrum-ist-ueberall-mit-florence-van-hove-in-freiburg/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2022/05/25/das-zentrum-ist-ueberall-mit-florence-van-hove-in-freiburg/">Das Zentrum ist überall: Mit Florence Van Hove in Freiburg</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>In Freiburg treffen Universität und Katholizismus ebenso aufeinander wie Französisch und Deutsch. Ein Spaziergang durch eine Stadt, deren lokaler Journalismus auf internationale Kommunikationswissenschaften trifft.</strong></p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5476-scaled.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-97426 alignnone" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5476-scaled.jpg" alt="" width="1680" height="1121" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5476-scaled.jpg 1680w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5476-300x200.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5476-1024x683.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5476-768x512.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5476-1536x1025.jpg 1536w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5476-470x315.jpg 470w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5476-728x485.jpg 728w" sizes="auto, (max-width: 1680px) 100vw, 1680px" /></a></p>
<p>Ob es denn wie im <a href="https://medienwoche.ch/2022/03/30/das-zentrum-ist-ueberall-mit-priska-dellberg-im-oberwallis/">Wallis</a> in die Berge gehen müsse, fragte <a href="https://www.unifr.ch/dcm/de/dept/staff/byalphabet/people/6761/a3524" rel="noopener" target="_blank">Florence Van Hove</a> am Telefon. Nein, nein, ein Stadtspaziergang passt sehr gut. Doch die Route, auf der mich die Kommunikationswissenschaftlerin durch Freiburg führt, geht auch ziemlich bergauf und bergab. </p>
<p>Busmotoren dröhnen. Vor dem Bahnhof ist es eng und die Leute wirken gestresst. «Bald wird der Bahnhofplatz umgestaltet», sagt Van Hove bei der Begrüssung. In ein paar Jahren könnte es hier ruhiger zu- und hergehen.<br />
</p>
<p>Der Weg ist einigermassen steil, gerade noch so flach, dass man keine Angst um die Kniegelenke haben muss. Wir sprechen über Mehrsprachigkeit. Van Hove lebte bis ins Teenageralter in Chile, aber hat einen Schweizer Hintergrund. Französisch ist ihre Hauptsprache, Französisch ist auch die Hauptsprache in der Stadt Freiburg. Aber da sie in einem zweisprachigen Kanton liegt, lasse man sich in der Region auf gegenseitiges Verstehen ein, wolle sich verstehen. «Obwohl man den Röstigraben auch kulturell spürt.» Das sei wohl auch der Grund, weshalb die frankophone <a href="https://www.laliberte.ch/" rel="noopener" target="_blank">«La Liberté»</a> nicht dieselben Themen bearbeite wie die deutschsprachigen <a href="https://www.freiburger-nachrichten.ch/" rel="noopener" target="_blank">«Freiburger Nachrichten»</a>. Französischsprachige Journalist:innen orientieren sich eher an der frankophonen Welt. Das präge und hinterlasse Spuren.</p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5393-2-scaled.jpg" data-rel="lightbox-image-1" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-97423" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5393-2-scaled.jpg" alt="" width="720" height="480" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5393-2-scaled.jpg 1680w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5393-2-300x200.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5393-2-1024x683.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5393-2-768x512.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5393-2-1536x1025.jpg 1536w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5393-2-728x485.jpg 728w" sizes="auto, (max-width: 720px) 100vw, 720px" /></a></p>
<p>Vom Bahnhof soll es in die Innenstadt gehen. «Da gibt es zwar keine Medienhäuser, aber es ist schön dort», sagt Van Hove, kurz vor der Kreuzung, an der die Avenue de la Gare auf die Avenue de Tivoli trifft. Würden wir hier links abbiegen, kämen wir zur Redaktion der «Freiburger Nachrichten». Aber wir gehen weiter geradeaus, während Van Hove die Medienhäuser mikrogeografisch einordnet. «Im Quartier Pérolles sitzt die Groupe St. Paul, die hinter der Zeitung «La Liberté» steht. Im Vorort Villars-sur-Glâne gibt es den <a href="https://lawo.com/project/mediaparc-kontakt-zu-hoerern-und-zuschauern-auf-allen-kanaelen/?lang=de" rel="noopener" target="_blank">Mediaparc</a>.» Zu Mediaparc gehören etwa das Regionalfernsehen <a href="https://latele.ch/" rel="noopener" target="_blank">«La Télé»</a>, das zweisprachige <a href="https://www.radiofr.ch/de.html" rel="noopener" target="_blank">«Radio Fribourg/Freiburg»</a>, das Magazin <a href="https://www.sept.info/" rel="noopener" target="_blank">«Sept.info»</a> oder die News-App <a href="https://frapp.ch/de" rel="noopener" target="_blank">«FRAPP»</a>.</p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5517-scaled.jpg" data-rel="lightbox-image-2" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-97428" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5517-200x300.jpg" alt="" width="360" height="540" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5517-200x300.jpg 200w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5517-683x1024.jpg 683w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5517-768x1151.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5517-1025x1536.jpg 1025w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5517-1366x2048.jpg 1366w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5517-scaled.jpg 1121w" sizes="auto, (max-width: 360px) 100vw, 360px" /></a>Im Kanton Freiburg sind die Deutschschweizer:innen in der Minderheit. Vielleicht ist das der Grund, weshalb die «Freiburger Nachrichten» auf dem Titel so betonen, dass sie die «einzige deutschsprachige Tageszeitung» im Kanton sind. Erstaunlicherweise bilden sich die Sprachverhältnisse ziemlich exakt in den Auflagen der Tageszeitungen ab: Gemäss WEMF verkaufen die «Freiburger Nachrichen» jeweils 14&#8217;450 Zeitungen, «La Liberté» hingegen 32&#8217;175. Ein Verhältnis von 31 zu 69. Und knapp 30 Prozent der 270&#8217;000 Kantonsbewohner:innen nennen Deutsch als ihre Hauptsprache.</p>
<p>Van Hove versichert, dass die Freiburger:innen ihre Lokalzeitungen sehr schätzen. «Sie sind wichtig, auch für das demokratische Leben in Stadt und Kanton», erzählt Van Hove. Selbst lese sie «La Liberté» fast täglich – allerdings im Büro. Deshalb habe sie privat kein Abo.</p>
<p>Fotograf Stéphane «Stemutz» Schmutz hingegen ist Abonnent der «Liberté». Jeden Morgen lese er die Zeitung. Sie versorge ihn mit anekdotischem Wissen zum Stadtleben. Das verschaffe ihm Stoff für Gespräche mit seinen lokalen Auftraggebern, erzählt er augenzwinkernd.</p>
<p>Freiburg ohne «La Liberté» kann sich Van Hove nicht vorstellen. Die Zeitung sei überall: «In allen Restaurants, in allen Bistros. Das deutschsprachige Pendant ebenfalls. Die Leute mögen ihre Lokalzeitungen hier sehr.» Und wann hatte sie als Frankophone zuletzt die «Freiburger Nachrichten» in der Hand? Eigentlich kaum je – wegen der Sprachhürde und nicht aus mangelndem Interesse.</p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5538-scaled.jpg" data-rel="lightbox-image-3" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-97431" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5538-scaled.jpg" alt="" width="720" height="480" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5538-scaled.jpg 1680w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5538-300x200.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5538-1024x683.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5538-768x512.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5538-1536x1025.jpg 1536w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5538-728x485.jpg 728w" sizes="auto, (max-width: 720px) 100vw, 720px" /></a></p>
<p>In dem Moment müssen wir einem Lieferwagen ausweichen. In der Fussgänger:innenzone. «Der hat bestimmt eine Bewilligung», sagt Van Hove. In einer so katholischen Stadt muss es so sein, antworte ich. Van Hove: «Das Katholische ist in Freiburg wichtig – gerade auch den älteren Leserinnen und Leser von ‹La Liberté›». Diese kirchliche Verbindung stehe manchmal der Verjüngung im Weg, erzählt Van Hove, während der Lieferwagen den Weg blockiert und wir warten. Immerhin knapp 22 Prozent der Leser:innen von «La Liberté» sind gemäss den WEMF-Angaben unter 35. Bei den «FN» sind es bloss 13.5 Prozent.</p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/2022/03/30/zur-spaziergang-serie-das-zentrum-ist-ueberall/"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-96029" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/Mehr-ueber-Spaziergang-Bild2-300x268.jpg" alt="" width="320" height="286" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/Mehr-ueber-Spaziergang-Bild2-300x268.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/Mehr-ueber-Spaziergang-Bild2-1024x914.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/Mehr-ueber-Spaziergang-Bild2-768x686.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/Mehr-ueber-Spaziergang-Bild2.jpg 1456w" sizes="auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px" /></a>Bis heute sind an «La Liberté», neben der Kantonalbank und einem Energieunternehmen, die Paulus-Schwestern beteiligt. Ich kann mir tatsächlich vorstellen, dass es manchen jüngeren Leser:innen widerstrebt, eine Zeitung mit diesem Hintergrund zu abonnieren. Sowohl die «Freiburger Nachrichten», die gemäss Unternehmenszweck bis heute «im Geiste der christlichen Grundwerte» arbeiten, als auch «La Liberté» haben eine lange Geschichte als Leibblatt der Katholisch-Konservativen. Bereits vor 50 Jahren haben sich beide Blätter als Forumszeitungen neu definiert und Distanz zur Kirche gewonnen. «Die Provokation des Gründungsvaters Chorherr Schorderet bestand darin, die liberalen Ideen zu bekämpfen und es zu wagen, eine katholische und anti-liberale Zeitung ‹La Liberté› zu nennen. Es ging also darum, die Freiheit der Katholiken zu verteidigen und sich für Gleichbehandlung einzusetzen», sagte Serge Gumy, der damalige Chefredaktor und heutige Direktor von «La Liberté», vergangenes Jahr in einem Interview zum 150. Jubiläum. Heute übernimmt «La Liberté» ab und an Artikel von «Libération», der französischen linksliberalen Zeitung. «La Liberté» entdeckte die Freiheit, gegenüber verschiedenen Weltbildern unvoreingenommen zu sein, vor gut 50 Jahren. Seit 2015 wird sie bei Tamedia in Bern gedruckt – aus finanziellen Gründen. In Freiburg habe das eine öffentliche Debatte ausgelöst, erzählt Van Hove. Dass die Paulus-Schwestern Mit-Aktionärinnen sind, merke man der Zeitung nicht an. Sie wisse, dass diese grossen Respekt vor redaktioneller Unabhängigkeit haben. </p>
<p>Van Hove schrieb während ihrem Studium selbst für «La Liberté». In der Wissenschaft erhielt Van Hove jedoch eine Chance zum Berufseinstieg, die sich ihr in der journalistischen Praxis nicht geboten hat. «Wenn ich nicht in den Medien bin, erforsche ich immerhin die Medien von aussen.» Bisher mit Erfolg: Ihre Doktorarbeit, in der sie das <a href="https://www.hope.uzh.ch/scoms/article/view/j.scoms.2020.02.008" rel="noopener" target="_blank">Twitterverhalten von Journalist:innen</a> in der Westschweiz analysierte, erhielt den ersten Dissertationspreis der «Schweizerischen Gesellschaft für Kommunikations- und Medienwissenschaften SGKM».</p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5419-2-scaled.jpg" data-rel="lightbox-image-4" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-97424" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5419-2-300x200.jpg" alt="" width="400" height="267" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5419-2-300x200.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5419-2-1024x683.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5419-2-768x512.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5419-2-1536x1025.jpg 1536w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5419-2-470x315.jpg 470w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5419-2-728x485.jpg 728w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5419-2-scaled.jpg 1680w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" /></a>«Dabei ging es nicht um die Psyche der Journalisten, sondern um eine strukturelle Analyse», erläutert Van Hove ihre Arbeit. «Meistens treten die Medienschaffenden noch immer traditioneller auf, als es ihr Anspruch ist.» Die Idealvorstellungen von Bürger:innenjournalismus und einer neuartigen Zusammenarbeit auf Augenhöhe mit der Community sind häufig mehr Anspruch als Realität. Solche Kollaboration würden in der Schweiz eher selten umgesetzt. In Freiburg kenne sie kein bürgerjournalistisches Projekt.</p>
<p>Aber immerhin gibt es ein lokales Medienhaus, welches aus dem traditionellen Formatdenken ausgebrochen ist. «Bei Mediaparc wird innerhalb des Profijournalismus kollaborativ gearbeitet, auch zwischen so verschiedenen Medienformen wie Radio und Fernsehen.» Die Mediaparc-App «Frapp» bündelt regionales Radio, TV-Inhalte, Podcasts und Textnews. «Dies bringt eine jugendliche Energie in den Freiburger Journalismus, die ich für sehr positiv halte. Die Zahlen kenne ich nicht, aber nach meinem Eindruck kommt das auch bei den Jungen an.»</p>
<p>Bei Mediaparc engagiert sich der Freiburger Medienmogul Damien Piller. Gegenüber Radio SRF bestätigten mehrere <a href="https://www.srf.ch/news/regional/bern-freiburg-wallis/freiburger-medienmogul-damien-piller-ich-respektiere-die-redaktionelle-unabhaengigkeit" rel="noopener" target="_blank">ehemalige Chefredaktoren</a>, dass Piller die redaktionelle Unabhängigkeit garantiere. Dies ist auch zu hoffen, denn Piller muss sich in anderer Funktion der Justiz stellen. Als ehemaliger Präsident der regionalen Migros-Genossenschaft kam es bei einer Wiederwahl zu Wahlfälschung, wie mittlerweile ein Zivilgericht bestätigte. Weiterhin laufen gegen Piller <a href="https://www.freiburger-nachrichten.ch/strafverfahren-gegen-damien-piller-ist-offiziell-eingeleitet/" rel="noopener" target="_blank">mehrere Strafuntersuchungen</a>.</p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5618-scaled.jpg" data-rel="lightbox-image-5" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-97434" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5618-300x200.jpg" alt="" width="480" height="320" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5618-300x200.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5618-1024x683.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5618-768x512.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5618-1536x1025.jpg 1536w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5618-728x485.jpg 728w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5618-scaled.jpg 1680w" sizes="auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px" /></a>Fällt Van Hove ein Beitrag oder eine Recherche ein, die sie beeindruckt hat in letzter Zeit? «Spontan fällt mir keiner ein. Höchstens etwas Negatives, also nicht der Beitrag, aber die Polemik, die er ausgelöst hat.» Es handelt sich um den Leserbrief eines «Herrn in einem gewissen Alter». Dieser habe darin seine Freude über den Frühling zum Ausdruck gebracht – und? «Er freute sich auch darüber, junge Frauen in Röcken zu sehen.» Das habe eine «grosse Polemik» in Freiburg ausgelöst. «Es gab Feministinnen, eine kleine Gruppe Feministinnen, die vor der Redaktion demonstrierten.» Danach äusserte sich der Chefredaktor in einer Erklärung, dass sie diese Zusendung nicht hätten veröffentlichen sollen. «Ich kann das Vorgehen nachvollziehen. Gleichzeitig finde ich aber, dass in einem Leserbrief eine Person aus ihrem Leben, ihrer Perspektive berichtet», führt Van Hove aus. «Vielleicht hätte man das öffentlich auch anders diskutieren können.» Die Position eines Leser:innenbriefs wiederspiegelt ja nicht jene der Redaktion. Positive Beispiele liefere der Freiburger Journalismus sicher auch. «Es fällt mir spontan einfach keines ein.»</p>
<p>Während Van Hove erzählt, spazieren wir hinter einer Schulklasse her durch die «Grand Rue». Fotograf Schmutz quatscht etwas abseits bei einer hip aussehenden Werbeagentur. Van Hove und ich gehen weiter Richtung Cathédrale Saint-Nicolas. «Sie ist wunderschön, aber vielleicht wollen wir heute nicht da raufsteigen.» Wir lachen. Es ist ein sehr heisser Mai-Tag.</p>

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<p>Schmutz kommt zurück. Seine Eltern, beide schon über 70, hätten erst gerade wieder den Aufstieg auf die Kathedrale gemacht. «Die Aussicht ist schön.» – «Ja, wunderbar! Wenn du willst, gehen wir?», fragt mich Van Hove. Ich bin dabei. «Voilà, also los», entscheidet Van Hove. Man könne nicht nach Freiburg ohne auf die Kathedrale zu steigen. Im Gegenzug für eine Viertelstunde Aufstieg hat man einen Rundblick auf die ganze Region. Ok! Wo geht’s rein?</p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5571-scaled.jpg" data-rel="lightbox-image-6" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-97433" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5571-1024x683.jpg" alt="" width="720" height="480" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5571-1024x683.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5571-300x200.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5571-768x512.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5571-1536x1025.jpg 1536w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5571-728x485.jpg 728w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5571-scaled.jpg 1680w" sizes="auto, (max-width: 720px) 100vw, 720px" /></a></p>
<p>Vor der Kathedrale frage ich nochmals nach dem Katholischen an dieser Stadt. «Es gibt Dinge, die traditionell bleiben. Jede Abstimmung für längere Ladenöffnungszeiten wird abgelehnt. Aber ich halte Respekt gegenüber Traditionen für wichtig.» Das sei Teil des kulturellen Erbes, welches es zu bewahren gelte. Als wir durch die Pforte treten, bekreuzigen sich aber weder Schmutz noch Van Hove – im Gegenteil: Das Gespräch geht einfach weiter. Aber wir sind nicht die lautesten: Ein Kirchenmann erklärt einer Gruppe Schüler:innen die Geschichte des Orts. Schmutz biegt zielsicher nach links, versucht die Klinke der kleinen Tür zu drücken. Sie gibt nicht nach. Da war früher der Aufgang zum Turm. Wir gehen wieder nach draussen. Schmutz und Van Hove waren wohl auch schon eine Weile nicht mehr hier.</p>
<p>Anders als die Stadt sei die Universität durch und durch zweisprachig. «In der Mensa, aber auch in den Sitzungen, ist es ein amüsantes Sprachdurcheinander.» Auch den heutigen Verlagsdirektor von «La Liberté», Serge Gumy, begebe sich da hinein. Der Kaderjournalist habe sich regelmässig in Van Hoves Unikurs «Medien und Neue Medien» gesetzt. «Dort geht es um das Mediensystem, die Geschichte des Internets und der Medienkrise. Gumy hatte auch Austausch mit den Studierenden. Das schien ihm sehr wichtig.» Wow, ein Chefredaktor, der sich mit Student:innen auf Augenhöhe begibt! Also profitiert der Lokaljournalismus womöglich von der Universität? Van Hove relativiert das ein wenig: «Der Lokaljournalismus profitiert sicher auch. Aber mein Hauptfokus in der Forschung ist eher der öffentliche Diskurs im Allgemeinen.» Ich will nachhaken, aber nun stehen wir in einem Spezialitätengeschäft.</p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5642-scaled.jpg" data-rel="lightbox-image-7" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-97435" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5642-1024x683.jpg" alt="" width="400" height="267" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5642-1024x683.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5642-300x200.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5642-768x512.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5642-1536x1025.jpg 1536w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5642-470x315.jpg 470w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5642-728x485.jpg 728w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5642-scaled.jpg 1680w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" /></a>Schmutz’ mächtige Stimme und jene des Verkäufers bestimmen die Themen. Es geht nun um «Cuchaule», das regionale Safranbrot. Auf einem Tisch liegen verschiedene Anzeiger und Zeitungen aus. Auch «La Liberté», aber Van Hove greift nach dem amtlichen Mitteilungsblatt. «Hier sieht man, wie sich das Gebiet um den Bahnhof verändern soll.» Eine emotionale Debatte entspinnt sich gegenwärtig um die Frage, ob der Brunnen, den der Künstler Jean Tinguely für die «Grande Place» konstruiert hat, auf den neuen Bahnhofsplatz verpflanzt werden darf.</p>
<p>Wir kaufen keine Spezialitäten, sondern drei Tickets für den Turm der Kathedrale. Es wird über einen Lift gesprochen und ich bin unsicher, ob das als Witz gemeint ist oder nicht. An der automatischen Schranke kommt uns eine weitere Schulklasse entgegen – es ist anscheinend ein Tag, an dem viele Schulreisen angesetzt worden sind. Wir halten die QR-Codes in den Sensor, treten durch die Schranke. Einen Lift gibt es nicht. Wir stapfen Stufe um Stufe, gehen Umdrehung um Umdrehung die Wendeltreppe aufwärts. Nach den ersten drei Umdrehungen fühlt es sich bereits an wie eine Meditation. Schmutz geht vor, hinter ihm Van Hove, ich bin das Schlusslicht.</p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5667-scaled.jpg" data-rel="lightbox-image-8" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-97436" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5667-300x200.jpg" alt="" width="400" height="267" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5667-300x200.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5667-1024x683.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5667-768x512.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5667-1536x1025.jpg 1536w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5667-470x315.jpg 470w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5667-728x485.jpg 728w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5667-scaled.jpg 1680w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" /></a>Ich frage nochmals, wie sich die lokal starken Kommunikationswissenschaften auf die regionalen Medien auswirken: Wenn an der Uni grundsätzliche Überlegungen zu Medien angestellt werden, kann es ja trotzdem auf jene Lokaljournalist:innen abfärben, die das mitbekommen, selbst wenn der Lokaljournalismus nicht Gegenstand der Forschung ist? «Er stellt dir eine Frage», sagt Schmutz lachend. Van Hove: «Ich kann schon antworten, aber ich glaube, grössere Diskussionen führen wir besser oben.»</p>
<p>375 Stufen sind es. Zum Glück sind die Mauern der Kathedrale dick und es ist angenehm kühl. Oben packt Schmutz die grossen Objektive aus. Wir stehen in der Sonne, zwischen den Zinnen, spüren zum Glück auch den Wind. Van Hove zeigt mir Freiburg von oben: die neue Eishockey-Arena, die Stadtgrenze und die Richtung, in der die Deutschsprachigen leben.</p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5681-scaled.jpg" data-rel="lightbox-image-9" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-97437" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5681-scaled.jpg" alt="" width="720" height="480" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5681-scaled.jpg 1680w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5681-300x200.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5681-1024x683.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5681-768x512.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5681-1536x1025.jpg 1536w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5681-728x485.jpg 728w" sizes="auto, (max-width: 720px) 100vw, 720px" /></a></p>
<p>Das führt das Gespräch zum zweisprachigen Radio. «Es ist ein Qualitätsradio, das für Freiburg wichtig ist.» Das Lokalfernsehen decke nicht nur Freiburg, sondern auch den Kanton Waadt ab. Da sei man, so Van Hoves Eindruck, immer am Abwägen zwischen den Regionen und ihren Inhalten. «Es wäre traurig, sehr traurig, die kleinen Medienunternehmen zu verlieren. Lokalmedien sind wichtig für die Demokratie und das lokale Leben einer Stadt, einer Region, eines Kantons.» </p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5844-scaled.jpg" data-rel="lightbox-image-10" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-97441" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5844-300x200.jpg" alt="" width="480" height="320" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5844-300x200.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5844-1024x683.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5844-768x512.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5844-1536x1025.jpg 1536w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5844-728x485.jpg 728w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5844-scaled.jpg 1680w" sizes="auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px" /></a>Nach diesem Appell stelle ich nun nochmals die Frage: Was lernen die Lokaljournalist:innen in Freiburg von eurer Forschung? «Es gibt weniger Austausch zwischen den zwei Milieus, als ich mir wünsche», sagt Van Hove. Mittlerweile engagiert sie sich als Vizepräsidentin der «Schweizerischen Gemeinschaft für Kommunikations- und Medienwissenschaften SGKM». «Zu unseren Zielen gehört es, die Millieus der Medienunternehmen und der Forschung zu verbinden», sagt sie. Unlängst habe sie in dieser Funktion Eingaben gemacht für grosse Forschungsprojekte, an denen Journalist:innen ebenso beteiligt sein sollen wie Wissenschaftler:innen und Medienmanager:innen. «Ich denke, alle diese Akteure müssen zusammen arbeiten – sei es um Lösungen für ökonomische oder andere Probleme zu finden, sei es um neue Forschungsfragen zu entwickeln.» Um zu verhindern, dass man als Wissenschaftler:in fürs Archiv forscht, helfe der Austausch mit Journalist:innen – der garantiere, dass die eigene Forschung praxisbezogen bleibt. Bereits existiert die <a href="https://www.media-initiative.ch/" rel="noopener" target="_blank">«Initiative for Media Innovation»</a>, bei der Forschung und Verlage zusammenspannen. Die «Initiative» betreibt unter anderem eine öffentliche <a href="https://www.media-initiative.ch/resource-hub/#26-30-scientific-publications" rel="noopener" target="_blank">Datenbank</a> für aktuelle medienwissenschaftliche Beiträge.</p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5721-scaled.jpg" data-rel="lightbox-image-11" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-97438 size-full" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5721-scaled.jpg" alt="" width="1680" height="1121" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5721-scaled.jpg 1680w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5721-300x200.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5721-1024x683.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5721-768x512.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5721-1536x1025.jpg 1536w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5721-470x315.jpg 470w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5721-728x485.jpg 728w" sizes="auto, (max-width: 1680px) 100vw, 1680px" /></a></p>
<p>«Wollen wir mal auf die andere Seite und Richtung Pérolles gucken?», sagt Van Hove. Dort sehen wir das kleine Tourismus-Bähnchen, das durch die Basse-Ville kurvt, das Schwimmbad Motta, den kurvigen Flusslauf der Saane, den Moléson-Gipfel. Im Bezirk Gruyère seien die Leute eigen. Van Hove zeigt unsere Route mit dem Finger nach. «Wir sind vom Bahnhof gekommen, jetzt auf der Kathedrale, wir könnten auch zu Fuss runter ins Schwimmbad oder hoch in den Wald. Alles möglich, es ist eine überschaubare Stadt.»</p>
<p>Wohnblocks und frühneuzeitliche Bauten stehen nebeneinander. In der Stadt Freiburg gebe es weder grosse Gräben noch übertriebenen Lokalpatriotismus. Die Stadt ist zur Romandie hin offen und ebenso in Richtung Bern durchlässig. Die knapp zehntausend Student:innen prägen die 40&#8217;000-Einwohner:innenstadt. «Sobald sie im Sommer weg sind, ist es plötzlich ruhig.» Wie ist das eigentlich mit den Studierenden der Kommunikationswissenschaft: Lesen die «La Liberté»?</p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5785-scaled.jpg" data-rel="lightbox-image-12" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-97439 size-full" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5785-scaled.jpg" alt="" width="1680" height="1121" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5785-scaled.jpg 1680w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5785-300x200.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5785-1024x683.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5785-768x512.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5785-1536x1025.jpg 1536w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5785-470x315.jpg 470w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5785-728x485.jpg 728w" sizes="auto, (max-width: 1680px) 100vw, 1680px" /></a></p>
<p>Die Lokalzeitungen würden sie wohl kaum lesen, weil sie aus anderen Ländern, aus der Deutschschweiz, dem Tessin, der ganzen Romandie kommen. Jedes Jahr fragt Van Hove ihre Student:innen, welche Medien sie lesen. «‹Wie informieren Sie sich? Welche Zeitungen lesen Sie?› Und jedes Jahr erhalte ich den Eindruck, dass sie sich stärker auf digitale Angebote abstützen.» Und zahlen die Studierenden für digitale Medien? «Vielleicht. Aber sie sind in diese Gratiskultur geboren, weshalb viele nicht einsehen, weshalb sie für Information zahlen sollen.» Als Dozentin versuche sie nachvollziehbar zu machen: Hinter der Information stehen Journalist:innen – Menschen, die arbeiten. Journalismus kann nicht gratis sein.</p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5915-scaled.jpg" data-rel="lightbox-image-13" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-97443" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5915-200x300.jpg" alt="" width="360" height="540" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5915-200x300.jpg 200w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5915-683x1024.jpg 683w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5915-768x1151.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5915-1025x1536.jpg 1025w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5915-1366x2048.jpg 1366w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5915-scaled.jpg 1121w" sizes="auto, (max-width: 360px) 100vw, 360px" /></a>Häufig orientieren sich sogar ihre Student:innen nicht mehr an Medientiteln und können nicht einschätzen, was eine Boulevard-, was eine seriöse Zeitung, welche Quelle eher dubios ist. «Meiner Überzeugung nach müsste bereits ab der Primarschule vermittelt werden, was die Logiken des Mediensystems sind.» Nur so können die ganz Jungen Medienkompetenz erlernen in der heutigen digitalen Umgebung. Das Ziel, nicht nur für Student:innen, sei Orientierung. «Die nötigen Informationen zu haben, um zu wissen, wo ich glaubwürdige Information finde, die ich dann auch selbst einschätzen kann.» Trotz all dieser Praxiserfahrung und ihrem Wissen über mediale Entwicklungen glaubt Van Hove nicht nur, dass Medien wie «La Liberté» als Marke überleben, sondern auch, dass es sie weiterhin als gedruckte Zeitung geben wird. Ebooks hätten traditionelle Bücher ja auch nicht verdrängt.</p>
<p>Wir machen uns an den Abstieg vom Turm. Viel Zeit, um nachzudenken, ob wir ein Gesprächsthema ausgelassen haben. Vielleicht haben wir alles besprochen, vielleicht ist es die Erschöpfung von den 365 Stufen: Uns fällt nichts mehr ein. Schmutz und Van Hove führen mich auf die Terrasse des «Belvédère». Hier ist die Aussicht fast so schön wie vom Turm – das Ankommen aber weniger schweisstreibend.</p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5939-scaled.jpg" data-rel="lightbox-image-14" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-97444" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5939-scaled.jpg" alt="" width="720" height="480" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5939-scaled.jpg 1680w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5939-300x200.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5939-1024x683.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5939-768x512.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5939-1536x1025.jpg 1536w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/stemutz_photo_medienwoche_florence_van_hove_2400px-0T3A5939-728x485.jpg 728w" sizes="auto, (max-width: 720px) 100vw, 720px" /></a></p>
<p>Beim Essen zeigt Schmutz, der auf Instagram sehr aktiv ist, Van Hove neue Deepfake-Spielereien und Filter. Auch auf der schönsten Terrasse der Stadt können die Herausforderungen und Möglichkeiten, die neue Technologien bieten, den Lokalkolorit überlagern. Auch für die pittoreske Altstadt haben sie Folgen. Wer sich davor versteckt, droht medial abgehängt zu werden.</p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/Wanderkarte-Fribourg.jpg" data-rel="lightbox-image-15" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-97482 alignnone" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/Wanderkarte-Fribourg.jpg" alt="" width="1562" height="776" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/Wanderkarte-Fribourg.jpg 1562w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/Wanderkarte-Fribourg-300x149.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/Wanderkarte-Fribourg-1024x509.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/Wanderkarte-Fribourg-768x382.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/Wanderkarte-Fribourg-1536x763.jpg 1536w" sizes="auto, (max-width: 1562px) 100vw, 1562px" /></a></p>
<p>Bilder: <a href="https://stemutz.ch/de/stemutz-photographe-fribourg/" target="_blank" rel="noopener">Stefan «Stemutz» Schmutz</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<div style="margin: 4%; border: 1px; border-style: solid; border-color: #cccccc; padding: 4%; font-size: 16px;">
<h3>Vielfältige und unabhängige Medien am Röstigraben</h3>
<p>Als regionales Zentrum an der Sprachgrenze zwischen Deutschschweiz und Romandie nimmt Fribourg/Freiburg auch in der Medienlandschaft eine spezielle Stellung ein. Hier gibt es zwar nicht alles, aber das Wichtigste, gleich doppelt. Für den öffentlichen Diskurs weiterhin prägend wirken die beiden Tageszeitungen: «La Liberté» für das französischsprachige Publikum, die «Freiburger Nachrichten» für die Deutschsprachigen. Der Lokalsender Radio Fribourg/Freiburg vereint beide Sprachen im gleichen Unternehmen, sendet aber zwei getrennte Programme. Beim Regionalfernsehen stehen die Romands etwas besser da. «La Télé», der Sender mit einem Konzessionsauftrag für die Kantone Freiburg und Waadt, betreibt ein Studio in der Stadt. «TeleBärn» hingegen, das auch den deutschsprachigen Teil des Kantons Freiburg abdecken muss, wird nicht als Freiburger Sender wahrgenommen. Beim französischsprachigen Lokalradio und Regionalfernsehen ist Damien Piller Hauptaktionär. Von dem umtriebigen Rechtsanwalt stammte auch die Idee, ausserhalb der Stadt einen Mediaparc hochzuziehen, wo die Redaktionen konvergent arbeiten können.</p>
<p>Was die Freiburger Medien verbindet, ist ihre Unabhängigkeit von Grosskonzernen. Zwar bestehen vielfältige Kooperationen, aber keines der lokalen Unternehmen gehört der Deutschschweizer Tamedia oder der Westschweizer ESH. Im Fall von «La Liberté» sorgt eine ungewöhnliche Aktionärsstruktur für unternehmerische Stabilität. Die beiden mehrheitlich in Staatsbesitz befindlichen Unternehmen «Groupe E» (Energieversorger) und Freiburger Kantonalbank halten je eine substanzielle Minderheitsbeteiligung am Verlag. Auf die Qualität färbt diese Form der staatlichen Medienförderung nicht ab. Im Gegenteil: «La Liberté» fällt immer wieder mit starken Eigenleistungen auf. Etwas weniger komfortabel sieht die Lage dagegen für die «Freiburger Nachrichten» aus, auch weil sich ihr Einzugsgebiet auf das vergleichsweise kleine deutschsprachigen Kantonsteil beschränkt. Auch deshalb weibelte ihr Geschäftsführer im Vorfeld der Abstimmung über den Ausbau der Presseförderung stark für zusätzliche Subventionen. Nur mit staatlicher Unterstützung sei die anspruchsvolle Übergangsphase mit wegbrechenden Print-Erträgen, aber weiterhin hohen Distributionskosten, zu bewältigen.</p>
<p><em><small>Nick Lüthi</small></em></p>
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		<title>Das Zentrum ist überall: Mit Andreas Mösli in Winterthur</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2022/04/29/das-zentrum-ist-ueberall-mit-andreas-moesli-in-winterthur/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Benjamin von Wyl]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Apr 2022 05:45:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Landbote]]></category>
		<category><![CDATA[Andreas Mösli]]></category>
		<category><![CDATA[Winterthur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Winterthur ist die sechstgrösste Stadt der Schweiz – doch warum steht in jedem Artikel «Winterthur ZH», als wüssten die Leser:innen nicht, dass Winterthur im Kanton Zürich liegt? Ein Spaziergang durch eine Stadt, wo die Medien mit dem Wachstum der Stadt nicht mithalten konnten. «Am Stadttor» sollen wir uns treffen. Aber wer kommt denn auf die <a href="https://medienwoche.ch/2022/04/29/das-zentrum-ist-ueberall-mit-andreas-moesli-in-winterthur/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Winterthur ist die sechstgrösste Stadt der Schweiz – doch warum steht in jedem Artikel «Winterthur ZH», als wüssten die Leser:innen nicht, dass Winterthur im Kanton Zürich liegt? Ein Spaziergang durch eine Stadt, wo die Medien mit dem Wachstum der Stadt nicht mithalten konnten.</strong></p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Moesli-von-Wyl-20220427-DSCF0633.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-96802" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Moesli-von-Wyl-20220427-DSCF0633.jpg" alt="" width="1456" height="976" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Moesli-von-Wyl-20220427-DSCF0633.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Moesli-von-Wyl-20220427-DSCF0633-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Moesli-von-Wyl-20220427-DSCF0633-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Moesli-von-Wyl-20220427-DSCF0633-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Moesli-von-Wyl-20220427-DSCF0633-470x315.jpg 470w" sizes="auto, (max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /></a></p>
<p>«Am Stadttor» sollen wir uns treffen. Aber wer kommt denn auf die Idee, dass das direkt bei der Bahnhofsunterführung ist? Die weisse Verschalung über dem Bahnhoftreffpunkt ist das Tor zur sechstgrössten Stadt der Schweiz. Fotografin Elisabeth Egli hantiert mit ihrer Kamera – so erkenne ich sie schnell. Gemeinsam finden wir dann Andreas Mösli. Dieser fände ein Kafi to go nett, weshalb wir direkt nochmal zurück in die Unterführung gehen. Den besten Kafi biete hier das «Spettacolo», sagt Mösli. Die Filiale ist so versteckt «im Underground», dass man sie beinahe als Geheimtipp bezeichnen könne.</p>
<p></p>
<p>«Mein ganzes Leben hat sich hier abgespielt», erzählt Mösli wieder auf dem Bahnhofplatz, mit Kaffee versorgt. «Ich bin gerne in Winterthur und erlebe die Stadt als Ort, wo ich mit globalem Bewusstsein im kleinen Rahmen etwas bewirken kann.» Die letzten 20 Jahre hat das Mösli vor allem als Geschäftsführer des <a href="https://fcwinterthur.ch/" target="_blank" rel="noopener">FC Winterthur</a> getan.</p>
<p>Während sich der Super-League-Fussball zunehmend dem Komplettkommerz preisgab, arbeitete der FC Winterthur daran, sich als sympathischen Mitfieber-Verein zu positionieren. «Erstklassig zweitklassig», war ein Claim, den Mösli geprägt hat – und der mit dem jetzt möglichen Aufstieg überholt werden könnte. Für den FCW arbeitet er heute als Mitglied der Geschäftsleitung und Mediensprecher. Trotzdem spricht Mösli nicht nur über Fussball. Mösli wirkt wie ein Mensch, der viele Leben in sich vereint.</p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Andreas-Moesli-20220427-DSCF0901.jpg" data-rel="lightbox-image-1" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-96801" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Andreas-Moesli-20220427-DSCF0901-201x300.jpg" alt="" width="360" height="537" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Andreas-Moesli-20220427-DSCF0901-201x300.jpg 201w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Andreas-Moesli-20220427-DSCF0901-686x1024.jpg 686w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Andreas-Moesli-20220427-DSCF0901-768x1146.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Andreas-Moesli-20220427-DSCF0901.jpg 976w" sizes="auto, (max-width: 360px) 100vw, 360px" /></a>Ja, Punk-Musiker sei er auch mal gewesen, sagt er, bevor wir vom Bahnhofplatz in die Technikumstrasse einbiegen. Das war noch, bevor er «zufällig Journalist» geworden sei. In der «Winterthurer Arbeiterzeitung» hatte er Anfang der 1990er-Jahre eine Annonce gesehen. Bis dahin beschränkte sich Möslis publizistisches Schaffen auf linke Flugblätter, doch er hat sich beworben und die Stelle bekommen. «Ich war dann der erste und letzte Volontär», sagt er. «Leider.»</p>
<blockquote><p>Mösli redet gegen den Verkehrslärm an, erweckt mit seinen Worten die grün blinkenden Bildschirme, auf denen er vor 30 Jahren Texte getippt hat.</p></blockquote>
<p>Er zeigt auf eines der Fenster eines massiven Bürobauses: «Da war mein Platz.» Im Parterre des Gebäudes arbeitet heute ein Coiffeur; im Keller ist ein Musik-Club, der sich als «stylische Wohlfühl-Party-Oase» bewirbt. Längst entstehen hier keine Zeitungen mehr. An die «Arbeiterzeitung» erinnern in der ehemaligen Arbeiter:innenstadt Winterthur vor allem noch die Industriegebäude.</p>
<p>Mösli redet gegen den Verkehrslärm an, erweckt mit seinen Worten die grün blinkenden Bildschirme, auf denen er vor 30 Jahren Texte getippt hat. Jeden Abend packten die Redaktor:innen eine Diskette, auf der die Artikel lagen, in ein Couvert, legten die selbst entwickelten Fotos dazu und brachten sie ans Gleis. Dort gaben sie dem Kondukteur das Rohmaterial für die Zeitung des nächsten Tages auf die Fahrt nach Schaffhausen mit. In Schaffhausen, in der Unionsdruckerei, entstand aus den analog gelieferten Daten dann erst die Zeitung. «Damals gab es ein linkes Mantelzeitungssystem, unter anderem mit der ‹DAZ – Die andere Zeitung› aus Zürich und der ‹Schaffhauser AZ›. In Schaffhausen haben die das auf Leuchttischen präpariert, Artikel geklebt, die Zeitungen gedruckt und nach Winterthur geliefert.» Im Rückblick findet es Mösli absurd, dass es in den Jahren darauf die arbeitnehmer:innenfreundliche «Winterthurer AZ» war, die als erste in der Stadt Apple-Computer anschaffte und auf Technik setzte, die zahlreiche Jobs in der Druckindustrie obsolet machte.</p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/2022/03/30/zur-spaziergang-serie-das-zentrum-ist-ueberall/"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-96029" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/Mehr-ueber-Spaziergang-Bild2-300x268.jpg" alt="" width="320" height="286" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/Mehr-ueber-Spaziergang-Bild2-300x268.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/Mehr-ueber-Spaziergang-Bild2-1024x914.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/Mehr-ueber-Spaziergang-Bild2-768x686.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/Mehr-ueber-Spaziergang-Bild2.jpg 1456w" sizes="auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px" /></a>Es sei damals schon ums Überleben der Zeitung gegangen. Nach dem Volontariat wirkte Mösli als Redaktor und Arbeitnehmer:innenvertreter im Verwaltungsrat der Zeitung mit. Zwar hätten Politkenner:innen aus allen Lagern die AZ-Berichterstattung geschätzt, die Zeitung trumpfte mit vielen Primeurs. Doch nur 2000 Abonennt:innen reichten nicht, um sich auf dem Anzeigenmarkt durchzusetzen. Statt sechs Ausgaben gab es eine Weile lang deren drei, dann erschien sie noch einmal pro Woche. 1997 – 100 Jahre nach ihrer Gründung – versuchte es die AZ als <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Stadtblatt" target="_blank" rel="noopener">«Stadtblatt»</a>. 2008 erschien dieses noch als sonntägliche Gratiszeitung. Dann war Schluss.</p>
<p>Möslis Erzählung aus einer anderen Zeit reicht bis in die Gegenwart, weil es bis heute in Winterthur bloss noch eine einzige Tageszeitung gibt. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Landbote" target="_blank" rel="noopener">«Der Landbote»</a> ist die älteste Tamedia-Zeitung, älter als der «Tages-Anzeiger», älter als «Der Bund». 1836 gegründet, wurde er ab 1860 «zum führenden Organ der Demokratischen Bewegung mit nationaler Bedeutung», wie es im <a href="https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/024775/2008-11-11/" target="_blank" rel="noopener">Historischen Lexikon der Schweiz HLS</a> heisst. Das HLS betont seine Bedeutung: «Anfang des 21. Jh. war der L. mit 46&#8217;427 Exemplaren (2001) die führende Zeitung in Winterthur und der näheren Region.» Aktuell beträgt die verkaufte Auflage laut WEMF gut 21’000 Exemplare.<br />
<a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Moesli-von-Wyl-20220427-DSCF0650.jpg" data-rel="lightbox-image-2" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-96803" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Moesli-von-Wyl-20220427-DSCF0650-1024x686.jpg" alt="" width="728" height="488" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Moesli-von-Wyl-20220427-DSCF0650-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Moesli-von-Wyl-20220427-DSCF0650-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Moesli-von-Wyl-20220427-DSCF0650-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Moesli-von-Wyl-20220427-DSCF0650-470x315.jpg 470w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Moesli-von-Wyl-20220427-DSCF0650.jpg 1456w" sizes="auto, (max-width: 728px) 100vw, 728px" /></a></p>
<p>Mösli zeigt auf das Gebäude diagonal über die Strasse. Bis in die 1960er habe es noch fünf lokale Tageszeitungen gegeben – so wie das freisinnige «Tagblatt»: Die Zeitung der politischen Rivalen hatte ihre Redaktion gleich gegenüber der AZ. Doch die FDP-Zeitung ging lange vor dem Ende der AZ im «Landboten» auf. Der setzte sich gegen alle anderen durch. Mösli sagt, es folgten bereits im 20. Jahrhundert Dekaden, in denen praktisch jeder Winterthurer Haushalt den «Landboten» abonniert hatte. Möslis Eltern seien im Laufe der 1970er von der AZ zum «Landboten» gewechselt, weil in der Arbeiterzeitung unter anderem die Todesanzeigen fehlten.</p>
<blockquote><p>Die Winterthurer Tagi-Redaktion war im Rückblick eine Zwischenphase der Medienkonzentration.</p></blockquote>
<p>Wir biegen links in den Neumarkt ab. Der «Neumarkt» in St. Gallen oder Brugg ist ein klobiges Einkaufszentrum. In Winterthur ist der Neumarkt noch ein richtiger Wochenmarkt: ein Gewusel. Nicht nur Käse, Gemüse und Gebäck wechseln gerade die Besitzer:innen, sondern auch ein «Surprise»-Magazin. Der Verkäufer sei sehr engagiert. Ein paar Schritte weiter bleibt Mösli stehen. Wenn man über den Platz in die Gasse hineingucke, sehe man die Fassade, gleich hinter jener des Restaurants «Trübli». Dort habe die «Tages-Anzeiger»-Redaktion gearbeitet. Eine «Tages-Anzeiger»-Redaktion in Winterthur? Auf dem Markt grüssen manche Mösli im Vorbeigehen. Heute ist er ein bekanntes Gesicht in der Stadt, Wegbereiter eines neuen Lokalgefühls – Ende der 1990er-Jahre arbeitete er, nach einigen Jahren als freier Journalist, für die Dependance der Stadtzürcher Zeitung. Zu fünft produzierte das Tagi-Team hinter dem «Trübli» eine Winterthur-Seite für jede Ausgabe. «Der Tagi hatte hier nie eine Chance.» Die Winterthurer Tagi-Redaktion war im Rückblick eine Zwischenphase der Medienkonzentration: Bevor Tamedia den «Landboten» übernommen hat, konkurrenzierte sie ihn. In Möslis Erinnerung besass Tamedia bereits damals einen grossen Stoss «Landbote»-Aktien. Jedenfalls war Tamedia bereits Minderheitsaktionärin, bevor sie vor knapp zehn Jahren den «Landboten» für 50 Millionen Franken gekauft hat.</p>
<p>Wer sich wirklich für das Weltgeschehen interessierte, hatte je nach politischer Schattierung ein Abo von NZZ oder «Tages-Anzeiger», doch im Lokalen dominierte der «Landbote». «Damals beim Tagi haben wir uns gefragt, was wir hier eigentlich machen. Vielleicht war es Verlagspolitik: Es ging darum, in Winterthur Druck zu machen.» So oder so wurde die Winterthur-Seite im «Tages-Anzeiger» wieder eingestellt, Mösli ist gegangen und seit 2002 beim FC Winterthur, also auf der anderen Seite. Auf jener, die interviewt wird.</p>
<blockquote><p>«Hey, sorry: Sind wir ein unbekanntes Dorf, irgendwo in den Bergen? Haben wir einen komischen Namen?»</p></blockquote>
<p>Anfangs, als der FC Winti in Schulden ersoff, war das Interesse noch bescheiden. Mit der Zeit stabilisierten sich die Verhältnisse und auch das Medieninteresse stieg. «Je mehr Interviews ich geben musste – gegenüber ‹Radio Top›, Gratiszeitungen oder zuletzt Formaten wie ‹Nau.ch›, desto öfters machte ich die Erfahrung, dass diese Medien eine ganz andere Welt sind.» Junge Leute ohne Erfahrung und nach Möslis Eindruck ohne seriöses Grundwissen über Journalismus, ohne Hintergrundkenntnisse, stellen oberflächliche Fragen. «Es sind auch schon Leute gekommen, die offen zugaben, dass sie was über den FCW machen müssen, aber nicht wissen, was da gerade wichtig ist. Die kommen dann so: ‹Kannst du mir schnell sagen, was das Thema ist?›» Diejenigen, die ihm Informationen entlocken sollten, fragen stattdessen ihn, was sie fragen sollen. «Journalistisch ist das eine Katastrophe.» Die lokalen «Top»-Medien – also <a href="https://www.toponline.ch/radio-top/radio-top-live" target="_blank" rel="noopener">‹Radio Top›</a>, <a href="https://www.toponline.ch/tele-top" target="_blank" rel="noopener">‹Tele Top›</a> und <a href="https://toponline.ch/" target="_blank" rel="noopener">‹Top Online›</a> – würden ohnehin oft dann etwas machen, wenn er einen Facebook-Post erstelle.</p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Moesli-von-Wyl-20220427-DSCF0701.jpg" data-rel="lightbox-image-3" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-96804 size-full aligncenter" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Moesli-von-Wyl-20220427-DSCF0701.jpg" alt="" width="1456" height="976" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Moesli-von-Wyl-20220427-DSCF0701.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Moesli-von-Wyl-20220427-DSCF0701-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Moesli-von-Wyl-20220427-DSCF0701-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Moesli-von-Wyl-20220427-DSCF0701-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Moesli-von-Wyl-20220427-DSCF0701-470x315.jpg 470w" sizes="auto, (max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /></a></p>
<p>«Die bedienen Schaffhausen, Winterthur, Thurgau, St. Gallen. Das geht mit der Idee des Lokalen gar nicht zusammen: Der Winterthurer nervt sich, wenn er die ganze Zeit Thurgauerdeutsch hört. Der Schaffhauser nervt sich über den FCW. Der St. Galler fragt sich, was interessiert mich ein Museum in Schaffhausen.» Doch diese Probleme in der Ausrichtung seien im Konzept des Medienhauses anscheinend zweitrangig. Dieses setze auf ein grosses Einzugsgebiet für niedrige Kosten. Immerhin, werfe ich ein, haben die «Top»-Medien Winterthur zur Hauptstadt der Ostschweiz erkoren.</p>
<p>«Das siehst vielleicht du so!» In der Ostschweiz nenne man die Winterthurer:innen Zürcher:innen. «Nein, sorry, es ist manchmal peinlich.» Es geht nun ums Grundsätzliche: Er habe es gerade wiedermal gelesen, in einem Artikel über das geplante Holzhochhaus in Winterthur. «Es ist das höchste Holzhaus der Welt – und wo steht es? In ‹Winterthur ZH›. Hey, sorry: Sind wir ein unbekanntes Dorf, irgendwo in den Bergen? Haben wir einen komischen Namen?», ärgert sich Mösli. Warum brauche es bloss dieses «ZH»? «Die Medien schreiben immer ZH, um zu sagen, wo Winterthur ist. Wenn du mal auf der Autobahn in Richtung Winterthur fährst …» Mösli ist ein mächtiger Redner, doch nun unterbricht ihn Fotografin Elisabeth Egli: «Hey, es ist ewig nicht angeschrieben!» Am Wochenende führ die Wahlwinterthurerin zuletzt von Luzern nach Winterthur. «Auf den Autobahnschildern erscheint München vor Winti.» Nicht mal den Autofahrer:innen wird Winti bekannt gemacht.</p>

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<p>118′000 Menschen leben in Winterthur, das sind keine 20′000 weniger als in Bern. In Luzern, als nächstkleinere Stadt, sind es nur um die 80′000. Aber Winterthur ist nicht nur die sechstgrösste Stadt der Schweiz, sondern auch mit Abstand die grösste, die keine Kantonshauptstadt ist.</p>
<p>Wir versperren Passant:innen den Weg zum Gemüsestand. Ein paar Schritte zur Seite, doch zum Thema hat Mösli noch einiges zu sagen: «Früher waren wir wirklich ein verschlafenes Nest!» In seiner Jugend habe es ein wahnsinnig schwaches kulturelles Angebot gegeben. Clubs wie das Salzhaus sind erst in der zweiten Hälfte der 1990er entstanden. «Wollten wir in den 80er-Jahren ein Konzert organisieren, hatten wir keine andere Wahl als Häuser zu besetzen. Hey, um elf sind die meisten Beizen zugegangen, um elf!»</p>
<blockquote><p>In dieser Stadt geht es mit den Medien bergab – und mit dem gesellschaftlichen Leben trotzdem bergauf.</p></blockquote>
<p>Doch in den letzten Jahrzehnten habe Winterthur eine neue Identität gefunden, die vielen gefalle: «In den 90ern waren wir etwa so gross wie St. Gallen. Die schrumpfen und wir wachsen.» Viele schätzen Winti für die Gleichzeitigkeit von städtischer Anonymität und Dorfcharakter. «Nur die Winterthurer Medien haben eine negative Entwicklung genommen.»</p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Winterthur-20220427-DSCF0955.jpg" data-rel="lightbox-image-4" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-96813" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Winterthur-20220427-DSCF0955.jpg" alt="" width="1456" height="976" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Winterthur-20220427-DSCF0955.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Winterthur-20220427-DSCF0955-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Winterthur-20220427-DSCF0955-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Winterthur-20220427-DSCF0955-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Winterthur-20220427-DSCF0955-470x315.jpg 470w" sizes="auto, (max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /></a></p>
<p>Mösli nimmt den letzten Schluck Kafi, er ist wohl längst kalt – aber während dem vielen Reden kam er kaum zum Trinken. Ich drehe mich um: ein belebter Markt, viele Stände – unter jene, die einkaufen, mischen sich langsam die, die die Mittagspause haben. Um uns herum wird locker geschwatzt. Der öffentliche Raum lebt. In einer Stadt geht es mit den Medien bergab – und mit dem gesellschaftlichen Leben trotzdem bergauf. Winterthur ist lebendig, selbst wenn die Medien Politik und Gesellschaft seltener spiegeln.</p>
<p>«Der Landbote versucht zu bestehen.» Aber er ist in einer schwierigen ökonomischen Lage und besteche nicht durch Aussergewöhnliches, findet Mösli. Die Politkommentare seien ok geschrieben, aber kaum je originell. Während früher ein Bericht kam, wenn die U18-Fussballmannschaft des FC Winterthur gegen St. Gallen antrat, werde immer mehr auch das Kleine, Lokale weggespart.</p>
<blockquote><p>«Es ist halt wirklich unser Problem, dass wir im Schatten der Medienhauptstadt Zürich stehen.»</p></blockquote>
<p>Die Zeitung bewege sich aus der Stadt, ganz konkret. Noch immer stehen wir am selben Ort, nah am Gemüsestand auf dem Neumarkt, wo wir vorhin den Weg versperrten. Erst jetzt macht Mösli klar, dass wir aus einem Grund hier sind: Er zeigt Richtung Kirche. Da, direkt neben der Kirche, «aber mit ideologisch grösstmöglichem Abstand zur Kirche» war die «Landbote»-Redaktion. Am Garnmarkt 1. Hier ist die Zeitung immer gewesen. Jetzt ist sie weg. «Der Standortwechsel ist für mich sinnbildlich. Irgendwann wird der ‹Landbote› verschwinden.»</p>
<p>Mösli hält es für grundsätzlich falsch, dass man Medien ökonomisch gleich behandelt «wie Bäckereien oder irgendwelche Betriebe». Seiner Meinung nach müsste man sie als öffentliches Gut betrachten, ihre Unabhängigkeit schützen und sie «aus der kapitalistischen Ordnung nehmen». Journalismus müsse an Qualität, nicht an Profittabellen gemessen werden. «Wenn ich heute ein Interview zum Gegenlesen bekomme, stehen oft Sachen drin, die ich nie gesagt habe.» Winterthur spüre die Medienkrise besonders. «Es ist halt wirklich unser Problem, dass wir im Schatten der Medienhauptstadt Zürich stehen.» Zürich, das sei eine mondäne Weltstadt. Winterthur ist das nicht, wolle das nicht sein und das sei auch gut so.</p>
<p>Der Tagi bringe einmal pro Woche was «für die Winterthur-ZH-Fraktion», also Winterthur-Berichterstattung für Nicht-Winterthurer:innen. Neben dem Landboten gebe es «keine Winterthurer Zeitung». Ausser natürlich die <a href="https://www.winterthurer-zeitung.ch/" target="_blank" rel="noopener">«Winterthurer Zeitung»</a>: Diese wöchentliche Gratiszeitung gehört zum «Blocherimperium». Mösli hat nicht das Gefühl, dass sie politischen Journalismus mache. «Viele People-Geschichten und Beiträge über Ladeneröffnungen. Sie prägt keine Debatten.» Unter den Gratis-Anzeigern gibt es immerhin Konkurrenz: Ehemalige der «Winterthurer Zeitung» schlossen sich in der Lokalmedia AG zu <a href="https://84xo.ch/" target="_blank" rel="noopener">«84xo»</a> zusammen. Der Name verweist auf die Postleitzahl 8400, gleichzeitig soll es ein Smiley sein. «Die haben schon den Anspruch Journalismus zu machen, aber ihr politisches Gewicht ist klein und die Mittel bescheiden.» Bei beiden Anzeigeblättern sei der Journalismus bloss Beiprodukt.</p>
<blockquote><p>Gab es denn wenigstens eine Lokalgeschichte aus Winterthur in den letzten Jahrzehnten, wo er gesagt hat: Hut ab?</p></blockquote>
<p>Wir passieren die zentrale Altstadtachse, das «Untertor», biegen beim Stadtgarten links ab. Mösli zeichnet ein düsteres Bild der lokalen Medienlandschaft. Ich glaube ihm – als Mediensprecher des wichtigsten Sportvereins hat er ja keinen Grund, die Medien schwach zu reden, mit denen er regelmässig zu tun hat. Doch trotzdem: Gibt es keine Hoffnungsschimmer? Mösli winkt ab.</p>
<p>Gab es denn wenigstens eine Lokalgeschichte aus Winterthur in den letzten Jahrzehnten, wo er gesagt hat: Hut ab? «Jedenfalls keine, die mir in Erinnerung geblieben ist.» Der «Landbote» mache meist solide Arbeit. «Ich merke aber, dass es denen an Zeit fehlt. Ich weiss nicht, ob das an meinem journalistischen Hintergrund liegt oder ob das alle Leserinnen, Leser spüren.» Die Zeitung setze keine Themen und wenn nationale Medien Winterthur schlechtschreiben, bietet der «Landbote» für Möslis Empfinden zu wenig Paroli.</p>
<p>Vor vier Jahren ist in der NZZ eine grosse Geschichte erschienen, die das Quartier «Steig» als islamistische Hochburg zeichnete. Möslis Frau ist dort Lehrerin; der FCW hat sich immer wieder an Quartierprojekten beteiligt. Mösli kennt also die Nachbarschaft. Es gebe Probleme – wie im Zürcher Kreis 4 ebenfalls. Doch die NZZ habe einen einseitigen Blick vermittelt. «Ich kenne drei Leute von dort oben, die heute Nationalspieler sind. Darüber stand nie ein Wort in der NZZ.» Alles Kreative, Positive kam nicht vor. Wer den Artikel las, musste glauben, «Steig» sei voller Drogen und Terrorismus. «Diese Pseudo-Reportage weckte Bilder der Banlieues von Paris, pure Klischees. Da hätte der ‹Landbote› dagegenhalten müssen und das hat er zu wenig gemacht.»</p>
<p>Ich frage nach dem <a href="https://www.coucoumagazin.ch/de/kalender.html" target="_blank" rel="noopener">«Coucou-Kulturmagazin»</a>, kurz bevor wir in die graue Passage am Rand des Manor-Gebäudes schreiten. Das «Coucou» sei toll, unterstützenswert, aber stark auf Freiwilligkeit angewiesen. Wenn sich Freiwillige engagieren, sei es nie einfach die Qualität zu messen: Welche Masstäbe setzt man an? Dasselbe gelte auch für das Medium in der Villa, vor der wir nun stehen: «Da gibt es einige, die nuscheln.» <a href="https://stadtfilter.ch/" target="_blank" rel="noopener">«Radio Stadtfilter»</a> sendet aus dem Dachstock des Stammsitzes einer alten Winterthurer Mäzen:innenfamilie.</p>
<blockquote><p>Aber wo tauscht sich dieses neue lebendige Winterthur denn aus, wenn es kein Medium hat?</p></blockquote>
<p>Mösli sitzt im Verwaltungsrat des Kultur- und Mitmachradios. Es sei ein tolles Projekt, erreiche einige zehntausend Personen. Migrantische Sendungen in verschiedenen Sprachen seien wichtig. Doch auch «Radio Stadtfilter» könne die mediale Lücke, die Mösli in Winterthur wahrnimmt, nicht füllen. Aber wo tauscht sich dieses neue lebendige Winterthur denn aus, wenn es kein Medium hat? Zumindest soweit Mösli weiss auch nicht auf Social Media.</p>
<p>Wo dann?</p>
<p>«Auf der Schützi!», platzt es aus der Fotografin heraus. Das Fussballstadion ist ein wichtiger Treffpunkt für Elisabeth Egli. «Alle möglichen Leute, auch aus der Kulturszene, sind da», sagt sie. «Ich merke es jedes Mal, wenn ich dort bin. Auf der Schützi triffst du alle: Viele, die mit meiner Arbeit zu tun haben, Freizeit, Freundinnen, Freunde.» In «Lozärn» wäre das anders. «Das liegt am FC Winti.» Nun stimmt auch Mösli ein. «Wir wollten den Verein als Plattform, als soziales Netzwerk aufbauen. Du kommst wegen dem Fussball, aber triffst einfach alle. Viele Informationen fliessen dort.»</p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Moesli-von-Wyl-20220427-DSCF0901.jpg" data-rel="lightbox-image-5" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-96805" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Moesli-von-Wyl-20220427-DSCF0901-1024x686.jpg" alt="" width="728" height="488" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Moesli-von-Wyl-20220427-DSCF0901-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Moesli-von-Wyl-20220427-DSCF0901-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Moesli-von-Wyl-20220427-DSCF0901-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Moesli-von-Wyl-20220427-DSCF0901-470x315.jpg 470w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Moesli-von-Wyl-20220427-DSCF0901.jpg 1456w" sizes="auto, (max-width: 728px) 100vw, 728px" /></a></p>
<p>«Radio Stadtfilter» in den gediegenen Räumen sitzt gleich gegenüber vom Bahnhof. Mehr als einmal stehen wir dem Busverkehr im Weg. So sehr die Altstadt mit Fussgänger:innen belebt ist, so dicht ist der Verkehr auf den Strassen um das Altstadtgeviert. Wir sind wieder dort, wo wir losgegangen sind. Die Route soll auf der anderen Seite des Bahnhofs enden: vor dem neuen Sitz der «Landbote»-Redaktion.</p>
<p>Auf der anderen Seite der Unterführung bewegen wir uns in einem Strom aus Studierenden und anderen Menschen in der Mittagspause. Mösli sagt, viele von denen kommen morgens in Winterthur an und fahren abends wieder weg. Egli entgegnet, dass viele auch bleiben. Mösli freut das.</p>
<p>Als wir die zur Fachhochschulbibliothek umgebaute Industriehalle hinter uns lassen, ist der Strom der Passant:innen nicht weniger dicht, aber weniger zielstrebig. Auf dem Sulzer-Areal fläzen Menschen in Strassenrand-Cafés und sehen dabei aus, als würden sie den ganzen Tag nichts anderes tun. Egli hat ihr Atelier hier. Es sei toll – nur ein Kiosk fehlt. Für Snacks, wenn die Arbeit mal länger dauert.</p>
<p>Dann, als die Budendichte schon wieder abnimmt, sehen wir rechts im zweiten oder dritten Stock eines grossen Gewerbehauses «Landbote»-Logos. Sie sind eher klein und bescheiden. Die Tamedia-Zeitung mit gut 30 Redaktor:innen besetzt ein ganzes Stockwerk. Unter dem Eingang steht ein Foodtruck, etwas abseits serviert «Badawi» ägyptisches Essen aus einer Art Hütte. Es ist kein totes Gewerbegebiet. Hier ist die Stadt am Entstehen und Ausprobieren, findet auch Mösli.</p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/Winterthur-Wanderweg-ganz-20220427.jpg" data-rel="lightbox-image-6" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-96842" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/Winterthur-Wanderweg-ganz-20220427.jpg" alt="" width="1565" height="1031" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/Winterthur-Wanderweg-ganz-20220427.jpg 1565w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/Winterthur-Wanderweg-ganz-20220427-300x198.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/Winterthur-Wanderweg-ganz-20220427-1024x675.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/Winterthur-Wanderweg-ganz-20220427-768x506.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/Winterthur-Wanderweg-ganz-20220427-1536x1012.jpg 1536w" sizes="auto, (max-width: 1565px) 100vw, 1565px" /></a></p>
<p>Ich frage zwei, die uns mit Auberginen und Reis beladenen Tellern entgegenkommen, ob sie beim «Landboten» arbeiten. Sie kommen mir bekannt vor. Die Angesprochenen bejahen. Sie mögen es, von hier aus zu arbeiten. Zwar sind sie nicht mehr in der Altstadt, aber das Areal sei ja lebendig. Vor kurzem seien noch die Journalist:innen des «Zürcher Unterländer» dazu gekommen – in Bülach gebe es nur noch ein kleines Büro. Eine Sparmassnahme, mit der Stellenabbau verhindert werden konnte. Die «Landbote»-Journalist:innen gehen mit ihren Tellern ab. Mösli und ich gehen auch essen. Wer bei «Badawi» kein Bargeld dabei hat, solle einfach das nächste Mal zahlen.</p>
<p>Von Bülach aus führt die Medienkonzentration nach Winterthur. Bülach ist eine 20′000-Einwohner:innen-Stadt, von Zürich und Winterthur jeweils etwa 20 Kilometer entfernt. Eine Stadt so gross wie Aarau oder Solothurn. Im Kanton Zürich stehen Städte so gross wie manche Kantonshauptorte nicht nur im Schatten der Stadt Zürich, sondern auch im Schatten von Winterthur.</p>
<p><strong>Bilder: Elisabeth Egli</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<div style="margin: 4%; border: 1px; border-style: solid; border-color: #cccccc; padding: 4%; font-size: 16px;">
<h3>Grosse Stadt, kleine Medien</h3>
<p>Selbst das grösste und prominenteste Lokalmedium ist eine kleine Nummer in Winterthur – einer Stadt mit inzwischen 118&#8217;000 Einwohner:innen. Der «Landbote» zählt heute nicht einmal mehr 20&#8217;000 Abonnements. Zum Vergleich: Im nur unwesentlich grösseren Bern (Bevölkerung: 134&#8217;000) zählen «Bund» und Stadtausgabe der «Berner Zeitung» das Dreifache an Abos. Wie seine Schwesterblätter in der Bundesstadt hängt auch der «Landbote» längst am Tamedia-Tropf und beschäftigt nur noch eine eigene Lokalredaktion, der Rest kommt aus Zürich.</p>
<p>Mit ihren Vorläufersendern seit 1984 in Winterthur verwurzelt sind die «Top»-Medien mit den gleichnamigen Radio- und TV-Sendern und einem News-Portal. «Radio Top» entstand 1998 aus einem Zusammenschluss von «Radio Eulach», «Radio Thurgau» und «Radio Will». «Tele Top» ging 1999 als Nachfolgeprojekt von «Winti TV» auf Sendung. Eine publizistische Konkurrenz zur Lokalberichterstattung des «Landboten» können die beiden Sender aber insofern nicht bieten, als dass sie aufgrund der Konzessionsvorgaben praktisch die gesamte Ostschweiz von Winterthur über Schaffhausen bis St. Gallen abdecken müssen. Inhaltlich machen Soft-News aus der Region einen Grossteil der Berichterstattung aus. Eine wichtige Rolle spielen «Radio Top» und «Tele Top» indes als Ausbildungsmedien. Diese Funktion erfüllt auch «Radio Stadtfilter». Als sogenanntes Komplementärradio ohne Werbung und mit einem Gebührenanteil für gesellschaftliche Integrationsleistung ist bei diesem Sender die Wirkung nach innen mindestens ebenso wichtig wie der Programm-Output.</p>
<p>Winterthur ist mit Abstand die grösste Stadt, in der eine Gratiswochenzeitung aus Christoph Blochers Verlag Swiss Regiomedia erscheint. Weiter befinden sich in der Eulachstadt eine Reihe jüngerer und kleinerer Medien, etwa das Kulturmagazin «Coucou» und die Online-Wochenzeitung «84xo». Das Wissenschaftsmagazin «Higgs» wird im kommenden Sommer nach viereinhalb Jahren aus finanziellen Gründen den Betrieb einstellen.</p>
<p>Anders als in allen anderen grösseren Schweizer Städten gibt es in Winterthur kein Studio der SRG.</p>
<p>Auch wenn sich das publizistische Angebot eher mager ausnimmt und nicht dem Selbstverständnis der Stadt entspricht, darf sich Winterthur zumindest bei der Ausbildung das Etikett «Medienstadt» anheften: Das Departement Angewandte Linguistik der Fachhochschule ZHAW betreibt Medienforschung und bildet Journalist:innen und Kommunikationsfachleute aus.</p>
<p><em><small>Nick Lüthi</small></em></p>
</div><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2022/04/29/das-zentrum-ist-ueberall-mit-andreas-moesli-in-winterthur/">Das Zentrum ist überall: Mit Andreas Mösli in Winterthur</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Zur Spaziergang-Serie: Das Zentrum ist überall</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2022/03/30/zur-spaziergang-serie-das-zentrum-ist-ueberall/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Benjamin von Wyl]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 30 Mar 2022 06:34:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Lokalmedien]]></category>
		<category><![CDATA[Medienvielfalt]]></category>
		<category><![CDATA[Medienlandschaft]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=95981</guid>

					<description><![CDATA[<p>Die MEDIENWOCHE geht spazieren. Jeden Monat begeben wir uns zu Fuss durch die Peripherie der Schweiz und lassen uns von kundiger Seite die Mechanismen der lokalen Medienlandschaft erklären. Andere reden nur von Medienvielfalt, wir zeigen sie. Alle, ja wirklich alle, sprechen über Lokaljournalismus. Niemand bestreitet, dass es überall Medien braucht. Die sollen möglichst unabhängig und <a href="https://medienwoche.ch/2022/03/30/zur-spaziergang-serie-das-zentrum-ist-ueberall/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die MEDIENWOCHE geht spazieren. Jeden Monat begeben wir uns zu Fuss durch die Peripherie der Schweiz und lassen uns von kundiger Seite die Mechanismen der lokalen Medienlandschaft erklären. Andere reden nur von Medienvielfalt, wir zeigen sie.</strong></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-96027 size-full" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Spaziergang-das-Zentrum-ist-ueberall.jpg" alt="" width="1456" height="976" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Spaziergang-das-Zentrum-ist-ueberall.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Spaziergang-das-Zentrum-ist-ueberall-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Spaziergang-das-Zentrum-ist-ueberall-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Spaziergang-das-Zentrum-ist-ueberall-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Spaziergang-das-Zentrum-ist-ueberall-470x315.jpg 470w" sizes="auto, (max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /></p>
<p>Alle, ja wirklich alle, sprechen über Lokaljournalismus. Niemand bestreitet, dass es überall Medien braucht. Die sollen möglichst unabhängig und lokal verankert sein: Als bekannt wurde, dass die Zürcher (!) Tamedia die «Basler Zeitung» oder den Berner «Bund» übernimmt, war die Empörung jeweils gross. Die vielen Journalist:innen in Basel und Bern sorgten für den öffentlichen Trommelwirbel, der ab und an den Eindruck erweckte, das Problem der Zentralisierung in Zürich sei ein Problem der anderen grossen Städte.<br />
</p>
<p>Mit «Nau» gibt es noch ein nationales News-Medium, das komplett in der Berner Agglo entsteht. Ringier, NZZ, TX Group, SRF, WOZ, «Beobachter», «Republik» – die Liste der schweizweiten Medien mit Zürcher Zentrale ist lang. Wenn ein Zürcher Kulturlokal wie das «Kosmos» vor der Übernahme steht, machen sich Journalist:innen in drei bis fünf nationalen und lokalen Medien an die Recherche. Nationale Medien schleppen also immer auch eine Dosis Zürcher Lokalgeschichten mit. Das ist so sehr Tatsache, dass es gar nicht nennenswert scheint. Wer Zeitungen aus Deutschland liest, erfährt auch mehr über Berlin als über Rostock oder gar Bad Krozingen.</p>
<blockquote><p>Die Schweiz ist, dafür sorgt das föderalistische System, ein Flickenteppich. So sieht auch die Medienlandschaft aus.</p></blockquote>
<p>Eine von drei wöchentlichen «Schweiz-Seiten» der «Zeit» heisst «Alles außer Zürich». Doch auch die «Zeit Schweiz»-Redaktion sitzt mittlerweile in Zürich. Das Problem der zunehmenden Zentralisierung des Journalismus in Zürich ist nicht, dass sich die Journalist:innen, die dort arbeiten, nicht für den Rest des Landes interessieren. Das Problem liegt darin, dass die Perspektive «von Zürich aus» zur Norm wird. Dass Journalismus von Zürich aus gedacht wird, von Journalist:innen, in deren privater Lebenswelt Zürcher Themen wichtiger sind als im Deutschweizer Schnitt.</p>
<p>Dabei, und das ist so wunderbar wie wichtig: Auch wenn die nationalen Medien fast alle in Zürich sitzen, gibt es in diesem kleinräumigen Land zig Perspektiven auf die Medienwelt die vom Zürich- bzw. Anti-Zürich-Fokus planiert werden. Da in der absehbaren Zukunft Medienpolitik relevanter wird, darf das nicht so bleiben. Gleichzeitig kann man es auch nicht CH Media überlassen, sich in der nationalen Debatte als Vertretung der mittelgrossen Städte und der Regionen zu positionieren. Da die regionale Titel-Vielfalt mit ähnlichem Zeitungsinhalt zwar ein erfolgreiches Geschäftsmodell ist, doch der Vielfalt insgesamt vielleicht auch abträglich ist.</p>
<p>&#8212;<br />
1. Spaziergang (März 2022): <a href="https://medienwoche.ch/2022/03/30/das-zentrum-ist-ueberall-mit-priska-dellberg-im-oberwallis/">Mit Priska Dellberg im Oberwallis</a><br />
2. Spaziergang (April 2022): <a href="https://medienwoche.ch/2022/04/29/das-zentrum-ist-ueberall-mit-andreas-moesli-in-winterthur/">Mit Andreas Mösli in Winterthur</a><br />
3. Spaziergang (Mai 2022): <a href="https://medienwoche.ch/2022/05/25/das-zentrum-ist-ueberall-mit-florence-van-hove-in-freiburg/">In Freiburg mit Florence Van Hove</a></p>
<p>Die Schweiz ist, dafür sorgt das föderalistische System, ein Flickenteppich. Das gilt auch für die Medienlandschaft. Doch die medienpolitischen Debatten laufen ab, als gäbe es nur das Intercity-Dreieck Zürich, Basel und Bern, sowie ominöse sogenannte Randregionen.</p>

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<p>Zeit, die Perspektive umzudrehen. Als Beitrag dazu, begebe ich mich für die MEDIENWOCHE auf Spaziergänge. Mit lokalen, möglichst unabhängigen Medienkenner:innen und lokalen Fotograf:innen mache ich mich auf eine medienjournalistische Schweiz-Reise. Die jeweiligen Einheimischen wählen eine Spazierroute. Sie kann uns entlang von Schauplätzen des regionalen Journalismus führen, aber auch einfach durch Natur-, Kultur- und Wirtschaftschauplätze, die regional archetypisch sind. Wie immer beim Spazieren begegnet uns die Landschaft – und beeinflusst damit unsere Themen. Dabei gibt es aber einige Leitfragen, die uns besonders interessieren: Wie nimmt das Gegenüber den Zustand des Journalismus im Lokalen wahr, wie sehen die Perspektiven aus? Wie zufrieden ist das Publikum? Gibt es Ressourcen? Wird kritisiert, was kritikwürdig ist? War der lokale Journalismus früher besser – oder wird er immer besser? Die Antworten auf diese Fragen sind natürlich subjektiv. Und das ist auch gut so: Je authentischer eine Perspektive, desto mehr bildet sich ab, dass man mit ganz verschiedener Linse auf die Medienschweiz blicken kann.</p>
<blockquote><p>Noch immer gibt es viele Medienzentren in der Schweiz, wo der Journalismus ganz unterschiedlich spriesst. Das Zentrum ist überall.</p></blockquote>
<p>In den Spaziergängen kann grundsätzlich alles zum Thema werden. Aber je nach Ort interessieren gewisse Fragen speziell: Ganze Regionen werden geflutet von Gratis-Zeitungen von Christoph Blocher, die nur dann breiter diskutiert werden, wenn eine Kolumne polarisiert. Doch: Machen diese Blocher-Blätter ernsthaft Journalismus? Wenn ja, welchen? Wie steht es um den Lokaljournalismus in Aarau, seit Jahrzehnten Zentrum der Wanner-Medien? Ist es um die Lokalberichterstattung ruhig wie im Auge des Sturms? Wie funktioniert das zweisprachige Mediensystem in Biel? Was passiert am Arc Lémanique fernab von UNO und Kantonshauptstadt?</p>
<p>Auf den MEDIENWOCHE-Spaziergängen suche ich mehr nach Anregungen und Eindrücken als nach abschliessenden Antworten. Ein föderalistisches Land braucht eine Diskussionsgrundlage, die mehr sieht als den Gegensatz zwischen Zentrum und Peripherie. Denn noch immer gibt es viele Medienzentren, in denen der Journalismus ganz unterschiedlich lebendig ist. Das Zentrum ist überall.</p>
<p><small>Bild: <a href="https://unsplash.com/@s_antonietti" rel="noopener" target="_blank">Sandro Antonietti</a> / <a href="https://unsplash.com/s/photos/bus-switzerland?utm_source=unsplash&#038;utm_medium=referral&#038;utm_content=creditCopyText" rel="noopener" target="_blank">Unsplash</a></small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2022/03/30/zur-spaziergang-serie-das-zentrum-ist-ueberall/">Zur Spaziergang-Serie: Das Zentrum ist überall</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Das Zentrum ist überall: Mit Priska Dellberg im Oberwallis</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2022/03/30/das-zentrum-ist-ueberall-mit-priska-dellberg-im-oberwallis/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Benjamin von Wyl]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 30 Mar 2022 06:21:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Medienvielfalt]]></category>
		<category><![CDATA[Medienlandschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Lokalmedien]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=95945</guid>

					<description><![CDATA[<p>Im Oberwallis gibt es nur noch eine Tageszeitung, ein Lokalradio und einen Fernsehsender. Doch die Bevölkerung nimmt deren Lokaljournalismus dafür umso stärker wahr: Von ihrem Abdeckungsgrad können Medien in anderen Regionen der Schweiz träumen. Der Zug durch den Lötschberg-Basistunnel war voll mit Wandersenior:innen. Doch im Regionalzug zurück die Lötschberg-Südrampe hoch ist das Abteil neben uns <a href="https://medienwoche.ch/2022/03/30/das-zentrum-ist-ueberall-mit-priska-dellberg-im-oberwallis/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Im Oberwallis gibt es nur noch eine Tageszeitung, ein Lokalradio und einen Fernsehsender. Doch die Bevölkerung nimmt deren Lokaljournalismus dafür umso stärker wahr: Von ihrem Abdeckungsgrad können Medien in anderen Regionen der Schweiz träumen.</strong></p>
<p>Der Zug durch den Lötschberg-Basistunnel war voll mit Wandersenior:innen. Doch im Regionalzug zurück die Lötschberg-Südrampe hoch ist das Abteil neben uns leer. Auch unterwegs begegnen uns kaum Leute. Die goldbraunen Grasbüschel gehen dem Frühling voraus. Es ist idyllisch von Eggerberg Richtung Brigerbad. Doch so richtig eindrücklich ist die Aussicht, wenn man sich umdreht: Oh, diese Chemie! Oh, diese Industrie! Oh, dieses Visp! Das Industriegebiet inmitten der Bergwelt sieht aus wie von einem anderen Planeten.</p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Priska-Dellberg-725.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-95949" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Priska-Dellberg-725-865x1024.jpg" alt="" width="600" height="710" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Priska-Dellberg-725-865x1024.jpg 865w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Priska-Dellberg-725-254x300.jpg 254w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Priska-Dellberg-725-768x909.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Priska-Dellberg-725.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /></a></p>
<p>Priska Dellberg sagt: «Auch ich als Einheimische finde es jedes Mal beeindruckend.» Dellberg startete vor 20 Jahren beim damals noch unabhängigen «Radio Rottu». Nach lehrreichen Jahren wechselte sie zu Radio SRF, war Produzentin, Redaktorin, Moderatorin und von 2015 bis 2021 Wallis-Korrespondentin. Vergangenen Herbst hat sie sich als Kulturmanagerin und Kommunikationsberaterin selbständig gemacht. Zu ihren Mandaten gehört auch die Produktion einer Unterhaltungssendung beim lokalen Fernsehsender «Kanal 9».</p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Priska-Dellberg-757.jpg" data-rel="lightbox-image-1" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-95954" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Priska-Dellberg-757-1024x686.jpg" alt="" width="480" height="322" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Priska-Dellberg-757-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Priska-Dellberg-757-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Priska-Dellberg-757-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Priska-Dellberg-757-470x315.jpg 470w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Priska-Dellberg-757.jpg 1456w" sizes="auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px" /></a>Aus der Benzinspaltanlage unten im Tal züngelt eine Flamme – sie gehört zur ehemaligen Lonza-Chemiesparte, die unter dem Namen Arxada als ein eigenes Unternehmen ausgelagert wurde. Die Gebäude, in denen der Covid-19-Impfstoff produziert wird, habe die Lonza, nunmehr ein Biotechkonzern, in «schwindelerregendem Tempo» hochgezogen, erzählt Dellberg. Lonza habe allein im vergangenen Jahr tausend Arbeitsplätze geschaffen. «Die Lonza bringt alles in Bewegung: Es gibt zu wenig Kitaplätze, knappen Wohnraum, kaum mehr Arbeitskräfte. Dazu kommen die Altlasten aus der Vergangenheit – wir haben hier die grösste Deponie der Schweiz», erzählt Priska Dellberg mit einer Verve, die vergessen lassen, dass sie gar nicht mehr als Journalistin arbeitet. Als Dellberg bei Radio SRF Wallis-Korrespondentin war, hätten sie ihre Kolleg:innen immer beneidet. «Denn hier spielen sich so viele gute Geschichten ab!» Auch Umweltereignisse und Klimawandel sorgen für einen steten Strom an Themen.</p>
<p>Diesseits des Bahnhofs von Visp ist fast alles Industrie, Industrie, Industrie. «Siehst du das Haus mit dem roten Punkt da hinten?» Näher an der Tierkadaversammelstelle als an der Lonza-Zentrale sitzt Pomona Media. Hier befindet sich das Medienzentrum des deutschsprachigen Wallis. Hier arbeiten die Redaktionen von Radio Rottu und «Walliser Bote». Und um über deren Arbeit zu sprechen, spazieren Priska Dellberg, die freie Pressefotografin Andrea Soltermann und ich von Eggerberg nach Brigerbad.</p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Priska-Dellberg-766.jpg" data-rel="lightbox-image-2" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-95955" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Priska-Dellberg-766-686x1024.jpg" alt="" width="480" height="716" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Priska-Dellberg-766-686x1024.jpg 686w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Priska-Dellberg-766-201x300.jpg 201w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Priska-Dellberg-766-768x1146.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Priska-Dellberg-766.jpg 976w" sizes="auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px" /></a>Vor der Zusammenführung mit dem Lokalradio sass der «Walliser Bote», in Brig an der Furkastrasse. Manche Ältere in der Redaktion klagten laut Priska Dellberg über den Umzug vor vier Jahren. «Wegen dem Kaffee!» ruft Andrea, bevor Priska sagt, dass man unterwegs zur Redaktion ins Visper Industriegebiet halt nicht mehr automatisch so vielen Menschen begegnet wie zuvor. «Am Ende ist es aber egal, wenn es im Juhee draussen ist – im Oberwallis sind wirklich alle mit dem Auto unterwegs.»</p>
<p>Vom Standort in der Peripherie publizieren «Walliser Bote» und Radio Rottu ins Zentrum der Debatte. Der «Walliser Bote» sei in den Cafés oft bereits am Mittag zerfleddert und in Einzelteile zerlegt. Die beiden Lokalmedien erreichen einen Abdeckungsgrad, von dem andere nur träumen können. Gemäss WEMF erreicht die gedruckte Ausgabe über 40&#8217;000 Leser:innen. Gleichzeitig läuft es online gut. «60&#8217;000 registrierte User:innen…» – «Das ist eine unglaubliche Zahl.» «Ja, die Zahl ist unglaublich.» 40&#8217;000 Print-Leser:innen bei 85&#8217;000 Deutschsprachigen im Kanton – daneben hat der Fernsehsender «Kanal 9» 31&#8217;000 Zuschauer:innen pro Tag. Radio Rottu Oberwallis RRO erreicht zwar nicht mehr 91 Prozent der Bevölkerung wie vor 30 Jahren, aber noch immer einen respektablen Anteil. «20 Minuten» gibt es im Oberwallis nicht. Ja, den «Blick» und «Tages-Anzeiger» sehe man in den Beizen auch, aber die Passion gilt der Region. In ihrer ganzen Breite.</p>
<p>Zu viele Beiträge aus dem Rest der Schweiz über das Wallis verbreiten nach Dellbergs Empfinden Klischees: Sie werden garniert mit Bildern von Walliser Politikern, Männern, die mittags schon Fendant trinken. Priska Dellberg hat genug davon. Das Wallis sei mehr als Christian Constantin, Kampfkühe und Raclette.</p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/?p=95981&amp;preview=true"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-96029" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/Mehr-ueber-Spaziergang-Bild2-300x268.jpg" alt="" width="320" height="286" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/Mehr-ueber-Spaziergang-Bild2-300x268.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/Mehr-ueber-Spaziergang-Bild2-1024x914.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/Mehr-ueber-Spaziergang-Bild2-768x686.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/Mehr-ueber-Spaziergang-Bild2.jpg 1456w" sizes="auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px" /></a>Viele, die heute hier leben, kommen von anderswo – oder haben einmal anderswo gelebt. Als sie einst in Zürich wohnte, sei am Freitag gegen 16 Uhr das Perron am Zürcher Hauptbahnhof voller «Heimwehwalliser» gewesen – und wenn der Zug bei Goppenstein aus dem Tunnel kam, konnte man das kollektive Aufatmen hören. Eine Freundin von Dellberg arbeitet in der Industrie in einem Team, in dem acht Nationalitäten zusammenkommen. Die regionalen Medien müssen auch all die Menschen mit breiterem Horizont abholen und mit ihren Geschichten aus dem Wallis ansprechen.</p>
<p>Dem «Walliser Bote» gelinge das. «Der WB ist besser geworden, viel diverser, er schreibt über mehr als nur den 50-jährigen Schäfer aus dem Saastal.» Sex im Alter, Tamponsteuer und Regenbogenfamilien seien als Themen beim «Walliser Bote» vor zehn Jahren noch nicht denkbar gewesen. «Der WB hat sich nicht auf einen Schlag geändert.» Als der Kleiderhändler Fredy Bayard vor vier Jahren das Medienunternehmen übernahm, habe er eine Öffnung gestartet. «Er sagt gern, dass der WB alle Glocken läuten lasse.» SVPler:innen und Grüne, Kulturschaffende und Hausfrauen – mangelnde Breite könne man der Zeitung nicht vorwerfen. Mit Nathalie Benelli ist beim «Walliser Boten» seit 2020 eine Frau Mitglied der Chefredaktion. Seit kurzem ist Silvia Graber Chefredaktorin von Radio Rottu. Die langjährige Fernsehjournalistin teilte sich zuvor die Radio-SRF-Korrespondentinnenstelle mit Priska Dellberg. Es sei zwar reichlich spät, aber immerhin: Es gibt nun Frauen in Führungspositionen bei Walliser Medien.</p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Priska-Dellberg-750.jpg" data-rel="lightbox-image-3" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-95952 size-full" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Priska-Dellberg-750.jpg" alt="" width="1456" height="976" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Priska-Dellberg-750.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Priska-Dellberg-750-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Priska-Dellberg-750-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Priska-Dellberg-750-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Priska-Dellberg-750-470x315.jpg 470w" sizes="auto, (max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /></a></p>
<p>Die Strasse ist flach, die Strasse ist ruhig, wir befinden uns nun in den Halden. Mein Blick ist so fokussiert auf die Gesprächspartnerin wie in einem Interview am Tisch und trotzdem stürze ich nicht den Hang hinunter. Priska Dellberg weiss viel zu erzählen. Der «Walliser Bote» bringe einen Haufen schöne Reportagen. Man arbeite an Texten und sei ambitioniert im Redigieren. Im Moment kämen da viele gute Autor:innen zusammen. Dellberg liebt ihre Lokalzeitung. Sie gehört zu denen, die sich den «Walliser Boten» in die Ferien nachschicken lassen.</p>
<p>Doch kürzlich sei ihr fast die Kafitasse aus der Hand gefallen und ihre Mutter habe angerufen. «Auf dem Titel war das Foto eines Kriegstoten mit offener Schädeldecke.» Der «Walliser Bote» gelte momentan bei vielen «als Zeitung der grossen Lettern», boulevardesk, teilweise einseitig, aufs Provozieren aus. Sie selbst müsse ab und an leer schlucken – als Journalistin, die weiss, was man darf und was nicht und als Leserin, die ihre Lokalzeitung eigentlich mag. Ein krasses Beispiel war etwa, als in der ersten Woche des Kriegs in der Ukraine zwei im Wallis lebende «Putin-Verehrerinnen» aus der Donbas-Region ihre Sicht in einem Artikel verbreiten durften. «Da gibt man denen eine Doppelseite.» «Ohne Einordnung?» «Ohne Einordnung!» Das habe viele Kommentare und Leserbriefe ausgelöst. «Eine Frau schrieb, dass darf man so einfach nicht stehen lassen. Und solche Momente erlebte auch ich immer wieder in den letzten Monaten: Ich lese etwas und merke, dass man das so einfach nicht stehen lassen kann.» Man haue etwas raus, es wäre keine schlechte Geschichte – aber irgendeine Kontrollinstanz versagt. «Mit meiner Lokaljournalismuserfahrung denke ich da jeweils: Um unsere Arbeit zu machen, müssen die Leute uns vertrauen.» Wenn man am Vertrauen säge, säge man am eigenen Ast.</p>
<p>Die Leute im Wallis, die reagieren schnell. Als Dellberg auf Radio SRF einmal die Glutnester eines Waldbrands – natürlich, nachdem klar war, dass er unter Kontrolle ist – mit einem Weihnachtsbaum verglichen hatte, kamen bereits fünf Minuten nach der Sendung die ersten verärgerten Anrufe. Diese Aufmerksamkeit ist ein rares Gut. Sie kenne Politiker:innen, die diesem oder jenem Redaktionsmitglied des «Walliser Boten» keine Auskunft mehr erteilen. Das sei hier im Oberwallis eher die Art zu reagieren, man wende sich nicht an den Presserat, sondern reagiere direkt mit Gegendarstellungen und Anrufen auf der Redaktion.</p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Priska-Dellberg-743-1024x686.jpg" data-rel="lightbox-image-4" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-95951" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Priska-Dellberg-743-1024x686.jpg" alt="" width="480" height="322" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Priska-Dellberg-743-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Priska-Dellberg-743-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Priska-Dellberg-743-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Priska-Dellberg-743-470x315.jpg 470w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Priska-Dellberg-743.jpg 1456w" sizes="auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px" /></a>Die Fehlleistungen ärgern Dellberg gerade, weil sie das Medium schätzt. «Wegen einzelnen Artikeln wird der WB noch immer als einseitig wahrgenommen, obwohl er’s eben nicht mehr ist.» Bei einer Ausgabe «fällt dir die Kinnlade runter», doch wer über die ganze Woche hinweg liest, sieht: Andere Perspektiven kommen vor. «Du merkst, da schreiben Verschiedene in verschiedenen Tönen.»</p>
<p>Unser Weg passiert Häuser, Ställe und «Gädis». Dazwischen öffnet sich nochmals imposant das Industrietal. Die lodernde Flamme auf dem Lonza-Areal haben wir nun mitten im Blick. Wie ist eigentlich die Recherche des «Tages-Anzeigers» angekommen, die geschildert hatte, dass etwa ein Hundertstel der Schweizer Treibhausgase allein aus der Fabrik da unten stammt? Der Artikel sei wahrgenommen worden, sagt Dellberg diplomatisch. Die Lonza sei enorm wichtig für die Region, aber mit ihren 3000 Arbeitsplätzen «inzwischen halt ein Klumpenrisiko». Man mache politisch und gesellschaftlich viel, damit sie wachsen kann. «Trotzdem ist den Oberwalliserinnen und -wallisern bewusst, dass die Firma auch ihre Schattenseiten hat.» Über die früheren Umweltsünden der Firma berichten «Walliser Bote» und «Kanal 9» «recht intensiv». Man fasse die Lonza nicht mit «Samthandschuhen» an.</p>
<p>Ohnehin – darin liege vielleicht auch die lokale Hingabe zu den Medien begründet – hätten viele Oberwalliser:innen Freude am Streiten, der leidenschaftlichen Debatte. Für Politiker:innen sei das Wallis eine gute Schule, es härte ab. «Das Politisieren im Wallis ist alles andere als Nasenwasser.» Im Wallis, beiderseits der Sprachgrenze, können Politiker:innen gut für die Bundespolitik trainieren.</p>
<p>Die Sprachgrenze sei ein Fakt, aber natürlich kein Graben. Dellberg liest auch täglich «Le Nouvelliste» aus Sion, wo eher über einen Dorfladen in Troistorrents als über die Eisbahn von Saas-Grund berichtet wird. Das einzige Medium, das für beide Regionen da ist, ist der Fernsehsender «Kanal 9», respektive «Canal 9». Obwohl er erst 2009 auf Deutsch startete, hatte er sich wohl auch wegen dem Debattenfokus schnell breit lanciert. Anfangs setzte «Kanal 9» stark auf Diskussionssendungen. Einigen Politiker:innen gelang es sich mit «Kanal 9» überregional zu positionieren. Etwa der heutige Walliser CVP-Ständerat Beat Rieder, der seine Karriere als Talratspräsident im Lötschental anfing, habe «rasch erlickt», dass er es mit dem Sender schafft, «aus seinem Tal rauszukommen». «Alles, wo die Leute einander aufs Dach geben, kommt hier an.» Doch mittlerweile habe der Sender die Debattenformate praktisch gestoppt. Anders als der «Walliser Bote» mache «Kanal 9» relativ wenig von sich reden. «Weder im Guten noch im Schlechten.»</p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Priska-Dellberg-754.jpg" data-rel="lightbox-image-5" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-95953" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Priska-Dellberg-754-300x201.jpg" alt="" width="480" height="322" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Priska-Dellberg-754-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Priska-Dellberg-754-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Priska-Dellberg-754-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Priska-Dellberg-754-470x315.jpg 470w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Priska-Dellberg-754.jpg 1456w" sizes="auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px" /></a>«Nicht, dass du über die eigenen Füsse fällst!», mahnt Dellberg, als ich das Aufnahmegerät in die Tasche packe. Wir verlassen den asphaltierten Weg, fast schon oberhalb von Lalden, und laufen auf einem Pfad, wo Stock und Stein unter den Sohlen spürbar sind. Wir kommen an hohen Eisenbahnbrücken vorbei. In den Windungen des Wegleins vergesse ich die Lonza und die Zivilisation schnell. Doch anders, als wenn ich privat wandere, bin ich nun mit zwei Ortsansässigen unterwegs. Ihre Themen, ihre Vertrautheit mit der Umgebung verschafft einen anderen Bezug zum Weg – wie, wenn ich den lokalen Zungenschlag bloss beim Kaufen der Wanderration an der Volg-Kasse höre. Apropos Dialekt: Gibt es eine Person on air im Radio oder am Fernsehen, die kein Walliserdeutsch spricht? «Ui nein. Das käme nicht gut.» Pause. «Im Gegenteil. Gerade ‹Kanal 9› zeigt die Vielfalt der Region.» Viele Dialekte «von überall aus dem Oberwallis» seien vertreten – auch eine Moderatorin aus dem Lötschental. Dellberg hat sich für den Spaziergang vorbereitet: Gespräche geführt, viele Zahlen recherchiert und Eventualitäten überlegt. Aber mit dieser Frage hatte sie nicht gerechnet.</p>
<p>Über das zweite Pomona-Medium, über Radio Rottu, sprachen wir bis dahin noch gar nicht. Ist das so ein typischer Sender, den man beim Arbeiten im Hintergrund hört? Die relativ lange Hördauer weise daraufhin, antwortet Dellberg. Ob man in Brig in einen Laden tritt oder im Sommer ins Schwimmbad geht – Radio Rottu höre man überall. «Die Leute hören ‹Radio Rottu›, weil Walliserdeutsch gesprochen wird, weil es Wunschkonzerte gibt, Unterhaltung – es ist ein Radio ‹vo iisch für ew›.» Vor Corona habe man das Aussenstudio oft an Anlässen und Ausstellungen gesehen. «Sie schafften das, obwohl sie den Laden mit so wenigen Leuten schmeissen.» Radio Rottu brachte in den letzten Jahren bloss wenige Minuten regionale Nachrichten. Jetzt stemmt die Redaktion zu sechst 20 Minuten Nachrichten mittags und 20 Minuten abends. Das ist aber nur wegen der engen Zusammenarbeit mit der Zeitungsredaktion möglich. «Für die wenigen Mittel, die sie haben, machen sie es sehr gut.» 2,3 Millionen Franken Gebührengelder erhält «Radio Rottu».</p>
<p>Wie viele spätere SRF-Journalist:innen startete Dellberg ihre Laufbahn bei «Radio Rottu», als Teil einer «Praktikantinnenhorde». «Es war damals ein total anderes Unternehmen, mit einer recht starken Redaktion. Damals gab es zwei Stimmen, die die kantonale Politik eigenständig kommentierten.» Heute stellt eine Person dem Staatsrat Fragen, die dann in Zeitung und Radio eingehen. Das sei die Schattenseite von Pomona Media. Aber Dellberg sieht die Mediensituation im Wallis nicht dunkelgrau oder schwarz. Auch, dass das Medienpaket bachab ging, verkrafte der regionale Journalismus.</p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Priska-Dellberg-777-1024x686.jpg" data-rel="lightbox-image-6" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-95956" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Priska-Dellberg-777-1024x686.jpg" alt="" width="600" height="402" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Priska-Dellberg-777-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Priska-Dellberg-777-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Priska-Dellberg-777-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Priska-Dellberg-777-470x315.jpg 470w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Priska-Dellberg-777.jpg 1456w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /></a></p>
<p>«Natürlich hat die Vielfalt abgenommen.» Früher seien im Oberwallis zwei unabhängige Wochenzeitungen präsent gewesen und jetzt sind sie weg. Die «Rote Anneliese» gibt es nicht mehr? «Die habe ich nicht mitgerechnet. Das ist vor allem ein Lautsprecher von Peter Bodenmann.» Das Blatt lebt heute höchstens noch vom früheren guten Ruf. Dellberg meinte aber die «Rhonezeitung», die Fredy Bayard übernommen und eingestampft hat und die «Gommer Zeitung», die «sehr lokal, solide Arbeit» gemacht habe. «Solche Dorfblätter braucht es auch. Der WB hat nämlich eine andere Flughöhe.»</p>
<p>Dass der Modeunternehmer Fredy Bayard Titel gekauft und fusioniert hat, sei insgesamt positiv. Dellberg sagt, im Wallis verdanke man dem Quereinsteiger viel. «Der Verlag wäre sonst bei CH Media oder sonstwo. Für die Walliser ist es schlimm, wenn sie Eigenständigkeit verlieren.» Es sind Medien verschwunden. Sie sind in einem Haus konzentriert. Eine lokale Monopolsituation ist entstanden. «Fredy Bayard bestreitet das gar nicht.» Die fehlende Konkurrenz habe jedenfalls nicht zu Beisshemmung geführt. Das könne man den Medien bei bestem Willen nicht vorwerfen. «Vor allem dem WB nicht.»</p>
<p>Ganz zu Ende enttäuscht die Ortskenntnis der Einheimischen: In Brigerbad warten wir am falschen Ort auf das Postauto, müssen winken und rennen. Als wären wir allesamt «Üsserschwiizer», die in Funktionskleidung in einer Altstadt-Bar sitzen und von ihrem Ausflug in die Bergwelt schwärmen.</p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/Eggerberg-Wanderweg-ganz2.jpg" data-rel="lightbox-image-7" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-95948 size-full" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/Eggerberg-Wanderweg-ganz2.jpg" alt="" width="1565" height="805" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/Eggerberg-Wanderweg-ganz2.jpg 1565w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/Eggerberg-Wanderweg-ganz2-300x154.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/Eggerberg-Wanderweg-ganz2-1024x527.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/Eggerberg-Wanderweg-ganz2-768x395.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/Eggerberg-Wanderweg-ganz2-1536x790.jpg 1536w" sizes="auto, (max-width: 1565px) 100vw, 1565px" /></a></p>
<p>Im Zug zurück vergleiche ich Zugriffs- oder Abozahlen von Lokalmedien anderswo mit der jeweiligen Bevölkerung. Lokaljournalismus hat ein Handicap in Zeiten von reichweitenorientiertem Online-Journalismus: Ein Skandal in einer Chemiemülldeponie interessiert landesweit, aber spätestens, wenn es um Zonenpläne geht, ist das schlicht nur lokal relevant. Redaktionen werden zusammengelegt, weil es sich sonst angeblich nicht mehr rechnet und bald werden die Zonenpläne nur noch als Einspalter angeteasert. Das Beispiel des Oberwallis zeigt, dass es auch anders ginge: Medien können wirklich eine ganze Region erreichen.</p>
<p>Dass die «Obwaldner Zeitung», die sich von ihrem Nidwaldner Pendant kaum mehr unterscheidet, nicht die Reichweite eines «Walliser Boten» erreicht, scheint klar. Doch auch unabhängige Lokalmedien mit eigenen, engagierten Redaktionen erreichen nicht annähernd den Abdeckungsgrad eines «Walliser Boten». Natürlich spielen in die Walliser Zahlen auch die Kleinräumigkeit, die starke Lokalidentität und vieles mehr mit rein – doch trotzdem wirkt dieser Medienplatz wie ein Denkzettel für den Journalismus im Rest des Landes: Das, was die erreichen, wäre auch anderswo möglich.</p>
<p>Bilder: <a href="https://www.fotografen-andenmatten-soltermann.ch/wir/" target="_blank" rel="noopener">Andrea Soltermann</a></p>
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<h3>Die drei dominierenden Medien im Oberwallis</h3>
<p>Wenn sich der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Walliser_Bote" target="_blank" rel="noopener">«Walliser Bote»</a> potenziellen Inserenten als «Hauspostille der Oberwalliser Bevölkerung» anpreist, dann ist das mehr als nur ein Werbespruch. Mehr als die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung erreicht die in Visp erscheinende Tageszeitung im Oberwallis. Seine monopolartige Stellung zementierte das Blatt dank dem geschäftlichen und redaktionellen Verbund mit dem Lokalsender <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Radio_Rottu_Oberwallis" target="_blank" rel="noopener">«Radio Rottu Oberwallis» RRO</a>, das sein Programm ohne Konkurrenz seit 1990 in die Bergtäler sendet. Vor vier Jahren folgte eine historische Zäsur: Zuerst übernahm der frühere <a href="https://www.modebayard.ch/de/geschichte" target="_blank" rel="noopener">Bekleidungsunternehmer</a> 2018 die Aktienmehrheit der Mengis Druck- und Verlags AG, die den 1840 gegründeten «Walliser Boten» seit 1931 herausgegeben hatte. Ein Jahr später erwarb er auch noch das Lokalradio RRO.</p>
<p>Bayard, obwohl ohne Erfahrung in der Medienbranche, sollte sich schnell als gewiefter Verleger erweisen. Er unternahm wegweisende Schritte für das Unternehmen, das neu <a href="https://www.pomona-geschichte.ch/" target="_blank" rel="noopener">Pomona Media</a> heisst. Seit 2021 bezieht der «Walliser Bote» Artikel von CH Media und übernimmt am Samstag den Mantelteil der «Schweiz am Wochenende». Geschäftlich setzt Bayard ganz auf Bezahlinhalte und liess eine harte Paywall hochziehen. Das sorgte zuerst für ein Murren beim Publikum, aber als Monopolist kann man einen solchen Schritt einfacher durchsetzen, weil es keine Konkurrenz gibt, die einen mit Gratis-Inhalten bedrängt.</p>
<p>Das jüngste reichweitenstarke Lokalmedium ist «Kanal 9» aus Siders. Der Regionalsender begann ab 2009 als Ableger des französischsprachigen <a href="https://fr.wikipedia.org/wiki/Canal_9_(Suisse)" target="_blank" rel="noopener">«Canal 9»</a> ein Programm fürs Oberwallis auszustrahlen. Finanziert wird der von einem Verein getragene Sender massgeblich aus der Haushaltabgabe für Radio und Fernsehen.</p>
<p><em><small>Nick Lüthi</small></em>
</div><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2022/03/30/das-zentrum-ist-ueberall-mit-priska-dellberg-im-oberwallis/">Das Zentrum ist überall: Mit Priska Dellberg im Oberwallis</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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