<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Blocher-Medien 2014 | MEDIENWOCHE</title>
	<atom:link href="https://medienwoche.ch/tag/blocher-medien-2014/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://medienwoche.ch</link>
	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
	<lastBuildDate>Tue, 04 Jul 2017 11:16:28 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	
	<item>
		<title>«Die Gegenposition zum Mainstream ist immer richtig»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/02/28/die-gegenposition-zum-mainstream-ist-immer-richtig/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2015/02/28/die-gegenposition-zum-mainstream-ist-immer-richtig/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 28 Feb 2015 22:30:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Kurt W. Zimmermann]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[SVP]]></category>
		<category><![CDATA[Porträt]]></category>
		<category><![CDATA[Blocher-Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Christoph Blocher]]></category>
		<category><![CDATA[Schweiz]]></category>
		<category><![CDATA[Blocher-Medien 2014]]></category>
		<category><![CDATA[Rudolf Augstein]]></category>
		<category><![CDATA[Esther Girsberger]]></category>
		<category><![CDATA[Roger Köppel]]></category>
		<category><![CDATA[Weltwoche]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=23145</guid>

					<description><![CDATA[<p>Mit 50 Jahren ist Roger Köppel der bekannteste Journalist der Schweiz und ein unabhängiger Verleger mit Herzblut, vieles erinnert an Rudolf Augstein. Von seinen ehemaligen Kollegen und Arbeitgebern hat er sich emanzipiert, seine Weltwoche sieht er als Truppe, die mit dem Rammbock an die Tore unerstürmter Burgen hämmert. Bei den im Oktober anstehenden Wahlen will <a href="https://medienwoche.ch/2015/02/28/die-gegenposition-zum-mainstream-ist-immer-richtig/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/02/28/die-gegenposition-zum-mainstream-ist-immer-richtig/">«Die Gegenposition zum Mainstream ist immer richtig»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Mit 50 Jahren ist Roger Köppel der bekannteste Journalist der Schweiz und ein unabhängiger Verleger mit Herzblut, vieles erinnert an Rudolf Augstein. Von seinen ehemaligen Kollegen und Arbeitgebern hat er sich emanzipiert, seine Weltwoche sieht er als Truppe, die mit dem Rammbock an die Tore unerstürmter Burgen hämmert. Bei den im Oktober anstehenden Wahlen will er nun auch noch für die Schweizerische Volkspartei (SVP) als Nationalrat ins Parlament einziehen.</strong></p>
<div align="right">
<h2>«Wir werden ohne Rücksicht auf Verluste eine faire und schonungslose Klinge schlagen. Wir sind unabhängige Leute, und man wird sich daran gewöhnen müssen. Wenn wir das Maul halten sollen, muss man es uns schon stopfen.»</h2>
<p><small>Rudolf Augstein, damals 28, in einem Kommentar zum fünfjährigen Bestehen des «Spiegel» 1951, zitiert aus «Die Herren Journalisten» (Lutz Hachmeister / Friedemann Siering 2002, C.H. Beck), Seite 97.</small></div>
<p></p>
<p>Am 21. März 2015 ist es soweit: Roger Köppel wird 50 Jahre alt. Er strahlt noch immer Jugendlichkeit aus, was seinem noch nicht ergrauten Haar und seiner hellwachen Art, aber natürlich auch seinem nachhaltigen Lebenswandel geschuldet ist. Er raucht nicht, trinkt wenig Alkohol, treibt viel Sport, gesundheitsgefährdend ist nur das Übermass an Arbeit, das er sich aufbürdet. Dass Köppel heute der wichtigste Journalist der Schweiz ist, hat er nicht nur grossem Talent und harter Arbeit zu verdanken, sondern auch einer frühen Förderung. Bereits mit 32 Jahren wurde er zum Chefredaktor des damals renommierten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Magazin_%28Schweiz%29">«Magazins»</a> ernannt. Esther Girsberger erinnert sich, dass die damalige Entscheidung in ihre Kompetenz fiel: «Bei der Nachfolgefindung von René Bortolani dachte ich: Roger Köppel ist der Richtige. Schreibt sehr gut, ist eloquent und breit aufgestellt. Kurt W. Zimmermann dagegen, damals Geschäftsleitungsmitglied der Tamedia, reagierte zunächst mit dem Satz ‹Spinnst Du eigentlich?› auf meinen Vorschlag».</p>
<p>Zimmermann kann sich daran nicht erinnern. Auf Anfrage schreibt er: «Köppel war im Haus schon lange als gewitzter Typ aufgefallen und hatte Anhänger bis hinauf in die Unternehmensspitze. Wenn ich mich richtig erinnere, waren besonders Hans-Heinrich Coninx, Iwan Rickenbacher und Antje Landshoff sehr von ihm angetan. Auch Roger de Weck hatte zuvor mehrmals gesagt, dass er Köppel zwar für einen etwas speziellen Typen, aber für einen der kommenden Köpfe im Hause halte.» Köppel ist ein anderer Satz von Zimmermann in Erinnerung geblieben, geäussert an jener Sitzung der Geschäftsleitung, an der er sein Konzept für das «Magazin» vorstellte: «Wenn ich Dir so zuhöre, krampft sich alles in mir zusammen.» Der Trend sei damals eben «reiner Lifestyle und Sauglattismus à la SZ-Magazin» gewesen, so Köppel, und die damaligen Vorbehalte sind längst begraben: «Kurt und ich wurden bald Freunde und mein Respekt für ihn ist über all die Jahre gleichbleibend gross geblieben. Aber ohne Esther Girsberger wäre ich nie Chef des Magazins geworden – dafür bin ich ihr bis heute dankbar. Wie auch Michel Favre und Hans Heinrich Coninx, die sich auf das Abenteuer eingelassen haben.» Seine eigene Förderung hat er zurückgegeben, in dem er selbst Journalisten förderte: ehemalige Angestellte von ihm sind heute in den Chefredaktionen von «Blick», Basler Zeitung und Sonntagszeitung anzutreffen. Köppel weist darauf hin, dass er seinen Nachfolger beim «Magazin», Res Strehle, selbst angestellt und gegen Bedenken aus der Geschäftsleitung mit einem Zehnpunkte-Empfehlungsschreiben als neuen Chef empfohlen hat.</p>
<h3>«Darth Vader»</h3>
<p>«Eigentlich müsste man, wenn ich in die Redaktion komme, den Darth-Vader-Marsch spielen», sagte Köppel der <a href="http://www.zeit.de/2002/06/Bad_Guy_in_der_Warteschleife/komplettansicht">«Zeit» 2002</a>, und dieser Satz zeigt seine Faszination für die Macht und für das Böse. Und seinen Humor, den ihm einige absprechen wollen, während ihn andere nicht verstehen können. Doch verkörpert er das Böse oder strebt er es an, wie das einige seiner Gegner glauben? «Keine Sorge, der will nur spielen», ist ein geflügeltes Wort unter Hundebesitzern, dem zurecht nicht immer zu trauen ist. Und auch bei Köppel fragt man sich des Öfteren: Wohin zeigt sein innerer moralischer Kompass? Hat er überhaupt einen oder ist er tatsächlich amoralisch, wie das ein ehemaliger Mitarbeiter behauptet? In Friedenszeiten sind Artikel, die Hooligans in Schutz nehmen, pauschal über Roma urteilen und Titel, die den Koran zur «Bibel der Gewalt» erklären, einigermassen gut erträglich. Aber würde Köppel seine Macht auch ganz anders ausnützen, wenn er nur könnte? Auf welcher Seite der Macht stände «Darth Vader» in einem veränderten Machtgefüge, auf der hellen oder auf der dunklen?</p>
<p>Köppel hat auf all diese Fragen eine simple Antwort: «Ich sehe meine Aufgabe nicht darin, auf der Seite der Mehrheit zu stehen. Wenn alle auf den kleinen, dicken Aussenseiter zeigen auf  dem Pausenplatz, dann braucht der, der sich neben ihn stellt, etwas mehr Mut. Die Einnahme der Gegenposition zum Mainstream ist immer richtig. Wo alle loben, muss man kritisieren. Wo alle kritisieren, muss man loben.» Und da hat er natürlich recht. Jeder, der am Pranger der Medien oder der Bevölkerung steht, hat wenigstens einen Anwalt verdient; das gilt für Geri Müller genauso wie für Grossbanken, Rohstoffhändler oder das noch mächtigste Land der Welt. Sich selbst sieht er als <a href="http://www.duden.de/rechtschreibung/Eklektiker">Eklektiker</a>: «Wenn ein anderer eine interessante Idee hat, bin ich der erste, der die nach vorne bringt. Jeder Journalist sollte Eklektiker sein. Er muss interessante Ideen und Gedanken ungeachtet des Absenders prüfen und verarbeiten.»</p>
<blockquote class="twitter-tweet" lang="en">
<p>Breaking News: wieder Kurswechsel bei der Weltwoche! <a href="http://t.co/gzChWmyccs">pic.twitter.com/gzChWmyccs</a></p>
<p>&mdash; Markus Schär (@SchaerWords) <a href="https://twitter.com/SchaerWords/status/398757380436930560">November 8, 2013</a></p></blockquote>
<p><script async src="//platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script></p>
<p>Aufgewachsen ist Roger Jürg Köppel in der Agglo, in Kloten und Bülach. Sein Vater, ein Ostschweizer, lernte Maurer und war später Besitzer der Hochbaufirma Köppel AG, spezialisiert in Renovationen. Nach gesundheitlichen Problemen in den 1970er-Jahren verkaufte er die Firma und starb wenige Jahre später, wie auch seine Mutter. Bereits als Teenager zum Vollwaisen geworden, wuchs er in der mütterlichen Wohnung bei seinem zehn Jahre älteren Bruder und dessen Freundin auf. Die Grosseltern, Tanten und Onkel halfen im Haushalt. Als erster seiner Familie schaffte er es ans Gymnasium und später an die Hochschule. Nach der Kantonsschule Zürcher Unterland und vor seinem Eintritt in die Universität Zürich sammelte er Gepäckwagen am Flughafen Zürich. Wie ein bekannter Reporter beim Tages-Anzeiger übrigens, Constantin Seibt, der weitere erstaunliche Parallelen im Lebensweg aufweist: Die beiden hatten den gleichen Jugendfreund, den gleichen Mentor, den gleichen Professor &#8211; und schafften es trotzdem, sich dabei kein einziges Mal über den Weg zu laufen. Eigentlich wollte er Lehrer werden, sagt mir Köppel. Er habe schon immer gerne Vorträge gehalten und der pädagogische Furor habe ihn bis heute nicht verlassen.</p>
<h3>Ideenmaschine</h3>
<p>Glaubt man seinen Gegnern, so hat er aus der Weltwoche ein Propaganda- und Hetzblatt gemacht. Doch Köppel steht unbeirrbar zu dem, was er macht, und publizistisch hat er abseits fragwürdiger Titelbilder und Zuspitzungen bislang verhältnismässig wenige Fehltritte zu verantworten, <a href="http://presserat.ch/positions.htm">siehe dazu die Stellungnahmen auf Presserat.ch</a>. Für ambitionierte Journalisten kann er in vielen Bereichen nur ein Vorbild sein: Sein Output ist oft höher als der seiner Mitarbeiter oder Konkurrenten, Interviews macht er wie nebenbei, jede Woche steht ein sprachlich eloquenter und inhaltlich wegweisender Text («Editorial»), ständig beschäftigt er sich mit neuen Fragen und veröffentlicht neue Artikel. Selbst ist er vielleicht nicht der allerbeste Rechercheur, doch das macht er wett, in dem er sein Magazin konsequent auf die Recherche ausrichtet. Seine herausragende Stärke ist die Ideenmaschine, die in ihm sprudelt sowie seine glasklare, stets elegante Sprache. Dass er ein ganzes Wochenmagazin nach seiner Art prägen konnte, ohne dabei die Wurzeln des Titels zu verleugnen, ist eine beachtenswerte Leistung, die ihm (leider) niemand nachmacht. Wie lebendig und aufregend wäre doch eine Schweizer Medienszene mit zwanzig Köppels in den Sesseln der Chefredaktionen! Die müssten auch gar nicht alle männlich und liberalkonservativ sein, sondern vielleicht weiblich, grünliberal oder kommunistisch. Und nicht besessen von Politik und Wirtschaft, sondern vielleicht von Mode, Fussball, Biologie, Mangas oder Malerei.</p>
<div style="border: 1px solid #dddddd; margin: 3px 0px 10px 10px; padding: 7px; background: #ececec none repeat scroll 0% 0%; float: right; font-size: 0.9em; width: 147px; line-height: 1.3em; color: #4382cf;"> <a href="https://medienwoche.ch/tag/blocher-medien-2014/"><strong><big>Werdegang</big></strong></a></p>
<p>1988-1994:<br />
Film- und Sportredaktor bei der NZZ<br />
1994-1997:<br />
Kulturredaktor beim Tages-Anzeiger<br />
1997-2001:<br />
Chefredaktor «Das Magazin», ab 2000 zusätzlich stellvertretender Chefredaktor beim Tages-Anzeiger.<br />
2001-2004:<br />
Chefredaktor der Weltwoche<br />
2004-2006:<br />
Chefredaktor «Die Welt»<br />
2006-heute:<br />
Chefredaktor und Eigentümer der Weltwoche
</p></div>
<p>Auch wenn dem inzwischen zum Millionär gewordenen Aufsteiger nachgesagt wird, geizig zu sein und in ständiger Angst vor dem Verarmen zu leben, zahlt er seine Mitarbeiter ordentlich, die Freien sogar sehr gut im Vergleich zur Konkurrenz. Er lebt in Symbiose mit seiner Firma &#8211; jeder Franken, der ausgegeben wird, sieht er als sein eigener an, jeder gemachte Fehler betrifft ihn ganz persönlich. Doch während viele Journalisten das Soziale vor allem im Herzen verspüren und auf der Zunge herumtragen, erhält Unternehmer Köppel die anderenfalls wohl schon längst an ihren Verlusten hingeschiedene Weltwoche als finanziell rentablen Hort des wertvollen Journalismus. Unterschlupf bei seiner Zeitung fanden in den letzten Jahren nicht nur eine Reihe von jungen, noch beeinflussbaren Männern, sondern auch einige gestandene Herren, die nach einem kurzzeitigen Höhenflug im Mittelmass des Consultings dümpelten, so Ex-Bilanz-Chef René Lüchinger oder Ex-Sonntagszeitung-Chef Martin Spieler. Sogar Journalisten, die ihn öffentlich frontal angriffen (René Zeyer) oder seine Karriere gefährdeten (Tom Kummer), fanden wieder Arbeit bei ihm. Wie viele andere Chefs in dieser eitlen Branche zeigen denn eine solche Grösse und eine solche Bereitschaft zum Verzeihen?</p>
<h3>Sonnenkönig und Duracellhase</h3>
<p>Oder geht es hierbei um etwas Anderes, um Macht? Um die Möglichkeit, zu herrschen, Menschen zu beherrschen? Denn wer zur Weltwoche geht, muss bereit sein, sich einem uneingeschränkt herrschenden Sonnenkönig unterzuordnen, der selbst im Einzelbüro sitzt, während die angestellten Journalisten im lärmigen Grossraumbüro kreativ werden sollen. Die «Checks und Balances», von denen Köppel so gerne schreibt, gelten natürlich für Staatsgebilde, und nicht etwa für ein privates Unternehmen wie die Weltwoche. Aber Köppel ist schlau: Um nicht als Diktator gelten zu müssen, darf selbstverständlich jeder in der Weltwoche exakt das schreiben, was ihm gefällt &#8211; aber nur, wenn es gut genug ist. Also gut genug für Köppel. Ist das nicht der Fall, wird diskutiert, und zwar so lange, bis der Opponent einsichtig wird oder aufgibt. Er (und auch Markus Somm) verhalten sich in Diskussionen wie <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Duracellhase">Duracellhasen</a> und wiederholen auch noch dann ihre Standpunkte in neuen Variationen, wenn ihre Gesprächspartner längst resigniert haben oder aus Langeweile eingeschlafen sind. Grundsätzlich ist und war es Weltwoche-Redaktoren immer möglich, etwas gegen den Willen der Chefredaktion durchzubringen &#8211; lange bis sehr lange Diskussionen muss man dafür aber aufwenden. Das ist nicht nur Abwehrstrategie, denn Köppel will tatsächlich, dass man seine Argumente nachvollziehen kann; vor allem aber will er die Diskussion gewinnen. Der Klügere gibt nach, so die Redewendung. Der Beharrliche aber gewinnt. Vielfach kommt es jedoch gar nicht zu Konfrontationen, denn gegen seine Dominanz und Argumentationskraft glauben viele Mitarbeiter nicht anzukommen. Kurz: Was Köppel nicht gut findet, wird nicht gemacht, und dann heisst es in der Weltwoche-Redaktion: «Deine Argumentation ist zu wenig gut» oder «Du musst zuerst ganz anderes schreiben, damit ich Dir dafür Platz einräume».</p>
<p><iframe width="450" height="338" src="https://www.youtube.com/embed/KGR0BriodkM?rel=0" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Köppel selbst sieht es so: «Die Weltwoche ist eine Zeitung, bei der der Autor eine grössere Freiheit hat als anderswo. Wo man ihm sagt: Ich sehe es nicht so, aber wenn Du es unbedingt so schreiben willst: Es steht ja Dein Name drüber, also schreibe es. Ich bin fordernd, wenn ich das Gefühl erhalte, dass sich einzelne Leute divenhaft oder egozentrisch verhalten und glauben, sie seien Starautoren und können nur alle fünf Monate etwas schreiben. Aber habe ich schon jemals einem Journalist gesagt, was er schreiben muss und habe das gegen seinen Willen eingefordert? Nein. Wenn ich den Leuten sagen muss, was sie schreiben müssen, dann kriege ich Depressionen. Gute Journalisten lassen sich nichts diktieren. Die Weltwoche kann nicht auf Ja-Sager setzen, und würde ich solche Leute anstellen und behalten, wäre ich als Chef eine Flasche. Entscheidend ist, dass man bereit ist, die Wirklichkeit zu beschreiben, auch wenn sie den eigenen Vorurteilen widerspricht. Man muss sich auf die Sache einlassen können und etwas zu sagen haben. Diese Art von Selbstentfaltung, bei der sich das Selbst an einem Gegenstand, an einer Beobachtung oder einer triftigen Einsicht entfaltet &#8211; das ist der Reiz meines Berufes. Die Weltwoche ist das natürliche Asylheim für alle jene, die diese Art von Freiheit und Unabhängigkeit publizistisch zum Ausdruck bringen wollen. Das ist das Gegenteil von Ego-Journalismus, von Selbstbespiegelung und Nabelschau.»</p>
<p>Mitarbeiter, die ihm echt Paroli bieten konnten und das auch wollten, sind nach und nach gegangen oder gegangen worden: Markus Somm, Eugen Sorg, Thomas Widmer, Peer Teuwsen, um nur einige zu nennen. In der aktuellen Redaktion sind abgesehen von den letzten Neuzugängen am ehesten noch Stellvertreter Philipp Gut sowie Alex Baur in der Lage, Köppel rhetorisch Contra zu geben &#8211; was jetzt nicht zwingend als Kritik gesehen muss, denn viele erreichen ihre Ziele ja auch ohne Debatten. Führen ohne grosse Opposition ist natürlich bequemer, aber es macht das Blatt nicht besser. Die Weltwoche ohne potente innerredaktionelle Opposition contra Köppel ist kalkulierbarer geworden, langweiliger, und ja, schlechter. In seinem vieldiskutierten Editorial <a href="http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2014-36/editorial-begehren-die-weltwoche-ausgabe-362014.html">«Begehren»</a> (Weltwoche vom 4. September 2014) steht der Satz: «Der begehrende Mann ist nicht mehr zurechnungsfähig.» Dass es in der Weltwoche-Redaktion niemanden gibt, der Köppel so einen Satz rausstreicht, ist bedenklich. Wer Männer im Rausch ihrer Lust für unzurechnungsfähig erklärt, rechtfertigt Übergriffe jeder Art, denn Unzurechnungsfähigkeit meint Schuldunfähigkeit (siehe <a href="http://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19370083/index.html#a19">StGB Art. 19, 1 und 2</a>). Es gibt übrigens eine grosse Weltreligion, die Verschleierungs-Schutzmassnahmen getroffen hat, um den Mann vor den ungeheuerlichen Auswirkungen visueller Reize zu schützen &#8211; vielleicht könnte die das Problem bewältigen.</p>
<h3>Mit dem Rammbock an das Burgtor</h3>
<p>Es sind auch nicht alle Mitarbeiter gleich vor dem Mann, der sowohl der Redaktion als auch dem Verlag vorsteht: Er unterscheidet zwischen jenen im Schützengraben (Journalisten) und jenen im Parfümfach (alle anderen beziehungsweise die schlechten Journalisten). O-Ton Köppel: «Wir sind die ersten, die mit dem Rammbock an das Burgtor hämmern und dann mit Pech und Schwefel übergossen werden! Fünf Jahre danach, wenn die Burg erstürmt ist und wir schon längst an der nächsten Burgmauer stehen, kommen die Parfümbrigaden der NZZ am Sonntag unter dem Applaus der Hofdamen.» Zeit, um einen Moment über die phallische Symbolkraft dieses Bilds nachzudenken: Mehrere Männer versuchen gemeinsam, mit einem «Pfahl» eine «Tür» zum Bersten zu bringen, um Zugang zur «Burg» zu erhalten?</p>
<p><iframe width="450" height="253" src="https://www.youtube.com/embed/ey0wvGiAH9g?rel=0" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Ist es das Selbstverständnis der Weltwoche, das viele Frauen davon abhält, für ihn zu arbeiten, sich für ihn in den Schützengraben zu stürzen? Köppel glaubt das. Er habe oft (und oft erfolglos) versucht, Frauen zur Weltwoche zu holen. Zwar gebe es welche, die es aushalten, auch mal in Sippenhaft genommen zu werden, doch vielleicht sei die Weltwoche manchmal nicht das ideale Betätigungsfeld für Frauen; denn von Frauen werde erwartet, dass sie immer makellos, unangreifbar und mit strahlendem Image auftreten. «Im Verhältnis nach Aussen sind Frauen oft auf Harmonie und Zurückhaltung bedacht, nach Innen dagegen, im Beziehungsverhältnis, sind sie oft jene, die die Harmonie stören.» Auch die Energien, die sie entfesseln, wenn sie sich stark exponieren, seien «heavy»: «Ich beobachte einfach, dass Frauen Mühe haben, sich so zu exponieren, wie das in der Weltwoche halt oft erforderlich ist. Es gibt ja auch nicht allzu viele Männer, die diese Unabhängigkeit haben. Bei Frauen kommt dazu, dass sie stärker kritisiert werden als Männer, wenn sie entsprechend dezidiert auftreten. Das ist eigentlich schade, weil ich viele Frauen kenne, die brillant schreiben und die ich gerne für die Weltwoche gewinnen würde, aber vielleicht ist ihnen die Hitze bei der Weltwoche zu hoch.» Ein ehemaliger Mitarbeiter sagt, Köppel sehe sich als ein General, der seine Truppe kommandiert. Wer ihn regelmässig liest, kommt nicht um die Lektüre vieler militärischer Vergleiche, was mit der Lieblingslektüre von Historiker Köppel zu tun haben könnte, historischen Sachbüchern.</p>
<p>Als Chef ist er herausfordernd, mit einer grossen Sprunghaftigkeit in der Organisation. Mehrere Quellen sagen, dass er ohne sein Sekretariat, das ihm die E-Mails ausdruckt, den Alltag organisiert, Blumen bestellt für seine Frau und ihm sagt, wann er den nächsten Zug nehmen muss und wann zum Vortrag aufbrechen, verloren wäre. Das von ihm nach dem Buch «Das Blocher-Prinzip» bei der Weltwoche eingeführte Antragswesen findet er in der Theorie zwar genial, in der Praxis aber ist er ein Nonkonformist, der auf alle Regeln pfeift. Es ist also ein eher chaotischer Mann mit dem Wesen eines Anarchisten, der die Schweiz zu geordneten, konservativ-liberalen Werten verpflichten will. Die Folge davon: Konflikte in der Weltwoche werden oft ausserhalb der Struktur geregelt, bilateral. Seine wenigen Schwächen zusammengefasst: Sprunghaftigkeit, überbordender Wille zur Macht und obsessives Verhalten verbunden mit der Neigung, sich in totale Details zu verbeissen oder dem Thema gegenüber distanzlos zu werden. Dass er jeweils am Mittwochmorgen noch bis drei oder vier Uhr morgens an den letzten Details der neuen Ausgabe feilt, kann als grosse Leidenschaft und grosser Einsatz in der Tradition Rudolf Augsteins angesehen werden, denn auch dieser blieb oft bis tief in die Nacht in der Redaktion und wurde gelegentlich sogar morgens eingeschlafen an seinem Schreibtisch vorgefunden  &#8211; oder als mangelhafte Fähigkeit, gut zu organisieren. Oft schafft es die Realität einfach nicht, seinem Ehrgeiz zu entsprechen.</p>
<h3>Loslösung aus dem Journalistenpulk</h3>
<p>Sein Wille zur Macht manifestiert sich auch in der Nähe zur Macht. <a href="https://medienwoche.ch/2014/10/22/unter-dem-guru-von-herrliberg/">In den letzten Jahren wurde unübersehbar</a>, wie sehr er vom milliardenschweren Politiker Christoph Blocher beeinflusst ist. Offenbar musste Köppel nach und nach feststellen, dass er Blochers Positionen in nahezu jedem Punkt teilt. Öffentlich bleibt die Beziehung der beiden undurchsichtig. Sichtbar ist, dass Köppel im Zuge von Blochers Vorarbeit den Schweizer Journalismus befreit hat von der Übermacht eines linksgrünen Moralismus, wofür er geradezu obsessiv jedes tatsächliche oder vermeintliche Denkverbot besprungen und auseinandergenommen hat. Er hat sich empanzipiert und befreit von den in ehemals seinem Umfeld gepflegten Meinungen; denn viele seiner Kollegen im Journalismus haben (vielleicht nicht mal bewusst) im Nachgang der Aufstände gegen ein allzu selbstzufriedenes Bürgertum 1968 und 1980 eine ziemlich unverrückbare, elitäre Haltung angenommen, die von der breiten Masse nicht geteilt wird. Sein Mut, Haltungen und Meinungen zu vertreten, die im eigenen Umfeld zunächst kaum jemand teilte geschweige denn zu sagen oder zu schreiben wagte, steht in der Tradition selbständigen Denkens. Bei besonders kühnen Thesen mag eine Absturzgefahr in die Lächerlichkeit zu bestehen. Doch wer es nicht wagt, sich lächerlich zu machen, der bringt die Welt nicht voran; es ist das Schicksal aller Pioniere.</p>
<div style="border: 1px solid #dddddd; margin: 3px 0px 10px 10px; padding: 7px; background: #ececec none repeat scroll 0% 0%; float: right; font-size: 0.9em; width: 147px; line-height: 1.3em; color: #4382cf;"> <a href="https://medienwoche.ch/tag/blocher-medien-2014/"><strong><big>Privatleben</big></strong></a></p>
<p>Roger Köppel lebt mit seiner Frau Bich-Tien, einer früheren UBS-Mitarbeiterin, in Küsnacht bei Zürich; aus der Ehe sind bisher zwei Söhne und eine Tochter hervorgegangen. In seiner Freizeit liest Köppel gerne, «namentlich historische und philosophische Literatur, auch Theologie, Biografien, weniger Romane». Er ist Mitglied der Zunft zum Kämbel, Vorstandsmitglied der Opernfreunde Zürich und unterstützt als langjähriger Fan den Eishockeyverein «Kloten Flyers» via «Business Circle» auch finanziell. Nebenamtlich hält Köppel Vorlesungen über Schweizer Wirtschaftspolitik an der Hochschule St. Gallen (Executive MBA).</p></div>
<p>Köppels Abschied von der Denkweise seines Umfelds entwickelte sich langsam, aber stetig. Wer seinen 1998 zum Skandal aufgebauschten Text «Zum Genre des Scheissfilms» heute liest, kann gar nicht mehr recht erkennen, was genau damals so problematisch war. Die Abrechnung mit ödem, pseudogeistigem Filmstoff, wie ihn Wim Wenders, Alain Tanner oder Jean-Luc Godard mitunter erstellten, wurde wohl vor allem deshalb zum Skandal, weil sie einige Säulenheilige von ihren Sockeln runterschubste, auf die sie seine Kollegen zuvor gestellt hatten. Köppels feines Gespür für die Schwächen ihrer Positionen und der Mut, diese blosszustellen, ist nach wie vor der Hauptgrund für den Konflikt zwischen ihm und dem Journalistenpulk vom Typ sich intellektuell gebender Stadtbewohner mit SVP-Abneigung. Das Echo auf seine Provokationen erschallt in diesen Kreisen immer wieder neu und gleich. Es ist ein etwas fad gewordenes Ritual beider Seiten, das kaum noch Überraschung in sich trägt; man kann es sich jeweils am Montag in der Radio1-Sendung <a href="http://www.radio1.ch/de/podcasts/podcast-roger-gegen-roger.html">«Roger gegen Roger»</a> anhören. Das Problem sei nicht, so Köppel, dass er anders schreibe als die meisten Journalisten. Das Problem sei, dass die anderen Journalisten nicht so schreiben wie er. «Ich habe nichts gegen Leute wie Frank A. Meyer, ich kam mit dem sehr gut aus! Doch in dem Moment, als ich meine Sichtweise präsentiert habe, war ich nicht mehr erwünscht. Werde ich nun anders schreiben, damit der mich wieder mal zum Abendessen einlädt? No fucking way!»</p>
<p>Sein Weg geht hin zur Ehrlichkeit, so jedenfalls sieht er es selbst: «Das, was die Würde meines Jobs ausmacht, ist die Frage: Bin ich wirklich ehrlich? Stimmt mein Motiv? Schreibe ich das, was ich wirklich, nach bestem Wissen und Gewissen, denke? Es ist mein höchstes Ziel, dass die Weltwoche DIE Plattform des freien Denkens ist. Klar, auch ich kann mit einer Weltwoche nicht beliebig Inserenten verstören. Aber ich kann Ihnen versichern: In der Weltwoche, wie sie heute ist, können Sie zu 85 bis 90 Prozent ganz frei schreiben, was Sie denken. Bei allen anderen Zeitungen, wo ich bisher war: höchstens 50 Prozent.» Das klingt grossartig. Aber Fifa-Präsident Sepp Blatter, der «für eine breite Öffentlichkeit zum Inbegriff für Korruption geworden» ist (Zitat <a href="http://www.nzz.ch/sport/fussball/keine-gute-bilanz-1.18477761">NZZ</a>), sagt auch solche Sätze (Direktor Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit der Fifa: Walter de Gregorio, Ex-Redaktor der Weltwoche und dem Haus nach wie vor <a href="http://www.weltwoche.ch/ueber-uns/sommerfest-2014.html">freundschaftlich</a> <a href="http://www.weltwoche.ch/uploads/pics/0006_CDX_7562.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="">verbunden</a>). Gefragt nach dem «wichtigsten Überlebensprinzip in der Fifa» <a href="http://www.weltwoche.ch/weiche/hinweisgesperrt.html?hidID=552967">antwortete er Köppel</a>: «Erstens: die fundamentale Ehrlichkeit mir selbst gegenüber. Zweitens: der fundamentale Glaube daran, dass meine Mission die richtige ist.»</p>
<p>Auch der zweite Satz könnte für Köppel gelten. Als das <a href="https://medienwoche.ch/2011/11/25/ich-misstraue-der-masse/">MEDIENWOCHE-Interview 2011</a> von ihm gegengelesen zurückkam, folgte kurz darauf noch ein weiteres E-Mail. Er schrieb mir:</p>
<blockquote><p>Irgendwo hinten heisst es im Abschnitt über Keller-Sutter: «Wir machten nur unseren politischen Job». Es müsste heissen «journalistischen Job».</p></blockquote>
<p>Ein freudscher Verschreiber der besseren Sorte, aber die Frage ist evident: Geht es um einen politischen oder um einen journalistischen Job, um eine Mission, einen Auftrag gar? Denn in Teilen der Öffentlichkeit hat sich die Vorstellung durchgesetzt, dass die Weltwoche ein SVP-Kampfblatt ist, das blind nachbetet, was die Führung vorbetet. Das ist zwar nur teilweise der Fall, und meist kommt der Vorwurf von Leuten, die seit Jahren keine Weltwoche mehr gelesen haben. Dennoch haben sich die Übereinstimmungen zu den Positionen der SVP nach blocherscher Prägung 100 Prozent angenähert, was den <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/12/politiker-der-redaktion/">Verdacht einer Parteipropaganda</a> immer wieder nährt. Der «Einsatz für die Schweiz», sagt Köppel, sei für ihn eben immer bedeutsamer geworden. «Ich habe vielleicht erst im Ausland richtig realisiert, wie wichtig unsere Staatssäulen, wie wichtig Unabhängigkeit und Selbstbestimmung für die Schweiz sind. Diese Säulen sind die entscheidende Voraussetzung für den Wohlstand und den Erfolg unseres Landes. Nennen Sie es Mission, nennen Sie es Kampfblatt, ich habe gar nichts dagegen. Ich kämpfe für diese unabhängige, freiheitliche, selbstbestimmte und weltoffene Schweiz, die heute politisch gefährdeter ist denn je.» Was ist der Zusammenhang zum kürzlich vorgestellten <a href="https://www.credit-suisse.com/at/de/about-us/corporate-responsibility/news/barometer/identity-barometer.article.html/article/pwp/news-and-expertise/2014/12/de/national-pride-is-at-a-peak.html">CS-Sorgenbarometer</a>, das vermeldet, dass 90 Prozent der befragten Schweizer «sehr oder zumindest eher stolz» sind, Schweizer zu sein? Hat Köppel hier einen Trend erkannt oder einen erschaffen? Die Antwort ist die: Zwischen SVP und Weltwoche, zwischen Blocher und Köppel bestehen starke Wechselwirkungen. Es sind zwei Männer, die die Schweiz prägen möchten und sich gegenseitig beeinflussen.</p>
<h3>Parallelen zu Rudolf Augstein</h3>
<p>Köppel hat in den letzten Jahren das Nationale so betont wie das Liberale, und bei dieser Kombination fällt einem natürlich der Gründer des «Spiegel» ein, Rudolf Augstein, den Ralf Dahrendorf <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/spiegelspecial/d-19060270.html">1993</a> den «letzten Nationalliberalen» nannte. Köppel und Augstein teilen schwierige junge Jahre, frühe Führungserfahrungen, den Drang, einer politischen Meinung Ausdruck zu geben, eine gewisse Geneigtheit zur Ehrfurchtsverweigerung, die Sympathie für die Radikal-Liberalen der FDP / (SVP) sowie die Abneigung für übertriebene Politische Korrektheit und für die Vereinigungsbestrebungen der Länder in Europa. Während Augstein 1962/1963 von der Regierung für 103 Tage inhaftiert wurde, wurde Köppel auch schon belästigt und bedroht: 2006 wurde ein mit einem Messer bewaffneter <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Amir_Abdur_Rehman_Cheema">Student</a> vor der «Welt»-Redaktion abgefangen. Köppel nimmt es in Kauf und geht unbeirrt seinen Weg: «Wenn du eine unbequeme, unkonventionelle Zeitung aufbauen willst, dann musst du auch bereit sein, unten durch zu gehen.» <a href="http://www.persoenlich.com/news/medien/wir-sind-ein-segen-f%C3%BCr-die-schweiz-292954#.VNXX73b_CJY">2010</a> nannte Köppel den «‹Spiegel› der frühen sechziger Jahre» als Vorbild für die Weltwoche, und das gilt augenscheinlich für die mitunter fragwürdigen und verunglückten Titelbilder. Als Augstein so alt war wie Köppel heute, stand er vor einem Einstieg in die Politik, hier ein <a href="https://www.youtube.com/watch?v=mHAWuhZXaVk">Gespräch</a> kurz vor dessen 50. Geburtstag:</p>
<p><iframe width="450" height="338" src="//www.youtube.com/embed/mHAWuhZXaVk?rel=0" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Stellt man die Annahme, Köppel orientiere sich an den Tugenden von Augstein, ohne seine Laster zu übernehmen, so wäre es angesichts des unglücklichen Ausflugs von Augstein in die praktische Politik jetzt an der Zeit, sich von der Politik und auch von der Wirtschaft zu emanzipieren und den Verlockungen der Macht und des Geldes vermehrt zu widerstehen. Denn trotz gebetsmühlenartiger Betonung der eigenen Unabhängigkeit konnte er seine Gegner bisher nicht überzeugen, dass seine Weltwoche stets unvoreingenommen und von der Machtelite unabhängig vorgeht. Was nicht nur ein journalistisches, sondern auch ein kommerzielles Problem ist, und damit sind nicht prioritär die in den Anzeigenabteilungen der Zeitungsbranche üblich gewordenen Bedingungen für geschaltete Inserate gemeint. Die Leser wollen Informationen, nicht Propaganda, und Leute, die glauben, er betreibe Propaganda, meiden seine Publikationen und werden das auch zukünftig tun.</p>
<p>Köppel hat nun einen anderen Weg eingeschlagen &#8211; statt sich von der Politik zu distanzieren, will er sie selbst gestalten. Am 26. Februar 2015 verkündete an einer <a href="https://www.youtube.com/watch?v=BrYYlfwrRJc">Pressekonferenz</a>, er sei in die SVP eingetreten und wolle für die Partei kommenden Oktober in den Nationalrat einziehen. Doch wie ist es Rudolf Augstein ergangen, als er mit 50 für die FDP in den Bundestag einzog? Es ist in der Biografie von Peter Merseburger nachzulesen: «Freunde und Mitarbeiter, die sich in der politischen Alltagspraxis besser auskennen als er, melden alle ihre Zweifel an, aber geradezu störrisch beharrt Augstein darauf, eine Position in der Regierung oder die Macht in der Fraktion zu übernehmen.» Trotz vorheriger Zusicherung wird dem Parlamentsneuling der Fraktionsvorsitz verwehrt, statt in den Ausschuss für Aussenpolitik wird er in den für Medienpolitik geschickt. Und bald schon ist er immer häufiger «weder in Fraktionssitzungen noch im Bundestagsplenum zu finden, sondern im Bonner ‹Spiegel›-Büro». Augsteins Zeit im Bundestag dauert lediglich von November 1972 bis zum Januar 1973, danach legt er sein Mandat nieder. <a href="https://www.youtube.com/watch?v=eKmcWQH6OV4">Rückblickend sagte Augstein über seinen Ausflug in die Politik</a>: «Ein Mensch wie ich, was soll der im Bundestag, letztendlich?»</p>
<p><iframe loading="lazy" width="450" height="253" src="https://www.youtube.com/embed/eKmcWQH6OV4?rel=0" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Und ein Mensch wie Roger Köppel? Es wird sich herausstellen, ob sein Einstieg in die Politik ein langfristiges Engagement ist, das in einer Führungsrolle innerhalb der Partei mündet &#8211; oder ob es sich dabei nur um einen Publicity-Stunt für seine Zeitschrift handelt. Tatsächlich ist er ein herausragender Journalist und eine Bereicherung für die manchmal allzu brave, allzu harmoniesüchtige, gar feige Schweiz. Und er tut gut daran, prioritär einer zu bleiben, auch wenn seine Bekanntheit und sein Redetalent inzwischen problemlos grössere Säle füllen. In einem Betätigungsfeld wie der Politik könnten journalistische Qualitäten wie geistige Flexibilität, Provokationslust und Mut zum Umbruch in gefährlichen Wankelmut, unmotivierte Aggression und unnötige Änderungen umschlagen. Oder einfach ins Nichts verpuffen, wie bei Augstein. Köppel kontert: «Ich habe ganz andere Motive als Augstein, der mit 50 eine neue Herausforderung suchte. Ich habe ein echtes politisches Anliegen: Ich muss mich für die Unabhängigkeit und Selbstbestimmung der Schweiz einsetzen.» Auch wenn sich Köppel gerne <a href="https://www.facebook.com/profile.php?id=1208734700&#038;sk=photos&#038;pnref=lhc">wie ein Politiker</a> neben seine <a href="https://www.facebook.com/DIE.WELTWOCHE/photos/t.1208734700/10152611131622050/">Leser</a>, <a href="https://www.facebook.com/DIE.WELTWOCHE/photos/t.1208734700/10152218974217050/">Zuhörer</a> und <a href="https://www.facebook.com/DIE.WELTWOCHE/photos/t.1208734700/10151942902207050/">Fans</a> stellt &#8211; von einem Journalismus von unten ist sein Blatt nach wie vor weit entfernt. Will Köppel tatsächlich einen echten Kontrapunkt setzen zur im Journalismus so verbreiteten elitistischen Sichtweise, wie sie ein Frank A. Meyer exemplarisch vertritt, dann muss er zukünftig echte Distanz schaffen zu den Mächtigen. Auch zu jenen von der anderen Seite. Also wenn er es ernst meint mit seiner ganz persönlichen Emanzipation.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/02/28/die-gegenposition-zum-mainstream-ist-immer-richtig/">«Die Gegenposition zum Mainstream ist immer richtig»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://medienwoche.ch/2015/02/28/die-gegenposition-zum-mainstream-ist-immer-richtig/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>16</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Sie sind klein und sie sind überall</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2014/12/03/sie-sind-klein-und-sie-sind-ueberall/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2014/12/03/sie-sind-klein-und-sie-sind-ueberall/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Fabian Baumann]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 03 Dec 2014 09:48:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Bündner Tagblatt]]></category>
		<category><![CDATA[Politblog]]></category>
		<category><![CDATA[politik.ch]]></category>
		<category><![CDATA[Christoph Blocher]]></category>
		<category><![CDATA[SO aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Basler Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Schweizerzeit]]></category>
		<category><![CDATA[Sonntagszeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Schaffhauser Nachrichten]]></category>
		<category><![CDATA[Schweizer Monat]]></category>
		<category><![CDATA[Blocher-Medien 2014]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=22171</guid>

					<description><![CDATA[<p>Christoph Blocher und der SVP wird öfter unterstellt, dass sie ein eigenes Medienimperium aufbauen wollen. In der Realität ist man davon weit entfernt: Die Präsenz im Fernsehen, im Internet und bei den Lokalmedien ist weiterhin schwach. Allerdings gibt es auch in diesen Bereichen Medien, die Verbindungen zu Blocher aufweisen. Aber welche? «Das ist eben meine <a href="https://medienwoche.ch/2014/12/03/sie-sind-klein-und-sie-sind-ueberall/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/12/03/sie-sind-klein-und-sie-sind-ueberall/">Sie sind klein und sie sind überall</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Christoph Blocher und der SVP wird öfter unterstellt, dass sie ein eigenes Medienimperium aufbauen wollen. In der Realität ist man davon weit entfernt: Die Präsenz im Fernsehen, im Internet und bei den Lokalmedien ist weiterhin schwach.  Allerdings gibt es auch in diesen Bereichen Medien, die Verbindungen zu Blocher aufweisen. Aber welche?</p>
<p><span id="more-22171"></span></p>
<div>
<h2>«Das ist eben meine Vorstellung von Medienvielfalt: In jeder Region soll es mehr als eine Zeitung geben.»</p>
<p>Christoph Blocher</h2>
</div>
<p>Seitdem mit Christoph Blocher verbandelte Kreise 2010 bei der Basler Zeitung einstiegen, sind sich seine Kritiker sicher, dass die SVP ein eigenes Medienimperium aufzubauen versucht. Das Ziel Blochers und der SVP, so wird spekuliert, ist <a href="http://www.infosperber.ch/Medien/SVP-Der-zahe-stetige-Kampf-um-die-Medienmacht" target="_blank">«ein möglichst eigenes Mediennetz»</a>, ein Verbund linientreuer Medien, die auf allen Kanälen ungefiltert die frohe Botschaft aus Herrliberg verbreiten können. Die Idee klingt plausibel, klagen doch SVP-Vertreter bei jeder Gelegenheit über den angeblichen linken Einheitsbrei der Massenmedien.</p>
<p>De facto ist das Blocher-treue Medienimperium allerdings bisher auf wenige Sparten beschränkt. Das Herzstück der «Blocher-Medien» ist mit der Basler Zeitung eine Tageszeitung. Mit der Weltwoche ist eine einflussreiche Wochenzeitung auf dem Markt, die klare inhaltliche Überschneidungen mit Positionen der SVP aufweist. Dazu kommt noch <a href="https://medienwoche.ch/2011/06/23/morgeli-sunneli-herrliberg/" target="_blank">die wöchentliche Internet-Sendung «Tele Blocher»</a> und, vor wichtigen Abstimmungen, <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/19/fuer-partei-und-vaterland/" target="_blank">das propagandistische «Extrablatt»</a>. Im Fernsehen, im Internet und bei den Lokalmedien haben Blocher und seine Vertrauten dagegen verhältnismässig wenig Einfluss. Doch auch in diesen Sparten gibt es Medien mit politischen oder personellen Verbindungen zu Blocher und der SVP. Was für Verbindungen sind das? Eine Untersuchung.</p>
<h3>Der reaktionäre Klassiker: Schweizerzeit</h3>
<p>Mit der <a href="http://www.schweizerzeit.ch/" target="_blank">Schweizerzeit</a> gibt es ein Printmedium, dessen SVP-Treue jene von BaZ und Weltwoche weit übersteigt. Die «bürgerlich-konservative Zeitung für Unabhängigkeit, Föderalismus und Freiheit» erscheint seit 1979, zur Zeit zweiwöchentlich in einer verkauften Auflage von 16 445 Exemplaren. Herausgeber und Chefredaktor ist der 2007 und 2011 abgewählte frühere SVP-Nationalrat Ulrich Schlüer, laut Roger Köppel «einer der meistunterschätzten Schweizer Politiker». Wie Schlüer auf Anfrage erklärt, ist die Schweizerzeit nicht institutionell in die SVP eingebunden, sondern wird von einer unabhängigen AG mit 300 Aktionären («darunter selbstverständlich einige Mitglieder der SVP») getragen und durch Abonnements finanziert.</p>
<p>Inhaltlich fährt die Schweizerzeit einen strammen, völlig SVP-kompatiblen Rechtskurs und steht insbesondere der AUNS nahe: Zu den regelmässigen Mitarbeitern gehören die SVP-Nationalräte Luzi Stamm und Thomas Fuchs sowie der durch die Hildebrand-Affäre bekannt gewordene Thurgauer Anwalt Hermann Lei. Häufig werden Christoph Blochers Reden abgedruckt. Die Artikel stehen von den Themen und Positionen her denen in der SVP-Parteipresse nahe, sind aber im Tonfall noch etwas polemischer und hysterischer. Typische Titel in den letzten Ausgaben sind etwa folgende: «Über Sozialismus aufklären? Verboten!»; «Dumm, dümmer, JUSO»; «Fanatische Islamisten»; «Grüne Liebe: Unter Pädo- und Nekrophilen». Nebst der Zeitung produziert Schlüer ein monatliches Internet-TV-Magazin – mit relativ geringer Verbreitung: <a href="http://www.youtube.com/user/schweizerzeitmag/videos" target="_blank">Auf Youtube</a> werden die 50-minütigen Videos jeweils zwischen 200 und 2500 mal angesehen. Thematisch sind die Sendungen mit der Zeitung abgestimmt: In den letzten Ausgaben verteidigte Schlüer etwa sein aktuelles Steckenpferd, die Gold-Initiative.</p>
<p>Wie die <a href="http://www.tageswoche.ch/de/2014_45/schweiz/672515/%C2%ABSchweizerzeit%C2%BB-f%C3%BCr-eine-neue-SVP-Generation.htm" target="_blank">Tageswoche kürzlich berichtete</a>, könnte es bei der Schweizerzeit nun zu einem Generationswechsel kommen. Seit Mai ist Olivier Kessler, ehemaliger Sekretär der Schwyzer SVP und Anti-Billag-Kämpfer, zum stellvertretenden Chefredaktor der Zeitung aufgestiegen. Kessler vertritt neoliberale und äusserst islamkritische Positionen und zitiert in seinen Artikel gerne umstrittene deutsche Islamkritiker wie Hans-Peter Raddatz und Hartmut Krauss, auf die sich etwa auch Politically Incorrect immer wieder beruft. Bedenkt man, dass bei der «Schweizerzeit» auch die <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/SVPPolitiker-liebaeugelt-mit-Verschwoerungstheorien/story/26893031" target="_blank">für Verschwörungstheorien empfänglichen Jung-SVPler</a> Anian Liebrand (redaktioneller Mitarbeiter) und Lukas Reimann (Verwaltungsrat) involviert sind, so erscheint es durchaus plausibel, dass die Schweizerzeit in nächster Zeit vermehrt als Organ des rechten, libertären, stark islamophoben und leicht paranoiden SVP-Flügels auftreten wird.</p>
<h3>Die Unabhängige: Schaffhauser Nachrichten</h3>
<p>Norbert Neininger von den <a href="http://www.shn.ch/" target="_blank">Schaffhauser Nachrichten</a> (Auflage: 20509 Exemplare), gilt als einer der wenigen unabhängigen Verleger in der Schweiz. Wir wollen nicht daran zweifeln, doch Neininger, der auch als Chefredaktor wirkt, ist der Erfinder von Tele Blocher, einem doch eher unkritischen Propagandaformat, und <a href="http://www.teleblocher.ch/archives/3092" target="_blank">vertrat</a> diesen September den erkrankten Matthias Ackeret auch dreimal als Moderator der Sendung. In Europafragen war Neininger schon 1992 auf der Linie von Blocher, das allgemeine Programm seiner Zeitung beschrieb er 2011 <a href="http://www.klartext.ch/?p=12049" target="_blank">wie folgt</a>: «Wir stehen dem liberalen Gedankengut nahe, sind dabei für die soziale und nicht für ungezügelte Marktwirtschaft, für die direkte Demokratie und für den Föderalismus.»</p>
<h3>Nicht nur für rechte Intellektuelle: Schweizer Monat</h3>
<p>Der <a href="http://www.schweizermonat.ch/" target="_blank">Schweizer Monat</a> (Auflage: 5500 Exemplare) ist laut Chefredaktor und Verleger René Scheu eine «Autoren- und Debattenzeitschrift mit freiheitlicher Grundhaltung». Die <a href="http://www.woz.ch/1113/medien/der-schweizer-monat-reaktionaer-seit-1921" target="_blank">Behauptung der WOZ</a>, er sei ein Blocher-Bewunderer, weist Scheu zurück: Blocher, der auch schon Artikel im Schweizer Monat geschrieben hat, sei zwar eine «höchst interessante Persönlichkeit», würde aber genau gleich behandelt wie alle anderen Autoren.</p>
<p>Sich selbst bezeichnet Scheu als «klassischen Liberalen, wirtschaftlich wie gesellschaftlich». Zumindest die wirtschaftsliberale Einstellung teilt er mit mehreren Personen aus dem Umfeld der Blocherschen «MedienVielfalt Holding», die auch beim Schweizer Monat involviert sind. So beteiligt sich Holding-Verwaltungsrat Georges Bindschedler beim «Monat» als Autor und ist, neben Konrad Hummler, einer der wichtigsten Aktionäre; sein damaliger Mitstreiter Tito Tettamanti verfasst hochtrabende <a href="http://www.schweizermonat.ch/artikel/ueber-den-helvetischen-kompromiss" target="_blank">Kritiken des Schweizer «Neorealsozialismus»</a>. Auch der Anarchokapitalist und BaZ-Kolumnist David Dürr schreibt bisweilen für den «Monat». Personelle Verbindungen zu den «Blocher-Medien» sind also vorhanden – allerdings ist es Scheu wirklich ernst mit der Meinungsvielfalt: Im «Monat» schreiben beispielsweise auch Autoren wie SP-Linksaussen Cédric Wermuth oder Nicola Forster vom Thinktank Foraus.</p>
<h3>BaZ am Bildschirm: Basler Zeitung Standpunkte</h3>
<p>Ein eigener Fernsehsender fehlt in Christoph Blochers Medien-Portfolio: Zwar wurde sein Name genannt, als TeleZüri 2011 zum Verkauf stand, doch dann zog sein Vertrauter Thomas Matter gegen AZ-Medien-Verleger Peter Wanner den Kürzeren. Durch die Basler Zeitung haben die «Blocher-Medien» aber wenigstens Zugang zu einem Sendeplatz im Staatsfernsehen: Einmal monatlich läuft auf SRF1 und SRFinfo die Diskussionssendung Basler Zeitung Standpunkte, die im Auftrag der BaZ von der Patrick Rohr Kommunikation GmbH produziert wird. Da die Basler Zeitung redaktionell verantwortlich ist, erstaunt es nicht, dass die Themen der vergangenen Sendungen des öfteren Chefredaktor Somms Schwerpunkten entsprachen. So wurden zum Beispiel folgende Themen diskutiert: «Wie viel Staat brauchen wir?» (November 2012); «Die Schweiz unter Druck» (Januar 2013); «Direkte Demokratie auf dem Prüfstand?» (Februar 2014). In anderen Sendungen ging es aber auch um die FIFA, den 1. Weltkrieg und den neuen Papst.</p>
<p>Neben Moderator Patrick Rohr ist Markus Somm fester Gast, die drei weiteren Gäste setzen sich häufig aus einem Experten und zwei PolitikerInnen (oft je eine/r von links und rechts) zusammen. Die Runde ist politisch meistens halbwegs ausgeglichen – in der Oktober-Ausgabe (Thema: <a href="http://www.srf.ch/player/tv/baz-standpunkte/video/zuwanderung-beschraenken-schweiz-staerken?id=bbb859d7-6896-44b6-ae0b-f1ececf2385a" target="_blank">«Zuwanderung beschränken – Schweiz stärken?»</a>) war sie allerdings auffällig rechtslastig: Neben Somm sassen da Thomas Minder, die Ecopop-Vizepräsidentin Cornelia Keller und die CVP-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter.</p>
<h3>Somm in Solothurn: SO aktuell</h3>
<p>Ein Lokalmedium, das Blocher und der SVP politisch nahe steht, ist das Internetportal <a href="http://www.soaktuell.ch/" target="_blank">SO aktuell</a>, betrieben von Roman Jäggi. Der heutige Präsident der SVP-Ortssektion Fulenbach (SO) war früher Kantonsrat und, von 2003 bis 2007, Pressesprecher der SVP Schweiz. SO aktuell ist laut Eigenbeschrieb eine «Internet-Zeitung für Aargau-Solothurn und die Schweiz», und tatsächlich sind viele der Artikel auf der Seite unpolitische Lokalmeldungen und Medienmitteilungen lokaler Behörden. In der Kommentarspalte finden sich jedoch, nebst Jäggis eigenen Meinungen, auch aus der Basler Zeitung übernommene Kommentare von <a href="http://soaktuell.ch/index.php?page=/news/leben-in-der-konservenbuechse_22602" target="_blank">Markus Somm</a> und<a href="http://soaktuell.ch/index.php?page=/news/ein-unhaltbarer-entscheid_22552" target="_blank">Beni Gafner</a> – natürlich klar auf SVP-Linie.</p>
<h3>Ein-Mann-Show in der Westschweiz: Les Observateurs</h3>
<p>In der Welschschweiz engagiert sich Tito Tettamantis und Georges Bindschedlers MedienVielfalt Holding <a href="http://www.kleinreport.ch/news/medienvielfalt-holding-ag-engagiert-sich-auch-ausserhalb-von-basel-68081/" target="_blank">mit «einer namhaften Beteiligung»</a> an der Internetplattform «Les Observateurs». Diese wurde im März 2012 durch den in Genf lehrenden Walliser Soziologieprofessor Uli Windisch als Gegenstück zum linken «Einheitsdenken» der welschen Medien gegründet; vor allem Meinungsartikel sollten publiziert werden. Ein Blick auf die Seite zeigt: Mit Ausnahme von Windisch und dem umstrittenen jurassischen SVP-Nationalrat Dominique Baettig sind die meisten Autoren eher unbekannt. Dafür vertreten sie teilweise erzkonservative Positionen. So preisen mehrere Artikel die ECOPOP-Initiative an, ein anderer denunziert Moscheen <a href="http://www.lesobservateurs.ch/2014/11/23/denoncer-les-temples-haine/" target="_blank">pauschal als «Tempel des Hasses»</a> und ein Kinderpsychiater beklagt die «homosexuelle Propaganda» in der «nationalsozialistischen Erziehung» und der <a href="http://www.lesobservateurs.ch/2014/11/18/ferjeux/" target="_blank">«sowjetisierten Schule der sozialistischen Republik»</a>.</p>
<h3>Gescheiterter Versuch: Politik.ch</h3>
<p>Im Internet fehlt es an bedeutenden Medien, die Christoph Blochers Politik unterstützen. <a href="http://bazonline.ch/" target="_blank">Bazonline.ch</a> hat nur drei Mitarbeiter und übernimmt viele Newsnet-Inhalte; auf <a href="http://www.weltwoche.ch/" target="_blank">Weltwoche.ch</a> sind die neuesten Artikel nur den Abonnenten zugänglich. Es gab aber in den letzten Jahren immerhin einen Versuch, ein Blocher-nahes Internet-Medium zu etablieren: die Website <a href="http://politik.ch/" target="_blank">Politik.ch</a>, die vom Blocher-Vertrauten und bekannten Twitter-Provokateur Claudio Zanetti (<a href="https://medienwoche.ch/2012/11/21/das-ist-provokation-nicht-kritik/" target="_blank">https://medienwoche.ch/2012/11/21/das-ist-provokation-nicht-kritik/</a>) zusammen mit Ex-Schweizerzeit-Redaktor Reinhard Wegelin und Radiojournalist Christoph Romer geleitet wurde. Zur Erinnerung: 2012 war <a href="http://bazonline.ch/schweiz/standard/Zuercher-SVPPolitiker-soll-zur-Basler-Zeitung/story/11532336" target="_blank">auf Bazonline.ch</a> zu lesen, dass der Zürcher SVP-Kantonsrat Zanetti die Leitung der Bundeshausredaktion übernehmen würde. Und zwei Wochen später, dass er <a href="http://bazonline.ch/zuerich/gemeinden/Claudio-Zanetti-ist-aufgetaucht--und-schweigt/story/17227516" target="_blank">aus «persönlichen Gründen»</a> nun doch Politiker bleibe – <a href="http://www.tageswoche.ch/de/2012_19/basel/423065/" target="_blank">laut Tageswoche</a> hatten Filippo Leutenegger und Teile der Belegschaft protestiert.</p>
<p><a href="http://politik.ch/" target="_blank">Politik.ch</a> war offenbar ein Versuch, so etwas wie eine helvetisch-harmlosere Version des deutschen Portals Politically Incorrect, das sich selbst als «islamophob – aber sexy!» anpreist, aufzubauen. Wie Politically Incorrect wollte auch <a href="http://politik.ch/" target="_blank">Politik.ch</a> gegen den «journalistischen Mainstream» anschreiben. Das Themenspektrum war denn auch anti-islamisch und libertär ausgerichtet, mit Schlagworten wie Islamisierung, Christenverfolgung, Asylbetrug, Klimalüge oder Schuldensozialismus. Zudem produzierten Romer und Zanetti auch während zwei Jahren <a href="http://www.startv.ch/index.cfm?page=131817&amp;format_id=8" target="_blank">die Diskussionssendung CC Talk</a>, die auf Star TV lief und grösstenteils SVP-nahe Themen – Asylwesen, EU-Kritik, freie Wirtschaft – behandelte. Zu den Gästen gehörten Journalisten wie Markus Somm, Roger Köppel oder Florian Schwab und viele SVP-Politiker, so Lukas Reimann, Luzi Stamm oder Christoph Blocher. Hier eine <a href="https://www.youtube.com/watch?v=8E21nYg2VJA" target="_blank">Projektpräsentation</a> aus dem September 2010:</p>
<p>Wie Claudio Zanetti telefonisch bestätigt, scheiterte <a href="http://politik.ch/" target="_blank">Politik.ch</a>, weil seine und Romers GmbH das Portal nicht mehr finanzieren konnte – und offenbar auch wegen eines Gebührenstreits mit dem Inhaber der Domain, Cyrill Wyss, dessen BfK Mediendienste in Wohlen <a href="http://www.edito-online.ch/aktuelleausgabe/dasmediennetzdersvp.html" target="_blank">gemäss Edito-online.ch</a> auch schon die Websites von Christoph Blocher, der AUNS und verschiedener SVP-Kantonalsektionen betreute. Wyss selbst reagierte äusserst gereizt auf die telefonische Anfrage der MEDIENWOCHE. Seine Firma habe seit drei Jahren nichts mehr mit Christoph Blocher zu tun und <a href="http://politik.ch/" target="_blank">Politik.ch</a> sei ein unabhängiges Portal. Zudem sei es eine Frechheit, ihm Fragen zu den Besitzverhältnissen zu stellen, um damit seine Firma und seine Kunden in den Dreck zu ziehen.</p>
<p>Seit diesem Sommer ist <a href="http://politik.ch/" target="_blank">Politik.ch</a> zurück, ohne Beteiligung Zanettis, in neuem Design und unter der Leitung des ansonsten recht unbekannten Bloggers Walter Ostermeier. Anstelle von Islamkritik gibt es nun internationale Politik sowie Artikel gegen die Grünen und die «roten Brüder» – <a href="http://politik.ch/wochenrueckblick-br-schneider-ammann-levrat-und-juso/" target="_blank">zum Teil in erstaunlich unbeholfenem Deutsch</a>: «Herr Levrat, als Kind von ihnen würde ich mich schämen, einen solchen Vater zu haben, der zehntausende von Menschen als Faschisten verurteilt. Ein Mensch mit einer solchen Aussage an Schweizerbürger muss krank sein sehr krank. Wo, dass überlasse ich ihrem Arzt heraus zu finden.»</p>
<h3>Ein Sonderfall: Bündner Tagblatt</h3>
<p>Eine Lokalzeitung hat sich Christoph Blocher schon Jahrzehnte vor seinem BaZ-Engagement gekauft. Seit 1986 hält er die Aktienmehrheit am Bündner Tagblatt (Verkaufte Auflage: 7989), das damals von der Schliessung bedroht war. Heute ist das «Tagblatt» operativ Teil der Somedia. Deren Verleger Hanspeter Lebrument sagte uns auf Anfrage, Blochers Ems-Chemie stelle zwar weiterhin den Verwaltungsratspräsidenten der Bündner Tagblatt Verlags AG, diese sei jedoch «stillgelegt» worden. Christoph Blocher selbst erklärte der MEDIENWOCHE dagegen telefonisch, die Ems-Chemie habe als Eigentümerin mit Herausgeber Lebrument einen Vertrag abgeschlossen, den sie jedoch jederzeit kündigen könne: «Die Ems-Chemie muss der Ernennung eines neuen Chefredaktors zustimmen; redaktionell ist die Zeitung aber von uns wie von der Somedia unabhängig.»</p>
<p>Larissa M. Bieler, die Chefredaktorin des «Tagblatts», bestätigt per E-Mail, weder Blocher – mit dem sie im Übrigen noch nie gesprochen habe – noch die Ems-Chemie nehme Einfluss auf ihre redaktionelle Linie: «Das Bündner Tagblatt ist parteipolitisch unabhängig, aber mit moderat bürgerlicher Grundhaltung.» Auch der Blick in ein paar Ausgaben des «Tagblatts» ergibt den Eindruck einer politisch neutralen Regionalzeitung. In rechten Blogs wird Bieler dagegen als männerfeindliche Vertreterin der <a href="http://schweizblog.ch/allgemeines/larissa-margot-bieler-mann-boese-frau-gut/" target="_blank">«notorisch links schreibenden Südostschweizpresse»</a> bezeichnet.</p>
<h3>Fazit</h3>
<div style="border: 1px solid #dddddd; margin: 3px 0px 10px 10px; padding: 7px; background: #ececec none repeat scroll 0% 0%; float: right; font-size: 0.9em; width: 147px; line-height: 1.3em; color: #4382cf;">Was sind die<br />
<a href="https://medienwoche.ch/tag/blocher-medien-2014/"><strong><big>«Blocher-Medien»</big></strong></a><br />
&#8211; und wer gehört dazu? Retten sie den Journalismus oder schaffen sie ihn ab, geht es um <strong>Information oder Propaganda</strong>? Die MEDIENWOCHE beleuchtet in einer Serie Persönlichkeiten und Medien, die in einer Beziehung mit dem Politiker und Unternehmer <strong>Christoph Blocher</strong> stehen.</div>
<p>Die Verbindungen der hier besprochenen Medien zu Christoph Blocher oder zu seiner Basler Zeitung sind höchst unterschiedlich. Während die BaZ Standpunkte unter Markus Somms redaktioneller Verantwortung klar zu den von Blocher kontrollierten Medien gehört, sind <a href="http://politik.ch/" target="_blank">Politik.ch</a>, SO aktuell und die Schweizerzeit – die immerhin seit 35 Jahren mit ähnlichem Konzept arbeitet – wohl eher «Trittbrettfahrer-Medien», die von Vertretern der SVP-Basis initiiert wurden, ohne Teil eines Masterplans zu sein. Das Bündner Tagblatt gehört Blochers Ems-Chemie, ist aber redaktionell unabhängig. Unabhängig sind auch die Schaffhauser Nachrichten und der Schweizer Monat, bei denen personelle und ideologische Verbindungen zur SVP bestehen.</p>
<p>Kurz: Das oft herbeigeschriebene Blochersche Medienimperium ist bisher weder besonders ausgedehnt noch besonders gefestigt. Zu schwach ist die Präsenz im Fernsehen und im Internet, zu unbedeutend die Schweizerzeit und die Lokalmedien, die sich mit Blocher in Verbindung bringen lassen. Von der 2007 für den Fall von Blochers Abwahl angekündigten SVP-eigenen Tageszeitung hat man seither nichts mehr gehört. Klar ist aber, dass es in der Schweiz ein informelles Netzwerk von Medienschaffenden gibt, die mit Blocher und der SVP sympathisieren und die bei verschiedenen Medien zusammenarbeiten. Wer verstehen will, welche Medienstrategie die SVP verfolgt, sollte sich nicht nur auf BaZ und Weltwoche konzentrieren, sondern auch die kleineren Medien mit Verbindungen zur Partei im Auge behalten – und besonders Akteure wie Ulrich Schlüer, Claudio Zanetti, Georges Bindschedler und Norbert Neininger.</p>
<p><small><strong>Übersicht der <a href="https://medienwoche.ch/tag/blocher-medien-2014/">Serie zu den «Blocher-Medien»</a>:</strong><br />
1. Teil: <a href="medienwoche.ch/2014/10/15/schlachtplan-zufall/">Schlachtplan Zufall</a><br />
2. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/10/22/unter-dem-guru-von-herrliberg/">Unter dem Guru von Herrliberg</a><br />
3. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/10/29/der-provokateur/">Der Provokateur</a><br />
4. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/04/es-braucht-wieder-fakten/">Es braucht wieder Fakten</a><br />
5. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/12/politiker-der-redaktion/">Politiker der Redaktion</a><br />
6. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/19/fuer-partei-und-vaterland/">Für Partei und Vaterland</a><br />
7. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/26/sicherheit-in-statistiken/">Sicherheit in Statistiken</a><br />
8. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/12/03/sie-sind-klein-und-sie-sind-ueberall/">Sie sind klein und sie sind überall</a></small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/12/03/sie-sind-klein-und-sie-sind-ueberall/">Sie sind klein und sie sind überall</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://medienwoche.ch/2014/12/03/sie-sind-klein-und-sie-sind-ueberall/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>2</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Sicherheit in Statistiken</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2014/11/26/sicherheit-in-statistiken/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2014/11/26/sicherheit-in-statistiken/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 26 Nov 2014 11:12:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Blocher-Medien 2014]]></category>
		<category><![CDATA[Freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Mischa Hauswirth]]></category>
		<category><![CDATA[Schweiz am Sonntag]]></category>
		<category><![CDATA[Basler Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Markus Somm]]></category>
		<category><![CDATA[Sicherheit]]></category>
		<category><![CDATA[Kriminalität]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Mensch]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=21943</guid>

					<description><![CDATA[<p>Regieren in der Basler Zeitung die Themen Sicherheit und Kriminalität? Ja, oder auch Nein: Eine Auswertung des Geschriebenen ergibt je nach Forschungsansatz unterschiedliche Ergebnisse. Die Wahrnehmung der Zeitung als Blatt, in dem Angst vor Verbrechen geschürt wird, liegt an der Zuspitzung in einzelnen Artikeln eines Ex-Boulevardreporters. «Die ‹Basler Zeitung› bewirtschaftet wie keine andere vergleichbare Regionalzeitung <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/26/sicherheit-in-statistiken/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/26/sicherheit-in-statistiken/">Sicherheit in Statistiken</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Regieren in der Basler Zeitung die Themen Sicherheit und Kriminalität? Ja, oder auch Nein: Eine Auswertung des Geschriebenen ergibt je nach Forschungsansatz unterschiedliche Ergebnisse. Die Wahrnehmung der Zeitung als Blatt, in dem Angst vor Verbrechen geschürt wird, liegt an der Zuspitzung in einzelnen Artikeln eines Ex-Boulevardreporters.<br />
<span id="more-21943"></span></p>
<div align="right">
<h2>«Die ‹Basler Zeitung› bewirtschaftet wie keine andere vergleichbare Regionalzeitung die Themen ‹Sicherheit› und ‹Kriminalität›.»</p>
<p>Christian Mensch in der «Schweiz am Sonntag» vom 23. September 2012.</h2>
</div>
<p></p>
<p><a href="http://www.basellandschaftlichezeitung.ch/basel/baselbiet/eine-zeitung-hat-ihr-thema-gefunden-125251344">«Eine Zeitung hat ihr Thema gefunden»</a>, schrieb Christian Mensch am 23. September 2012 in der «Schweiz am Sonntag». «Auf Gewalt und die Ängste der Bevölkerung» setze die Basler Zeitung, hiess es im Artikel, die Themen «Sicherheit» und «Kriminalität» bewirtschafte sie wie «keine andere vergleichbare Regionalzeitung». Dass die BaZ «ihre rechtsbürgerliche Ausrichtung vor allem über das Sicherheitsthema zum Ausdruck» bringe, das sei «mit der Zürcher Auswertung erstmals empirisch belegt».</p>
<p>Dem Urteil zugrunde liegen Untersuchungen des Forschungsbereichs Öffentlichkeit und Gesellschaft (Foeg) der Universität Zürich, die in den Ressorts Inland und Region von fünf Regionalzeitungen nach diesen beiden Begriffen gesucht hatte und sowohl für «Sicherheit» als auch für «Kriminalität» knapp am meisten Suchergebnisse für die Basler Zeitung gefunden hatte.</p>
<p>MEDIENWOCHE wählt nun einen anderen Weg und vergleicht die vier ersten Jahre unter dem neuen Chefredaktor Markus Somm (30. August 2010 bis 29. August 2014) mit den vier Jahren zuvor (30. August 2006 bis 29. August 2010). Grundlage für die Auswertung sind die Anzahl Ergebnistreffer willkürlich ausgewählter Suchbegriffe in der Schweizer Mediendatenbank (SMD). Eine Einschränkung auf Teilbereiche wurde keine vorgenommen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2014/11/basler-zeitung_-vergleich-der-anzahl-smd-treffer-basler-zeitung.jpg" alt="" title="Basler Zeitung, Vergleich der Anzahl SMD-Treffer zwischen dem 30. August 2010 bis zum 29. August 2014 (Chefredaktion Somm) und zwischen dem 30. August 2006 bis zum 29. August 2010 (Chefredaktion Vorgänger)." width="450" height="834" class="aligncenter size-full wp-image-21961" /><br />
<small>Vergleich der Anzahl SMD-Treffer in der Basler Zeitung zwischen dem 30. August 2010 bis zum 29. August 2014 (Chefredaktion Somm, links) und zwischen dem 30. August 2006 bis zum 29. August 2010 (Chefredaktion Vorgänger, rechts).</small></p>
<p>Der Begriff «Kriminalität» wird in der Ära Somm also massiv weniger verwendet als zuvor, und auch der Begriff «Sicherheit» wird weniger gebraucht. Seltsam, dass man davon in der Foeg-Studie nichts erfährt &#8211; Studienresultate sind ganz offensichtlich vom Forschungsansatz abhängig. Die Outputs seiner Vorgänger überflügeln Somms Blatt auch in anderen Fragen: Früher war mehr «Christoph Blocher» (BaZ-Mitbesitzer), mehr «Terror», mehr «Ausländer», mehr «Schweizer» und knapp auch mehr «Einbruch», mehr «Bettler», mehr «Mord» und mehr «Angst».</p>
<div style="border: 1px solid #dddddd; margin: 3px 0px 10px 10px; padding: 7px; background: #ececec none repeat scroll 0% 0%; float: right; font-size: 0.9em; width: 147px; line-height: 1.3em; color: #4382cf;">Was sind die<br /> <a href="https://medienwoche.ch/tag/blocher-medien-2014/"><strong><big>«Blocher-Medien»</big></strong></a><br />
&#8211; und wer gehört dazu? Retten sie den Journalismus oder schaffen sie ihn ab, geht es um <strong>Information oder Propaganda</strong>? Die MEDIENWOCHE beleuchtet in einer Serie Persönlichkeiten und Medien, die in einer Beziehung mit dem Politiker und Unternehmer <strong>Christoph Blocher</strong> stehen.</div>
<p>Womöglich war früher generell mehr Text, doch es gibt auch Begriffe, die in der heutigen BaZ öfters vorkommen: «Asylanten», «Scheinasylanten» und «Wirtschaftsflüchtlinge» liegen vorne im neuen BaZ-Sprachgebrauch, mehr Aufmerksamkeit erhalten auch «Freiheit», «Eveline Widmer-Schlumpf» und «Christoph Mörgeli». Wie bei jedem Begriff könnte die Ursache des Mehrs oder Wenigers in der Aktualität zu finden sein, also von Ereignissen getrieben sein.</p>
<p>Ist es denn überhaupt angezeigt, dass sich die Basler Zeitung, je nach Auswertung, verstärkt oder verschwächt um die Themen «Kriminalität» und «Sicherheit» kümmert? Aufschluss ergibt der <a href="http://www.atlas.bfs.admin.ch/maps/13/map/mapIdOnly/16545_de.html">Statistische Atlas der Schweiz</a>: 133 Straftaten pro 1000 Einwohner fanden 2013 in der Stadt Basel statt. Viel, aber in 43 Gemeinden geht es krimineller zu und her, so in Zürich (137.7), Genf (160.1), Bern (167.7), Solothurn (193.2), Lausanne (208.9), Interlaken (224) oder in Frick, dem Spitzenreiter (598.6). Eher sicher ist die Lage in Zürcher Seegemeinden wie Herrliberg (35.3), Küsnacht (43.1) oder Wädenswil (46.5). Äusserst sicher lebt es sich in Andiast, Böbikon, Rümikon oder Wolfisberg &#8211; diese Gemeinden verzeichneten 2013 keine Straftaten. Tatsächlich hat die Kriminalität zugenommen: 2009 gab es nicht nur vier politische Gemeinden in der Schweiz ohne vermeldete Straftaten, sondern noch 125. Die Straftaten pro 1000 Einwohner in Basel entwickelten sich wie folgt: 114.5 (2009), 110.6 (2010), 126.2 (2011), 150 (2012), 133 (2013) (<a href="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2014/11/straftaten-von-2009-bis-2013-gross.png" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><strong>Grafik</strong></a>).</p>
<p>Wie auch immer die Statistiken ausgelegt werden, gewisse in Somms Basler Zeitung erschienene Artikel dazu waren unterirdisch. So beispielsweise der am 29. März 2012 abgedruckte Text «21-Jährige in einer Bar vergewaltigt», in dem (bereits im Titel) munter Vorwürfe als Tatsachen verkauft wurden. Als könne daran kein Zweifel sein, macht das nach eigenen Angaben staatskritische Blatt die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft kurzerhand zur Realität, so in den Zwischentiteln («Opfer betrunken gemacht», «Mit Gewalt zu Sex gezwungen»). Auch wenn der Autor mehrmals erwähnt, es sei die Anklageschrift der Staatswaltschaft, in der das stehe, räumt er dem Beschuldigten «Mohammed*» keinerlei Entlastung ein. Sogar die Anonymisierung (auch der mutmasslichen Opfer) ist ein Witz, zeigt das Foto doch gross den Tatort, und auch im Text ist der Name der fraglichen Bar und dazu ihre Adresse zu lesen.</p>
<p>Der Beschuldigte sei dann, so meldet die Zeitung nur einen Tag später und so ist es auch heute noch <a href="http://bazonline.ch/basel/stadt/Anklage-wegen-Vergewaltigung-Beschuldigter-freigesprochen/story/22438742?dossier_id=1608">auf Bazonline.ch nachzulesen</a>, «in dubio pro reo» freigesprochen worden, «am letzten Donnerstag», was übersetzt heisst: Am Tag zuvor, am Tag der Publikation des Artikels. Die am Dienstag darauf abgedruckten Leserbriefe lassen keinen Zweifel, dass sowas von einer Regionalzeitung nicht erwartet wird: «Guter Journalismus verzichtet auf solch opferverachtende Methoden», «das ist übelster journalistischer Voyeurismus», «das ist billigster Boulevardjournalismus», so drei der abgedruckten Rückmeldungen. Zuerst und ausführlich aufgerollt hat den Fall <a href="http://www.edito-online.ch/aktuelleausgabe/ergaenzungenzumheft/vorverurteilungeinjournalistischesvergehen.html">Philipp Cueni im «Edito + Klartext»</a>.</p>
<p>Autor des Artikels und vieler weiterer rund um Sicherheit und Kriminalität ist Mischa Hauswirth. Wenn der ehemalige Boulevardreporter feststellen muss, dass die Stadt Basel «im Vergleich zu anderen Sommern» «so gut wie bettlerfrei» sei, so lautet der Untertitel seines Artikels dazu kurzerhand: «Behörden und Polizei könnten allerdings noch konsequenter gegen rumänische Banden vorgehen». Dass die BaZ auf den äusserst fleissigen Mitarbeiter, der fast jeden Tag einen neuen Artikel liefert, nicht verzichten möchte, ist nachvollziehbar. Inzwischen scheint Hauswirths Drang zum harten Boulevard ein wenig gezähmt, aber viele fragen sich nach wie vor, warum er bei der Seriösität beanspruchenden Basler Zeitung angestellt ist, und nicht bei einer Boulevardzeitung. Seine Zeit beim «Blick» von 2001 bis 2006 mit Artikeln wie «Dirnen vergewaltigt &#8211; weil sie kein Geld hatten» oder «Der irre Tierquäler: Wann geht er auf Menschen los?» lässt ihn nicht so leicht los offenbar.</p>
<p><small>Offenlegung: Ronnie Grob hat bisher mehrere Beiträge in der Basler Zeitung und in der Weltwoche veröffentlicht. Sie wurden angemessen vergütet, die Zusammenarbeit war stets erfreulich und verlief ohne jegliche inhaltlich-politische Einflussnahme.<br />
Inputs zur Serie erhalten wir gerne in den Kommentaren oder <a href="https://medienwoche.ch/uber-uns/personen/">per E-Mail</a>.</small></p>
<p><small><b>Übersicht der <a href="https://medienwoche.ch/tag/blocher-medien-2014/">Serie zu den «Blocher-Medien»</a>:</b><br />
1. Teil: <a href="medienwoche.ch/2014/10/15/schlachtplan-zufall/">Schlachtplan Zufall</a><br />
2. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/10/22/unter-dem-guru-von-herrliberg/">Unter dem Guru von Herrliberg</a><br />
3. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/10/29/der-provokateur/">Der Provokateur</a><br />
4. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/04/es-braucht-wieder-fakten/">Es braucht wieder Fakten</a><br />
5. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/12/politiker-der-redaktion/">Politiker der Redaktion</a><br />
6. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/19/fuer-partei-und-vaterland/">Für Partei und Vaterland</a><br />
7. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/26/sicherheit-in-statistiken/">Sicherheit in Statistiken</a><br />
8. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/12/03/sie-sind-klein-und-sie-sind-ueberall/">Sie sind klein und sie sind überall</a></small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/26/sicherheit-in-statistiken/">Sicherheit in Statistiken</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://medienwoche.ch/2014/11/26/sicherheit-in-statistiken/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>6</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Für Partei und Vaterland</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2014/11/19/fuer-partei-und-vaterland/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2014/11/19/fuer-partei-und-vaterland/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Fabian Baumann]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 19 Nov 2014 10:20:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Parteizeitungen]]></category>
		<category><![CDATA[SVP]]></category>
		<category><![CDATA[Extrablatt]]></category>
		<category><![CDATA[Blocher-Medien 2014]]></category>
		<category><![CDATA[Partei]]></category>
		<category><![CDATA[Parteien]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=22077</guid>

					<description><![CDATA[<p>Wie jede Partei besitzt die Schweizerische Volkspartei SVP eigene Parteizeitungen auf nationaler und kantonaler Ebene – die sich anders als Basler Zeitung und die Weltwoche unverblümt der politischen Werbung widmen. Wer sind ihre Macher? Und wie werden sie finanziert? Ein Blick auf die SVP-Parteipresse. «Die Medien berichten gerne über Personalien und Befindlichkeiten, aber die Ziele, <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/19/fuer-partei-und-vaterland/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/19/fuer-partei-und-vaterland/">Für Partei und Vaterland</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wie jede Partei besitzt die Schweizerische Volkspartei SVP eigene Parteizeitungen auf nationaler und kantonaler Ebene – die sich anders als Basler Zeitung und die Weltwoche unverblümt der politischen Werbung widmen. Wer sind ihre Macher? Und wie werden sie finanziert? Ein Blick auf die SVP-Parteipresse.<br />
<span id="more-22077"></span></p>
<div>
<h2>«Die Medien berichten gerne über Personalien und Befindlichkeiten, aber die Ziele, Aktivitäten und Erfolge unserer Partei werden häufig verschwiegen.»</p>
<p>SVP-Präsident Toni Brunner im «Extrablatt» von November 2012.</h2>
</div>
<p>Die Basler Zeitung und auch die Weltwoche werden von Kritikern oft als «SVP-Parteiblatt» bezeichnet. Eine gewollte Übertreibung: Bei aller Nähe zur SVP-Politik <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/12/politiker-der-redaktion/">ist keine dieser Publikationen ein reines Propaganda-Organ</a>. Die wirklichen SVP-Parteiblätter sind als solche deklariert: SVP Klartext auf nationaler Ebene, der Zürcher Bote im Kanton Zürich und, bei wichtigen Abstimmungen, das Extrablatt mit seiner gigantischen Auflage von fast vier Millionen. Vom 2007 angekündigten <a href="http://www.blick.ch/news/eidg-wahlen-2007-svp-droht-mit-eigener-tageszeitung-id1459650.html">Projekt einer eigenen SVP-Tageszeitung</a> hat man dagegen seither nichts mehr gehört. Wenngleich die Lektüre der SVP-Parteipublikationen wenig überrascht, ist ein genauerer Blick auf ihren Aufbau und ihre Organisation aufschlussreich – sind sie doch die unverblümtesten Publikationen der «Blocher-Presse».</p>
<h3>SVP Klartext: Parolen und Patriotismus</h3>
<p><a href="http://www.svp.ch/aktuell/parteizeitung/">SVP-Klartext</a>, die nationale Parteizeitung der SVP, erscheint monatlich in einer Auflage von 55 000 Exemplaren (dazu 5000 Exemplare der französischsprachigen Ausgabe <a href="http://www.udc.ch/actualites/journal-du-parti/">Franc-Parler</a>). Die Abonnenten der Parteizeitung sind laut Silvia Bär vom SVP-Generalsekretariat grösstenteils Mitglieder, aber auch Sympathisanten der Partei. SVP-Klartext wird, so Bär, durch eine eigene Stiftung über Abos und Inserate finanziert. Wie es bei einer Parteizeitung üblich ist, enthält sie ein Editorial des Parteipräsidenten, Abstimmungsparolen sowie Artikel von und Interviews mit Parteipolitikern.</p>
<p>Seinem Namen wird der «Klartext» gerecht: Die Texte sind kurz, die Rhetorik ist jene, die man von der SVP gewohnt ist. Da geht es um «fremde Richter», um «Bürger» oder «Büezer», die um ihre Steuergelder betrogen werden, um den «schleichenden EU-Beitritt» und um eine «griffige Ausländerpolitik», um die «islamistische Bedrohung» und um die «Stärkung der Schweizer Identität». Der Fokus ist jeweils auf den aktuellen Abstimmungen: In der Novemberausgabe verteidigt Gregor Rutz die Pauschalbesteuerung, Adrian Amstutz erklärt, weshalb Ecopop «der falsche Weg» ist und Christoph Mörgeli erläutert händeringend das knappe Nein des Vorstands zur Gold-Initiative. Vor Abstimmungen zeigt die Titelseite einen Stimmzettel mit den von der Partei bestimmten Parolen.</p>
<p>Häufig werden im «Klartext» Reden von Christoph Blocher sowie Interviews mit ihm abgedruckt. Auch der Weltwoche-Mitarbeiter und Nationalrat Peter Keller war in der Februar-Ausgabe vertreten – mit einem Aufruf zur «patriotischen Aufrüstung». Redaktor des SVP-Klartext ist Kevin Crausaz, der auch für den Internetauftritt der Partei zuständig ist.</p>
<h3>Der Zürcher Bote: «einmalig im Schweizer Parteiwesen»</h3>
<p>Der Zürcher Bote, laut Untertitel eine «Wochenzeitung für den Mittelstand», ist das offizielle Publikationsorgan der einflussreichen Zürcher Kantonalsektion der SVP. Laut der <a href="http://www.svp-zuerich.ch/zurcher-bote/">Website</a> ist das Blatt «ein unverzichtbares Informationsmittel für alle Mitglieder (&#8230;), deshalb sehen es die kantonalen Statuten vor, dass jedes Mitglied entweder den Zürcher Boten (Jahresabonnement Franken 49.15) oder den Zürcher Bauer (Franken 64.50) abonniert.» Die Redaktion des Zürcher Boten setzt sich zusammen aus Reinhard Wegelin (ehemals Schweizerzeit und Politik.ch) und Christoph Bähler. Wie Wegelin auf Anfrage erklärt, erscheint der Zürcher Bote/Zürcher Bauer in einer Gesamtauflage von 11 000 Exemplaren; er sei eine «einmalige Publikation im Schweizer Parteiwesen» und existiere unter verschiedenen Titeln seit 1919. Die Artikel im Zürcher Boten – etwas ausführlicher als im Klartext – stammen von der gesammelten nationalen und kantonalen Parteiprominenz.</p>
<div style="border: 1px solid #dddddd; margin: 3px 0px 10px 10px; padding: 7px; background: #ececec none repeat scroll 0% 0%; float: right; font-size: 0.9em; width: 147px; line-height: 1.3em; color: #4382cf;">Was sind die<br />
<a href="https://medienwoche.ch/tag/blocher-medien-2014/"><strong><big>«Blocher-Medien»</big></strong></a><br />
&#8211; und wer gehört dazu? Retten sie den Journalismus oder schaffen sie ihn ab, geht es um <strong>Information oder Propaganda</strong>? Die MEDIENWOCHE beleuchtet in einer Serie Persönlichkeiten und Medien, die in einer Beziehung mit dem Politiker und Unternehmer <strong>Christoph Blocher</strong> stehen.</div>
<p>Ein typisches Beispiel ist die Ausgabe vom 31. Oktober: «Wollen wir zulassen, dass die Classe politique Freiheit und Wohlfahrt zu Grunde richtet?» fragt Christoph Blocher. «Nein zur Billag-Mediensteuer», ruft Natalie Rickli. «Nach der Eritreer- auch noch die Roma-Invasion?» orakelt Hans Fehr – die Angst vor Flüchtlingswellen ist momentan das Lieblingsthema der SVP-Presse. Auch Toni Bortoluzzi, Alfred Heer, Gregor Rutz und Toni Brunner veröffentlichen regelmässig Artikel. Interessanterweise wird auf Seite 2 jeweils Christoph Mörgelis Kolumne aus der Weltwoche nachgedruckt – da der Zürcher Bote freitags erscheint, immer zwei Tage nach dem Erstabdruck. Ein bisschen Meinungspluralismus existiert aber sogar im Zürcher Boten. In der Ausgabe vom 7. November setzt sich ein Leserbriefschreiber für die Ecopop-Initiative ein – gegen die Parteilinie, welche Natalie Rickli zuvor in einem grossen Artikel verteidigt hatte.</p>
<h3>«Extrablatt»: «politische Information» für alle Haushalte</h3>
<p>Im November 2012 publizierte die SVP erstmals ein <a href="http://www.svp.ch/aktuell/extrablatt/">«Extrablatt der Schweizerischen Volkspartei»</a>, um, wie Präsident Toni Brunner im Editorial darlegte, der «zunehmenden Konzentration im Bereich der Printmedien» entgegenzuwirken, in denen die SVP «öfter verzerrt und auch einseitig dargestellt» würde – die alte Klage der SVP, die aufgrund der eigenen Medienmacht zunehmend unglaubwürdig erscheint. Seither ist das «Extrablatt» weiter dreimal vor wichtigen Volksabstimmungen erschienen: Im Februar 2013 mit Fokus auf der Abstimmung zum Familienpolitik-Artikel (inklusive «Gastkommentar» von Markus Somm!), im Mai 2013 zur Abstimmung über die Volkswahl des Bundesrates und im Januar 2014 zur Masseneinwanderungsinitiative. Wurde die erste Ausgabe noch in der seither geschlossenen BaZ-Druckerei gedruckt, so hat unterdessen das Zürcher Tamedia-Druckzentrum diesen Grossauftrag übernommen.</p>
<p>Im Impressum der 16- bis 22-seitigen Publikation heisst es: «Bei dieser Zeitung handelt es sich weder um Werbung noch um Reklame, sondern um eine politische Information. Darum darf sie auch in jene Briefkästen verteilt werden, auf denen sich ein Stopp-Kleber befindet.» Wobei man die «Information» in diesem Fall getrost im Sinn von politischer Werbung verstehen darf, enthält das Extrablatt doch wie die anderen Parteipublikationen kurze, prägnante Artikel und Statements von prominenten SVP-Politikern und Sympathisanten, dazu Grafiken im gewohnten rot-schwarz-reisserischen Stil der Abstimmungsplakate.</p>
<p>Das «Extrablatt» erscheint in allen drei Landessprachen mit einer Gesamtauflage von rund vier Millionen – es soll also praktisch jeder Schweizer Haushalt ein Exemplar erhalten. Eine derart hohe Auflage kann oder will sich offenbar keine andere Schweizer Partei leisten. Laut der stellvertretenden SVP-Generalsekretärin Silvia Bär kostet eine Ausgabe denn auch knapp <a href="http://www.20min.ch/schweiz/news/story/Ein-SVP--Extrablatt--fuer-alle-Haushalte-22901189">eine Million Franken</a>. Auf Anfrage erklärt Bär, das «Extrablatt» würde aus der regulären Parteikasse sowie durch zusätzliche Spendengelder von Privaten und Unternehmern finanziert. Dazu zählt wohl auch der Milliardär Blocher – wenngleich Bär diesen Namen nicht bestätigt.</p>
<h3>Fazit</h3>
<p>Es besteht ein klarer Unterschied zwischen der reinen Politpropaganda der offiziellen SVP-Parteizeitungen und der SVP-nahen redaktionellen Linie von Basler Zeitung und Weltwoche, die Gegenmeinungen nie komplett ausschliessen. Eine gewisse Vermischung von Parteipropaganda und «parteiunabhängigen» «Blocher-Medien» lässt sich aber nicht bestreiten – etwa wenn Markus Somm im «Extrablatt» einen Kommentar platziert, wenn Christoph Mörgelis Weltwoche-Kolumne auch im Zürcher Boten veröffentlicht wird, oder wenn Nationalrat Keller sowohl für die Weltwoche als auch für den SVP-Klartext schreibt. Erst recht gilt dies für die offiziell unabhängige Schweizerzeit (mehr dazu in einem weiteren Teil unserer Serie), in der ein Grossteil der Artikel von SVP-Politikern stammt und deren früherer Redakteur Reinhard Wegelin heute den Zürcher Boten betreut.</p>
<p><small><b>Übersicht der <a href="https://medienwoche.ch/tag/blocher-medien-2014/">Serie zu den «Blocher-Medien»</a>:</b><br />
1. Teil: <a href="medienwoche.ch/2014/10/15/schlachtplan-zufall/">Schlachtplan Zufall</a><br />
2. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/10/22/unter-dem-guru-von-herrliberg/">Unter dem Guru von Herrliberg</a><br />
3. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/10/29/der-provokateur/">Der Provokateur</a><br />
4. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/04/es-braucht-wieder-fakten/">Es braucht wieder Fakten</a><br />
5. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/12/politiker-der-redaktion/">Politiker der Redaktion</a><br />
6. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/19/fuer-partei-und-vaterland/">Für Partei und Vaterland</a><br />
7. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/26/sicherheit-in-statistiken/">Sicherheit in Statistiken</a><br />
8. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/12/03/sie-sind-klein-und-sie-sind-ueberall/">Sie sind klein und sie sind überall</a></small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/19/fuer-partei-und-vaterland/">Für Partei und Vaterland</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://medienwoche.ch/2014/11/19/fuer-partei-und-vaterland/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>1</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Politiker der Redaktion</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2014/11/12/politiker-der-redaktion/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2014/11/12/politiker-der-redaktion/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 12 Nov 2014 14:59:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Blocher-Medien 2014]]></category>
		<category><![CDATA[Florian Schwab]]></category>
		<category><![CDATA[Roger Köppel]]></category>
		<category><![CDATA[Propaganda]]></category>
		<category><![CDATA[Weltwoche]]></category>
		<category><![CDATA[SVP]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Keller]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=21339</guid>

					<description><![CDATA[<p>Macht die Weltwoche Propaganda für die Ziele von Christoph Blocher und der mit ihm verbundenen Teile der SVP? Eine Spurensuche im Blatt hinterlässt zumindest teilweise diesen Eindruck. Es fehlt an Distanz zu den Strategen dieser Partei. «Je fais déjà de la politique! Mais non, un mandat n’est pour l’instant pas le but.» Roger Köppel in <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/12/politiker-der-redaktion/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/12/politiker-der-redaktion/">Politiker der Redaktion</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Macht die Weltwoche Propaganda für die Ziele von Christoph Blocher und der mit ihm verbundenen Teile der SVP? Eine Spurensuche im Blatt hinterlässt zumindest teilweise diesen Eindruck. Es fehlt an Distanz zu den Strategen dieser Partei.<span id="more-21339"></span></p>
<div align="right">
<h2>«Je fais déjà de la politique! Mais non, un mandat n’est pour l’instant pas le but.»</p>
<p>Roger Köppel in «24 heures» vom 28. April 2014.</h2>
</div>
<p></p>
<h3>Ausgabe 27/2014 vom 3. Juli</h3>
<p>In der Medienkolumne liefert Kurt W. Zimmermann unter dem Titel <a href="http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2014-27/medien-uebung-abgeschlossen-die-weltwoche-ausgabe-272014.html">«Übung abgeschlossen»</a> im Stil einer Verkündigung Zahlen zur Übernahme der Basler Zeitung. Darin steht beispielsweise:</p>
<blockquote><p>Mitaktionär Christoph Blocher kann eine Mischrechnung machen. Sein Darlehen von 40 Millionen muss laut Abmachung zwar ebenfalls verzinst und amortisiert werden. Aber Blocher wird grosszügig sein und Gewinne ­lieber bei der Zeitung als bei sich selber anfallen lassen.</p></blockquote>
<p>Quellenangabe: Keine. Doch die intransparent bleibenden Einflüsterer schreien einem geradezu entgegen. Muss der Leser wirklich in einer Medienkolumne, die für sich unabhängig bleiben sollte, über die angebliche Grosszügigkeit von Blocher erfahren?  Auch über die Weltwoche erfährt man Dinge direkt aus dem Hinterzimmer:</p>
<blockquote><p>Seitdem, mit Ausnahme des schwierigen 2013, hat die Weltwoche jedes Jahr einen Gewinn von ein bis zwei Millionen Franken abgeliefert.</p></blockquote>
<p>Offenbar gab es hier etwas zu kommunizieren. Und wer sollte das tun? Die jeweiligen Verantwortlichen. Nicht der Hauskolumnist.</p>
<h3>Ausgabe 28/2014 vom 10. Juli</h3>
<p>SVP-Nationalrat Thomas Matter schreibt den lesenswerten Gastbeitrag <a href="http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2014-28/finanzpolitik-rettet-die-privatsphaere-die-weltwoche-ausgabe-282014.html">«Rettet die Privatsphäre»</a>. Der letzte Absatz lautet so:</p>
<blockquote><p>Die Unterschriftensammlung geht jetzt in die entscheidende Schlussphase. Dieser Aus­gabe der Weltwoche sind Unterschriftenbogen beigelegt. Mit Ihrer Unterschrift können Sie als Bürgerinnen und Bürger dafür sorgen, dass unsere Finanzmarktstrategie nicht von Behörden und Politikern bestimmt wird und ein wichtiger Grundpfeiler unserer Freiheit er­halten bleibt.</p></blockquote>
<p>Will die Weltwoche politisch unabhängig sein? Dann sollte sie es vermeiden, Schützenhilfe für befreundete Politiker zu leisten. Will sie die Volksinitiative <a href="http://www.privatsphaere-schuetzen.ch/">«Ja zum Schutz der Privatsphäre»</a> aktiv unterstützen? Dann muss sie das schon offensiv (und nicht verdruckst) kommunizieren.</p>
<h3>Ausgabe 28/2014 vom 10. Juli</h3>
<div style="border: 1px solid #dddddd; margin: 3px 0px 10px 10px; padding: 7px; background: #ececec none repeat scroll 0% 0%; float: right; font-size: 0.9em; width: 147px; line-height: 1.3em; color: #4382cf;">Was sind die<br /> <a href="https://medienwoche.ch/tag/blocher-medien-2014/"><strong><big>«Blocher-Medien»</big></strong></a><br />
&#8211; und wer gehört dazu? Retten sie den Journalismus oder schaffen sie ihn ab, geht es um <strong>Information oder Propaganda</strong>? Die MEDIENWOCHE beleuchtet in einer Serie Persönlichkeiten und Medien, die in einer Beziehung mit dem Politiker und Unternehmer <strong>Christoph Blocher</strong> stehen.</div>
<p>Der Artikel <a href="http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2014-28/was-wenn-die-eu-der-schweiz-kuendigt-die-weltwoche-ausgabe-282014.html">«Was, wenn die EU der Schweiz kündigt?»</a> von Florian Schwab beginnt mit Zitaten aus der NZZ und der Basler Zeitung, darauf wird in einer «Interessenlage» aufgezeigt, was (aus Sicht der Weltwoche) die Kündigung der einzelnen bilateralen Verträge zwischen der Schweiz und der EU bedeuten würde. Als «Experte» mehrfach zu Wort kommt in der Folge exakt eine Person, ein Mann aus der Wirtschaft namens Christoph Blocher. Der letzte Satz lautet:</p>
<blockquote><p>Sollte die EU trotz allem einen Wirtschaftskrieg vom Zaun brechen, dann hält die Schweiz das aus, davon ist Blocher überzeugt.</p></blockquote>
<p>Man staunt: Von allen möglichen Personen und Firmen, die in der Schweiz dazu hätten befragt werden können, kommt Journalist Schwab einzig ein in die zweite Reihe zurückgetretener Chemieunternehmer in den Sinn?</p>
<h3>Ausgabe 29/2014 vom 17. Juli</h3>
<p> Ein <a href="http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2014-29/was-sie-sagen-was-sie-meinen-die-weltwoche-ausgabe-292014.html">«Glossar»</a> von Peter Keller will über eine angebliche «sprachliche Verwedelung» durch Modebegriffe aufklären. Darin aufgeführt sind unter anderem:</p>
<blockquote><p><strong>Roma</strong> &#8211; Was sie sagen: Roma. Was sie meinen: Zigeuner. (&#8230;)</p></blockquote>
<p>Falsch: Roma ist eine Eigenbezeichnung, Zigeuner mehrheitlich eine Fremdbezeichnung, ein Unterschied. Oder würde es Peter Keller gefallen, wenn ich, nachdem er sich mir mit «Keller» oder «Peter» vorgestellt hat, ihn konsequent mit «Plausch-Pesche», «SVP-Peter» oder «Blocher-Peach» anreden würde? Die Lage hier ist eindeutig komplexer, als sie Keller gerne haben möchte. In einem <a href="http://www.nzz.ch/aktuell/feuilleton/medien/roma-sinti-zigeuner-1.18163686">Text für die NZZ</a> hat sich Martin Woker damit auseinandergesetzt.</p>
<blockquote><p><strong>Menschen mit Migrationshintergrund</strong> &#8211; ginge auch kürzer, präziser und ehrlicher: Ausländer.</p></blockquote>
<p>Falsch: Menschen mit Migrationshintergrund können Ausländer sein, aber auch Inländer, also zum Beispiel Kosovo-Albaner oder Schweizer. <a href="http://www.bamf.de/DE/Service/Left/Glossary/_function/glossar.html?lv2=1364186&#038;lv3=3198544">Für die statistischen Behörden in Deutschland</a> gehören zu den Menschen mit Migrationshintergrund (im weiteren Sinn) «alle nach 1949 auf das heutige Gebiet der Bundesrepublik Deutschland Zugewanderten, sowie alle in Deutschland geborenen Ausländer und alle in Deutschland als Deutsche Geborenen mit zumindest einem zugewanderten oder als Ausländer in Deutschland geborenen Elternteil».</p>
<h3>Ausgabe 30/2014 vom 24. Juli</h3>
<p>Christian Mundt ist Journalist bei der Weltwoche &#8211; und dazu im <a href="http://www.jfsh.ch/ueber-uns/vorstand">Vorstand der Jungfreisinningen Schaffhausen</a>. Über Christoph Blocher hat er einen Text mit dem gloriosen Titel <a href="http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2014-30/der-den-rheinfall-staut-die-weltwoche-ausgabe-302014.html">«Der den Rheinfall staut»</a> geschrieben. Es ist ein Heldenepos, das auch von einem Schreiber in den unfreien russischen Medien über Wladimir Putin hätte verfasst werden können. Fast meint man, es mit Wilhelm Tell persönlich zu tun zu haben:</p>
<blockquote><p>«Während wir auf das Boot warten, das uns zum Felsen in der Mitte des Falls bringen soll, möchte ich wissen, woher er seine Kraft schöpft: für die Familie, für das Unternehmen und nicht zuletzt für die Politik, in der er nun seit vierzig Jahren aktiv ist &#8211; und oft alleine gegen alle anderen ankämpfte. (&#8230;)</p>
<p>Sieht sich Blocher als Naturkraft? Er würde es nicht zugeben, aber so falsch ist die Gleichsetzung nicht. (&#8230;)</p>
<p>Er hat alle Wahlen und Abwahlen, alle Erfolge und alle Demütigungen überlebt. In seinem Gesicht haben die Kämpfe Spuren hinterlassen: Sein Blick ist immer noch lauernd, herausfordernd, aber vielleicht versöhnlicher und abgeklärter als früher. Die Haut wirkt durchsichtiger, dünner, aber immer noch widerstandsfähig.»</p></blockquote>
<p>Es ist schon witzig, dass solche Zeilen erscheinen in einer Zeitschrift, die sich als Herausforderung des etablierten Journalismus sieht, über einen Politiker, der sich als Herausforderung der «Classe Politique» sieht. Es ist auch nicht so, dass die Weltwoche so etwas bei anderen Zeitungen akzeptiert. In der <a href="http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2014-38/personenkontrolle-ambuehl-wasescha-aeschi-uvm-die-weltwoche-ausgabe-382014.htmlsgabe-382014.html">«Personenkontrolle» vom 18. September</a> wird dem Chefredaktor der Solothurner Zeitung, Theodor Eckert, vorgeworfen, sich vor Lokalpolitiker Kurt Fluri «in den Staub» zu werfen und «im bewährten Prawda-Stil sämtliche heiklen Punkte zu umschiffen». Mal ehrlich, solche Speichelleckerei hat doch keiner der Beteiligten nötig.</p>
<h3>Ausgabe 36/2014 vom 4. September</h3>
<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2014/10/weltwoche-vom-3.-september-2014.jpg" alt="" title="Weltwoche-Ausgabe 36/2014 vom 3. September 2014, Titelseite" width="250" height="320" class="alignleft size-full wp-image-21376" />Auf dem Titel dieser Ausgabe sind die beiden männlichen Ursprünge der Weltreligionen Christentum und Islam erkennen: während bei Jesus ein friedlicher Gesichtsausdruck zu erkennen ist, hat Mohammed einen Krummsäbel in der Hand und einen Balken über dem Gesicht. Auf Seite 2 heisst es dazu: «Wir haben bewusst darauf verzichtet, das Gesicht Mohammeds zu zeichnen, um nicht den Zorn radikaler Muslime zu nähren.» Der Untertitel der Geschichte heisst «Die Blutspur einer Religion», ja, tatsächlich, nur «einer». Obwohl zu gleicher Grösse auf dem Titel, erwähnt die Ausgabe die zahlreichen Verbrechen im Namen des Christentums mit keinem Wort. <a href="http://www.kirchenopfer.de/dieopfer/index.html">Kirchenopfer.de</a> kann hier etwas nachhelfen: <a href="http://www.kirchenopfer.de/dieopfer/kreuzzuege/index.html">Kreuzzüge</a>, <a href="http://www.kirchenopfer.de/dieopfer/inquisition/index.html">Inquisition</a>, <a href="http://www.kirchenopfer.de/dieopfer/hexenverfolgung/index.html">Hexenwahn</a> und andere Missbräuche im Namen des Christentums haben viele Millionen von Opfern gefordert. In der «Weltwoche» heisst es dazu: «Wer im Christentum bis zum Äussersten geht, wird zum Heiligen wie der sanftmütige Franziskus, der mit den Tieren spricht und allen Besitz von sich wirft. Wer Mohammed konsequent nachfolgt, wird zum heiligen Krieger.»</p>
<p>Liest man die bemerkenswert schlichte Titelgeschichte von Peter Keller, so fällt zuallererst auf, dass bei der Abbildung von Mohammed auf Seite 23 kein schwarzer Balken über seinem Gesicht ist; die vorgebliche Absicht, nicht «den Zorn radikaler Muslime zu nähren», fällt so in sich zusammen. Stattdessen spielt Peter Keller einen barmherzigen Jesus («Den Armen und Ausgestossenen wird Jesus die Treue halten», «Jesus ist die Antithese zur Gewalt») gegen einen ungebildeten Mohammed aus («Der Sohn eines Händlers kann weder lesen noch schreiben», «wahrscheinlich ein Leben lang Analphabet»).</p>
<p>Mit Peter Keller, gemäss eigenem <a href="http://www.kellerpeter.ch/lebenslauf/">Lebenslauf</a> von 2002 bis 2008 «persönlicher Mitarbeiter von Nationalrat bzw. Bundesrat Christoph Blocher (Redenschreiber, Betreuung verschiedener Dossiers)» sass bis vor Kurzem ein aktiver SVP-Mann am Redaktionstisch der Weltwoche. Keller ist gewählt als Nationalrat bis 2015, der auch schon mal <a href="http://www.parlament.ch/d/suche/seiten/geschaefte.aspx?gesch_id=20145324">den Bundesrat beschäftigt</a>, weil er wissen will, ob wir denn alle auch gut genug überwacht werden. Auch wenn er nach wie vor mehrere Artikel pro Ausgabe schreibt, wird er inzwischen im Impressum als «redaktioneller Mitarbeiter» aufgeführt. Aber wenigstens von 2009 bis 2012 hörte Blochers persönlicher Redenschreiber als Redaktor alle Diskussionen mit, wusste Bescheid über Geheimnisse auf der einen wie auf der anderen Seite. Zu Recht oder zu Unrecht wurde er von Seiten der Journalisten als auch von Seiten der Politiker verdächtigt, die jeweils andere Seite mit Interna zu versorgen. Er war sozusagen ein legitimiert agierender Doppelspion.</p>
<p>Roger Köppel mag Freude haben an solchen die Öffentlichkeit irritierenden Spielen, tatsächlich schwächt Kellers Personalie die Glaubwürdigkeit des eigenen Blatts gehörig. Auch wenn einer durchaus ordentlich schreibt und ein guter Historiker ist, schädigt seine Existenz als aktiver Politiker die Unvoreingenommenheit der Weltwoche. Das Argument, dass aktive Politiker auch früher in Redaktionen anzutreffen waren und aktive Journalisten in Parlamenten, gilt nicht, denn entweder will man die Wahrheit herausfinden oder politisch wirken &#8211; für Journalisten gibt es letzteres nur durch ersteres. Der Presserat hat dazu eine <a href="http://presserat.ch/12780.htm">klare Haltung</a>: «Der Beruf als Journalist ist grundsätzlich nicht mit dem Ausüben einer öffentlichen Funktion vereinbar. Nimmt er aufgrund besonderer Umstände ausnahmsweise eine politische Tätigkeit wahr, trennt er die Funktionen strikt.» Keller könnte also in der Weltwoche über etwas schreiben, das überhaupt nichts mit Politik zu tun hat. Aber was hat schon nichts mit Politik zu tun?</p>
<p>Wer redigiert nochmals die Editorials von Roger Köppel? Sein Stellvertreter Philipp Gut, und eben auch Peter Keller, so Köppel <a href="https://medienwoche.ch/2011/11/25/ich-misstraue-der-masse/">2011 im MEDIENWOCHE-Interview</a>. Kann eine Partei denn mehr Einfluss haben auf ein Blatt, als wenn sie die Leitartikel des Chefs gegenliest? Köppel mag behaupten, er sei frei und unabhängig von Blocher und seiner SVP, aber wer den langjährigen Reden-Schreiber Blochers am publizistischen Herzstück herumschnippeln lässt, ist das schlicht und einfach nicht. Und wer, <a href="http://netzwertig.com/2007/06/30/ist-die-weltwoche-noch-unabhaengig/">wie 2007</a>, seinen damaligen Stellvertreter Markus Somm zusammen mit SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli ein Interview führen lässt, auch nicht. Wer Propagandisten undeklariert schreiben lässt, muss sich den Vorwurf der Propaganda gefallen lassen. Korrekt wäre es, alle politisch Tätigen aus dem Impressum zu streichen und ihre Texte klar als Texte von Politikern zu kennzeichnen.</p>
<h3>Ausgabe 43/2014 vom 23. Oktober</h3>
<p>Und nochmals Peter Keller. Sein Artikel <a href="http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2014-43/kastrierte-demokratie-die-weltwoche-ausgabe-432014.html">«Kastrierte Demokratie»</a> handelt von einer «Classe politique», die versuche, die Volksrechte abzubauen: «Am Ende steht gewollte Willkür – und die Herrschaft der Apparatschiks». Zur Erinnerung: Keller ist einer dieser vom Volk gewählten «Apparatschiks» der «Classe politique». Er erhält vom Staat ein Jahreseinkommen (26 000 Franken), Taggelder (440 Franken), eine Jahresentschädigung für «Personal- und Sachausgaben» (33 000 Franken), eine Mahlzeitenentschädigung (115 Franken pro Tag), eine Übernachtungsentschädigung (180 Franken für die Übernachtung zwischen zwei aufeinander folgenden Sitzungstagen), Reiseentschädigungen, Familienzulagen, Vorsorgebeiträge, ein SBB-Generalabonnement der 1. Klasse und hat Anspruch auf Überbrückungshilfen, weitere Taggelder, Sonderentschädigungen und Repräsentationsauslagen. So wie jeder andere Nationalrat auch.</p>
<p><small>Offenlegung: Ronnie Grob hat bisher mehrere Beiträge in der Basler Zeitung und in der Weltwoche veröffentlicht. Sie wurden angemessen vergütet, die Zusammenarbeit war stets erfreulich und verlief ohne jegliche inhaltlich-politische Einflussnahme.<br />
Inputs zur Serie erhalten wir gerne in den Kommentaren oder <a href="https://medienwoche.ch/uber-uns/personen/">per E-Mail</a>.</small></p>
<p><small><b>Übersicht der <a href="https://medienwoche.ch/tag/blocher-medien-2014/">Serie zu den «Blocher-Medien»</a>:</b><br />
1. Teil: <a href="medienwoche.ch/2014/10/15/schlachtplan-zufall/">Schlachtplan Zufall</a><br />
2. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/10/22/unter-dem-guru-von-herrliberg/">Unter dem Guru von Herrliberg</a><br />
3. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/10/29/der-provokateur/">Der Provokateur</a><br />
4. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/04/es-braucht-wieder-fakten/">Es braucht wieder Fakten</a><br />
5. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/12/politiker-der-redaktion/">Politiker der Redaktion</a><br />
6. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/19/fuer-partei-und-vaterland/">Für Partei und Vaterland</a><br />
7. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/26/sicherheit-in-statistiken/">Sicherheit in Statistiken</a><br />
8. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/12/03/sie-sind-klein-und-sie-sind-ueberall/">Sie sind klein und sie sind überall</a></small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/12/politiker-der-redaktion/">Politiker der Redaktion</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://medienwoche.ch/2014/11/12/politiker-der-redaktion/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>1</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Es braucht wieder Fakten</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2014/11/04/es-braucht-wieder-fakten/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2014/11/04/es-braucht-wieder-fakten/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 04 Nov 2014 11:59:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Alex Capus]]></category>
		<category><![CDATA[Blocher-Medien 2014]]></category>
		<category><![CDATA[Bündner Tagblatt]]></category>
		<category><![CDATA[Christoph Blocher]]></category>
		<category><![CDATA[Hans Fahrländer]]></category>
		<category><![CDATA[Dennis Bühler]]></category>
		<category><![CDATA[Nadja Maurer]]></category>
		<category><![CDATA[NZZ am Sonntag]]></category>
		<category><![CDATA[Francesco Benini]]></category>
		<category><![CDATA[Aargauer Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Südostschweiz]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=21817</guid>

					<description><![CDATA[<p>Wünscht Christoph Blocher dem Bundesrat «ais ad Schnure», diesen «Siechen», wie das Francesco Benini in der NZZ am Sonntag und Alex Capus in der Aargauer Zeitung schreiben? Eine Untersuchung des Falls zeigt, woran die Beziehung zwischen Journalisten und Blocher krankt: An Unschärfe, verbunden mit der Lust an der Empörung. «Dene Sieche da obe ghört emol <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/04/es-braucht-wieder-fakten/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/04/es-braucht-wieder-fakten/">Es braucht wieder Fakten</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wünscht Christoph Blocher dem Bundesrat «ais ad Schnure», diesen «Siechen», wie das Francesco Benini in der NZZ am Sonntag und Alex Capus in der Aargauer Zeitung schreiben? Eine Untersuchung des Falls zeigt, woran die Beziehung zwischen Journalisten und Blocher krankt: An Unschärfe, verbunden mit der Lust an der Empörung.<br />
<span id="more-21817"></span></p>
<div align="right">
<h2>«Dene Sieche da obe ghört emol eini ad Schnure.»</p>
<p>(unbekannt)</h2>
</div>
<p></p>
<p>Auf Einladung der SVP Chur redete Christoph Blocher am 16. Oktober 2014 im Churer Hotel Drei Könige. Francesco Benini von der NZZ am Sonntag war dabei und <a href="http://www.nzz.ch/aktuell/startseite/schlacht-um-europa-1.18406809">beobachtete unter anderem diese Szene</a>:</p>
<blockquote><p>Nach seinem Vortrag steht in Chur ein älterer Besucher auf und sagt, wenn man wirklich etwas unternehmen wolle gegen die Zuwanderung in die Schweiz, müsse man der Ecopop-Initiative zustimmen. Blocher erwidert, das sei nicht seine Position, er empfehle ein Nein. Gleichzeitig äussert er Verständnis für die Haltung des Mannes: Die Mitglieder des Bundesrats, welche die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative verschleppten, hätten «ais a d Schnure» verdient, diese «Sieche».</p></blockquote>
<p>In der <a href="http://www.aargauerzeitung.ch/kommentare/gastkommentar/es-braucht-wieder-empoerung-128517818">Aargauer Zeitung diesen Montag</a> hörte sich das bereits dramatischer an. Alex Capus widmete dem Vorfall ganze zwei Absätze, hier ein Ausschnitt:</p>
<blockquote><p>An einer öffentlichen Veranstaltung zur Ecopop-Initiative verkündet ein demokratisch gewählter und abgewählter alt Bundesrat fäusteschüttelnd, die heute amtierenden Bundesräte verdienten «ais a d Schnure», diese «Sieche». Das ist kein Schulbub und auch kein besoffener Fuhrknecht, der so spricht, sondern ein altgedienter Nationalrat und Minister, einflussreicher Unternehmer und Oberst der Schweizer Armee. (&#8230;) Da kann einer öffentlich unserer demokratisch gewählten Landesregierung Prügel androhen – und niemand regt sich auf. Die eine oder andere Zeitung mokiert sich zwar über die hemdsärmelige Art des selbst ernannten Volkstribuns – aber wirklich aufregen tut sich niemand. Kaum jemand sieht eine Gefahr darin, wenn eine autoritäre Führerfigur Demokraten mit Gewalt droht.</p></blockquote>
<p>Auf Anfrage streitet Christoph Blocher ab, dem Bundesrat so etwas gewünscht zu haben. Es sei zwar richtig, dass er diese Worte verwendet habe, aber klar deklariert als Zitat. Zitiert habe er Wortmeldungen von «rechtschaffenen, soliden Gewerblern», die sich bei einem früheren Anlass zur Abzockeriniative zu Wort gemeldet hatten: «Herr Blocher, sie möget rächt ha, aber jetzt isch gnueg Heu dune. Dene Sieche da obe ghört emol eini ad Schnure», hätten diese gesagt. <a href="https://www.youtube.com/watch?v=oDaud1ouwEg">So erklärte</a> er es auch in der <a href="http://www.teleblocher.ch/archives/3140">«Tele-Blocher»-Ausgabe vom 24. Oktober</a>:</p>
<p><iframe loading="lazy" width="450" height="253" src="//www.youtube.com/embed/oDaud1ouwEg?rel=0" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Zurück also zu Francesco Benini, der unsere Bitte um Klarstellung wie folgt beantwortet: «Ich halte an meiner Darstellung fest, eine Korrektur ist nicht geplant, Herr Blocher ist mit keinem Begehren an die NZZ am Sonntag gelangt. Blocher sagte am Vortrag in Chur, er habe Verständnis für die Haltung, dass die ‹Siechen› im Bundesrat ‹ais ad Schnure› verdient hätten. Und zwar dafür, dass sie bei der Umsetzung der Masseneinwanderungs-Initiative nicht schnell genug ans Werk gingen. Was er nun sagt – er zitiere jemanden, mit dem er im Abstimmungskampf über die Abzocker-Initiative geredet habe – daran habe ich keine Erinnerung, und ich finde in meinen Notizen nichts dazu.»</p>
<div style="border: 1px solid #dddddd; margin: 3px 0px 10px 10px; padding: 7px; background: #ececec none repeat scroll 0% 0%; float: right; font-size: 0.9em; width: 147px; line-height: 1.3em; color: #4382cf;">Was sind die<br /> <a href="https://medienwoche.ch/tag/blocher-medien-2014/"><strong><big>«Blocher-Medien»</big></strong></a><br />
&#8211; und wer gehört dazu? Retten sie den Journalismus oder schaffen sie ihn ab, geht es um <strong>Information oder Propaganda</strong>? Die MEDIENWOCHE beleuchtet in einer Serie Persönlichkeiten und Medien, die in einer Beziehung mit dem Politiker und Unternehmer <strong>Christoph Blocher</strong> stehen.</div>
<p>Als ich Dennis Bühler von der «Südostschweiz» und Nadja Maurer vom «Bündner Tagblatt» kontaktiere, die dem Vortrag ebenfalls als Berichterstatter beigewohnt haben, haben sie beide bereits mit Francesco Benini telefoniert; sie bestätigen mehrheitlich dessen Sichtweise. Blocher habe etwa 85 bis 90 Minuten geredet, erzählt Bühler. Im Anschluss an den Vortrag habe sich ein älterer Herr aus den hinteren Reihen zu Wort gemeldet und verkündet, dass er, anders als von Blocher empfohlen, die Ecopop-Initiative annehmen werde. Daraufhin dann habe Blocher zuerst die Formulierung gewählt, so erinnert sich auch Maurer, vielleicht sei es ja dann nur recht, wenn der Bundesrat mal «ais ad Schnure» kriege. Dass Blocher seine Aussage als Zitat verwendet hat, daran können sich beide nicht erinnern.</p>
<p>Wir fragen auch bei der Aargauer Zeitung nach. Hans Fahrländer, der die täglich erscheinende Meinungsseite verantwortet, meldet sich zu Wort und gibt zu bedenken, dass es für die Redaktion unmöglich sei, «alle Aussagen, die in einer persönlichen Kolumne stehen, auf allfällige Fehlzitierungen hin abzuklopfen»: «Nach Angaben unseres stellvertretenden Chefredaktors Gieri Cavelty hat sich Christoph Blocher über eine unpräzise Zitierung beschwert. Sollte es sich weisen, dass seine Beschwerde berechtigt ist, dass die Aussage durch Herrn Capus tatsächlich falsch oder irreführend oder aus dem Zusammenhang gerissen dargestellt wurde, erhält Herr Blocher selbstverständlich eine Plattform, um die Sache präzis ins richtige Licht zu rücken.»</p>
<p>Blocher sagt aus, exakt zu wissen, wie es sich zugetragen hat, Benini hält an seiner Darstellung fest, es steht Aussage gegen Aussage. Und die anderen beiden Journalisten im Saal können sich &#8211; was jetzt nicht unverständlich ist, wenn man nicht darauf achtet &#8211; nicht genau erinnern. Die an exakten Fakten interessierte Öffentlichkeit bleibt somit ratlos, während sich die Medien und Blocher gegenseitig hochschaukeln. Denn Bild- oder Tonaufnahmen des Vorfalls wurden offenbar keine gemacht, und die scheint es trotz der Anwesenheit dreier Journalisten zu brauchen, um zweifelsfrei die Wahrheit zu erfahren. Was die eine Seite als Propaganda einstuft, ist der anderen Seite Wahrheitsverdrehung. Es bleibt die Empörung und ihre Bewirtschaftung.</p>
<p><strong>Nachtrag</strong> vom 10. November 2014: Die Aargauer Zeitung veröffentlicht eine Replik von Christoph Blocher: <a href="http://www.aargauerzeitung.ch/schweiz/ein-vortrag-und-seine-kritiker-blochers-antwort-auf-capus-kolumne-128540526">«Ein Vortrag und seine Kritiker – Blochers Antwort auf Capus&#8216; Kolumne»</a>.</p>
<p><small><b>Übersicht der <a href="https://medienwoche.ch/tag/blocher-medien-2014/">Serie zu den «Blocher-Medien»</a>:</b><br />
1. Teil: <a href="medienwoche.ch/2014/10/15/schlachtplan-zufall/">Schlachtplan Zufall</a><br />
2. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/10/22/unter-dem-guru-von-herrliberg/">Unter dem Guru von Herrliberg</a><br />
3. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/10/29/der-provokateur/">Der Provokateur</a><br />
4. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/04/es-braucht-wieder-fakten/">Es braucht wieder Fakten</a><br />
5. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/12/politiker-der-redaktion/">Politiker der Redaktion</a><br />
6. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/19/fuer-partei-und-vaterland/">Für Partei und Vaterland</a><br />
7. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/26/sicherheit-in-statistiken/">Sicherheit in Statistiken</a><br />
8. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/12/03/sie-sind-klein-und-sie-sind-ueberall/">Sie sind klein und sie sind überall</a></small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/04/es-braucht-wieder-fakten/">Es braucht wieder Fakten</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://medienwoche.ch/2014/11/04/es-braucht-wieder-fakten/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>7</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Der Provokateur</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2014/10/29/der-provokateur/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Fabian Baumann]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Oct 2014 06:56:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Michael Bahnerth]]></category>
		<category><![CDATA[Blocher-Medien 2014]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Sex]]></category>
		<category><![CDATA[Basler Zeitung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=21285</guid>

					<description><![CDATA[<p>Michael Bahnerth ist einer der umstrittensten Journalisten auf dem Medienplatz Basel. Seine oftmals schlüpfrigen Auslassungen über Sex, Feminismus und Veganertum sorgen in der Stadt regelmässig für Empörung. Dabei sind die Provokationen des BaZ-Autors oft simpel gestrickt und leicht durchschaubar. Wer seine Texte nicht mag, sollte ihm nicht den Gefallen tun, sie allzu ernst zu nehmen. <a href="https://medienwoche.ch/2014/10/29/der-provokateur/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/10/29/der-provokateur/">Der Provokateur</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Michael Bahnerth ist einer der umstrittensten Journalisten auf dem Medienplatz Basel. Seine oftmals schlüpfrigen Auslassungen über Sex, Feminismus und Veganertum sorgen in der Stadt regelmässig für Empörung. Dabei sind die Provokationen des BaZ-Autors oft simpel gestrickt und leicht durchschaubar. Wer seine Texte nicht mag, sollte ihm nicht den Gefallen tun, sie allzu ernst zu nehmen.</strong></p>
<div align="right">
<h2>«Ich Kleinbürger weiss, wovon ich spreche, wie sich das anfühlt, zumindest für den Moment eines Augenblickes Playboy zu sein.»</p>
<p>Michael Bahnerth in der Basler Zeitung vom 8. August 2014.</h2>
</div>
<p></p>
<p><em>Schwungvollen Schrittes kommt Michael Bahnerth die Treppe herauf. Trotz seiner fünfzig Jahre ist das sonnengebräunte Gesicht jugendlich geblieben, das aufgeknüpfte Hemd gibt den Blick auf die behaarte Brust frei. Bahnerths Lächeln ist selbstbewusst: ein echter Kerl, einer, der weiss, was er will. Ein Playboy, der Frauen wie Männer für sich einnehmen kann.</em></p>
<p>So oder ähnlich würde Michael Bahnerth wohl ein Porträt über Michael Bahnerth beginnen. Bahnerths Sprache ist salopp, manchmal derb, seine Themenwahl kontrovers. Seine Texte handeln von «Strassennutten» und vom «Flatrateficken», von besoffenen Hinterwäldlern im Wallis und von Martina Hingis’ «verruchtem Mund». Besonders in Erinnerung geblieben ist ein <a href="http://bazonline.ch/basel/stadt/Eva-Herzog--Annaeherung-an-eine-Unnahbare/story/21799182">Porträt der Basler Regierungsrätin Eva Herzog</a>, das ihm 2012 einen veritablen Shitstorm einbrachte.</p>
<p>Kein Wunder, dass Bahnerth die Leserschaft der Basler Zeitung polarisiert. Kein Wunder auch, dass er in meinem – selbstverständlich linksliberalen – Basler Bekanntenkreis nicht gerade Begeisterungsstürme entfacht. Wer die BaZ noch liest, hat über Bahnerth wenig Gutes zu berichten. Für meine Freunde ist Bahnerth ein «Hassprediger», «betreibt Schlammschlacht-Journalismus», «schreibt auf Schülerzeitungsniveau». «Sprachlich gut, inhaltlich primitiv» ist noch das positivste Urteil, das ich zu hören bekomme.</p>
<p>Eigentlich wollte ich mit Bahnerth ja vegan essen gehen, den militanten Karnivoren mit seiner Horrorvorstellung einer rein pflanzlichen Ernährung konfrontieren. Dann kam die Absage: Er esse abends nicht vegan, liess Bahnerth wissen. So sitzen wir nun halt bei einer Flasche Rotwein auf der Terrasse des «Don Camillo» in der ehemaligen Basler Warteck-Brauerei und warten auf das gebratene Lammrückenfilet mit Ofengemüse und Kartoffeln, das Bahnerth hier immer bestellt.</p>
<div style="border: 1px solid #dddddd; margin: 3px 0px 10px 10px; padding: 7px; background: #ececec none repeat scroll 0% 0%; float: right; font-size: 0.9em; width: 147px; line-height: 1.3em; color: #4382cf;">Was sind die<br /> <a href="https://medienwoche.ch/tag/blocher-medien-2014/"><strong><big>«Blocher-Medien»</big></strong></a><br />
&#8211; und wer gehört dazu? Retten sie den Journalismus oder schaffen sie ihn ab, geht es um <strong>Information oder Propaganda</strong>? Die MEDIENWOCHE beleuchtet in einer Serie Persönlichkeiten und Medien, die in einer Beziehung mit dem Politiker und Unternehmer <strong>Christoph Blocher</strong> stehen.</div>
<p>Offen gestanden finde ich viele von Michael Bahnerths Artikeln etwas, na ja, doof. Zu repetitiv seine Themen (Sex, Veganer, Frauen, das Mannsein, Sex), zu offensichtlich seine Provokationen (Sex! Sex! Sex!), zu simpel das Weltbild, welches er vertritt (geniesserische Playboys vs. lustfeindliche Emanzen-Veganer). Trotzdem, einen gewissen Unterhaltungswert haben Bahnerths boulevardeske Elaborate manchmal schon, gerade dadurch, dass sie sich eigentlich vorwiegend um seine eigenen Neurosen drehen. Und ab und zu veröffentlicht Bahnerth auch ein differenziertes Porträt, zum Beispiel jene über <a href="http://tablet.baz.ch/artikel/?objectid=A7F1C5F6-0063-6082-F4C42BEFF04940DC">Ralph Grosse-Bley</a> oder Niklaus Meienberg. Der arrogante Boulevard-König und der spöttische Querulant: zwei Charaktere, für die Bahnerth offenbar viel Verständnis aufbringt.</p>
<p>Auf jeden Fall war ich im Vorfeld des Treffens überzeugt, dass ein Abendessen mit Bahnerth unterhaltsam sein dürfte. Und tatsächlich: Bahnerth ist witzig, jovial, spricht viel und flüssig, hört sich selbst gerne sprechen. Und kann sich durchaus auch einmal in Rage reden, wenn es um seine Dauerbrenner-Themen geht: missionarische Veganer, Gender Studies («Bullshit!») und die Bevormundung der mündigen Bürger durch staatliche Überreglementierung. Die Rolle des Mannes (sprich: Michael Bahnerths) nach der Emanzipation der Frau ist auch so ein Thema – das scheint ihn, warum auch immer, ernsthaft zu beschäftigen.</p>
<p>Hätte ich aber gehofft, dass Bahnerth im Gespräch eine haarsträubende Aussage nach der anderen bringt (und ein bisschen habe ich das natürlich schon gehofft), ich wäre enttäuscht worden. Vieles, was er in seinen Artikeln völlig überspitzt formuliert («Die Geschichte der Emanzipation ist eine Tragödie. Und zwar für alle Beteiligten.»), klingt im Gespräch viel moderater («Selbstverständlich war die Emanzipation der Frau keine negative Entwicklung. Aber nun müssen auch wir Männer uns neu definieren.»). Man kann ihm dann zwar immer noch widersprechen, ihn zu etwas mehr Gelassenheit aufrufen. Aber als der reaktionäre Berserker, als den ihn manche sehen, gibt sich Bahnerth nicht. Offensichtlich ist er hier, bei Lammfilet und Rotwein auf der gemütlichen Terrasse, nicht im Provokationsmodus.</p>
<p>Bahnerth, der nie studiert hat, ist gebürtiger Basler, hat aber viele Jahre in Berlin gelebt und als Reisejournalist für die «Zeit» gearbeitet. 2011 ist er, wie so viele Heimwehbasler, nach Basel zurückgekehrt. Und beklagt sich nun, wie so viele Basler, über die Provinzialität seiner «furchtbar kleinen» Heimatstadt, die sich selbst viel zu wichtig nimmt und die ihm, dem kosmopolitischen Lebemann, durch Rauchverbote und «Veloisierung» das Leben schwer macht.</p>
<p>Dafür ist Bahnerth voll des Lobes für seinen Chefredaktor Markus Somm: «Soviel Freiheit hatte ich noch nie. Ich kann schreiben, was ich will.» Wobei diese Narrenfreiheit nicht wahnsinnig erstaunt – teilt der Freiheitsapostel Bahnerth doch viele von Somms konservativ-libertären Ansichten. Dass er aber für Somm eine politische Agenda mitträgt, dass er zuständig ist für die Verteidigung eines konservativen Gesellschaftsbilds, dass sein Chef ihn ganz bewusst als Agent Provocateur einsetzt: all dies bestreitet Bahnerth. «Ich bin weder rechts noch links, sondern ein Freund des gesunden Menschenverstands. Aber ein funktionierender Liberalismus ist nun mal eher rechts der Mitte zu finden.»</p>
<p>Überhaupt schreibe er lieber über das, was die Menschen beschäftigt, als über die «Schattengefechte» der Politik. Bahnerth, der – natürlich – auf Hemingway und Hunter S. Thompson steht, hat denn auch gar kein Problem damit, als Boulevard-Journalist bezeichnet zu werden: «Das Schonungslose des Boulevards finde ich spannend, das Berichten über the dirty side of life.» Die Suche nach dieser dirty side im beschaulichen Basel führt Bahnerth auch öfter zu ziemlich grotesken Unternehmungen. Etwa wenn er Jahr für Jahr die Erotikmesse Extasia («diese Scheiss-Dildoveranstaltung») besucht und dort so gar nichts ekstatisches findet.</p>
<p>Bleibt eben die Provokation, ein journalistisches Mittel, welches Bahnerth routiniert beherrscht: hier ein etwas vulgärer Ausdruck, dort eine leicht sexistische Bemerkung, immer knapp an der Grenze des Unanständigen. Wobei das Provozieren laut Bahnerth nicht nur Selbstzweck ist: «dann könnte ich einfach einmal pro Artikel das Wort ‹Schwanz› verwenden» (gut, allzu weit ist er davon nicht entfernt). Vielmehr gehe es ihm darum, die Leute wachzurütteln, sie hinzuweisen beispielsweise auf die Verlogenheit einer Gesellschaft, in der Pornographie zwar allgegenwärtig sei, aber die Medien sich in Prüderie übten. Die Provokation sei ein schönes Mittel, Stellung zu beziehen, die Leute zum Nachdenken über Tabus zu bringen: «Es gibt nichts Schlimmeres für einen Journalisten, als die Leute zu langweilen.»</p>
<p>Damals, beim Herzog-Porträt, ging er damit wohl etwas zu weit. Aus Ärger über Herzogs mangelnde Kooperation füllte er den Artikel mit haltlosen Spekulationen und Andeutungen über ihr Privatleben («Hat sie mal im Bett mit einer lesbischen Freundin gekifft?»), dichtete ihr sogar eine Affäre mit ihrem Regierungsratskollegen Christoph Brutschin an. Statt über Herzogs Politik schwadronierte Bahnerth über ihre angeblichen Tanzkünste («sündiger Hüftschwung») und ihre Haarfarbe. Es war, da waren sich fast alle einig, ein ziemlich sexistischer Text.</p>
<p>Klar, das Porträt sei sehr grenzwertig gewesen, gibt Bahnerth heute zu. Aber er sei nun mal ein «Instinktschreiber», dem die Sätze «einfach rausflutschen». Immerhin habe er durch den Artikel seinen Bekanntheitsgrad gesteigert, werde auch nach fast zwei Jahren noch darauf angesprochen. Also doch Selbstvermarktung durch Provokation? Seine Kritiker machten es ihm damals aber auch etwas gar einfach in ihrer Empörung über sein «widerliches Machwerk», das er, wie Constantin Seibt mit fast schon bahnerthscher Schnoddrigkeit schrieb, <a href="https://twitter.com/ConstSeibt/status/281472820981161987">«quasi mit dem Pimmel gemalt»</a> habe.</p>
<p>Trotz, nein, gerade wegen der politischen Dimension seiner Texte sollte man Bahnerth also nicht den Gefallen tun, ihn allzu ernst zu nehmen. Er selber tut das wohl auch nicht. Wie könnte er auch? Schreibt er doch Sätze wie diese: «Es gibt einen Grund, warum zwei Drittel aller Männer Hausfrauen bevorzugen: weibliche Fürsorge als Lohn für den Kampf mit den andern Männern da draussen. Es ist wie mit Mama, nur mit Sex. Natürlich will die neue Frauengeneration dann männliche Fürsorge: also Papa, nur mit Sex.» Na ja. Man kann das kindisch finden. Man kann es obszön finden. Man kann es langweilig finden. Aber schadet Bahnerth wirklich dem Journalismus, <a href="http://www.edito-online.ch/aktuelleausgabe/ergaenzungenzumheft/bahnerthbazschadetdemjournalismus.html">wie Philipp Cueni einmal schrieb</a>?</p>
<p>Schlussendlich kommt es wohl darauf an, ob man in Michael Bahnerth den kalt berechnenden Propagandisten der Sommschen konservativen Revolution sieht – oder den flapsig-sympathischen Geniesser, dessen Sticheleien so unüberlegt wie harmlos daherkommen. Meine Vermutung ist, dass es, Bahnerths Beteuerungen zum Trotz, beide Bahnerths gibt. Und an diesem warmen Septemberabend ist es der nette, versöhnliche Michael Bahnerth, der ein letztes Mal unsere Gläser mit Wein füllt. Es ist längst dunkel geworden, das Gespräch ist beinahe zu Ende, die Kellnerin räumt die Teller weg. Bahnerth – und auch das war ja zu erwarten – hat nur das Fleisch gegessen.</p>
<p><small><b>Übersicht der <a href="https://medienwoche.ch/tag/blocher-medien-2014/">Serie zu den «Blocher-Medien»</a>:</b><br />
1. Teil: <a href="medienwoche.ch/2014/10/15/schlachtplan-zufall/">Schlachtplan Zufall</a><br />
2. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/10/22/unter-dem-guru-von-herrliberg/">Unter dem Guru von Herrliberg</a><br />
3. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/10/29/der-provokateur/">Der Provokateur</a><br />
4. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/04/es-braucht-wieder-fakten/">Es braucht wieder Fakten</a><br />
5. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/12/politiker-der-redaktion/">Politiker der Redaktion</a><br />
6. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/19/fuer-partei-und-vaterland/">Für Partei und Vaterland</a><br />
7. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/26/sicherheit-in-statistiken/">Sicherheit in Statistiken</a><br />
8. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/12/03/sie-sind-klein-und-sie-sind-ueberall/">Sie sind klein und sie sind überall</a></small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/10/29/der-provokateur/">Der Provokateur</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Unter dem Guru von Herrliberg</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2014/10/22/unter-dem-guru-von-herrliberg-2/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2014/10/22/unter-dem-guru-von-herrliberg-2/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 22 Oct 2014 11:22:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Blocher-Medien 2014]]></category>
		<category><![CDATA[Roger Köppel]]></category>
		<category><![CDATA[Christoph Blocher]]></category>
		<category><![CDATA[Markus Somm]]></category>
		<category><![CDATA[Matthias Ackeret]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=21511</guid>

					<description><![CDATA[<p>Im Politiker und Unternehmer Christoph Blocher haben die Neu-Verleger Roger Köppel, Markus Somm und Matthias Ackeret einen geistigen Übervater gefunden, dessen unverrückbare Werte Halt liefern in einer unübersichtlicher werdenden Welt. So verteidigen nun wenigstens einige Medien die politischen Ziele des ausgefuchsten Strippenziehers und milliardenschweren Unternehmers. Gross gemacht aber hat ihn die blinde Dauerempörung seiner Gegner <a href="https://medienwoche.ch/2014/10/22/unter-dem-guru-von-herrliberg-2/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/10/22/unter-dem-guru-von-herrliberg-2/">Unter dem Guru von Herrliberg</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Im Politiker und Unternehmer Christoph Blocher haben die Neu-Verleger Roger Köppel, Markus Somm und Matthias Ackeret einen geistigen Übervater gefunden, dessen unverrückbare Werte Halt liefern in einer unübersichtlicher werdenden Welt. So verteidigen nun wenigstens einige Medien die politischen Ziele des ausgefuchsten Strippenziehers und milliardenschweren Unternehmers. Gross gemacht aber hat ihn die blinde Dauerempörung seiner Gegner im Journalismus, die seit Jahrzehnten bemerkenswert erfolglos gegen ihn anschreiben.<br />
<span id="more-21511"></span></p>
<div align="right">
<h2>«Und er sprach zu ihnen: Folget mir nach; ich will euch zu Menschenfischern machen! Alsbald verliessen sie ihre Netze und folgten ihm nach.»</p>
<p>Matthäus-Evangelium, Kapitel 4, 19-20.</h2>
</div>
<p></p>
<p>Was verbindet Roger Köppel, Markus Somm und Matthias Ackeret? Sie sind langjährige Journalisten in Führungspositionen. Sie haben eine besondere Faszination für ältere, mächtige Männer. Sie pflegen seit einigen Jahren eine intensive Verbindung zu Christoph Blocher. Und sie sind Verleger, die aus im Journalistenberuf erzielten Eigenmitteln zu Besitzern von Titeln wurden, die sie zuvor als Chefredaktoren geleitet hatten: Köppel verlegt die Weltwoche seit 2006, Somm verlegt die Basler Zeitung seit 2014, Ackeret verlegt Persönlich seit 2014. Somm ist finanziell mit Blocher verbandelt, sie halten je einen Drittel der Aktien der BaZ Holding AG. Köppel und Ackeret bestreiten jegliche finanzielle Verflechtungen mit Blocher.</p>
<p>Geistig und persönlich sind sie alle drei stark mit ihm verbunden: Ackeret fährt seit 2007 jeden Freitagmorgen dahin, wo sich Blocher gerade aufhält, um ihm während zwanzig Minuten Antworten zu aktuellen Fragen zu entlocken. Somm schrieb die 2009 veröffentlichte Blocher-Biografie «Der konservative Revolutionär» und führt nun gemeinsam mit ihm eine Zeitung. Köppel steht mit Blocher in regelmässigem persönlichem und telefonischen Kontakt und spricht oft an Veranstaltungen der mit ihm verbundenen Organisationen wie der SVP oder der AUNS.</p>
<p>Es ist viel geschrieben und vor allem spekuliert worden über die Besitzverhältnisse der «Blocher-Medien», es finden sich dazu viele Diskussionen und Distanzierungen. Doch inzwischen hat die Frage an Bedeutung verloren: «Ob Blocher Köppel Geld gegeben hat oder nicht, ist nicht so wichtig &#8211; landläufig wird es geglaubt», sagt Politikberater Mark Balsiger, der beobachtet hat, dass die Weltwoche und die Basler Zeitung in den Kreisen der medialen und politischen Elite isoliert betrachtet werden &#8211; man halte sie für «blocher-kontaminiert», es seien «Pfui-Blätter» geworden. Gelesen werden sie dann aber doch fleissig, gerade auch von diesen Personen, wenn auch mitunter heimlich. Auch Balsiger liest sie, «selektiv», und findet darin immer wieder gute Stoffe.</p>
<h3>Meister in Boulevardfragen</h3>
<div style="border: 1px solid #dddddd; margin: 3px 0px 10px 10px; padding: 7px; background: #ececec none repeat scroll 0% 0%; float: right; font-size: 0.9em; width: 147px; line-height: 1.3em; color: #4382cf;">Was sind die<br /> <a href="https://medienwoche.ch/tag/blocher-medien-2014/"><strong><big>«Blocher-Medien»</big></strong></a><br />
&#8211; und wer gehört dazu? Retten sie den Journalismus oder schaffen sie ihn ab, geht es um <strong>Information oder Propaganda</strong>? Die MEDIENWOCHE beleuchtet in einer Serie Persönlichkeiten und Medien, die in einer Beziehung mit dem Politiker und Unternehmer <strong>Christoph Blocher</strong> stehen.</div>
<p>Christoph Blocher ist ein genialer «Menschenfischer», der bei jenen, auf die er trifft, zuverlässig Abneigung oder Zuneigung auslöst. In der Schweizer Medienbranche konnte er so viel Abneigung auslösen, dass ihm Journalisten eine Aufmerksamkeit einräumten, wie sie noch kein Politiker vor ihm erhalten hatte. Journalisten, die ihn hasserfüllt bekämpften, haben seinen Aufstieg erst ermöglicht &#8211; Exponenten wie Frank A. Meyer haben sich hier besondere Verdienste erschrieben. Die <a href="http://netzwertig.com/2008/12/01/blocher-in-den-medien-blochermania/">Blochermania</a> hält bis heute an und hat sich mit der klickgetriebenen Online-Berichterstattung nochmals potenziert. Deshalb verzichten die Newsnet-Partner von Tamedia nicht darauf, <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Ich-kann-leider-nicht-dienen/story/19637730">auf</a> <a href="http://www.derbund.ch/schweiz/standard/Ich-kann-leider-nicht-dienen/story/19637730">ihren</a> <a href="http://www.bernerzeitung.ch/schweiz/standard/Ich-kann-leider-nicht-dienen/story/19637730">Kanälen</a> ein <a href="http://bazonline.ch/schweiz/standard/Ich-kann-leider-nicht-dienen/story/19637730">BaZ-Interview mit dem BaZ-Besitzer</a> zu verbreiten &#8211; selbst wenn Blocher darin sagt, zwei Tamedia-Journalisten hätten «Schind­luderei betrieben».</p>
<p>Ist es mehr ein Wunder oder viel mehr ein Skandal, dass vermeintlich kritische und kluge Journalisten bis zum heutigen Tag über jedes verdammte Stöckchen springen, das ihnen Blocher hinhält? Dass die Provokationen gezielt gestreut werden, scheinen sie nicht zu merken, oder es ist ihnen egal &#8211; Aufregung ist schliesslich gut fürs Business. Eine Lernkurve ist jedenfalls keine festzustellen bei den Schweizer Journalisten: Sie opponieren oder sie verteidigen. Sie diskutieren begeistert über die von ihm gezündeten Nebelpetarden, während er stille Siege einfährt. Sie haben sein bäurisches Auftreten als das Volk begeisternder Redner so verinnerlicht, dass sie nicht mal die Frage stellen, ob er womöglich jemand ist, der ihnen ein paar Schritte voraus ist. Sie haben sich so an ihre eigenen Einschätzungen gewöhnt, dass sie nicht mal die Frage stellen, ob er womöglich ein Kommunikationsgenie ist, das sie alle vorführt. Als geistiger Führer einer gewichtigen Gruppe, der mit einigen Warnungen und Prophezeiungen recht behalten hat, müsste er auch als Intellektueller behandelt werden. Doch Journalisten tun das nicht, weil sie sein Auftreten fehldeuten &#8211; damit sie seine Gedanken ernst nehmen würden, müsste er vielleicht ein Foulard tragen oder einen Look spazieren führen, der dem eines Daniel Binswanger oder eines Richard David Precht nahe kommt. <a href="http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2014-16/zeitgeschichte-blochers-schweiz-die-weltwoche-ausgabe-162014.html">Immerhin einer hat es erkannt, Köppel</a>: «Natürlich ist Blocher Intellektueller.»</p>
<p>Wenn es einen Meister gibt in Boulevardfragen, dann heisst er Christoph Blocher. Er setzt die Themen &#8211; die Schweizer Journalisten setzen die Reflexe. Blocher ist der Doktor, der dem Patient mit dem Hammer auf&#8217;s Knie schlägt. Und die Journalisten das Bein, das ausschlägt.</p>
<h3>Verweigerung im Ringier-Verlag</h3>
<p>Christoph Blochers SVP hat in den letzten Jahren jene Funktion eingenommen, die in anderen Ländern die nationale Boulevardzeitung übernimmt, die Schweiz ist auch hier ein Sonderfall. Denn die jahrzehntelange Weigerung der Ringier-Führung, eine Boulevardzeitung zu machen, welche die tatsächlichen Ängste und Probleme in der Unter- und Mittelschicht aufnimmt und diskutiert, ist zu einem guten Teil mitverantwortlich für den Aufstieg von Blochers SVP und nun eben auch für die «Blocher-Medien». Die Ringier-Führung unter Michael Ringier und Frank A. Meyer verhält sich vorgeblich <a href="https://medienwoche.ch/2013/12/05/koenigshaus-der-anstaendigen/">«anständig»</a> &#8211; tatsächlich aber ist sie abgehoben und verkehrt vornehmlich in ausgewählten Kreisen von wichtigen und vermögenden Leuten, ist unterwegs in Villen und Luxuswohnungen, reist mit Privatjets, isst an exklusiven Dinners, diskutiert in verschwiegenen Zirkeln. Nie ist sie da, wo das Volk verkehrt: nicht in Beizen, nicht an Dorffesten, nicht in Fabriken. Es scheint manchmal fast, als wären sogar die eigenen Journalisten der Ringier-Führung zu viel Volk. Am liebsten bliebe sie ganz unter sich und ihresgleichen.</p>
<p>Was der «Blick» seit der 1986 zu Ende gegangenen Ära Übersax unterlassen hat, hat die SVP gemacht, Boulevard mit Kampfbegriffen: Scheininvalide, Sozialschmarotzer, Kuscheljustiz, Schweizervolk, Heimatmüde, Linke, Nette &#8211; solche Begriffe wurden von der SVP in den Diskurs eingebracht oder zumindest von ihr gepusht. Die Leitfigur der SVP, Christoph Blocher, ist dafür massgeblich verantwortlich. Mit untrüglichem Themengespür hat er die Schweizer Journalisten in den letzten Jahren vor sich her getrieben &#8211; und sie sind ihm, bockig oder nicht, irgendwann nachgetrottet, und sahen sich gezwungen, seine Inputs aufzunehmen. Sein bisheriger journalistischer Verdienst ist es, die meist in homogenen Gruppen verkehrenden Journalisten mit den Bedürfnissen und Problemen der einfacheren Leute konfrontiert zu haben.</p>
<p>Wer sich empört, dass Blocher mehr direkten Einfluss auf Medien anstrebt und erhält, blendet komplett aus, dass die Medien bisher auch politisch waren und es nach wie vor sind. Die Titel des Ringier-Verlags werden seit Jahrzehnten auf einer konservativ-sozialdemokratischen Linie gehalten. Das Leitmedium der Tamedia, der Tages-Anzeiger, wird geführt von einem ehemaligen Linksradikalen, der auch dann keinerlei Veranlassung verspürt, irgendetwas zu seinen extremen Wurzeln zu sagen, wenn er <a href="https://medienwoche.ch/2013/02/18/sorry-not-me/">im Zentrum einer öffentlichen Debatte</a> steht. Überhaupt sind die meisten Journalisten nach den verfügbaren Befragungen <a href="https://medienwoche.ch/2012/10/29/mein-schatz-hats-gruen-so-gern/">den Grünen und den Sozialdemokraten zugewandt</a> und eher selten mit jenen Parteien verbunden, die von der Mehrheit des Volks unterstützt werden. Von einer ausgewogenen oder wenigstens unvoreingenommenen Behandlung der SVP und von Christoph Blocher in den letzten Jahrzehnten kann keine Rede sein.</p>
<h3>Wende des Blocher-Bilds</h3>
<p>Bis noch vor wenigen Jahren war es unter Journalisten völlig unbestritten, contra Blocher zu sein, dessen SVP bei Parlamentswahlen seit 1999 stets die erfolgreichste Schweizer Partei ist. Eine andere Haltung an den Tag gelegt haben zuvor nur wenige, so der Schaffhauser Verleger Norbert Neininger, der schon 1992 die Position von Blocher zur EWR-Abstimmung teilte. Geändert hat das Roger Köppel im Jahr 2000. Im Juni veröffentlichte er im «Magazin» ein Gespräch von über 25 000 Zeichen Länge, in dem er mit Christoph Blocher über «die Geheimnisse der Menschenführung» sprach («Hätten Sie Ihre Familie dem Unternehmen geopfert?» &#8211; «Das habe ich mir mehrmals überlegt»). Wenige Monate später verkündete er dann «Das Ende der SVP» («Der schleichende Abgang des grossen Vorsitzenden Christoph Blocher hat den Weg frei gemacht für Gestalten wie den Zürcher VPM-Konservativen Ulrich Schlüer, der die Ideale einer Schweiz vor fünfzig Jahren eruiert &#8211; und keiner (ausser Filippo Leutenegger) hört hin») Warum? Weil er «offenbar noch nicht den Mut hatte, ohne Verrenkungen die SVP zu loben» &#8211; so jedenfalls erklärte er seine Fehleinschätzung im <a href="https://medienwoche.ch/2011/11/25/ich-misstraue-der-masse/">MEDIENWOCHE-Interview 2011</a>.</p>
<p>Markus Somms Beziehung zu Blocher begann mit dessen Gastbeitrag «Gesundet der Freisinn mit der Swissair?» im März 2001 im Tages-Anzeiger («Wie ist es fast unbemerkt geschehen, dass die FDP-Politiker zwar theoretisch jahrelang ihr grundsätzliches liberales Denken, die Freiheit der Bürger und die Selbstverantwortung anpriesen, aber im politischen Alltag das Gegenteil taten?»). Bundeshausredaktor Somm konnte ihn gegen den Widerstand anderer Journalisten auf Seite 2 veröffentlichen &#8211; was damals eine grössere Debatte auslöste. Sein damaliger Vorgesetzter, Urs Buess, erinnert sich so: «Als Tagi-Volontär, -Inlandredaktor und -Bundeshauskorrespondent ist er zwar durchaus als ideenreicher, wirbliger, gescheiter und spannender Kollege aufgefallen, aber im damaligen Ressort stand er doch so ziemlich am rechten Rand.» Nach eigenen Angaben politisch entscheidend für das bekennende FDP-Mitglied Somm war der beginnende Dialog mit Mitstudenten während seines Studiums an der Harvard-Universität («Master of Public Administration (MPA) an der John F. Kennedy School of Government», Abschluss im Juni 2003).</p>
<p>Bald schon besetzten die beiden gemeinsam Neuland: Die Weltwoche unter der Führung von Köppel und und seinem Stellvertreter Somm (bis 2010) ortete erfolgreich Tabuthemen, die andere Medien aktiv mieden und verschwiegen. Es war die Zeit, als die Weltwoche das spannendeste Medienprodukt der Schweiz war, als man jede Woche wartete auf den neuen Titel, auf die neuen Geschichten.</p>
<p>Somm ist gerade mal 5 Tage älter als Köppel. Vom Äusseren abgesehen unterscheiden sich die Söhne eines CEOs (<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Edwin_Somm">Edwin Somm</a>) und eines Bauunternehmers wenig. Sie arbeiten viel, sie haben eine Familie mit vielen Kindern, sie wohnen am Zürichsee und sie sind in ihren Grundhaltungen fast ununterscheidbar. Wöchentlich wenden sich Köppel (Editorial, 6000 Zeichen) und Somm (Leitartikel, 10 000 Zeichen) in bester Meinungsblogger-Manier mit einer kleinen Predigt zur Lage von sich selbst bzw. der Nation an die Öffentlichkeit. Mit den beim Publikum sehr beliebten und meistens lesenswerten Monologen geben sie ihren Blättern ein Gesicht, eine Haltung, eine Ausrichtung.</p>
<h3>Wiederholungen</h3>
<p>Inzwischen sind die Weltwoche und die Basler Zeitung dem gealterten Blocher näher denn je. Unverrückbar in den Grundpositionen wiederholen sie sich in einer Endlosschlaufe. Während das Weltwoche-Cover in den besten Jahren der Ära Köppel/Somm echte Überraschung und Gedankenanstoss sein konnte, ist es in der Ära Köppel/Gut oft keine Überraschung mehr, und wenn, dann im Negativen (so das Roma-Cover oder das Mohammed/Jesus-Cover). Statt Überraschung und Gedankenanstoss regiert Wiederholung, Wiederholung, Wiederholung. Was einer Partei, die Propaganda für ihre Anliegen machen will, gut steht, ist in journalistischen Produkten äusserst ermüdend.</p>
<p>Und dann ist da das von Norbert Neininger gegründete «Tele Blocher»: Finanziell ist Christoph Blocher nicht daran beteiligt, er hat sich lediglich die Namensrechte gesichert. Dennoch ist es das Blocher-Medium schlechthin. Der Name der Sendung ist Programm und Matthias Ackeret, so sehr er in seiner Rolle als Sidekick aufgeht, muss sich den Vorwurf, nicht mehr zu sein als genau das, gefallen lassen. Denn es geht in der Sendung nun mal 0 Prozent um Ackeret &#8211; und 100 Prozent um Blocher. In der Regel läuft eine Folge Tele Blocher so ab: Ackeret führt den Talk ein mit den Ereignissen der Woche, und behauptet dann nicht selten, es sei wieder «Blocher-Zeit». Blocher geht in der Folge halbwegs auf die aktuellen Themen ein, lenkt dann seine Rede aber sehr rasch auf seine ewigen Lieblingsthemen und wiederholt seine Haltung zur Unabhängigkeit der Schweiz, zur Beziehung zur Europäischen Union und zur Weltfremdheit der «Classe Politique» (welcher der Milliardär als Bundesrat bis vor Kurzem noch selbst angehört hatte). Ackeret stellt zwischendurch schon mal eine kritische Frage oder macht Blocher auf falsche Fakten aufmerksam, in aller Regel gefallen sich aber beide in der Verklärung von Blocher als «Jahrhundertpolitiker» und als generell aufregender Mensch. Dem von Ackeret verantworteten «Persönlich» scheint die enge Bindung an Blocher nicht sehr zu beeinflussen, auch wenn dort Blocher- und Schawinski-Medien stets eine besondere Aufmerksamkeit erlangen.</p>
<p>Die Konzeption der Sendung spricht nicht für das intellektuelle Selbstbewusstsein von Tele-Blocher-Erfinder Neininger, schliesslich könnte es ja auch eine Sendung sein, in der ein Journalist und ein Politiker auf Augenhöhe diskutieren. Auf Anfrage schreibt er: «Das ist keine Diskussionssendung, sondern ein Interview, bei dem es Matthias Ackeret während nunmehr sieben Jahren gelungen ist und gelingt, die Ansichten Christoph Blocher und auch seine Person dem Zuschauer zu zeigen.» Blocher habe lediglich die Form eines Gesprächs vorgeschlagen, aufgrund seines damals übervollen Terminkalenders. «Meine Idee war es, einen wöchentlichen Kommentar Christoph Blochers zum Geschehen zu veröffentlichen. Warum Blocher? Weil er etwas zu sagen hat. Dann bot sich das damals noch wenig benutzte Medium Internetfernsehen geradezu an. Darüber hinaus wollte ich auch unser Buch – ‹das Blocher Prinzip› – bekannt machen, ohne dafür grössere Mittel einsetzen zu müssen.»</p>
<h3>Internet-Verweigerung</h3>
<p>Selbst wenn «Tele Blocher» sich als TV-Format im Internet etabliert hat: die ganz grosse Schwäche von Blocher, Köppel, Somm, Ackeret, Gut und ihren Mitstreitern ist, dass sie glauben, sich nicht mit den neuen Themen beschäftigen zu müssen, welche die technische Entwicklung vorgibt. Was ein Frank Schirrmacher eingesehen hatte und dann mit Vollgas bewirtschaftete, nämlich die grundlegenden Veränderungen, die sich rund um das Internet und andere technische Neuerungen vollziehen, ignorieren diese Herren standhaft. Sie glauben tatsächlich, sich irgendwie bis zum eigenen Tod durchmogeln zu können, ohne sich je ernsthaft mit dem Internet zu beschäftigen. Man glaubt und hofft, das Geschäftsmodell der gedruckten Presse halte noch, bis man selbst aus der Verantwortung entlassen wird. Möglich, dass dem so ist &#8211; aber was ist das für eine verantwortungslose Haltung? Die gleichen Leute, die uns täglich beschwören, die einzigartigen Errungenschaften der Schweiz zu erhalten, legen eine «Nach-uns-die-Sintflut»-Haltung an den Tag, wenn es um die Zukunft des Journalismus und der vieler anderer Branchen geht?</p>
<p>Oder bedeutet «konservativ» sein etwa, sich nicht mit neuen Technologien zu beschäftigen und ein altes Geschäftsmodell, das mal funktioniert hat, totzureiten? Dass Blocher, Somm, Köppel, Bollmann, Ackeret und viele weitere keine Ahnung vom Internet haben und auch keine davon gewinnen wollen, ist intellektuell fragwürdig und unternehmerisch grobfahrlässig. Sie verhalten sich wie Kutschen-Hersteller, die es nicht wagen, ein Auto zu besteigen geschweige denn eins zu bauen. Dem Internet stehen sie gegenüber wie der katholische Klerus des 15. Jahrhunderts den damals neuen Druckerzeugnissen der Protestanten &#8211; <a href="https://www.youtube.com/watch?v=OGCt49BWVRE">so jedenfalls erklärte es</a> Peter Sloterdijk vor einiger Zeit dem NZZ-Chefredaktor.</p>
<h3>Die Nähe zur Macht</h3>
<p>Ackeret, Köppel, Somm &#8211; sie alle scharen sich um die Macht, denn Blocher verkörpert echte Macht: Nicht nur ist er finanziell sehr potent und damit echt unabhängig, er ist auch der unbestrittene Anführer der Opposition in der Schweiz. Anders als ein Gregor Gysi, der in Deutschland die herrschende Klasse mit Bundestagsreden foppt und sonst mehr oder weniger wirkungslos bleibt, kann ein Christoph Blocher gemeinsam mit assoziierten Organisationen Volksabstimmungen gewinnen &#8211; und so die Verfassung ändern und echte nationale Veränderungen auslösen, die mitunter starke internationale Auswirkungen nach sich ziehen. Blochers Status als geistiger Führer der grössten Partei ist unbestritten. Seine grosse Stärke, das ausdauernde Beharren auf Positionen, die er als richtig erkannt hat, ist gleichzeitig auch seine grosse Schwäche, die vor allem jetzt im Alter zum Problem wird.</p>
<p>Die Beziehung von Blocher zu den Exponenten der «Blocher-Medien» könnte man auch sehen als die eines Vaters zu seinen ihn verehrenden Söhnen. Und da gibt es auch Konkurrenz: Welchem von ihnen widmet er mehr Aufmerksamkeit, mit welchem verbringt er mehr Zeit? Welche Artikel hat er gelesen und schlimmer: welche nicht? Und wer nur wird eines Tages den Hof übernehmen? Die Jünger drängen sich um den Guru, der zwar jede Höfelei und Frömmlerei verabscheut, dessen Ego jedoch die Aufmerksamkeit einsaugt wie ein Dauerkiffer den Joint. Es möge uns nach seinem Tod dann wenigstens die Gründung einer Religion erspart bleiben.</p>
<p><small>Offenlegung: Ronnie Grob hat bisher mehrere Beiträge in der Basler Zeitung und in der Weltwoche veröffentlicht. Sie wurden angemessen vergütet, die Zusammenarbeit war stets erfreulich und verlief ohne jegliche inhaltlich-politische Einflussnahme.<br />
Inputs zur Serie erhalten wir gerne in den Kommentaren oder <a href="https://medienwoche.ch/uber-uns/personen/">per E-Mail</a>.</small></p>
<p><small><b>Übersicht der <a href="https://medienwoche.ch/tag/blocher-medien-2014/">Serie zu den «Blocher-Medien»</a>:</b><br />
1. Teil: <a href="medienwoche.ch/2014/10/15/schlachtplan-zufall/">Schlachtplan Zufall</a><br />
2. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/10/22/unter-dem-guru-von-herrliberg/">Unter dem Guru von Herrliberg</a><br />
3. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/10/29/der-provokateur/">Der Provokateur</a><br />
4. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/04/es-braucht-wieder-fakten/">Es braucht wieder Fakten</a><br />
5. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/12/politiker-der-redaktion/">Politiker der Redaktion</a><br />
6. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/19/fuer-partei-und-vaterland/">Für Partei und Vaterland</a><br />
7. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/26/sicherheit-in-statistiken/">Sicherheit in Statistiken</a><br />
8. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/12/03/sie-sind-klein-und-sie-sind-ueberall/">Sie sind klein und sie sind überall</a></small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/10/22/unter-dem-guru-von-herrliberg-2/">Unter dem Guru von Herrliberg</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://medienwoche.ch/2014/10/22/unter-dem-guru-von-herrliberg-2/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>8</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Schlachtplan Zufall</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2014/10/15/schlachtplan-zufall/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2014/10/15/schlachtplan-zufall/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 Oct 2014 10:40:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Print]]></category>
		<category><![CDATA[Mathias Döpfner]]></category>
		<category><![CDATA[Christoph Blocher]]></category>
		<category><![CDATA[Blocher-Medien 2014]]></category>
		<category><![CDATA[Transparenz]]></category>
		<category><![CDATA[BZM]]></category>
		<category><![CDATA[Christoph Keese]]></category>
		<category><![CDATA[Basler Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Printverlage]]></category>
		<category><![CDATA[Rolf Bollmann]]></category>
		<category><![CDATA[Roger Köppel]]></category>
		<category><![CDATA[Weltwoche]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=21253</guid>

					<description><![CDATA[<p>Als Anteilseigner der Basler Zeitung ist Christoph Blocher seit Mitte 2014 offiziell ein Zeitungsverleger. Auch wenn sein Einstieg in die Medien von vielen Rückschlägen begleitet und mehr zufällig erfolgt als sorgfältig geplant war, bahnt sich der Wille, Schweizer Medien zu beherrschen und zu beeinflussen, einen Weg. Als roter Faden zieht sich die konsequente Vermeidung von <a href="https://medienwoche.ch/2014/10/15/schlachtplan-zufall/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/10/15/schlachtplan-zufall/">Schlachtplan Zufall</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Als Anteilseigner der Basler Zeitung ist Christoph Blocher seit Mitte 2014 offiziell ein Zeitungsverleger. Auch wenn sein Einstieg in die Medien von vielen Rückschlägen begleitet und mehr zufällig erfolgt als sorgfältig geplant war, bahnt sich der Wille, Schweizer Medien zu beherrschen und zu beeinflussen, einen Weg. Als roter Faden zieht sich die konsequente Vermeidung von Transparenz durch die bisherigen Aktivitäten; eine fragwürdige Vorgehensweise in einer Branche, deren Produkt die Schaffung von Transparenz ist. Teil 1 unserer <a href="https://medienwoche.ch/tag/blocher-medien-2014/">Serie zu den «Blocher-Medien» und ihren Exponenten</a>.<br />
<span id="more-21253"></span></p>
<div align="right">
<h2>«Ein Parteiführer und Milliardär lässt im Geheimen seine Tochter eine Zeitung kaufen und schiebt gegenüber der Öffentlichkeit einen Flugunternehmer als Besitzer vor und gegenüber den Banken den ehemaligen Chef einer Grossbank. Und all das, um seinen Biographen als Chefredaktor einzusetzen. Das ist eine Geschichte, die klingt wie aus Russland. So etwas tun Oligarchen.»</p>
<p>Constantin Seibt in einer auf Einladung der Medienvielfalt Holding AG gehaltenen <a href="http://blog.tagesanzeiger.ch/deadline/index.php/1769/presse-demokratie-und-meinung-eine-rede-vor-den-aktionaren-und-freunden-der-basler-zeitung/">Rede</a> 2012.</h2>
</div>
<p></p>
<p><em>«Ich lese Organe der Blocher-Presse, die vor Fremdenfeindlichkeit strotzen» &#8211; dieser Satz von Martin Schulz am 9. Februar 2014 gegenüber <a href="http://www.nzz.ch/nzzas/nzz-am-sonntag/christoph-blocher-ist-ein-cleverle-1.18239039">der NZZ am Sonntag</a> ist der Auslöser für die hier beginnende <a href="https://medienwoche.ch/tag/blocher-medien-2014/">Serie</a>. Denn offenbar existiert eine «Blocher-Presse», gibt es «Blocher-Medien», von denen zwar der Präsident des Europäischen Parlaments weiss, aber nicht die breite Öffentlichkeit. Zeit für eine Untersuchung also, welchen Einfluss Blocher hat auf Journalisten und was es bedeutet, dass er eine traditionsreiche Tageszeitung unter seine Kontrolle gebracht hat.</em></p>
<p>Was eine Strategie ist, das weiss Christoph Blocher ganz genau, nämlich «ein genauer Plan zur Erreichung eines Ziels unter Einschluss sämtlicher Faktoren, die der Zielerreichung entgegenwirken können» («Das Blocher-Prinzip», Seite 89). Auch Roger Köppel weiss es: «Was ist eine Strategie? ­Eine Strategie ist ein präziser Plan zur Er­reichung eines vorher festgesetzten Ziels», <a href="http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2014-09/editorial-titel-die-weltwoche-ausgabe-092014.html">schreibt er</a>; schliesslich hat ihm das Blocher in einem <a href="http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2012-49/burkhalter-weiss-nicht-was-er-will-die-weltwoche-ausgabe-492012.html">Interview</a> aus dem Duden zitiert.</p>
<p>Um so verwundernswerter ist es, wie unvorbereitet der Unternehmer und Ex-Bundesrat ins Mediengeschäft gestolpert ist, wie plump er versucht hat, undurchsichtig zu bleiben. Hat es eine Strategie zur Übernahme der Basler Zeitung gegeben, dann muss sie so ausgesehen haben:</p>
<ol>
<li>Zeitung unter Kontrolle bringen</li>
<li>Die realen Machtverhältnisse über viele Monate hinweg leugnen</li>
<li>Konkurrenzierende Medienhäuser dazu spekulieren lassen</li>
<li>Die Wahrheit per Salami-Taktik ans Licht kommen lassen</li>
<li>Die realen Machtverhältnisse am Ende nur unzureichend transparent machen</li>
</ol>
<p>Ein doch sehr erstaunlicher Einstieg in das Geschäft mit dem Journalismus, dessen Rückgrat das Bemühen ist, die Wahrheit herauszufinden und die damit gewonnene Glaubwürdigkeit. Der «Schweizer Journalist» erklärte deshalb dem Unternehmer in Ausgabe 8-9/2014, er würde «das Geschäftsmodell der Medien nicht verstehen», das heisse nämlich am Ende Transparenz:</p>
<blockquote><p>«Blocher hat seine Lektion noch nicht gelernt, dabei wäre es auch aus wirtschaftlichen Gründen besser, reinen Tisch zu machen. Seit dem Verkauf der BaZ 2010 an rechtsbürgerliche Kreise hat nichts dem Blatt so sehr geschadet wie das Wirrwarr um die Besitzverhältnisse, über die Blocher die Öffentlichkeit lange hinters Licht geführt hat.»</p></blockquote>
<h3>Medien nach eigenem Gusto</h3>
<p>Den Erfolg, eine der bekannteren Schweizer Zeitungen zu besitzen und sie nicht einem der Grossverlage zu überlassen, hat Blocher zu einem hohen Preis erkauft. Einerseits hat er am Ende sehr viel für das Produkt bezahlt, auch weil er sich mutmasslich hat täuschen lassen über den tatsächlichen Zustand des Unternehmens (siehe dazu das <a href="https://medienwoche.ch/2014/02/12/die-unabhaengigkeit-vom-werbemarkt-ist-der-traum-aller-verleger/">MEDIENWOCHE-Interview mit CEO Rolf Bollmann</a>). Andererseits hat die unausgegegorene Strategie unmässig viele Abonnenten vertrieben. Die Auflage brach von 83 773 verkauften Exemplaren 2010 über 30 Prozent ein auf verkaufte 57 647 Exemplare 2013.</p>
<p>Im Nachhinein zu analysieren, was alles falsch gemacht wurde, ist zugegebenermassen simpel. Es ist wahrscheinlich, dass auch anders gewählte Einstiege von Blocher ins Zeitungsgeschäft nicht reibungslos verlaufen wären. Doch hier liegt das Problem der Investments: Weil man sich offenbar nicht zutraut, ein Medienprodukt zu lancieren, das ausreichend Publikum anzieht, um Wirkung zu entfalten, versucht man, bestehende Produkte zu übernehmen und inhaltlich neu, also nach eigenem Gusto, auszurichten. Ein solches Vorgehen lässt viele Beobachter vermuten, dass hier unter dem Deckmantel etablierter Marken Propaganda betrieben und mit Geld eine politische Ausrichtung erkauft wird.</p>
<div style="border: 1px solid #dddddd; margin: 3px 0px 10px 10px; padding: 7px; background: #ececec none repeat scroll 0% 0%; float: right; font-size: 0.9em; width: 147px; line-height: 1.3em; color: #4382cf;">Was sind die<br /> <a href="https://medienwoche.ch/tag/blocher-medien-2014/"><strong><big>«Blocher-Medien»</big></strong></a><br />
&#8211; und wer gehört dazu? Retten sie den Journalismus oder schaffen sie ihn ab, geht es um <strong>Information oder Propaganda</strong>? Die MEDIENWOCHE beleuchtet in einer Serie Persönlichkeiten und Medien, die in einer Beziehung mit dem Politiker und Unternehmer <strong>Christoph Blocher</strong> stehen.</div>
<h3>Erfüllung des Auftrags</h3>
<p>Ein weiteres Problem von Blocher in der Medienbranche ist, dass er nichts anderes kennt und akzeptieren will als Untergegebene, die zu führen und zu kontrollieren sind. Doch im Journalismus geht es anders als in jeder anderen Branche um Transparenz und um Augenhöhe. Wird der Journalist zum nicht mehr reflektierenden Befehlsempfänger, so hört er auf, Journalist zu sein, so einfach ist das. In einer Partei oder einem Unternehmen kann eine unreflektierte Gefolgschaft per Befehl geführt werden, doch im Journalismus ist das ein schwieriges Unterfangen. Blocher ist nicht der erste und nicht der letzte Verleger, der damit umgehen muss, dass freie Geister sehr viel Spielraum benötigen, um den von ihm ausgegebenen Auftrag, wie auch immer er lautet, erfüllen zu können. Ein Auftrag? Ja, ein Auftrag. Im Führungssystem von Blocher geht es immer um den Auftrag, so steht es auf Seite 29 im «Blocher-Prinzip», dem von Matthias Ackeret niedergeschriebenen Blocher-Führungsbuch:</p>
<blockquote><p>Wer führt und Verantwortung trägt, hat stets nach dem Auftrag zu fragen: nach dem Auftrag, in einer ganz bestimmten Sache an einem ganz bestimmten Ort zu einer ganz bestimmten Zeit etwas ganz Bestimmtes zu tun, um etwas ganz Bestimmtes zu erreichen. Zweck der Führung ist, den Auftrag zu erfüllen.</p></blockquote>
<p>Stellt Blocher einen Auftrag an die von ihm finanzierten Medien? Offiziell ist nicht bekannt, in welcher Höhe Geld fliesst, ob es einen Auftrag gibt und wie dieser lautet. Aber bedingungsloses Geld erhält niemand, und schon gar nicht von einem mit allen Wassern gewaschenen Unternehmer wie Blocher. In der normalen Privatwirtschaft mögen solche Fragestellungen als Geschäftsgeheimnis durchgehen, aber im Journalismus ist die Frage nach der Abhängigkeit und der Unabhängigkeit die allerwichtigste. Denn wenn Journalisten einen Auftrag erfüllen müssen, der darüber hinausgeht, unvoreingenommen die Wahrheit zu berichten, dann muss die Öffentlichkeit darüber Bescheid wissen. Ist das nicht der Fall, dann sind die Zweifel an der Unabhängigkeit der mit Blocher verbandelten Medien folgerichtig.</p>
<h3>Transparenz</h3>
<p>Mit Transparenz wären viele dieser Zweifel zu zerstreuen. Doch wenn es eine Linie gibt in der bisherigen Geschichte der «Blocher-Medien», dann ist es die konsequente Vermeidung von Transparenz. Diese Strategie, wenn es denn eine ist und nicht nur ein dem Unwillen verschuldeter Zufall, fördert alle Zweifel an den guten Absichten, die möglicherweise hinter dem Einstieg von Blocher stecken. Will Blocher ernsthaft im Journalismus mittun und sich als Retter oder Ermöglicher von journalistischen Produkten feiern lassen, so muss er &#8211; so mein Rat &#8211; möglichst alles klar und nachvollziehbar machen. Öffentlich werden muss:</p>
<ol>
<li>Die Besitzverhältnisse der Medienprodukte</li>
<li>Den an die Verleger und Journalisten gestellten Auftrag</li>
<li>Die Abhängigkeiten, Verpflichtungen, Haltungen und Interessen der Verleger und aller journalistischen Mitarbeiter</li>
</ol>
<p>Werden hier nicht andere Massstäbe angelegt als an die Konkurrenz? Ja. Aber überrascht es denn, dass die Öffentlichkeit an einen Unternehmer und Politiker, der die öffentliche Debatte der letzten Jahrzehnte wesentlich geprägt hat, sehr viel höhere Transparenz-Ansprüche stellt als an etablierte Verlegerfamilien und Medienkonzerne? Wer keine anderen Ziele hat als die Produktion von wertvollem Journalismus, wird keine Mühe haben, die Antworten zu diesen Fragen offenzulegen.</p>
<h3>Journalisten als Unternehmer</h3>
<p>Das Bestreben von Investoren wie Christoph Blocher oder Tito Tettamanti, Journalisten zu eigenständigen Unternehmern zu machen, ist sehr begrüssenswert. Es ist unverständlich, weshalb eine solche Idee bei anderen Journalisten auf Ablehnung stösst, während sie gleichzeitig beklagen, dass Grossverlage wie Tamedia nur noch nach rein kommerziellen Aspekten agieren. Aber, um mal innezuhalten: Ist es denn nicht so, dass selbst grosse Verleger und Unternehmer wie Axel Springer oder Rudolf Augstein das Glück hatten, in einer Zeit zu wirtschaften, als die Lizenz als Printverleger auch eine Lizenz zum Gelddrucken war? Das Betreiben vieler Zeitungen war während Jahrzehnten ein No-Brainer-Geschäftsmodell, in dem auch ein Kartoffelsack an der Spitze Rendite gemacht hätte. Deshalb ist es doch auch immer wieder allerliebst, wenn sich Leute, die ein todsicheres Geschäft betreiben, als geniale Unternehmer oder CEOs feiern. Im Internet wird bisher mit E-Commerce (Amazon, Alibaba) oder Abonnements / Flatrates (Spotify, Netflix) Geld verdient, doch die einträglichen Internet-Geschäftsmodelle sind bisher am Journalismus vorbeigegangen. Vielleicht ist die Zeit des profitablen Journalismus für immer vorbei, vielleicht aber wird sich in den nächsten Jahren ein (Abonnement-)Modell etablieren, wie es die gedruckten Zeitungen etabliert hatten.</p>
<p>Als kapitalistisch orientierte Menschen sind die Verleger der «Blocher-Medien» nach wie vor überzeugt, dass guter Journalismus nur entstehen kann unter dem Druck des Markts. Weltwoche-Medienkolumnist Kurt W. Zimmermann <a href="https://medienwoche.ch/2014/01/01/wir-hatten-zeit-und-wir-hatten-geld/">sagt im MEDIENWOCHE-Interview</a>: «Sobald der Erfolgsdruck ausgehebelt wird, geht die Dynamik weg, vor allem im Mediengeschäft.» Ich glaube das nicht. Dass eine Weltwoche in den letzten Jahren mit kleinem Team grosse Aufmerksamkeit erzeugt hat, liegt zu einem guten Teil an Roger Köppel, der als unermüdlicher Antreiber seine Mitarbeiter zu Höchstleistungen gebracht hatte. So wenig wie ein Köppel ausschliesslich aus finanziellen Gründen angetrieben wird, so wenig ist finanzielle Absicherung ein Hindernis, grossartige Werke zu erschaffen. Dass in vielen Schweizer Medien eine <a href="http://netzwertig.com/2007/02/08/krawallblogger-niklaus-meienberg/">«gförchige Langeweile»</a> vorherrscht, liegt an der Durchschnittlichkeit und der Angepasstheit jener, die von Verlagschefs in Chefpositionen gehievt werden, an der fehlenden helvetischen Streit- und Debattierkultur und an der Genügsamkeit vieler hiesiger Journalisten.</p>
<h3>Schönwetter-Liberalismus</h3>
<p>Doch werden die Verleger der «Blocher-Medien» ihre wettbewerbsfreundliche, kapitalistische Haltung beibehalten, wenn ihnen das traditionelle Geschäftsmodell abhandenkommt, was in Zukunft zu erwarten sein wird? Werden sie sich der Gruppe der durch <a href="http://www.bakom.admin.ch/themen/radio_tv/marktuebersicht/radio_lokal/index.html?lang=de">Radio-</a> und <a href="http://www.bakom.admin.ch/themen/radio_tv/marktuebersicht/tv_lokal_regional/index.html?lang=de">TV-Gebührengelder</a> subventionierten Verlage wie der Südostschweiz Medien oder den AZ Medien anschliessen? Oder werden sie sich wie Mathias Döpfner, der CEO der Axel Springer AG, als eine Art Schönwetter-Liberale outen, die Markt dann gut finden, wenn sie selbst am Markt gewinnen? Zur Erinnerung: Der kluge Döpfner, der den anderen Printverlegern als eine Art letztmöglicher Messias dient, liess, als Suchmaschinen plötzlich mehr Werbegelder abgreifen konnten als seine Firma, seine Mitarbeiter für ein absurdes <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Leistungsschutzrecht_f%C3%BCr_Presseverleger">Leistungsschutzrecht</a> lobbyieren und reichte gemeinsam mit anderen Verlegern eine <a href="http://www.handelsblatt.com/unternehmen/it-medien/verleger-gegen-google-kartellamtsbeschwerde-geht-nach-bruessel/6254170.html">Kartellamtsbeschwerde</a> bei der Europäischen Kommission ein wegen angeblicher Verletzung des Kartellrechts durch die von den Marktteilnehmern mehrheitlich bevorzugten Suchmaschine Google. Überhaupt scheint sich bei Springer vieles geändert zu haben: Christoph Keese, Konzerngeschäftsführer «Public Affairs», erklärte kürzlich gegenüber dem ehemaligen Zentralorgan der FDJ, <a href="https://www.jungewelt.de/kultur-medien/%C2%BBliebe-ist-kein-algorithmus%C2%AB">der «jungen Welt»</a>, er habe sich «immer auch als eine Art Linker verstanden». Den Gedanken an eine demokratische Planwirtschaft hält Keese für «verlockend und nachvollziehbar»: «Es könnte tatsächlich sein, dass die sozialistische Planwirtschaft an der damals noch nicht vorhandenen Technologie gescheitert ist und dass eine neue Planwirtschaft unter digitalen Vorzeichen möglich wäre.»</p>
<p>Kommt erst mal eine heftige Rezession, werden auch die finanziell verwöhnten, <a href="https://medienwoche.ch/2013/09/26/die-party-ist-noch-nicht-vorbei/">sich jährlich in Luxushotels treffenden</a> Schweizer Printverleger so richtig unter Druck geraten. Werbeetats werden zuerst gekürzt, und es ist auch anzunehmen, dass Zeitungsleser, bevor sie verhungern oder die Wohnung kündigen, die Zeitung abbestellen und sich kostenlos oder kostengünstig im Internet informieren werden. Betriebswirtschaftlich haben Blocher und Bollmann mit der Reduktion von aufgeblasenen Verlagsstrukturen auf das Hauptprodukt, die Zeitung, gute Arbeit geleistet. Andere Medienmanager haben diese notwendigen Sanierungen noch vor sich.</p>
<p>Im <a href="https://medienwoche.ch/2013/04/15/ich-kritisiere-die-journalisten-weil-sie-wichtig-sind/">MEDIENWOCHE-Interview</a> sagte Christoph Blocher, dass er selbst wohl kein Journalist sein könnte, er aber eine grosse Achtung vor dem wichtigen und schwierigen Beruf des Journalisten hätte. Bisher sieht es eher so aus, als würde Blocher jene Journalisten schätzen, die seine Positionen vertreten. Und damit wäre er unter Politikern nicht der Einzige. Michael Spreng, Chefredaktor der «Bild am Sonntag» von 1989 bis 2000, schreibt im Blogbeitrag <a href="http://www.sprengsatz.de/?p=3686">«Kohlianer»</a>:</p>
<blockquote><p>Von Helmut Kohl ist bekannt, dass er nur zwei Sorten von Menschen kannte: diejenigen, die für ihn, und diejenigen, die gegen ihn waren. So teilte er auch Journalisten ein. Sein Verhältnis zur Pressefreiheit war ein rein instrumentelles: ein guter Journalist war derjenige, der sich von ihm instrumentalisieren liess.</p></blockquote>
<p><small>Offenlegung: Ronnie Grob hat bisher mehrere Beiträge in der Basler Zeitung und in der Weltwoche veröffentlicht. Sie wurden angemessen vergütet, die Zusammenarbeit war stets erfreulich und verlief ohne jegliche inhaltlich-politische Einflussnahme.<br />
Inputs zur Serie erhalten wir gerne in den Kommentaren oder <a href="https://medienwoche.ch/uber-uns/personen/">per E-Mail</a>.</small></p>
<p><small><b>Übersicht der <a href="https://medienwoche.ch/tag/blocher-medien-2014/">Serie zu den «Blocher-Medien»</a>:</b><br />
1. Teil: <a href="medienwoche.ch/2014/10/15/schlachtplan-zufall/">Schlachtplan Zufall</a><br />
2. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/10/22/unter-dem-guru-von-herrliberg/">Unter dem Guru von Herrliberg</a><br />
3. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/10/29/der-provokateur/">Der Provokateur</a><br />
4. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/04/es-braucht-wieder-fakten/">Es braucht wieder Fakten</a><br />
5. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/12/politiker-der-redaktion/">Politiker der Redaktion</a><br />
6. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/19/fuer-partei-und-vaterland/">Für Partei und Vaterland</a><br />
7. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/26/sicherheit-in-statistiken/">Sicherheit in Statistiken</a><br />
8. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/12/03/sie-sind-klein-und-sie-sind-ueberall/">Sie sind klein und sie sind überall</a></small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/10/15/schlachtplan-zufall/">Schlachtplan Zufall</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://medienwoche.ch/2014/10/15/schlachtplan-zufall/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>2</slash:comments>
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
