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	<title>Der Bund | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
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		<title>Isabelle Jacobi: «Niemand weiss, wie es den Bezahlmedien in zehn Jahren geht»</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 08 Nov 2022 11:03:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Der Bund]]></category>
		<category><![CDATA[Isabelle Jacobi]]></category>
		<category><![CDATA[Berner Modell]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mit Isabelle Jacobi hat die Tageszeitung Der Bund erstmals eine Chefredaktorin. Wie viel Bund will und kann sie ein Jahr nach der Fusion mit der Berner Zeitung erhalten?</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Mit Isabelle Jacobi hat die Tageszeitung Der Bund erstmals eine Chefredaktorin. Wie viel Bund will und kann sie ein Jahr nach der Fusion mit der Berner Zeitung erhalten?</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2022/11/08/isabelle-jacobi-niemand-weiss-wie-es-den-bezahlmedien-in-zehn-jahren-geht/">Isabelle Jacobi: «Niemand weiss, wie es den Bezahlmedien in zehn Jahren geht»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Berner Modell 2.0 oder eine Kompromisslinie über den «Gölä-Graben»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2021/09/07/berner-modell-2-0-oder-eine-kompromisslinie-ueber-den-goelae-graben/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Sep 2021 14:20:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Der Bund]]></category>
		<category><![CDATA[Berner Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Simon Bärtschi]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In Bern versucht man sich an der Quadratur des Kreises: Tamedia führt die so ungleichen Redaktionen von «Bund» und «Berner Zeitung» zusammen. Das geht eigentlich nicht, muss nun aber trotzdem irgendwie funktionieren. Einblick in einen heiklen Transformationsprozess. Noch führt kein Weg über den «Gölä-Graben». Wenn der «Bund» über den Büezer-Barden schreibt, dann ist schon mal <a href="https://medienwoche.ch/2021/09/07/berner-modell-2-0-oder-eine-kompromisslinie-ueber-den-goelae-graben/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>In Bern versucht man sich an der Quadratur des Kreises: Tamedia führt die so ungleichen Redaktionen von «Bund» und «Berner Zeitung» zusammen. Das geht eigentlich nicht, muss nun aber trotzdem irgendwie funktionieren. Einblick in einen heiklen Transformationsprozess.</strong><br />
<img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-90871" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/09/MW-Goelae-Graben-BZ-der-Bund-20210907.jpg" alt="" width="1456" height="976" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/09/MW-Goelae-Graben-BZ-der-Bund-20210907.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/09/MW-Goelae-Graben-BZ-der-Bund-20210907-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/09/MW-Goelae-Graben-BZ-der-Bund-20210907-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/09/MW-Goelae-Graben-BZ-der-Bund-20210907-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/09/MW-Goelae-Graben-BZ-der-Bund-20210907-470x315.jpg 470w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
Noch führt kein Weg über den «Gölä-Graben». Wenn der «Bund» über den Büezer-Barden schreibt, dann ist schon mal von einem «Machwerk» oder von einer «grobschlächtigen Gesinnung» die Rede. Die «Berner Zeitung» dagegen würdigt die Gesangskunst von Marco Pfeuti nüchtern und neutral mit Sätzen, wie: «Zu Göläs Grundhaltung passt die Idealisierung vermeintlich besserer Zeiten.»</p>
<p>Beide Zeitungen erfüllen mit ihrer Art, den Mundartsänger zu würdigen, die Erwartungen ihres Publikums. Und die liegen – nicht nur in diesem Punkt – weit auseinander. Wenn schon bald nur noch eine einzige Kulturredaktion für beide Publika berichtet, dann muss sie sich auf eine «Kompromisslinie» einigen. Man wolle darum erproben, «ob Klischees und Schärfen in kritischen Texten ev. dosierter eingesetzt werden können». Gleichzeitig solle aber kein «standardisierter verwässerter Journalismus entstehen». So steht es in einem umfassenden Dokument, das den Stand der Dinge zur anstehenden Redaktionsfusion von «Bund» und «Berner Zeitung» festhält. Die MEDIENWOCHE hat Einblick in die 60 Seiten.<br />
</p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/2019/04/15/ohne-geheimrezept-in-die-digitale-zukunft-simon-baertschi-zu-seinem-neuen-job-als-bz-chefredaktor/">Simon Bärtschi</a>, amtierender BZ-Chefredaktor und designierter Chef der neuen Einheitsredaktion, betont den «Bottom-Up»-Charakter des Fusionsprozesses. «Wir haben aus der Vergangenheit gelernt», sagt Bärtschi im Gespräch mit der MEDIENWOCHE. Als die überregionale Berichterstattung der «Berner Zeitung» vor rund vier Jahren innerhalb von Tamedia neu organisiert wurde, hätten sie Fehler gemacht, weil sie zu wenig miteinander gesprochen und die Entscheide nur «Top down» auf der Chefebene getroffen hatten. «Wir arbeiten jetzt enger zusammen, reden jetzt viel systematischer zusammen, etwa über Tonalität oder Arbeitsabläufe der neuen Redaktion», so Bärtschi.</p>
<blockquote><p>Man ist sich näher, als die gegenseitig gut gehegten Vorurteile all die Jahre glauben liessen.</p></blockquote>
<p>Überhaupt wird derzeit viel geredet im Berner Tamedia-Gebäude am Nordring. Schliesslich geht es um einiges. Das neue Berner Modell soll möglichst lange Bestand halten und Ruhe in den Betrieb bringen. Je erfolgreicher sich damit «Bund» und BZ verkaufen lassen, desto länger dauert es bis zum nächsten Abbauschritt. Unter diesen Vorzeichen mussten sich die beiden Redaktionen wohl oder übel zusammenraufen. Leute, die sich im Treppenhaus bisher nicht grüssten, sitzen nun gemeinsam in Arbeitsgruppen. Aus Konkurrentinnen werden Kolleginnen. Wie man auf beiden Seiten vernimmt, funktioniert das ganz gut. Einigermassen überrascht stellen manche BZ- und «Bund»-Journalisten fest: Man ist sich näher, als die gegenseitig gut gehegten Vorurteile all die Jahre glauben liessen.</p>

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<p>Lange Zeit galt es in Bern als schlicht unvorstellbar, dass die Redaktionen von «Bund» und «Berner Zeitung» einmal <a href="https://medienwoche.ch/2021/04/09/seit-jahren-befuerchtet-jetzt-eine-tatsache-bund-und-berner-zeitung-fusioniert/">zusammenspannen</a> würden. Doch die wirtschaftliche Entwicklung des Zeitungsgeschäfts und die Geschäftspolitik Tamedias zwingen einen nun, sich das Unvorstellbare doch vorzustellen. Ab Oktober gibt es für die lokale und regionale Berichterstattung der beiden Berner Titel nur noch eine einzige Redaktion; alle anderen Inhalte kommen bereits heute aus der Tamedia-Zentralredaktion. Die Massnahme soll zum <a href="https://www.bernerzeitung.ch/bezahlmedien-schreiben-im-ersten-halbjahr-verlust-354393246545" target="_blank" rel="noopener">Sparziel von 70 Millionen Franken</a> beitragen, das Tamedia sämtlichen Unternehmensbereichen vor einem Jahr verordnet hat. Alternativen zu diesem drastischen Schritt boten sich unter den gegebenen Sparbedingungen nicht. Zwei separate Lokalredaktionen liessen sich nicht mehr vernünftig weiterbetreiben mit den noch vorhandenen Ressourcen.</p>
<blockquote><p>In der Regel muss jeder Text in beide Titel passen. Das gebieten schlicht die noch vorhandenen redaktionellen Ressourcen.</p></blockquote>
<p>Seit der Gründung der BZ 1979 steht die Zeitungen in direkter Konkurrenz mit dem 1850 gegründeten «Bund». Selbst als die Blätter 2007 unter das gleiche Verlagsdach rückten, blieben die beiden Redaktionen unabhängig («Berner Modell»). Bis zum letzten Tag vor dem Redaktionszusammenschluss im kommenden Oktober werden sich «Bund» und BZ einen Wettbewerb um die besten Geschichten liefern und sich in Abgrenzung zum Mitbewerber profilieren. Entsprechend unterschiedlich liest sich bis heute die regionale und lokale Berichterstattung der beiden Zeitungen. Und ebenso unterschiedlich sieht das Publikum aus. Während das Gros der «Bund»-Leserschaft in der Stadt Bern wohnt und entsprechend stärker links-urban geprägt ist, erreicht die BZ mit ihren Regionalausgaben die Fläche des gesamten Kantons Bern.</p>
<p>Zwar wird es auch in Zukunft möglich sein, einzelne Artikel exklusiv in der einen oder anderen Zeitung (respektive App oder Website) zu platzieren, die ja als Marken weiterbestehen. Aber in der Regel muss jeder Text in beide Titel passen. Das gebieten schlicht die noch vorhandenen redaktionellen Ressourcen.</p>
<p>Der «Bund» kann sein bisheriges Profil mit einem stärkeren Fokus auf Inland, Ausland, Gesellschaft und Kultur insofern weiter pflegen, als dass er wie bisher mehr Artikel bei der Tamedia-Zentralredaktion bezieht als die BZ. Diese bleibt ihrem Leitspruch «Immer die Region zuerst» treu und präsentiert ihre umfassendere Regionalberichterstattung prominenter.</p>
<blockquote><p>Der Kompromiss droht das politisch-publizistische Profil des «Bund» zu verwässern, der vom Publikum weiterhin als selbständiger Titel wahrgenommen werden möchte.</p></blockquote>
<p>Im laufenden Transformationsprozess muss die neue Einheitsredaktion, die da entsteht, eine gemeinsame Sprache finden. Wie sie den «Gölä-Graben» mit einer «Kompromisslinie» überwinden will, so sucht sie auch bei der Politik- und der Regionalberichterstattung nach Mittelwegen. Etwa bei der publizistischen Begleitung der dominanten rot-grünen Politik in der Stadt Bern. «Der Bund verfolgt die rot-grüne Mehrheitspolitik systematisch kritisch, obwohl sein Lesepublikum vor allem rot-grün tickt», hält die Arbeitsgruppe «Storytelling &amp; Sound» fest. Die BZ dagegen schreibe heute «eher situativ kritisch als systematisch kritisch» und hinterfrage die rot-grüne Mehrheit «nicht systematisch». Der naheliegende Kompromiss: «Die fusionierte Redaktion kritisiert nicht nur systematisch die rot-grüne Mehrheit, sondern auch die bürgerliche Opposition.» Das dürfte zwar jene linken «Bund»-Leserinnen und -Leser besänftigen, die sich bisher regelmässig ob der teils überkritischen Berichterstattung an Rot-Grün enervierten. Aber gleichzeitig droht dieser Kompromiss das politisch-publizistische Profil des «Bund» zu verwässern, der vom Publikum weiterhin als selbständiger Titel wahrgenommen werden möchte.</p>
<p>Als weitere Knacknuss erweist sich die regionale Berichterstattung. Auch hier verfolgten die beiden Berner Tamedia-Zeitungen bisher unterschiedliche Ansätze: Während die BZ bislang ausreichend Ressourcen und Personal hatte, um zumindest punktuell aus der «Nahperspektive» zu berichten, liefert der «Bund» sparbedingt schon heute nur noch Artikel aus der «Überfliegerperspektive». Dieser breitere Blickwinkel, der nicht allein das aktuelle Ereignis ins Zentrum der Berichterstattung stellt, sondern stets Kontext und Hintergrundinformation mitliefert, wird künftig die Norm sein. Um ein möglichst breites Publikum anzusprechen, sollen die Geschichten «exemplarisch, emotional, personalisiert» erzählt werden.</p>
<p>Wenn der kommerzielle Erfolg davon abhängt, dass möglichst viele Artikel von möglichst vielen Leuten möglichst lange gelesen werden, dann hat die Ereignisberichterstattung von Gemeindeversammlungen oder Sportanlässen nur noch dann eine Berechtigung, wenn sie wesentlich mehr Leute anspricht als nur jene, die selbst an der Veranstaltung waren.</p>
<blockquote><p>Den Matchbericht vom Erstliga-Fussballspiel aus der Region liest man künftig nicht mehr in der «Berner Zeitung».</p></blockquote>
<p>Darum wird die neue «Bund»/BZ-Redaktion auch keinen Regionalsport in Form von Ereignisberichterstattung mehr bringen. Zwei Redaktoren hat Tamedia gekündigt, einer reduzierte sein Pensum freiwillig. Ihr Know-how ist nicht mehr gefragt. Vorschau und Matchbericht vom Erstliga-Fussballspiel aus der Region liest man künftig nicht mehr in der «Berner Zeitung». «Das heisst natürlich nicht, dass regionaler Sport künftig keine Rolle mehr spielt», sagt Simon Bärtschi. Aber auch beim Sport gilt die Vorgabe: Artikel müssen exemplarisch, emotional und personalisiert sein, damit sie ein breiteres Publikum finden, idealerweise auch ausserhalb der Region. Bärtschi nennt als gelungenes Beispiel das Porträt einer Bodybuilderin aus Lyss im Berner Seeland, das auch in allen Tamedia-Titeln der Deutschschweiz veröffentlicht und gut gelesen wurde.</p>
<p>In dieser breiteren Fokussierung der Regionalberichterstattung sieht Bärtschi einen «Wendepunkt des Journalismus». Ihm ist aber auch bewusst, dass es ein Teil der Protagonistinnen und Protagonisten als Verlust wahrnimmt, wenn weniger über sie berichtet wird. Auch darum machten sich Bärtschi und die Tamedia-Leitung seit dem Frühling auf eine Tour durch den Kanton Bern und erklärten Politikerinnen und Verbänden, was zu erwarten sei, wenn hinter «Bund» und BZ nur noch eine Redaktion steht. «Es wurde positiv wahrgenommen, dass wir so offen reden», erinnert sich Bärtschi. Ob der positive Eindruck bestehen bleibt, wenn ab Oktober die beiden Zeitungen neu aufgestellt sind, steht auf einem anderen Blatt.</p>
<p>Auch wenn es gelingen sollte, die unterschiedlichen Profile der beiden Medienmarken zu erhalten, ja sogar die Qualität zu verbessern, bleibt unter dem Strich ein elementarer Verlust: Bern verliert schon bald eine von bisher zwei unabhängigen publizistischen Stimmen. Der Wettbewerb, den liberale Stimmen, als die sich «Bund» und BZ sehen, stets hochhalten, spielt nicht mehr. Umso wichtiger, dass neue, <a href="https://neuerjournalismus.be/" target="_blank" rel="noopener">unabhängige Projekte</a> versuchen in die Bresche zu springen, um das Defizit wettzumachen.</p>
<p>Bild: Keystone</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/09/07/berner-modell-2-0-oder-eine-kompromisslinie-ueber-den-goelae-graben/">Berner Modell 2.0 oder eine Kompromisslinie über den «Gölä-Graben»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Rüstungsreport, «Bund»-Chefredaktor, SRF&#160;@&#160;Facebook</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2021/08/27/ruestungsreport-bund-chefredaktor-srf-facebook/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 Aug 2021 17:29:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Facebook]]></category>
		<category><![CDATA[Patrick Feuz]]></category>
		<category><![CDATA[SRF]]></category>
		<category><![CDATA[Der Bund]]></category>
		<category><![CDATA[WOZ]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>The Good – Teure und wichtige Transparenz Anstatt mit Kühen und Käse posiert der Appenzeller Senn mit Geldscheinen, Gewehren und Granaten. So harmlos wie die Illustration aussieht, so brisant liest sich der Inhalt des Rüstungsreports. Die «Wochenzeitung» WOZ wollte in ihrer Recherche «wissen, welche Schweizer Firmen mit welchen Produkten im Rüstungsgeschäft sind». Das erklärten die <a href="https://medienwoche.ch/2021/08/27/ruestungsreport-bund-chefredaktor-srf-facebook/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/08/27/ruestungsreport-bund-chefredaktor-srf-facebook/">Rüstungsreport, «Bund»-Chefredaktor, SRF @ Facebook</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-90606" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/08/MW-Good-Bad-Ugly-20210828b.jpg" alt="" width="1456" height="488" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/08/MW-Good-Bad-Ugly-20210828b.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/08/MW-Good-Bad-Ugly-20210828b-300x101.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/08/MW-Good-Bad-Ugly-20210828b-768x257.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/08/MW-Good-Bad-Ugly-20210828b-1024x343.jpg 1024w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /></p>
<h3>The Good – Teure und wichtige Transparenz</h3>
<p>Anstatt mit Kühen und Käse posiert der Appenzeller Senn mit Geldscheinen, Gewehren und Granaten. So harmlos wie die Illustration aussieht, so brisant liest sich der Inhalt des <a href="https://www.xn--rstungsreport-wob.ch/" target="_blank" rel="noopener">Rüstungsreports</a>. Die «Wochenzeitung» WOZ wollte in ihrer Recherche «wissen, welche Schweizer Firmen mit welchen Produkten im Rüstungsgeschäft sind». Das erklärten die Autoren am Mittwoch anlässlich einer Online-Präsentation.</p>
<p>Das ist einfacher gesagt als getan. Nur mit viel Geld und Geduld und dem Gang vor Gericht schafften es die Journalisten, dass das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco die gesuchten Daten der heimischen Rüstungsbranche zusammentrug und aushändigte. Letzte Woche hat die WOZ die Ausgabe des Rüstungsreports für 2020 veröffentlicht – und will die Recherche fortan jährlich aufdatieren.</p>
<p>Das geschieht auf einer Online-Plattform. Frei zugänglich bereit stehen dort sowohl die aufbereiteten Daten und deren journalistische Interpretation wie auch die Rohdaten für vertiefende Recherchen durch Dritte. «Der Rüstungsreport sollte zum Standard werden, wie international über den Waffenhandel berichtet wird», zitiert die WOZ <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Andrew_Feinstein" target="_blank" rel="noopener">Andrew Feinstein</a>, Autor eines Standardwerks zum internationalen Waffengeschäft («Waffenhandel. Das globale Geschäft mit dem Tod»).</p>
<h3>The Bad – Verlust für Bern und Tamedia</h3>
<p>Die Kündigung passt nicht ins Drehbuch. Kontinuität wäre wichtig bei diesem Umbruch, von dem das Publikum möglichst nichts mitkriegen sollte. Doch nun hat Patrick Feuz die anstehende Zusammenführung der Redaktionen von «Bund» und «Berner Zeitung» zum Anlass genommen, die <a href="https://www.tamedia.ch/de/unternehmen/newsroom/medienmitteilungen/patrick-feuz-verlaesst-den-bund" target="_blank" rel="noopener">«Bund»-Chefredaktion abzugeben</a>. Das ist ein grosser Verlust für Bern und für Tamedia. In der künftigen Einheitsredaktion, die ab 1. Oktober 2021 beide Berner Blätter befüllt, wäre Feuz die Rolle zugekommen, die «Bund»-DNA gegen innen und aussen zu bewahren.</p>
<p>Doch nun hat sich der 54-jährige Journalist nach 30 Jahren als Lokal-, Inland-, Bundeshaus- und Chefredaktor entschieden, den «Bund» und den Journalismus zu verlassen. Was er künftig machen wird, könne er noch nicht sagen. Nur so viel: «Ich habe verschiedene attraktive Möglichkeiten», sagte Feuz gegenüber der MEDIENWOCHE.</p>
<p>In seiner langen Zeit beim «Bund» prägte der ausgebildete Historiker das Blatt massgeblich. Auch wenn er mit seinen bürgerlich-liberalen Kommentaren regelmässig den Ärger der rot-grünen Leserschaft auf sich zog, blieb er wegen seiner Sachlichkeit und Nüchternheit ein geschätzter Journalist. Tamedia-intern verschaffte sich Feuz über die Jahre eine gewichtige Stimme, auf die auch der Verleger hörte.</p>
<p>Die Redaktionen von «Bund» und «Tages-Anzeiger», die seit 2009 zusammenarbeiten, fanden mit «paf» zu mehr bernischer Gelassenheit und weniger Zürcher Aufgeregtheit. Entsprechend bedauern viele Kolleginnen und Kollegen in Bern und Zürich seinen Abgang.</p>
<h3>The Ugly – SRF hält User auf Facebook fest</h3>
<p>Es ist ein Ärgernis, aber ein gewolltes. Wer auf Facebook einen Post von SRF liest, findet sich nicht selten in einer Sackgasse wieder. Kein Link führt weg von Facebook auf srf.ch. Stattdessen muss man sich mit Häppchen und Kurzfutter begnügen. «Beiträge auf Facebook werden selten mit einem Link versehen. Im Idealfall sollte der Kern einer Story aus dem jeweiligen Clip erkennbar sein», <a href="https://twitter.com/SRF/status/1421031985758212096" target="_blank" rel="noopener">beantwortet SRF</a> eine Anfrage zum Thema auf Twitter.</p>
<p>Wer aber nicht nur den Kern, sondern die ganze Story will, muss sich mühsam auf die Suche machen. Was aber spricht gegen eine konsequente Verlinkung? Facebook sieht es nicht gerne, wenn ein direkter Weg raus ins freie Netz führt; die User sollen auf der Plattform bleiben. Beiträge ohne Links, dafür mit Bild oder Video, honoriert Facebook dagegen mit grösserer Sichtbarkeit.</p>
<p>SRF verzichtet zwar nicht systematisch auf Links. Oft steht ein Verweis auf das eigene Webangebot im ersten Kommentar unter dem Posting; das scheint Facebook nicht abzustrafen. Auch klassische Link-Posts finden sich. Aber das macht die Sache nur bedingt besser. Schliesslich lautet einer der Grundsätze von SRF im Umgang mit Facebook &amp; Co., die «Nutzerinnen und Nutzer auf unsere eigenen Plattformen» zu ziehen mit exklusiven Angeboten.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/08/27/ruestungsreport-bund-chefredaktor-srf-facebook/">Rüstungsreport, «Bund»-Chefredaktor, SRF @ Facebook</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Nachruf auf den «Bund»: Herzliches Beileid, oder die besten Wünsche zur Hochzeit</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2021/05/25/nachruf-auf-den-bund-herzliches-beileid-oder-die-besten-wuensche-zur-hochzeit/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2021/05/25/nachruf-auf-den-bund-herzliches-beileid-oder-die-besten-wuensche-zur-hochzeit/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dieter Fahrer]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 25 May 2021 12:11:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Der Bund]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=88807</guid>

					<description><![CDATA[<p>Vor drei Jahren porträtierte der Berner Filmemacher Dieter Fahrer den «Bund» zusammen mit weiteren Schweizer Medien in seinem Film-Essay «Die Vierte Gewalt». Im kommenden Herbst legt Tamedia die Redaktion des «Bund»- mit jener der «Berner Zeitung» zusammen. Aus diesem Anlass hat Fahrer einen Nachruf auf sein Leibblatt verfasst. Als schon längst klar war, dass die <a href="https://medienwoche.ch/2021/05/25/nachruf-auf-den-bund-herzliches-beileid-oder-die-besten-wuensche-zur-hochzeit/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/05/25/nachruf-auf-den-bund-herzliches-beileid-oder-die-besten-wuensche-zur-hochzeit/">Nachruf auf den «Bund»: Herzliches Beileid, oder die besten Wünsche zur Hochzeit</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Vor drei Jahren porträtierte der Berner Filmemacher Dieter Fahrer den «Bund» zusammen mit weiteren Schweizer Medien in seinem Film-Essay «Die Vierte Gewalt». Im kommenden Herbst legt Tamedia die Redaktion des «Bund»- mit jener der «Berner Zeitung» zusammen. Aus diesem Anlass hat Fahrer einen Nachruf auf sein Leibblatt verfasst.</strong><br />
<img decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/05/MW-Nachruf-Der-Bund-20210525.jpg" alt="" width="1456" height="976" class="alignnone size-full wp-image-88808" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/05/MW-Nachruf-Der-Bund-20210525.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/05/MW-Nachruf-Der-Bund-20210525-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/05/MW-Nachruf-Der-Bund-20210525-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/05/MW-Nachruf-Der-Bund-20210525-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/05/MW-Nachruf-Der-Bund-20210525-470x315.jpg 470w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
<em>Als schon längst klar war, dass die Reise nur noch in eine Richtung gehen würde, klammerte sich die «Bund»-Redaktion selbst an den dünnsten Strohhalm. «Wir halten uns an die Hoffnung, dass irgendeinmal ein Türchen aufgeht, der Trend gebrochen wird oder dass es eine Wende gibt.» Mit diesem Worten beschrieb ein «Bund»-Redaktor vor vier Jahren seinen letzten Hoffnungsschimmer auf bessere Zeiten, als er für den Film <a href="https://vimeo.com/ondemand/dieviertegewalt" rel="noopener" target="_blank">«Die Vierte Gewalt»</a> Auskunft gab. </p>
<p>Regisseur <a href="https://balzli-fahrer.ch/" rel="noopener" target="_blank">Dieter Fahrer</a> zeigt in dem Dokumentarfilm seine persönliche Sicht auf die Medienkrise in der Schweiz. Neben dem «Echo der Zeit», «Watson» und der damals noch in der Entstehung befindlichen «Republik», galt Fahrers Augenmerk besonders dem Berner «Bund». </p>
<p>Mit dem Leibblatt seiner Eltern war er selbst aufgewachsen und blieb der Zeitung bis heute verbunden, als Abonnent, aber vor allem als Bürger, der informiert werden will.</p>
<p>Weil nun Tatsache ist, was alle längst erwartet haben und der «Bund» seine Selbständigkeit <a href="https://medienwoche.ch/2021/04/09/seit-jahren-befuerchtet-jetzt-eine-tatsache-bund-und-berner-zeitung-fusioniert/">vollends verliert</a>, nimmt das Fahrer zum Anlass für eine Nachruf. Doch so viel sei verraten: Einen endgültigen Trennstrich zieht er nicht. Denn die Hoffnung stirbt zuletzt.</em><br />
</p>
<p><strong>Nachruf auf die Tageszeitung «Der Bund» </strong><br />
Bern, im Mai 2021</p>
<p>Lieber «Bund»</p>
<p>Darf man einen Nachruf auf jemanden schreiben, der noch gar nicht offiziell gestorben ist? Ich bin unsicher, aber Du zwingst mich dazu.</p>
<p><strong>«DER BUND, ein neues politisches Journal»</strong><br />
Im Nachlass meiner Eltern, die Du in meinem Film «Die Vierte Gewalt» kennengelernt hast, habe ich eine Aquatinta der Stadt Bern aus Deinen Gründerjahren gefunden, eine idyllische Sicht vom Rosengarten aus über die Unterstadt, wo ich seit vielen Jahren zuhause bin. Diesen edlen Druck auf goldenem Hintergrund hast Du 1975 zu Deinem 125-Jahre-Jubiläum Deinen Lesern geschenkt (von Leserinnen war damals noch keine Rede) und mit ihnen Deine lange Geschichte gefeiert.</p>
<p>Deine Erstausgabe erschien 1850, nur zwei Jahre nach der Gründung des Bundesstaates, mit dem erklärten Ziel den demokratischen Diskurs im Land zu stärken. «DER BUND, ein neues politisches Journal», so hast Du Dich angekündigt.</p>
<p><strong>Ja, so war das damals</strong><br />
Ich kann Dir nur empfehlen die Jubiläumsausgabe vom 5. Oktober 1975 durchzublättern. Sie enthält nicht nur 42 Seiten (!) der Tagesausgabe, sondern zusätzlich 74 Seiten aus den 125 Jahren Deines Erscheinens. Im Editorial formuliert der damalige Chefredaktor <a href="https://www.derbund.ch/zeitungen/stadt-region-bern/leitfigur-der-zeitungsbranche/story/13861327" rel="noopener" target="_blank">Paul Schaffroth</a> das «Bund»-Credo: «DER BUND, das heisst, die Menschen, die für ihn, an ihm arbeiten, wollen nicht einem Selbstzweck dienen, noch mit der Zeitung, die sie täglich dem Leser übergeben, nur einem Streben nach materiellem Gewinn nachgehen.»</p>
<p>Schaffroth zitiert in der Folge aus der Festschrift von Max Grütter, die dieser zum grossen 100-Jahre-Jubiläum verfasst hatte. Dieser Text liest sich heute wie ein schlechter Witz:</p>
<p>«DER BUND gehörte nie andern als sich selber. Keine Wirtschaftsgruppe, kein Verband, keine Partner, keine Behörde haben im BUND-Haus irgendein Mitspracherecht. (…) Die offenen klaren Besitzverhältnisse sind auch in Zukunft eine Garantie für das Weiterbestehen der finanziellen Unabhängigkeit und damit für die Erhaltung des liberalen Standortes des BUND».</p>
<p>Ja, so war das damals.</p>
<p><strong>Die Goldenen Jahre</strong><br />
Lass uns nochmals in der Jubiläumsausgabe vom 5. Oktober 1975 blättern: 125 Jahre Geschichte aus Berner Perspektive ziehen vorbei. In den ersten Jahren ist das Blatt noch sehr dünn, die Redaktion winzig klein, mit gerade mal 1000 Abonnenten. Doch schnell entwickelt sich «Der Bund» zu einer veritablen Zeitung, zu einer Informationsquelle, die aus der Bundesstadt nicht mehr wegzudenken ist.</p>
<p>Nach dem Zweiten Weltkrieg kommen goldene Jahre für die Verleger von Zeitungen und Magazinen. Der Markt für Inserate und Kleininserate boomt, genauso wie die Wirtschaft. Du wirst immer dicker, ebenso Deine Besitzer, die aber die Gewinne nicht nur in ihre Taschen stecken, sondern zum Beispiel einen feinen Feuilleton-Faszikel lancieren: «Der kleine Bund».</p>
<p>Über jene Jahre kursiert das Bonmot, dass die Journalisten (Journalistinnen gab es noch lange nur wenige) eigentlich nur für die Rückseite der Kleininserate schrieben, und dass man schon am Mittag im Restaurant eine Flasche Rotwein öffnete.</p>
<p>Lassen wir diese hübschen Anekdoten, über die Du sicher auch schmunzeln kannst. Lassen wir auch Deinen historischen Stolz, zum Beispiel darauf, dass Hitler höchstpersönlich den BUND im Deutschen Reich 1934 verboten hat, oder dass Du 1976 als erste Zeitung in Europa den Fotosatz eingeführt hast und schon 1983 das ganze Redaktionsteam am Bildschirm arbeitete.</p>
<p><strong>Der Kampf um Aufmerksamkeit</strong><br />
Mit dem Aufkommen des Internets änderte sich alles. Hatte man vor kurzem noch gewitzelt, dass nichts älter sei, als die Zeitung von gestern, so sah die gedruckte Zeitung von heute nun selber alt aus. Digitalisierung und Globalisierung führten zu einer Kulturrevolution, die alle Lebensbereiche zu durchdringen begann.</p>
<p>Im zunehmend globalisierten Kampf um Aufmerksamkeit kann sich niemand Unauffälligkeit leisten, das hast auch Du gemerkt, und Du hast wie viele Medien online damit begonnen, alles mit allem zu vermischen: Text, Fotografie, Grafik und Film, ein wildes Potpourri von Fragmenten. Ich befürchte, dass auf der Redaktion kaum je diskutiert wird, was ein Text gut kann, und was nicht, wodurch Fotografien sich auszeichnen, oder Fotoreportagen, die leider fast völlig verschwunden sind. Dafür wird jetzt vieles multimedial aufbereitet, mit peppigen Grafiken und Filmchen ohne Haltung, deshalb auch ohne Wertschätzung gegenüber den unterschiedlichen Möglichkeiten, die Film, Fotografie und Text uns bieten.</p>
<p><strong>Verleger als Vampire</strong><br />
(Was für ein reisserischer Zwischentitel, höre ich Dich murren, doch darüber solltest Du Dich nicht beklagen, denn das habe ich von Dir gelernt: Zuspitzung und emotionale Bildhaftigkeit erhöhen die Reichweite.)</p>
<p>Du hast viele Veränderungen erlebt, mehr erlitten als selbstbewusst gestaltet, auch aus «Sachzwängstlichkeit», und zu Vielem wurdest Du vom Zeitgeist und von den Verlegern gezwungen: Deine Besitzer, die Nase dicht auf der verführerischen Spur des Geldes, haben «Online First!» als ultimatives Gebot der Stunde erkannt: Da wollte man dabei sein, jetzt wo der Hochgeschwindigkeitskapitalismus so richtig Fahrt aufnahm! Und als die Werbung und die Kleininserate aus den gedruckten Zeitungen ins Internet abwanderten, lancierte man eigene Portale im Netz, kaufte Online-Börsen, Datenbanken und weitere Werbeträger, die sich als äusserst lukrativ erwiesen. Das war clever!</p>
<p>Die Zeitungsredaktionen jedoch, sie mussten Federn lassen, denn die Besitzer waren nicht mehr bereit auch nur einen Teil der Inseratengewinne in die Publizistik zu investieren – und sie stopfen sich auch weiterhin ungeniert ihre eigenen Taschen voll, mit Millionengewinnen, auch in Krisenzeiten wie jetzt. So wird Journalismus zum publizistischen Feigenblatt von Verlegern, die sich als Vampire gebärden.</p>
<p><strong>Aktualitätsneurose</strong><br />
Ich weiss, das ist alles sehr vereinfacht formuliert, und Du wirst wohl noch immer bekräftigen, dass der Journalismus in den letzten Jahrzehnten qualitativ besser wurde. Du wirst vermutlich auch Deine publizistischen Innovationen anpreisen, wie zum Beispiel den Einbezug der Leserschaft auf Deinem Portal und in den sozialen Medien. Aber weisst Du was: Mit diesem Stammtischgeplänkel kannst Du mich nicht begeistern, erst recht nicht, wenn ich daran denke, wieviel Geld und Arbeit in diese virtuellen Meinungs-Müllhalden investiert wird. Da machst Du es Dir zu einfach, denn einen Zugang zu Meinungsvielfalt erwarte ich nicht von Deinem Publikum, sondern von Dir: fundiert, präzise, vielfältig und so ausführlich, wie es sein muss.</p>
<p>Da seist Du teilweise schon mit mir einig, höre ich Dich munkeln, aber man habe halt nicht mehr so viel Zeit, schon gar nicht in der Regionalberichterstattung, die per se mit zu hohen Kosten verbunden sei. Aber man sei ja auch in anderen Bereichen äusserst innovativ, zum Beispiel. im Datenjournalismus, der &#8230;</p>
<p>Komm’ mir nicht mit Datenjournalismus, falle ich Dir ins Wort, und ich kann mich jetzt nicht mehr zurückhalten: Natürlich gab es in den letzten Jahren investigative Meisterleistungen, die ohne die Techniken des Datenjournalismus nicht möglich gewesen wären. Aber bitte, lass Dein Publikum mit dieser Datenschwemme in Ruhe. Schau Dir die Daten selber an, und gib uns dann Deine Analyse, gib Einblick in die Herkunft des Datenmaterials, reflektiere dessen Glaubwürdigkeit und Relevanz. Fakten sind etwas Wertvolles, weil sie Klarheit schaffen können, aber chronische Faktenflut bewirkt genau das Gegenteil: Sie fördert die Hysterie und die Aktualitätsneurose eines zunehmend verwirrten Publikums.</p>
<p><strong>Zwangsheirat</strong><br />
Diesen Herbst kommt es nun zur Zwangsheirat mit der «Berner Zeitung». Beklagen darfst Du Dich eigentlich nicht, denn Du hast viel zu lange viel zu wenig Widerstand geleistet, und in Deinem publizistischen Grundton auch stets Wirtschaftswachstum, Gewinnstreben und sich selbstregulierende Märkte hochgehalten.</p>
<p>Nun trifft es Dich selbst, denn Deine Besitzer dürfen tatsächlich mit Dir machen, was sie wollen, und das werden sie auch weiterhin tun, darauf kannst Du Gift nehmen, oder Druckerschwärze.</p>
<p>Und wenn der Verlag nun in säuselndem Ton von einer Traumhochzeit schwärmt, dann lügt er Dich und uns an, wie gedruckt, und er setzt einmal mehr die wichtigste Grundlage journalistischer Arbeit aufs Spiel: die Glaubwürdigkeit.</p>
<p>Herzliches Beileid, oder die besten Wünsche zur Hochzeit, was Du lieber hören magst, und in kritischer Verbundenheit, trotz allem</p>
<p>Dieter Fahrer</p>
<p>PS: Wenn Du glaubst, dass ich jetzt mein Abo kündigen werde, dann hast Du Dich getäuscht. So schnell wirst Du mich nicht los, doch ich begrüsse auch neue journalistische Initiativen in Bern, und ich werde sie unterstützen, so gut ich kann, denn guter Journalismus ist nie gratis, das wissen wir alle.</p>
<p><small>Diesen Text hat Dieter Fahrer zuerst auf Facebook geschrieben und dem «Bund» als Leserbrief zugestellt. Die Zeitung verzichtete aber auf eine Veröffentlichung.</a> </p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/05/25/nachruf-auf-den-bund-herzliches-beileid-oder-die-besten-wuensche-zur-hochzeit/">Nachruf auf den «Bund»: Herzliches Beileid, oder die besten Wünsche zur Hochzeit</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>«Mir geht es gegen den Strich, wenn Qualität geopfert wird ohne Not.»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2021/04/27/mark-balsiger-mir-geht-es-gegen-den-strich-wenn-qualitaet-geopfert-wird-ohne-not/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 27 Apr 2021 14:49:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Der Bund]]></category>
		<category><![CDATA[Berner Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Berner Modell]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In Bern tut sich was. Seit der Ankündigung von Tamedia, die Redaktionen von «Bund» und «Berner Zeitung» per 1. Oktober zusammenzulegen, grassiert das Gründungsfieber. Der Politikberater Mark Balsiger will mit der Bewegung Courage Civil ein Online-Magazin gründen und damit die Lücke füllen, welche die Fusion hinterlässt. Im Gespräch mit der MEDIENWOCHE erklärt Balsiger seine Motivation <a href="https://medienwoche.ch/2021/04/27/mark-balsiger-mir-geht-es-gegen-den-strich-wenn-qualitaet-geopfert-wird-ohne-not/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>In Bern tut sich was. Seit der Ankündigung von Tamedia, die Redaktionen von «Bund» und «Berner Zeitung» per 1. Oktober zusammenzulegen, grassiert das Gründungsfieber. Der Politikberater Mark Balsiger will mit der Bewegung Courage Civil ein Online-Magazin gründen und damit die Lücke füllen, welche die Fusion hinterlässt. Im Gespräch mit der MEDIENWOCHE erklärt Balsiger seine Motivation und warum er vorerst nicht mit anderen Projekten zusammenspannen will.</strong><br />
<img loading="lazy" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/04/MW-Mark-Balsiger-Interview-20210427.jpg" alt="" width="1456" height="976" class="alignnone size-full wp-image-88061" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/04/MW-Mark-Balsiger-Interview-20210427.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/04/MW-Mark-Balsiger-Interview-20210427-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/04/MW-Mark-Balsiger-Interview-20210427-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/04/MW-Mark-Balsiger-Interview-20210427-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/04/MW-Mark-Balsiger-Interview-20210427-470x315.jpg 470w" sizes="auto, (max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
Ein zweites Mal konnte der «Bund» nicht mehr gerettet werden. Schon <a href="https://medienwoche.ch/2021/04/09/seit-jahren-befuerchtet-jetzt-eine-tatsache-bund-und-berner-zeitung-fusioniert/">in ein paar Monaten</a> wird die traditionsreiche Tageszeitung nur noch als Hülle, als leere Marke weiterexistieren, abgefüllt von der gleichen Redaktion, die auch die langjährige Konkurrentin «Berner Zeitung» mit Beiträgen bestückt. Dass es irgendeinmal so weit kommen würde, daran zweifelte schon seit zwanzig Jahren niemand mehr. Bereits seit 14 Jahren ist klar, dass der Medienplatz Bern zu klein ist für zwei unabhängige Tageszeitungen. 2007 übernahm der damalige Verlag der «Berner Zeitung» die Geschäfte des Konkurrenzblatts «Der Bund». Die Redaktionen blieben vorerst voneinander unabhängig. Als ein Jahr später Tamedia das Zepter übernahm, plante der Zürcher Verlage den chronisch defizitären «Bund» einzustellen.</p>
<p>Dank dem Protest von 16’500 Personen kam es nicht so weit. Organisiert hatte die Kampagne zur Rettung des «Bund» der Politikberater und Kommunikationsspezialist Mark Balsiger. Er trommelte 2009 alles zusammen, was in Bern Rang und Namen hat, von Kuno Lauener bis Simonetta Sommaruga.</p>
<blockquote><p>Der öffentliche Druck führte schliesslich dazu, dass Tamedia den «Bund» als eigenständigen Titel weiterführte.</p></blockquote>
<p>Das Berner Blatt wurde an den «Tages-Anzeiger» angedockt und übernahm fortan einen Grossteil der Zeitung aus Zürich. Dieses kleine Wunder von Bern bleibt aber einmalig.</p>
<p>Im Vorfeld der nun beschlossenen Fusion der Redaktionen von «Bund» und «Berner Zeitung» gab es ausser vereinzelten kritischen Wortmeldungen keinen breiten Protest. Doch Mark Balsiger ist wieder aktiv. Allerdings nicht mehr als Zeitungsretter, sondern als Mediengründer. Anstelle des Komitees <a href="https://rettet-den-bund.ch/" rel="noopener" target="_blank">«Rettet den Bund»</a> tritt er diesmal mit der Bewegung <a href="https://www.courage-civil.ch/" rel="noopener" target="_blank">Courage Civil</a> an. Sie wollen die Lücke füllen, die der Zusammenschluss der Berner Lokalzeitungen hinterlässt. Aber sie sind nicht allein. Zwei weitere Projekte haben das Gleiche vor und wollen ebenfalls für Medienvielfalt auf dem Platz Bern sorgen. Mark Balsiger ist überzeugt, dass es am Ende nur Platz für ein neues Medium gibt, wie er im Gespräch mit der MEDIENWOCHE sagt. </p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Was Sie vor zwölf Jahren mit Ihrer Kampagne «Rettet den Bund» zu verhindern halfen, wird jetzt umgesetzt: Tamedia legt die Redaktionen von «Bund» und «Berner Zeitung» zusammen. Ist ihr erfolgreiches Engagement von damals im Rückblick ein Pyrrhussieg?</p>
</div><div class="answer"><h4>Mark Balsiger:</h4> <p>Unser Protest war mit ein Grund dafür, dass in den letzten zwölf Jahren ein qualitativ ansprechender «Bund» und eine «Berner Zeitung», die sich gemausert hat, herauskommen konnte. Allein deswegen hat sich unser Engagement gelohnt. Ausserdem konnten wir mit dem breit verankerten Protest, und das war «Rettet den Bund», einem machtbewussten Medienkonzern zeigen, dass er nicht einfach jede Stellschraube drehen kann, wie ihm beliebt.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Nun treten Sie wieder auf den Plan. Diesmal mit der von Ihnen initiierten Bewegung Courage Civil. Warum haben Sie nicht das Komitee «Rettet den Bund» reaktiviert?</p>
</div><div class="answer"><h4>Balsiger:</h4> <p>Vom harten Kern des damaligen OK bin nur noch ich übriggeblieben. Simonetta Sommaruga ist Bundesrätin und Christoph Stalder selig schaut uns von oben zu. Natürlich informierte ich die ehemaligen Mitglieder des Komitees «Rettet den Bund» schon vor Monaten. Dies weil ich ihnen 2009 versprochen hatte, mich zu melden, wenn sich wieder etwas Gravierendes tut auf dem Medienplatz Bern. Ein Teil von ihnen hat sich nun Courage Civil angeschlossen. Medienvielfalt ist ein Kernanliegen unserer Bewegung, die es seit 2018 gibt. Ihre DNA liegt im Abstimmungskampf gegen die «No Billag»-Initiative.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Courage Civil ist in der gesamten Deutschschweiz verankert und versteht sich als «Antwort auf Populismus und parteipolitisches Hickhack». Warum nun ein so starker Fokus auf die Mediensituation in Bern? Verstehen das die Zürcherinnen und Basler in Ihrer Organisation?</p>
</div><div class="answer"><h4>Balsiger:</h4> <p>Es gab selbstverständlich kritische Rückmeldungen zu diesem Engagement. Uns im Vorstand ist klar, dass wir weiterhin das grosse Ganze im Auge behalten müssen, auch wenn wir nun ein Projekt für ein Online-Magazin im Grossraum Bern entwickeln.</p>
<blockquote>
<p>Wir beobachten eine Aufbruchstimmung. In den Ballungsräumen der Deutschschweiz sind in den letzten Jahren neue Online-Medien entstanden.</p>
</blockquote>
<p>Da werden weitere dazukommen. Was sie machen, ist frisch. Und sie besetzen eine wichtige Nische. Diese Kleinen müssen sich besser vernetzen. Und in dieser Kette fehlt tatsächlich der Grossraum Bern noch. Was wir tun, hat also auch eine nationale Komponente.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>In Bern existiert seit 2012 das <a href="https://www.journal-b.ch/" rel="noopener" target="_blank">«Journal B»</a>. Warum zählen Sie das nicht zu diesen Neugründungen?</p>
</div><div class="answer"><h4>Balsiger:</h4> <p>«Journal B» war am Anfang ein hoffnungsvolles Projekt, musste aber bereits nach neun Monaten Betrieb die fünfköpfige Belegschaft wieder entlassen, weil das Geld ausgegangen war. Das bleibt haften. Nun einfach dort nochmals Geld und Substanz zu investieren, haben wir verworfen.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Dieses Scheitern liegt acht Jahre zurück. Seither berichtet «Journal B» kontinuierlich und vielfältig. Das allein kann nicht der Grund sein, warum Sie das Projekt in Ihren Überlegungen ignorieren.</p>
</div><div class="answer"><h4>Balsiger:</h4> <p>Es gibt tatsächlich einen zweiten Aspekt: «Journal B» war aus der rot-grünen Berner Bubble entstanden, aus einer Unzufriedenheit gegenüber der damaligen Berichterstattung von «Berner Zeitung» und «Bund», und es betrachtet Bern weiterhin aus linker Perspektive. Ein Beispiel: Letztes Jahr fanden in der Stadt Bern Wahlen statt. «Journal B» porträtierte neun Kandidierende, acht davon waren von rot-grünen Parteien.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Das spiegelt doch einfach die Kräfteverhältnisse in Bern als linkste Stadt der Schweiz.</p>
</div><div class="answer"><h4>Balsiger:</h4> <p>Okay, aber die Parteipresse ist tot. Aus unserer Umfrage zum Medienplatz Bern geht hervor, dass sich eine Mehrheit von 85 Prozent wünscht, alle Akteure mit derselben kritischen Distanz zu beobachten. Zwölf Prozent möchten das aus rot-grüner Perspektive, zwei Prozent aus bürgerlicher. Die Mehrheit der Teilnehmenden an der Umfrage verortet sich klar links oder links-liberal. Wir entwickeln unser Online-Magazin aus der Perspektive des Publikums.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Ein linkes Medium für die linke Stadt Bern könnte so falsch nicht sein.</p>
</div><div class="answer"><h4>Balsiger:</h4> <p>Wenn «Bund» und «Berner Zeitung» wirklich mit einer stramm bürgerlich redigierten und kommentierten Berichterstattung aufgefallen wären, dann hätte «Journal B» auch eher Erfolg gehabt. Aber das ist nicht der Fall. Die Realität ist die, dass die «Berner Zeitung» bis vor wenigen Jahren eine vor allem auf dem Land verankerte, bürgerliche Zeitung war. Aber das hat sich verändert. Auch in der BZ liest man linke Kommentare. Beim «Bund» ist alles möglich, von rechts der Mitte bis links der Mitte.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Woher rührt eigentlich Ihr Engagement für die Medienvielfalt in Bern?</p>
</div><div class="answer"><h4>Balsiger:</h4> <p>Mir geht es gegen den Strich, wenn Qualität geopfert wird ohne Not. Das passiert nicht nur im Medienbereich, egal ob es um die Rettung des «Bund», des <a href="https://www.wahlkampfblog.ch/das-polit-forum-kaefigturm-ist-gerettet/" rel="noopener" target="_blank">Polit-Forums Käfigturm</a> in Bern oder um <a href="https://sendeschluss-nein.ch/" rel="noopener" target="_blank">«No Billag»</a> geht.</p>
<blockquote>
<p>Wenn Medienvielfalt oder wichtige Institutionen zusammengeholzt werden sollen, werde ich zum Kämpfer.</p>
</blockquote>
<p>Im Grossraum Bern wird am 1. Oktober 2021 ein Medienmonopol installiert, eine Einheitsredaktion, auf der ein paar wenige Figuren entscheiden, was und wer Thema ist – und wer nicht. Ich finde das hochproblematisch, weil es an die Wurzeln der Demokratie geht. Dagegen anzutreten, das ist meine Bürgerpflicht.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Im Februar führte Courage Civil eine Umfrage durch, um herauszufinden, was für ein Angebot sich Mediennutzer:innen auf dem Platz Bern wünschen. Was sind die wichtigsten Ergebnisse?</p>
</div><div class="answer"><h4>Balsiger:</h4> <p>Die Auswertung ist noch nicht ganz abgeschlossen. Eine zentrale Erkenntnis: Die Bereitschaft ist gross, für guten Online-Journalismus im Grossraum Bern zu bezahlen. 65 Prozent, die an der Umfrage teilgenommen haben, antworteten so. Die Umfrage geht in die Tiefe. Wer teilnahm, wendete dafür gegen 15 Minuten auf. Deswegen sind 3000 Teilnehmende ein guter Wert. Es gibt ein grosses Bedürfnis nach Einordnung von politischen und gesellschaftlichen Themen, das rangiert zuoberst. Auf Platz zwei folgt die Kulturberichterstattung. Beides können «Bund» und «Berner Zeitung» heute nur noch beschränkt leisten, weil Tamedia ihre Redaktionen zu stark dezimiert hat. Da gibt es also ein Bedürfnis nach einer starken Alternative.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Aus diesen Ergebnissen hat Courage Civil bereits Schlüsse gezogen. «Das Konzept für ein Start-up liegt bereit», heisst es. Wie sieht dieses Konzept aus?</p>
</div><div class="answer"><h4>Balsiger:</h4> <p>Das Konzept dient dazu, mögliche Geldgeber zu überzeugen, also Mäzene, Stiftungen, Firmen und Einzelpersonen. Es analysiert die Ist-Situation des Medienplatzes Bern, fasst die wichtigsten Erkenntnisse aus der Umfrage zusammen und zeigt auf, weshalb es eine komplementäre Stimme, einen Monopolbrecher braucht.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Damit suchen Sie nun 4.5 Millionen Franken für ein Online-Magazin. Wie kommen Sie auf diesen Betrag?</p>
</div><div class="answer"><h4>Balsiger:</h4> <p>Wir haben lange abgewogen und gerechnet. Das ist ein sehr bescheidenes Budget. Wir sprechen von eineinhalb Millionen Franken pro Jahr. Das ist das absolute Minimum. Damit bewegen wir uns auf derselben Flughöhe wie «Bajour» in Basel.</p>
<blockquote>
<p>Drei Jahre lang hat unser neues Online-Magazin Zeit, sich zu profilieren und beim Publikum zu etablieren.</p>
</blockquote>
<p>Ausserdem kann man mit diesem Zeithorizont signalisieren, dass Angestellte eine Perspektive für mindestens drei Jahre hätten. Das ist sehr wichtig. Nur mit Top-Leuten und hungrigen Talenten haben wir eine Chance.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Angesichts der Fusion von «Bund» und «Berner Zeitung» hegen auch Andere Pläne, ein neues Lokalmedium zu gründen. Der Schaffhauser Verleger <a href="https://medienwoche.ch/2021/02/16/ein-verschwiegener-einzelkaempfer-will-bern-die-zeitungsvielfalt-zurueckgeben/">Norbert Bernhard</a> sucht Geld für eine Gratis- Tageszeitung und der Verein <a href="https://neuerjournalismus.be/" rel="noopener" target="_blank">Neuer Berner Journalismus NBJ</a> plant etwas Ähnliches wie Courage Civil. Warum nicht die Kräfte bündeln gegen die grosse Tamedia?</p>
</div><div class="answer"><h4>Balsiger:</h4> <p>Es gibt seit Monaten einen regelmässigen Austausch mit dem OK von NBJ. Mit Norbert Bernhard stehen wir per E-Mail in Kontakt. Wir von Courage Civil gehen schrittweise und pragmatisch vor. Zunächst machten wir diese Umfrage. Wir wurden komplett überrascht von der Resonanz, den Erwartungen, den Neueintritten. Darum stehen wir in der Pflicht, weiterhin eine aktive Rolle zu spielen. Was, wenn das Kollektiv Neuer Berner Journalismus auf der Strecke bleibt, weil es zu viel wollte? Was, wenn ein paar Schlüsselfiguren abspringen, weil sie andere Jobs antreten?</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Sie sehen das Risiko des Scheiterns nur bei den anderen?</p>
</div><div class="answer"><h4>Balsiger:</h4> <p>Das Risiko zu scheitern ist für alle hoch. Und deswegen ist es umso wichtiger, dass in der aktuellen Phase drei Projekte unabhängig voneinander unterwegs sind. Ich kann die Situation mit einem Bild verdeutlichen: Wir befinden uns auf einem langen anstrengenden Weg hinauf auf den Niesen. Ein Team startete in Frutigen, eines in Mülenen. Vielleicht gibt es weitere, die auf Ho-Chi-Minh-Pfaden unterwegs sind. Norbert Bernhard kommt mit dem Helikopter, weiss aber nicht, ob er landen kann. Wenn wir über der Baumgrenze angelangt sind und es erst recht anspruchsvoll wird, kommt vielleicht der Moment, wo wir uns vertieft austauschen müssen: Was sind eure Stärken, was sind unsere, wie verknüpfen wir sie? Spannen wir zusammen?</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Was ist, wenn alle auf den Gipfel hochwollen?</p>
</div><div class="answer"><h4>Balsiger:</h4> <p>Dann zeigt sich die Weisheit der entscheidenden Köpfe. Denn davon bin ich nun wirklich überzeugt: Es hat nur Platz für ein neues Medium. Auch wenn mehrere Projekte ausfinanziert sein sollten, bringt es nichts, wenn zwei oder drei starten. Dann muss man sich finden. Aber zum jetzigen Zeitpunkt ist das verfrüht.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Zwischen Courage Civil und dem Projekt NBJ gibt es gewisse Irritationen und Wahrnehmungsunterschiede. Wie nehmen Sie diese Spannungen wahr?</p>
</div><div class="answer"><h4>Balsiger:</h4> <p>Lassen Sie mich das mit einem Bild erklären: Während der Pandemie haben sich ein junger Mann und eine junge Frau kennengelernt. Auf ihren Spaziergängen der Aare entlang fanden sie heraus, dass sie beide auf dem Landweg nach Nepal wollen – ein abenteuerlicher Roadtrip. Über die Route und was sie im Himalaya machen wollen, sind sie sich allerdings nicht einig. Er hätte sich eine Beziehung gewünscht, sie hingegen – Courage Civil – will frei bleiben und kann sich die Reise auch mit jemandem sonst vorstellen. Kommunikation ist eine Herausforderung für die beiden jungen Leute – gerade mit der Maske im Gesicht ist es schwierig, alles richtig zu verstehen.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Bleibt es bei der Freundschaft oder wird daraus noch eine Beziehung?</p>
</div><div class="answer"><h4>Balsiger:</h4> <p>Es ist alles offen. Viel wichtiger ist, dass ein neues, solid abgesichertes und überzeugendes Medienprojekt an den Start gehen kann.</p>
<blockquote>
<p>Wenn ein anderes Projekt besser ist als unseres, unterstützen wir es.</p>
</blockquote>
<p>Der Knackpunkt für alle ist die Finanzierung. Noch hat sich die Einsicht nicht durchgesetzt, dass Lokaljournalismus am Abgrund steht. Für die Medienkonzerne ist er zu teuer geworden, weil er sich nicht skalieren lässt. Da sollten Stiftungen einspringen.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Nur Stiftungen oder auch der Staat?</p>
</div><div class="answer"><h4>Balsiger:</h4> <p>In meinem letzten Buch vertrat ich noch die Meinung, dass Medienförderung nicht zu den Kernaufgaben des Staats zählt. Wegen der dramatischen Erosion am Werbemarkt sehe ich das inzwischen anders. Das Medienförderungsgesetz, das bald vorliegt, macht einen tauglichen Eindruck. Es hätte allerdings stärker zugunsten der Kleinen ausgestaltet werden sollen, die Neues wagen.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Wenn es nach Ihren Vorstellungen geht, entsteht irgendwann ein neues Online-Magazin. Warum soll man das abonnieren? «Bund» und BZ werden ja nicht automatisch schlechter, nur weil sie fusionieren. Es steht dann einfach das Gleiche in beiden Blättern.</p>
</div><div class="answer"><h4>Balsiger:</h4> <p>Es gibt eine Schicht sehr interessierter Menschen im Grossraum Bern, die unzufrieden ist mit dem Angebot von «Bund» und «Berner Zeitung». Unser Potenzial umfasst etwa 35&#8217;000 Personen.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Und wofür sollen die genau zahlen?</p>
</div><div class="answer"><h4>Balsiger:</h4> <p>Wenn eine hoch motivierte Redaktion kritischen, aber fairen, faktenbasierten und nicht klickgetriebenen Journalismus bietet, findet das ein Publikum. Wenn ein kleines Team seine ganze Energie in gute Geschichten stecken kann, und diese gut erzählt, kann das neue Online-Magazin reüssieren. So wie die kleine Schweizer Redaktion der «Zeit», die seit Jahren Woche für Woche ausgezeichnete Stoffe liefert. Auf der Einheitsredaktion von Tamedia hingegen wird noch mehr koordiniert, noch mehr gesessen und noch mehr geschräubelt an knalligen Storys, damit sie möglichst viele Leute anklicken. Sie sind das Schmiermittel, um das Publikum zu den kommerziellen Angeboten zu lotsen – es geht primär um Klicks und Reichweite, nicht mehr um Information.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Sie rechnen auch damit, dass die künftigen Arbeitsbedingungen bei der Berner Tamedia-Redaktion negativ auf die Qualität abfärben?</p>
</div><div class="answer"><h4>Balsiger:</h4> <p>Es ist zu befürchten. Die allermeisten Journalistinnen und Journalisten machen ihren Job solide. Aber die Extrameile gehen sie nur noch selten, weil die Stimmung schlecht ist. Viele wollen abspringen. Bei diesem gewaltigen Change-Prozess sollen die Angestellten mitwirken, obwohl viele noch nicht wissen, ob sie überhaupt bleiben können.</p>
<blockquote>
<p>Für die Medienmanager der Tamedia sind die Redaktorinnen und Redaktoren Nummern, Kostenfaktoren.</p>
</blockquote>
<p>Wir wollen genau das Gegenteil: Perspektiven, ein motiviertes Team, in dem sich die Mitglieder gegenseitig anstacheln und unterstützen. Wenn Routiniers und junge Talente zusammenkommen, die jeden Tag mit dem Anspruch antreten, die beste Geschichte der Woche zu machen, dann wird das etwas.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Das klingt ein bisschen nach «Republik» im Lokalen.</p>
</div><div class="answer"><h4>Balsiger:</h4> <p>Die «Republik» hilft als Wegmarke. Der einfachste Lösungsansatz wäre, wenn sie in Bern eine Lokalredaktion aufbauen würde. Die Marke ist schon etabliert und die technologische Infrastruktur wäre auch vorhanden. Einen Standort Bern regte ich schon vor vier Jahren an, beim Start der «Republik», aber die Verantwortlichen wollen das bis heute nicht.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Sie arbeiten als Politik- und Kommunikationsberater. Welche Rolle wollen Sie längerfristig auf dem Medienplatz Bern spielen?</p>
</div><div class="answer"><h4>Balsiger:</h4> <p>Ich wäre glücklich, wenn dank Courage Civil etwas Neues entsteht, das kräftig ist und viele Leute im Grossraum Bern überzeugt. Solche Pro-Bono-Engagements brauchen viel Energie, aber es gibt mir eine grosse Genugtuung, wenn sie ins Ziel kommen. Ich würde mir aber nicht in den kühnsten Träumen ausmalen, in einer solchen Redaktion tätig zu sein. Dafür bin ich in allen Disziplinen zu schlecht.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Und als Verleger?</p>
</div><div class="answer"><h4>Balsiger:</h4> <p>(lacht) Ich habe schon einmal einen Medien-Start-up mit 30 Personen geführt. Das war die spannendste Aufgabe in meinem Berufsleben, von der ich bis heute zehren kann. Ich kenne den Rausch und Kick des Neuen, aber ich weiss auch, wie erschöpfend ein solcher Job auf die Dauer ist.</p>
</div></p>
<p>Das Gespräch fand am 22. April in Bern statt.</p>
<p>Bild: zvg/Thomas Hodel</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/04/27/mark-balsiger-mir-geht-es-gegen-den-strich-wenn-qualitaet-geopfert-wird-ohne-not/">«Mir geht es gegen den Strich, wenn Qualität geopfert wird ohne Not.»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>«Berner Modell»: Der Wunschzettel des Pietro Supino</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2020/10/05/berner-modell-der-wunschzettel-des-pietro-supino/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 05 Oct 2020 08:01:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Der Bund]]></category>
		<category><![CDATA[Pietro Supino]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der «Bund» feiert seinen 170. Geburtstag. Zu diesem Anlass verschickt sein oberster Chef, der Verleger und CEO der TX-Group Pietro Supino, einen Wunschzettel in Form eines Editorials. Man könnte auch von einem Erpresserbrief sprechen.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/10/05/berner-modell-der-wunschzettel-des-pietro-supino/">«Berner Modell»: Der Wunschzettel des Pietro Supino</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Der «Bund» feiert seinen 170. Geburtstag. Zu diesem Anlass verschickt sein oberster Chef, der Verleger und CEO der TX-Group Pietro Supino, einen Wunschzettel in Form eines Editorials. Man könnte auch von einem Erpresserbrief sprechen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/10/05/berner-modell-der-wunschzettel-des-pietro-supino/">«Berner Modell»: Der Wunschzettel des Pietro Supino</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>«Wie lange gibt es in Bern noch zwei Tageszeitungen?»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2019/02/27/wie-lange-gibt-es-in-bern-noch-zwei-tageszeitungen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 27 Feb 2019 20:18:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Der Bund]]></category>
		<category><![CDATA[Berner Zeitung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Tamedia-Präsident Pietro Supino trat gestern in Bern auf und scheute sich nicht vor konkreten Antworten. Dabei wurde ein bisher unbekannter Bern-Bezug von Tamedia öffentlich.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2019/02/27/wie-lange-gibt-es-in-bern-noch-zwei-tageszeitungen/">«Wie lange gibt es in Bern noch zwei Tageszeitungen?»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Tamedia-Präsident Pietro Supino trat gestern in Bern auf und scheute sich nicht vor konkreten Antworten. Dabei wurde ein bisher unbekannter Bern-Bezug von Tamedia öffentlich.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2019/02/27/wie-lange-gibt-es-in-bern-noch-zwei-tageszeitungen/">«Wie lange gibt es in Bern noch zwei Tageszeitungen?»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Vom «Tamedia-Untergrund» in die Unabhängigkeit</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2019/01/31/vom-tamedia-untergrund-in-die-unabhaengigkeit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Benjamin von Wyl]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 31 Jan 2019 11:25:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturstattbern]]></category>
		<category><![CDATA[KSB]]></category>
		<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Der Bund]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=65797</guid>

					<description><![CDATA[<p>«Kulturstattbern», das langjährige Kulturblog des Berner «Bund», hat sich von der Zeitung abgenabelt und startet neu als unabhängige Plattform. Die radikalste Schreibe der Schweiz steigt als «KSB Kulturmagazin» aus dem «Untergrund von Tamedia» auf. Ein Stockwerk über der Berner Altstadtkneipe «3 Eidgenossen» befindet sich ein Billardzimmer. Wann immer zwei Kugeln zusammenprallen, hört man das eigene <a href="https://medienwoche.ch/2019/01/31/vom-tamedia-untergrund-in-die-unabhaengigkeit/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>«Kulturstattbern», das langjährige Kulturblog des Berner «Bund», hat sich von der Zeitung abgenabelt und startet neu als unabhängige Plattform. Die radikalste Schreibe der Schweiz steigt als «KSB Kulturmagazin» aus dem «Untergrund von Tamedia» auf.</strong><br />
<img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-65798" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/01/MW-Kulturblog-Kultur-Statt-Bern_20190131.jpg" alt="" width="1456" height="976" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/01/MW-Kulturblog-Kultur-Statt-Bern_20190131.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/01/MW-Kulturblog-Kultur-Statt-Bern_20190131-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/01/MW-Kulturblog-Kultur-Statt-Bern_20190131-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/01/MW-Kulturblog-Kultur-Statt-Bern_20190131-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/01/MW-Kulturblog-Kultur-Statt-Bern_20190131-470x315.jpg 470w" sizes="auto, (max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
Ein Stockwerk über der Berner Altstadtkneipe «3 Eidgenossen» befindet sich ein Billardzimmer. Wann immer zwei Kugeln zusammenprallen, hört man das eigene Wort nicht mehr. Man darf hier rauchen, aber Billard und der Begleitlärm sorgen dafür, dass der Raum nicht die beste Umgebung für eine Redaktionssitzung bietet. Das Team von KSB trifft sich häufig hier.</p>
<p>KSB hiess früher «Kultur statt Bern» und wurde 2006 als Kulturblog der Berner Tageszeitung «Der Bund» gegründet. In den letzten Jahren hat sich KSB inhaltlich emanzipiert; jetzt löst sich das Blog ganz aus den Strukturen des grössten Schweizer Medienunternehmens.</p>
<p>«Kultur statt Bern» berichtete jahrelang über jenen Teil des Berner Kulturlebens, der sich unter dem Radar der Zeitungsredaktion bewegt. In kurzen Texten und in einigermassen nüchterner Sprache. Das hat sich in den vergangenen zwei Jahren geändert. «Kultur statt Bern» wurde zur Plattform, auf der schweizweit der radikalste journalistische Stil gepflegt wird. Sie fiel besonders auf, weil sie im «Untergrund von Tamedia» erschienen ist. Diese Ortsbezeichnung stammt aus einem gelöschten KSB-Text.</p>
<p>«Kunst statt Kohle. Szene statt Theater. Hingehen statt Wegsparen. Hier gibts ab Februar wieder eigenwilligste Kulturschreibe!» steht <a href="http://www.ksb.ist" target="_blank" rel="noopener">auf der vorläufigen Website</a>. Pastelloranger Hintergrund, schlicht, keine 1000 Zeichen Text und auch auf dieser Länge hat KSB einige Wörter untergebracht, die so nicht im Duden stehen.</p>
<blockquote><p>«Zuerst muss man eine Büez abliefern! Haben wir gearbeitet, können wir das als Visitenkarte nutzen.»<br />
<small>Kulturblogger Mirko Schwab</small></p></blockquote>
<p>Im verrauchten Billardzimmer. Es sind versammelt: Jessica Jurassica, Mirko Schwab, Urs Rihs. Sie alle gehören der jüngeren KSB-Generation an. Im letzten Jahr erschien kaum eine klassische Rezension, dafür längere und teilweise gar fiktive (und deutlich als fiktiv markierte) Texte. Die drei wirken wie nachdenkliche Menschen. Niemand rattert das publizistische Konzept als Elevator Pitch runter und über einen Businessplan verfügt KSB ebensowenig wie über ein Budget.</p>
<p>Sie haben die Diskussion geführt, ob sie ab dem Start ihres neuen Projekts Honorare zahlen wollen, aber die Finanzierungsfrage so früh schon zu stellen, hätte die Ideenfindung blockiert. Statt Geld haben sie Kontakte – etwa zu ihren künftigen «partners in krime» (KSB-Schreibe) von <a href="https://www.radio-bollwerk.ch/" target="_blank" rel="noopener">Radio Bollwerk</a>, ein lokales Gemeinschaftsradio für Avantgarde-Clubmusik.</p>
<p>«Zuerst muss man eine Büez abliefern! Haben wir gearbeitet, können wir das als Visitenkarte nutzen», sagt Schwab. Haben die Leute erkannt, dass es KSB braucht, braucht KSB dann doch finanzielle Unterstützung. Über 200 künftige Leser*innen haben sich bereits für den Newsletter eingetragen. «Wir starten so – aber für lau halten wir das nicht fünf Jahre durch.»</p>
<p>In den letzten Monaten von «Kultur statt Bern» auf der «Bund»-Seite hat das KSB-Team wenig geplant. Sie seien meist zufällig an Orten gewesen, wo etwas Berichtenswertes passiert ist und haben erst hinterher entschieden, darüber zu schreiben. Redaktionelle Planung: Gab es bisher nicht, soll es künftig geben. Konsequentes Gegenlesen: Soll es künftig geben. Bisher lief das alles spontaner, obwohl ihre längeren Texte immer jemand aus dem Team gegengelesen habe. Die «Bund»-Redaktion habe sie die Blog-Texte ohne Aufsicht produzieren und freischalten lassen.</p>
<blockquote><p>KSB ist für das fünfköpfige Redaktionskollektiv mehr als ein Hobby und trotzdem sind sie alle zur Gratis-Arbeit bereit.</p></blockquote>
<p>Auch ohne Redaktionskonzept schaffte es «Kultur statt Bern» manchmal, Debatten loszutreten. Etwa über die Frage, ob tanzende <a href="https://blog.derbund.ch/kulturstattbern/blog/2018/06/12/corpus-delicti-cis-thorax/" target="_blank" rel="noopener">Männer ihre Oberkörper entblössen dürfen</a> in Discos, zumal in einem linken Kulturzentrum wie der Berner Reitschule. Manchmal haben sie einfach über die Kulturveranstaltungen geschrieben, die sie besucht haben. Aber auch über Anlässe, die auf keiner Kulturseite vorkommen, etwa über eine <a href="https://blog.derbund.ch/kulturstattbern/blog/2018/10/25/underground-fight-league/" target="_blank" rel="noopener">«Amateur-Trash-Boxing»-Nacht</a> und in einer Sprache, die sonst nirgends publiziert wird: Da ist mal etwas «dope» (für: geil, derb) aber statt Zeitumstellung schreiben sie «tempore mutatione» &#8211; wenn es dem Flow dient. Der 14&#8217;000-Zeichen-Bericht über die «Underground Fight League» ist mal Live-Ticker, dann wieder eine Reihung von Metagedanken.</p>
<p>KSB ist für das fünfköpfige Redaktionskollektiv mehr als ein Hobby und trotzdem sind sie alle zur Gratis-Arbeit bereit. Früher bloggten sie für «ein bisschen mehr als unbezahlt», wie es die Kunstfigur Jessica Jurassica <a href="https://www.evernote.com/shard/s4/client/snv?noteGuid=66e7b145-bb41-4d79-9e0c-0529a9b97d46&amp;noteKey=61e8145b2ce26c47&amp;sn=https%3A%2F%2Fwww.evernote.com%2Fshard%2Fs4%2Fsh%2F66e7b145-bb41-4d79-9e0c-0529a9b97d46%2F61e8145b2ce26c47&amp;title=Pietro%2BSupino%252C%2Bich%2Bfrage%2Bmich%2Bob%2Bdu%2Bmeine%2BTexte%2Bliest%2B%257C%2B%25C2%25ABKulturStattBern%25C2%25BB" target="_blank" rel="noopener">in ihrem ersten Beitrag</a> nannte: 180 Franken pro Monat. Schreiben und online stellen. KSB hätte beim «Bund» bleiben dürfen – unter der Bedingung, dass Jessica Jurassica aus dem Team gekickt und ihnen das eh schon bescheidene Honorar halbiert worden wäre. Ein bisschen weniger mehr als unbezahlt.</p>
<p>«Es war mein erster Text. Und von Anfang an war klar, dass die anderen bei KSB mit mir solidarisch sind», sagt Jurassica. An einem Samstagnachmittag im vergangenen Juni lernte die gesamte Deutschschweizer Journalismusszene den Namen Jessica Jurassica kennen. Der Grund war ein Text mit dem Titel <a href="https://www.evernote.com/shard/s4/client/snv?noteGuid=66e7b145-bb41-4d79-9e0c-0529a9b97d46&amp;noteKey=61e8145b2ce26c47&amp;sn=https%3A%2F%2Fwww.evernote.com%2Fshard%2Fs4%2Fsh%2F66e7b145-bb41-4d79-9e0c-0529a9b97d46%2F61e8145b2ce26c47&amp;title=Pietro%2BSupino%252C%2Bich%2Bfrage%2Bmich%2Bob%2Bdu%2Bmeine%2BTexte%2Bliest%2B%257C%2B%25C2%25ABKulturStattBern%25C2%25BB" target="_blank" rel="noopener">«Pietro Supino, ich frage mich, ob du meine Texte liest»</a>, der offensichtlich satirischen Charakters war, aber ebenso offensichtlich übergriffig. Nach drei Stunden war der Text auf Geheiss von oben offline und Jessica Jurassica eine neue Stimme in den Schweizer Medien. Natürlich auch wegen dem Erscheinungsort des Textes: einem Kulturblog «im Untergrund von Tamedia», wie es Jurassica damals schrieb. «Bund»-Chefredaktor Patrick Feuz erinnert sich: «Wegen des von mir als schnodderig empfundenen Beitrags über den Tamedia-Verleger» gab es dann Streit mit dem Blog-Team.</p>
<blockquote><p>«Der Erscheinungsort auf der ‹Bund›-Website verpflichtet selbstredend zu einer minimalen Loyalität gegenüber dem Verlag».<br />
<small>Patrick Feuz, Chefredaktor «Der Bund»</small></p></blockquote>
<p>Die Zusammenarbeit mit der «Bund»-Redaktion sei laut KSB schon länger nicht besonders intensiv oder gar herzlich gewesen. Jurassicas Supino-Beitrag und der Streit um die «Schnodderigkeit» waren bloss ein Beschleuniger für einen Abnabelungsprozess. Nach monatelangem Überlegen fällte KSB an einem Abend relativ spontan den Entscheid, den vorbereiteten Abschiedstext online zu stellen. Die «Bund»-Redaktion hat auch diesen Text gelöscht. Wochen später, in der Silvesternacht, postete «Kulturstattbern» einen Atompilz aus typografischen Zeichen. Wer auf die blau markierten Sterne klickte, landete unter anderem auf dem Tamedia-Advertising-Portal und einem <a href="https://www.republik.ch/2018/05/17/die-tamedia-bombe-mit-zeitzuender" target="_blank" rel="noopener">Tamedia-kritischen «Republik»-Artikel</a>. Der Atompilz wurde gelöscht, ebenso die Facebook-Seite von KSB – letztere allerdings bloss vorübergehend. «Weil das Team in einem Beitrag über Interna berichtete. Ich fand das kindisch», so Patrick Feuz gegenüber der MEDIENWOCHE. Es habe vom «Bund» nie explizite inhaltliche Vorgaben gegeben für das Kulturblog, aber der Erscheinungsort auf der Website der Zeitung verpflichtet für Feuz «selbstredend zu einer minimalen Loyalität gegenüber dem Verlag».</p>
<p>Gelöschte Artikel und Streit – Anzeichen für eine Kampfscheidung, aber beide Seiten haben keine Lust auf einen Rosenkrieg: Feuz fasst die Zusammenarbeit gegenüber der MEDIENWOCHE als «insgesamt gut» zusammen. Der «Bund» arbeite an einem Nachfolgeprojekt. «Blogs pflegen wir weiterhin mit Freude», so Feuz. Blogs im Rahmen der Online-Auftritte von Tageszeitungen sind für das Team beim «Bund» kein Auslaufmodell. Nach dem Wegzug von «Kultur statt Bern» verbleibt auf der Website das <a href="https://blog.derbund.ch/zumrundenleder/" target="_blank" rel="noopener">Fussballblog «Zum Runden Leder»</a>, das seit bald 15 Jahren die berühmten Young Boys mit einer dem Gegenstand angemessenen Mischung aus Satire und Ernsthaftigkeit begleitet. Zudem bleiben zahlreiche <a href="https://www.derbund.ch/blogs/" target="_blank" rel="noopener">Tages-Anzeiger- und Tamedia-Blogs</a> über die Website des «Bund» zugänglich.</p>
<p>Das Verhältnis zu den Fussball-Blogger*innen sei entspannt, sagt Feuz. Mit dem «Runden Leder» mache man gelegentlich auch gemeinsame Artikel. Das «Runde Leder» zeigt sich ebenso zufrieden. Chefblogger Christian Zingg, sonst Redaktor bei der Nachrichtenagentur SDA, beschreibt die gegenseitigen Vorteile gegenüber dem «Bund»: Sie seien in ein News-Portal eingebunden; andererseits generieren sie dem «Bund» nach eigenen Angaben viel Traffic. Nur Zingg beziehe ein Honorar; die anderen vier Beteiligten arbeiten auf eigenen Wunsch hin gratis. Aber auch er leiste viel Freiwilligenarbeit.</p>
<blockquote><p>Die Texte, die zu Unfrieden geführt haben, schrieben sie, weil sie die Ideen hatten und sie sich keine Grenzen setzen.</p></blockquote>
<p>Auch das KSB-Team will keine Konfrontationen mit dem «Bund», sondern die Arbeit am neuen Projekt vorantreiben. «Es ging uns nie ums Dräckele, wir wollten einen Schnitt machen, ganz ohne Häme», sagt Urs Rihs im verrauchten Billardzimmer. Man glaubt ihm das; man glaubt es allen dreien. Sie wirken nicht wie eine provokationsgeile Kommunikationsguerilla. Die Texte, die zu Unfrieden geführt haben, schrieben sie, weil sie die Ideen hatten und sie sich keine Grenzen setzen. Die Reaktionen, die sie auslösten, konnten sie wohl nicht in gleichem Mass abschätzen wie jemand, der den Redaktionsalltag kennt. Es liegen Welten zwischen dem Trio im Billardzimmer und den Angestellten von Tamedia: Das KSB-Team erwartet (noch) nicht, von seiner Arbeit leben zu können. Sie schreiben über Dinge, die sie erleben, über die sie nachdenken oder die sie für relevant halten. Pflichtstoffe und den Druck, täglich eine Zeitung zu füllen, kennen sie nicht.</p>
<p>Verrisse werde man auf dem neuen KSB wenige lesen, beteuern die drei. Nabelschau sei nicht das Ziel, sondern vor Ort zu sein. «Hingehen statt Wegsparen» – wenn auch vorerst «für lau». Sie planen fixe Rubriken, in deren Rahmen zwei bis drei Mal pro Woche Texte erscheinen. Kombiniert mir längeren Texten, wollen sie dann die gesellschaftlichen Debatten lostreten. Oder sich zumindest in Debatten einmischen. Schwab fasst das Konzept sehr offen: «Man schaut auf Bern, geht vom Kulturellen aus und stellt halt die Fragen, die sich in dem kleinen Bern stellen lassen. Diskussionen über Kulturgelder oder wem der öffentliche Raum gehört. Alles Fragen, die sich im Kulturellen niederschlagen – und natürlich wollen wir daneben auch das Kulturleben noch irgendwie beobachten.» – «Aber ohne Hierarchien! Mehr Struktur heisst nicht mehr Hierarchien», wirft Jurassica ein.</p>
<p>Mit den KSBler*innen im Billiardzimmer erlebt man publizistische Begeisterung im Setzlingsstadium. Das Abenteuer hat erst begonnen. Nur der (abwesende) Mitblogger Roland Fischer sei ein klassischer Journalist. Ob sich die Anwesenden als Journalist*innen sehen? Die Frage führt zu Fragezeichen. «Ich würde es mir nie anmassen diese Selbstbezeichnung zu wählen. Relevanz: natürlich, Aktualität auch, aber über allem steht das Lustprinzip», sagt Rihs. Schwab dann: «Wir eignen uns jetzt in der Praxis die Fähigkeiten an, die wir brauchen.» Nochmals die «Büez»! Diese jungen Menschen wollen was tun. Na dann: An die Arbeit. Am 11. Februar soll es losgehen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2019/01/31/vom-tamedia-untergrund-in-die-unabhaengigkeit/">Vom «Tamedia-Untergrund» in die Unabhängigkeit</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Tamedia: Die «freiwilligen» Abgänge häufen sich</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2018/07/13/tamedia-die-abgaenge-haeufen-sich/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 13 Jul 2018 07:39:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Auf dem Radar]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Der Bund]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=59463</guid>

					<description><![CDATA[<p>Die Personalstrategie der Tamedia zeitigt die absehbaren Folgen: Nach und nach verlassen Redaktorinnen und Redaktoren «freiwlillig» die zusammengesparten Tageszeitungen. Sie tun das, bevor der Konzern das überflüssig gewordene Personal infolge der grossflächigen Redaktionszusammenlegung entlassen wird. Der Kleinreport berichtet von sechs solchen Abgängen beim «Bund». Wie freiwillig das geschieht, <a href="http://www.kleinreport.ch/news/langjahriger-bund-redaktor-verlasst-tamedia-90209/" rel="noopener" target="_blank">erklärt Marc Lettau</a>, der nach fast 30 Jahren die Berner Tageszeitung verlässt: «Es ist primär die durch TA-Vorgaben erwirkte Verzwergung der Lokalredaktion und die sich daraus ergebende neue Enge, die mir nicht mehr erträglich schien. Der ‹Bund› an sich wäre mir keineswegs verleidet - und schon gar nicht das Team, das dort strampelt und kämpft.» Auch bei Tages-Anzeiger und «Berner Zeitung» sind in den letzten Tagen Abgänge bekannt geworden von langjährigen Journalistinnen und Journalisten.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/07/13/tamedia-die-abgaenge-haeufen-sich/">Tamedia: Die «freiwilligen» Abgänge häufen sich</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Personalstrategie der Tamedia zeitigt die absehbaren Folgen: Nach und nach verlassen Redaktorinnen und Redaktoren «freiwlillig» die zusammengesparten Tageszeitungen. Sie tun das, bevor der Konzern das überflüssig gewordene Personal infolge der grossflächigen Redaktionszusammenlegung entlassen wird. Der Kleinreport berichtet von sechs solchen Abgängen beim «Bund». Wie freiwillig das geschieht, <a href="http://www.kleinreport.ch/news/langjahriger-bund-redaktor-verlasst-tamedia-90209/" rel="noopener" target="_blank">erklärt Marc Lettau</a>, der nach fast 30 Jahren die Berner Tageszeitung verlässt: «Es ist primär die durch TA-Vorgaben erwirkte Verzwergung der Lokalredaktion und die sich daraus ergebende neue Enge, die mir nicht mehr erträglich schien. Der ‹Bund› an sich wäre mir keineswegs verleidet &#8211; und schon gar nicht das Team, das dort strampelt und kämpft.» Auch bei Tages-Anzeiger und «Berner Zeitung» sind in den letzten Tagen Abgänge bekannt geworden von langjährigen Journalistinnen und Journalisten.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/07/13/tamedia-die-abgaenge-haeufen-sich/">Tamedia: Die «freiwilligen» Abgänge häufen sich</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Sophie Reinhardt: «Recherche braucht’s auch in Zukunft»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2017/12/01/sophie-reinhardt-recherche-brauchts-auch-in-zukunft/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 01 Dec 2017 10:02:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Der Bund]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=54973</guid>

					<description><![CDATA[<p>Hartnäckig, furchtlos und top motiviert: Das ist Sophie Reinhardt, Journalistin in Bern.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Hartnäckig, furchtlos und top motiviert: Das ist Sophie Reinhardt, Journalistin in Bern.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/12/01/sophie-reinhardt-recherche-brauchts-auch-in-zukunft/">Sophie Reinhardt: «Recherche braucht’s auch in Zukunft»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Tamedia-Chef zu Gast beim «Bund»: Wortgefecht um Berner Medien</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2017/11/21/tamedia-chef-zu-gast-beim-bund-wortgefecht-um-berner-medien/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Nov 2017 09:23:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Der Bund]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Tamedia-Verleger Pietro Supino erläuterte gestern am «‹Bund› im Gespräch» seine Pläne für «Bund» und «Berner Zeitung». Die Reaktionen reichten von Verständnis bis hin zu Beschimpfungen.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Tamedia-Verleger Pietro Supino erläuterte gestern am «‹Bund› im Gespräch» seine Pläne für «Bund» und «Berner Zeitung». Die Reaktionen reichten von Verständnis bis hin zu Beschimpfungen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/11/21/tamedia-chef-zu-gast-beim-bund-wortgefecht-um-berner-medien/">Tamedia-Chef zu Gast beim «Bund»: Wortgefecht um Berner Medien</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Zeitungsleser einbinden: das «Stadtgespräch» als Community</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2017/10/19/zeitungsleser-einbinden-vom-stadtgespraech-zur-community/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Oct 2017 09:46:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Auf dem Radar]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Der Bund]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mitten im grossen Umbauprozess der Tamedia-Tageszeitungen unternimmt das Berner Blatt «Der Bund» einen Schritt in die digitale Zukunft. Mit dem «Stadtgespräch», einer Plattform für Leser-Beiträge, wolle man mit dem Publikum stärker in den Dialog treten. Denn nur «schlechte Journalisten glauben, immer schon alles zu wissen». Ähnlich wie das bereits die NZZ macht, will auch die <a href="https://stadtgespraech.derbund.ch/2017/10/18/da-draussen-ist-haeufig-jemand-der-mehr-vom-thema-versteht/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Mitten im grossen Umbauprozess der Tamedia-Tageszeitungen unternimmt das Berner Blatt «Der Bund» einen Schritt in die digitale Zukunft. Mit dem «Stadtgespräch», einer Plattform für Leser-Beiträge, wolle man mit dem Publikum stärker in den Dialog treten. Denn nur «schlechte Journalisten glauben, immer schon alles zu wissen». Ähnlich wie das bereits die NZZ macht, will auch die «Der Bund»-Redaktion mit gezielten Fragen die Debatte anstossen. Zum Start des Projekts erklärt der Medienwissenschaftler Colin Porzlezza unter welchen Voraussetzungen ein solches Vorhaben gelingen kann. Zentraler Punkt: finanzielle und personelle Ressourcen. Davon wird bei Tamedia gerade im grossen Stil abgebaut.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/10/19/zeitungsleser-einbinden-vom-stadtgespraech-zur-community/">Zeitungsleser einbinden: das «Stadtgespräch» als Community</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<item>
		<title>Aus dem Journalismus ausgestiegen. Protokoll einer Entliebung</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2017/06/24/ausgestiegen/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2017/06/24/ausgestiegen/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Joel Weibel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 24 Jun 2017 08:40:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Ringier]]></category>
		<category><![CDATA[Blick]]></category>
		<category><![CDATA[Bieler Tagblatt]]></category>
		<category><![CDATA[Die Zeit]]></category>
		<category><![CDATA[Der Bund]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/wp_website/?p=43322</guid>

					<description><![CDATA[<p>Vor vier Jahren sinnierte Joel Weibel an dieser Stelle, ob er dem Journalismus den Rücken kehren solle («Aussteigen oder bleiben?»). Er entschied sich fürs Bleiben. Vorerst.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/06/24/ausgestiegen/">Aus dem Journalismus ausgestiegen. Protokoll einer Entliebung</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Vor vier Jahren sinnierte Joel Weibel an dieser Stelle, ob er dem Journalismus den Rücken kehren solle (<a href="https://medienwoche.ch/2013/02/06/aussteigen-oder-bleiben/">«Aussteigen oder bleiben?»</a>). Er entschied sich fürs Bleiben. Vorerst. Nachdem er schliesslich doch ausgestiegen war, bereute er den Entscheid nicht einen Moment lang. Protokoll einer Entliebung.</strong></p>

<a href="https://www.bigstockphoto.com/de/image-20698394/stock-foto-mann-im-boot-suchen-auf-schiffswrack-gerettet" title="Collage, Hintergrund: Bigstock" data-rl_title="Collage, Hintergrund: Bigstock" class="rl-gallery-link no-lightbox" data-rl_caption="" data-rel="lightbox-gallery-2" data-magnific_type="gallery"><img loading="lazy" decoding="async" width="1280" height="858" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/06/MW-joel-weibel-sinking-ship_20170625b-1280x960px.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/06/MW-joel-weibel-sinking-ship_20170625b-1280x960px.jpg 1280w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/06/MW-joel-weibel-sinking-ship_20170625b-1280x960px-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/06/MW-joel-weibel-sinking-ship_20170625b-1280x960px-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/06/MW-joel-weibel-sinking-ship_20170625b-1280x960px-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/06/MW-joel-weibel-sinking-ship_20170625b-1280x960px-470x315.jpg 470w" sizes="auto, (max-width: 1280px) 100vw, 1280px" /></a>

<p>Das Kurz-Assessment bei einer Firma im Bereich des öffentlichen Verkehrs war schon vorbei, wir waren am zweiten Teil des Gesprächs und ich spürte körperlich: Nein, das will ich nicht. Ich will nicht Sprecher dieser Firma werden, bei der ich gerade im Vorstellungsgespräch sass. Ich will Journalist bleiben. So dachte ich im Sommer 2013. Es folgten Anstellungen bei den Schweiz-Seiten der «Zeit» und dem Sonntagsblick. Doch danach wusste ich: Das war’s.</p>
<p class="p2"><span class="s1">Dieses innere Feuer, die Begeisterung für den Journalismus, dieser Phantomschmerz schon nur beim Gedanken an einen anderen Job – alles weg. Es fühlte sich an wie nach einer langen Wanderung, wenn man den schweren Rucksack von den Schultern hievt. Plötzlich fühlte ich mich leicht, spürte neue Energie, vergass wie erschöpft ich gerade noch war. Die Loslösung vom Journalismus war eine Befreiung für mich. Denn als überzeugter, ja gläubiger Journalist habe ich nicht wahrgenommen, nicht wahrnehmen können, was mir im Sommer 2015 plötzlich klar war: Ich hatte mir mit meiner geistigen und körperlichen Hingabe an einen Beruf selbst ein Gefängnis gebaut; das Spektrum der Möglichkeiten auf eine einzige reduziert. Und das in der Multioptionsgesellschaft. So hingeschrieben wirkt es wie katholische Selbstkasteiung. Und tatsächlich befreit man sich ein wenig von einer eingeschworenen Truppe, wenn nicht von einer Religionsgemeinschaft, wenn man plötzlich sagt: Ich bin nicht mehr Journalist.</span></p>
<p class="p2"><span class="s1">Dass Insider ihren Job quasi religiös verstehen, zeigt der derzeitige Hype um die «Republik». Dieses Heilsversprechen. Es ist kein Wunder, ist Christof Moser einer der treibenden Kräfte. Schon in der «Schweiz am Sonntag» (selig) schrieb er einst über Seitenwechsler wie mich: «Manche von ihnen mag ich persönlich, aber beruflich halte ich sie für das, was sie sind: Verräter.» Ein starkes, ein biblisches Wort. Verräter!</span></p>
<p class="p2"><span class="s1">Dabei sind es nicht die ehemaligen Journalisten, die Seitenwechsler, die den Journalismus verraten. Es sind die Journalisten selber und genauso die Verlage, die sich selbst verraten. Aber vor allem sind es die Journalisten, welche die ökonomische Logik ihrer Herren längst verinnerlicht haben und deswegen darauf verzichten, Journalismus zu machen. Dieser Nicht-Journalismus macht heute den grössten Teil der Publizistik aus. Die «Sonntagszeitung» ist über weite Strecken so langweilig wie einst die Sonntagspredigt von Pfarrer Sorgenfrei, der mich konfirmiert hatte. Auch mein Leibblatt, «Der Bund», hat enorm abgegeben. Die Redaktion und das Blatt sind ausgedünnt. Eine Zeit lang quollen die Spalten schier über vor Kolumnen. Das ist immerhin korrigiert. Hier hat Sparen auch sein Gutes.</span></p>
<p class="p2"><span class="s1">Die Online-Medien übertreffen sich täglich mit ihren Nicht-Geschichten. Und mit ihrem Nicht-Journalismus. Sätze wie «bis zum jetzigen Zeitpunkt hat XY noch keine Stellung bezogen» sind mittlerweile Standard. Früher wartete man mit der Publikation eines schweren Vorwurfs, wenn man nicht innerhalb von zwei Stunden eine Antwort bekam. Heute schreibt man einen Disclaimer, um sich juristisch abzusichern. Solchen Quatsch möchte ich nicht mitverantworten. Ich würde mich schämen, langweilen und wäre intellektuell unterfordert. Da bin ich lieber ein «Verräter». Ich weiss nicht, wie man sich als Verräter fühlen müsste, aber eine gewisse Beklemmung, ein Sich-selbst-Hinterfragen, ob man wirklich richtig entschieden hat, das müsste doch wenigstens im Ansatz vorhanden sein. Doch davon spüre ich nichts. Auch kein Triumphgefühl. Es ist mehr das Gefühl, mir selbst einen Gefallen getan zu haben.</span></p>
<p class="p2"><span class="s1">Aber woher kommt das? Wie konnte ich mich erst in den Beruf Journalismus verlieben und mich dann wieder so konsequent von ihm entlieben?</span></p>
<p class="p2"><span class="s1">Meine Liebe zum Journalismus begann im Sommer 2008 auf der Redaktion des «Bund» in Bern. Die Redaktion warf mich ins kalte Wasser. «Geh dorthin und schreib dann einen Bericht darüber», hiess es schon schnell mal. Ich liebte es, einen Job zu haben, bei dem ich die meiste Zeit unbeobachtet von einem Chef etwas recherchieren, einer Frage nachgehen oder einfach nur einen Event besuchen konnte. Dazu gehörte das Zeitung lesen zum Beruf, was eines meiner liebsten Hobbys ist. Am nächsten Tag stand der eigene Name in der Zeitung. Ein gewisser Stolz stellte sich da unweigerlich ein.</span></p>
<p class="p2"><span class="s1">Auch das Redaktionsleben mochte ich sehr bald. Der kleine Praktikant durfte an der Sitzung seine Meinung sagen. Auf einer Redaktion zu arbeiten, hatte für mich immer etwas vom Maibummel mit der Schule, so richtig Arbeit war das nicht. Es machte ja Spass. Einen besseren Job konnte ich mir zum damaligen Zeitpunkt nicht vorstellen. Ich kniete mich rein, leistete viele Wochenende-Einsätze, versuchte mich im Kolumnen-Schreiben, verfasste Reportagen, Berichte und Hintergrundstücke. Die Redaktion half mir stets, mich zu verbessern, traute mir etwas zu und gab mir mehr Aufträge. Ich war glücklich.</span></p>
<p class="p2"><span class="s1">Bald unterstützte ich den Biel-Korrespondenten des «Bund» und schrieb viel über die zweitgrösste Stadt im Kanton. Das weckte die Aufmerksamkeit von Catherine Duttweiler, damals Chefredaktorin des Bieler Tagblatts. Sie rief mich an, und im Juni 2009 begann ich als redaktioneller Mitarbeiter, später wurde ich Redaktor.</span></p>
<p class="p2"><span class="s1">Ich erinnere mich noch genau, in welche Zeit der Wechsel fiel: Tamedia entliess massenweise Redaktionspersonal bei seinen Zeitungen, man sprach vom Mai-Massaker. Etliche Kolleginnen verloren ihren Job auf der Redaktion beim «Bund». Bald darauf verliessen auch Redaktoren die Zeitung, die nicht gefeuert worden waren. Es herrschte schlechte Stimmung, aber ich war glücklich, schliesslich hatte ich einen neuen Job. Als ich an der Redaktionssitzung meinen Wechsel nach Biel bekannt gab, kam eine Journalistin auf mich zu und gratulierte mir: «Das freut mich, dass wenigstens einer gute Nachrichten hat, in dieser Zeit». Ungefähr so hat sie es gesagt, obwohl es ihr selbst mies ging. Das war gross.</span></p>
<p class="p2"><span class="s1">Doch bald schon machte ich auch andere Erfahrungen. Beim Bieler Tagblatt fand ein schleichender Abbau statt, gute Kolleginnen und Kollegen wechselten zur Kantonsverwaltung, nach Berlin oder sonst wohin. Die anfängliche Stimmung einer verschworenen Jungjournalisten-Truppe im Angriffsmodus wich den Tuscheleien, Mauscheleien und der Missgunst bis hin zum offenen Streit. Und das Blatt wurde immer schlechter dabei.</span></p>
<p class="p2"><span class="s1">Mein eigener Abgang war ein regelrechter Rausschmiss. Ich hatte den neuen Chefredaktor in einem Mail heftig, aber nicht unflätig, kritisiert. Das war am 24. Dezember 2012 – Heiligabend. Der Chefredaktor schickte mir die fristlose Kündigung per Mail. Erst später fiel ihm ein, dass das so wohl nicht geht. Darum wurde ich im Januar regulär entlassen, kriegte insgesamt fünf Monatslöhne, weil ich in der Kündigungsfrist noch Zivilschutz leisten musste.</span></p>
<p class="p2"><span class="s1">Dieses Vorgehen meines Chefs war die Bestätigung meines Eindruckes, dass er für den Job ungeeignet war, was ich ihm damals vorgeworfen hatte. Ich erinnere mich noch gut an seine Kolumne, die er «Chefsache» nannte. Sie war mir peinlich. Jedes einzelne Wort. Die Kolumne war als wöchentlicher Kommentar gedacht. Aber dem Text fehlte eine Meinung. Manchmal war nicht einmal erkennbar, wovon der Kommentar handelte. Lokalpolitiker sprachen mich darauf an und fragten entsetzt, was mit der Zeitung los sei. Es war ein Graus. Ich habe mich geschämt, für diese Zeitung zu arbeiten.</span></p>
<p class="p2"><span class="s1">Es war sicher arrogant, als junger Schnösel einem Ü-50er so zu kommen. Aber ich war zutiefst überzeugt, dass ich richtig lag. Entsprechend stolz war ich auf meinen Rausschmiss. Für mich war es der Beweis meiner Kompromisslosigkeit. Es war, das sehe ich nun im Nachhinein, der Höhepunkt meiner journalistischen Laufbahn. Danach ging es nur noch bergab.</span></p>
<p class="p2"><span class="s1">Bei den Schweiz-Seiten der «Zeit» hatte ich von Mai 2014 bis Mai 2015 einen Einjahresvertrag. 5500 Franken brutto, zwölf Monatslöhne. Beim Bieler Tagblatt habe ich seinerzeit 6500 mal dreizehn verdient, die Arbeitgeberbeiträge für die Pensionskasse nicht einberechnet. Es war ein mieser Lohn bei der «Zeit». Aber hey: DIE fucking ZEIT! Geiler gehts nicht!</span></p>
<p class="p2"><span class="s1">Eine Illusion, ein Luftschloss. «Die Zeit» ist eine Wohlfühloase für urbane links-grüne Intellektuelle. Ich habe längst aufgehört, sie zu lesen. Spätestens als ich erfuhr, dass die meisten in der Chefredaktion stramme Katholiken sind, begann ich meinen Arbeitgeber zu hinterfragen. Dennoch klammerte ich mich an den Job und weinte, als mir Redaktionsleiter Matthias Daum nach knapp einem Jahr eröffnete, dass er meinen Vertrag nicht verlängern werde.</span></p>
<p class="p2"><span class="s1">Gescheitert bin ich bei der «Zeit» an mir selber. Ich hätte, um die Anforderungen zu erfüllen, sieben Tage die Woche an den Job denken müssen. An den Werktagen hätte es wohl 12-Stunden-Schichten gebraucht. Matthias Daum ist ein Workaholic, das war mir schnell klar und er verlangt das auch von seinen Angestellten. Nur war ich dazu nicht bereit. Es gibt auch ein Leben ausserhalb des Journalismus.</span></p>
<p class="p2"><span class="s1">Das ist es, was Christof Moser, Matthias Daum und viele andere im Journalismus nicht begreifen wollen: Auch wenn es sexy sein mag, dass der eigene Name Tag für Tag oder Woche für Woche in der Zeitung steht – davon kann man sich nichts kaufen. Journalismus gehört anständig entlöhnt, die Arbeitszeiten sollten vernünftig sein, Sondereinsätze kompensiert werden können. Denn Journalisten auf dem Zahnfleisch sind nicht bessere Journalisten. Aber auf jeden Fall unglücklichere. Und – man wagt es kaum zu schreiben – es gibt noch tausend andere Jobs ausserhalb des Journalismus. Nur Journalisten denken, sie seien die Grössten und hätten den besten Job der Welt und wer das nicht glaube, sei ein Verräter.</span></p>
<p class="p2"><span class="s1">Wer die gegenwärtige Schwäche des Journalismus den bösen Verrätern anhängt, macht es sich zu einfach. Dabei sind die Probleme auch hausgemacht. Zudem fehlt es an Mut. So erinnere ich mich, wie mich einmal ein vorgesetztes Redaktionsmitglied bei einer Detailhandels-Geschichte fragte: «Geht es um Coop oder Migros?» Ich war irritiert, konnte aber verneinen. Antwort: «Ah, dann ist gut.» Merke: gegen die zwei grössten im Detailhandel sollte man nicht zu viel recherchieren. Das ist abhängiger Journalismus.</span></p>
<p class="p2"><span class="s1">Die Erfahrungen bei meiner letzten Station als Reporter beim Sonntagsblick, konnten mein bis dahin gewonnenes Bild vom Journalismus auch nicht mehr korrigieren. Nur eine weitere Episode, die zu meiner «Entjournalisierung» beitrug: Ich hatte einen Text zur Durchsetzungsinitiative recherchiert und dafür mit Praktikern gesprochen. Das Fazit war simpel: Egal, wie viele Durchsetzungsinitiativen die SVP macht, die Ausschaffungen scheitern an der Praxis, nicht am Gesetz in der Schweiz. Ich hatte im Artikel also gezeigt, dass die SVP-Initiative an der Realität zerschellen wird. Der veröffentlichte Artikel vermittelte ein komplett anderes Bild. Der Newsroom hatte eingegriffen. Mein kritisches Fazit als Ergebnis der Recherche war wegredigiert. Der Artikel erweckte nun den Eindruck, dass die SVP die Behörden zu Recht unter Druck setzt. Darüber stand mein Name. Ein Kollege fragte mich daraufhin grinsend: «Arbeitest du jetzt für die SVP?» Ich fands nicht so lustig. Ich war nun kein Journalist mehr, sondern Rohtext-Lieferant für die Chefredaktion. Eigentlich hätte ich da von selbst gehen müssen. Als die Initiative abgelehnt worden war, feierte der Sonntagsblick dann die Sieger. Haltung sieht anders aus.</span></p>
<p class="p2"><span class="s1">Später wurde ich gefeuert, weil ich zu wenig Texte geliefert haben soll. Gleichentags hörte ich, dass namhafte Journalisten beim Sonntagsblick über meinen Rausschmiss entsetzt waren. Aber auch davon kann man sich nichts kaufen. Gefreut hat es mich trotzdem.</span></p>
<p class="p2"><span class="s1">Noch beim Zusammenpacken meiner Kartonschachtel beim Sonntagsblick sagte mir jemand: «Weisst du, du hast zu viel recherchiert.»</span></p>
<p class="p2"><span class="s1">Zu viel recherchiert.</span></p>
<p class="p2"><span class="s1">Das verdient eine eigene Zeile.</span></p>
<p class="p2"><span class="s1">Diesmal habe ich nicht geweint. Ich habe nur noch ungläubig gelacht. Ich ging zum RAV und suchte nach offenen Stellen auf der anderen Seite und ich fand einen Job bei der Eidgenössischen Steuerverwaltung. Geregelte Arbeitszeiten, vernünftiger Lohn, angenehmes Arbeitsklima, keine Pendelei mehr, ein paar Kilos abgenommen – es ist ein Job, der mir gut tut. Ich bin heute zufriedener, entspannter, esse gesünder, trenne Arbeits- und Privatleben viel konsequenter. Und vor allem: Mein Job ist nicht mehr meine Religion. Er ist einfach mein Job.</span></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/06/24/ausgestiegen/">Aus dem Journalismus ausgestiegen. Protokoll einer Entliebung</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Patron und Verleger alter Schule: zum Tod von Werner H. Stuber</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/06/03/patron-und-verleger-alter-schule-zum-tod-von-werner-h-stuber/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 03 Jun 2015 13:09:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Der Bund]]></category>
		<category><![CDATA[Verleger]]></category>
		<category><![CDATA[Werner H. Stuber]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=5170</guid>

					<description><![CDATA[<p>Werner H. Stuber bestimmte die Geschicke des «Bund» von 1961 bis 1993. Am Dienstag ist die markante Persönlichkeit im Alter von 85 Jahren gestorben.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/06/03/patron-und-verleger-alter-schule-zum-tod-von-werner-h-stuber/">Patron und Verleger alter Schule: zum Tod von Werner H. Stuber</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Werner H. Stuber bestimmte die Geschicke des «Bund» von 1961 bis 1993. Am Dienstag ist die markante Persönlichkeit im Alter von 85 Jahren gestorben.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/06/03/patron-und-verleger-alter-schule-zum-tod-von-werner-h-stuber/">Patron und Verleger alter Schule: zum Tod von Werner H. Stuber</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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