von Nick Lüthi

The Good, The Bad & The Ugly XLVIII

Rüstungsreport, «Bund»-Chefredaktor, SRF @ Facebook

The Good – Teure und wichtige Transparenz

Anstatt mit Kühen und Käse posiert der Appenzeller Senn mit Geldscheinen, Gewehren und Granaten. So harmlos wie die Illustration aussieht, so brisant liest sich der Inhalt des Rüstungsreports. Die «Wochenzeitung» WOZ wollte in ihrer Recherche «wissen, welche Schweizer Firmen mit welchen Produkten im Rüstungsgeschäft sind». Das erklärten die Autoren am Mittwoch anlässlich einer Online-Präsentation.

Das ist einfacher gesagt als getan. Nur mit viel Geld und Geduld und dem Gang vor Gericht schafften es die Journalisten, dass das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco die gesuchten Daten der heimischen Rüstungsbranche zusammentrug und aushändigte. Letzte Woche hat die WOZ die Ausgabe des Rüstungsreports für 2020 veröffentlicht – und will die Recherche fortan jährlich aufdatieren.

Das geschieht auf einer Online-Plattform. Frei zugänglich bereit stehen dort sowohl die aufbereiteten Daten und deren journalistische Interpretation wie auch die Rohdaten für vertiefende Recherchen durch Dritte. «Der Rüstungsreport sollte zum Standard werden, wie international über den Waffenhandel berichtet wird», zitiert die WOZ Andrew Feinstein, Autor eines Standardwerks zum internationalen Waffengeschäft («Waffenhandel. Das globale Geschäft mit dem Tod»).

The Bad – Verlust für Bern und Tamedia

Die Kündigung passt nicht ins Drehbuch. Kontinuität wäre wichtig bei diesem Umbruch, von dem das Publikum möglichst nichts mitkriegen sollte. Doch nun hat Patrick Feuz die anstehende Zusammenführung der Redaktionen von «Bund» und «Berner Zeitung» zum Anlass genommen, die «Bund»-Chefredaktion abzugeben. Das ist ein grosser Verlust für Bern und für Tamedia. In der künftigen Einheitsredaktion, die ab 1. Oktober 2021 beide Berner Blätter befüllt, wäre Feuz die Rolle zugekommen, die «Bund»-DNA gegen innen und aussen zu bewahren.

Doch nun hat sich der 54-jährige Journalist nach 30 Jahren als Lokal-, Inland-, Bundeshaus- und Chefredaktor entschieden, den «Bund» und den Journalismus zu verlassen. Was er künftig machen wird, könne er noch nicht sagen. Nur so viel: «Ich habe verschiedene attraktive Möglichkeiten», sagte Feuz gegenüber der MEDIENWOCHE.

In seiner langen Zeit beim «Bund» prägte der ausgebildete Historiker das Blatt massgeblich. Auch wenn er mit seinen bürgerlich-liberalen Kommentaren regelmässig den Ärger der rot-grünen Leserschaft auf sich zog, blieb er wegen seiner Sachlichkeit und Nüchternheit ein geschätzter Journalist. Tamedia-intern verschaffte sich Feuz über die Jahre eine gewichtige Stimme, auf die auch der Verleger hörte.

Die Redaktionen von «Bund» und «Tages-Anzeiger», die seit 2009 zusammenarbeiten, fanden mit «paf» zu mehr bernischer Gelassenheit und weniger Zürcher Aufgeregtheit. Entsprechend bedauern viele Kolleginnen und Kollegen in Bern und Zürich seinen Abgang.

The Ugly – SRF hält User auf Facebook fest

Es ist ein Ärgernis, aber ein gewolltes. Wer auf Facebook einen Post von SRF liest, findet sich nicht selten in einer Sackgasse wieder. Kein Link führt weg von Facebook auf srf.ch. Stattdessen muss man sich mit Häppchen und Kurzfutter begnügen. «Beiträge auf Facebook werden selten mit einem Link versehen. Im Idealfall sollte der Kern einer Story aus dem jeweiligen Clip erkennbar sein», beantwortet SRF eine Anfrage zum Thema auf Twitter.

Wer aber nicht nur den Kern, sondern die ganze Story will, muss sich mühsam auf die Suche machen. Was aber spricht gegen eine konsequente Verlinkung? Facebook sieht es nicht gerne, wenn ein direkter Weg raus ins freie Netz führt; die User sollen auf der Plattform bleiben. Beiträge ohne Links, dafür mit Bild oder Video, honoriert Facebook dagegen mit grösserer Sichtbarkeit.

SRF verzichtet zwar nicht systematisch auf Links. Oft steht ein Verweis auf das eigene Webangebot im ersten Kommentar unter dem Posting; das scheint Facebook nicht abzustrafen. Auch klassische Link-Posts finden sich. Aber das macht die Sache nur bedingt besser. Schliesslich lautet einer der Grundsätze von SRF im Umgang mit Facebook & Co., die «Nutzerinnen und Nutzer auf unsere eigenen Plattformen» zu ziehen mit exklusiven Angeboten.