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	<title>DRS 2 | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
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		<title>«DRS 2 ist kein Museum»</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 28 Sep 2012 08:49:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[DRS 2]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nachdem die Medienwoche über die Neupositionierung von DRS 2 berichtet hatte, rief das die Kulturschaffenden auf den Plan: Der Verband Suisseculture fordert von der SRG, auf den geplanten Umbau des Kultursenders zu verzichten. SRG-Generaldirektor de Weck und SRF-Direktor Matter reagieren verärgert. Dass DRS 2 bald nicht mehr so klingen wird wie bisher, passt nicht allen. <a href="https://medienwoche.ch/2012/09/28/drs-2-ist-kein-museum/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Nachdem die Medienwoche über die Neupositionierung von DRS 2 berichtet hatte, rief das die Kulturschaffenden auf den Plan: Der Verband Suisseculture fordert von der SRG, auf den geplanten Umbau des Kultursenders zu verzichten. SRG-Generaldirektor de Weck und SRF-Direktor Matter reagieren verärgert.</strong></p>
<p>Dass DRS 2 bald nicht mehr so klingen wird wie bisher, passt nicht allen. An der Neupositionierung als geliftetes Kulturradio unter der Marke SRF 2 Kultur stören sich insbesondere Kulturschaffende. Nachdem die Medienwoche vor zwei Wochen <a href="https://medienwoche.ch/2012/09/12/befreiungsschlag/" target="_self">öffentlich gemacht hatte</a>, dass sich der Sender von seinem bisherigen Konzept verabschiedet, reagierte der Verband Suisseculture umgehend.</p>
<p>«Mit Besorgnis» nehme man Kenntnis von den geplanten Programmanpassungen, <a href="http://www.suisseculture.ch/de/news/newsdetail/artikel/2012/sep/drs2-umbau-ein-befreiungsschlag-gegen-die-kulturberichterstattung.html" target="_blank">schreibt Suisseculture</a>. Von den Verantwortlichen der SRG verlangt die Künstlerlobby auf den «radikalen Umbau von DRS 2 von einem Qualitäts- zu einem Populärradio zu verzichten». DRS 2 sei «eines der wenigen Medien in unserem Land, das bislang eine sorgfältige und anspruchsvolle Kulturberichterstattung bewahrt hat». Und das solle auch so bleiben, weil bereits die Presse die Berichterstattung über Kunst und Kultur «gravierend abgebaut» habe.</p>
<p>Bei SRG-Generaldirektor Roger de Weck und SRF-Direktor Ruedi Matter kam das gar nicht gut an. Die beiden Topkader reagierten einigermassen pikiert und konterten die Abbauvorwürfe scharf. In einem Brief werfen de Weck und Matter Suisseculture vor, «Halbwahrheiten und Ungefähres» zu kolportieren. Und dann folgt die Retourkutsche: «Wer sich aufgrund ungeprüfter Informationen als Qualitätsbewahrer geriert, gefährdet seine Glaubwürdigkeit.» Die Neupositionierung von DRS 2 als SRF 2 Kultur bedeute «weder Sparmassnahme noch Programmabbau». Mit Verweis auf die guten Erfahrungen, die bei Tests mit DRS 2-Hörern gesammelt werden konnten, sehen sich de Weck und Matter zuversichtlich gestimmt. Und als trotzige Absage an konservative Phantasien: «DRS 2 ist kein Museum.»</p>
<p>Dass die Unternehmensspitze die Programmanpassung beim Kultursender positiv bewertet, liegt in der Natur der Sache, schliesslich trägt sie die Verantwortung für das publizistische Angebot der SRG. Doch die Kritik von Suisseculture zielt nicht ganz daneben, wie das die beiden Direktoren klarmachen wollen. «Die Sorgen von Suisseculture sind vielleicht etwas scharf formuliert, aber sicher nicht unbegründet», sagt eine DRS 2-Mitarbeiterin, die ihren Namen hier nicht lesen möchte.</p>
<p>Am deutlichsten wird die unterschiedliche Beurteilung der Massnahmen am Beispiel der Zusammenlegung der Kultur- und Gesellschaftsredaktion. de Weck und Matter sehen darin eine Bedingung für ein Programm mit einem «breiteren Kulturbegriff», Suisseculture erkennt darin einen Leistungsabbau. Diese Befürchtung rührt daher, dass vermehrt an sogenannten Themenkarrieren gearbeitet werden soll; verschiedene Aspekte eines Themas verteilt auf Sendeplätze über den ganzen Tag verteilt. Diesem Setting zum Opfer fallen könnten die klassischen Kulturnachrichten, wie sie heute in DRS2aktuell zu hören sind; eine Sendung, die abgeschafft wird. Für einen DRS 2-Redaktor ist deshalb klar: «Netto kann das sehr wohl einen Abbau an Themenvielfalt bedeuten.»</p>
<p>Die Vorgänge um die Neupositionieren zeigen auch, dass es um die interne Kultur bei DRS 2 nicht zum besten steht. Zwischen Führung und einem Teil der Angestellten herrscht kein volles Vertrauen. Mit den bekannten Konsequenzen, wie dem Gang an die Öffentlichkeit, den man dem Gespräch mit der Leitung offenbar vorzieht. Eine bittere Einsicht für Kulturchefin Nathalie Wappler: «Nicht weniger irritiert mich der Umstand, dass von Einzelnen nicht das offene Wort innerhalb unserer Abteilung gesucht wurde.»</p>
<p>Und wie in solchen Situationen üblich, kriegt auch der Überbringer der Botschaft sein Fett ab: «Geschichten vom Hörensagen zu kolportieren, ohne dabei gewesen zu sein, zeugt nicht von gutem Handwerk.» Nun, es gibt Quellen und Quellen. In diesem Fall war sie so klar und einwandfrei, dass von Kolportage keine Rede sein kann. Die zitierten Aussagen in unserem Artikel hat bis jetzt auch niemand bestritten.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/09/28/drs-2-ist-kein-museum/">«DRS 2 ist kein Museum»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>DRS 2: Häppchen zum Frühstück</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2011/09/30/drs-2-happchen-zum-fruhstuck/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 30 Sep 2011 08:18:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Programm]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Umbau beim Kultursender: Das tägliche Magazin DRS2aktuell verschwindet, dafür wird das Programm am Morgen «aufgewertet». Längere Formate, wie sie heute im täglichen Kulturmagazin zu hören sind, finden darin keinen Platz mehr. Das Morgenprogramm wird demjenigen der anderen drei DRS-Kanäle angepasst. Gegenüber der MEDIENWOCHE bestätigt Franziska Baetcke, Programmleiterin von DRS2, lediglich soviel: «Es stimmt, dass wir <a href="https://medienwoche.ch/2011/09/30/drs-2-happchen-zum-fruhstuck/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="alignleft" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2011/09/drs2.jpg" alt="" width="120" height="77" /> Umbau beim Kultursender: Das tägliche Magazin DRS2aktuell verschwindet, dafür wird das Programm am Morgen «aufgewertet». Längere Formate, wie sie heute im täglichen Kulturmagazin zu hören sind, finden darin keinen Platz mehr. Das Morgenprogramm wird demjenigen der anderen drei DRS-Kanäle angepasst.<br />
<span id="more-28922"></span><br />
Gegenüber der MEDIENWOCHE bestätigt <a href="http://www.drs.ch/www/de/drs/ueber-uns/team/12347.franziska-baetcke-drs-2.html" target="_blank">Franziska Baetcke</a>, Programmleiterin von DRS2, lediglich soviel: «Es stimmt, dass wir Anpassungen im Morgenprogramm von DRS 2 planen.» Dass das tägliche Kulturmagazin <a href="http://www.drs2.ch/www/de/drs2/sendungen/top/drs2aktuell.html" target="_blank">DRS2aktuell</a> per 1. März 2012 verschwindet und dessen Inhalt teilweise ins Morgenprogramm zwischen sechs und neun Uhr integriert wird, mag Baetcke weder dementieren noch bestätigen. «Zurzeit sind wir noch mitten in der Konzeptphase und können daher zu Details noch keine Auskunft geben.» Intern sind die «Details» indes bereits bekannt. Letzte Woche wurde das Team von DRS2aktuell darüber informiert, dass ihre Sendung vom aktuellen Platz am Mittag verschwindet. Für die Redaktion kommt der Entscheid zur Auflösung ihrer Sendung überraschend.</p>
<p>Die bisherigen Ressourcen sollen künftig verstärkt in den Morgen fliessen; allerdings mit Abstrichen. Längere Formate, Beiträge mit einer Dauer von <a href="http://www.drs2.ch/www/de/drs2/194049.metro-drs2aktuell.html" target="_blank">vier Minuten und mehr</a>, sollen verschwinden. Entsprechend geht man davon aus, dass im neuen Morgenprogramm vor allem Häppchen und Kurzfutter serviert werden, in der Struktur nicht unähnlich DRS 3. Für diese Angleichung ans Schwesterprogramm spricht auch der Entscheid, die Nachrichten künftig im Halbstundentakt zu senden.</p>
<p>Natürlich spricht nichts dagegen, ein Radioprogramm von Zeit zu Zeit anzupassen. Im Gegenteil: Hörgewohnheiten ändern sich, das Publikum hat neue und zusätzliche Informationsquellen. Das zwingt ein Sendeunternehmen nachgerade zu Anpassungen. Wer das Privileg der Gebührenfinanzierung geniesst, muss solche Entwicklungsschritte – eine Gratwanderung zwischen Qualität und Quote – besonders sorgfältig angehen.</p>
<p>Mit den angekündigten Massnahmen riskiert DRS 2 jenen Teil der Stammhörerschaft, der am Morgenprogramm die langen Musikstrecken der <a href="http://www.drs.ch/www/de/drs/sendungen/mattinata.html" target="_blank">Mattinata</a> schätzt, mit den eingestreuten Informationshäppchen zu vergraulen. Ob sich damit auch neue Hörerkreise erschliessen lassen, was ja das Ziel einer Programmanpassung sein sollte, bleibt bis zur Umsetzung der Änderungen ungewiss. Wer am Morgen ein Informationsprogramm von Radio DRS hören will, schaltet DRS 1, 3 oder 4 ein. Weshalb nun auch das zweite Programm seine Informationskompetenz am Morgen verstärkt, bleibt unter diesen Vorzeichen wenig verständlich.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/09/30/drs-2-happchen-zum-fruhstuck/">DRS 2: Häppchen zum Frühstück</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Die Stimme zum Znacht</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2011/09/16/die-stimme-zum-znacht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 16 Sep 2011 07:38:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Radio]]></category>
		<category><![CDATA[Schweizer Radio]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Casper Selg ist eine der bekanntesten Schweizer Radiostimmen. Nach Jahren als Leiter des «Echo der Zeit» hat der 61-Jährige für die letzten Jahre seines Berufslebens als Korrespondent nach Berlin gewechselt. Die «Medienwoche» hat Selg an seinem neuen Arbeitsort besucht und mit dem Deutschland-Korrespondenten von Radio DRS einen Sonntagnachmmitag lang über Radiojournalismus, Reportagereisen und die Konvergenz <a href="https://medienwoche.ch/2011/09/16/die-stimme-zum-znacht/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Casper Selg ist eine der bekanntesten Schweizer Radiostimmen. Nach Jahren als Leiter des «Echo der Zeit» hat der 61-Jährige für die letzten Jahre seines Berufslebens als Korrespondent nach Berlin gewechselt. Die «Medienwoche» hat Selg an seinem neuen Arbeitsort besucht und mit dem Deutschland-Korrespondenten von Radio DRS einen Sonntagnachmmitag lang über Radiojournalismus, Reportagereisen und die Konvergenz bei der SRG gesprochen. Ausserdem erklärt Selg, wie der «Blick»-Test und der Glossen-Test funktionieren.<br />
<span id="more-28919"></span><br />
Ein schöner Septembersonntagmorgen, 11 Uhr, Casper Selg betritt das Café «Zimt + Zucker», den neuen «Spiegel», im Rest des Landes erst am Montag erhältlich, bereits in der Hand. Noch ahnt niemand, dass wir nicht eine, nicht zwei, nicht drei, nicht vier, sondern fünf Stunden über Journalismus sprechen werden, über Bern und Berlin, über 9/11 und die SRG. Tatsächlich vergeht die Zeit wie im Flug: Casper Selg, nach eigenen Angaben ein «Schnorri», erzählt, ohne zu langweilen. Probleme mit der Ausdauer bei diesem Kaffeehausmarathon haben allenfalls wir Besucher; gegen Schluss kommen sogar Bedenken auf, man könnte das Flugzeug zurück nach Zürich verpassen.</p>
<p>Den ganzen Nachmittag lang denke ich nicht daran, doch kaum höre ich zwei Sekunden der ersten<a href="http://www.drs1.ch/www/de/drs1/themen/zehn-jahre-nach-dem-11-september-2001/289131.292074.chronologie-der-11-september-2001-zum-nachhoeren.html"> Sondernachrichten vom 11. September 2001 um 15:30 Uhr</a>, wird mir sofort wieder bewusst, dass es sich bei Casper Selg um eine der bekanntesten Radiostimmen des Landes handelt. Nach langen Jahren als Redaktionsleiter ist er nun seit rund einem Jahr in Berlin, er wohnt ganz in der Nähe seines Büros an der Reinhardtstrasse, das er mit <a href="https://medienwoche.ch/2011/03/02/guttenberg-rucktritt-live/">Stefan Reinhart</a> teilt. <a href="http://www.drs4news.ch/www/de/drs4/ueber-uns/team/87706.casper-selg-information.html">Seit 1979</a> ist er als Moderator/Redaktor beim «Echo der Zeit» tätig, über die vielen Reorganisationen der letzten Jahre beim Schweizer Radio und Fernsehen kann er nur schmunzeln. Es sei erstaunlich, wie Altes neu gefeiert werde: «Die Konvergenz ist nichts wirklich Neues. Wenn die wüssten, wie eng wir Fernseh- und Radiokorrespondenten draussen auf den Aussenstationen seit vielen Jahren schon zusammenarbeiten, hätten die alle paar Tage eine Pressemitteilung dazu herausgeben können. Auch hier in Berlin arbeiten Stefan Reinhart und ich sehr eng zusammen.»</p>
<p>Das Entdecken neuer Kieze der Stadt ist der «Begleitauftrag» seiner Frau &#8211; erkundet werden die dann gemeinsam. Selg beeindruckt, wie Berlin an schwierige, gerade geschichtliche Themen mit Stil und Subtilität herangeht und spricht die erfolgreiche Renovation des Reichstags und der Museumsinsel an. Geradezu phänomenal sei, was Deutschland aus dem Osten gemacht habe. Aufgenommen fühlt er sich in Deutschland gut: «Ich dachte, man würde als Schweizer mehr beargwöhnt, aber eigentlich ist man sehr wohlgelitten. Die Schweiz hat bei allen Missetaten, also zum Beispiel beim Bankgeheimnis oder bei Abseitsstehen von der EU, sehr wenig Ressentiments hinterlassen.» Den Vortag verbrachte er an einer Veranstaltung der Berliner Partei «Die Freiheit», an der Oskar Freysinger ein Gedicht vortrug: «Es war im Wesentlichen langweilig.»</p>
<p>Nun ist er aber nicht Berlin-, sondern Deutschland-Korrespondent. Auf Reisen geht er beispielsweise, wenn die DRS-Informationssendungen von ausserordentlichen Ereignissen wie Fukushima zugestellt sind. Für ein <a href="http://www.drs2.ch/www/de/drs2/sendungen/echo-der-zeit/2646.bt10192178.html">fast zehnminütiges Feature</a> über das mehrheitlich von Rechtsradikalen bewohnte Dorf <a href="https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Jamel_%28G%C3%A4gelow%29">Jamel</a> nimmt er schon mal mehrfache Reisen durch Mecklenburg-Vorpommern auf sich.</p>
<p>Sein Credo ist, dass man auch mit Respekt sehr kritisch sein kann. Um so mehr ärgert ihn die von Leitmedien angefeuerte Empörungsmaschine: «Jeder Artikel in Deutschland muss anklagen. Bis hin zur Beleidigung. Ich kann diese Artikel und Kommentare bald nicht mehr lesen. Die Fakten sind oft noch nicht klar, schon kommt der vernichtende Kommentar. Es wird nur angeprangert, oder hochgejubelt. Dazwischen ist wenig zu sehen. Für mein Empfinden ist das ein Missverständnis, kein kritischer Journalismus.» Die Kultur des Nur-Anklagens komme auch in die Schweiz, allerdings nicht in der gleichen Schärfe. «Die Aufgabe des Journalismus, erst mal Fakten und Einordnung, Veständnishilfe zu bieten, wird vernachlässigt.»</p>
<p>Wenn er zuhört, senkt Selg seinen Kopf und starrt konzentriert auf die Tischplatte. Er ist ein grosser, schlanker Mann mit langen Fingern, sandfarbenem, angegrautem Haar, Brille und Basler Dialekt. Nach etwa einer Stunde Diskussion dreht er auf, unterstützt seine Worte mit Gesten, parodiert ehemalige Gesprächspartner. Es kommt ein Vollblutjournalist zum Vorschein, der alles andere ist als ein grauer oder langweiliger Gesprächspartner. Schnell zeigt sich die rhetorische Erfahrung des langjährigen Radiomanns: er beherrscht die Debatte mühelos und kommt auch noch Minuten später auf zu kurz gekommene Seitenaspekte der Diskussion zurück. Ich sitze ihm gegenüber, und immer, wenn er etwas sagt, was er nicht publiziert haben möchte, tippt er auf meinen geöffneten Laptop, was öfters vorkommt. Als das Gespräch auf die neuen Medien dreht, vertritt er eine Haltung, die sich als gemeinsames Verständnis unter Menschen fortgeschrittenen Alters etabliert zu haben scheint. «Ich nutze das Netz seit vielen Jahren intensiv, doch ich fange sehr unwillig an, mich mit Sozialen Medien auseinanderzusetzen. Das dort übliche Mass an Selbstdarstellung stört mich. Ich gehe davon aus, dass eine Stimme, wenn sie etwas Relevantes beizutragen hat, irgendwann auch in anderen Medien zu hören ist. Aber mir ist klar, dass das heute eine ungenügende Position ist.»</p>
<p>Ich konfrontiere ihn mit einem «Weltwoche»-Artikel von 2006 über das «Echo» mit dem vielsagenden Titel «Geistige Funkstille». Nach einem Hörtest glaubte Thomas Widmer «einen intellektuell bescheidenen, expertenfixierten, brav-bieder linken Kurs» des Formats zu erkennen. Selg winkt ab, der Text dieses Wandervogels habe ihn damals als Echo-Chef zwar genervt &#8211; aber er habe seinerzeit bewusst nicht reagiert, «weil der offenbar nichts von Radio versteht». Das dort kritisierte Korrespondentengespräch (Widmer: «eine Vervielfältigung ein und derselben Internperspektive») sei keineswegs eitle Selbstbezogenheit, sondern eines der wesentlichen Radio-Formate. «Unsere Inlandredaktion ist absolut nicht links. Die SVP hat bei uns in fast jedem Beitrag ihren Platz, egal, selbst wenn man ihre jeweilige These für plump hält.» Beim Widmer-Satz «Als Stammgäste sind Experten Weltbildbestätiger» räumt Selg dann aber doch ein, diese Gefahr bestehe durchaus. Die Auswahl der Gesprächspartner werde von der «Echo»-Redaktion aber stets sorgfältig vorgenommen: «Wir fragten uns bei jedem Experten, ob er wirklich auch Experte ist. Wir achteten in diesem Sinne stets sehr darauf, wen wir nehmen.»</p>
<p>Wer Selg Engagement vorwirft, muss auch den klaren, nüchternen Denker anerkennen, der gerne empirisch vorgeht. So führt er bei strittigen Entscheidungen Tests durch. «Kann ich mir dieses Vorgehen als öffentlich-rechtlicher Journalist erlauben, wenn ich damit auf der Blick-Titelseite lande?» fragt zum Beispiel der «Blick»-Test, der als simple Richtlinie für heikle Entscheidungen dient. Denn man müsse sich, in allem, was man mache, immer bewusst sein, dass man dem Gebührenzahler verpflichtet sei. Auch die Entscheidung, ob eine Glosse publiziert wird oder nicht, muss durch einen Test: «Vier Leute hören zu, mindestens drei müssen regelmässig schmunzeln. Wenn das nicht so ist, fällt der Beitrag raus.» Bestanden hat diesen Test zum Beispiel <a href="http://www.drs1.ch/www/de/drs1/sendungen/echo-der-zeit/2646.bt10189740.html">diese Glosse</a> zum Kuhschweizer Tatort oder <a href="http://www.drs2.ch/www/de/drs2/sendungen/echo-der-zeit/2646.bt10064102.html">diese</a> über das Branding von Alpiq.</p>
<p>Bei wie vielen Znachts Schweizer Familien hat er zu Schinken, Käse, Tee und Brot auf DRS1 (um 18 Uhr) oder DRS2 (um 19 Uhr) halblaut im Hintergrund wichtige Hintergrundinformationen zum Weltgeschehen erzählt? Man kann es ausrechnen: Eine sehr aufmerksame Familie, die rituell «Echo der Zeit» einschaltet, hat der Sendung in 32 Jahren 375 volle Tage zugehört (325 Minuten pro Woche x 52 Wochen x 32 Jahre = 540.800 Minuten). «Echo der Zeit» wird seit dem 17. September 1945 ausgestrahlt, gegen 600.000 Menschen sollen die Sendungen täglich verfolgen.</p>
<p>Casper Selg ist sich bewusst, dass er als DRS-Mitarbeiter im Vergleich zu anderen Journalisten unter vergleichsweise komfortablen Bedingungen arbeitet. Man merkt, dass ihm das Öffentlich-Rechtliche am Herzen liegt &#8211; bei der Diskussion um die SRG ist er darum auf Konsens bedacht, einen Kampf mit der Politik will er vermeiden: «Eine Fokussierung auf die Kernaufgabe wäre angebracht. Beim Verzicht auf populäre Formate muss man dann aber – schlimmstenfalls – auch geringere Quoten in Kauf nehmen.»</p>
<p><small>Das Gespräch mit Casper Selg fand am 4. September 2011 in Berlin statt. Mit am Tisch sassen René Worni, Nick Lüthi, Thomas Paszti und Edith Hollenstein.</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/09/16/die-stimme-zum-znacht/">Die Stimme zum Znacht</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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