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	<title>Kommentar | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
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	<item>
		<title>Die Analyse ist der neue Kommentar: Meinungsformate bei SRF im Wandel</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2021/04/07/die-analyse-ist-der-neue-kommentar-meinungsjournalismus-bei-srf-im-wandel/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 07 Apr 2021 13:00:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Meinung]]></category>
		<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
		<category><![CDATA[Analyse]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als journalistisches Format hat der Kommentar bei SRF ausgedient. Was aber nicht heisst, dass damit auch der Meinungsjournalismus auf dem Rückgang wäre. Im Gegenteil. Die sogenannten Analysen sind die neuen Kommentare. – Eine Analyse. Wie viel Meinung darf es sein? So einfach die Antwort für private Medien ausfällt – so viel Meinung, wie es das <a href="https://medienwoche.ch/2021/04/07/die-analyse-ist-der-neue-kommentar-meinungsjournalismus-bei-srf-im-wandel/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Als journalistisches Format hat der Kommentar bei SRF ausgedient. Was aber nicht heisst, dass damit auch der Meinungsjournalismus auf dem Rückgang wäre. Im Gegenteil. Die sogenannten Analysen sind die neuen Kommentare. – Eine Analyse.</strong><br />
<img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-87449" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/04/MW-SRG-Meinung-20210406.jpg" alt="" width="1456" height="976" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/04/MW-SRG-Meinung-20210406.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/04/MW-SRG-Meinung-20210406-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/04/MW-SRG-Meinung-20210406-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/04/MW-SRG-Meinung-20210406-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/04/MW-SRG-Meinung-20210406-470x315.jpg 470w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
Wie viel Meinung darf es sein? So einfach die Antwort für private Medien ausfällt – so viel Meinung, wie es das Gesetz zulässt –, so kompliziert sieht es für öffentlich finanzierte Medien aus. Ganz grob gilt: je weniger desto besser. Im Sinne einer Abgrenzung und Arbeitsteilung überlässt der Service public das Geschäft mit der Meinung den Privaten; Kommentare und andere Meinungsbeiträge gehören in die Zeitung.</p>
<p>Wobei der Kommentar auch eine lange Geschichte in den elektronischen Medien hat, insbesondere im Fernsehen. In Deutschland hält sich der meinungsbetonte <a href="https://www.zdf.de/nachrichten/heute-journal/kommentar-peter-frey-122.html" target="_blank" rel="noopener">Aufsager in die Kamera</a> bis heute im Programm. Das Schweizer Fernsehen SRF macht das nicht mehr und im nationalen Nachrichtenprogramm von Schweizer Radio SRF hörte man zuletzt vor vier Jahren einen Kommentar. Selbst nach den letzten Eidgenössischen Wahlen und der Nicht-Wiederwahl von Donald Trump als US-Präsident, zwei Ereignisse, die nach Lehrbuch klar kommentarwürdig gewesen wären, verzichtete SRF auf Kommentare.<br />
</p>
<p>Das heisst aber nicht, dass kommentierende Beiträge aus dem publizistischen Angebot von SRF verschwunden wären. Im Gegenteil: Via Internet fanden meinungsbetonte Formate prominent zurück und feiern seither eine Renaissance. Nur heissen sie nicht mehr Kommentare, sondern Analysen.</p>
<p>Seit zwei Jahren gibt es auf der Website SRF News eine eigene <a href="https://www.srf.ch/news/analysen" target="_blank" rel="noopener">Rubrik</a>. Der Fachbegriff für solche Beiträge heisst News-Analyse oder Einordnungskommentar. Nach internen Schulungsunterlagen von Radio SRF sollte eine kompetente Journalistin oder ein kompetenter Journalist dem interessierten Publikum erklären, «weshalb es zu einem Ereignis gekommen ist, welches die Zusammenhänge sind, die da eine Rolle spielen, und worauf das alles hinausläuft, mit welchen Folgen allenfalls zu rechnen ist». Das Format entwickelte sich bei SRF aus dem Radiojournalismus heraus:</p>
<blockquote><p>Ein Redaktor befragt eine Korrespondentin und sie erklärt und bewertet ein aktuelles Ereignis. Das ist quasi die Urform der News-Analyse.</p></blockquote>
<p>Im Vordergrund einer News-Analyse stünden «Argumente, die dargelegt und gegeneinander abgewogen werden». Daraus dürften zwar «Schlüsse gezogen werden», aber es gehe «nicht um persönliche Meinungen oder Ansichten». So definieren die kürzlich runderneuerten <a href="https://www.srf.ch/unternehmen/unternehmen/qualitaet/neue-publizistischen-leitlinien" target="_blank" rel="noopener">publizistischen Leitlinien</a> von Schweizer Radio und Fernsehen die News-Analyse.</p>
<p>Klar davon abgegrenzt wird der Kommentar. Der steht zwar weiterhin im Repertoire der möglichen und zulässigen journalistischen Darstellungsformen, sei aber der Würdigung der «grossen Themen von grundsätzlicher Bedeutung aus dem In- und Ausland vorbehalten». In einem Kommentar seien auch «pointierte oder gar provokative Überlegungen» zulässig, die der Haltung der Autorin oder des Autors entspringen. Nicht zulässig seien aber Aufrufe oder Forderungen. So weit die Theorie.</p>
<blockquote><p>In der Praxis gleichen die Analysen von SRF immer wieder dem, was die Leitlinien als Kommentar definieren – oder sie gehen sogar darüber hinaus.</p></blockquote>
<p>Was das heisst, zeigt ein <a href="https://archive.ph/EqPqQ" target="_blank" rel="noopener">aktuelles Beispiel</a>: Wenn im Titel steht, «Credit Suisse sollte ihr Geschäftsmodell überdenken», dann kann man das als Aufruf oder Forderung verstehen, wie sie in Kommentaren eigentlich nicht vorkommen sollten.</p>
<p>Das ist kein Einzelfall. Immer wieder finden sich SRF-Analysen, die in einer Zeitung als Kommentar gekennzeichnet würden. Sei es, wenn SRF vom Bundesrat ein klareres Auftreten gegenüber der Diktatur in Belarus fordert <a href="https://archive.ph/vt5cA" target="_blank" rel="noopener">mit appellativen Formeln</a> wie: «Es wäre angebracht, klar zu kommunizieren» oder «sollte man sich nicht länger einen Autokraten schönreden». Oder wenn die Besetzung des Bundesplatzes durch Klima-Jugendliche als Protestaktion charakterisiert wird, welche die Politik <a href="https://archive.ph/LVWqE" target="_blank" rel="noopener">aushalten müsse</a>. Auch einem Systemwechsel bei den Bundesratswahlen das Wort zu reden, ist <a href="https://archive.ph/FJQQx" target="_blank" rel="noopener">mehr Kommentar als Analyse</a>.</p>
<p>Dass solche meinungsbetonten Analysen als Kommentare wahrgenommen werden, zeigt auch die Einordnung der SDA:</p>
<blockquote><p>In ihren Presseschauen ordnet die Nachrichtenagentur die SRF-Analysen regelmässig <a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/04/kommentar_SDA.jpg" target="_blank" rel="noopener" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="">als Kommentare</a> ein.</p></blockquote>
<p>Wenn die Analysen in den letzten Jahren zu einem wichtigen Standbein des Online-Angebots von SRF geworden sind, dann rührt das zum einen daher, dass sie vergleichsweise schnell zu erstellen sind, schneller als ein Radio- oder TV-Beitrag. Ausserdem brauchen sie, im Gegensatz zu einem Kommentar, nicht den Segen der Chefredaktion. Zum anderen kommt das Format beim Publikum gut an. So zählen die Analysen zu den am besten geklickten Rubriken auf SRF News.</p>
<p>Die vielen Klicks dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass SRF hier die eigenen Regeln sehr grosszügig ausgelegt. Ehrlicher wäre es darum, als Kommentar zu deklarieren, was wie ein Kommentar daherkommt. Das würde aber die Debatte über die Grenzen des Meinungsjournalismus bei SRF befeuern. Mit dem unverfänglichen Begriff der Analyse geschieht das nicht.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/04/07/die-analyse-ist-der-neue-kommentar-meinungsjournalismus-bei-srf-im-wandel/">Die Analyse ist der neue Kommentar: Meinungsformate bei SRF im Wandel</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
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		<title>Instagram: Die letzte Plattform, die noch Freude bereitet</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2020/10/20/instagram-die-letzte-plattform-die-noch-freude-bereitet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dominik Allemann]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 20 Oct 2020 11:40:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Social Media]]></category>
		<category><![CDATA[Instagram]]></category>
		<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Digital-Redaktor Matthias Schüssler sagt: Zehn Jahre Instagram sind genug. Eine Gegenrede.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p class="ContentHead_lead__1S033">Digital-Redaktor Matthias Schüssler sagt: Zehn Jahre Instagram sind genug. Eine Gegenrede.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/10/20/instagram-die-letzte-plattform-die-noch-freude-bereitet/">Instagram: Die letzte Plattform, die noch Freude bereitet</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>«Tagesthemen»-Kommentare heissen jetzt «Meinung»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2020/09/03/tagesthemen-kommentare-heissen-jetzt-meinung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 03 Sep 2020 06:55:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
		<category><![CDATA[ARD]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das, was bei den «Tagesthemen» der ARD bisher «Kommentar» hiess, also der frontal in die Kamera gesprochene Kommentar, eines Journalisten oder einer Journalistin, wird künftig «Meinung» genannt. Darin spiegelt sich ein Trend aus dem Internet wider.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Das, was bei den «Tagesthemen» der ARD bisher «Kommentar» hiess, also der frontal in die Kamera gesprochene Kommentar, eines Journalisten oder einer Journalistin, wird künftig «Meinung» genannt. Darin spiegelt sich ein Trend aus dem Internet wider.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/09/03/tagesthemen-kommentare-heissen-jetzt-meinung/">«Tagesthemen»-Kommentare heissen jetzt «Meinung»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Abenteuer Medienhilfe</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2014/10/26/abenteuer-medienhilfe/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 26 Oct 2014 18:26:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
		<category><![CDATA[nzz.ch]]></category>
		<category><![CDATA[Avenir Suisse]]></category>
		<category><![CDATA[Medienförderung]]></category>
		<category><![CDATA[Rainer Stadler]]></category>
		<category><![CDATA[Medienpolitik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Modell hat gegenüber anderen Lösungen den Vorteil, dass es relativ staatsfern organisiert werden kann und weniger Gefahr läuft, bürokratischen Leerlauf zu produzieren. Zudem schafft es eine Basis dafür, demokratiepolitisch erwünschte Themen möglichst breit unters Volk zu bringen.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Modell hat gegenüber anderen Lösungen den Vorteil, dass es relativ staatsfern organisiert werden kann und weniger Gefahr läuft, bürokratischen Leerlauf zu produzieren. Zudem schafft es eine Basis dafür, demokratiepolitisch erwünschte Themen möglichst breit unters Volk zu bringen. </p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/10/26/abenteuer-medienhilfe/">Abenteuer Medienhilfe</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>7,6 Rappen pro Kommentar</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2012/11/15/76-rappen-pro-kommentar/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 15 Nov 2012 08:01:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Kommentare]]></category>
		<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
		<category><![CDATA[Medienfreiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Pressefreiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Ai Weiwei]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[New Statesman]]></category>
		<category><![CDATA[Kommentare]]></category>
		<category><![CDATA[Zensur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ai Weiwei gestaltet als Gast-Chefredaktor eine chinesischsprachige Ausgabe des «New Statesman». Er interviewt darin einen Kommentarschreiber, der bezahlt ist, die öffentliche Meinung im Internet zu manipulieren. Alltag in China, so wie die einfache Zensur und die Gängelung von Journalisten. Die Auswahl der hiesigen Medien hat etwas Befremdliches. Von den nach letzter Volkszählung rund 1340 Millionen <a href="https://medienwoche.ch/2012/11/15/76-rappen-pro-kommentar/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ai Weiwei gestaltet als Gast-Chefredaktor eine chinesischsprachige Ausgabe des «New Statesman». Er interviewt darin einen Kommentarschreiber, der bezahlt ist, die öffentliche Meinung im Internet zu manipulieren. Alltag in China, so wie die einfache Zensur und die Gängelung von Journalisten.<br />
<span id="more-30562"></span><br />
Die Auswahl der hiesigen Medien hat etwas Befremdliches. Von den nach letzter Volkszählung rund 1340 Millionen Chinesen scheint es nur einen Künstler zu geben, der Aufmerksamkeit verdient: <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ai_Weiwei">Ai Weiwei</a> (<a href="https://twitter.com/aiww">@aiww</a>). Weil er der Beste ist? Vielleicht. Weil er einen Namen hat, der vermeintlich leicht auszusprechen ist? Vielleicht. Weil er auch ein politischer Künstler ist? Vielleicht.</p>
<p>Ende März 2011, kurz vor seiner zwischenzeitlichen Verhaftung am 3. April wegen angeblicher «Wirtschaftsverbrechen», betätigte sich Ai auch als Interviewer. Und zwar befragte er einen damals 26-jährigen (Leser)kommentarschreiber, der von der Regierung dafür bezahlt wird, die Diskussionen im Netz in die «richtige» Richtung zu steuern. Der junge Mann war zum Gespräch bereit, nachdem ihm vollständige Anonymität und ein iPad zugesichert wurde. Gemäss einem Helfer in Ai&#8217;s Studio <a href="http://cmp.hku.hk/2011/05/09/12125/">lief das so ab</a>:</p>
<blockquote><p>Wir haben ihm zuerst einen Interviewentwurf mit fast hundert Fragen zum Ausfüllen gegeben. Aufgrund der Antworten führte Ai Weiwei ein Telefoninterview mit ihm. Die Ergebnisse daraus wurden schliesslich den aufgeschriebenen Antworten hinzugefügt.</p></blockquote>
<p>Eine ausführliche Version des Interviews, von dem, vermutlich auch aufgrund der Übersetzung aus dem Chinesischen, mehrere Versionen bestehen, wurde im Oktober im britischen Wochenmagazin «New Statesman» gedruckt: <strong><a href="http://www.newstatesman.com/politics/politics/2012/10/china%E2%80%99s-paid-trolls-meet-50-cent-party">«China’s Paid Trolls: Meet the 50-Cent Party»</a></strong>. Ai Weiwei war Gast-Chefredaktor einer Sonderausgabe, die als <a href="http://www.newstatesman.com/staggers/2012/10/taking-great-firewall-china">Digitalversion in Mandarin</a> (<a href="http://www.newstatesman.com/staggers/2012/10/behind-scenes-whats-it-edit-magazine-language-no-one-office-speaks">Making-Of</a>) im Internet verbreitet wurde und trug selbst <a href="http://www.newstatesman.com/writers/ai_weiwei">mehrere Texte</a> dazu bei.</p>
<p>Das Gespräch macht klar, dass die Manipulationen der chinesischen Staatsmacht im Internet weit über die simple Zensur hinausgehen. Weil die chinesische Öffentlichkeit längst an plumpe, die Regierung preisende Kommentare gewöhnt ist, wurde die Strategie verfeinert. Die Regierung werde nicht mehr direkt gelobt, «negative» News nicht direkt kritisiert, sagt der befragte Kommentierer:</p>
<blockquote><p>﻿﻿﻿﻿﻿Darüber hinaus muss der Ton, die Identität und Haltung der Rede so aussehen, als würde sie von einem ahnungslosen Bürger kommen; nur so kann sie mit den anderen mitschwingen. Zusammenfassend lässt sich sagen, man will die Internetnutzer versteckt führen, so dass sie ihre Ausrichtung ändern, ohne es zu merken.</p></blockquote>
<p>Er debattiere stets mit anderen bezahlten Kommentierern, auf Diskussionen mit Unbekannten gehe er üblicherweise nicht ein.</p>
<p>Der Kommentierer gibt an, nur Teilzeit zu arbeiten und für 100 geschriebene Kommentare mit 50 Yuan vergütet zu werden, das sind 0.076 Franken / 0.063 Euro pro Kommentar. Seine Einnahmen sieht er als Taschengeld, seine Freunde und Familie wissen aber nichts von dieser Tätigkeit &#8211; das würde seiner Reputation schaden.</p>
<p>Seine Aufgaben erhalte er jeweils per E-Mail, meist ginge es um lokale Vorkommnisse, die er beeinflussen solle. Das klinge dann so:</p>
<blockquote><p>Zum Beispiel: «Verbreite keine Gerüchte, glaube keine Gerüchte», oder «Beeinflusse das Verständnis der Öffentlichkeit für das X-Ereignis», «Fördere die korrekte Richtung der öffentlichen Meinung über XXXX», «Erkläre und verdeutliche das XX-Ereignis; vermeide das Auftreten von unwahren oder illegalen Bemerkungen», «Für die schädlichen sozialen Auswirkungen des jüngsten XX-Ereignisses, fokussiere auf die Führung der Gedanken der Internetnutzer in die richtige Richtung von XXXX.</p></blockquote>
<p>Die simple Zensur gibt es natürlich auch. So schrieb die in New York lebende <a href="http://evelinechao.com/">Eveline Chao</a> nach fünf Jahren Arbeit beim englischsprachigen, in Peking erscheinenden Magazin &#8222;China International Business&#8220; einen langen Beitrag über ihre Zensorin: <strong><a href="http://www.foreignpolicy.com/articles/2012/10/26/me_and_my_censor?page=full">«Me and My Censor»</a></strong>. Sie hält im Text fest, dass jede rechtmässig registrierte Publikation in China von einem oder mehreren Zensoren überprüft wird. Der Chao zugeteilte Zensor war eine Mitarbeiterin des Handelsministeriums, eine Frau in ihren Vierzigern, die sich gegen Schluss der Zusammenarbeit enger anfreunden wollte und ihr sogar vorschlug, eine Firma zu gründen und sie anzustellen.</p>
<p>Eine gute <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Category:Internet_censorship_in_the_People%27s_Republic_of_China">Übersicht</a> der vielfältigen Einschränkungen der Medienfreiheit in China gibt die englischsprachige Wikipedia, sei es zur <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/50_Cent_Party">50 Cent Party</a>, zur <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Internet_Water_Army">Internet Water Army</a> oder mit Listen von <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_blacklisted_keywords_in_the_People%27s_Republic_of_China">unerwünschten Wörtern</a> und <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_websites_blocked_in_the_People%27s_Republic_of_China">geblockten Websites</a>. Websites wie Facebook, Twitter, YouTube oder WordPress.com sind in China derzeit zu 100 Prozent gesperrt, andere, <a href="https://en.greatfire.org/nytimes.com">wie Nytimes.com</a>, nur teilweise, mehr dazu auf <a href="https://en.greatfire.org/search/alexa-top-1000-domains">Greatfire.org</a>. Einem kurzen Test gemäss scheinen die grossen Schweizer Nachrichtenportale in China derzeit frei verfügbar zu sein, also wenn überhaupt, nur sporadisch geblockt zu werden.</p>
<p>Nach <a href="http://www.reporter-ohne-grenzen.de/china-spezial/">Angaben von Reporter ohne Grenzen</a> ist China mit 70 Bloggern und 30 Journalisten im Gefängnis das derzeit grösste für Medienschaffende weltweit. Ausländische Journalisten gefährden mit kritischen Berichten ihre Akkreditierung, viele Regionen, zum Beispiel Tibet, bleiben ihnen unzugänglich. Die <a href="http://www.reporter-ohne-grenzen.de/ranglisten/rangliste-2011/">Rangliste der Pressefreiheit 2011</a> weist China auf dem 174. Platz aus, dem sechstletzten.</p>
<p><small>Übersetzungen: Ronnie Grob</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/11/15/76-rappen-pro-kommentar/">7,6 Rappen pro Kommentar</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Toter Bundesrat, falscher Pilot</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2012/11/08/toter-bundesrat-falscher-pilot/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2012/11/08/toter-bundesrat-falscher-pilot/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lukas Leuzinger]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 08 Nov 2012 11:00:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[AZ]]></category>
		<category><![CDATA[Blindtext]]></category>
		<category><![CDATA[Bömbeli]]></category>
		<category><![CDATA[Panne]]></category>
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		<category><![CDATA[Radio DRS]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Blindtext, der stehenbleibt, eine Seite, die irrtümlich in den Druck geht, ein falscher Text, den der Moderator abliest oder eine kleine Unaufmerksamkeit einer Redaktorin – Fehler sind in der Hektik des Nachrichtengeschäfts schnell passiert und können weitreichende Folgen haben. Wir präsentieren einige besonders schöne Trouvaillen aus dem Pannenkabinett der Schweizer Mediengeschichte. Wer am 13. <a href="https://medienwoche.ch/2012/11/08/toter-bundesrat-falscher-pilot/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ein Blindtext, der stehenbleibt, eine Seite, die irrtümlich in den Druck geht, ein falscher Text, den der Moderator abliest oder eine kleine Unaufmerksamkeit einer Redaktorin – Fehler sind in der Hektik des Nachrichtengeschäfts schnell passiert und können weitreichende Folgen haben. Wir präsentieren einige besonders schöne Trouvaillen aus dem Pannenkabinett der Schweizer Mediengeschichte.</strong></p>
<p>Wer am 13. Mai 1997 die Aargauer Zeitung in der Hand hielt, staunte nicht schlecht: Auf der Frontseite prangte neben der Titelgeschichte («Der Aargau soll Familienzulagen nachzahlen») ein Kommentar, der reichlich wirr daherkam. Da stand über fünfzig Zeilen nichts anderes zu lesen als: «Es bömbelet so schön, wenn der AZ&#8217;s Bömben bömbelen.» Betitelt war der Text mit «Arbeitsklima und überhaupt», als Autor war ein gewisser Wütold Bömbli aus Bombay aufgeführt.</p>
<p>Heute lacht Christoph Bopp, wenn er auf die peinliche Panne angesprochen wird. Er war damals Chef der Abschlussredaktion und hat den Fauxpas noch in bester Erinnerung. Der Redaktor, der den Kommentar schreiben sollte, habe sich damit bis kurz vor Redaktionsschluss Zeit gelassen, erinnert sich Bopp. Seine Kollegin schickte die Frontseite schon einmal ans Korrektorat, damit es die anderen Artikel unter die Lupe nehmen konnte – und füllte mit dem verhängnisvollen Blindtext die noch leere Kommentarspalte. Irgendwie sei die falsche Seite dann in den Druck gegangen. Die Redaktion bemerkte den Fehler am nächsten Tag zunächst gar nicht, denn die Frontseite mit dem Bömbeli-Kommentar hatte es nur in die Postausgabe geschafft. «Auf der Redaktion waren alle Zeitungen in Ordnung.»</p>
<p>Die Aargauer Zeitung musste einigen Spott über sich ergehen lassen. Bopp kann dem absurden Inhalt des Kommentars aber auch Positives abgewinnen: «Das Vergnügen der Leserschaft war grösser, als wenn wir den Platz mit einem unverständlichen Pseudo-Latein gefüllt hätten.» Konsequenzen hatte die Panne trotzdem: Der AZ-Redaktion wurde ein strenges Blindtext-Verbot auferlegt.</p>
<p>Weniger witzig war eine Panne der (inzwischen geschlossenen) <a href="http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D43156.php" target="_blank" rel="noopener">Nachrichtenagentur SPK </a>Anfang der 1990er Jahre. Damals gab es noch drei Nachrichtenagenturen in der Schweiz, die in einem harten Konkurrenzkampf standen. Kein Wunder, wollte die diensthabende Redaktorin möglichst schnell sein, als eines Abends ein Mann auf der SPK-Redaktion anrief und berichtete, alt Bundesrat Kurt Furgler sei gestorben. Später stellte sich heraus, dass der Anrufer – offenbar ein Feind Furglers – die Meldung bewusst verbreitet hatte, um dem ehemaligen Magistraten eins auszuwischen. Die Redaktorin, die alleine im Büro sass, liess sich narren und versandte eine Meldung mit Furglers Tod. Eine Bestätigung durch eine verlässliche Quelle holte sie nicht ein.</p>
<p>Der damalige SPK-Redaktionsleiter Ruedi Estermann erinnert sich noch gut daran, wie ihn die Redaktorin anrief und berichtete, was passiert war. Estermann reagierte sofort: Von zu Hause aus habe er eine Notiz an die Kunden der Agentur verschickt und die Meldung zurückgezogen, erzählt er. Doch der Schaden war angerichtet: Der Regionalsender Radio Aktuell hatte die Meldung bereits übernommen. Der quicklebendige Kurt Furgler soll zu Hause vor dem Radiogerät gesessen haben, wo er überrascht vom eigenen Tod erfuhr.</p>
<p>Trösten konnte sich die SPK damit, dass sie mit dieser peinlichen Panne in guter Gesellschaft war. Knapp dreissig Jahre vorher hatte der «Blick» sogar einmal den Papst sterben lassen. Am 1. Juni 1963 titelte das Blatt: «Ein grosser Papst ist gestorben». Darunter wurden lebensnah die Umstände des Hinschieds von Johannes XXIII. geschildert. Dumm nur: Der Betrauerte lebte noch.</p>
<p>Eigentlich hatte der «Blick» alles richtig gemacht: Johannes XXIII. lag am Abend des 31. Mai schwerkrank im Sterben, und so bereitete die Redaktion vorsorglich eine zweite Version der Frontseite vor, die dann in den Druck gehen sollte, falls die Nachricht vom Tod des Papstes eintreffen würde. Weil das nicht passierte, begann die Druckerei die «richtige» Ausgabe zu drucken. Dann aber wechselte der Rotationsmaschinenmeister «aus einem unverständlichen Eifer heraus» die Druckplatte aus, wie die Druckerei später erklärte. So gelangte die Schlagzeile über den Tod des Papstes in den Druck.</p>
<p>Der Lapsus war doppelt katastrophal: Die Falschmeldung erschien nämlich am Pfingstsamstag, was gleichzeitig bedeutete, dass der «Blick» den Fehler erst drei Tage später korrigieren konnte (den Sonntagsblick gab es damals noch nicht). Immerhin war der Papst bis dahin tatsächlich gestorben, sodass das Blatt die eigene Schlagzeile gleich wiederverwerten konnte. Es war wohl das einzige Mal in der Schweizer Mediengeschichte, dass eine Zeitung zwei Ausgaben in Folge den gleichen Titel auf der Frontseite hatte.</p>
<p>Nicht nur bei Zeitungen kam es immer mal wieder zu Pannen. An einen folgenschweren journalistischen Schnitzer aus dem Jahr 1990 erinnert sich Roland Jeanneret, langjähriger Moderator bei Radio DRS: Im Nachtprogramm auf DRS 1 rief eines Nachts ein Hörer an, der sich als Swissair-Pilot vorstellte und aus seinem Berufsalltag erzählte. Der Moderator – ein Stagiaire – war von den Geschichten des Anrufers so begeistert, dass er ihn als Gast in eine seiner nachfolgenden Sendungen einlud. Auf die Idee, vorher die Identität des Mannes zu überprüfen, kam er nicht. Und so erschien der vermeintliche Flugkapitän einige Wochen später tatsächlich im Studio, erzählte während mehr als einer Stunde über seine Liebe zum Fliegen, von brenzligen Situationen während seiner Laufbahn und von dem immer stressigeren Arbeitsalltag bei der Swissair. Er beantwortete auch Hörerfragen, plauderte mit ihm über seine Arbeitskollegen («Kapitän Häberli? Jaja, den kenne ich.») und spekulierte über den Absturz einer Swissair-Maschine in Madeira, der sich kurze Zeit vorher ereignet hatte («Der Anflug auf diesen Flughafen ist natürlich schwierig»).</p>
<p>Dann jedoch meldete sich ein Hörer und äusserte Zweifel an der Identität des Gastes. Er erinnerte daran, dass das abgestürzte Flugzeug keine Maschine der Swissair war, und wies darauf hin, dass diverse Destinationen, über die der angebliche Pilot geredet hatte, von der Fluggesellschaft gar nicht angeflogen wurden. Wie sich herausstellte, war der angebliche Pilot ein dreister Hochstapler, der in seinem Leben noch nie in einem Cockpit gesessen hatte.</p>
<p>Der Schwindel hatte Folgen für Radio DRS: Die Swissair drohte mit einer Verleumdungsklage und verlangte eine Reihe von Gegendarstellungen sowie eine einstündige Berichtigungssendung, wie sich Jeanneret erinnert. Die Karriere des jungen Moderators bei Radio DRS fand jedoch ein jähes Ende.</p>
<p>Vor Pannen ist niemand gefeit. Tröstlich ist nur der Gedanke daran, dass man in den meisten Fällen irgendwann schmunzelnd daran zurückdenken wird. Und dass Andere in der Vergangenheit auch schon so manches Bömbeli platzen liessen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/11/08/toter-bundesrat-falscher-pilot/">Toter Bundesrat, falscher Pilot</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Gratwanderung mit Happyend</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2011/06/17/gratwanderung-mit-happyend/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[René Worni]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 Jun 2011 15:45:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Bankenskandal]]></category>
		<category><![CDATA[Beisshemmung]]></category>
		<category><![CDATA[Raiffeisenbank]]></category>
		<category><![CDATA[Lokaljournalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
		<category><![CDATA[Winterthur]]></category>
		<category><![CDATA[Landbote]]></category>
		<category><![CDATA[Recherche]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wie sehr die Nähe zu den Akteuren im Lokaljournalismus eine Gratwanderung ist, zeigte die MEDIENWOCHE Ende April am Beispiel des Landboten und dessen zunächst widersprüchlicher Berichterstattung über einen Winterthurer Bankenskandal. Wir haben uns vorgenommen, Geschichten wenn möglich auch zu Ende zu erzählen. Das tun wir an dieser Stelle: Denn aus journalistischer Sicht ist der Fall <a href="https://medienwoche.ch/2011/06/17/gratwanderung-mit-happyend/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/06/17/gratwanderung-mit-happyend/">Gratwanderung mit Happyend</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wie sehr die Nähe zu den Akteuren im Lokaljournalismus eine Gratwanderung ist, zeigte die MEDIENWOCHE Ende April am Beispiel des Landboten und dessen zunächst widersprüchlicher Berichterstattung über einen <a href="https://medienwoche.ch/2011/04/27/die-zeitung-die-bank-und-der-journalismus/" target="_blank">Winterthurer Bankenskandal</a>. Wir haben uns vorgenommen, Geschichten wenn möglich auch zu Ende zu erzählen. Das tun wir an dieser Stelle: Denn aus journalistischer Sicht ist der Fall unterdessen zur Erfolgsstory geworden.<span id="more-28862"></span></p>
<p>Es liegt in der Natur der Sache: Je näher die Ereignisse, desto mehr Vorsicht ist geboten. Bei Lokaljournalistinnen und Journalisten führt einerseits die Nähe zur Leserschaft sowie andererseits jene zu den politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Akteuren zu Beisshemmung. Denn wer hier Fehler macht, bekommt dies unmittelbar nach der Publikation am eigenen Leib zu spüren. Exakte Recherche und ein genaues Abwägen der Fakten und des journalistischen Urteils sind mitunter eine heikle Sache. «Hier von Fall zu Fall das richtige Mass zu finden, das heisst, gleichzeitig den Informationsauftrag richtig zu interpretieren und dabei weder den Respekt den Menschen gegenüber noch die journalistische Unabhängigkeit zu verlieren – das gehört zur hohen Schule des Lokaljournalismus», so ein Statement von <a href="http://www.quajou.ch/thesen/927.php" target="_blank">Christine Fivian</a>, bis vor drei Jahren langjährige Chefredaktorin des Zürcher Unterländers und Mitgründerin des <a href="http://www.quajou.ch/aktuell.php" target="_blank">Vereins Qualität im Journalismus</a>.</p>
<p>Der Fall des Winterthurer Bankenskandals, ausgelöst durch einen inzwischen konkursiten Generalunternehmer und die Berichterstattung des Landboten darüber steht dabei exemplarisch für dieses Spannungsfeld.  Nach einer überzeugenden Recherche über den Fall im Landboten vom 6. April, kamen in der Folge zwar alle Parteien und Stimmen zu Wort, Doch die Berichterstattung der Landbote-Redaktion mäandrierte zwischen einem ausschweifenden Interview mit einer Bankverantwortlichen («Wir lassen uns nicht erpressen»), einem Selbstgeisselungsinterview mit dem Generalunternehmer und Stimmen der Geschädigten, die sich zu einer schlagkräftigen Interessengemeinschaft zusammengeschlossen hatten. Zweimal widerrief die Redaktion die Aussagen einer Quelle, was wohl für einige Verwirrung bei der Leserschaft gesorgt hat. Ein einordnender Kommentar blieb aus, der der Leserschaft ein Abwägen der Situation ermöglicht und die Unabhängigkeit der Redaktion bekräftigt hätte.</p>
<p>Die Redaktion blieb seither weiterhin am Ball und das Blatt hat sich gewendet. Zunächst liess sie erneut die Geschädigten zu Wort kommen, griff Vorwürfe gegen den Leiter der Raiffeisenbank Winterthur auf, konfrontierte die Bank damit, bis diese schliesslich eingesteht, dass die Kontrolle der Baukredite nicht immer ausreichend gewesen sei. Auf Druck der Medien und der Intererssengemeinschaft der Geschädigten, welche ihren Generalunternehmer und auch Raiffeisen-Verantwortliche einklagten, hat die Bank einen Fonds geäuffnet und will die Betroffenen angemessen entschädigen. Endlich veröffentlicht der Landbote auch einen Kommentar mit der  Aufforderung, die Bank solle jetzt beweisen, dass es ihr ernst sei mit ihren Zusagen (alle Artikel als pdf <a href="http://igbaumhaus.jimdo.com/medienmitteilungen/zeitungsberichte/" target="_blank">hier</a>). Ende gut, alles gut? Unter dem Strich hat die Redaktion des Landboten ihre Unabhängigkeit bewiesen und dürfte entscheidend dazu beigetragen haben, dass die Verantwortlichen jetzt über die Bücher gehen, Rechenschaft ablegen und die Betroffenen entschädigen. Christine Fivian: «Eine gut gemachte Lokalzeitung lebt also in erster Linie von der Glaubwürdigkeit, der Sachkenntnis und der journalistischen Unabhängigkeit ihrer Macher.»</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/06/17/gratwanderung-mit-happyend/">Gratwanderung mit Happyend</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Wir da oben, ihr da unten</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2011/04/21/wir-da-oben-ihr-da-unten/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 21 Apr 2011 07:07:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Standpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Michael Marti]]></category>
		<category><![CDATA[Newsnetz]]></category>
		<category><![CDATA[Politblog]]></category>
		<category><![CDATA[Thierry Meyer]]></category>
		<category><![CDATA[Kommentare]]></category>
		<category><![CDATA[Tages-Anzeiger]]></category>
		<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
		<category><![CDATA[tagesanzeiger.ch]]></category>
		<category><![CDATA[Matthias Chapman]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im Auftrag des Bundesrats beschäftigten sich mehrere Studien mit der Qualität der Schweizer Medien, was wiederum von diesen kommentiert wurde. Während sich Andrea Masüger von der «Südostschweiz» über eine «Inflation an Untersuchungen» beklagte, «auf die niemand gewartet» habe, kritisierte Norbert Neininger von den «Schaffhauser Nachrichten» die «für andere schwer verständliche Sprache» der Wissenschaftler. Für den ohnehin <a href="https://medienwoche.ch/2011/04/21/wir-da-oben-ihr-da-unten/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/04/21/wir-da-oben-ihr-da-unten/">Wir da oben, ihr da unten</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Im Auftrag des Bundesrats beschäftigten sich <a href="http://www.bakom.admin.ch/themen/radio_tv/01153/01156/03479/index.html?lang=de">mehrere Studien</a> mit der Qualität der Schweizer Medien, was wiederum von diesen kommentiert wurde. Während sich <a href="http://www.medienspiegel.ch/archives/002837.html">Andrea Masüger von der «Südostschweiz»</a> über eine «Inflation an Untersuchungen» beklagte, «auf die niemand gewartet» habe, kritisierte <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/medien/man_koennte_es_klarer_sagen_1.10064379.html">Norbert Neininger von den «Schaffhauser Nachrichten»</a> die «für andere schwer verständliche Sprache» der Wissenschaftler. Für den ohnehin nicht überraschenden Befund, dass die eingeleiteten Sparmassnahmen Auswirkungen auf die Qualität hatten, erhalten die Wissenschaftler Zustimmung von den Lesern in den Kommentaren. Die Diskrepanz zwischen den Lesern und den Entscheidungsträgern in den Printverlagen wird immer offensichtlicher &#8211; eine Gefahr für den Journalismus und die Demokratie.</p>
<p><span id="more-28799"></span><br />
Auch Thierry Meyer, Chefredaktor von «24heures», versuchte im zweisprachigen Newsnetz-Politblog zu beweisen, <a href="http://politblog.tagesanzeiger.ch/blog/index.php/115/wie-die-wissenschaft-die-medien-schlecht-macht/?lang=de">«Wie die Wissenschaft die Presse schlecht macht»</a>. Sein Text ist einigermassen überraschend, unterstellt er doch den Bakom-Studien nicht nur «Unwahrheiten», sondern auch «Inhaltsfehler, nicht überprüfbare Thesen und methodologische Lücken»  &#8211; ausserdem sei das Ganze «mit einer Selbstgefälligkeit verfasst, die man nicht einmal dem erst besten Praktikant verzeihen würde».</p>
<p>Doch noch viel mehr ins Staunen gerät, wer die 105 bisher von Lesern des Politblogs abgegebenen Meinungen dazu liest. Man muss schon sehr lange scrollen, bis man auf einen Kommentar stösst, welcher die Kritik von Meyer an den Studien verteidigt (Edith Habermann: «Ich stimme Thierry Meyer weitgehend zu.»). Die meisten Zu-Wort-Meldungen bestätigen den von der Wissenschaft ermittelten Qualitätsverlust. Das hört sich so an:</p>
<blockquote><p>Ich kann keinen wissenschaftlichen Beweis geben, aber aus Sicht eines Leser kann ich den Verfall der Medien nur bestätigen. In der Presse wird heutzutage praktisch nur noch abgeschrieben und relativ viel einfach kopiert. (&#8230;)</p>
<p>Es kopieren alle von den selben Newstickern und der Text wird eigentlich nur mehr leicht modifiziert. (&#8230;)</p>
<p>Mag sein, dass die von T. Meyer zerrissene Studie wissenschaftlich nicht überragend ist. Es würde mich aber wundern, wenn ein engagierter Journalist zufrieden wäre mit dem Tiefgang der heutigen politischen Presse. (&#8230;)</p>
<p>Ich würde behaupten, dass die Qualität seit einigen Jahren ständig leidet und dementsprechend abnimmt! (&#8230;)</p>
<p>Es ist fast schon haarsträubend wie einseitig manche Schweizer Zeitungen berichten. (&#8230;)</p>
<p>Ich finde auch, dass es mit den Medien abwaerts geht. (&#8230;)</p>
<p>Komischer Polit-Blog. Bis jetzt jammern nur die Journalisten – im ersten Beitrag, daß sie es ja nur falsch machen können und man ihnen Unterstützung der SVP andreht, und nun, daß Studien, die mangelnde Qualtiät bescheinigen, ja sooo unseriös sind. Also mit Verlaub, die Qualität der Medien, allen voran der Presse, I S T definitiv am Sinken, nicht nur in der Schweiz, aber ganz besonders in der Schweiz. (&#8230;)</p>
<p>Das finde ich ja mal interessant. Die Journalisten zitieren blind und undifferenziert aus jeder Studie die sie gerade finden und ihrer Ideologie entspricht. Erscheinen sechs (!!!) Studien, welche die schweizerische Medianlandschaft kritisieren, dann werden diese in der Luft zerrissen und unsachlich kommentiert. Genau nach dem Vorwurf, welche die Studien der schreibenden Klasse macht. Kult!</p></blockquote>
<p>Der Newsnetz-Redaktion zugute halten muss man, dass sie sich bemüht, mitzudiskutieren. So beantwortet der stellvertrendende Chefredaktor <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/stichwort/autor/michael-marti/s.html">Michael Marti</a> einige Kommentare. Und Redaktor <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/stichwort/autor/matthias-chapman/s.html">Matthias Chapman</a> sieht das Offensichtliche ein:</p>
<blockquote><p>Da prasselt ja ein voller Korb an Kritik auf uns Medienschaffende nieder. Ich nehme das zur Kenntnis, und gebe weiter jeden Tag mein Bestes.</p></blockquote>
<p>Ich bin überzeugt, dass viele Journalisten täglich ihr Bestes geben. Trotzdem ist die Diskrepanz zwischen Eigen- und Fremdwahrnehmung in den Verlagen bemerkenswert &#8211; und fast scheint, als würde sie direkt proportional zum Einkommen und zur Kaderstellung der Mitarbeiter zunehmen. Das Sahnehäubchen ist dann, so zu tun, als ob es diese sich im Web artikulierende Fremdwahrnehmung gar nicht geben würde.</p>
<p>Es geht nicht nur um die Beurteilung der Qualität, sondern auch um die Herangehensweise an Themen. Nehmen wir das Web: Es kommt in den Zeitungen nach wie vor zumeist negativ vor. Auch sachliche Artikel über die alltäglichen Umwälzungen, die das Web bereits verursacht hat und noch verursachen wird, erscheinen selten. Stattdessen werden Morde mit Computerspielen in Verbindung gebracht. Jugendliche pauschal als Raubkopierer verunglimpft. Publizisten als Klowand-Schmierer dargestellt. Facebook ist ein Sicherheitsrisiko. Google eine Datenkrake.</p>
<p>Keine Frage, die Einsicht, dass das Internet nicht nur Sodom und Gomorrha hervorbringt, ist verbreiteter als auch schon. In Funktionen, in denen sie etwas bewegen und entscheiden könnten, geraten Personen mit solchen Meinungen in etablierten Organisationen aber nur selten. So erreichen die publizistischen Produkte der einst die Gesellschaft so prägenden Verlage je länger je mehr nur einen ausgewählten, finanzstarken, hochgebildeten Club mit einem Durchschnittsalter weit über dem Durchschnitt der Lesenden. Die mit dem Web aufgewachsenen Jugendlichen, also der die Zukunft sichernde Nachwuchs, blättern dagegen gelangweilt in Gratispostillen und fragen sich dann zurecht, warum sie eigentlich Zeitungen lesen sollen. Suchen sie online nach Qualität, werden sie genau so enttäuscht. Geht es nach den Führungskräften der Verlage, sollen sie Zeitungen kaufen und basta! So funktioniert die Marktwirtschaft aber nicht.</p>
<p>Wertvolle publizistische Produkte erreichen die Mitte der Gesellschaft immer weniger. Was nicht verwundert, findet doch die normale Mittelschicht gar keinen Einlass mehr in die Redaktionen, von der nicht so gebildeten Unterschicht braucht man gar nicht erst zu reden. Die «Süddeutsche Zeitung» beispielsweise <a href="http://meedia.de/details-topstory/article/wie-die-sddeutsche-ihre-volontre-rekrutiert_100034371.html">verlangt</a> schon von ihren Volontären zwingend einen Studienabschluss («Abgeschlossenes Studium muss sein, am liebsten Master-Abschluss»).</p>
<p>Journalismus darf nicht als Edukationsprogramm von oben nach unten doziert werden, sozusagen als Transfer von den angeblich gescheiteren zu den angeblich dümmeren Schichten. Journalismus muss aus der Mitte der Gesellschaft für die Mitte der Gesellschaft produziert werden. Wer den Leser mit all seinen Ängsten, Sorgen und Bedürfnissen nicht ernst nimmt, muss sich nicht wundern, wenn dieser sich abwendet und sich weitaus fragwürdigeren Quellen zuwendet. Diese Entwicklung ist nicht nur für den seriösen Journalismus eine grosse Gefahr, sondern für die Demokratie überhaupt.</p>
<p><em>Zum Newsnetz-Politblog siehe auch unseren Beitrag <a href="https://medienwoche.ch/2011/03/07/viel-redundanz-und-wenig-substanz/">«Viel Redundanz und wenig Substanz»</a> vom 7. März 2011.</em></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/04/21/wir-da-oben-ihr-da-unten/">Wir da oben, ihr da unten</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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