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	<title>Privatfernsehen | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
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		<title>Armut am TV: Die perverse «Reality» der Privatsender</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2020/10/15/armut-am-tv-die-perverse-reality-des-privatsender/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Marko Ković]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 15 Oct 2020 11:53:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Privatfernsehen]]></category>
		<category><![CDATA[Trash]]></category>
		<category><![CDATA[Das Monokel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Vermeintliche Sozialreportagen, in denen das Leben von Hartz-IV-Empfängern beleuchtet wird, boomen. In erster Linie geht es in solchen Formaten darum, Menschen am Rande der Gesellschaft als faule, undisziplinierte, dumme Schmarotzer hinzustellen. Das ist nicht nur entmenschlichend, sondern auch ideologisch verzerrt. Marko Kovic und Christian Caspar diskutieren in ihrem Podcast «Das Monokel» über Empathielosigkeit als Geschäftsmodell. <a href="https://medienwoche.ch/2020/10/15/armut-am-tv-die-perverse-reality-des-privatsender/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/10/15/armut-am-tv-die-perverse-reality-des-privatsender/">Armut am TV: Die perverse «Reality» der Privatsender</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Vermeintliche Sozialreportagen, in denen das Leben von Hartz-IV-Empfängern beleuchtet wird, boomen. In erster Linie geht es in solchen Formaten darum, Menschen am Rande der Gesellschaft als faule, undisziplinierte, dumme Schmarotzer hinzustellen. Das ist nicht nur entmenschlichend, sondern auch ideologisch verzerrt. Marko Kovic und Christian Caspar diskutieren in ihrem Podcast «Das Monokel» über Empathielosigkeit als Geschäftsmodell.</strong><br />
<br />
<iframe src="https://anchor.fm/dasmonokel/embed/episodes/Folge-5-Der-neoliberale-Voyeurismus-von-Armuts-Reality-TV-el3fak" height="153px" width="600px" frameborder="0" scrolling="no"></iframe><br />
Wenn von Armut die Rede ist, denken wir vielleicht spontan an Menschen in Entwicklungsländern, die ihr Dasein in elenden Verhältnissen fristen. Doch auch in reichen westlichen Ländern leben Millionen von Menschen in prekären materiellen Verhältnissen. Gemäss Bundesamt für Statistik sind in der Schweiz rund <a href="https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/wirtschaftliche-soziale-situation-bevoelkerung/soziale-situation-wohlbefinden-und-armut/armut-und-materielle-entbehrungen.html" rel="noopener" target="_blank">14 Prozent der Bevölkerung</a> armutsgefährdet. Eurostat, das statistische Amt der europäischen Union, schätzt diesen Wert für die Schweiz mit <a href="https://ec.europa.eu/eurostat/databrowser/view/t2020_50/default/table?lang=en" rel="noopener" target="_blank">17 Prozent</a> etwas höher ein – auf ein ähnliches Niveau wie Österreich mit ebenfalls rund 17 Prozent und Deutschland mit rund 19 Prozent.Armut ist also auch bei uns eine soziale Realität. Es ist entsprechend wichtig, dass wir als Gesellschaft das Problem erkennen und benennen, den Betroffenen eine Stimme geben und die Ursachen kritisch unter die Lupe nehmen. Das ist auch und vornehmlich eine Aufgabe des Journalismus.<br />
<br />
Um Debatten anzuregen, eignet sich besonders gut die kritische Sozialreportage. In Bild und Ton vermittelt zu kriegen, wie Menschen in materieller Entbehrung leben, kann für die Problematik sensibilisieren und Empathie mit den Betroffenen aufbauen.</p>
<p>Medienformate, die sich mit Armut befassen, können aber auch genau das Gegenteil bewirken – wie im Falle der Armuts-Reality-Sendungen im deutschen Privatfernsehen. Armut wird dort als persönliche und verachtenswerte Verfehlung inszeniert.</p>
<p>Auf Sendern wie RTL, RTL 2, Pro 7, oder Sat.1 boomen derzeit Reality-TV-Formate, wie «Die Schmarotzer sind zurück: Marcus und Jessica getrennt?? Armes Deutschland», «Tag für Tag Benz-Baracken. Hartz und Herzlich», oder «Hartes Pflaster: Sozialer Brennpunkt Offenbach». Sie geben vor, den den Lebensalltag von Menschen zu dokumentieren, die von Arbeitslosengeld leben. Doch das Ziel dieser Formate ist nicht, den Betroffenen und ihrer Situation mit Empathie und Wohlwollen zu begegnen. Stattdessen geht es darum, die Betroffenen als faul, undiszipliniert, irrational, und als Sozialschmarotzer zu inszenieren.</p>
<p>Das zeigt der deutsche Medienwissenschaftler Bernd Gäbler in der Studie <a href="https://www.otto-brenner-stiftung.de/wissenschaftsportal/informationsseiten-zu-studien/armutszeugnis-wie-das-fernsehen-die-unterschichten-vorfuehrt/" rel="noopener" target="_blank">«Armutszeugnis: Wie das Fernsehen die Unterschicht vorführt»</a>. Im Armuts-Reality-TV sind die Armen keine Opfer, sondern Täter: Nicht nur sind sie selber schuld an ihrer Situation – sie liegen dem rechtschaffenen Teil der Bevölkerung auch ungeniert auf der Tasche. Je stärker sich das Publikum darob empört, ekelt und aufregt, desto höher die Einschaltquoten.</p>
<p>Solche Formate sind in mehrfacher Hinsicht problematisch:</p>
<p><strong>Erstens</strong> geben sie den Lebensalltag der Protagonistinnen und Protagonisten nicht angemessen wieder. Sie inszenieren und dramatisieren mit filmischen Mitteln wie Montage, Musik, Voiceover und Schnitt das Bild der faulen Sozialschmarotzer. Wenn zum Beispiel eine Protagonistin erwähnt, sie habe es gerne sauber, dann im Film aber ein Schnitt zu einer Küchenschabe gemacht wird, ist das eine emotionale Manipulation am Zuschauer.</p>
<p><strong>Zweitens</strong> fokussiert Armuts-Reality-TV auf die angebliche Eigenverantwortung der Betroffenen und ignoriert komplett die strukturellen Faktoren hinter Armut. Die Prämisse: Wer arm ist, hat es wortwörtlich nicht verdient, ein lebenswertes Leben zu leben. Mit Fleiss und Disziplin kann es jede und jeder schaffen.</p>
<p><strong>Drittens</strong> trägt Armuts-Reality-TV zur gesellschaftlichen Entsolidarisierung bei. Bei solchen Formaten geht es darum, die Schwachen und Machtlosen blosszustellen. Ein empathischer, solidarischer Blick würde aber offenbaren, dass die meisten Menschen, die von Lohnarbeit leben, oft nur einen kleinen Schritt von einschneidender materieller Entbehrung entfernt sind – und dass es gar nicht so einfach ist, aus der Armut den Weg zurück in die «Normalität» zu finden.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/10/15/armut-am-tv-die-perverse-reality-des-privatsender/">Armut am TV: Die perverse «Reality» der Privatsender</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
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		<title>Piraten und Pioniere – Die abenteuerliche Geschichte des privaten Rundfunks in Österreich</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2020/09/28/piraten-und-pioniere-die-abenteuerliche-geschichte-des-privaten-rundfunks-in-oesterreich/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 28 Sep 2020 09:06:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Österreich]]></category>
		<category><![CDATA[Privatfernsehen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In den 1990er-Jahren ist der Staat Österreich auf Piratenjagd, mit Hubschraubern und Peilsendern. Privates Radio und Fernsehen sind verboten, Sendeanlagen werden von der Funküberwachung der Post gekappt und plombiert – so schützen die Ermittler das Medienmonopol des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>In den 1990er-Jahren ist der Staat Österreich auf Piratenjagd, mit Hubschraubern und Peilsendern. Privates Radio und Fernsehen sind verboten, Sendeanlagen werden von der Funküberwachung der Post gekappt und plombiert – so schützen die Ermittler das Medienmonopol des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/09/28/piraten-und-pioniere-die-abenteuerliche-geschichte-des-privaten-rundfunks-in-oesterreich/">Piraten und Pioniere – Die abenteuerliche Geschichte des privaten Rundfunks in Österreich</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Konkurrenz um Konzession</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/09/01/konkurrenz-um-konzession/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jonny Kopp]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Sep 2016 11:49:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[EMEK]]></category>
		<category><![CDATA[Nationalrat]]></category>
		<category><![CDATA[Bundesrat]]></category>
		<category><![CDATA[Service public]]></category>
		<category><![CDATA[Privatfernsehen]]></category>
		<category><![CDATA[Franz Jäger]]></category>
		<category><![CDATA[Konzession]]></category>
		<category><![CDATA[SRG]]></category>
		<category><![CDATA[Medienpolitik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Bundesrat und Parlament erarbeiten neue Rahmenbedingungen für den Service public von Radio und Fernsehen. Verleger und SRG versuchen sich gegenseitig das Wasser abzugraben. Eine konstruktive, zukunftstaugliche Lösung, die auch Online einbezieht, ist nicht in Sicht. Lassen wir den Markt entscheiden: indem der nationale Service-public-Auftrag, wie bereits bei den Lokalsendern, ausgeschrieben wird. Sie schenken sich gegenseitig <a href="https://medienwoche.ch/2016/09/01/konkurrenz-um-konzession/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Bundesrat und Parlament erarbeiten neue Rahmenbedingungen für den Service public von Radio und Fernsehen. Verleger und SRG versuchen sich gegenseitig das Wasser abzugraben. Eine konstruktive, zukunftstaugliche Lösung, die auch Online einbezieht, ist nicht in Sicht. Lassen wir den Markt entscheiden: indem der nationale Service-public-Auftrag, wie bereits bei den Lokalsendern, ausgeschrieben wird.<br />
<span id="more-27955"></span><br />
Sie schenken sich gegenseitig nichts, Verleger und SRG. Gewisse Verleger wollten «über eine Schwächung der SRG zu neuer Stärke finden», hält der SRG-Geschäftsbericht im Vorwort fest. Die SRG sei «systematisch hinterhältig», bekräftigt der abtretende Verlegerpräsident. Zeitungsverlage und die SRG sind seit jeher Antagonisten. Konkurrenzierten sie sich historisch auf unterschiedlichen Distributionskanälen, kommen sie sich im Internet bzw. online nun direkt in die Quere. Zudem nimmt die Nutzung der klassischen Medien stetig ab, jene von Online nimmt stark zu. Darum kann eine Medienordnung ohne expliziten Einbezug von Online nicht zielführend sein.</p>
<p>Im schweizerischen Medienmarkt zeigt sich ein doppelter David-Goliath-Effekt: Für die Verleger, selbst die grossen, ist die SRG ein Riese. Für die SRG wiederum sitzen die übermächtigen Konkurrenten im Ausland, seien dies die Fernsehveranstalter oder globale, digitale Plattformen wie Google, Facebook und Co. Fakt ist auch, dass die SRG, wegen ihrer schieren Grösse den hiesigen Werbemarkt verzerrt. Richtig ist aber wohl auch, dass es den Verlegern nicht viel bringen würde, wenn man der SRG die Werbung einfach verbietet.</p>
<p>Die Medienpolitik steht deshalb vor einem Dilemma: Beseitigt sie die Marktverzerrung im Inland nicht, hat die inländische Konkurrenz gegenüber dem Service public-Anbieter keinen Stich. Beschränkt sie den Service public-Anbieter jedoch, dann verliert dieser gegenüber der globalen Konkurrenz an Boden.</p>
<p>Es geht bei der laufenden medienpolitischen Debatte, wie man überall lesen kann, um die (schwierige) Definition des Service public. Aber nur vordergründig. Eigentlich geht es um einen wirtschaftlichen Verteilkampf oder ganz banal ums Geld. Für ökonomische Problemstellungen bieten sich Lösungen aus der Ökonomie an. Der St. Galler Wirtschaftsprofessor Franz Jaeger hat sich vor Jahren in einem knappen Thesenpapier ganz allgemein zum Service public und der Leistungserbringung durch die Wirtschaft bzw. den Staat geäussert). Sein Ansatz lautet im Wesentlichen:</p>
<ol>
<li>Was als Service public oder Grundversorgng angeboten werden soll, definiert die Politik. Sie schafft die rechtlichen Grundlagen, definiert einen exakten Leistungsauftrag und legt fest, wie Leistungen, die sich rein wirtschaftlich nicht rechnen, entschädigt werden.</li>
<li>Die genannten Leistungen können grundsätzlich sowohl durch den Staat selber als auch durch die Wirtschaft erbracht werden.</li>
<li>Die günstigste Lösung lässt sich finden, indem der Leistungsauftrag im Wettbewerb ausgeschrieben wird. Der Markt entscheidet so drüber, ob der Auftrag privat erbracht werden kann.</li>
</ol>
<p>Es fällt sofort auf, dass der Auftrag für den medialen Service public auf nationaler Ebene bisher nicht ausgeschrieben wurde. Bei den Lokalradios und –Fernsehen gibt es jedoch eine Ausschreibung der Konzessionen mit Gebührensplitting. In den Hearings der Eidg. Medienkommission (EMEK) machten die Verbände Télésuisse, VPR und RRR ihre diesbezüglichen Ansprüche geltend. Die SRG solle die Regionalberichterstattung abtreten oder in ein Kooperationsmodell einsteigen, forderten die Privatradios. Die Privatfernsehen forderten, dass Programmpakete der sogenannte «zone mixte» (u.a. mit Sport, Konsumentensendungen) ausgeschrieben werden.</p>
<p>Solange wir den nationalen/sprachregionalen Service public-Auftrag als monolithischen Block betrachten, werden wir medienpolitisch wohl nicht aus der Sackgasse kommen. Wenn ein einziger Anbieter die ganze Palette (gemäss BV Art. 93 Abs. 2: Bildung, Kultur, Information, Unterhaltung) anbieten muss, muss er auch entsprechend gross sein, ein Goliath eben.</p>
<p>Die Bildung und Ausschreibung von Teilpaketen des Service public könnte eine Lösung sein. Dabei könnten sich private Anbieter auch zusammenschliessen, um ein konkurrenzfähiges Angebot unterbreiten zu können. Ausländische Investoren könnten sich an einem schweizerischen Angebot beteiligen (Minderheitsbeteiligung). Oder Private und Service public-Anbieter könnten in einem Joint Venture kooperieren.</p>
<p>Eine Ausschreibung setzt ein genaue Definition der Leistungen und Abgeltungen voraus. Sie bringt Wettbewerb. Alle Anbieter erhalten eine faire Chance. Die eher peinliche und staatspolitisch heikle Frage, welche Sendung nun genau noch Service public ist, entschärft sich. Mögliche Programmpakete sind:</p>
<ol>
<li>Aktuelle Berichterstattung über Wirtschaft, Politik, Gesellschaft und Kultur</li>
<li>Hintergrund zu 1; 1 und 2 sind national/sprachregional (D, F, I)</li>
<li>Regionale Berichterstattung, die der kleinräumigen Schweiz Rechnung trägt</li>
<li>Service public-Labor (z.B. Beiträge an innovative Experimente etwa für das junge Zielpublikum)</li>
<li>Unterhaltung (z.B. Eigenproduktionen), Sport (international, national)</li>
</ol>
<p>Es sollen grundsätzlich alle Distributionskanäle zur Verfügung stehen: Print, Radio, TV, Online. Die Anbieter sind frei im Mix und der Gewichtung der Kanäle. Die Finanzierung wird nach Kanälen differenziert und erfolgt aus der neuen Radio- und Fersehabgabe. Ein Finanzierungsbeitrag kann durch die Onlinewerbung sowie die Serviceplattformen mit Stellen- und Wohnungsinseraten geleistet werden. Als Teil-Kompensation der fehlenden, früheren Mischfinanzierung beim Print. Die Mandate sind befristet, z.B. auf zehn Jahre, und werden neu ausgeschrieben.</p>
<p><small><br />
Litaratur: Jaeger, F. (2015), Service public: Die Verantwortung beim Staat – die Bereitstellung privat, Schulungsunterlagen Weiterbildung für Politik (WfP-HSG), Modul Economics.</p>
<p>Der Artikel basiert auf seiner Zertifikatsarbeit im Bereich «Weiterbildung für Politik» an der Hochschule St.Gallen (CAS WfP-HSG), die er bei Prof. Franz Jaeger im Februar 2016 geschrieben hat.</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/09/01/konkurrenz-um-konzession/">Konkurrenz um Konzession</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>«Gebührenfinanzierte Sender spielen in einer anderen Liga»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/05/06/gebuehrenfinanzierte-sender-spielen-in-einer-anderen-liga/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Florian Oegerli]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 May 2015 16:20:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gespräche]]></category>
		<category><![CDATA[Privatsender]]></category>
		<category><![CDATA[3+]]></category>
		<category><![CDATA[4+]]></category>
		<category><![CDATA[5+]]></category>
		<category><![CDATA[Privatfernsehen]]></category>
		<category><![CDATA[Dominik Kaiser]]></category>
		<category><![CDATA[TV-Markt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Dominik Kaiser ist mit seinen drei TV-Programmen 3+, 4+ und 5+ der erfolgreichste private Fernsehunternehmer in der Schweiz. Ein Gespräch über den eidgenössischen Fernsehmarkt, den mächtigen Konkurrenten SRG und die globale Herausforderung Netflix. Das Interview ist zuerst im Band «Weniger Staat, mehr Fernsehen» erschienen. MEDIENWOCHE: Herr Kaiser, als Sie 2006 mit 3+ starteten, hiess es <a href="https://medienwoche.ch/2015/05/06/gebuehrenfinanzierte-sender-spielen-in-einer-anderen-liga/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Dominik Kaiser ist mit seinen drei TV-Programmen 3+, 4+ und 5+ der erfolgreichste private Fernsehunternehmer in der Schweiz. Ein Gespräch über den eidgenössischen Fernsehmarkt, den mächtigen Konkurrenten SRG und die globale Herausforderung Netflix. Das Interview ist zuerst im Band «Weniger Staat, mehr Fernsehen» erschienen.<br />
<span id="more-24426"></span><br />
<strong>MEDIENWOCHE: Herr Kaiser, als Sie 2006 mit 3+ starteten, hiess es von allen möglichen Seiten, Sie hätten keine Chance auf dem Markt. Woher rührt die weitverbreitete Skepsis gegenüber dem Privatfernsehen?</strong><br />
Dominik Kaiser: Dies rührt daher, dass die drei ersten grossen sprachregionalen Privatsender – <em>RTL ProSieben Schweiz</em>, <em>Tele24</em> und <em>TV3</em> – trotz guter Finanzierung scheiterten. Daraufhin hatte der damalige Medienminister Moritz Leuenberger öffentlich konstatiert: Der Beweis sei nun erbracht, dass die Schweiz zu klein sei, um erfolgreich privates Fernsehen zu betreiben. Und die meisten Kommentatoren der grossen Tageszeitungen sahen es genauso. Wir nicht.</p>
<p><strong>Die Kommentatoren lagen offensichtlich falsch. Inzwischen ist Ihr Marktanteil kontinuierlich gestiegen, bei den Jungen haben Sie teilweise höhere Einschaltquoten als das Schweizer Fernsehen. Hatten Sie einfach Glück? Oder verfügen Sie über eine bessere Strategie als die Privatsender vor Ihnen?</strong><br />
Wir hatten den grossen Vorteil, aus den Fehlern der ersten Schweizer Privatsender lernen zu können. Ich erhielt damals detaillierten Einblick in alle wesentlichen internen Unterlagen von <em>TV3</em>. Explizit: Lizenzkosten, Kosten der Eigenproduktionen, Gehälter, Zuschauerzahlen, Einnahmen je Kunde und Programm. Für mich war schnell klar, dass man gegen das SRF mit Informationssendungen in den ersten Jahren nicht bestehen kann. Darum liessen wir die weg und setzten auf Unterhaltung.</p>
<p><strong>In Deutschland produzieren doch aber viele Privatsender wie Sat.1 und RTL eigene Nachrichtensendungen. Wie passt das zusammen?</strong><br />
Schon. Aber das war bei den privaten TV-Sendern ein sehr langer und investitionsintensiver Prozess. RTL beispielsweise musste über zehn Jahre lang in ihre Newssendung investieren, bis die Zuschauer diese ernst nahmen. Lange Zeit hatte RTL bei den Newssendungen viel tiefere Quoten als beim gut laufenden Unterhaltungsprogramm. Auch darf man Deutschland nicht mit der Deutschenschweiz vergleichen. Deutschland ist rund 15 Mal grösser, damit ist dort auch das Einnahmenpotential massiv höher.</p>
<p><strong>Weshalb ist das so?</strong><br />
Helmut Thoma, Gründer und langjähriger Geschäftsführer von RTL und heute Verwaltungsrat der 3 Plus Group, erklärte dies einmal damit, dass die Zuschauer in den ersten Jahren RTL zwar Kompetenz im Bereich der Unterhaltung zusprachen, nicht aber im Bereich der Nachrichten. Wenn sie sich also trotzdem auf RTL die News anschauten, verifizierten sie hernach auf ARD oder ZDF den Wahrheitsgehalt. Nachrichtensendungen setzen ein grosses Vertrauen in die Nachrichtenkompetenz voraus – und die muss man über Jahre, ja Jahrzehnte aufbauen. Kommt dazu, dass Nachrichtensendungen bis heute den Tagesablauf vieler Zuschauer strukturieren. Der Sendeplatz ist über lange Zeit gelernt. In der Schweiz ist das nicht anders: Mit der <em>Tagesschau</em> und <em>10vor10</em> produziert das Schweizer Fernsehen sehr beliebte Newssendungen, die für viele Zuschauer fix in den Tagesablauf integriert sind. Das SRF ist im Informationsbereich nach wie vor sehr stark, auch dank seiner finanziell komfortablen Lage. Deshalb halte ich es für strategisch unklug, das SRF hier herauszufordern. Dieses Feld überlassen wir gerne Lokalsendern wie Tele Züri, Tele Basel oder Tele M1, die auf Regionalnews fokussieren, und den Tageszeitungen und Online-Plattformen der grossen Verlage.</p>
<p><strong>Also blieb Ihnen nur die Unterhaltung?</strong><br />
Genau. Anfangs starteten wir mit Formaten, die schon auf deutschen Privatsendern beliebt waren und hohe Quoten erzielten: Topserien, Filmklassiker und Blockbuster. Heute haben wir unser Programm mit starken Schweizer Eigenproduktionen wie <em>Bauer, ledig, sucht…</em>, Der <em>Bachelor</em> und <em>Bumann, der Restauranttester</em> angereichert.</p>
<p><strong>Konzessionierte Sender profitieren zwar von Gebührengeldern, müssen aber im Gegenzug strikte Auflagen befolgen, die sich auch auf die Programmgestaltung auswirken können: «Das UVEK kann in der Konzession die Ausstrahlung bestimmter Sendungsarten untersagen, welche der Erfüllung des Leistungsauftrags zuwiderlaufen», steht im Gesetz. Haben Sie die Konzession jüngst zurückgegeben, weil Sie voll auf Ihre Domäne setzen wollten: die Unterhaltung?</strong><br />
Als wir starteten, brauchte man als TV-Sender eine Konzession. Ohne durfte man nicht senden. Heute ist eine Konzession nicht mehr notwendig. Als TV-Sender muss man sich nur beim Bakom anmelden. Sender mit Konzession sind stärker reglementiert als gemeldete Sender und dürfen weniger Werbung ausstrahlen. Wir entschieden uns für mehr Handlungsfreiheit.</p>
<p><strong>Früher waren Sie Geschäftsführer von <em>VIVA Plus</em>, einige Zeit lang haben Sie im Auftrag von SRF Comedy-Sendungen produziert. Wie haben Sie das Arbeitsklima beim Schweizer Fernsehen erlebt?</strong><br />
Ich hatte das Glück, mit meiner Firma zu einer Zeit für das SRF zu produzieren, als es auf SF 2 noch ein Jugendprogramm gab. Ein kleiner Teil der Gebührengelder wurde damals dazu verwendet, jungen Fernsehmachern eine Plattform zu geben, um neue Formate und Fernsehideen auszuprobieren. <em>SF 2</em> und im Speziellen die Sendung <em>Oops</em> waren im wahrsten Sinn des Wortes eine Talentschmiede. Und viele grosse TV-Stars von heute – vor und hinter der Kamera – hatten damals bei <em>Oops</em> ihre Karriere begonnen. Auch ich habe damals mit meinem Team wöchentlich zwei Sendungen produziert. Knapp sechs Jahre lang. Ich schrieb an mehr als hundert Drehbüchern mit, habe alle Sendungen produziert und auch ein paar Mal Regie geführt. Man liess uns in Ruhe arbeiten, und wir konnten uns kreativ austoben. Dafür bin ich dem SRF noch heute sehr dankbar. Leider ist man heute beim SRF nicht mehr ganz so risikofreudig. Und für junge Leute ist es dadurch schwieriger geworden, in der Schweiz Fernseherfahrung zu sammeln.</p>
<p><strong>Wie genau hat sich das SRF in den letzten Jahren entwickelt?</strong><br />
Das SRF programmiert heute sehr viel kommerzieller, gerade in der Unterhaltung, und orientiert sich dabei stark an den Privatsendern. Ein gutes Beispiel dafür ist die Castingshow <em>The Voice of Switzerland</em>. Das gleiche Format gibt es in Deutschland, es wird allerdings auf den privaten Sendern <em>Pro7</em> und <em>Sat.1</em> ausgestrahlt. Die Sendung auf SRF unterscheidet sich in der Machart kaum vom deutschen Pendant. Auch wir wollten für 3+ das Format in der Schweiz produzieren, wurden aber im Pitch vom SRF überboten. Finanziell spielt ein gebührenfinanzierter Sender in einer anderen Liga, da haben wir wenig Chancen, mitzuhalten. Das ist aus medienpolitischen Überlegungen schade.</p>
<p><strong>Das Schweizer Fernsehen hat sich also dem Stil der Privaten angeglichen?</strong><br />
Schauen Sie sich die Formate an: Die öffentlich-rechtliche Adaption von <em>The Voice</em> unterscheidet sich nur wenig von <em>The Voice</em> auf <em>ProSieben</em> in Deutschland. Das SRF kauft mit anderen Worten die gleichen internationalen Formate wie die grossen Privatsender beispielsweise in Deutschland – und produziert sie auch noch so, wie wir Privaten sie produzieren würden. Früher hat das SRF noch Sendungen selber entwickelt; das Einkaufen internationaler Formate, die im privaten Fernsehen erfolgreich waren, war verpönt.</p>
<p><strong>Und wo genau liegt das Problem? Gemäss Artikel 93 der Bundesverfassung trägt das Schweizer Fernsehen nicht nur «zur Bildung und kulturellen Entfaltung», sondern auch «zur Unterhaltung» bei.</strong><br />
Die Diskussion, was unter Service public ganz generell und speziell auch im Bereich der Unterhaltung zu verstehen ist und ob in der Unterhaltung überhaupt eine Service-public-Leistung vom Staatssender SRF erbracht werden soll, ist aus meiner Sicht nun politisch zu führen. Bis anhin wurde der Begriff jedenfalls eigenartig interpretiert: Service public ist einfach das, was die SRG macht. Die SRG bekommt also sehr hohe Gebührengelder, ohne dass klar definiert ist, was damit für Programme und Sendungen, auch im Bereich der Unterhaltung, gezeigt werden sollen. Die Praxis ist zu überdenken und politisch zu diskutieren.</p>
<p><strong>Sie begehren auf?</strong><br />
Nein. Ich finde bloss, dass es einen Entscheid der Legislative braucht. Falls sich in der politischen Diskussion herausstellt, dass eine klare politische Mehrheit mit dieser Praxis einverstanden ist, dann habe ich damit kein Problem. Ich bin Demokrat. Fakt ist aber, dass die Gebührengelder zu Wettbewerbsverzerrungen führen. Wir bieten oft bei Serien, Spielfilmen oder Unterhaltungsprogrammen wie <em>The Voice</em> gegen die SRG. Dabei müssen wir stets berücksichtigen, dass wir diese aus den Werbeeinnahmen refinanzieren können. Die SRG kann dank ihren Gebührengeldern, immerhin 1,2 Milliarden Franken pro Jahr, sehr viel entspannter und grosszügiger verhandeln. Das führt dazu, dass Sendungen, die sonst ein Privatsender ganz ohne Gebühren produziert hätte, dann mit Gebührengeldern unter dem Deckmantel eines nicht näher definierten Service public produziert werden.</p>
<p><strong>Guter Punkt. Anderseits werden Privatsender wie 3+ oft dafür kritisiert, bloss seichte Sendungen zu machen. «Nur weil eine Sendung nach einem einfachen Muster aufgebaut ist, muss sie nicht dumm sein», halten Sie dem entgegen. Wollen Sie ernsthaft behaupten, der <em>Bachelor</em> würde die Zuschauer mehr zum Denken anregen als <em>Sternstunde Philosophie</em>?</strong><br />
(Lacht) <em>Sternstunde Philosophie</em> hat doch etwas ungemein Beruhigendes, ja fast Einschläferndes! Ich bin mir nicht sicher, ob die Sendung die Gehirnaktivität wirklich so stark anregt. Nun, ich folge da einer ganz anderen Theorie, die sich auf den renommierten Medientheoretiker Steven Johnson stützt. Betrachtet man die letzten Jahrzehnte, so stellt man fest, dass der durchschnittliche IQ sich alle 10 Jahre um einen Punkt erhöht hat. Warum? Menschen strengen sich nicht gerne beim Nachdenken an, ausser sie werden von äusseren Umständen dazu gezwungen oder über die Unterhaltung dazu verführt. Vielleicht erinnern Sie sich mit Nostalgie an Fernsehserien wie <em>Dallas</em> oder <em>Miami Vice</em>. Wenn Sie sich diese Sendungen heute ansehen, werden Sie sich brutal langweilen, weil Sie nicht mehr heutigen Qualitätsstandards entsprechen. In der Regel gibt es bei den alten Sendungen nicht mehr als einen Handlungsstrang und die Charaktere sind sehr eindimensional. Die heutige Unterhaltung ist dagegen viel komplexer. Wer sie verstehen will, muss sich als Zuschauer mehr anstrengen als noch vor zehn oder fünfzehn Jahren. Das gilt auch für Reality-Sendungen wie <em>Der Bachelor</em>. Damit sie den <em>Bachelor</em> unterhaltsam finden, müssen Sie die Beziehungen zwischen den verschiedenen Damen und dem Bachelor parallel verstehen und mitverfolgen. Das ist viel komplexer als eine lineare Geschichte mit einem einzigen Handlungsstrang. Das Format mag für Sie oberflächlich daherkommen. Aber es ist erstens sehr anspruchsvoll, eine Sendung in dieser Dichte zu produzieren, und zweitens muss sich der Zuschauer ungleich mehr anstrengen, als wenn er stattdessen die Headlines einer Boulevardzeitung lesen würde, was für die meisten Leute ja auch eine Form von Unterhaltung ist.</p>
<p><strong>Was halten Sie davon, Sendungen wie <em>Sternstunde Philosophie</em> als Pay-per-view-Programme zu produzieren? Sie würden das Kernprogramm des Schweizer Fernsehens ergänzen, doch es würden nur jene Zuschauer dafür zahlen, die die Sendungen auch sehen wollten.</strong><br />
Man kann sich tatsächlich fragen, ob solche Nischenprogramme in einer so hohen Qualität produziert werden sollen. Man könnte sie auch deutlich günstiger herstellen und sie dann einfach nur ins Web stellen. Sie fänden auch so ihre Zuschauer, könnten für alle kostenlos bleiben – und das SRF könnte die Gebühren senken, weil deutlich Kosten gespart würden.</p>
<p><strong>Manche würden das <em>Schweizer Fernsehen</em> am liebsten ganz abschaffen. Wie sehen Sie das?</strong><br />
Ich finde es wichtig, dass es weiterhin eine starke SRG gibt. Wir brauchen für die verschiedenen Sprachregionen Staatssender, die Sendungen zu gesellschaftspolitisch relevanten Themen zeigen. Auf <em>SRF 1</em> laufen sehr gute Hintergrund-, News- und Dokumentarsendungen, die es alle ohne Gebührengelder nicht geben würde. Diese Formate kann man schlicht und einfach nicht über Werbeeinnahmen finanzieren. Dagegen finde ich, dass man über die Rolle der SRG in anderen Bereichen – vor allem dem der Unterhaltung – politisch diskutieren muss. Hier würde der Markt spielen, wenn die Spiesse gleich lang wären.</p>
<p><strong>Inwiefern verzerrt die SRG eigentlich den Werbemarkt?</strong><br />
In Deutschland darf das öffentlich-rechtliche Fernsehen ab 20 Uhr keine Werbung senden. In Frankreich ist es im Moment genauso, und ab 2016 soll die Werbung sogar komplett verschwinden. In der Schweiz können die Sender der SRG fast gleich viel Werbung ausstrahlen wie die Privaten, auch abends. Aber gleichwohl halte ich mit Kritik zurück: Ein Werbeverbot könnte in einem kleinen Land wie der Schweiz meines Erachtens dem gesamten TV-Markt schaden.</p>
<p><strong>Wie meinen Sie das?</strong><br />
Wenn im <em>Schweizer Fernsehen</em> gar keine Werbung ausgestrahlt werden dürfte, würde das den Privaten nicht dienen, ganz im Gegenteil! Im Moment können die Werbekunden durch die Kombination von Werbung auf SRF und den Privatsendern ein grosses Publikum erreichen. Würde die Werbemöglichkeit bei SRF wegfallen, würde das Fernsehen als Plattform ganz grundsätzlich an Attraktivität verlieren. Dadurch würde der Gesamtmarkt kleiner und unattraktiver. Sinnvoller wäre wohl eine Einschränkung der Werbemenge, welche die SRG-Sender anbieten dürfen.</p>
<p><strong>Sie stellen sich als moderaten SRG-Kritiker dar. Dennoch haben Sie vorgeschlagen, dass die SRG Sendungen ausschreiben solle, die dann von den Privatsendern produziert werden könnten. Die Monopolmacht von SRG würde zwar beschränkt – aber da es nur eine Handvoll Privatsender in der Schweiz gibt, käme es zu keinem wirklichen Wettbewerb. Die meisten Formate würden dann wohl von 3+ gemacht.</strong><br />
(Lacht) Nicht schlecht! Mein Vorschlag ging in eine leicht andere Richtung. Zuerst soll die Politik definieren, welche Service-public-Inhalte es für die Gebührengelder geben und in welchen Teilbereichen wie viel investiert werden soll. Danach veranstaltet der Bund eine Ausschreibung für die einzelnen Teilbereiche, zum Beispiel die Tagesschau. An diesem Pitch können sowohl die SRG-Sender als auch alle Privaten mitbieten. Das beste Angebot gewinnt und bekommt den Auftrag. Bei einem solchen Modell würden sicher alle existierenden Privaten mitbieten, zum Beispiel auch die AZ Medien AG. Die Verlage hätten so einen Anreiz, ins Fernsehen zu investieren, und durch die Ausschreibungen käme es wohl auch zu neuen Kooperationen und Projekten. 3+ würde sich wohl eher auf Ausschreibungen im Unterhaltungsbereich konzentrieren, zum Beispiel für <em>The Voice</em>. Wir könnten sicher bei hoher Qualität günstiger produzieren als das SRF. Die Folge wäre, dass mehr in Inhalte und weniger in Strukturen investiert würde, was ich medienpolitisch sinnvoll fände.</p>
<p><strong><em>Avenir Suisse</em> schlug im Herbst 2014 ein anderes Modell vor: die SRG als Public Content Provider. Die SRG wäre darin ähnlich organisiert wie heute, hätte aber keinen eigenen Vertriebskanal. Stattdessen würde sie ihre Inhalte allen zur Verfügung stellen. Was halten Sie davon?</strong><br />
Das kann ich mir nicht so recht vorstellen. Dann würden plötzlich viele Sender identische Inhalte ausstrahlen. Das könnte dazu führen, dass etwa die Zuschauerzahlen der <em>Tagesschau</em> sinken würden, weil sie dann nicht mehr nur auf dem gewohnten Sender zur gewohnten Zeit ausgestrahlt wird, sondern parallel auf 4+, Ringier TV oder TV24. Ich glaube nicht, dass dieses Modell der Idee des Service public entspricht. Es ist wichtig, dass auch die SRG-Programmmitarbeiter ihre Zuschauerzahlen kennen. Denn gute Zuschauerzahlen motivieren, gute Programminhalte für eine breite Bevölkerungsschicht zu produzieren. Wenn alle drei Deutschschweizer SRF-Kanäle schliessen würden, würde das die Nutzung dieser gut produzierten Programminhalte senken, was sicher nicht im Sinne des Gebührenzahlers wäre. Allerdings kann man sich zu Recht fragen, ob es in der Deutschschweiz wirklich drei öffentlich-rechtliche Sender braucht.</p>
<p><strong><em>Netflix</em> ist ein Anbieter, der erkannt hat, dass die Zeit des linearen Fernsehens sich ihrem Ende nähert. Vor kurzem hat der Anbieter in den deutschsprachigen Raum expandiert. In den Niederlanden hat die Firma bereits eine Million Kunden, global rund 14 Millionen. Besonders bei den Jungen – seinem Zielpublikum – ist <em>Netflix</em> sehr beliebt. Versuchen Sie mit 3+ nicht, mit einem Medium Geld zu machen, das seine besten Tage längst hinter sich hat?</strong><br />
Ich bin seit bald fünf Jahren <em>Netflix</em>-Kunde. Wir haben zum ersten Mal vor etwa viereinhalb Jahren versucht, mit <em>Netflix</em> ein Joint Venture für die Schweiz zu starten. Nachdem das nicht geklappt hatte, haben wir dann das Businessmodell und das Programmkonzept intensiv analysiert. Wir haben uns dabei von mehreren früheren <em>Netflix</em>-Managern beraten lassen. Fakt ist: <em>Netflix</em> promotet sich hervorragend. Wie erfolgreich die von <em>Netflix</em> selbst proklamierten Hits allerdings sind, weiss niemand ausserhalb der Firma. Im Free-TV gibt es in allen Ländern Zuschauerzahlen, anhand derer man die Sender vergleichen kann. Netflix veröffentlicht keine solchen Daten. Interessant ist, dass die <em>Netflix</em>-Hitserien, wie zum Beispiel <em>House of Cards</em>, im Free-TV ein Flop waren. Auch laufen Serien, die im Free-TV gut funktionieren, Serien mit abgeschlossenen Folgen, wie <em>Navy CIS</em>, die auch 3+ ausstrahlt, auf SVOD-Diensten wie <em>Netflix</em> nicht gut. Auf Subscription VOD scheinen andere Inhalte beliebt zu sein als im Free-TV. Die Nutzung scheint in vielen Bereichen komplementär zu sein und ergänzt die TV-Nutzung. Ich glaube an das klassische lineare Fernsehen inklusive Online-Verwertung der Programme, sonst hätten wir nicht gerade unseren dritten Sender gestartet. Ein grosser Teil der TV-Nutzung ist nicht geplant und setzt sich aus vielen kleinen Programm-Schnipseln zusammen. Hier ein paar Minuten Krimi, da ein bisschen News. Die Zuschauer wollen oft nicht die ganze Folge einer Serie anschauen und zappen lieber von einem Sender zum nächsten. Bei dieser Art der Nutzung ist Free-TV unschlagbar. Natürlich ist es aber wichtig, dass wir die technologische Entwicklung sehr genau verfolgen und wachsam bleiben. Wichtig wäre auch, dass OTT-Anbieter wie Netflix die gleichen Rahmenbedingungen wie Free-TV-Sender erfüllen müssen. Wir müssen vier Prozent unserer Bruttoeinnahmen in die Schweizer Filmförderung investieren. <em>Netflix</em> keinen Franken.</p>
<p><strong>Ich sehe, niemand weiss, wohin die Reise geht, selbst der SRG-Generaldirektor nicht. Letzte Frage: Wenn Sie mit Herrn de Weck tauschen könnten – würden Sie’s tun?</strong><br />
Ich glaube, ich wäre als SRG-Generaldirektor total ungeeignet. Roger de Weck ist rhetorisch brillant und ein ausgezeichneter Lobbyist. Ich mache lieber Programme, und zwar am liebsten im Unterhaltungsbereich. Die Programme, die wir ausstrahlen, machen mir persönlich auch Spass bei der Produktion. Ich bin gerne nahe am Produkt, nahe bei den Zuschauern. Lobbying ist nicht mein Steckenpferd.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/05/06/gebuehrenfinanzierte-sender-spielen-in-einer-anderen-liga/">«Gebührenfinanzierte Sender spielen in einer anderen Liga»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Private Fernseh-Macher wollen Staatsfernsehen zu Leibe rücken</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/04/16/private-fernseh-macher-wollen-staatsfernsehen-zu-leibe-ruecken/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 Apr 2015 12:42:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Service public]]></category>
		<category><![CDATA[Aargauer Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Privatfernsehen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Vor der Abstimmung über das neue Radio- und Fernsehgesetz dreht sich die Debatte vor allem darum, was die SRG künftig nicht mehr soll. Vor allem im Bereich der Unterhaltung gibt es Diskussionsbedarf.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/04/16/private-fernseh-macher-wollen-staatsfernsehen-zu-leibe-ruecken/">Private Fernseh-Macher wollen Staatsfernsehen zu Leibe rücken</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Vor der Abstimmung über das neue Radio- und Fernsehgesetz dreht sich die Debatte vor allem darum, was die SRG künftig nicht mehr soll. Vor allem im Bereich der Unterhaltung gibt es Diskussionsbedarf. </p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/04/16/private-fernseh-macher-wollen-staatsfernsehen-zu-leibe-ruecken/">Private Fernseh-Macher wollen Staatsfernsehen zu Leibe rücken</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Der Fünfer und das Weggli</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2012/06/27/der-fuenfer-und-das-weggli/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 27 Jun 2012 15:20:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[UVEK]]></category>
		<category><![CDATA[Privatfernsehen]]></category>
		<category><![CDATA[Bakom]]></category>
		<category><![CDATA[Telesuisse]]></category>
		<category><![CDATA[SRG]]></category>
		<category><![CDATA[Gebühren]]></category>
		<category><![CDATA[Bundesrat]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Geldsegen kommt überraschend aber natürlich nicht ungelegen. Schweizer Regionalfernsehsender erhalten zusätzliche Gebührenmillionen, nachdem erst kürzlich der Eigenfinanzierungsgrad gesenkt wurde. Das reiche noch nicht, sagt die Branche und fordert bessere gesetzliche Rahmenbedingungen. Es ist wie Weihnachten im Sommer. Anstatt erst 2013, erhalten Regionalfernsehen und Lokalradios bereits rückwirkend auf Anfang Jahr zusätzliche vier Millionen Franken an <a href="https://medienwoche.ch/2012/06/27/der-fuenfer-und-das-weggli/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/06/27/der-fuenfer-und-das-weggli/">Der Fünfer und das Weggli</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="alignleft" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2012/06/logo_telesuisse.jpg" alt="" width="120" height="120" /> Der Geldsegen kommt überraschend aber natürlich nicht ungelegen. Schweizer Regionalfernsehsender erhalten zusätzliche Gebührenmillionen, nachdem erst kürzlich der Eigenfinanzierungsgrad gesenkt wurde. Das reiche noch nicht, sagt die Branche und fordert bessere gesetzliche Rahmenbedingungen.<br />
<span id="more-30499"></span><br />
Es ist wie Weihnachten im Sommer. Anstatt erst 2013, erhalten Regionalfernsehen und Lokalradios bereits rückwirkend auf Anfang Jahr zusätzliche vier Millionen Franken an Gebührengeldern. Das hat das Bundesamt für Kommunikation <a href="http://www.bakom.admin.ch/themen/radio_tv/marktuebersicht/00519/index.html?lang=de" target="_blank">letzte Woche bekanntgegeben</a>. Der Löwenanteil von 3.2 Millionen Franken geht an die 13 regionalen TV-Veranstalter. Die zusätzlichen Mittel stehen zur Verfügung, weil es mehr Gebührenzahler gibt.</p>
<p>Gemäss Radio- und Fernsehverordnung muss alle fünf Jahre die Höhe der Gebührenanteile überprüft und allenfalls angepasst werden. Die nächste Runde wäre 2013 fällig gewesen. Aus zwei Gründen hat das UVEK von Bundesrätin Leuthard nun entschieden, bereits heute das Geld zu verteilen.</p>
<p>Zum einen hat der Bundesrat bereits vor zwei Jahren entschieden, dass für die privaten, konzessionierten Sender 54 Millionen Franken aus dem Gebührentopf zur Verfügung stehen. Zum anderen soll der vorzeitige Geldsegen die Folgen der schlechten konjunkturellen Entwicklung der letzten Jahre abzumildern helfen.</p>
<p>So ist auch zu erklären, weshalb jeder der 13 Sender mehr Geld erhält, obwohl die statistischen Daten und finanziellen Kennzahlen zur Neuberechnung der Gebührenanteile für einzelne Sender eine Gebührensenkungen zur Folge gehabt hätte. In einem medienpolitischen Richtungsentscheid hat das UVEK nun beschlossen, dass die «Besitzstandwahrung» bei der Vergabe der Gebühren zu berücksichtigen sei.</p>
<p>Es ist dies bereits der zweite staatliche Eingriff innert kurzer Zeit, mit dem Ziel, den schwächelnden Regionalsendern über die Runden zu helfen. Neben dem zusätzlichen Gebührengeld wurde der Eigenfinanzierungsgrad auf 30 Prozent gesenkt. Das heisst: 70 Prozent des Betriebsaufwands kann ein Privatsender heute mit den Empfangsgebühren decken.</p>
<p>Telesuisse, der Verband der Regionalfernsehen, sieht die Erhöhung der Gebührenanteile als einen Schritt in die richtige Richtung, findet aber, dass nun die gesetzlichen Rahmenbedingungen deutlich <a href="http://telesuisse.createsend.com/t/ViewEmailArchive/j/1D143A2F9653B3C8/C67FD2F38AC4859C/" target="_blank">verbessert werden müssten</a>, um die Lage der Sender zu verbessern. Konkret geht es um die Vergrösserung der Sendegebiete. Das bringe etwas mehr Zuschauer und höhere Werbeerträge, sagte <a href="https://medienwoche.ch/2012/05/14/anpassung-an-die-realitaet/" target="_blank">Telesuisse-Präsident André Moesch</a> Mitte Mai der MEDIENWOCHE, aber natürlich auch nicht das grosse Geld. Man will also den Fünfer und das Weggli: Gebührenmillionen und möglichst günstige Rahmenbedingungen.</p>
<p>Ob sie beides kriegen, entscheidet letztlich die Politik mit der bald anstehenden Revision des Radio- und Fernsehgesetzes. Doch egal wie die Rahmenbedingungen in Zukunft aussehen werden, können sich 13 regionale TV-Sender in der Schweiz nie alleine aus dem Werbemarkt finanzieren. Eine entscheidende Frage wird deshalb sein, ob die gebotene Leistung der Sender weiterhin 54 Millionen an Gebührengeldern wert ist. Da Politiker dazu neigen, mediale Plattformen zu unterstützen, die auch ihnen Auftrittsmöglichkeiten bieten, sei die Prognose gewagt, dass sich am bestehenden System des gebührenfinanzierten «Privatfernsehens» wenig ändern wird.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/06/27/der-fuenfer-und-das-weggli/">Der Fünfer und das Weggli</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>«Dicke Frauen gehören in den Zirkus»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2012/06/11/dicke-frauen-gehoeren-in-den-zirkus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 11 Jun 2012 09:33:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Alexander Wenger]]></category>
		<category><![CDATA[Britt]]></category>
		<category><![CDATA[Britt Hagedorn]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Oberfuchshuber]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Ingo Stabler]]></category>
		<category><![CDATA[Fernsehen]]></category>
		<category><![CDATA[Sat.1]]></category>
		<category><![CDATA[TV]]></category>
		<category><![CDATA[Talkshow]]></category>
		<category><![CDATA[Hamburg]]></category>
		<category><![CDATA[Privatfernsehen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Bei Britt Hagedorn auf Sat.1 wird seit über elf Jahren wochentags um 13 Uhr über Beziehungsfragen diskutiert. Als Redaktionspraktikant ist der Zürcher Alexander Wenger für drei Monate mittendrin im täglichen Wahnsinn zwischen Sex und Betrug. Nicht nur Vaterschaft, Schwangerschaft und Geschwisterschaft werden mit Tests erwiesen, auch für Lügen steht ein Detektor bereit. Gesucht wird nichts <a href="https://medienwoche.ch/2012/06/11/dicke-frauen-gehoeren-in-den-zirkus/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Bei Britt Hagedorn auf Sat.1 wird seit über elf Jahren wochentags um 13 Uhr über Beziehungsfragen diskutiert. Als Redaktionspraktikant ist der Zürcher Alexander Wenger für drei Monate mittendrin im täglichen Wahnsinn zwischen Sex und Betrug. Nicht nur Vaterschaft, Schwangerschaft und Geschwisterschaft werden mit Tests erwiesen, auch für Lügen steht ein Detektor bereit. Gesucht wird nichts als die Wahrheit.<br />
<span id="more-30492"></span><br />
«Hier ist Marc!», ruft Britt, zeigt auf die sich öffnende Türe &#8211; und das Publikum schreit im Chor: «mit dem Silberkoffer!». Er bringt<br />
nicht nur wissenschaftliche Gentests ins Studio, sondern auch die Ergebnisse der Lügendetektor-Auswertung, die in der Sendung die vorherigen Diskussionen wie absolute Wahrheiten abschliessen. Es ist das fünfte Mal an diesem Abend, in der Marc, der <a href="https://www.youtube.com/watch?v=1X4Nh9X9JzA">eigentlich Robert</a> heisst, zu seiner Erkennungsmelodie ins Studio schreitet &#8211; und immer jubelt das Publikum begeistert. Das liegt am dauergrinsenden Einheizertalent Christian Oberfuchshuber, der vom Rand des Studios die Aahs, Oohs und Buhs, die durch das Publikum gehen, vorgibt, wie auf den Aufnahmen stets gut zu hören ist. Ich sitze im Publikum, in der hintersten Reihe. Wer sich nicht meldet, werde auch nicht einbezogen, wurde mir versichert. Eine der zwei am 31. Mai aufgezeichneten Sendungen wurde letzten Freitag ausgestrahlt: <a href="http://www.sat1.de/tv/britt/video/mcsex-ganze-folge">«McSex &#8211; Warum verschleuderst du dich so billig?»</a>.</p>
<p>Die Menschen, die bei «Britt» auftreten, können in zwei Gruppen aufgeteilt werden.</p>
<p>Die eine Gruppe hat etwas zu erzählen, will diskutieren, sich selbst darstellen. In diese Meinungssendungen zieht es eher Selbstdarsteller, die sich begeistert, gar ausufernd in Szene setzen, um dann auf Facebook über ihren Auftritt zu berichten und auch direkt die online gestellen Videos kommentieren. Sie wollen ihre Fähigkeiten bekannt machen, vielleicht irgendwann berühmt werden, die TV-Präsenz zu ihren Gunsten ausnutzen.</p>
<p>Die andere Gruppe möchte ein Problem oder eine Situation auflösen und Britt soll ihnen dabei behilflich sein: Als Kommunikationshilfe, mit Rat oder auch mit der Übernahme von kostenpflichtigen Gentests, die zweifelsfrei bzw. zu 99.99% beweisen, wer wie mit wem verwandt ist. Gerade Vaterschaftstests werden gerne von den neuen Frauen der inzwischen getrennt von den Müttern lebenden Väter angeregt, es könnte ja sein, dass sich die neue Beziehungsgemeinschaft die Alimente für die in der alten Beziehung auf die Welt gestellten Kinder sparen könnte. Ein weiteres Argument ist der Preis: Für ein paar Minuten Präsenz im Fernsehen spart man sich hunderte von Euros, die beispielsweise ein Vaterschaftstest kostet. Solche Gäste sind durchaus erwünscht, sonst könnte beim offiziellen <a href="http://www.schwartzkopff-tv-tickets.de/casting_formular.php?actpage=Casting&amp;pagetitle=Schwartzkopff%20TV%20-%20Ticketing%20-%20Casting%20Formular&amp;format=bei%20Britt">Casting-Formular</a> nicht gewählt werden zwischen Themen wie «Meine Ex will mir ein Kind unterjubeln» oder «Britt zahlt deinen Vaterschaftstest». Produziert wird «Britt» von der Firma <a href="http://www.schwartzkopff-tv.de/produktionen/aktuelle_produktionen">Schwartzkopff TV-Productions</a>, die auch für das öffentlich-rechtliche Fernsehen Unterhaltungssendungen macht. Sie gehört zu 100 Prozent zum Axel Springer Verlag.</p>
<p>Der bald 26-jährige Alexander Wenger ist seit rund zwei Monaten Redaktionspraktikant in der «Britt»-Redaktion, vorher arbeitete er zwei Jahre in der Nachrichtenredaktion von Tele Züri. Die Skepsis einiger Kollegen und Freunde war gross, als er ihnen von seinem Transfer in eine Talkshow-Redaktion erzählte. Seine bisherige Erkenntnis ist, dass bei Britt tiefer recherchiert werde als bei den Nachrichten. Es verwundert ihn, wie sehr ihm die Menschen, die in die Sendung kommen sollen, vertrauen. «Das ist einerseits sehr spannend, andererseits ist es krass, wie rasch man zum Vermittler wird bei diesen Problemen.»</p>
<p>Die Lügendetektor-Auswertung wird gemäss Redaktionsleiter Ingo Stabler von zwei Wissenschaftlern durchgeführt, die in den USA an solchen (dort vor Gericht als Beweismittel zugelassenen) Geräten ausgebildet wurden. «Wir verwenden nur jene Ergebnisse, bei denen sich die Fachmänner sicher sind, alle anderen deklarieren wir als ‹nicht auswertbar›. Im Zweifelsfall entscheiden wir immer zugunsten des Angeklagten.» Die Verkündigung der Ergebnisse ist dennoch manchmal sehr hart, wie <a href="http://www.sat1.de/tv/britt/video/clip-miese-mieze-clip">dieser kurze Clip</a> deutlich beweist. In der zweiten am Abend aufgezeichneten Sendung wollte ein junger Mann seiner Freundin seine Liebe beweisen (geplante Ausstrahlung am 15. August). Die Fragen «Findest Du sie attraktiv?» und «Liebst Du sie?» beantwortete er beide Male mit einem «Ja». Der Lügendetektor sah das aber anders und spuckte zwei Mal erbarmungslos die Antwort «Lüge!» aus, was das dazu animierte Publikum mit einem lauten «Buh!» quittierte. Die Verlässlichkeit von Lügendetektoren ist umstritten, es gibt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%BCgendetektor#Kritik_an_L.C3.BCgendetektoren">eine Reihe von Kritikpunkten</a>.</p>
<p>Davon abgesehen macht die Redaktion aber den Eindruck, sich redlich um die Wahrheit zu bemühen und gibt sich die Devise, nur echte Gäste mit echten Storys einzuladen. Natürlich werde das Spannende an den Geschichten herausgerissen und plakativ verkauft, sagt Wenger, sie seien aber immer echt, soweit das zu überprüfen sei. Die Aussagen der Gäste sind mächtig zugespitzt, so wird Gast Robin in der Ausgabe <a href="http://www.sat1.de/tv/britt/video/kleine-brueste-fette-kiste-ganze-folge">«Kleine Brüste, fette Kiste! Trotzdem bin ich sexy!»</a> schon mal mit dem Zitat «Dicke Frauen gehören in den Zirkus» eingeführt.</p>
<p>Vor einer Einladung werden neue Talkshow-Gäste mit einer Liste von Schwartzkopff TV-Productions abgeglichen, Faker, nicht zur Aufzeichnung Erschienene oder Bevormundete sind gesperrt. Wenger findet, der Unterschied der «Britt»-Gäste zu den Laiendarstellern der Scripted-Reality-Shows sei klar erkennbar: «Dort gibt es nur immer das Erzählschema ‹Problem, Streit, Lösung›. Bei Britt bleiben die Storys manchmal unschlüssig. Wir telefonieren bis zu 40 oder 50 mal mit den Gästen, da braucht ein Fake sehr viel Energie.» Misstrauisch wird die Redaktion, wenn alle Details stimmen oder gar keine. Fälscher, die auffliegen, werden wieder nach Hause geschickt, es wurden auch schon Sendungen abgebrochen und nicht gesendet. «Es wäre für uns alle sehr viel einfacher, wenn es keine echten Fälle wären», sagt Wenger weiter. Leute, die sich partout nicht vorstellen können, dass Menschen solche Probleme haben und sie auch noch am Fernsehen ausbreiten, würden vergessen, dass sie sich selbst in einem ganz anderen Umfeld befinden als die Gäste. «Beziehungsprobleme gibt es in allen Schichten, doch nur ein paar Menschen reden halt auch am Fernsehen darüber.»</p>
<p>Redaktionsleiter Stabler bekräftigt den Anspruch, keine vorgetäuschten Geschichten zu liefern: «Wir sind die einzigen, die am Nachmittag die Wahrheit bringen.» Wieso die Sendung trotzdem immer wieder mit Fake-Vorwürfen konfrontiert werde, kann er nicht verstehen. «Bei uns sind doch die wahrhaften Emotionen, die wahren Gefühle.» Tatsächlich ist der Rest des Sat.1-Nachmittags von Laiendarstellern bevölkert, die sich mehr schlecht als recht in modernem Bauerntheater, auch <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Scripted_Reality">Scripted Reality</a> genannt, versuchen. Gemäss Stabler erhalten die Gäste bei «Britt» lediglich die Spesen und ein Handgeld von 50 Euro. Ganz ausschliessen wird man Fake-Vorwürfe nie können, aber die Emotionalität einzelner Gäste macht es schwer zu glauben, sie könne gespielt werden, so zum Beispiel bei dieser <a href="http://www.sat1.de/tv/britt/video/totalschaden-ganze-folge">Versöhnung</a> eines Vaters mit seiner leiblichen Tochter (ab Minute 15).</p>
<p>Zeit, bei den Gästen selbst nachzufragen. Michael Frenken, der in <a href="http://www.sat1.de/tv/britt/video/totalschaden-ganze-folge">«Totalschaden &#8211; unsere Liebe ist entgleist!»</a> zu Wort kam, war das erste Mal bei «Britt» und würde auf jeden Fall wieder hingehen. Er fand die Sendung gut, negativ sei nur, dass er seine Frau nicht zurückgekriegt habe. Viktoria Lapidus, die zum Thema <a href="http://www.sat1.de/tv/britt/video/clip-kleine-brueste-fette-kiste-clip">«Kleine Brüste, fette Kiste! Trotzdem bin ich sexy!»</a> eingeladen war, hätte nicht gedacht, dass sie «ohne triftigen Grund» so angegriffen werde von den anderen. «Ich war wirklich sehr wütend während der Sendung. Aber ich habe mich sehr gut verteidigt und am Ende sogar richtig Spass gehabt, das Publikum war ja auf meiner Seite.» Rückblickend spricht sie von einer «super Erfahrung». Ähnliches berichtet auch Ammar Hanif, der Mann in der grünen Hose, der bei <a href="http://www.sat1.de/tv/britt/video/mcsex-ganze-folge">«McSex»</a> mitdiskutierte: «Ich werde auf jeden Fall wieder hingehen, weil diese Sendung das dargestellt hat, was ich denke und mich somit nun ein Stückchen positiver zeigt.» Übereinstimmend berichten alle drei, dass von der Redaktion dazu angehalten wurden, die Wahrheit, bzw. ihre Wahrheit zu erzählen, was sie auch getan hätten.</p>
<p>Die 40-jährige Talkleiterin <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Britt_Hagedorn">Britt Hagedorn</a> studierte übrigens Kulturwissenschaft, Literaturwissenschaft und Kunstgeschichte mit Schwerpunkt Sprache, Kommunikation und Ästhetische Gestaltung. Und ob man sie mag oder nicht, eins muss man ihr lassen: Sie macht ihren Job ziemlich gut. Denn es ist schon eine Herausforderung, die nicht immer pflegeleichten Gäste sowie das Publikum in Schach zu halten, nicht zu vergessen, wer wen wann wie betrogen hat und wer wie mit wem verwandt ist und dann auch noch immer gute Laune und Interesse auszustrahlen. Ausserdem gilt es, eine für alle Beteiligten akzeptierbare Balance zu halten zwischen der zugespitzten Story und der Verletzbarkeit der Eingeladenen. Nicht vergessen sollte man auch, dass alle Beteiligten aus freien Stücken dabei sind und nicht gegen ihren Willen, so wie jene, die mit ihrer Geschichte in eine Fernsehsendung oder auf die Seite 1 einer Boulevardzeitung gehievt werden.</p>
<p><small>«Britt», Sat.1, wochentags um 13 Uhr.<br />
Die Gespräche mit Alexander Wenger und Ingo Stabler wurden am 1. Juni 2012 in Hamburg geführt.</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/06/11/dicke-frauen-gehoeren-in-den-zirkus/">«Dicke Frauen gehören in den Zirkus»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>«Anpassung an die Realität»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2012/05/14/anpassung-an-die-realitaet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 14 May 2012 17:12:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Bakom]]></category>
		<category><![CDATA[Regionalfernsehen]]></category>
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		<category><![CDATA[André Moesch]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die wirtschaftliche Situation von Privatradio und Regionalfernsehen in der Schweiz habe sich in den letzten fünf Jahren «klar verbessert». Das sagt eine aktuelle Studie der Firma Publicom. Doch insgesamt bewegt sich der private Rundfunk finanziell weiterhin auf bescheidenem Niveau. Die Branchenvertreter haben sich damit abgefunden, dass ihre Sender grossmehrheitlich nur dank öffentlichen Geldern überleben. André <a href="https://medienwoche.ch/2012/05/14/anpassung-an-die-realitaet/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" alt="" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2012/02/dose.jpg" class="alignleft" width="120" height="120" /> Die wirtschaftliche Situation von Privatradio und Regionalfernsehen in der Schweiz habe sich in den letzten fünf Jahren «klar verbessert». Das sagt eine aktuelle Studie der Firma Publicom. Doch insgesamt bewegt sich der private Rundfunk finanziell weiterhin auf bescheidenem Niveau. Die Branchenvertreter haben sich damit abgefunden, dass ihre Sender grossmehrheitlich nur dank öffentlichen Geldern überleben. André Moesch vom Regionalfernsehverband Telesuisse nimmt Stellung zur Studie und den Aussichten auf gelockerte Rahmenbedingungen.<br />
<span id="more-30479"></span><br />
Zuerst die gute Nachricht: Die Privatradios in der Schweiz stehen mehrheitlich auf gesunden Beinen. Als Indikatoren dafür gelten eine durchschnittliche Eigenkapitalquote von 42 Prozent sowie Cash Flows von 15 Prozent und mehr. Diese Zahlen hat die Firma Publicom im Auftrag der Branchenverbände und des Bakom zusammengetragen. Heute morgen wurde die <a href="http://www.publicom.ch/2012/05/14/wirtschaftliche-situation-im-schweizer-privatrundfunk/" target="_blank">Studie zur wirtschaftlichen Situation von Privatradio und Regionalfernsehen</a> in Bern der Öffentlichkeit vorgestellt.</p>
<p>Dann die weniger gute Nachricht: Der positive Gesamteindruck bei den Privatradios täuscht. Neben acht Sendern, die gemäss Studie als «hochrentabel» gelten, gibt es auch welche, die in argen Geldnöten stecken. Ein Muster für diese grossen Unterschiede konnten die Autoren der Studie keines erkennen. Weder spielt die Grösse des Senders für den wirtschaftlichen Erfolg eine Rolle – es gibt auch kleine die rentabel arbeiten –, noch dient die Einbindung in einen Medienverbund als Erklärung für gesunde Finanzen.</p>
<p>Und schliesslich die schlechte Nachricht: Für Regionalfernsehen gibt es in der Schweiz keinen Markt. Oder wie es André Moesch vom Branchenverband Telesuisse sagt: «Ohne Gebühren geht es überhaupt nicht.» Im Werbemarkt ist das einheimische Privatfernsehen mit einem mickrigen Gesamtumsatz von 36 Millionen Franken nahezu bedeutungslos. Zum Vergleich: Die Privatradios haben 2010 auf dem Werbemarkt 153 Millionen erwirtschaftet.</p>
<p>Was tun? Die Autoren der Studie schreiben in ihrem Fazit: «Die Eigenwirtschaftlichkeit der gesamten Branche bei gleichem Leistungsumfang dürfte aber ohne massive Änderungen der politischen Rahmenbedingungen ein kaum erreichbares Ziel bleiben.» Doch was heisst das in einem Markt, der keiner ist und politisch gewollt keiner sein soll? In der heutigen Medienordnung schliessen sich «Eigenwirtschaftlichkeit» und «politische Rahmenbedingungen» gegenseitig aus.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft" src="https://www.tvo-online.ch//files/moesch_andr__256x144.jpg" alt="" width="256" height="144" /> Für André Moesch, <a href="http://www.tvo-online.ch/index.php?article_id=18" target="_blank">Geschäftsleiter TVO</a> und Vize-Präsident von <a href="http://www.telesuisse.ch/de" target="_blank">Telesuisse</a>, ist das kein Widerspruch, sondern die Realität an die sich auch künftige Regulierung anpassen muss.</p>
<p><strong>Herr Moesch, haben Sie die Ergebnisse der Publicom-Studie überrascht?</strong><br />
In keiner Weise. Für mich hat die Studie sehr viel bestätigt, was ich eigentlich schon wusste. Am erstaunlichsten waren die deutlichen Unterschiede zwischen Radio und Fernsehen. Für mich hat das gezeigt: Fernseh machen ist doppelt so schwierig, wie Radio machen.</p>
<p><strong>Welche Schlüsse ziehen Sie aus der Studie?</strong><br />
Was jetzt schon klar ist, dass die Rahmenbedingungen für das Regionalfernsehen noch stärker ein Thema werden. Es geht letztlich um die Frage, wie man es in der Schweiz schafft, gesetzlich und finanziell die Regionalsender so aufzustellen, dass sie wirtschaftlich auf sicherem Boden stehen.</p>
<p><strong>Da sind ja schon ein paar Sachen angedacht. So soll mit der Revision der Radio- und Fernsehverordnung die Eigenfinanzierungsquote auf 30 Prozent gesenkt werden. Was bringt das?</strong><br />
Die geltende Regelung führt heute zu Problemen, wenn es Sender nicht schaffen, 50 Prozent ihrer Mittel auf dem Werbemarkt zu beschaffen. Dann erhalten sie nicht den vollen Gebührenanteil, der für den Sender vorgesehen wäre. Neu sollen sie nur noch 30 Prozent aus eigener Kraft erwirtschaften müssen, damit sie den vollen Gebührenbetrag erhalten. Wirtschaftlich wird sich das natürlich positiv auswirken. Allerdings sind davon nur wenige Sender betroffen. Mehr Geld in absoluten Zahlen wird es mit der neuen Regelung nicht geben. Es hilft aber besser auszuschöpfen, was den Sendern eigentlich zusteht. Es ist eine Anpassung an die Realität.</p>
<p><strong>Eine andere vorgesehene Erleichterung: Künftig sollen Regionalsender ihr Programm auch ausserhalb ihres Versorgungsgebiets ausstrahlen dürfen.</strong><br />
Das wird sicherlich einen positiven Effekt haben, weil die künstlichen Grenzen der Versorgungsgebiete aufgehoben werden. Das bringt ein bisschen mehr Zuschauer und etwas höhere Werbeerträge. Insgesamt ist das sicher der richtige Weg. Doch das Kerngeschäft der Regionalsender bleibt auch in Zukunft ihre Region. Dazu verpflichtet sie weiterhin der Leistungsauftrag für einen regionalen Service public.</p>
<p><strong>Aktuell gibt es 13 Versorgungsgebiete. Ist das auch in Zukunft eine sinnvolle Einteilung?</strong><br />
Wirtschaftlich würden kleinräumigere Strukturen, also zusätzliche Versorgungsgebiete, nicht funktionieren und grössere sind nicht mehr notwendig, wenn die Grenzen der Verbreitung aufgehoben werden. Damit werden sich die Sender automatisch so weit ausbreiten, wie sie es für sinnvoll halten.</p>
<p><strong>Anders gefragt: Sind 13 gebührenfinanzierte Regionalsender nicht ein paar zu viel?</strong><br />
Der Entscheid, in wie viele Versorgungsgebiete die Schweiz eingeteilt wird, hängt für mich davon ab, welche Kommunikationsräume es tatsächlich gibt. Nur so kann Regionalfernsehen seinen Zweck erfüllen. Als sprachregionale oder nationale Sender haben die Privaten keine Chance. Dieses Grundgesetz wird bleiben.</p>
<p><strong>Nun gibt es mit TeleZüri einen Sender, der ganz ohne Gebühren und ohne Konzession wirtschaftlich bestehen kann. Ist das die Ausnahme, die die Regel bestätigt?</strong><br />
TeleZüri funktioniert im Grossraum Zürich so gut, weil dies der grösste Wirtschaftsraum mit einem grossen Fernsehpublikum ist. In anderen Regionen würde das nicht funktionieren. In dem Sinn ist TeleZüri ein Einzelfall.</p>
<p><strong>Was können die Gebührensender von TeleZüri lernen?</strong><br />
Ich finde interessant zu beobachten, dass sich das Programm von TeleZüri nicht gross von denjenigen der gebührenfinanzierten Sendern unterscheidet: News und Talks in einer Stundenschlaufe, vielleicht ein bisschen mehr Unterhaltung, aber nicht in einem Mass, dass man sagen müsste, die spielen in einer anderen Fernsehkategorie. Das zeigt mir auch, dass dieses Konzept so falsch nicht sein kann, ob mit oder ohne Konzession.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/05/14/anpassung-an-die-realitaet/">«Anpassung an die Realität»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Problematisches Privileg</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2012/02/21/problematisches-privileg/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Feb 2012 08:30:46 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Die 13 konzessionierten Regionalfernsehen der Schweiz müssen künftig nur noch 30 Prozent ihres Aufwands selbst finanzieren. Für die restlichen 70 Prozent kommt der Gebührenzahler auf. Diese Lockerung erfolgt zwar im Sinn des Gesetzgebers, ist aber medienpolitisch nicht unbedingt sinnvoll. Heute gilt für die Finanzierung der konzessionierten Regionalsender folgende Regel: Um einen Gebührenfranken zu erhalten, müssen <a href="https://medienwoche.ch/2012/02/21/problematisches-privileg/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/02/21/problematisches-privileg/">Problematisches Privileg</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2012/02/tv_klein.jpg" alt="" width="120" height="120" />Die 13 konzessionierten Regionalfernsehen der Schweiz müssen künftig nur noch 30 Prozent ihres Aufwands selbst finanzieren. Für die restlichen 70 Prozent kommt der Gebührenzahler auf. Diese Lockerung erfolgt zwar im Sinn des Gesetzgebers, ist aber medienpolitisch nicht unbedingt sinnvoll.<br />
<span id="more-30438"></span><br />
Heute gilt für die Finanzierung der konzessionierten Regionalsender folgende Regel: Um einen Gebührenfranken zu erhalten, müssen sie einen Franken auf dem Werbemarkt erwirtschaften. Mit der Teilrevision der Radio- und Fernsehverordnung RTVV sollen diese <a href="http://www.news.admin.ch/message/index.html?lang=de&amp;msg-id=43428" target="_blank">Spielregeln gelockert werden</a>.</p>
<p>Schon heute profitieren vier Regionalsender von weniger strengen Bestimmungen. Bei ihnen sei «die Erfüllung des Leistungsauftrags mit einem besonders hohen Aufwand verbunden». Jetzt sollen alle 13 konzessionierten Regionalsender nur noch 30 Prozent ihres Aufwands aus eigenen Mitteln bestreiten müssen, 70 Prozent können sie aus dem Gebührentopf beziehen. Zusätzliches Geld wird jedoch keines bereitgestellt.</p>
<p>Als Grund für die neuen Regeln nennt das Bundesamt für Kommunikation zu optimistische Prognosen bezüglich der voraussichtlichen Werbeeinnahmen. Die in den Konzessionen von 2008 formulierten Erwartungen an die Eigenfinanzierung der Sender seien zu hoch gewesen, wie Jahresergebnisse der Regionalfernsehen aus den Jahren 2009 und 2010 zeigten.</p>
<p>Die Lockerung der Spielregeln erfolgt in präventiver Absicht: 2010 konnte nur ein Sender den ihm zustehenden Gebührenbetrag nicht ausschöpfen, weil sein Werbeanteil zu gering war, <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/ipad/schweiz/Verleger-bekommen-mehr-Gebuehren-fuer-RegionalTV/story/10533132" target="_blank">schreibt der Tages-Anzeiger</a>. Die Sender werden es zu danken wissen, wenn man ihnen ohne Not unter die Arme greift. Gemäss Bakom erfolgt der Schritt damit die «ursprünglich beabsichtigte Unterstützungswirkung zugunsten des lokalen privaten Service public» nicht gefährdet werde.</p>
<p>Das Signal ist klar: Droht wirtschaftliches Ungemach, kommt die helfende Hand der Behörden. Damit erhalten die Privatsender de facto eine staatliche Existenzgarantie. «Privat» reimt sich nur noch auf die Unternehmensform, aber nicht mehr auf wirtschaftliche Unabhängigkeit. Damit gleichen die Regionalsender immer stärker der grossen Schwester SRG, nachdem sie nun auch überwiegend mit Gebühren finanziert sind.</p>
<p>Auch wenn es das Gesetz so vorsieht: Die Privilegierung des Regionalfernsehens wirkt zunehmend anachronistisch in einer Medienlandschaft, die im Lokalen und Regionalen nicht eben an einer Unterversorgung leidet, ja noch nie gelitten hat. Zwar erbringen die regionalen TV-Programme einen Service public, aber das tun auch andere – jedoch aus freien Stücken und ohne Leistungsauftrag und Gebührengelder. Offenbar gibt es dafür ein Bedürfnis und auch einen Markt.</p>
<p>Erstaunlich gut gehalten haben sich die lokalen TV-Sender, wie beispielsweise <a href="http://www.tele-d.ch/" target="_blank">Tele Diessenhofen </a>oder <a href="http://www.alf-tv.ch/" target="_blank">ALF TV</a> (siehe Bildergalerie). Sie haben bis 2007 <a href="http://www.werbewoche.ch/zeitung/die-amateure-gehen-leer-aus" target="_blank">auch Gebühren erhalten</a>, verloren aber dieses Privileg mit Inkrafttreten des neuen Radio- und Fernsehgesetzes, das eine Konzentration der öffentlichen Mittel auf die 13 konzessionierten Sender vorsah. Entgegen den damaligen Befürchtungen kommen die Amateur- und Dorfsender auch ohne Gebühren – vor allem dank ehrenamtlichem Engagement – ganz gut über die Runden. Ebenfalls als Anbieter von lokalem Service public haben sich Web-TV-Formate etabliert. Zum Beispiel die Plattform <a href="http://internettv.ch/" target="_blank">internettv.ch</a>, die kompetent und kontinuierlich aus <a href="http://www.fürstenlandtv.ch/regionen/furstenland" target="_blank">zahlreichen Regionen der Schweiz</a> berichtet. Ihre Videobeiträge unterscheiden sich in qualitativer Hinsicht nicht von den gebührenfinanzierten Regionalsendern.</p>
<p>Aus der medienpolitisch unbefriedigenden Situation gibt es zwei Auswege. Entweder überlässt man die «Privaten» dem freien Markt und setzt auf Wettbewerb. Vor zwölf Jahren war das <a href="http://www.bakom.admin.ch/dokumentation/gesetzgebung/00512/01031/01039/index.html?lang=de" target="_blank">schon einmal so vorgesehen</a> im Entwurf zum geltenden Radio- und Fernsehgesetz. In der parlamentarischen Beratung blieb der Vorschlag aber chancenlos. Oder man <a href="https://medienwoche.ch/2011/09/19/medien-jenseits-von-markt-und-staat/" target="_self">gestaltet das Gebührensystem neu</a> und anerkennt, dass lokaler und regionaler Service public von einer Vielzahl Anbieter auf unterschiedlichen Kanälen – von Print bis Web – angeboten wird und unterstützt diese Angebote entsprechend mit öffentlichen Mitteln. Die Privilegierung einer einzelnen Medienkategorie, wie dies gegenwärtig mit der Gebührenfinanzierung des Regionalfernsehens geschieht, lässt sich kaum mehr rechtfertigen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/02/21/problematisches-privileg/">Problematisches Privileg</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Ohne public, ohne Zukunft?</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2012/02/07/ohne-public-ohne-zukunft/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Feb 2012 17:12:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>32 Millionen Franken erhalten 13 Regionalfernsehsender pro Jahr aus dem Gebührentopf. Neben der SRG ist dies das zweite Standbein des Service public in der Schweiz. Als Gegenleistung für die Gebühren müssen die Sender einen regionalen Service public liefern. Das tun sie ganz zur Zufriedenheit der amtlichen Qualitätsprüfer. Bei der Abstimmung mit der Fernbedienung schneiden die <a href="https://medienwoche.ch/2012/02/07/ohne-public-ohne-zukunft/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/02/07/ohne-public-ohne-zukunft/">Ohne public, ohne Zukunft?</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" alt="" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2012/02/tv_klein.jpg" class="alignleft" width="120" height="120" /> 32 Millionen Franken erhalten 13 Regionalfernsehsender pro Jahr aus dem Gebührentopf. Neben der SRG ist dies das zweite Standbein des Service public in der Schweiz. Als Gegenleistung für die Gebühren müssen die Sender einen regionalen Service public liefern. Das tun sie ganz zur Zufriedenheit der amtlichen Qualitätsprüfer. Bei der Abstimmung mit der Fernbedienung schneiden die Regionalsender dagegen miserabel ab.<br />
<span id="more-30431"></span><br />
Selbst in ihren Stammlanden erreichen die Privatsender nur Marktanteile um die Ein-Prozent-Marke. Bei der Nutzungsdauer sieht das Bild nicht besser aus. Die wenigen Zuschauer verweilen im Schnitt zehn Minuten bei «ihrem» Sender. Anders als beim Schweizer Fernsehen, wo ein Marktanteil unter 30 Prozent als mittlere Katastrophe gehandelt wird, spielen die Quoten beim regionalen Gebühren-TV keine Rolle. Ausser dem garantierten Geldstrom, hält dieses Modell wenig am Leben. Die MEDIENWOCHE hat nach Gründen gesucht und stellvertretend für die abwesenden Zuschauermassen vier Gebührensender genauer angeschaut. Eine Momentaufname der Nachrichtensendungen am Montag, 30. Januar.</p>
<p><a href="#latele">La Télé: Mini-Généraliste zum Frösteln</a><br />
<a href="#tele1">Tele 1: Staatsnah und unkritisch</a><br />
<a href="#teleb">TeleBärn: Behäbiger Seniorensender</a><br />
<a href="#teletop">Tele Top: Service public auf dem Seegrund</a></p>
<p><a name="latele"></a><strong>La Télé: Mini-Généraliste zum Frösteln</strong><br />
<spacer><br />
<img loading="lazy" decoding="async" alt="" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2012/02/latele.jpg" class="alignleft" width="120" height="120" /> La Télé ist keine Augenweide. Das Dekor wirkt kalt und schnell hingeworfen. Im weiss getünchten Raum, mehr eine Kammer, wo man bestimmt genausogut Rinderhälften kühlen könnte, formen zwei weisse Stehtische ein L. Vom Barhocker aus moderiert an diesem Abend Gabriel de Weck im schwarzen Sakko und schwarzem Pullover durch die Sendung, meist in Close-up. Hinter ihm wuseln Filmfetzen der Beiträge über fünf hastig an die Wand gezimmerte Flachbildschirme, die wohl im Supermarché gerade zu greifen waren und stören die Konzentration auf das, wovon de Weck soeben berichtet. Er hingegen macht seine Sache gut, unaufgeregt, locker und ohne Animationsgetue. Und klar, es geht um Inhalt und den präsentiert La Télé mit unambitioniertem und leidlich solidem journalistischem Handwerk.<br />
La Télé versteht sich als kleine Generalistin und Chronistin der Ereignisse an Lokalschauplätzen in der Waadt (bis ins Vallée de Joux) und Fribourg. So beleuchtet der längste Beitrag die Stimmung in St. Sulpice ein Jahr nach dem Verschwinden der beiden Zwillinge Alessia und Livia mit Stimmen von Nachbarn, Passanten und dem DirektorderKantonspolizei.WeiterforschendieJournalisteninden Gassen von Bulle nach den Vorbereitungen der Leute auf die erwarteten minus 22 Grad Celsius. Im Studiointerview befragt de Weck den anwesenden Lausanner Kulturchef Fabien Ruf, ob die Kulturveranstalter auch die Bedürfnisse von Menschen in der dritten Lebenshälfte berücksichtigen. Der Moderator sitzt dabei um Tischlänge von Ruf entfernt, verwunderlich, dass beide einander ohne zu brüllen verstehen.Ein Kurzbeitrag berichtet vom Entgiften des Boxel-Areals in Fribourg und in der Serie vor den Grossratswahlen am 11. März schreibt SP-Kandidatin Nuria Gorrite ihren Wählern vor laufender Kamera eine Postkarte. Nach den Fribourger Basketballern sind schliesslich die Kältetoten in Rumänien und Serbien sowie Sarkozys Rede Thema. Das wars dann auch schon. Muss man gesehen haben? Nein, auch nicht, wer in St. Sulpice oder Bulle wohnt.</p>
<p><a name="tele1"></a><strong>Tele 1: Unkritisch und staatsnah</strong><br />
<spacer><br />
<img loading="lazy" decoding="async" alt="" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2012/02/tele_1.jpg" class="alignleft" width="120" height="75" /> Im Konzessionsgesuch von «Tele 1» steht: «Der Sender ist einem kritischen, aber ausgewogenen und fairen Journalismus verpflichtet, der dem Publikum die Meinungsbildung erleichtern soll.» So lautet die Theorie. Die Praxis des Zentralschweizer Fernsehens müsste man dagegen so beschreiben: «Der Sender bietet einen unkritischen und staatsnahen Journalismus, der dem Publikum die Meinungsbildung nicht einfach macht.» Und das geht so: Joachim Eder (FDP) verlebt nach 19 Jahren im Kantonsrat und 10 Jahren im Regierungsrat seinen letzten Arbeitstag als Gesundheitsdirektor des Kantons Zug – weil er in den Ständerat gewählt wurde. Dem zwischen Heiterkeit (Eder findet einen Essensgutschein in der Höhe von 200 Franken, der noch nicht abgelaufen ist) und Wehmut (die Sekretärin: «Es tut schon sehr weh.») angesiedelten Beitrag folgt ein zehnminütiges «Fokus»-Gespräch, in dem Tele1-Chefredaktor Oliver Kuhn dem scheidenden Regierungsrat einen wunderschönen Teppich zur Selbstentfaltung auslegt. Nicht eine kritische Frage muss der Politiker beantworten, stattdessen erinnert ihn Kuhn daran, dass er doch mutig als Erster die Impfungen gegen die Schweinegrippe angeordnet hatte und dass es zu seinem Abschied langen Applaus gab. Die erste Frage an Eder lautet ungelogen: «Ein grosser Abschied?» So fällt Bescheidenheit leicht.<br />
In den beiden anderen Hauptbeiträgen der Nachrichtensendung darf zum einen der Finanzdirektor von Luzern die Details einer Steuererhöhung kommunizieren. Zum anderen geht es um das Kinderatelier Akku, in dem Kinder im Primarschulalter mit Farben experimentieren («Freiräume für kreative Kinder», «Die Kinder geniessen den kreativen Raum ohne Leistungsdruck.»). Die hinter dem Atelier stehende Stiftung Akku ist zwar als gemeinnützige Organisation anerkannt – doch das kann nicht der Grund sein für diesen glattpolierten Bericht, der ein PR-Unternehmen nicht besser hingekriegt hätte. Finanziert wird sie von verschiedenen Sponsoren und Gönnern, rund 200’000 Franken pro Jahr kamen in den letzten vier Jahren von der Gemeinde Emmen.</p>
<p><a name="teleb"></a><strong>TeleBärn: Behäbiger Seniorensender</strong><br />
<spacer><br />
<img loading="lazy" decoding="async" alt="" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2012/02/telebaern.jpg" class="alignleft" width="120" height="120" /> Inzwischen wirbt TeleBärn nicht mehr mit dem Slogan. Das ist auch besser so. Denn ein «CNN für die Region» war der Berner Regionalsender beim besten Willen nie. Das Einzige, was mit viel Fantasie einem Vergleich mit dem Nachrichtenpionier aus Atlanta standhält, ist das Studiodekor. Da ist Telebärn stets mit der Zeit gegangen und sendet heute aus topmodernen Räumlichkeiten. Der regionale Service public, den der Sender von Gesetzes wegen zu liefern verpflichtet ist, präsentiert sich als solides und behäbiges Handwerk: Ereignisse des Tages aus Politik, Gesellschaft, Kultur und Sport aus der Region. Dem Themenmix haftet oft etwas Zufälliges an. Nichts Zwingendes, kein Knüller, einfach Nachrichten aus der Region. So auch an diesem Montagabend im Januar.<br />
Als Aufmacher ein kompakter und kompetenter Bericht zum Auftakt der Gerichtsverhandlung gegen einen Solothurner SVP-Kantonsrat wegen der Veruntreuung von Firmengeldern. Der Berner Zuschauer fragt sich: Was geht mich das an? Doch dann kommt er auf seine Rechnung: ein Nachzieher zu den tags zuvor veröffentlichten Plänen des Islamischen Zentralrats für den Bau einer Moschee in Bern. Mehr als die Sonntagspresse bringt aber auch TeleBärn nicht heraus. Viel Sendezeit widmet TeleBärn schliesslich einer Lesung von Endo Anaconda. Der Autor und Sänger von Stiller Has musste sich einer Tumoroperation unterziehen und trat erstmals wieder vor Publikum auf. Bei diesem Beitrag lässt die Tonqualität zu wünschen übrig, dafür erfährt man allerlei Lebensphilosophisches aus dem Mund des Berner Originals. Zusammen mit Sport, Wetter und den Börsenkursen der Bank EEK ergibt das einen soliden Infoblock von rund 20 Minuten. Besonders gut kommt dieses Programm beim älteren Publikum an: Zwei von fünf TeleBärn-Zuschauern sind älter als 60 Jahre. Einen besonders fitten Eindruck für die Zukunft hinterlässt der Sender nicht. Das hat sich wohl auch Tamedia gedacht, als sie den Berner Sender kürzlich in den Aargau verkaufte. Nun dürfen die AZ Medien ihr Glück versuchen.</p>
<p><a name="teletop"></a><strong>Tele Top: Service public auf dem Seegrund</strong><br />
<spacer><br />
<img loading="lazy" decoding="async" alt="" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2012/02/teletop.jpg" class="alignleft" width="120" height="90" /> Die Wetterfee soll sich bei den Miss-Schweiz-Wahlen anmelden und die Nachrichtenmoderatorin soll sich bei SF bewerben. Das wäre die beste Lösung für diesen traurigen Sender, bis 2019 konzessioniert mit einem Leistungsauftrag für die Region Zürich-Nordostschweiz. Tele Top ist gelb. Und mit einem Blitz durchzogen. Das Corporate Design wirkt kindlich, fernab vom zeitgenössischen Dogma «reduce to the max». Das Logo will auch nicht zum modernen Studio in Winterthur passen. Dieses ist hell, mit einer massiven Holzplatte und einer charmanten Nachrichtenmoderatorin aus- gestattet. Die junge Frau strahlt mit Präsenz, hat eine prägnante Aussprache, trägt einen schwarzen Blazer und wurde mit blonden Locken gesegnet. So sollte das sein. Stil- und niveauvoll. Nur leider muss sie über Kälte-Tipps, chinesische Alternativmedizin und eine geklaute Hafenglocke in Altnau berichten. Altnau? Am Bodensee. Der längliche Hafenglocken-Beitrag dauert mehrere Minuten, der Hafenmeister weint schier in die Kamera und in der Off-Moderation heisst es, dass diese goldige Glocke die «einzigartige, idyllische Atmosphäre» am Altnauer Hafen geschaffen habe. Was der Zuschauer sieht, ist ein Holzsteg im Nebel. Hierfür sollte niemand Empfangsgebühren zahlen müssen. Service public? Auf dem Seegrund. Oder noch tiefer unten. Im Konzessionsgesuch von Tele Top steht, dass die Nachrichtensendung die «journalistische Visitenkarte» des Senders ist. Dieses Versprechen wird an diesem Montagabend immerhin mit einem Beitrag zur Kulturförderung des Kantons Zürich eingelöst. Ein hübsches Ensemble: schmunzelnder Opernhaus-Pereira, schlechtgekleidete SVP, übermotivierte CVP und adrette FDP. Nach den Nachrichten das Wetter. Das ist schlecht. Präsentiert von einer jungen Dame in Leggings, ihre BH-Träger sind sichtbar. Und dann sagt sie zum Auftakt «Hallöchen», später dann: Es wird «flöckle» und «eiszapfenkalte minus 14 Grad.». Und auch am Bildschirm war es an diesem Abend kalt und düster. </p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/02/07/ohne-public-ohne-zukunft/">Ohne public, ohne Zukunft?</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Unterhaltungsarbeit für Verwöhnte</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2012/01/25/unterhaltungsarbeit-fur-verwohnte/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 25 Jan 2012 10:18:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Dirk Bach]]></category>
		<category><![CDATA[Ich bin ein Star - holt mich hier raus!]]></category>
		<category><![CDATA[Sonja Zietlow]]></category>
		<category><![CDATA[Fernsehen]]></category>
		<category><![CDATA[RTL]]></category>
		<category><![CDATA[Privatfernsehen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das RTL-Dschungelcamp erwärmt den hiesigen Couch-Potatoes wieder mal den frostigen Januar mit harter Unterhaltungsarbeit. Dank «Stars» wie Ailton oder Brigitte Nielsen sowie den exzellenten Texten des Moderatoren-Teams ist «Ich bin ein Star &#8211; holt mich hier raus!» ein Lichtblick in der sonst so niederträchtigen Welt des deutschen Privatfernsehens. Das Feiern von Luxus Es regnet oder <a href="https://medienwoche.ch/2012/01/25/unterhaltungsarbeit-fur-verwohnte/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Das RTL-Dschungelcamp erwärmt den hiesigen Couch-Potatoes wieder mal den frostigen Januar mit harter Unterhaltungsarbeit. Dank «Stars» wie Ailton oder Brigitte Nielsen sowie den exzellenten Texten des Moderatoren-Teams ist «Ich bin ein Star &#8211; holt mich hier raus!» ein Lichtblick in der sonst so niederträchtigen Welt des deutschen Privatfernsehens.<br />
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<strong>Das Feiern von Luxus</strong><br />
Es regnet oder schneit in der Winternacht, draussen pfeift der Wind, der Zuschauer sitzt mit einem heissen Tee in einer Decke vor dem Fernseher, das Feuer im Cheminée knackt oder wenigstens die Heizung. Und irgendwo weit weg, im australischen Dschungel, kämpfen elf Prominente und Pseudoprominente gegen Schlangen, Kakerlaken und Mehlwürmer. Sowas ist nur in einer Welt lustig, in der niemand gegen Schlangen, Kakerlaken und Mehlwürmer kämpfen muss, also in einer Welt des Luxus, wie sie der westlichen Welt die letzten Jahrzehnte (zu weiten Teilen) vergönnt war. Wer selbst kein Obdach hat, wird womöglich nur bedingt lustig finden, wenn sich andere freiwillig in die Obdachlosigkeit begeben. Wer selbst Ungeziefer in der Wohnung hat, ein typisches Problem der Armut, wird womöglich nur bedingt lustig finden, wenn Brigitte Nielsen mit Kakerlaken tanzt (<a href="http://www.clipfish.de/special/ich-bin-ein-star/video/3728068/brigitte-nielsen-in-der-dschungelpruefung/">Video</a>). Wer selbst hungert, wird womöglich nur bedingt lustig finden, wenn Ungeziefer aufgetischt wird (<a href="http://www.clipfish.de/special/ich-bin-ein-star/video/3726584/dschungelpruefung-fuer-ramona-und-vincent/">Video</a>).</p>
<p><strong>Die ehrliche Arbeit</strong><br />
Während RTL für viele Sendungen Laiendarsteller aus den mittleren und unteren Schichten des Volks <a href="https://www.taz.de/!85830/">mit Knebelverträgen ausnützt</a> und vor der Kamera demütigt, werden die Teilnehmer des Dschungelcamps vergleichsweise anständig bezahlt. Für zwei Wochen öffentliches Rumliegen im australischen Urwald und einige wenige «Prüfungen» winkt den in Vergessenheit zu geraten drohenden «Stars» nicht nur eine Gage in der Höhe von mehreren zehntausend Euro, sie kriegen auch die dringend erwünschte, oft auch dringend benötigte Aufmerksamkeit. Denn viele, viele Medien berichten ausführlich über die Show und ihre Kandidaten, auch in der Schweiz: <a href="http://www.blick.ch/unterhaltung/tv/dschungelcamp/ich-wuerde-meine-tochter-lieber-in-klamotten-sehen-192694">Blick.ch</a>, sonst <a href="https://medienwoche.ch/2011/10/07/ein-sommer-voller-anti-erotik/">stets freudig erregt</a> bei nackten Tatsachen, mahnt Kandidatin Micaela Schäfer zur Zurückhaltung bei ihrer Kleiderwahl («krankhaft anmutende Entblössungen», «immer bizarrer»). Und auch <a href="http://www.20min.ch/life/dossier/dschungelcamp/story/19472509">20min.ch</a> stellt fest: «Seit zehn Tagen streckt das Erotikmodel ununterbrochen ihren Hintern und ihre Brüste in die Kameras. Keine Gelegenheit lässt sie aus, um über Sex zu reden.» Und Medien lassen keine Gelegenheit aus, um darüber zu berichten. Was wiederum nicht geschähe, ignorierte das Publikum solche Berichte.</p>
<p>Den Kandidaten geboten wird eine einzigartige Bühne und eine Chance. Der Kluge wird sie zu seinen Gunsten nutzen. Im Vergleich zu verlogenen PR-Veranstaltungen oder Privatanlässen, die zum Einkommen vieler Pseudoprominenten gehören, ist «Ich bin ein Star &#8211; holt mich hier raus!» erfrischend ehrliche Arbeit. Wer sich für den Anlass bereit erklärt, weiss von den bisherigen fünf Staffeln der Sendung genau, auf was er sich einlässt. Der heroische Kampf mit Ungeziefer zur Belustigung des Publikums ist echte und ehrlich geleistete Unterhaltungsarbeit. Gezwungen dazu wird niemand, nur gelockt.</p>
<p><strong>Das Aufblitzen der Wahrheit</strong><br />
Für Freunde der Wahrheit sind Extremsituationen ein kleines Eldorado. Wer sich bis an und über seine Grenzen hinaus fordert, lässt die Maske fallen und zeigt den Mensch dahinter, was sowohl erfreuliches als auch unerfreuliches zu Tage fördert. Radost Bokel und Brigitte Nielsen etwa diskutierten am Sonntag mit Tränen in den Augen über die Schattenseiten von Männern, an die sie geraten sind (<a href="http://www.clipfish.de/special/ich-bin-ein-star/video/3728612/radost-packt-aus-im-dschungelcamp/">Video</a>). Wie <a href="http://rtl-now.rtl.de/extra/sendung-vom-23012012.php?container_id=75630&#038;player=1&#038;season=0">sagte</a> es Dirk Bach am Montagabend?  «Dies hier ist eine Therapiestätte, eine Entzugsstätte, in vieler Hinsicht eine Stätte, um zu gesunden, zu sich zu finden, Gutes zu tun, und, in unserem Fall [er zeigt auf Sonja Zietlow und sich], mild und gütig zu sein.»</p>
<p>Auf jeden Fall einer der Höhepunkte der diesjährigen Staffel war der Auszug von Ex-Fernsehgarten-Frau Ramona Leiss, die ihre Zigaretten lieber aus dem Camp entführte, als sie ihren Leidensgenossen zu überlassen («Ich hab keine im Hotel. Ich brauch die jetzt.»). Der Kommentar folgte sogleich. Dirk Bach: «Ramona, eine starke Frau. Sie hat übrigens direkt nach der Brücke mit dem Rauchen aufgehört, ihre Kippen zerbrochen und weggeworfen» (<a href="http://rtl-now.rtl.de/ich-bin-ein-star-holt-mich-hier-raus/tag-10-im-dschungelcamp.php?container_id=75524&#038;player=1&#038;season=6">Video</a>, Minute 8).</p>
<p>Einschränkend dazu muss man sagen, dass die den Zuschauern gezeigten Ausschnitte nicht nur subjektiv, sondern auch manipulierend ausgewählt werden. Das ist aber Usus bei vielen RTL-Sendungen.</p>
<p><strong>Der Brillanz der Moderation</strong><br />
Die charmant bösartigen, sprachlich oft exzellenten Moderationen von Sonja Zietlow und Dirk Bach gehören zu den intelligentesten Texten, die auf RTL vom Teleprompter abgelesen werden. Die beiden erlauben sich einiges und teilen auch abseits des Geschehens in Australiens tüchtig aus: So witzelt Zietlow über die Namen der Kinder von Uwe Ochsenknecht (dessen Sohn Rocco Stark Teilnehmer ist) und Bach führt fiktive Telefongespräche mit Veronica Ferres (deren Partner Carsten Maschmeyer auch immer wieder dran kommt). Hauptopfer sind aber natürlich die «Stars», die sich für Geld während zwei Wochen einem alles überwachenden Fernsehsender ausliefern. Dieses Jahr scheint den beiden das verbale Quälen der Kandidaten besonderen Spass zu machen. Zietlow wirkt so unheimlich gutgelaunt, dass man ihr schon bald glaubt, es sei so. Der Job, Pseudostars etwas zu quälen, scheint ganz auf sie zugeschnitten. Auf ihrer <a href="http://www.sonja--zietlow.de/">Website</a> steht der Satz «eigentlich bin ich nämlich ganz nett!». Das will man ihr zwar gerne glauben, aber einen Grund wird es wohl haben, dass das dort steht.</p>
<p>Die Kurzhaarfrisur der grossen Blondine erinnert etwas an die von Brigitte Nielsen 1985 als Ehefrau von Ivan Drago in Rocky IV (<a href="https://www.youtube.com/watch?v=V6K3IvJzJRg">Video</a>). Allerdings hat Zietlow die seltene Fähigkeit, Grimassen zu schneiden, die als echt komisch bezeichnet werden müssen. Wenn sie sich den Weg durch den Dschungel bahnt und der kugelige Bach ihr nachhoppelt wie ein in ein kleines Zirkuszelt eingekleideter Gummiball und sie dann gemeinsam den Namen der Sendung in gleicher Tonhöhe in den Wald schreien, dann entstehen schon fast ikonenhafte Bilder für die deutsche Fernsehgeschichte.</p>
<p><strong>Die Eigenarten der Teilnehmer</strong><br />
Dass sich Brigitte Nielsen als absoluter Glücksgriff für die Show und als bisher einzige mit internationaler Klasse herausstellt, haben wohl nicht alle erwartet. Ailton dagegen hat seine unterhaltsame Art, deutsch zu reden (einfach den Buchstaben «e» vermeiden, rät Sonja Zietlow), schon nach vielen Bundesliga-Spielen zum Besten gegeben. Die meisten anderen kannte bisher natürlich niemand, aber das ist bei einem Auflauf von C- und D-Promis auch nicht weiter verwunderlich.</p>
<p>Mit dem Berner Vincent Raven hat auch die Schweiz einen Abgesandten &#8211; der gelegentlich Latein spricht und die Zuschauer bisher vergeblich darum gebeten hat, ihn abzuwählen. Mitgenommen ins Camp hat er ein Rabenpendel (289 Euro) und ein Amulett der Pforten (299 Euro), wie auf <a href="http://vincentravenshop.de/">vincentravenshop.de</a> in einer Laufschrift zu erfahren ist. «Meine zwei persönlichen Dinge, die ich mitnehme, werden mir im Dschungel eine grosse Hilfe sein.»</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/01/25/unterhaltungsarbeit-fur-verwohnte/">Unterhaltungsarbeit für Verwöhnte</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Senderlos glücklich</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 12 Apr 2011 22:01:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Tamedia hat gestern bekanntgegeben, seine vier Radio- und Fernsehsender verkaufen zu wollen. Gerüchteweise war davon bereits im Februar die Rede. Als möglicher Käufer für TeleZüri kommt allenfalls Ringier in Frage. Mit dem Abschied von Lokalradio und Regional-TV beendet Tamedia-Chef Martin Kall ein Kapitel, das seine Vorgänger mit viel Geld in der Hand aufgeschlagen hatten. Aufschlussreich ist <a href="https://medienwoche.ch/2011/04/13/senderlos-glucklich/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Tamedia hat gestern bekanntgegeben, seine vier Radio- und Fernsehsender verkaufen zu wollen. Gerüchteweise war davon bereits <a href="http://www.handelszeitung.ch/unternehmen/ende-einer-television" target="_blank">im Februar die Rede</a>. Als möglicher Käufer für TeleZüri kommt allenfalls Ringier in Frage. Mit dem Abschied von Lokalradio und Regional-TV beendet Tamedia-Chef Martin Kall ein Kapitel, das seine Vorgänger mit viel Geld in der Hand aufgeschlagen hatten.<br />
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Aufschlussreich ist nicht nur, was jemand sagt, sondern auch, was er verschweigt. Wie im Fall von Tamedia-Unternehmensleiter Martin Kall. In seinem <a href="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2011/04/kall_2010.pdf" target="_blank">Kommentar zum vergangenen Geschäftsjahr</a> spricht Kall viel von Zeitungen und Onlinemedien. Radio und TV erwähnt er mit keinem Wort. Kein Wunder: Tamedia will seine vier <a href="http://www.tamedia.ch/de/mediencorner/medienmitteilungen/Seiten/Gemeinsame%20Unternehmensstrategie%20nach%20Zusammenschluss%20mit%20Edipresse%20Schweiz.aspx" target="_blank">Sender loswerden</a>, gab das Unternehmen am Dienstag bekannt. Kall hat sich wohl schon beim Verfassen des Geschäftsberichts mental von Telezüri, Telebärn, Radio 24 und Capital FM getrennt.</p>
<p>Der Abschied von der Rundfunksparte erscheint im Licht der Geschäftspolitik von Tamedia der letzten Jahre nur folgerichtig. Eine auf Gewinnoptimierung getrimmte <a href="http://www.tamedia.ch/de/mediencorner/medienmitteilungen/Seiten/Tamedia%20waechst%202010%20dank%20Z%C3%BCrcher%20Regionalzeitungen%20und%20Onlinemedien.aspx" target="_blank">Geldmaschine</a> (Gewinn 2010: 110 Mio. Fr.) verträgt keine Unternehmensteile, deren kommerzielles Entwicklungspotenzial beschränkt ist. Mit Radio und TV lässt sich in der Schweiz nicht das grosse Geschäft machen. Das hat zum einen mit dem vergleichsweise kleinen Markt in der Deutschschweiz zu tun und der gesetzlichen Reglementierung, die den Unternehmen klare kommerzielle und publizistische Leitplanken setzt. Zum anderen kostet die Fernsehproduktion mit ihrer aufwendigen Technik eine ganze Stange Geld. Davon kann Tamedia ein Lied singen: Vor zehn Jahren setzte der Konzern mit TV3 <a href="http://www.blick.ch/news/mit-flop-tv-112-millionen-verpulvert-aid4119" target="_blank">über 100 Millionen Franken in den Sand</a> und warf 90 Millionen auf für den Kauf von Telezüri und Radio 24.  Die Verantwortung für diese Entscheide trug Michel Favre als Konzernleiter. Unter der Führung von Martin Kall handelt Tamedia schnell und konsequent, wenn es auf der Habenseite mal nicht mehr ganz so rosig aussieht, wie sich Aktionariat und Besitzerfamilie das vorstellen. Das zeigte der Konzern in der Vergangenheit mehrmals mit Massenentlassungen bei seinen Zeitungen.</p>
<p>Wenn Tamedia nun bekanntgibt, seine vier Sender verkaufen zu wollen, hat das Signalwirkung für die ganze Branche. Denn es ist nicht ganz unerheblich, wenn das grösste private schweizerische Medienunternehmen Radio und Fernsehen als strategisch bedeutungslose Geschäftsfelder sieht. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch ein weiterer Grund, den Tamedia für seine Verkaufsabsichten nennt: Das Medienhaus will sich nicht ein weiteres Mal dem Konzessionsverfahren stellen, wenn die Sendebewilligungen für Schweizer Privatsender in acht Jahren neu vergeben werden. Seine Sender könnten dabei leer ausgehen, fürchtet Tamedia bereits heute.</p>
<p>Zumindest für Telezüri dürfte es kein Problem sein, einen Käufer zu finden. So hat Ringier das Interesse an einem eigenen TV-Sender angemeldet und Telezüri als potenziellen Kaufkandidaten genannt. Gut möglich, dass die beiden Unternehmen bereits hinter den Kulissen verhandeln. Schwieriger sieht es für die anderen drei Sender aus. Besonders für die beiden Berner Lokalmedien Telebärn und Radio Capital FM <a href="http://www.bernerzeitung.ch/region/bern/TeleBaern-und-Capital-FM-hoffen-auf-einen-Kaeufer/story/29448093" target="_blank">dürfte es nicht einfach werden</a>, einen neuen Besitzer zu finden. Erst vor zwei Jahren wurden die Sender zusammen mit der Berner Zeitung BZ in das <a href="http://www.espacemedia.ch/em_de/aktuelles/meldungen/2008/2008_11_06_multimediahaus.php" target="_blank">neue Multimediahaus</a> in Bern integriert. Seither arbeiten die drei Medien eng zusammen, wobei Radio und Fernsehen vom journalistischen Know-how der BZ profitieren und die Zeitung Ton und Bild auf ihrer Website verwerten darf. Mit einem neuen Besitzer würden solche Kooperationen komplizierter, wenn nicht gar unmöglich. Ein Verkaufserfolg ist also alles andere als gewiss. Wenn Tamedia keine Käufer findet, müsste wohl mit der Schliessung des einen oder anderen Senders gerechnet werden.</p>
<p>Ob das ein Verlust für die Deutschschweizer Medien und die Meinungsvielfalt bedeuten würde, steht freilich auf einem anderen Blatt.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/04/13/senderlos-glucklich/">Senderlos glücklich</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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