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	<title>Reportagen | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
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		<title>Reportagen: Schluss mit dem journalistischen Selbstbetrug!</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2021/10/28/reportagen-schluss-mit-dem-journalistischen-selbstbetrug/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 28 Oct 2021 12:44:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Reportagen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der deutsche Reportagejournalismus hat ein gefährliches Problem: Er reduziert Menschen auf Schablonen, damit die Leser redaktionelle Thesen besser schlucken. Das muss aufhören, fordert Manuel Stark.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Der deutsche Reportagejournalismus hat ein gefährliches Problem: Er reduziert Menschen auf Schablonen, damit die Leser redaktionelle Thesen besser schlucken. Das muss aufhören, fordert Manuel Stark.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/10/28/reportagen-schluss-mit-dem-journalistischen-selbstbetrug/">Reportagen: Schluss mit dem journalistischen Selbstbetrug!</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Relotius-Interview: Ein klassischer Formfehler</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2021/06/15/relotius-interview-ein-klassischer-formfehler/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 15 Jun 2021 21:59:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Fall Relotius]]></category>
		<category><![CDATA[Reportagen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Margrit Sprecher und Daniel Puntas Bernet bitten den Journalismusfälscher Claas Relotius zum Interview. Das konnte nur schiefgehen.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Margrit Sprecher und Daniel Puntas Bernet bitten den Journalismusfälscher Claas Relotius zum Interview. Das konnte nur schiefgehen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/06/15/relotius-interview-ein-klassischer-formfehler/">Relotius-Interview: Ein klassischer Formfehler</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Reportagen, 20&#160;Minuten, Redaktion&#160;Tamedia</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2021/06/05/reportagen-20-minuten-redaktion-tamedia/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Miriam Suter]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 05 Jun 2021 08:00:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Tages-Anzeiger]]></category>
		<category><![CDATA[20 Minuten]]></category>
		<category><![CDATA[SVP]]></category>
		<category><![CDATA[Reportagen]]></category>
		<category><![CDATA[Fall Relotius]]></category>
		<category><![CDATA[Gaudenz Looser]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>The Good – «Wir müssen ihm nicht glauben, um ihm zuzuhören» Auf 27 Seiten und zu 90 Fragen spricht Claas Relotius im «Reportagen»-Magazin erstmals über den Skandal, mit dem er 2018 die Medienwelt auf den Kopf gestellt hat. Und vor allem spricht er über seine psychische Erkrankung, die er als Auslöser für sein Verhalten sieht. <a href="https://medienwoche.ch/2021/06/05/reportagen-20-minuten-redaktion-tamedia/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/06/05/reportagen-20-minuten-redaktion-tamedia/">Reportagen, 20 Minuten, Redaktion Tamedia</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/06/MW-Good-Bad-Ugly-20210605b.jpg" alt="" width="1456" height="488" class="alignnone size-full wp-image-89127" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/06/MW-Good-Bad-Ugly-20210605b.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/06/MW-Good-Bad-Ugly-20210605b-300x101.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/06/MW-Good-Bad-Ugly-20210605b-768x257.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/06/MW-Good-Bad-Ugly-20210605b-1024x343.jpg 1024w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /></p>
<h3>The Good – «Wir müssen ihm nicht glauben, um ihm zuzuhören»</h3>
<p>Auf 27 Seiten und zu 90 Fragen spricht Claas Relotius im <a href="https://reportagen.com/content/erfundene-wirklichkeit" rel="noopener" target="_blank">«Reportagen»-Magazin</a> erstmals über den <a href="https://medienwoche.ch/tag/fall-relotius/">Skandal</a>, mit dem er 2018 die Medienwelt auf den Kopf gestellt hat. Und vor allem spricht er über seine psychische Erkrankung, die er als Auslöser für sein Verhalten sieht. Ein Jahr lang haben «Reportagen»-Chefredaktor Daniel Puntas Bernet und die Reporterin Margrit Sprecher immer wieder mit Relotius selber, mit Familie und Freund*innen, mit seinem Psychologen und ehemaligen Studienkolleg*innen gesprochen. </p>
<p>Das Interview schickt mich als Leserin auf eine emotionale Achterbahn: Gehe ich Relotius schon wieder auf den Leim und er hat alles erfunden, um jetzt die Mitleidstour zu fahren? Und dann wieder: Shit, der Arme, wie hat er das alles ausgehalten? </p>
<p>Man habe sich überlegt, ob es richtig sei, das Interview zu veröffentlichen, sagt Daniel Puntas Bernet im Gespräch mit der MEDIENWOCHE. Und er habe sich auch gefragt, ob man einen Kranken nicht in erster Linie schützen müsse. Ein paar Mal habe er Relotius selber «völlig von der Rolle» erlebt und sei sich selbst dann nicht sicher gewesen, ob er ihm glauben könne. Schliesslich haben sich Puntas Bernet und Sprecher, die beiden Journalist*innen, aber dafür entschieden, dass es richtig ist, das Gespräch zu veröffentlichen: «Wir wollten die Hochstaplerthese nicht unwidersprochen stehen lassen, sondern ihm die Chance geben, sich zu äussern, wenn er das möchte. Denn: Wir müssen ihm nicht glauben, um ihm zuzuhören.»</p>
<h3>The Bad – Oops, «20 Minuten» did it again</h3>
<p>Bereits im Februar haben wir darüber berichtet, wie mehrere Medien über Eric Webers sexistischen und rassistischen Ausfall vor laufender Kamera berichtet und das Video veröffentlicht haben. Der «Blick» entfernte damals immerhin das Video nach unserer Anfrage. Nun geht es weiter, Eric Weber meldet sich zurück – und «20 Minuten» berichtet wieder darüber. </p>
<p>Weber will nach Rumänien auswandern, aus dem Basler Grossrat zurücktreten und das an der Sitzung am kommenden Mittwoch verkünden. Die Rede, die er dafür geschrieben hat, wurde «20 Minuten» zugespielt. Die Redaktion bastelte daraus ein knapp zwei Minuten langes Video, in dem auch ältere Aufnahmen von Webers wirren Auftritten zu sehen sind. Wir stellen nochmal die Frage: Warum bietet man einem rechtsextremen Wirrkopf, den man auch Nazi nennen darf, eine derartige Plattform? Die Antwort von «20 Minuten»-Chefredaktor Gaudenz Looser fällt ähnlich zahnlos aus wie damals im <a href="https://medienwoche.ch/2021/02/13/pascal-hollenstein-priska-seiler-graf-eric-weber/" >Februar</a>: «Wenn ein Grossrat zurücktritt, der aufgrund wiederholter Ausraster verschiedentlich in der Öffentlichkeit gestanden hat, ist das journalistisch relevant und wir berichten selbstverständlich darüber». Er verweist darauf, dass es sich allerdings um ein «komplett anderes Video handle» als jenes, das «20 Minuten» im Februar – ohne Tonspur – veröffentlicht hatte. Naja.</p>
<h3>The Ugly – Tagi mit SVP-Propaganda gegen SRF</h3>
<p>Am Mittwoch veröffentlichte die SVP eine Medienmitteilung. Schweizer Radio und Fernsehen SRF sei «ausser Rand und Band», der «Staatssender» entwickle sich zunehmend «zum linksgrünen NGO-Aktivistensender» und verletze die journalistische Sorgfaltspflicht. Der «Club» zum abgeschmetterten Rahmenabkommen habe das Fass nun zum Überlaufen gebracht, weil kein SVP-Vertreter dabei war. Die SVP hat nun Beschwerde bei der UBI gegen SRF eingereicht und man werde «auch politisch gegen den Sender vorgehen».</p>
<p>Am Abend des gleichen Tages publizierte die Tamedia-Redaktion einen <a href="https://archive.ph/SWs9S" rel="noopener" target="_blank">Artikel</a> basierend auf einer SDA-Meldung, der nichts anderes als eine Zusammenfassung der Medienmitteilung war. Statt SRF mit den schwerwiegenden Vorwürfen zu konfrontieren, garnierte die Redaktion als Eigenleistung den Text mit Social-Media-Propaganda der SVP und einer Leser*innen-Umfrage, die das Narrativ der SVP zusätzlich befeuert: «Wie empfinden Sie die Berichterstattung von SRF?» </p>
<p>Das Schweizer Fernsehen nahm schliesslich selber <a href="https://www.srgd.ch/de/aktuelles/news/2021/06/03/das-sagt-srf-stellungnahme-zu-den-vorwurfen-der-svp/" rel="noopener" target="_blank">Stellung</a> zu den Vorwürfen: Die Positionen zum Rahmenabkommen seien im «Club» ausgewogen vertreten gewesen und man lasse sich nicht von einer Partei vorschreiben, wen man in die Sendungen einlade und wen nicht. Zudem sei SVP-Vertreter*innen immer wieder im «Club» zu Gast und generell habe keine Partei Anspruch darauf, eingeladen zu werden.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/06/05/reportagen-20-minuten-redaktion-tamedia/">Reportagen, 20 Minuten, Redaktion Tamedia</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Der Retter der Reportagen</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2017/04/06/der-retter-der-reportagen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 06 Apr 2017 13:58:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Reportagen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Daniel Puntas Bernet, der Gründer des Magazins «Reportagen», bringt die wahren Geschichten vom Blatt unter dem Stichwort «RealLit» auf die Bühne. Damit trifft der Berner vielleicht einen Nerv der Zeit.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Daniel Puntas Bernet, der Gründer des Magazins «Reportagen», bringt die wahren Geschichten vom Blatt unter dem Stichwort «RealLit» auf die Bühne. Damit trifft der Berner vielleicht einen Nerv der Zeit.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/04/06/der-retter-der-reportagen/">Der Retter der Reportagen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Überlebensübung in der Nische</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/12/29/ueberlebensuebung-in-der-nische/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Minder]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 29 Dec 2016 15:10:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Geschäftsmodell]]></category>
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		<category><![CDATA[Stiftung für Medienvielfalt]]></category>
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		<category><![CDATA[Pascal Sigg]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine bunte Population von Plattformen mit einem journalistischen Kontrastprogramm hat sich jenseits der grossen Medienhäuser im Internet angesiedelt. Im digitalen Biotop zu überleben, ist aber nicht ganz einfach. Ein Besuch beim «Coup»-Magazin und ein breiter Blick auf eine blühende Landschaft. Ein zum Büro umfunktionierter Kellerraum, darin vier Arbeitsplätze, ein Elektroöfeli, das notdürftig heizt. Durchs Fenster geht der <a href="https://medienwoche.ch/2016/12/29/ueberlebensuebung-in-der-nische/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Eine bunte Population von Plattformen mit einem journalistischen Kontrastprogramm hat sich jenseits der grossen Medienhäuser im Internet angesiedelt. Im digitalen Biotop zu überleben, ist aber nicht ganz einfach. Ein Besuch beim «Coup»-Magazin und ein breiter Blick auf eine blühende Landschaft.<br />
<span id="more-28563"></span><br />
Ein zum Büro umfunktionierter Kellerraum, darin vier Arbeitsplätze, ein Elektroöfeli, das notdürftig heizt. Durchs Fenster geht der Blick in einen kleinen Innenhof, dahinter ragt die Mauer des Zürcher Volkshauses in die Höhe. «Wenn die Chippendales auftreten, hören wir das Kreischen», sagt Pascal Sigg. Er ist einer der drei Gründer des <a href="http://www.coup-magazin.ch/" target="_blank">digitalen Gesellschaftsmagazins «Coup»</a>, das seit März 2016 online ist. Die Redaktionsstube entspricht dem romantischen Klischee vom Garagen-Start-up. Auch die Gründer passen gut ins Bild. Drei junge, leidenschaftliche Journalisten, die nicht glücklich wurden, mit dem, was in den etablierten Medien möglich ist. Sie wollten lange, aufwändig recherchierte Texte schreiben, statt täglich drei Geschichten rauszuhauen oder online Klicks zu generieren. Referenz waren die vergangenen Blütezeiten des «Magazins» des «Tages-Anzeigers», die deutsche Wirtschaftszeitschrift «brand eins», das Magazin «Reportagen». «Wir wollen Journalismus verkaufen, nicht Aufmerksamkeit», fasst Sigg zusammen.</p>
<p>Im November 2014 mietete er zusammen mit Andres Eberhard und Joel Bedetti das Kellerabteil im Volkshaus. Dort brüteten sie über einem Geschäftsmodell. Es musste etwas sein, das sich mit ihren anderen Jobs vertrug: Sigg arbeitet 50% auf dem Sportamt der Stadt Zürich und schreibt seine Dissertation, Eberhard hat eine 60%-Stelle als Redaktor beim Zürcher Oberländer, beide sind daneben noch als Freie tätig. Bedetti ist hauptsächlich Freelancer. Die Lösung: Eine grosse Geschichte im Umfang von 25&#8217;000 bis 35&#8217;000 Zeichen pro Monat. Online drängte sich auf, weil Druck und Vertrieb wegfielen, aber auch weil es mehr formale Flexibilität bietet als Papier. Die Basler Stiftung für Medienvielfalt der Roche-Erbin Beatrice Oeri unterstützte das Projekt mit 15&#8217;000 Franken, den sie in eine professionelle Crowdfunding-Kampagne steckten. Das Sammelziel waren 50‘000 Franken, die fürs erste Jahr reichen sollten: Zwölf Artikel à 3000 Franken für die Autorinnen und Autoren plus die Kosten von Website, Grafik, Marketing und Crowdfunding. Zwei Tage vor Ablauf der Sammelfrist stand der Pegel erst bei 30‘000 Franken, die Mission war gefährdet. Dann trat eine Einzelperson, die nicht genannt sein will, auf den Plan und schüttete das fehlende Geld in den Topf: <a href="https://wemakeit.com/projects/digitales-magazin-coup/show/news" target="_blank">«Coup» war gelandet</a>. Inzwischen stehen acht grosse Reportagen auf der Website. 400 Personen haben ein Abonnement. Zum Gründerteam sind die Journalistin Anna Miller und der Grafiker Konrad Mazanowski gestossen. «Im Januar ziehen wir eine erste Zwischenbilanz», sagt Pascal Sigg.</p>
<p><strong>Die andere Sicht</strong><br />
Die Geschichte von «Coup» ist in mehrfacher Hinsicht exemplarisch für verlagsunabhängige digitale Magazine. Viele entstanden, weil ihre Macherinnen und Macher mit der real existierenden Medienlandschaft unzufrieden waren. Das gilt auch für jenes Projekt, das derzeit am meisten von sich reden macht: <a href="https://project-r.construction/" target="_blank">«Project R»</a>. «Es ist Zeit, dass sich die Journalisten unabhängig machen und der Journalismus unabhängig von den Grossverlagen existieren kann», schreibt Constantin Seibt auf der Facebook-Seite von Project R. Der bekannte Noch-«Tages-Anzeiger»-Redaktor ist das Aushängeschild des geplanten Magazins. Er und Christof Moser, heute Reporter und Medienkritiker der «Schweiz am Sonntag», sind daran, sieben Millionen Franken Startkapital aufzutreiben. 3,5 Millionen seien bereits gesichert, schreibt der «Schweizer Journalist» in seiner Dezember-Ausgabe. Die Redaktion soll acht bis zehn Personen umfassen, denen «einigermassen branchenkonforme Löhne» bezahlt werden sollen. Losgehen soll es frühestens im Spätsommer 2017. Neben der Werbung sollen Abonnentinnen und Abonnenten das nötige Geld in die Kasse spülen. Gegenüber der Wochenzeitung WOZ <a href="http://www.woz.ch/-730f" target="_blank">hatte Seibt im Oktober gesagt</a>, Konzerne wie Tamedia würden sich zu «grossen Verteilstationen von Informationen und Waren» wandeln, was verheerende Folgen für den Journalismus, für Leserinnen und Leser und die Demokratie habe. Dem wolle das Projekt etwas entgegensetzen. Was genau, ist noch wolkig. «Grosse Schauplätze, grosse Debatten, verlässliche Argumente», und «entscheidende Fragen mit grossen Geschichten» werden die beiden Initianten im «Schweizer Journalist» zitiert.</p>
<p><a href="http://www.infosperber.ch/" target="_blank">«Infosperber»</a>, seit März 2011 im Netz, stört sich ebenfalls daran, dass sich die Zeitungen, Radio und Fernsehen zunehmend an Einschaltquoten und (sinkenden) Inserateeinnahmen orientieren. «Infosperber will diese Mainstream-Medien nicht konkurrenzieren, sondern sie ergänzen. Die Plattform setzt sich zum Ziel, allein nach gesellschaftlicher oder politischer Relevanz zu gewichten», steht in der Rubrik «über uns». Um Analysen und Hintergrund statt News und Kurzfutter geht es seit 2010 <a href="https://www.journal21.ch/" target="_blank">auch im «Journal 21»</a>. Dahinter stehen 80 erfahrene, viele davon pensionierte, namhafte Journalistinnen und Journalisten. «Wir richten uns an Leserinnen und Leser, die bereit sind, anspruchsvolle Texte zu konsumieren», schreibt Gründer Heiner Hug, ehemaliger Leiter der Tagesschau des Schweizer Fernsehens.</p>
<p><strong>Im Reich der Monopole</strong><br />
Regionale Zeitungsmonopole wirken ebenfalls als guter Nährboden, der digitale Medien spriessen lässt. In Basel bietet der Journalist Peter Knechtli seit 1998 mit seinen <a href="http://onlinereports.ch/" target="_blank">«Online Reports»</a> eine Alternative oder zumindest eine wichtige Ergänzung zur «Basler Zeitung». Das war damals eine Pioniertat, zumal als Online-Angebot. Dank Werbung und einem mit Spenden alimentierten Recherchierfonds hält sich Knechtli bis heute gut. Daran änderte sich auch nichts, als 2011 in Basel <a href="http://www.tageswoche.ch/" target="_blank">zusätzlich die «Tageswoche»</a> auf den Plan trat, eine digitale Zeitung mit einer gedruckten Ausgabe am Freitag. Der Hybrid war entstanden, nachdem die «Basler Zeitung» in Blochers Fahrwasser geriet und sie der SVP-Politiker schliesslich kaufte. Die «Tageswoche» wurde mit viel Geld der gleichzeitig gegründeten Stiftung für Medienvielfalt von Beatrice Oeri angeschoben und wird von ihr bis heute mitfinanziert.</p>
<p>Weil die Zeitungsvielfalt auch anderswo abnimmt, entstanden in jüngerer Zeit in verschiedenen Regionen digitale Alternativen. Im Reich von Hanspeter Lebruments Südostschweiz ist mit <a href="http://grheute.ch/" target="_blank">«GR heute»</a> seit September 2015 eine neue, unabhängige Stimme zu hören. In Bern gibt es das <a href="http://www.journal-b.ch/" target="_blank">«Journal B» (seit 2013)</a>, in Zug und Luzern <a href="http://www.zentralplus.ch/" target="_blank">«zentralplus.ch» (seit 2013)</a>. Urnerinnen und Urner können sich seit 2011 <a href="https://www.politcast-uri.ch/" target="_blank">auf «politcast-uri.ch»</a> Audiobeiträge anhören. Das <a href="https://tsri.ch/zh/" target="_blank">Stadtmagazin «tsüri.ch»</a> ist seit Januar 2015 online. Mit Texten, Videos und Ausgehtipps richtet es sich an ein junges, urbanes Publikum. Nach Meinung der Macher bestand für diese Zielgruppe eine Angebotslücke. Der Erfolg scheint die Diagnose zu bestätigen: Bis zu 30‘000 Menschen besuchen die Plattform monatlich.</p>
<p>«Für die Medienvielfalt sind die Online-Medien fraglos eine gute Sache», sagt die Medienjournalistin Bettina Büsser. Viele spielten auch als Ausbildungsredaktionen für junge Journalistinnen und Journalisten eine wichtige Rolle. Davon kann ein Magazin aber nicht leben. Genug Geld zu generieren, ist die grosse Herausforderung für die digitalen Medien. Es sei denn, sie betreiben Journalismus ehrenamtlich, was keine Seltenheit ist. Bei Infosperber, Journal 21 und einigen der regionalen Magazine, etwa «Journal B» in Bern, und Fachmedien arbeiten die Leute für Gottes Lohn. Die Magazine, die ihre Mitarbeitenden entlöhnen wollen, haben das Problem, dass Werbung, wie sie heute im Web funktioniert, auf so kleinen Seiten nichts hergibt, ausser ein verschandeltes Layout. Gleichzeitig zeigt sich die Leserschaft nur bedingt bereit, für das Gelesene zu bezahlen. Und Mäzene stehen auch nicht Schlange. Oft komme es zu einem Wettlauf, sagt Medienkennerin Bettina Büsser: «Reicht der Enthusiasmus so lange, bis genügend zahlende Abonnenten vorhanden sind?» Besonders in der Startphase spielten deshalb Stiftungen eine wichtige Rolle. «Ohne reiche Erben, die solche Projekte unterstützen, wäre die Landschaft ärmer.»</p>
<p><strong>Die vom Fach</strong><br />
Unübersichtlich artenreich ist die Population der digitalen Fachmedien. Unter den ersten, die den Evolutionsschritt vom Papier ins Netz machten, waren Magazine, die über die Kommunikationsbranche berichteten. Der <a href="http://www.kleinreport.ch/" target="_blank">Newsletter «Klein Report»</a> erscheint seit dem Jahr 2000. Gleich alt ist der <a href="http://www.persoenlich.com/" target="_blank">«persoenlich.com»</a>-Newsletter, die digitale Ergänzung des Hochglanzmagazins «persönlich». Jünger (seit 2011), analytischer und kritischer kommt die «Medienwoche» daher. Bei ihr gibt es keine täglichen News, sondern Hintergrundberichte, Analysen, Interviews und Meinung. Journalismus, aber auch Kunst, Musik und Dokumentarfilm werden im <a href="http://neulandmagazin.net/" target="_blank">Magazin «Neuland»</a> thematisiert. Es erscheint alle zwei Monate.</p>
<p>Was noch? Noch ganz ganze viel. Zum Beispiel <a href="https://tink.ch/" target="_blank">«Tink.ch»</a>: Das Online-Jugendmagazin feiert dieses Jahr sein 10-Jahr-Jubiläum. Es ist aus der Berner Kultur- und Stadtagenda «Youthguide» hervorgegangen und heute ein dreisprachiges Magazin mit Redaktionen in der ganzen Schweiz. Die Schreibenden sind junge Leute zwischen 15 und 30, die hier das journalistische Handwerk lernen. Oder <a href="https://www.swissmom.ch/" target="_blank">«swissmom.ch»</a>, das Fachmagazin rund ums Kinderkriegen und –haben, das dieses Jahr vom Verlegerverband einen Q-Award bekommen hat, obwohl der eigentlich Publikationen auf Papier vorbehalten ist. Oder «Das Lamm», das kritische Fragen zur Nachhaltigkeit stellt, oder «Saiten», das Ostschweizer Kulturmagazin, oder <a href="http://finews.ch/" target="_blank">«finews.ch»</a> und <a href="http://insideparadeplatz.ch/" target="_blank">«insideparadeplatz.ch»</a>, die Intimes aus der Schweizer Finanzbranche berichten, oder… Die Liste liesse sich beliebig verlängern. Die grosse Vielfalt hat auch damit zu tun, dass Fachmagazine – egal ob digital oder analog – leichter zu Geld kommen, als thematisch breit aufgestellte Medien.</p>
<p><strong>Verkaufen, planen, organisieren</strong><br />
Wer jedoch einen weiten Winkel pflegen und davon leben will, muss sich was einfallen lassen. Bei «coup» zum Beispiel ist der Zeitpunkt nicht mehr fern, zu dem die Crowdfunding-Mittel zur Neige gehen. Jetzt muss wieder Geld her. Das bedeutet Klinken putzen bei Stiftungen und Privatpersonen, Bekanntheitsgrad und Abonnentenzahlen erhöhen, vielleicht einen Förderverein gründen. Also verkaufen, planen, organisieren: Machen sich Journalisten selbständig, müssen sie Dinge tun, um die sich vorher die Verlage kümmerten. «Coup»-Gründer Pascal Sigg hat damit kein Problem: «Ich finde das Unternehmerische spannend.»</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/12/29/ueberlebensuebung-in-der-nische/">Überlebensübung in der Nische</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Das erste Schweizer Online-Reportagen-Magazin</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/03/02/das-erste-schweizer-online-reportage-magazin/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 02 Mar 2016 10:20:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Reportagen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=9434</guid>

					<description><![CDATA[<p>Sie wollen Journalismus mit Tiefgang. Sie wollen die grossen Geschichten aus der Schweiz erzählen. Und sie wollen, dass wir im Netz für ihre Stories bezahlen: Drei junge Journalisten lancieren das Reportagen-Portal Coup. Mitgründer Pascal Sigg erzählt, wie es dazu kam.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/03/02/das-erste-schweizer-online-reportage-magazin/">Das erste Schweizer Online-Reportagen-Magazin</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Sie wollen Journalismus mit Tiefgang. Sie wollen die grossen Geschichten aus der Schweiz erzählen. Und sie wollen, dass wir im Netz für ihre Stories bezahlen: Drei junge Journalisten lancieren das Reportagen-Portal Coup. Mitgründer Pascal Sigg erzählt, wie es dazu kam.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/03/02/das-erste-schweizer-online-reportage-magazin/">Das erste Schweizer Online-Reportagen-Magazin</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die #LÄNGSTSTRECKE 2015</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/12/23/die-laengststrecke-2015/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Dec 2015 16:27:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Reportagen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=8352</guid>

					<description><![CDATA[<p>Wir empfehlen in einer Kooperation mit dem Reportagemagazin „Langstrecke“ der Süddeutschen Zeitung die 50 besten Reportagen 2015: eine Längststrecke sozusagen! Diese Leseliste reicht locker bis zum nächsten Jahr und greift alle großen Themen des vergangenen Jahres auf. Wir wissen ja, wie das ist: da kommt jede Woche unsere Reportage-Auswahl und für manche hat die Zeit <a href="http://www.liesmich.me/50-beste-reportagen-2015-laengststrecke/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Wir empfehlen in einer Kooperation mit dem Reportagemagazin „Langstrecke“ der Süddeutschen Zeitung die 50 besten Reportagen 2015: eine Längststrecke sozusagen! Diese Leseliste reicht locker bis zum nächsten Jahr und greift alle großen Themen des vergangenen Jahres auf. Wir wissen ja, wie das ist: da kommt jede Woche unsere Reportage-Auswahl und für manche hat die Zeit einfach nicht gereicht. Deshalb jetzt die besten Reportagen der besten Reportagen! Ist ein ziemlicher Riemen geworden – aber jeder Text lohnt sich!</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/12/23/die-laengststrecke-2015/">Die #LÄNGSTSTRECKE 2015</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Blendle-Gründer Blankesteijn: «Wir sind die Good Guys»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/09/14/wir-sind-die-good-guys/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 14 Sep 2015 09:31:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Reportagen]]></category>
		<category><![CDATA[Holland]]></category>
		<category><![CDATA[Axel Springer]]></category>
		<category><![CDATA[NZZ]]></category>
		<category><![CDATA[Blendle]]></category>
		<category><![CDATA[New York Times]]></category>
		<category><![CDATA[Marten Blankesteijn]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=25696</guid>

					<description><![CDATA[<p>Kommt die Rettung aus Holland? Das Jungunternehmen Blendle bietet nun auch deutschsprachigen Verlagen eine einfache Bezahllösung für den Einzelverkauf ihrer Artikel an. Gründer und CEO Marten Blankesteijn (28) erklärt im Gespräch mit der MEDIENWOCHE, warum die Verlage in Blendle keine Konkurrenz zu ihren Digitalabos sehen und warum er sich nicht vor Nachahmern fürchtet. MEDIENWOCHE: Zum <a href="https://medienwoche.ch/2015/09/14/wir-sind-die-good-guys/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Kommt die Rettung aus Holland? Das Jungunternehmen Blendle bietet nun auch deutschsprachigen Verlagen eine einfache Bezahllösung für den Einzelverkauf ihrer Artikel an. Gründer und CEO Marten Blankesteijn (28) erklärt im Gespräch mit der MEDIENWOCHE, warum die Verlage in Blendle keine Konkurrenz zu ihren Digitalabos sehen und warum er sich nicht vor Nachahmern fürchtet.</strong><br />
<img decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2015/09/marten_blankenstejin.jpg" alt="" width="1456" height="976" class="alignnone size-full wp-image-72383" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2015/09/marten_blankenstejin.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2015/09/marten_blankenstejin-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2015/09/marten_blankenstejin-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2015/09/marten_blankenstejin-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2015/09/marten_blankenstejin-470x315.jpg 470w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
<strong>MEDIENWOCHE: Zum<a href="https://medium.com/zu-blendle/artikel-kiosk-blendle-ist-jetzt-in-deutschland-live-cd8aa855a9d9" target="_blank"> Start der deutschsprachigen Version</a> von Blendle haben aus der Schweiz gerade einmal NZZ und «Reportagen» angekündigt, künftig ihre Inhalte auch über diese Plattform verkaufen zu wollen. Warum nur die zwei?</strong><br />
Marten Blankesteijn: NZZ und «Reportagen» sind von sich aus auf uns zugekommen. So erklärt sich auch, warum bei der <a href="https://medienwoche.ch/2015/08/23/blendle-kaum-interesse-von-schweizer-verlagen/">Umfrage der MEDIENWOCHE</a> kürzlich die anderen Schweizer Medien abwartend reagiert haben. Die wissen zum Teil noch gar nicht richtig, wie Blendle funktioniert. Da wäre es ja komisch, wenn sie sagen würden: klar, wir sind dabei.</p>
<p><strong>Wie geht es weiter mit dem Schweizer Angebot auf Blendle?</strong><br />
In den meisten Ländern starten wir erst mit einer eigenen Version, wenn wir die Mehrheit der einheimischen Verlage an Bord haben. In der Schweiz ist das nicht nötig, weil es ja nun die deutschsprachige Version gibt, wo die wichtigsten Titel aus dem gesamten deutschsprachigen Raum verfügbar sind. Wir werden nun fortlaufend Schweizer Publikationen hinzufügen.</p>
<p><strong>Was suchen und lesen die Leute auf Blendle?</strong><br />
Was wir bisher vom Nutzerverhalten aus Holland und der Beta-Phase in Deutschland wissen, suchen die Leute vor allem lange Stücke, Hintergründiges, Interviews. Im Web gibt es zwar tonnenweise Lesestoff. Doch die überwiegende Mehrheit der journalistischen Texte sind verhältnismässig kurze und schnell geschriebene Artikel aus dem Nachrichtenbereich. Das ist zwar hilfreich um zu verstehen, was in der Welt gerade läuft. Aber warum etwas geschieht, erfährt man so nicht. Dafür braucht es eben andere Angebote. Wenn das Angebot klar besser ist als das, was es kostenlos im Web sonst gibt, sind die Leute auch bereit, dafür zu zahlen.</p>
<p><strong>Blendle ist in Holland gestartet, kommt jetzt in den deutschsprachigen Raum. Wann folgt der englischsprachige Markt?</strong><br />
Führende englischsprachige Titel sind dabei, wie etwa die New York Times, die Washington Post, das Wall Street Journal oder der Economist. Für die Lancierung eines eigenständigen englischen Angebots wollen wir aber eine breitere Palette anbieten können. Mit zwanzig bis vierzig Titeln können wir loslegen. Wir brauchen diesen Markt, ganz klar. Schliesslich verkaufen wir keine Abonnements zu 300 Euro, sondern einzelne Artikel im Cent-Bereich. Daher funktioniert unser Geschäftsmodell nur, wenn wir wirklich viele Artikel verkaufen können.</p>
<p><strong>Rennen Sie eigentlich offene Türen ein bei den Zeitungsverlagen?</strong><br />
Es braucht immer ein bisschen Zeit. Zuerst kommen immer die gleichen Fragen. Ob die Leute denn nicht ihr Abo kündigen, wenn sie bei Blendle nur das zahlen müssen, was sie wirklich nutzen Ich kann die Verleger aber beruhigen: Seit es Blendle in Holland gibt, fragen die Verlage nach Abo-Kündigungen, ob es wegen uns sei – was nie der Fall ist. Im Gegenteil: Die Zeitung «De Volkskrant», vergleichbar mit der NZZ in der Schweiz, verzeichnet zum ersten Mal seit Jahren eine Zunahme der Abonnenten, obwohl sie keinerlei Marketinganstrengungen unternommen haben. Darum gehen sie davon aus, dass das ein Effekt von Blendle sein könnte.</p>
<p><strong>Sie sehen also keinerlei Kannibalisierungsgefahr?</strong><br />
Es ist doch so: Eine 21-jährige Person meint heute, «Der Spiegel» sei eine kostenlose News-Website. Wie sollte so jemand überhaupt darauf kommen, den «Spiegel» zu abonnieren, wenn sie nicht einmal wissen, was das Magazin bietet. Das versuchen wir zu ändern. Wir erreichen eine junge Zielgruppe. Die Mehrheit der Blendle-Nutzer ist jünger als 35.</p>
<p><strong>Sprechen Sie die gezielt an?</strong><br />
Wir machen kein Marketing (lacht). Aber es hat sicher auch mit unserem Unternehmen zu tun. Unser Durchschnittsalter liegt bei 27, ich selbst bin 28. Und daher machen wir wohl ganz automatisch Sachen, die bei einer jungen Zielgruppe gut ankommen.</p>
<p><strong>Blendle verfügt über interessante Daten zum Lektüreverhalten seiner Kunden. Profitieren davon auch die Verlage?</strong><br />
Abgesehen von der E-Mail-Adresse, die einen Leser eindeutig identifizieren würde, teilen wir mit den Verlagen praktisch alle Daten, die bei uns anfallen. Für jeden Artikel, den wir auf Blendle anbieten, sieht man eine ganze Menge an Informationen. Wie oft wurde er gelesen? Zu welcher Tageszeit? Welches Geschlecht haben die Leser?</p>
<p><strong>Gibt es auch kritische Reaktionen vonseiten der Verlage?</strong><br />
Am Anfang fragten sich die Verlage schon auch: Was machen die Jungs eigentlich? Aber nach einer Phase das Abtastens würde ich heute so weit gehen, unser Verhältnis als freundschaftlich zu bezeichnen. Momentan sind wir die «Good Guys». Was unser Geschäftsmodell angeht, gibt es keinerlei Kritik. Am Anfang dachten die Verlage, dass wir ihnen gefährlich werden könnten. Aber jetzt merken sie, dass das nicht stimmt, weil sie die Zahlen kennen und sehen, was ihnen Blendle bringt.</p>
<p><strong>Hat Sie das überrascht?</strong><br />
Ich ging davon aus, dass wir als Partner wahrgenommen werden, wegen unserer Preisstruktur. Als Beispiel: Ein Digitalabo von «De Volkskrant» kostet 15 Euro im Monat. Bei uns kostet ein einzelner Artikel aus der Zeitung 25 Cent. Zwei Artikel pro Tag macht 50 Cent, mal 30 Tage im Monat macht 15 Euro. Mit zwei Artikeln pro Tag auf Blendle zahlt man also bereits den Abo-Preis. Das Abo zu künden, wäre in dem Fall nur sinnvoll, wenn ich pro Tag weniger als zwei Artikel lesen würde. Aber wer so wenig liest, kündigt sein Abo sowieso und nicht wegen Blendle.</p>
<p><strong>Wie können Verlage sonst noch profitieren, wenn sie mit Blendle zusammenarbeiten?</strong><br />
Ein gutes Beispiel ist VN, ein Nachrichtenmagazin aus Holland. Die suchten nach einer Lösung, wie sie ihre Artikel online kostenpflichtig anbieten können. Nun nutzen sie Blendle als Paywall. Das sieht dann so aus, dass man den Anfang eines kostenpflichtigen Artikels frei lesen kann. <a href="http://www.vn.nl/hafid-bouazza-tovenaarsleerling-van-nabokov/" target="_blank">Darunter erscheint ein Button</a>, wo man den Preis für den Artikel über sein Blendle-Konto zahlen kann und danach erscheint auf der Webseite der ganze Artikel</p>
<p><strong>Blendle ist also auch ein Paywall-Provider?</strong><br />
Wir gehen grundsätzlich davon aus, dass es einen riesigen Markt für kostenpflichtigen Journalismus gibt. Wenn es unser Ziel ist, Journalismus so einfach wie möglich zugänglich zu machen, dann ist die Paywall ein logischer Teil unseres Angebots. Warum sollten alle auf unsere Plattform kommen? Es spielt doch keine Rolle, wohin der Traffic geht, so lange die Leute für Journalismus zahlen.</p>
<p><strong>Erlebt der Journalismus gerade seinen iTunes-Moment?</strong><br />
Die Musikindustrie hat gezeigt, dass es möglich ist, für digitale Inhalte Geld zu verlangen. Vor zehn Jahren habe ich alle Musik gratis aus dem Internet heruntergeladen und dachte nie im Leben daran, je dafür zu bezahlen. Ich konnte mir kein besseres Geschäftsmodell vorstellen, als alles gratis zur Verfügung zu haben. Heute ist es sogar nicht einfacher: Es gibt alle Musik auf Youtube. Sogar meine Grossmutter kann das nutzen. Es wäre absolut sinnlos, für Musik zu zahlen. Gleichzeitig hat es aber Spotify geschafft, Millionen zahlende Kunden anzuziehen. Das zeigt, was ein positives Nutzungserlebnis ausmachen kann.</p>
<p><strong>Rechnen Sie mit Nachahmern?</strong><br />
Wenn man Blendle so anschaut, könnte man schon auf die Idee kommen, dass sich das leicht kopieren liesse. Ich weiss aber, was für eine Maschine unter der Oberfläche läuft. Da zweifle ich schon, dass das sonst jemand einfach so hinkriegen könnte. Über alles gesehen, ist es sicher am schwierigsten, das Nutzungserlebnis möglichst reibungslos zu gestalten. Ich habe schon viele Paywalls gesehen, aber keine ist so einfach gestaltet wie unsere.</p>
<p><strong>Wo sind die Schwachstellen?</strong><br />
Wir erhalten jede Nacht von den Zeitungsverlagen die Daten übermittelt. Zur Zeit sind das um die 50 Zeitungen die so reinkommen. All das sauber in unserer Auslage reinzupassen, ist der reinste Horror. Jeder Verlag hat sein eigenes System. In unserer Firma gibt es eigens eine Abteilung, die nur damit beschäftigt ist, die Zeitungsdaten aufzubereiten.</p>
<p><strong>Welche Rolle spielt Social Media?</strong><br />
Es ist zweifellos die grösste Quelle für unser Nutzerwachstum. Da wir kein Marketing betreiben, übernimmt Social Media diese Rolle. Blendle ist selbst auch ein Social Network, wo sich die Nutzer gegenseitig Artikel empfehlen und auf ihren Profilen weiterverbreiten können.</p>
<p><strong>Hat Blendle eigentlich Exklusivverträge mit den Verlagen?</strong><br />
Die Verlage können machen was sie wollen, wir binden sie nicht. Das gäbe nur komplizierte Diskussionen. Das ist es uns nicht wert. Denn schliesslich geht es um ein Geschäftsmodell für Journalismus. Wenn es sonst jemand besser machen sollte als wir, dann wäre das für Blendle der Moment, um aufzuhören.</p>
<p><strong>Welche Rolle spielen Axel Springer und die New York Times als Minderheitseigner von Blendle?</strong><br />
Wir haben uns bewusst für Verlage als Investoren entscheiden und nicht für Risikokapitalisten. Denn diese wollen irgendwann Geld sehen. Bei Axel Springer und der New York Times geht es um etwas anderes. Die New York Times sagte uns explizit, wenn es uns gelänge, mitzuhelfen die Digitalabos hochzuschrauben, dann hätten sie ihre Investition bald zurück. Die Verlage funktionieren eher so, dass sie finden, wir machten interessante Sachen, wo sie dabei sein wollen. Das mögen wir. Ausserdem verstehen wir unser Geschäft selbst am besten und wollen unser eigener Chef bleiben. Daher brauchen wir auch keine Verwaltungsräte, die uns sagen, was wir zu tun haben. Die Risikokapitalisten finden das komisch, weil die immer einen Verwaltungsrat haben. Springer und New York Times haben damit kein Problem, weil sie daran glauben, dass wir gute Arbeit leisten.</p>
<p><small>Das Gespräch fand am 11. September 2015 statt anlässlich des Schweizer Medienkongresses in Interlaken, wo Marten Blankesteijn als Gast eingeladen war.</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/09/14/wir-sind-die-good-guys/">Blendle-Gründer Blankesteijn: «Wir sind die Good Guys»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>«Die Zivilisation ist eine ganz dünne Schicht»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2014/07/08/die-zivilisation-ist-eine-ganz-duenne-schicht/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2014/07/08/die-zivilisation-ist-eine-ganz-duenne-schicht/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 08 Jul 2014 08:06:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gespräche]]></category>
		<category><![CDATA[Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Eugen Sorg]]></category>
		<category><![CDATA[Christoph Blocher]]></category>
		<category><![CDATA[Kriegsreporter]]></category>
		<category><![CDATA[Reportage]]></category>
		<category><![CDATA[Kriegsverbrechen]]></category>
		<category><![CDATA[Basler Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Roger Köppel]]></category>
		<category><![CDATA[Reporter]]></category>
		<category><![CDATA[Weltwoche]]></category>
		<category><![CDATA[SVP]]></category>
		<category><![CDATA[Reportagen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eugen Sorg ist erst spät, mit 43, in den Journalismus eingestiegen. Als Reporter für «Das Magazin» und die Weltwoche berichtete er aus den Kriegs- und Krisengebieten dieser Welt, wo er zuvor schon als IKRK-Delegierter gearbeitet hatte. Nach seiner letzten Station als Textchef bei der Basler Zeitung tritt er nun in den Unruhestand. Im Interview mit <a href="https://medienwoche.ch/2014/07/08/die-zivilisation-ist-eine-ganz-duenne-schicht/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/07/08/die-zivilisation-ist-eine-ganz-duenne-schicht/">«Die Zivilisation ist eine ganz dünne Schicht»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Eugen Sorg ist erst spät, mit 43, in den Journalismus eingestiegen. Als Reporter für «Das Magazin» und die Weltwoche berichtete er aus den Kriegs- und Krisengebieten dieser Welt, wo er zuvor schon als IKRK-Delegierter gearbeitet hatte. Nach seiner letzten Station als Textchef bei der Basler Zeitung tritt er nun in den Unruhestand. Im Interview mit der MEDIENWOCHE redet er über die dünne Schicht unserer Zivilisation, über Roger Köppel und Christoph Blocher und über erfundene Korrespondentenberichte.<br />
<span id="more-20436"></span><br />
<strong>MEDIENWOCHE: Diesen August verlässt Du die Redaktion der Basler Zeitung, wo Du seit 2011 als Textchef beschäftigt bist.</strong><br />
Eugen Sorg: Im Sommer werde ich 65, ich freue mich, wieder auf Reisen zu gehen, und ich werde auch wieder mehr schreiben. Bei der Basler Zeitung behalte ich ein kleines Fixum.</p>
<p><strong>Du bist erst 1992, mit 43 Jahren, in den Journalismus eingestiegen.</strong><br />
Die klassische Ochsentour mit einem Einstieg beim Oberländer oder beim Limmattaler habe ich nie gemacht, ich habe direkt beim «Magazin» angefangen. Miklos Gimes, ein Freund, mit dem ich mich immer gerne über Journalismus, Gott und die Welt unterhalten habe, fragte mich eines Tages, ob ich nicht eine Geschichte für das «Magazin» schreiben wolle. Nach der dritten Story wurde mir ein Fixum angeboten, und dann wurde ich zum festen Mitarbeiter. Vor meinem Einstieg war ich weder im Bundeshaus noch im Tagesgeschäft.</p>
<p><strong>Was hast Du denn vorher gemacht?</strong><br />
Studiert hatte ich Pädagogik, Psychologie und Literatur, danach arbeitete ich bei einer Krisenberatungsstelle bei Kindesmisshandlung. Wichtig für meinen Einstieg in den Journalismus war das Jahr beim Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK). Zunächst war ich im Südsudan, was sehr interessant war. Entscheidend aber war mein Aufenthalt in Jugoslawien 1992, der mein ganzes Welt- und Menschenbild grundlegend veränderte – es wurde auseinandergerissen und ich musste es neu wieder zusammensetzen. Ich hatte bis dorthin immer viel gelesen, war viel gereist und hatte durchaus das Gefühl, ich verstünde etwas, wie es auf der Welt laufe, und hätte auch eine Ahnung vom Krieg. Ich glaubte zum Beispiel zu wissen, dass Menschen nicht freiwillig in den Krieg ziehen würden. Diese Gewissheit wurde zerschlagen, denn ich traf auf Kämpfer, die eine gute Zeit hatten, wenn sie nicht grade einen Schuss in den Bauch erwischt oder ihnen eine Granate ein Körperteil abgerissen hatte. Was mich erschütterte, war die Mitleidlosigkeit, die Selbstverständlichkeit des Tötens, das Töten ohne schlechtes Gewissen. Menschen, wie ich sie in Zürich vom Sehen kannte, vom Einkaufen, vom Fussball oder aus dem Freibad, sah ich als Freiwillige in Bosnien, und dort massakrierten sie ihre Nachbarn und plünderten deren Häuser. Die Zivilisation ist eine ganz dünne Schicht, die auch bei uns jederzeit brechen kann. Dass wir hier zivilisiert zusammenleben, ist ein kleines Wunder, das überhaupt nicht gesichert ist. </p>
<p><strong>So bist Du zum Schreiben gekommen?</strong><br />
Als IKRK-Delegierter war es mir nur möglich, sogenannte «Situation Reports» zu schreiben, in denen man nüchtern die Anzahl der Toten, den Ort des Gefangenenlagers und die allgemeine Sicherheitslage festhielt. Die guten und bewegenden Geschichten dahinter konnte man aber nicht erzählen, und da wusste ich plötzlich: Ich will zurückgehen, um darüber zu schreiben.</p>
<p><strong>Du warst nach dem «Magazin» auch lange bei der «Weltwoche». Konntest Du Deine Vorstellungen von Journalismus überall umsetzen?</strong><br />
Ja, ich wurde nie im Geringsten behindert. Ich hätte gerne noch weitere Geschichten erzählt, doch nachdem ich bei der Weltwoche herauskomplimentiert wurde, ging mir die Plattform dafür verloren. Der Journalismus, wie ich ihn betreibe, ist kostspielig, es fallen Reisespesen an und es braucht einen Fotografen. In den 1990er-Jahren erhielt ich beim «Magazin» für eine Geschichte von 25 000 Zeichen 6000 Franken und mindestens einen Monat Zeit. 15 Jahre später wurden für das Gleiche noch 3000 Franken ausbezahlt. Davon kann man als freier Reporter in der Schweiz nicht leben.</p>
<p><strong>Ist denn die klassische Reisereportage vielleicht einfach vorbei?</strong><br />
Das glaube ich nicht. Wenn jemand eine Reise in die Fremde tut und dann davon erzählt, ist dies ein Vergnügen seit den Höhlenbewohnern.</p>
<p><strong>Kurt W. Zimmermann <a href="http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2013-47/medien-die-boheme-und-der-rest-die-weltwoche-ausgabe-472013.html">schrieb mal</a> folgendes über den Reporteralltag, wie er ihn wahrgenommen hat in der «goldenen Generation der journalistischen Bohème»: «Wir kamen um elf auf die Redaktion. Erst lasen wir ausgiebig die ­Zeitungen, dann verfügten wir uns zum Ita­liener um die Ecke. So gegen halb vier, nach dem letzten Grappa, kehrten wir ins Büro zurück.» War das jemals so?</strong><br />
Beim «Magazin» ist es wahrscheinlich noch heute so, einfach ohne Alkohol und ohne fettreiche Speisen. Aber ja, etwas mehr Druck hätte mir nicht geschadet. Wer Perfektionist ist, neigt dazu, immer weiter ins Detail zu gehen und noch das Letzte herausholen zu wollen. Doch irgendwann muss man Texte auch einfach mal abgeben.</p>
<p><strong>Du warst von 1992 bis 2001 beim «Magazin».</strong><br />
Ich hatte eine wunderbare Zeit. Ideal war es, als Roger Köppel Chefredaktor geworden ist, denn er ist ein begabter Schreiber mit einem grossen Horizont, auch lustig. Seine Bindung an Moral ist wenig ausgeprägt, aber er geht gerne dorthin, wo es heilig ist; er riecht Tabus sofort und möchte sie knacken. Durch seine Art, in der Diskussion alles zuzulassen, sind wir alle besser geworden. Es war damals allerdings auch einfacher, zu provozieren, denn der unhinterfragte linke Mainstream war noch zäher und simpler. Und Köppel konnte einfach nur eine gute Zeitschrift machen und musste noch nicht beweisen, dass er auch ein guter Unternehmer ist und sparen kann.</p>
<p><strong>Welche Schweizer Reporter haben das Zeug, in Deine Fussstapfen zu treten?</strong><br />
Es gibt in jedem Jahrgang herausragende Schreiber. Auch bei der Basler Zeitung haben wir einige junge und grosse Talente. Aber schreiben können ist nur ein Teil, es kommt auch darauf an, welchen Blick man hat auf die Welt. Es braucht etwas Fanatismus und Mut zur Einsamkeit, den Dingen wirklich auf den Grund gehen zu wollen. Und solche Journalisten benötigen auch Figuren, die ihr Talent erkennen und sagen: «Hier, mach!». Doch leider sind zu viele Chefredaktionen in der Schweiz mit Leuten besetzt, die weniger mutigen Journalisten gleichen, als vielmehr ängstlichen politischen Buchhaltern und Visitenkartenverteilern.</p>
<p><strong>Im Archiv habe ich einen langen <a href="http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2004-28/artikel-2004-28-der-erzieher-des.html">Text von 2004 in der Weltwoche</a> gefunden über «Madame Bovary» von Gustave Flaubert. Du schilderst darin, wie der Schriftsteller vor der Publikation des Meisterwerks der Literaturgeschichte von befreundeten Schriftstellern in einem Brief bekniet wurde, in «Streichungen» einzuwilligen, ansonsten «Du Dich völlig kompromittierst [&#8230;] mit einem verworrenen Werk». Wird nicht im Journalismus vieles, das womöglich interessant wäre, exakt so verhindert?</strong><br />
Das glaube ich, ja. Vieles im Journalismus ist ja Pflichtstoff. Aber für die Kür braucht es Leute, die sich getrauen, über die Meinungsübereinkunft hinaus zu denken und das Aussergewöhnliche erkennen können. Es sind immer Einzelne, die Dinge vorantreiben. </p>
<p><strong>Entstehen Deine Texte mit klarem Bauplan oder mehr als Puzzle?</strong><br />
Nach Somalia wollte ich beispielsweise, nachdem ich im «Lettre» eine Fotostrecke gesehen hatte: Ein Bild zeigte einen lokalen Warlord der anarchischen Millionenstadt Mogadischu, der mit glasigen Augen vom Kath auf einem rosa Bett mit kitschigem rosa Baldachin sass, inmitten seiner dünnen Mitkrieger (die Amerikaner sagten ihnen «Skinnies»). Der dazu gehörige Text überzeugte mich nicht, aber das Foto fesselte mich, und ich wusste: Ich will nach Somalia und herausfinden, wie es dort tatsächlich ist und wie dieses Land funktioniert. </p>
<p><strong>Und wie macht man das?</strong><br />
Man benötigt einen guten Übersetzer und Guide, der versteht, und zwar nicht nur sprachlich, was man fragt, und man muss Leute finden, die einem plausibel schildern können, was vor Ort geschieht. Letzteres ist einfach und spannend, wird aber zu wenig genutzt. Eigentlich jeder Mensch, auf den Du triffst, kann Dir einen Ausschnitt der Welt geben. Wichtig ist nicht ein vorgefasstes Konzept, sondern das intuitive Erfassen der Situation, des Grundgefühls, der Stimmung: ist sie entspannt, fatalistisch, melancholisch, paranoid, wild?</p>
<p><strong>Du warst auf Reportagereisen in vielen Kriegsgebieten, überhaupt an den gefährlichsten Orten der Welt. Bist Du mutiger als andere Menschen?</strong><br />
Das würde ich nicht sagen, nein. Vielleicht neugieriger.</p>
<p><strong>Du hast sehr oft mit Fotograf Nathan Beck zusammengearbeitet. Warum?</strong><br />
Nathan Beck ist ein visuell hoch begabter Mensch, der einen faszinierend ungefilterten, ungeschützten, ganz eigenen Blick auf die Welt hat. Wir haben uns immer sehr gut ergänzt.</p>
<p><strong>Bist Du auf Reportage vielen begegnet, die mehr Abenteurer waren als verantwortungsvolle Journalisten?</strong><br />
Nur wenigen, die meisten sind gut vorbereitet und vorsichtig. Aber ich weiss zum Beispiel von einem deutschen Reporter, der für den «Stern» schrieb und 2001 in Nordafghanistan ums Leben kam. Der setzte sich auf ein Kriegsfahrzeug der siegreichen Rebellen, seine langen blonden Haare flatterten im Wind – und so wurde er von Taliban erschossen, die sich auf dem Rückzug befanden. Eine solche Zielscheibe sollte man nie abgeben, meines Erachtens wurde er ein Opfer seiner eigenen Eitelkeit.</p>
<p><strong>Viele spektakuläre Pressefotos aus Krisengebieten sind ja gestellt. Hast Du solche gestellten Szenen selbst beobachtet?</strong><br />
Nein, nicht direkt, aber falsche Übermittlungen und erfundene Korrespondentenberichte. Weil die Zeitungen ja kaum mehr eigene Journalisten in die Krisengebiete schicken, informieren sich die grösseren Redaktionen oft direkt bei lokalen Kontaktpersonen. Ich sass mal daneben, als in Mogadischu ein lokaler Reuters-Mann, ein fanatischer Gegner der damals aktuellen Übergangsregierung, am Telefon der mitfühlenden und besorgten Redaktorin einer britischen Zeitung erklärte, um ihn herum seien schwere Gefechte im Gang – während wir ruhig in seinem Hof beim Tee sassen und draussen in der Stadt tatsächlich alles in den üblichen Bahnen verlief. Die Zeitung verfasste einen dramatischen Bericht über die angeblich katastrophale Lage und das skrupellose Vorgehen der Regierung, der dann natürlich auch in anderen internationalen Medien Aufnahme fand.</p>
<p><strong>Hast Du selbst beschönigt beim Schreiben? Um die Story interessanter zu machen als sie in Realität ist?</strong><br />
Nein, nie, ich bin in dieser Frage sehr protestantisch, und ich neige eher zum Understatement.</p>
<p><strong>Zu welchen Tricks kann denn ein Reporter greifen?</strong><br />
Die Versuchung, die Gefahren zu übertreiben, um sich wichtig zu machen, besteht, das ist einigen Texten gut anzumerken. Die wichtigste Zeit, um eine Lage einzuschätzen, sind die ersten paar Tage am neuen Ort, weil man dann genau sieht, was anders ist als an anderen Orten. Oft dachte ich, wenn ich länger in einem Kriegsgebiet war, es gäbe gar nichts besonders zu berichten – bis ich dann zurück in der Schweiz das eine oder andere Ereignis erzählte und bei den Zuhörern die Augen sich weiten sah. Dann merkt man, dass das Erlebte vielleicht doch nicht so trivial ist. Man gewöhnt sich sehr schnell an veränderte, auch extreme Umstände. Und natürlich kann ein Reporter auch Zitate erfinden, um Personen weiser, aufregender oder böser zu machen.</p>
<p><strong>Wie schätzt Du die Auslandberichterstattung der Schweizer Medien ein?</strong><br />
Vieles davon wird heute vom Newsdesk aus erledigt, man schreibt ab aus Leitmedien wie der New York Times, der Washington Post, dem «Spiegel» oder der «Zeit», wobei letztere zwei auch oft den grossen linksliberalen US-Blättern abschreiben. Auch die früher legendäre NZZ-Auslandberichterstattung ist nicht mehr, was sie mal war.</p>
<p><strong>Im Inlandteil der NZZ wurdest Du 1991 als «linker Aktivist» bezeichnet, im Zusammenhang mit Deinem Buch «Lieblings-Geschichten», das als «Pamphlet» bezeichnet wurde («VPM: was er ist und wie er streitet» vom 22. Mai 1991). Warst Du jemals ein linker Aktivist?</strong><br />
Aktiv wäre übertrieben, aber ja, ich komme von ganz links. Ich bin aber kein Konvertit: mein utopisches Weltbild, dass der Mensch schon gut werde, wenn er nur in den richtigen Verhältnissen leben könne, dass es ohne Armut auch keine Diebe mehr gebe oder dass es ohne sexuelle Unterdrückung auch keine Sexualtäter mehr gebe, dieser alte linke Traum wurde mit meinem Aufenthalt in Jugoslawien 1992 endgültig zerstört. Ohne dass ein neuer Glaube an die Stelle des alten getreten wäre. Das tiefe Interesse an der Welt ist geblieben, gleichzeitig habe ich eine Grundskepsis gegenüber allen Grossdeutungen.</p>
<p><strong>Wo stehst Du denn heute politisch?</strong><br />
Als Jugendlicher und junger Erwachsener war ich Anarchist, fand, der Staat müsse weg. Heute bin ich so etwas wie ein libertärer Konservativer. Meine Reisen in zerfallende Staaten haben mich anschaulich gelehrt, dass das Gewaltmonopol des Staats wichtig ist. Aber er soll sich auf wenige Kernaufgaben beschränken und ansonsten nicht reinreden, nicht erziehen, nicht versuchen, die Leute unbedingt vor dem eigenen Scheitern zu schützen – ich bin ein Gegner des linken, müffelnden Volkserziehungsheims.</p>
<p><strong>Bist Du ein Zyniker?</strong><br />
Nein, dafür bin ich zu sentimental.</p>
<p><strong>Wie stehst Du zu Drogen?</strong><br />
Ich war überzeugter Kiffer als Junger, ich reiste in die Haschischparadiese Afghanistan, Nepal und Marokko. Doch ich habe mit Kiffen schon lange aufgehört. Heute trinke ich gerne Wein.</p>
<p><strong>Hat Dich eigentlich je interessiert, wem die Basler Zeitung gehört?</strong><br />
Nicht gross, nein. Aber man muss schon sehen, dass Christoph Blocher diese Zeitung gerettet hat. Hätten er und Tettamanti sie nicht gekauft und nicht mit «Eisenfuss» Bollmann saniert, gäbe es diese Zeitung heute wahrscheinlich nicht mehr oder nur noch als weitere Variante der langweiligen Mainstream-Publikationen.</p>
<p><strong>Wie stehst Du zu Christoph Blocher und seiner SVP?</strong><br />
Ich stehe fern von der Partei, es ist nicht mein Milieu. Aber ich finde es überheblich und dumm, Leuten, die SVP wählen, Angstneurosen oder verstockte Fremdenfeindlichkeit zu unterstellen. Die Hilfsbereitschaft und der Goodwill der Bevölkerung gegenüber Gästen darf nicht überstrapaziert werden. Es sollte selbstverständlich sein und bleiben, dass man selber darüber bestimmt, wen man ins eigene Haus lässt und welche Regeln dort gelten. Dass es in der Schweiz, im Gegensatz zu unseren grossen Nachbarländern, bisher keine Gewaltausschreitungen gegenüber Ausländern gab, obwohl bei uns ein viel grösser Ausländeranteil lebt, haben wir wahrscheinlich der SVP zu verdanken.<br />
 Die Parteien- und Kleinpolitik lässt mich eher kalt, dafür bin ich seit dem jugoslawischen Existenzschock für immer verloren. Aber dieser ganze zähflüssige Schweizer Politprozess, bei dem jeder einbezogen wird, bei dem jeder seinen Senf dazu geben darf, bei dem jeder mit aufs Gruppenfoto darf, dieses politische Basteln im Kleinstraum hat eine eigene Würde. Diese helvetische Form der direkten Demokratie ist eine einmalige Errungenschaft, eine institutionalisierte Form der permanenten Macht- und Elitendemütigung.</p>
<p><strong>Sind Tageszeitungen heute etwas für Senioren?</strong><br />
Bezahlte Tageszeitungen? Statistisch gesehen, ja.</p>
<p><strong>Hat das Aufkommen des Internets Dein Leben positiv oder negativ beeinflusst?</strong><br />
Es hatte keinen grossen Einfluss. Die ersten Artikel im «Magazin» gab ich persönlich auf einer Diskette ab, heute schicke ich eine E-Mail.</p>
<p><strong>Hat der Journalismus eine Zukunft?</strong><br />
Ich glaube, dass Wochentitel überleben werden, denn in jeder Gesellschaft leben 7 oder 8 Prozent Menschen, die genauer wissen möchten, was draussen in der Welt geschieht. Auch wenn sich die Form ändert: Früher gab es Reiseberichte, später Zeitungen, dann Fernsehen, heute Internet. Dass eine Wochenzeitung wie die «Zeit» an Auflage gewinnt, obwohl sie nicht besser geworden ist, ist vielleicht ein Indiz, dass auch heute noch ein Bedürfnis dafür besteht.</p>
<p><strong>Was für einen Ratschlag gibst Du einem jungen Journalisten, der jetzt in die Branche einsteigt?</strong><br />
Such Dir eine gute Zeitung. Such Dir einen guten Chef. Such Dir ein Thema, für das du brennst. Such Dir jemanden, der Dich machen lässt. Lies viel, glaube wenig. </p>
<p><small>Das Interview mit Eugen Sorg wurde am 16. Mai 2014 in Zürich geführt.</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/07/08/die-zivilisation-ist-eine-ganz-duenne-schicht/">«Die Zivilisation ist eine ganz dünne Schicht»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>«Unsere Autoren müssen schon ein bisschen mehr investieren»</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 25 Feb 2014 08:44:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[NZZ]]></category>
		<category><![CDATA[Reportagen]]></category>
		<category><![CDATA[Daniel Puntas Bernet]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nach gut zwei Jahren und 15 Ausgaben hat sich das Magazin «Reportagen» als eine der ersten Adressen für langen und aufwändigen Journalismus im deutschsprachigen Raum etabliert. Daniel Puntas Bernet (48), Gründer und Chefredaktor des jungen Magazins, spricht im MEDIENWOCHE-Interview über seinen Umgang mit Autoren und Texten, sowie die Schwierigkeit, das Magazin kommerziell zum Erfolg zu <a href="https://medienwoche.ch/2014/02/25/unsere-autoren-muessen-schon-ein-bisschen-mehr-investieren/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Nach gut zwei Jahren und 15 Ausgaben hat sich das Magazin «Reportagen» als eine der ersten Adressen für langen und aufwändigen Journalismus im deutschsprachigen Raum etabliert. Daniel Puntas Bernet (48), Gründer und Chefredaktor des jungen Magazins, spricht im MEDIENWOCHE-Interview über seinen Umgang mit Autoren und Texten, sowie die Schwierigkeit, das Magazin kommerziell zum Erfolg zu bringen.</strong><br />
<img decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2014/02/puntas.jpg" alt="" width="1456" height="1164" class="alignnone size-full wp-image-64910" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2014/02/puntas.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2014/02/puntas-300x240.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2014/02/puntas-768x614.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2014/02/puntas-1024x819.jpg 1024w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
<strong>MEDIENWOCHE: Woher kommt deine Leidenschaft für die Reportage?</strong><br />
Daniel Puntas Bernet: Das ist schwierig zu sagen. Ich war bis fast 30 ein ausgesprochener Nichtleser. Als Devisenhändler, aber auch später im Marketing, bewegte ich mich in einer Scheinwelt, trug immer schön Krawatte, nickte brav und führte aus, was mir aufgetragen wurde. Irgendwann wurde mir das alles zu viel und ich begann zu lesen. Zuvor las ich höchstens mal den «Sport» oder den Sportteil der NZZ. Doch dann ging es von null auf hundert. Bald studierte ich Deutsche und Spanische Literatur und entdeckte die Reportage als literarische Gattung. Ich fand diese Texte schlicht genial: Belletristik, narrative Techniken, Unterhaltung, doppelter Boden – und zu allem hin erst noch wahr. Sensationell. Das war eine Entdeckung. Als nächstes warf ich meinen zwischenzeitlich gefassten Berufswunsch Lehrer über Bord: Ich wollte Journalist werden und selber Reportagen schreiben.</p>
<h3>«Ich wollte Journalist werden und selber Reportagen schreiben.»</h3>
<p><strong>Du entscheidest also eines Tages: Jetzt werde ich Journalist und dann legst du gleich mit einer Reportage los?</strong><br />
Genau. Ich entdeckte eine starke Geschichte, die vor mir niemand aufgegriffen hatte; und sie spielte erst noch praktisch vor der Haustüre, im bernischen Oberaargau. Dort wurden für die SBB-Neubaustrecke der Bahn 2000 durch den Önzberg gleich drei Tunnelröhren gegraben. Ein italienischer Vorarbeiter, Nino Colasacco, und sein Team arbeiteten mit einer traditionellen Tunnelbaumaschine im «Wolfacher Nord». Eines morgens beim Betreten der Tunnelröhre unterhielt er sich mit «ihr», dem Berg (la Montagna) wie üblich, und da sagte sie ihm, dass sie müde sei. Er sprach auf sie ein, sagte ihr, dass nur noch ein kurzes Stück für den Durchstich fehle. Aber sie erwiderte, dass sie einfach nicht mehr möge. Darauf lief Colasacco zu seinem Team und forderte alle auf, den Tunnel zu verlassen. Und während sie also rausgingen, rief Colasacco der Bauleitung an und sagte, wenn sie mit eigenen Augen sehen wollten, wie ein Tunnel zusammenbricht, dann müssten sie nun zum Eingang kommen. Die dachten, der spinnt. Aber weil Colasacco ein angesehener Polier war, fuhren sie das ganze Alarmdispositiv hoch, inklusive Feuerwehr, Sanität und Polizei. Als die Tunnelarbeiter und Colasacco schliesslich draussen vor dem Tunnel standen, brach sie zusammen, la Montagna.</p>
<p><strong>Wie bist du auf diese Geschichte gestossen?</strong><br />
«Schweiz aktuell» brachte einen kurzen Beitrag über den Einsturz, den meine Grossmutter gesehen hatte, die gleich nebenan wohnte. Sie hat mich darauf hingewiesen, weil ich sie fragte, ob sie ein Thema wüsste für meine erste Reportage. Dann habe ich den Fernsehbeitrag angeschaut und dachte, was für eine Geschichte, aber in den nächsten Wochen werden alle Medien darüber ausführlich berichtet haben. Doch nichts passierte. Das war mein Glück. Darum konnte ich mir so viel Zeit nehmen, wie ich wollte. Zu Nino Colasacco entwickelte ich eine enge Beziehung. Ich habe sogar Aussagen von ihm auf Bündnerdeutsch transkribiert, um ihn im Text authentischer wiederzugeben. Mit der Tunnelbauleitung der Bahn 2000 führte ich unzählige Gespräche und konnte so das Technische mit dem Emotionalen verbinden. Mir gefiel das Resultat, aber der Text wurde zuerst von zehn Redaktionen abgelehnt.</p>
<p><strong>Weshalb?</strong><br />
Es kamen die Standard-Feedbacks. Passt thematisch nicht, zu lang, längst vorbei, was auch immer, ich weiss es nicht mehr genau. Da sagte ich mir: Bevor ich den Berufswunsch Journalist begrabe, kann ich es noch bei der NZZ versuchen, das traute ich mich zuerst nämlich gar nicht. Und das war ein Glücksfall. Die haben den Text genommen und <a href="http://www.nzz.ch/aktuell/startseite/article8AUIS-1.443208" target="_blank">machten daraus gleich ein «Zeitbilder»</a>. Der Fotograf Meinrad Schade hat die Reportage bebildert und mit ihm zusammen konnte ich in der Folge zahlreiche «Zeitbilder» realisieren.</p>
<p><strong>Zwölf Jahre später bist du auf der anderen Seite und kannst als Chefredaktor die besten Texte auswählen, die dir angeboten werden. Quillt dein Postfach über vor Angeboten?</strong><br />
Wir erhalten wirklich viel. Und da ist alles dabei: Von der Idee über das Exposé bis zum fertigen Text. Die allermeisten Angebote kommen von Journalisten oder auch Schriftstellern, die diese Gattung nebenher pflegen. Von diesen unaufgefordert eingereichten Angeboten kommen pro Ausgabe etwa einer bis zwei Texte ins Heft. Die anderen Beiträge initiieren wir selber und entwickeln sie gemeinsam im Gespräch mit den Autoren.</p>
<h3>«Und genau diese Intimität und Nähe wollen wir in einer Reportage.»</h3>
<p><strong>Wie läuft das genau?</strong><br />
Wir haben mit der aktuellen 15. Ausgabe bisher fast hundert Reportagen realisiert – und jede ist ziemlich anders entstanden. Nehmen wir die Reportage <a href="http://media.wix.com/ugd/284afe_691e81955ef431aff070aed9a925fb61.pdf" target="_blank">«Der Mörder als Pfleger»</a>, die letztes Jahr aus über tausend Einsendungen den deutschen Reporterpreis gewonnen hat. Der <a href="http://www.claasrelotius.com/#!home/mainPage" target="_blank">Autor Claas Relotius</a>, ein Journalist aus Hamburg, hat mich angerufen und gesagt, er habe da eine Idee. Er wolle in ein Gefängnis in den USA, in dem nur Schwerverbrecher sitzen, die lebenslänglich bleiben. Dort gibt es auch Alzheimer-Patienten unter den Insassen. Dem Gefängnis fehlte das Personal, um die an Alzheimer erkrankten Häftlinge zu betreuen. Die innovative Gefängnisdirektorin hat daraufhin gesunde Insassen die kranken pflegen lassen. Häftlinge wurden zu Pflegern ausgebildet, von daher rührt auch der Titel des Textes. Relotius wollte aus dem Stoff eine Reportage machen. Ich habe ihm gesagt, diese Reportage wäre wohl kaum zu realisieren, bestenfalls bekomme er in einem amerikanischen Hochsicherheitsgefängnis ein Interview mit der Direktorin. Relotius wollte das aber unbedingt und insistierte beim US-Gefängnis fast ein halbes Jahr lang, bis er es geschafft hatte, mit einem solchen Pfleger und einem Alzheimerkranken zehn Tage im Gefängnis zu verbringen. Relotius trug sogar Häftlingskleider, begleitete die beiden überall hin. Alzheimer im fortgeschrittenen Stadium heisst ja, dass man diese Menschen bei den intimsten Handlungen betreuen muss. Und genau diese Intimität und Nähe wollen wir in einer Reportage. Nachdem ich ihm also abgeraten hatte zu gehen, kam dann irgendwann mal der fertige Text.</p>
<p><strong>Der Reporter in Häftlingskleider – das möchte man sehen. Aber «Reportagen» verzichtet auf Fotografien und illustriert die Texte, wenn überhaupt, nur mit Zeichnungen und Grafiken. Wieso keine Fotografie, nicht einmal auf der Titelseite?</strong><br />
Das ist in mehrfacher Hinsicht ein strategischer Entscheid. Der erste Grund: Es gibt an grösseren Bahnhofskiosks rund 3000 Titel. Das Cover von wahrscheinlich 2995 Magazinen ziert ein tolles Bild. Wenn «Reportagen» nun auch ein Bild auf dem Cover zeigt, gehen wir mit unserem Format völlig unter. Der zweite Grund: GEO und National Geographic bringen seit Jahren klassische Reportage mit einem Fokus auf der Fotografie. Wenn wir das gleich machen würden, wären wir für den Kunden am Verkaufspunkt kaum noch unterscheidbar. «Reportagen» wäre dann in der Wahrnehmung einfach ein kleines GEO aus der Schweiz.</p>
<p><strong>«Reportagen» liegt an vielen Kiosken prominent aus. Zahlt ihr für diese Präsenz?</strong><br />
Am Anfang haben wir bei Valora für eine gute Kiosk-Platzierung Promotionen gebucht, damit man uns als Markt-Neuling überhaupt sieht. Das kostete sehr viel Geld, darum konnten wir das nicht weiterführen. Jetzt haben wir zeitweise das Glück, dass unser Titel nicht klar einem Genre zugeordnet werden kann, weshalb oft das Verkaufspersonal entscheidet, wo «Reportagen» platziert wird.</p>
<p><strong>Neben dem Verkauf lebt «Reportagen» massgeblich von der Werbung. Eine Inserateseite kostet knapp 10’000 Franken. Wird das bezahlt?</strong><br />
Klar, wir haben ja ein paar Seiten Werbung in jeder Ausgabe. Dahinter stehen allerdings intensive Verkaufsbemühungen, denn von der Grösse her sind wir für viele Werbeleiter und Auftraggeber noch zu wenig interessant. Dass trotzdem bei uns gebucht wird, hat viel mit Sympathie zu tun. Aber auch mit der Hoffnung, dass sich «Reportagen» langfristig etabliert. Es gibt Werbekunden, die sagen sich, wenn es das Magazin noch lange gibt, dann war ich einer der ersten und erreiche dadurch eine höhere Glaubwürdigkeit bei einer interessanten Zielgruppe. Das ist ein Kalkül. Dann gibt es noch die Kunden, die über 90 Prozent ihres Budgets für die grossen, klassischen Titel aufwenden und 10 Prozent für Versuche einsetzen können oder nach Sympathie entscheiden. Ich habe mal dem Marketingleiter einer bekannten Konsumgütermarke eine Ausgabe von «Reportagen» geschickt, welche zufälligerweise einen Text von <a href="https://twitter.com/MikePaterniti" target="_blank">Michael Paterniti</a> enthielt. Die wenigsten Schweizer Journalisten kennen diesen Autoren, für den Marketingleiter war Paterniti aber ein kleiner Gott. Als er unser Heft erhalten hatte, war es ihm weniger wichtig, wie hoch der Anzeigepreis ist, wie der Titel heisst, wer ich bin und was wir machen. Die Tatsache, dass wir Michael Paterniti publizieren, reichte ihm vollumfänglich, um bei uns eine Anzeige zu buchen.</p>
<h3>«Die Zeit als Wirtschaftsredaktor weckte den Unternehmergeist in mir.»</h3>
<p><strong>Hat dir deine berufliche Vergangenheit in der Finanzwelt etwas gebracht, um den Schritt vom Journalisten zum Verleger zu wagen?</strong><br />
Meine Vergangenheit hat mir schon etwas gebracht. Aber sicher nicht jene als Devisenhändler. Die verlief eher durchzogen. Ich habe das nur drei Jahre lang gemacht und war damals, als ich in New York mit Millionen jonglierte, sehr jung. Boni wie heute wurden dazumal noch nicht ausgeschüttet, es ist also nicht so, dass ich mit irgendwelchen Reserven von damals den Aufbau von «Reportagen» hätte finanzieren können. Was mir sicher etwas gebracht hat, ist die Zeit als Wirtschaftsredaktor bei der «NZZ am Sonntag». Dort hatte ich während fünf Jahren oft mit Unternehmen zu tun. Als schreibender Journalist empfand ich immer Bewunderung für den Unternehmertypus. Manchmal war ich fast ein wenig eifersüchtig. Da spreche ich mit einem Unternehmer für ein Porträt oder ein Interview und werde mir bewusst, dass ich eigentlich nur das Sprachrohr bin, von jemandem der wirklich etwas leistet und Verantwortung trägt. Daraus ist der Wunsch entstanden, selbst etwas zu schaffen. Die Zeit als Wirtschaftsredaktor weckte den Unternehmergeist in mir.</p>
<p><strong>Also der bei Journalisten verbreitete Wunsch, mal selbst Verantwortung zu übernehmen und etwas Nachhaltiges zu produzieren.</strong><br />
Das schon auch. Aber im Zentrum stand klar die Leidenschaft für die Gattung der Reportage. Und das Wissen, oder zumindest die Hoffnung, dass solche Texte auch etwas bewirken können. Kombiniert mit unternehmerischen Impulsen ergab das dann das konkrete Projekt.</p>
<p><strong>Wie viele Abonnenten zählt «Reportagen» heute?</strong><br />
Aktuell sind es knapp 4500. Und etwas weniger setzen wir bei jeder Ausgabe zusätzlich im Einzelhandel ab. Das reicht aber noch nicht aus. Um über die Runden zu kommen, müssen wir den Abo-Stamm etwa verdoppeln.</p>
<p><strong>Ist das realistisch?</strong><br />
Das ist die entscheidende Frage. Eine Zahl gibt zu Hoffnung Anlass: 85 Prozent der Abonnenten stammen aus der Schweiz. In Deutschland und Österreich konnten wir bisher weniger verkaufen, als ursprünglich erwartet. Dort liegt noch ein grosses Potential.</p>
<p><strong>Und das trotz regelmässiger Präsenz mit <a href="http://reportagen.com/content/events" target="_blank">Lesungen</a> und <a href="http://reportagen.com/blog/2013/12/10/reportagen-nr-14-gespr%C3%A4ch-bei-deutschlandradio-kultur" target="_blank">Medienauftritten</a> in Deutschland und Österreich?</strong><br />
In journalistischen Kreisen und oder im Verlagswesen bringt das zwar Bekanntheit, aber nicht unbedingt zusätzliche Käufer. Hauptsächlich aus zwei Gründen. In der Schweiz ist man schnell bereit, 20 Franken für ein Magazin in unserer Machart zu bezahlen. Aber 15 Euro sind für den deutschen Konsumenten sehr viel mehr Geld. Zum anderen ist die deutsche Presselandschaft reichhaltiger, es gibt auch einige Titel, die regelmässig Reportagen abdrucken. Kürzlich habe ich mit <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Cordt_Schnibben" target="_blank">Cordt Schnibben</a>, dem Leiter des «Spiegel»-Gesellschaftsressorts, gesprochen. Ich habe ihn gefragt, was wir machen müssen, damit wir in Deutschland besser in die Gänge kommen und mehr absetzen können. Da meinte er nur: Ihr müsst besser werden, relevanter, einzigartiger. Und ich teile seine Meinung.</p>
<h3>«Entscheidend für eine gute Reportage ist der Antrieb, etwas zu Ende zu recherchieren.»</h3>
<p><strong>Was unternimmst du jetzt?</strong><br />
Wir versuchen, noch innovativer an unsere Geschichten heranzugehen. Im Zentrum unseres Magazins stehen Autorinnen und Autoren. Wir bieten lediglich die Plattform und initiieren Dinge. Was ich feststelle: Es gibt beseelte Reporter, die wollen einfach, selbst wenn sie nicht schreiben können. Entscheidend für eine gute Reportage ist der Antrieb, etwas zu Ende zu recherchieren und in die Tiefe zu gehen. Wenn das stimmt, kann man das schreiberische Manko unter Umständen korrigieren. Umgekehrt funktioniert es nicht. Wer super schreibt, aber nichts zu sagen hat, liefert nur dünne Texte. Oft stelle ich fest, dass sich freie Journalisten sehr schnell zufriedengeben. Vielleicht auch, weil sie es gewohnt sind, maximal zwei, drei Tage an einer Geschichte dran zu sein. Es kam schon vor, dass Journalisten uns sagten, sie wollen sich für ein Thema eine Woche Zeit nehmen. Wir finden aber: Nein, entweder länger oder gar nicht. Zuerst sind die meisten erstaunt, gleichzeitig fordert es sie heraus. Dort trennt sich der Spreu vom Weizen.</p>
<p><strong>Was zahlt ihr an Honorar?</strong><br />
Wir zahlen im Branchenvergleich überdurchschnittlich. Wenn jemand einen Monat an einer Reportage arbeitet, dann gibt das zwischen 3000 und 6000 Franken. Je nach Autor, Konstellation und Spesenaufwand. Es gibt keine fixen Tarife.</p>
<p><strong>Für «Reportagen» schreiben regelmässig grosse Namen, wie Margrit Sprecher oder Erwin Koch. Welches Verhältnis zwischen Prominenz und unbekannten Talenten pflegst du?</strong><br />
Bei den grossen Namen geht es mir nicht ums Marketing. Ursprünglich wollten wir mit «Reportagen» den Spagat zwischen Literatur und Journalismus versuchen und positionierten uns sowohl am Kiosk wie in den Buchhandlungen. Tatsache ist aber, dass wir in den Buchhandlungen viel weniger verkaufen. Also wird das Magazin weniger als literarisches Produkt wahrgenommen, sondern vielmehr als journalistisches. Und bei einem journalistischen Produkt zählt der Inhalt und nicht zwingend der Autoren-Name. Erwin Koch und Margrit Sprecher kennen praktisch alles Journalisten hierzulande. Aber den allermeisten Konsumenten am Kiosk sagen diese Namen nichts. Am Anfang haben wir ganz bewusst Autoren wie Roger Willemsen und Sibylle Berg schreiben lassen. Wir hätten aber nicht gemerkt, dass dies auf den Absatz einen positiven Einfluss gehabt hätte. Für mich ist der gute Text entscheidend. Ich habe mit meinem Team auch schon «Blind-Degustationen» gemacht, indem ich mehrere Texte ohne Namen vorgelegt habe. Dabei hat sich die Spreu vom Weizen schnell getrennt; und meistens haben die grossen Namen obenaus geschwungen.</p>
<p><strong>Ein wichtiger Teil deiner Arbeit macht das Redigieren der Texte aus. Wie gehst du dabei vor?</strong><br />
Rein intuitiv, basierend auf der Lektüre unzähliger Reportagen und der Erfahrung, selber einige Texte verfasst zu haben. Die Erfahrung als Redaktor bei der «NZZ am Sonntag» hilft mir dabei. Für mich sind Rhythmus und Flow eines Textes entscheidend. Ein klassischer Fehler, den viele machen: Beginn mit dem szenischen Einstieg worauf ein Abschnitt mit Wikipedia-Fakten und dem Grund folgt, warum man den Text lesen sollte; anschliessend werden die Experten oder Hauptfiguren der Reihe nach zitiert und zum Schluss wird der szenische Einstieg aufgenommen und abgerundet. Ein Text nach diesem Strickmuster langweilt den Leser, weshalb wir versuchen, solches bei «Reportagen» zu vermeiden.</p>
<p><strong>Auch wenn das Thema stimmt?</strong><br />
Auch dann. Denn es zeigt oft, dass sich der Journalist nicht allzu viel überlegt hat, respektive nach Schulbuch und Raster XY etwas runtergeschrieben hat. Das kann es ja nicht sein. Wir erscheinen nur alle zwei Monate und müssen umso mehr als andere versuchen, mit sorgfältig elaborierteren Texten ein Magazin zu machen, das man idealerweise ein Jahr später immer noch mit Gewinn lesen kann. Deshalb müssen Autoren bei uns schon ein bisschen mehr investieren. Aber mein Vorgehen beim Redigieren ist absolut subjektiv. Ich redigiere die Texte so, dass ich sie am Schluss gerne lese. Da masse ich mir an zu sagen, dass es so sein muss. Damit gehe ich dann zum Autor und zeige ihm meine Fassung. Ein gutes Beispiel: Wir erhielten einen Text zugeschickt über thailändische Bauern, die am Polarkreis Beeren pflücken. Die Reportage lag auf meinem Nachttisch und ich hatte dreimal begonnen, sie zu lesen – und bin jedes Mal darüber eingeschlafen.</p>
<p><strong>Wieso hast du ihn dann nicht einfach weggelegt?</strong><br />
Das Thema hat mich schon gereizt. Dann traf ein Notfall ein. Bei der Planung von Ausgabe Nummer sechs fiel ein Text aus und wir hatten auf einmal einen zu wenig. In der Not kam mir diese Reportage wieder in den Sinn. Erst dann habe ich mich gezwungen, den Text zu Ende zu lesen. Und er war tatsächlich gut! Zuvor hatte mich einfach dieser gekünstelte, arrogante und dandyhafte Einstieg davon abgehalten, weiterzulesen. Ich fragte den Autor, ob er über den eigenen Schatten springen und den Einstieg streichen könnte. Kein Problem, meinte er, und mit ein paar weiteren Anpassungen war der Text bald druckreif.</p>
<p><strong>Wie stark greifst du in einen Text ein beim Redigieren?</strong><br />
In der Regel sind meine Eingriffe nicht so drastisch und radikal. Ich würde auch nie ganze Abschnitte selber schreiben. Es sind viel mehr kompositorische Eingriffe. Ich drucke die Texte immer aus. Oft zerschneide ich sie mit der Schere und setze sie neu zusammen. In der Regel sage ich den Autoren dann: Hier fehlt noch etwas, da müsste man noch leicht ausbauen. Normalerweise hören sie von Redaktionen das Gegenteil.</p>
<h3>«Ich konnte nicht anders, als zu heulen.»</h3>
<p><strong>Gibt es einen Text, an den du dich besonders gerne erinnerst?</strong><br />
Darf ich zehn nennen? OK, zwei. Erwin Koch schreibt seit dreissig Jahren Reportagen. Alle kennen seine Texte. Die Kritik an ihn lautet ja, dass er etwas manieriert schreibt. Einen Koch erkennt man sofort. Wir haben für die erste Ausgabe mit ihm eine Geschichte abgemacht. Kurz bevor wir damals mit der Produktion loslegten, schickte er mir einen anderen Text und fragte mich mit seinem typischen Understatement, ob das eventuell etwas wäre für uns. Ich las diesen Text von über 40’000 Zeichen auf meinen Smartphone auf der Zugfahrt von Zürich nach Bern und konnte nicht anders, als zu heulen. «Sarah» ist die Geschichte eines 17-jährigen Mädchens aus dem Luzernischen, das <a href="http://www.welt.de/print/wams/vermischtes/article13839403/Sarah-eigentlich-eine-Liebesgeschichte.html" target="_blank">an Leukämie erkrankt und stirbt</a>. Für mich einer der besten Texte, die Koch je geschrieben hat. Ein Glücksfall, dass er ihn uns angeboten hat. Ich kenne niemanden, den dieser Text nicht emotional berührt hätte. In der zweiten Nummer publizierten wir einen <a href="http://reportagen.com/content/mein-d%C3%BCnner-freund-andrej" target="_blank">Text von Sabine Riedel</a>, einer Autorin in der zweiten Lebenshälfte, die in Russland verliebt ist und nach St. Petersburg reist, um Russisch zu lernen. Wenn mir das jemand als Exposé schicken würde – ich geh&#8216; dann mal nach St. Petersburg und lerne ein bisschen Russisch, dürfte ich was für Sie schreiben – dann würde ich wohl ablehnen. Aber sie hat das nicht so gemacht. Riedel ging nach St. Petersburg und lernte dort einen Künstler kennen, zu dem sie eine sehr enge Beziehung hatte. Zurück in Deutschland erfuhr sie wenige Zeit später vom Tod des Künstlers. Das hat sie emotional dermassen durchgerüttelt, dass sie sich eines abends hinsetzte und zwölf Stunden später einen Text von 50’000 Zeichen fertiggestellt hatte. Aus einem Guss. Es ist das beste, das ich je über St. Petersburg gelesen habe. Selbst wenn ich nie nach St. Petersburg reisen sollte, würde das keine Rolle spielen, denn ich war dank ihr schon dort.</p>
<p><strong>Du hast selbst noch nie einen Text im eigenen Heft veröffentlicht. Wieso nicht?</strong><br />
Es gibt zwei Gründe. Erstens hätte ich gar keine Zeit dafür. Bevor wir nicht ökonomisch auf stabilen Beinen stehen, ist das kein Thema. Zuerst wollen wir den Break-even schaffen. Zweitens schreibe ich zwar wahnsinnig gerne Reportagen und bin ein leidenschaftlicher Recherchierer. Wenn ich dran bin, dann beschäftige ich mich 24 Stunden nur mit meinem Thema und sauge alles auf. Aber ich würde mich selbst nur als durchschnittlichen Schreiber bezeichnen. Solange es bessere Autoren gibt – tant mieux.</p>
<p><strong>Spürst du keinen Publikationsdruck wie ihn viele Journalisten kennen?</strong><br />
Wenn mir etwas fehlt, dann ist es nicht das Schreiben, sondern das Recherchieren und Rausgehen. Das ist das beste im Leben eines Journalisten. The licence to ask. Bei der «NZZ am Sonntag» spürte ich nach einigen Jahren auch die negative Seite des Berufs eines Redaktors. Ich hatte allmählich das Gefühl, zum Beamten zu werden. Jede Woche musste Stoff her, egal ob Milchpreis oder Hedgefunds. Ich kam am Dienstag auf die Redaktion, habe ein Thema gefasst und ein bisschen recherchiert. Eine solche Routine möchte ich vermeiden. Deshalb mache ich nun lieber lange nichts als Reporter und wenn, dann etwas Richtiges.</p>
<p><strong>Wenn du schon nicht schreibst und recherchierst, kannst du dann wenigstens inhaltliche Inputs und Anregungen zur Recherche geben?</strong><br />
Das kommt oft vor. Ich habe einmal in Wilderswil im Bahnhofsrestaurant einen Kaffee getrunken und wurde dort von einer Koreanerin bedient. Der Hintergrund: Im «Bahnhöfli» steigen hauptsächlich südkoreanische Touristengruppen ab. Ich fand das spannend. «London in – Rome out», oder umgekehrt, nennt sich deren zehntägige Route durch Europa. Die Gäste in Wilderswil haben beispielsweise in Mailand nachtgegessen und kommen um ein Uhr nachts im Berner Oberland an. Um fünf Uhr werden sie geweckt und kriegen einen Doggy-Bag um aufs Jungfraujoch «hochzuseckeln». Dann kommen sie wieder runter. Am Mittag essen sie in Wilderswil, koreanisch, um sich endlich einmal kulinarisch von der europäischen Küche zu erholen. Anschliessend sitzen sie in den Bus und am Abend dinieren sie bereits in Paris. Toller Stoff für eine Reportage, ein Journalist müsste die Gruppe einfach zehn Tage lang begleiten. Ich habe gleich vor Ort vereinbart, dass wir jemanden beauftragen würden. Eine Übersetzerin hatte ich schnell organisiert. Aber einen Journalisten konnte ich keinen finden. Die wenigen, die Interesse zeigten, wollten nicht die ganzen zehn Tage mit auf die Reise, allenfalls zwei bis drei Tage, allerhöchstens. Das wiederum wollte ich nicht. Am Ende hat die Übersetzerin die Reportage gleich selber geschrieben.</p>
<p><strong>Ist es generell schwierig, Autoren zu finden?</strong><br />
Es kommt oft vor, dass Journalisten aus irgendeinem Grund irgendwo hingehen und mir dann noch eine Geschichte verkaufen wollen. Die sagen sich, ich bin eh zwei Wochen dort, dann kann ich nebenbei gleich noch etwas machen. Aus Sicht von freien Journalisten, die ja auch ökonomisch agieren müssen, ist das mitunter verständlich. Als ich kürzlich wieder ein solches Angebot erhielt, sagte ich der Autorin: Tolle Idee, nun müssen Sie nur nochmals hinfahren und länger bleiben. Sie war dann ziemlich irritiert, als die das hörte.</p>
<p><strong>Überrascht dich dieses Verhalten?</strong><br />
Ich mache den freien Journalisten keinen Vorwurf. Ich habe selbst als freier Journalist gearbeitet und kenne die Zwänge. Um als Freier über die Runden zu kommen, noch dazu mit einer Familie, hat man es nicht leicht. Deshalb machen auch die meisten Freien nebenher noch PR. Gut werden diejenigen, die einen Brotjob haben, aber sich ein, zwei Mal im Jahr wirklich Zeit nehmen, um für eine Geschichte alles zu investieren. Wenn ein Journalist den unbändigen Drang verspürt, eine Geschichte erzählen zu wollen, dann kommt es gut in der Regel auch gut. Für den Schriftsteller Urs Mannhart ist es zum Beispiel normal, dass er für eine Reportage in einer abgelegenen Weltgegend wochenlang unterwegs ist. Bei seiner Sibirien-Reportage waren es sechs Wochen. Er will das so und für den Text ist es ein Glück.</p>
<p><strong>Wo entdeckst du neue Autoren?</strong><br />
Überall, ich lese alles, was mir in die Hände kommt. Einschlägige Magazine, die in die gleiche Richtung gehen, wie «Reportagen», viele aus dem Ausland. Dann lese ich die üblichen Titel, das «Zeit»-Dossier, «Das Magazin» und schaue, ob es Autoren gibt mit einem neuen Zugang zu Themen. Dabei achte ich weniger aufs Schönschreiben. Mir geht es um die Haltung, die sich hinter einem Text verbirgt. Im letzten Oktober habe ich im «Zeit»-Dossier eine Text gelesen über einen homosexuellen Boxer aus Puerto Rico. Der Text hat mich berührt. Dann habe ich die Autorin kontaktiert, eine junge Journalistin, die sich versucht einen Namen zu machen. Nun sind wir im Gespräch, einfach weil ich finde, die hatte den richtigen Zugang zu diesem Boxer.</p>
<p><strong>Einen Autor hat man mit einer gewissen Überraschung zur Kenntnis genommen: Tom Kummer. Wieso <a href="http://reportagen.com/content/borderline" target="_blank">schreibt der für «Reportagen»</a>?</strong><br />
Es ist nicht etwa so, dass er auf uns zugekommen war. Ich habe ihn kontaktiert, weil ich ihn einen hervorragenden Autor finde. Das sind Texte, die mich reinziehen und die auf mich eine regelrechte Sogwirkung ausüben.</p>
<p><strong>Egal ob erfunden oder real?</strong><br />
Ich spreche nur von dem, was er heute schreibt, nicht von seinen früheren Interviews.</p>
<p><strong>Hast du die auch toll gefunden?</strong><br />
Die waren super. Aber ich bin genau so hinters Licht geführt worden, wie alle anderen Leser auch. Dann folgte die ganze Debatte. Ich habe das Gefühl, sein Talent, Geschichten zu erzählen, ist ein Valeur, ein Mehrwert, den ich will. Von ihm verlange ich nun umso mehr Ehrlichkeit gegenüber dem Leser. Denn das Leservertrauen ist unser wichtigstes Gut, das man nicht zerstören darf. Wenn man so tut, als wäre etwas richtig, obwohl es nachweislich falsch ist, dann ist das ein absolutes No-Go. Es gibt aber viele gute Reportagen, die in Richtung Essay gehen und dadurch die Gedanken des Autors vermehrt ins Zentrum des Textes rücken. Das sind zwar reale Gedanken, aber kontrastiert mit der erlebten Realität, können schon Mal Passagen entstehen, welche ins Fiktive abdriften. Letztlich ist es wichtig, dass der Leser deutlich zu erkennen vermag, was gedankliche Spielereien sind und was die Fakten. Wir haben wegen des Kummer-Textes tatsächlich drei böse Mails inklusive Abo-Kündigung erhalten. Alle drei waren Journalisten. Demgegenüber stehen rund zwei Dutzend Mails von Lesern, die den Text toll fanden. Wir Journalisten haben die Tendenz, mit unserer Branchen-Brille die Dinge oft allzu kritisch zu sehen.</p>
<p><small>Das Interview ist eine redigierte Abschrift des «Journitalk» vom 10. Februar im Berner Käfigturm.</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/02/25/unsere-autoren-muessen-schon-ein-bisschen-mehr-investieren/">«Unsere Autoren müssen schon ein bisschen mehr investieren»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<item>
		<title>«Wie heisst er, Köppel?»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2013/07/11/wie-heisst-er-koeppel/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2013/07/11/wie-heisst-er-koeppel/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 Jul 2013 10:12:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
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		<category><![CDATA[Das Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Reportagen]]></category>
		<category><![CDATA[Daniel Puntas Bernet]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Interviewerfinder Tom Kummer beklagt ein seit zehn Jahren andauerndes Schreibverbot, dabei publiziert er immer wieder in Schweizer Medien. Doch statt seine Verfehlungen einzusehen und aufzuarbeiten, verdrängt er sie, nicht mal an Roger Köppel mag er sich erinnern. Der Mythos Tom Kummer lebt und Tom Kummer lebt vom Mythos Tom Kummer. Zu Besuch bei einer Lesung <a href="https://medienwoche.ch/2013/07/11/wie-heisst-er-koeppel/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Interviewerfinder Tom Kummer beklagt ein seit zehn Jahren andauerndes Schreibverbot, dabei publiziert er immer wieder in Schweizer Medien. Doch statt seine Verfehlungen einzusehen und aufzuarbeiten, verdrängt er sie, nicht mal an Roger Köppel mag er sich erinnern. Der Mythos Tom Kummer lebt und Tom Kummer lebt vom Mythos Tom Kummer. Zu Besuch bei einer Lesung in Berlin.<br />
<span id="more-14734"></span><br />
Was ist schon Wahrheit? Das MEDIENWOCHE-Gespräch mit Helmut-Maria Glogger ist übertitelt mit <a href="https://medienwoche.ch/2013/06/26/alle-moechten-mit-mir-befreundet-sein/">«Alle möchten mit mir befreundet sein»</a>. Im Text dann findet sich der Satz «Alle, über die ich geschrieben habe, möchten mit mir mehr befreundet sein als ich mit ihnen». Tatsächlich gesagt hat er wohl einen irgendwie ähnlichen Satz oder auch zwei, vermutlich in Dialekt, womöglich mit Füllwörtern, Pausen oder Ähs. So sprechen wir Menschen. Journalisten haben die Aufgabe, die gefallenen Sätze in eine gefällige Form zu bringen, ohne den Inhalt zu verfälschen. Doch was ist noch eine zulässige Verkürzung und was schon eine unzulässige Verfälschung? Darüber streiten sich Journalisten mit Gesprächspartnern und Pressestellen jeden Tag.</p>
<p>Tom Kummer hat nicht unzulässig verkürzt, er hat unzulässig verlängert oder einfach erfunden. Öffentlich bezweifelte zuerst der <a href="https://www.focus.de/kultur/medien/presse-frei-erfunden-nie-gefuehrt_aid_183541.html">Focus im Mai 2000</a> die Echtheit von Interviews, die er mit Sharon Stone, Kim Basinger, Brad Pitt und Courtney Love geführt zu haben vorgibt. Mit oder ohne Wissen der Redaktion? «Das Verhältnis zwischen uns blieb ungeklärt», sagt Tom Kummer dazu in Berlin, sie seien süchtig gewesen nach dem Stoff, den er geliefert hat, nach den Bändern hätten sie nie gefragt. Roger Köppel, der mehrere Interviews im Magazin des Tages-Anzeigers druckte, bevor er nach einem Jahr misstrauisch wurde, Kummer auf die Schliche kam und die Zusammenarbeit beendete, sagte dazu im <a href="https://medienwoche.ch/2011/11/25/ich-misstraue-der-masse/">MEDIENWOCHE-Interview</a>:</p>
<blockquote><p>«Kummer erzählte danach gerne, dass er seine Stücke mit Wissen der Chefredaktoren als Kunstform verkaufte – das ist eine dreiste Lüge. Schliesslich verrechnete er dafür Spesen – die waren sehr real und kein artistisches Konzept.»</p></blockquote>
<p>Wir sitzen im Freitag-Store in Berlin, ich konfrontiere Kummer mit diesem Zitat, <a href="https://soundcloud.com/ronniegrob/tom-kummer-an-einer-lesung-in">er antwortet so</a> (ab 0:40 Minuten):</p>
<p><iframe loading="lazy" width="100%" height="166" scrolling="no" frameborder="no" src="https://w.soundcloud.com/player/?url=http%3A%2F%2Fapi.soundcloud.com%2Ftracks%2F99507439%3Fsecret_token%3Ds-Ubocq&amp;color=ff6600&amp;auto_play=false&amp;show_artwork=false"></iframe></p>
<blockquote><p>«Der Spesen-Vorwurf ist natürlich gravierend [Gelächter im Publikum]. Vergessen wir dabei, dass ich natürlich recherchiert habe für die Interviews (und auch wirklich, wie ich finde, Spesen verdient habe). Es ist ein total bescheuerter Vorwurf, weil … ich habe … ich kann mich auch gar nicht mehr richtig erinnern, wie das ablief eigentlich. Aber, wie heisst er, Köppel? Köppel nimmt das immer wieder auf, ich denke, das ist seine einzige Verteidigungsstrategie in diesem Fall. Er hat immerhin etwa 15 Interviews gedruckt von mir, nie nach Bändern gefragt, nie nach irgendwelchen Beweiselementen &#8211; und er sagt, es habe etwas mit Vertrauen zu tun. Wie ich schon gesagt habe, das Verhältnis mit den Redaktionen war nicht definiert, sie haben die Geschichten auf die Titelblätter gebracht und offenbar hat es für die Chefredaktion auch funktioniert.»</p></blockquote>
<p>Kummer sieht blendend aus an diesem Juniabend, ein braungebrannter California Boy, von dem niemand denken würde, dass er schon 50 Jahre alt ist. Gewisse Sätze spricht er aus wie ein Amerikaner, der gerade deutsch lernt, auch Hollywood kommt als Halliwud aus seinem Mund. Er trägt schwarze Converse, blaue Jeans, später dann auch seine dickrandige schwarze Brille. Und ein ausgewaschenes graues T-Shirt mit dem Schriftzug «Woodstock», über dem ein gelber Vogel auf einer Gitarre steht.</p>
<p>Über seinen Auftritt in Berlin geschrieben wurde einige Artikel, in den Leads dazu heisst es: «Ein Gefallener kehrt zurück» (<a href="http://www.spex.de/2013/07/01/tom-kummer-borderline-reportagen-lesung/">spex.de</a>), «Jetzt hat er wieder eine Reportage geschrieben» (<a href="http://www.tagesspiegel.de/medien/tom-kummer-zu-gast-in-berlin-hey-seid-ihr-bekifft-/8422366.html">tagesspiegel.de</a>), «jetzt ist er wieder da» (<a href="http://berlinergazette.de/tom-kummer-wirklichkeit/">berlinergazette.de</a>). Tatsächlich war er nie weg, seine Rückkehr ist ein Mythos, wie auch seine Abwesenheit: <a href="https://www.taz.de/1/archiv/archiv/?dig=2001/01/10/a0177">Schon 2001</a> durfte er wieder Kolumnen schreiben für das inzwischen aufgegebene Post-Portal yellowworld.ch. 2003 verfasste er drei Reportagen für den Trend-Bund der «SonntagsZeitung», von 2007 bis 2009 neun lange Texte für den «Bund» und am 5. Februar 2009 eine Reportage über die Super Bowl in der WOZ. 2005 gründete er übrigens die «School of Borderline Journalism». Bei Borderline-Journalismus, erzählte er damals der Werbewoche, handle es sich um eine «Sonderform des New Journalism».</p>
<p>Mal sagt Kummer, er sei kein Journalist, mal bezeichnet er sich als einer, und das am gleichen Abend. Ein Borderline-Journalist sei er aber keiner, dieser Titel sei ihm von den Medien angehängt worden, auch um ihn zu isolieren:</p>
<blockquote><p>«Ich sehe mich als erzählenden Journalist, vielleicht als Schriftsteller. Das einzig Borderline-ige war das Verhältnis zu den Redaktionen. (&#8230;) Das Spannende am Journalist sein für mich ist, dass man mit einer sehr festgefahrenen Form, dieser Objektivitätserwartung des Lesers, spielen kann. Das mag ein gemeines Spiel sein, für einige ein faszinierendes Spiel. Es gibt viele Leser, die sich genau das wünschen, dieses Spiel zwischen Wirklichkeit und Fiktion. Diese nicht definierte Position des erzählenden Journalisten finde ich spannender als die des Schriftstellers.»</p></blockquote>
<p>Überhaupt, die Leser hätten sich nie beklagt über seine Texte, nur die Journalisten. Das sei heute noch so, bestätigt Daniel Puntas Bernet von «Reportagen». Die im aktuellen Heft abgedruckte Tom-Kummer-Geschichte über den Grenzzaun zwischen Mexiko und den USA habe sehr viele positive Reaktionen ausgelöst: «Wir haben nur zwei negative Rückmeldungen gekriegt, beide von Journalisten.» Der Roadtrip unter dem Titel <a href="http://reportagen.com/content/borderline">«Borderline»</a> wurde mit einem Vorwort als Beipackzettel versehen: Kummers Wort, keine «Anreicherung der Realität» betrieben zu haben, sei «derselbe Grad des Vertrauens, den wir auch allen anderen Autoren zukommen lassen». «Obwohl wir nicht selbst auf seiner Reise mit dabei waren, können wir sie immerhin anhand der Fotos nachvollziehen, die Kummer unterwegs geschossen hat.»</p>
<p>Er habe Personen immer intelligenter gemacht, als sie möglicherweise sind, sagt Kummer, und das könnte ein Grund sein, warum es kaum je zu Protesten gekommen ist &#8211; die Stars, die Agenten, die Redaktoren, die Leser, glauben möchten das alle gerne. Was Wahrhaftigkeit angeht, dürfen sich alle an die eigene Nase fassen, gibt es doch kaum jemanden, der die wahrgenommene Realität noch nie etwas zugespitzt hat, um eine bessere Wirkung zu erzielen. Aus dem Publikum fragt einer, ob er auch schon Protagonisten gecastet habe. Es sei doch durchaus Usus bei grossen Reportagenschreibern, einige für eine Geschichte in Frage kommende Personen zuerst mal zu casten, und dann mit einer von ihnen die Geschichte zu machen. Tom Kummer hat davon noch nie gehört (ich bisher auch nicht).</p>
<p>Nach der Veranstaltung gibt es Biere, auf denen «Bier» steht und Weissweinschorlen auf denen «Weinschorle» steht, ein Besucher, ein Leser, bemerkt, dass Tom Kummer stets Ausflüchte hat, sobald ihn jemand festnageln will. So ist es: In den dreizehn Jahren seit dem Skandal ist ihm nichts besseres als die Verdrängung eingefallen. Statt die Geschichte mal ehrlich aufzuarbeiten, lässt er es bis heute zu, sich von diesen Fragen in unangenehmer Weise löchern zu lassen. Spricht man ihn konkret auf Fakten an, windet er sich, entzieht er sich, blockt er ab. «Ich hatte zehn Jahre lang Schreibverbot, ist das nicht genug?», sagt er dann, «die Entrüstung ist mir auch zehn Jahre danach nicht erklärbar», und: «Es sind nun dreizehn Jahre vergangen seit dieser Affäre, ich mag mich nicht mehr erklären. Das ist jetzt Pressegeschichte.»</p>
<p>Der Mythos Tom Kummer lebt und Tom Kummer lebt vom Mythos Tom Kummer. Jedes Jahr werden journalistische Neueinsteiger mit den Taten bekannt gemacht, von denen sein Ruf lebt und über die er nicht mehr sprechen möchte. «Kummer ist Unterrichtsgegenstand, wenn man Journalismus studiert», bemerkt Puntas. Es überrascht nicht, dass die Lesung rappelvoll ist mit Menschen um die 30, die alle diesen doch sehr sympathischen <a href="http://www.imdb.com/title/tt1692183/">«Bad Boy»</a> sehen wollen. Ein Image, das Kummer selbst und jene, die ihn in ihren Veröffentlichungen aufnehmen, sorgfältig und ausdauernd pflegen.</p>
<p>Diese Marke, dieser Mythos ist nach wie vor stark und zieht verlässlich Aufmerksamkeit an. Seine Story heisst auch 2013 «Borderline», wie kokett, wie vorhersehbar, wie langweilig. Kommt auch noch mal etwas Neues? Will er seinen Lebensabend damit verbringen, den Mythos zu pflegen und ihm auch noch den letzten Cent abzupressen? Werden sich Leute wie ich damit beschäftigen und ihm dabei behilflich sein? Oder hat er die Kraft, sich neu zu erfinden?</p>
<p>Als Schreiber hat Tom Kummer eine Zukunft verdient, denn schreiben kann er sehr gut, und er tut es auch: «Ich schreibe unter Pseudonymen, in Blogs, in den USA, in Kunstkatalogen». Vielleicht ist er ja längst wieder zurück in der Welt des Journalismus. Ein ungeläuterter Tom Kummer bleibt ein guter Schriftsteller, aber Journalist sollte einer, der die Suche nach der Wahrheit als Faktenhuberei belächelt, wohl besser nicht sein, auch nicht unter Pseudonym.</p>
<p>Bei aller berechtiger Kritik nicht vergessen sollte man:</p>
<p>&#8211; Kummer hat stets bestens unterhalten, was man leider von den wenigsten Schweizer Journalisten behaupten kann.</p>
<p>&#8211; Kummer hat ein Motiv für seine Taten, nämlich die unerträgliche Ödnis PR-getriebener «Star»-Interviews.</p>
<p>&#8211; Kummer hat die Herren, die seine Werke druckten und als Journalismus durchgehen liessen, einfach herrlich genarrt, mit oder ohne ihr Wissen.</p>
<p><small>Die Lesung in der Reihe <a href="http://www.freitag.ch/amdonnerstag">&#8222;Freitag am Donnerstag&#8220;</a>, eine Kooperation des Magazins «Reportagen» und der Taschenmanufaktur «Freitag», fand am 27. Juni 2013 im Freitag-Store an der Max-Beer-Strasse 3 in Berlin statt.</small></p>
<p>Siehe dazu auch: <a href="https://medienwoche.ch/2013/07/11/ohne-ruecksicht-auf-verluste/">Tom Kummer &#8211; Ein Blick in das Archiv</a></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/07/11/wie-heisst-er-koeppel/">«Wie heisst er, Köppel?»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Eine Reportage für die Zugfahrt</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2012/10/11/eine-reportage-fuer-die-zugfahrt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 Oct 2012 09:33:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Lies Mich]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Liesmich.me und Reportagen.fm verlinken jeweils am Freitag auf ausgesuchte Reportagen. Die beiden neuen Websites aus Berlin wollen ihren Besuchern beim Auffinden von lesenswerten Texten helfen und folgen damit einem Trend aus den USA. Sie haben eine Zugfahrt von vierzig Minuten vor sich und möchten diese Zeit mit einem oder zwei guten Reportagetexten auf dem iPad <a href="https://medienwoche.ch/2012/10/11/eine-reportage-fuer-die-zugfahrt/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/10/11/eine-reportage-fuer-die-zugfahrt/">Eine Reportage für die Zugfahrt</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.liesmich.me/">Liesmich.me</a> und <a href="http://reportagen.fm/">Reportagen.fm</a> verlinken jeweils am Freitag auf ausgesuchte Reportagen. Die beiden neuen Websites aus Berlin wollen ihren Besuchern beim Auffinden von lesenswerten Texten helfen und folgen damit einem Trend aus den USA.<br />
<span id="more-30547"></span><br />
Sie haben eine Zugfahrt von vierzig Minuten vor sich und möchten diese Zeit mit einem oder zwei guten Reportagetexten auf dem iPad füllen? Dann sind sie richtig bei diesen beiden Projekten, die eine gemeinsame Geschichte aufweisen: Bevor sich Martin Fischer Anfang September aufgrund von Differenzen zur Ausrichtung des Projekts von Liesmich.me absetzte und Reportagen.fm in’s Leben rief, wurden die Reportagen gemeinsam ausgesucht. Nun gibt es zwei Projekte, die sich zum aktuellen Zeitpunkt sehr ähnlich sehen. Dem Publikum werden Reportagen präsentiert, die einen internen Auswahlprozess überstanden haben und mit einer Lesezeit versehen werden. Die Vorbilder dafür kommen aus New York, <a href="http://longform.org/">Longform</a> zum Beispiel oder <a href="http://longreads.com/">Longreads</a>.</p>
<p>Martin Fischer, der seinen Vornamen wegen Verwechslungen mit anderen Martin Fischers (zum Beispiel dem 20-Minuten-Redaktor) auf Tin abkürzt, ist ein in Berlin lebender Schweizer, der als freier Journalist arbeitet (Neon, NZZ am Sonntag, St.Galler Tagblatt). Er macht Reportagen.fm zusammen mit den Tagesspiegel-Journalisten Jonas Breng (zugezogen aus Hamburg) und Björn Stephan (aus Schwerin) sowie zwei weiteren Leuten; man kennt sich vom Studium an der Freien Universität Berlin. Mit 100 Facebook-Fans und 50 Newsletter-Abonnenten ist das Projekt noch überschaubar, eine Kommerzialisierung, für die bereits einige Ideen bestehen, macht in der aktuellen Grössenordnung noch keinen Sinn.</p>
<p>«Durch die Tablets und die Smartphones ist es möglich geworden, auf dem Sofa lange Texte zu lesen», sagt Fischer. Und auf Zugfahrten. Und in der Wartehalle vor dem Boarding. Und wo auch immer sonst Lesegelegenheiten warten. Für ihn wird der im Netz wahrgenommene Journalismus immer noch von Nachrichten dominiert. «Die längeren Erzählstücke dagegen sind online oft schwierig zu finden und gehen unter. Da wollen wir etwas nachhelfen.» Verlinkt werden pro Woche lediglich drei Stücke, und das mit Grund, wie Breng erklärt: «Wenn wir acht Stücke bringen würden, müssten die Leser ja wieder auswählen.» Die drei Texte sind dafür sorgsam ausgesucht. Die Teammitglieder tauschen Vorschläge aus miteinander, jeder Text wird nochmals gelesen, dann eine Empfehlung verschickt. Die Entscheidung fällt jeweils am Donnerstagabend per Skype in der Gruppenschaltung.</p>
<p>Ebenso aufwändig ist der Auswahlprozess bei Lies Mich. Links werden per E-Mail hin und her geschickt, dann wird alles gelesen, diskutiert, und schliesslich entschieden. Das Lies-Mich-Team zählt vier Köpfe, zuletzt ist Alexander Görsdorf vom bekannten Blog <a href="https://notquitelikebeethoven.wordpress.com/">«Not quite like Beethoven»</a> dazugestossen. Die anderen drei kennen sich aus der Redaktion einer gymnasialen Schülerzeitung: Laurence Thio, Lukas Bischofberger und Jenny Rotter. Ausser Thio, der in Potsdam eine Journalistenschule besucht, arbeiten sie derzeit im Bereich PR. Bisher sammelten sie schon 170 Reportagen &#8211; so ist das Projekt auch nach Themenbereichen wie <a href="http://www.liesmich.me/tag/rechtsextremismus/">Rechtsextremismus</a>, <a href="http://www.liesmich.me/tag/deutsche-einheit/">Deutsche Einheit</a> oder <a href="http://www.liesmich.me/tag/medien-2/">Medien</a> durchsuchbar.</p>
<p>«Wichtig ist uns, dass die Leser viele Möglichkeiten haben, auf unserer Seite gute Texte zu finden: Ob nach Lesezeit, nach Medium, Ressort, Thema oder ganz einfach per Suchfunktion», sagt Lukas Bischofberger. Verlinkt werden in der Regel Texte von mehr als 7000 Zeichen Länge. «Die Texte müssen gut geschrieben und vom Thema her interessant sein. Die meisten haben eine zeitlose Komponente, damit wir sie auswählen». Wichtig für das Projekt sei die Konstanz, man will es auf jeden Fall in einer langfristigen Perspektive weiterführen. Auch wenn «ein grosses Interesse an dieser Art von Empfehlungen» spürbar sei, habe man sich vorerst dazu entschieden, LiesMich als Non-Profit-Projekt weiterzuführen. Die schwierige Auffindbarkeit von guten Stücken betont auch er: «Die Zeitungen verkaufen ja eine Mischung, deshalb verstecken sie die guten Stücke online gerne. Wir brechen das auf.» Gefährdet werden könnten die Projekte durch die von der Aufmerksamkeit profitierenden Zeitungsverlage, dann nämlich, wenn sie ihre Reportagen nicht mehr im Netz veröffentlichen oder hinter eine undurchlässige Bezahlmauer stecken. «Das ist ein Problem, und das sehen wir mit Sorge», so Bischofberger. Dass der «Spiegel» und die «Zeit» ihre Printtexte zum Teil erst Wochen nach der Publikation online stellen, wird mit wenig Freude aufgenommen.</p>
<p>Abschätzen, welches Projekt besser ist, kann man kaum. Die Teaser von Lies Mich sind zwar ausführlicher und ausgefeilter formuliert, wiederum fragt sich, ob jemand mehr als drei Zeilen lesen möchte, um abzuschätzen, ob er eine Viertelstunde in eine doch sowieso sorgfältig ausgesuchte Reportage investieren möchte. Reportagefans abonnieren am Besten beide Projekte.</p>
<p><strong><a href="http://www.liesmich.me/">Liesmich.me</a></strong> (<a href="https://www.facebook.com/LiesMich">Facebook</a> / <a href="https://twitter.com/lies_mich">Twitter</a>)<br />
<strong><a href="http://reportagen.fm/">Reportagen.fm</a></strong> (<a href="https://www.facebook.com/reportagenfm">Facebook</a> / <a href="https://twitter.com/ReportagenFM">Twitter</a>)</p>
<p><small>Das Gespräch mit Tin Fischer und Jonas Breng wurde am 28. September 2012 in Berlin geführt. Das mit Lukas Bischofberger, Laurence Thio und Alexander Görsdorf am 3. Oktober 2012, ebenfalls in Berlin.</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/10/11/eine-reportage-fuer-die-zugfahrt/">Eine Reportage für die Zugfahrt</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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