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	<title>Süddeutsche Zeitung | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
	<lastBuildDate>Thu, 06 Oct 2022 20:27:28 +0000</lastBuildDate>
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		<title>77 Jahre Süddeutsche Zeitung: Das Wunder dieser Zeitung</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2022/10/06/77-jahre-sueddeutsche-zeitung-das-wunder-dieser-zeitung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 06 Oct 2022 20:27:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Süddeutsche Zeitung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nach den Vorstellungen der US-Besatzungsoffiziere sollte die SZ so bekannt werden wie die «New York Times». Das ist vielleicht nicht ganz gelungen, aber mit ihren investigativen Geschichten sorgt sie heute weltweit für Aufmerksamkeit.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Nach den Vorstellungen der US-Besatzungsoffiziere sollte die SZ so bekannt werden wie die «New York Times». Das ist vielleicht nicht ganz gelungen, aber mit ihren investigativen Geschichten sorgt sie heute weltweit für Aufmerksamkeit.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2022/10/06/77-jahre-sueddeutsche-zeitung-das-wunder-dieser-zeitung/">77 Jahre Süddeutsche Zeitung: Das Wunder dieser Zeitung</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Sparkurs bei der «Süddeutschen Zeitung»: in der Druckkammer</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2020/12/19/sparkurs-bei-der-sueddeutschen-zeitung-in-der-druckkammer/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 19 Dec 2020 09:41:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Sparmassnahmen]]></category>
		<category><![CDATA[Süddeutsche Zeitung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>2020 war hart für alle Zeitungen. Aber bei keiner der großen wird jetzt so gespart wie bei der «Süddeutschen». In der Redaktion kommt langsam Wut auf.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>2020 war hart für alle Zeitungen. Aber bei keiner der großen wird jetzt so gespart wie bei der «Süddeutschen». In der Redaktion kommt langsam Wut auf.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/12/19/sparkurs-bei-der-sueddeutschen-zeitung-in-der-druckkammer/">Sparkurs bei der «Süddeutschen Zeitung»: in der Druckkammer</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Die Welt braucht Worte</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2020/10/11/die-welt-braucht-worte/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 11 Oct 2020 20:25:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Süddeutsche Zeitung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Journalisten müssen heute Algorithmen und Metriken in ihre Arbeit integrieren. Zahlen ersetzen aber nicht die guten Geschichten.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Journalisten müssen heute Algorithmen und Metriken in ihre Arbeit integrieren. Zahlen ersetzen aber nicht die guten Geschichten.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/10/11/die-welt-braucht-worte/">Die Welt braucht Worte</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Unser Wert, unsere Werte</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2020/07/15/unser-wert-unsere-werte/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 Jul 2020 10:05:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Süddeutsche Zeitung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Redaktion der «Süddeutschen Zeitung» hat ihr Selbstverständnis in ein Zehn-Punkte-Papier gefasst. Es soll in der digitalen Transformation als Kompass dienen.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Redaktion der «Süddeutschen Zeitung» hat ihr Selbstverständnis in ein Zehn-Punkte-Papier gefasst. Es soll in der digitalen Transformation als Kompass dienen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/07/15/unser-wert-unsere-werte/">Unser Wert, unsere Werte</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<item>
		<title>Buch: Leiser Abschied vom Journalismus</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2020/07/07/leiser-abschied-vom-journalismus/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Lothar Struck]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Jul 2020 13:17:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Süddeutsche Zeitung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Journalismus interessiere sich immer weniger für Widersprüche und abweichende Meinungen, es zähle nur noch die richtige Haltung. Birk Meinhardt, einst preisgekrönter Reporter der «Süddeutschen Zeitung», dokumentiert seine Entfremdung von der einst geliebten Profession. «Wie ich meine Zeitung verlor» trifft den Nerv eines angeschlagenen Journalismus. Birk Meinhardt war das, was man halb anerkennend, halb verächtlich <a href="https://medienwoche.ch/2020/07/07/leiser-abschied-vom-journalismus/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Der Journalismus interessiere sich immer weniger für Widersprüche und abweichende Meinungen, es zähle nur noch die richtige Haltung. Birk Meinhardt, einst preisgekrönter Reporter der «Süddeutschen Zeitung», dokumentiert seine Entfremdung von der einst geliebten Profession. «Wie ich meine Zeitung verlor» trifft den Nerv eines angeschlagenen Journalismus.</strong><br />
<img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-79922" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/07/MW-wie-ich-meine-Zeitung-verlor_20200707.jpg" alt="" width="1456" height="976" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/07/MW-wie-ich-meine-Zeitung-verlor_20200707.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/07/MW-wie-ich-meine-Zeitung-verlor_20200707-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/07/MW-wie-ich-meine-Zeitung-verlor_20200707-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/07/MW-wie-ich-meine-Zeitung-verlor_20200707-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/07/MW-wie-ich-meine-Zeitung-verlor_20200707-470x315.jpg 470w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Birk_Meinhardt" target="_blank" rel="noopener">Birk Meinhardt</a> war das, was man halb anerkennend, halb verächtlich eine «Edelfeder» nennt: ein Journalist bei einer grossen, überregionalen Zeitung mit publizistischem Einfluss und dekoriert mit dem einen oder anderen Preis. Meinhardt hat jetzt ein Buch geschrieben, erschienen im kleinen Verlag «Das Neue Berlin», einem Unternehmen der «Eulenspiegel Verlagsgruppe».</p>
<p><a href="https://www.eulenspiegel.com/verlage/das-neue-berlin/titel/wie-ich-meine-zeitung-verlor.html" target="_blank" rel="noopener">«Wie ich meine Zeitung verlor»</a> lautet der pathetische Titel. Es ist ein Abschiedsbuch über das, was er unter Journalismus versteht. Der Untertitel «Ein Jahrebuch» soll das Prozesshafte dieser Entwicklung aufzeigen. Wie konnte es dazu kommen?<br />
<br />
Sozialisiert wurde Meinhardt, 1959 geboren, in der DDR. Er war Sportredakteur bei der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wochenpost">«Wochenpost»</a>, einer bunten Zeitung für «Politik, Kultur, Wirtschaft, Unterhaltung». Meinhardt war SED-Mitglied – nicht weil er musste, sondern aus Überzeugung. Wie bei vielen wuchsen auch bei ihm im Lauf der Zeit die Zweifel. Immerhin: Ende der 1980er Jahre durfte er auch Sportveranstaltungen im Westen besuchen.</p>
<p>Die Möglichkeit, stellvertretender Chefredakteur der «Wochenpost» zu werden, schlug er aus, weil er keine Lust hatte, die wöchentlichen Anleitungen der Partei seinen Mitarbeitern zu verkünden. Er fühle sich nicht geschaffen für die «Wiedergabe von Borniertheiten». Die Reaktionen waren deutlich: Er wurde von den Kollegen von nun an weitgehend ignoriert. Das geschah also, «wenn man nicht vollzog, was mit einem geplant worden war».</p>
<p>Nach der Wende begann Meinhardt über aussersportliches zu schreiben, ging über den Berliner «Tagesspiegel» zur «Süddeutschen Zeitung» als Reporter. In einer seiner ersten Reportagen schrieb er wenig Schmeichelhaftes über einen «Immobilienmann», dem «halb Westberlin gehört». Dieser stornierte daraufhin seine Anzeigen im Blatt im Wert von rund einer halben Million Mark. Meinhardt rechnete mit dem Schlimmsten. «Der kommt schon wieder», kommentierte sein Chef damals lakonisch. Meinhardt bekam <a href="http://www.reporter-forum.de/fileadmin/pdf/Egon-Erwin-Kisch-Preis/Alle_sind_wir_da__bis_auf_Erich_Honecka.pdf" target="_blank" rel="noopener">1999 den Egon-Erwin-Kisch-Preis</a>, 2001 noch einmal <a href="http://reporter-forum.de/index.php?id=117&amp;tx_rfartikel_pi1%5BshowUid%5D=254&amp;cHash=b996fa5fef19fd358930e5a23f5430cd" target="_blank" rel="noopener">den 2. Preis</a>. Es gab Angebote, aber er blieb bei der «Süddeutschen Zeitung».</p>
<p>2004 begann er über die Deutsche Bank zu recherchieren und schrieb eine zweiteilige Reportage über das (Un-)Wesen des Investmentbankings, die Dominanz des «Zockens», die Risiken von zu geringer Eigenkapitalrendite von Banken. Aber die Reportage wurde nicht abgedruckt. Der Chef des Wirtschaftsressorts der Zeitung hatte ein Veto eingelegt.</p>
<blockquote><p>Als die Chefredaktion der Süddeutschen seine Recherche über die Deutsche Bank nicht veröffentlichen wollte, fühlte sich Meinhardt an seine Zeit im DDR-Journalismus erinnert.</p></blockquote>
<p>Meinhardt veröffentlicht die im Angesicht der sich vier Jahre später ereignenden Finanzkrise fast visionäre Reportage in seinem Buch. Und auch Ausschnitte des Mailverkehrs zwischen ihm und der Chefredaktion. Die beharrte auf Änderungen, die er nicht bereit war vorzunehmen. Am Ende, so sein Befund, standen Meinung gegen Meinung statt Argument gegen Argument. Zum ersten Mal erinnerte er sich an die Situation in der DDR.</p>
<p>Er widmete sich 2008 dem Schreiben eines Romans, was möglich war, weil ihn der Chefredakteur in Ruhe liess. Er fühlte sich als «Reporter a. D.» 2010 recherchierte er dann wieder. Diesmal zwei Fälle, in denen Rechte bzw. ehemalige Rechte für Straftaten verurteilt wurden, die sie gar nicht begangen hatten. Einmal gab es für den Angeklagten mehr als vier Jahre Haft, bevor sich seine Unschuld herausstellte. Meinhardt berichtete von dem Richter, der dieses Strafmass ausgesprochen hatte und der vorher unter erheblichen publizistischen Protesten zwei Mal mutmasslich rechtsradikale Angeklagte freigesprochen hatte. Die Reportage wird von der Chefredaktion nicht akzeptiert. Neonazis würden von einer solchen Reportage profitieren und könnten sie als «Testat» für ihre Unschuld nehmen. Meinhardt fühlte sich abermals an die DDR erinnert, wo unbequeme Wahrheiten unterdrückt wurden, weil sie dem «Klassenfeind» Munition liefern könnten.</p>
<p>Sein journalistisches Selbstverständnis ist ein anderes: «Die Realität, wenn es denn eine harte ist, muss geschildert werden, und diese Schilderung soll nicht weichgespült und schon wieder halb zurückgezogen werden durch allseits opportune Relativierungen. Wenn es denn weh tut, die Stücke zu lesen, liegt es nicht an den Stücken, sondern daran, was darin abgebildet wird.»</p>
<p>Meinhardt druckt auch diese Reportage in seinem Buch ab. Der Text ist ausgewogen, verharmlost nichts, es sei denn, man versteht Differenzierung bereits als Verharmlosung. Die Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung war 2010, so muss man heute feststellen, mit der Ablehnung des Textes der Entwicklung zehn Jahre voraus.</p>
<blockquote><p>Zeitungen las er fortan nur noch unregelmässig, immer stärker mit einem Unbehagen.</p></blockquote>
<p>Eine harmlose Reportage über den einzigen afghanischen Kosmonauten, der jetzt in Deutschland lebt und niedrigere Arbeiten verrichtet, kam durch. Meinhardt traf 2010 eine «Ruhensvereinbarung» mit dem Verlag für insgesamt fünf Jahre. Keine Reportagen mehr, nur noch Glossen. Ansonsten wieder Literatur. Die Verhandlungen mit dem Verlag seiner Romane (Hanser) erstaunen ihn: Man sagte ihm zu, dass nur das gedruckt wird, was er möchte. Das ist ein Unterschied zur Zeitung.</p>
<p>Sein belletristischer Erstling wurde ein Erfolg, bekam sogar einen Preis. Eine Rezension in «seiner Zeitung» gab es nicht, nur ein Text, den er als «Diffamierung» bezeichnet und der eine falsche Inhaltsangabe enthielt, die er dann später in einer anderen Zeitung ebenfalls entdeckte.</p>
<p>«Desillusionierung ist Fortschritt», sagte ihm ein Freund. Er weigerte sich, dies anzuerkennen. Aber 2012 kündigte er bei der «Süddeutschen». Zeitungen las er fortan nur noch unregelmässig, immer stärker mit einem Unbehagen. Er entdeckt zu häufig einseitige oder einfach nur unvollständige Darstellungen, das Weglassen, weil etwas nicht in das Bild des passt. Er echauffiert sich über einen <a href="https://www.zeit.de/sport/2016-02/handball-deutschland-europameister-alternative-fuer-deutschland/komplettansicht" target="_blank" rel="noopener">Artikel in der «Zeit»</a>, der die deutsche Handballnationalmannschaft im rechten Milieu verortet, weil keine Migranten mitspielten. Und das in einem Blatt, in dem mit Giovanni di Lorenzo sein einstiger Mentor aus «Tagesspiegel»-Zeiten der Chefredaktor ist. Was heute zähle, sei eine bestimmte Haltung, nicht mehr die Wirklichkeit. Diese diene nur noch dazu, «die Teile zu reduzieren, die nicht zur Haltung passen, und dafür die Teile überzubetonen, die sich mit der Haltung decken.» Journalisten verhielten sich wie Eisenspäne, die einem Magneten folgen, beobachtet Meinhardt, «und wenn der Magnet, aus welchen Gründen auch immer, seine Lage verändert, folgen die Späne wieder, sie folgen».</p>
<blockquote><p>Er will über das berichten, worüber niemand berichtet, weil es unbequem ist und schwierig zu recherchieren.</p></blockquote>
<p>Aber er versuchte es noch einmal und traf 2017 eine Vereinbarung über drei, vier Texte mit der Chefredaktion der «Süddeutschen». Er will über das berichten, worüber niemand berichtet, weil es unbequem ist und schwierig zu recherchieren. Man machte eine Ausnahme, da eigentlich nur noch festangestellte Mitarbeiter Reportagen schreiben dürfen. Er begann mit einer Recherche über die amerikanische Airbase Ramstein in Deutschland. Von hier aus werden die Drohnenkriege der USA ermöglicht; rein technisch dient Ramstein als Relaisstation für die Drohnenpiloten, die in den USA sitzen. Es gab vereinzelt Protest. Ein 80-jähriger Rentner, ein Abgeordneter der «Linken», Friedensaktivisten. Das deutsche Grundgesetz, so ihre Argumentation, verbietet, dass von deutschem Boden völkerrechtswidrige Kriegsmassnahmen ausgehen. Und Ramstein liegt in Deutschland und ist kein exterritoriales Gebiet.</p>
<p>Auch diese Reportage ist im Buch abgedruckt. Ja, sie hat «Schlagseite», das findet nicht nur die Chefredaktion, sondern auch Meinhardt selber. Er versuchte Stellungnahmen von amerikanischen Vertretern zu erhalten. Von deutschen Politikern, dem Verteidigungsministerium. Alle blockierten. Selbst ihre Absagen solle man nicht namentlich zitieren. Meinhardt schrieb ironische Antwortmails auf die Informationsverweigerung. Keine Reaktionen. Wo soll er die Ausgewogenheit hernehmen? Will man den damaligen amerikanischen Präsidenten, Barack Obama, und das transatlantische Verhältnis schonen?</p>
<p>Schliesslich bekommt er einen niederschmetternden Bescheid: Nicht nur, dass die Reportage nicht veröffentlicht werden würde. Er durfte «aus juristischen Gründen» ab diesem Moment nicht mehr für die Zeitung schreiben. Welche juristischen Gründe das sind, weiss er bis heute nicht.</p>
<p>Man spürt in Meinhardts Buch immer noch die Verlorenheit, das Fassungslose, über das, was sich in den letzten dreissig Jahren im Journalismus vollzogen hat. Besonders empört zeigt er sich, als er nach dem Mord in Chemnitz vom Sommer 2018 in «seiner» Zeitung nur die Schilderung der Ereignisse nach dem eigentlichen Verbrechen, die sogenannten Hetzjagden, thematisiert findet. Die Ursache für die Eskalationen, die Tötung eines 23-jährigen Deutschen durch einen Asylbewerber, wird, so Meinhardt, mit keinem Wort erwähnt. Man konzentrierte sich lediglich auf die Instrumentalisierung der Tat durch rechte Gruppen.</p>
<blockquote><p>Meinhardts Furor, der sich in eine immer kleinteiligere Empörung steigert, ist berechtigt.</p></blockquote>
<p>Wann hatte sich der Journalismus gewandelt? Meinhardt erinnert sich an 1999, als ihm der Leserbriefchef der «Süddeutschen Zeitung» sagte, er sei angewiesen worden, ein bisschen ausgewogener die Meldungen in Bezug auf den Kosovokrieg der NATO zu bringen. Er schlägt im Archiv nach: Im redaktionellen Teil war man ausnahmslos für die kriegerische Intervention (die nicht von den Vereinten Nationen gebilligt war). USA-devote Bellizisten gaben den Ton an. Die Leserbriefe waren zunächst fast alle gegen den NATO-Bombenkrieg in Jugoslawien. So wollte man einen Ausgleich zur unausgewogenen Berichterstattung schaffen. Später dann war man auch hier um Gleichheit bemüht.</p>
<p>Der Ausflug in die Vergangenheit, den Meinhardt hier unternimmt, zeigt: Seine Idealisierung ist fehl am Platz. Jedes politische Medium folgt seit jeher einer redaktionellen Linie. Das bedeutet nicht, dass abweichende Meinungen niemals zu Wort kommen. Aber sie dienen häufig nur als Feigenblätter, werden in hinteren Regionen eines Blatts abgedruckt oder spät abends im Fernsehprogramm in einem Spartensender versteckt. Meinhardts Furor, der sich in eine immer kleinteiligere Empörung steigert, ist berechtigt. Aber er ist mitnichten nur ein Zeichen unserer Zeit. Artikel, die durchsetzt sind mit Tendenzen, Einseitigkeiten und persönlichen Präferenzen des Journalisten, gab es schon immer.</p>
<blockquote><p>Legendär ist der fast schon kindische Hass des «Spiegel»-Gründers und Herausgebers Rudolf Augstein auf den früheren Bundeskanzler Konrad Adenauer.</p></blockquote>
<p>Beispielweise beim «Spiegel». Das deutsche Nachrichtenmagazin mit dem Anspruch, zu «sagen, was ist», führte in seiner Geschichte häufig boulevardeske und verbissenene Kampagnen gegen bestimmte politische Politiker und Parteien. Legendär ist der fast schon kindische Hass des Gründers und Herausgebers Rudolf Augstein auf den früheren Bundeskanzler Konrad Adenauer («Der Alte muss weg!») und seinen zeitweiligen Verteidigungsminister Franz-Josef Strauss. In den 1980er Jahren war durchgängig neben der Politik auch die Person des Kanzlers <a href="https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13510185.html" target="_blank" rel="noopener">Helmut Kohl</a> Gegenstand von Spott und Häme. Diese Form der Obsession in Bezug auf eine Person trübt den analytischen Blick. Man kann dies beim «Spiegel» bis heute an den teils bizarr überzeichneten Covers zu Donald Trump sehen, die man, wenn überhaupt, bei einem Boulevard-Medium erwarten würde.</p>
<p>Ein anderes Beispiel bietet die «Frankfurter Allgemeine Zeitung». Die «Zeitung für Deutschland» verfolgte in den 1990er Jahren bei der Berichterstattung um die jugoslawischen Sezessionskriege eine streng pro-kroatische Linie, vorgegeben durch den damaligen Mitherausgeber Johann Georg Reissmüller. Alleine in den Jahren 1990 und 1991 hatte Reissmüller «fast 130 Reportagen, Glossen und Leitartikel» mit dieser eindeutigen Tendenz verfasst. <a href="https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/anerkennung-sloweniens-und-kroatiens-vor-20-jahren-oder-es-wird-zerfallen-11602228.html" target="_blank" rel="noopener">Nachträglich blickte die FAZ</a> mit Stolz darauf zurück, dass man erfolgreich auf die politischen Entscheidungsträger eingewirkt hatte, Kroation schnellstmöglich diplomatisch anzuerkennen.</p>
<p>Bis heute positionieren sich Medien politisch. Die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» und die «Welt» gelten als eher konservativ, die «Süddeutsche Zeitung» und der «Spiegel» werden deutlich links-liberal eingeschätzt. Publikationen wie die «Tageszeitung» oder das «Neue Deutschland» machen aus ihrer Linkslastigkeit kein Geheimnis. Gleichzeitig sind die Blätter aber auch bemüht, auch ihren Forumscharakter zu betonen; wir sind offen für alle.</p>
<blockquote><p>Liegt die Zukunft des Journalismus darin, dass bestimmte Inhalte und Meinungen systematisch ausgeblendet werden?</p></blockquote>
<p>Inzwischen gibt es sogar Stimmen, die von der zumindest theoretischen Möglichkeit des Meinungspluralismus Abschied nehmen und bestimmte Ansichten aus den Medien verbannen wollen. In diese Richtung weist etwa der <a href="https://www.tagesspiegel.de/politik/journalismus-in-zeiten-von-trump-fair-objektiv-neutral-das-war-einmal-wirklich/25910882.html" target="_blank" rel="noopener">von einigen aktivistischen Kolumnisten</a> gelobte<a href="https://uebermedien.de/50121/journalisten-duerfens-ruhig-auch-persoenlich-nehmen/" target="_blank" rel="noopener"> Text von Philipp Oehmke</a> auf «Spiegel Online» <a href="https://www.spiegel.de/kultur/wir-muessen-so-neutral-sein-wie-moeglich-a-1820e9d1-9cf6-4d3f-8965-aa7a59f8ec66" target="_blank" rel="noopener">von Mitte Juni</a>, der ausdrücklich befürwortete, dass bestimmte Inhalte und Meinungen nicht mehr publiziert werden sollen. So goutiert Oehmke ausdrücklich, dass ein leitender Redakteur der «New York Times» demissionieren musste, weil er auf der Meinungsseite eine polarisierende und gegen die «Blattlinie» gerichtete Sicht auf die Einsätze von Soldaten bei den Black-Lives-Matter-Unruhen in den USA vertrat. Der Austausch von Argumenten in den Medien wird damit dezidiert abgelehnt. Gleichzeitig wird damit den Rezipienten die Fähigkeit abgesprochen, sich anhand der vorhandenen Informationen selbstständig ein Bild zu machen.</p>
<p>Denkt man den propagierten «Haltungsjournalismus» konsequent zu Ende, dann würde eine Hand voll Journalisten bestimmen, welche Themen überhaupt medial erwähnt und damit zur Diskussion gestellt werden. Damit einher geht die Dämonisierung des Internets als Quelle von «Hass» und «Hetze». Nur der Journalismus sei in der Lage, dies einzuordnen. Aber wie soll eine solche Einordnung stattfinden, wenn «Haltung» statt Wahrhaftigkeit in den Nachrichten dominieren? Wer bestimmt, was Hass, was Hetze ist? Und was passiert, wenn bestimmte Nachrichten unterdrückt würden, nur weil man damit eventuell Beifall von der falschen Seite erhielte?</p>
<p>Bestenfalls gibt es für eine abweichende oder ergänzende Ansicht nur noch maximal den separaten Text. So werden beide Seiten zufriedengestellt, ohne dass sie mit dem anderen Standpunkte konfrontiert würden. Es geht nur noch um Selbstvergewisserung. Dialog oder eine dialektische Auseinandersetzung mit dem Anderen ist unerwünscht.</p>
<blockquote><p>In seinem Buch nennt Meinhardt keine Namen. Weder von denen, die er kritisiert, noch von seinen Förderern. So muss man sich alles ergooglen und man fragt sich warum.</p></blockquote>
<p>Meinhardt dokumentiert einen leisen Abschied von einem Ideal, das es vielleicht so nie gegeben hat. Gegen Ende des Buchs wird er ein bisschen <a href="https://de.wiktionary.org/wiki/beckmesserisch#:~:text=IPA%3A%20%5B%CB%88b%C9%9Bkm%C9%9Bs%C9%99%CA%81%C9%AA%CA%83%5D-,beckmesserisch,pedantisch%2C%20rechthaberisch%20und%20engstirnig%20ist" target="_blank" rel="noopener">beckmesserisch</a>; seine Kritik an der Russland-Berichterstattung in deutschen Medien überzeugt nicht durchgängig. Er bleibt jedoch stets besonnen und in einem Punkt beweist er trotz aller Kritik einen merkwürdigen Korpsgeist: Er nennt keine Namen. Weder von denen, die er kritisiert, noch von seinen Förderern. So muss man sich alles ergooglen und man fragt sich warum.</p>
<p>In der Mitte des Buches erwähnt Meinhardt den Begriff des Leitmediums, der ihm bisher nie besonders aufgefallen war. Er gibt ihm eine neue Bedeutung: «Jetzt denke ich mir, der Folgsame ist doch Teil der Leitmedien, und sein Kollege ist es auch, einer leitet den anderen, und zusammen leiten sie die Leser und nehmen sie mit in ihre verdrehte Welt, ist das der Inhalt des Begriffs?» Ja, so könnte es inzwischen sein: Leitmedien leiten nicht den Diskurs der Nachrichten, sondern über die gefilterten Inhalte den Leser. «Haltungsjournalisten» erklären, was richtig und falsch ist. Und sie machen noch nicht einmal einen Hehl daraus.</p>
<p><small>Birk Meinhardt, <a href="https://www.eulenspiegel.com/verlage/das-neue-berlin/titel/wie-ich-meine-zeitung-verlor.html" target="_blank" rel="noopener">Wie ich meine Zeitung verlor</a> – Ein Jahrebuch, 144 Seiten, Das Neue Berlin, 2020. ca. 15 Euro</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/07/07/leiser-abschied-vom-journalismus/">Buch: Leiser Abschied vom Journalismus</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Was falsch läuft im Journalismus</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2020/06/29/was-falsch-laeuft-im-journalismus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 29 Jun 2020 13:16:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Süddeutsche Zeitung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am 29. Juni erscheint das neue Buch des Journalisten Birk Meinhardt. Der preisgekrönte Reporter und Romancier schildert darin, warum er der Süddeutschen Zeitung den Rücken kehrte.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/06/29/was-falsch-laeuft-im-journalismus/">Was falsch läuft im Journalismus</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am 29. Juni erscheint das neue Buch des Journalisten Birk Meinhardt. Der preisgekrönte Reporter und Romancier schildert darin, warum er der Süddeutschen Zeitung den Rücken kehrte.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/06/29/was-falsch-laeuft-im-journalismus/">Was falsch läuft im Journalismus</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Im Maschinen­raum der Süddeutschen Zeitung</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2020/05/11/im-maschinen%c2%adraum-der-sueddeutschen-zeitung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 11 May 2020 20:00:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Süddeutsche Zeitung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=78494</guid>

					<description><![CDATA[<p>Täglich prüfen Dutzende Köpfe und Blicke in einem strengen, aber bewährten Verfahren, ob und in welchem Format es eine Meldung in die SZ schafft. Eine Führung durch den Nachrichtenbetrieb.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/05/11/im-maschinen%c2%adraum-der-sueddeutschen-zeitung/">Im Maschinen­raum der Süddeutschen Zeitung</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Täglich prüfen Dutzende Köpfe und Blicke in einem strengen, aber bewährten Verfahren, ob und in welchem Format es eine Meldung in die SZ schafft. Eine Führung durch den Nachrichtenbetrieb.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/05/11/im-maschinen%c2%adraum-der-sueddeutschen-zeitung/">Im Maschinen­raum der Süddeutschen Zeitung</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die Süddeutsche Zeitung klaut systematisch von «Katapult»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2020/02/18/die-sueddeutsche-zeitung-klaut-systematisch-von-katapult/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 Feb 2020 08:41:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Süddeutsche Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Infografik]]></category>
		<category><![CDATA[Katapult]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Süddeutsche Zeitung kopiert Inhalte von «Katapult», gibt es offen zu und macht dann ein selbstgefälliges Angebot. Der Chef rastet aus!</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Süddeutsche Zeitung kopiert Inhalte von «Katapult», gibt es offen zu und macht dann ein selbstgefälliges Angebot. Der Chef rastet aus! </p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/02/18/die-sueddeutsche-zeitung-klaut-systematisch-von-katapult/">Die Süddeutsche Zeitung klaut systematisch von «Katapult»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Der Verlag der Süddeutschen Zeitung steht vor einem radikalen Umbau</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2019/10/09/der-verlag-der-sueddeutschen-zeitung-steht-vor-einem-radikalen-umbau/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 09 Oct 2019 18:15:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Süddeutsche Zeitung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=73349</guid>

					<description><![CDATA[<p>Der Chef der Südwestdeutschen Medienholding wagt den digitalen Wandel. Er investiert, spart – und sucht junge Firmen für Bildung, Gesundheit und Blockchain.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Der Chef der Südwestdeutschen Medienholding wagt den digitalen Wandel. Er investiert, spart – und sucht junge Firmen für Bildung, Gesundheit und Blockchain.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2019/10/09/der-verlag-der-sueddeutschen-zeitung-steht-vor-einem-radikalen-umbau/">Der Verlag der Süddeutschen Zeitung steht vor einem radikalen Umbau</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wir brauchen gute Manager an der Spitze von Redaktionen</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2019/05/07/wir-brauchen-gute-manager-an-der-spitze-von-redaktionen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 May 2019 13:43:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Süddeutsche Zeitung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=68956</guid>

					<description><![CDATA[<p>Julia Bönisch ist jung, sie ist Onlinerin, und sie ist Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung. «Für manchen Kollegen bin ich ein Affront», schreibt sie über sich selbst. Julia Bönisch geht der Frage nach, wie Redaktionen in digitalen Zeiten geführt werden müssen. Sie sagt: «Wir sind mitten in einem Generationenwechsel – vom Schreiber hin zum <a href="https://www.journalist-magazin.de/meinung/wir-brauchen-gute-manager-der-spitze-von-redaktionen">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Julia Bönisch ist jung, sie ist Onlinerin, und sie ist Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung. «Für manchen Kollegen bin ich ein Affront», schreibt sie über sich selbst. Julia Bönisch geht der Frage nach, wie Redaktionen in digitalen Zeiten geführt werden müssen. Sie sagt: «Wir sind mitten in einem Generationenwechsel – vom Schreiber hin zum Manager.»</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2019/05/07/wir-brauchen-gute-manager-an-der-spitze-von-redaktionen/">Wir brauchen gute Manager an der Spitze von Redaktionen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>«Krasses» Türkei-Inserat in Süddeutscher Zeitung</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2017/07/17/tuerkei-inserat-in-sueddeutscher-zeitung-ist-schon-etwas-krasses/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 17 Jul 2017 13:30:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Auf dem Radar]]></category>
		<category><![CDATA[Süddeutsche Zeitung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=45266</guid>

					<description><![CDATA[<p>Ein Inserat, das der redaktionellen Berichterstattung diametral entgegenläuft: In der Süddeutschen Zeitung verteidigte ein türkischer Unternehmensverband auf einer gekauften Zeitungsseite die Vorgänge um den Putsch vor einem Jahr in der Türkei. Darin wird das Handeln von Regierung und Armee beschönigt und die gravierenden Konsequenzen für Gesellschaft und Demokratie mit keinem Wort erwähnt. Andere Medien, etwa <a href="http://www.deutschlandfunk.de/kritik-an-tuerkei-anzeige-in-sz-kaum-verstaendlich.2907.de.html?dram%3Aarticle_id=391258">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Inserat, das der redaktionellen Berichterstattung diametral entgegenläuft: In der Süddeutschen Zeitung verteidigte ein türkischer Unternehmensverband auf einer gekauften Zeitungsseite die Vorgänge um den Putsch vor einem Jahr in der Türkei. Darin wird das Handeln von Regierung und Armee beschönigt und die gravierenden Konsequenzen für Gesellschaft und Demokratie mit keinem Wort erwähnt. Andere Medien, etwa «Bild» oder «Der Spiegel», haben das Inserat abgelehnt. Der Kommunikationswissenschaftler Volker Lilienthal ordnet den Fall und das Verhalten der Süddeutschen Zeitung ein.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/07/17/tuerkei-inserat-in-sueddeutscher-zeitung-ist-schon-etwas-krasses/">«Krasses» Türkei-Inserat in Süddeutscher Zeitung</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Der Redaktor als Verkäufer</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2017/07/04/der-redaktor-als-verkaeufer/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 04 Jul 2017 06:44:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Auf dem Radar]]></category>
		<category><![CDATA[Paid content]]></category>
		<category><![CDATA[Süddeutsche Zeitung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=44030</guid>

					<description><![CDATA[<p>An der Schnittstelle zwischen Redaktion und Verlag hat die Süddeutsche Zeitung den Posten einer Artikelverkaufsredaktorin («Text Marketing Editor») geschaffen. Sie wählt jene Artikel aus, die online kostenpflichtig angeboten werden und bestimmt jene Texte, mit denen die Zeitung potenzielle Abonnenten ansprechen will.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>An der Schnittstelle zwischen Redaktion und Verlag hat die Süddeutsche Zeitung den Posten einer Artikelverkaufsredaktorin («Text Marketing Editor») geschaffen. Sie wählt jene Artikel aus, die online kostenpflichtig angeboten werden und bestimmt jene Texte, mit denen die Zeitung potenzielle Abonnenten ansprechen will.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/07/04/der-redaktor-als-verkaeufer/">Der Redaktor als Verkäufer</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>20 Punkte für einen Skandal: Aufregung um «Sachbuchliste»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2017/06/15/20-punkte-fuer-einen-skandal/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lothar Struck]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 15 Jun 2017 15:47:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Sachbücher]]></category>
		<category><![CDATA[Süddeutsche Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[NDR]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=29359</guid>

					<description><![CDATA[<p>Weil ein «Spiegel»-Redaktor das Juryreglement ausreizte und ein neurechtes Pamphlet in die «Sachbuchliste» von NDR und Süddeutscher Zeitung gehievt hat, läuft das deutsche Feuilleton Sturm. Davon profitiert der Verlag des geschmähten Werks. Ausser den üblichen Verdächtigen des Betriebs – Journalisten, Verleger, Buchhändler, Autoren – dürfte die seit knapp 15 Jahren monatlich publizierte «Sachbuchliste» von Süddeutscher <a href="https://medienwoche.ch/2017/06/15/20-punkte-fuer-einen-skandal/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Weil ein «Spiegel»-Redaktor das Juryreglement ausreizte und ein neurechtes Pamphlet in die «Sachbuchliste» von NDR und Süddeutscher Zeitung gehievt hat, läuft das deutsche Feuilleton Sturm. Davon profitiert der Verlag des geschmähten Werks.</strong></p>
<p>Ausser den üblichen Verdächtigen des Betriebs – Journalisten, Verleger, Buchhändler, Autoren – dürfte die seit knapp 15 Jahren monatlich publizierte «Sachbuchliste» von Süddeutscher Zeitung und Norddeutschem Rundfunk NDR bisher eher weniger interessant für die breite Leserschaft gewesen sein. Hier bewerten Juroren unabhängig voneinander nach einem Punktesystem literarische Neuerscheinungen auf dem deutschsprachigen Buchmarkt. Die Differenz zu gängigen Bestsellerlisten ist beabsichtigt: Qualität statt Quantität soll in den Fokus rücken. Die «Sachbuchliste» praktiziert dies mit Sachbüchern.</p>
<p>Mit der Liste vom Juni 2017 rückt nun diese Einrichtung durch einen Skandal in den Fokus einer breiten Öffentlichkeit. Auf Platz 9 der Juni Liste steht ein Buch des 2016 verstorbenen Autors Rolf Peter Sieferle, mit dem Titel «Finis Germania». Es ist im «Antaios Verlag» erschienen, der dem neurechten Publizisten Götz Kubitschek gehört. Kritiker stellen nun heraus, dass das Buch rechtsradikale These vertrete und somit auf einer Empfehlungsliste nichts zu suchen habe. Sieferles Buch besteht aus 30 lose miteinander verbundenen Texten auf nur 104 Seiten, in denen ein eher düsteres Bild der Zukunft der deutschen Gesellschaft entworfen wird.</p>
<p>Losgetreten wurde der Skandal von einem <a href="http://www.taz.de/!5416892/" target="_blank" rel="noopener">Artikel in der taz</a>. Der Autor begnügte sich nicht mit dem Hinweis, sondern stellt sofort das gesamte deutschsprachige Feuilleton auf den Prüfstand. Mit den blumigen Worten «Das Sag- und Wählbare hat sich in der Bundesrepublik nach weit rechts verschobenen» beginnt er seinen Text. Unklar bleibt dabei, ob er überhaupt nur einen einzigen Satz des Buches gelesen hat.</p>
<p>Marc Reichwein rückt <a href="https://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article165468083/So-landete-rechtes-Gedankengut-auf-der-Bestenliste.html" target="_blank" rel="noopener">in der «Welt»</a> das Verfahren in den Fokus nachdem die Bücher für die «Sachbuchliste» bewertet werden. Die Jury besteht aus 25 Personen, überwiegend aus den Redaktionen überregionaler Zeitungen und des öffentlichen Rundfunks. Jurysitzung gibt es keine, kommuniziert wird per E-Mail. Die Juroren sind offensichtlich frei in der Bestimmung der Bücher; auf eine Short- oder Longlist wird verzichtet. Stattdessen vergibt jeder Punkte für die von ihm favorisierten Bücher. Hieraus wird dann eine Reihenfolge ermittelt. In der Auswertung wird dann die Punktzahl genannt.</p>
<p>«Jeder der 25 Juroren kann monatlich vier Bücher eigener Wahl mit 8, 6, 4 oder 2 Punkten versehen», so Reichwein. Das Problem ist, dass Juroren ihre Punkte auch kumulieren können. Im vorliegenden Fall hat dies ein Juror gemacht: er hatte die ihm zur Verfügung stehenden 20 Punkte einem einzigen Buch vergeben.</p>
<p>Theoretisch könnte ein Buch so maximal 200 Punkte erreichen. Was beim Studium der vergangenen Listenresultate auffällt ist die Punktzahl für den Sieger und die grosse Punktdichte. So genügen für Platz 1 häufig zwischen 28 und 30 Punkte; Platz 10 bekommt dann immer noch 18 oder 19 Punkte. Bei 25 Juroren sind 30 Punkte für den Sieger relativ wenig. Wenn dann ein Juror seine Punkte «aufheben» kann, ist schnell eine Platzierung unter den Top Ten möglich.</p>
<p>Die Nachteile dieses Verfahrens liegen auf der Hand. Zum einen können wenige Juroren mit ihren Voten ein Buch weit nach vorne bringen. Zum anderen bleibt sowohl für das Publikum als auch für die Jury selber unkenntlich, wer für welches Buch gestimmt hat.</p>
<p>Der Abstimmungsmodus war jedoch nur ein Aspekt der Behandlung des Skandalons. Wie immer begann sofort das übliche Distanzierungsspielchen; als sei plötzlich die Verbindung zu dieser «Sachbuchliste» ehrenrührig. Obwohl er mit der Auswahl des Buches nichts zu tun hatte, trat Jens Bisky, Feuilletonredaktor der Süddeutschen Zeitung, aus der Jury aus. Das half immerhin ein wenig den Medien aus der SZ/NDR-Liste eine NDR-Liste zu machen. Alle anderen Jurymitglieder distanzieren sich natürlich ebenfalls von dieser Empfehlung.</p>
<p>Zum Zeitpunkt von Biskys Demission war noch nicht bekannt, wer für Sieferles Buch gestimmt hatte. Als sich herausstellte, dass es der «Spiegel»-Redaktor Johannes Saltzwedel war, trat auch dieser ebenfalls sofort aus der Jury aus. Er rechtfertigte zwar noch die Nominierung dahingehend «bewusst ein sehr provokantes Buch der Geschichts- und Gegenwartsdeutung zur Diskussion bringen [zu] wollen», aber für einen Redaktor, der seit Jahrzehnten mit den Gepflogenheiten der Branche vertraut ist, klingt dies sehr naiv. Natürlich rückte auch der «Spiegel»-Chefredaktor Klaus Brinkbäumer, Saltzwedels Chef, von seinem Redaktor ab. «Ich habe nach der Lektüre der wesentlichen Kapitel kein Verständnis dafür, dass der Kollege Saltzwedel dieses Buch empfohlen hat», gab er zu Protokoll. Immerhin hat Brinkbäumer einige Kapitel gelesen; woher er weiss, dass es die «wesentlichen» sind, bleibt ungeklärt.</p>
<p>Mit dem Rücktritt Saltzwedels aus der Jury war die Angelegenheit jedoch noch nicht geklärt. So erklärte der NDR, die «Sachbuchliste» «bis zur vollständigen Aufklärung der Frage, wie es zu dieser gravierenden Fehleinschätzung der Jury kommen konnte» auszusetzen und sich von der Jury – zu distanzieren. Um dies noch besonders deutlich zu machen wurde – und das ist kein Scherz – wird jetzt die Punktzahl des Buches nicht mehr veröffentlicht.</p>
<p>Dies Formulierung des NDR mutet sehr beflissen an, denn die Frage, wie es zu der Entscheidung kommen konnte, war zu diesem Zeitpunkt längst geklärt: Juror Saltzwedel hatte das Verfahren derart verwendet, dass er alle verfügbaren 20 Punkte für ein Buch vergab. Der NDR suggeriert jedoch, dass es sich um eine Fehlentscheidung der Jury handelt und führt eine Kollektivhaftung ein, obwohl die anderen 24 Juroren vor der Publikation der Liste von Saltzwedels Votum nichts wissen konnten.</p>
<p>Und wie verträgt sich eigentlich die immer wieder vollmundig angepriesene Unabhängigkeit von Jurys, wenn dann Voten für strittige und schwierige Bücher derart hysterisierend kommentiert werden? Warum kann ein politisch abwegiges Buch nicht als Diskussionsgrundlage dienen und sei es denn auch nur um die hierin verwendeten Thesen argumentativ zu widerlegen?</p>
<p>Wer hat das Buch überhaupt in Gänze gelesen? In <a href="http://www.deutschlandfunkkultur.de/sz-literaturkritiker-gustav-seibt-ueber-finis-germania-ein.1008.de.html?dram:article_id=388580" target="_blank" rel="noopener">Deutschlandfunk Kultur bekennen die Moderatoren ihr Unwissen</a>, haben aber immerhin schon «viel drüber gelesen». Als Kronzeuge der Anklage fungiert dort Gustav Seibt. Er hatte nach Sieferles Freitod im September 2016 diesen als «unerschrockenen, immer rationalen Denker, der sich auch dann nicht aus der Ruhe bringen liess, wenn er apokalyptische Möglichkeiten erwog» <a href="http://www.sueddeutsche.de/kultur/nachruf-der-unerschrockene-1.3196935" target="_blank" rel="noopener">gewürdigt</a>. Auch im Gespräch mit dem Deutschlandfunk fand Seibt noch milde Worte für den Autor, aber «Finis Germania» sei eine wüste Schimpferei und primitiv. Er findet zahlreiche Stellen, benennt sie auch, aber die Moderatoren können natürlich mangels Kenntnis des Inhalts nicht widersprechen oder einhaken.</p>
<p>Das Buch sei nichts für den «Gabentisch» und auch nicht als Flugzeug-Lektüre geeignet, so Seibt. Warum ich ein solches womöglich polemisch triefendes und politisch abstruses Buch nicht im Flugzeug lesen soll, bleibt unklar. Und warum davon eine «Störung des öffentlichen Gesprächs» ausgeht auch. Es sei denn, die oberste Priorität wäre, generell unbelästigt bleiben zu wollen mit sehr unbequemen oder gar hässlichen Thesen. Ist denn Ruhe wieder die erste Bürgerpflicht? Dann sollte man vielleicht besser ein paar Regionalkrimis ins Flugzeug nehmen.</p>
<p>Wie immer in solchen Fällen profitiert das skandalisierte Medium. «Finis Germania» ist aktuell auf Platz 1 der Amazon-Bestsellerliste «Bücher». Im Moment werde, so der Verlag, nachgedruckt. Und wie fast immer wird in zwei Jahren kaum noch jemand wissen, wie dieses «Skandalbuch» geheissen hat.</p>
<p><em>Bildquelle:</em> By Gregor Julien Straube (Own work) [CC BY-SA 3.0 (<a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0">http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0</a>)], via Wikimedia Commons</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/06/15/20-punkte-fuer-einen-skandal/">20 Punkte für einen Skandal: Aufregung um «Sachbuchliste»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wie mache ich mir ein Feindbild?</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2017/01/11/wie-mache-ich-mir-ein-feindbild/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[René Zeyer]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 11 Jan 2017 21:32:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Porträt]]></category>
		<category><![CDATA[Norddeutscher Rundfunk]]></category>
		<category><![CDATA[Die Zeit]]></category>
		<category><![CDATA[Der Spiegel]]></category>
		<category><![CDATA[Roger Köppel]]></category>
		<category><![CDATA[Blick]]></category>
		<category><![CDATA[Süddeutsche Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Weltwoche]]></category>
		<category><![CDATA[ZAPP]]></category>
		<category><![CDATA[SVP]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=28637</guid>

					<description><![CDATA[<p>Das Porträt ist eine der anspruchsvollsten Formen im Journalismus. «Die Zeit», die «Süddeutsche Zeitung», der Norddeutsche Rundfunk, «Der Spiegel» und zuletzt der «Blick» versuchten sich im Laufe der letzten Jahre am grossen Köppel-Porträt. Doch kommt auch Köppel raus, wo Köppel drauf steht? Der Vergleichstest ergibt einen überraschenden Sieger. Es gibt nur einen richtigen Ansatz für <a href="https://medienwoche.ch/2017/01/11/wie-mache-ich-mir-ein-feindbild/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Porträt ist eine der anspruchsvollsten Formen im Journalismus. «Die Zeit», die «Süddeutsche Zeitung», der Norddeutsche Rundfunk, «Der Spiegel» und zuletzt der «Blick» versuchten sich im Laufe der letzten Jahre am grossen Köppel-Porträt. Doch kommt auch Köppel raus, wo Köppel drauf steht? Der Vergleichstest ergibt einen überraschenden Sieger.<br />
<span id="more-33098"></span><br />
Es gibt nur einen richtigen Ansatz für Literaturkritik: Das besprochene Werk muss aus sich selbst heraus verstanden und kritisiert werden. Es macht keinen Sinn, einem Roman vorzuwerfen, dass er weder ein Gedicht noch ein Sachbuch sei. Ähnlich verhält es sich mit Porträts, vor allem über eine Person wie Roger Köppel, der – gelinde gesagt – polarisiert. Erschwerend kommt hinzu, dass er selbst Journalist ist, wie der Porträtist. Dessen Aufgabe wäre es, dem Porträtierten gerecht zu werden und dem Publikum ein Bild abzuliefern, in dem man den Porträtierten wiedererkennt. Das Porträt kann realistisch, abstrakt, kubistisch, klassisch oder als Karikatur geschrieben sein. Aber wenn ein Porträt Kunst sein soll, dann kommt die immer noch von können. Eine Überprüfung in fünf Akten.</p>
<p><strong><a href="http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/Roger-Koeppel-Seine-Dreifaltigkeit,koeppel116.html" target="_blank">1. NDR-Medienmagazin «Zapp»: Nachgefragt und nachgetreten</a></strong><br />
Ein TV-Porträt in sechs Minuten ist anspruchsvoll. Es entsteht aus mehreren Stunden Aufnahmen, die anschliessend zusammengeschnitten werden müssen. Also Szenen und Interview-Passagen mit dem Porträtierten. Dem werden Fragen gestellt, wie zum Beispiel: «Sind Sie Chefredakteur oder Verleger?» Köppel repliziert, dass er einfach sich selbst sei, ein «wandelndes Multifunktionsgebilde». Darauf wird im Kommentar nachgetreten: «Er hat die ‹Weltwoche› umgekrempelt von einem liberalen Blatt zu einem rechtspopulistischen Magazin.» Nächste Frage der «Zapp»-Reporterin: «Sind Sie eine rechte Kampfpresse?» Köppel repliziert, dass alle Medien Kampfblätter seien, wobei die Frage einen «despektierlichen Beigeschmack» habe. Nachtreten im Kommentar: «Ein Kampfblatt. Wo gibt es denn das, dass der Chefredakteur im Parlament sitzt?» Man erkennt das Muster, letztes Beispiel: «Politiker und Chefredakteur, sind Sie da nicht ein Beispiel für die Lügenpresse?» Köppel repliziert, dass die «Weltwoche» keine Lügen verbreite. Nachtreten im Kommentar: «Als einzige, alle anderen verbreiten Lügen. Da liegt Köppel nahe bei der AfD. Vereinfachung sieht er bei anderen als Problem, nicht bei sich.»</p>
<p>Mit Fug und Recht kann man analysieren, dass die Hersteller dieses TV-Porträts das gleiche Problem nicht bei sich selbst erkannt haben. Insofern ist das Kriterium erfüllt, werkimmanent zu porträtieren. Denn Köppel neigt unbestreitbar zu Vereinfachungen im Dienst der Unterscheidung, was für ihn richtig, was falsch ist. Allerdings besteht doch zumindest ein Widerspruch darin, ihm das zum Vorwurf zu machen, was man selbst anwendet. Zudem öffnet Köppel in seinem Blatt immer wieder auch ihm widersprechenden Meinungen die Spalten. Ohne nach jedem Absatz der gegnerischen Meinung einen kritischen Kommentar einzufügen. Also ist dieses Porträt zumindest unvollständig. Hinzu kommt: Bei allem Verständnis für die Reduzierung auf sechs Minuten Sendezeit: Kritische Fragen stellen, Antworten abholen, dann nachtreten, das ist keine Art. Gesamtnote: 2,5 (wobei 6 die beste wäre).</p>
<p><a href="http://www.sueddeutsche.de/leben/schweizer-rechtspopulist-alles-roger-1.3212531" target="_blank"><strong>2. «Süddeutsche Zeitung»: Das Porträt als Karikatur</strong></a><br />
Unter dem Titel «Alles Roger» nimmt die SZ für ein Porträt zum Anlass, dass der «Rechtspopulist Köppel» seit «einem Jahr im Schweizer Parlament sitzt». So wie es im TV auf den Schnitt des Materials ankommt, ist es in einem geschriebenen Porträt die Entscheidung des Autors, welche Elemente seiner Reportage er zu einem Text verdichtet. Welche Beobachtungen, welche Szenen wählt der Journalist aus, um vorangehende Recherche und persönliches Erleben, dazu Gespräche mit dem Porträtierten, zu einem Artikel zusammenzufügen? Ein Element für die SZ ist das traditionelle Sommerfest, das die «Weltwoche» veranstaltet: «Dafür ist Jörg Kachelmann erschienen. Sein Outfit für den Abend: rote Hosenträger mit Schweizer Kreuzen. Sepp Blatter trägt Sechstagebart, SVP-Patriarch Christoph Blocher hat seine Ehefrau dabei. Roger Köppel spricht Hochdeutsch. Immer mehr deutsche Autoren schreiben für das Magazin. Sie sind es auch, die Köppel im Blick hat, wenn er seinen Gästen zuruft, heute Abend dürfe man ‹alles denken› und auch ‹alles sagen›, was man wolle.» Helfen die Hosenträger, der Sechstagebart oder die Bemerkung, dass Christoph Blocher von seiner Ehefrau begleitet wurde, Köppel zu porträtieren? Wohl kaum. Aber dann die Beobachtung, dass er «eine Rolex trägt»? Das Zitat vom Hörensagen: «Weggefährten sagen, Köppel habe im SVP-Patriarchen Christoph Blocher ‹den Vater gefunden, den er nie hatte› Vermutlich ist auch das nur ein Versuch, den Mann aus den Talkshows fassbar zu machen.»? Oder die Behauptung der Autorin: «Wenn er jemanden haben will, kann Köppel unerbittlich charmant sein. Wer die Weltwoche verlässt, bekommt das Gegenteil zu spüren. Außenseiter wie er brauchen uneingeschränkte Loyalität.»?</p>
<p>Letzte Frage: Kommt man der Person Köppels näher, wenn ihr Werdegang so dargestellt wird: «Vor kaum etwas graute es den Redaktionen so wie vor den selbsternannten Volksverstehern. Jenen, die die Welt in Gut und Böse teilen, ungeniert mit Angst, Unsicherheit und Unwissenheit ihrer Zuhörer jonglieren. Die etablierten Medien schrieben, zunehmend verzweifelt, so einfach dürfe man es sich nicht machen. Roger Köppel, leidenschaftlicher Historiker, oft bis in die Nacht in heroische Schlachten vertieft, sah, dass hier seine Zukunft liegen könnte: Die Dinge ganz einfach machen. So einfach, dass man sie als Schlachtparole in die Nacht rufen könnte.»? Oder indem die Person Köppel am Schluss des Porträts an den Reaktionen einer Schulklasse, die ihn im Bundeshaus besuchen durfte, gespiegelt wird: «So ganz können die Schüler nicht fassen, was passiert ist. ‹Am Anfang war er mir sympathisch, aber dann hat er absurde Beispiele gebracht und uns nicht mehr drangenommen›, sagt einer. Wer noch dieser Meinung ist? 20 von 25 Händen gehen nach oben. ‹Für uns war es total frustrierend, und er genießt es so richtig›, fasst eine Schülerin zusammen. ‹Du findest einfach, er ist ein Arschloch, und jetzt bist du sauer, weil er dich fertiggemacht hat›, tönt es aus der letzten Reihe. Ob es jemanden gibt, der Köppel-Gegner war und überzeugt wurde? Niemand meldet sich.»?</p>
<p>Dieses Porträt zeichnet das Bild eines Rechtspopulisten, der durch die Begegnung mit einem Ersatzvater vom Journalisten zum terrible simplificateur geworden ist, aber damit nicht einmal Schüler überzeugen kann. Umgeben von merkwürdigen Gestalten wie Kachelmann, Blatter und deutschen Autoren, die loyal seine Meinung vertreten. Also das Porträt als Karikatur, nicht wirklich gelungen. Gesamtnote 3.</p>
<p><a href="http://www.lu-wahlen.ch/uploads/media/spi_20160213_10853_1_1.pdf" target="_blank"><strong>3. «Der Spiegel»: Ein berechenbares Bemühen</strong></a><br />
Auf über fünf Seiten will das deutsche Nachrichtenmagazin seinen Lesern erklären, «wie aus dem begabtesten Blattmacher Zürichs ein Rechtspopulist wurde, der sein Land verändern will.» Schon der launige Titel lässt erahnen, was der Autor davon hält: «Köppel aus dem Sack», lautet er, und mit leichtem Bedauern schildert der «Spiegel», wie es mit dem Begabten abwärts ging: «Früher stand Köppel für einen unkonventionellen Blick auf die Welt. Er ließ ihn zu einem angesehenen Journalisten werden, neugierig, eloquent. Und in diesen Tagen schreibt er Sätze wie: ‹Dass in Deutschland die Asylheime brennen, hat mit der Weigerung der Regierung und der Medien zu tun, die berechtigten Sorgen der Leute aufzunehmen.›» Falls der Leser nicht wissen sollte, was er davon zu halten hat, der «Spiegel» ordnet ein: «Das ist hinterhältig und falsch, und trotzdem ist Köppel kein stumpfer Spießer wie das freakhaft wirkende Personal der AfD. Mit roten Wangen und der Unbeirrbarkeit eines Marathonläufers spult Köppel in deutschen Talkshows seine Thesen herunter. Für Schwarzgeld, für Sepp Blatter, aussichtsloses Zeug. Ein Verrückter?»</p>
<p>Der «Spiegel» zeichnet den Werdegang Köppels nach und gibt drei Köppel-Kennern die Möglichkeit zur Ferndiagnose. Dem Autor Martin Suter: «‹Ich bin nicht sicher, ob der Roger rechts ist. Er ist mehr rechthaberisch als rechts. Man kennt solche Leute aus dem Konfirmationsunterricht. Die steigern sich in irgendetwas rein aus reiner Debattiersucht.›» Dem Radiopionier Roger Schawinski: «‹Köppel ist sehr gefährlich. Es fehlt ihm ein gewisses moralisches Fundament.› Köppel, sagt Schawinski, sei ein traumatisierter Mensch. Aufgewachsen in Kloten, der Einflugschneise von Zürich, die Eltern seien früh gestorben, die Mutter, als Köppel 13 Jahre alt war, durch Selbstmord. In dem Waisen hätte sich das Gefühl ausgebreitet: ‹Entweder ich gehe unter, oder ich gehe ganz nach oben.›» Und dem ehemaligen Mitarbeiter Bruno Ziauddin, der über seine Erlebnisse ein Werk geschrieben hat: «Ziauddin sitzt in einem Café am Zürichsee, er wirkt bedrückt. Natürlich sagt Ziauddin, ‹Bad News› sei ein fiktiver Schlüsselroman, aber er gibt zu, dass viele Parallelen zu Köppel existieren. Er spricht vom Verlust der ‹Diskurshoheit der Linken›, wie sich das ‹Provokationspotenzial nach rechts gewandt› habe und wie es bei den Rechtspopulisten einen höheren Drang gebe, die Dinge zu ändern.» Dann nimmt sich der «Spiegel» den «Weltwoche»-Titel mit den kriminellen Ausländern zur Brust: «In Deutschland würde man sich mit solch einem Cover in der Tradition des ‹Stürmer› aus der seriösen Welt verabschieden.»</p>
<p>Aber in der Schweiz ist alles offenbar ein wenig anders, besonders, wenn sich SVP-Mitglieder mit Köppel vor dem Bundeshaus versammeln: «Es ist politisches Theater von der groben Sorte, das da betrieben wird. Es passt zu Brunner, der Bauer ist und immer gut für einen Schenkelklopfer, und es passt auch zu den wenigen Parteimitgliedern, die mit Goldkettchen, trübem Blick und Zigarette um ihn herumstehen und aussehen, als könnten sie bei der Mafiaserie ‹The Sopranos› mitspielen.» Und der Pate ist natürlich Christoph Blocher, dessen «politisches Engagement liest sich wie eine Top-Ten-Liste gegen die Vernunft des späten 20. Jahrhunderts». Dem aber Köppel verfallen ist: «Köppel ist kein Mensch, den man einfach kaufen kann. Man muss ihn füttern und ihm die Möglichkeit zur Selbsthypnose geben. So ähnlich muss es Blocher angestellt haben.» Und falls noch jemand Zweifel haben sollte, wo das hinführt, dem hilft das «Spiegel»-Porträt mit seiner Schlusspointe: «Das Anything-Goes seiner früheren Blattmacherjahre hat er umgewandelt: Alles geht, ohne Tempolimit, aber nur auf der rechten Spur. Für einen Intellektuellen wie ihn gibt es dort viel Raum. Wenn man ihn aber von früher kennt, wirkt der Roger Köppel von heute wie ein Geisterfahrer.»</p>
<p>Aber immerhin, eine lange Strecke im «Spiegel», und das Bemühen des Autors ist erkennbar, die Gründe für den Werdegang Köppels nachzuzeichnen. Allerdings ist es sonnenklar, dass es vom früheren Köppel zum aktuellen ein Weg nach unten ist, vom begabten Blattmacher zum Geisterfahrer auf der rechten Spur. Gesamtnote: 3,5.</p>
<p><a href="http://www.zeit.de/2015/43/schweiz-roger-koeppel-parlament" target="_blank"><strong>4. «Die Zeit»: Die pointillistische Version</strong></a><br />
Das gepflegte Organ nachdenklicher Schreibe, personifiziert im Elder Statesman und Herausgeber Helmut Schmidt selig, nahm sich unter dem Titel «Die Wut der Worte» des «Schweizer Publizisten Roger Köppel» an, der «gegen Flüchtlinge polemisiert» und nun «im Parlament sitzt». Da dieses Porträt kurz nach Köppels Wahl in den Nationalrat geschrieben wurde, zeichnet es nur das Erweckungserlebnis des Neupolitikers nach: «Am Anfang dieser Karriere stand ein Interview mit Christoph Blocher, dem Multimilliardär und Volkstribun. Im Jahr 2000 diskutierten die beiden über militärische Führungstechniken. Köppel, Sohn einer Sekretärin und eines Bauunternehmers, hat ein Faible für erfolgreiche alte Männer. Da wird der sonst so laute Köppel leise, regelrecht unterwürfig. Typen wie Putin und Berlusconi faszinieren ihn.» Die «Zeit» konzediert Köppel rhetorische Brillanz, indem sie einen Auftritt in der «Arena» beschreibt: «Was als nette Plauderei gedacht ist, menscheln sollte, nutzt Köppel. Er reißt das Ruder an sich. Greift den Sozialdemokraten Guldimann an, rattert seine Parolen herunter. In der direkten Konfrontation lebt Köppel auf. Dabei beweist er oft Humor, manchmal auch Selbstironie – immer wieder untermalt von diesem Lachen, das ihn spontan überfällt. Vor allem aber schafft es Köppel, seine Argumentation mit Werten zu verbinden, die viele teilen, im Grunde auch die meisten seiner Gegner: Selbstbestimmungsrecht der Völker, Asyltradition der Schweiz, Europa der Nationen, Demokratie, Unabhängigkeit und ein Schuss Anarchie. Köppel dreht das einfach anders. Er spricht bildhaft, in giftigen Wortkonstrukten. Die deutsche Bundeskanzlerin wird bei ihm zur ‹Schlepperkönigin Merkel›. Er sagt: ‹Wir können nicht ganz Afrika in Europa aufnehmen.› Über das Bild eines überfüllten Flüchtlingsbootes, das als Symbolbild für Europas Versagen durch die Medien ging, setzt er in seinem Blatt die Schlagzeile: ‹Afrikas Schuld›.»</p>
<p>Es ist nicht wirklich ein Porträt von Mensch und Werk, sozusagen die pointillistische Version mit einigen hingehauchten Tupfern. Dafür gibt es Abzug in der Inhaltsnote, aber dennoch die Gesamtnote 4,5.</p>
<p><a href="http://www.blick.ch/storytelling/2017/koeppel/" target="_blank"><strong>5. «Blick»: Klischeefreie Annäherung</strong></a><br />
Unter dem Titel «Der Köppel» tut der «Blick» etwas Unerhörtes: Er produziert ein üppig bebildertes und ausgestattetes Lesestück, das er in seiner Print-Ausgabe auf vollen zwei Seiten ausrollt und im Internet als Longform laufen lässt. Genügend Platz, um Biographie, Werdegang und aktuelles Wirken zu porträtieren: «Vom Journalisten zum Politiker, der auch eine Zeitschrift herausgibt.» Hier dürfen sogar namentlich genannte Mitarbeiter der «Weltwoche» ihren Chef kritisieren, dem auch die Möglichkeit eingeräumt wird, darauf zu replizieren. Beschreibungen wie «ohne intellektuelles Blutvergiessen geht es nicht» oder «Köppel mag es aggressiv, spitz und fulminant» sind durchaus akzeptabel, die Häme des Ringier-Verlags gegen seinen Konkurrenten hält sich in Grenzen: «Für Köppel ist das Parlament eher Bühne denn Wirkungsort. Er nächtigt während der Session oft im Fünfsternehotel Bellevue, dem besten Haus am Platz. First Class politique.»</p>
<p>Richtig spitz wird der «Blick» nur an einer Stelle: «Seine Weltsicht hat sich verengt, die Provokationen werden plumper. Anfang 2016 verharmloste Köppel in einem Editorial Reichsfeldmarschall Hermann Göring, die Nummer 2 in Nazi-Deutschland. Er zitierte leicht bewundernd aus einer 40 Jahre alten Biografie, ohne Görings Befehle zur «Endlösung der Judenfrage» zu erwähnen. Diese Huldigung war kein «Soufflieren des intelligenten Tischgesprächs», wie er den Anspruch der «Weltwoche» gern anpreist. Seine Abneigung gegenüber dem sogenannten «Mainstream» führte da den einstigen Studenten der Politischen Philosophie in die Sackgasse der Geschichtsvergessenheit.» Aber: Im umfangreichen «Blick»-Lesestück, moderner als «Storytelling» verkauft, fehlen drei Begriffe, die sonst untrennbar mit Köppel-Porträts verbunden sind: Rechtspopulist, Hetzer, Fremdenfeind. Hier wurde offensichtlich versucht, dem Porträtierten näherzukommen, ihn facettenreich darzustellen oder ganz einfach: ihm gerecht zu werden und das Urteil dem Leser zu überlassen. Wird kritisiert, bekommt Köppel fast immer Gelegenheit, dazu Stellung zu nehmen. Wird auf Widersprüche bei ihm hingewiesen, darf er widersprechen.</p>
<p>So ist durchaus auch die abschliessende Bilanz des Artikels erlaubt: «Würde der Journalist Köppel von einst über den Politiker Köppel von heute ein Porträt schreiben – er könnte es sich nicht verkneifen, den Begriff des «politischen Aktivdienstes» an sein Ende zu formulieren: Auf dem Schlachtfeld der Ideologien werden auch die klugen Köpfe zu Soldaten. Roger Köppel war der verheissungsvollste von ihnen.» Das reicht immer noch für eine Gesamtnote von 5,5. Begleitet vom Wunsch, dass die Autoren des Artikels ihn im Hause Ringier mit seinem Vordenker und Strippenzieher Frank A. Meyer, der Roger Köppel fast so sehr verabscheut wie den «Führer aus Herrliberg», überleben mögen.</p>
<p><strong>Epilog</strong><br />
Der Autor dieses Meta-Porträts veröffentlicht ab und an Artikel in der «Weltwoche». Ich schätze an Roger Köppel, dass er mir diese Plattform bietet. Zumal ich ihn mehrfach öffentlich auf das schärfste kritisierte und im Zusammenhang mit der Hildebrand-Affäre seinen Rücktritt forderte.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/01/11/wie-mache-ich-mir-ein-feindbild/">Wie mache ich mir ein Feindbild?</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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