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	<title>Tessin | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
	<lastBuildDate>Fri, 08 May 2020 10:11:04 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Journalisten in der Tessiner Krisenkommunikation: RSI kann Vertrag mit Kanton nicht auflösen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Gerhard Lob]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 08 May 2020 07:37:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Tessin]]></category>
		<category><![CDATA[Coronavirus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In ausserordentlichen Lagen können im Tessin RSI-Journalisten die Behörden bei der Kommunikation unterstützen. Die Trägerschaft des italienischsprachigen Radios und Fernsehens fordert nun, den Vertrag aufzulösen. Doch das geht nicht. RSI hat sich für zehn Jahre verpflichtet. Derweil weist der Tessiner Justizdirektor die Kritik an der Kooperation zurück. Im kantonalen Krisenstab des Tessins sind während der <a href="https://medienwoche.ch/2020/05/08/journalisten-in-der-tessiner-krisenkommunikation-rsi-kann-vertrag-mit-kanton-nicht-aufloesen/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>In ausserordentlichen Lagen können im Tessin RSI-Journalisten die Behörden bei der Kommunikation unterstützen. Die Trägerschaft des italienischsprachigen Radios und Fernsehens fordert nun, den Vertrag aufzulösen. Doch das geht nicht. RSI hat sich für zehn Jahre verpflichtet. Derweil weist der Tessiner Justizdirektor die Kritik an der Kooperation zurück.</strong><br />
<img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-78409" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/05/MW-RSI-Kriesenstaab_20200507.jpg" alt="" width="1456" height="976" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/05/MW-RSI-Kriesenstaab_20200507.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/05/MW-RSI-Kriesenstaab_20200507-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/05/MW-RSI-Kriesenstaab_20200507-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/05/MW-RSI-Kriesenstaab_20200507-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/05/MW-RSI-Kriesenstaab_20200507-470x315.jpg 470w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
Im kantonalen Krisenstab des Tessins sind während der Coronakrise auch RSI-Journalisten tätig, wie die MEDIENWOCHE Mitte April 2020 <a href="https://medienwoche.ch/2020/04/16/journalisten-im-krisenstab-in-der-not-fuer-den-staat/">publik machte</a>. Dieser Einsatz geht auf eine <a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/05/Convenzione-Consiglio-di-Stato-SMCC-03-2019.pdf" target="_blank" rel="noopener">Vereinbarung</a> zurück, die der Kanton Tessin ein Jahr zuvor mit dem Radio und Fernsehen der italienischen Schweiz RSI für eine Laufzeit von zehn Jahren abgeschlossen hatte.<br />
<br />
Die Initiative für das Abkommen kam vom kantonalen Justiz- und Polizeidepartement aus. Dabei stützte sich die Behörde auf die Erfahrungen aus der <a href="https://www3.ti.ch/DI/cartellastampa/pdf-cartella-stampa-341351904129.pdf" target="_blank" rel="noopener">Verbundsübung «Odescalchi»</a>. 2016 spielten Behörden, Armee, Polizei und Zivilschutz in Chiasso einen dreitägigen, grenzüberschreitenden Katastrophenfall durch. Bestandteil des Szenarios war damals auch die Information der Bevölkerung.</p>
<blockquote><p>RSI verteidigte das Abkommen mit dem Hinweis, dass die redaktionelle Unabhängigkeit der Journalisten nicht beschnitten werde.</p></blockquote>
<p>Nun ist das Abkommen im Rahmen der Coronakrise erstmals angewandt worden. Dabei hat der Einsatz von sieben RSI-Journalisten in der Kommunikation des Krisenstabs einigen Staub aufgewirbelt. Diese Form der Zusammenarbeit zwischen SRG-Personal und kantonalen Behörden ist in der Schweiz einmalig. Nachdem die MEDIENWOCHE die problematische Konstellation Mitte April publik gemacht hatte, berichteten zahlreiche Medien der ganzen Schweiz darüber. Sie alle warfen die Frage auf, ob es opportun sei, dass Journalisten an einem Tag im Krisenstab arbeiten und am nächsten wieder in der Redaktion.</p>
<p>RSI verteidigte das Abkommen mit dem Hinweis, dass die redaktionelle Unabhängigkeit der Journalistinnen und Journalisten nicht beschnitten werde, der Einsatz während Zivilschutztagen erfolge und in Krisenzeiten Inhalte professionell aufbereitet werden müssten. Die Arbeitsbereiche Krisenstab und Redaktion seien klar getrennt.</p>
<p>Doch die Argumentation der RSI vermochte die Gemüter nicht zu beruhigen. In der letzten Woche häuften sich im Tessin kritische Stellungnahmen. So forderte der Tessiner Journalistenverband ATG die RSI in einer <a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/05/Rettifica-CSATG-04.05.20.pdf" target="_blank" rel="noopener">Medienmitteilung</a> auf, «das Beibehalten dieser Vereinbarung mit Blick auf künftige und ähnliche Einsätze zu überprüfen». Drei SP-Grossräte, darunter die kantonalen Co-Präsidenten Laura Riget und Fabrizio Sirica, reichten eine Anfrage an den Staatsrat in dieser Sache ein.</p>
<blockquote><p>Die RSI-Trägerschaft fordert unmissverständlich, den Vertrag mit dem Kanton aufzulösen.</p></blockquote>
<p>Einen Schritt weiter ging dann der Vorstand der RSI-Trägerschaft Corsi. Das Gremium tagte am Mittwoch dieser Woche im Beisein von SRG-Generaldirektor Gilles Marchand und Regionaldirektor Maurizio Canetta. Gemäss einer <a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/05/Comunicato-stampa-CORSI-6.05.20_DEF.pdf" target="_blank" rel="noopener">Medienmitteilung</a> zeigte sich der Vorstand «perplex» ob der Vereinbarung zwischen RSI und Behörden. Und nach dem Treffen hat der Vorstand die RSI-Regionaldirektion mit klaren Worten aufgefordert, den Vertrag mit dem Kanton aufzulösen, «weil dadurch Zweifel an der effektiven Autonomie der RSI entstehen können».</p>
<p>Die RSI hat nach anfänglichem Zögern mittlerweile den Wortlaut der Konvention publik gemacht. Darin ist auch die Laufzeit von zehn Jahren bis 2029 festgehalten. Der früheste Kündigungstermin ist auf den 28. Februar 2028 festgelegt. Wie eine frühzeitige Auflösung dieser Vereinbarung ermöglicht werden soll, ist daher nicht klar.</p>
<blockquote><p>Weil die RSI den Vertrag mit dem Kanton nicht auflösen kann, will man ihn nun nachbessern.</p></blockquote>
<p>Die RSI-Regionaldirektion spricht auf Anfrage der MEDIENWOCHE nicht von einer Kündigung des Vertrags mit dem Kanton, sondern von einer möglichen «Nachbesserung», die sich nach den Gesprächen mit der Generaldirektion, den SRG-Chefredaktoren sowie der Corsi aufdränge. Man werde so schnell wie möglich den Dialog mit den kantonalen Behörden suchen, «um das zu klären, was geklärt werden muss, und auf das zu verzichten, was zu Missverständnissen führen könnte».</p>
<p>Der Tessiner Justiz- und Polizeidirektor Norman Gobbi (Lega) verteidigt auf Anfrage gegenüber der MEDIENWOCHE in einer persönlichen Stellungnahme den Nutzen der Zusammenarbeit zwischen Kanton und RSI. Die Forderung der Trägerschaft nach Auflösung des Vertrags komme zu spät und sie «beruht nicht auf Fakten, sondern auf einem Mantra, das man ‹Unabhängigkeit der Journalisten› nennt». Er verweist zudem auf eine ähnliche <a href="https://www.admin.ch/gov/de/start/dokumentation/medienmitteilungen.msg-id-19739.html" target="_blank" rel="noopener">Leistungsvereinbarung</a> zwischen Bundesrat und SRG zur Information in Krisenlagen.</p>
<p>Gobbi lobt zudem die Arbeit der beteiligten Journalisten bei der Bewältigung der aktuellen Krisensituation im Krisenstab, welche ihren Einsatz im Milizsystem des Zivilschutzes zugunsten des Landes klar von ihrer redaktionellen Aufgabe trennen könnten. Gobbi: «Wir werden am Ende eine Bilanz der Operation machen, auch in Bezug auf die Kommunikation, und diese – wenn nötig – verbessern, wo sie verbessert werden kann.»</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/05/08/journalisten-in-der-tessiner-krisenkommunikation-rsi-kann-vertrag-mit-kanton-nicht-aufloesen/">Journalisten in der Tessiner Krisenkommunikation: RSI kann Vertrag mit Kanton nicht auflösen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<item>
		<title>Tessin: Ein Kanton und seine Medien im Ausnahmezustand</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2020/03/26/tessin-ein-kanton-und-seine-medien-im-ausnahmezustand/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Gerhard Lob]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 26 Mar 2020 12:17:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Tessin]]></category>
		<category><![CDATA[Coronavirus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Tessin ist in der Corona-Krise dem Rest der Schweiz stets um etliche Tage voraus. Entsprechend mussten die Medien der Südschweiz früher reagieren, ihre Produktion und das Programm umstellen. Die journalistische Arbeit wird immer schwieriger. Es war Sonntag, der 23. Februar. Die Welt schien an diesem Tag noch in Ordnung. Die Sonne strahlte und in <a href="https://medienwoche.ch/2020/03/26/tessin-ein-kanton-und-seine-medien-im-ausnahmezustand/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/03/26/tessin-ein-kanton-und-seine-medien-im-ausnahmezustand/">Tessin: Ein Kanton und seine Medien im Ausnahmezustand</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Das Tessin ist in der Corona-Krise dem Rest der Schweiz stets um etliche Tage voraus. Entsprechend mussten die Medien der Südschweiz früher reagieren, ihre Produktion und das Programm umstellen. Die journalistische Arbeit wird immer schwieriger.</strong><br />
<img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-77375" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/03/MW-Corona-Virus-Ticino-Media_20200326b.jpg" alt="" width="1456" height="976" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/03/MW-Corona-Virus-Ticino-Media_20200326b.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/03/MW-Corona-Virus-Ticino-Media_20200326b-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/03/MW-Corona-Virus-Ticino-Media_20200326b-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/03/MW-Corona-Virus-Ticino-Media_20200326b-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/03/MW-Corona-Virus-Ticino-Media_20200326b-470x315.jpg 470w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
Es war Sonntag, der 23. Februar. Die Welt schien an diesem Tag noch in Ordnung. Die Sonne strahlte und in Bellinzona rüstete man sich zum grossen Karnevalsumzug «Rabadan». Doch das Unheil stand bereits vor der Grenze. In Italien waren die ersten Corona-Fälle bekannt geworden. «Die ganze Angelegenheit ist grösser, als es anfänglich schien», sagte mir an diesem Sonntag der Tessiner Kantonsarzt Giorgio Merlani am Telefon, als ich ihn für einen ersten Artikel zu Corona kontaktierte. Er sollte Recht behalten, auch wenn es damals noch keinen konkreten Verdachtsfall im Tessin gab.</p>
<p>Das änderte sich in Windeseile. Das Tessin – geografisch exponiert in die Lombardei, dem Hotspot der italienischen Corona-Welle – war in dieser Geschichte dem Rest der Schweiz stets um viele Tage voraus, in Bezug auf die Infizierten und die Massnahmen. Absage von Veranstaltungen, Schliessung von Beizen, Schliessung der Schulen und schliesslich ein Shutdwon fast des ganzen Gewerbes und industrieller Betriebe. Es ging Schlag auf Schlag. In der Medienwelt der Südschweiz spiegelte sich die allgemeine Entwicklung.<br />
<br />
Gab es anfänglich noch Medienkonferenzen, in denen die Journalisten dicht gedrängt im Pressesaal des kantonalen Regierungsgebäudes sassen, wurden zuerst die Abstände verbreitert, dann die Konferenzen in den riesigen Grossratssaal verlegt, schliesslich nur noch online durchgeführt unter physischem Ausschluss der Journalisten. Fragen müssen seither schriftlich vor (!) der Medienkonferenz eingereicht werden. Das kommt in der Branche nicht gut an.</p>
<blockquote><p>«Je länger die Krise dauert, desto schwieriger wird es, an die Leute zu kommen»<br />
<small>Valentina De Vos, Korrespondentin SRF</small></p></blockquote>
<p>Valentina De Vos hat sich als Fernsehkorrespondentin für SRF die letzten Wochen praktisch nur mit dem Coronavirus beschäftigt. Anfänglich war sie in Italien, musste aus diesem Grund dann in eine 14-tägige Quarantäne, bevor sie im Tessin weiterarbeiten durfte.</p>
<p>Sie bestätigt, dass die Arbeitsbedingungen immer schwieriger werden. So konnte sie vor zwei Wochen noch im Covid-19-Spital «La Carità» von Locarno filmen – inzwischen ist das nicht mehr möglich. «Je länger die Krise dauert, desto schwieriger wird es, an die Leute zu kommen», sagt sie. Gesprächspartner fragten sie bei der Kontaktaufnahme, ob es wirklich nötig sei, sich zu treffen. Die Arbeitstage werden dabei immer länger, und da alle Restaurants und Cafés geschlossen sind, ist es selbst schwierig geworden, sich unter dem Tag einen Kaffee zu verschaffen.</p>
<p>De Vos glaubt, dass man in der Deutschschweiz erst mit einer Verzögerung realisiert, was im Tessin schon alles passiert ist. Analog zur Politik habe sich dies auch in der Medienwelt gezeigt, etwas wenn aus Zürich die Anfrage für einen bestimmten Beitrag kam, den sie so gar nicht mehr ausführen konnte. Diesen Eindruck bestätigt Nicole della Pietra, Tessin-Korrespondentin für Radio und Fernsehen RTS, die ebenfalls seit Wochen im Dauereinsatz für das Coronavirus ist. Nach den wichtigen Entscheiden, Norditalien quasi zur roten Zone zu erklären, stand sie morgens um 6 Uhr an der Grenze, um Grenzgängerinnen und Grenzgänger zu interviewen, die ins Tessin zur Arbeit fuhren. «Belastend in solchen Stresssituationen ist auch, dass sehr viele Anfragen fast gleichzeitig von verschiedenen Kollegen und Ressorts kommen», sagt sie. Der ständige Produktionsdruck sei hoch, genauso die Notwendigkeit, Infos weiterzugeben. Für Hintergrundrecherchen bleibe in solchen Momenten kaum noch Zeit.</p>
<blockquote><p>Unter den gegebenen Bedingungen kann RSI das bisherige Programmangebot nicht aufrechterhalten.</p></blockquote>
<p>Die Tessiner Medien mussten frühzeitig in den Corona-Modus umschalten. Das Radio und Fernsehen der italienischen Schweiz RSI setzte all jene Mitarbeitenden in Quarantäne, die in Italien in den Karnevalsferien gewesen waren. «Wir müssen sehr komplexe Situationen lösen», sagt RSI-Informationschef Reto Ceschi. Die gesamte Redaktionsarbeit wurde in den letzten vier Wochen umgestellt; Gesprächspartner können in der Regel nur noch via Skype zugeschaltet werden.</p>
<p>Bestimmte Sendungen lassen sich im Moment nicht mehr produzieren, beispielsweise die beliebte Konsumentensendung «Patti chiari» vom Freitagabend. «Wir arbeiten nun an neuen Möglichkeiten für dieses Sendefenster, es sollen die Menschen zu Wort kommen», sagt RSI-Programmdirektorin Milena Folletti. Zwei grosse Infofenster – am Montag- und Donnerstagabend – bleiben über die Nachrichtensendungen hinaus bestehen. Sie konzentrieren sich vorerst auf das Thema Coronavirus.</p>
<p>Das Bedürfnis nach Informationen und Austausch sei gewaltig, das zeigten auch die vielen eingehenden Telefonate, sagt Folletti. Klar ist aber: Unter den gegebenen Bedingungen lässt sich das bisherige Programmangebot nicht aufrechterhalten. So wird seit dieser Woche Mittwoch die Tagesschau um 12.30 Uhr auf La1 nicht mehr vom Fernsehen produziert, sondern vom Radio übernommen und mit Bildern unterlegt. Die regionale Nachrichtensendung «Il Quotidiano» um 19 Uhr wird verkürzt, die abendliche Tagesschau «TG notte» komplett gestrichen. Mitarbeitende, Reporter oder Kameraleute, die Stresssituationen ausgesetzt seien, werden laut Folletti nicht zu Einsätzen gezwungen. Zudem sei ein psychologischer Beistand garantiert, wenn jemand in Schwierigkeiten geraten sollte.</p>
<blockquote><p>«In diesen Zeiten werden die Stärken des Radios besonders deutlich»<br />
<small>Cathy Flaviano, Abteilungsleiterin RSI</small></p></blockquote>
<p>Im Unterhaltungsbereich ist die Produktion von Quiz-Sendungen ausgesetzt. «Unterhaltung in Zeiten von Corona ist schwierig», sagt Cathy Flaviano, RSI-Abteilungsleiterin Kultur und Gesellschaft, «aber Not macht auch erfinderisch.» Im Moment werde viel experimentiert, unter Einbezug der neuen Medien. Beim Radio sei die Sache einfacher: «In diesen Zeiten werden die Stärken des Radios besonders deutlich: Es ist nicht nur ein schnelles Medium, es ist auch nahe an seinem Publikum. Die HörerInnen lachen mit den Radiostimmen, aber sie teilen auch ihre Sorgen mit ihnen.»</p>
<p>Gleiches gilt für den digitalen Bereich. Die junge RSI-Crew unterhält und informiert mit dem digitalen Produkt SPAM ihr Publikum täglich. Unterhaltung sei auf allen Kanälen wichtig, auch in dieser Phase. «Ein wenig schmunzeln darf man, aber natürlich wollen wir nicht, dass man vergisst, was draussen los ist», so Flaviano. Neue Produktionen müssten auf allen Kanälen an die Stimmung angepasst werden.</p>
<blockquote><p>«Schon seit einigen Wochen haben wir keine Gäste mehr im Studio»<br />
<small>Sacha Dalcol, Vizedirektor Teleticino</small></p></blockquote>
<p>Auch die privaten Fernseh- und Radiosender Teleticino und Radio3i mit Sitz in Melide mussten ihr Angebot innert Kürze den neuen Umständen anpassen. «Schon seit einigen Wochen haben wir keine Gäste mehr im Studio», sagt Vizedirektor Sacha Dalcol. Die Redaktion, die in zwei Teams gesplittet wurde, konzentriert sich auf das Informationsfenster zwischen 18 und 19.30 Uhr. Einige Sendeformate aus dem Bereich Sport und Wirtschaft wurden ganz abgesetzt, die jeweiligen Moderatoren treten nun via Skype in den Infosendungen auf. Bisher sind noch Reporter draussen unterwegs. «Aber diese Ausseneinsätze müssen gut überlegt und austariert sein», so Dalcol.</p>
<p>Für die Printmedien sind O-Töne und Bilder weniger wichtig, doch auch die Arbeit der Zeitungen im Tessin wird stark von Corona geprägt. «In unserem Betrieb sind leider zwei Personen positiv auf Covid-19 getestet worden», sagt Matteo Caratti, Chefredaktor der Tageszeitung «La Regione». In Nullkommanichts habe man umstellen müssen: Die Redaktion ging ins Homeoffice und die journalistische Produktion wurde auf ein Minimum reduziert. Nur noch ein Rumpfteam arbeite in der Zentrale. «Da das reale Leben hier im Tessin weitgehend stillsteht, wird es auch immer schwieriger, überhaupt eine Zeitung zu machen», sagt Caratti. Glück im Unglück: Die Zeitung hat am 8. März unabhängig von Corona ihr Redaktionssystem umgestellt. Das kam gerade im richtigen Moment, weil es nun ein Arbeiten von zu Hause aus ermöglicht.</p>
<blockquote><p>Ein Trost auf allen Redaktionen sind die hohen Nutzerzahlen.</p></blockquote>
<p>Sowohl «La Regione» als auch der «Corriere del Ticino» haben Kurzarbeit eingeführt. Der «Corriere» als Branchenleader hat die regionale Berichterstattung sowie Sport, Kultur, Gesellschaft und Wirtschaft stark reduziert, dafür aber Rubriken ausgebaut zur Unterhaltung und zum Zeitvertreib, etwa mit Kreuzworträtseln.</p>
<p>Ein Trost auf allen Redaktionen sind die hohen Nutzerzahlen. «Da wird mir richtig schwindelig», meint Sacha Dalcol von Teleticino. Auch RSI stösst in ungeahnte Reichweiten vor. Fernsehen und Radio erweisen sich in der Corona-Krise als Leitmedien, aber auch die gute alte Zeitung bewährt sich neben dem Web als verlässlicher Wert.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/03/26/tessin-ein-kanton-und-seine-medien-im-ausnahmezustand/">Tessin: Ein Kanton und seine Medien im Ausnahmezustand</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Das Tessin im medialen Abseits</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2019/04/11/das-tessin-im-medialen-abseits/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Gerhard Lob]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 Apr 2019 11:32:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Tessin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Anlässlich der Tessiner Kantonswahlen flackerte in den Deutschschweizer Medien kurz das Interesse am Südkanton auf. Doch im journalistischen Alltag spielt die italienischsprachige Schweiz kaum noch eine Rolle. Auch das Wissen über die Südschweiz erodiert in den Redaktionen. In einem Teaser-Video wirbt Tamedia für die neue Jugendplattform «Venty» von 20min.ch. Am Ende des Filmchens erscheint eine <a href="https://medienwoche.ch/2019/04/11/das-tessin-im-medialen-abseits/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2019/04/11/das-tessin-im-medialen-abseits/">Das Tessin im medialen Abseits</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Anlässlich der Tessiner Kantonswahlen flackerte in den Deutschschweizer Medien kurz das Interesse am Südkanton auf. Doch im journalistischen Alltag spielt die italienischsprachige Schweiz kaum noch eine Rolle. Auch das Wissen über die Südschweiz erodiert in den Redaktionen.</strong><br />
<img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-68183" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/04/MW-Tessin_Tamedia_20190411.jpg" alt="" width="1456" height="976" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/04/MW-Tessin_Tamedia_20190411.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/04/MW-Tessin_Tamedia_20190411-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/04/MW-Tessin_Tamedia_20190411-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/04/MW-Tessin_Tamedia_20190411-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/04/MW-Tessin_Tamedia_20190411-470x315.jpg 470w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
In einem Teaser-Video wirbt Tamedia für die neue Jugendplattform «Venty» von 20min.ch. Am Ende des Filmchens erscheint eine Schweizkarte. Links sieht man die Westschweiz, rechts die Deutschschweiz. Basta. Die italienische Schweiz kommt auf dieser Karte nicht vor, sie wurde kurzerhand der Deutschschweiz zugeschlagen.</p>
<p>Zugegeben, die italienischsprachige Schweiz ist ein kompliziertes Gebilde und auf einer Karte nicht leicht darstellbar. Denn zum Kanton Tessin kommen noch die Südbündner Täler Misox, Bergell und Puschlav dazu. Gleichwohl ist die Karte von «Venty» bezeichnend. Denn die Deutschschweizer Medien schenken der italienischen Schweiz und dem Tessin immer weniger Aufmerksamkeit.</p>
<p>Das zeigte sich auch bei der Berichterstattung zu den Kantonswahlen 2019, die am vergangenen Wochenende stattfanden. Die meisten Tageszeitungen der Deutschschweiz berichteten zwar über den Urnengang, aber nur kurz und auf das Essentielle beschränkt. Vertiefende Artikel, Analysen oder Porträts einzelner Politiker suchte das interessierte Publikum vergeblich.</p>
<blockquote><p>Vor allem aber war die Inlandberichterstattung stärker auf die gesamte Schweiz ausgerichtet als heute.</p></blockquote>
<p>Als ich 2001 begann, aus dem Tessin zu berichten als Korrespondent für Tageszeitungen der deutschen Schweiz, sah die Medienlandschaft noch anders aus. Auch die Einstellung auf den Redaktionen war noch eine andere. Den Verlagen und ihren Zeitungen ging es damals besser als heute, Fusionen von Verlagen und Zusammenschlüsse von Redaktionen standen erst am Anfang. Vor allem aber war die Inlandberichterstattung stärker auf die gesamte Schweiz ausgerichtet als heute.</p>
<p>Bei der «Basler Zeitung», die damals mein Hauptkunde war, gab es jeweils am Montagmorgen eine Telefonkonferenz mit allen Regionalkorrespondenten. Das waren Kolleginnen und Kollegen in St. Gallen, in Luzern, in Olten, in Bern und in Lausanne – sowie ich im Tessin. Dazu kamen die Bundeshausjournalisten und manchmal ein Kollege, der einen besonderen Blick auf das Bundesgericht und die UNO in Genf warf. Für eine Themenseite schrieben nicht selten alle Inland-Korrespondenten einen Beitrag aus ihrer Region. Die Inland-Berichterstattung glich so einem Spiegel der Regionen und der wichtigsten Vorgänge im ganzen Land. Es gab häufig Ausgaben, in denen die Bundespolitik überhaupt nicht vorkam.</p>
<blockquote><p>Die grossen Regionalzeitungen führen keine eigenen Inland-Ressorts mehr und Budgets für Berichte aus den Regionen sind kaum noch vorhanden.</p></blockquote>
<p>Das hat sich radikal geändert. Heute liegen Verantwortung und Epizentrum der Inlandberichterstattung im Bundeshaus und in den redaktionellen «Kompetenzzentren» der fusionierten Grossredaktionen. Die grossen Regionalzeitungen führen keine eigenen Inland-Ressorts mehr und Budgets für Berichte aus den Regionen sind kaum noch vorhanden. Alle Kolleginnen und Kollegen, die früher als freie Inland-Korrespondenten gearbeitet hatten, haben längst das Handtuch geworfen, sich inhaltlich neu ausgerichtet oder einen festen Job gefunden. Eine logische Folge dieser Entwicklung: Themen aus den Regionen finden auf den Inland-Seiten immer seltener statt.</p>
<p></p>
<p>Im Falle des Tessins ist dieser Schrumpfprozess schon seit Jahren im Gang. Und er betrifft einen ganzen Landesteil. Die früher weit verbreitete staatspolitische Überzeugung, dass es zu den Aufgaben einer Deutschschweizer Zeitung gehört, regelmässig über die politischen Vorgänge der Südschweiz zu berichten, gehört der Vergangenheit an. Es gibt gewisse Ausnahmen: etwa die nun zu CH Media gehörenden Tageszeitungen der NZZ-Regionalmedien (insbesondere die Luzerner Zeitung), die sich dem Tessin auch wegen der geographischen Nähe stärker verbunden fühlen. Doch Tatsache ist: Wegen des finanziellen Drucks haben die grossen nationalen Tageszeitungen, die NZZ und der Tages-Anzeiger, auf ihre eigenen Tessin-Korrespondenten verzichtet. Und das nachdem sie jahrzehntelang ein fester und unabdingbarer Bestandteil der Redaktionen waren. In der Westschweiz habend die NZZ und die Tamedia-Zentralredaktion ihre Korrespondenten noch behalten.</p>
<blockquote><p>Den Tessiner Sportclubs in den obersten Ligen des Landes ist es zu verdanken, dass die Existenz des Südkantons überhaupt noch in den Köpfen der Deutschschweiz verankert ist.</p></blockquote>
<p>Alle Tageszeitungen berichten daher nur noch punktuell über das Tessin – mit Hilfe von freien Journalisten. Eine Ausnahme gibt es beim Sport: Den Eishockey- und Fussballmannschaften aus Ambrì-Piotta und Lugano ist es zu verdanken, dass das Tessins überhaupt noch regelmässig in den Deutschschweizer Medien vorkommt, abgesehen von den Skandal- und Räubergeschichten, die der «Blick» <a href="https://www.blick.ch/news/schweiz/tessin/millionenschwere-anna-r-22-in-tessiner-hotel-erstickt-die-betuchte-britin-und-der-protz-deutsche-id15270072.html" target="_blank" rel="noopener">regelmässig ins Blatt</a> rückt.</p>
<p>Schwieriger wird es bei hintergründigen politischen Themen. Nehmen wir die Kantonswahlen 2019 von Anfang April. Wer verstehen will, warum Paolo Beltraminelli (CVP) als Staatsrat abgewählt wurde, muss verstehen, was es mit der «Affäre Argo1» auf sich hatte. Doch diese Affäre fand in den Deutschschweizer Medien gar nicht oder nur ganz marginal statt. Ein Blick in die Schweizerische Mediendatenbank SMD reicht, um zu sehen, dass es praktisch keine Einträge zu Argo1 auf Deutsch gibt. Und zugegeben: Diese Argo1-Geschichte war nicht ganz einfach zu erklären. Auslöser war eine unter diesem Namen agierende Sicherheitsfirma, welche Asylzentren bewachte. Sie war Anfang 2017 ins Visier der Bundesanwaltschaft geraten, weil ein Mitarbeiter aktiv für islamistische Kampfgruppen in Syrien warb. Die Untersuchungen zeigten, dass Argo1 die Millionen-Aufträge vom Sozialdepartement – entgegen den gesetzlichen Vorschriften – ohne Ausschreibung erhalten hatte. Direktor des Sozialdepartements war Paolo Beltraminelli, der die politische Verantwortung übernahm und nun von der Wählerschaft die Quittung erhielt.</p>
<p>Was auch auffällt: In den Redaktionen der deutschen Schweiz ist auch das Wissen um die geografischen Verhältnisse in der Südschweiz rückläufig. Als es im August 2017 im Bergell zu einem Bergsturz bei Bondo kam, erhielt ich Anfragen, ob ich nicht schnell «nach Italien» fahren könnte. Dass das Bergell Teil der Schweiz ist und Locarno rund drei Autofahrstunden von Bondo entfernt liegt, war einigen Kollegen nicht klar.</p>
<blockquote><p>Auch das politische Tessin hat mit seinem Gejammer, von Bundesbern nicht verstanden zu werden, in den letzten Jahren gehörig dazu beigetragen, eine Sättigung in den Redaktionen der Deutschschweiz zu erreichen.</p></blockquote>
<p>Nun wäre es aber falsch, die Schuld für das schwindende Interesse am Tessin allein nördlich des Gotthards zu suchen und allein den Entwicklungen bei den dortigen Medien anzulasten. Auch das politische Tessin hat mit seinem Gejammer, von Bundesbern nicht verstanden zu werden, in den letzten Jahren gehörig dazu beigetragen, eine Sättigung in den Redaktionen der Deutschschweiz zu erreichen. Das Phänomen der populistischen Lega und die Mühe mit den Grenzgängern ist inzwischen so häufig beschrieben worden, dass ein weiterer Bericht einfach nicht mehr attraktiv ist. Es fehlen News-Wert und neue Entwicklungen. Zudem fehlt es dem Kanton an Vorzeigeprojekten. Sie betreffen in erster Linie den Wissenschafts- und Hochschulbereich, den es auch in den anderen Landesteilen gibt.</p>
<p>Gleichwohl ist es kurios: Der neue Gotthard-Basistunnel hat die deutsche und italienische Schweiz näher zusammenrücken lassen. Doch beim Wissen um die anderen Landesteile rückt man voneinander ab. Die geistige Distanz wächst. Auch die Tessiner Tageszeitungen berichten selten über Vorgänge, die ausserhalb der Bundespolitik in der deutschen oder französischen Schweiz geschehen.</p>
<p>Die beschriebene Entwicklung gilt vor allem für Printmedien. In den elektronischen Medien ist die Situation dank der SRG noch anders. Die «Idée suisse» ist dort weiterhin stark verwurzelt. Im Tessin haben sowohl Radio SRF als auch Fernsehen SRF einen fixen Korrespondenten. Zudem berichtet eine Korrespondentin regelmässig für Radio RTS und gelegentlich für das Fernsehen RTS in der Westschweiz. SRF 4 News strahlt am Wochenende stets die Sendung «Die Woche in Tessin und Romandie» aus. Für die SRG ist die regelmässige Berichterstattung aus dem italienischsprachigen Landesteil, anders als bei privaten Medienhäusern, ein Teil der Konzession und somit des eigenen Auftrags.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2019/04/11/das-tessin-im-medialen-abseits/">Das Tessin im medialen Abseits</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Sonderfall Tessin</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2018/06/21/sonderfall-tessin/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Gerhard Lob]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 21 Jun 2018 10:18:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Tessin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Auch nach der Einstellung des Giornale del Popolo bleibt das Tessin das Medien-Mekka der Schweiz: Nirgendwo sonst herrscht eine vergleichbare Vielfalt auf so kleinem Raum. Neben der oft als übermächtig beschriebenen italienischsprachigen SRG halten sich insbesondere die gedruckten Medien erstaunlich gut. Ein Grund dafür ist die starke Tradition der politischen Presse im Tessin. Es war <a href="https://medienwoche.ch/2018/06/21/sonderfall-tessin/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/06/21/sonderfall-tessin/">Sonderfall Tessin</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Auch nach der Einstellung des Giornale del Popolo bleibt das Tessin das Medien-Mekka der Schweiz: Nirgendwo sonst herrscht eine vergleichbare Vielfalt auf so kleinem Raum. Neben der oft als übermächtig beschriebenen italienischsprachigen SRG halten sich insbesondere die gedruckten Medien erstaunlich gut. Ein Grund dafür ist die starke Tradition der politischen Presse im Tessin.</strong><br />
<img loading="lazy" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/06/1805medienlandschaft_tessin2.jpg" alt="" width="1680" height="1260" class="alignnone size-full wp-image-58556" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/06/1805medienlandschaft_tessin2.jpg 1680w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/06/1805medienlandschaft_tessin2-300x225.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/06/1805medienlandschaft_tessin2-768x576.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/06/1805medienlandschaft_tessin2-1024x768.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 1680px) 100vw, 1680px" /><br />
Es war ein Schock – für die Mitarbeitenden ebenso wie für die treue Leserschaft. Der Bischof von Lugano, Valerio Lazzeri, kündigte den 30 Mitarbeitenden des <a href="https://www.infosperber.ch/Artikel/Medien/Tessin-Zeitungen-Zeitungssterben-Giornale-del-Popolo" rel="noopener" target="_blank">Giornale del Popolo</a> Ende Mai das Aus der Tageszeitung höchstpersönlich an: «Noch eine Ausgabe – dann ist Schluss!» Die Schliessung des mehrheitlich vom Bistum gehaltenen Blatts sorgte im ganzen Kanton Tessin und auch darüber hinaus für Konsternation. Immerhin hat das Giornale del Popolo Zeitungsgeschichte geschrieben. 92 Jahre lang war es erschienen, teilweise als die Tageszeitung mit der höchsten Auflage im Tessin. Das ist aber lange her. Zuletzt liefen nur noch 10‘000 Exemplare vom Band.</p>
<p>Ein Zahlungsausstand in der Höhe von 400‘000 Franken durch die konkursite Publicitas gab dem seit Jahren defizitären Blatt den Gnadenstoss. Aber auch unabhängig davon wäre es nur eine Frage der Zeit gewesen, bis das Giornale die Pforten dicht gemacht hätte. Die Rede ist von mehr als einer Million Franken Defizit pro Jahr. Beobachter halten es für einen gravierenden Fehler, dass sich die Zeitung auf Ende 2017 aus der Kooperation mit dem Konkurrenten Corriere del Ticino gelöst hatte. Die grösste der drei Tessiner Tageszeitungen hielt dem katholischen Blatt seit 2004 die Stange. Der Corriere, mit einen Anteil von 49 Prozent, und die Kurie mit 51 Prozent teilten sich die Defizite des Giornale.</p>
<blockquote><p>Mit dem Verschwinden des Giornale del Popolo hat sich die Zahl der bezahlten Tageszeitungen im Tessin von drei auf zwei reduziert, was für eine Region mit 350‘000 Einwohnern immer noch aussergewöhnlich ist.</p></blockquote>
<p>Der Corriere del Ticino hatte zuletzt vorgeschlagen, die Redaktion des Giornale del Popolo auf neun Journalisten zur reduzieren, um mit Hintergrundartikeln eine katholische Sichtweise zu einem Corriere-Mantelblatt einzubringen. Doch die Redaktion sah darin einen Etikettenschwindel und wollte weiterhin eine eigenständige und vollständige Tageszeitung produzieren. Es folgte die Trennung mit den nun bekannten Folgen.</p>
<p>Mit dem Verschwinden des Giornale del Popolo hat sich die Zahl der bezahlten Tageszeitungen im Tessin von drei auf zwei reduziert, was für eine Region mit 350‘000 Einwohnern immer noch aussergewöhnlich ist. Als Branchenleader weist der Corriere del Ticino gemäss WEMF eine Auflage von knapp 30‘000 Exemplaren und 102‘000 Lesern auf – das ist mehr als «Le Temps» in der Westschweiz. Konkurrent «La Regione» kommt auf eine Auflage von 25‘000 und 92‘000 Leser. Die werktägliche Gratiszeitung «20 minuti», das italienischsprachige Pendant zu «20 Minuten», kommt ihrerseits auf eine Auflage von 32‘000. Sie existiert seit 2011 und gehört je hälftig der Tamedia sowie dem Verlag Salvioni aus Bellinzona, der auch «La Regione» herausgibt.</p>
<p>Der Printmedienbereich ist allerdings noch viel reichhaltiger. Die Detailhändler sind mit ihren Gratis-Wochenzeitungen «Cooperazione» (Coop) und «Azione» (Migros) präsent, die zirka 145‘000 beziehungsweise 117‘000 Leser erreichen. Die Monatsillustrierte «Illustrazione ticinese» (zirka 120‘000 Leser) landet ebenfalls gratis in den Briefkästen. Und auch die italienischsprachige Zeitschrift vom TCS geniesst mit zirka 85‘000 Lesern viel Aufmerksamkeit.</p>
<blockquote><p>Ein Sonderfall ist und bleibt der «Mattino della Domenica», das sonntägliche Gratis-Kampfblatt der Rechtspartei Lega dei Ticinesi.</p></blockquote>
<p>Bei den Sonntagszeitungen erreicht «Il caffè della domenica» aus dem Haus des Locarneser Verleger Rezzonico 80‘000 Leser. Allerdings musste das Sonntagsblatt, das gratis und ausschliesslich werbefinanziert ist, in den letzten Jahren den Gürtel wesentlich enger schnallen, eine Reihe von Redaktoren und Grafikern wurde entlassen – nur noch fünf Journalisten arbeiten fest in der Redaktion. Ringier hatte seine Beteiligung an «il caffè» aufgegeben, dafür war der Corriere del Ticino mit 45 Prozent eingestiegen. «Diese Zusammenarbeit mit dem Corriere hat uns für die Zukunft stark gemacht», sagt Verleger Giò Rezzonico, der gleichwohl die schwierige Marktlage betont. Doch der Corriere hat mit «Media TIMarketing» eine eigene Werbevermarktung aufgebaut und sich so frühzeitig von der Publicitas abgenabelt. Davon profitiert nun auch «il caffè».</p>
<p>Ein Sonderfall ist und bleibt der «Mattino della Domenica», das sonntägliche Gratis-Kampfblatt der Rechtspartei Lega dei Ticinesi, das immerhin 60‘000 Leser zählt und von der Lega-Gründer-Familie Bignasca unterstützt wird. Ein Sonderfall ist auch die kleine «Tessiner Zeitung» aus dem Hause Rezzonico, die als Bezahl-Wochenzeitung die deutschsprachige Community im Tessin versorgt und als Nischenprodukt erstaunlich gut überlebt (Auflage: 6550 Ex.).</p>
<p>Weitet man den Blick auf die elektronischen Medien aus, wird das Panorama noch reichhaltiger. Da ist die Radiotelevisione Svizzera RSI, eine SRG-Unternehmenseinheit, die mit einem Budget von 240 Millionen Franken über 1000 Personen beschäftigt. Das Fernsehen RSI betreibt zwei Kanäle (La1, La2), dazu kommen noch drei Hörfunksender (Rete 1,2,3). Natürlich schlafen auch die Privaten nicht. Teleticino als konzessioniertes Regionalfernsehen, das zur «Corriere del Ticino»-Gruppe gehört, erhält jährlich 3,5 Millionen Franken aus dem Gebührentopf für die Regionalfernsehen (bei einem Budget von 6 Mio.) – mehr als etwa Tele Basel. Der private Radiosender Radio Fiume Ticino (Sitz in Locarno) bekommt gut eine Millionen Franken von den Gebühren, wie auch der aufstrebende Radiosender Radio 3iii, der zur «Corriere del Ticino»-Gruppe gehört. Dazu kommen auch noch etliche Online-Newsportale wie etwa Ticinonline, Ticinonews, LiberaTV sowie die Webseiten von RSI und den Tageszeitungen.</p>
<blockquote><p>Die Parteiblätter haben in ihrer ursprünglichen Form nicht überlebt, aber die Mentalität einer politisch motivierten Zeitungsidentität ist geblieben.</p></blockquote>
<p>Zurück zu den gedruckten Medien. Diese befinden sich zwar wie überall in Schwierigkeiten, vor allem wegen des Einbruchs im Anzeigengeschäft, können aber – im Gegensatz zur Deutschschweiz – ihre Leserschaft weitgehend halten. Die Leserzahlen sind nur leicht rückläufig. Was sind die Gründe? Aldo Sofia, Direktor des Journalistenkurses der italienischen Schweiz, verweist darauf, dass es bis in die 1980er Jahre sogar noch sechs Tageszeitungen gab: «Und jede Familie hatte jene Zeitung abonniert, die ihrem politischen Credo entsprach.» So lag bei den Freisinnigen «Il Dovere» im Briefkasten, bei den Sozialisten «Libera Stampa» und bei den Christlichdemokraten «Popolo e libertà». Diese Zeitungen haben in ihrer ursprünglichen Form nicht überlebt, aber die Mentalität einer politisch motivierten Zeitungsidentität ist geblieben. So ist die linksliberale «La Regione» eher im nördlichen Kantonsteil des Sopraceneri und bei einer linken Wählerschaft verbreitet, der rechts-freisinnige Corriere del Ticino ist dagegen fest im Wirtschaftsraum Lugano verankert.</p>
<p>Während auch die Tageszeitung «La Regione» mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten kämpft, steht vor allem der «Corriere del Ticino» nach wie vor solide da. «Als Gruppe schreiben wir keine roten Zahlen», sagt Marcello Foa, CEO der Società Editrice Corriere del Ticino SA. Dies liegt auch daran, dass der Corriere del Ticino eine Stiftung im Rücken hat, deren Kasse prall gefüllt ist. Während andere Verleger die Gewinne einsackten und/oder Dividenden auszahlten, hat der Corriere Überschüsse in guten Zeiten in die 1941 gegründete Stiftung «Fondazione per il Corriere del Ticino» eingebracht. Heute dienen Mittel aus dieser Stiftung, um Defizite zu decken. «Die Einrichtung dieser Stiftung war eine sehr gute Idee», lobt Enrico Morresi (82), Doyen des Tessiner Journalismus und Autor der zweibändigen «Geschichte des Tessiner Journalismus». Wie viele Millionen in dieser Stiftung lagern, gehört indes zu den bestgehüteten Geheimnissen im Südkanton.</p>
<p>Ebenfalls ertragreich ist – zumindest bisher- das Druckzentrum Centro Stampa Ticino, das zur Gruppe des Corriere del Ticino gehört. Dort werden alle Tageszeitungen und Wochentitel gedruckt. «Gewinne aus dem Druckzentrum nutzen wir, um Verluste des Corriere auszugleichen», sagte VR-Präsident Fabio Soldati kürzlich in der RSI-Sendung «il quotidiano». Daraus liess sich schliessen, dass die gedruckte Tageszeitung «Corriere del Ticino» defizitär ist, was nicht wirklich erstaunt, wenn man bedenkt, dass noch fast 50 Journalisten für das Blatt tätig sind.</p>
<p>Bild/Montage: Reto Schlatter</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/06/21/sonderfall-tessin/">Sonderfall Tessin</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Darum sind die Tessiner die grössten SRG-Gegner</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2018/02/28/darum-sind-die-tessiner-die-groessten-srg-gegner/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 28 Feb 2018 08:37:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Tessin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Keine andere Region profitiert mehr von den Billag-Gebühren als die italienischsprachige Schweiz. Trotzdem sind es die Tessiner, die mit härtesten Bandagen für die Abschaffung der Gebühren kämpfen. Aber warum?</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Keine andere Region profitiert mehr von den Billag-Gebühren als die italienischsprachige Schweiz. Trotzdem sind es die Tessiner, die mit härtesten Bandagen für die Abschaffung der Gebühren kämpfen. Aber warum?</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/02/28/darum-sind-die-tessiner-die-groessten-srg-gegner/">Darum sind die Tessiner die grössten SRG-Gegner</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Tessiner Staatsanwalt knebelt Journalisten</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2017/01/11/tessiner-staatsanwalt-knebelt-journalisten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Gerhard Lob]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 11 Jan 2017 12:17:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[il caffè]]></category>
		<category><![CDATA[Rezzonico]]></category>
		<category><![CDATA[Ringier]]></category>
		<category><![CDATA[Sonntagszeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Tessin]]></category>
		<category><![CDATA[Justiz]]></category>
		<category><![CDATA[Edy Salmina]]></category>
		<category><![CDATA[Fulvio Pelli]]></category>
		<category><![CDATA[Genolier]]></category>
		<category><![CDATA[GSMN]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Vier Journalisten der Sonntagszeitung «il caffè» sollen im Tessin wegen einer Artikelserie zu einem Arztfehler in einer Privatklinik vor Gericht. Der Fall wirft hohe Wellen. Die Staatsanwaltschaft will Anklage wegen Diffamierung und unlauterem Wettbewerb erheben. Das Verfahren könnte zu einem landesweiten Präzedenzfall werden. Die Tessiner Sonntagszeitung «il caffè della domenica» ist ins Visier der Justiz geraten. <a href="https://medienwoche.ch/2017/01/11/tessiner-staatsanwalt-knebelt-journalisten/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Vier Journalisten der Sonntagszeitung «il caffè» sollen im Tessin wegen einer Artikelserie zu einem Arztfehler in einer Privatklinik vor Gericht. Der Fall wirft hohe Wellen. Die Staatsanwaltschaft will Anklage wegen Diffamierung und unlauterem Wettbewerb erheben. Das Verfahren könnte zu einem landesweiten Präzedenzfall werden.<br />
<span id="more-33097"></span><br />
Die Tessiner Sonntagszeitung «il caffè della domenica» ist ins Visier der Justiz geraten. Der Tessiner Staatsanwalt Antonio Perugini hat kurz vor Weihnachten vier Journalisten mitgeteilt, dass er Anklage wegen übler Nachrede, eventualiter Verleumdung und Beschimpfung, sowie unlauterem Wettbewerb erheben will. Vorausgegangen war eine Strafuntersuchung nach einer im vergangenen August eingereichten Strafanzeige einer privaten Klinikgruppe. Der Tessiner Ableger der Genolier Swiss Medical Network (GSMN) geht mit der Anzeige gegen Recherchen der Zeitung vor, die Missstände bei der Klinik enthüllten. Bis am 20. Januar können die Parteien Beweisanträge stellen.</p>
<p>Libero D‘Agostino. der stellvertretende Chefredaktor von «Il caffè» ist empört: «Man will uns den Prozess machen und ein Exempel gegen den Recherchejournalismus im Tessin statuieren, obwohl wir nichts als die Wahrheit geschrieben haben». Die Strafuntersuchung läuft namentlich gegen ihn, Chefredaktor Lillo Alaimo und zwei weitere Redaktoren. Am vergangenen Sonntag protestierte die Redaktion mit einem Aufsehen erregenden Titelblatt: Die Frontseite blieb weiss. Nur eine Aufschrift mit dem Wort «Libertà di stampa» (Pressefreiheit) war zu lesen, das von einem Radiergummi entfernt wird. Und in einer Kommentarspalte erfolgte die Erklärung von Chefredaktor und Verlagsdirektor, warum die Redaktion diesen Fall dermassen öffentlich macht: «Es ist ein weisser Protest für die Pressefreiheit.»</p>
<p>Hintergrund für die ganze Affäre ist ein gravierender Arztfehler in der zur GSMN-Gruppe gehörenden Klinik Sant‘Anna von Sorengo bei Lugano, der landesweit für Schlagzeilen sorgte. Im Juli 2014 waren einer 67-jährigen Patientin in einer Operation &#8211; einer bilateralen Mastektomie &#8211; beide Brüste vollständig entfernt worden, obwohl nur ein kleiner Tumor unter einer Brustwarze hätte beseitigt werden sollen. Der Patientin wurde zuerst erzählt, dieser Eingriff sei nötig geworden, weil der Tumor grösser gewesen sei als erwartet, erst später erfuhr sie die Wahrheit, nachdem sie sich an die Aufsichtskommission gewandt hatte. Die Klinik räumte ein, im OP seien Patientinnen verwechselt worden. Der fehlbare Gynäkologe wurde von seinen Aufgaben entbunden.</p>
<p>Auf der Grundlage von Protokollen und Berichten kam die Sonntagszeitung «il caffè», die dem Locarneser Verleger Rezzonico und Ringier gehört, ab Mai 2016 mit einer Artikelserie auf diesen Fall zurück. Dabei ging es insbesondere auch um die Frage, ob bei diesem gravierenden Fehler nicht nur der behandelnde Arzt eine Verantwortung trug, sondern auch strukturelle Probleme in den Arbeitsabläufen eine Rolle gespielt haben könnten. Es bestehe ein öffentliches Interesse zu wissen, was genau falsch gelaufen sei, begründete die Zeitung ihre Artikelserie.</p>
<p>Die Klinikgruppe verlangte notabene nie eine Gegendarstellung. Das sollte aber kein gutes Zeichen sein, dass das kritisierte Unternehmen die Rechercheergebnisse anerkennt. «Alles hat Grenzen: Wir sind nicht mehr bereit, diese diffamierende Pressekampagne hinzunehmen», erklärte Fulvio Pelli in einer Medienkonferenz im September 2016. Der ehemalige FDP-Präsident amtet bei der Klinik als Verwaltungsratspräsident. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Klinik bereits Strafanzeige wegen Diffamierung und unlauterem Wettbewerb erstattet. Dabei ging es der Klinik auch um ihren guten Ruf. Immerhin ist das Privatspital eine erste Adresse für Prominente aus aller Welt. Showstar Michele Hunziker gebar hier Tochter Aurora; Barbara Berlusconi, Tochter des Politikers und Medientycoons Silvio Berlusconi, logierte in der VIP-Suite logiert und brachte drei Kinder zur Welt.</p>
<p>Wie Luca Allidi, Anwalt der Caffè-Journalisten, erklärt, werde nun durch eine vorsorgliche Verfügung versucht, der Sonntagszeitung jegliche Veröffentlichungen zur Klinik S.Anna zu untersagen. Er kritisiert aber vor allem die Strafuntersuchung, welche das Ziel verfolge, die vier Journalisten einzuschüchtern, nicht weil sie etwas Falsches, sondern weil sie zu häufig über den fraglichen Fall geschrieben hätten. «Ich habe nie von einem vergleichbaren Kasus in der Schweiz gehört», sagt Allidi, der zugleich auf die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte verweist. Der EGMR hat Druckversuche auf Journalisten durch Strafuntersuchungen wiederholt kritisiert.</p>
<p>Nicht äussern zum jetzigen Zeitpunkt will sich die Klinik. «Wir haben Vertrauen in die Tessiner Rechtsprechung und werden uns im gegebenen rechtlichen Rahmen äussern», teilte Klinik-Anwalt Edy Salmina auf Anfrage mit. Es sei nicht opportun, diese Angelegenheit von der rechtlichen auf eine öffentlichen Ebene zu bringen.</p>
<p>Damit reagierte die Klinik indirekt auch auf einen «Appell zur Verteidigung der Pressefreiheit», der diese Woche von Matteo Pronzini, Grossrat der linken Bewegung für Sozialismus (MpS), und Mitunterzeichnenden lanciert wurde. Das Vorgehen der Justiz in diesem Fall sei besorgniserregend und wohl einmalig, heisst es in dem Appell, der bereits von 300 Personen unterschrieben wurde. Zu den Erstunterzeichnern gehören die Universitätsprofessoren Renato Martinoni und Sergio Rossi.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/01/11/tessiner-staatsanwalt-knebelt-journalisten/">Tessiner Staatsanwalt knebelt Journalisten</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<item>
		<title>Umstrittene Entlassungen und kontroverse Personalie</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/02/02/umstrittene-entlassungen-und-kontroverse-personalie/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2016/02/02/umstrittene-entlassungen-und-kontroverse-personalie/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Gerhard Lob]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Feb 2016 16:07:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Syndicom]]></category>
		<category><![CDATA[Sergio Savoia]]></category>
		<category><![CDATA[RSI]]></category>
		<category><![CDATA[Tessin]]></category>
		<category><![CDATA[SSM]]></category>
		<category><![CDATA[Corsi]]></category>
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		<category><![CDATA[Gewerkschaften]]></category>
		<category><![CDATA[SRG]]></category>
		<category><![CDATA[impressum]]></category>
		<category><![CDATA[Roger De Weck]]></category>
		<category><![CDATA[Maurizio Canetta]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als Folge des SRG-Sparprogramms hat das Radio und Fernsehen der italienischen Schweiz RSI erste Mitarbeitende entlassen. Diese seien «wie Delinquenten» behandelt worden, kritisieren Gewerkschaften. Gleichzeitig stösst eine Neuanstellung auf Kritik. War die Stimmung bei Radiotelevisione svizzera, der SRG in der Südschweiz, bereits seit Jahren schlecht, so befindet sie sich nun definitiv im Keller. Die Tessiner Tageszeitung <a href="https://medienwoche.ch/2016/02/02/umstrittene-entlassungen-und-kontroverse-personalie/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Als Folge des SRG-Sparprogramms hat das Radio und Fernsehen der italienischen Schweiz RSI erste Mitarbeitende entlassen. Diese seien «wie Delinquenten» behandelt worden, kritisieren Gewerkschaften. Gleichzeitig stösst eine Neuanstellung auf Kritik.<br />
<span id="more-26692"></span><br />
War die Stimmung bei Radiotelevisione svizzera, der SRG in der Südschweiz, bereits seit Jahren schlecht, so befindet sie sich nun definitiv im Keller. Die Tessiner Tageszeitung «La Regione» spricht sogar von der schwersten Krise seit Gründung des Unternehmens. «Es gibt die Zeit vor und die Zeit nach Januar 2016», kommentiert Chefredaktor Matteo Caratti.</p>
<p>Die SRG muss 40 Millionen Franken pro Jahr einsparen, da wegen des Mehrwertsteuerentscheids und dem neuen Radio- und Fernsehgesetz – mit einem höheren Gebührenanteil für Privatanbieter – <a href="http://www.srgssr.ch/de/medien/archiv/single/date/2015/srg-ssr-baut-voraussichtlich-rund-250-stellen-ab/" target="_blank">Einnahmen wegfallen</a>. Die Folge ist ein Abbau von rund 250 Stellen,  davon 49 bei RSI. Bisher sind offenbar 18 Entlassungen ausgesprochen worden; RSI will die genaue Zahl aber nicht kommunizieren. Wichtig ist aber auch, die Proportionen zu sehen: RSI zählt gemäss eigenen Angaben 1100 Vollzeitstellen, verteilt auf 1236 Angestellte (2014/2015). Sie ist damit nach der Kantonsverwaltung die grösste Arbeitgeberin im Tessin. 2016 muss die RSI 6 Millionen Franken sparen, wie sie auf Anfrage mitteilt. Und dies bei einem Budget von 247 Millionen.</p>
<p>Anlass für die neuerliche Klimaverschlechterung war nicht das Sparprogramm an sich. Dass es zu Entlassungen kommen würde, war bereits seit einiger Zeit bekannt; zusammen mit der Hausgewerkschaft SSM hatte das Personal einen Sozialplan ausgehandelt. Für Empörung sorgt die Umsetzung. Einige Mitarbeiter, darunter auch langjährige, wurden während der Arbeitszeit ohne Vorwarnung zu ihren Vorgesetzten einbestellt, wo ihnen die Entlassung mitgeteilt wurde. In Anwesenheit von externen Beratern der Personalabteilung mussten sie danach umgehend ihren Schreibtisch räumen; E-Mail-Konten und Parkkarten wurden mit sofortiger Wirkung gesperrt.</p>
<p>Eine Mitarbeiterin, die ihren Dienst beenden wollte, wurde aufgefordert, das Sendehaus sofort zu verlassen. Andererseits müsse sie «begleitet» werden. Aus Angst vor unberechenbaren Reaktionen der Entlassenen hatte man private Security-Leute einbestellt, welche diese Arbeit im Notfall verrichtet hätten. «Das war schlimmer als bei den Lehman Brothers», kommentiert ein RSI-Mitarbeiter, «dort hatten sie wenigstens Schachteln, um ihren Kram mitzunehmen.»</p>
<p>Viele Kollegen reagierten konsterniert, einige Betroffene machten ihrem Wut über Social Media Luft, lokale Medien griffen das Thema auf. «Teils langjährige Mitarbeiter wurden wie Delinquenten behandelt», hiess es dann in einer Medienmitteilung von SSM und Impressum. Die Gewerkschaft Syndicom sprach von einer Verletzung der Würde der Arbeitnehmer und forderte eine Rücknahme der Kündigungen, um alternative Modelle zu diskutieren, um die Sparvorgaben zu erfüllen.</p>
<p>Die Vorgehensweise bei den Entlassungen sorgte nicht nur für externe Reaktionen, sondern auch für interne Spannungen. «Viele sind empört, aber bleiben still, weil sie sonst ihre Entlassung fürchten», schrieb Meteo-Frau Sabrina Balestrieri auf Facebook. Das lässt erahnen, wie es um das interne Betriebsklima bestellt ist.</p>
<p>Angesichts dieser Entwicklungen sah sich die RSI-Leitung gezwungen zu reagieren. RSI-Direktor Maurizio Canetta schaltete ein fünfminütiges Video auf der RSI-Homepage auf, in dem er die schärfste Kritik zurückwies und von Falschdarstellungen sprach. Einen Tag später räumte er am Radio aber ein, Fehler begangen zu haben, auch in der Kommunikation. Das Schuldeingeständnis wurde auch an diesem Montag wiederholt, als Generaldirektor Roger De Weck im Radiostudio von Lugano-Besso in einer Personalversammlung auf die Angestellten traf. Zugleich wurden gewerkschaftliche Forderungen nach einer Rücknahme der Entlassungen entschieden zurückgewiesen.</p>
<p>De Weck stärkte zugleich vor versammelter Belegschaft Direktor Maurizio Canetta den Rücken. Dieser Schritt war nötig geworden, nachdem am Sonntag die Lega dei Ticinesi den Rücktritt des RSI-Regionaldirektors lautstark gefordert hatte. Für eine Partei wie die Lega waren die Vorgänge bei der RSI natürlich ein gefundenes Fressen, um den unliebsamen öffentlich-rechtlichen Sender anzugreifen, sowie den Regionaldirektor, einen Sozialdemokraten, der selbst schon Präsident des Journalistenverbandes Impressum war.</p>
<p>Maurizio Canetta war just vor zwei Wochen bereits ins Kreuzfeuer der Kritik geraten, weil die RSI den Ex-Koordinator der Tessiner Grünen, Sergio Savoia, angestellt beziehungsweise wieder angestellt hat. Der umstrittene Politiker, der nun alle politischen Ämter aufgibt, war vor 14 Jahren, damals als Radiomoderator, <a href="http://www.klartext.ch/?p=8600" target="_blank">missbräuchlich von der RSI gekündigt worden</a> und hatte den Sender immer wieder kritisiert. Nun wird er als Koordinator tätig sein für die TV-, Radio- und Internet-Angebote.</p>
<p>Die RSI scheint momentan jedenfalls nicht aus den negativen Schlagzeilen heraus zu kommen. Luigi Pedrazzini als Präsident der SRG-Regionalgenossenschaft Corsi ist darum sehr besorgt um das Image der RSI, wie er in einem offenen Brief erklärte. Er warb für Verständnis für unpopuläre Massnahmen, weil die goldenen Zeiten für die Öffentlich-Rechtlichen nun einmal vorbei seien. Auch ein Sender wie RSI müsse tagtäglich um das Publikum kämpfen.</p>
<p>Wie ein Damoklesschwert hängt dabei die No-Billag-Initiative zur Abschaffung der Gebühren über den Diskussionen. «Die Kader von RSI und SRG haben noch nicht begriffen, was auf dem Spiel steht», moniert Graziano Pestoni als Präsident des «Vereins für die Verteidigung des Service Public.» Tatsächlich dürfte eine Annahme dieser Initiative das Ende der RSI in seiner jetzigen Form bedeuten. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass die RSI im Verhältnis zu den anderen Unternehmenseinheiten der SRG relativ kostengünstig ein Vollprogramm für Radio, Fernsehen und Internet auf die Beine stellt.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/02/02/umstrittene-entlassungen-und-kontroverse-personalie/">Umstrittene Entlassungen und kontroverse Personalie</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>«RSI in Italia» ab 2014</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 03 Apr 2013 08:57:43 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Das Fernsehen der italienischsprachigen Schweiz RSI will ab nächstem Jahr gezielt das Publikum in Italien bedienen. Dafür baut der Sender eine Web-TV-Plattform auf. An den Kosten von 1,4 Mio. Franken pro Jahr beteiligt sich neben der SRG auch der Bund. Das grüne Licht des Bundesrats wird noch vor dem Sommer erwartet. Bis 2006 erreichte das <a href="https://medienwoche.ch/2013/04/03/rsi-in-italia-ab-2014/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/04/03/rsi-in-italia-ab-2014/">«RSI in Italia» ab 2014</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Fernsehen der italienischsprachigen Schweiz RSI will ab nächstem Jahr gezielt das Publikum in Italien bedienen. Dafür baut der Sender eine Web-TV-Plattform auf. An den Kosten von 1,4 Mio. Franken pro Jahr beteiligt sich neben der SRG auch der Bund. Das grüne Licht des Bundesrats wird noch vor dem Sommer erwartet.<br />
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Bis 2006 erreichte das Tessiner Fernsehen täglich nahezu eine halbe Million Zuschauerinnen und Zuschauer in Norditalien. Über ihre Hausantennen konnten sie das Programm aus der Schweiz empfangen. Mit der Digitalisierung der terrestrischen Übertragung war Schluss damit. Erkundigen sich Italiener heute nach Empfangsmöglichkeiten, finden sie auf der Webseite von RSI eine Mitteilung, wonach es «in keiner Weise möglich» sei, die Sendungen ausserhalb der Landesgrenzen zu verbreiten. Das gilt auch für den Web-Stream, sowie Online-Plattformen wie Wilmaa und Zattoo. Die <a href="http://archiviostorico.corriere.it/2006/gennaio/25/svizzera_cerca_partner_Altrimenti_addio_co_7_060125018.shtml" target="_blank">Suche nach Partnern</a> im italienischen TV-Markt für die Verbreitung des Schweizer Programms verlief ergebnislos. So besteht heute lediglich in grenznahen Landstrichen vereinzelt die Möglichkeit, über DVB-Digitalfernsehen Sendungen aus dem Tessin zu sehen.</p>
<p>Ab 2014 soll sich das ändern und die Italiener wieder in den Genuss von Schweizer TV-Sendungen kommen. Die SRG plant den Aufbau einer Web-TV-Plattform, auf der ausgewählte Sendungen der beiden italienischsprachigen Programme gezeigt werden. Der politische Hintergrund ist die intendierte Symmetrie zum Engagement von Bund und SRG bei <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/TV5_Monde" target="_blank">TV5 Monde</a> und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/3sat" target="_blank">3Sat</a>. Nach der Frankophonie und dem deutschsprachigen Ausland soll auch die Italianità mit Fernsehen aus der Schweiz bedient werden.</p>
<p>«Den Akzent werden wir auf Nachrichten, Kultur, sowie Archivbeiträge legen», teilt RSI-Nachrichtenchef <a href="http://www.rsi.ch/home/channels/comunicazione/comunicazione_on_line/2012/06/27--Info-RSI-nominato-Maurizio-Cane" target="_blank">Maurizio Canetta</a> auf Anfrage mit. Informationen aus und über die Schweiz sollen die zentrale Achse des neuen redaktionellen Angebots bilden, schreibt Canetta weiter. Eigens für die neue Plattform produzierte Beiträge sind jedoch keine vorgesehen. Ergänzt wird das Videoangebot mit Textnachrichten vom <a href="http://www.swissinfo.ch/ita/index.html" target="_blank">italienischsprachigen Dienst von Swissinfo</a>. Die Auslandplattform der SRG soll auch den technischen Betrieb des neuen Angebots, sowie administrative Aufgaben übernehmen. Für den Aufbau von «RSI in Italia» rechnet man bei der SRG mit rund einer Million Franken. Der Betrieb mit und 5.6 Vollstellen soll pro Jahr 1,4 Mio. Fr. kosten. SRG und Bund würden sich diesen Betrag teilen, wie sie auch die Schweizer Beteiligungen an TV5 Monde und 3Sat und den Betrieb von Swissinfo gemeinsam finanzieren. «Unser Kostenanteil von 700&#8217;000 Franken würde ins reguläre Jahresbudget aufgenommen», schreibt SRG-Sprecher Daniel Steiner.</p>
<p>Den Grundstein zum Aufbau eines italienischsprachigen Auslandangebots hat der Bundesrat bereits vor einem Jahr gelegt. In seiner Antwort auf eine <a href="http://www.parlament.ch/D/Suche/Seiten/geschaefte.aspx?gesch_id=20123198" target="_blank">Interpellation von FDP-Nationalrat Fulvio Pelli</a> hat die Landesregierung signalisiert, dass er realistische und erfolgversprechende Vorschläge wohlwollend zu prüfen gedenke. Infrage komme aber nur ein Online-Angebot. Der Aufbau eines klassischen Fernsehprogramms sei aus «wirtschaftlichen und finanzpolitischen Überlegungen» unrealistisch. Das nun vorliegende Projekt der SRG hat gute Chancen, den bundesrätlichen Segen zu erhalten. Mit einem Entscheid und der erforderlichen Anpassung der <a href="http://www.uvek.admin.ch/dokumentation/00474/00492/?lang=de&amp;msg-id=44581" target="_blank">Leistungsvereinbarung</a> zwischen Bund und SRG wird noch vor den Sommerferien gerechnet.</p>
<p>Auch wenn es sich um einen vergleichsweise kleinen Betrag handelt, stellt sich die Frage, ob es sich die SRG angesichts der angespannten Finanzlage überhaupt leisten kann, ihr Programmangebot auszubauen. Der bescheidene Spareffekt, den die SRG mit der Veräusserung von <a href="https://medienwoche.ch/2012/04/05/srg-trennt-sich-von-adoptivkind/" target="_self">World Radio Switzerland</a> erzielen kann, wird mit dem Aufbau der neuen Plattform wieder verwässert. Da keine Dringlichkeit für «RSI in Italia» besteht, hätte das Projekt vorerst auf der Wunschliste stehen bleiben können. Dagegen spricht allerdings die breite politische Abstützung der Interpellation Pelli, die dem Ausbau zugrunde liegt: Selbst der SRG gegenüber kritisch eingestellte Politiker, wie etwa Filippo Leutenegger, haben den Vorstoss unterstützt.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/04/03/rsi-in-italia-ab-2014/">«RSI in Italia» ab 2014</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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