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	<title>Weltwoche | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
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		<title>Weltwoche im Bullshit-Modus: Konstruktion und Karriere einer «Impf-Lüge»</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Marko Ković]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 Oct 2022 19:50:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Weltwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Verschwörungstheorien]]></category>
		<category><![CDATA[covid-19]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Hauptsache, die Botschaft schlägt ein. Nach diesem Motto fährt die Weltwoche derzeit eine Kampagne zu einem erfundenen Skandal um die Wirksamkeit von Covid-Impfstoffen. Ein Musterbeispiel für Bullshit-Kommunikation. Rob Roos, ein niederländischer Politiker der konservativ-liberalen Partei JA21 und Mitglied der Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformer des Europäischen Parlaments, veröffentlichte am 11. Oktober 2022 einen alarmierend <a href="https://medienwoche.ch/2022/10/27/weltwoche-im-bullshit-modus-konstruktion-und-karriere-einer-impf-luege/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Hauptsache, die Botschaft schlägt ein. Nach diesem Motto fährt die Weltwoche derzeit eine Kampagne zu einem erfundenen Skandal um die Wirksamkeit von Covid-Impfstoffen. Ein Musterbeispiel für Bullshit-Kommunikation.</strong><br />
<a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/10/MW-Weltwoche-Bullshit-20221027a.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/10/MW-Weltwoche-Bullshit-20221027a.jpg" alt="" width="1456" height="976" class="aligncenter size-full wp-image-100357" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/10/MW-Weltwoche-Bullshit-20221027a.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/10/MW-Weltwoche-Bullshit-20221027a-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/10/MW-Weltwoche-Bullshit-20221027a-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/10/MW-Weltwoche-Bullshit-20221027a-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/10/MW-Weltwoche-Bullshit-20221027a-470x315.jpg 470w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /></a><br />
Rob Roos, ein niederländischer Politiker der konservativ-liberalen Partei JA21 und Mitglied der Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformer des Europäischen Parlaments, veröffentlichte am 11. Oktober 2022 einen <a href="https://twitter.com/rob_roos/status/1579759795225198593" rel="noopener" target="_blank">alarmierend klingenden Tweet</a>: Eine Vertreterin des Pharmakonzerns Pfizer habe im EU-Parlament auf seine Anfrage hin zugegeben, dass Pfizer ihren Covid-Impfstoff nicht darauf geprüft habe, ob er auch die Übertragung des Virus von Person zu Person unterbinde. «Die Welt muss das erfahren», mahnt Roos in seinem Tweet.</p>
<p>Die Welt hat es erfahren. Der Tweet ging in Windeseile viral und sorgte weltweit für Aufsehen. Roos konnte seiner Empörung als Gast in diversen Fernsehsendungen kundtun; beim konservativen australischen Politkommentator Rowan Dean auf «Sky News», beim Rechtsaussen-Politkommentator <a href="https://twitter.com/Rob_Roos/status/1584508747761668096" rel="noopener" target="_blank">Tucker Carlson auf «Fox News»</a>, oder auch auf dem britischen <a href="https://twitter.com/GBNEWS/status/1579918496095428622" rel="noopener" target="_blank">«Fox News»-Klon «GB News»</a>. Und der vermeintliche Skandal wurde von zahlreichen Menschen und Medien, die die Covid-Massnahmen kritisieren, mit grosser Bestürzung aufgegriffen.<br />
</p>
<p>Zum Beispiel von der Schweizer «Weltwoche». Die Zeitschrift veröffentlichte zwischen dem 12. und dem 27. Oktober 34 Beiträge, in denen sie grosse Empörung über den vermeintlichen Skandal äussert. In der aktuellen Ausgabe steht das Thema als Titelgeschichte. Philipp Gut schreibt unter anderem: «Hersteller und Behörden räumen ein, dass der Covid-Impfstoff nicht vor Ansteckung und Übertragung schützt.» Nichts von dem ist wahr. Trotzdem schreibt die Weltwoche immer wieder von einer «Impf-Lüge»: «Eine Pfizer-Vertreterin räumt ein, dass die Impfung die Verbreitung des Virus nicht behindert. Sie haben uns also angelogen», schreibt <a href="https://weltwoche.ch/daily/junge-gesunde-gegen-covid-zu-impfen-ist-ein-sinnloses-risiko-trotzdem-wird-wahllos-weiter-geboostert-der-vermeintlich-gute-zweck-macht-die-luege-salonfaehig/" rel="noopener" target="_blank">Alex Baur am 17. Oktober</a>. Am 24. Oktober doppelt er nach: «Die Impf-Lüge bescherte Pfizer und Co. zweistellige Milliarden-Gewinne. Doch verantwortlich für diesen Skandal sind Medien und Politik.» Am 22. Oktober fragt Roger Köppel in seinem Videoformat «Die Impf-Lüge: Was wusste Alain Berset?» und konstatiert am 24. Oktober «Das grosse Schweigen: Das Impfstoff-Lügen-Theater der Medien, Behörden und Politiker gleicht einem Stummfilm». Milosz Matuschek fragt am 24. Oktober leicht süffisant: «Die grosse Impf-Lüge: Eine vermeintliche Corona-‹Gewissheit› zerspringt gerade in tausend Teile. Wo sind jetzt die Impfluenzer der letzten Jahre?»</p>
<blockquote><p>Die Fakten sprechen eine deutlich andere Sprache: Einen Skandal gibt es nicht; der Shitstorm ist herbeifabuliert.</p></blockquote>
<p>Die grosse Empörung über die vom niederländischen Politiker Rob Roos ins Rollen gebrachte Impfstoff-Geschichte mag auf den ersten Blick gerechtfertigt wirken. Schliesslich scheint sie die Elemente eines grossen Skandals zu beinhalten: Pharmakonzerne belügen die Öffentlichkeit und machen dadurch Mega-Gewinne. Politik und Medien, so der Eindruck, nehmen das stillschweigend zur Kenntnis oder sind sogar Teil des Betrugs: Bis zum 25. Oktober sprangen im deutschsprachigen Raum neben der «Weltwoche» nur die «Welt am Sonntag», sowie die beiden Alternativmedien <a href="https://www.tichyseinblick.de/daili-es-sentials/biontech-pfizer-gate-pruefung-vorwuerfe-aufarbeitung/" rel="noopener" target="_blank">«Tichys Einblick»</a> und «Epochtimes» auf den Skandal-Zug auf. Doch die Fakten sprechen eine deutlich andere Sprache: Einen Skandal gibt es nicht; der Shitstorm ist herbeifabuliert.</p>
<p>Es ist wahr, dass in den ursprünglichen klinischen Studien zu den Covid-Impfstoffen nicht getestet wurde, was der Effekt der Impfstoffe auf die Übertragung des Virus ist. Aber das war sowohl in den Studien selber als auch im Rahmen der Zulassungsverfahren für die Impfstoffe <a href="https://dpa-factchecking.com/germany/221019-99-185047/" rel="noopener" target="_blank">immer</a> explizit <a href="https://apnews.com/article/fact-check-pfizer-transmission-european-parliament-950413863226" rel="noopener" target="_blank">deklariert</a>. Der vermeintliche Skandal, den Rob Roos aufzudecken glaubte, ist Information, die seit Jahren, also bereits vor der Zulassung der Impfstoffe, öffentlich ist und auch seitens der jeweiligen Zulassungsbehörden in unterschiedlichen Ländern so kommuniziert wurde. Dieses Vorgehen ist üblich für Zulassungsverfahren bei Impfungen. Studien, die nebst der direkten Wirksamkeit gleichzeitig auch den indirekten Effekt auf Übertragung mitmessen, haben <a href="https://journals.sagepub.com/doi/abs/10.1191/0962280204sm356ra" rel="noopener" target="_blank">einen komplexeren Aufbau</a> und sind dadurch aufwändiger. Darum werden Effekte auf Übertragung meistens in zeitlich nachgelagerten Studien untersucht. Zulassungsverfahren für Impfungen fokussieren nicht erst seit der Pandemie auf den Nachweis direkter Wirksamkeit. Die Covid-Impfstoffe sind keine Ausnahme, sondern die Regel.</p>
<blockquote><p>Einen grossen Skandal der «Impf-Lüge» zur Übertragbarkeit von Sars-Cov-2 gibt es nicht.</p></blockquote>
<p>Doch wie steht es denn um den Effekt der Covid-Impfstoffe als Schutz vor einer Übertragung von Sars-Cov-2? Der Effekt der Impfstoffe auf die Übertragung des Virus wurde in zusätzlichen wissenschaftlichen Studien, die <a href="https://www.bmj.com/content/376/bmj.o298" rel="noopener" target="_blank">im Dezember 2020 begannen</a>, untersucht. <a href="https://academic.oup.com/ofid/article/9/5/ofac124/6546320" rel="noopener" target="_blank">Das Ergebnis</a>: Die Covid-Impfstoffe haben einen positiven Effekt auf Übertragung des Virus. Einerseits, weil sie vor Infektionen schützen und dadurch die Ausbreitung des Virus hemmen. Andererseits, weil Menschen, die sich trotz Impfung infizieren, das Virus <a href="https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0033350622000063" rel="noopener" target="_blank">weniger stark</a> <a href="https://www.nature.com/articles/s41467-022-31494-y" rel="noopener" target="_blank">übertragen</a> 12. Der positive Effekt der Covid-Impfstoffe auf die Übertragung des Virus ist aber weniger gross als ursprünglich erhofft; vor allem, weil die Impfstoffe bei den neueren Virusvarianten weniger wirksam sind.</p>
<p>Ist es möglich, dass Politik und Verwaltung zu Beginn der Impfkampagne in puncto Herdenimmunität übertrieben optimistisch kommuniziert haben? Durchaus, und eine kritische Diskussion darüber ist legitim und wichtig. Aber einen grossen Skandal der «Impf-Lüge» zur Übertragbarkeit von Sars-Cov-2 gibt es nicht. Zwischen Shitstorm und den tatsächlichen Umständen klafft ein Graben, der sogar für die heutige postfaktische, von Falschinformation geprägte Zeit erstaunlich gross ist. Wie kann die «Weltwoche» mehr als zwei Dutzend Beiträge veröffentlichen, von denen kein einziger auf die tatsächliche Faktenlage eingeht?</p>
<p>Das Problem ist nicht die Verfügbarkeit der relevanten Informationen; diese waren stets nur eine kurze Google-Suche entfernt. Das Problem ist eher eine akute Selbstreferenzialität in sprichwörtlichen ideologischen Echokammern. In der Berichterstattung der «Weltwoche» wurde zunächst die eigentliche Falschinformation über die angebliche «Impf-Lüge» rund um die Übertragbarkeit trotz Impfung verbreitet. Jeder weitere Bericht baute auf dieser ersten Falschinformation um eine angebliche «Impf-Lüge» auf. Und erweiterte sie um ideologisch verschärfte und eskalierende Vorwürfe. Zum Beispiel <a href="https://weltwoche.ch/daily/die-impf-luege-bescherte-pfizer-co-zweistellige-milliarden-gewinne-doch-verantwortlich-fuer-diesen-skandal-sind-medien-und-politik/" rel="noopener" target="_blank">schreibt Alex Baur</a> in einem weiteren Artikel: «Weltweit wurde der faktische Impfzwang mit einer angeblich wissenschaftlichen Evidenz begründet, die es in Wahrheit nie gab.» Im Text spielt die Frage der Übertragbarkeit, also der Auslöser des ursprünglichen Pseudo-Skandals, keine Rolle mehr. Stattdessen verbreitet Baur ohne Verweis auf Quellen oder Belege die grobe Falschinformation, es gebe für die allgemeine Wirksamkeit der Covid-Impfstoffe überhaupt keine wissenschaftliche Evidenz. Das ist eine geradezu absurde Behauptung: Nebst klinischen Studien gibt es mittlerweile auch <a href="https://bmcmedicine.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12916-022-02397-y" rel="noopener" target="_blank">umfassende Praxis-Studien</a>, die die Wirksamkeit der Covid-Impfstoffe demonstrieren.</p>
<blockquote><p>Solange die Wutspirale weiter dreht und die gewünschte Weltsicht damit weiter zementiert wird, ist jedes Mittel recht.</p></blockquote>
<p>Kann ein erfahrener Journalist wie Alex Baur wirklich glauben, was er da schreibt? Das spielt im Grunde keine Rolle mehr. Hauptsache, die Botschaft schlägt beim Publikum ein. Der Philosoph Harry G. Frankfurt beschrieb solches Vorgehen in seinem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/On_Bullshit" rel="noopener" target="_blank">Klassiker «On Bullshit»</a> als Kommunikation, mit der die Sprechenden in erster Linie Menschen überzeugen wollen. Ob das, was sie behaupten, wahr ist, ist dem Absender einerlei. Solange die Wutspirale weiter dreht und die gewünschte Weltsicht damit weiter zementiert wird, ist jedes Mittel recht.</p>
<p>Demokratie lebt von Konflikten und Meinungsvielfalt. Wenn aber grundlegende, elementare Tatsachen kategorisch ignoriert werden, wenn ein Minimalkonsens über die Konturen von Fakten nicht mehr möglich ist, weicht kritische Debatte blosser sich selbst verstärkender Polemik. Je stärker die ideologische Bullshit-Schraube der Empörung dreht, desto weniger Raum bleibt für die Realität.</p>
<p>In einem Punkt hat die «Weltwoche» recht: Es ist tatsächlich ein Problem, dass ausser der «Weltwoche» praktisch kein anderes Medium den Impf-Shitstorm thematisiert. Zum einen, weil die Thematik von grosser gesellschaftlicher Bedeutung ist und damit auf die journalistische Agenda gehört. Zum anderen, weil eine mediale Diskursverweigerung durch andere Medien der «Weltwoche» eine Deutungshoheit verleiht, an der nachträglich nur schwer zu rütteln ist. Bisher haben nur die <a href="https://www.nzz.ch/wissenschaft/faktencheck-warum-die-pfizer-impfluege-keine-ist-ld.1709326" rel="noopener" target="_blank">NZZ</a>, <a href="https://www.tagesschau.de/faktenfinder/coronavirus-ansteckung-101.html" rel="noopener" target="_blank">«ARD Faktenfinder»</a>, <a href="https://dpa-factchecking.com/germany/221019-99-185047/" rel="noopener" target="_blank">«dpa factchecking»</a> und das Blog <a href="https://www.volksverpetzer.de/corona-faktencheck/pfizer-hat-nicht-ueber-wirksamkeit-gelogen/" rel="noopener" target="_blank">«Volksverpetzer»</a> die «Impf-Lüge» als Bullshit entlarvt. Wenn an der Debatte keine zusätzlichen Stimmen beteiligt sind, die die Sachverhalte kritisch analysieren und Falschinformationen als solche entlarven, kommt das einer Kapitulation gleich – und der Bullshit gewinnt automatisch.</p>
<p>&nbsp;</p>
<div style="margin: 4%;border: 1px;border-style: solid;border-color: #cccccc;padding: 4%;font-size: 16px">
<h3>Verzerren, weglassen, erfinden</h3>
<p>Im Aufmacher «Die grosse Impf-Lüge» in der Weltwoche vom 27. Oktober verbreitet Philipp Gut die Falschinformation, Hersteller und Behörden würden einräumen, dass die Covid-Impfstoffe weder vor Ansteckung noch vor Übertragung schützen. Dazu verwendet der Autor drei Mittel der Manipulation: dreist verzerren, Kontext weglassen, frei erfinden.</p>
<p><strong>Dreist verzerren.</strong> Im Artikel wird der US-Immunologe Anthony Fauci, Pandemie-Berater der Präsidenten Trump und Biden, zitiert. Das Zitat:</p>
<p><em>«Wer geimpft ist, kann sicher sein, dass er oder sie nicht infiziert werden wird.»</em></p>
<p>Das hat Fauci aber nie gesagt. <a href="https://www.msnbc.com/all-in/watch/masks-off-fauci-confirms-extremely-low-risk-of-transmission-infection-for-vaccinated-112213061906" rel="noopener" target="_blank">Faucis Originalaussage</a> vom 17. Mai 2021 in einem Interview, in dem es explizit um Impfdurchbrüche geht:</p>
<p><em>«Obwohl Impfdurchbrüche schlecht sind, ist das tatsächlich einer der ermutigenden Aspekte der Wirksamkeit der Impfung. Sie schützt entweder vollständig gegen Infektion. Wenn man doch infiziert wird, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man keine Symptome hat und das Virus nicht an andere Leute weitergibt.»</em></p>
<p>Im tatsächlichen Interview sagte Anthony Fauci also das Gegenteil dessen, was Philipp Gut behauptet. Zudem erwähnt Gut die epidemiologische Chronologie, in die Faucis Zitat eingebettet ist, nicht. Zur Zeit des Interviews, im Mai 2021, waren die Delta- und Omikron-Varianten, gegen die die Impfungen weniger gut wirken, noch nicht dominant. Die epidemiologische Lage hat sich seither verändert: Die Impfungen schützen nach wie vor gegen Infektionen, aber weniger gut als bei früheren Virusvarianten.</p>
<p><strong>Kontext weglassen.</strong> Im Artikel schreibt Gut, mit Verweis auf einen Tweet des rumänischen <a href="https://twitter.com/CristianTerhes/status/1583012500232368128" rel="noopener" target="_blank">EU-Parlamentariers Cristian Terhes</a>, der Direktor der europäischen Health Emergency Preparedness and Response Authority (Hera), Wolfgang Philipp, habe zugegeben, dass die Impfstoffe weder vor Ansteckung noch vor Übertragung schütze. Philipps Antwort auf eine entsprechende Frage wird folgendermassen zitiert:</p>
<p><em>«Wenn Sie einen Impfstoff haben wollen, der die Übertragung verhindert, dann viel Glück! Wir hätten ihn haben können, aber er ist noch nicht da.»</em></p>
<p>Auch dieses Zitat ist falsch. Tatsächlich hat Philipp gesagt:</p>
<p><em>«Wenn Sie einen Impfstoff haben wollen, der die Übertragung verhindert, vielleicht hätten wir ihm mit Glück haben können, aber er ist noch nicht da.»</em></p>
<p>Zudem wird im Twitter-Videoclip, auf den sich Gut bezieht, nicht <a href="https://multimedia.europarl.europa.eu/de/webstreaming/cont-covi_20221013-1130-COMMITTEE-COVI-CONT" rel="noopener" target="_blank">die ganze Antwort</a> gezeigt. Philipp steigt mit der Aussage ein, dass die Impfstoffe «hochwirksam» seien, und er sagt an keiner Stelle, dass sie nicht vor Infektionen schützten.</p>
<p>Gut beschreibt in seinem Artikel zudem nicht, was genau Terhes, der EU-Parlamentarier, gesagt hat. In seiner Wortmeldung kritisiert er die Impfungen, weil sie Übertragung nicht stoppen, also nicht komplett verhindern. Philipp, der HERA-Direktor, antwortet korrekt, dass die Impfungen Übertragung nicht stoppen. Aber das bedeutet nicht, dass sie nicht vor Übertragung schützen: Das tun sie, denn wissenschaftliche Studien demonstrieren, dass die Wahrscheinlichkeit der Übertragung durch die Impfstoffe klar gesenkt wird. Schutz bedeutet nicht immer garantierten 100%-igen Schutz – einen solchen liefern Impfungen nie – , sondern eine Reduktion der Risiken.</p>
<p><strong>Frei erfinden.</strong> Gut schreibt gegen Ende seines Artikels:</p>
<p><em>«Wer sich gegen die Masern impft, ist geschützt. Wer sich gegen Kinderlähmung impft, ist geschützt. Wer sich gegen Corona impft, ist ganz offensichtlich nicht geschützt.»</em></p>
<p>Hier suggeriert Gut fälschlicherweise, dass es bei Masern- und Polio-Impfstoffen keine <a href="https://www.smithsonianmag.com/science-nature/six-important-things-know-about-breakthrough-infections-180978408/" rel="noopener" target="_blank">Impfdurchbrüche</a> und keine Übertragungen gebe. Tatsächlich aber gibt es sowohl bei der <a href="https://journals.lww.com/pidj/FullText/2019/09000/Measles_Transmission_in_a_Fully_Vaccinated_Closed.27.aspx" rel="noopener" target="_blank">Masern</a>&#8211; als auch bei <a href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2486742/" rel="noopener" target="_blank">Polio-Impfstoffen</a> Impfdurchbrüche, und sowohl bei der Masern- als auch bei der Polio-Impfung übertragen geimpfte Personen das Virus – aber die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer Übertragung kommt, ist durch die Impfung gesenkt. Die Natur des Effekts ist also dieselbe wie bei den Covid-Impfstoffen: Es gibt keinen 100%-igen Schutz, aber der Schutz ist trotzdem gross, weil die Wahrscheinlichkeit einer Infektion und einer Übertragung reduziert wird.</div><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2022/10/27/weltwoche-im-bullshit-modus-konstruktion-und-karriere-einer-impf-luege/">Weltwoche im Bullshit-Modus: Konstruktion und Karriere einer «Impf-Lüge»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Kolumnisten und ihre Schmerzgrenze</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2022/07/09/kolumnisten-und-ihre-schmerzgrenze/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 09 Jul 2022 06:44:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Weltwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Russland]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wie stark soll oder muss man sich als Journalistin oder Journalist mit der Zeitung, dem TV-Sender oder dem Onlineportal, in dem man publiziert, identifizieren?</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2022/07/09/kolumnisten-und-ihre-schmerzgrenze/">Kolumnisten und ihre Schmerzgrenze</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wie stark soll oder muss man sich als Journalistin oder Journalist mit der Zeitung, dem TV-Sender oder dem Onlineportal, in dem man publiziert, identifizieren? </p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2022/07/09/kolumnisten-und-ihre-schmerzgrenze/">Kolumnisten und ihre Schmerzgrenze</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Nichts ist wahr und alles ist möglich</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2022/06/25/nichts-ist-wahr-und-alles-ist-moeglich/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 25 Jun 2022 07:51:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Stricker TV]]></category>
		<category><![CDATA[Weltwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Nebelspalter]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Trump und Pandemie haben einen Nährboden für ein Medien-Ökosystem geschaffen, in dem Fakten keine Rolle mehr spielen. Auch in der Schweiz: Stricker-TV oder der «Nebelspalter» kämpfen gegen einen «Mainstream», der auf «politischer Korrektheit», Medien und Wissenschaft basiert. «Die Infokrieger», Teil 1.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Trump und Pandemie haben einen Nährboden für ein Medien-Ökosystem geschaffen, in dem Fakten keine Rolle mehr spielen. Auch in der Schweiz: Stricker-TV oder der «Nebelspalter» kämpfen gegen einen «Mainstream», der auf «politischer Korrektheit», Medien und Wissenschaft basiert. «Die Infokrieger», Teil 1.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2022/06/25/nichts-ist-wahr-und-alles-ist-moeglich/">Nichts ist wahr und alles ist möglich</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Immunität: Was den Fall Köppel speziell macht</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2022/05/12/immunitaet-was-den-fall-koeppel-speziell-macht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 12 May 2022 10:40:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Roger Köppel]]></category>
		<category><![CDATA[Weltwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Geheimnis]]></category>
		<category><![CDATA[Immunität]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die zuständige Kommission des Nationalrats will die Immunität von SVP-Nationalrat Roger Köppel aufheben. Stimmen auch die Ständeräte zu, könnten die Strafverfolger wegen mutmasslicher Amtsgeheimnisverletzung ermitteln. Es wäre eine Premiere.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2022/05/12/immunitaet-was-den-fall-koeppel-speziell-macht/">Immunität: Was den Fall Köppel speziell macht</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die zuständige Kommission des Nationalrats will die Immunität von SVP-Nationalrat Roger Köppel aufheben. Stimmen auch die Ständeräte zu, könnten die Strafverfolger wegen mutmasslicher Amtsgeheimnisverletzung ermitteln. Es wäre eine Premiere.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2022/05/12/immunitaet-was-den-fall-koeppel-speziell-macht/">Immunität: Was den Fall Köppel speziell macht</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die Blitz-Bekehrung der Putin-Fans</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2022/03/20/die-blitz-bekehrung-der-putin-fans/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 20 Mar 2022 12:22:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[NZZ]]></category>
		<category><![CDATA[Roger Köppel]]></category>
		<category><![CDATA[Weltwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Eric Gujer]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=95767</guid>

					<description><![CDATA[<p>Nach dem Angriff auf die Ukraine tun die Diktatoren­verehrer in der Schweiz, Europa und den USA, was sie immer tun: sich geschmeidig aus der Verantwortung stehlen.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2022/03/20/die-blitz-bekehrung-der-putin-fans/">Die Blitz-Bekehrung der Putin-Fans</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Nach dem Angriff auf die Ukraine tun die Diktatoren­verehrer in der Schweiz, Europa und den USA, was sie immer tun: sich geschmeidig aus der Verantwortung stehlen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2022/03/20/die-blitz-bekehrung-der-putin-fans/">Die Blitz-Bekehrung der Putin-Fans</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Tsüri.ch, No Billag 2, Weltwoche</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2022/03/05/tsueri-ch-no-billag-2-weltwoche/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2022/03/05/tsueri-ch-no-billag-2-weltwoche/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Benjamin von Wyl]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 05 Mar 2022 09:16:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Weltwoche]]></category>
		<category><![CDATA[tsüri.ch]]></category>
		<category><![CDATA[Gebührenhalbierung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>The Good – Stabiles Stadtmagazin Am Montag wurde bekannt, dass das Zürcher Stadtmagazin «tsüri.ch» 2021 erstmals schwarze Zahlen geschrieben hat. Sieben Jahre nach dem Start ist erstmals mehr Geld reingekommen als rausgegangen. «Es ist ein gutes Zeichen, dass unsere Idee stimmt und die Strategie funktioniert», sagt Chefredaktor und Verleger Simon Jacoby (Bild) gegenüber der MEDIENWOCHE. <a href="https://medienwoche.ch/2022/03/05/tsueri-ch-no-billag-2-weltwoche/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Good-Bad-Ugly-20220305b.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-95346" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Good-Bad-Ugly-20220305b-300x101.jpg" alt="" width="300" height="101" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Good-Bad-Ugly-20220305b-300x101.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Good-Bad-Ugly-20220305b-1024x343.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Good-Bad-Ugly-20220305b-768x257.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Good-Bad-Ugly-20220305b.jpg 1456w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a></p>
<h3>The Good – Stabiles Stadtmagazin</h3>
<p>Am Montag wurde bekannt, dass das <a href="https://tsri.ch/" target="_blank" rel="noopener">Zürcher Stadtmagazin «tsüri.ch»</a> 2021 erstmals schwarze Zahlen geschrieben hat. Sieben Jahre nach dem Start ist erstmals mehr Geld reingekommen als rausgegangen. «Es ist ein gutes Zeichen, dass unsere Idee stimmt und die Strategie funktioniert», sagt Chefredaktor und Verleger Simon Jacoby (Bild) gegenüber der MEDIENWOCHE. Im Jahr 2020 betrug das Minus – ohne jegliche Hilfsgelder – bereits bloss noch 11’000 Franken. Dank stabil um die 1500 zahlenden Community-Mitglieder, mehr Veranstaltungen und einem neuen Förderverein, der Zugang zu gewissen Stiftungsfinanzierungen ermöglicht hat, landete «tsüri.ch» nun erstmals im grünen Bereich. Doch für Euphorie ist es laut Jacoby zu früh: «Es ist eine Momentaufnahme. Wir müssen das Ergebnis wiederholen.» Zudem sind auch die bescheidenen Löhne von 4000 Franken brutto Teil der Rechnung.</p>
<p>«Jedes Jahr verschwinden fünf Zeitungen und es entstehen keine fünf neuen», sagt Jacoby, der auch Co-Präsident des Verbands «Medien mit Zukunft» ist. Das Ergebnis mache keine Hoffnung für die ganze Branche. «Es macht aber Hoffnung für ähnliche Projekte: Onlinemedien ohne grossen Verlag oder Mäzen:innen im Hintergrund, die sich dem Lokaljournalismus verschreiben.» Ein gutes Omen also für die <a href="https://mailchi.mp/1ed28a88b2d9/bald-legen-wir-los-projektnewsletter-16?e=7c0471e9ee" target="_blank" rel="noopener">«Hauptstadt»</a>, die am Montag in Bern loslegt.</p>
<h3>The Bad – Mediensupport für SVP-Forderung</h3>
<p>Am Dienstag präsentierten fünf Männer aus SVP und FDP eine <a href="https://srg-initiative.ch/" target="_blank" rel="noopener">Volksinitiative</a>, welche die Medienabgabe rigoros kürzen will. Man könnte nun die fatalen Folgen schildern, die eine Annahme für die SRG hätte – doch bis zum Abstimmungskampf ist es noch lange hin.</p>
<p>Vor über 15 Jahren <a href="https://www.svp.ch/news/artikel/medienmitteilungen/svp-fordert-halbierung-der-srg-gebuehren/" target="_blank" rel="noopener">forderte die SVP erstmals</a> die Halbierung der Billag-Gebühren, wie sie damals noch hiessen. Ihre Politiker:innen wiederholten die Forderung seither fleissig. Spätestens seit dem Abstimmungskampf zur «No Billag»-Initiative vor vier Jahren kam in jedem Interview mit SRG-Vertreter:innen die Frage «Und was ist mit der Halbierungsinitiative?» Die SVP sollte sich bei all diesen Interviewer:innen und Kommentator:innen bedanken: Noch nie verschafften Journalist:innen einer Initiative so viel Öffentlichkeit, bevor eine einzige Unterschrift gesammelt war. Und anscheinend hat das stetige Drohen – trotz mehr als 70 Prozent Nein-Stimmen zu «No Billag» – bereits Wirkung gezeigt.</p>
<p>2006 rechnete die SVP Schweiz: «1980 kosteten die Empfangsgebühren noch 207 Franken im Jahr, 2007 schliesslich 462 Franken. Würde man seit 1980 nur die Teuerung aufrechnen, müssten die Radio-/TV-Gebühren heute bei 360 Franken liegen.» Die Teuerung ging weiter. Trotzdem kostet die Medienabgabe heute nur 335 Franken pro Haushalt.</p>
<h3>The Ugly – Der Krieg ist, was ich meine</h3>
<p>Die «Weltwoche» hat bemerkt, dass sich eine Nachrichtenmagazin bei einem Angriffskrieg nicht auf Bewunderung für den <a href="https://www.nzz.ch/feuilleton/putin-der-missverstandene-und-die-missverstandenen-putin-versteher-wie-die-weltwoche-im-ukrainekrieg-taumelt-ld.1672161" target="_blank" rel="noopener">maskulinen Stil des Invasors</a> beschränken kann. In der aktuellen Ausgabe gelingt es ihr, gleichzeitig Neutralität zu fordern und rhetorisch zu eskalieren: «Wie Lokomotiven in dunkler Nacht rasen die Mächte aufeinander zu» – das tönt, als wäre es expressionistische Lyrik zum Ersten Weltkrieg. Köppel startet mit dem Vergleich zur Kubakrise 1962 und bringt auch noch Pearl Harbor mit rein. Weiter schreibt er: «Auslandschef Urs Gehriger widerspricht dem Chefredaktor, also mir, unter dem Titel ‹Sorry, Roger, du liegst falsch›. Möge das bessere Argument gewinnen!» Gehriger dann: «Ich sehe die Sache ganz anders.»</p>
<p>Der Lead von Peter Bodenmanns Kolumne verbindet Ich und Wir: «Die meisten von uns – auch ich – haben sich in Putin getäuscht.» Köppel und Mörgeli beschwören ein schweizerisches «Wir». Der «Weltwoche» geht es beim Krieg in der Ukraine kaum um die Menschen in der Ukraine.</p>
<p>Mit Kurt Pelda schickte die «Weltwoche» einen Korrespondenten in die Ukraine. Am Donnerstagabend sagte Pelda im <a href="https://www.srf.ch/audio/news-plus/der-social-media-krieg-aus-sicht-der-ukraine?id=12152976" target="_blank" rel="noopener">Interview mit Radio SRF</a> mehr Relevantes über die Situation, als im ersten Text für seinen Arbeitgeber: In «Meine abenteuerliche Reise nach Kiew» erzählt er das Abenteuer und gegen Ende hin noch einiges zu Waffensystemen und Taktik. Auf der folgenden Seite suhlt sich Michael Bahnerth in Weltschmerz. Es gebe «keine Liebe ohne Schmerz, keine Welten ohne Welt, keinen Frieden ohne Krieg». Das einzige, was «uns» bleibt, sei das «Finden einer Balance zwischen der Leichtigkeit und der Schwere der Welt und des eigenen Ichs». Ich, ich, ich. Wir, wir, wir.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2022/03/05/tsueri-ch-no-billag-2-weltwoche/">Tsüri.ch, No Billag 2, Weltwoche</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Bundeshaus, Sprache im Krieg, Weltwoche</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2022/02/26/bundeshaus-sprache-im-krieg-weltwoche/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Miriam Suter]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 26 Feb 2022 08:55:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Weltwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Bundeshaus]]></category>
		<category><![CDATA[Sprachkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Hubert Mooser]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>The Good – Gemeinsam gegen Behördenschwurbel Am Donnerstag wollte der Bundesrat sein Sanktionsregime nach Putins Angriff auf die Ukraine erklären. Also eigentlich sprach Bundespräsident und EDA-Vorsteher Ignazio Cassis etwas über sieben Minuten hilflos lang davon, dass der Bundesrat zwar die militärische Invasion «aufs Schärfste» verurteile und man Putin auffordere, seine Truppen zurückzuziehen, doch konkrete Massnahmen <a href="https://medienwoche.ch/2022/02/26/bundeshaus-sprache-im-krieg-weltwoche/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2022/02/26/bundeshaus-sprache-im-krieg-weltwoche/">Bundeshaus, Sprache im Krieg, Weltwoche</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/02/MW-Good-Bad-Ugly-20220226b.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/02/MW-Good-Bad-Ugly-20220226b-300x101.jpg" alt="" width="300" height="101" class="alignnone size-medium wp-image-95123" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/02/MW-Good-Bad-Ugly-20220226b-300x101.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/02/MW-Good-Bad-Ugly-20220226b-1024x343.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/02/MW-Good-Bad-Ugly-20220226b-768x257.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/02/MW-Good-Bad-Ugly-20220226b.jpg 1456w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a></p>
<h3>The Good – Gemeinsam gegen Behördenschwurbel</h3>
<p>Am Donnerstag wollte der Bundesrat sein Sanktionsregime nach Putins Angriff auf die Ukraine erklären. Also eigentlich sprach Bundespräsident und EDA-Vorsteher Ignazio Cassis etwas über sieben Minuten hilflos lang davon, dass der Bundesrat zwar die militärische Invasion «aufs Schärfste» verurteile und man Putin auffordere, seine Truppen zurückzuziehen, doch konkrete Massnahmen präsentierte er nicht. Wirtschaftsminister Parmelin, der für Sanktionen zuständig wäre, war gar nicht erst vor Ort.</p>
<p>Cassis’ Staatssekretärin Livia Leu und Botschafter Erwin Bollinger <a href="https://youtu.be/OmcnFfhZE9k" rel="noopener" target="_blank">stellten sich den Fragen</a> der Journalist:innen. Und die kam zahlreich, fast eine Stunde lang folgte Frage auf Frage: Die NZZ wollte etwa wissen, wie die Schweiz ihre bewaffnete Neutralität interpretiert, ein Tages-Anzeiger-Journalist fragte, warum die Schweiz die Sanktionen der USA und der EU nicht übernehme. Immer wieder verlangten die Medien nach Begründungen und Erklärungen, sie Bundeshausjournalist:innen löcherten die Behördenvertreter:innen. Doch diese formulierten das bereits Gesagte nur mit anderen Worten.</p>
<p>Viel Brauchbares kam bei dem «konfusen Medienauftritt» («Tages-Anzeiger») bis zum Ende nicht heraus. Das lag definitiv nicht an der fehlenden Beharrlichkeit der Bundeshausjournalist:innen, sondern an einem zaudernden Bundesrat und der Unfähigkeit seines Personals, das (Nicht-)Handeln der Schweiz zu erklären.</p>
<h3>The Bad – Wie man nicht über Krieg berichtet</h3>
<p>Mit welchen Worten und Bildern berichten wir über Krieg? Hier eine unvollständige Auswahl schlechter Beispiele:<br />
    • Von einem <a href="https://www.blick.ch/sport/fussball/championsleague/ceferin-beruft-sondersitzung-ein-uefa-schlaegt-wegen-ukraine-konflikt-alarm-id17265817.html" rel="noopener" target="_blank">«Ukraine-Konflikt»</a> schreiben. Der <a href="https://www.nau.ch/news/europa/ukraine-konflikt-deshalb-kam-es-zum-krieg-66115948" rel="noopener" target="_blank">Ausdruck «Konflikt»</a> verharmlost, was gerade geschieht. Er suggeriert, dass zwei Seiten auf Augenhöhe involviert sind: Bei einem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Konflikt" rel="noopener" target="_blank">Konflikt</a> treffen unterschiedliche Wertvorstellungen oder Erwartungen aufeinander. Aber jetzt findet gerade eine Invasion statt und es herrscht Krieg. Bei einem <a href="https://www.cash.ch/news/top-news/ukraine-konflikt-von-sanktionen-bis-atomkriegsgefahr-die-heimlichen-sorgen-der-banker-1915036" rel="noopener" target="_blank">Konflikt</a> rollen keine Panzer über Landesgrenzen.<br />
    • Putins Entscheidung, mutmasslich Völker- und Kriegsrecht zu brechen, als <a href="https://www.srf.ch/news/international/krieg-in-der-ukraine-so-reagiert-die-welt-auf-russlands-angriff" rel="noopener" target="_blank">«Russlands Angriff»</a> oder <a href="https://www.nzz.ch/visuals/ukraine-die-invasion-russlands-in-karten-und-grafiken-ld.1671603" rel="noopener" target="_blank">«die Invasion Russlands»</a> formulieren. Der Entscheid, einen militärischen Angriff zu starten, hat Russlands Präsident Vladimir Putin getroffen. Dass die russische Bevölkerung damit nicht einverstanden ist, zeigten die Proteste in russischen Grossstädten in den letzten Tagen, ungeachtet der massiven Drohungen Putins.<br />
    • Wenn uns Journalist:innen die letzten zwei Jahre etwas gelehrt haben sollten, dann das: <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Horse-Race-Berichterstattung" rel="noopener" target="_blank">Horse-Race-Berichterstattung</a> hilft niemandem. Es ist nicht nötig, auf seiner Startseite ein Video im Endlosloop zu zeigen, in dem <a href="https://www.watson.ch/videos/international/868622225-russland-hat-kiew-unter-heftigen-beschuss-genommen-die-bilder" rel="noopener" target="_blank">Bomben auf Wohnhäuser</a> fliegen.</p>
<h3>The Ugly – Häme von der «Weltwoche»</h3>
<p>Die SRF-Russland-Korrespondentin <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Luzia_Tschirky" rel="noopener" target="_blank">Luzia Tschirky</a> berichtete am Donnerstag vom Angriff auf die Ukraine und trug dabei eine schusssichere Weste. «Weltwoche»-Bundeshausredaktor Hubert Mooser (Bild) sah darin <a href="https://archive.ph/wdsOa" rel="noopener" target="_blank">eine «Inszenierung»</a>, denn zu diesem Zeitpunkt sei «in Kiew», an dessen Autobahnausfahrt sich Tschirky während der Übertragung befand, wohl «keineswegs schon geschossen worden». Dabei ignoriert Mooser, dass sich die Journalistin ziemlich genau zwischen zwei Flugplätzen befand, die zu den prominenten Zielen der russischen Armee zählten und zum Teil schon unter Beschuss standen.</p>
<p>Tschirky ist eine gestandene Reporterin, erfahrene Russland-Expertin, wurde 2021 zur Journalistin des Jahres gewählt und im gleichen Jahr in Belarus wegen ihrer Arbeit verhaftet. Wie und wann sie sich schützt, liegt in ihrem Ermessen. Moosers journalistische Tätigkeiten gehen nicht über die Landesgrenze hinaus. Doch 2004 erwähnte er in einem Porträt in der Rhonezeitung Oberwallis, dass der Beruf des Kriegsreporters sein «Bubentraum» gewesen sei. Der Verdacht liegt daher nahe, dass in den unqualifizierten Äusserungen dieses frustrierten älteren Herren auch Neid mitschwingt.</p>
<p>Ob derart widerlichem Auftreten fehlen einem die Worte. Die richtigen gefunden hat Watson-Journalist Petar Marjanović, der zu Moosers Artikel eine fundiert begründete <a href="https://docs.google.com/document/d/1v2KBorAWgF0VZxU0K3CzZbS_m93G-xWJPcAY1bYJXHQ/edit?usp=sharing" rel="noopener" target="_blank">Beschwerde beim Presserat</a> eingereicht hat. Über 300 Personen haben die Beschwerde innerhalb von weniger als 24 Stunden unterschrieben.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2022/02/26/bundeshaus-sprache-im-krieg-weltwoche/">Bundeshaus, Sprache im Krieg, Weltwoche</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>«Weltwoche» und «Infosperber»: Wichtige Gegenstimmen oder Putins nützliche Idioten?</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2022/02/24/weltwoche-und-infosperber-wichtige-gegenstimmen-oder-putins-nuetzliche-idioten/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Marko Ković]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Feb 2022 16:44:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Roger Köppel]]></category>
		<category><![CDATA[Weltwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Infosperber]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=95100</guid>

					<description><![CDATA[<p>Die «Weltwoche» von SVP-Nationalrat Roger Köppel und die eher links positionierte Online-Plattform «Infosperber» werben in der Ukraine-Krise um Verständnis für die russische Position. Eine andere Sicht ist grundsätzlich wichtig und wertvoll für eine pluralistische Debatte. Doch mit ihrer Berichterstattung reproduzieren «Weltwoche» und «Infosperber» Putins Propaganda und legitimieren so seinen Krieg gegen die Ukraine. Am 24. <a href="https://medienwoche.ch/2022/02/24/weltwoche-und-infosperber-wichtige-gegenstimmen-oder-putins-nuetzliche-idioten/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2022/02/24/weltwoche-und-infosperber-wichtige-gegenstimmen-oder-putins-nuetzliche-idioten/">«Weltwoche» und «Infosperber»: Wichtige Gegenstimmen oder Putins nützliche Idioten?</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die «Weltwoche» von SVP-Nationalrat Roger Köppel und die eher links positionierte Online-Plattform «Infosperber» werben in der Ukraine-Krise um Verständnis für die russische Position. Eine andere Sicht ist grundsätzlich wichtig und wertvoll für eine pluralistische Debatte. Doch mit ihrer Berichterstattung reproduzieren «Weltwoche» und «Infosperber» Putins Propaganda und legitimieren so seinen Krieg gegen die Ukraine.</strong><br />
<a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/02/MW-Koeppel-20220224.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img loading="lazy" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/02/MW-Koeppel-20220224-300x201.jpg" alt="" width="300" height="201" class="alignnone size-medium wp-image-95102" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/02/MW-Koeppel-20220224-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/02/MW-Koeppel-20220224-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/02/MW-Koeppel-20220224-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/02/MW-Koeppel-20220224-470x315.jpg 470w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/02/MW-Koeppel-20220224-728x485.jpg 728w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/02/MW-Koeppel-20220224.jpg 1456w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><br />
Am 24. Februar 2022, dem Tag, an dem Russland einen Offensivkrieg in der Ukraine beginnt, <a href="https://weltwoche.ch/story/kleine-psychologie-der-putin-kritik/" rel="noopener" target="_blank">schreibt Roger Köppel</a> in der «Weltwoche»: «Sie [Journalisten und Intellektuelle] hassen den russischen Präsidenten von Herzen, weil er für all das steht, was sie ablehnen, verteufeln und was deshalb nicht sein darf: Tradition, Familie, Patriotismus, Krieg, Religion, Männlichkeit, Militär, Machtpolitik und nationale Interessen.» Seinen Artikel schliesst Köppel ab mit: «Vielleicht, hoffentlich ist Putin der Schock, den der Westen braucht, um wieder zur Vernunft zu kommen.»<br />
</p>
<p>In seinem Leitartikel der aktuellen Ausgabe der «Weltwoche» schreibt der der deutsche Publizist <a href="https://weltwoche.ch/story/hilf-dir-selbst-dann-hilft-dir-gott/" rel="noopener" target="_blank">Thomas Fasbender</a>, dass der Westen und die USA ihre Macht gegenüber Russland projizierten und die Ukraine in ihr «politisches Lager zwingen». Sein Fazit: «Russland hat überhaupt keine Wahl, als sich dem zu widersetzen.» Fasbender moderiert unter anderem beim russischen Staatssender «RT DE» eine Talk-Sendung, in der Roger Köppel auch schon <a href="https://de.rt.com/programme/fasbender/119810-fasbender-im-gesprach-mit-roger/" rel="noopener" target="_blank">zu Gast war</a>.</p>
<blockquote><p>In der übrigen schweizerischen Medienlandschaft fallen die Reaktionen einhellig kritisch gegenüber Russland aus.</p></blockquote>
<p>Und ebenfalls in der aktuellen «Weltwoche» erklärt der redaktionelle Mitarbeiter <a href="https://weltwoche.ch/daily/warum-putin-im-donbass-einmarschieren-musste-nur-nicht-so-wie-sich-das-der-westen-gewuenscht-hatte/" rel="noopener" target="_blank">Wolfgang Koydl</a>, warum Putin im Donbass «einmarschieren musste»: Putin folge nur dem «Drehbuch», das der Westen vor zwanzig Jahren im Kosovo geschrieben habe.</p>
<p>Mit seinem Verständnis für das Handeln Putins wird das Magazin von SVP-Nationalrat Roger Köppel seinem Motto «Die Weltwoche – das ist die andere Sicht!» gerecht. In der übrigen schweizerischen Medienlandschaft fallen die Reaktionen einhellig kritisch gegenüber Russland aus. Der russische Präsident Wladimir Putin verstosse durch seine unilaterale militärische Eskalation gegen die Ukraine, die nun in einer neuen Invasion Gipfelte, klar gegen das Völkerrecht – was auch den Fakten entspricht.</p>

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<p>Ein ähnliches Motto wie die «Weltwoche» hat auch das politisch eher links positionierte Online-Magazin «Infosperber»: «Sieht, was andere übersehen.» In den Wochen vor der Invasion haben gemäss «Infosperber» andere offenbar übersehen, dass in Tat und Wahrheit der Westen am Konflikt schuld sei. So schreibt der Publizist <a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/ukraine-zankapfel-wird-orwells-prognose-in-1984-realitaet/" rel="noopener" target="_blank">Kai Ehlers</a> Ende Januar, dass der Ukraine-Konflikt vom Westen aufgebauscht werde, um Russland dadurch wirtschaftlich in die Knie zu zwingen: «Sehr wohl aber geht es um den Versuch, Russland, wie seinerzeit die Sowjetunion, in einen Rüstungswettlauf zu zwingen, um es auf diese Weise ökonomisch niederzuringen.» </p>
<blockquote><p>Sind «Weltwoche» und «Infosperber» also die wichtigen journalistischen Gegenstimmen, die uns davor bewahren, im Sog des journalistischen «Mainstreams» unterzugehen?</p></blockquote>
<p>Christian Müller, Mitglied der Redaktionsleitung beim «Infosperber», suggerierte im Januar, dass die Ukraine-Krise eine Art Ablenkungsmanöver der Nato sei, bei der Russland das Opfer sei: «Zur neuen Selbstlegitimierung der Nato wurde eine neue Bedrohung aus dem Boden gezaubert – im vorliegenden Fall die Bedrohung der Ukraine durch Russland. Das Hochspielen der Truppenbewegungen auf russischer Seite [&#8230;] war die willkommene Lösung. Wer redet heute noch von Afghanistan? Ziel erreicht!»</p>
<p>«Die andere Sicht» und «Sieht, was andere übersehen»: In unübersichtlichen Krisensituationen, in denen sich die Ereignisse überschlagen, sind Gegenstimmen, die die dominierende mediale Auslegung der Situation kritisch hinterfragen, sehr wichtig. Der Wert dieses journalistischen «Advocatus-Diaboli»-Prinzips ist spätestens seit der US-amerikanischen Invasion des Iraks im Jahr 2003 offenkundig: Im Vorfeld der Invasion verbreiteten einige grosse Medienhäuser die <a href="https://www.vox.com/2016/7/9/12123022/george-w-bush-lies-iraq-war" rel="noopener" target="_blank">Desinformation der Bush-Regierung</a> zu <a href="https://www.rollingstone.com/politics/politics-features/iraq-war-media-fail-matt-taibbi-812230/" rel="noopener" target="_blank">wenig kritisch</a>, was in mehr öffentlicher Zustimmung für den Krieg mündete. Wir brauchen Journalismus, der sich traut, dominante Narrative der Mächtigen zu durchbrechen.</p>
<blockquote><p>Russland als Opfer westlicher Aggression in Schutz zu nehmen, ist schlicht nicht kompatibel mit der Realität der imperialistischen Politik Russlands.</p></blockquote>
<p>Sind «Weltwoche» und «Infosperber» also die wichtigen journalistischen Gegenstimmen, die uns davor bewahren, im Sog des journalistischen «Mainstreams» unterzugehen und dabei die wahren Tatsachen aus den Augen zu verlieren? Im Fall von Putins Krieg gegen die Ukraine eindeutig nicht. Denn beim Aufzeigen der «anderen Sicht» geht es eben auch um konkrete inhaltliche Argumente und nicht um das blosse Vertreten der gegenteiligen Meinung um der gegenteiligen Meinung willen. Und im aktuellen Fall neigen «Weltwoche» und «Infosperber» eher zu Letzterem.<br />
Die Texte von Köppel, Fasbender, Koydl, Ehlers und Müller erwecken den Eindruck, das tatsächliche Opfer in der Ukraine-Krise seien Putin und Russland. Zwei wesentliche Argumente werden zu diesem Zweck ins Feld geführt. Zum einen, dass doch auch der «Westen», also die USA, die Europäische Union und die Nato, in der Vergangenheit unlautere Politik betrieben hätten. Zum anderen, dass die russische Aggression in der Ukraine nur eine nachvollziehbare Reaktion Russlands auf anhaltenden westlichen Druck gegen Russland sei, insbesondere auf die Nato-Osterweiterung.</p>
<p>Das erste Argument mag inhaltlich stimmen – wir erinnern uns an die katastrophale Irak-Invasion von 2003 –, aber als Rechtfertigung für die russische Invasion der Ukraine macht das Argument keinen Sinn. Wenn gewisse Länder und Organisationen in der Vergangenheit völkerrechtswidrig gehandelt haben, berechtigt das ein anderes Land natürlich in keiner Weise, selber auch völkerrechtswidrige Kriegshandlungen zu begehen.</p>
<p>Das zweite Argument ist im Wesentlichen ungefilterte <a href="https://www.politico.eu/article/moscow-russians-watch-show-western-aggression/" rel="noopener" target="_blank">Propaganda des Kremls</a>. Mit dem fadenscheinigen Verweis auf westlichen Druck <a href="https://theconversation.com/putins-antagonism-toward-ukraine-was-never-just-about-nato-its-about-creating-a-new-russian-empire-177687" rel="noopener" target="_blank">rechtfertigte Russland</a> bereits 2014 die Annexion der Halbinsel Krim und die erste Invasion der Ostukraine. Russland als Opfer westlicher Aggression in Schutz zu nehmen, ist schlicht nicht kompatibel mit der Realität der imperialistischen Politik Russlands.</p>
<p>Warum vertreten «Weltwoche» und «Infosperber» in der Ukraine-Krise Meinungen, die empirisch nicht haltbar sind und weltanschaulich nahe beim Verschwörungsboulevard der «Putinversteher» angesiedelt sind? Die ideologischen Stossrichtungen der zwei Publikationen sind zwar diametral unterschiedlich, führen aber zur gleichen verzerrten Sicht.</p>
<blockquote><p>Das offensiv deklarierte Gegen-den-Strom-Schwimmen ist ein rhetorischer Trick, der inhaltlich meistens nicht hält, was er verspricht.</p></blockquote>
<p>Die «Weltwoche» als politisch rechts verortete Publikation hat sich der <a href="https://medienwoche.ch/2022/01/04/darum-sind-mainstream-medien-besser-als-ihr-ruf/">Kritik des «Mainstream»</a> verschrieben. Eine Formel dieser Kritik ist, das, was der angeblich linke «Mainstream» gut findet, schlecht zu finden – und umgekehrt. Diese Formel haben US-amerikanische Medienhäuser wie «Fox News» perfektioniert, und sie kommt auch in der aktuellen Ukraine-Krise in Form <a href="https://www.washingtonpost.com/media/2022/02/23/tucker-carlson-putin-russia-ukraine/" rel="noopener" target="_blank">russlandfreundlicher Deutungsmuster</a> zum Einsatz. In den Trump-Jahren wurde Putin in rechtskonservativen Kreisen und Medien zu einem Hüter «traditioneller» Werte stilisiert, der vom links dominierten Westen just für seine nicht-linke Politik <a href="https://www.theatlantic.com/international/archive/2017/01/putin-trump-le-pen-hungary-france-populist-bannon/512303/" rel="noopener" target="_blank">bestraft wird</a>. Das gleiche Deutungsschema bringt Köppel in seiner jüngsten Verteidigungsschrift Putins zum Ausdruck.</p>
<p>Im Gegensatz zur rechtskonservativen Brille der «Weltwoche» ist der «Infosperber» eher linksliberal orientiert. Die Online-Plattform vertritt eine Grundskepsis gegenüber Eliten und Macht. Doch diese systemkritische Haltung kippt bei der Ukraine-Krise einseitig gegen westliche Länder und Organisationen. Der «Infosperber» kritisiert zu Recht westlichen Imperialismus, beurteilt aber nicht-westlichen Imperialismus nicht nach den gleichen Massstäben.</p>
<p>Das offensiv deklarierte Gegen-den-Strom-Schwimmen ist ein rhetorischer Trick, der inhaltlich meistens nicht hält, was er verspricht. Die Konsequenz davon sehen wir in der «Weltwoche» und dem «Infosperber»: Mit ihrer starren weltanschaulichen Haltung machen sich die Publikationen zu <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/N%C3%BCtzlicher_Idiot" rel="noopener" target="_blank">nützlichen Idioten</a> für russische Kriegspropaganda.</p>
<p><small>Bild: Keystone, Bearbeitung: Marco Leisi</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2022/02/24/weltwoche-und-infosperber-wichtige-gegenstimmen-oder-putins-nuetzliche-idioten/">«Weltwoche» und «Infosperber»: Wichtige Gegenstimmen oder Putins nützliche Idioten?</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Neuer Journalismus, Tamedia, Weltwoche</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2021/10/16/neuer-journalimus-tamedia-weltwoche/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 16 Oct 2021 08:10:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Tamedia]]></category>
		<category><![CDATA[Weltwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Hauptstadt]]></category>
		<category><![CDATA[Frida]]></category>
		<category><![CDATA[Petarde]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>The Good – Aufbruchstimmung Entgegen dem anhaltenden Trend zu Abbau und Konzentration in der schweizerischen Medienlandschaft gibt es auch Anzeichen einer neuen Vielfalt. So machten sich in den letzten Tagen gleich drei neue Stimmen bemerkbar, aus so unterschiedlichen Genres wie Lokaljournalismus, Satire und Kulturberichterstattung. In Bern geht ab nächstem Dienstag die «Hauptstadt» auf Geldsuche. Das <a href="https://medienwoche.ch/2021/10/16/neuer-journalimus-tamedia-weltwoche/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/10/16/neuer-journalimus-tamedia-weltwoche/">Neuer Journalismus, Tamedia, Weltwoche</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/10/MW-Good-Bad-Ugly-20211016b.jpg" alt="" width="1456" height="488" class="alignnone size-full wp-image-91885" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/10/MW-Good-Bad-Ugly-20211016b.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/10/MW-Good-Bad-Ugly-20211016b-300x101.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/10/MW-Good-Bad-Ugly-20211016b-768x257.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/10/MW-Good-Bad-Ugly-20211016b-1024x343.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /></p>
<h3>The Good – Aufbruchstimmung</h3>
<p>Entgegen dem anhaltenden Trend zu Abbau und Konzentration in der schweizerischen Medienlandschaft gibt es auch Anzeichen einer neuen Vielfalt. So machten sich in den letzten Tagen gleich drei neue Stimmen bemerkbar, aus so unterschiedlichen Genres wie Lokaljournalismus, Satire und Kulturberichterstattung.</p>
<p>In Bern geht ab nächstem Dienstag die <a href="https://mailchi.mp/2b06b1fa4360/und-wir-heissen-projekt-newsletter-06?e=b0e09b79e8" rel="noopener" target="_blank">«Hauptstadt»</a> auf Geldsuche. Das lokale Online-Portal für den Grossraum Bern sieht das Crowdfunding «als Markttest für den Medienplatz Bern». Der Name, den die Gruppe <a href="https://neuerjournalismus.be/" rel="noopener" target="_blank">«Neuer Berner Journalismus»</a> am letzten Donnerstag öffentlich gemacht hat, ist allerdings kein gutes Omen. Eine alternative <a href="https://twitter.com/Sprachkraft/status/1448676497884078081" rel="noopener" target="_blank">Wochenzeitung</a> für Bern namens «Hauptstadt» überlebte 1998 nur ein halbes Jahr. </p>
<p>Während die «Hauptstadt» auf den Abbau bei Tamedia reagiert, ist <a href="https://wemakeit.com/projects/petarde" rel="noopener" target="_blank">«Die Petarde»</a> als Reaktion auf den Umbau des «Nebelspalters» zum Politmagazin entstanden. Die «neue, unabhängige Satireplattform der Schweiz» will die Grenzen der Satire sprengen. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Schneider_(Psychoanalytiker)" rel="noopener" target="_blank">Peter Schneider</a> <a href="https://youtu.be/_0VA8_tR5Vo" rel="noopener" target="_blank">verspricht</a> «tagesaktuelle Satire, fangfrische Kalauer und Pointen in bester Qualität». Für den Betrieb der künftig kostenlos zugänglichen Plattform sucht «Die Petarde» nun Gönner und Investorinnen.</p>
<p>Wie die «Petarde» sammelt auch <a href="https://wemakeit.com/projects/frida-das-kulturmagazin" rel="noopener" target="_blank">«Frida»</a> seit ein paar Tagen Geld. Das <a href="https://fridamagazin.ch/" rel="noopener" target="_blank">Online-Kulturmagazin</a> für die Deutschschweiz will im März 2022 loslegen. Dank Stiftungsgeldern und öffentlicher Unterstützung konnte sich das in der Kulturszene breit abgestützte Projekt mit Recherche-Reisen und -Gesprächen auf die Gründung von «Frida» vorbereiten.</p>
<h3>The Bad – Anscheinsproblematik</h3>
<p>Berichterstattung in eigener Sache ist immer heikel. Wenn Zeitungen über den geplanten Ausbau der Medienförderung schreiben, dann betrifft sie das sehr direkt, schliesslich ermöglichen zusätzliche Subventionen je nachdem ein längeres (Über-)Leben. Da die Medienförderung politisch umstritten ist, müssen die Redaktionen damit rechnen, dass sie stärker als sonst unter Beobachtung stehen.</p>
<p>Als die relevanten Schweizer News-Medien nicht darüber berichteten, dass das Referendumdskomitee (nach eigenen Angaben) die erforderlichen Unterschriften gegen das Medienpaket zusammengetragen hatte, sah dies die «Weltwoche» prompt als Beleg für ein bewusstes Verschweigen. Das war etwas vorschnell. In den Wochen darauf gab es weitere Anlässe zur Berichterstattung über das Zustandekommen des Referendums. Und dann wurde auch breit darüber berichtet. Mit einer Ausnahme. In den Tamedia-Zeitungen konnte man bis heute keine Zeile dazu lesen. Auch diese Woche, als der Bundesrat den Termin der Abstimmung festgelegt hat – nichts. Warum?</p>
<p>«Wir sind bei solchen Nachrichten selektiv», erklärt auf Anfrage Tamedia-Inland-Chefin Raphaela Birrer (Bild), «weil uns sowohl online als auch im Print der Raum fehlt, um über Unterschrifteneinreichung, Zustandekommen und Abstimmungstermin jeder Initiative und jedes Referendums zu berichten.» Ein weiterer möglicher Grund für die Nicht-Berichterstattung: Ende Juli hat die für das Dossier zuständige Journalistin die Redaktion verlassen.</p>
<p>Bei aller Plausibilität dieser Erklärungen bleibt ein schaler Nachgeschmack. Das Schweigen könnte den Anschein der Befangenheit erwecken.</p>
<h3>The Ugly – Abgründiges</h3>
<p>Wenn nicht «Editorial» darüber stünde, man könnte es glatt für eine Fingerübung in Satire halten. Aufgabe: Schreib mal ein Plädoyer für Hass. Schreib, warum mehr Hass auf Social Media gut ist. </p>
<p>Nicht als Satire, aber vermutlich als originelles Gedankenspiel versteht SVP-Nationalrat und «Weltwoche»-Verleger Roger Köppel sein <a href="https://archive.ph/FVbbB" rel="noopener" target="_blank">Plädoyer für mehr Hass im Netz</a>. Nach dem Motto: Wenn der Ruf nach weniger Hass im Netz lauter wird, dann halte ich dagegen. Und darum schreibt er: «Es darf kein Hass-Verbot geben. Im Gegenteil, wir sollten die Leute ermutigen, ihren Hass auf den sozialen Medien auszuleben. Das ist besser, als wenn sie zum Küchenmesser greifen oder sich eine Pistole oder ein automatisches Gewehr kaufen.»</p>
<p>Die Begründung, dass damit reale Gewalttaten zu verhindern seien, ist so verquer wie auch fachlich falsch. Zwar macht nicht jeder Hasskommentar auf Social Media die Leute zu Gewalttätern, aber Online-Hass kann in eine Radikalisierungsspirale führen, die ganz reale Effekte auf Einstellungen, Werte und letztlich auch auf das Verhalten hat.</p>
<p>Mehr Hass führt vor allem zu mehr Hass. Wer das fordert, trägt die Verantwortung für eine Verrohung und Spaltung der Gesellschaft.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/10/16/neuer-journalimus-tamedia-weltwoche/">Neuer Journalismus, Tamedia, Weltwoche</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Gefragte Schweizer Perspektive in Deutschland</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2021/09/27/gefragte-schweizer-perspektive-in-deutschland/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 Sep 2021 09:31:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Weltwoche]]></category>
		<category><![CDATA[NZZ Deutschland]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wie gut ist die NZZ in Deutschland unterwegs, warum funktioniert der andere Blick &#8211; und wie kann Roger Köppels Weltwoche davon profitieren?</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/09/27/gefragte-schweizer-perspektive-in-deutschland/">Gefragte Schweizer Perspektive in Deutschland</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wie gut ist die NZZ in Deutschland unterwegs, warum funktioniert der andere Blick &#8211; und wie kann Roger Köppels Weltwoche davon profitieren?</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/09/27/gefragte-schweizer-perspektive-in-deutschland/">Gefragte Schweizer Perspektive in Deutschland</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Journalismus mit rechts</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2021/04/15/journalismus-mit-rechts/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Benjamin von Wyl]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 15 Apr 2021 19:00:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Weltwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Nebelspalter]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der neue «Nebelspalter» von Markus Somm sucht seinen Platz rechts der NZZ, wo bereits die «Weltwoche» grast. Trotz personeller Überschneidungen und politischer Übereinstimmungen unterscheiden sich die beiden rechten Publikationen in zentralen Punkten. Eine Analyse zum ersten «Nebelspalter»-Monat und zum Relaunch der «Weltwoche». Markus Somm sitzt vor einer Bücherwand mit Monopoly-Spiel. «In einem Jahr wird die <a href="https://medienwoche.ch/2021/04/15/journalismus-mit-rechts/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/04/15/journalismus-mit-rechts/">Journalismus mit rechts</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Der neue «Nebelspalter» von Markus Somm sucht seinen Platz rechts der NZZ, wo bereits die «Weltwoche» grast. Trotz personeller Überschneidungen und politischer Übereinstimmungen unterscheiden sich die beiden rechten Publikationen in zentralen Punkten. Eine Analyse zum ersten «Nebelspalter»-Monat und zum Relaunch der «Weltwoche».</strong><br />
<img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-87741" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/04/MW-Nebelspalter-Weltwoche-20210415c.jpg" alt="" width="1456" height="976" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/04/MW-Nebelspalter-Weltwoche-20210415c.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/04/MW-Nebelspalter-Weltwoche-20210415c-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/04/MW-Nebelspalter-Weltwoche-20210415c-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/04/MW-Nebelspalter-Weltwoche-20210415c-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/04/MW-Nebelspalter-Weltwoche-20210415c-470x315.jpg 470w" sizes="auto, (max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
Markus Somm sitzt vor einer Bücherwand mit Monopoly-Spiel. «In einem Jahr wird die New York Times anfragen, ob sie unser Geschäftsmodell kopieren kann», <a href="https://www.youtube.com/watch?v=hPSLZUIYQP0&amp;t=2896s" target="_blank" rel="noopener">feixt er</a>. Interviewer Reto Brennwald und er krümmen sich vor Lachen in ihren Sesseln. «Es ist ein bitzli übertrieben», sagt dann Somm. Auch einen Monat nach dem Start bleibt es der mit Abstand beste Witz im ehemaligen Satiremagazin, das nun mit rechtsliberalen bis rechtspopulistischen Standardmeinungen aufwartet.<br />
</p>
<p>«Kein Kommentar» ist Markus Somms Antwort auf die Fragen der MEDIENWOCHE, unter anderem zum bisherigen Erfolg des Geschäftsmodells und der Anzahl verkaufter Abos. Wie viele haben seinen Witz mitbekommen? 2800 Mal wurde bisher in das fünfzigminütige Gespräch von Somm und Brennwald reingeschaut – das erfolgreichste Video und wohl der erfolgreichste Beitrag überhaupt. Das liegt auch daran, dass «Nebelspalter»-Videos für alle verfügbar sind: Man kann sie gratis auf Youtube schauen. Die Artikel stehen hingegen hinter einer strikten Paywall.</p>
<p>Diejenige Person beim «Nebelspalter», die via ihre Social-Media-Kanäle am meisten Leute erreicht, teilt sie nicht mit dem Medium: Die bekannte Videokolumnistin Tamara Wernli lädt ihre «Nebelspalter»-Filmchen jeweils mit anderem Vorspann auf ihren eigenen <a href="https://www.youtube.com/channel/UChBJrKb8HB1ViYagR7a-K4g/featured" target="_blank" rel="noopener">Youtube-Kanal</a>. Dort erreichen sie regelmässig mehr als 10ʼ000 Leute, via «Nebelspalter» dümpeln ihre Videos bei <a href="https://www.youtube.com/watch?v=CK5C5W43teU&amp;list=PLua6Gs4hvcfWV_2S-kkmjuq-eLgmi-L7c" target="_blank" rel="noopener">wenigen hundert Views</a>. Im Beitrag «Denken die, wir sind dumm?» für den «Nebelspalter» liest sie fast durchgehend dieselben Sätze in die Kamera, die sich zehn Tage später in ihrer «Weltwoche»-Kolumne finden. In der aktuellen «Weltwoche» findet sich Wernlis Interview mit einer Publizistin, das denselben Entstehungsweg genommen hat.</p>
<blockquote><p>Wer kein «Nebelspalter»-Abo hat, sieht auf der Website vor allem Stockfotos, belanglose Symbolbilder.</p></blockquote>
<p>Ein Grossteil der Artikel hangelt sich im Stil von Newsjournalismus an den Aussagen von politischen Akteur*innen entlang, dazwischen gibt es Meinung (EU: böse; Massnahmen: unliberal; Gendersprache: haha; Cancel Culture, Cancel Culture, Cancel Culture).</p>
<p>Der «Energiepolitik»-Redaktor, der sich <a href="https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/tv-kritik/tv-kritik-zu-maischberger-xavier-und-der-klimawandel-15242523.html" target="_blank" rel="noopener">gemäss FAZ</a> vor vier Jahren im Ersten Deutschen Fernsehen als «Klimaleugner» inszenierte, porträtiert eine junge AKW-Lobbyistin. Es gibt sexistische und vorgestrige Provokationen. Es gibt den Beitrag, in dem ein Autor eine gesperrte Website <a href="https://twitter.com/fabianeberhard/status/1374454967742779392" target="_blank" rel="noopener">verharmlost</a>, wo Morddrohungen gegen Bundesrät*innen geäussert worden sind. Einen echten Primeur gab es bisher nicht. Am 14. April ist der Aufhänger, dass drei ehemalige Chefbeamte allen Ständerät*innen vor einer Parlamentsabstimmung einen Brief geschrieben haben. Für diesen Beitrag holte Bundeshauschef Dominik Feusi dann Zitate von Ständerät*innen ein, die noch immer derselben Meinung sind wie vor dem Brief und wie vor drei Jahren, als das Thema erstmals auf der Agenda gestanden hatte.</p>
<p>Vereinzelt gibt es auch überraschende, spannende und gute Beiträge im neuen «Nebelspalter»: Gioia Porlezza, Vizepräsidentin der Jungfreisinnigen Kanton Zürich, schildert in ihren <a href="https://www.youtube.com/watch?v=usS73jVf2FA&amp;list=PLua6Gs4hvcfUPS1OHkT7sSxJmU_05GG3Z" target="_blank" rel="noopener">Videokolumnen</a> ihre Sicht auf die Welt. Porlezza tut das auf eine Weise, die um Originalität bemüht ist und auch mal über festgefahrene Argumentationslinien hinausgeht – fast schon wie ein «izzy»-Video. Redaktor Sebastian Briellmann hat ein gelungenes Porträt über einen aufmerksamkeitsgeilen Gegner der Pandemiemassnahmen geschrieben, das fair ist und gleichzeitig Ungereimtheiten in der Selbstdarstellung des Porträtierten nicht weichzeichnet. Hier hat sich jemand wirklich ins Artikelthema reingekniet. Es ist mehr als eine meinungsstarke Niederschrift dessen, was der Autor bereits weiss oder zu wissen glaubt.</p>
<blockquote><p>Insgesamt gilt nach einem Monat: Was sich hinter der Paywall abspielt, ist nicht aufregender als die Stockfotos.</p></blockquote>
<p>In der zwölfköpfigen Redaktion sind so viele Frauen wie FDP-Mitglieder: je zwei. Eine weitere Redaktorin hat kürzlich, im Zusammenhang mit der Pandemie, dem Freisinn den Rücken gekehrt. Demographisch zusammengesetzt ist das «Nebelspalter»-Team aber eher wie eine SP-Sektion auf dem Land: Einige über 65-Jährige*, noch mehr «Blutjunge» – ein Begriff, mit dem Somm manche von ihnen vor dem Launch vorstellte.</p>
<p>Vor zwei Jahren entblösste Markus Somm in einem Papier, das während seinem Harvard-Aufenthalt entstand, wie wenig Ahnung er vom Internet hat. Darin <a href="https://shorensteincenter.org/small-is-beautiful/" target="_blank" rel="noopener">lobte er</a> etwa das Geschäftsmodell von «Inside Paradeplatz»: Gratis-Inhalte und Google-Anzeigen. Dabei hob er hervor, dass Google als «American company» die Unabhängigkeit des Finanzblogs nicht beeinträchtige. Im letzten Herbst hat Somm seine Meinung geändert: Statt Gratis-Reichweite brauche es eine Paywall für sein Medienprojekt.</p>
<p>Auch sonst zeigt sich fehlende Digitalkompetenz an allen Ecken und Enden. Angefangen damit, dass die aufwändig produzierten Videos als einzige Inhalte gratis sind. Weiter ist der «Nebelspalter» eines der letzten Medienunternehmen, bei dem man fürs Newsletter-Abo seine E-Mail-Adresse nicht verifizieren muss. So lässt sich der Newsletter ungefragt allen aufhalsen oder der «Nebelspalter»-Mailverteiler mit Falschadressen füllen.</p>
<blockquote><p>In den ersten Wochen standen gar die «Memes der Woche» – also Versuche für virale Social-Media-Witze – hinter der Paywall. (Der MEDIENWOCHE ist eine Person bekannt, die 1.60 Franken für drei Memes bezahlt hat.)</p></blockquote>
<p>Anfang April schrieb Dominik Feusi darüber, dass der EU-Botschafter beim Bundesrat vorstellig werden musste. Der «Blick» brachte das als News ein paar Tage später. Feusi forderte <a href="https://twitter.com/feusl/status/1378682148119515139" target="_blank" rel="noopener">via Twitter</a>, dass man den «Nebelspalter» künftig bitte als Quelle nennen solle. Doch wie kommt er darauf, dass seine News überhaupt gesehen wurde? Der «Blick»-Antwort auf Twitter kann man sich anschliessen: «Anregung für die Zukunft: Primeure freischalten. Oder Aufnahme in der SMD.»</p>
<p>Feusi gehörte zuvor zum Mantelteam von Tamedia. An den kleinen Kreis, für den er nun publiziert, muss er sich wohl noch gewöhnen. Sein Wirkkreis ist momentan eher mit dem «Schweizer Monat» zu vergleichen, der dem «Nebelspalter» nun oft als <a href="https://twitter.com/biofrontsau/status/1380476474352922624" target="_blank" rel="noopener">Stichwortgeber und Anlass</a> für Artikel dient. Dieses rechte Monatsmagazin hat laut <a href="https://schweizermonat.ch/wp-content/uploads/2019/12/SM-Mediatarif-2020_definitiv.pdf" target="_blank" rel="noopener">Mediadaten</a> 2000 Abonnent*innen.</p>
<p>Wenn in der Schweiz ein dezidiert rechtes Medium Erfolg haben will, müsste es eigentlich enttäuschte «Weltwoche»-Leser*innen ansprechen, die in den letzten Jahrzehnten dem Blatt zu Zehntausenden den Rücken kehrten. Als bekannt wurde, dass Markus Somms neues Medienprojekt mit 70 Investoren, die je 100&#8217;000 Franken einschiessen, breit abgestützt ist, wirkte der «Nebelspalter» wie ein Gegenentwurf zur «Weltwoche». Somm betonte extra, dass unter den Investoren niemand aus der Aktivpolitik sei. Das wirkt wie ein Angebot an all jene, die zwar ein rechtsbürgerliches Medium wollen, aber keines, das vor allem als Vehikel für eine Politkarriere dient.</p>
<p>Die Zeiten, in denen die «Weltwoche» journalistisch Themen setzen konnte, sind lange vorbei. Doch der Politiker Roger Köppel schafft es weiterhin:</p>
<blockquote><p>Je lauter die Marke Köppel in die Videokamera schwadroniert, je irrwitziger er twittert, desto stiller wird es um sein Magazin.</p></blockquote>
<p>Der journalistische Nullpunkt war wohl spätestens erreicht, als die NZZ Ende 2019 in einer Recherche <a href="https://www.nzz.ch/schweiz/roger-koeppel-die-weltwoche-und-china-eine-seltsame-naehe-ld.1527537" target="_blank" rel="noopener">Indizien</a> veröffentlichte, die darauf hindeuteten, dass der sonderbar freundliche Kurs gegenüber dem totalitären Regime in China und die Kolumne des chinesischen Botschafters in der «Weltwoche» System hat – und sich gleichzeitig chinesische Inserate im Blatt häuften. Gegengeschäfte habe die NZZ damit gar nicht unterstellen wollen. Köppel schrieb eine Replik und wehrte sich gegen die «groben Unterstellungen».</p>
<p>Im vergangenen Pandemiesommer, als bereits erste Gerüchte über Somms Medienprojekt kursierten, verpasste sich die «Weltwoche» einen ausgebauten Kultur-Teil, neue Formate und ein frisches Layout. War schon der Relaunch ein Versuch, um für Leser*innen attraktiv zu bleiben, da bald Konkurrenz am rechten Medienrand auftauchen sollte? Tatsache ist: Köppel kämpft. Fünf Mal die Woche beschert er der Welt einen Videoblog; seit Dezember liefert seine Redaktion auch täglich online frei zugängliche Kurzkommentare.</p>
<p>Seit dem Relaunch orientieren sich Layout und Aufbau der gedruckten «Weltwoche» stark an <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/The_Spectator_(Zeitschrift)" target="_blank" rel="noopener">«The Spectator»</a> – dem britischen Magazin, als dessen Chefredaktor einst Boris Johnson die eigene politische Karriere befeuert hatte. Vom «Spectator» übernahm die «Weltwoche» die regelmässigen Serien «Tagebuch» (im Original: «Diary»), «Blick in die Zeit» (im Original: «Ancient &amp; Modern»), die verschiedenen Varianten der Kolumnenaufmachung, die im Magazin verstreuten Minicomics ohne Zusammenhang mit den Artikeln. Auch das Editorial ist an den «Spectator» angelehnt, mit einem kleinen Unterschied: Im «Spectator» erscheint es ohne Autorenzeile. Köppel schreibt immer seine Initialen hin.</p>
<p>Insbesondere das «Tagebuch» ist ein Erfolgsmodell, um Gewährspersonen ausserhalb der eigenen Nische als Autor*innen zu gewinnen. Von Radiojournalistin Nicoletta Cimmino über Michèle Binswanger vom «Tages-Anzeiger» bis zu Patrik Müller, Super-Chefredaktor bei CH Media, vom neuen SBB-Chef Vincent Ducrot bis zum ehemaligen Skispringer Simon Ammann haben alle möglichen, maximal unverdächtigen Personen maximal harmlose Texte über ihren Alltag geschrieben. Dass sich Journalist*innen dafür hergeben, erscheint fragwürdig:</p>
<blockquote><p>Die «Weltwoche» bietet immer wieder eine Plattform für Agitation gegen Journalismus oder agitiert gar selber.</p></blockquote>
<p>Zwei Wochen bevor Nicoletta Cimminos «Tagebuch»-Eintrag erschien, warf Köppel in seinem Videopodcast «den Medien» eine «Verfilzung und Verquickung» mit dem Staat vor. In der Ausgabe, in der Patrik Müllers «Tagebuch» erschien, wurde zwanzig Seiten weiter die Behauptung aufgestellt, das Inland-Ressort von Tamedia bestehe aus einer «Gesinnungspolizei». Anfang April fragte die «Weltwoche» diverse Persönlichkeiten, was sie aus einem Jahr Pandemie gelernt haben. CH Media-Chefredaktor Müller sagt da, Corona habe seinen Optimismus noch verstärkt. Der verschwörungsgläubige Blogger Daniel Stricker sagt in derselben Umfrage: «Die Massenmedien geben einem das Gefühl, keine eigenen Gedanken haben zu dürfen.»</p>
<p>Selbstverständlich gäbe es viele Gründe, als Journalist*in, als Politiker*in oder als Werber wie David Schärer (Rod Kommunikation, Operation Libero) nicht in der «Weltwoche» zu publizieren. Vor fünf Jahren bewunderte Köppel ein Editorial lang NSDAP-Reichswirtschaftsminister Hermann Göring. Vor drei Jahren marschierte Köppel als Reporter an einer Rechtsextremen-Demo in Chemnitz mit und wollte dort partout keine Rechtsextremen gesehen haben. Vor zwei Jahren kumpelte er in einem grossen Interview mit dem Faschisten Björn Höcke. Genau vor einem Jahr hiess die Titelstory über den Bundesrat in der Pandemie «Autokraten an der Macht». In der Woche danach würdigte ein freier Autor den spanischen faschistischen Diktator Francisco Franco in einem langen Porträt: «Was Europa Franco zu verdanken hat». Kürzlich schrieb ein Fidesz-EU-Parlamentarier zwei Seiten lang «unvoreingenommen» über Polen: «Polen ist eine lupenreine Demokratie», so der unironisch gemeinte Titel. Die Liste liesse sich fortsetzen.</p>
<p>Trotz alledem stammen die meisten Inserate in der «Weltwoche» weiterhin von grossen Firmen: etwa von BMW, Degussa Goldhandel oder Swiss Life. Das Kreuzworträtsel sponsert seit jeher die EMS-Chemie von Familie Blocher. Daneben hat es Groteskes, zum Beispiel Anzeigen von Anhänger*innen eines selbsternannten Messias namens Abd-ru-shin. Ab und an scheint sich der Rechtspopulismus aber auch am Inseratemarkt zu lohnen: Anfang Jahr veröffentlichte etwa das Gastronomieunternehmen Bindella als ganzseitige Anzeige einen offenen Brief an den Bundesrat, in dem um Öffnungen gebeten wurde. Fragwürdig erscheint der Abdruck des Briefs einer City Lights AG, in dem diese einer Behörde «Zensur» und «Amtsmissbrauch» vorwirft. Gemäss Tarifliste zahlte jemand gut 18ʼ000 Franken für diesen offenen Brief als Inserat.</p>
<p>Seit dem Relaunch im letzten Sommer hat «Weltwoche»-Wirtschaftsredaktor Florian Schwab «neben seiner journalistischen Tätigkeit» eine zweite Aufgabe: Er ist Leiter Corporate Publishing. Seither ist es bei der Lektüre unmöglich zu differenzieren, wann Schwab als Journalist schreibt, wann nicht. Über Schwabs journalistische Kundenbeziehung zum Rohstoffkonzern Glencore und die «Weltwoche»-Spezialausgabe «Wirtschaft &amp; Verantwortung» berichtete die MEDIENWOCHE <a href="https://medienwoche.ch/2020/10/31/junge-erwachsene-print-werbung-weltwoche/">bereits vergangenes Jahr</a>. Die netten Artikel über den Rohstoffkonzern schreiben seither andere. 2021 konzentrieren sich die fürs Geschäft bedeutsamen Spezialausgaben gemäss Jahresplan auf die Klassiker: Auto- und Motorradjournalismus.</p>
<p>Naheliegend erscheint Schwabs Funktionsvermischung im China-Schwerpunkt vom Februar. Anlässlich des chinesischen Neujahrs hat er die chinesische «Banque Internationale à Luxembourg» BIL porträtiert. Die BIL, ein regelmässiger Anzeigekunde, schaltete in derselben Ausgabe ein ganzseitiges Inserat auf der Umschlaginnenseite. Nach Tarif kostet ein solches 23’200 Franken. Den China-Schwerpunkt eröffnete ein Text von Köppel: «Freundliche Beziehungen zu China». Das Schweizer Fernsehen sende «jede Kampfparole aus dem SP-Hauptquartier» und die Bemühungen um eine koordinierte Aussenpolitik seien eine «aussenpolitische Kriegserklärung gegen Peking».</p>
<p>Wenn Corporate-Publishing-Schwab einen Anzeigekunden porträtiert, scheint eine Funktionsvermischung recht offensichtlich. Wie verhält es sich, wenn Schwab den Besitzer des Luxusgüter-Konzerns Richemont auf einer halben Seite als «genialen Investor» zeichnet? Oder wenn er über die «Erfolgsgeschichte Davidoff» und dessen CEO schreibt, welcher angesichts möglicher neuer Tabakregulationsgesetze eine «Gettoisierung des Tabakkonsums» befürchtet?</p>
<blockquote><p>Ist jeder positive Text über einen Wirtschaftskapitän (über Wirtschaftskapitäne schreibt Schwab durchwegs positiv) auch ein Werbepitch?</p></blockquote>
<p>Anders als Markus Somm hat sich Roger Köppel zu den Fragen der MEDIENWOCHE geäussert. In welchen Artikeln schreibt Florian Schwab als unabhängiger Journalist, in welchen als Corporate-Publishing-Verantwortlicher? Dazu Köppel: «Die Weltwoche baut das Geschäftsfeld Corporate Publishing aus. Florian Schwab hat hier in kürzester Zeit exzellente Arbeit geleistet.» Ebenso allgemein äussert sich Köppel zum China-Kurs: «Ja, die Weltwoche schreibt über China nicht das Gleiche wie alle anderen Zeitungen. Ist das neuerdings verboten? Unsere Berichterstattung ist meines Erachtens hervorragend, vielfältig und orientiert sich an der bewährten Schweizer Neutralität gegenüber allen Staaten. Offensichtlich haben Sie nicht mitbekommen, dass in der Weltwoche auch immer wieder Texte erschienen sind, die sich kritisch mit China befassen, nicht zuletzt von Fabian Molina. Die Weltwoche wurde letztes Jahr von der chinesischen Botschaft in Bern auch öffentlich gerügt, wegen ihrer Corona-Berichterstattung. Das hindert mich nicht daran, als Chefredaktor aus voller Überzeugung für gute Beziehungen der Schweiz mit China zu plädieren.»</p>
<blockquote><p>«Im Unterschied zu anderen Medienhäusern» habe die «Weltwoche» «auf einen Personalabbau verzichtet» und stattdessen «redaktionell aufgerüstet», teilt Köppel weiter mit.</p></blockquote>
<p>Die Frage, ob die tagesaktuellen Kurzkommentare seiner Redaktorenschar und der einzigen Redaktorin mit grösseren Pensen oder anderweitig entgeltet werden, beantwortet er nicht direkt. Ebenso unbeantwortet lässt Köppel die Fragen, wie es zur starken konzeptuellen und visuellen Anlehnung an den «Spectator» kam und ob es sich dabei um eine offizielle Kooperation handelt. Die Entwicklung der «Weltwoche» auf dem Leser*innenmarkt nennt Köppel «sehr erfreulich»: «Wir legen an Print-Abos zu. Auch Weltwoche-Daily ist ein voller Erfolg.» Obwohl die Anzeigensituation «auf Grund der Lockdown-Politik natürlich anspruchsvoll» sei. Die aktuellsten WEMF-Zahlen zeichnen ein anderes Bild: Die beglaubigte Auflage liegt demnach bei 39ʼ070 Exemplaren. 2019 waren es 41ʼ300, vor zwei Jahren noch über 45ʼ000. Immerhin wurde der Trend gebremst. Aber anscheinend hat die «Weltwoche» unter den Gegner*innen der Corona-Massnahmen nicht massenweise neue Leser*innen gewinnen können (oder es gibt einfach sehr wenige).</p>
<blockquote><p>Anders als die «Weltwoche» zeigt der neue «Nebelspalter» keine Affinität zu Diktaturen und autoritären Staaten.</p></blockquote>
<p>Im Gegenteil: Redaktorin Claudia Wirz kritisierte die China-Strategie der Schweiz für ihre fehlende Entschiedenheit. Mit «geschmeidigem Pragmatismus» werde man nicht davonkommen. Somms Medium wirkt bisher insgesamt nüchterner, staatstragender und stärker der Ratio verpflichtet. Der neue «Nebelspalter» kommt auch deshalb nüchtern daher, weil er unfreiwillig werbefrei ist, trotz dem prominent auf der Seite platzierten Hinweis «Inserieren». Für 2000 bis 30ʼ000 Franken kann man Pakete mit Video- und Podcastwerbung oder Native Ads buchen. Bis anhin hat das anscheinend noch niemand getan.</p>
<p>Markus Somms allererster Leitartikel «Die Tage des Nebels sind gezählt» erzählt von einer angeblich dominanten Schweizer Linken seit Anfang 1990er-Jahre, deren Macht bald gebrochen werde – was schon angesichts der politischen Mehrheitsverhältnisse kurios ist. Ähnlich bemerkenswert ist, dass Somm darin Rhetorik und Prinzipien des marxistischer Denkers Antonio Gramsci aus den frühen 1930er-Jahren entlehnt. Gramsci leitet seine Ideen, wie die Linke Gestaltungsmacht erlangen kann, aus seiner Gegenwartsanalyse ab: «Die alte Welt liegt im Sterben, die neue ist noch nicht geboren: Es ist die Zeit der Monster». Bei Somm heisst es: «Es ist eine neue Epoche angebrochen, deren Züge im Nebel liegen, Sicher ist nur, alles ist unsicher.»</p>
<blockquote><p>Es scheint, dass der Ex-Linksaussen Somm marxistische Prinzipien nun einfach im Sinne der Rechtsbürgerlichen anwendet – natürlich ohne seine Quellen zu nennen.</p></blockquote>
<p>Und für seine Zielgruppe liest sich das dann originell. In seinem zweiten Artikel nannte er dann ein konkretes Vorbild für seine Idee bürgerlicher Politik: «Von <a href="https://www.bernerzeitung.ch/teflon-mark-vor-dem-fall-581186187075" target="_blank" rel="noopener">[Mark] Rutte</a> lernen, heisst Siegen lernen.» Es ist die Abwandlung einer Parole der Sowjetunion. Seither hat sich Somm gefangen und haut – wie man es von ihm erwartet – auf Alain Berset und Angela Merkel ein.</p>
<p>Der Chefredaktor steht im Ruf, ein sehr schneller Schreiber zu sein. Dementsprechend fordere er dem Vernehmen nach seine Redaktion. Meinungstexte schreibt man schnell und sie gehen auch den Jungpolitiker*innen mit publizistischer Schnellbleiche leicht von der Hand. Reportagen, Hintergrundtexte, Porträts sind zäher – die Position und die Perspektive entwickelt sich im Schreiben, im Verdichten und Aufgliedern von Fakten und Erlebtem.</p>
<p>Wütende Meinungstexte werden gut geteilt auf Social Media, egal wie blutarm sie sind. Einem Medium, das auf eine harte Paywall setzt, bringt das aber nichts. Niemand muss zahlen, um zu wissen, was in Texten steht mit Titeln wie: «Was darf ‹man› überhaupt noch sagen? Ein Wort zum Unwort «Jemensch»», «Das Rahmenabkommen würde die Schweiz liberaler machen» oder «Cancel Culture gibt es auch in der Schweiz». Es gibt schlicht keinen Mehrwert. Wer aber online Abonnent*innen will, braucht überraschende Perspektiven und exklusive Recherchen.</p>
<p>Es gibt neben Exklusivinhalten einen zweiten Weg, um im Online-Geschäft Leser*innen zu binden: Identifikation und Community-Building. Auf Social Media äusserten sich viele Langzeitfollower irritiert, dass ihr Satiremagazin plötzlich als biederes Nachrichtenmedium daherkommt. Das Abosystem setzt auf automatische Verlängerung und Belastung der Kreditkarte. Dabei weiss man doch unter Digitalunternehmer*innen, wie wichtig es ist, die Community zu umschmeicheln statt mit ungewollten Kosten vor den Kopf zu stossen. Die MEDIENWOCHE jedenfalls hat ihr Monatsabo rechtzeitig gekündigt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><small><strong>*Korrigendum:</strong> In einer früheren Version dieses Artikels hiess es fälschlicherweise, beim «Nebelspalter» würden einige über-75-Jährige arbeiten. Tatsächlich sind nur zwei der vier Personen im Rentenalter, die im Impressum als  «Ständige Mitarbeiter und Kolumnisten» geführt werden, älter als 75.</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/04/15/journalismus-mit-rechts/">Journalismus mit rechts</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Freie Dokumente, SRF-Transformation, Weltwoche Daily</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2020/12/12/freie-dokumente-srf-transformation-weltwoche-daily/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 12 Dec 2020 11:10:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[SRF]]></category>
		<category><![CDATA[Christoph Mörgeli]]></category>
		<category><![CDATA[Öffentlichkeitsgesetz]]></category>
		<category><![CDATA[Weltwoche]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>The Good – Freie Dokumente: Looking at you, Luzern! Endlich. Die Einsicht in Dokumente der Bundesverwaltung soll künftig kostenfrei sein, hat der Bundesrat gestern beschlossen. Für alle Personen – unabhängig davon, ob sie ein begründetes Interesse vorweisen können. Anders als es die Vorlage der Staatspolitischen Kommission vorsieht, die bald ins Parlament geht, möchte der Bundesrat <a href="https://medienwoche.ch/2020/12/12/freie-dokumente-srf-transformation-weltwoche-daily/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/12/MW-Good-Bad-Ugly-20201212b.jpg" alt="" width="1456" height="488" class="alignnone size-full wp-image-84263" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/12/MW-Good-Bad-Ugly-20201212b.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/12/MW-Good-Bad-Ugly-20201212b-300x101.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/12/MW-Good-Bad-Ugly-20201212b-768x257.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/12/MW-Good-Bad-Ugly-20201212b-1024x343.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /></p>
<h3>The Good – Freie Dokumente: Looking at you, Luzern!</h3>
<p>Endlich. Die Einsicht in Dokumente der Bundesverwaltung soll <a href="https://www.admin.ch/gov/de/start/dokumentation/medienmitteilungen.msg-id-81574.html" target="_blank" rel="noopener">künftig kostenfrei</a> sein, hat der Bundesrat gestern beschlossen. Für alle Personen – unabhängig davon, ob sie ein begründetes Interesse vorweisen können.</p>
<p>Anders als es die Vorlage der Staatspolitischen Kommission vorsieht, die bald ins Parlament geht, möchte der Bundesrat aber weiterhin eine «Ausnahmeregelung» für besonders aufwändige Gesuche. Die Regierung verteidigt diese Haltung damit, dass etwa die Zulassungsdossiers von Arzneimitteln manchmal «mehrere hundert Bundesordner umfassen».</p>
<p>Grundsätzlich tritt der Bundesrat aber entschieden für diese Stärkung des Öffentlichkeitsprinzip ein: «Das Öffentlichkeitsprinzip ist die Grundlage für die Teilnahme der Bevölkerung an der demokratischen Willensbildung und soll das Vertrauen in den Staat sicherstellen.» Hoffentlich lesen das auch die Politiker*innen im Verdunkelungskanton Luzern. Luzern ist der einzige Kanton, in dem es momentan nicht mal Bestrebungen gibt, das Öffentlichkeitsprinzip einzuführen. (<em>Benjamin von Wyl</em>)</p>
<h3>The Bad – SRF: Transformation ohne Transparenz</h3>
<p>Das Ziel ist hoch gesteckt, der Fahrplan eng getaktet. Schweizer Radio und Fernsehen SRF will sich unter Spardruck neu erfinden. Was auch heisst: Weniger Personal muss mehr leisten. Das Rezept kommt einem aus der privaten Medienwelt bekannt vor.</p>
<p>Dabei gibt die SRF-Spitze nicht gerade ein gutes Bild ab im anrollenden Transformationsprozess. Die Führung schafft es nicht, das Personal mitzunehmen. <a href="https://www.schweizer-illustrierte.ch/people/swiss-stars/sendeschluss-nicht-mit-uns" target="_blank" rel="noopener">Sparentscheide</a>, die beim Publikum für Kopfschütteln sorgen, wie die Einstellung starker und etablierter Sendungen, verstehen auch die eigenen Leute nicht.</p>
<p>Die Versprechen von SRF-Direktorin Nathalie Wappler, partizipativ führen zu wollen und die Hierarchien flach zu halten, entpuppen sich je länger je mehr als Schönwetterfloskeln. Das zeigt sich auch beim diese Woche mitgeteilten <a href="https://medien.srf.ch/-/stellenabbau-bei-srf-aktueller-stand-der-umsetzung" target="_blank" rel="noopener">Stellenabbau</a>. Im kommenden Jahre streicht SRF 210 Vollzeitstellen, in einer ersten Tranche im Januar die ersten 66 davon.</p>
<p>Das Konsultationsverfahren, zu dem SRF aufgrund der Massenentlassung gesetzlich verpflichtet ist, sei eine «Alibi-Übung», kritisiert <a href="http://www.ssm-news.ch/ssm/nl_online.cfm?par1=4B28E8C10CD9FCA7A1F512BE6005BEE8&amp;nl=D3269563-FC12-549D-F287A0D4BE4B6441&amp;ref=versand" target="_blank" rel="noopener">die Gewerkschaft SSM</a>. Mit dem Verweis auf den grossen Zeitdruck ging SRF gar nicht erst auf Vorschläge ein, welche die Situation für die zu Entlassenden entschärft hätten.</p>
<p>Die Irritation beim Personal ob des forschen Vorgehens rührt massgeblich von mangelnder Transparenz her zur finanziellen Situation von SRF. Muss das Personal unnötig bluten, weil <a href="https://www.watson.ch/schweiz/tv/650755025-srf-baut-einen-neuen-campus-und-erklaert-die-baukosten-zur-geheimsache?ub=100&amp;ss&amp;ut&amp;sp=44&amp;utm_av=B" target="_blank" rel="noopener">anderswo</a> Geld <a href="https://www.aargauerzeitung.ch/schweiz/die-neuen-studios-von-srf-funktionieren-nicht-jetzt-verlaesst-der-projektleiter-das-unternehmen-140164491" target="_blank" rel="noopener">verlocht</a> wird? Eine (von vielen) Fragen, welche die SRF-Spitze beantworten muss, wenn sie das Vertrauen der Basis nicht komplett verlieren will. (<em>Nick Lüthi</em>)</p>
<h3>The Ugly – Weltwoche Daily: Reichweite mit Fake News</h3>
<p>Roger Köppel tritt täglich in komplett anderem Kleidungsstil vor die «Weltwoche Daily»-Kamera. Er strengt sich an. Auch seinen Mannen und Katharina Fontana fordert Köppel einiges ab: Seit zwei Wochen schreiben sie Kurzbeiträge zum Tagesgeschehen als Gratis-Stoff fürs Internet. Die meisten Texte gehen unter. Fontanas Kommentar zur Kampagne «16 Tage gegen Gewalt an Frauen» wurde genau null Mal auf Facebook geteilt oder mit einem Like versehen. Auch auf Twitter kommt der neue, rechte Gratis-Journalismus kaum vor.</p>
<p>Die Zusatzplackerei verschaffte der «Weltwoche» erst dann nennenswert Reichweite, als ein Beitrag Falschinformationen enthielt. Christoph Mörgelis Behauptung, der Basler Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger besuche Restaurants in den Nachbarkantonen und foutiere sich um die dortigen Corona-Massnahmen, hat auf Facebook über 250 Reaktionen erhalten. Der Beitrag verbreitet sich auch weiter, nachdem Engelbergers Departement die Behauptungen dementiert hat.</p>
<p>Der Journalist Peter Knechtli hat erkannt, dass Mörgeli seine humoristische Gedankenspielerei auf Onlinereports.ch für bare Münze nahm. Auf Anfrage der MEDIENWOCHE gibt Mörgeli zu, dass er «eine missverständliche Interpretation einer glossenhaft gemeinten Aussage» getroffen habe. Für den Restaurantbesuch im Kanton Solothurn habe er hingegen «glaubwürdige Zeugen».</p>
<p>Trotz des Eingeständnisses ist der «Weltwoche Daily»-Beitrag weiterhin unverändert. «Die Weltwoche hält an ihrer Darstellung fest.» Bei aller Extraarbeit: Die Bemühung um Wahrheit ist dann doch zu viel Aufwand. (<em>Benjamin von Wyl</em>)</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/12/12/freie-dokumente-srf-transformation-weltwoche-daily/">Freie Dokumente, SRF-Transformation, Weltwoche Daily</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Junge Erwachsene, Print-Werbung, Weltwoche</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2020/10/31/junge-erwachsene-print-werbung-weltwoche/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Benjamin von Wyl]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 31 Oct 2020 09:48:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Weltwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Jahrbuch «Qualität der Medien»]]></category>
		<category><![CDATA[Inserate]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=82790</guid>

					<description><![CDATA[<p>The Good – Gar nicht so News-depriviert «Junge Erwachsene, insbesondere jene, die den ‹News-Deprivierten› zugerechnet werden können, sind für den Informationsjournalismus keineswegs verloren», heisst es in einer Studie, die am Montag als Teil des Jahrbuchs «Qualität der Medien» präsentiert wurde . Medienforscherin Lisa Schwaiger hat die Mediennutzung von 19 jungen Menschen zwischen 20 und 25 <a href="https://medienwoche.ch/2020/10/31/junge-erwachsene-print-werbung-weltwoche/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/10/31/junge-erwachsene-print-werbung-weltwoche/">Junge Erwachsene, Print-Werbung, Weltwoche</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-82792" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/10/MW-Good-Bad-Ugly-20201031b.jpg" alt="" width="1456" height="488" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/10/MW-Good-Bad-Ugly-20201031b.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/10/MW-Good-Bad-Ugly-20201031b-300x101.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/10/MW-Good-Bad-Ugly-20201031b-768x257.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/10/MW-Good-Bad-Ugly-20201031b-1024x343.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /></p>
<h3>The Good – Gar nicht so News-depriviert</h3>
<p>«Junge Erwachsene, insbesondere jene, die den ‹News-Deprivierten› zugerechnet werden können, sind für den Informationsjournalismus keineswegs verloren», heisst es in einer Studie, die am Montag als Teil des Jahrbuchs «Qualität der Medien» präsentiert wurde . Medienforscherin Lisa Schwaiger hat die Mediennutzung von 19 jungen Menschen zwischen 20 und 25 Jahren mit verschiedenen Ausbildungslevels und «eine[r] hohe[n] Social-Media-Affinität» qualitativ analysiert.</p>
<p>Junge Erwachsene informieren sich selektiv. Doch geht es um Themen, die sie interessieren, etwa die Fridays for Future, sind sie kompetent. Im Kontrast zu den Befunden des Jahrbuchs über die «News-Deprivierten» können die Jungen aus Schwaigers Untersuchung Quellen nach ihrer Glaubwürdigkeit einordnen: «Die traditionellen Medienkanäle TV, Radio und Presse werden von den Jungen als besonders glaubwürdig eingeschätzt.» Sie differenzieren auch zwischen Trash-TV, Boulevard und Qualitätsmedien. Die Medienkompetenz ist da. Allerdings werden «klassische Nachrichtenkanäle» seltener genutzt als Social Media – und Identifikation mit Medienmarken gibt es nicht. Schwaigers Befunde sind also eine gute Nachricht für Zivilgesellschaft und Demokratie, aber eine Herausforderung für Journalisten und Medienmanagerinnen.</p>
<h3>The Bad – Inserate im Herbst</h3>
<p>Seit dem Frühling lese ich «20 Minuten» anders: Ich achte nicht auf Artikel, ich achte auf Inserate. Am Donnerstag machten die Inserate gut fünf von 23 Seiten aus. Am Freitag – wenn man die ganze «Coop Zeitung Weekend» als Native Ad zählt – mehr als 20 von 36. Manchmal ist bei der Gratis-Zeitung also noch mehr als die Hälfte Werbung.</p>
<p>Für die Gratiszeitung ist es eine gute Nachricht: Anders als im März ist die gedruckte «20 Minuten» heute nicht zum besseren Faltblatt zusammengeschrumpft. Anders als im April stammen die verbliebenen Inserate heute nicht von lokalen Metzgereien oder von der TX Group selbst.</p>
<p>Soweit mein subjektives Inseratezählen – die systematische Auswertung des gesamten Werbemarkts zeichnet ein anderes Bild. Die Marktanalyse-Firma «Media Focus» wertet den Werbemarkt im Vergleich zum selben Zeitraum des Vorjahres aus. Nach einer leichten Erholung bei der Print-Werbung im August – «nur» minus 3 Prozent im Vergleich zu 2019 – ging es im September wieder rasant bachab: um satte 8 Prozent. Und das in einem Monat, der im Vorjahr Rekordwerte brachte. «Nach dem Sommerloch liessen sich 2019 im September und Oktober die Jahreshöchstwerte beobachten», sagt Nicole Brunold von Media Focus, wo man nun gespannt die Oktober-Werte erwartet. Ich zähle weiter Inserate.</p>
<h3>The Ugly – Alles korrupte Medien</h3>
<p>«Weltwoche»-Wirtschaftsredaktor Florian Schwab veröffentlichte im April den Artikel mit dem Titel «Wo Glencore Wunder tut». Der Artikel wurde auf Englisch übersetzt und ohne Zahlschranke online gestellt. Seit August verantwortet Schwab «neben seiner journalistischen Tätigkeit» den Ausbau des Bereichs Corporate Publishing des Wochenmagazins. Am 22. Oktober ist die Weltwoche-Spezialausgabe «Wirtschaft &amp; Verantwortung» erschienen. «Die Weltwoche dankt den drei Partnern, mit denen zusammen sie diese Spezialausgabe realisieren darf: Japan Tobacco International JTI in Dagmersellen, Glencore in Baar und die Naef Group in Freienbach», heisst es im Editorial.</p>
<p>Die Spezialausgabe enthält ein wohlwollendes Porträt über Glencores Kobalt-Sparte in der Demokratischen Republik Kongo. «Engineers of Clean Energy» – auch dieser Artikel von Florian Schwab wurde übersetzt und online gestellt. Das Rohstoffunternehmen nutzt nun die englische Version zur Selbstwerbung auf Social Media und hat gar ein paar Fränkli investiert, damit der Text mehr Menschen erreicht. Deutlich teurer als das bisschen Twitter-Werbung dürfte das Engagement bei der Weltwoche-Spezialausgabe gewesen sein. Während das Glencore-Sponsoring im gedruckten Editorial ausgewiesen ist, fehlt in der Onlineversion des Artikels jeder Hinweis darauf.</p>
<p>Am Donnerstag kündigte Roger Köppel seine tägliche Videokolumne an mit: «Grosses Führungsversagen des Bundesrats &amp; korrupte Medien». Er meinte damit alle Medien ausser der «Weltwoche».</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/10/31/junge-erwachsene-print-werbung-weltwoche/">Junge Erwachsene, Print-Werbung, Weltwoche</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Gute Laune mit Kultur?</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2020/08/25/gute-laune-mit-kultur/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 25 Aug 2020 06:59:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Weltwoche]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=80742</guid>

					<description><![CDATA[<p>Während die Kulturberichterstattung der Tamedia-Zeitungen immer mehr dem Service dient, vergrössert die «Weltwoche» ihr Feuilleton.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Während die Kulturberichterstattung der Tamedia-Zeitungen immer mehr dem Service dient, vergrössert die «Weltwoche» ihr Feuilleton.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/08/25/gute-laune-mit-kultur/">Gute Laune mit Kultur?</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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