DOSSIER mit 63 Beiträgen

Mediengeschichte

MEDIEN

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30 Jahre «Hochparterre»: die Gründer blicken zurück

Benedikt Loderer war Architekt und schrieb in den 1980er-Jahren für «Das Magazin» des Tages-Anzeigers, Köbi Gantenbein hatte den Journalismus «von der Pike» auf gelernt bei der Bündner Zeitung unter Chefredaktor Hanspeter Lebrument, bevor er in Zürich Soziologie studierte. Als die beiden zusammenfanden schlug Gantenbein vor, ein Buch herauszugeben mit Loderers Reportagen. Doch dieser wollte es eine Nummer grösser: Machen wir ein Magazin – die Idee zum «Hochparterre» war geboren. Nach Absagen von Ringier und Tamedia war es schliesslich Verleger Beat Curti («Beobachter»), der 1988 Geld in die Hand nahm und es den beiden Herren ermöglichte, ihr Vorhaben umzusetzen. Anlässlich des 30. «Hochparterre»-Geburtstags blicken Loderer und Gantenbein in einem Video-Interview auf die Gründung des Architektur- und Designmagazins zurück.

Weitere Beiträge aus diesem Dossier

«Ich muss zugeben, dass ich den Teletext unterschätzt habe.»

Ein Dreissigjähriger macht sich auf Spurensuche. Wer nutzt eigentlich das Uralt-Medium Teletext, fragt sich Luca Fontana auf digitec.ch und stellt fest: Die bunten Pixel finden auch heute noch ihr treues Publikum. Zwar nicht mehr ausschliesslich am Fernsehen, sondern auch im Web und als App. Fontana sieht die Retro-Ästhetik des Teletext als Kontrast zur Online-Bilderflut: «Optisch fällt er so dermassen aus dem Rahmen, dass er eine nostalgische Antithese zu all den Hipster-Schickimicki-Filtern darstellt, denen wir heutzutage ausgesetzt sind.»

Meienberg vs. Schawinski

Das Magazin «Persönlich» publiziert in seiner aktuellen Ausgabe einen bisher unveröffentlichten Briefwechsel zwischen Niklaus Meienberg und Roger Schawinski aus dem Jahr 1991. Gegenstand ist der Zweite Golfkrieg, als eine von den USA angeführte Koalition den Irak angegriffen hatte. Meienberg kritisierte polemisierend die in seinen Ohren US-freundliche Berichterstattung von Schawinskis Radio 24. Der Sender sei «eine Agentur für zionistisch-militaristische Propaganda» und sein Chef ein «ausgemachter Medienspekulant», der «schon längst kein journalistisches Ehrgefühl mehr» habe. Schawinski zeigte sich ob des Tons und der Anwürfe schockiert: «Noch nie habe ich ein so hasserfülltes Schreiben erhalten, gespickt mit Unterstellungen und Verwünschungen. Deine faschistoide Sprache und Denkweise erschweren es mir, mich in Ruhe mit deinen Äusserungen auseinanderzusetzen…»

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Männer und Frauen beim «Spiegel»

Anlässlich von einem Jahr #MeToo blickt die stellvertretende Chefredaktorin des Hamburger Nachrichtenmagazins «Der Spiegel» auf das Verhältnis von Mann und Frau im eigenen Haus im Laufe der Zeit. Dazu sprach Susanne Beyer (sie ist die erste Frau in der Chefredaktion des Magazins) mit zahlreichen Mitarbeiterinnen aus 70 Jahren «Spiegel». Vieles, was heute unvorstellbar wäre, nahm man früher hin. Etwa, dass «Spiegel»-Gründer und -Chefredaktor Rudolf Augstein Mitarbeiterinnen regelmässig im Bademantel empfing. «Das musste man akzeptieren in dieser Zeit», sagt dazu Dinah Deckstein, die seit 1982 als Wirtschaftsredaktorin arbeitet. Es sei für sie aber immer noch «ein Zeichen von Respektlosigkeit». Beyer zeichnet mit ihrem Text auch ein Sittengemälde der Bundesrepublik, da sich der Wandel der gesellschaftlichen Gepflogenheiten auch in der Redaktion des Nachrichtenmagazins spiegelte.

Was es brauchte, damit das Schweizer Fernsehen farbig wurde

Am 1. Oktober 1968, vor genau 50 Jahren, wird in der Schweiz die erste reguläre Fernsehsendung in Farbe ausgestrahlt. Die erste farbige Einstellung: Ein Blumenstrauss, eben noch in Schwarz-Weiss zu sehen, erblüht plötzlich in voller Farbe. Diesem historischen TV-Ereignis geht ein zähes Ringen um technische Standards voraus. In Europa herrscht Uneinigkeit über die Normierung der Farbfernsehtechnik. In der Schweiz wird die Wahl der technischen Norm zu einem Sprachpolitikum. Der Technikhistoriker Juri Jaquemet arbeitet auf dem Blog des Nationalmuseums die Vorgeschichte der Einführung des Farbfernsehens in der Schweiz auf.

Mediengeschichte: Als sich Sex auf 156 reimte

Ein hübsches Fundstück aus der jüngeren Schweizer Mediengeschichte hat «Republik»-Redaktor Elia Blülle ausgegraben: Eine fünfminütige «Spiegel TV»-Reportage von 1991 über das damals blühende Telefonsex-Geschäft. Zu Wort kommt auch der damalige PTT-Direktor Felix Rosenberg. Erst die Telecom-Infrastruktur und die 156er-Mehrwertnummern ermöglichten solche Angebote. Rosenberg zur Rolle der PTT: «Bezüglich dieser Anbieter eines sexuellen Angebots muss man vielleicht mit aller Deutlichkeit sagen, dass wir den Auftrag haben von der PTT, die Schläuche zu legen, aber für die Jauche, in der Schweiz sagen wir Gülle, sind wir nicht zuständig.»

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Eine Beichte zum 25. Todestag Niklaus Meienbergs

Der Titel klingt knackig und irritiert zugleicht. In der aktuellen Ausgabe der Weltwoche steht die Zeile: «Ich tötete Niklaus Meienberg». Im Artikel dazu erklärt der Autor und Werber Dominik Imseng, wie er als junger Journalist vor 25 Jahren der lebensmüden Reporterlegende den ultimativen Tipp gegeben hatte, mit welcher Methode er sich umbringen könne. Meienberg fragte zwar «für einen Freund», aber man hätte ahnen können, worum es ihm wirklich ging. Im Tages-Anzeiger fragt nun Philippe Zweifel, warum der junge Imseng diesen Tipp gegeben hatte. Dieser antwortet: «Aus einer Mischung von Naivität, Dummheit und Gefallsucht heraus. Im Nachhinein ist mir das klar, auch, dass ich mir davon eine vertrautes Verhältnis mit ihm erhoffte.»

«Unser Streik war ein Luxusstreik von Privilegierten»

«Republik»-Redaktor Dennis Bühler dokumentiert ein Stück Schweizer Mediengeschichte: Den Streik bei der Migros-Zeitung «Die Tat». Vor vierzig Jahren, im Herbst 1978, tritt die 60-köpfige Redaktion praktisch geschlossen in den Ausstand. Sie protestiert damit gegen die Entlassung von Chefredaktor Roger Schawinski. Als Reaktion auf den Streik entscheidet Migros-Chef Pierre Arnold die Tageszeitung einzustellen. Bühler spricht mit mehreren Protagonistinnen und Protagonisten von damals. Einer der Streikführer war der heutige Weltwoche-Kolumnist und Medienjournalist Kurt W. Zimmermann. Mit Blick auf den Streik der SDA-Belegschaft vom letzten Frühjahr sagt er:
«Wir wussten: Wenn wir heute streiken und morgen entlassen werden, finden wir übermorgen wieder einen Job. Unser Streik war ein Luxusstreik von Privilegierten, jener der SDA-Belegschaft war ein Notstreik von Unterprivilegierten.»