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	<title>Carmen Epp | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
	<lastBuildDate>Thu, 10 Oct 2019 18:50:58 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Fall Rupperswil: «Arena» entzieht sich dem Volkszorn</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Carmen Epp]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 18 Mar 2018 21:22:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Fall Rupperswil]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die «Arena» vom Schweizer Fernsehen hat mit ihrer Sendung zum Vierfachmord in Rupperswil gezeigt, dass eine sachliche und unaufgeregte Diskussion zu einem emotionsbeladenen Gerichtsfall möglich ist. Davon könnten sich andere Medien eine Scheibe abschneiden – statt weiter den Volkszorn zu befeuern. Der Aufschrei in den sozialen Medien war gross, als «Arena»-Moderator Jonas Projer am Mittwoch <a href="https://medienwoche.ch/2018/03/18/fall-rupperswil-arena-entzieht-sich-dem-volkszorn/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/03/18/fall-rupperswil-arena-entzieht-sich-dem-volkszorn/">Fall Rupperswil: «Arena» entzieht sich dem Volkszorn</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die «Arena» vom Schweizer Fernsehen hat mit ihrer <a href="https://www.srf.ch/play/tv/sendung/arena?id=09784065-687b-4b60-bd23-9ed0d2d43cdc" rel="noopener" target="_blank">Sendung zum Vierfachmord</a> in Rupperswil gezeigt, dass eine sachliche und unaufgeregte Diskussion zu einem emotionsbeladenen Gerichtsfall möglich ist. Davon könnten sich andere Medien eine Scheibe abschneiden – statt weiter den Volkszorn zu befeuern.</strong><br />
<img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/03/MW-Arena-Fall-Rupperswil_20180318a.jpg" alt="" width="1456" height="976" class="alignnone size-full wp-image-55058" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/03/MW-Arena-Fall-Rupperswil_20180318a.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/03/MW-Arena-Fall-Rupperswil_20180318a-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/03/MW-Arena-Fall-Rupperswil_20180318a-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/03/MW-Arena-Fall-Rupperswil_20180318a-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/03/MW-Arena-Fall-Rupperswil_20180318a-470x315.jpg 470w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
Der Aufschrei in den sozialen Medien war gross, als «Arena»-Moderator Jonas Projer am Mittwoch via Twitter das Thema der nächsten Sendung ankündigte: der Vierfachmord von Rupperswil. Von geschmackloser Quotenbolzerei war schnell die Rede. Zahlreiche Personen riefen zum Boykott der Sendung auf, darunter auch prominente Figuren wie etwa CVP-Präsident Gerhard Pfister.</p>
<blockquote class="twitter-tweet" data-width="500" data-dnt="true">
<p lang="de" dir="ltr">Die Arena ist der falsche Ort für diese Auseinandersetzung. Dieser Freitag der falsche Zeitpunkt.  Die Fragestellung ist für die Angehörigen der Opfer eine Zumutung. Das Einzige, was an dieser Arena ‚stimmen’ wird, ist die Einschaltquote. <a href="https://t.co/ZrrrVRDCVC">https://t.co/ZrrrVRDCVC</a></p>
<p>&mdash; Gerhard Pfister 🤍❤️ 💛💙 (@gerhardpfister) <a href="https://twitter.com/gerhardpfister/status/974335290528722945?ref_src=twsrc%5Etfw">March 15, 2018</a></p></blockquote>
<p><script async src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script></p>
<p>Auch ich hatte meine Bedenken, wie sinnvoll eine «Arena» zu diesem Thema zu diesem Zeitpunkt sein würde. Nicht, weil ich die Fragestellungen unwichtig, pietätlos oder deplatziert fand, die der Fall in Hinblick auf Themen wie Strafe, Verwahrung, Rechtsstaat. Im Gegenteil: Wann, wenn nicht jetzt sollte man diese Fragen diskutieren – auch auf politischer Ebene? Meine Befürchtung lag vielmehr darin, dass der Volkszorn, der in den Kommentarspalten, in privaten Begegnungen und auf Social Media vorherrschte, auch in die «Arena» übergreifen würde.</p>
<blockquote class="twitter-tweet" data-width="500" data-dnt="true">
<p lang="de" dir="ltr">Vierfachmord von Rupperswil: Hat auch Thomas N. ein Recht auf eine zweite Chance oder sollte man ihn für immer wegsperren? Diskutieren Sie mit im Studio. Mail an arena@srf.ch mit Tel. Nr. <a href="https://twitter.com/hashtag/srfarena?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#srfarena</a> ^red <a href="https://t.co/MrZZxe89hF">pic.twitter.com/MrZZxe89hF</a></p>
<p>&mdash; Jonas Projer (@jonasprojer) <a href="https://twitter.com/jonasprojer/status/973959990858960897?ref_src=twsrc%5Etfw">March 14, 2018</a></p></blockquote>
<p><script async src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script></p>
<p>Leider hat Jonas Projer diese Befürchtung – im Nachhinein gesehen wahrscheinlich unwillentlich – geschürt. In seinem Kurzvideo auf Twitter stellte er die Frage, ob auch jemand wie Thomas N., der gestanden hatte, einen 13-jährigen Jungen sexuell missbraucht und vier Menschen getötet zu haben, ein Recht auf eine zweite Chance habe. Noch deutlicher war die <a href="http://www.srf.ch/medien/news/arena-wegsperren-fuer-immer/" rel="noopener" target="_blank">Sendungsvorschau auf die Rupperswil-«Arena»</a> mit der Frage «Wieso kann man Thomas N. nicht einfach wegsperren – und den Schlüssel wegwerfen?».</p>
<p>Natürlich waren die Fragen rhetorisch gemeint. Aber sie folgten zu sehr dem Duktus der zornigen Kommentatoren und Usern auf Social Media. Die hatten in ihrer Empörung lautstark gefordert, den Täter für immer wegzusperren – ja gar nach Kastration und Ausblutenlassen und die Todesstrafe wurde hie und da gerufen. Indem die „Arena“-Macher eine dieser Forderungen als Frage aufnahmen, suggerierten sie, dass diese ernsthaft und ohne Weiteres in Betracht gezogen werden könnten..</p>
<p>Damit man mich nicht falsch versteht: Was Thomas N. an jenem Tag kurz vor Weihnachten 2015 in Rupperswil getan haben soll, ist abscheulich und in keiner Weise zu entschuldigen. Eine solche Tat macht ohnmächtig und wütend, weil sie sinnlos ist und – das Entscheidende – sich unserem Verständnis komplett entzieht. Niemand wird je verstehen, wie ein Mensch in der Lage sein kann, solch schreckliche Taten zu begehen. Dass Menschen auf diese Ohnmacht mit Wut reagieren, ist verständlich. In einer zivilisierten Gesellschaft darf diese Wut aber nicht so weit gehen, dass sie die Grundsätze unseres Rechtsstaats bedroht. Und die besagen nunmal zu Recht, dass jeder Mensch, unabhängig davon, was er getan hat, ein Recht auf Leben und eine zweite Chance hat.</p>
<p>Würde es der «Arena» gelingen, sich nicht von diesem Volkszorn einnehmen zu lassen? Und wenn ja, würde der Zorn stattdessen auf sie und namentlich Moderator Jonas Projer zurückfallen, wie es Renate Senn, die Verteidigerin von Thomas N. erfahren musste? Ich befürchtete Schlimmes, sah bereits dunkelschwarze Shitstorm-Wolken am Horizont aufziehen, die sich entweder weiter über Thomas N. oder über Projer und seinem Team entleeren würde.</p>
<blockquote class="twitter-tweet" data-width="500" data-dnt="true">
<p lang="de" dir="ltr">Die Pflichtverteidigerin von Thomas N. wird aufs Übelste angefeindet. Weil sie ihren Job im Rahmen unseres Rechtssystems macht. Dasselbe wird morgen mit <a href="https://twitter.com/jonasprojer?ref_src=twsrc%5Etfw">@jonasprojer</a> passieren. So viel zur Lage der Wutnation Schweiz. <a href="https://twitter.com/hashtag/Rupperswil?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#Rupperswil</a></p>
<p>&mdash; Carmen Epp 💉💉🦠 🙏 💪🏻 (@CarmenEpp) <a href="https://twitter.com/CarmenEpp/status/974342671924891649?ref_src=twsrc%5Etfw">March 15, 2018</a></p></blockquote>
<p><script async src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script></p>
<p>Meine Bedenken erwiesen sich glücklicherweise als unbegründet: Zwar galt der Fall Rupperswil – logischerweise – als Ausgangspunkt aller gestellten Fragen in der «Arena». Und mit Voten von Gästen in der zweiten Reihe fand auch der Volkszorn ein Ventil, aber in einem kontrollierten und von Moderator dosierten Mass. Statt sich der Emotionalisierung hinzugeben, diskutierten SVP-Nationalrätin Nathalie Rickli, FDP-Ständerat Andrea Caroni, Psychoanalytiker Peter Schneider und Psychiater Marc Graf jedoch mehrheitlich sachlich und unaufgeregt. So schaffte es die Sendung, Fragen zur Verwahrung und deren Umsetzbarkeit, zur Rolle psychiatrischer Gutachten und zum Opferschutz in einem Rahmen zu debattieren, der dem Thema würdig war.</p>
<p>Damit ist den Machern der «Arena» etwas gelungen, was ich bei den Print- und Onlineartikeln die letzten Tage teilweise schwerlich vermisst habe: auf Distanz zu gehen zum abscheulichen Verbrechen von Rupperswil und den Blick zu öffnen für Strukturen, die dahinter stecken.</p>
<p>Natürlich gehört es auch zum Auftrag von Journalisten, ein Verbrechen einzuordnen, da darf auch mal die Haltung des Journalisten spürbar werden. Man kann es aber auch übertreiben. In Teilen der Prozessberichterstattung schien es bisweilen, als hätten sich die Medienschaffenden mit den empörten Bürgern zu einer Empörungsgemeinschaft verschworen. In vielen Artikeln dominiert der Vorwurfston an Thomas N., seine Tat und seine Emotionslosigkeit vor Gericht. Wie etwa im Artikel zur Urteilsverkündung <a href="https://www.aargauerzeitung.ch/schweiz/wie-moerder-thomas-n-auf-das-urteil-reagierte-gefasst-ohne-emotionen-und-dann-doch-eine-traene-132327224" rel="noopener" target="_blank">in der Aargauer Zeitung</a>. Und «Blick»-Reporterin Lea Hartmann widmete ihre Empfindungen gegenüber dem Täter <a href="https://www.blick.ch/news/schweiz/mittelland/blick-reporterin-lea-hartmann-ueber-ihren-eindruck-von-thomas-n-die-verstoerung-wenn-das-boese-ganz-lieb-scheint-id8122439.html" rel="noopener" target="_blank">einen ganzen Artikel</a>. Angesichts einer Tat wie jener von Rupperswil, bei der ein äusserst breiter Konsens vorausgesetzt werden kann – es lässt sich wohl kaum jemand finden, der das alles «gar nicht so schlimm» findet – wäre dieser permanente Empörungs- und Vorwurfston in den meisten Medienberichten überhaupt nicht nötig gewesen. Dass dabei vornehmlich Experten zu Wort kamen, die ins Empörungslied mit einstimmten, konnte die fehlende Distanz nur bedingt überbrücken.</p>
<p>Am deutlichsten wurde das auf dem Regionalsender TeleM1, der ganze Live-Sendungen zum Fall ausstrahlte. Dabei kam immer wieder der ehemalige Kommissär Markus Melzl zu Wort, der kaum neue Sichtweisen einbrachte, sondern lediglich bestätigte, was die Zuschauer ohnehin schon dachten: dass dieser Thomas N. ein ganz mieser Mörder, Lügner und Heuchler ist. Mein persönlicher Tiefpunkt hingegen war die <a href="https://www.telem1.ch/35-show-aktuell/22377-episode-donnerstag-15-maerz-2018/54474-segment-eine-schrift-so-perfekt-dass-man-angst-bekommt#eine-schrift-so-perfekt-dass-man-angst-bekommt" rel="noopener" target="_blank">Sendung mit der Graphologin</a> Doris Aerne, die Thomas N.‘s Brief an die Angehörigen der Opfer analysierte. Sie steigerte sich dermassen in ihre «Analyse» hinein, dass sie den Eindruck erweckte, als wäre sie bei der Tat dabei gewesen.</p>
<p>Eine solche Berichterstattung hilft auf lange Sicht nicht weiter, sondern bestätigt den Leser in seiner Wut und lässt ihn gewissermassen darin verharren.</p>
<p>Natürlich gab es auch löbliche Ausnahmen. So empfand ich die Artikel von <a href="https://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/er-war-auf-dem-weg-zum-serientaeter/story/14689846?track" rel="noopener" target="_blank">Simone Rau</a> und <a href="https://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/stellen-sie-ihre-frage-zu-rupperswil/story/29600514" rel="noopener" target="_blank">Thomas Hasler</a> im «Tages-Anzeiger», <a href="https://nzzas.nzz.ch/notizen/fall-rupperswil-tag-4-das-urteil-ld.1366612?mktcid=nled&#038;mktcval=118&#038;kid=_2018-3-16" rel="noopener" target="_blank">Christine Brand</a> und <a href="https://www.nzz.ch/meinung/rupperswil-prozess-es-bleibt-enttaeuschte-hoffnung-ld.1366648" rel="noopener" target="_blank">Daniel Gerny</a> in der «NZZ» sowie <a href="https://www.watson.ch/!149288547?utm_source=twitter&#038;utm_medium=social-user&#038;utm_campaign=watson-site-mobile" rel="noopener" target="_blank">Fabian Vonarburg</a> bei «watson» als wohltuend nüchtern und sachlich. Ich bin froh, dass die «Arena» ebenfalls diesen Weg eingeschlagen hat, und hoffe, sie geht den Medienschaffenden für ihre künftige Berichterstattung als Vorbild voraus.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/03/18/fall-rupperswil-arena-entzieht-sich-dem-volkszorn/">Fall Rupperswil: «Arena» entzieht sich dem Volkszorn</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Wie Alex Baur aus dem «Fall Walker» einen «Fall Rundschau» konstruierte</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2018/01/03/wie-alex-baur-aus-dem-fall-walker-einen-fall-rundschau-konstruierte/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Carmen Epp]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 03 Jan 2018 16:08:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Fall Walker]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eigentlich wollte Alex Baur nie etwas zum sogenannten Fall Walker schreiben. Nach vier Jahren mischt der Weltwoche-Reporter mit Medienschelte in Richtung «Rundschau» von SRF nun doch noch mit. Nur: Seine selten durch Akten gestützte Kritik an der Berichterstattung der TV-Journalisten und sein blindes Vertrauen ins Bundesgericht führen in die Irre. Wir zeigen wie und wo. <a href="https://medienwoche.ch/2018/01/03/wie-alex-baur-aus-dem-fall-walker-einen-fall-rundschau-konstruierte/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Eigentlich wollte Alex Baur nie etwas zum sogenannten Fall Walker schreiben. Nach vier Jahren mischt der Weltwoche-Reporter mit Medienschelte in Richtung «Rundschau» von SRF nun doch noch mit. Nur: Seine selten durch Akten gestützte Kritik an der Berichterstattung der TV-Journalisten und sein blindes Vertrauen ins Bundesgericht führen in die Irre. Wir zeigen wie und wo.</strong><br />
<img decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/01/MW-Epp-vs-Baur_Fall-Walker_20180103b.jpg" alt="" width="1024" height="686" class="alignnone size-full wp-image-51500" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/01/MW-Epp-vs-Baur_Fall-Walker_20180103b.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/01/MW-Epp-vs-Baur_Fall-Walker_20180103b-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/01/MW-Epp-vs-Baur_Fall-Walker_20180103b-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/01/MW-Epp-vs-Baur_Fall-Walker_20180103b-470x315.jpg 470w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><br />
Im November wurde der Fall Walker (siehe nachfolgender Kasten) erneut vor dem Urner Obergericht verhandelt. Es war bereits die vierte Verhandlung in der Sache, umso erstaunlicher war die Tatsache, dass sich diesmal so viele Medienschaffende wie noch nie zum Prozess in Altdorf eingefunden hatten. Die Anwesenheit eines Journalisten überraschte mich dabei am meisten: Zum ersten Mal überhaupt nahm auch Alex Baur von der Weltwoche Platz im zum Gerichtssaal umfunktionierten Landratssaal.</p>
<div style="margin: 4%; border: solid; border-width: 1px; border-color: #cccccc; padding: 4% 4% 2% 4%;">
<p class="Text"><span style="font-size: 15px;">Ignaz Walker wird vorgeworfen, am 4. Januar 2010 vor seinem Nachtclub in Erstfeld auf einen Gast geschossen und am 10. November 2010 <strong>einen Auftragskiller auf seine damalige Ehefrau angesetzt</strong> zu haben. Der Bargast blieb unverletzt, die Ehefrau zog sich lebensbedrohliche Verletzungen zu. Das Landgericht des Kantons Uri verurteilte Walker im September 2012 dafür zu 10 Jahren Haft, das Obergericht erhöhte die Strafe im Oktober 2013 auf 15 Jahre. Das Bundesgericht hob das Urteil auf und wies den Fall wegen einer nicht verwertbaren DNA-Spur zur Neubeurteilung zurück. Im Oktober 2015 <strong>sprach das Obergericht Walker schuldig</strong> wegen des Schusses auf den Bargast und verurteilte ihn dafür zu 28 Monaten Haft, vom Vorwurf des Mordauftrags an seiner damaligen Ehefrau sprach ihn das Gericht frei. Auch dieses <strong>Urteil hielt vor Bundesgericht nicht stand</strong>: Es bestätigte im April 2017 zwar den Schuldspruch wegen «Gefährdung des Lebens» zu Lasten des Bargastes, den Freispruch wegen Mordes in Mittäterschaft hob es jedoch auf – dieser sei willkürlich erfolgt. Weshalb der Mordauftrag im November 2017 erneut vor dem Obergericht verhandelt wurde. Am 22. Januar 2018 wird das inzwischen dritte Urteil des Obergerichts mündlich verkündet.</span></p>
</div>
<p>Erstaunt war ich nicht wegen des neuen Gesichts an der Berufungsverhandlung. Auch der «Tages-Anzeiger» hatte nach Thomas Knellwolf einen mir bis dahin unbekannten Vertreter nach Altdorf geschickt. Was mich überraschte war vielmeher, dass sich die Weltwoche nun doch für den Fall zu interessieren schien.</p>
<p>Aus einer Mail-Unterhaltung mit Alex Baur nach der Obergerichtsverhandlung von 2013 – die damals lediglich von Urner Medien besucht worden war – wusste ich, dass Baur zwar Kenntnis vom Fall hatte, sich aber dagegen entschied, darüber zu schreiben. Walkers Verteidiger hatte ihm damals – als erstem Journalisten überhaupt – Akten des Falls zukommen lassen und um eine Einschätzung gebeten. Da Baur, entgegen der Meinung des Verteidigers, keinen Justizskandal erkannte, habe er auf eine Publikation verzichtet, so seine Erklärung damals per Mail. </p>
<p>Bevor ich zu Baur zurückkomme, ist ein kleiner Exkurs nötig: </p>
<div style="padding-top: 20px;">
<h2>Nach Aktenstudium zu einem anderen Bild</h2>
</div>
<p>Trotz der ausdrücklichen Warnung von Baur, dass Walkers Verteidiger sehr einseitig und der damals bereits rechtskräftig verurteilte Auftragsschütze Sindelic «völlig unglaubwürdig» und seines Erachtens «als Täter überführt» sei, entschied ich mich dazu, mir selber ein Bild zu machen und bat den Verteidiger um Akteneinsicht. Und beugte mich während dreier Wochen im Sommer 2014 über die Verfahrens- und Gerichtsakten im Fall Walker.</p>
<p>Natürlich habe ich die mir vom Verteidiger zur Verfügung gestellten Akten zu allererst auf ihre Vollständigkeit hin übergeprüft; also zunächst akribisch nachvollzogen, ob jedes im Aktenverzeichnis angegebene Aktorum auch wirklich in den 15 Bundesordnern enthalten war, die ich nach und nach in Zürich abholte, und der Verteidiger nicht etwa entscheidende Aktenstücke böswillig entfernen liess, um mich auf eine falsche Fährte zu locken.</p>
<p>Eine solche Vorgehensweise ist für mich eigentlich so selbstverständlich, dass sich der explizite Hinweis darauf im Normalfall erübrigen würde. Angesichts der Skepsis von verschiedenen Seiten – auch von Journalisten – sehe ich mich leider genötigt, dies hier ausdrücklich zu betonen: Der Vorwurf, ich hätte mich vom Verteidiger für seine Sache einspannen lassen, geht fehl. Ich habe mich seit jeher einzig und allein auf die Akten verlassen.</p>
<p>Während dieses intensiven Aktenstudiums kam ich zu einem anderen Bild als Kollege Baur von der Weltwoche jetzt kommt: Nämlich, dass die Ungereimtheiten im Untersuchungsverfahren, die Walkers Verteidiger vor Gericht vorgebracht hatte, nicht bloss Behauptungen eines einseitigen Verteidigers sind, sondern sich durch die Akten belegen lassen. Zu diesem Schluss kam offenbar auch die «Rundschau», die seit dem 1. Oktober 2014 insgesamt elf Mal über die Ungereimtheiten im Fall Walker berichtete – <a href="https://www.srf.ch/sendungen/rundschau/aufgedeckt" rel="noopener" target="_blank">nachzusehen hier</a>.</p>
<p>Auch ich publizierte regelmässig Artikel zum Fall Walker, anfänglich noch beim «Urner Wochenblatt» (online nicht zugänglich), dann als freie Journalistin <a href="https://www.tagesanzeiger.ch/panorama/mordauftrag-oder-raffinierte-intrige/story/26900059" rel="noopener" target="_blank">für den «Tages-Anzeiger»</a>, vor und während der Berufungsverhandlung <a href="https://www.watson.ch/Fall+Walker" rel="noopener" target="_blank">2016 für «Watson»</a> und seit diesem Jahr als Redaktorin <a href="http://www.luzernerzeitung.ch/Urner+Gerichtsprozess." rel="noopener" target="_blank">bei der «Urner Zeitung»</a>. In der Zwischenzeit hat auch Thomas Knellwolf, Leiter des Recherchedesks vom «Tages-Anzeiger», Recherchen zum Fall aufgenommen, publiziert und analysiert – <a href="https://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/staatsanwaltschaft-verheimlicht-zentrale-ermittlungsergebnisse/story/30142090" rel="noopener" target="_blank">etwa hier</a>, <a href="https://www.tagesanzeiger.ch/panorama/vermischtes/neue-heisse-spur-beim-angeblichen-auftragsmord/story/19600972" rel="noopener" target="_blank">hier</a> und <a href="https://www.tagesanzeiger.ch/panorama/vermischtes/es-ist-etwas-faul-im-lande-tells/story/30327343" rel="noopener" target="_blank">hier</a>. Was den genannten Texten und Sendungen gemein ist: Sie stützen sich auf die Akten. </p>
<div style="padding-top: 20px;">
<h2>Komplott-Theorie beantwortet offene Fragen</h2>
</div>
<p>Die «Rundschau» ging einen Schritt weiter mit den Interviews mit dem verurteilten Auftragsschützen. Sasa Sindelic sagte dem Schweizer Fernsehen, Walker sei unschuldig und der Anschlag auf dessen damalige Ehefrau sei ein Komplott von der Ehefrau, ihm und einem unbekannten Dritten gewesen. Zugegeben: Ich stand Sindelics Aussagen zu Beginn skeptisch gegenüber. Wieso bringt er erst jetzt diese «Wahrheit» ans Licht, nachdem er seine Haftstrafe schon fast abgesessen hatte? Wieso sollte er freiwillig unschuldig für jemanden ins Gefängnis? Und was ist von einem Komplott zu halten, bei dem sich die angeblich beteiligte Ehefrau schliesslich schwer verletzt hat? </p>
<p>Auch hier vertiefte ich mich erneut in die Akten und kam zum Schluss, dass – so unglaubwürdig es auch klingen mag – es durchaus gewichtige Anhaltspunkte gibt, die für einen Komplott und/oder einen anderen Schützen sprechen. Aspekte des Mordversuchs, die bisher offene Fragen aufwarfen – wie etwa das Fluchtverhalten des Opfers, das vorangegangene Gespräch zwischen Opfer und Täter, die Hunde am Tatort, der Transport der Tatwaffe, die fehlende Kapuze bei Sindelic und die Tatsache, dass das Opfer wenige Tage nach dem Anschlag freigiebig dem «Blick» Auskunft gab, obwohl der Täter damals noch nicht dingfest war – all diese Dinge liessen sich mit der Theorie des Mordkomplotts und/oder des anderen Schützen plötzlich schlüssig erklären. Weshalb ich die Recherchen der «Rundschau» nicht einfach als Unsinn abtun konnte.</p>
<p>Daran änderte sich auch nichts, als das Bundesgericht im April 2017 der Komplott-Theorie eine Abfuhr erteilte. Abgesehen davon, dass es stossend ist vom höchsten Gericht, die «Rundschau» in einem Urteil dermassen zu kritisieren, ohne dass sich die Sendung – weil nicht Partei im Verfahren – dazu hätte äussern können, so vermochte und vermag mich das Urteil schlichtweg nicht zu überzeugen. Das Bundesgericht rügte das Obergericht, es habe beim Freispruch keine Gesamtschau der Indizien gemacht, nicht alle für und gegen Walkers Schuld sprechende Indizien gegeneinander abgewogen, begeht aber letztlich genau den selben Fehler. Das Bundesgericht zieht in seinen Erwägungen nicht nur selektiv die belastenden Indizien ins Feld, es scheint dies sogar – anders kann ich es mir nicht erklären – in Unkenntnis gewisser Akten getan zu haben. Zwei Beispiele unter vielen dazu habe ich <a href="http://www.luzernerzeitung.ch/nachrichten/zentralschweiz/uri/hat-das-bundesgericht-der-staatsanwaltschaft-blind-vertraut;art9652,1137384" rel="noopener" target="_blank">hier beschrieben</a>. Dass die Bundesrichter durchaus etwas übersehen haben könnten, ist angesichts deren Arbeitslast nicht unwahrscheinlich, wie der ehemalige Bundesgerichtsschreiber Marc Thommen <a href="http://www.luzernerzeitung.ch/nachrichten/zentralschweiz/uri/vorwurf-der-willkuer-birgt-ein-risiko;art9652,1137170" rel="noopener" target="_blank">hier ausführt</a>.</p>
<div style="padding-top: 20px;">
<h2>Baurs Texte sind in mehrfacher Hinsicht stossend</h2>
</div>
<p>Nun zurück zu Baur: </p>
<p>Nachdem ich mich vier Jahre lang mit den Akten herumgeschlagen habe und inzwischen teilweise auswendig weiss, unter welchem Aktorum sich welche Einvernahme oder welches Gutachten finden lässt, kommt Baur nun plötzlich daher und sagt sinngemäss: alles Blödsinn! In zwei Artikeln in der Weltwoche (<a href="http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2017-47/artikel/tatort-leutschenbach-die-weltwoche-ausgabe-472017.html" rel="noopener" target="_blank">zu lesen hier</a> und <a href="http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2017-49/artikel/sie-machten-das-opfer-zur-taeterin-die-weltwoche-ausgabe-492017.html" rel="noopener" target="_blank">hier</a>) nutzt er in erster Linie das Bundesgerichtsurteil, um gegen die «Rundschau» zu schiessen.</p>
<div style="margin: 4%; border: solid; border-width: 1px; border-color: #cccccc; padding: 4% 4% 2% 4%;">
<p class="Text"><span style="font-size: 15px;">Die beiden Artikel von Alex Baur zum Fall Walker sind mit Anmerkungen der Autorin als Word-Dokumente <a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/01/Die-Weltwoche01.docx">hier («Tatort Leutschenbach»)</a> und <a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/01/Die-Weltwoche02.docx">hier («Sie machten das Opfer zur Täterin»)</a> herunterzuladen und einsehbar.</span></p>
</div>
<p>Wieso ich mich nun dazu äussere? Zum Einen weil mit einer Gegendarstellung der «Rundschau» nicht mehr zu rechnen ist – bezüglich dieses Streites zwischen der «Rundschau» und der Weltwoche verweise ich auf die Berichterstattung des <a href="http://www.kleinreport.ch/news/streit-um-weltwoche-artikel-rundschau-weist-manipulationsvorwurfe-zuruck-88667/" rel="noopener" target="_blank">Kleinreports</a>. Zum Anderen, weil Baur mich auf <a href="https://twitter.com/alex_baur/status/938480709894799361" rel="noopener" target="_blank">Twitter</a> inzwischen in die Kritik miteinbezogen hat – und ich einige Punkte so nicht stehen lassen kann.</p>
<p>Bereits am Verhandlungstag wurde deutlich, dass sich Baur nicht wirklich für den Fall interessierte. Er machte kaum Notizen und erachtete es nicht als nötig, auch zum zweiten Verhandlungstag nach Altdorf zu reisen. Baur begründet dies per Mail folgendermassen: Er habe sich mit dem, was das Bundesgericht in seinen beiden Urteilen bereits festgehalten hatte, «nicht mehr gross herumschlagen» wollen. Der erste Verhandlungstag habe «nichts, aber auch gar nichts» gebracht, was er nicht schon gelesen und gehört hatte. Es sei also auch von Replik, Duplik et cetera «nichts Neues zu erwarten» gewesen.</p>
<p>Hier irrt Baur: Verteidiger Jaeggi zeigte am zweiten Verhandlungstag – in Abwesenheit von Baur – vor Gericht auf, wieso das angebliche Täterwissen der Zeugin, die das Bundesgericht wieder mehr gewichtete, mit Vorsicht zu geniessen sei. Auf meine Frage an Baur, ob ihm diese Ausführungen bekannt seien und ob er Jaeggis Behauptungen in den Akten nachgeprüft habe, hält Baur fest: «Klar habe ich Jaeggi gehört. Ich teile seine Meinung nicht.» Das nenne ich Rechercheverweigerung.</p>
<p>Zum Anderen enthalten Baurs Texte eine Reihe an Falschinformationen und Irreführungen. Nicht alle sind von grossem Gewicht, trotzdem vermitteln sie den Eindruck, dass hier entweder mit Halbwissen operiert oder bewusst Stimmung gemacht wird.</p>
<div style="padding-top: 20px;">
<h3>Kategorie: Nicht entscheidend, aber peinlich</h3>
</div>
<p><em>Baur vertut sich in der Anzahl Telefonate zwischen Sindelic und Walker, liegt beim Datum des Obergerichtsurteils 13 Monate daneben und behauptet, die «Rundschau» habe den Fall einen Monat nach Walkers Verurteilung aufgenommen, obwohl in Wahrheit mehr als ein Jahr dazwischen lag. </em></p>
<p>Baur tut diese Fehler auf Anfrage despektierlich mit «quel horreur!» ab und fragt zurück: «Erwartest Du im ernst, dass ich das ernst nehme?» </p>
<p>Klar, die Fehler sind nicht entscheidend, aber geben zumindest einen Hinweis darauf, mit welcher Sorgfalt der Reporter an die Sache herangeht.</p>
<div style="padding-top: 20px;">
<h3>Kategorie: Aktenwidrig</h3>
</div>
<p><em>Baur hält in seinen Texten mehrfach fest, Walker habe im Januar 2010 «mit seiner eigenen Pistole» auf den Bargast geschossen.</em></p>
<p>Diese Aussage lässt sich anhand der Akten eben gerade nicht erhärten.</p>
<p>Auf die Frage, wie er darauf komme, flüchtet sich Baur in semantische Spitzfindigkeit. Zuerst hält er fest, es sei «völlig klar», dass Walker geschossen habe. Als er schoss, sei er im Besitz der Waffe gewesen. «Ob sie auch in seinem Eigentum war, ist eine andere Frage – Besitz und Eigentum ist bekanntlich nicht dasselbe.» Das sei jedoch «fürs Gesamtbild völlig irrelevant».</p>
<p>Für das Gesamtbild, das Baur mit seinen Artikeln vermitteln will, offenbar nicht. </p>
<p><em>Baur schreibt, Sindelic habe seine Aussagen zur Komplott-Theorie inzwischen zurückgezogen und gegenüber dem ausserordentlichen Staatsanwalt gesagt, er sei von SRG-Journalisten «zu Aussagen gedrängt worden».</em></p>
<p>Die Akten sprechen eine andere Sprache: Sindelic hat sowohl vor dem ausserordentlichen Staatsanwalt als auch vor dem Obergericht die Aussagen bestätigte, die er vor laufenden «Rundschau»-Kameras gemacht hatte. Gleich im Anschluss an die Aussage, die Baur aus der Befragung durch den ausserordentlichen Staatsanwalt zitiert, sagte Sindelic: «Man hat mich aber nicht gedrängt, falsche Aussagen zu machen.»</p>
<p>Darauf angesprochen hält Baur fest, die Aussage sei ihm bekannt. «Es gäbe noch tausend andere Dinge, die man auch noch hätte erwähnen können.» Ausserdem behaupte er ja nirgends, die «Rundschau» hätte Sindelic zu Falschaussagen gedrängt. </p>
<p>Anmerkung hierzu: Seiner These der manipulativen SRG-Reporter hätte diese Aussage jedoch einigen Wind genommen.</p>
<p><em>Weiter schreibt Baur, «Rundschau»-Reporter Roman Banholzer habe dem ausserordentlichen Staatsanwalt via SRF-Anwalt mitteilen lassen, dass er nicht zur Befragung erscheine, da er erstens nichts sagen werde und zweitens noch auslandabwesend sei. Und verbindet dies mit dem Vorwurf, die «Rundschau» habe bei der Aufklärung nicht mithelfen wollen.</em></p>
<p>Was Baur verschweigt ist, dass Banholzer am 19. August 2017 zur Einvernahme als Auskunftsperson beim ausserordentlichen Staatsanwalt erschienen ist und dort rund 36 Fragen beantwortet hat. </p>
<p>Darauf angesprochen flüchtet Baur erneut in die vermeintliche Platznot: «Man hätte noch tausend andere Dinge erwähnen können. Mein Artikel hätte dann ein paar Bundesordner gefüllt.» </p>
<p>Anmerkung dazu: Von diesen «tausend anderen Dingen» bleibt hier etwas Entscheidendes unerwähnt, das Baurs These des unkooperativen SRF relativiert hätte.</p>
<div style="padding-top: 20px;">
<h3>Kategorie: irreführende Halbwahrheiten und Interpretationen</h3>
</div>
<p><em>Baur schreibt zu Beginn seines ersten Artikels, dass nach dem Bundesgerichtsurteil etwas anderes als eine Verurteilung von Walker «nur noch theoretisch vorstellbar» sei. «Offen ist im Grunde nur noch das Strafmass.»</em></p>
<p>Im Bundesgerichtsurteil steht, dass – entgegen dem Antrag der Staatsanwaltschaft – kein reformatorischer Entscheid ergehen kann, sondern die Angelegenheit zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen sei. Wie kommt nun Baur darauf, dass nur noch das Strafmass offen sei? Und wieso wurde in der Sache dann überhaupt noch mal verhandelt? </p>
<p>Auf Anfrage relativiert Baur die Aussage als seine Einschätzung, seine Meinung. «Und ich bin so frei, diese Wertung in meinem Text einzubauen. Dies ist ein freies Land. In meinem Text steht auch, dass der Prozess läuft und das Urteil noch aussteht.»</p>
<p><em>Gemäss Baur ist «nicht ersichtlich, welchen Vorteil es der Noch-Ehefrau Nataliya hätte bringen können, wenn sie ihren Gatten hinter Gitter gebracht hätte».</em> </p>
<p>Aus den Akten geht hervor, dass Nataliya K. die Abschiebung in die Ukraine drohte, weil die Begründung für ihr Bleiberecht – Opfer häuslicher Gewalt zu sein – vor Gericht nicht verfangen hatte. Drei Tage vor dem Anschlag reichte sie abermals ein Gesuch um Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung ein. </p>
<p>Auf die Frage, ob ihm dies bekannt sei, geht Baur nicht ein. Stattdessen hält er fest, Walker habe «auf verschiedenste und hinterhältigste Wege» probiert, die Abschiebung von Nataliya K. in die Ukraine zu bewirken. Überdies regt Baur an, ich solle mich vielleicht mal damit beschäftigen und mit der Frage, wieso er die Frau unbedingt loswerden wollte.  </p>
<p>Anmerkung hierzu: Die Behauptung, Walker habe seiner damaligen Frau mit der Abschiebung gedroht, wird ausschliesslich von ihr und ihrem Umfeld vorgebracht. Ausserdem wurde Walker kürzlich von den Vorwürfen der häuslichen Gewalt und Drohung gegenüber Nataliya K. vor Landgericht freigesprochen (das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig). </p>
<p><em>Weiter schreibt Baur zum Motiv von Walker, seine damalige Frau zu beseitigen, er hätte so die Obhut über «den heiss geliebten Sohn erhalten».</em> </p>
<p>Gemäss Scheidungsklage, die in den Akten ist, die Walker (und nicht Nataliya K.) vor der Tat einreichte, verzichtete Walker explizit und freiwillig auf die Obhut über den gemeinsamen Sohn. </p>
<p>Auf die Frage, ob ihm dies bekannt sei und was er dazu sage, reagiert Baur mit Mutmassungen: «Wenn Nataliya tot gewesen wäre, hätte es keine Scheidung mehr gegeben. Dann wäre diese Absichtserklärung hinfällig gewesen – und Walker wäre wieder an seinen Sohn herangekommen bzw. ans Schwarzgeld seines Vaters.»</p>
<p>Anmerkung hierzu: Die Behauptung, Walker habe gedacht, er komme über seinen Sohn ans Erbe seines Vaters, ist längst mit Akten widerlegt worden. </p>
<p><em>Baur schreibt weiter, es sei bewiesen, «dass Sindelic und Walker in den Tagen vor dem Mordversuch an Nataliya intensiv miteinander kommunizierten. 56 kurze Telefonkontakte sind dokumentiert.»</em></p>
<p>Abgesehen von der falschen Zahl – es waren 59 Telefonkontakte – fanden die Telefonkontakte zwischen Walker und Sindelic nicht «in den Tagen vor dem Mordversuch» statt, wie Baur insinuiert, sondern in einem Zeitraum von sechs Monaten. Zum Vergleich: Walker telefonierte im selben Zeitraum 1187 Mal mit anderen Personen, Sindelic 2537 Mal. </p>
<p>Darauf angesprochen mahnt Baur, ihn richtig zu zitieren, es seien zwei Sätze. Und gesteht ein, dass Walkers Telefon von Mai bis November rückverfolgt wurde, das von Sindelic bis September. In den zwei Wochen vor der Tat seien es 7 Telefonate zwischen Walker und Sindelic gewesen. «Ich finde das intensiv.»</p>
<p>Anmerkung erübrigt sich. </p>
<p><em>Baur schreibt ausserdem, Sindelic und Nataliya hätten sich kaum gekannt. «Kurz vor dem Mordanschlag tauchte er an ihrem Arbeitsplatz aus, mutmasslich, um Nataliya auszuspionieren.»</em></p>
<p>Es ist aktenkundig, dass der damalige Arbeitgeber von Nataliya K. aussagte, sie und Sindelic hätten sich an diesem besagten Abend mehrere Minuten unterhalten. </p>
<p>Für Baur ist dies offenbar irrelevant. So irrelevant, dass er gar nicht darauf eingeht und folgendermassen antwortet: «Ich war kürzlich in einer Bar und habe mich mit der unbekannten Bardame eine halbe Stunde lang unterhalten. Leider habe ich ihren Namen vergessen.» </p>
<p>Anmerkung dazu: Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit inhaltlich begründeten Fragen sieht anders aus. </p>
<p><em>Baur schreibt, die «Rundschau» habe am 24. Juni 2015 das Interview mit Sindelic ausgestrahlt und damit die Verschwörungstheorie «ohne wesentliche Neuigkeiten» wiederholt.</em> </p>
<p>Im Gegensatz zum ersten TV-Interview belastete Sindelic sich im zweiten Interview zum ersten Mal selber und nannte erstmals eine beteiligte vierte Person. </p>
<p>Auf die Frage, ob dies für ihn «keine wesentliche Neuigkeit» sei, antwortet Baur: «Nein. Ist für das Gesamtbild bzw. Eure Verschwörungstheorie irrelevant. Zeigt nur, wie unglaubwürdig Sindelic ist – mal erzählt er was, dann wieder was ganz anderes.»</p>
<div style="padding-top: 20px;">
<h3>Kategorie: Bankrotterklärung</h3>
</div>
<p>Baur schreibt weiter, die Ex-Freundin von Sindelic sei vom Landgericht als sehr glaubwürdig eingestuft worden.</p>
<p>Seit dem Landgerichtsurteil 2012 hat sich diesbezüglich einiges getan. 2013 relativierte das Obergericht die Glaubwürdigkeit der Frau, dergestalt gar, dass die anfänglich als «Kronzeugin» gehandelte Ex-Freundin von Sindelic für Walkers Verurteilung nicht mehr wesentlich war. </p>
<p>Darauf angesprochen, schreibt Baur, das Bundesgericht habe diese Relativierung wieder aufgehoben. «Und das Bundesgericht hat immer recht.»</p>
<p>Bei allen Aktenwidrigkeiten und Irreführungen ist dieser Kniefall vor dem Bundesgericht, der Baurs beiden Texten zugrunde liegt, das stossendste an seiner Berichterstattung zum Fall Walker beziehungsweise zum «Fall Rundschau», den er daraus konstruiert hat. Ausgerechnet Baur, den ich stets für seine Justizkritik geschätzt hatte und der «Fragen um Recht und Gerechtigkeit» auf der Weltwoche-Website selber als «Kernthema» bezeichnet, ausgerechnet er lässt sich zur Aussage hinreissen, das Bundesgericht habe «immer recht». Entweder er meint das ironisch. Oder aber sie stellt eine Bankrotterklärung seiner Justizkritik dar, die auch – oder gerade! – vor dem obersten Gericht nicht Halt machen darf.</p>
<p>Auf diese Diskrepanz angesprochen, antwortet Baur: «Natürlich darf man das Bundesgericht kritisieren. Aber dann muss man bessere Argumente haben. Ihr habt gar keine Argumente, bloss perfide Unterstellungen (Bundesrichter haben Akten nicht gelesen und dergleichen).» Baur tut die Argumente, die sich auf die Akten abstützten, also als «perfide Unterstellungen» ab, obwohl er – wie offenkundig ist – die Akten nicht (mehr) kennt und demnach nicht einschätzen kann, wie gut oder schlecht die Argumente sind, mit denen ich das Bundesgerichtsurteil kritisiere.</p>
<p>Wieso sich Baur auf diesen Kniefall vor dem Bundesgericht einlässt und sich so unverfroren und gleich zweimal freiwillig auf dünnes Eis begibt, lässt sich möglicherweise mit seiner Intention erklären. Auf meine Frage, was ihn dazu bewogen hat, nun doch über den Fall zu schreiben, obwohl er sich 2013 noch dagegen entschieden hatte, schreibt Baur, dass nach den zwei Bundesgerichtsurteilen alles auf dem Tisch lag. «Es ging nun auch weniger um Walker selber, sondern um die journalistischen Fehlleistungen, allen voran der ‹Rundschau›. In erster Linie eine Mediengeschichte.» </p>
<p>Auch bei einer Mediengeschichte gilt die Regel des journalistischen Handwerks, dass man Quellen hinterfragen muss – auch wenn sie aus Lausanne stammen.</p>
<p>Bild: MAZ – Die Schweizer Journalistenschule</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/01/03/wie-alex-baur-aus-dem-fall-walker-einen-fall-rundschau-konstruierte/">Wie Alex Baur aus dem «Fall Walker» einen «Fall Rundschau» konstruierte</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Lokaljournalismus: Wenn UFOs über die Provinz fliegen</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2017/11/14/lokaljournalismus-wenn-ufos-uebers-dorf-fliegen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Carmen Epp]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Nov 2017 11:02:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Lokaljournalismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Hin und wieder wagen sich Journalisten aus den Grossstädten als Lokalreporter aufs Land. Das Resultat ist dann meist Fremdscham – auf beiden Seiten. Und die Erkenntnis, dass Lokaljournalismus aus der Ferne nicht funktionieren kann. Als Jochen Wegner in seiner Keynote am «Journalismustag» in Winterthur eines seiner «Experimente für die Demokratie» vorstellte, wurde ich hellhörig: Inspiriert <a href="https://medienwoche.ch/2017/11/14/lokaljournalismus-wenn-ufos-uebers-dorf-fliegen/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/11/14/lokaljournalismus-wenn-ufos-uebers-dorf-fliegen/">Lokaljournalismus: Wenn UFOs über die Provinz fliegen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Hin und wieder wagen sich Journalisten aus den Grossstädten als Lokalreporter aufs Land. Das Resultat ist dann meist Fremdscham – auf beiden Seiten. Und die Erkenntnis, dass Lokaljournalismus aus der Ferne nicht funktionieren kann.</strong><br />
<img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-49803" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/11/MW_Lokaljournalistin-Aliens_20171113.jpg" alt="" width="1456" height="976" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/11/MW_Lokaljournalistin-Aliens_20171113.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/11/MW_Lokaljournalistin-Aliens_20171113-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/11/MW_Lokaljournalistin-Aliens_20171113-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/11/MW_Lokaljournalistin-Aliens_20171113-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/11/MW_Lokaljournalistin-Aliens_20171113-470x315.jpg 470w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
Als Jochen Wegner in seiner Keynote am «Journalismustag» in Winterthur eines seiner «Experimente für die Demokratie» vorstellte, wurde ich hellhörig: Inspiriert von der Erkenntnis amerikanischer Journalisten, dass sie im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen die ländlichen Regionen zu wenig berücksichtigt hatten, rief der zeit.de-Chef das Ressort #D171 ins Leben. Vor den Bundestagswahlen wollte man der Frage nachgehen, was die Leute in den kleinen Orten bewegt, die notabene 60 Prozent der Deutschen Bevölkerung ausmachen.</p>
<p>Dafür sandte Wegner wohlweislich nicht x-beliebige Journalisten in x-beliebige Regionen. Er habe verhindern wollen, dass die zeit.de-Reporter «wie UFOs ins Lokale vordringen» und nicht umhin können, die Dorfbevölkerung aus dieser unüberbrückbaren Distanz wie Aliens zu beschreiben. Genau das war nämlich seiner Heimatstadt Bretten widerfahren: Ein ortsunkundiger Journalist hatte sich in einer Reportage über den dort allgegenwärtigen Mops lustig gemacht, ohne zu wissen, welche Bedeutung das «Hundle» <a href="http://www2.bretten.de/cms/node/9742" target="_blank" rel="noopener">der Sage nach</a> für den Ort hat. Um solche peinlichen Fernreportagen zu vermeiden, schickte Wegner zuerst seine Reporter in deren Heimat zurück, an Orte also, die sie verstehen. Entstanden sind so eine Reihe an Lokalreportagen, die zu den meist gelesenen Geschichten auf zeit.de wurden.</p>
<blockquote><p>Auch hierzulande werden immer mal wieder Reporter aus der Grossstadt angehalten, übers Land zu berichten. Was daraus entsteht, sind meist Texte, die weniger das Lokale widerspiegeln als die Haltung des Schreibenden gegenüber der beschriebenen Region.</p></blockquote>
<p>Von Wegners Erkenntnis könnten sich auch Schweizer Medienhäuser eine Scheibe abschneiden. Auch hierzulande werden immer mal wieder Reporter aus der Grossstadt angehalten, übers Land zu berichten. Was daraus entsteht, sind meist Texte, die weniger das Lokale widerspiegeln als die Haltung des Schreibenden gegenüber der beschriebenen Region. </p>
<p>Dass selten Erhellendes dabei herauskommt, wenn Reporter aus der Grossstadt aufs Land geschickt werden, zeigt etwa dieses Beispiel einer «Lokalreportage aus der Ferne»: Aufgeschreckt durch mein <a href="http://www.urnerzeitung.ch/nachrichten/zentralschweiz/uri/Kripo-Chef-Unsere-Mittel-sind-begrenzt;art9652,969556" target="_blank" rel="noopener">Interview mit dem Urner Kripo-Chef</a> über die leicht zugänglichen Drogen im Kanton Uri, machte sich eine «Watson»-Journalistin <a href="http://www.watson.ch/Schweiz/articles/734056995-Was-mein-Besuch-im-«kiffertoleranten»-Altdorf-über-Urner-Filz-verrät" target="_blank" rel="noopener">auf den Weg ins «kiffertolerante» Altdorf</a>, um sich ein eigenes Bild zu machen. Obwohl sie sich zu Beginn des Textes selber dabei ertappt, «dem naserümpfenden Zürcher Klischee zu entsprechen», bleibt sie bis zuletzt in dieser Rolle gefangen. So schreibt sie etwa über die «wohltuende Bergluft», obwohl Altdorf gerade mal 50 Meter höher liegt als die Stadt Zürich. Und wundert sich darüber, wie ausgestorben das Dorf ist, ohne zu wissen, dass sie den Dorfkern auf ihrem Spaziergang verfehlt hat, weshalb sie auch nur auf ein einziges geöffnetes Restaurant traf.</p>
<p>Hier muss ich mich fairerweise auch selber an der Nase nehmen. die Journalistin hatte mich im Vorfeld ihres Besuchs in Altdorf kontaktiert, um weitere Infos zu erhalten, da ich die fraglichen Lokale im Interview nicht namentlich genannt hatte. Da ich ebenfalls eine Folgegeschichte plante, lehnte ich den Austausch ab und liess die Kollegin im Ungewissen. Ob ihr Text weniger klischiert geworden wäre, wenn ich ihr geholfen hätte, wage ich allerdings zu bezweifeln.</p>
<p>Das Lokale, so meine Überzeugung, lässt sich nicht aus der Ferne erklären, sondern von Leuten vor Ort, die einen Bezug haben zu dem, worüber sie schreiben. Der Erfolg der #D17-Texte auf zeit.de zeigen das eindrücklich auf. Oder aber die Reporter nehmen sich genug Zeit, um sich einzuarbeiten, ja einzuleben in dieser für sie fremden Welt. Nur so kann der Aussenblick mehr werden als eine Begegnung zwischen UFOs und Aliens.</p>
<p>Anmerkung: In einer ersten Fassung wurde als Beispiel eines Lokalreporters, der ohne lokale Verankerung aus der Ferne operiert, Tages-Anzeiger-Journalist Michael Soukup genannt. Das gewählte Beispiel ist untauglich, um den Sachverhalt zu illustrieren. Soukup ist in der Zentralschweiz aufgewachsen, über die er auch heute noch regelmässig berichtet. Die Autorin und die Redaktion entschuldigen sich für den Fehler.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/11/14/lokaljournalismus-wenn-ufos-uebers-dorf-fliegen/">Lokaljournalismus: Wenn UFOs über die Provinz fliegen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Das eine tun und das andere nicht lassen</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2017/10/17/das-eine-tun-und-das-andere-nicht-lassen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Carmen Epp]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 17 Oct 2017 12:23:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Lokaljournalismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein voller Terminkalender ist Gift für den Lokaljournalismus. Medien die meinen, jede noch so kleine Veranstaltung besuchen und darüber berichten zu müssen, vernachlässigen den eigenständigen und kritischen Journalismus, lautet die gängige Kritik. Unsere Kolumnistin kennt das, sie weiss aber auch, wie man Vereinsversammlung und Eigenrecherche ins Blatt bringt. Kürzlich verfasste Benjamin Piel in der «Zeit» <a href="https://medienwoche.ch/2017/10/17/das-eine-tun-und-das-andere-nicht-lassen/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/10/17/das-eine-tun-und-das-andere-nicht-lassen/">Das eine tun und das andere nicht lassen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ein voller Terminkalender ist Gift für den Lokaljournalismus. Medien die meinen, jede noch so kleine Veranstaltung besuchen und darüber berichten zu müssen, vernachlässigen den eigenständigen und kritischen Journalismus, lautet die gängige Kritik. Unsere Kolumnistin kennt das, sie weiss aber auch, wie man Vereinsversammlung und Eigenrecherche ins Blatt bringt.</strong><br />
<img loading="lazy" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/10/MW_Lokaljournalistin-Freie_20171017.jpg" alt="" width="1456" height="976" class="alignnone size-full wp-image-48613" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/10/MW_Lokaljournalistin-Freie_20171017.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/10/MW_Lokaljournalistin-Freie_20171017-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/10/MW_Lokaljournalistin-Freie_20171017-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/10/MW_Lokaljournalistin-Freie_20171017-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/10/MW_Lokaljournalistin-Freie_20171017-470x315.jpg 470w" sizes="auto, (max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
Kürzlich verfasste Benjamin Piel <a href="http://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-10/lokaljournalismus-wendland-plaedoyer-d17/komplettansicht" target="_blank">in der «Zeit»</a> ein flammendes Plädoyer für den Lokaljournalismus1, der seiner Meinung nach in der Krise steckt. Vieles, das der Co-Redaktionsleiter der «Elbe-Jeetzel-Zeitung» EJZ schildert, kann ich unterschreiben. Die Art und Weise, wie seine Zeitung die Leser einbindet, ist vorbildlich, genauso wie sein Anspruch, Kritik anzustossen. Und es ist erfrischend, zu lesen, mit welchem Enthusiasmus Piel über seine alltägliche Arbeit schreibt.</p>
<p>Trotzdem lässt mich der Text ein wichtiger Aspekt vermissen: die Rolle der freien Mitarbeiter. Piel schreibt über die Arbeit, die die zwölf Redakteure bei der EJZ verrichten und darüber, dass andernorts teilweise lediglich drei Menschen eine ganze Zeitung schmeissen müssen. Und auch wenn ich die EJZ nie in den Händen hielt, so gehe ich doch schwer davon aus, dass sich darin auch Texte von freien Mitarbeitern finden lässt. Deren Rolle, so finde ich, nicht unterschätzt werden darf – gerade beim letzten Problemfeld, das Piel in seinem Plädoyer erwähnt.</p>
<blockquote><p>Mir kam noch nie ein Lokalblatt in die Hand, bei dem ich den Eindruck hatte, dass hier nur Kaninchenzüchter-GVs und Schützenfeste abgeklappert wurden.</p></blockquote>
<p>Um seinen Berufsstand zu retten, ruft Piel Lokaljournalisten dazu auf, «Wege zu verlassen, die nie ans Ziel geführt haben», so zum Beispiel den so genannten Terminjournalismus. Manche Lokalredaktion würde in Terminen ersticken und keine Luft mehr für eigene Recherchen haben, so Piel. Termine sind für ihn deshalb «das Gift des Lokaljournalismus». Das mag bis zu einem gewissen Grad sicherlich zutreffen. Redaktionen, die – wie Piel es schildert – «von Termin zu Termin hetzen, hetzen von einer Mittelmässigkeit in die nächste».</p>
<p>Doch in diesem Punkt zeichnet Piel ein Klischee nach und bildet nicht die Realität ab. Mir jedenfalls kam noch nie ein Lokalblatt in die Hand, bei dem ich den Eindruck hatte, dass hier nur Kaninchenzüchter-GVs und Schützenfeste abgeklappert wurden. Zumindest nicht von denjenigen Personen, die im Impressum als Redaktoren aufgeführt sind.</p>
<blockquote><p>Viele Termine sagen wir ab oder bitten die Veranstalter, uns einen eigenen Text dazu zu liefern.</p></blockquote>
<p>Klar: Auch wir bei der «Urner Zeitung» werden teilweise regelrecht überschwemmt mit Einladungen zu Anlässen, über die zu berichten wir gebeten werden. Einige dieser Termine decken wir Redaktoren auch selber ab, etwa wenn es um Gerichtsverhandlungen geht, um Pressekonferenzen des Kantons zum Budget oder wenn Neuigkeiten zum Kantonsbahnhof vorgestellt werden. Hier stehen wir in der Pflicht, unserer Leserschaft aus erster Hand zu berichten – und: Nachfolgegeschichten zu recherchieren. Viele Termine sagen wir jedoch ab oder bitten die Veranstalter, uns einen eigenen Text dazu zu liefern. Oder aber – und das kommt schätzungsweise in 50 Prozent aller Fälle vor – wir fragen unsere freien Mitarbeiter an, ob sie uns den Anlass abdecken und darüber berichten können.</p>
<p>Nur so ist es uns möglich, beides abdecken zu können: Das, was für die Leser aufgrund ihrer schieren Anzahl relevant ist wie beispielsweise ein Schützenfest, das auch in Uri einen nicht unbeachtlichen Teil der Bevölkerung interessiert, und das, was aus journalistischer Sicht von Relevanz ist. Insofern wirken für uns die freien Mitarbeiter gewissermassen als «Gegengift» zu dem, was Piel Terminjournalismus nennt. Sie nehmen uns Termine ab und verschaffen uns so Luft für eigene Recherchen und Geschichten. Umso wichtiger ist es, die Leistung der freien Mitarbeiter anzuerkennen – eine Chance, die Piel in seinem Text leider verpasst hat. </p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/10/17/das-eine-tun-und-das-andere-nicht-lassen/">Das eine tun und das andere nicht lassen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Die Falkenstrasse ist weit weg</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2017/09/19/die-falkenstrasse-ist-weit-weg/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Carmen Epp]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 19 Sep 2017 07:38:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Lokaljournalismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als Journalistin bei der «Urner Zeitung» ist unsere Kolumnistin Teil der NZZ-Mediengruppe. Abgesehen von ein paar Mails und den monatlichen Lohnabrechnungen hält sich ihr Kontakt zum Medienhaus an der Falkenstrasse in Zürich im Alltag jedoch in Grenzen. Und das ist auch richtig so. Ein bisschen stolz war ich schon, als ich vor einem Jahr zum <a href="https://medienwoche.ch/2017/09/19/die-falkenstrasse-ist-weit-weg/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Als Journalistin bei der «Urner Zeitung» ist unsere Kolumnistin Teil der NZZ-Mediengruppe. Abgesehen von ein paar Mails und den monatlichen Lohnabrechnungen hält sich ihr Kontakt zum Medienhaus an der Falkenstrasse in Zürich im Alltag jedoch in Grenzen. Und das ist auch richtig so.</strong><br />
<img loading="lazy" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/09/MW_Lokaljournalistin-NZZ-Mediengruppe_20170918.jpg" alt="" width="1456" height="976" class="alignnone size-full wp-image-47515" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/09/MW_Lokaljournalistin-NZZ-Mediengruppe_20170918.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/09/MW_Lokaljournalistin-NZZ-Mediengruppe_20170918-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/09/MW_Lokaljournalistin-NZZ-Mediengruppe_20170918-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/09/MW_Lokaljournalistin-NZZ-Mediengruppe_20170918-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/09/MW_Lokaljournalistin-NZZ-Mediengruppe_20170918-470x315.jpg 470w" sizes="auto, (max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
Ein bisschen stolz war ich schon, als ich vor einem Jahr zum ersten Mal ein persönlich adressiertes Couvert der NZZ-Mediengruppe aus meinem Briefkasten holte. Darin steckte nicht etwa eine Abo-Rechnung, sondern mein neuer Arbeitsvertrag. Den schloss ich zwar mit der Luzerner Zeitung AG ab, als Redaktorin der «Urner Zeitung» mit Arbeitsort Altdorf, aber die gehören der NZZ. Das Reiter-Logo auf dem Umschlag, die beigelegte Visitenkarte der HR-Verantwortlichen sowie Spesen- und Arbeitszeitreglement mit der Signatur «NZZ Mediengruppe» gaben mir das Gefühl, nun Teil einer der grössten Mediengruppen der Schweiz zu sein.</p>
<p>In der Zwischenzeit hat sich dieses Gefühl etwas relativiert. Zwar bin ich als Redaktorin bei der «Urner Zeitung» Teil einer Regionalausgabe der «Luzerner Zeitung», die wiederum zum Geschäftsbereich Regionalmedien der NZZ gehört. Doch während der Kontakt zu Luzern durch den täglichen Austausch deutlich spürbar ist, blieb das Zugehörigkeitsgefühl zur NZZ bisher ein Theoretisches.</p>
<p>Zwar flattern regelmässig Infomails oder interne Mitteilungen von der Falkenstrasse in mein E-Mail-Postfach – seit meiner Anstellung im Januar zirka deren 50. Dabei handelt es sich meist um allgemeine Infos der Unternehmenskommunikation, angefangen von einem Reminder hinsichtlich des Code of Conducts der NZZ, über Neuerungen in der IT-Abteilung und im Intranet, neue Tools für Mitarbeitergespräche oder Hinweise über Personalveränderungen. </p>
<p>Mehr als ein Teil des Mailverteilers der NZZ-Mediengruppe bin ich seither aber nie geworden. Das lag nicht etwa an mangelnden Gelegenheiten, von der Höfligasse in Altdorf an die Falkenstrasse nach Zürich zu reisen. Die hätte es nämlich durchaus gegeben. Etwa für den «Welcome-Morning» für neue Mitarbeitende, diverse Informationsveranstaltungen zum Geschäftsgang der Mediengruppe oder zuletzt für den Abschiedsapéro von CEO Veit Dengler, zu dem alle im Verteiler eingeladen wurden. </p>
<p>Doch ich – wie im übrigen auch meine Kollegen der «Urner Zeitung» – habe diese Einladungen jeweils unbeantwortet im Postfach liegen gelassen. Bei aller Zugehörigkeit zur NZZ: In der Praxis ist die Zentrale In Zürich dann doch zu weit weg. Die Kollegen, die ich am «Welcome Morning» hätte kennenlernen können, hätte ich später kaum je wieder getroffen. Und für Veit Dengler wäre ich bloss ein weiteres unbekanntes Gesicht geblieben, das er nach dem Klirren unserer Gläser am Apéro sogleich wieder vergessen hätte. Derweil mein Team womöglich auf eine Geschichte hätte verzichten müssen, weil ich gerade an der Falkenstrasse statt in Altdorf war. </p>
<p>Im Wissen darum, dass die Entscheidungen über meine Arbeitsstelle den umgekehrten Weg gehen, liegen meine Prioritäten als Journalistin im Alltag geografisch andersrum: An erste Stelle kommt für mich Altdorf, dann Luzern, dann Zürich. Nur so kann ich letztlich dafür sorgen, dass mein Lohn auch in Zukunft von Zürich via Luzern für meine Arbeit nach Altdorf kommt. </p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/09/19/die-falkenstrasse-ist-weit-weg/">Die Falkenstrasse ist weit weg</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Der wertvolle Blick von aussen auf das Lokale</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2017/08/21/der-wertvolle-blick-von-aussen-auf-das-lokale/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Carmen Epp]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 21 Aug 2017 08:54:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Lokaljournalismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Sie schreibt über den Kanton Uri, wohnt aber in Luzern. Trotz der teilweise kräftezehrenden Pendlerei schätzt unsere Kolumnistin diese Distanz. Denn zu grosse Nähe kann den Blick auf grössere Zusammenhänge verstellen, die mitunter helfen, das Lokale besser zu verstehen. Die letzten sieben Jahre – mit einem kleinen Unterbruch bei der «Tierwelt» – lag mein Arbeitsmittelpunkt <a href="https://medienwoche.ch/2017/08/21/der-wertvolle-blick-von-aussen-auf-das-lokale/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Sie schreibt über den Kanton Uri, wohnt aber in Luzern. Trotz der teilweise kräftezehrenden Pendlerei schätzt unsere Kolumnistin diese Distanz. Denn zu grosse Nähe kann den Blick auf grössere Zusammenhänge verstellen, die mitunter helfen, das Lokale besser zu verstehen.</strong><br />
<img loading="lazy" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/08/MW-Lokaljournalistin-20170821a.jpg" alt="" width="1456" height="976" class="alignnone size-full wp-image-46306" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/08/MW-Lokaljournalistin-20170821a.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/08/MW-Lokaljournalistin-20170821a-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/08/MW-Lokaljournalistin-20170821a-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/08/MW-Lokaljournalistin-20170821a-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/08/MW-Lokaljournalistin-20170821a-470x315.jpg 470w" sizes="auto, (max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
Die letzten sieben Jahre – mit einem kleinen Unterbruch bei der «Tierwelt» – lag mein Arbeitsmittelpunkt immer im Kanton Uri, meiner Heimat. Die ersten drei Jahre wohnte ich auch noch im Urnerland, bis ich meinen Wohnsitz der Liebe wegen in den Kanton Luzern verlegte. Ich erinnere mich noch an die anfängliche Skepsis von mir und auch meinem damaligen Arbeitgeber: Geht das überhaupt, hier arbeiten und woanders wohnen? Ohne die Antwort darauf zu kennen, beschlossen wir, es zumindest zu probieren. Und es klappte. Ich sehe vieles klarer, als wenn ich die ganze Zeit vor Ort wäre. </p>
<p>Kurze Zeit später erhielt mein Freund, ebenfalls Journalist, ein Stellenangebot der Obwalden-Nidwalden-Zeitung ONZ. Die neu lancierte Lokalzeitung warb mit dem Slogan «Wir von hier» und setzte dies auch bei seinen Angestellten strikt um: So waren die Arbeitsverträge an die Wohnsitzname in einem der beiden Kantone gebunden, so dass wir kurze Zeit später gemeinsam in den Kanton Obwalden umzogen. Hätten wir gewusst, was der ONZ schon bald blühen würde, hätten wir diesen Schritt wohl nicht gemacht. Bereits anderthalb Jahre nach der Gründung vermeldete die ONZ ihr Aus – und wir sassen da, in diesem Obwalden, zu dem wir einzig durch die Arbeitsstelle meines Freundes einen Bezug hatten. Seither haben wir uns geschworen, nie wieder wegen einer Arbeitsstelle den Wohnort zu wechseln, und zogen wieder in den Kanton Luzern.</p>
<p>Klar ist es gerade im Lokaljournalismus von Vorteil, wenn man «eine von hier» ist, sich in der Region auskennt, über die man berichtet. Insofern hatte der Slogan der ONZ und auch die Konsequenz, mit der der Slogan umgesetzt wurde, durchaus seine Berechtigung. Wenn man als Lokaljournalistin dort lebt, wo man auch arbeitet, ist man automatisch näher am Geschehen. Aus der Kombination von Arbeits- und Lebensmittelpunkt entstehen Kontakte, die man beruflich nutzen kann, und man erfährt von Geschichten, die einem aus der Ferne verborgen bleiben.</p>
<p>Das habe ich nach meinem Wegzug aus Uri denn auch schmerzlich erfahren müssen. Während meine Arbeitskollegen nach Feierabend oder am Wochenende im Café in Altdorf noch das eine oder andere für die Zeitung spannende aufgeschnappt haben, war ich nicht mehr in dieses Netzwerk eingebunden. Meine Inputs an den Redaktionssitzungen für mögliche Themen waren nicht mehr dieselben wie zuvor. Es war, als hätte ich den Draht zur Lebenswelt Uri verloren, die sich ausserhalb der Arbeitszeit hier abspielte. Uri war auf einmal nicht mehr so sehr spürbar wie zuvor. Und ich verlor durch die Pendlerei täglich mehr als eine Stunde Freizeit. </p>
<p>Ich habe durch diese räumliche Distanz aber auch dazu gewonnen. Dadurch, dass mein Fokus, der zuvor nur auf Uri lag, ausgeweitet wurde, gewann ich an Gespür für grössere Zusammenhänge und Vergleiche. Themen und Fragen, die in meinem Wohnkanton Obwalden und später Luzern aktuell waren, konnte ich auf Uri anwenden, meinen Heimatkanton so mit anderen Augen kennenlernen. Entsprechend verändert haben sich dann auch meine Inputs an Redaktionssitzungen: von «Ich habe gehört, dass…» zu «Wie ist das eigentlich in Uri mit …?» und «Gibt es hier eigentlich auch …?»</p>
<p>Und schliesslich wandelte sich die anfängliche Befürchtung, am Stammtisch etwas Spannendes zu verpassen, in ein Gefühl der Freiheit, das ich heute nicht mehr missen möchte: die Freiheit, in meinem Lebensumfeld in erster Linie Privatperson zu sein. Wurde ich zuvor, als ich noch in Uri wohnte, ständig und überall auch als Journalistin wahrgenommen, geniesse ich als Exil-Urnerin in meinem Wohnkanton mehr Narrenfreiheit. In Luzern kann ich spazieren gehen, ohne erkannt zu werden, mich im Café an einen Tisch setzen, ohne dass die Tischnachbarn denken, ich würde mithören Die räumliche Trennung von Arbeits- und Lebensmittelpunkt hat also auch eine Nähe aufgebrochen, die gerade im Lokaljournalismus problematisch werden kann – und eine Distanz geschaffen, die ich kreativ nutzen kann.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/08/21/der-wertvolle-blick-von-aussen-auf-das-lokale/">Der wertvolle Blick von aussen auf das Lokale</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Der Fluch der Verwandtschaft oder befangen als Cou-Cousine</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2017/07/24/der-fluch-der-verwandtschaft-oder-befangen-als-cou-cousine/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Carmen Epp]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 24 Jul 2017 16:21:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Lokaljournalismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als gebürtige Urnerin kann unsere Kolumnistin an ihrer Wirkungsstätte auf ein grosses verwandtschaftliches Netzwerk zurückgreifen. Das bringt im Journalismus Vor-, aber auch Nachteile. Kürzlich habe ich für einen Artikel eine Urner Kulturschaffende kontaktiert. Auf mein «Sehr geehrte Frau …» antwortete Sie per Mail mit «Liebe Carmen» und in Klammern: «Wir sind doch Cou-Cousinen, oder?» Ich war <a href="https://medienwoche.ch/2017/07/24/der-fluch-der-verwandtschaft-oder-befangen-als-cou-cousine/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Als gebürtige Urnerin kann unsere Kolumnistin an ihrer Wirkungsstätte auf ein grosses verwandtschaftliches Netzwerk zurückgreifen. Das bringt im Journalismus Vor-, aber auch Nachteile.</strong><br />
<img loading="lazy" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/07/MW-Lokaljourni-Epp_20170724.jpg" alt="" width="1456" height="976" class="alignnone size-full wp-image-45428" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/07/MW-Lokaljourni-Epp_20170724.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/07/MW-Lokaljourni-Epp_20170724-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/07/MW-Lokaljourni-Epp_20170724-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/07/MW-Lokaljourni-Epp_20170724-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/07/MW-Lokaljourni-Epp_20170724-470x315.jpg 470w" sizes="auto, (max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
Kürzlich habe ich für einen Artikel eine Urner Kulturschaffende kontaktiert. Auf mein «Sehr geehrte Frau …» antwortete Sie per Mail mit «Liebe Carmen» und in Klammern: «Wir sind doch Cou-Cousinen, oder?» Ich war verwirrt. Wenn diese Kulturschaffende, über die in den Urner Medien immer mal wieder berichtet wird, tatsächlich meine Cou-Cousine wäre, würde ich das doch wissen – dachte ich mir. Trotzdem: Unmöglich schien mir das Ganze nicht. </p>
<p>Epp ist ein in Uri häufiges Geschlecht. Gemäss <a href="http://blog.tagesanzeiger.ch/datenblog/index.php/6859/alles-mueller-oder-was" target="_blank">Datenblog des Tagesanzeigers</a> sind 147 Personen im Kanton Uri mit diesem Namen im Telefonbuch eingetragen, die meisten davon in meinem Bürgerort Silenen, wo auch ein Grossteil meiner – mir bewusst bekannten –  Verwandtschaft herkommt. Meine Mutter hiess ledig Tresch, ein noch häufigerer Name in Uri. Und meine Pflegefamilie, die ich auch zu meiner Verwandtschaft zähle, trägt gar den zweithäufigsten Urner Familiennamen: Arnold.</p>
<p>Zwar sind nicht alle Epp, Tresch und Arnold im Kanton Uri automatisch miteinander verwandt. Sie stammen von unterschiedlichen Linien ab – in meinem Fall sind es die Epp «vo z’Lochä», die Tresch «vom Steihüüs» und die «Bärcheler»-Arnold. Kommt hinzu, dass durch Anheirat die Familiennamen weitergetragen, die eigene Verwandt- und Anverwandtschaft vergrössert wird. Insofern greift das viel bediente Klischee zu kurz, in Uri seien sowieso alle miteinander verwandt.</p>
<p>So verwundert es nicht, dass sich meine Verwandtschaft auch auf meine Arbeit als Lokaljournalistin auswirkt. Und zwar im positiven, wie auch im negativen Sinn. Je grösser die Verwandtschaft, desto grösser ist auch das Netzwerk, von dem man profitieren kann. So habe ich schon einiges erfahren am Mittagstisch, das mein Pflegevater von seinem Cousin gehört hat, der es wiederum aus sicherer Quelle von dessen Bruder wusste – Informationen also, an die ein Zugezogener ohne verwandtschaftliches Netzwerk wohl so nie gekommen wäre.</p>
<p>Gerade bei heiklen Themen kann aber genau dieses Verwandtschaftsverhältnis meine Arbeit als Lokaljournalistin auch einschränken. Ist mein Bruder, meine Cousine, mein Onkel oder meine Schwägerin in einen Skandal verwickelt, kann und will ich nicht darüber schreiben. Nicht, um meine Verwandtschaft zu schonen, sondern weil mir die nötige journalistische Distanz fehlen würde. Und so muss ich unter Umständen gerade jene heiklen Informationen, zu denen ich nur dank den Epps, Treschs und Arnolds im Hintergrund gelangt bin, an meine Kollegen delegieren. </p>
<p>Problematisch kann das verwandtschaftliche Verhältnis auch dann werden, wenn es Quellen zu schützen gilt. So weiss ich, dass man mir schon bewusst heikle Informationen verschwiegen hat, aus Angst, durch das Verwandtschaftsverhältnis mir gegenüber gleich als Quelle entlarvt zu sein. Wie oft wurde mein inzwischen verstorbener Pflegevater schon fälschlicherweise verdächtigt, ich hätte diese oder jene Information in den Zeitungsspalten nur deshalb ausbreiten können, weil er mir die Information gesteckt habe. Und von meinem Bruder weiss ich, dass ich ihn zu gewissen Themen gar nicht fragen muss, weil er mir nichts Brisantes erzählen würde, aus Angst, sofort als Quelle entlarvt zu sein. </p>
<p>Insofern ist mein Nachname und die damit verbundene Verwandtschaft für meinen Arbeitsalltag Fluch und Segen zugleich. Er bringt mich unter Umständen zu Informationen, an die ich als Müller, Meier oder Gerber zwar nicht gekommen wäre. Je nach Gestalt der Information, kann ich als Epp aber nicht darüber schreiben. Oder er verwehrt mir den Zugang zu Informationen oder erschwert den Quellenschutz ungemein.</p>
<p>Inzwischen hat sich ergeben, dass die Kulturschaffende doch nicht meine Cou-Cousine ist. Ob ich mit der anderen Carmen Epp im Kanton Uri, mit der sie mich verwechselt hatte, verwandt bin, weiss ich allerdings nicht. Ein Glück also, dass die Verwandtschaftsverhältnisse nicht immer auf Anhieb klar sind.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/07/24/der-fluch-der-verwandtschaft-oder-befangen-als-cou-cousine/">Der Fluch der Verwandtschaft oder befangen als Cou-Cousine</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<item>
		<title>Wie ich aus der Ferne das Lokale wiederentdeckte</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2017/06/26/wie-ich-aus-der-ferne-das-lokale-wiederentdeckte/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Carmen Epp]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 26 Jun 2017 10:07:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Tierwelt]]></category>
		<category><![CDATA[Urner Wochenblatt]]></category>
		<category><![CDATA[Urner Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Lokaljournalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Magazinjournalismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Viele nutzen den Lokaljournalismus als Sprungbrett, um dereinst für ein Magazin oder ein nationales Medium zu arbeiten. Unsere Kolumnistin jedoch ging den umgekehrten Weg: Vom Magazinjournalismus zurück ins Lokale. Wieso? Eigentlich hatte ich dem Lokaljournalismus und dem Kanton Uri ja abgeschworen. Die immer gleichen Anlässe mit den immer gleichen Personen und Geschichten, und nicht zuletzt <a href="https://medienwoche.ch/2017/06/26/wie-ich-aus-der-ferne-das-lokale-wiederentdeckte/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/06/26/wie-ich-aus-der-ferne-das-lokale-wiederentdeckte/">Wie ich aus der Ferne das Lokale wiederentdeckte</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Viele nutzen den Lokaljournalismus als Sprungbrett, um dereinst für ein Magazin oder ein nationales Medium zu arbeiten. Unsere Kolumnistin jedoch ging den umgekehrten Weg: Vom Magazinjournalismus zurück ins Lokale. Wieso?</strong></p>
<p>Eigentlich hatte ich dem Lokaljournalismus und dem Kanton Uri ja abgeschworen. Die immer gleichen Anlässe mit den immer gleichen Personen und Geschichten, und nicht zuletzt der Umgang des Kantons mit dem Fall Walker brachten mich dazu, dem Mikrokosmos Uri und dem «Urner Wochenblatt» nach fünf Jahren den Rücken zu kehren. Weg von der Heimat in Uri und der Aktualität, hin zu den Tieren und zeitloseren Themen bei der «Tierwelt». Das war vor zweieinhalb Jahren.</p>
<p>Nun bin ich zurück – im Kanton Uri und im Lokaljournalismus. Bei einer anderen Zeitung zwar – der «Urner Zeitung», der Konkurrenz meines früheren Arbeitgebers – aber wieder konfrontiert mit all dem, was mich damals geradezu flüchten liess. Was war geschehen?</p>
<p>Der Wechsel hätte wohl radikaler nicht sein können. Von der auf einen Kanton spezialisierten Allroundern wurde ich von heute auf morgen zur Hunde-Spezialistin. Auch die Arbeitsweise änderte sich: Beim «Urner Wochenblatt» sass mir stets die Aktualität im Nacken, die ich in begrenzte Zeilen quetschen musste. Bei der «Tierwelt» konnte ich mich gut und gerne eine Woche einem einzigen 7000-Zeichen-Artikel widmen. Ich hatte freie Hand bei der Themenwahl und der Einteilung meiner Zeit.</p>
<p>Ich verstehe jeden Kollegen, der sich genau das wünscht. Und ich möchte die Erfahrungen, die ich während den zwei Jahren bei der «Tierwelt» sammeln durfte, auch keineswegs missen. Nur war das auf Dauer nichts für mich. Ich merkte, dass sich die Themen bei einem spezialisierten Gebiet ebenfalls oder gar noch schneller wiederholen als man denkt. Und mir fehlte plötzlich, was mich zwei Jahre zuvor weggetrieben hatte: die Aktualität, die Pflichtstoffe, die Kürze und – so absurd und unglaublich das auch klingen mag – sogar der Stress.</p>
<p>Trotzdem haderte ich zuerst, als mich der Redaktionsleiter der «Urner Zeitung» anrief und mir eine Stelle anbot. Würde ich wirklich auf den Luxus des langsamen Magazinjournalismus verzichten und in die Heimat zurückkehren wollen? Schliesslich warteten dort wieder die gleichen Anlässe, die gleichen Personen und die gleichen Themen, die mich vor zwei Jahren zur Flucht getrieben hatten. Doch ich sagte zu, mit der Befürchtung zwar, dass ich die Entscheidung schon bald bereuen würde.</p>
<p>Doch es kam anders. Der Anfang war zwar schwer. Das Wiedersehen mit alten Bekannten, denen ich Jahre zuvor als Journalistin auf die Füsse getreten war. Das flaue Gefühl vor dem Einschlafen, ob sich beim Artikel, den ich in kürzester Zeit schreiben musste und der morgen im Blatt ist, keine Fehler eingeschlichen hatten. Das Wissen, dass der verärgerte Leser nicht irgendwo am anderen Ende der Schweiz die Faust im Sack macht, sondern mir beim Spaziergang durchs Dorf begegnen würde. Daran musste ich mich erst wieder gewöhnen.</p>
<p>Seither sind es aber gerade diese Aspekte des Lokaljournalismus, die ich geniesse. Die Nähe zum Leser, die Unmittelbarkeit zu dem, was die Leute beschäftigt und das Gefühl, etwas bewirken zu können, wenn auch nur im Kleinen – all das wirkt ungemein belebend, selbst nach sehr langen und sehr stressigen Tagen.</p>
<p>Ich bin mir bewusst, dass die Euphorie, die ich jetzt verspüre, wieder abreissen könnte. Wie damals vor zweieinhalb Jahren. Im Gegensatz zu damals weiss ich aber heute, dass ich – allen Widrigkeiten zum Trotz, die der Lokaljournalismus mit sich bringt – früher oder später wieder ohnehin wieder zurückkehren würde. Einmal Lokaljournalistin, immer Lokaljournalistin.</p>
<p><em>Bildquelle Vorschaubild:</em> Collage, Hintergrund: <a href="https://www.google.ch/maps/place/Neue+Urner+Zeitung/@46.8802219,8.6467905,3a,75y,231.91h,85.97t/data=!3m7!1e1!3m5!1sblectUO2Cz1n8eXUH85ryg!2e0!6s%2F%2Fgeo1.ggpht.com%2Fcbk%3Fpanoid%3DblectUO2Cz1n8eXUH85ryg%26output%3Dthumbnail%26cb_client%3Dsearch.TACTILE.gps%26thumb%3D2%26w%3D234%26h%3D106%26yaw%3D198.4969%26pitch%3D0%26thumbfov%3D100!7i13312!8i6656!4m5!3m4!1s0x478543850ae6a2ab:0x9465bc5051794734!8m2!3d46.8796088!4d8.6465536">Google Street View</a></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/06/26/wie-ich-aus-der-ferne-das-lokale-wiederentdeckte/">Wie ich aus der Ferne das Lokale wiederentdeckte</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Mittendrin statt nur dabei – ob ich will oder nicht</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/07/18/mittendrin-statt-nur-dabei-ob-ich-will-oder-nicht/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Carmen Epp]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 Jul 2016 09:33:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blickwinkel]]></category>
		<category><![CDATA[Standpunkt>Blickwinkel]]></category>
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		<category><![CDATA[Ankara]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Streaming-Dienste wie Periscope oder Facebook Live bringen den Zuschauer mitten ins Geschehen, live und unzensiert. Wie wichtig die Gatekeeper-Funktion von professionellem Journalismus angesichts dieser neuen Konkurrenz ist oder sein müsste, hat unsere Kolumnistin in den letzten Tagen gleich mehrfach erlebt. Es war der 14. Juli, ein normaler Donnerstagabend, mein Freund und ich lagen auf dem <a href="https://medienwoche.ch/2016/07/18/mittendrin-statt-nur-dabei-ob-ich-will-oder-nicht/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Streaming-Dienste wie Periscope oder Facebook Live bringen den Zuschauer mitten ins Geschehen, live und unzensiert. Wie wichtig die Gatekeeper-Funktion von professionellem Journalismus angesichts dieser neuen Konkurrenz ist oder sein müsste, hat unsere Kolumnistin in den letzten Tagen gleich mehrfach erlebt.<br />
<span id="more-27780"></span><br />
Es war der 14. Juli, ein normaler Donnerstagabend, mein Freund und ich lagen auf dem Sofa, assen Chips und schauten uns eine DVD an. Ein Horrorfilm mit allem, was dazu gehört: Spannung, Gänsehaut und ja, auch Leichen und Blut, sehr viel Blut. Dass ich bald vom fiktiven zum realen Horror wechseln würde, hätte ich da noch nicht geahnt.</p>
<p>Als der Abspann des Films lief, schaute ich auf mein Handy. Mehrere Push-Meldungen füllten das Display: irgendwas mit Nizza, einem weissen LKW und Todesopfern. Zwei, drei Daumenwische auf Twitter später erschien ein Video in meinem Feed, das sogleich zu laufen begann. Es dauerte eine Weile, bis ich realisierte, was da gezeigt wurde: Die Promenade des Anglais, gesäumt von leblosen Körpern in ihrem eigenen Blut, gefilmt von einem Mann, der von Leiche zu Leiche lief und unentwegt fragte: «C’est quoi ça?» Irgendjemand hatte den Persicope-Live-Stream in meinen Feed geteilt.</p>
<p>Live-Streaming-Dienste wie Periscope oder Facebook Live werden immer beliebter. Gemeinsam erreichen die beiden Kanäle weltweit gegen zwei Milliarden Nutzer. Diese eröffnen mit ihren Streams einen neuen, unmittelbaren Blick auf alles, was in der Welt gerade geschieht. Damit sind jedoch auch Gefahren verbunden, die weit über die Fragen von Daten- und Persönlichkeitsschutz hinausgehen. So werden die Zuschauer immer öfters Zeugen verstörender Szenen (http://www.watson.ch/Digital/Facebook/873692061-Schl%C3%A4ge&#8211;Schiessereien&#8211;Suizide&#8211;Immer-wieder-filmen-Nutzer-bei-Periscope-und-Facebook-verst%C3%B6rende-Ereignisse).</p>
<p>Im professionellen Journalismus hingegen wird traditionsgemäss auf das Zeigen von Bildern mit Leichen oder Gewalt verzichtet. Zwar verletzten redaktionelle Medien diese Regel vermehrt, aber der Nutzer weiss immerhin, von welchen Titeln er solch unethisches Verhalten erwarten muss. Aber auch dahinter steckt meist ein aktiver Entscheid: Ja, wir zeigen es. Der Journalist fungiert dabei als Gatekeeper, als «Schrankenwärter», der entscheiden kann, was er zeigt wird und was nicht.</p>
<p>So auch Richard Gutjahr. Der Deutsche Journalist und Blogger befand sich zur Zeit des Anschlags in Nizza und hielt die Fahrt des weissen LKWs in die Menschenmenge auf seinem Handy fest – noch ohne zu wissen, welches Drama sich da gleich abspielen wird. Das Video zeigt zwar keinen expliziten Inhalt. Trotzdem hat sich Gutjahr dagegen entschieden ((http://www.spiegel.de/politik/ausland/richard-gutjahr-journalist-filmte-den-anschlag-von-nizza-a-1103106.html), das Material bei Twitter oder Facebook zu veröffentlichen. «Stattdessen habe ich alles an die Redaktion des WDR geschickt. Dort entscheiden Profis, was veröffentlicht werden sollte und wie.»</p>
<p>Auch die TV-Stationen, die ich die Nacht hindurch beobachtet habe, verzichteten darauf, solche Bilder zu zeigen. Auf CNN warnte die Sprecherin gar explizit davor, sich diese Videos anzuschauen und bat darum, sie nicht zu teilen – aus Respekt vor den Angehörigen und den Opfern. Denselben Appell hatte zuvor auch die Französische Polizei auf Twitter verbreitet. Tags darauf rief auch SRF3 (https://api.crowdradio.de/cdn/i/1/b/cr-3-p/c/l-srf-srf-3/t/1/f/container/n/7cbc38fb-0bc9-45d6-ae14-eed5a8d627b9/e/html) unter dem Hashtag #caredontshare zu Mitgefühl statt Sensationsgier auf.</p>
<p>Wie vergänglich dieser hehre Vorsatz sein kann, zeigte sich keine 24 Stunden später, am Abend des 15. Juli als ich erneut unverhofft Push-Meldungen auf meinem Handy sah: ein Putschversuch in der Türkei, Tumulte in Istanbul und Ankara. Statt auf Twitter zu klicken, zappte ich diesmal direkt auf CNN. Und konnte meinen Augen kaum glauben: Die TV-Station, die noch am Abend zuvor davor warnte, sich verstörendes Videomaterial anzuschauen, zeigte fast genau so verstörende Live-Bilder von Istanbul. Menschen auf der Bosporus-Brücke, die leblose Körper weg trugen, ein offenbar verletzter Mann, der sich hinter einer Leitplanke in Sicherheit legte, und eine Gruppe von Personen, die einen Panzer belagerten, während in unmittelbarer Nähe Schüsse fielen.</p>
<p>Auch wenn die Bilder aus Istanbul, die CNN sendete, weniger blutig waren, so schockierten sie mich doch mehr als das Video der mit Leichen gesäumten Promenade in Nizza. Bei Letzterem war es ein offenbar geschockter Mann, der – aus welchen Gründen auch immer – das Grauen live gefilmt hat, ohne sich dessen Wirkung bewusst zu sein. Bei den Bildern aus Istanbul hingegen waren es Medienprofis, die sich entschieden haben, solche Livebilder über den Sender laufen zu lassen, unzensiert und kommentiert von Sprechern, die sich genau so erstaunt darüber zeigten, was da gerade live in die Welt hinaus getragen wurde. Gatekeeper: Fehlanzeige.</p>
<p>Das Beispiel zeigt, dass Live-Streaming bei Ereignissen von öffentlichem Interesse wie jenen in Nizza oder in der Türkei auch den Journalismus vor neue Herausforderungen stellt. Noch bevor sich die Journalisten vor Ort ein Bild machen können, kursiert bereits eine Fülle an Videomaterial im Netz. Die Konkurrenz, das sind nun nicht mehr nur die anderen Medien, sondern potenziell alle Personen vor Ort, die als Laien-Reporter schnell eine grosse Reichweite erreichen können.</p>
<p>Es gibt zwei Möglichkeiten für Medienschaffende, auf diese neue Konkurrenz zu reagieren: Entweder sie berufen sich auf ihre Funktion als Gatekeeper wie Gutjahr und Co. und bewahren so ihre Glaubwürdigkeit, indem sie das Geschehene abbilden und gleichzeitig die Opfer und deren Angehörigen schützen. Oder sie wollen mithalten mit dem, was in den Sozialen Medien ungefiltert verbreitet wird. Welche der beiden Wege der Glaubwürdigkeit eines Mediums nützt oder schadet, hängt von dessen ethischen Grundsätze und dem Geschäftsmodell ab. So oder so werden redaktionelle Medien nicht darum herumkommen, eine eigene Live-Video-Strategie auszuarbeiten. Das haben die Vorfälle in Nizza und Istanbul einmal mehr deutlich gemacht.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/07/18/mittendrin-statt-nur-dabei-ob-ich-will-oder-nicht/">Mittendrin statt nur dabei – ob ich will oder nicht</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>«Nach dem Wettkampf beginnt das Medienspiel»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/07/08/nach-dem-wettkampf-beginnt-das-medienspiel/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Carmen Epp]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 08 Jul 2016 15:29:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Max Heinzer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mit 14 Weltcupsiegen und drei Europameistertiteln zählt Max Heinzer zur Weltspitze der Degenfechter. Demnächst steht er an den Olympischen Spielen in Rio im Einsatz. Im Gespräch mit der MEDIENWOCHE erzählt der 29-Jährige Innerschweizer, wieso er Medienanfragen immer persönlich bearbeitet, welche Fragen von Journalisten ihn nerven und wie er sich einmal als Kolumnist ins Fettnäpfchen geschrieben <a href="https://medienwoche.ch/2016/07/08/nach-dem-wettkampf-beginnt-das-medienspiel/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Mit 14 Weltcupsiegen und drei Europameistertiteln zählt Max Heinzer zur Weltspitze der Degenfechter. Demnächst steht er an den Olympischen Spielen in Rio im Einsatz. Im Gespräch mit der MEDIENWOCHE erzählt der 29-Jährige Innerschweizer, wieso er Medienanfragen immer persönlich bearbeitet, welche Fragen von Journalisten ihn nerven und wie er sich einmal als Kolumnist ins Fettnäpfchen geschrieben hat.</strong><br />
<img loading="lazy" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2016/07/AUG_2933.jpg" alt="" width="1680" height="853" class="alignnone size-full wp-image-56899" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2016/07/AUG_2933.jpg 1680w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2016/07/AUG_2933-300x152.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2016/07/AUG_2933-768x390.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2016/07/AUG_2933-1024x520.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 1680px) 100vw, 1680px" /><br />
Ende Juni im Sportcenter Dierikon, Kanton Luzern. Max Heinzer erscheint mit einer grossen Trainingstasche zum Gespräch. Anderthalb Stunden hat er Zeit, dann ist Training angesagt. Der mehrfache Weltcupsieger und Hoffnungsträger für die Olympischen Spiele in Rio kommt jeden Donnerstag hierher zum Training. Für einmal hat er nicht seinen Degen dabei, sondern ein Racket. Beim Badminton würden ähnliche Bewegungsmuster trainiert wie beim Fechten, sagt er. «Ausserdem fechte ich, seit ich fünf Jahre alt bin. Da bin ich froh, auch mal was anderes zu machen als Fechten, Ausdauer- und Krafttraining.»</p>
<p><strong>MEDIENWOCHE: Auf meine Interviewanfrage, eingetippt ins Presseformular auf Ihrer Website, hat sich nicht etwa ein PR-Manager, sondern Sie sich persönlich gemeldet. Bearbeiten Sie alle Medienanfragen selber?</strong><br />
Max Heinzer: Das mag Sie vielleicht überraschen, aber in einer Randsportart wie Fechten ist das durchaus üblich. Für mich kam es bisher nicht infrage, ein professionelles Management anzustellen. Zum einen wäre das nicht ganz günstig. Zum anderen wäre ich «nur» mit den vier bis fünf Stunden Training pro Tag auch unterfordert. Ausserdem finde ich den Aspekt von Medienarbeit und Selbstvermarktung sehr spannend.</p>
<p><strong>Dann werden Sie dieses Interview auch ohne Berater gegenlesen?</strong><br />
Nein. Bei wichtigen Interviews oder wenn ich mich zu einem Thema äussere, in dem ich nicht Profi bin, berate ich mich jeweils mit Urs Lauffer. Er ist Präsident der Fritz-Gerber-Stiftung für begabte junge Menschen, die mich seit Langem unterstützt und für die ich heute in einem 20-Prozent-Pensum Gesuche von jungen Sportlern prüfe. Urs Lauffer ist ein ausgewiesener Kommunikationsexperte und hat mir angeboten, mich bei wichtigen Medienauftritten auf freundschaftlicher Basis zu beraten. Mit ihm werde ich dann auch dieses Interview besprechen.</p>
<p><strong>Anders als bei den meisten Ihrer Medienanfragen wird es in diesem Interview nicht in erster Linie um Ihren Sport gehen. Wieso haben Sie trotzdem zugesagt?</strong><br />
Wieso nicht? Die Frage impliziert, dass ich nur über Sport berichten kann. Dem ist aber nicht so. Ich habe durchaus auch noch andere Interessen, auch wenn ich in diesen Bereichen nicht Profi bin. Ihre Anfrage hat mich auch deshalb gereizt, weil es mal um etwas anderes geht als um die 0815-Fragen, die mir sonst gestellt werden. Medien und Kommunikation interessieren mich. Als ich an der Universität Basel Sport studiert habe, hätte ich beinahe Kommunikationswissenschaften im Nebenfach belegt. Nach zwei, drei Vorlesungen habe ich dann aber bemerkt, dass der Lesestoff mein Zeitbudget mit Studium und Training gesprengt hätten.</p>
<p><strong>Nun haben Sie mit Sportjournalisten zu tun. Denen haftet der Ruf an, immer dieselben langweiligen Fragen stellen. Wie erleben Sie das?</strong><br />
Ich halte den Ruf für unberechtigt. Es geht im Sport immer um Sieg oder Niederlage und da ist es naheliegend, dass oft dieselben Fragen gestellt werden. Wenn ein Kampf schlecht lief, wird man gefragt, wieso er schlecht lief. Und wenn man gewonnen hat, will man wissen, was gut geklappt hat. Da liegt in der Natur der Sache, nicht an den Journalisten. Was mich mehr nervt sind Journalisten, die schlecht vorbereitet sind.</p>
<p><strong>Wie äussert sich das?</strong><br />
Indem ich bei jedem Gespräch quasi von vorne anfangen und dem Journalisten erst die Regeln des Fechtens erklären muss. Oder wenn ich gefragt werde, wieso ich mit dem Fechten angefangen habe oder wie viele Weltcups ich schon gewonnen habe – Dinge also, die man ganz einfach googlen könnte zur Vorbereitung. Da löscht’s mir manchmal schon ein bisschen ab, zumal ich mich für meinen Sport und meinen Wettkampf immer gut vorbereite und das dann eigentlich auch von meinen Interviewpartnern erwarte. Ich bleibe dann aber meist cool und professionell. Zum Glück kommt das inzwischen nur noch selten vor. Im Vergleich zu früher sind die allermeisten Journalisten, mit denen ich zu tun habe, heute gut informiert, was den Fechtsport angeht. Noch vor fünf, zehn Jahren musste ich öfters bei null anfangen als heute.</p>
<p><strong>Sonst noch Fragen, die Sie nerven – und ich dann besser nicht stellen sollte?</strong><br />
Eine weitere Frage, die immer wieder kommt, ist: Und was machen Sie sonst noch so ausser Fechten? Es kann sich irgendwie niemand so recht vorstellen, dass das tatsächlich mein Beruf ist. Aber ich trainiere wahrscheinlich nicht weniger als beispielsweise ein Roger Federer – und ihn würde ja auch niemand fragen, was er nebenbei noch arbeitet. Aber als Randsportler ist man sich das gewöhnt, da rege ich mich mich gar nicht mehr so auf. Die Frage stellen ausserdem nicht nur Journalisten, sondern auch Freunde von Freunden, die mich nicht gut kennen.</p>
<p><strong>Apropos Freunde: Sie haben aktuell rund 10’000 Fans auf Facebook …</strong><br />
Meinen Berechnungen zufolge sollten es morgen oder übermorgen 11’000 sein *lacht*.</p>
<p><strong>Ganz schön viele für einen Vertreter einer Randsportart! Wie schaffen Sie das?</strong><br />
Ich finde die Zahl auch sehr hoch und bin stolz darauf. Allerdings investiere ich auch Zeit in meinen Facebook-Auftritt und probiere, das gut zu machen. Andere Athleten bewirtschaften ihr Profil nur nach guten Kämpfen, ich poste auch, wenn ich verloren habe. Ausserdem achte ich darauf, dass ich regelmässig etwas poste, sodass die Leute, die mir folgen, wissen, dass sie immer mal wieder ein Update von mir kriegen. Schliesslich beantworte ich alle Nachrichten, die mir via Facebook gesendet haben. Was allerdings auch Nachteile haben kann.</p>
<p><strong>Wieso?</strong><br />
Ich kriege manchmal Nachrichten von Athleten aus aller Welt, die mich fragen, wie sie trainieren sollen. Oder sie schicken mir Videos von ihren Trainings und wollen Tipps, auch zum Trainingsmaterial. Einmal hat mir ein Fan aus der Türkei geschrieben, dass er gerne eine Autogrammkarte hätte für seinen Sohn – auf Türkisch! Dank Google Translator habe ich seinen Wunsch entziffern können und ihm dann auch geantwortet. Das ist dann manchmal schon ein bisschen too much und vielleicht bin ich da auch etwas zu nett, wenn ich alles beantworte. Aber das ist sicher auch mit ein Grund, wieso ich so viele Fans habe und die Kurve ständig nach oben geht. Das ist aber auch das Coole am Fechten, da ist man den Leuten näher. Und 11’000 sind ja trotzdem noch einigermassen überschaubar.</p>
<p><strong>Auf Ihrer Facebook-Seite streamen Sie regelmässig Fechtkämpfe live, zuletzt an der EM in Polen. Welche Überlegung steckt dahinter?</strong><br />
Ich will meinen Fans damit einen Mehrwert bieten. Fechten live als Wettkampf gibt es praktisch nie am Fernsehen zu sehen, ausser an den Olympischen Spielen oder an Weltmeisterschaften. Da ist Facebook eine coole Möglichkeit, schnell, mit wenig Aufwand und gratis eine grosse Reichweite zu erreichen. So können meine Fans meine Kämpfe verfolgen, in den Kommentaren Fragen stellen oder mich anfeuern, was auch rege gemacht wird.</p>
<p><strong>Machen Sie mit diesen Live-Streams nicht die Journalisten überflüssig, wenn die Zuschauer Ihre Kämpfe schauen können und die – wie Sie andeuten – auch noch kommentiert würden?</strong><br />
Nein. Ich glaube, das Gegenteil ist der Fall. Wenn ich beispielsweise einen Fussballmatch schaue, finde ich es trotzdem noch spannend, am nächsten Tag zu lesen, welche Note der «Blick» den Spielern gibt. Wenn man etwas live gesehen hat, liest man umso mehr, was später darüber geschrieben wurde. Deshalb denke ich, dass meine Live-Streams das Interesse an einer journalistischen Berichterstattung eher grösser machen als kleiner.</p>
<p><strong>Wenn man einen Wettkampfbericht von Ihnen in einer Zeitung liest, war der betreffende Journalist dann jeweils vor Ort? Oder schaut er sich allenfalls auch den Live-Stream an und berichtet dann auf dieser Grundlage?</strong><br />
Das hängt oft von der Grösse eines Turniers ab. Je grösser, desto eher sind auch Schweizer Journalisten vor Ort. Meist ist ein Vertreter der «Sportinformation» vor Ort, der direkt nach dem Wettkampf anruft und die Meldung dann verbreitet. Oder die Journalisten aus der Schweiz rufen mich an. Was ich allerdings auch schon festgestellt habe, ist, dass sehr viele Medien direkt Statements von meiner Facebook-Seite benützen. So haben die «Basler Zeitung», die NZZ oder auch schon der «Tages-Anzeiger» zum Beispiel schon mal einen ganzen Artikel publiziert alleine anhand der Aussagen und Fotos, die ich auf Facebook geladen habe.</p>
<p><strong>Dann nehmen Sie mit Ihrer Facebook-Seite den Journalisten quasi die Arbeit ab?</strong><br />
Vielleicht, ja. Es bringt aber auch für mich Vorteile. Dadurch, dass die Journalisten wissen, dass ich meistens eine Stunde nach einem Turnier die wichtigsten Infos auf meiner Seite posten, kann ich mich auch selber davor schützen, dass ich mit Anrufen bombardiert werde, während ich noch in der Dopingkontrolle bin oder bei der Siegerehrung. Und gerade bei Turnieren in Übersee mit grosser Zeitverschiebung wäre das Risiko wahrscheinlich gross, dass die Resultate, die mitten in der Nacht Schweizerzeit gefallen sind, in der Schweizer Presse gar nicht vermeldet werden, wenn ich nichts posten würde. So beginnt für mich nach dem Wettkampf das Medienspiel. Das gehört für einen Vertreter einer Randsportart denke ich einfach dazu, wenn er will, dass seine Sportart präsent wird oder bleibt.</p>
<p><strong>Abgesehen von Medienauftritten als Sportler sind Sie auch schon in Homestories oder an Anlässen aufgetreten, die nicht in erster Linie mit Ihrem Sport zu tun haben. Wieso?</strong><br />
Ich fühle mich überhaupt nicht als Star und und muss mich drum auch nicht abschirmen von irgendeinem Rummel. Wenn mich also die «Schweizer Illustrierte» zu einem Zirkus einlädt oder zu den Swiss Indoors in die VIP-Lounge, ist das schon cool und dann sage ich auch zu, wenn es mich interessiert. An solchen Anlässen lernt man auch immer wieder spannende Leute kennen. Und wenn dann dort Fotos gemacht werden, die irgendwo publiziert werden, ist das halt Part of the Game und sorgt auch dafür, dass mein Gesicht und damit auch der Fechtsport in den Köpfen der Leute präsent bleibt. Bei solchen Anlässen aber gilt, genau so wie für Repräsentationsaufgaben für meine Sponsoren, dass sie in meinen Wettkampf- und Trainingsplan passen müssen, sonst sage ich ab. Und die eine Homestory in der «Schweizer Illustrierten» hat sich so ergeben und für meine damalige Freundin und mich so gepasst.</p>
<p><strong>Ausserdem treten Sie auch regelmässig als Vertreter Ihres Sponsors Jaguar in Erscheinung, zum Beispiel am Autosalon in Genf oder an Anlässen an der Costa Brava. Absolvieren Sie das als Pflichtprogramm?</strong><br />
Nicht nur. Klar gehört das dazu, wenn man eine Partnerschaft eingeht, dass der Sponsor dann auch eine Gegenleistung will vom Athleten und das mache ich auch gerne. Zumal man auch dort wieder neue Leute kennenlernt und das eine spannende Abwechslung zum Trainingsalltag ist. Ausserdem empfinde ich die Partnerschaft mit Jaguar als sehr sinnvoll. Ich fahre seit zweieinhalb Jahren selber Jaguar, mache jährlich 30’000 Kilometer, ist also mein tagtäglicher Begleiter. Jaguar ist individuell, speziell, ein bisschen elitär und schnell, genauso wie das Fechten. Insofern passt die Marke auch zum Fechtsport.</p>
<p><strong>Ein paar «Medienhighlights» haben Sie auf ihrer Website publiziert, alles wohlwollende Porträts, Interviews und Wettkampfberichte. Wird denn auch mal was Negatives über Sie berichtet?</strong><br />
Klar. Wenn ich bei einem Turnier eine schlechte sportliche Leistung erbracht habe, wird das natürlich auch vermeldet. Ansonsten erinnere ich mich nur an eine Schlagzeile im «Blick», über die ich nicht sehr happy war. Da hatte ich im Vorfeld vom Weltcup in Qatar schriftlichen Kontakt mit einem Journalisten. Eine seiner Fragen lautete, wieso der Weltcup ausgerechnet in Qatar stattfinde. Darauf habe ich geantwortet, dass das wahrscheinlich daran liegen würde, dass die dort sehr finanzkräftig sind, und in einem Nebensatz erwähnt, dass das ausserdem das Turnier mit dem höchsten Preisgeld sei. Dann erschien am Tag des Turniers im «Blick» ein grosses Jubel-Bild von mir mit der Schlagzeile «Heinzer will Kohle». Das hat mich ziemlich genervt, weil das überhaupt nicht die Botschaft war und auch gar nicht mir entspricht. Wenn ich reich werden möchte, hätte ich mir eine andere Sportart ausgesucht. Das war aber auch die einzige negative Erfahrung mit dem «Blick», die machen das sonst wirklich toll und räumen dem Fechten auch immer viel Platz ein, was ich sehr schätze.</p>
<p><strong>Gab es darauf negative Rückmeldungen?</strong><br />
Nein. Ich habe den Spiess umgedreht und meinen Sponsoren ein PDF des Artikels geschickt mit einer Erklärung, wie der zustande gekommen ist. Meiner Familie und meinen Freunden musste ich nichts erklären, die wissen, dass ich nicht so bin. Es gibt natürlich immer Leute, die mich nur aus den Medien kennen und dort den Eindruck kriegen, ich sei arrogant. Obwohl es viele Gründe gibt, wieso ich das eben gerade nicht bin. Aber mir geht es ja auch oft so, dass ich mir eine Meinung bilde über Menschen, über die ich irgendwo gelesen habe, obwohl ich weiss, dass man das nicht tun sollte. Ich denke, das ist menschlich und sollte man sich auch nicht zu sehr zu Herzen nehmen.</p>
<p><strong>Die besagte «Blick»-Schlagzeile ist die einzig negative Erfahrung mit Medienauftritten bisher?</strong><br />
Nein. Die andere habe ich mir jedoch selber eingebrockt.</p>
<p><strong>Inwiefern?</strong><br />
Ich wurde vom «Rigi Anzeiger» vor fünf Jahren angefragt, eine Kolumne zu schreiben und habe mich entschieden, mein Hobby, das Fischen, zum Thema zu machen. Da habe ich unter anderem geschrieben, dass es im Zugersee immer mehr Kormorane hat und immer weniger Fische. Das war ein Fehler und gab viele negative Reaktionen, vor allem von Vogelfreunden. Dabei habe ich mir nichts Böses gedacht und einfach frei von meinem Fischerherzen geschrieben. Eine Organisation hat mich dann zu einer Vogelzählung eingeladen, die ich auch gerne mitgemacht habe. Aus dieser Erfahrung habe ich aber gelernt, dass ich mich besser nicht zu Themen äussere, in denen ich nicht Profi bin.</p>
<p><strong>Zum Beispiel?</strong><br />
Politik und Religion gehören auch dazu. Das sind zwar Themen, die mich persönlich interessieren, zu denen ich mich aber nicht öffentlich äussern werde. Zurückhaltend gehe ich auch mit Infos aus meinem Privatleben um. Ich publiziere zwar mal hie und da ein Foto von Familienmitgliedern auf Facebook, wie neulich, als ich Onkel geworden bin. Dies aber nur nach Rücksprache und gut überlegt.</p>
<p><strong>Durch Ihre Medienpräsenz sind Sie offenbar auch den Frauen positiv aufgefallen. Wenn man nach Ihnen googlet, kommt als dritte Möglichkeit «Max Heinzer Freundin» …</strong><br />
Stimmt, das habe ich auch schon probiert. Ist das wirklich so, dass das die Suchanfragen sind, die am häufigsten eingegeben werden bei Google?</p>
<p><strong>Ja. Offenbar scheint es zu interessieren, ob die Freundin, mit der Sie mal in der «Schweizer Illustrierten» zu sehen waren, noch aktuell ist?</strong><br />
Das ist seit anderthalb Jahren nicht mehr aktuell, nein. Und wie ich bereits erwähnt habe, möchte ich zu meinem Privatleben auch nicht viel sagen. Nächste Frage?</p>
<p><strong>Welche Medien nutzen Sie persönlich?</strong><br />
Ich lese jeden Morgen immer zuerst die Headlines von «Blick» oder «20 Minuten» auf meinem Smartphone, als erstes immer den Sport. Am Wochenende nehme ich dann auch mal eine gedruckte Zeitung zur Hand, durch meine Verwurzelung in der Zentralschweiz vor allem lokale Blätter.</p>
<p><strong>Schon bald reisen Sie an die Olympischen Spiele nach Rio. Wie sieht Ihr Medienfahrplan bis dahin aus?</strong><br />
Diese Woche habe ich fünf Interviews, heute Nachmittag noch eines mit «Le Matin» in Bern. Sonst ergibt sich mein Medienfahrplan aus den Anfragen, die vielleicht noch kommen werden. In erster Linie werde ich mich aber auf mein Training und die Vorbereitung auf Rio konzentrieren und dann wohl auch die eine oder andere Anfrage absagen müssen. Ein paar Tage vor Rio wird es eine Medienkonferenz geben, in Rio selber liegt der Fokus dann voll und ganz auf dem Wettkampf. Wie es danach weiter geht mit dem Medieninteresse, hängt dann wohl vom Ausgang der Olympischen Spiele ab.</p>
<p><small>Bild: Augusto Bizzi</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/07/08/nach-dem-wettkampf-beginnt-das-medienspiel/">«Nach dem Wettkampf beginnt das Medienspiel»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Gesunder Menschenverstand statt Experten</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/06/06/gesunder-menschenverstand-statt-experten/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Carmen Epp]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Jun 2016 09:29:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Fall Rupperswil]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=27571</guid>

					<description><![CDATA[<p>Der Vierfachmord von Rupperswil lässt uns unweigerlich fragen: Was ist das für ein Mensch, der zu so einer brutalen Tat fähig ist? So sehr wir gerne eine Antwort darauf hätten: Es gibt sie garantiert nicht auf die Schnelle. Trotzdem lassen Medien dazu Experte um Experte zu Wort kommen. Die bestätigen aber bestenfalls das, was der <a href="https://medienwoche.ch/2016/06/06/gesunder-menschenverstand-statt-experten/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Der Vierfachmord von Rupperswil lässt uns unweigerlich fragen: Was ist das für ein Mensch, der zu so einer brutalen Tat fähig ist? So sehr wir gerne eine Antwort darauf hätten: Es gibt sie garantiert nicht auf die Schnelle. Trotzdem lassen Medien dazu Experte um Experte zu Wort kommen. Die bestätigen aber bestenfalls das, was der gesunde Menschenverstand uns ohnehin schon vorgibt. Oder sie liegen gar komplett daneben.</strong></p>
<p>Der Mord von Rupperswil hält die Schweiz seit Ende des vergangenen Jahres in Atem. Vier Personen waren getötet und in Brand gesteckt, eines der Opfer, ein 13-jähriger Junge, zuvor sexuell missbraucht worden. Die Polizei fand DNA-Spuren am Tatort, die Täterschaft hingegen schien während Monaten unauffindbar.</p>
<p>Schon bald liessen Medien allerhand Experten zu Wort kommen. Sie sollten der damals noch unbekannten Täterschaft ein Gesicht, ein Profil geben, und damit mögliche Antworten liefern auf die Frage: Wer um Himmels Willen ist zu so einer brutalen Tat fähig? So sehr diese Frage auch unter den Nägeln brannte, so sehr war deren Beantwortung von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Dies zumal das, was die zitierten Experten zum Besten geben konnten, das Publikum wenig zu überraschen vermochte.</p>
<p>Kaum ein Leser, Hörer oder Zuschauer hatte wohl ernsthaft vermutet, dass es sich bei der Täterschaft um einen oder mehrere psychisch intakte Affekttäter handelte, der oder die seither von Reue geplagt sich jede Nacht in den Schlaf weinte. Im Gegenteil: Es entspricht dem gesunden Menschenverstand, dass jemand, der vier Menschen kaltblütig ermordet und in Brand steckt, ein gefühlskalter Psychopath ist – dafür brauchte man weder Gerichtspsychiaterin noch Forensiker zu sein.</p>
<p>Doch nicht nur das Publikum wurde mit solchen Experten-Interviews und -Einschätzungen für dumm verkauft. Auch das 40-köpfige Ermittlerteam, das derweil jeder Spur auf nachging, dürfte höchstens ein müdes Lächeln übrig gehabt haben für den kläglichen Versuch der Medien, der Täterschaft ein Gesicht zu geben.<br />
Am 12. Mai waren die Ermittlungen schliesslich erfolgreich. Der mutmassliche Täter wurde gefasst und ist gemäss Aussagen der Staatsanwaltschaft geständig. Je mehr über den Gefassten publik wurde, desto klarer wurde, dass er nicht dem entsprach, was man üblicherweise von einem Mörder erwartete: Der mutmassliche Täter ist weder vorbestraft noch sonst irgendwie aufgefallen – der scheinbar nette Nachbar von nebenan. Dass jemand aus dem vermeintlichen Nichts zur «Bestie» werden konnte («Blick»), trugt wenig zur Klärung bei. Wenig erhellend waren auch die von den Medien befragten Experten. Zum Einen zeigte sich nun, wie willkürlich und letztlich falsch die Mutmassungen gewisser Experten im Vorfeld gewesen waren. So hatte sich der forensische Psychiater Thomas Knecht noch im Dezember überzeugt gezeigt, <a href="http://www.blick.ch/news/schweiz/mittelland/experte-zum-vierfach-mord-von-rupperswil-ein-einzeltaeter-schafft-das-nicht-id4498864.html" target="_blank">dass es sich um mehrere Täter handeln müsse</a>. Zum selben Schluss war auch der forensische Psychiater <a href="http://www.telem1.ch/35-show-aktuell/8009-episode-sonntag-27-dezember-2015/16977-segment-war-es-ein-wiederholungsta-ter" target="_blank">Frank Urbaniok gekommen</a>. Diese Einschätzung wurde daraufhin auch von anderen Medien dankbar aufgenommen, <a href="http://www.aargauerzeitung.ch/aargau/lenzburg/gerichtspsychiater-frank-urbaniok-geht-von-wiederholungs-taetern-aus-129946917" target="_blank">wie zum Beispiel hier</a>, <a href="http://www.20min.ch/schweiz/zuerich/story/16027775" target="_blank">hier</a> oder <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/panorama/vermischtes/Taeter-sind-nicht-zum-ersten-Mal-auffaellig-geworden/story/17174826" target="_blank">hier</a>. Dass Urbaniok offenbar falsch lag, hat die Redaktionen dann aber nicht mehr interessiert; eine Konfrontation mit der Fehleinschätzung findet sich nirgends. Das wertet nicht nur die Information, sondern auch den Journalismus empfindlich ab.</p>
<p>Immerhin im <a href="(http://www.telem1.ch/50-show-talktaeglich/10291-episode-rupperswil" target="_blank">«Talk Täglich» auf TeleM</a>1 wurde Urbaniok auf die Fehleinschätzung von ihm und seiner Kollegen im In- und Ausland angesprochen. Der Forensiker erklärte sie damit, dass es sich um eine «sehr extreme Ausnahmetat» handelte, die «sehr unwahrscheinlich» sei. Er wies aber auch auf die Problematik hin, an der der Versuch, die unbegreifliche Tat begreiflich zu machen, meiner Meinung nach immer krankt: Dass man sich auf Informationen berufen muss, ohne den Täter zu kennen, was immer verschiedene Interpretationen offen lasse. Jetzt, da der mutmassliche Täter gefasst sei, werde man die Frage nach dem Warum genauer beantworten können als man das zuvor gekonnt habe, so Urbaniok.</p>
<p>Die Botschaft von Urbaniok schien bei Medienschaffenden und auch bei seinen Kollegen jedoch nicht anzukommen. Statt auf das Gutachten zu warten, das ein Psychiater nun nach Gesprächen mit dem mutmasslichen Täter erstellen wird, betreiben die Medien die Expertitis zum Fall Rupperswil munter weiter – mit teilweise skurrilen Zügen. Thomas Knecht betont <a href="http://www.watson.ch/Schweiz/Interview/636233347-Psychiater-zum-Fall-Rupperswil--%C2%ABDass-der-T%C3%A4ter-noch-ein-sexuelles-Bed%C3%BCrfnis-befriedigte--ist-abgebr%C3%BCht%C2%BB" target="_blank">im Interview mit Watson</a>, wie «abgebrüht» der mutmassliche Täter gewesen sein muss und stellt schon mal eine mögliche Diagnose in den Raum. Im «Blick» wird <a href="http://www.blick.ch/news/schweiz/gerichtspsychiater-thomas-knecht-so-krank-ist-die-bestie-von-rupperswil-id5030178.html" target="_blank">derselbe Forsensiker mit Sätzen zitiert</a> wie: «Die Tat deutet auf einen kaltblütigen, vegetativ stabilen und skrupellosen Täter hin. Ihm fehlt es komplett an Empathie, nur seine Gefühle zählen für ihn» oder «Dass sich der Täter in der Hochrisiko-Situation noch sexuell befriedigen konnte, ist sehr erstaunlich und bei Menschen mit ‹normaler› psychischer Konstitution undenkbar.» Kaum ein Medium, das solche oder ähnliche Aussagen nicht schon publiziert hätte.</p>
<p>Obwohl der Erkenntnisgewinn gering ist. Nicht nur, weil es sich erneut um Ferndiagnosen handelt, sondern weil der Inhalt wenig überrascht. Der Mörder von Rupperswil, ein kaltblütiger, skrupelloser Mensch ohne Mitgefühl, psychisch krank? Geschenkt. Dass damit etliche Zeilen und Sendeminuten gefüllt werden, kann also wenig damit zu tun haben, dem Leser, Hörer oder Zuschauer etwas zu vermitteln, das er noch nicht weiss. Vielmehr geht es darum, den Fall Rupperswil, der nach wie vor Klicks und Leserzahlen generiert, weiter zu bewirtschaften. Dass es Forensiker gibt, die bereitwillig Auskunft geben, obwohl sie wissen, wie willkürlich ihre Aussagen sind, entschuldigt nicht die Tatsache, dass damit das Publikum für dumm verkauft wird. Gesunder Menschenverstand – das zumindest sollten Medienschaffende ihren Lesern zutrauen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/06/06/gesunder-menschenverstand-statt-experten/">Gesunder Menschenverstand statt Experten</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Die Grenzen der vierten Gewalt</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/04/25/die-grenzen-der-vierten-gewalt/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Carmen Epp]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 25 Apr 2016 07:53:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Fall Walker]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Um als Journalistin Missstände aufzudecken, braucht es einen langen Atem. Bleiben jahrelange Recherchen zu offenkundigen Missständen ohne Folgen, droht so manchem der Schnauf auszugehen. So auch unserer Kolumnistin als langjährige Berichterstatterin für lokale und nationale Medien zum «Fall Walker». Medien gelten gemeinhin als die vierte Gewalt, sie schauen den Mächtigen auf die Finger und decken <a href="https://medienwoche.ch/2016/04/25/die-grenzen-der-vierten-gewalt/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Um als Journalistin Missstände aufzudecken, braucht es einen langen Atem. Bleiben jahrelange Recherchen zu offenkundigen Missständen ohne Folgen, droht so manchem der Schnauf auszugehen. So auch unserer Kolumnistin als langjährige Berichterstatterin für lokale und nationale Medien zum «Fall Walker».</strong></p>
<p>Medien gelten gemeinhin als die vierte Gewalt, sie schauen den Mächtigen auf die Finger und decken wenn nötig Missstände auf. In der Praxis sieht die Sache meist etwas komplizierter aus. Da gibt es zwar immer wieder Hinweise, Aussagen, die einen Verdacht in den Raum stellen. Der eigentliche, grössere Missstand lässt sich am Ende aber nur selten belegen. Zu unklar bleibt die Faktenlage, zu widersprüchlich die Aussagen der Akteure – und die Recherche verläuft im Sand.</p>
<p>Nicht so im Fall des Erstfelder Barbetreibers Ignaz Walker, der 2010 einen Mörder auf seine damalige Ehefrau angesetzt und selber auf einen Gast geschossen haben soll. Hier haben die Medien ihre Arbeit gemacht, aber bewirkt haben sie letztlich wenig.</p>
<p>Die Missstände im «Fall Walker» liegen offen da, schwarz auf weiss, verteilt auf über 10’000 Seiten. Interessierte Journalisten finden in den Akten ein ganzes Sammelsurium an Ungereimtheiten: befangene Polizisten, mysteriöse DNA-Spuren und einen besoffenen Kronzeugen, um nur einige zu nennen. Ein gefundenes Fressen also für Medien, die ihrer Rolle als vierte Gewalt, in dem Fall als Kontrollinstanz der Dritten, also der Justiz, gerecht werden wollen.</p>
<p>Aufgerüttelt durch <a href="http://www.srf.ch/sendungen/rundschau/aufgedeckt" target="_blank">Recherchen der SRF-«Rundschau»</a> ab Oktober 2014 haben sich immer mehr Medienschaffende dem «Fall Walker» angenommen. Und jene unter ihnen, die sich die Mühe gemacht haben, die Akten zu studieren – darunter auch ich –, gelangten alle zur selben Überzeugung: Das Ganze stinkt zum Himmel.</p>
<p>Doch die Enthüllungen der Journalisten blieben ohne Folgen. Die Regierung gab zwar auf Druck der Staatspolitischen Kommission des Urner Kantonsparlaments ein Audit in Auftrag, um die Sache mit dem befangenen Polizisten zu klären, legte das Ganze jedoch auf Eis, weil der beauftragte Auditor selbst in den Verdacht der Befangenheit geriet. Man wolle sich, um die Gewaltentrennung zu respektieren, nicht einmischen, solange der «Fall Walker» noch nicht rechtskräftig abgeschlossen sei. Das Vertrauen in die Urner Strafuntersuchungsbehörden schien den Verantwortlichen nicht so wichtig wie das Bestreben, sich hier keinesfalls die Finger zu verbrennen. Und erst recht nicht, weil Gesamterneuerungswahlen anstanden.</p>
<p>Weitere Recherchen und nicht zuletzt die Berufungsverhandlung vor dem Urner Obergericht brachten weitere Ungereimtheiten zutage, welche die Untersuchungsbehörden noch mehr in Bedrängnis brachten. So haben Polizei und Staatsanwaltschaft dem Gericht wichtige Hinweise zum Kronzeugen verschwiegen, der Oberstaatsanwalt selbst vor Gericht <a href="http://www.watson.ch/Schweiz/Uri%20-%20Schwyz%20-%20Unterwalden/698417292-Platzt-jetzt-der-Prozess-im-Fall-des-Urner-Cabaret-Betreibers-Ignaz-Walker--%C2%ABRundschau%C2%BB-enth%C3%BCllt-die-L%C3%BCgen-der-Staatsanwaltschaft" target="_blank">wahrheitswidrige Aussagen gemacht</a>. Spätestens damit hat der «Fall Walker» eine Dimension erreicht, bei der sich eine Reaktion von politischer Seite geradezu aufgedrängt hätte. Wenn selbst ein Staatsanwalt nicht davor zurückschreckt, vor Gericht zu flunkern und damit eine 15-jährige Haftstrafe für Ignaz Walker in Kauf zu nehmen, dann darf das in einem Rechtsstaat nicht ungesühnt bleiben.</p>
<p>Doch die Forderung nach Aufklärung und Konsequenzen für die Verantwortlichen, die längst nicht mehr nur Journalisten äusserten, sondern auch Prozessbeobachter ohne Aktenkenntnisse, verhallt weiterhin im Nichts. Zwar hat das Urner Obergericht am 18. April ein weitaus milderes Urteil gesprochen als noch vor zwei Jahren und die Strafe für Ignaz Walker von 15 auf 2,5 Jahre heruntergesetzt. Dass im «Fall Walker» einiges schief gelaufen ist, stellt das Gericht in seiner Kurzbegründung des Urteils jedoch in Abrede, in dem es die Aussagen eines Tatbeteiligten in der «Rundschau» als unglaubwürdig abtut und die Staatsanwaltschaft in Schutz nimmt. Dass dasselbe Gericht, das die Oberaufsicht über die Staatsanwaltschaft innehat, die aktenkundige Flunkerei zweier Oberstaatsanwälte je untersuchen wird, scheint unwahrscheinlich.</p>
<p>Und die Politik? Auch die bleibt untätig. Die Regierung will sich gemäss Mitteilung <a href="http://www.ur.ch/de/aktuelles/aktuellesinformationen/mmregierungsrat/welcome.php?action=showinfo&amp;info_id=32154&amp;ls=0&amp;sq=&amp;kategorie_id=&amp;date_from=&amp;date_to=" target="_blank">weiterhin nicht zum Fall äussern</a>, bevor das Urteil nicht rechtskräftig ist. Das ist in zweifacher Hinsicht zynisch: Zum Einen dürfte das Urteil durch den angekündigten Weiterzug ans Bundesgericht erst in frühestens zwei Jahren rechtskräftig sein. Damit nimmt die Regierung in Kauf, dass weitere Straffälle von den in die Kritik geratenen Untersuchungsbehörden bearbeitet werden. Zum Anderen hat sich ein Regierungsratsmitglied erst kürzlich recht ausführlich zu einem Strafverfahren in der Lokalpresse geäussert, das ebenfalls noch hängig ist und noch nicht mal vor Gericht verhandelt wurde. Immerhin kündigte die Staatspolitische Kommission mit einer Medienmitteilung an, jetzt «aktiv» zu werden. Konkrete Antworten darauf, wie und wann das geschehen soll, gibt es trotz mehrfacher Anfrage jedoch nicht.</p>
<p>Ich weiss nicht, wie es den anderen Journalisten geht, die sich in den letzten anderthalb Jahren intensiv mit dem «Fall Walker» beschäftigt haben. Ich jedenfalls blicke zurück auf tagelanges Aktenstudium, zahlreiche Gesprächen und Nachfragen, noch mehr Artikel zu immer wieder neuen Ungereimtheiten aus Uri – und frage mich: Wozu das alles? Für ein vages Versprechen auf eine Aufklärung, die längst fällig wäre? Für ein Lippenbekenntnis eines Parlaments, das längst hätte tätig werden sollen? Während Fehler von Untersuchungsbehörden nicht untersucht werden und Staatsanwälte und Polizisten, die es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen, ungeschoren davon kommen?</p>
<p>Vielleicht liegt es daran, dass mir das Vertrauen in die Justiz nicht nur als Journalistin wichtig ist, sondern dass es für mich als Urnerin auch um ein Stück Heimat geht, dessen «Heiligkeit» durch die Enthüllungen im «Fall Walker» beschmutzt wurde. Oder ich habe ein zu naives Verständnis davon, was Journalismus bewirken kann und sollte das mit dem Missstände-Aufdecken besser sein lassen. Auf jeden Fall merke ich, wie mir der Atem in der ganzen Sache langsam ausgeht. Immerhin scheinen meine Kolleginnen und Kollegen dran zu bleiben und <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/aufklaerung-schonungslos/story/18456414?track " target="_blank">klare Forderungen zu stellen</a>. Ob sich deren Einsatz lohnt, ist dann nicht mehr mein Problem.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/04/25/die-grenzen-der-vierten-gewalt/">Die Grenzen der vierten Gewalt</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Verantwortliche Redaktorin für das Ressort «Hund»</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Carmen Epp]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Feb 2016 12:07:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blickwinkel]]></category>
		<category><![CDATA[Standpunkt>Blickwinkel]]></category>
		<category><![CDATA[Standpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Fachpresse]]></category>
		<category><![CDATA[Tierwelt]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Magazin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Jahr ist es nun her, als unsere Kolumnistin vom Lokaljournalismus im Kanton Uri zur «Tierwelt» wechselte. In der Zwischenzeit zeigt sich: Die Arbeit blieb dieselbe, die Aussenwahrnehmung ist anders – ausserhalb der Leserschaft kennt man die «Tierwelt» nur als Inserateplattform. Es war ein Schritt ins Unbekannte, den ich heute vor genau einem Jahr wagte. <a href="https://medienwoche.ch/2016/02/01/verantwortliche-redaktorin-fuer-das-ressort-hund/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/02/01/verantwortliche-redaktorin-fuer-das-ressort-hund/">Verantwortliche Redaktorin für das Ressort «Hund»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Jahr ist es nun her, als unsere Kolumnistin vom Lokaljournalismus im Kanton Uri zur «Tierwelt» wechselte. In der Zwischenzeit zeigt sich: Die Arbeit blieb dieselbe, die Aussenwahrnehmung ist anders – ausserhalb der Leserschaft kennt man die «Tierwelt» nur als Inserateplattform.<br />
<span id="more-26683"></span><br />
Es war ein Schritt ins Unbekannte, den ich heute vor genau einem Jahr wagte. Weg aus meiner Heimat, dem Kanton Uri, in die Redaktion der «Tierwelt» nach Zofingen. Nicht nur der Arbeitsplatz wechselte; auch die Arbeit war nun eine völlig andere. Zumindest inhaltlich. Schrieb ich vorher über Lokalpolitik, Gemeindeversammlungen, Projekte und Gerichtsverhandlungen im Urnerland, war ich nun verantwortlich für ein Ressort, das es so wohl nirgends sonst gibt: Hund.</p>
<p>Zugegeben: Das mag banal klingen. Und ich muss zugeben, dass auch ich mir anfangs nicht so recht vorstellen konnte, dass man Woche für Woche was Neues und Interessantes über die Welt der Hunde schreiben kann. Über Fütterung, Erziehung und Haltung ist bald alles gesagt, und irgendwann ist selbst die exotischste Hunderasse mit einem Porträt abgehandelt.</p>
<p>Diese anfängliche Skepsis war denn auch die grösste Herausforderung für mich als frisch gebackene «Hunde-Redaktorin»: Gab vorher die Agenda viele der Themen vor, lag es nun an mir, eben diese zu finden. Als Verantwortliche für die monatlichen Rubriken Reisen und Ausflüge betrat ich ausserdem Neuland, das mich v<a href="https://medienwoche.ch/2015/05/17/mit-gemischten-gefuehlen-auf-reisen/">or neue medienethische Fragen stellte</a>.</p>
<p>Nun ist ein Jahr vergangen, und mit einiger Verwunderung stelle ich fest: Die Hundewelt ist vielseitiger als ich anfänglich dachte, die Themen gehen mir noch lange nicht aus. Und auch die Sache mit den Reisen und Ausflügen läuft: Zum Einen gibt es viele Reisejournalisten, die uns ihre Texte dankbar verkaufen, und was die Pressereisen angehen, so kann ich als Verantwortliche meine Redaktionskollegen jeweils im Vorfeld auf die Gratwanderung aufmerksam machen. Auch sonst unterscheidet sich die Arbeit bei der «Tierwelt» – bis auf den Inhalt – kaum von einem anderen Magazin: Ich recherchiere, treffe Leute, hole Meinungen ein und schreibe.</p>
<p>Der grösste Unterschied zu meiner Arbeit beim «Urner Wochenblatt» liegt in der Wahrnehmung von Aussen. Auch wenn jemand den Kanton Uri kaum kannte und noch nie ein «Urner Wochenblatt» gelesen hatte, so konnten selbst Nicht-Medienleute sich etwas darunter vorstellen, wenn ich von meinem Arbeitsplatz erzählt habe: Lokaljournalismus halt. Die «Tierwelt» hingegen ist bei Nichtlesern oft nur als «das Heft mit den Inseraten» bekannt – dass die nur die Hälfte des Heftes ausmachen und wir Woche für Woche journalistische Inhalte bieten, ist den wenigsten bekannt.</p>
<p>Das ist frustrierend, aber auch ein Ansporn, eben diese Inhalte auch Nichtlesern schmackhaft zu machen. Schliesslich richtet sich die «Tierwelt» an ein Publikum, das oft unterschätzt wird, lebt doch hierzulande in jedem vierten Haushalt eine Katze, in jedem zehnten ein Hund, hinzu kommen die zahlreichen Kleintierzüchter in der Schweiz. Nicht umsonst liegt die Auflage der «Tierwelt» bei über 66&#8217;000. Das sind immerhin 1000 Exemplare mehr als jene der «Weltwoche» – ein Vergleich, der Nichtleser aufhorchen lässt und ich auch nach einem Jahr immer wieder gerne bringe.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/02/01/verantwortliche-redaktorin-fuer-das-ressort-hund/">Verantwortliche Redaktorin für das Ressort «Hund»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Wer ist heute noch «Charlie»?</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/12/21/wer-ist-heute-noch-charlie/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Carmen Epp]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 21 Dec 2015 08:02:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Charlie Hebdo]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nach dem Angriff auf die Redaktion von «Charlie Hebdo» Anfang Jahr wurde sie einhellig heraufbeschworen, die Medienfreiheit – auch in der Schweiz. Elf Monate und zwei Beispiele später zeigt sich: Auch hierzulande ist noch einiges zu tun. Das Medienjahr 2015 ist tragisch gestartet. Im Januar stürmten zwei Attentäter die Redaktion von «Charlie Hebdo» in Paris und <a href="https://medienwoche.ch/2015/12/21/wer-ist-heute-noch-charlie/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/12/21/wer-ist-heute-noch-charlie/">Wer ist heute noch «Charlie»?</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Nach dem Angriff auf die Redaktion von «Charlie Hebdo» Anfang Jahr wurde sie einhellig heraufbeschworen, die Medienfreiheit – auch in der Schweiz. Elf Monate und zwei Beispiele später zeigt sich: Auch hierzulande ist noch einiges zu tun.<br />
<span id="more-26398"></span><br />
Das Medienjahr 2015 ist tragisch gestartet. Im Januar stürmten zwei Attentäter die Redaktion von «Charlie Hebdo» in Paris und rissen elf Personen mit in den Tod. Schnell war klar: Der Anschlag galt nicht allein dem Polit- und Satiremagazin, <a href="https://medienwoche.ch/2015/01/08/zusammenstehen-fuer-das-freie-wort/">sondern der Medienfreiheit als solche</a>. Aufgerüttelt durch das tragische Ereignis verbündete sich daraufhin scheinbar die halbe Welt im Kampf für die freie Rede, die Meinungs- und Medienfreiheit – ausgedrückt in drei Worten: Je suis Charlie!</p>
<p>Dieses Bekenntnis war zwar richtig und wichtig. Aber wie stand es zuvor um die Pressefreiheit in der Schweiz – und was würde bleiben von dieser einhelligen Bekundung? Diese Fragen <a href="https://medienwoche.ch/2015/01/12/jesuischarlie-ist-kein-sonntagsspaziergang/">stellte ich im Januar</a> an dieser Stelle schon einmal. Nun, da sich das Medienjahr dem Ende zuneigt, ist es Zeit für eine Bilanz. Und die fällt – festgemacht an zwei Beispielen – durchzogen aus.</p>
<p>Wie hoch die Pressefreiheit hierzulande gehalten wird, konnte ich <a href="https://medienwoche.ch/2015/11/02/der-fall-ignaz-walker-oder-wenn-die-medien-ploetzlich-unangenehm-werden/">im Fall Walker selber erleben</a>. Die «Rundschau» und daraufhin auch weitere Medien, darunter auch ich, überprüften die Urner Justiz und brachten so nach und nach Missstände zutage, die sonst im Verborgenen geblieben wären. Missstände, die nicht nur den Angeklagten Ignaz Walker als Einzelperson betrafen, sondern das Justizsystem als solches – und nicht zuletzt die Urner Staatskasse. Urjournalistische Arbeit also, gelebte Medienfreiheit.</p>
<p>Dass die Enthüllungen der Urner Justiz nicht gefallen würden, war absehbar und zu einem gewissen Grad auch verständlich. Statt sich der Kritik zu stellen, wurde aber auch hier immer wieder probiert, die Medienfreiheit – vor allem des Schweizer Fernsehens – zu beschneiden. So verlangte das Obergericht mehrfach von der «Rundschau», Akten herauszugeben und damit das Quellen- und Redaktionsgeheimnis zu brechen – zwei wichtige Elemente der Pressefreiheit.</p>
<p>Nicht nur lokale Richter oder Staatsanwälte haben manchmal so ihre Mühe mit der Medienfreiheit. Auch nationale Politiker halten sie oft nur so lange hoch, wie sie ihnen nicht unangenehm werden. Das hat zuletzt FDP-Nationalrätin Christa Markwalder bewiesen. Nachdem Markus Häfliger im Mai in der NZZ die Verbindungen diverser Vorstösse von Markwalder <a href="http://www.nzz.ch/schweiz/der-lange-arm-der-lobbyisten-ins-bundeshaus-1.18536437" target="_blank">zu Kasachstan offenlegte</a>, reagierte die Nationalratspräsidentin mehr als nur «not amused».</p>
<p>Sie forderte gegenüber Journalisten und der SDA, den Kasachstan-Skandal nicht mehr zu erwähnen. Und versuchte zuletzt gar bei der Wahl zum «Journalisten des Jahres», bei dem auch Häfliger zur Auswahl stand, <a href="http://www.sonntagszeitung.ch/read/sz_06_12_2015/wirtschaft/Markwalder-knoepft-sich-Journalisten-vor-50727" target="_blank">Einfluss zu nehmen</a>.</p>
<p>Der Versuch blieb glücklicherweise ohne Erfolg: Markus Häfliger wurde zum «Journalisten des Jahres 2015» gewählt. Gemäss der Zeitschrift «Schweizer Journalist», welche die Wahl jeweils veranstaltet, sei auch Roman Banholzer für seine Recherchen zum Fall Walker vorgeschlagen worden.</p>
<p>Damit haben zumindest die fast 2000 Journalisten, die an der Abstimmung teilnahmen, ein Votum für die Pressefreiheit abgegeben – allen Druckversuchen zum Trotz. Das stimmt mich zuversichtlich. Ebenfalls positiv zu werten ist der Entscheid des Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) zur Verwendung der versteckten Kamera eines <a href="http://www.nzz.ch/schweiz/recherche-mit-versteckter-kamera-war-zulaessig-1.18489575" target="_blank">«Kassensturz»-Beitrags</a>. Ausserdem hat der Presserat im Frühjahr einen <a href="https://medienwoche.ch/2015/10/21/lockerung-beim-umgang-mit-leaks/">Passus im Journalistenkodex gestrichen</a>, der die Veröffentlichung von Informationen, die durch unlautere Methoden erlangt wurden, verboten hatte.</p>
<p>Auf politischer Ebene ist in der Schweiz allerdings noch einiges zu tun. Noch immer steht in den eidgenössischen Räten ein Whistleblower-Gesetz zur Diskussion, das es Angestellten fast verunmöglicht, beobachtete Missstände in ihren Firmen den Medien zu melden. Und noch immer haben nicht alle Kantone ein Öffentlichkeitsgesetz.</p>
<p>Bleibt zu hoffen, dass der Geist von «Je suis Charlie!» trotz des tragischen Ursprungs auch im kommenden Jahr anhält.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/12/21/wer-ist-heute-noch-charlie/">Wer ist heute noch «Charlie»?</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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