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	<title>Thomas Häusermann | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
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		<title>Thomas Benkö: «Als Journalist musst du jeden Tag um deine Existenzberechtigung kämpfen»</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Thomas Häusermann]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Nov 2021 13:08:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Thomas Benkö]]></category>
		<category><![CDATA[Blick]]></category>
		<category><![CDATA[Porträt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Auf Social Media sieht man ihn dauernd. Was Thomas Benkö (47) beruflich genau macht, bleibt dagegen weniger gut sichtbar. Nach 25 Jahren bei Ringier wirkt er inzwischen mehrheitlich hinter den Kulissen. Als stellvertretender Chefredaktor von Blick.ch sorgt er für die Klicks auf dem News-Portal. Das macht er kühl und analytisch. Seine grosse Leidenschaft gilt dem <a href="https://medienwoche.ch/2021/11/30/als-journalist-musst-du-jeden-tag-um-deine-existenzberechtigung-kaempfen/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Auf Social Media sieht man ihn dauernd. Was Thomas Benkö (47) beruflich genau macht, bleibt dagegen weniger gut sichtbar. Nach 25 Jahren bei Ringier wirkt er inzwischen mehrheitlich hinter den Kulissen. Als stellvertretender Chefredaktor von Blick.ch sorgt er für die Klicks auf dem News-Portal. Das macht er kühl und analytisch. Seine grosse Leidenschaft gilt dem Rennrad. Aber wer ist eigentlich «Bö»?</strong><br />
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Das Ringier-Café «The Studio» ist an diesem Mittwochmorgen praktisch leer. Eine «Radio Energy»-Moderatorin, die nur durch eine Glasscheibe vom Gästebereich getrennt ist, sorgt für hit-lastige Hintergrundbeschallung. Hier treffe ich Thomas Benkö. Der Mann, der durch seine <a href="https://twitter.com/ThBenkoe" target="_blank" rel="noopener">intensive</a> <a href="https://www.instagram.com/velofluencer/" target="_blank" rel="noopener">Social-Media-Präsenz</a> für viele Medienschaffende omnipräsent zu sein scheint. Und doch weiss man eigentlich nicht viel über ihn. Ausser, dass er gerne Velo fährt, eine Familie hat, von beidem fleissig Bilder postet. Und da war doch mal was mit «Blick am Abend». Seit mehr als einem Vierteljahrhundert ist Benkö für den Ringier-Verlag tätig. «Ich bin schmerzfrei. Hauptsache der Name ist richtig geschrieben», winkt er ab, als ich ihm zum Start das Gegenlese-Prozedere schildere. Er lacht kurz, wirkt aber sofort wieder ernst und fokussiert. Als wolle er das hier schnell, aber sauber über die Bühne bringen. Die Arbeit und das Velo warten.<br />
</p>
<p>Thomas Benkö ist «Teamlead Digital» bei «Blick Online», wie die Ringier-Medienstelle schreibt. Er selbst nennt sich verständlicher stellvertretender Chefredaktor «Blick.ch». Das Newsportal wird täglich von 1,2 Millionen Nutzerinnen und Nutzern besucht und liegt damit punkto Reichweite nur knapp hinter dem Spitzenreiter «20 Minuten». «Ich schaue, dass auf der Website was läuft», fasst Benkö seinen Job zusammen. Wenn er die Tagesverantwortung hat, leitet er auch die Morgensitzung, an der sich Print und Online beteiligen. Die Ressortleiter:innen schlagen die aktuellen Artikel vor, man bespricht, auf welchen davon der Fokus liegt, wo nachgebohrt werden muss und was über welchen Kanal ausgespielt wird. «Am Schluss landet alles auf der Website, wenn auch manchmal mit einem Schlenker über Print», erklärt Benkö. Digitale Reichweite ist alles, «Print first» Vergangenheit. Es brauche jeden Tag eine «wahnsinnige Menge» an Stories, sagt der 47-Jährige. Am Mittwoch unseres Gesprächs platziert die «Blick»-Redaktion 131 Artikel auf der Website, vom Interview mit Star-Geiger André Rieu bis zur Kurzmeldung über einen Arbeitsunfall in Trimmis. «Klicks sind für uns neben Relevanz eine wichtige Währung. Darum ist es toll, wenn man den Lesern ein Thema präsentieren kann, das funktioniert.» Das ist insofern bemerkenswert, als dass heute kaum mehr jemand so freimütig zugeben würde, klickgetrieben zu sein.<br />
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Benkö analysiert mit Leidenschaft die Nutzungsdaten der Blick-Leserschaft. «Am Schluss nützt es nichts, wenn man eine sogenannte relevante Geschichte hat, die niemand liest», sagt er. «Erst wenn sie gelesen wird, ist sie auch relevant.» Viele Journalisten und Medien definieren Relevanz anders. Benkö weiss das und grenzt sich bewusst ab. «Was die Leute interessiert, ist oft nicht das, worauf Journis fliegen. Weisch wani mein?» Der Zürich-Leimbacher zählt sich nicht zur «Journi-Bubble», wie er sie nennt. «Branchenveranstaltungen versuche ich zu meiden», sagt er. Auch privat verkehre er kaum mit Journalisten, etwas Abwechslung tue auch hier gut.</p>
<p>«Bö», alle nennen ihn mit seinem Autorenkürzel, gibt sich nicht nur volksnah, sondern ist «einer aus dem Volk», wie man so schön sagt. Im Gegensatz zu vielen seiner Berufskolleg:innen hat er weder studiert noch eine Journalistenschule besucht, sondern eine KV-Lehre absolviert. Aufgewachsen ist er in Adliswil im Kanton Zürich. Sein Vater ist ein Schreiner aus Österreich, seine Mutter arbeitete erst im Büro, dann als Hausfrau. Die vierköpfige Familie – Benkö hat eine Schwester – lebt in einer 4,5-Zimmer-Wohnung. «Kurz bevor ich auszog, zogen wir in eine 6,5-Zimmer-Wohnung», lacht er mit sarkastischem Unterton, «und danach zogen meine Eltern sogar in ein Einfamilienhaus.»</p>
<blockquote><p>Bereits während seiner Anstellung bei «Tele» fasziniert ihn der «Blick», weil es dort mehr knallte als anderswo.</p></blockquote>
<p>Was für ein Kind war er? «Gott, das sind Fragen &#8230;», seufzt Benkö und vermittelt den Eindruck, dass er lieber über die Arbeit als über sich selbst spricht. «Ich war gerne draussen», erzählt er schliesslich. «Mein Vater hat den Schwimmclub gegründet, daher musste ich auch in den Schwimmclub. Ein grosses Hobby – zwangshalber.» Den Pfadfindern – «Seepfadi, das ist wichtig!» – kommt im Leben des jungen Mannes eine zentrale und prägende Rolle zu. «Ich habe früh Verantwortung für andere Kinder übernommen. Ich musste sie bespassen, etwas liefern, das ankam – also ähnlich wie jetzt.» Vor allem aber zeichnet er für die Pfadizeitung verantwortlich und entdeckt so seine Leidenschaft fürs Schreiben.</p>

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<p>Was er nach der Sekundarschule machen will, weiss er dennoch nicht. Er legt ein zehntes Schuljahr ein – und kommt danach «auf den letzten Drücker» als KV-Stift bei Mövenpick unter. «KV ist einerseits langweilig, ein Beruf ohne Eigenschaften, andererseits kann man am Schluss doch ein paar Sachen machen.» Was genau, ist Benkö nach Abschluss seiner Lehre 1995 allerdings weiterhin unklar. Er bewirbt sich «bei der einen oder anderen» Bank. «Ich lief aber rückwärts wieder raus, weil es mir da zu stier war», erinnert er sich. Auch für die Hotelfachschule interessiert er sich. Seine Bewerbung wird angenommen, doch er entscheidet sich dagegen. Erst als er eine ausgeschriebene Redaktorenstelle bei der Fernsehzeitschrift «Tele» entdeckt, weiss er: Das passt. Benkö bezieht wenig später seinen Arbeitsplatz an der Dufourstrasse, seine Ringier-Zeit beginnt.<br />
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Bereits während seiner Anstellung bei «Tele» fasziniert ihn der kontroverse, im selben Haus beheimatete «Blick». «Ich hatte einen gewissen Respekt, weil man wusste: Dort knallts ein wenig mehr als anderswo.» Er habe schon als Teenager ab und zu die Boulevardzeitung am Kiosk gekauft, «immer wenn es eine coole Schlagzeile gab.» Als er im Jahr 2000 die Chance für den Wechsel erhält, überlegt er nicht zweimal und erklärt fortan als Tech-Journalist in der Rubrik «ClickBlick» der Leserschaft, was sie über die Mobiltelefonie und das immer stärker aufkommende Internet wissen muss. Nachdem er auch als News-Reporter Fuss gefasst hat, wird er Teil des Gründungsteams, das 2006 mit «heute» die erste Abendzeitung der Schweiz ins Leben ruft. Das Gratisblatt wird zwei Jahre später zu «Blick am Abend». Zusammen mit Chefredaktor Peter Röthlisberger prägt Benkö als stellvertretender Chefredaktor die Publikation. «Viel Herzblut» habe er reingesteckt, sagt er, der in der Abendzeitung regelmässig selbst in die Tasten gegriffen hatte. Benkö schrieb als Allrounder mit einem Flair für Multimedia und Telekom über iPhone und Swisscom, aber auch über Trump und Putin. Als Ringier den «Blick am Abend» 2018 einstellt, schmerzte ihn der Entscheid. «Schade» habe er es gefunden – mehr Emotionen sind ihm nicht zu entlocken.</p>
<blockquote><p>«Auch wenn ich Ringier sehr schätze: Mir ist es wichtig, eine kritische Distanz zu bewahren, das bringt wohl der Job mit sich.»</p></blockquote>
<p>25 Jahre nach seinem Einstieg bei «Tele» sitzt er immer noch an der Dufourstrasse bei Ringier. «Es hat sich einfach immer so ergeben, dass es interessant geblieben ist», erklärt er nach langem Überlegen. «Ich habe intern aber oft gewechselt, durfte mit ‹Heute› und ‹Blick am Abend› sogar zwei Zeitungen aufbauen.» Natürlich ergibt sich nach einer solchen Zeit eine starke Bindung. Trotzdem betont Bö: «Auch wenn ich Ringier sehr schätze: Mir ist es wichtig, eine kritische Distanz zu bewahren, das bringt wohl der Job mit sich.»</p>
<p>Hobbys und Familie sind Benkö mindestens genauso wichtig, wenn nicht sogar wichtiger als die Arbeit. Das wissen alle, die ihm in den sozialen Medien folgen. Auf Instagram postet er ständig Fotos von seinen Velotouren. Regelmässig organisiert er auch Touren mit Kollegen. Mit Christoph Vetter vom Zürcher Veloladen «Flamme Rouge» rief er die «Lange Velotour» ins Leben. Am längsten Tag des Jahres, dem 21. Juni, besammeln sich Eingeweihte um 6 Uhr morgens und strampeln 333 Kilometer ab. Die «wilde» Rundfahrt führt von Zürich aus in die Innerschweiz, über den Oberalppass und durchs Bündnerland zurück zum Sternengrill beim Bellevue und endet dort spätabends bei Bier und Bratwurst. Zwischenzeitlich, erzählt der treue Teilnehmer Dominik Allemann, sei der Anlass auf Social Media etwas zu stark promotet worden und zuletzt hätten sich frühmorgens 130 Menschen eingefunden. «Seither hält sich Bö auf Facebook zurück», lacht er. Auch am kürzesten Tag des Jahres hat Benkö eine Tour ins Leben gerufen. Sie ist kurz, findet im kleinsten, persönlichen Rahmen statt und endet bei ihm Zuhause, wo er Fondue auftischt. «Bö ist ein äusserst grosszügiger Mensch», sagt Allemann, der die PR-Agentur Bernet Relations führt. «Und er ist eine Saftwurzel, ein Haudegen, ein Macher. Er eckt vielleicht auch an bei manchen Leuten, mit seiner teils auch auch zynischen Art. Aber er hat eine überaus frische, witzige Art.»</p>
<blockquote><p>«Wenn ich erst um 14 Uhr mit der Arbeit anfangen muss, kann ich am Morgen noch eine Velotour machen oder auf einen Berg kraxeln.»</p></blockquote>
<p>Oft fährt Benkö auch alleine Velo. Kein Pass scheint vor ihm sicher. Man könnte von aussen fast den Eindruck bekommen, er sitze öfter auf dem Sattel als am Redaktionspult. Dem ist nicht so. Möglich macht es der Schichtbetrieb im Newsroom, von 6 bis 23 Uhr. «Schichtdienst klingt zwar stier und fabrikmässig, für mich ist er aber ideal», sagt er. Weil er entweder sehr früh oder sehr spät mit der Arbeit beginnt, kann er den Rest des Tages freier gestalten als es ein «Nine-to-Five»-Job zuliesse. «Wenn ich beispielsweise erst um 14 Uhr anfangen muss, kann ich am Morgen noch eine Velotour machen oder auf einen Berg kraxeln.» Das Wochenende gehöre dann der Familie, aber unter der Woche seien die Kinder ja in der Schule. Drei sind es, 15, 10 und 8 Jahre alt. Sie hätten «keines dieser hippen, neuen Familienmodelle» praktiziert, sagt er. «Ich bringe mich schon ein, aber es hat sich so ergeben, dass meine Frau weniger arbeitet, als die Kinder kamen, und ich meist 100 Prozent.» Etwas verpasst habe er nicht, findet er und präzisiert nüchtern: «Klar haben die Kinder eine andere Beziehung zum Elternteil, der mehr da ist.»<br />
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Das Smartphone liegt während des Gesprächs stets griffbereit. Ab und zu ein prüfender Blick, immer wieder leuchten Push-Nachrichten auf. «Ich bin ein always-on-Typ, auch zuhause», sagt Benkö. «Ich mache fast alles übers Smartphone, es deckt vieles ab. Ich habe keine andere Bildschirmzeit, auch privat nicht.» Die längste Zeit ohne Handy seien neun Tage auf einem Tauchboot in Thailand gewesen. 2004 notabene, als man mit dem Gerät lediglich telefonieren und SMS schreiben konnte – «so gesehen habe ich nichts vermisst.» Von Bestrebungen, den digitalen Konsum zu reduzieren, hält er nichts. «Digital Detox, was soll das heissen? Es gehört nun mal zum Leben, da kann man noch lange diskutieren, ob`s gut oder schlecht ist.» Noch weniger kann er Menschen abgewinnen, die ihre halbjährigen Twitter-Pausen lautstark ankündigen. «Das sind dieselben, die früher gesagt haben: ‹Ich schaue nicht fern. Oder nur Arte.› Dann macht’s doch einfach, ist ja gut.»</p>
<p>Benkös Liebe zum Handy, dem «perfekten Gerät», hört auf, wenn es um die Kinder geht. Er erzählt von Problemen, die es an der Schule seiner Sprösslinge gegeben habe. Kinder seien etwa gezwungen worden, unangemessene Dinge zu schauen. «Früher mussten wir an die Altpapiersammlung, um an die ersten Sexheftli zu kommen. Heute kann jeder alles auf dem Handy abrufen.» Ein Problem seien auch die falschen Vorbilder auf Instagram, an denen sich die Mädchen orientierten und sich so unter einen riesigen Druck setzten. «Ich bin echt froh, hat’s das bei uns früher nicht gegeben. Wenn wir einen Seich machten – wir waren oft im Niederdorf im Ausgang und es floss viel Alkohol – haben das vielleicht deine zwei, drei Kollegen erfahren. Heute verbreiten sich Videos flächenartig mit teilweise verheerenden Folgen für die Betroffenen.»</p>
<blockquote><p>«Der Journalismus ist härter geworden. Heute hat man nicht nur mit Spardruck zu kämpfen, sondern seit Trump und seiner Fake-News-Bewegung auch mit ständigen Anfeindungen.»</p></blockquote>
<p>Das Gespräch neigt sich dem Ende zu, bald ist zwölf Uhr, der Hunger meldet sich. Zeit für die grossen Fragen. Würde er rückblickend als junger Mann nochmals alles gleich machen und auf den Journalismus setzen? Benkö überlegt lange, klar scheint die Antwort nicht zu sein.</p>
<p>«Journalismus hat viel Glamour verloren», sagt er nachdenklich. «Der Beruf hat sich verändert, ist härter geworden. Heute hat man nicht nur mit Spardruck zu kämpfen, sondern seit Trump und seiner Fake-News-Bewegung auch mit ständigen Anfeindungen.» Benkö überlegt und fährt selbstkritisch fort: «Man kann vieles kritisieren am ‹Blick›. Auch uns passieren mal Fehler.» Die neuen Newsroom-Richtlinien sollen das verhindern. Ein guter Schritt, findet der Ringier-Routinier: «Ich kann voll dahinterstehen. Es heisst nichts anderes als: ‹Schaff suuber›.» Das sei auch deshalb nötig, weil die Kritik heute viel direkter und pointierter erfolge als früher. «Damals hat vielleicht einmal ein Leser angerufen, aber oft hat die Redaktion davon gar nichts mitbekommen.» Heute kann Kritik über Social Media breit gestreut werden und Organisationen wie FairMedia schalten sich ein, wenn sie unfaire Berichterstattung wahrnehmen. Solcher Kritik stellt sich Benkö gerne. Mit Gegenwind anderer Art bekundet er dagegen mehr Mühe: «Es gibt eine Gruppe von Leuten, die abgekoppelt scheinen von der Realität, die fern von jeder gerechtfertigten Kritik operieren. Wenn es dich selber betrifft und die dann hier vor dem Haus stehen – das ist schon etwas mühsam.» Er erzählt von Menschen, die hinter allem eine Verschwörung witterten, an gelenkte Medien mit einer Agenda glaubten. «Ich wäre ja froh, wenn mir jeden Tag jemand sagen würde, was ich schreiben muss – dann wäre mein Job einfacher», lacht er trocken. Und fasst den Zeitgeist in Bö-Manier zusammen: «Früher gab’s in jedem Dorf einen Löli. Heute vereinigen die sich in Facebook- und Telegram-Gruppen und befeuern sich selbst. Gesellschaftlich werden sie so leider immer relevanter.»</p>
<blockquote><p>«Wenn du als Journalist Sachen machst, die niemanden interessieren, machst du dich früher oder später überflüssig.»</p></blockquote>
<p>Also würde er den Weg nicht mehr einschlagen? «Ich weiss es nicht. Es gibt so viele Lebenswege. Du kannst beispielsweise ein Handwerk lernen und dieses auf der ganzen Welt ausüben. Eine Mauer kannst du überall mauern, während wir hier eher an unseren Sprachraum gebunden sind.» Auch wenn er ihn seit 25 Jahren praktiziert – kompromisslos an den Journalismus gebunden scheint Thomas Benkö nicht zu sein. Man wisse nie, was die Zukunft noch bringe, sagt er, und fügt an: «Die Medienwelt ist schnelllebig, es gibt keine Sicherheit auf Jahrzehnte hinaus. Das macht sie aber auch spannend: Du musst jeden Tag ein wenig um deine Existenzberechtigung kämpfen. Wenn du Sachen machst, die niemanden interessieren, machst du dich früher oder später überflüssig.»</p>
<p>Bilder: Marco Leisi</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/11/30/als-journalist-musst-du-jeden-tag-um-deine-existenzberechtigung-kaempfen/">Thomas Benkö: «Als Journalist musst du jeden Tag um deine Existenzberechtigung kämpfen»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
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		<title>«Zwölf»: Der Fussball schreibt kuriose Geschichten und Mämä Sykora erzählt sie</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2021/10/05/der-fussball-schreibt-kuriose-geschichten-und-er-erzaehlt-sie/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2021/10/05/der-fussball-schreibt-kuriose-geschichten-und-er-erzaehlt-sie/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Thomas Häusermann]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 05 Oct 2021 15:57:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[zwölf]]></category>
		<category><![CDATA[Fussballmagazin]]></category>
		<category><![CDATA[Mämä Sykora]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Lange Jahre war Mämä Sykora als Chefredaktor des Magazins «Zwölf» nur eingefleischten Fussballfans ein Begriff. Mit dem SRF-Podcast «Sykora Gisler» wurde die Bühne grösser und das Scheinwerferlicht greller. Der Lebenstraum des profiliertesten Schweizer Fussballexperten hat allerdings gar nichts mit Sport zu tun. Dietikon, ein milder Nachmittag im Spätsommer. Hier in der Agglomeration von Zürich, nahe <a href="https://medienwoche.ch/2021/10/05/der-fussball-schreibt-kuriose-geschichten-und-er-erzaehlt-sie/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/10/05/der-fussball-schreibt-kuriose-geschichten-und-er-erzaehlt-sie/">«Zwölf»: Der Fussball schreibt kuriose Geschichten und Mämä Sykora erzählt sie</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Lange Jahre war Mämä Sykora als Chefredaktor des Magazins «Zwölf» nur eingefleischten Fussballfans ein Begriff. Mit dem SRF-Podcast «Sykora Gisler» wurde die Bühne grösser und das Scheinwerferlicht greller. Der Lebenstraum des profiliertesten Schweizer Fussballexperten hat allerdings gar nichts mit Sport zu tun.</strong></p>
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<p>Dietikon, ein milder Nachmittag im Spätsommer. Hier in der Agglomeration von Zürich, nahe an der Grenze zum Kanton Aargau, empfängt uns Mämä Sykora. Etwas versteckt hinter Zäunen und Hecken steht eine ehemalige Schreinerei. Rundherum wird gebaut, gelärmt, gehupt. Wo früher Holz verarbeitet wurde, hat der amtierende <a href="https://www.oberauer.com/2020/12/16/2020-fast-nur-journalistinnen-des-jahres/" target="_blank" rel="noopener">«Sportjournalist des Jahres»</a> seit bald zwei Jahren die Redaktion seines <a href="https://www.zwoelf.ch/" target="_blank" rel="noopener">Fussballmagazins «Zwölf»</a> untergebracht. Es herrscht gemütliche Brockenhausatmosphäre, die Möbel sind wild durcheinandergewürfelt, überall hängen Fussball-Sammelstücke aus vergangenen Jahrzehnten. In einem der Werkstatträume hat er eine kleine Bar eingerichtet. Die «Zwölf»-Redaktion bleibt hier so lange, bis die Erbin der Liegenschaft weiss, wie sie die Parzelle weiternutzen will. Bald werde wieder über eine Verlängerung der Zwischennutzung verhandelt, sagt er. Sykora hat vor zehn Jahren <a href="https://www.zitrusfrucht.ch/de" target="_blank" rel="noopener">einen Verein</a>, der brachliegende Immobilien nutzt, ins Leben gerufen. Eine Win-Win-Lösung, die auf reges Interesse stösst: Die Gebäude verfallen nicht und bleiben von Hausbesetzern verschont. Gleichzeitig kommen Menschen zu günstigen Wohn- oder Arbeitsräumen.</p>
<p style="margin-top: 24px; margin-bottom: 36px !important;">
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</p>
<p>«Hätten wir mit ‹Zwölf› jemals konventionelle Redaktionsräume in Zürich mieten müssen, wäre wohl schon nach einem Jahr Schluss gewesen», meint Sykora. Mittlerweile existiert das Magazin seit 14 Jahren, 12 davon unter Sykoras Leitung. Er hat «Zwölf» nicht gegründet, aber früh das Ruder übernommen.</p>
<p>Während andere Printtitel verschwinden, hält sich die Publikation hartnäckig in den Kioskregalen und wird sechsmal pro Jahr an rund 5000 treue Abonnent:innen ausgeliefert. Das Heft besetzt im Schweizer Sportjournalismus eine Nische: Im Vordergrund stehen nicht das Tagesgeschehen und die Resultate, sondern die Geschichten, die der Fussball abseits vom Rampenlicht schreibt. Ähnlich wie das deutsche Vorbild «11 Freunde» zelebriert «Zwölf» die Fussballkultur. Die globale Entwicklung des Fussballs findet genauso statt wie kleine Dorfklubs. «Zwölf» handelt von vergessenen Legenden, tragischen Helden, Kuriositäten, Drahtziehern hinter den Kulissen –­­ ohne die Aktualität aus dem Auge zu verlieren.</p>
<blockquote><p>«Mämä kann einfach zu allem erstaunliche Fakten und witzige Anekdoten aus dem Ärmel schütteln.»<br />
<small>Silvan Kämpfen, stellvertretender Chefredaktor «Zwölf»</small></p></blockquote>
<p>Mämä heisst eigentlich Martin, aber niemand nennt ihn so. Sein Spitzname aus der Kindheit ist an ihm hängengeblieben, zu einem Markenzeichen geworden. Er trägt Flip-Flops, kurze Hosen, Dreitagebart. Der 45-Jährige ist freundlich, hat immer einen träfen Spruch auf Lager. Auf dem Tisch liegt eine Schachtel Lucky Strike, es steht Bio-Eistee bereit. Seine Hündin Atari, ein Mischling von einem Bauernhof, liegt zufrieden unter dem Tisch. Mit seiner legeren Art verkörpert Sykora sein Magazin perfekt. Vieles läuft bei der Zeitschrift etwas anders als bei Titeln grosser Medienhäuser. Die Macher sind Idealisten, die vieles aus Freude an der Sache machen. Das Budget ist knapp, reich wird bei «Zwölf» niemand. «Wenn mir etwas im Leben schon immer völlig unwichtig war, dann Geld», sagt Sykora. Und fügt trocken an: «Das einzige Problem an dieser Einstellung ist, dass man am Ende des Monats trotzdem seine Rechnungen zahlen muss.»</p>
<p>Deshalb hat er eine Einzelfirma gegründet, mit der er seine Dienste als Fussball-Experte auch ausserhalb seines Magazins kommerziell anbietet. Er baut Datenbanken auf, recherchiert, schreibt, berät. Zu seinen Kunden gehören etwa das FIFA-Museum oder die Raiffeisen Bank. Wenn Unternehmen etwas in Zusammenhang mit Fussball publizieren wollen, greifen sie gerne auf Sykoras Fachwissen zurück. Sein Alleinstellungsmerkmal: Er weiss so viel über Fussball wie sonst wohl niemand in der Schweiz. «Das geht vom Meisterschaftsfinal von anno Tubak über das Problem mit der Handsregel bis zum kulturellen Hintergrund von Fangesängen», sagt Silvan Kämpfen, der als stellvertretender Chefredaktor mit Sykora zusammen das Kernteam des Magazins «Zwölf» bildet. «Mämä kann einfach zu allem erstaunliche Fakten und witzige Anekdoten aus dem Ärmel schütteln.»</p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/10/Maemae-Sykora-DSCF3928.jpg" data-rel="lightbox-image-8" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-91667 size-large" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/10/Maemae-Sykora-DSCF3928-694x1024.jpg" alt="" width="694" height="1024" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/10/Maemae-Sykora-DSCF3928-694x1024.jpg 694w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/10/Maemae-Sykora-DSCF3928-203x300.jpg 203w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/10/Maemae-Sykora-DSCF3928-768x1133.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/10/Maemae-Sykora-DSCF3928.jpg 976w" sizes="auto, (max-width: 694px) 100vw, 694px" /></a><br />
Die Ursprünge von Mämä Sykoras wohl einzigartigem Fussballwissen finden sich in Mettmenstetten, im Zürcher Säuliamt. Dort wächst der Sohn eines Tschechen und einer Schweizerin auf. Sein Vater, 1968 vor der einmarschierenden Roten Armee in die Schweiz geflüchtet, arbeitet als Lehrer und Heilpädagoge, seine Mutter ist Buchhändlerin und sozialdemokratische Lokalpolitikerin. «Wir waren finanziell nicht auf Rosen gebettet, lebten aber immerhin in einem Riegelhaus», erzählt Sykora und präzisiert fast rechtfertigend: «Eines, in dem es am Morgen zwei Grad kalt war – so ein Haus.»</p>
<p>Die Eltern trennen sich, als er fünf Jahre alt ist, pflegen aber weiterhin einen guten Umgang miteinander. Sie geben ihrem Sohn prägende Werte mit auf den Lebensweg. Die grosse soziale Ader etwa. Oder die Lust auf Wissen. «Ich war ein ausgesprochen neugieriges Kind. Meine ständige Fragerei wurde zur nervlichen Belastungsprobe für alle Erwachsenen», sagt Sykora lachend. Während er von seiner Mutter die Freude an Gesellschaft erbt – «wir hatten immer viele Leute zuhause» – übernimmt er von seinem eher ruhigen Vater die grenzenlose Fussballbegeisterung. Dieser hat die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%B3l" target="_blank" rel="noopener">tschechische Zeitung «Gól»</a> abonniert, die sämtliche Fussball-Telegramme aus allen europäischen Ligen abdruckt. Der kleine Mämä versinkt täglich darin, studiert Spielernamen, Torschützen, Vereine – und legt damit wohl unbewusst den Grundstein für sein späteres Berufsleben.<br />
</p>
<p>Zu seinem 14. Geburtstag schenkt ihm sein Vater ein Buch mit dem Titel «Wie werde ich Sportreporter?». «Ich war enttäuscht, wollte lieber einen Nintendo», erinnert sich Sykora. «Aber mein Vater hat fast schon visionär vorausgesehen, in welche Richtung mein Weg führen könnte.» Als Kind hat Mämä ein ausschliesslich negatives Bild von Arbeit. «In der sechsten Klasse führte meine Lehrerin eine Umfrage durch. Die Frage, ob Arbeit auch Spass machen könne, beantwortete ich als einziger in der Klasse mit Nein. Ich war überzeugt: Wenn etwas Spass macht, kann das keine Arbeit sein.»</p>
<p>Es kann. Später, während des «ewigen» Publizistikstudiums, schreibt er regelmässig Artikel über Fussball. Zu den Europa- und Weltmeisterschaften veranstaltet er ein immer grösser werdendes Wettspiel, mit einer Fülle von Informationen zu den Teams, den Spielern und den Legenden. «Das machte mir Spass. Für die Organisation setzte ich alle zwei Jahre ein Semester aus. Irgendwann realisierte ich, dass mir das Studium nichts bringt.» Er bricht es 2005 nach sieben Jahren ab, will lieber über Fussball als über Medientheorien schreiben.</p>
<blockquote><p>Sykora scheut das Scheinwerferlicht nicht, freut sich über die Reichweite, bleibt sich selbst aber bei allem, was er macht, stets treu.</p></blockquote>
<p>Zu dieser Zeit bewegt sich Sykora in einem subkulturellen Umfeld, steckt seine Zeit und Energie vor allem in Projekte, die aus Fronarbeit bestehen. Er präsidiert jahrelang die Alternative Fussballliga, in der abseits der offiziellen Verbände ausschliesslich aus Freude am Spiel gekickt wird. Und er führt an der Langstrasse, versteckt hinter dem ehemaligen Restaurant Tessinerkeller, die auf Fussball spezialisierte Bombay Bar. Sie hat zwar keine offizielle Bewilligung, aber viele Fans.</p>
<p>2007 fragen ihn die beiden «Zwölf»-Gründer, die das Magazin anlässlich der anstehenden Fussball-Europameisterschaft in der Schweiz ins Leben riefen, ob er beim Magazin mitwirken wolle. Er bietet ihnen die Möglichkeit, die Redaktion oberhalb seiner Bombay Bar einzurichten, steigt mit ein und übernimmt zwei Jahre später die Chefredaktion. Sein Wirken bleibt vorerst einem vergleichsweise kleinen, fussballinteressierten Kreis vorenthalten.</p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/10/Maemae-Sykora-DSCF3750.jpg" data-rel="lightbox-image-9" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-91659" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/10/Maemae-Sykora-DSCF3750.jpg" alt="" width="1456" height="976" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/10/Maemae-Sykora-DSCF3750.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/10/Maemae-Sykora-DSCF3750-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/10/Maemae-Sykora-DSCF3750-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/10/Maemae-Sykora-DSCF3750-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/10/Maemae-Sykora-DSCF3750-470x315.jpg 470w" sizes="auto, (max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /></a></p>
<p>Mit der Zeit werden die Bühnen jedoch grösser, Anfragen von Radio und Fernsehen kommen, sein Wissen wird immer gefragter. Sykora scheut das Scheinwerferlicht nicht, freut sich über die Reichweite, bleibt sich selbst aber bei allem, was er macht, stets treu: «Ich habe mich oder das, was ich mache, nicht gross verändert. Es hat einfach eine gewisse Zeit gedauert, bis ich genügend Leute angesprochen habe, um damit meinen Lebensunterhalt verdienen zu können.»</p>
<p>Als Sykora während der Weltmeisterschaft 2018 mehrmals Gast in der SRF-Fussball-Talkshow <a href="https://www.srf.ch/play/tv/sendung/letschti-rundi-der-wm-talk?id=bd6bc1e4-1a89-49a3-887b-bcc0835417c9" target="_blank" rel="noopener">«Letschti Rundi»</a> ist, hinterlässt er einen bleibenden Eindruck auf Gastgeber Tom Gisler, der spätabends mit Experten und Prominenten bei einem Bier über die Spiele des Tages plaudert. Als bei SRF nach der WM die Idee aufkommt, das Konzept in einen Podcast zu übertragen, ist für Radiomoderator Gisler klar: Als Co-Host kommt nur Mämä Sykora in Frage. «Weil er zwei Sachen vereint wie sonst niemand im Land: Eine geballte Ladung Fussball-Kompetenz, gleichzeitig aber auch einen hohen Unterhaltungswert», erklärt er. «Er nimmt zwar das Thema ernst, nicht aber sich selbst.» <a href="https://www.srf.ch/audio/sykora-gisler" target="_blank" rel="noopener">«Sykora Gisler»</a> ist heute der beliebteste Sport-Podcast der Schweiz und in einer gefilmten Version auch bei SRF zwei zu sehen.</p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/10/Sykora_Gisler.jpeg" data-rel="lightbox-image-10" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-91669" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/10/Sykora_Gisler.jpeg" alt="" width="1456" height="976" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/10/Sykora_Gisler.jpeg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/10/Sykora_Gisler-300x201.jpeg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/10/Sykora_Gisler-768x515.jpeg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/10/Sykora_Gisler-1024x686.jpeg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/10/Sykora_Gisler-470x315.jpeg 470w" sizes="auto, (max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /></a></p>
<p>Das Duo ergänzt sich im Gespräch mit einem jeweils mehr oder weniger prominenten Gast. Gisler, der passionierte Fussballfan auf Augenhöhe mit dem Publikum, Sykora, der Experte, der auf jede Frage die passende Antwort weiss und die Diskussion jederzeit mit Fakten und Anekdoten aus gefühlt 200 Jahren Fussballgeschichte bereichert. «Er hat eine Art fussballhistorisches Tourette, erzählt plötzlich Geschichten von früher», lacht Gisler. So erfährt das Publikum beispielsweise aus heiterem Himmel, dass in den Dreissigerjahren einmal ein B-Ligist Schweizermeister wurde. Eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Der Fussball schreibt kuriose Geschichten und Sykora erzählt sie.</p>
<blockquote><p>2020 wird Sykora für sein jahrelanges, akribisches Schaffen geehrt und von seinen Berufskolleg:innen zum «Sportjournalisten des Jahres» gewählt.</p></blockquote>
<p>Die neue, grössere Bühne bleibt nicht ohne Folgen. «Ich werde öfters von wildfremden Menschen unterwegs erkannt und angesprochen», sagt Sykora. Ausnahmslos alle wollen mit ihm über Fussball reden. Die schönste Nebensache der Welt bietet immer Gesprächsstoff, alle haben eine Meinung dazu. «Mich stört das meistens nicht, mir macht der Austausch Spass und ich räume gerne mit verbreiteten Mythen auf», sagt er. Etwa, dass es für die anderen Schweizer Vereine von Vorteil sei, wenn ein Team in der Champions League spiele. Oder dass Italien immer noch die Defensive zelebriere. Was ihn nicht stört, kann mitunter etwas nervig für seine Partnerin sein. «Meine Freundin hat kürzlich vorgeschlagen, ich solle das zum Geschäftsmodell machen und meine Gesprächszeit kostenpflichtig verrechnen», lacht er.</p>

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<p>2020 wird Sykora für sein jahrelanges, akribisches Schaffen geehrt und von seinen Berufskolleg:innen zum «Sportjournalisten des Jahres» gewählt. «Ich bin einigermassen entsetzt. Aber auch stolz», twittert er in einer ersten Reaktion. Eigentlich ist er viel stolzer, als er sich anmerken lässt. «Wenn man hört, wie die grossen Medienhäuser ihre zahlreichen Mitarbeitenden dazu animieren, die Nominierten aus den eigenen Reihen zu wählen, ist die Wahl schon fast unglaublich. Eine schöne Würdigung.» Den Titel hängt er trotzdem nicht an die grosse Glocke. «Es gibt Stimmen, die sagen, ich vermarkte ihn zu wenig», lacht er. Ganz anders seine Mutter: «Sie ist unglaublich stolz und spricht viel öfter darüber als ich.» Am meisten Freude hätte die Ehrung aber wohl seinem Vater bereitet. «Er hat die Wahl leider nicht mehr miterlebt, weil er kurz zuvor verstorben ist. Ich weiss aber, dass es ihn extrem gefreut hätte, weil er sowieso immer stolz war auf alles, was ich gemacht habe.» Ein unerwarteter, kurzer emotionaler Moment in einem ansonsten lockeren und mit viel Witz geführten Gespräch.<br />
<a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/10/Sykora-Haeusermann-DSCF3862.jpg" data-rel="lightbox-image-11" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img loading="lazy" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/10/Sykora-Haeusermann-DSCF3862.jpg" alt="" width="1464" height="976" class="alignnone size-full wp-image-91692" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/10/Sykora-Haeusermann-DSCF3862.jpg 1464w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/10/Sykora-Haeusermann-DSCF3862-300x200.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/10/Sykora-Haeusermann-DSCF3862-768x512.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/10/Sykora-Haeusermann-DSCF3862-1024x683.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/10/Sykora-Haeusermann-DSCF3862-728x485.jpg 728w" sizes="auto, (max-width: 1464px) 100vw, 1464px" /></a><br />
Ein Gespräch, das plötzlich gestört wird. Der ohrenbetäubende Lärm eines Laubbläsers kommt näher, eine Frau reinigt einen angrenzenden, bereits sauberen Parkplatz. Auch wenn man kurzzeitig das eigene Wort nicht mehr versteht: Sykora lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Amüsiert schaut er dem absurden Treiben zu. «So was werde ich nicht vermissen, wenn ich eines Tages aufs Land ziehe», meint er kopfschüttelnd, aber mit einem Augenzwinkern. Kurzes Innehalten. Aufs Land ziehen? «Fussball ist eigentlich überhaupt nicht wichtig», sagt er und erzählt von seinen Lebenszielen, die nichts mit der omnipräsenten Ballsportart zu tun haben. Von einem Weiler, in dem nur Freunde wohnen, träumt er. Gärten bewirtschaften, Permakultur betreiben, vielleicht Selbstversorgung. «Ich halte immer die Augen offen – aber es ist in der Schweiz nicht so einfach, einen Weiler zu kaufen.»</p>
<p>Die geplante Stadtflucht kommt überraschend. Sykora wirkt mit seiner unkomplizierten, weltoffenen und sozialen Art wie ein urbaner Stereotyp. «Ich nutze mittlerweile das Angebot, das eine Stadt bietet, viel zu selten, damit es Sinn machen würde, weiter in der Stadt zu wohnen», erklärt er. Der Zürcher Innenstadt hat er deshalb bereits seit längerem den Rücken gekehrt, bewohnt im Aussenquartier Altstetten mit seiner Freundin und den zwei Hunden ein Haus, über dessen Zukunft sich 14 Erben seit Jahren nicht einig sind. Einmal mehr: Zwischennutzung in allen Lebenslagen.<br />
<a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/10/Doggy-DSCF3709.jpg" data-rel="lightbox-image-12" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-91664" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/10/Doggy-DSCF3709.jpg" alt="" width="1456" height="976" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/10/Doggy-DSCF3709.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/10/Doggy-DSCF3709-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/10/Doggy-DSCF3709-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/10/Doggy-DSCF3709-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/10/Doggy-DSCF3709-470x315.jpg 470w" sizes="auto, (max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /></a><br />
Auch wenn es noch viel zu bereden gäbe: Die Zeit ist langsam um. Am Abend spielt die Schweizer Fussballnationalmannschaft gegen Nordirland. Und so sprechen wir am Ende doch wieder über Fussball, als ginge es gar nicht anders. Das Unentschieden gegen Europameister Italien ein paar Tage zuvor sei von den Medien viel zu undifferenziert hochgejubelt worden, mahnt Sykora und prognostiziert der neuen, kollektiven Euphorie um Trainer Murat Yakins Einstand ein baldiges Ende. Ein paar Stunden später muss sich eine ideenlose Nati mit einem trostlosen 0:0 zufriedengeben. Der Ball ist rund, das Spiel dauert 90 Minuten – und Sykora hat einmal mehr Recht behalten.</p>
<p><small>Bilder: Marco Leisi</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/10/05/der-fussball-schreibt-kuriose-geschichten-und-er-erzaehlt-sie/">«Zwölf»: Der Fussball schreibt kuriose Geschichten und Mämä Sykora erzählt sie</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Tages-Anzeiger, 20&#160;Minuten, Blick</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2021/09/25/tages-anzeiger-20-minuten-blick/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Thomas Häusermann]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 25 Sep 2021 09:44:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Tages-Anzeiger]]></category>
		<category><![CDATA[Blick]]></category>
		<category><![CDATA[20 Minuten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>The Good – Würdevoller Nachruf Die Tat sorgt weit über die Grenzen Zürichs hinaus für Entsetzen. Im Kreis 9, in Albisrieden, wurde am frühen Sonntagmorgen ein Obdachloser ermordet. Von einem 20-Jährigen, der die Tat filmte und auf Snapchat stellte. Es fehlen einem schlichtweg die Worte. Der Autor Kevin Brühlmann findet sie dennoch. Mit seinem im <a href="https://medienwoche.ch/2021/09/25/tages-anzeiger-20-minuten-blick/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/09/25/tages-anzeiger-20-minuten-blick/">Tages-Anzeiger, 20 Minuten, Blick</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-91344" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/09/MW-Good-Bad-Ugly-20210925b.jpg" alt="" width="1456" height="488" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/09/MW-Good-Bad-Ugly-20210925b.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/09/MW-Good-Bad-Ugly-20210925b-300x101.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/09/MW-Good-Bad-Ugly-20210925b-768x257.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/09/MW-Good-Bad-Ugly-20210925b-1024x343.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /></p>
<h3>The Good – Würdevoller Nachruf</h3>
<p>Die Tat sorgt weit über die Grenzen Zürichs hinaus für Entsetzen. Im Kreis 9, in Albisrieden, wurde am frühen Sonntagmorgen ein Obdachloser ermordet. Von einem 20-Jährigen, der die Tat filmte und auf Snapchat stellte. Es fehlen einem schlichtweg die Worte. Der Autor Kevin Brühlmann findet sie dennoch. Mit seinem im Tages-Anzeiger veröffentlichten <a href="https://www.tagesanzeiger.ch/ruedis-brutaler-tod-607679593851" target="_blank" rel="noopener">«Nachruf auf einen Obdachlosen»</a> ist ihm ein ergreifendes Porträt gelungen.</p>
<p>Brühlmann erzählt unaufgeregt die Geschichte von Ruedi, der einst Jura studiert, dann auf einer Bank gearbeitet hatte und schliesslich auf einer Bank schlief. Ruedi lebte nur vermeintlich am Rande der Gesellschaft. Für viele Mitmenschen war er ein wichtiger Pfeiler im Alltag. Eine Konstante, die immer da war, stets ein offenes Ohr hatte. Und am Ende von Brühlmanns exzellentem Werk wird klar, dass Ruedi überhaupt nicht zu den Schwächsten der Gesellschaft gehörte. Ruedi war stark. Er hatte es nicht nötig, sich über andere Menschen zu stellen. Er war bescheiden und gütig. Übernahm Verantwortung für sich und sein Leben. Und behielt dabei stets seine Würde.</p>
<h3>The Bad – Clickbaiting in gedruckter Form</h3>
<p>«Die Story ist in Tat und Wahrheit gar keine. Sie ist Bullshit; hingekackt, um Aufmerksamkeit zu erhaschen.» Medienwissenschaftler <a href="https://www.20min.ch/story/wie-medien-die-corona-radikalisierung-vorantreiben-758961470731" target="_blank" rel="noopener">Marko Ković</a> kritisierte in seinem Gastartikel die Medien und insbesondere «20 Minuten» harsch. Der Vorwurf: Den Klicks und der Quote zuliebe würden die Medien die Deutungshoheit im Corona-Diskurs an eine kleine, extremistische Minderheit übergeben, weil solche Geschichten viel Aufmerksamkeit erregten. «Kein Protest zu klein, kein Telegram-Chat zu unbedeutend, um daraus nicht eine Story für die Frontseite zu basteln», schreibt er. In einer Replik nahm darauf hin Chefredaktor <a href="https://www.20min.ch/story/es-geht-nicht-an-dass-20-minuten-eine-minderheit-einfach-totschweigt-467093461162" target="_blank" rel="noopener">Gaudenz Looser</a> Stellung zu den Vorwürfen: «Herr Kovic, um die Klicks müssen wir uns keine Sorgen machen», entgegnet er unter anderem. Die Frontseite der gedruckten Ausgabe am Freitag zeigte denn auch, wieso.</p>
<p>«Ungeimpften droht in Quarantäne Lohnabzug», steht da in grossen Lettern <a href="https://epaper.20minuten.ch/#read/644/Region%20Z%C3%BCrich/2021-09-24/1" target="_blank" rel="noopener">auf der Frontseite</a>. Huch? Werden Ungeimpfte nun von den Arbeitgebern mit Lohnkürzungen bestraft? Bekanntlich lesen viele Menschen <a href="https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/extra_3/Sensation-schlaegt-Information-Die-Macht-der-Ueberschriften,extra19986.html" target="_blank" rel="noopener">nur noch die Titel</a>. Das ist schade, sonst würden sie erfahren, dass nicht von der Schweiz, sondern von Deutschland die Rede ist. Wer in Quarantäne muss, soll dort ab November keine staatlichen Ersatzleistungen mehr erhalten. In der Schweiz steht eine ähnliche Regelung aktuell nicht bevor. Viel Titel-Lärm um nichts also. Oder: Clickbaiting in Papierform.</p>
<h3>The Ugly – Anonymisieren für Anfänger</h3>
<p>Im aargauischen Brugg kommt ein Gewaltverbrechen gegen ein Kind vor Gericht. «Blick.ch» ruft die 2019 begangene Tat nochmals in Erinnerung: Der «Horror-Vater» habe seine damals vierjährige Tochter «brutal auf den Boden gedonnert». Die Folge: Schädelbruch. Für das heute sechsjährige Mädchen eine einzige Tragödie. Gut, ist zumindest seine Identität durch die <a href="https://medienwoche.ch/2021/05/27/sauber-auf-dem-boulevard-anstandsregeln-fuer-den-blick/">«News-Richtlinien»</a> der «Blick»-Gruppe geschützt. Oder? «Punkt 4: Der Schutz der Opfer geniesst höchste Priorität. Wir anonymisieren so, dass niemand durch auf deren Identität schliessen kann.»</p>
<p>Der am 22. September 2021 publizierte Artikel anonymisierte beim Opfer indes nicht viel. Das Mädchen war auf mehreren Bildern unzensiert zu sehen – unter anderem, wie es mit Kopfverband im Spitalbett liegt. Der Artikel nennt zudem den richtigen, einen hierzulande seltenen Vornamen. Eine Testrecherche zeigt: Der mutmassliche Familienname lässt sich damit innert Sekunden ergoogeln.</p>
<p>Ein «Blick»-Sprecher rechtfertigt die Publikation gegenüber der MEDIENWOCHE damit, dass sowohl Mutter wie auch Grossmutter bereits nach dem Vorfall 2019 die Erlaubnis erteilt hätten, das Mädchen unverpixelt zu zeigen und ihren Namen zu nennen. Die Erlaubnis für die erneute Publikation im September 2021 habe man aber nicht eingeholt und deshalb nachträglich entschieden, Fotos und Namen wieder dem bereits veröffentlichten Artikel zu entfernen. Vielleicht wäre es im Sinne der Opfer, diese Überlegungen das nächste Mal bereits vor der Publikation anzustellen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/09/25/tages-anzeiger-20-minuten-blick/">Tages-Anzeiger, 20 Minuten, Blick</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Boulevard, SRF Sport, Christoph Mörgeli</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2021/07/17/boulevard-srf-sport-christoph-moergeli/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Thomas Häusermann]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 17 Jul 2021 07:01:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Christoph Mörgeli]]></category>
		<category><![CDATA[Presserat]]></category>
		<category><![CDATA[SRF Sport]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>The Good – Selbstkritischer Boulevard Der Presserat rügte die beiden Boulevard-Medien «20 Minuten» und «Blick», weil sie mit ihrer Berichterstattung zu einem Tötungsdelikt im Kanton St. Gallen Betroffene identifizierbar gemacht und ihre Privatsphäre verletzt hatten. Soweit, so ugly. Dennoch gebührt den beiden Sündern an dieser Stelle ein Lob: Prominent und ungeschönt veröffentlichte sowohl «20 Minuten» <a href="https://medienwoche.ch/2021/07/17/boulevard-srf-sport-christoph-moergeli/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/07/17/boulevard-srf-sport-christoph-moergeli/">Boulevard, SRF Sport, Christoph Mörgeli</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-90251" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/07/MW-Good-Bad-Ugly-20210717b.jpg" alt="" width="1456" height="488" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/07/MW-Good-Bad-Ugly-20210717b.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/07/MW-Good-Bad-Ugly-20210717b-300x101.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/07/MW-Good-Bad-Ugly-20210717b-768x257.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/07/MW-Good-Bad-Ugly-20210717b-1024x343.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /></p>
<h3>The Good – Selbstkritischer Boulevard</h3>
<p>Der <a href="https://presserat.ch/complaints/45_2021/" target="_blank" rel="noopener">Presserat rügte</a> die beiden Boulevard-Medien «20 Minuten» und «Blick», weil sie mit ihrer Berichterstattung zu einem Tötungsdelikt im Kanton St. Gallen Betroffene identifizierbar gemacht und ihre Privatsphäre verletzt hatten. Soweit, so ugly.</p>
<p>Dennoch gebührt den beiden Sündern an dieser Stelle ein Lob: Prominent und ungeschönt veröffentlichte sowohl «20 Minuten» als auch «Blick» Artikel zum Urteil und dem eigenen Vergehen. «20 Minuten publiziert Rügen des Presserats schon immer ausnahmslos, abgewiesene Klagen und Nichteintreten fallweise», erklärt Chefredaktor Gaudenz Looser gegenüber der MEDIENWOCHE.</p>
<p>Dabei wird eine Publikation in dieser Ausführlichkeit gar nicht erwartet. Seitens des Presserats besteht lediglich eine «moralische Verpflichtung», über die Stellungnahmen – «wenn auch nur kurz» – zu berichten. Wer ihr nicht nachkommt, wird im <a href="https://presserat.ch/wp-content/uploads/2021/06/SPR_Jahrheft_2021_DE-1.pdf" target="_blank" rel="noopener">«Jahrheft»</a> getadelt. Nebst «Blick» und «20 Minuten» wurden jüngst auch die «Basler Zeitung» und «Prime News» gerügt. Bei «Prime News» will man sich laut Co-Redaktionsleiter Oliver Sterchi nächste Woche dazu äussern, die «Basler Zeitung» liess eine Anfrage der MEDIENWOCHE bis zum Redaktionsschluss unbeantwortet.</p>
<h3>The Bad – Würdeloser Abtritt</h3>
<p>Anfangs Woche der Knall: Tennis-Experte und Publikumsliebling Heinz Günthardt, seit 36 Jahren für das Schweizer Fernsehen tätig, muss gehen. 1985 als Kommentator gestartet, bildete er mit Stefan Bürer ab 1995 ein wortgewandtes Kompetenzzentrum. Die Schweizer Bevölkerung erlebte zusammen mit dem Kommentatoren-Duo den unvergleichlichen Aufstieg Roger Federers zum Jahrhundertspieler – das verbindet. Im Gegensatz zur polarisierenden Fussball-Abteilung genossen Bürer und Günthardt stets den Rückhalt der Tennis-Fans.</p>
<p>Bürer geht, wie viele SRF-Aushängeschilder in jüngster Vergangenheit, freiwillig. Günthardt hingegen wäre gerne geblieben – und zeigt sich gegenüber den Medien enttäuscht über die Art und Weise seines Abgangs. «Ich hätte gehofft, dass man nach 36 Jahren, in denen ich fast 10&#8217;000 Stunden auf Sendung war, mit mir das Gespräch sucht und schaut, wie man unter neuen Voraussetzungen zusammen weitermachen könnte», sagte er beispielweise <a href="https://www.blick.ch/sport/tennis/heinz-guenthardt-zu-seinem-rausschmiss-bei-srf-haette-gehofft-dass-man-mit-mir-das-gespraech-sucht-id16674648.html" target="_blank" rel="noopener">gegenüber «Blick»</a>.</p>
<p>Derweilen dürften die Sorgen bei SRF ganz andere sein als mangelnde Wertschätzung bei der Verabschiedung verdienter Mitarbeiter. Mit <a href="https://amp.20min.ch/story/noch-eine-sport-legende-verlaesst-das-schweizer-fernsehen-234471797934" target="_blank" rel="noopener">Michael Stäuble</a> verliert die Abteilung nämlich einen weiteren hochkompetenten Publikumsliebling. Der Formel-1-Kommentator stieg 1993 beim Schweizer Fernsehen ein, als Alain Prost noch mit Ayrton Senna um die Weltmeisterschaft kämpfte. Während die Legenden gehen, sitzen zumindest die Fussball-Haudegen Salzgeber und Ruefer fest im Sattel. Wie gross dieser Trost ist, liegt hingegen im Auge der sportbegeisterten TV-Betrachter:in.</p>
<h3>The Ugly – Pietätloser Nachruf</h3>
<p>Nicht nur die Medienwelt zeigte sich bestürzt über den Suizid von Balz Bruder, dem Chefredaktor der «Solothurner Zeitung». Auch viele langjährige Leser:innen trauern um den 53-jährigen Journalisten, der 1991 beim «Aargauer Tagblatt» seine Karriere begann. «Einsicht in seine seelischen Nöte, die ihn heimsuchten, gewährte er seinem Umfeld kaum. Seiner leidenschaftlichen Arbeit liess er erst recht nie etwas anmerken», heisst es im <a href="https://www.solothurnerzeitung.ch/solothurn/kanton-solothurn/nachruf-ein-schnellschreiber-mit-grosser-schaffenskraft-ld.2162204" target="_blank" rel="noopener">Nachruf</a>, den seine Zeitung veröffentlicht hat.</p>
<p>Eine Art Nachruf schrieb auch Christoph Mörgeli in der «Weltwoche». Mit einem unangenehmen Nachgeschmack. Erst gibt der Ex-Nationalrat einer kruden Verschwörungstheorie, wonach Bruder Opfer eines Auftragsmordes geworden sein soll, eine Bühne – auch wenn er sie anschliessend als «groteske, zweifellos strafbare Behauptung» deklariert.</p>
<p>Am Schluss des Artikels instrumentalisiert Mörgeli den Todesfall, um schamlos eine politische Botschaft zu platzieren. Der Solothurner Regierung missfielen nämlich einige von Bruders Artikel, Staatsschreiber Andreas Eng wandte sich deshalb an CH-Media-Verleger Peter Wanner. Nach dieser Intervention seien die Artikel des Chefredaktors «merklich harmloser» geworden, will Mörgeli wissen. Diese «unschöne Vorgeschichte» habe «zumindest dazu beigetragen», dass Bruders Umfeld ihn «in den vergangenen Wochen und Monaten auffallend antriebslos und bedrückt wahrgenommen» habe, ist sich der Medizinhistoriker zudem in der vorab erschienenen <a href="https://archive.ph/vZ1aY" target="_blank" rel="noopener">«Weltwoche daily»</a>-Version sicher. Der Fall werfe «auf jeden Fall die Frage auf, wohin der heute beschrittene Weg einer vom Staat finanzierten und damit vom Staat gegängelten Medienlandschaft führen kann». Mörgelis Artikel wirft derweil die Frage auf, ob es eine Steigerung von «pietätslos» gibt. Die Antwort: Auf jeden Fall.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/07/17/boulevard-srf-sport-christoph-moergeli/">Boulevard, SRF Sport, Christoph Mörgeli</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>«Es geht nicht nur darum, einfach mehr über Frauen zu schreiben»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2021/07/09/es-geht-nicht-nur-darum-einfach-mehr-ueber-frauen-zu-schreiben/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Thomas Häusermann]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 09 Jul 2021 09:11:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Frauenquote]]></category>
		<category><![CDATA[Uni Zürich]]></category>
		<category><![CDATA[fög]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Zahlen sind unverändert ernüchternd: Nur jede vierte Person, über die in Schweizer Medien berichtet wird, ist eine Frau. Das zeigt eine aktuelle Studie der Universität Zürich. Was denken die Verlage und Redaktionen über den anhaltend tiefen Frauenanteil in ihren Medien? Welche Massnahmen wollen sie ergreifen, um die Situation zu verbessern? Die MEDIENWOCHE hat sich <a href="https://medienwoche.ch/2021/07/09/es-geht-nicht-nur-darum-einfach-mehr-ueber-frauen-zu-schreiben/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/07/09/es-geht-nicht-nur-darum-einfach-mehr-ueber-frauen-zu-schreiben/">«Es geht nicht nur darum, einfach mehr über Frauen zu schreiben»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Zahlen sind unverändert ernüchternd: Nur jede vierte Person, über die in Schweizer Medien berichtet wird, ist eine Frau. Das zeigt eine aktuelle Studie der Universität Zürich. Was denken die Verlage und Redaktionen über den anhaltend tiefen Frauenanteil in ihren Medien? Welche Massnahmen wollen sie ergreifen, um die Situation zu verbessern? Die MEDIENWOCHE hat sich umgehört.</strong><br />
<img loading="lazy" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/07/MW-Frauenanteil-in-Schweizer-Medien-20210709.jpg" alt="" width="1456" height="976" class="alignnone size-full wp-image-90059" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/07/MW-Frauenanteil-in-Schweizer-Medien-20210709.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/07/MW-Frauenanteil-in-Schweizer-Medien-20210709-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/07/MW-Frauenanteil-in-Schweizer-Medien-20210709-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/07/MW-Frauenanteil-in-Schweizer-Medien-20210709-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/07/MW-Frauenanteil-in-Schweizer-Medien-20210709-470x315.jpg 470w" sizes="auto, (max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
Über 100&#8217;000 Medienbeiträge aus dem vergangenen Jahr analysierten Wissenschaftler:innen der <a href="https://www.foeg.uzh.ch/de/news/Frauen-in-Schweizer-Medien.html" rel="noopener" target="_blank">Universität Zürich</a>, um die Darstellung der Frau in Schweizer Print- und Onlinemedien zu untersuchen. Wie oft kommen Frauen zu Wort? In welchen Rollen treten sie auf? Die Studie analysiert die Berichterstattung aus den Jahren 2015 bis 2020. Die Resultate sprechen eine deutliche Sprache: Frauen bleiben in der hiesigen Berichterstattung weiterhin stark untervertreten.<br />
</p>
<p>Konnte im Frauenstreik-Jahr 2019 ein leichter Anstieg auf 25 Prozent Frauenanteil verzeichnet werden, so fällt der Wert in der diesjährigen Auswertung zurück auf 23 Prozent. Die Sichtbarkeit des weiblichen Geschlechts in den Schweizer Medien stagniert damit seit 2015, der zwischenzeitliche Aufschub durch eine verstärkte Gleichstellungs-Diskussion scheint bereits wieder verpufft.</p>
<p>Die 44 untersuchten Medientitel weisen Unterschiede auf, was die Sichtbarkeit von Frauen betrifft:</p>
<blockquote><p>Die «Wochenzeitung» WOZ verzeichnet mit 29 Prozent den höchsten Frauenanteil in der Berichterstattung.</p></blockquote>
<p>Auf den weiteren Plätzen folgen RTS (27 Prozent) und Blick.ch (26 Prozent). Das Schlusslicht bilden NZZ Online, «Watson» (beide 20 Prozent) und die gedruckte NZZ (19 Prozent). «Viele der untersuchten Medientitel liegen nahe beieinander. Bei über der Hälfte bewegt sich der Frauenanteil in der Berichterstattung zwischen 19 bis 23 Prozent», sagt Studienautorin Silke Fürst gegenüber der MEDIENWOCHE. Mit durchschnittlich 23 Prozent Präsenz fristen Frauen in der Schweizer Medienberichterstattung also ein marginales Dasein. </p>
<p>Wie reagieren die Schweizer Medienhäuser auf die Resultate der Studie? Werden sie Massnahmen ergreifen, um den Status Quo zu ändern? Die MEDIENWOCHE hat bei den grossen Verlagen CH Media, Tamedia, NZZ und Ringier nachgefragt – und sich bei der WOZ erkundigt, was sie besser macht als die Konkurrenz. </p>
<p>Bei der WOZ freut man sich zwar über den Spitzenplatz im Ranking der Frauen-Sichtbarkeit, betont aber, es gebe noch «Luft nach oben». «29 Prozent Frauenanteil in der Berichterstattung ist natürlich noch zu wenig», sagt Redaktionsleiterin Silvia Süess. «Wir sind uns der Problematik seit Jahrzehnten bewusst. Sichtbarkeit wird daher bei uns bewusst gefördert: Wir suchen aktiv nach Protagonistinnen für Geschichten – oder nach Geschichten mit Protagonistinnen.» Auch komme es vor, dass man einen Text um eine Woche verschiebe, weil man merke, dass die Ausgabe sonst zu männerlastig werden würde. Hilfreich seien die basisdemokratischen WOZ-Strukturen, in der jede Stimme gleich viel zähle: «Wir haben keine männlich geprägte Chefredaktion, der es oft an Sensibilität und Interesse für diese Fragen fehlt – wie das in der Schweizer Medienlandschaft leider noch immer üblich ist.»</p>

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<p>Den Rang mit dem tiefsten Frauenanteil in der Berichterstattung belegt die NZZ, welche die Studie als Förderpartnerin unterstützt hat. Dem Teil der Analyse, der allein die Anzahl vorkommender Frauen in der Berichterstattung aufzeigt, stehe man jedoch «mit einer gewissen Skepsis» gegenüber, sagt Kommunikationschefin Seta Thakur zur MEDIENWOCHE:</p>
<blockquote><p>«Da die NZZ einen hohen Anteil an Wirtschaftsberichterstattung hat, fallen die tiefen Frauenanteile im Themenbereich Wirtschaft besonders stark ins Gewicht.»</p></blockquote>
<p>Tatsächlich hat das Thema eines Beitrags einen beachtlichen Einfluss darauf, ob Frauen zu Wort kommen. Geht es um Politik, Wirtschaft oder Sport, sind Frauen besonders unterrepräsentiert. Etwas weniger gross ist der Gender Gap in Bereichen wie Kultur oder Human Interest. Die Studienergebnisse sind damit auch auf gesellschaftliche Strukturen zurückzuführen: Die Medien bilden eine männerdominierte Realität ab. Gleichzeitig betonen die Studienautor:innen, dass auch journalistische Routinen einen Einfluss hätten: Sprecherinnen und Expertinnen stünden oft zur Verfügung, würden aber nicht berücksichtigt.</p>
<blockquote><p>Als einen weiteren Haupttreiber für eine ungleiche Geschlechterberücksichtigung nennt die Studie fehlende redaktionelle Ressourcen.</p></blockquote>
<p>Wenn Medienschaffende – unabhängig ihres Geschlechts – mehr Zeit haben, sich einem Beitrag zu widmen, steigt auch die Chance, dass weibliche Akteure miteinbezogen werden. Berichte, die hingegen auf Agenturmeldungen beruhen, weisen einen nur halb so hohen Frauenanteil aus, wie selbst recherchierte Artikel. «Agenturmeldungen sind häufig vergleichsweise kurz, bieten dadurch eine geringere Vielfalt an Akteur:innen und fokussieren tagesaktuell häufig auf Akteure aus der hierzulande stark männerdominierten Wirtschafts-, Politik- und Sportelite», erklärt Studienautorin Silke Fürst. </p>
<p>Die journalistische Eigenleistung stärker als bisher fördern? Ringier, CH Media und NZZ winken ab – man investiere bereits viel in den Journalismus und werde das auch weiterhin tun, heisst es auf Anfrage. Auch Tamedia sieht keinen Grund, die Redaktionen zu vergrössern, um so den Gender Gap in der Berichterstattung zu verkleinern. «Was die Ressourcen betrifft, sehen wir die Lösungsansätze mehr in diverseren Redaktionsstrukturen», sagt Nicole Bänninger, Leiterin Kommunikation Tamedia. «Wir streben einen höheren Frauenanteil an, besonders auch auf Führungsebene.» Mit anderen Worten: Auch wenn die Studie zum Schluss kommt, dass «Gendergerechtigkeit auch von finanziellen und zeitlichen Ressourcen der Redaktionen abhängt» – ändern werden die meist unter Spardruck stehenden Verlage in dieser Hinsicht wohl nichts. </p>
<p>Doch ganz untätig bleiben sie nicht. Stefan Heini, Kommunikationsleiter von CH Media, sagt, man sensibilisiere die Redaktionen durchaus dafür, dass relevante weibliche Stimmen zu Wort kommen und gleichwertig positioniert werden. Die Titel von CH Media liegen punkto Frauenanteil im Mittelfeld der untersuchten Medien. So kommt beispielsweise die «Aargauer Zeitung» auf 25 Prozent, die «Schweiz am Wochenende» auf 23 Prozent. Der NZZ wiederum sei es generell ein Anliegen, in der Berichterstattung die Diversität der Gesellschaft «angemessen abzubilden», sagt Seta Thakur, Leiterin Unternehmenskommunikation. «Dabei geht es nicht nur um das Verhältnis von Mann/Frau, sondern generell um verschiedene Lebenswelten.» Man sei überzeugt, dass die Zusammensetzung der Redaktionen zu einer Veränderung beitrage und habe im letzten Jahr den Frauenanteil in der Chefredaktion auf 40 Prozent erhöhen können. </p>
<p>Ringier misst seit 2019 im Rahmen von EqualVoice die Frauenanteile in der Berichterstattung der eigenen Medien. Die «Handelszeitung» beispielsweise steigerte den Frauenanteil so innerhalb eines Jahres von 17 auf 24 Prozent, die «Bilanz» von 20 auf 26 Prozent. Weiter stellt Ringier den Redaktionen eine Expertinnenliste für die Recherche bereit und thematisiert in Workshops, wie Frauen in der Berichterstattung dargestellt werden – auch punkto Bildwahl. «Aber natürlich sind wir uns bewusst, dass das ein Marathon ist und kein Sprint», sagt Katia Murmann-Amirhosseini, Leiterin Digital der «Blick»-Gruppe und Initiantin von EqualVoice:</p>
<blockquote><p>«Es braucht die ständige, tägliche Auseinandersetzung mit dem Thema in den Redaktionen, um eine langfristige Veränderung zu schaffen.»</p></blockquote>
<p>Auch Tamedia analysiert seit Anfang 2020 die Sichtbarkeit der Geschlechter in Text und Bild. Kommunikationsleiterin Nicole Bänninger sagt: «In internen Kanalkritiken wird ein besonderes Augenmerk auf eine ausgeglichene Berichterstattung gelegt: Wann werden Frauen gezeigt, in welchem Zusammenhang, ohne Klischee?» so Bänninger – und spricht damit einen weiteren zentralen Untersuchungsgegenstand der Studie an. </p>
<p>Im zweiten Teil der Studie wird nämlich analysiert, in welchen Rollen die Geschlechter in den Medien dargestellt werden. Treten etwa einfache Bürger:innen auf, ist der Gender Gap mit einem Frauenanteil von 44 Prozent gering. Auch als Augenzeuginnen (42 Prozent) sind Frauen oft zu sehen – nicht aber als Expertinnen (23 Prozent) oder Repräsentantinnen und Sprecherinnen (21 Prozent). Im Vergleich zu Männern werden Frauen häufiger in einem privaten Kontext dargestellt. Bei weiblichen Hauptakteurinnen thematisieren sie zudem häufiger das Liebesleben (17 Prozent) als bei den männlichen Pendants (8 Prozent) – und auch auf Kinder wird bei Frauen öfter verwiesen als bei Männern (9 Prozent vs. 5 Prozent). WOZ-Redaktionsleiterin Silvia Süess findet das bedenklich. «Es geht eben nicht nur darum, einfach mehr über Frauen zu schreiben. Zentral ist auch, wie Medien über Frauen schreiben und in welchem Kontext sie repräsentiert werden.»</p>
<blockquote><p>Es scheint also, als bleibe noch viel zu tun für die Schweizer Medien, um das Problem der weiblichen Unterrepräsentation effektiv anzugehen.</p></blockquote>
<p>Auch wenn Wille, Ideen und Projekte vorhanden sind, fruchten die Bemühungen noch nicht. Während Ringier und Tamedia im Rahmen von grösseren Projekten die eigene Berichterstattung auf die Sichtbarkeit der Geschlechter hin analysieren und intern thematisieren, sind NZZ und CH Media weniger weit und konkret. Tamedia und NZZ sehen die Lösung auch in diverseren Redaktionen und vor allem in mehr weiblichen Führungskräften. </p>
<p>Silvia Süess sieht in der fehlenden redaktionellen Diversität denn auch die Hauptursache für das Problem fehlender Sichtbarkeit von Frauen in den Medien: «Die Schweizer Medienunternehmen sind leider noch immer männlich dominierte Unternehmen. Je höher die Hierarchie, umso höher der Männeranteil – das spiegelt sich auch in der Berichterstattung wieder.»</p>
<p>Die Frage, welchen Einfluss die Frauenanteile in den Redaktionen auf die Sichtbarkeit der Frauen in der Berichterstattung wirklich hat, wird von der Studie indes nicht beantwortet. «Es handelt sich hierbei aber um eine wichtige Frage, die noch zusätzliche Forschung verlangt», sagt Studienleiterin Lisa Schwaiger gegenüber der MEDIENWOCHE. «Ich kann mir vorstellen, dass ein höherer Frauenanteil in Chefetagen oder mehr Journalistinnen vor allem in den Bereichen Sport, Wirtschaft und Politik die Sensibilität für das Thema gleichberechtigte Geschlechterdarstellung in den Medien erhöhen könnte.»</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/07/09/es-geht-nicht-nur-darum-einfach-mehr-ueber-frauen-zu-schreiben/">«Es geht nicht nur darum, einfach mehr über Frauen zu schreiben»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>EqualVoice, JJS, Blick&#160;Sport</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2021/06/19/equalvoice-jjs-blick-sport/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Thomas Häusermann]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 19 Jun 2021 08:19:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Ringier]]></category>
		<category><![CDATA[Blick]]></category>
		<category><![CDATA[Junge Journalisten Schweiz]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>The Good – Datenbasiert zur Gleichstellung Frauen sind in den Schweizer Medien bei weitem nicht angemessen sichtbar: 75 Prozent der Berichte handeln laut dem Global Media Monitoring Project von Männern. Um diesem Missstand entgegenzuwirken, misst Ringier seit 2019 die Geschlechterverteilung in der Berichterstattung seiner Medien im Rahmen der sogenannten Gleichstellungs-Initiative EqualVoice. Der eigens dafür entwickelte <a href="https://medienwoche.ch/2021/06/19/equalvoice-jjs-blick-sport/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/06/MW-Good-Bad-Ugly-20210619b.jpg" alt="" width="1456" height="488" class="alignnone size-full wp-image-89552" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/06/MW-Good-Bad-Ugly-20210619b.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/06/MW-Good-Bad-Ugly-20210619b-300x101.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/06/MW-Good-Bad-Ugly-20210619b-768x257.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/06/MW-Good-Bad-Ugly-20210619b-1024x343.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /></p>
<h3>The Good – Datenbasiert zur Gleichstellung</h3>
<p>Frauen sind in den Schweizer Medien bei weitem nicht angemessen sichtbar: 75 Prozent der Berichte handeln laut dem <a href="https://egalite.ch/wp-content/uploads/2019/02/Rapport-GMMP.pdf" target="_blank" rel="noopener">Global Media Monitoring Project</a> von Männern. Um diesem Missstand entgegenzuwirken, <a href="https://www.ringier.ch/de/press-releases/corporate/ringier-gruppe-lanciert-die-initiative-equalvoice-hohere-sichtbarkeit-von" target="_blank" rel="noopener">misst Ringier</a> seit 2019 die Geschlechterverteilung in der Berichterstattung seiner Medien im Rahmen der sogenannten Gleichstellungs-Initiative <a href="https://www.equalvoice.ch/de/" target="_blank" rel="noopener">EqualVoice</a>.</p>
<p>Der eigens dafür entwickelte Algorithmus soll die Daten für eine faktenbasierte Diskussion liefern und damit das Bewusstsein der Redaktionen schärfen. Mit Erfolg: Die «Handelszeitung» etwa hat so den Frauen-Anteil in ihren Artikeln im vergangenen Jahr um immerhin sieben Prozent erhöht.</p>
<p>Wie Ringier mitteilt, stellt man EqualVoice nun auch anderen Unternehmen und Medienhäusern im In- und Ausland als Dienstleistung zur Verfügung. Eine Anfrage zum Preis lässt das Unternehmen unbeantwortet.</p>
<p>Besteht bei den Schweizer Medienhäusern überhaupt ein Interesse am Ringier-Tool? CH Media teilt gegenüber der MEDIENWOCHE mit, man plane keinen Einsatz von EqualVoice, sei aber «hinreichend sensibilisiert, dass relevante weibliche Stimmen zu Wort kommen und gleichwertig positioniert werden sollen». Die NZZ gibt an, man finde die faktenbasierte Diskussion «sehr wichtig» und nehme sich «dem Thema grundsätzlich an». EqualVoice stehe aber nicht zur Diskussion. Etwas konkreter noch Tamedia: Das Unternehmen erfasse die Geschlechterverteilung in Wort und Bild seit Anfang 2020 mit einem eigenen Analyse-Tool, behalte die Zahlen aber bis auf weiteres für sich.</p>
<p>Trotz dieser teils schwammingen Auskünfte: Die Problematik der ungleichen Berichterstattung scheint den Medienhäusern bewusst. Es bewegt sich etwas. Zwar träge, aber immerhin.</p>
<h3>The Bad – Junge Journalist*innen unter Stress</h3>
<p>«Wir wissen von mehreren Mitgliedern unseres Vereins, die ein Burnout erlitten. Ein Burnout mit unter 30.» Der Verein Junge Journalistinnen und Journalisten Schweiz JJS <a href="https://www.jjs.ch/blog/jjsmentalhealth" target="_blank" rel="noopener">schlägt Alarm</a>: Viele junge Medienschaffende würden unter Stress leiden und im Berufsalltag ihre psychische Gesundheit riskieren, heisst es in einem Blog-Beitrag über die Resultate einer Umfrage unter den Mitgliedern. Zeitdruck, Überstunden sowie die fehlende Trennung von Beruf und Privatleben führten dazu, dass der mediale Nachwuchs an seine mentalen Grenzen stosse.</p>
<p>«In den Newsrooms herrscht eine Kultur, die kaum Schwäche zulässt», schreibt der JJS. Das vielerorts herrschende Credo: Journalist*in sein ist ein Privileg – wer die harten Seiten nicht aushält, kann ja gehen.</p>
<p>Wie schwierig das Ansprechen der Thematik für Betroffene sein muss, lässt ein Blick auf Twitter erahnen. Nachdem der JJS die mentale Gesundheit der jungen Journalistinnen und Journalisten unter #jjsmentalhealth auf den Tisch gebracht hat, werfen etablierte Berufskolleg*innen Ausdrücke wie <a href="https://twitter.com/CorsinZander/status/1405634161189208066?s=20" target="_blank" rel="noopener">«Gejammer»</a> in die Runde. Watson-Chefredaktor <a href="https://twitter.com/DickMo/status/1405644776167329797?s=20" target="_blank" rel="noopener">Maurice Thiriet</a> wundert sich süffisant, worüber sich manche Leute «beschweren». «SonntagsZeitung»-Textchef <a href="https://twitter.com/rbandle/status/1405510965383340032?s=20" target="_blank" rel="noopener">Rico Bandle</a> kommentiert die JJS-Kampagne folgendermassen: «Befindlichkeit über alles. Man muss sich über die Zukunft unseres Berufsstands ernsthafte Sorgen machen.»</p>
<h3>The Ugly – An den Haaren herbeigezogen</h3>
<p>Sie darf scheinbar an keiner Fussball-Endrunde fehlen: Die von der Boulevard-Presse orchestrierte Empörung darüber, wie unschweizerisch sich Spieler der Schweizer Nati verhalten. Fielen die Fussballer in den vergangenen Jahren dadurch auf, dass sie die Nationalhymne nicht mitsangen, gegen gewisse Gegner demonstrativ nicht oder noch schlimmer falsch jubelten (Doppeladler!), so lieferten sie bei der diesjährigen EM gleich zwei Steine des Anstosses: Zuerst fuhren sie mit ihren Lamborghinis und Ferraris zum EM-Zusammenzug vor. Dann liessen einige vor dem Spiel gegen Italien ihren Stammcoiffeur einfliegen, um sich die Haare blond färben zu lassen.</p>
<p>«Diese Abgehobenheit, sie passt einfach nicht zur Schweiz», polterte der stellvertretende <a href="https://www.blick.ch/sport/fussball/nati/coiffeur-nach-rom-eingeflogen-das-ist-an-abgehobenheit-schwer-zu-uebertreffen-id16601247.html" target="_blank" rel="noopener">«Blick»-Sportchef Andreas Böni</a>. Für die chauvinistische Petarde gab’s Applaus, Likes und Klicks von einer Leserschaft, die ohnehin seit Jahren über mangelnde Identifikation mit Petkovics Multikulti-Truppe klagt. Im Kampf um Quoten sind Xhaka und Co. mit ihren Steilpässen abseits des Fussballplatzes dankbare Zielscheiben.</p>
<p>Relevante Themen böte eine Fussball-EM eigentlich mehr als genug – das Thema Fussball etwa. Trostpflaster: Wer sich genug über fliegende Coiffeure aufgeregt hat und sich sachlich fundiert mit den bislang bescheidenen Schweizer Auftritten auseinandersetzen möchte, findet nach jedem Spieltag Antworten im SRF-Podcast <a href="https://www.srf.ch/audio/sykora-gisler" target="_blank" rel="noopener">«Sykora Gisler»</a> oder im <a href="https://www.luzernerzeitung.ch/sport/em-talk-wie-gut-sind-die-srf-moderatoren-versagen-auf-der-ganzen-linie-beim-eriksen-zusammenbruch-waren-sie-stark-ld.2150968" target="_blank" rel="noopener">«EM-Talk»</a> des CH-Media-Überraschungsteams Patrik Müller / François Schmid-Bechtel.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/06/19/equalvoice-jjs-blick-sport/">EqualVoice, JJS, Blick Sport</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Sendeschluss für Replay TV?</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2018/11/20/sendeschluss-fuer-replay-tv/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2018/11/20/sendeschluss-fuer-replay-tv/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Thomas Häusermann]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 20 Nov 2018 13:58:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Replay]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das schweizerische Urheberrecht soll modernisiert und ans Internetzeitalter angepasst werden. Dass die Rechtskommission des Nationalrates der Revision in aller Deutlichkeit zugestimmt hat, führte zu einem Aufschrei der Fernseh-Signalanbieter und der Konsumentenschützer. Sie fürchten um die Zukunft der beliebten Replay-Funktion. Diese gefällt den Konsumenten, ist der Werbewirtschaft aber schon lange ein Dorn im Auge. Das zeitversetzte <a href="https://medienwoche.ch/2018/11/20/sendeschluss-fuer-replay-tv/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/11/20/sendeschluss-fuer-replay-tv/">Sendeschluss für Replay TV?</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Das schweizerische Urheberrecht soll modernisiert und ans Internetzeitalter angepasst werden. Dass die Rechtskommission des Nationalrates der Revision in aller Deutlichkeit zugestimmt hat, führte zu einem Aufschrei der Fernseh-Signalanbieter und der Konsumentenschützer. Sie fürchten um die Zukunft der beliebten Replay-Funktion. Diese gefällt den Konsumenten, ist der Werbewirtschaft aber schon lange ein Dorn im Auge.</strong><br />
<img loading="lazy" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/11/MW-Replay-TV_20181120a.jpg" alt="" width="1456" height="976" class="alignnone size-full wp-image-63607" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/11/MW-Replay-TV_20181120a.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/11/MW-Replay-TV_20181120a-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/11/MW-Replay-TV_20181120a-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/11/MW-Replay-TV_20181120a-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/11/MW-Replay-TV_20181120a-470x315.jpg 470w" sizes="auto, (max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
Das zeitversetzte Fernsehen hat sich bei den Zuschauern längst etabliert und wird von Jahr zu Jahr populärer. Gemäss <a href="https://www.yr-group.ch/wp-content/uploads/2018/10/graphics_MUI_2018_06-1024x726.jpg" rel="noopener" target="_blank" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="">Media Use Index 2018</a> der Y&#038;R Group Switzerland nutzen bereits 39 Prozent aller TV-Nutzer mindestens einmal pro Woche eine Replay-Funktion (auch Catch-up TV genannt). 2015 waren es noch 34 Prozent. Kabelanbieter <a href="https://www.nau.ch/news/wirtschaft/upc-wehrt-sich-gegen-einschrankungen-bei-replay-tv-65450843" rel="noopener" target="_blank">UPC gibt an</a>, rund 70 Prozent der eigenen Kunden würden mittlerweile zeitversetztes Fernsehen nutzen.</p>
<p>Die Freiheit durch die Entkoppelung des TV-Konsums vom linearen Fernsehprogramm entspricht einem modernen Nutzungsverhalten, welches immer mehr in eine Richtung tendiert, dass man schauen kann, was man will, wann man will und wo man will. Auch die TV-Signalanbieter wie Swisscom, UPC oder Salt sind Verfechter des zeitversetzten Fernsehens: Die beliebte Funktion ist ein schlagendes Verkaufsargument und bringt einen echten Kundennutzen.</p>
<blockquote><p>Aktuelle Zahlen zeigen, dass 60 bis 80 Prozent der Replay-Nutzer die Werbung überspulen.</p></blockquote>
<p>Weniger Freude an der steigenden Popularität der Replay-Funktion haben die Fernsehsender – aus verständlichen Gründen. Denn die Zuschauer wählen nicht nur den Zeitpunkt, wann sie eine Sendung konsumieren – sie überspulen vor allem auch in aller Selbstverständlichkeit die Werbeblöcke. Wurde früher die Werbeaufmerksamkeit allenfalls durch zwischenzeitliches Wegzappen, Toilettenbesuche oder Kühlschrankgänge vorübergehend eingeschränkt, so erübrigt die Fast-Forward-Taste heute oftmals eine Auseinandersetzung mit den Werbeinhalten. Aktuelle Zahlen zeigen, dass 60 bis 80 Prozent der Replay-Nutzer die Werbung überspulen.</p>
<p>Dass diese technische Möglichkeit die Attraktivität des Mediums Fernsehens als Werbeträger früher oder später empfindlich mindert, liegt auf der Hand. Werbeplatzierungen im Fernsehen sind teuer – wer bucht, möchte nicht überspult, sondern beachtet werden. Heute wird Replay-TV im Grundsatz als private Kopie der Zuschauer behandelt und entsprechend gesetzlich geregelt. Auch wenn die Kopie nicht vom Zuschauer selbst, sondern von einem Dienstleister angefertigt und zur Verfügung gestellt wird. Die Schweiz nimmt beim Urheberrecht traditionell eine liberale und konsumentenfreundliche Haltung ein. Dies zeigt sich beispielsweise auch beim Umgang mit Downloads von urheberrechtlich geschütztem Audio- oder Videodateien: Wer illegale Angebote zum persönlichen Gebrauch konsumiert, wird in der Schweiz – im Gegensatz zum benachbarten Ausland – nicht belangt. 140 Millionen Franken fehlen in den Kassen Ginge es allerdings nach den Fernsehsendern, sollte Replay-TV vor dem Gesetz bald anders beurteilt werden. Ihre Anliegen werden vertreten durch die <a href="http://www.irf-radiotv.ch/de/catch-up-tv.html" rel="noopener" target="_blank">Interessengemeinschaft Radio und Fernsehen IRF</a>. Der IRF gehören die SRG, die privaten Schweizer Sender, der Verband Telesuisse sowie die meisten ausländischen Sender an, deren Programme in der Schweiz empfangen werden können. Die IRF beklagt, dass den Sendern jährlich 140 Millionen Franken an Werbeeinnahmen entgingen. Replay bedrohe in der jetzigen Form daher die Existenz der werbefinanzierten, frei empfangbaren TV-Sender.</p>
<blockquote><p>Anders als im Ausland sind in der Schweiz sämtliche Sender und Inhalte im Replay-Archiv verfügbar.</p></blockquote>
<p>Im März 2018 gelangte die IRF ans Bundesverwaltungsgericht. Der Grund: Die Eidgenössische Schiedskommission hatte eine leichte Erhöhung des «Replay-Tarifs» genehmigt (des sogenannten Gemeinsamen Tarifs 12 [GT12]), mit dem die Sender von den Signalanbietern für entgangene Werbeeinnahmen entschädigt werden. Statt wie früher 1.50 Franken beträgt dieser heute 1.60 Franken pro Abonnent und Monat für die Nutzung des Sieben-Tage-Replay- Archivs – <a href="http://www.irf-radiotv.ch/files/irf_website/downloads/de/IRF-Medienmitteilung-21-03-2018-D.pdf" rel="noopener" target="_blank">viel zu wenig, fand die IRF</a>. Darüber hinaus störte sich die Interessengemeinschaft daran, dass die Sender nicht verhandeln können, ob und wie die TV-Verbreiter die Replay-Funktion einsetzen dürfen. Dies sei eine Eigenheit der Schweiz. Im Ausland übliche Refinanzierungsmöglichkeiten von TV-Inhalten blieben somit den Sendern hierzulande verwehrt. Anders als im Ausland sind in der Schweiz sämtliche Sender und Inhalte im Replay-Archiv verfügbar. Das Bundesverwaltungsgericht ging auf den Wunsch der Sender, künftig direkte Verhandlungen mit den Verbreitern über die Replay-Entschädigung führen zu dürfen, nicht ein und <a href="http://www.irf-radiotv.ch/files/irf_website/downloads/cutv/20180920_Medienmitteilung_Bundesverwaltungsgericht.pdf" rel="noopener" target="_blank">schob dem Begehren mit einem Urteil den Riegel</a> vor. Das Gericht war der Ansicht, dass die Rechte der Fernsehsender in der aktuellen Regelung ausreichend wahrgenommen würden.</p>
<p>Die NZZ am Sonntag publizierte die Pläne eines Mitgliedes der Fernmeldekommission des Nationalrats, im Auftrag der IRF auf dem parlamentarischen Weg eine Änderung der Spielregeln beim Replay-TV zu erwirken. Sechs der wichtigsten Signalverbreiter riefen die Kommissionsmitglieder in einem Schreiben dazu auf, den Vorschlag abzulehnen. Konsumentenschützer warnten ebenfalls vor einer allfälligen Gesetzesänderung. Vergeblich, denn das Bestreben trug im Juli 2018 Früchte: Die Fernmeldekommission sprach sich deutlich für Einschränkungen beim zeitversetzten Fernsehen aus. <a href="https://www.nzz.ch/schweiz/replay-tv-erreicht-die-politik-ld.1400558" rel="noopener" target="_blank">Mit 17 zu 4 Stimmen</a> bei 3 Enthaltungen wurde beschlossen, dass die Signalanbieter künftig TV-Programme «nur zeitgleich, unverändert und vollständig weiterverbreiten dürfen» – es sei denn, der entsprechende Sender stimme etwas anderem zu. Die Sender hätten so in Zukunft also bei Bedarf die Möglichkeit, die Replay-Nutzung ihres Signals ganz zu verbieten oder beispielsweise die Spulfunktion während Werbeblöcken deaktivieren zu lassen. Die Fernmeldekommission erteilte daraufhin der nationalrätlichen Rechtskommission den Auftrag, Regeln für das zeitversetzte Fernsehen zu erlassen. Die Rechtskommission folgte der Stossrichtung der Fernmeldekommission und beschloss im Oktober 2018, dass das Recht der Sender, mit den Signalanbietern über die Nutzungsbedingungen von Replay-TV verhandeln zu dürfen, im Gesetz verankert werden soll. Die Rechtskommission betonte gleichzeitig aber auch, dass Replay-TV möglich bleiben müsse.</p>
<blockquote><p>Von einem drohenden «Werbekonsumzwang» schrieb Suissedigital, der Wirtschaftsverband der Schweizer Kommunikationsnetze.</p></blockquote>
<p>Dass die Rechtskommission für ein Verhandlungsrecht der Sender plädierte, sorgte in der Folge für einen Aufschrei unter den Signalanbietern. Nicht weniger als das Ende der Replay-Funktion wurde in verschiedenen Mitteilungen und Stellungnahmen verkündet. UPC kritisierte, die Vergütung würde sich faktisch verdoppeln, wenn neu noch direkte Zahlungen an die Sender geleistet werden müssten – der Entscheid stehe im Widerspruch zur aktuell gültigen Regelung. Ausserdem würde das Recht der Kunden auf eine Privatkopie beschnitten. Von einem drohenden <a href="https://www.suissedigital.ch/suissedigital/medien/detail/12-mitglieder-der-nationalraetlichen-rechtskommission-wollen-einen-werbekonsumzwang-beim-replay-tv/" rel="noopener" target="_blank">«Werbekonsumzwang» schrieb Suissedigital</a>, der Wirtschaftsverband der Schweizer Kommunikationsnetze. Dies sei in Zeiten der Digitalisierung nicht nur ein Anachronismus, sondern vor allem auch «kultur- und konsumentenfeindlich», kritisierte Geschäftsführer Simon Osterwalder. Die Sender würden sich die Erteilung der Erlaubnis «fürstlich bezahlen lassen», was am Ende die Replay-Funktion für die Konsumenten trotz Einschränkungen teurer machen werde. Auch Salt, seit Neuestem mit Salt Fibre selbst TV-Anbieter, warnte in einer Stellungnahme, der Vorschlag widerspreche geltenden Tarifvereinbarungen und mache Replay-TV kompliziert und teurer.</p>
<p>Die IRF liess nicht lange auf sich warten und stellte die aus ihrer Sicht «falschen Behauptungen der Kabelnetzbetreiber» richtig. Die Sender wollten Replay weder verbieten noch einschränken, hiess es in einer Mitteilung, da es einem Zuschauerbedürfnis entspreche. Weiter warf die Sendervertretung den TV-Verbreitern vor, durch die Replay-Funktion lukrative Gewinne zu machen, vom Millionenkuchen aber nur ein kleines Stück an die Sender weiterzugeben. Konkret: Von den 2017 rund 246 Millionen durch Replay eingenommenen Franken hätten die Sender lediglich 9,7 Millionen Franken erhalten. Den TV-Verbreitern gehe es nicht um die Konsumenten, sondern vielmehr um die Aufrechterhaltung eines «höchst lukrativen Geschäftsmodells zulasten der TV-Sender», so der Vorwurf.</p>
<blockquote><p>Verschiedene Akteure erwägen, das Referendum gegen das Urheberrechtsgesetz zu ergreifen, sollte das Parlament die Regeln für Replay-TV grundlegend verändern.</p></blockquote>
<p>Ein weiterer Streitpunkt sind die Werbeeinnahmen. Während die TV-Verbreiter behaupten, die Einnahmen seien seit Einführung von Replay-TV 2012 sogar gestiegen, entgegnet die IRF, die auf Zahlen der Stiftung Werbestatistik Schweiz verwendeten Zahlen seien wenig aussagekräftig. Zwar habe der Gesamtmarkt TV aufgrund von neuem Werbeinventar zugelegt, auf die einzelnen Sender treffe dies aber nicht zu – ihnen bliebe nur der Schaden durch die wegfallenden Werbeeinnahmen.</p>
<p>Wie die Tageszeitungen von Tamedia kürzlich in Erfahrung bringen konnten, erwägen verschiedene Akteure, das <a href="https://www.derbund.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/Anbieter-drohen-mit-ReplayReferendum/story/30066154" rel="noopener" target="_blank">Referendum gegen das Urheberrechtsgesetz</a> zu ergreifen, sollte das Parlament die Regeln für Replay-TV grundlegend verändern. Swissstream, der Verband der Schweizer Streaming-Anbieter, und Suissedigital wollen die umstrittenen Änderungen notfalls mit einer Volksabstimmung bekämpfen. Die beiden Verbände könnten dabei auf die Unterstützung des Vereins Digitale Allmend, der sich für den öffentlichen Zugang zu digitalen Gütern und deren Weiterentwicklung einsetzt, zählen. Auch die Stiftung für Konsumentenschutz würde sich an der Sammlung der erforderlichen 50‘000 Unterschriften beteiligen. Ob es soweit kommen wird, ist jedoch noch offen. Der Nationalrat wird sich voraussichtlich in der kommenden Wintersession mit der Thematik beschäftigen. Sollten er und danach auch der Ständerat den Regeländerungen zustimmen, würden diese in Kraft treten.</p>
<p>Das letzte Wort im Replay-Streit ist also noch längst nicht gesprochen. Dafür sind die Fronten zu verhärtet. Eine Vermutung liegt aber auf der Hand: Sowohl den Sendern wie auch den Signalanbietern geht es in erster Linie ums Geld. Eine Attraktivtitätsminderung des klassischen Fernsehens kann im Interesse keiner der beteiligten Parteien sein. Dass sich die Sender daran stören, dass die (mittlerweile auch nicht mehr so) neuen technischen Möglichkeiten ihr etabliertes Geschäftsmodell aushebeln, ist verständlich. Am Ende wird man sich auf einen Kompromiss einigen müssen – und dieser sollte im Interesse aller Beteiligten nicht zulasten der ohnehin schwindenden Zuschauer gehen.</p>
<p><small>Dieser Text ist eine erweiterte und aktualisierte Fassung eines Artikels, der erstmals in der <a href="http://werbewoche.ch/" rel="noopener" target="_blank">Werbewoche</a> Nr. 19 vom 16. November erschienen ist.</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/11/20/sendeschluss-fuer-replay-tv/">Sendeschluss für Replay TV?</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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