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	<title>Magazinjournalismus | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
	<lastBuildDate>Fri, 04 Mar 2022 10:15:54 +0000</lastBuildDate>
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		<title>«Es ist wichtig, dass die Menschen verschiedene Seiten einer Frage kennen»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2022/03/04/es-ist-wichtig-dass-die-menschen-verschiedene-seiten-einer-frage-kennen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Johannes Hapig]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 04 Mar 2022 10:15:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[The Guardian]]></category>
		<category><![CDATA[Alan Rusbridger]]></category>
		<category><![CDATA[Prospect]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als «Guardian»-Chefredaktor hat Alan Rusbridger digitale Pionierarbeit geleistet, den NSA-Skandal ans Licht gebracht und bei der Verbreitung der Wikileaks-Enthüllungen geholfen. Nun ist er in den Journalismus zurückgekehrt als Herausgeber des Monatsmagazins «Prospect». Ein Gespräch über Medienmanagement, Medienwandel und Musizieren als Weg zum Gleichgewicht. «In den ersten neun oder zehn Jahren meiner journalistischen Laufbahn habe ich <a href="https://medienwoche.ch/2022/03/04/es-ist-wichtig-dass-die-menschen-verschiedene-seiten-einer-frage-kennen/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Als «Guardian»-Chefredaktor hat Alan Rusbridger digitale Pionierarbeit geleistet, den NSA-Skandal ans Licht gebracht und bei der Verbreitung der Wikileaks-Enthüllungen geholfen. Nun ist er in den Journalismus zurückgekehrt als Herausgeber des Monatsmagazins «Prospect». Ein Gespräch über Medienmanagement, Medienwandel und Musizieren als Weg zum Gleichgewicht.</strong><br />
<a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Alan-Rusbridger-The-Guardian-20220203.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Alan-Rusbridger-The-Guardian-20220203-300x201.jpg" alt="" width="300" height="201" class="alignnone size-medium wp-image-95276" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Alan-Rusbridger-The-Guardian-20220203-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Alan-Rusbridger-The-Guardian-20220203-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Alan-Rusbridger-The-Guardian-20220203-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Alan-Rusbridger-The-Guardian-20220203-470x315.jpg 470w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Alan-Rusbridger-The-Guardian-20220203-728x485.jpg 728w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Alan-Rusbridger-The-Guardian-20220203.jpg 1456w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><br />
<div class="question"><h4>Johannes Hapig:</h4> <p>Nachdem Sie zwei Jahrzehnte lang der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Alan_Rusbridger" rel="noopener" target="_blank">Chefredaktor des «Guardian»</a> waren, wurden Sie zunächst Rektor am Lady Margaret Hall College in Oxford. Was hat Sie nun zur Rückkehr in den Journalismus bewogen?</p>
</div><div class="answer"><h4>Alan Rusbridger:</h4> <p>Auch während ich in Oxford tätig war, habe ich den einen oder anderen Artikel geschrieben. Ich habe ausserdem regelmässig Kolumnen veröffentlicht und zwei Bücher fertig gestellt; mit dem Schreiben habe ich also nie aufgehört. Wissen Sie, dafür bleibt ja kaum Zeit, wenn man eine Zeitung wie den «Guardian» leitet. Da kann man parallel nicht Reporter sein. Und das wollte ich eigentlich – wieder vermehrt als Reporter arbeiten. Dann hat mir <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Prospect_(Zeitschrift)" rel="noopener" target="_blank">«Prospect»</a> die Chefredaktoren-Stelle angeboten und ich habe zugesagt. So spielt es manchmal, das Leben.</p>
</div></p>
<blockquote><p>«In den ersten neun oder zehn Jahren meiner journalistischen Laufbahn habe ich nie über eine Stelle als Redaktor nachgedacht.»</p></blockquote>
<p><div class="question"><h4>Hapig:</h4> <p>Man kann da durchaus einige Parallelen zu Ihren frühen Jahren beim «Guardian» erkennen: In einem Ihrer Bücher notieren Sie, dass Sie dort anfangs weder Redaktor, geschweige denn Chefredaktor werden wollten. Sie wollten «nur» Journalist sein.</p>
</div><div class="answer"><h4>Rusbridger:</h4> <p>Ja, ich bin dort direkt nach der Universität als einfacher Autor eingestiegen. Und das habe ich sechs Jahre lang mit Freude gemacht. Dann habe ich fast drei Jahre lang Kolumnen geschrieben. In den ersten neun oder zehn Jahren meiner journalistischen Laufbahn habe ich also nie über eine Stelle als Redaktor nachgedacht. Ich war überzeugt, da hätte man ein ziemlich langweiliges Leben (lacht). Redaktoren waren für mich Leute, die nie ihr Büro verlassen und nie das empfinden dürfen, was für mich die «Freude an aktueller Berichterstattung» ist. Aber dann wurde ich von meinem Vorgesetzten darum gebeten, selbst ein wenig zu redigieren und stellte fest, dass mir das ganz gut gefiel.</p>
</div><br />
</p>
<p><div class="question"><h4>Hapig:</h4> <p>Welche Rolle spielten persönliche Ambitionen für Ihren Aufstieg innerhalb der «Guardian»-Hierarchie?</p>
</div><div class="answer"><h4>Rusbridger:</h4> <p>Das ist eine interessante Frage. Warum werden Menschen befördert? Meiner Meinung nach hat das seltener mit Ehrgeiz zu tun, als man landläufig vermutet. Ich glaube, die ehrgeizigsten Menschen sind manchmal dann jene, die am Ende doch keinen Erfolg haben, weil sie beinahe zu «hungrig» sind; weil sie zu energisch versuchen, andere aus dem Weg zu drängen. Ich glaube, es gibt wichtigere, aber immer noch weithin unterschätzte Aspekte – dass man nett zu den Leuten ist, mit denen man arbeitet; dass man nicht launisch oder überbordend pessimistisch agiert. Dass man bereit ist, sich einzubringen; dass man ein gutes Urteilsvermögen und einen ausgeprägten Sinn für Humor hat.</p>
</div></p>
<blockquote><p>«Nach einer Reise durch die USA Anfang der 1990er-Jahre hatte ich das Gefühl, dass ich meine Kolleginnen und Kollegen wachrütteln muss.»</p></blockquote>
<p><div class="question"><h4>Hapig:</h4> <p>Wenn in Hollywood-Filmen grosse Medienunternehmen gezeigt werden, haben diese sehr oft einen exzentrischen, strengen Chefredaktor, der nur schreiend mit seinem Team kommuniziert. «Wir müssen das bis morgen früh gedruckt haben, sonst rollen hier Köpfe!»&#8230; Aber die Attribute, die Sie schildern, sind das genaue Gegenteil dieses Klischees.</p>
</div><div class="answer"><h4>Rusbridger:</h4> <p>Ich glaube, es gibt tatsächlich ein paar Zeitungen, die so funktionieren; es gibt solche Chefredaktoren durchaus auch heute noch. Das ist wohl auch eine Frage der Unternehmenskultur: Der «Guardian» wird, wie Sie vielleicht wissen, von einer Stiftung getragen; es gab also keine Eigentümerschaft, die Druck auf mich ausübte oder meine Freiheiten einschränkte. Das machte es mir wiederum einfacher, horizontale Strukturen zu etablieren…</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>Hapig:</h4> <p>…und, soweit ich das von aussen beurteilen kann, kontinuierlich auf Innovationen zu setzen: Unter Ihrer Führung wurde der «Guardian» eine der ersten Zeitungen in Europa, die eine konsequente Digitalisierungs-strategie verfolgte. Wie kam es dazu?</p>
</div><div class="answer"><h4>Rusbridger:</h4> <p>Ich habe in den früher 1990er Jahren eine Reise quer durch die Vereinigten Staaten gemacht. Amerika war da bereits wesentlich «vernetzter» als Grossbritannien. Obwohl die Technologie noch in den Kinderschuhen steckte, konnte man bei Zeitungen wie der «Chicago Tribune» oder der «San Jose Mercury News» und in gewissem Masse auch bei der «New York Times» regelrecht in eine Glaskugel schauen. Beim «Guardian» hatten wir damals &#8230; einen Computer. Man musste kein Genie sein, um zu denken: «In zehn Jahren werde ich die ganze Zeitung mit Lichtgeschwindigkeit auf meinem Computerbildschirm empfangen, ohne jegliche Vertriebskosten. Und das wird nicht gut für das Medium Print sein.» Als ich wieder in England war, hatte ich das Gefühl, dass ich meine Kolleginnen und Kollegen «wachrütteln» muss. Und das war der Beginn eines Prozesses, der sowohl aufregend als auch, ja, manchmal ein wenig beängstigend war.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>Hapig:</h4> <p>Da Sie diese Dualität ansprechen: Fiel es Ihnen leicht, grundlegende Veränderungen in Ihrer Branche anzunehmen, oder wünschten Sie sich manchmal zurück in weniger aufreibende Zeiten?</p>
</div><div class="answer"><h4>Rusbridger:</h4> <p>Was ich sagen kann ist, dass ich wahrscheinlich zu jedem anderen Moment innerhalb der vergangenen dreihundert Jahren eine andere Art von Redaktor gewesen wäre als jener, zu dem diese Zeiten des Umbruchs mich machten. Niemand wusste ja, wie genau die Geschichte ausgeht – wie die Digitalisierung sich entwickeln; was bleiben und was vergehen würde. Hätte man da postuliert: «Ich bin der Messias. Folgt mir, ich werde euch in das gelobte Land führen», dann wäre man apriori zum Scheitern verurteilt gewesen. Vielmehr musste man verschiedene Gruppen von Menschen ins Boot holen – die, die voll und ganz hinter dem Projekt standen und die Notwendigkeit der Digitalisierung erkannten; jene, die bereit waren, sich von guten Argumenten überzeugen zu lassen … und dann noch die, die das alles für verrückt hielten (lacht).</p>
</div></p>
<blockquote><p>«Meine Methode ist es immer gewesen, so viel wie möglich mit den Leuten zu sprechen, gerade in herausfordernden Situationen.»</p></blockquote>
<p><div class="question"><h4>Hapig:</h4> <p>Wie blieben Sie Skepsis und Widerspruch gegenüber offen? Mit zunehmender Verantwortung in einem Unternehmen oder einer Redaktion nimmt ja oft die Anzahl derer, die einen kritisieren, ab … ?</p>
</div><div class="answer"><h4>Rusbridger:</h4> <p>Ja, das macht ein so grosses Projekt wie die Implementierung einer Digitalstrategie noch komplexer. Man muss Menschen um sich herum haben, die weitestgehend mit einem d’accord sind, sonst bekommt man nichts zu Stande. Gleichzeitig muss man aber auch bereit sein, Gegenargumente zu hören. Es ist also eine Gratwanderung. Meine Methode ist es immer gewesen, so viel wie möglich mit den Leuten zu sprechen, gerade in herausfordernden Situationen. Man muss kontinuierlich erklären, was man tun will, warum man es tun will und bereit sein, von den Kolleginnen und Kollegen zu lernen.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>Hapig:</h4> <p>«Lernen» ist ein gutes Stichwort: Journalisten auf der ganzen Welt haben von Ihnen und Ihren Kollegen gelernt; insbesondere, wenn es um investigativen Journalismus geht. Sie haben einen Pulitzer-Preis für die Veröffentlichung der NSA-Enthüllungen erhalten, Sie haben über WikiLeaks berichtet. Der «Guardian» geriet in den Fokus von Regierungen und Geheimdiensten, es gab Einschüchterungsversuche. Wie brachten Sie die Courage auf, immer weiterzumachen?</p>
</div><div class="answer"><h4>Rusbridger:</h4> <p>Nun, ich denke, darauf gibt es zwei Antworten. Die eine ist: Das ist unser Job.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>Hapig:</h4> <p>Das ist eine charmante Betrachtungsweise, weil sie so nüchtern klingt.</p>
</div><div class="answer"><h4>Rusbridger:</h4> <p>Es gibt einen sehr vulgären britischen Ausdruck, der lautet: «Piss or get off the pot». Gibt es dafür eine Entsprechung in der Schweiz? Wenn Du nicht pinkeln willst, dann geh runter von der Toilette und lass jemand anderen drauf … (lacht). Wenn ich an die Menschen denke, die wirklich Risiken eingegangen sind – Reporter, die Monate, manchmal Jahre ihres Lebens an einer Geschichte arbeiteten, die sich in gefährliche Situationen begaben –, dann war meine Aufgabe, diese Stories auf zuverlässige Art und Weise in die Zeitung zu bringen, ein Klacks dagegen. Aber wenn einem das trotzdem Angst macht, dann sollten man nicht Chefredaktor werden. Die zweite Antwort ist, und das nimmt Bezug auf das, was ich vorhin gesagt habe: Wenn man ein wunderbares Team und eine Organisation hat, die ein bestimmtes Idealbild von Journalismus verteidigt, dann schöpft man daraus seine Kraft. Manchmal brauchten wir ausgezeichnete Technologen, die Dinge verschlüsselten und uns sagen konnten, wie wir uns im digitalen Raum verhalten sollen. Wir hatten fantastische Anwälte, die selbst sehr mutig und clever agiert haben. Manchmal ging es auch um PR: Als wir etwa die <a href="https://www.theguardian.com/us-news/the-nsa-files" rel="noopener" target="_blank">Snowden-Stories</a> brachten und ich deshalb sogar vor dem Parlament aussagen musste, hatten wir Unterstützung in der Öffentlichkeitsarbeit. Alle Beteiligten halfen und stützten sich gegenseitig.</p>
</div></p>
<blockquote><p>«Journalismus bedeutete drei Jahrhunderte lang, dass wir praktisch «senden» konnten, was wir wollten.»</p></blockquote>
<p><div class="question"><h4>Hapig:</h4> <p>Wir haben darüber gesprochen, wie sich der Journalismus, wie sich die redaktionelle Seite der Dinge verändert hat. Wie hat sich denn die Leserschaft in den vergangenen Jahren entwickelt?</p>
</div><div class="answer"><h4>Rusbridger:</h4> <p>Es scheint fast etwas platt, das heute zu sagen, aber vor zwanzig Jahren war das nicht unbedingt offensichtlich: Journalismus bedeutete drei Jahrhunderte lang, dass wir praktisch «senden» konnten, was wir wollten. Man publizierte ein- und dieselbe Nachricht für hunderte, tausende, Millionen von Menschen, und es gab keinen Möglichkeit für diese, darauf zu reagieren. Ausser vielleicht, der Redaktion einen Brief zu schreiben. Journalisten hatten also die totale Kontrolle. So sah die Welt noch aus, als ich 1995 die Leitung des «Guardian» übernahm. Heute gibt es vier Milliarden Menschen auf der Erde, die die Möglichkeit haben, ihre Meinung zu äussern, zu berichten oder das Gelesene in Frage zu stellen. Es war und ist, denke ich, das Schwierigste für Journalisten, diese Tatsache anzunehmen. Wir hatten das Spielfeld lange für uns allein. Und jetzt fordern die Leute uns heraus, beleidigen uns und sind unhöflich zu uns. Oder betätigen sich selbst als Reporter. Ich kann mir nichts vorstellen, das das Gefühl der Exklusivität, das Journalisten so lange Zeit hatten, stärker untergraben würde.</p>
</div></p>

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<p><div class="question"><h4>Hapig:</h4> <p>Was ist Ihrer Meinung nach eine angemessene Reaktion?</p>
</div><div class="answer"><h4>Rusbridger:</h4> <p>Man kann auf verschiedene Arten reagieren. Einige Nachrichtenorganisationen haben sozusagen die Zugbrücke hochgezogen: «Wir wissen, dass die Leserschaft da draussen ist, aber wir wollen nichts von ihnen hören. Wir wissen nicht, wie wir eine Beziehung aufbauen sollen, also wollen wir diese Beziehung lieber gar nicht haben. Und wenn dieses oder jenes auf Twitter über uns gesagt wird, sind wir sind nicht interessiert.» Andere hingegen haben kein Problem damit, mit der Leserschaft zu interagieren und fördern sogar, dass man sie korrigiert. Die sagen dann beispielsweise: «Oh, Sie sind ein Gehirnchirurg. Sie wissen wahrscheinlich mehr über das Thema als unser Medizin-Korrespondent. Vielleicht möchten Sie ja einige unserer Artikel kritisch analysieren, ehe wir sie publizieren?»</p>
</div></p>
<blockquote><p>«Ich habe den Eindruck, dass viele Themen nur noch vor dem Hintergrund einer extremen Polarisierung thematisiert werden.»</p></blockquote>
<p><div class="question"><h4>Hapig:</h4> <p>Glauben Sie denn, dass die Leserinnen und Leser Zeit für so etwas haben; dass ihnen überhaupt noch Zeit und die nötige Aufmerksamkeit für anspruchsvollen, tiefgründigen Journalismus bleiben?</p>
</div><div class="answer"><h4>Rusbridger:</h4> <p>Es mag wie eine weitere Plattitüde klingen, aber in der Tat hat sich in den letzten zehn, fünfzehn Jahren mit der Erfindung von Smartphones und Tablets alles beschleunigt: Die Leute schalten morgens ihr Mobiltelefon ein und wollen den ganzen Tag über pointiert auf dem Laufenden gehalten werden. Der geistige Raum zum Nachdenken; die Zeit, in der man mit Menschen spricht, ein Buch liest oder recherchiert, ist viel weniger geworden. Das bedeutet aber auch, dass der Journalismus – zum Beispiel mit einem Monatsmagazin wie «Prospect» – die Chance hat, diesen Raum wieder zu öffnen. Darüber hinaus halte ich es für essentiell, dass wir dem Motto «escape the echo chamber» folgen. Ich habe den Eindruck, dass viele Themen nur noch vor dem Hintergrund einer extremen Polarisierung thematisiert werden. Aber Dinge sind nicht immer nur links oder rechts, nicht immer nur schwarz oder weiss. Es ist so wichtig, dass die Menschen zwei Seiten einer Frage kennen, drei Seiten einer Frage. In Grossbritannien gibt es zum Beispiel die wichtige Diskussion über die Rechte von Trans-Personen, die sich zunehmend als unmöglich erweist, weil die Argumente von beiden Seiten derart mit Wut und Frustration aufgeladen sind. In <a href="https://www.prospectmagazine.co.uk/issues/january-february-2022" rel="noopener" target="_blank">meiner ersten Ausgabe von «Prospect»</a> sprechen daher <a href="https://www.prospectmagazine.co.uk/essays/gender-wars-two-opposing-perspectives-on-the-trans-and-womens-rights-debate" rel="noopener" target="_blank">Vertreter zweier unterschiedlicher Positionen</a> über das Thema; wir stellen gegenläufige Thesen nebeneinander. In der Hoffnung, dass sich so ein ruhiger, reflektierter Dialog ergibt.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>Hapig:</h4> <p>Eine grosse Aufgabe.</p>
</div><div class="answer"><h4>Rusbridger:</h4> <p>Nun, in dem Essay, den ich für die erste Ausgabe des Magazins geschrieben habe, sage ich der Leserschaft: «Wir werden Ihnen nie diktieren, was Sie wählen oder denken sollen.» Aber wir werden den Menschen Optionen geben. Ich empfinde es als grosse Befreiung, dass ich mich nicht für eine Seite entscheiden muss. Und der Sinn des Magazins ist nicht, die eine oder andere Seite des politischen Spektrums zu unterstützen. Ich kann mir gut vorstellen, viele Dinge zu veröffentlichen, bei denen ich persönlich mich unwohl fühle oder mit denen ich nicht einverstanden bin – denn das spielt keine Rolle! Und das ist ungeheuer spannend, weil es bedeutet, dass wir Ideen folgen können, mit denen wir uns selbst ebenso wie unsere Leserschaft herausfordern.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>Hapig:</h4> <p>Zum Abschluss möchte ich Sie noch etwas fragen, das Ihr Buch <a href="https://uebenundmusizieren.de/artikel/play-it-again/" rel="noopener" target="_blank">«Play It Again»</a> betrifft. Dort schreiben Sie darüber, wie Sie ein hoch komplexes Chopin-Stück lernten, um sich vom Stress des Berufsalltags zu erholen. Welche Rolle spielt die Musik in Ihrem Leben?</p>
</div><div class="answer"><h4>Rusbridger:</h4> <p>Viele Berufe können zu einer Art der Besessenheit führen; das ganze Leben beherrschen. Und ich denke, das gilt ganz besonders für den Journalismus, denn – naja, Nachrichten gibt es immer. Die Tatsache, dass man Feierabend macht und ins Bett geht hält die Nachrichten nicht davon ab, zu «erscheinen». Man muss also etwas finden, das einem hilft, von Zeit zu Zeit zu «entkommen». Ich lese den ganzen Tag im Büro, deswegen fällt es mir schwer, damit zu entspannen. Meine zwanzig Minuten Musik am Tag helfen mir viel besser, bei klarem Verstand zu bleiben (lacht). Als ich «Play It Again» schrieb, sprach ich mit einer Reihe von Neurowissenschaftlern und bat sie um eine wissenschaftliche Einschätzung: Sie sagten mir, simpel gesprochen, dass man beim Musizieren einfach einen anderen Teil des Gehirns benutzt, und dass das gut ist. In diesen zwanzig Minuten ruht sich der Teil des Gehirns aus, der sonst zwanghaft über Nachrichten nachdenken würde. Ich kann es nicht vollständig beweisen, aber es scheint sehr hilfreich zu sein, um ein Gleichgewicht zu finden.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>Hapig:</h4> <p>Da bekomme ich direkt Lust, das auch zu versuchen. Ich habe früher einmal Gitarre gespielt, das aber irgendwann sein gelassen.</p>
</div><div class="answer"><h4>Rusbridger:</h4> <p>Ja. Versuchen Sie es noch einmal. Oder, wie es im Buch heisst: «Play It Again».</p>
</div></p>
<p><small>Das Gespräch führte der Autor am 10. Dezember 2021 via Zoom. Es ist zuerst in der Ausgabe 1-2/2022 von <a href="https://www.werbewoche.ch/de/" rel="noopener" target="_blank">«m&#038;k – Das Magazin für Marketing und Kommunikation»</a> erschienen. Wir bedanken uns für die Möglichkeit, das Interview auch in der MEDIENWOCHE veröffentlichen zu dürfen.</small></p>
<p><small>Bild: Keystone</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2022/03/04/es-ist-wichtig-dass-die-menschen-verschiedene-seiten-einer-frage-kennen/">«Es ist wichtig, dass die Menschen verschiedene Seiten einer Frage kennen»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Vier Medienmacher im Oberaargau schwimmen gegen den Strom</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2021/06/05/vier-medienmacher-im-oberaargau-schwimmen-gegen-den-strom/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 05 Jun 2021 08:10:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Oberaargau]]></category>
		<category><![CDATA[Wurzel]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=89133</guid>

					<description><![CDATA[<p>Ausgerechnet in der Corona-Krise, wo die Werbeeinnahmen zurückgehen, lancieren Marcel Bieri, Klaus Zaugg sowie Sebastian und Bruno Wüthrich ein neues Magazin für den Oberaargau.Sie sind zuversichtlich, dass «Wurzel» mit langen Interviews, ausführlichen Geschichten und überraschenden Themen eine Leserschaft findet. Nobodys sind die vier in der Medienszene nicht.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/06/05/vier-medienmacher-im-oberaargau-schwimmen-gegen-den-strom/">Vier Medienmacher im Oberaargau schwimmen gegen den Strom</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ausgerechnet in der Corona-Krise, wo die Werbeeinnahmen zurückgehen, lancieren Marcel Bieri, Klaus Zaugg sowie Sebastian und Bruno Wüthrich ein neues Magazin für den Oberaargau.Sie sind zuversichtlich, dass «Wurzel» mit langen Interviews, ausführlichen Geschichten und überraschenden Themen eine Leserschaft findet. Nobodys sind die vier in der Medienszene nicht.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/06/05/vier-medienmacher-im-oberaargau-schwimmen-gegen-den-strom/">Vier Medienmacher im Oberaargau schwimmen gegen den Strom</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>«Der ‹Beobachter› ist eine Maschine, mit der man die Welt verändern kann»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2021/06/03/die-punkte-finden-mit-denen-man-die-welt-aus-den-angeln-heben-kann/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ann-Kathrin Schäfer]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 03 Jun 2021 07:08:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Beobachter]]></category>
		<category><![CDATA[Dominique Strebel]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=89016</guid>

					<description><![CDATA[<p>Seit Anfang Mai arbeitet Dominique Strebel als Chefredaktor des «Beobachter». Mit juristischem Fachwissen und hartnäckiger Recherche hat der Journalist in der Vergangenheit bereits zahlreiche Missstände aufgedeckt. Die letzten Jahre war er Studienleiter an der Journalistenschule MAZ. Im MEDIENWOCHE-Porträt spricht Strebel über seine Motivation und seinen Werdegang. «Wieder beim ‹Beobachter› zu sein, fühlt sich an wie <a href="https://medienwoche.ch/2021/06/03/die-punkte-finden-mit-denen-man-die-welt-aus-den-angeln-heben-kann/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/06/MW-Interview-Dominique-Strebel-Beobachter-20210603a.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img decoding="async" class="alignnone wp-image-89017 size-full" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/06/MW-Interview-Dominique-Strebel-Beobachter-20210603a.jpg" alt="Dominique Strebel" width="1456" height="976" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/06/MW-Interview-Dominique-Strebel-Beobachter-20210603a.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/06/MW-Interview-Dominique-Strebel-Beobachter-20210603a-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/06/MW-Interview-Dominique-Strebel-Beobachter-20210603a-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/06/MW-Interview-Dominique-Strebel-Beobachter-20210603a-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/06/MW-Interview-Dominique-Strebel-Beobachter-20210603a-470x315.jpg 470w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /></a></p>
<p><strong>Seit Anfang Mai arbeitet Dominique Strebel als Chefredaktor des «Beobachter». Mit juristischem Fachwissen und hartnäckiger Recherche hat der Journalist in der Vergangenheit bereits zahlreiche Missstände aufgedeckt. Die letzten Jahre war er Studienleiter an der Journalistenschule MAZ. Im MEDIENWOCHE-Porträt spricht Strebel über seine Motivation und seinen Werdegang.</strong></p>
<p>«Wieder beim ‹Beobachter› zu sein, fühlt sich an wie Heimkommen», sagt Dominique Strebel. Seit Anfang Mai verantwortet er als neuer Chefredaktor die Printausgabe und den Onlineauftritt des fast hundertjährigen Schweizer Publikumsmediums. Er sei gut aufgenommen worden von den neuen und den ehemaligen Kollegen, sagt der 54-Jährige, der bereits von 2005 bis 2012 als Redaktor beim «Beobachter» angestellt war, damals noch an der Förrlibuckstrasse im Zürcher Kreis 5. Mittlerweile befindet sich die Redaktion im «Medienpark» von Ringier Axel Springer Schweiz in Zürich Altstetten.<br />
</p>
<p>Strebel führt durch das Grossraumbüro und bleibt etwas unschlüssig vor zwei Sesseln, getrennt durch eine Plexiglasscheibe, stehen. «Zur Benutzung frei – bitte setzen», steht auf einem Schild. Wir setzen uns. Die Schreibtische, die sich hinter seinem Rücken erstrecken, sind aufgeräumt, die Bildschirme dunkel. Es ist still in der sonst so lebendigen Redaktion, die sich coronabedingt im Homeoffice befindet. Durch die FFP2-Maske sagt Strebel:</p>
<blockquote><p>«Der Laden läuft und trotzdem komme ich mir vor wie im Rodeo. Ich muss aufpassen, dass ich – überspült von Video-Calls, neuen IT-Tools und neuen Aufgaben – im Sattel bleibe.»</p></blockquote>
<p>Strebel trägt ein Jackett aus Cord über einem hellblauen Hemd, eine Hornbrille, an den Fingern zwei silberne Ringe, die graumelierten Haare sind kurz geschnitten.</p>
<p>Seinen ersten Text als neuer Chefredaktor hat er just einige Stunden vor dem Termin für dieses Gespräch in den sozialen Medien geteilt: ein Kommentar über eine geplante Gesetzesänderung, die die Medienfreiheit einzuschränken droht. Das Thema passt: Dominique Strebel ist nicht nur Journalist, sondern auch Jurist – wie der «Beobachter» vereint er seit jeher juristische mit journalistischer Expertise.</p>
							<h3 style="margin-bottom:20px;display:block;width:100%;margin-top:10px">Zur Person </h3>
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									Jurist und Journalist								</span>
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							<p>Dominique Strebel arbeitet seit Mai 2021 als Chefredaktor des «Beobachter». Der 54-Jährige Jurist ist unter anderem Co-Autor des Buches <a href="https://www.saldo.ch/shop/buchdetail/buchdetail/medienrecht-fuer-die-praxis/" rel="noopener" target="_blank">«Medienrecht für die Praxis»</a> und Co-Herausgeber des Buches «Recherche in der Praxis». In seinem Blog <a href="https://dominiquestrebel.wordpress.com/" rel="noopener" target="_blank">«Recht brauchbar»</a> schreibt er über Missstände in der Justiz und über Urteile, die für Medienschaffende relevant sind. Er initiierte das Whistleblowerportal <a href="https://sichermelden.ch/" rel="noopener" target="_blank">sichermelden.ch</a> und half als Gründungspräsident, das Schweizer Recherchenetzwerk <a href="https://investigativ.ch/" rel="noopener" target="_blank">investigativ.ch</a> aus der Taufe zu heben.</p>

<p>Strebel hat in Bern Jus studiert, arbeitete anschliessend als Bundesgerichtskorrespondent für Radio DRS und «Basler Zeitung» und später als Redaktor für die juristische Fachzeitschrift <a href="https://www.plaedoyer.ch/" rel="noopener" target="_blank">«Plädoyer»</a>. Als «Beobachter»-Redaktor erreichte er mit zwei Musterprozessen (im Fall Roland Nef und Fifa), dass Strafbefehle öffentlich aufgelegt werden müssen und Einstellungsverfügungen auf Gesuch hin einsehbar sind. Ausserdem gab er sogenannten administrativ Versorgten in der Schweiz eine Stimme und ebnete den Weg zu ihrer Rehabilitierung. In den letzten achteinhalb Jahren leitete Strebel die Diplomausbildung an der Schweizer Journalistenschule MAZ und den <a href="https://www.maz.ch/kurs/cas-datenjournalismus" rel="noopener" target="_blank">CAS Datenjournalismus</a>. Nebenbei berichtete er über Gerichtsfälle für das Online-Magazin «Republik» und arbeitete zeitweise für «Tages-Anzeiger» und «SRF-Data». Strebel lebt mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern in Zürich-Wiedikon.</p>						  </div>
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<p>Als die Anfrage für die Stelle als Chefredaktor kam, war Dominique Strebel seit achteinhalb Jahren als Co-Studienleiter an der Journalistenschule MAZ in Luzern tätig. Er strukturierte die Diplomausbildung neu, initiierte Reformen und dozierte über Medienrecht, investigative Recherche und Medienethik. Alexandra Stark, die am MAZ eng mit ihm zusammenarbeitete, sagt: «Ich habe wahnsinnig bewundert, wie viel Power er hat. Er hat einen grossen Gestaltungswillen und dabei sowohl Weitblick wie auch Liebe zum Detail.» Er tue seine Meinung auch dann kund, wenn sie nicht gern gehört werde, und überzeuge mit seiner faktenbasierten Argumentationsweise. Zum Abschied erhält er ein Video mit 60 Grussbotschaften von Studierenden. Viele danken Strebel dafür, dass er immer für sie ansprechbar gewesen sei. «Er hat die Studierenden nicht nur mit seiner Begeisterung für den Beruf angesteckt, sondern hat auch viele Jobs vermittelt und sie motiviert etwas zu wagen», sagt Alexandra Stark.</p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/06/Dominique-Strebel-20210512-DSCF0501.jpg" data-rel="lightbox-image-1" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img decoding="async" class="alignnone wp-image-89035 size-full" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/06/Dominique-Strebel-20210512-DSCF0501.jpg" alt="" width="1440" height="960" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/06/Dominique-Strebel-20210512-DSCF0501.jpg 1440w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/06/Dominique-Strebel-20210512-DSCF0501-300x200.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/06/Dominique-Strebel-20210512-DSCF0501-768x512.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/06/Dominique-Strebel-20210512-DSCF0501-1024x683.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/06/Dominique-Strebel-20210512-DSCF0501-728x485.jpg 728w" sizes="(max-width: 1440px) 100vw, 1440px" /></a></p>
<p>Dominique Strebel spricht mit leuchtenden Augen über seine Zeit am MAZ, etwa über die von ihm initiierte Lancierung eines Lehrgangs für Datenjournalismus. «Ich verspürte ein Kribbeln, als ich merkte, wie eine vorwärts gerichtete, neugierige, kreative Gruppendynamik entstand», sagt er. «Die Lust am Lernen, die Überforderung beim Programmieren, wie sich dann die Teilnehmerinnen und Teilnehmer halfen und lachten und blieben, bis sie es verstanden hatten. Dieser Pioniergeist!» Diese Stimmung will Strebel nun auch in der «Beobachter»-Redaktion entstehen lassen. «Das Gefühl von: Hey, wir reissen das zusammen und gehen vorwärts!»</p>

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            [rml_read_more]
<p>Die Begeisterung für den Beruf habe wohl von seinem Vater, der Chefarzt war, auf ihn abgefärbt, vermutet Strebel. Er wächst mit einem älteren Bruder und einer jüngeren Schwester im aargauischen Muri auf, besucht die Kanti in Wohlen, geht als Jugendlicher in Aarau und in Zürich in den Ausgang. Die Mutter ist Hausfrau, später Erwachsenenbildnerin. Der Onkel, Anwalt und Ständerat, übt ebenfalls einen entscheidenden Einfluss auf Strebels Werdegang aus:</p>
<blockquote><p>«Ich wollte nicht Politiker werden wie mein Onkel, sondern der Politik und Machtträgern auf die Finger schauen!»</p></blockquote>
<p>Mit 20 zieht Dominique Strebel für das Jus-Studium nach Bern. Zeitgleich beginnt er für die von der Landeskirche finanzierte Sendung «Chrüz und quer» des damaligen Berner Lokalradios «Förderband» Beiträge über Sinnfragen zu produzieren. Etwa ein Porträt über eine aidskranke Mutter oder eine Reportage über einen Obdachlosen. Die journalistische Arbeit habe ihn im Studium gehalten, sagt er rückblickend. «Mit dem Mikrofon eine Nacht lang durch die Stadt laufen, Menschen befragen, die Atmosphäre aufnehmen – das brauchte ich, um die blutleere analytische Ebene des Studiums und auch die Kommilitonen, die Karrieren als Wirtschaftsanwälte anstrebten, ertragen zu können.»</p>
<p>Gleichzeitig half ihm das Studium zu erkennen, wie man etwa dem befragten Obdachlosen nachhaltig helfen könnte. «So fing mein Zweitakter an zu laufen: Über den Journalismus erlebte ich hinter dem Mikrofon direkt die Welt. Und über die Juristerei lernte ich, wie sich in unserer Gesellschaft Veränderungen zum Guten, zum Gerechten, zum Befreienden bewirken lassen.» Dominique Strebel lacht, seine blaugrauen Augen leuchten:</p>
<blockquote><p>«Man muss nur die Punkte finden, mit denen man die Welt aus den Angeln heben kann.»</p></blockquote>
<p>Das töne jetzt gross, aber genau so sei es. «Es ist wie mit vierblättrigen Kleeblättern: Gezielt finden kann man sie nicht. Aber es braucht die latente Aufmerksamkeit.»</p>
<p>Besonders in Erinnerung geblieben ist Strebel der Mordfall an Christine Zwahlen in Kehrsatz. Als er nach dem Studium als Bundesgerichtskorrespondent für Radio und Zeitung arbeitet, verschlingt er die Berichterstattung über den Prozess. Ist fasziniert, als Medienberichte von Hanspeter Born in der Weltwoche dazu beitragen, dass der Fall neu aufgerollt wird. Und stolz, zusammen mit anderen «spannenden Leuten» Teil des fünfwöchigen Revisionsprozesses zu sein, in dem der zuerst verurteilte Ehemann der Ermordeten schliesslich freigesprochen wird. Strebel wird auf Partys umringt, weil alle die neueste Wendung im «Fall Zwahlen» interessiert. «Dieser Kriminalfall war spannend wie eine Serie, es liefen unglaublich viele Geschichten auf verschiedensten Ebenen ab», erinnert sich Strebel, der täglich für Radio und Zeitung berichtet und am Ende mit Kollegen ein Buch über den Fall herausgibt.</p>
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<p>1997 beschliesst er trotzdem, seinen Beruf als Journalist vorerst an den Nagel zu hängen. «Ich hatte das Gefühl, dass das doch nicht alles gewesen sein konnte. Ich wollte meinen alten Traum am Wickel packen und etwas richtig Kreatives machen.» Der damals 30-Jährige reist nach San Francisco. Dort überlegt er einen Roman zu schreiben, besucht einen Improvisationstheaterkurs und lebt einen Monat lang in einem buddhistischen Kloster mit Blick auf den Pazifik, wo er das Meditieren erlernt. Dominique Strebel besucht bis heute einmal jährlich das Meditationszentrum Beatenberg und meditiert jeden Morgen 30 Minuten lang. «Ein Ritual wie Zähneputzen. Meditation schützt vor seelischem, psychischen, geistigem Leid so wie Fluor vor Karies schützt.» Sein Ziel sei, dass die Meditation sein Alltagsleben durchdringe, so dass die Ruhe und Weite auch in Stresssituationen bestehen bleibe:</p>
<blockquote><p>«Ich möchte in jedem Lärm noch die Stille hören.»</p></blockquote>
<p>Nach seinem USA-Aufenthalt zieht Dominique Strebel nicht zurück nach Bern, sondern nach Zürich, wo er noch heute lebt. «Ich wollte an einen Ort, der offener und grösser ist», erinnert er sich. Er meditiert, spielt am Theater und arbeitet Teilzeit für die juristische Fachzeitschrift «Plädoyer». Er lernt seine Frau kennen, mit der er noch heute, 22 Jahre später, im Konkubinat zusammenlebt. «Ich habe mich immer gegen das Heiraten gewehrt. Im Konkubinat muss man alles so regeln, als ginge man jeden Moment auseinander. Das befreit.»</p>
<p>Und er schwankt. Sollte er doch noch die Anwaltsprüfung ablegen? Oder die Schauspielerei zum Beruf machen?</p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/06/Strebel-Kuebler-20210512-DSCF0560.jpg" data-rel="lightbox-image-3" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-89040 size-full" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/06/Strebel-Kuebler-20210512-DSCF0560.jpg" alt="" width="1440" height="960" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/06/Strebel-Kuebler-20210512-DSCF0560.jpg 1440w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/06/Strebel-Kuebler-20210512-DSCF0560-300x200.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/06/Strebel-Kuebler-20210512-DSCF0560-768x512.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/06/Strebel-Kuebler-20210512-DSCF0560-1024x683.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/06/Strebel-Kuebler-20210512-DSCF0560-728x485.jpg 728w" sizes="auto, (max-width: 1440px) 100vw, 1440px" /></a></p>
<p>Die Antwort findet er mit dem ersten Kind. Dominique Strebel, 35 Jahre alt, hält seine kleine Tochter auf dem Arm, spürt ihre Wärme und erlebt, wie er es ausdrückt, eine unmittelbare, existenzielle Klarheit. «Mit meinem Kind wurde mir Sinn geschenkt», sagt er, «und das Empfinden von einem geglückten Leben. Ich erinnere mich noch gut an diesen befreienden Moment, nachdem ich mich im Leben oft vergeblich nach Sinn gesehnt hatte.» Das Elternpaar teilt sich die Kinderbetreuung zu fast gleichen Teilen auf. «Ich will mich auch erleben als Mensch, der über den Regenwurm staunt, der Geschichten erfindet und der nicht nur Berufsmensch ist.» Beruflich setzt Strebel – «mit einem Kind weiss man endlich, wozu man Geld verdient» – nun klar auf den Journalismus, im Teilzeitmodell. Arbeitet zunächst verstärkt als freier Journalist und erhält 2005 eine Festanstellung in der «Beobachter»-Redaktion, wo er sich seinen Namen als investigativer Journalist macht.</p>
<p>Bekannt sind seine mitunter preisgekrönten Artikel über sogenannte fürsorgliche Zwangsmassnahmen. Strebel schreibt über mehrere Jahre Portraits und Reportagen über betroffene administrativ Versorgte und Zwangssterilisierte, erstellt aber auch Musterbriefe zur Archiveinsicht für die Betroffenen, schreibt ein Buch über seine Recherchen und veröffentlicht einen Forderungskatalog an die Politik. Er arbeitet sorgfältig, prüft die Fakten und bleibt dran. Bereits in der Vergangenheit wurde dieses dunkle Schweizer Kapitel journalistisch aufgenommen, allerdings ohne Folgen. Das ändert sich nun. Der Bundesrat entschuldigt sich 2010 erstmals öffentlich bei den Betroffenen, spricht einige Jahre später 300 Millionen Franken Wiedergutmachung. Für seinen damaligen und nun erneuten «Beobachter»-Kollegen Otto Hostettler keine Überraschung. Er beschreibt Strebel als «extrem hartnäckigen Journalisten, der sich nicht schnell zufriedengibt und auch die Konfrontation auf juristischer Ebene nicht scheut».</p>
<p>Dominique Strebel, der 2010 das Recherchenetzwerk investigativ.ch und 2011 die Whistleblower-Plattform sichermelden.ch ins Leben ruft, erinnert sich noch gut an die Zeit als «Beobachter»-Redaktor:</p>
<blockquote><p>«Wenn man tief innen spürt, dass etwas im Sinne des öffentlichen Interesses nicht richtig ist, und zwar nicht im Einzelfall, sondern strukturell und überparteilich Leid erzeugt, gibt einem das die Kraft, um den Beruf über längere Zeit im Einklang mit dem eigenen Gewissen auch bei hoher Belastung durchzustehen.»</p></blockquote>
<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/06/Anne-Katherine-Kuebler-DSCF0541.jpg" data-rel="lightbox-image-4" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-89034" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/06/Anne-Katherine-Kuebler-DSCF0541.jpg" alt="" width="480" height="720" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/06/Anne-Katherine-Kuebler-DSCF0541.jpg 960w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/06/Anne-Katherine-Kuebler-DSCF0541-200x300.jpg 200w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/06/Anne-Katherine-Kuebler-DSCF0541-768x1152.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/06/Anne-Katherine-Kuebler-DSCF0541-683x1024.jpg 683w" sizes="auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px" /></a>Strebel drückt sich überlegt aus. Er spricht mit von tief innen kommender Überzeugung. Man merkt, dass er sich den Themen, denen er sich widmet, voll hingibt und sich intensiv damit beschäftigt. Seine Jobwechsel erklärt er damit, dass sich die Zellen des Körpers alle sieben Jahre austauschen, man dann ein neuer Mensch werde und er wohl deshalb immer wieder die Sehnsucht nach einer Veränderung verspüre. Er philosophiert über das Meditieren; wie sich im Körper alles senke wie das Kaffeepulver in einem türkischen Kaffee und eine grosse Klarheit entstehe. Er schmunzelt über seine eigenen Formulierungen, die teilweise fast wie mathematische Herleitungen klingen, ohne dabei seine Ernsthaftigkeit zu verlieren.</p>
<p>Sein anwaltliches Engagement gegen Ungerechtigkeiten will er nun als Chefredaktor des «Beobachters» fördern. «Wir müssen Geschichten schreiben bis zu dem Punkt, an dem sie wehtun, an dem man sie wahrnehmen muss», sagt er und lehnt sich auf seinem Sessel vor. «Für das Aufdecken von überparteilichen Missständen und für das Einordnen komplexer Informationen gibt es ein gesellschaftliches Bedürfnis wie nach Luft und Wasser.» Dieser Kern habe Zukunft, daran glaube er fest. «Das tönt jetzt ein bisschen gross», sagt er. «Aber am Ende ist der ‹Beobachter› eine Maschine, mit der man die Welt verändern kann.»</p>
<p>Die Leidenschaft, die Dominique Strebel für seinen Beruf empfindet, will er nun seinen Töchtern, die heute 16 und 19 Jahre alt sind, mitgeben. So wie damals sein Vater ihm. Mit der älteren Tochter bespricht er aktuell ihre Berufswünsche. «Wofür man tief innen brennt, gibt einem die Richtung», rät er ihr. «Man muss seinen eigenen Weg finden. Das kann, wie ich selbst weiss, extrem schwierig sein.» Sein Handy klingelt. Er zieht es aus der Hosentasche und schaut aufs Display. «Ah, das ist sie.» Er lächelt, nimmt ab und hält das Handy ans Ohr. «Ja hallo», sagt er. «Ja genau, zum Abendessen bin ich zuhause.»</p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/06/Dominique-Strebel-20210512-DSCF0571.jpg" data-rel="lightbox-image-5" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-89037" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/06/Dominique-Strebel-20210512-DSCF0571.jpg" alt="" width="480" height="720" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/06/Dominique-Strebel-20210512-DSCF0571.jpg 960w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/06/Dominique-Strebel-20210512-DSCF0571-200x300.jpg 200w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/06/Dominique-Strebel-20210512-DSCF0571-768x1152.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/06/Dominique-Strebel-20210512-DSCF0571-683x1024.jpg 683w" sizes="auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px" /></a></p>
<p>Bilder: Marco Leisi</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/06/03/die-punkte-finden-mit-denen-man-die-welt-aus-den-angeln-heben-kann/">«Der ‹Beobachter› ist eine Maschine, mit der man die Welt verändern kann»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Andres Büchi: «Journalist sein zu können, ist ein Privileg»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2021/05/20/andres-buechi-journalist-sein-zu-koennen-ist-ein-privileg/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 20 May 2021 12:08:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Beobachter]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Andres Büchi ist nach 13 Jahren als Chefredaktor des Beobachters in den Ruhestand getreten. Noch bis Oktober bleibt er für diverse Aufgaben in einem Teilzeitpensum bei der Zeitschrift. Büchi über die Traditionsmarke Beobachter und das Brennglas Corona.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/05/20/andres-buechi-journalist-sein-zu-koennen-ist-ein-privileg/">Andres Büchi: «Journalist sein zu können, ist ein Privileg»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Andres Büchi ist nach 13 Jahren als Chefredaktor des Beobachters in den Ruhestand getreten. Noch bis Oktober bleibt er für diverse Aufgaben in einem Teilzeitpensum bei der Zeitschrift. Büchi über die Traditionsmarke Beobachter und das Brennglas Corona.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/05/20/andres-buechi-journalist-sein-zu-koennen-ist-ein-privileg/">Andres Büchi: «Journalist sein zu können, ist ein Privileg»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>«Annabelle»: Neuer Verlag, neues Glück</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2021/04/22/annabelle-neuer-verlag-neues-glueck/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Anna Kohler]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 Apr 2021 15:43:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Annabelle]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Vor eineinhalb Jahren übernahm der Aargauer Verlag Medienart das Frauenmagazin «Annabelle» von Tamedia. Jacqueline Krause-Blouin ist Chefredaktorin des Traditionstitels. Was treibt sie an und wie führt sie die «Annabelle» in die Zukunft? Die Gegenwart sieht rosig aus, so rosig, wie der Schriftzug, der im Zentrum der neuen Redaktionsräume im Zürcher «Viadukt» hängt. Als der Verlag <a href="https://medienwoche.ch/2021/04/22/annabelle-neuer-verlag-neues-glueck/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Vor eineinhalb Jahren übernahm der Aargauer Verlag Medienart das Frauenmagazin «Annabelle» von Tamedia. Jacqueline Krause-Blouin ist Chefredaktorin des Traditionstitels. Was treibt sie an und wie führt sie die «Annabelle» in die Zukunft?</strong><br />
<img loading="lazy" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/04/MW-jacqueline-blouin-annabelle-20210422b.jpg" alt="" width="1456" height="976" class="alignnone size-full wp-image-87938" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/04/MW-jacqueline-blouin-annabelle-20210422b.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/04/MW-jacqueline-blouin-annabelle-20210422b-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/04/MW-jacqueline-blouin-annabelle-20210422b-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/04/MW-jacqueline-blouin-annabelle-20210422b-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/04/MW-jacqueline-blouin-annabelle-20210422b-470x315.jpg 470w" sizes="auto, (max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
Die Gegenwart sieht rosig aus, so rosig, wie der Schriftzug, der im Zentrum der neuen Redaktionsräume im Zürcher «Viadukt» hängt. Als der Verlag <a href="https://www.medienart.ch/" rel="noopener" target="_blank">Medienart</a> die <a href="https://www.annabelle.ch/" rel="noopener" target="_blank">«Annabelle»</a> gekauft hat, suchte man eine neue Bleibe und wurde fündig im trendigen Züri West. Neue Location, neue Arbeitsmodelle. Jeder sucht sich einen Platz, es gibt keine Stammtische. Auch die Chefin, Jacqueline Krause-Blouin, ist da keine Ausnahme. «Ich liebe Redaktionsalltag und würde völlig vereinsamen in einem Einzelbüro.» Wenn sie ein Telefonat führen muss, das nicht für alle Ohren bestimmt ist, verzieht sie sich in eine schalldichte Gesprächsbox, die sehr stylisch mitten im Raum angesiedelt ist.<br />
</p>
<p>Die «Annabelle» beschäftigt 26 Mitarbeitende, jede Altersklasse ist vertreten, auch Männer sind dabei. Das macht Sinn, will man mit dem Magazin doch eine vielfältige Zielgruppe ansprechen. Am liebsten hätte es Jacqueline Krause-Blouin, wenn die Tochter mit der Mutter und der Grossmutter über die Inhalte der «Annabelle» diskutieren würde. Und natürlich auch der Mann in der Runde sich die «Annabelle» noch schnappen würde. Die Chefredaktorin sagt stolz:</p>
<blockquote><p>«Übrigens sind ein Viertel unserer Leser männlich. Und das sind nur die, die es zugeben.»</p></blockquote>
<p>Aber was heisst das?  Krause-Blouin erklärt es so: «Der Schlüssel ist, dass wir nicht parteipolitisch arbeiten, es geht um alles, was uns Frauen bewegt, da treffen sich viele Generationen.» Themen wie Gleichstellung, Diversität und Feminismus werden genauso auf allen Kanälen besprochen wie Popkultur, Mode und Lifestyle. Abgerundet mit Reportagen und neuen Rubriken wie Bodybuilding. Wie bitte? Die Chefin lacht. Was nach Muskelaufbau klingt, ist eine Rubrik, in der Frauen über die Beziehung zu ihrem Körper sprechen. Da sieht man Narben, Hängebrüste, Fettpolster. Die Gesichter sieht man nicht, gewährt man den Frauen so doch eine gewisse Anonymität.</p>
<p>Zeitgleich mit dem Relaunch kam eine Studie heraus, in der die «Annabelle» in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut Sotomo 6000 Schweizer Frauen fragte, wie es ihnen geht. Dabei stellte sich heraus, dass viele Frauen noch recht bürgerlich denken und sich in den traditionellen Rollenmodellen wohlfühlen. Das hat Jacqueline Krause-Blouin erstaunt und sie möchte in ihrem Magazin diese Rollenmodelle zur Diskussion stellen. Herausgekommen ist aber auch, dass gerade junge Frauen sich als Feministinnen bezeichnen, ein Begriff, der lange negativ besetzt war. Der Weg zu einer Ausgeglichenheit zwischen den Geschlechtern ist in vollem Gang und immer mehr Unternehmen schreiben sich die Gleichstellung auf die Fahnen. Hoffentlich nicht nur zur Show, sondern wirklich mit dem Willen, Lohngleichheit, Diversität und gleiche Karrierechancen im Unternehmen zu leben.</p>
<blockquote><p>Jacqueline Krause-Blouin arbeitet Vollzeit, hat eine kleine Tochter und einen Mann an der Seite.</p></blockquote>
<p>Wie gestaltet sich der Alltag, wie sieht es aus mit der Gleichstellung in der Realität? «Ich habe oft Tage, wo ich nicht losgehen will, mir bricht das Herz, wenn meine Tochter an meinem Bein hängt und sagt, nicht gehen, Mama. Jeden Tag frage ich mich, stimmt dieses Modell für mich noch?» Der Mann ist zu Hause, er ist Schauspieler und dadurch flexibler in den Arbeitszeiten. «Aber wenn er, wie neulich, wochenlang dreht, dann stürzen wir als Familie ins Chaos, wenn meine Mutter dann nicht wäre, ginge das Modell nicht auf.» Das führt Jaqueline zu einer Überzeugung, die sie auch im Magazin thematisieren will. «Familie ist in der Schweiz immer noch Privatsache, das finde ich falsch.» Soll heissen? «Ohne Frauen wie meine Mutter würde das ganze System nicht funktionieren, sie hilft, wenn wir sie brauchen. Das System Familie sollte nicht Privatangelegenheit sein. Das ist meine Überzeugung. Unser System in der Schweiz ist darauf ausgelegt, dass wir Kinder bekommen, auch damit sie unsere Renten mitfinanzieren. Aber wenn die Kinder dann da sind, muss man selber klarkommen. Oder aber man fällt ins alte Rollensystem zurück und bleibt zu Hause als Mutter. Das kann es nicht sein. Im Alter hat die Frau dann schlechte Karten mit vielen Lücken im Rentensystem, da müssen wir strukturell noch viel verändern.»</p>
<p>Als Chefin muss sie aufpassen, nicht nur noch zu managen, sondern sich immer wieder Momente zu schaffen, in denen sie selber kreativ wird. Denn: Sie vermisst das Schreiben, bei den Menschen zu sein, Fragen zu stellen, Porträts zu verfassen. Wie sieht der Alltag in der Redaktion aus? Mit Covid sei alles anders, den Relaunch habe man komplett aus dem Homeoffice gemeistert, erzählt sie. Im Normalfall hätten die Onliner jeden Morgen Sitzung. Einmal die Woche publizistische Sitzung, da gehe es um den Mix, um Themenvielfalt, Synergien schaffen, crossmedial denken. Dann die Ressortsitzungen von Reportage, Mode und Lifestyle. Sie selbst versuche, bei allen dabeizusein. «Ich habe aber auch viele Termine mit Kunden, sie zeigen mir Neuheiten und wir schauen, wo man Geschichten realisieren könnte.» Reisen sei ihr auch wichtig, gerade zu Fashionshows, zu Festivals, aber das gehe ja momentan nicht. Leider, wie sie noch anfügt.</p>
<p>Wie alles begann: Jacqueline Krause-Blouin heuert nach dem Musikstudium beim «Rolling Stone» an, dem renommierten Musikmagazin in Berlin. Aber nicht als Musikjournalistin, dafür wollte man sie so ganz ohne Erfahrung nicht, sondern als Assistentin der Geschäftsleitung. Ein strategisch kluger Zug. «Ich musste so Sachen wie Döner und Nasenspray kaufen.» Sie muss lachen. «Aber ganz unauffällig habe ich dann mal einen meiner Artikel dem Chefredaktor gezeigt und bäm, das hat geklappt. Er wurde publiziert und ich habe mein Wunschpraktikum dann bekommen.»</p>
<p>Als die Verantwortlichen der «Annabelle» Kontakt zu Jacqueline Krause-Blouin aufnehmen, arbeitet sie beim Magazin «Spex». Sie betreut dort Mode und Popkultur. «‹Annabelle› wollte einen meiner Artikel zweitabdrucken», erzählt sie. «Dann wurde eine Stelle frei als Lifestyle-Redaktorin und sie fragten mich, ob ich mir vorstellen könnte, in die Schweiz zu ziehen. Da meine Familie hier lebt, war das natürlich easy. Nach zwei Monaten wurde ich dann stellvertretende Chefredaktorin.» </p>
<p>Nach dem Abstossen der «Annabelle» durch die Tamedia entstand ein Vakuum, jetzt sind sie beim Verlag Medienart angedockt. «Wir fühlen uns gewollt und gut aufgehoben.» Auch die Chefredaktion ist neu aufgestellt, drei Frauen und ein Mann, alle Ressorts sind vertreten. Es geht manchmal hoch her, aber das ist genau, wie es die Chefin liebt. Mit 26 Mitarbeitenden ist die Redaktion gut bestückt, frau hat noch viel vor.</p>
<p>Bild: Chris Reist</p>
<p><small>Dieses Porträt wurde zuerst in der Ausgabe 4/2021 von m&#038;k – Das Magazin für Marketing und Kommunikation veröffentlicht. Wir danken Verlag und Chefredaktion für die Möglichkeit zur Zweitveröffentlichung </small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/04/22/annabelle-neuer-verlag-neues-glueck/">«Annabelle»: Neuer Verlag, neues Glück</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Journalismus mit rechts</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2021/04/15/journalismus-mit-rechts/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2021/04/15/journalismus-mit-rechts/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Benjamin von Wyl]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 15 Apr 2021 19:00:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Nebelspalter]]></category>
		<category><![CDATA[Weltwoche]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der neue «Nebelspalter» von Markus Somm sucht seinen Platz rechts der NZZ, wo bereits die «Weltwoche» grast. Trotz personeller Überschneidungen und politischer Übereinstimmungen unterscheiden sich die beiden rechten Publikationen in zentralen Punkten. Eine Analyse zum ersten «Nebelspalter»-Monat und zum Relaunch der «Weltwoche». Markus Somm sitzt vor einer Bücherwand mit Monopoly-Spiel. «In einem Jahr wird die <a href="https://medienwoche.ch/2021/04/15/journalismus-mit-rechts/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Der neue «Nebelspalter» von Markus Somm sucht seinen Platz rechts der NZZ, wo bereits die «Weltwoche» grast. Trotz personeller Überschneidungen und politischer Übereinstimmungen unterscheiden sich die beiden rechten Publikationen in zentralen Punkten. Eine Analyse zum ersten «Nebelspalter»-Monat und zum Relaunch der «Weltwoche».</strong><br />
<img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-87741" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/04/MW-Nebelspalter-Weltwoche-20210415c.jpg" alt="" width="1456" height="976" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/04/MW-Nebelspalter-Weltwoche-20210415c.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/04/MW-Nebelspalter-Weltwoche-20210415c-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/04/MW-Nebelspalter-Weltwoche-20210415c-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/04/MW-Nebelspalter-Weltwoche-20210415c-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/04/MW-Nebelspalter-Weltwoche-20210415c-470x315.jpg 470w" sizes="auto, (max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
Markus Somm sitzt vor einer Bücherwand mit Monopoly-Spiel. «In einem Jahr wird die New York Times anfragen, ob sie unser Geschäftsmodell kopieren kann», <a href="https://www.youtube.com/watch?v=hPSLZUIYQP0&amp;t=2896s" target="_blank" rel="noopener">feixt er</a>. Interviewer Reto Brennwald und er krümmen sich vor Lachen in ihren Sesseln. «Es ist ein bitzli übertrieben», sagt dann Somm. Auch einen Monat nach dem Start bleibt es der mit Abstand beste Witz im ehemaligen Satiremagazin, das nun mit rechtsliberalen bis rechtspopulistischen Standardmeinungen aufwartet.<br />
</p>
<p>«Kein Kommentar» ist Markus Somms Antwort auf die Fragen der MEDIENWOCHE, unter anderem zum bisherigen Erfolg des Geschäftsmodells und der Anzahl verkaufter Abos. Wie viele haben seinen Witz mitbekommen? 2800 Mal wurde bisher in das fünfzigminütige Gespräch von Somm und Brennwald reingeschaut – das erfolgreichste Video und wohl der erfolgreichste Beitrag überhaupt. Das liegt auch daran, dass «Nebelspalter»-Videos für alle verfügbar sind: Man kann sie gratis auf Youtube schauen. Die Artikel stehen hingegen hinter einer strikten Paywall.</p>
<p>Diejenige Person beim «Nebelspalter», die via ihre Social-Media-Kanäle am meisten Leute erreicht, teilt sie nicht mit dem Medium: Die bekannte Videokolumnistin Tamara Wernli lädt ihre «Nebelspalter»-Filmchen jeweils mit anderem Vorspann auf ihren eigenen <a href="https://www.youtube.com/channel/UChBJrKb8HB1ViYagR7a-K4g/featured" target="_blank" rel="noopener">Youtube-Kanal</a>. Dort erreichen sie regelmässig mehr als 10ʼ000 Leute, via «Nebelspalter» dümpeln ihre Videos bei <a href="https://www.youtube.com/watch?v=CK5C5W43teU&amp;list=PLua6Gs4hvcfWV_2S-kkmjuq-eLgmi-L7c" target="_blank" rel="noopener">wenigen hundert Views</a>. Im Beitrag «Denken die, wir sind dumm?» für den «Nebelspalter» liest sie fast durchgehend dieselben Sätze in die Kamera, die sich zehn Tage später in ihrer «Weltwoche»-Kolumne finden. In der aktuellen «Weltwoche» findet sich Wernlis Interview mit einer Publizistin, das denselben Entstehungsweg genommen hat.</p>
<blockquote><p>Wer kein «Nebelspalter»-Abo hat, sieht auf der Website vor allem Stockfotos, belanglose Symbolbilder.</p></blockquote>
<p>Ein Grossteil der Artikel hangelt sich im Stil von Newsjournalismus an den Aussagen von politischen Akteur*innen entlang, dazwischen gibt es Meinung (EU: böse; Massnahmen: unliberal; Gendersprache: haha; Cancel Culture, Cancel Culture, Cancel Culture).</p>
<p>Der «Energiepolitik»-Redaktor, der sich <a href="https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/tv-kritik/tv-kritik-zu-maischberger-xavier-und-der-klimawandel-15242523.html" target="_blank" rel="noopener">gemäss FAZ</a> vor vier Jahren im Ersten Deutschen Fernsehen als «Klimaleugner» inszenierte, porträtiert eine junge AKW-Lobbyistin. Es gibt sexistische und vorgestrige Provokationen. Es gibt den Beitrag, in dem ein Autor eine gesperrte Website <a href="https://twitter.com/fabianeberhard/status/1374454967742779392" target="_blank" rel="noopener">verharmlost</a>, wo Morddrohungen gegen Bundesrät*innen geäussert worden sind. Einen echten Primeur gab es bisher nicht. Am 14. April ist der Aufhänger, dass drei ehemalige Chefbeamte allen Ständerät*innen vor einer Parlamentsabstimmung einen Brief geschrieben haben. Für diesen Beitrag holte Bundeshauschef Dominik Feusi dann Zitate von Ständerät*innen ein, die noch immer derselben Meinung sind wie vor dem Brief und wie vor drei Jahren, als das Thema erstmals auf der Agenda gestanden hatte.</p>
<p>Vereinzelt gibt es auch überraschende, spannende und gute Beiträge im neuen «Nebelspalter»: Gioia Porlezza, Vizepräsidentin der Jungfreisinnigen Kanton Zürich, schildert in ihren <a href="https://www.youtube.com/watch?v=usS73jVf2FA&amp;list=PLua6Gs4hvcfUPS1OHkT7sSxJmU_05GG3Z" target="_blank" rel="noopener">Videokolumnen</a> ihre Sicht auf die Welt. Porlezza tut das auf eine Weise, die um Originalität bemüht ist und auch mal über festgefahrene Argumentationslinien hinausgeht – fast schon wie ein «izzy»-Video. Redaktor Sebastian Briellmann hat ein gelungenes Porträt über einen aufmerksamkeitsgeilen Gegner der Pandemiemassnahmen geschrieben, das fair ist und gleichzeitig Ungereimtheiten in der Selbstdarstellung des Porträtierten nicht weichzeichnet. Hier hat sich jemand wirklich ins Artikelthema reingekniet. Es ist mehr als eine meinungsstarke Niederschrift dessen, was der Autor bereits weiss oder zu wissen glaubt.</p>
<blockquote><p>Insgesamt gilt nach einem Monat: Was sich hinter der Paywall abspielt, ist nicht aufregender als die Stockfotos.</p></blockquote>
<p>In der zwölfköpfigen Redaktion sind so viele Frauen wie FDP-Mitglieder: je zwei. Eine weitere Redaktorin hat kürzlich, im Zusammenhang mit der Pandemie, dem Freisinn den Rücken gekehrt. Demographisch zusammengesetzt ist das «Nebelspalter»-Team aber eher wie eine SP-Sektion auf dem Land: Einige über 65-Jährige*, noch mehr «Blutjunge» – ein Begriff, mit dem Somm manche von ihnen vor dem Launch vorstellte.</p>
<p>Vor zwei Jahren entblösste Markus Somm in einem Papier, das während seinem Harvard-Aufenthalt entstand, wie wenig Ahnung er vom Internet hat. Darin <a href="https://shorensteincenter.org/small-is-beautiful/" target="_blank" rel="noopener">lobte er</a> etwa das Geschäftsmodell von «Inside Paradeplatz»: Gratis-Inhalte und Google-Anzeigen. Dabei hob er hervor, dass Google als «American company» die Unabhängigkeit des Finanzblogs nicht beeinträchtige. Im letzten Herbst hat Somm seine Meinung geändert: Statt Gratis-Reichweite brauche es eine Paywall für sein Medienprojekt.</p>
<p>Auch sonst zeigt sich fehlende Digitalkompetenz an allen Ecken und Enden. Angefangen damit, dass die aufwändig produzierten Videos als einzige Inhalte gratis sind. Weiter ist der «Nebelspalter» eines der letzten Medienunternehmen, bei dem man fürs Newsletter-Abo seine E-Mail-Adresse nicht verifizieren muss. So lässt sich der Newsletter ungefragt allen aufhalsen oder der «Nebelspalter»-Mailverteiler mit Falschadressen füllen.</p>
<blockquote><p>In den ersten Wochen standen gar die «Memes der Woche» – also Versuche für virale Social-Media-Witze – hinter der Paywall. (Der MEDIENWOCHE ist eine Person bekannt, die 1.60 Franken für drei Memes bezahlt hat.)</p></blockquote>
<p>Anfang April schrieb Dominik Feusi darüber, dass der EU-Botschafter beim Bundesrat vorstellig werden musste. Der «Blick» brachte das als News ein paar Tage später. Feusi forderte <a href="https://twitter.com/feusl/status/1378682148119515139" target="_blank" rel="noopener">via Twitter</a>, dass man den «Nebelspalter» künftig bitte als Quelle nennen solle. Doch wie kommt er darauf, dass seine News überhaupt gesehen wurde? Der «Blick»-Antwort auf Twitter kann man sich anschliessen: «Anregung für die Zukunft: Primeure freischalten. Oder Aufnahme in der SMD.»</p>
<p>Feusi gehörte zuvor zum Mantelteam von Tamedia. An den kleinen Kreis, für den er nun publiziert, muss er sich wohl noch gewöhnen. Sein Wirkkreis ist momentan eher mit dem «Schweizer Monat» zu vergleichen, der dem «Nebelspalter» nun oft als <a href="https://twitter.com/biofrontsau/status/1380476474352922624" target="_blank" rel="noopener">Stichwortgeber und Anlass</a> für Artikel dient. Dieses rechte Monatsmagazin hat laut <a href="https://schweizermonat.ch/wp-content/uploads/2019/12/SM-Mediatarif-2020_definitiv.pdf" target="_blank" rel="noopener">Mediadaten</a> 2000 Abonnent*innen.</p>
<p>Wenn in der Schweiz ein dezidiert rechtes Medium Erfolg haben will, müsste es eigentlich enttäuschte «Weltwoche»-Leser*innen ansprechen, die in den letzten Jahrzehnten dem Blatt zu Zehntausenden den Rücken kehrten. Als bekannt wurde, dass Markus Somms neues Medienprojekt mit 70 Investoren, die je 100&#8217;000 Franken einschiessen, breit abgestützt ist, wirkte der «Nebelspalter» wie ein Gegenentwurf zur «Weltwoche». Somm betonte extra, dass unter den Investoren niemand aus der Aktivpolitik sei. Das wirkt wie ein Angebot an all jene, die zwar ein rechtsbürgerliches Medium wollen, aber keines, das vor allem als Vehikel für eine Politkarriere dient.</p>
<p>Die Zeiten, in denen die «Weltwoche» journalistisch Themen setzen konnte, sind lange vorbei. Doch der Politiker Roger Köppel schafft es weiterhin:</p>
<blockquote><p>Je lauter die Marke Köppel in die Videokamera schwadroniert, je irrwitziger er twittert, desto stiller wird es um sein Magazin.</p></blockquote>
<p>Der journalistische Nullpunkt war wohl spätestens erreicht, als die NZZ Ende 2019 in einer Recherche <a href="https://www.nzz.ch/schweiz/roger-koeppel-die-weltwoche-und-china-eine-seltsame-naehe-ld.1527537" target="_blank" rel="noopener">Indizien</a> veröffentlichte, die darauf hindeuteten, dass der sonderbar freundliche Kurs gegenüber dem totalitären Regime in China und die Kolumne des chinesischen Botschafters in der «Weltwoche» System hat – und sich gleichzeitig chinesische Inserate im Blatt häuften. Gegengeschäfte habe die NZZ damit gar nicht unterstellen wollen. Köppel schrieb eine Replik und wehrte sich gegen die «groben Unterstellungen».</p>
<p>Im vergangenen Pandemiesommer, als bereits erste Gerüchte über Somms Medienprojekt kursierten, verpasste sich die «Weltwoche» einen ausgebauten Kultur-Teil, neue Formate und ein frisches Layout. War schon der Relaunch ein Versuch, um für Leser*innen attraktiv zu bleiben, da bald Konkurrenz am rechten Medienrand auftauchen sollte? Tatsache ist: Köppel kämpft. Fünf Mal die Woche beschert er der Welt einen Videoblog; seit Dezember liefert seine Redaktion auch täglich online frei zugängliche Kurzkommentare.</p>
<p>Seit dem Relaunch orientieren sich Layout und Aufbau der gedruckten «Weltwoche» stark an <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/The_Spectator_(Zeitschrift)" target="_blank" rel="noopener">«The Spectator»</a> – dem britischen Magazin, als dessen Chefredaktor einst Boris Johnson die eigene politische Karriere befeuert hatte. Vom «Spectator» übernahm die «Weltwoche» die regelmässigen Serien «Tagebuch» (im Original: «Diary»), «Blick in die Zeit» (im Original: «Ancient &amp; Modern»), die verschiedenen Varianten der Kolumnenaufmachung, die im Magazin verstreuten Minicomics ohne Zusammenhang mit den Artikeln. Auch das Editorial ist an den «Spectator» angelehnt, mit einem kleinen Unterschied: Im «Spectator» erscheint es ohne Autorenzeile. Köppel schreibt immer seine Initialen hin.</p>
<p>Insbesondere das «Tagebuch» ist ein Erfolgsmodell, um Gewährspersonen ausserhalb der eigenen Nische als Autor*innen zu gewinnen. Von Radiojournalistin Nicoletta Cimmino über Michèle Binswanger vom «Tages-Anzeiger» bis zu Patrik Müller, Super-Chefredaktor bei CH Media, vom neuen SBB-Chef Vincent Ducrot bis zum ehemaligen Skispringer Simon Ammann haben alle möglichen, maximal unverdächtigen Personen maximal harmlose Texte über ihren Alltag geschrieben. Dass sich Journalist*innen dafür hergeben, erscheint fragwürdig:</p>
<blockquote><p>Die «Weltwoche» bietet immer wieder eine Plattform für Agitation gegen Journalismus oder agitiert gar selber.</p></blockquote>
<p>Zwei Wochen bevor Nicoletta Cimminos «Tagebuch»-Eintrag erschien, warf Köppel in seinem Videopodcast «den Medien» eine «Verfilzung und Verquickung» mit dem Staat vor. In der Ausgabe, in der Patrik Müllers «Tagebuch» erschien, wurde zwanzig Seiten weiter die Behauptung aufgestellt, das Inland-Ressort von Tamedia bestehe aus einer «Gesinnungspolizei». Anfang April fragte die «Weltwoche» diverse Persönlichkeiten, was sie aus einem Jahr Pandemie gelernt haben. CH Media-Chefredaktor Müller sagt da, Corona habe seinen Optimismus noch verstärkt. Der verschwörungsgläubige Blogger Daniel Stricker sagt in derselben Umfrage: «Die Massenmedien geben einem das Gefühl, keine eigenen Gedanken haben zu dürfen.»</p>
<p>Selbstverständlich gäbe es viele Gründe, als Journalist*in, als Politiker*in oder als Werber wie David Schärer (Rod Kommunikation, Operation Libero) nicht in der «Weltwoche» zu publizieren. Vor fünf Jahren bewunderte Köppel ein Editorial lang NSDAP-Reichswirtschaftsminister Hermann Göring. Vor drei Jahren marschierte Köppel als Reporter an einer Rechtsextremen-Demo in Chemnitz mit und wollte dort partout keine Rechtsextremen gesehen haben. Vor zwei Jahren kumpelte er in einem grossen Interview mit dem Faschisten Björn Höcke. Genau vor einem Jahr hiess die Titelstory über den Bundesrat in der Pandemie «Autokraten an der Macht». In der Woche danach würdigte ein freier Autor den spanischen faschistischen Diktator Francisco Franco in einem langen Porträt: «Was Europa Franco zu verdanken hat». Kürzlich schrieb ein Fidesz-EU-Parlamentarier zwei Seiten lang «unvoreingenommen» über Polen: «Polen ist eine lupenreine Demokratie», so der unironisch gemeinte Titel. Die Liste liesse sich fortsetzen.</p>
<p>Trotz alledem stammen die meisten Inserate in der «Weltwoche» weiterhin von grossen Firmen: etwa von BMW, Degussa Goldhandel oder Swiss Life. Das Kreuzworträtsel sponsert seit jeher die EMS-Chemie von Familie Blocher. Daneben hat es Groteskes, zum Beispiel Anzeigen von Anhänger*innen eines selbsternannten Messias namens Abd-ru-shin. Ab und an scheint sich der Rechtspopulismus aber auch am Inseratemarkt zu lohnen: Anfang Jahr veröffentlichte etwa das Gastronomieunternehmen Bindella als ganzseitige Anzeige einen offenen Brief an den Bundesrat, in dem um Öffnungen gebeten wurde. Fragwürdig erscheint der Abdruck des Briefs einer City Lights AG, in dem diese einer Behörde «Zensur» und «Amtsmissbrauch» vorwirft. Gemäss Tarifliste zahlte jemand gut 18ʼ000 Franken für diesen offenen Brief als Inserat.</p>
<p>Seit dem Relaunch im letzten Sommer hat «Weltwoche»-Wirtschaftsredaktor Florian Schwab «neben seiner journalistischen Tätigkeit» eine zweite Aufgabe: Er ist Leiter Corporate Publishing. Seither ist es bei der Lektüre unmöglich zu differenzieren, wann Schwab als Journalist schreibt, wann nicht. Über Schwabs journalistische Kundenbeziehung zum Rohstoffkonzern Glencore und die «Weltwoche»-Spezialausgabe «Wirtschaft &amp; Verantwortung» berichtete die MEDIENWOCHE <a href="https://medienwoche.ch/2020/10/31/junge-erwachsene-print-werbung-weltwoche/">bereits vergangenes Jahr</a>. Die netten Artikel über den Rohstoffkonzern schreiben seither andere. 2021 konzentrieren sich die fürs Geschäft bedeutsamen Spezialausgaben gemäss Jahresplan auf die Klassiker: Auto- und Motorradjournalismus.</p>
<p>Naheliegend erscheint Schwabs Funktionsvermischung im China-Schwerpunkt vom Februar. Anlässlich des chinesischen Neujahrs hat er die chinesische «Banque Internationale à Luxembourg» BIL porträtiert. Die BIL, ein regelmässiger Anzeigekunde, schaltete in derselben Ausgabe ein ganzseitiges Inserat auf der Umschlaginnenseite. Nach Tarif kostet ein solches 23’200 Franken. Den China-Schwerpunkt eröffnete ein Text von Köppel: «Freundliche Beziehungen zu China». Das Schweizer Fernsehen sende «jede Kampfparole aus dem SP-Hauptquartier» und die Bemühungen um eine koordinierte Aussenpolitik seien eine «aussenpolitische Kriegserklärung gegen Peking».</p>
<p>Wenn Corporate-Publishing-Schwab einen Anzeigekunden porträtiert, scheint eine Funktionsvermischung recht offensichtlich. Wie verhält es sich, wenn Schwab den Besitzer des Luxusgüter-Konzerns Richemont auf einer halben Seite als «genialen Investor» zeichnet? Oder wenn er über die «Erfolgsgeschichte Davidoff» und dessen CEO schreibt, welcher angesichts möglicher neuer Tabakregulationsgesetze eine «Gettoisierung des Tabakkonsums» befürchtet?</p>
<blockquote><p>Ist jeder positive Text über einen Wirtschaftskapitän (über Wirtschaftskapitäne schreibt Schwab durchwegs positiv) auch ein Werbepitch?</p></blockquote>
<p>Anders als Markus Somm hat sich Roger Köppel zu den Fragen der MEDIENWOCHE geäussert. In welchen Artikeln schreibt Florian Schwab als unabhängiger Journalist, in welchen als Corporate-Publishing-Verantwortlicher? Dazu Köppel: «Die Weltwoche baut das Geschäftsfeld Corporate Publishing aus. Florian Schwab hat hier in kürzester Zeit exzellente Arbeit geleistet.» Ebenso allgemein äussert sich Köppel zum China-Kurs: «Ja, die Weltwoche schreibt über China nicht das Gleiche wie alle anderen Zeitungen. Ist das neuerdings verboten? Unsere Berichterstattung ist meines Erachtens hervorragend, vielfältig und orientiert sich an der bewährten Schweizer Neutralität gegenüber allen Staaten. Offensichtlich haben Sie nicht mitbekommen, dass in der Weltwoche auch immer wieder Texte erschienen sind, die sich kritisch mit China befassen, nicht zuletzt von Fabian Molina. Die Weltwoche wurde letztes Jahr von der chinesischen Botschaft in Bern auch öffentlich gerügt, wegen ihrer Corona-Berichterstattung. Das hindert mich nicht daran, als Chefredaktor aus voller Überzeugung für gute Beziehungen der Schweiz mit China zu plädieren.»</p>
<blockquote><p>«Im Unterschied zu anderen Medienhäusern» habe die «Weltwoche» «auf einen Personalabbau verzichtet» und stattdessen «redaktionell aufgerüstet», teilt Köppel weiter mit.</p></blockquote>
<p>Die Frage, ob die tagesaktuellen Kurzkommentare seiner Redaktorenschar und der einzigen Redaktorin mit grösseren Pensen oder anderweitig entgeltet werden, beantwortet er nicht direkt. Ebenso unbeantwortet lässt Köppel die Fragen, wie es zur starken konzeptuellen und visuellen Anlehnung an den «Spectator» kam und ob es sich dabei um eine offizielle Kooperation handelt. Die Entwicklung der «Weltwoche» auf dem Leser*innenmarkt nennt Köppel «sehr erfreulich»: «Wir legen an Print-Abos zu. Auch Weltwoche-Daily ist ein voller Erfolg.» Obwohl die Anzeigensituation «auf Grund der Lockdown-Politik natürlich anspruchsvoll» sei. Die aktuellsten WEMF-Zahlen zeichnen ein anderes Bild: Die beglaubigte Auflage liegt demnach bei 39ʼ070 Exemplaren. 2019 waren es 41ʼ300, vor zwei Jahren noch über 45ʼ000. Immerhin wurde der Trend gebremst. Aber anscheinend hat die «Weltwoche» unter den Gegner*innen der Corona-Massnahmen nicht massenweise neue Leser*innen gewinnen können (oder es gibt einfach sehr wenige).</p>
<blockquote><p>Anders als die «Weltwoche» zeigt der neue «Nebelspalter» keine Affinität zu Diktaturen und autoritären Staaten.</p></blockquote>
<p>Im Gegenteil: Redaktorin Claudia Wirz kritisierte die China-Strategie der Schweiz für ihre fehlende Entschiedenheit. Mit «geschmeidigem Pragmatismus» werde man nicht davonkommen. Somms Medium wirkt bisher insgesamt nüchterner, staatstragender und stärker der Ratio verpflichtet. Der neue «Nebelspalter» kommt auch deshalb nüchtern daher, weil er unfreiwillig werbefrei ist, trotz dem prominent auf der Seite platzierten Hinweis «Inserieren». Für 2000 bis 30ʼ000 Franken kann man Pakete mit Video- und Podcastwerbung oder Native Ads buchen. Bis anhin hat das anscheinend noch niemand getan.</p>
<p>Markus Somms allererster Leitartikel «Die Tage des Nebels sind gezählt» erzählt von einer angeblich dominanten Schweizer Linken seit Anfang 1990er-Jahre, deren Macht bald gebrochen werde – was schon angesichts der politischen Mehrheitsverhältnisse kurios ist. Ähnlich bemerkenswert ist, dass Somm darin Rhetorik und Prinzipien des marxistischer Denkers Antonio Gramsci aus den frühen 1930er-Jahren entlehnt. Gramsci leitet seine Ideen, wie die Linke Gestaltungsmacht erlangen kann, aus seiner Gegenwartsanalyse ab: «Die alte Welt liegt im Sterben, die neue ist noch nicht geboren: Es ist die Zeit der Monster». Bei Somm heisst es: «Es ist eine neue Epoche angebrochen, deren Züge im Nebel liegen, Sicher ist nur, alles ist unsicher.»</p>
<blockquote><p>Es scheint, dass der Ex-Linksaussen Somm marxistische Prinzipien nun einfach im Sinne der Rechtsbürgerlichen anwendet – natürlich ohne seine Quellen zu nennen.</p></blockquote>
<p>Und für seine Zielgruppe liest sich das dann originell. In seinem zweiten Artikel nannte er dann ein konkretes Vorbild für seine Idee bürgerlicher Politik: «Von <a href="https://www.bernerzeitung.ch/teflon-mark-vor-dem-fall-581186187075" target="_blank" rel="noopener">[Mark] Rutte</a> lernen, heisst Siegen lernen.» Es ist die Abwandlung einer Parole der Sowjetunion. Seither hat sich Somm gefangen und haut – wie man es von ihm erwartet – auf Alain Berset und Angela Merkel ein.</p>
<p>Der Chefredaktor steht im Ruf, ein sehr schneller Schreiber zu sein. Dementsprechend fordere er dem Vernehmen nach seine Redaktion. Meinungstexte schreibt man schnell und sie gehen auch den Jungpolitiker*innen mit publizistischer Schnellbleiche leicht von der Hand. Reportagen, Hintergrundtexte, Porträts sind zäher – die Position und die Perspektive entwickelt sich im Schreiben, im Verdichten und Aufgliedern von Fakten und Erlebtem.</p>
<p>Wütende Meinungstexte werden gut geteilt auf Social Media, egal wie blutarm sie sind. Einem Medium, das auf eine harte Paywall setzt, bringt das aber nichts. Niemand muss zahlen, um zu wissen, was in Texten steht mit Titeln wie: «Was darf ‹man› überhaupt noch sagen? Ein Wort zum Unwort «Jemensch»», «Das Rahmenabkommen würde die Schweiz liberaler machen» oder «Cancel Culture gibt es auch in der Schweiz». Es gibt schlicht keinen Mehrwert. Wer aber online Abonnent*innen will, braucht überraschende Perspektiven und exklusive Recherchen.</p>
<p>Es gibt neben Exklusivinhalten einen zweiten Weg, um im Online-Geschäft Leser*innen zu binden: Identifikation und Community-Building. Auf Social Media äusserten sich viele Langzeitfollower irritiert, dass ihr Satiremagazin plötzlich als biederes Nachrichtenmedium daherkommt. Das Abosystem setzt auf automatische Verlängerung und Belastung der Kreditkarte. Dabei weiss man doch unter Digitalunternehmer*innen, wie wichtig es ist, die Community zu umschmeicheln statt mit ungewollten Kosten vor den Kopf zu stossen. Die MEDIENWOCHE jedenfalls hat ihr Monatsabo rechtzeitig gekündigt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><small><strong>*Korrigendum:</strong> In einer früheren Version dieses Artikels hiess es fälschlicherweise, beim «Nebelspalter» würden einige über-75-Jährige arbeiten. Tatsächlich sind nur zwei der vier Personen im Rentenalter, die im Impressum als  «Ständige Mitarbeiter und Kolumnisten» geführt werden, älter als 75.</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/04/15/journalismus-mit-rechts/">Journalismus mit rechts</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<item>
		<title>Fabian Ruch macht das «Sportlerin»-Magazin: «Was, du und Frauensport? Was ist passiert?»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2020/12/10/was-du-und-frauensport-was-ist-passiert/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 10 Dec 2020 14:20:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Berner Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Fabian Ruch]]></category>
		<category><![CDATA[Sportlerin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am 16. Dezember erscheint erstmals die «Sportlerin». Gründer und Redaktionsleiter des Frauensport-Magazins ist der Berner Journalist Fabian Ruch, der im Sommer die «Berner Zeitung» nach 22 Jahren im Streit verlassen hat. Als Fussballreporter fiel Ruch nicht damit auf, Frauen in seiner Berichterstattung angemessen zu berücksichtigen. Im Gegenteil. Und jetzt also Frauensport. Ist es das schlechte <a href="https://medienwoche.ch/2020/12/10/was-du-und-frauensport-was-ist-passiert/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/12/10/was-du-und-frauensport-was-ist-passiert/">Fabian Ruch macht das «Sportlerin»-Magazin: «Was, du und Frauensport? Was ist passiert?»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Am 16. Dezember erscheint erstmals die «Sportlerin». Gründer und Redaktionsleiter des Frauensport-Magazins ist der Berner Journalist Fabian Ruch, der im Sommer die «Berner Zeitung» nach 22 Jahren im Streit verlassen hat. Als Fussballreporter fiel Ruch nicht damit auf, Frauen in seiner Berichterstattung angemessen zu berücksichtigen. Im Gegenteil. Und jetzt also Frauensport.</strong><br />
<img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-84233" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/12/MW-Fabian_Ruch-Sportlerin-Magazin-20201210.jpg" alt="" width="1456" height="976" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/12/MW-Fabian_Ruch-Sportlerin-Magazin-20201210.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/12/MW-Fabian_Ruch-Sportlerin-Magazin-20201210-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/12/MW-Fabian_Ruch-Sportlerin-Magazin-20201210-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/12/MW-Fabian_Ruch-Sportlerin-Magazin-20201210-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/12/MW-Fabian_Ruch-Sportlerin-Magazin-20201210-470x315.jpg 470w" sizes="auto, (max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
Ist es das schlechte Gewissen? Eine Art Wiedergutmachung für all die Jahre, in denen er Frauen aus der Berichterstattung herausgehalten hatte? Dass Fabian Ruch nach einem Vierteljahrhundert Männersport nun ein Frauensport-Magazin herausgibt, zeugt auch von einer Einsicht in die Mechanismen des Sportjournalismus. Von einer späten zwar, aber noch rechtzeitig für die zweite Hälfte seines Berufslebens.<br />
</p>
<p>«Ich bin das beste Beispiel dafür, warum es so ist, wie es ist», sagt Fabian Ruch in seinem kernigen Berndeutsch. Wie oft habe er in den letzten Jahrzehnten an Redaktionssitzungen Frauenthemen kleingeredet, weil «Neymar irgendein Wehwehchen hatte» oder beim FC Basel ein Transfer anstand, was ihm und seinen Kollegen dann doch relevanter erschien. Doch jetzt geht es in die andere Richtung mit einem Magazin, das diesem Defizit – zumindest punktuell – entgegenwirkt. 114 Seiten Frauensport bietet die <a href="https://www.sportlerin-magazin.ch/" target="_blank" rel="noopener">«Sportlerin»</a>. Die erste Ausgabe erscheint am 16. Dezember.<br />
							<h3 style="margin-bottom:20px;display:block;width:100%;margin-top:10px">Eine vielseitige «Sportlerin» </h3>
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									Blattkritik: Das steht in der ersten Ausgabe								</span>
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<p>Mujinga Kambundji, die schnellste Sprinterin der Schweiz, posiert auf dem Cover mit verschränkten Armen und schaut einen mit neutralem Gesichtsausdruck direkt an. Das ist kein besonders originelles Motiv für die Erstausgabe einer neuen Publikation, die auffallen muss. Aber das Bild ist ehrlich, es verspricht nicht zu viel und zeugt von einer professionellen Nüchternheit, die das ganze Heft prägt. Es geht nicht um einen neuen Sportjournalismus oder um das beste Sportmagazin, sondern um eine vermutete Marktlücke, welche die «Sportlerin» nun füllen soll.</p>

<p>Anders als die Top-Athletin auf dem Umschlag vermuten lassen könnte, wird nicht nur Leistung und Erfolg abgefeiert. Die erste Ausgabe der «Sportlerin» sieht sich vielmehr als Chronistin einer aktuellen Aufwärtsentwicklung des Frauensports. Drei zentrale Figuren dieses Trends erscheinen prominent im Heft: Bundesrätin Viola Amherd, die sich als Sportministerin für die Gleichberechtigung und Gleichbehandlung von Frauen und Männern stark macht. Steffi Buchli, die ab kommendem Jahr den «Blick»-Sport leiten wird. Und Florence Schelling, Sportchefin des Schlittschuhclubs Bern und damit erste Frau in einer Top-Charge eines Schweizer Spitzeneishockeyclubs. Dass diese drei Texte, gleichsam das Herzstück des Magazins, zwei Männer verfasst haben, zeigt das Dilemma der Magazin-Macher. Bei allem guten Willen, der dem Projekt nicht abzusprechen ist, prägt ein männlicher Blick auf den Frauensport das neue Magazin. Journalistinnen hätten andere Fragen gestellt und andere Schwerpunkte gelegt in der Analyse.</p>

<p>Auch beim Thema Fussball, das mit vier längeren Beiträgen vergleichsweise viel Platz einnimmt, sind es massgeblich Männer, die schreiben und analysieren. Natürlich liest sich das Streitgespräch flott zwischen Bänz Friedli, einem «Fürsprecher des Frauenfussballs» und Fabian Ruch, einem Frauenfussballbanausen. Überhaupt sind Textqualität, Informationsgehalt und Unterhaltungswert konstant hoch, aber der Makel der Männerlastigkeit bleibt. Umso wichtiger ist daher der Essay von Marianne Meier. Die Geschlechterforscherin schreibt über den Widerspruch von «Frausein» und «Sportlerinsein» anhand konkreter Beispiele aus der Geschichte des männlich dominierten (Leistungs)sports. Damit formuliert sie ein starkes Plädoyer für ein Magazin über Frauensport, nach dem Motto: So schnell werden die Themen (leider) nicht ausgehen. Anstatt mitten ins Heft hätte dieser programmatische Text an den Anfang gehört.</p>

<p>Ansonsten wirkt der Ablauf sorgfältig durchkomponiert. Leichtere und unterhaltsamere Formate, etwa die sechs Kolumnen am Heftanfang oder das Fragebogen-Interview mit Mujinga Kambundji, stehen in einem sinnvollen Verhältnis mit den längeren Lesestücken. Positiv fällt die Bebilderung auf, wo die Redaktion auch mal ein Experiment wagt. So montierte der Fotograf Annalisa Gerber dreimal ins gleiche Bild. Der visuelle Kniff charakterisiert die Leiterin Sponsoring von Swiss Ski treffend als umtriebige Netzwerkerin.</p>

<p>Ob die «Sportlerin» ein Publikum findet, weiss noch niemand. Der Abopreis ist sicher kein Hindernis für den Erfolg. Mit 30 Franken für vier Ausgaben pro Jahr gibt es viel exklusiven Lesestoff für wenig Geld.</p>						  </div>
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Wie so oft, wenn etwas Neues entsteht, spielten auch hier alte Freundschaften eine wichtige Rolle. Dass am Ende ein Frauensport-Magazin entstehen würde, war von Anfang an eine Option, wurde aber zuerst noch gründlich evaluiert. Am Ursprung des Projekts stand der Berner Grafiker und Werber Leander Strupler, der seit 2019 das Magazin «Boxen» herausgibt. Zusammen mit dem Sponsoring-Spezialisten Roman Grünig, der hauptberuflich für den Fussballclub Young Boys arbeitet, suchte Strupler nach Themen für eine weitere Publikation. Erst da stiess Fabian Ruch dazu, der mit Grünig gut befreundet ist. «Wir kamen sehr schnell auf ein Frauensport-Magazin, weil es dazu schlicht noch nichts gibt», sagt Ruch im Gespräch mit der MEDIENWOCHE. Letztlich gab also eine Marktanalyse den Ausschlag und nicht eine tiefe innere Überzeugung, dem Frauensport mehr mediale Sichtbarkeit verschaffen zu wollen. Am Ergebnis ändert das freilich nichts.</p>
<p>Drei Männer machen also ein Frauensport-Magazin. Eine Steilvorlage für Kritik. Frauensport aus Männersicht. Gut gemeint ist bekanntlich das Gegenteil von gut. «Ich dachte auch, dass man uns das vorwirft», gesteht Ruch. Tatsächlich habe es auch kritische Reaktionen gegeben. «Doch wenn man uns jetzt dafür kritisiert, ein Frauensport-Magazin zu machen, frage ich zurück: Warum gibt es keine Frauen, die das schon längst angepackt haben?» Der überwiegende Teil der Rückmeldungen sei aber positiv gewesen, ob von Sportjournalistinnen, Verbänden, oder Lobbyorganisationen. Und nicht zuletzt von Inserenten. Eine Erstausgabe taugt zwar nicht als Massstab für den langfristigen Erfolg. Aber 14 verkaufte Seiten von 114 können sich sehen lassen. «Wir haben zudem schon Zusagen für das kommende Jahr», sagt Ruch.</p>
<blockquote><p>Die Berichterstattung über Frauensport befindet sich seit ein paar Jahren in einem langsamen, aber stetigen Aufwärtstrend.</p></blockquote>
<p>Mit der «Sportlerin» springen Ruch, Strupler und Grünig auch auf einen rollenden Zug auf. Die Berichterstattung über Frauensport befindet sich seit ein paar Jahren in einem langsamen, aber stetigen Aufwärtstrend. Abgesehen von Tennis und Ski, wo Frauen schon immer eine vergleichsweise grosse mediale Präsenz hatten, war es vor allem der Fussball, der einen Aufschwung erlebte. Inzwischen zeigt das Schweizer Fernsehen regelmässig Partien der höchsten Frauenliga. Ebenso berichten andere grosse Publikumsmedien, etwa die Sonntagszeitungen, mehr als auch schon über Frauensport.</p>
<p>Wie kann und wie will sich das neue Magazin gegenüber dieser Konkurrenz positionieren? Als Vorbild nennt Fabian Ruch das deutsche Fussballmagazin «11 Freunde»: hochwertiger Auftritt, lange Texte, attraktives Layout. Ein Anspruch, den die «Sportlerin» durchaus einlösen kann, wie die erste Ausgabe zeigt. Lange Artikel zuhauf, Porträts, Interviews, Essays, das ganzen Repertoire (siehe Blattkritik oben). Als Ruch vor dem Gespräch mit der MEDIENWOCHE die Druckfahnen der ersten Ausgabe durchblättert, kommentiert er jeden zweiten Artikel fast entschuldigend mit dem Hinweis, der sei halt auch etwas lang geraten. Wobei er sich eigentlich für nichts zu entschuldigen braucht. Denn was erwartet man von einem Sporthintergrundmagazin? Lange Texte.</p>
<p>Dass sich Fabian Ruch voll reinknien und mehr Zeit in das Projekt investieren konnte als ursprünglich gedacht, liegt nicht zuletzt an seinem Abgang bei Tamedia im vergangenen Sommer. Sein ursprünglicher Plan wäre es gewesen, das Heft parallel zu seiner 95-Prozent-Anstellung als Sportredaktor auf die Beine zu stellen. Doch am 1. Juli war Schluss nach 22 Jahren bei der «Berner Zeitung» und Tamedia.</p>
<blockquote><p>Am 1. Juli reichte Ruch seine Kündigung ein. Vorangegangen war ein Zerwürfnis zwischen Redaktor und Ressortleiter.</p></blockquote>
<p>Für Aussenstehende erfolgte der Abgang einigermassen überraschend. Die Berner Young Boys, deren Entwicklung Ruch als Dossier-Verantwortlicher seit 18 Jahren eng begleitet hatte, waren auf direktem Weg zum dritten Fussballschweizermeistertitel in Folge. Man durfte davon ausgehen, dass Ruch auch dieses erfreuliche Ereignis in einem sonst ereignisarmen Corona-Sommer ausgiebig zu würdigen wüsste. So weit sollte es nicht mehr kommen. Am 1. Juli reichte Ruch seine Kündigung ein. Vorangegangen war ein Zerwürfnis zwischen Redaktor und Ressortleiter. «Es braucht immer zwei», kommentiert Ruch seine Rolle im Konflikt und nimmt mindestens die halbe Verantwortung für den Eklat auf sich.</p>
<p>Ein paar Monate später sieht er seine Kündigung als folgerichtigen Schritt. «Die letzte Zeit bei Tamedia war ich in einem goldenen Käfig», sagt Fabian Ruch. Über YB und die Fussballnationalmannschaft schrieb er leidenschaftlich gerne. Er hatte viele Kontakte aufgebaut in all den Jahren und konnte entsprechend gut informiert berichten. «Freunde haben mir immer gesagt, geh doch mal. Es hätte auch Möglichkeiten gegeben. Aber ich fühlte mich wohl.»</p>
<p>Bis Corona kam und es ihm «den Nuggi rausgehauen hat» wegen der Pensenplanung. Kurzarbeit und gleichzeitig ein Mammutprogramm nach der Wiederaufnahme des Spielbetriebs der National League im Fussball und das mit immer komplexeren Redaktionsstrukturen und einem Chef, der sich das alles gefallen lässt. Das wollte Ruch nicht mehr mitmachen.</p>
<blockquote><p>Das Magazin wird nie so viel einbringen, dass Ruch ganz auf diese Karte setzen könnte.</p></blockquote>
<p>Das Magazin-Projekt spielte keine Rolle bei seinem Entscheid. Das lief einfach nebenher und wird auch bei einem kommerziellen Erfolg nie so viel einbringen, dass Ruch ganz auf diese Karte setzen könnte. Er wird deshalb ab kommendem Jahr für eine grosse Tageszeitung über Fussball schreiben und sich daneben selbständig machen für Aufträge im Bereich Text und Kommunikation.</p>
<p>Für sein weiteres Berufsleben scheint das Magazin-Projekt bereits Spuren hinterlassen zu haben. Ob der Erfahrungen, die er in den letzten Monaten im Austausch mit zahlreichen Journalistinnen, Sportlerinnen, Funktionärinnen gemacht hat, gerät Ruch regelrecht ins Schwärmen: «Es ist mehr Empathie da, es ist wärmer, es ist angenehmer. Es ist nicht das Testosterongehabe.» Und dann sagt er diesen Satz, den er sich nicht getraute ins Editorial der ersten Ausgabe der «Sportlerin» zu schreiben, weil er ihn für zu kitschig hielt: «Die Welt wäre eine bessere, wenn Frauen mehr zu sagen hätten.»</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/12/10/was-du-und-frauensport-was-ist-passiert/">Fabian Ruch macht das «Sportlerin»-Magazin: «Was, du und Frauensport? Was ist passiert?»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Zwei Mal «Streaming» – oder: Die Renaissance der Programmzeitschrift</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2020/11/10/zwei-mal-streaming-oder-die-renaissance-der-programmzeitschrift/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 10 Nov 2020 11:24:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Streaming]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=83219</guid>

					<description><![CDATA[<p>In Deutschland und in der Schweiz sind dieser Tage zwei gleichnamige Magazine neu auf den Markt gekommen: «Streaming» und «Streaming» sollen Übersicht im Plattform- und Seriendschungel schaffen. Ob das mit bedrucktem Papier gelingt? Man hielte es nicht für möglich, wenn die beiden Magazine nicht vor einem lägen. Aber es ist eine Tatsache. Der Zufall wollte <a href="https://medienwoche.ch/2020/11/10/zwei-mal-streaming-oder-die-renaissance-der-programmzeitschrift/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/11/10/zwei-mal-streaming-oder-die-renaissance-der-programmzeitschrift/">Zwei Mal «Streaming» – oder: Die Renaissance der Programmzeitschrift</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>In Deutschland und in der Schweiz sind dieser Tage zwei gleichnamige Magazine neu auf den Markt gekommen: «Streaming» und «Streaming» sollen Übersicht im Plattform- und Seriendschungel schaffen. Ob das mit bedrucktem Papier gelingt?</strong><br />
<img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-83220" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/11/MW-Streaming-TV-Maganzin-20201110.jpg" alt="" width="1456" height="976" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/11/MW-Streaming-TV-Maganzin-20201110.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/11/MW-Streaming-TV-Maganzin-20201110-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/11/MW-Streaming-TV-Maganzin-20201110-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/11/MW-Streaming-TV-Maganzin-20201110-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/11/MW-Streaming-TV-Maganzin-20201110-470x315.jpg 470w" sizes="auto, (max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
Man hielte es nicht für möglich, wenn die beiden Magazine nicht vor einem lägen. Aber es ist eine Tatsache. Der Zufall wollte es, dass praktisch gleichzeitig zwei neue gedruckte Magazine auf den Markt kamen mit dem identischen Titel: «Streaming». In der Schweiz lancierte Ringier Axel Springer vor zwei Wochen das Heft als Ableger seines TV-Magazins «Tele». In Deutschland steht die Funke-Mediengruppe hinter der Neugründung. Wie die wenig originelle Namensgebung leicht erahnen lässt, dreht sich der Inhalt der neuen Printpublikationen um Filme und Serien auf Streaming-Plattformen. Es handelt sich also um eine Renaissance der TV-Programmzeitschriften unter den Bedingungen der Bewegtbild-Verbreitung im Internet.<br />
</p>
<p>Was sie sich die Verlage dabei gedacht haben, liegt auf der Hand: Übersicht schaffen für ein immer unübersichtlicher werdendes Angebot. «Das Magazin bietet bestes Guiding im stetig wachsenden Markt der Streamingplattformen», <a href="https://www.blick.ch/people-tv/tv/lifestyle-magazin-bietet-umfassenden-einblick-streaming-macht-das-leben-von-netflix-fans-einfacher-id16169824.html" target="_blank" rel="noopener">sagt der Chefredaktor</a> des schweizerischen «Streaming»-Magazins. Bei Funke sagt man <a href="https://www.wuv.de/medien/funke_startet_ein_heft_fuer_streaming_fans" target="_blank" rel="noopener">das Gleiche</a>, einfach etwas wortreicher. Die Zeitschrift übernehme «die Rolle des guten Freundes, der die neue Serie oder den unverzichtbaren Film empfiehlt» und mache «das individuelle Entertainmenterlebnis im On-Demand-Zeitalter noch besser». Das Schweizer «Streaming» erscheint monatlich und kostet pro Ausgabe 4.90 Franken, das deutsche «Streaming» kommt vier Mal im Jahr heraus zu einem Preis von 3.90 Euro. Entsprechend unterscheiden sich auch die Umfänge. «Streaming» ist schlanker als «Streaming».</p>
<p>In beiden Publikationen finden sich seitenweise Premieren-Listen und Spielpläne. Der Textteil besteht im Wesentlichen aus Empfehlungen und Tipps, angereichert durch Hintergrundtexte wie Porträts, Interviews oder Hinweise auf neue Plattformen. Was es nicht gibt, sind reflektierende und kritische Auseinandersetzungen mit den Plattformbetreibern oder der Entwicklung von Serien als Genre.</p>
<blockquote><p>Das überfrachtete Layout widerspricht dem eigenen Anspruch, Übersicht zu verschaffen im Seriendschungel.</p></blockquote>
<p>«Streaming» und «Streaming» bieten Service-Journalismus und machen kein Feuilleton. Entsprechend serviceorientiert sieht die Gestaltung aus. Vor allem das deutsche Heft wirkt massiv überfrachtet mit Text und Bild. Damit widerspricht das Layout dem Anspruch, Übersicht zu verschaffen im Seriendschungel. Das Schweizer Pendant kommt dagegen etwas anspruchsvoller daher und hat nicht jeden Quadratzentimeter mit Informationen zugepflastert.</p>
<p>Bleibt die Frage, ob dieses Angebot einem Bedürfnis entspricht. Die Verlage sind davon natürlich überzeugt, sonst hätten sie die Magazine nicht lanciert. Und wenn zwei das Gleiche tun, können sie so falsch nicht liegen, würde man vermuten.</p>
<p>Wer für die Organisation seines TV-Konsums schon bisher auf die Empfehlungen einer Programmzeitschrift vertraut hat, wird in den «Streaming»-Heftli eine vergleichbare Dienstleistung für die neuen Video-Plattformen vorfinden. Das dürfte vor allem ein älteres Publikum zu schätzen wissen. Jüngere Serienjunkies und Bingewatcher finden sich in der schönen neuen Bewegtbildwelt auch ohne bedrucktes Papier bestens zurecht. Dieses Segment will das Heft von Ringier Axel Springer mit der Online-Version <a href="https://www.streaming.ch/" target="_blank" rel="noopener">streaming.ch</a> und Aktivitäten auf <a href="https://www.facebook.com/streamingmagazin" target="_blank" rel="noopener">Facebook</a> und <a href="https://www.instagram.com/streamingmagazin/" target="_blank" rel="noopener">Instagram</a> ansprechen. Doch das Innovativste am Schweizer «Streaming» bleibt das monatlich kündbare Abonnement. Das schafft immerhin einen Anreiz, der Publikation eine Chance zu geben.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/11/10/zwei-mal-streaming-oder-die-renaissance-der-programmzeitschrift/">Zwei Mal «Streaming» – oder: Die Renaissance der Programmzeitschrift</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Das Schweizer Mädchenmagazin «Kosmos» will alles anders machen</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2020/11/05/das-schweizer-maedchenmagazin-kosmos-will-alles-anders-machen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Nov 2020 12:54:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Mädchenmagazin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Starke Statements statt Schminktipps: Das neue Schweizer Mädchenmagazin «Kosmos» will Schluss machen mit Rollenklischees. Aber wie? 5 Dinge, die es zu wissen gibt.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/11/05/das-schweizer-maedchenmagazin-kosmos-will-alles-anders-machen/">Das Schweizer Mädchenmagazin «Kosmos» will alles anders machen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Starke Statements statt Schminktipps: Das neue Schweizer Mädchenmagazin «Kosmos» will Schluss machen mit Rollenklischees. Aber wie? 5 Dinge, die es zu wissen gibt.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/11/05/das-schweizer-maedchenmagazin-kosmos-will-alles-anders-machen/">Das Schweizer Mädchenmagazin «Kosmos» will alles anders machen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Der US-«Playboy» war kein «Tittenmagazin», sondern eine politische Streitschrift</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2020/03/23/der-us-playboy-war-kein-tittenmagazin-sondern-eine-politische-streitschrift/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Mar 2020 19:53:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Playboy]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die US-amerikanische Ausgabe des «Playboy» erscheint zum letzten Mal auf Papier. Es ist das Ende eines Heftes, das – allen Kritiken zum Trotz – nie ein aufpoliertes «Schmuddelblatt» war, sondern über Jahrzehnte einen gesellschaftlichen Beitrag leistete. Ein Nachruf.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/03/23/der-us-playboy-war-kein-tittenmagazin-sondern-eine-politische-streitschrift/">Der US-«Playboy» war kein «Tittenmagazin», sondern eine politische Streitschrift</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die US-amerikanische Ausgabe des «Playboy» erscheint zum letzten Mal auf Papier. Es ist das Ende eines Heftes, das – allen Kritiken zum Trotz – nie ein aufpoliertes «Schmuddelblatt» war, sondern über Jahrzehnte einen gesellschaftlichen Beitrag leistete. Ein Nachruf.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/03/23/der-us-playboy-war-kein-tittenmagazin-sondern-eine-politische-streitschrift/">Der US-«Playboy» war kein «Tittenmagazin», sondern eine politische Streitschrift</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>«Die 300 reichsten Schweizer»: die Geschichte der goldenen Sonderbeilage der «Bilanz»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2019/11/28/die-300-reichsten-schweizer-die-geschichte-der-goldenen-sonderbeilage-der-bilanz/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 28 Nov 2019 18:21:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaftsjournalismus]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=74864</guid>

					<description><![CDATA[<p>Vor bald 30 Jahren publizierte die Zeitschrift «Bilanz» zum ersten Mal ihre Sonderausgabe mit den reichsten Schweizerinnen und Schweizern. Warum das neue Ranking damals eine kleine Revolution war und was sich seitdem verändert hat, hat die Zürcher Historikerin Monika Dommann erforscht.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2019/11/28/die-300-reichsten-schweizer-die-geschichte-der-goldenen-sonderbeilage-der-bilanz/">«Die 300 reichsten Schweizer»: die Geschichte der goldenen Sonderbeilage der «Bilanz»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Vor bald 30 Jahren publizierte die Zeitschrift «Bilanz» zum ersten Mal ihre Sonderausgabe mit den reichsten Schweizerinnen und Schweizern. Warum das neue Ranking damals eine kleine Revolution war und was sich seitdem verändert hat, hat die Zürcher Historikerin Monika Dommann erforscht.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2019/11/28/die-300-reichsten-schweizer-die-geschichte-der-goldenen-sonderbeilage-der-bilanz/">«Die 300 reichsten Schweizer»: die Geschichte der goldenen Sonderbeilage der «Bilanz»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<item>
		<title>«Die Avenue liegt zwischen Elfenbeinturm und Boulevard»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2019/11/28/die-avenue-liegt-zwischen-elfenbeinturm-und-boulevard/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Miriam Suter]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 28 Nov 2019 15:21:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Free food free drinks free press]]></category>
		<category><![CDATA[Avenue]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>«Avenue» ist ein Gesellschaftsmagazin mit einem wissenschaftlichen Anspruch. Pro Jahr erscheinen drei monothematische Ausgaben. Die Nullnummer erschien vor vier Jahren als Wandzeitung, heute ist «Avenue» ein stattliches Heft, herausgegeben als Familienunternehmen. Hinter «Avenue» stecken Corinna Virchow und Mario Kaiser. Die beiden haben keinen journalistischen Hintergrund, sondern einen wissenschaftlichen: Virchow hat Germanistik und Geschichte studiert und <a href="https://medienwoche.ch/2019/11/28/die-avenue-liegt-zwischen-elfenbeinturm-und-boulevard/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2019/11/28/die-avenue-liegt-zwischen-elfenbeinturm-und-boulevard/">«Die Avenue liegt zwischen Elfenbeinturm und Boulevard»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>«Avenue» ist ein Gesellschaftsmagazin mit einem wissenschaftlichen Anspruch. Pro Jahr erscheinen drei monothematische Ausgaben. Die Nullnummer erschien vor vier Jahren als Wandzeitung, heute ist «Avenue» ein stattliches Heft, herausgegeben als Familienunternehmen.</strong></p>
<div data-mode="normal" data-oembed="1" data-provider="youtube" id="arve-youtube-fri17lie-xa-2" class="arve">
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</p></div>
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</div>
<p>Hinter <a href="https://avenue.jetzt/" target="_blank" rel="noopener">«Avenue»</a> stecken Corinna Virchow und Mario Kaiser. Die beiden haben keinen journalistischen Hintergrund, sondern einen wissenschaftlichen: Virchow hat Germanistik und Geschichte studiert und über nackte Frauen im Artusroman promoviert. Mario Kaiser hat Philosophie, Zoologie und Informatik studiert. Seine Dissertation schrieb er zu technischen Zukünften und ihren Folgen in der Gegenwart.</p>
<p>Eine «Vogue für Gedanken» sei das Magazin, steht auf der Webseite. Und das stimmt: Für die «Avenue» muss man sich Zeit nehmen, und man nimmt sie sich gerne. Obwohl das Magazin Themen aus den Geistes- und Sozialwissenschaften behandelt, gelang es Virchow und Kaiser, eine junge Zeitschrift mit Popkultur-Charakter auf die Beine zu stellen. Den beiden ist es ausserdem ein Anliegen, mit ihren Leserinnen und Lesern in einen Dialog zu treten. Dafür nutzen sie für manche Artikel ein <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Offenes_Peer-Review" target="_blank" rel="noopener">Open-Peer-Reviewing</a>: Diese Texte erscheinen zuerst online, können dort kommentiert werden und die Autorinnen und Autoren der Texte gehen danach für die gedruckte Ausgabe auf diese Kommentare ein.</p>
<p>Das «Avenue»-Magazin fokussiert jeweils auf ein Thema pro Ausgabe: Bisher ging es um Hochstapler, Paradiese, Sammeln, junge Männer oder Pornographie. 10’000 Exemplare beträgt die Auflage, davon 1’500 Abos – rund 300 kommen bei jeder Ausgabe neu dazu. Für 50 Franken kann man das Magazin abonnieren, ein einzelnes Heft kostet 13.80 Franken.</p>
<p>Virchow und Kaiser sind ein Paar mit vier Kindern, eins davon ist noch ein Baby. Also beschäftigt die beiden zwingend auch das Thema Gleichberechtigung – besonders im Arbeitsumfeld. Ich wollte von ihnen wissen, wie man neben dem Familienleben und der Beziehung ein Projekt wie die «Avenue» gründet, wie man die schlaflosen Nächte übersteht – und warum sie trotzdem immer weiter machen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2019/11/28/die-avenue-liegt-zwischen-elfenbeinturm-und-boulevard/">«Die Avenue liegt zwischen Elfenbeinturm und Boulevard»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<item>
		<title>Eleganter Plauderton am Sonntag</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2019/11/05/eleganter-plauderton-am-sonntag/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[René Zeyer]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 05 Nov 2019 15:06:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[NZZ am Sonntag]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das neue «NZZ am Sonntag Magazin» trifft den richtigen Ton: Es kommt nicht zu abgehoben und auch nicht zu verschroben daher, sondern pflegt den eleganten Plauderton. Ein Gewinn für die Lektüre am Sonntag. Selten gibt es Gutes zu vermelden im sich zu Tode sparenden Journalismus. Deshalb mit Trompeten, Fanfaren und vollem Orchester ein Loblied auf <a href="https://medienwoche.ch/2019/11/05/eleganter-plauderton-am-sonntag/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2019/11/05/eleganter-plauderton-am-sonntag/">Eleganter Plauderton am Sonntag</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Das neue «NZZ am Sonntag Magazin» trifft den richtigen Ton: Es kommt nicht zu abgehoben und auch nicht zu verschroben daher, sondern pflegt den eleganten Plauderton. Ein Gewinn für die Lektüre am Sonntag.</strong><br />
<img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-73991" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/11/MW-Loblied-NZZ-am-Sonntag-Magazin_20191105c.jpg" alt="" width="1456" height="976" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/11/MW-Loblied-NZZ-am-Sonntag-Magazin_20191105c.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/11/MW-Loblied-NZZ-am-Sonntag-Magazin_20191105c-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/11/MW-Loblied-NZZ-am-Sonntag-Magazin_20191105c-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/11/MW-Loblied-NZZ-am-Sonntag-Magazin_20191105c-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/11/MW-Loblied-NZZ-am-Sonntag-Magazin_20191105c-470x315.jpg 470w" sizes="auto, (max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
Selten gibt es Gutes zu vermelden im sich zu Tode sparenden Journalismus. Deshalb mit Trompeten, Fanfaren und vollem Orchester ein Loblied auf die NZZ. Genauer: auf die «NZZ am Sonntag». Noch genauer: auf ihr neues <a href="https://nzzas.nzz.ch/notizen/nzz-am-sonntag-magazin-unsere-neue-woechentliche-beilage-ld.1517726" target="_blank" rel="noopener">«NZZ am Sonntag Magazin»</a>. Dass der Name etwas sperrig ist, wäre schon die einzige Meckerei. Ach, und dass es im Impressum vielleicht einen Tick zu viele Häuptlinge und eher wenig Indianer hat. Aber wir wollen den Beteiligten ihre Titel gönnen.</p>
<p>Denn sie haben sie sich verdient. Während die vorherige Beilage eher streng nach Sparmassnahme roch; zwar ein etwas besseres Papier, auf dem der «Stil» gedruckt wurde, aber ansonsten doch sowohl inhaltlich wie formal überschaubar.</p>
<p>Geld ausgegeben wurde früher vor allem für Modestrecken, die man auf einschlägigen Plattformen im Internet gratis und nicht schlechter anschauen kann. Aber nun ist alles anders, und viel besser. Das fängt beim Papier an, hört aber dort lange nicht auf. Ausser, dass Hochglanz und handliches Format gut gewählt sind, ist die Rubrifizierung meist das A und O einer Beilage am Sonntag.</p>
<p>Denn der Leser möchte unterhalten, informiert und amüsiert werden, zudem liebe Gewohnheiten entwickeln. Also das Bewährte und Gute jede Woche wiederfinden. Wer Rubriken mit den hübschen Namen «Der Kanon», «Stammesrituale», «Beziehungsverhalten» oder «Perfekt» erfindet, hat nur ein Problem: da ist die Latte dann recht hoch gelegt, sie jede Woche ansprechend zu füllen.</p>
<p></p>
<p>Letztes Wochenende ist das eigentlich kaum steigerbar gelungen. Der «Kanon» beschäftigt sich mit dem Phänomen des Mitläufers, Saunagänger bieten Anlass, über «Stammesrituale» nachzudenken, bei «Perfekt» wird die Fotoserie gewürdigt, die den kleinen, dicken Diktator mit merkwürdiger Frisur auf einem weissen Pferd einen Berg in Nordkorea hinaufreiten lässt.</p>
<p>Statt Modestrecken und kaum verhüllten Konsumanregungen gibt es nun zwei längere Schreibstrecken. Die Titelstory «Unter meinesgleichen», die Suche nach dem Glück in der Heimat, darf sich auf 14 Seiten ausbreiten. Der Text trägt die lange Strecke; vielleicht hätte man sich noch überlegen können, ob heutzutage der Journalist wirklich schreiben und fotografieren muss. Denn wer so gut schreibt wie Christoph Zürcher hätte einen besseren Fotografen als Zürcher verdient.</p>
<p>Das zweite längere Stück beschäftigt sich mit Sake. Genau, mit diesem japanischen Reisschnaps, der, warm oder kalt, immer mehr zum In-Getränk wird. Reicht das, um vier Seiten mit Bild und Text zu füllen? Oh ja. Das ist ein Text von Barbara Höfler, der so gut anfängt, dass man spontan Angst kriegt, ob sie das auch durchhält bis am Schluss. Aber das tut sie. Dieser Text fährt ein wie eine Diesellok, um ihr schönes Bild der Wirkung eines Sake zu verwenden.</p>
<p>Das sind zwei Texte, die eine im deutschen Sprachraum fast verloren gegangene Qualität aufweisen: den eleganten Plauderton. Keine Relotius-artig hochgezwirbelte Reportage, bei der man sich fragen muss, wie viel davon Wahrheit und wie viel Dichtung ist. Auch kein angestrengtes Feuilletonstück, bei dem man ohne vertiefte Kenntnis von Postdekonstruktivismus und den luhmannschen Systemen eher verloren ist. Auch kein eleganter Begleiter beim Tischgespräch, was die «Weltwoche» sein will und nur selten ist.</p>
<p>Sondern eine fein auf die Bedürfnisse des NZZ-Publikums abgestimmte Mischung. Die den richtigen Ton trifft; nicht zu abgehoben und auch nicht zu verschroben daherkommt. Und einen mit einem letzten Glanzlicht befriedigt entlässt: «Auf der Couch». Feinfühlig erfundene Dialoge mit berühmten Zeitgenossen, wie sie zwar nicht geführt wurden, aber geführt werden könnten.</p>
<p>Also, ein kleines Wunderwerk, dieses neu gestaltete und munter betextete Werk aus dem Hause NZZ. Ein Grund, sich auf den nächsten Sonntag zu freuen. Nur leicht bang ob der Frage, ob die das wirklich jede Woche auf 46 Seiten durchhalten. Natürlich hofft man das, wünscht sich das, fordert das als bereicherter Leser. Der sich an diesem Quell in der Wüste der Medienprodukte noch lange laben will. Mit diesem Magazin hört die «NZZ am Sonntag» auch am Montag noch nicht auf, während die «Sonntagszeitung» dann schon längst im Altpapier gelandet ist. Dann gibt’s doch noch ein drittes Sonntagsblatt, aber da fällt mir der Namen nicht mehr ein. Für das gilt «wisch und weg».</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2019/11/05/eleganter-plauderton-am-sonntag/">Eleganter Plauderton am Sonntag</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>«‹Ernst› ist eine Randfigur im Journalismus»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2019/10/04/ernst-ist-eine-randfigur-im-journalismus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Miriam Suter]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 04 Oct 2019 08:38:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
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		<category><![CDATA[ERNST]]></category>
		<category><![CDATA[Männerzeitung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Braucht es ein «Gesellschaftsmagazin für den Mann»? Für Adrian Soller, Redaktionsleiter und Gründer des «Ernst»-Magazins aus Winterthur, steht fest: Nein. Trotzdem ist «Ernst» das Einzige, was ihn im Journalismus hält. In einer kleinen Redaktionsstube in Winterthur entsteht das «Ernst»-Magazin. «Das Gesellschaftsmagazin für den Mann» steht auf dem Cover. Das Herzstück des Magazins sind die literarischen <a href="https://medienwoche.ch/2019/10/04/ernst-ist-eine-randfigur-im-journalismus/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Braucht es ein «Gesellschaftsmagazin für den Mann»? Für Adrian Soller, Redaktionsleiter und Gründer des «Ernst»-Magazins aus Winterthur, steht fest: Nein. Trotzdem ist «Ernst» das Einzige, was ihn im Journalismus hält.</strong></p>
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<p>In einer kleinen Redaktionsstube in Winterthur entsteht das «Ernst»-Magazin. «Das Gesellschaftsmagazin für den Mann» steht auf dem Cover. Das Herzstück des Magazins sind die literarischen Reportagen und Porträts. Getragen wird «Ernst» vom <a href="https://www.ernstmagazin.com/uumlber-uns.html" target="_blank" rel="noopener">Verein Männerzeitung</a>, Mitglieder sind die Macherinnen und Macher des Magazins selber. «Ernst» entstand 2005 als Nachfolgeprojekt der «Männerzeitung». Diese wiederum bestand seit 2001, damals gegründet als «männer.be» von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Markus_Theunert" target="_blank" rel="noopener">Markus Theunert</a>, der bekanntesten Schweizer Vertretung der Männerbewegung und dem ersten staatlichen Männerbeauftragten im deutschen Raum.</p>
<blockquote><p>«Schlussendlich ist ‹Ernst› aber nicht weiblicher geworden, sondern einfach: besser.»<br />
<small>Die Wochenzeitung WOZ über das neue Magazin.</small></p></blockquote>
<p>Als aus der «Männerzeitung» 2017 «Ernst» wurde, veränderte sich die Leserschaft: Mehr Frauen lesen seither das Magazin. Die «Männerzeitung» werde «weiblicher», schrieb daher die Berner Zeitung. Und die WOZ kritisierte am neugeborenen «Ernst», dass sich die Zeitschrift noch immer «an den Mann richte» und darum alte Rollenbilder zementiere. Die WOZ stellte aber auch fest: «Trotzdem: Dass ‹Ernst› dem Bild des holzhackenden, fleischfressenden Muskelprotzes etwas entgegensetzt und sich aufmacht, andere Entwürfe von Männlichkeit zu porträtieren, ist wichtig und richtig. Schlussendlich ist ‹Ernst› aber nicht weiblicher geworden, sondern einfach: besser.»</p>
<p>Auf der Website des «Gesellschaftsmagazins für Männer» steht: «‹Ernst› macht guten Journalismus. Und das steht bei uns an erster Stelle. Wir produzieren nicht nur Content, sondern schauen hin und nehmen teil.» Und das zahlt sich aus: 90 Prozent der Einnahmen, die das unabhängige, selbstverwaltete Magazin macht, kommen durch Abonnements.</p>
<p>Für Adrian Soller, «Ernst»-Gründer und Redaktionsleiter, ist «Ernst» der wichtigste Grund, überhaupt noch im Journalismus zu bleiben. Er erzählt in der neuen Ausgabe der Videokolumne, was falsch läuft in der Medienwelt und ob es überhaupt ein Magazin eigens für Männer braucht.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2019/10/04/ernst-ist-eine-randfigur-im-journalismus/">«‹Ernst› ist eine Randfigur im Journalismus»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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