von Miriam Suter

«Die Avenue liegt zwischen Elfenbeinturm und Boulevard»

«Avenue» ist ein Gesellschaftsmagazin mit einem wissenschaftlichen Anspruch. Pro Jahr erscheinen drei monothematische Ausgaben. Die Nullnummer erschien vor vier Jahren als Wandzeitung, heute ist «Avenue» ein stattliches Heft, herausgegeben als Familienunternehmen.




Hinter «Avenue» stecken Corinna Virchow und Mario Kaiser. Die beiden haben keinen journalistischen Hintergrund, sondern einen wissenschaftlichen: Virchow hat Germanistik und Geschichte studiert und über nackte Frauen im Artusroman promoviert. Mario Kaiser hat Philosophie, Zoologie und Informatik studiert. Seine Dissertation schrieb er zu technischen Zukünften und ihren Folgen in der Gegenwart.

Eine «Vogue für Gedanken» sei das Magazin, steht auf der Webseite. Und das stimmt: Für die «Avenue» muss man sich Zeit nehmen, und man nimmt sie sich gerne. Obwohl das Magazin Themen aus den Geistes- und Sozialwissenschaften behandelt, gelang es Virchow und Kaiser, eine junge Zeitschrift mit Popkultur-Charakter auf die Beine zu stellen. Den beiden ist es ausserdem ein Anliegen, mit ihren Leserinnen und Lesern in einen Dialog zu treten. Dafür nutzen sie für manche Artikel ein Open-Peer-Reviewing: Diese Texte erscheinen zuerst online, können dort kommentiert werden und die Autorinnen und Autoren der Texte gehen danach für die gedruckte Ausgabe auf diese Kommentare ein.

Das «Avenue»-Magazin fokussiert jeweils auf ein Thema pro Ausgabe: Bisher ging es um Hochstapler, Paradiese, Sammeln, junge Männer oder Pornographie. 10’000 Exemplare beträgt die Auflage, davon 1’500 Abos – rund 300 kommen bei jeder Ausgabe neu dazu. Für 50 Franken kann man das Magazin abonnieren, ein einzelnes Heft kostet 13.80 Franken.

Virchow und Kaiser sind ein Paar mit vier Kindern, eins davon ist noch ein Baby. Also beschäftigt die beiden zwingend auch das Thema Gleichberechtigung – besonders im Arbeitsumfeld. Ich wollte von ihnen wissen, wie man neben dem Familienleben und der Beziehung ein Projekt wie die «Avenue» gründet, wie man die schlaflosen Nächte übersteht – und warum sie trotzdem immer weiter machen.