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	<title>Bern | MEDIENWOCHE</title>
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	<link>https://medienwoche.ch</link>
	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
	<lastBuildDate>Mon, 22 Nov 2021 23:43:48 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
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		<title>Abbruch oder Aufbruch auf dem Medienplatz Bern?</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2021/11/23/abbruch-oder-aufbruch-auf-dem-medienplatz-bern/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Nov 2021 23:43:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Bern]]></category>
		<category><![CDATA[Berner Modell]]></category>
		<category><![CDATA[Hauptstadt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Seit genau 30 Jahren, immer kurz vor dem Zibelemärit, treffen sich Journalistinnen und Journalisten aus Bern zu einem Berner Medientag. Angesichts der schwierigen Situation auf dem Medienplatz Bern gab es dort in den letzten Jahren wenig Erfreuliches zu hören. Diesmal sprach man im Titel immerhin wieder von «Aufbruch».</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Seit genau 30 Jahren, immer kurz vor dem Zibelemärit, treffen sich Journalistinnen und Journalisten aus Bern zu einem Berner Medientag. Angesichts der schwierigen Situation auf dem Medienplatz Bern gab es dort in den letzten Jahren wenig Erfreuliches zu hören. Diesmal sprach man im Titel immerhin wieder von «Aufbruch».</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/11/23/abbruch-oder-aufbruch-auf-dem-medienplatz-bern/">Abbruch oder Aufbruch auf dem Medienplatz Bern?</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>«BärnToday»: CH Media plant Ausbau in Bern</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2021/10/27/baerntoday-ch-media-plant-ausbau-in-bern/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 26 Oct 2021 22:27:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Bern]]></category>
		<category><![CDATA[Tamedia]]></category>
		<category><![CDATA[Berner Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Bund]]></category>
		<category><![CDATA[BärnToday]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wie bereits in vier anderen Deutschschweizer Städten will CH Media auch in Bern ein «Today»-Portal aufbauen. Die Lücke, die Tamedia mit der Fusion seiner Zeitungsredaktionen hinterlässt, wird das neue Angebot aber kaum füllen können. Der 20. Oktober 2021 markierte eine Zäsur in der Mediengeschichte der Bundesstadt. Seit vergangenem Mittwoch sind die vormals eigenständigen Redaktionen von <a href="https://medienwoche.ch/2021/10/27/baerntoday-ch-media-plant-ausbau-in-bern/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wie bereits in vier anderen Deutschschweizer Städten will CH Media auch in Bern ein «Today»-Portal aufbauen. Die Lücke, die Tamedia mit der Fusion seiner Zeitungsredaktionen hinterlässt, wird das neue Angebot aber kaum füllen können.</strong><br />
<img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-92192" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/10/MW-BaernToday-CH-Media-20211026b.jpg" alt="" width="1456" height="976" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/10/MW-BaernToday-CH-Media-20211026b.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/10/MW-BaernToday-CH-Media-20211026b-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/10/MW-BaernToday-CH-Media-20211026b-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/10/MW-BaernToday-CH-Media-20211026b-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/10/MW-BaernToday-CH-Media-20211026b-470x315.jpg 470w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
Der 20. Oktober 2021 markierte eine Zäsur in der Mediengeschichte der Bundesstadt. Seit vergangenem Mittwoch sind die vormals eigenständigen Redaktionen von <a href="https://medienwoche.ch/2020/10/30/aus-zwei-mach-eins-tamedia-beerdigt-das-berner-modell/">«Bund» und «Berner Zeitung»</a> Geschichte; in Bern gibt es eine journalistische Stimme weniger. Tamedia, der Verlag der beiden Zeitungen, findet es «nicht mehr zeitgemäss, in einem so kleinen Raum zwei konkurrenzierende Angebote» zu haben und hat darum «gemacht, was man machen muss, wenn man betriebswirtschaftlich denkt». Das sagte Tamedia-Zeitungschef Marco Boselli am <a href="https://vimeo.com/613599198" target="_blank" rel="noopener">Swiss Media Forum</a> vor einem Monat in Luzern.</p>
<p>Nun gibt es Medienunternehmen, die ebenfalls betriebswirtschaftlich denken, aber zu anderen Schlüssen kommen. Zum Beispiel <a href="https://chmedia.ch/" target="_blank" rel="noopener">CH Media</a>. Das Joint Venture von NZZ Mediengruppe und AZ Medien plant, in Bern sein Medienangebot auszubauen.<br />
</p>
<p>Wie bereits in St. Gallen, Luzern, Aarau und Zürich will CH Media auch in Bern seine Radio- und Fernsehaktivitäten mit einem Online-Portal besser sichtbar machen. Das Unternehmen bestätigt die Ausbaupläne zwar nicht explizit, dementiert sie aber auch nicht.</p>
<blockquote><p>Dass der Aufbau von «BärnToday» beschlossene Sache sei, bestätigen mehrere Quellen aus dem Unternehmen CH Media.</p></blockquote>
<p>Ein CH-Media-Sprecher teilt der MEDIENWOCHE auf Anfrage mit: «Unser Ziel ist es, an allen unseren CH-Media-Entertainment-Standorten gemeinsame Radio-, regionale TV- und Today-Redaktionen zu schaffen.» Ein solcher Standort ist auch Bern. Mit «Telebärn» und «Radio Bern 1» besitzt CH Media, wie in den anderen vier Städten, auch in der Bundesstadt je einen TV- und einen Radiosender.</p>
<p>Eins und eins zusammengezählt hat auch das Jahrbuch «Qualität der Medien». In seiner aktuellen Ausgabe steht: «Der <a href="https://chmedia.ch/news/ch-media-uebernimmt-radio-bern1" target="_blank" rel="noopener">Kauf von ‹Radio Bern 1›</a> per Januar 2021 deutet darauf hin, dass CH Media auch in Bern eine verstärkte Integration seiner verschiedenen Medienangebote ansteuert.»</p>
<blockquote><p>«Telebärn» will sein aktuelles Studio verlassen und sucht zusammen mit «Radio Bern 1» gemeinsame Räumlichkeiten.</p></blockquote>
<p>Dass der Aufbau von «BärnToday» beschlossene Sache sei, bestätigen mehrere Quellen aus dem Unternehmen CH Media unabhängig voneinander. Die Frage sei nur noch, ob es im Herbst 2022 oder erst im Frühjahr 2023 losgehe in Bern. Von offizieller Seite heisst es, der Fokus liege nun auf Zürich und der baldigen Lancierung von «ZüriToday». Und: «Wir arbeiten an der Fortsetzung der Today-Erfolgsgeschichte», so der CH-Media-Sprecher.</p>
<p>Klar ist: «Telebärn» will sein aktuelles Studio verlassen und sucht zusammen mit «Radio Bern 1» gemeinsame Räumlichkeiten. Dort soll eine Online-Redaktion dazustossen. Das ist die gleiche Konstellation wie an allen anderen «Today»-Standorten.</p>
<p>Das erste solche Portal war <a href="https://www.fm1today.ch/" target="_blank" rel="noopener">«FM1Today»</a> in St. Gallen, benannt nach dem gleichnamigen Radiosender. Die Idee dazu stammte von der NZZ-Mediengruppe. Es sei das erste regionale Onlineportal der Schweiz, das in einer konvergenten Redaktion von Online-, Radio- und TV-Journalisten produziert werde, hiess es zum Start von «FM1Today» <a href="https://unternehmen.nzz.ch/2015/09/das-onlineportal-fm1today-ist-erfolgreich-gestartet/" target="_blank" rel="noopener">im Herbst 2015</a>.</p>

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            [rml_read_more]
<p>Nach dem Zusammenschluss der NZZ-Regionalmedien mit den AZ Medien führte die neue CH Media das «Today»-Konzept weiter. Anfang 2020 folgte <a href="https://www.pilatustoday.ch/" target="_blank" rel="noopener">«PilatusToday»</a> in Luzern mit «Radio Pilatus» und «Tele 1» als Kern. Im Sommer 2021 ging im AZ-Kernland <a href="https://www.argoviatoday.ch/" target="_blank" rel="noopener">«ArgoviaToday»</a> an den Start, wo das Unternehmen «Radio Argovia» und «Tele M1» betreibt. Im Frühjahr 2022 soll <a href="https://chmedia.ch/news/zueritoday-ch-media-baut-today-netzwerk-weiter-aus" target="_blank" rel="noopener">«ZüriToday»</a> folgen. Hier gehören «Radio 24» und «TeleZüri» dazu. «BärnToday» wäre dann die fünfte konvergente Regional-Newsplattform. Für die vier (und bald fünf) Portale hat CH Media eine Zentralredaktion in Zürich geschaffen, die «künftig überregionale Inhalte für alle Today-Plattformen produzieren, sowie zentrale Funktionen im Social Media- und Community-Management-Bereich übernehmen» werde.</p>
<blockquote><p>«BärnToday» wird dereinst hinter den Tamedia-Zeitungen die zweitgrösste Lokal-Redaktion beschäftigen in Bern.</p></blockquote>
<p>In Bern könnte CH Media nach der Zusammenlegung der Redaktionen von «Bund» und «Berner Zeitung» einen Beitrag dazu leisten, die Lücke zu füllen, die der Abbau bei den Tamedia-Titeln hinterlassen hat. Immerhin wird «BärnToday» mit seinen grob geschätzt rund 30 redaktionellen Stellen dereinst hinter den Tamedia-Zeitungen die zweitgrösste Lokalredaktion beschäftigen. Die Frage, ob es der Anspruch sei, mit dem neuen Portal in der Bundesstadt eine prägende Rolle im (politischen) Lokaljournalismus zu spielen, wollte CH Media nicht beantworten.</p>
<p>Ein Blick auf die «Today»-Portale zeigt, dass das publizistische Profil vor allem regionale Polizei- und People-Meldungen umfasst. Push-Nachrichten verschickt die Redaktion zum Start einer weiteren <a href="https://www.3plus.tv/der-bachelor" target="_blank" rel="noopener">«Bachelor»</a>-Staffel, die auf dem CH-Media-Sender 3+ läuft, oder zur Wahl des Jugendwortes des Jahres. Politischer Journalismus zählt nicht zum Kerngeschäft. Das lässt sich auch damit erklären, dass CH Media in St. Gallen, Luzern und Aarau Tageszeitungen herausgibt, die mit einem kostenpflichtigen Online-Angebot zahlende Kundschaft suchen. Diese Bemühungen will man nicht mit dem eigenen Gratisangebot unterlaufen.</p>
<blockquote><p>«BärnToday» wird in einer Liga mit «Nau.ch» und «20min.ch» spielen.</p></blockquote>
<p>In Zürich und in Bern müssten die «Today»-Portale nicht auf Zeitungen aus dem eigenen Verlag Rücksicht nehmen. Ob «BärnToday» deshalb vom Konzept abweicht, darf bezweifelt werden. «Telebärn» und «Radio Bern 1» zeichnen sich nicht durch «harten» Journalismus aus und vermögen nur vereinzelt Akzente zu setzen oder mit ihrer Berichterstattung politisch etwas zu bewegen. Platzhirsch Tamedia braucht also kaum publizistische Konkurrenz zu fürchten. Und wirtschaftlich spielen die «Today»-Portale im werbefinanzierten Reichweitengeschäft, während sich «Bund» und «Berner Zeitung» vor allem über Abos finanzieren wollen und müssen. «BärnToday» wird daher in einer Liga mit «Nau.ch» und «20min.ch» spielen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/10/27/baerntoday-ch-media-plant-ausbau-in-bern/">«BärnToday»: CH Media plant Ausbau in Bern</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wider den lokalen Filz und Betriebsblindheit</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/01/24/wider-den-lokalen-filz-und-betriebsblindheit/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2016/01/24/wider-den-lokalen-filz-und-betriebsblindheit/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Daniel Ryser]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 24 Jan 2016 20:50:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[WOZ]]></category>
		<category><![CDATA[Lokaljournalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Bund]]></category>
		<category><![CDATA[Polizei]]></category>
		<category><![CDATA[Journalistische Praxis]]></category>
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		<category><![CDATA[St. Galler Tagblatt]]></category>
		<category><![CDATA[Bern]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Geschichten liegen auf der Strasse. Sie wollen nur aufgehoben werden. Dazu braucht es Journalistinnen und Journalisten mit Gespür, Geduld und Zeit für Gespräche. Nur wenn sie ihrem Gegenüber mit Respekt begegnen, kriegen sie die guten Geschichten. Ein Gastbeitrag von WOZ-Redaktor und Buchautor Daniel Ryser anlässlich des MAZ-Recherchetags. Manchmal scheint es ja tatsächlich so, als würde <a href="https://medienwoche.ch/2016/01/24/wider-den-lokalen-filz-und-betriebsblindheit/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Geschichten liegen auf der Strasse. Sie wollen nur aufgehoben werden. Dazu braucht es Journalistinnen und Journalisten mit Gespür, Geduld und Zeit für Gespräche. Nur wenn sie ihrem Gegenüber mit Respekt begegnen, kriegen sie die guten Geschichten. Ein Gastbeitrag von WOZ-Redaktor und Buchautor Daniel Ryser anlässlich des <a href="http://www.maz.ch/recherchetag16/" target="_blank">MAZ-Recherchetags</a>.<br />
<span id="more-26644"></span><br />
Manchmal scheint es ja tatsächlich so, als würde es einen stillen Handschlag geben zwischen den Mächtigen und der Presse. Wie konnte es zum Beispiel sein, dass es die Zürcher «Weltwoche» brauchte, die aufdeckte, dass der St. Galler Kantonsratspräsident (FDP) <a href="http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2015-25/koenig-des-rheintals-am-abgrund-die-weltwoche-ausgabe-252015.html" target="_blank">46 offene Betreibungen</a> am Laufen hatte? Warum brachte die lokale Monopolzeitung «St. Galler Tagblatt» die Story nicht, die in St. Gallen offenbar längst die Runde machte? Spielte der FDP-Filz? Waren die ortskundigen Journalisten einfach zu faul? Steckte man zu sehr im Alltagsstress? Kannte man sich vielleicht sogar und war betriebsblind geworden? Und welche Rolle spielten die alten Hasen auf der «Tagblatt»-Redaktion, die häufig nur zu gerne an der Morgensitzung ihr Gärtchen verteidigen, in dem sie den jungen Journalisten sagen: «Das ist keine Story, denn darüber haben wir schon vor fünf Jahren berichtet.»</p>
<p>Eigentlich ist es eine kleine Schande, dass es den Zürcher Journalisten und «Weltwoche»-Vize Philipp Gut brauchte. Eine Quelle war an ihn herangetreten, die offenbar kein Vertrauen in die lokalen Medien hatte, und, noch schlimmer, laut Gut offenbar bereits einen Lokaljournalisten darauf aufmerksam gemacht hatte. Der brachte die Geschichte nicht.</p>
<p>Lauter Fragen, die man sich stellen muss, und die man auch in Bern stellte, nachdem ich in der WOZ getitelt hatte: <a href="https://www.woz.ch/-62bb" target="_blank">«Amtlich bewilligter Polizeiterror»</a>. Auf zwei Seiten breitete ich umstrittene Methoden einer Sondereinheit der Kantonspolizei Bern aus, die besetzte Häuser stürmte – nota bene legal zwischengenutzte – und dort Dinge veranstaltete, die ein von mir zu Rate gezogener Berner Staatsrechtsprofessor als derart haarsträubend einstufte, dass sie, sollten sie nachgewiesen werden können, kriminell sind. Die Folge der Berichterstattung war, dass der Kanton Bern erst zum zweiten Mal in seiner Geschichte einen ausserkantonalen Staatsanwalt beauftragte, die Ereignisse zu untersuchen.</p>
<p><strong>Warum brauchte es dazu die WOZ?</strong><br />
Als ich 2010 in Zürich lange über Fussballhooligans recherchierte, waren sie ganz verblüfft, dass man mit einem Journalisten reden kann (und dies, obwohl die Vorzeichen schlecht gestanden hatten – ich hatte in der WOZ publik gemacht, dass der Sicherheitschef des Zürcher Lezigrund-Stadions für Hooligans seltsame Erotikshows veranstaltet hatte). Sie hatten noch nie mit einem Journalisten gesprochen, die Journalisten wiederum schienen aus der Ferne alles über Hooligans zu wissen, obwohl auch sie noch nie mit einem Hooligan geredet hatten. Als Quelle dienten Einschätzungen von Polizei und Szeneexperten, aber nicht die Akteure selbst. So schafft man eine Distanz, die irgendwann unüberbrückbar wird. Wir Journalisten werden dann zu Experten aus der Ferne, zu Experten in Anführungszeichen.</p>
<p>Der Schlüssel zur Recherche lag darin, sich Zeit zu nehmen. Das ist einerseits wirklich keine Hexerei, andererseits: Zeit muss man sich in diesem temporeichen Geschäft in der Tat ganz aktiv nehmen, sich also auch dem nervenden Redaktor verweigern, der ja eine leere Zeitung füllen muss und die Story schon morgen im Blatt haben will, sowie auch dem eigenen schlechten, (protestantischen?) Gewissen, das nagt, wenn man mal ein paar Ausgaben aussetzt. Dabei arbeitet man im Hintergrund ja fleissig! Die Recherche über die Zürcher Fussballhooligans dauerte letztlich ein Jahr, bevor ich sie als Buch publizierte (<a href="https://www.woz.ch/shop/buecher/daniel-ryser-feld-wald-wiese-hooligans-in-zuerich" target="_blank">«Feld-Wald-Wiese. Hooligans in Zürich»</a>).</p>
<p>Als ich mit den Berner Hausbesetzern redete (die Häuser waren, ein wichtiges Detail, längst legal zwischengenutzt, die Bewohner angemeldet), waren sie verblüfft, dass es möglich ist, sich mit einem Journalisten hinsetzen und einfach mal die eigene Sicht der Dinge schildern zu können. So, als gäbe es in Bern keine lokalen Zeitungen. Der Lokaljournalismus hat in diesem Fall gepennt, und es ist mir unverständlich wieso. Denn die Geschichte wurde den JournalistInnen in die Redaktion geworfen: Man hat sich aber darauf beschränkt, Communiqués abzudrucken, welche die Hausbesetzer den Medien zustellten. Man zitierte die schweren Vorwürfe, dem stellte man die Antworten der Polizei gegenüber, die natürlich alles in Abrede stellt.</p>
<p>Die logische Konsequenz: Man drehte sich im Kreis und kam nicht weiter. Aber wenn ich in kurzer Zeit zwei Communiqués in den Händen halte, wo man mir mitteilt, dass eine schwer bewaffnete Sondereinheit eine legale Zwischennutzung gestürmt und kurz und klein geschlagen habe, und dabei zudem mehreren Hausbewohnern die Augen verbunden habe, dann schreit das doch nach einer Geschichte. Schon nur aus pragmatischen Gründen: So spannend ist das Journalistenleben nun auch wieder nicht. Stattdessen taten die Lokaljournalisten nichts, und ich kam, erst Monate später, ins Spiel, durch eine Bernerin, die mich auf die Geschichte aufmerksam machte und auch mit dem Hinweis, die lokalen Medien würden sich der Sache nicht annehmen.</p>
<p>Man muss sich im Lokalen natürlich gegen alle möglichen Verstrickungen abgrenzen: Gegenüber lokalen Verbandelungen (mehrere ehemalige Journalisten haben den heute üblichen aber eigentlich bizarren fliegenden Wechsel vom Journalismus in die PR-Branche vollzogen und arbeiten inzwischen bei der Berner Kantonspolizei im Mediendienst); abgrenzen muss man sich womöglich auch gegen den Umstand, dass der Chef mit dem anderen Chef freitags Golf spielt; oder im Rotary-Club diniert. Wo sich Chefredakteur und Verleger halt so rumtreiben. Kann ein Problem sein. Man muss sich auch abgrenzen gegen Vorurteile, wonach die Polizei, mit der man ja immer wieder mal zu tun hat, immer recht hat und Hausbesetzer hingegen, mit denen man eher weniger zu tun hat, grundsätzlich zweifelhaft seien, weil eine Hausbesetzung ja schon grundsätzlich ein Straftatbestand darstellt. Derartige Voreingenommenheit dürfen wir uns als Journalisten nicht leisten – uns braucht zu interessieren, ob unsere Quellen glaubwürdig sind.</p>
<p>Und wenn mir zwölf knapp zwanzig jährige Frauen unabhängig voneinander immer wieder die gleiche Geschichte erzählen, und, für meine Akten, auch mit ihren Namen dazu stehen, dann muss etwas dran sein – vor allem, wenn wie in diesem Fall, die Polizei die Härte der Einsätze mit der Gefährlichkeit der Bewohnerinnen und Bewohner rechtfertigt. Aussage stand gegen Aussage, aber die Aussagen der Hausbesetzer erschienen derart schlüssig, dass die Justiz zum Schluss kam, dass die Möglichkeit besteht, dass die Polizei mit ihren Gegendarstellungen hier nicht informiert, sondern desinformiert hat. Im Fall von Bern gab es in der Folge einen Knall, die Geschichte stiess auf erhebliche Resonanz – weil in Bern offenbar sehr viele Leute schlechte Erfahrungen mit einer – so der Vorwurf – häufig unverhältnismässig agierenden Polizei gemacht hatten, und somit regelrecht auf diese Geschichte gewartet hatten. Aber, und das ist die Kritik in diesem Fall, die Geschichte hatte ja auch auf der Strasse gelegen. Man hätte nur loslegen müssen.</p>
<p><strong>Warum hat man nicht?</strong><br />
Man macht es sich zu einfach, wenn man sagt, eine Wochenzeitung hätte eben andere Möglichkeiten als eine Tageszeitung. Letztere müsse vor allem schnell agieren, schnell reagieren. Das stimmt, aber eben nur zur Hälfte. Ich habe selbst fünf Jahre lang für eine Tageszeitung gearbeitet, das zu Beginn gescholtene «St. Galler Tagblatt», und ich lieferte während Jahren täglich eine Story ab. Ich kenne die Mechanismen. Man läuft in der Tat Gefahr, vor lauter Abfüllen – Gemeinderatsberichterstattung, und da noch ein neues Restaurant, und dort noch ein Konzert und einer stellt am Freitag noch seine neuen Aquarelle aus – keine Zeit mehr zu finden für die Geschichten, die über das hektische Tagesgeschäft hinausgehen, für aufwändige Recherchen, oder Gedanken, die über Tage reifen müssen. Aber diese Zeit, dafür kann ich nur wiederholt plädieren, muss man sich nehmen, und man kann sie sich auch nehmen. Das sind wir unserem Job schuldig.</p>
<p>Schön hochgestochen geredet, stimmt. Nur wie sich die Zeit auch wirklich nehmen? Hier einige Tipps für den stressigen Redaktionsalltag nach fünf Jahren Tageszeitung, fünf Jahren Wochenzeitung und dreieinhalb Jahren beim «Magazin»:</p>
<ul>
<li>Nicht sofort an der Redaktionssitzung ankündigen, dass man eine Story am laufen habe: Sich damit einer Deadline verweigern, das nimmt erheblich Druck.</li>
<li>Sich nicht von Vorurteilen leiten lassen, und schon gar nicht von denen der alten Gärtchenverteidiger, die alles schon wissen, bevor es erzählt ist.</li>
<li>Zuerst einmal Ordnung: Was weiss ich? Was will ich wissen?</li>
<li>Dann in aller Ruhe die Leute angehen, sie auch mal zu rein informellen Gesprächen treffen</li>
<li>Mantra: Die Geschichte kommt erst, wenn sie fertig ist, ich lass mich nicht stressen, denn dann mache ich nur Fehler (das hilft wirklich ungemein!)</li>
<li>Erzähl deiner besten Freundin, was du für eine Geschichte am laufen hast (und am besten nimmst du deinen Monolog gleich auf Band auf – denn mit ein bisschen Glück reduziert sich der riesige Stapel an gesammeltem Material in der mündlichen Erzählung auf die spannendenden und wesentlichen Aspekte – und das ist dann womöglich schon der rote Faden deiner Story)</li>
<li>Zu einer grossen Recherche gehört auch die Produktionszeit, also sorgfältiges Gegenlesen – auch dazu muss man sich Zeit einplanen</li>
<li>Hausbesetzer sagen genauso die Wahrheit wie Polizisten (Was ich sagen will: Wenn dir jemand glaubwürdig erscheint, dann nimm ihn genauso ernst wie einen Polizeisprecher, der quasi seines Amtes die Wahrheit sagt – aber sagt er wirklich immer die Wahrheit?)</li>
<li>Fürchte nicht, dass du abgestraft wirst! Dies wiederum ist in der Tat der Vorteil einer überregionalen Wochenzeitung: Mir kann man in Bern nichts nachtragen, dem lokalen «Bund»-Redaktor schon. Nichts mühsamer, wenn morgens ein empörter Bürger im Büro steht, dem man Rechenschaft ablegen muss (andererseits: Konfrontation kann auch hilfreich sein!); definitiv mühsam ist es, wenn der Chef nervt, weil ihm sein Golfpartner vorgeschimpft hat, was für eine unseriöse Scheisse dieser Jungjournalist zusammenerfunden habe (obwohl er vielleicht sogar richtig lag). Nichts mühsamer, wenn Anzeigenkunden abspringen. Nichts mühsamer, wenn die ehemalige Bürokollegin plötzlich bei der Polizei arbeitet. Und trotzdem: Als Journalist muss man das aushalten können, auch wenn es in der Tat viel einfacher klingt, als es ist.</li>
<li>Rauchen hilft.</li>
<li>Trinken hilft übrigens nur bedingt (ist eigentlich dann am besten, wenn die Story abgeschlossen ist). Mal einen Monat lang keinen Alkohol trinken und demnach auch nicht dauernd in Bars rumlungern und klugscheissern, wie wir Journalisten das wahnsinnig gerne tun, kann in der Tat Wunder bewirken: Sich voll und ganz auf eine grosse Story konzentrieren; nur noch an die Story denken, so dass sich im Kopf alles zusammensetzt, und man am Schluss wie aus der Pistole geschossen alle Fragen, die sich stellen, beantworten kann.</li>
<li>Zuletzt: Wie das Vertrauen gewinnen von Leuten, die den Medien abgeneigt sind? Es gab mal auf einem Online-Portal eine Zusammenstellung von Gruppen, die an jenem berüchtigten «Reclaim the Streets» im Dezember 2013 teilgenommen haben sollen. Entstanden durch Rätselraten von Aussenstehenden. Das kann erstens nicht wirklich präzis sein und zweitens verbauen solche Storys dir den Zugang. Stichwort: «Lügenpresse!» Und vielleicht kann man diesen Vorwurf den Leuten manchmal ja nicht einmal verübeln. Wer dauernd aus der Ferne fertig gemacht wird, will nichts von Journalisten wissen. Dabei sollten wir Journalisten zwingend auch an den Rändern präzis sein, und nicht nur dort, wo die Macht sich ballt. Drum: Verzichte besser, wenn es irgendwie geht, im Zweifel auf die schnelle News-Story, bei der du selbst nicht sicher bist, ob sie so wasserdicht ist – halte dich für einmal zurück, denn du machst mit dem Schnellschuss mehr kaputt als du gewinnst (und zumindest hier weiss ich, wovon ich rede, es ist mir selbst zur Genüge passiert).</li>
<li>Versuche – aber immer mit offenen Karten – in eine Szene einzutauchen, und zwar anfangs ohne gezückten Stift in der Hand. Vertrauen braucht Geduld. Wir sollten uns dringend wieder davon verabschieden, jede Story gleich raushauen zu wollen. Im Moment arbeite ich, dies als praktisches Beispiel, intensiv an einer Recherche, die aber erst im Oktober erscheinen wird. Gewisse Dinge, gerade, wenn man sich an Rändern bewegt, lassen sich nicht erzwingen. Und klar, auch mit dem Bedenken, dass plötzlich ein anderer die Story bringen könnte – was aber bei komplizierten Geschichten sowieso eher nicht der Fall ist – muss man als Reporter leben können.</li>
</ul>
<p>Der Text ist das Handout zum Werkstattgespräch mit Daniel Ryser <a href="http://www.maz.ch/recherchetag16/" target="_blank">am 4. Schweizer Recherchetag</a> am MAZ in Luzern zu seinen Kapo-Bern-Recherchen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/01/24/wider-den-lokalen-filz-und-betriebsblindheit/">Wider den lokalen Filz und Betriebsblindheit</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
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		<title>Der «letzte Büezer» geht</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2014/08/04/der-letzte-bueezer-geht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 04 Aug 2014 10:19:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Berger]]></category>
		<category><![CDATA[Der Bund]]></category>
		<category><![CDATA[Bern]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Bleisatz]]></category>
		<category><![CDATA[Layout]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>34 Jahre lang hat Martin Berger für den «Bund» gearbeitet, Bleibuchstaben in Zeilen gesetzt, Seiten gewalzt, Textgefässe gezeichnet – und sich um die Arbeitskollegen gekümmert.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/08/04/der-letzte-bueezer-geht/">Der «letzte Büezer» geht</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>34 Jahre lang hat Martin Berger für den «Bund» gearbeitet, Bleibuchstaben in Zeilen gesetzt, Seiten gewalzt, Textgefässe gezeichnet – und sich um die Arbeitskollegen gekümmert.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/08/04/der-letzte-bueezer-geht/">Der «letzte Büezer» geht</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Wieder mal eine Nummer 1</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2013/03/12/wieder-mal-eine-nummer-1/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 12 Mar 2013 10:51:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Tamedia]]></category>
		<category><![CDATA[Radio Bern 1]]></category>
		<category><![CDATA[Capital FM]]></category>
		<category><![CDATA[RaBe]]></category>
		<category><![CDATA[Radio Bern]]></category>
		<category><![CDATA[Radio RaBe]]></category>
		<category><![CDATA[Zürichsee Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Bern]]></category>
		<category><![CDATA[Radio]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Namen ändern, die Sender bleiben. Mit selten gelungenen Wortkombinationen versuchen sich Lokalradios immer wieder aufs Neue Schwung zu verleihen. Aktuell in Bern. Hier nennt sich Capital FM, die lokale Nummer zwei,  bald «Radio Bern1». Das könnte Ärger geben mit der Nummer drei. Denn die heisst «Radio Bern». Raider heisst Twix, sonst ändert sich nix: <a href="https://medienwoche.ch/2013/03/12/wieder-mal-eine-nummer-1/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/03/12/wieder-mal-eine-nummer-1/">Wieder mal eine Nummer 1</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Namen ändern, die Sender bleiben. Mit selten gelungenen Wortkombinationen versuchen sich Lokalradios immer wieder aufs Neue Schwung zu verleihen. Aktuell in Bern. Hier nennt sich Capital FM, die lokale Nummer zwei,  bald «Radio Bern1». Das könnte Ärger geben mit der Nummer drei. Denn die heisst «Radio Bern».</p>
<p><span id="more-13045"></span></p>
<p>Raider heisst Twix, sonst ändert sich nix: Was der Schokoriegelwelt recht ist, kann der Radiolandschaft nur billig sein. Auch hier werden munter Etiketten gewechselt, ohne am Inhalt viel zu ändern. Meist wollen die neuen Besitzer dem Sender ihren Stempel aufdrücken. Aktuell setzen die Zürichsee Medien in der Bundesstadt eine Duftmarke, nachdem sie Capital FM <a href="http://www.tamedia.ch/de/pressekontakt/medienmitteilungen/2011/pressrelease/serge_reymond_leitet_neu_auch_den_unternehmensbereich_medien_deutschschweiz-1" target="_blank">von Tamedia übernommen</a> haben. Bald wird der Lokalsender <a href="http://www.radioszene.de/50860/aus-capital-fm-wird-radio-bern1.html" target="_blank"> «Radio Bern 1»</a> heissen – obwohl er seit Jahr und Tag die Nummer zwei ist hinter dem Ringier-Radio Energy (das übrigens früher einmal BE1 hiess, also irgendwie auch Bern 1). Gegründet wurde der Sender vor 30 Jahren <a href="http://youtu.be/HRYI1O9RBaw" target="_blank">als ExtraBe</a> und später umbenannt in ExtraBern, bevor man das Glück in der englischen Sprache suchte und ihn <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Capital_(radio_network)" target="_blank">grossspurig</a> Capital FM taufte.</p>
<p>Auch mit der Rückkehr zum Lokalbezug und integrierter Gewinnerziffer wird «Radio Bern1» keine grossen Sprünge machen. Aus dem «Erstklassradio für Erwachsene und Familien in der Region» wird ein «sympathisches, modernes und hörernahes Radio für eine erwachsene Hörerschaft». Dank diesen Angaben weiss man, auch ohne den Sender je gehört zu haben, wie er mit dem neuen Namen klingen wird: Ungefähr gleich wie bisher.</p>
<p>Auf den Namen kommt es nicht an. Erst recht nicht, wenn er so gewählt wird, dass er sich in Verwechslungsgefahr begibt. «Radio Bern 1» liegt nur um Haaresbreite von einem anderen lokalen Sender entfernt: vom Alternativsender «Radio Bern» <a href="http://www.rabe.ch/" target="_blank">besser bekannt als RaBe</a>. Dort nimmt man die mässig originelle Namenswahl der Konkurrenz halb irritiert, halb belustigt zur Kenntnis. «Vorerst lachen wir mal über das Logo mit dem tapsigen Bär mit dem Flaschenöffner im Gesicht», kommentiert RaBe-Vorstandsmitglied Willi Egloff.</p>
<p>Es hätte schliesslich schlimmer kommen können. Auch die Umbenennung von Capital FM in «Radio Bern» habe zur Wahl gestanden, teilt Geschäftsleiter Peter Scheurer mit. Mit der 1 im Namen hofft man, einen Rechtsstreit vermeiden zu können. Hatte Konkurrent RaBe vom ursprünglichen Vorschlag frühzeitig erfahren und konnte erfolgreich seine Bedenken deponieren, wusste der Sender vom neuen Namen nichts. «Ob dies ein Versuch ist zu testen, ob wir uns dies bieten lassen, oder ob der neue Eigentümer die Rechtslage anders beurteilt, wissen wir nicht», heisst es aus dem <a href="http://www.rabe.ch/ueber-uns/verein-radio-bern.html" target="_blank">RaBe-Vorstand</a>. Man werde die Lage prüfen.</p>
<p>Dass eine nachgestellte 1 nicht für eine Top-Platzierung garantiert, sondern höchstens rechtliche Probleme bringt, zeigt auch«Radio 1» von Roger Schawinski. In Zürich ist der Sender alles andere als der führende Anbieter und zum Start gab es <a href="http://www.blick.ch/news/ausland/klagedrohung-gegen-schawinskis-radio-1-id1472154.html" target="_blank">Ärger mit dem gleichnamigen Berliner Sender</a>.</p>
<p>Die regelmässige Neubenamsung der Lokalradios in der Schweiz zeigt, wie schwach die Sender offenbar im Publikum verankert sind. <span style="font-size: 13px; line-height: 19px;">Alle anderen Medien, ob Zeitungen, Magazine, aber auch Privatfernsehen, wechseln ihre Namen nicht annähernd so oft wie die Radios, eher stellen sie den Betrieb ein. Das Gegenteil der permanenten Namenssuche findet sich in den USA. </span><a style="font-size: 13px; line-height: 19px;" href="http://www.mycyberradio.com/de/service/faq/callsign.html" target="_blank">Kryptische Kürzel</a><span style="font-size: 13px; line-height: 19px;"> wie KCRW prägen die dortige Radiolandschaft seit eh und je. Der älteste Sender, der bis heute seinen ursprünglichen Namen behalten hat, ist </span><a style="font-size: 13px; line-height: 19px;" href="http://boston.cbslocal.com/show/the-history-of-wbz-radio/" target="_blank">WBZ in Boston</a><span style="font-size: 13px; line-height: 19px;">, zugelassen 1921.</span></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/03/12/wieder-mal-eine-nummer-1/">Wieder mal eine Nummer 1</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Noch kein klarer Kurs</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2012/11/30/noch-kein-klarer-kurs/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Magdalena Oberli]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 30 Nov 2012 08:21:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Christoph Lenz]]></category>
		<category><![CDATA[Journal B]]></category>
		<category><![CDATA[Tobias Habegger]]></category>
		<category><![CDATA[Der Bund]]></category>
		<category><![CDATA[Bern]]></category>
		<category><![CDATA[Online]]></category>
		<category><![CDATA[Berner Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Berner Online Medien]]></category>
		<category><![CDATA[BOM]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Respekt der Konkurrenz war gross vor dem Start des «Journal B», eines Onlinemagazins für die Stadt Bern. Gleich beide Tageszeitungen bauten ihre Lokalberichterstattung im Netz aus. Doch zwei Monate nach der Lancierung ist allenthalben Ernüchterung eingekehrt. Das «Journal B» konnte die – teils hohen – Erwartungen bisher noch nicht erfüllen. Seit gut zwei Monaten <a href="https://medienwoche.ch/2012/11/30/noch-kein-klarer-kurs/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Der Respekt der Konkurrenz war gross vor dem Start des «Journal B», eines Onlinemagazins für die Stadt Bern. Gleich beide Tageszeitungen bauten ihre Lokalberichterstattung im Netz aus. Doch zwei Monate nach der Lancierung ist allenthalben Ernüchterung eingekehrt. Das «Journal B» konnte die – teils hohen – Erwartungen bisher noch nicht erfüllen.</p>
<p><span id="more-30568"></span></p>
<p>Seit gut zwei Monaten will das <a href="http://www.journal-b.ch/" target="_blank">Onlinemagazin «Journal B»</a> als neue Stimme für Bern «die Einheitlichkeit der Tagesmedien aufbrechen und eine neue Sichtweise reinbringen», wie Chefredaktor Beat Kohler sagt. Christoph Reichenau, Vorstandsmitglied des <a href="http://www.berneronlinemedien.ch/index.html" target="_blank">Trägervereins Berner Online Medien</a> und ehemaliger Kultursekretär der Stadt Bern ergänzt: «Wir möchten auf lokalem Niveau etwas machen, das der Wochenzeitung WOZ auf nationaler Ebene entspricht, da die beiden bestehenden Tageszeitungen in Bern bürgerlich ausgerichtet sind.» Diese hohen Ansprüche konnten bis jetzt höchstens punktuell erfüllt werden.</p>
<h2>Zeitungen reagieren mit eigenen Blogs</h2>
<p>«Der Bund» und die «Berner Zeitung BZ» haben, noch bevor «Journal B» online ging, je einen neuen Blog mit Fokus auf das Geschehen in der Stadt Bern lanciert; just jenen Bereich, den das «Journal B» abdecken will. BZ-Lokalredaktor Tobias Habegger dazu: «Der <a href="http://www.zytblogger.ch/" target="_blank">‹Zytblogger›</a> war eher eine Reaktion auf die allgemeinen Entwicklungen in der Medienbranche.» Der Onlinebereich werde nun mal wichtiger. Höchstens der Zeitpunkt der Lancierung hänge mit «Journal B» zusammen. Beim neuen Magazin mag man indessen nicht an Zufall glauben. Die Zeitungen versuchten nun einzelne der Themenlücken in der Medienberichterstattung, die das «Journal B» identifiziert habe, selbst zu füllen, stellt Christoph Reichenau fest: «Ich finde es schade, dass sie das nicht sowieso machen.»</p>
<p>«Bund»-Redaktor Christoph Lenz sieht es ein wenig anders als sein Kollege bei der BZ: «Klar hat ‹Journal B› bei uns was ausgelöst. Wir haben uns gefragt: Befassen wir uns zu wenig mit unserer Stadt? Gibt es Themen die bei uns untergehen?» Im <a href="http://blog.derbund.ch/hauptstaedter/" target="_blank">«Hauptstädter»-Blog</a>, an dessen Entwicklung Lenz selbst nicht beteiligt war, werde nun grosso modo verhandelt, ob Bern Stadt oder Provinz sei. Bei «Journal B» hingegen könne er das bestimmende Thema noch nicht erkennen. «Ein schärferes Profil würde die Erfolgsaussichten vermehren. Warum nicht entschlossen links aussen stehen? Dafür steht ja auch die Trägerschaft.»</p>
<h2>Keine Denkvorschriften</h2>
<p>Die Kritik, dass «Journal B» mit zu wenig klaren Konturen daher komme, sei auch innerhalb des Vereins ein Thema, gibt Chefredaktor Kohler offen zu. «Aber was bedeutet dann pointiert? Ich bin ganz klar für die Trennung von Kommentar und Bericht.» Da liege wohl noch ein Missverständnis vor, bei denen, die der Meinung seien, das Magazin komme zu lieb daher. Denn: «Entweder bilden wir das ganze Meinungsspektrum ab und lassen die Leute sich selbst eine Meinung bilden oder wir schreiben ihnen vor, was sie denken sollen.» Aber dann sei es nicht das, was er sich vorstelle. «Wenn es linkspolemisch sein muss, damit es nicht apolitisch wirkt, dann bin ich der Falsche für diesen Job.»</p>
<p>Bei gewissen Leuten sei die Unterstützung für «Journal B» aufgrund der Unzufriedenheit mit der Mediensituation auf dem Platz Bern heraus erfolgt. «Natürlich möchte man gerne eine Gegenstimme haben», sagt Chefredaktor Beat Kohler. Doch für ihn sei klar, dass ein dogmatisch ausgerichtetes «Journal B», welches als rein linke Publikation positioniert sei, nicht überleben würde. «Man muss kein Prophet sein, um das vorherzusagen.» Die sozialdemokratisch ausgerichtete «Berner Tagwacht» sei in Bern nicht ohne Grund untergegangen. «Wenn wir Kolumnisten mit einer pointiert linken Haltung haben, ist das in Ordnung. Aber die Artikel selbst, sollen faktenbasiert sein und versuchen die Realität so gut als möglich abzubilden.»</p>
<h2>Linie noch nicht gefunden</h2>
<p>Vonseiten des Vorstands bestehen aber noch unerfüllte Erwartungen an die Redaktion. So räumt Vorstandsmitglied Christoph Reichenau ein, dass die Linie noch nicht in allem gefunden sei. Diese dürfe sich nicht bloss in den Kommentaren niederschlagen, sondern es gehe auch um die Themenwahl. «Etwa die Diskussion um Frauenquoten wurde verschenkt. Da haben wir gemerkt, dass unserer Vorgaben an die Redaktion noch ungenügend sind.» Deshalb könne sich der Vereinsvorstand auch nicht beklagen, sondern müsse «sich selbst bei der Nase nehmen und die Wünsche verdeutlichen».</p>
<p>Die Diskussion über Inhalte und Profil des Magazins sei im Vorfeld zu kurz gekommen und werde nun nochmals intensiv geführt. «Es gibt national bedeutsame Themen, die wir auf regionaler Ebene nachbearbeiten könnten, zum Beispiel die Asylgesetzrevision.» Ein weiteres Problem seien die personellen Ressourcen: «Es muss mehr Arbeitskapazität geschaffen werden.» Dazu müsste aber Geld aufgenommen werden, was innerhalb des Vereins umstritten sei. Eine andere Möglichkeit sieht Reichenau in einem ehrenamtlichen Engagement der Vereinsmitglieder.</p>
<h2>Erwartet, dass es «chlepft» zum Start</h2>
<p>Mit einer Mischung aus Enttäuschung und Ernüchterung nimmt die Konkurrenz das neue Online-Magazin wahr. «Ich hätte erwartet, dass es am Anfang mit Geschichten ‚chlepft’ und die Medienlandschaft in Bern etwas aufgewirbelt wird», sagt BZ-Redaktor Tobias Habegger. Nun komme das Portal etwas lahm daher. Ernüchterung auch bei «Bund»-Journalist Christoph Lenz: «Nach zwei Monaten bin ich ein wenig enttäuscht. Ich hätte mir gewünscht, dass die Kollegen von ‹Journal B› härter sind, dass sie schneller sind, dass sie uns Geschichten wegnehmen oder sie so erzählen und interpretieren, wie uns das aus der Tagesaktualität heraus nicht möglich ist.» Enttäuscht ist Lenz auch von der Coummunity-Arbeit: «Die müssen jetzt mal ein wenig Gas geben.»</p>
<p>Hier räumt auch «Journal B»-Chefredaktor Beat Kohler Verbesserungsbedarf ein: «Die Beteiligung der Community ist noch nicht auf dem von uns angestrebten Level. Dort müssen wir sicher nochmals einen Effort leisten.» Pläne hierzu sind vorhanden: «Wir möchten, was die Community angeht, etwas viel Grundsätzlicheres machen, als es bei den bestehenden Newsportalen in Bern der Fall ist», sagt Vorstandsmitglied Reichenau. Als Lokalmedium soll die Community nicht nur im Web zusammenfinden, sondern auch physisch. So sind Veranstaltungen geplant, an denen darüber diskutiert wird, was bisher gut war und was noch fehle. Der Kontakt zu den Leserinnen und Lesern solle eine gewisse Verbindlichkeit bekommen, wünscht sich Reichenau.</p>
<h2>Das liebe Geld</h2>
<p>Die Finanzierung des Portals ist bis Ende 2014 durch die <a href="http://www.tageswoche.ch/de/2012_38/schweiz/463553/die-b-seite-von-bern-ist-online.htm" target="_blank">Basler Stiftung für Medienvielfalt</a> von Roche-Erbin Beatrice Oeri gesichert. Danach muss «Journal B» mittels Werbung und Mitgliederbeiträgen selbstragend sein. Die grösste Crux bestehe darin, den Leuten verständlich zu machen, dass sie 250 Franken pro Jahr für etwas zahlen sollen, das sie auch gratis haben können. «Dazu braucht es einiges an politischer Überzeugung und Wachheit», sagt Reichenau. Findet der Trägerverein Berner Online Medien bis Ende 2014 nicht genügend Mitglieder, ist die Zukunft von «Journal B» ungewiss. Reichenau gesteht ein: «Ich kann nicht versprechen, dass wir Ende 2014 an einem Punkt sind, an dem wir sagen können: ‹Wir haben das Ziel erreicht›.»</p>
<p><a href="http://www.journal-b.ch/attachment/12/Journal%20B_DIE_REDAKTION_Plakat%20370x594mm_Ansicht.pdf?g_download=1" target="_blank">Veranstaltungshinweis</a>:<br />
<small>Heute Abend feiert «Journal B» seinen ersten «analogen Auftritt». Die Veranstaltung soll zeigen, wie wichtig «Journal B» der Kontakt zum Publikum ist. Es gibt Talkrunden und Live-Musik. Durch den Abend führt die Autorin und <a href="http://www.sandrakuenzi.ch/" target="_blank">Entertainerin Sandra Künzi</a>. Der Anlass ist öffentlich und ohne Eintritt, die Platzzahl ist beschränkt. Um 18:30 ist Türöffnung in der Aula des PROGR Zentrum für Kulturproduktion in Bern.</small></p>
<p><small>Die Autorin hat diesen Text im Rahmen ihrer Journalismus-Ausbildung am Institut für Angewandte Medienwissenschaft IAM, Winterthur verfasst. Er wird auch auf <a href="http://medienkritik-schweiz.ch/" target="_blank">«Medienkritik Schweiz»</a> veröffentlicht.</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/11/30/noch-kein-klarer-kurs/">Noch kein klarer Kurs</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<item>
		<title>«Ansporn, nächste Hürde zu nehmen»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2011/11/10/ansporn-nachste-hurde-zu-nehmen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 10 Nov 2011 11:05:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Berner Onlinemedien]]></category>
		<category><![CDATA[BOM]]></category>
		<category><![CDATA[Bern]]></category>
		<category><![CDATA[Start-up]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In Bern ist man einen Schritt näher gerückt an ein neues Nachrichtenmedium. Vor einer Woche hat der Verein Berner Onlinemedien bekanntgegeben, dass die Finanzierung der Projektphase zustande gekommen ist. Mit 50&#8217;000 Franken an Spendengeldern soll bis Januar die Gestalt des lokalen Online-Magazins ausgearbeitet und gleichzeitig weitere Mittel beschafft werden. Projektleiter Manuel Gnos, langjähriger Online-Chef der <a href="https://medienwoche.ch/2011/11/10/ansporn-nachste-hurde-zu-nehmen/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="alignleft" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2011/09/logo_BOM.jpg" alt="" width="120" height="123" /> In Bern ist man einen Schritt näher gerückt an ein neues Nachrichtenmedium. Vor einer Woche hat der Verein Berner Onlinemedien bekanntgegeben, dass die Finanzierung der Projektphase zustande gekommen ist. Mit 50&#8217;000 Franken an Spendengeldern soll bis Januar die Gestalt des lokalen Online-Magazins ausgearbeitet und gleichzeitig weitere Mittel beschafft werden. Projektleiter Manuel Gnos, langjähriger Online-Chef der Tageszeitung «Bund» in Bern, erklärt im Gespräch warum die Initiative von linken Kreisen ausgegangen war, weshalb er die Basler Tageswoche als Vorbild sieht und was er dereinst in einem neuen Online-Magazin lesen möchte.<br />
<span id="more-28939"></span><br />
<strong>MEDIENWOCHE: Als Projektleiter des <a href="http://berneronlinemedien.ch/" target="_blank">geplanten Online-Magazins</a> bist du vom Trägerverein beauftragt, die weiteren Vorbereitungsarbeiten in Angriff zu nehmen. Woran arbeitest du?</strong><br />
Manuel Gnos: Im Moment geht es darum Kontakte zu knüpfen und Gespräche zu führen, um Ideen zu sammeln. In dieser frühen Projektphase wollen wir möglichst viele Kreise einbinden, die ihre Anliegen vortragen können und wir schauen, was sich davon umsetzen lässt. Daneben gilt es, technische Anforderungen zu definieren. Schliesslich gibt es auch ganz profane Dinge – wie etwa Büroräumlichkeiten zu suchen.</p>
<p><strong>Seit zwei Wochen gibt es die Tageswoche in Basel, ein namentlich genanntes Vorbild für das Berner Projekt. Dein Eindruck der Tageswoche?</strong><br />
Ich habe extrem grossen Respekt davor, wie sie es in einem halben Jahr geschafft haben, Zeitung und Online-Plattform an den Start zu bringen. Das ist ein unvorstellbar grosser Aufwand. Die Tageswoche hält, was die Macher im Vorfeld versprochen haben. Vor allem der Dialog mit der Leserschaft ist in dieser Form in der Schweiz ohne Beispiel und eine grosse Chance, die die Basler Kolleginnen und Kollegen offenbar gewillt sind zu packen. Inhaltlich bin ich ein bisschen überrascht, wie weit sie mit den Themen von Basel weggehen, vor allem in der Zeitung. Was mich weniger anspricht, ist das Layout, sowohl in der Printausgabe wie auch online. Aber das ist Geschmacksache und der Umgang mit dem Layout wird sich erfahrungsgemäss noch entwickeln.</p>
<p><strong>Für die Projektphase stehen dem Verein Berner Onlinemedien gut 50&#8217;000 Franken an Spenden aus der Trägerschaft zur Verfügung. Damit das Projekt auch tatsächlich lanciert wird, braucht es weitere 100&#8217;000 Franken. Woher sollen die kommen?</strong><br />
Wir sind auf der Suche nach weiteren Geldgebern, vor allem nach Stiftungen, Firmen und privaten Gönnern, damit wir die technische Umsetzung des Projekts finanzieren können. Wenn bis Ende Januar die 100&#8217;000 Franken nicht zusammenkommen, können wir nicht loslegen. Der Entscheid von letzter Woche war also nicht der definitive Startschuss. Dass es uns gelungen ist, die Trägerschaft von 100 Leuten aufzubauen, ist ein grosser Ansporn, auch die nächste Hürde zu nehmen.</p>
<p><strong>Im bisherigen Kernteam sind auffällig viele Mitglieder und Exponenten aus linken Parteien vertreten. In öffentlichen Stellungnahmen wurde bisher nie ganz klar, in welchem Mass die linke Gesinnung das neue Medium prägen soll.</strong><br />
Das Kernteam bekennt sich zu unabhängigem Journalismus. Unabhängig heisst in diesem Fall, Druckversuchen von allen Seiten standzuhalten, egal ob von rechts oder links. Das wird bei uns nicht anders sein als beim «Bund» oder bei der BZ. Die politische Ausrichtung des Vereins wurde oft kritisiert in den letzten Wochen. Man kann das Ganze aber auch von einer anderen Seite betrachten: Es sind offenbar linke Kreise, die daran interessiert sind, dass es in der Stadt Bern eine weitere Stimme gibt neben den bestehenden Medien. Und zwar eine Stimme, die auch kritisch sein darf und soll gegenüber Rot-grün. Schliesslich ist die Zusammensetzung des Kernteams wohl auch ein Ausdruck der allgemeinen Lage auf dem Medienmarkt: Für rein profitorientierte Unternehmen ist ein solches Projekt nicht interessant, weil es nicht in erster Linie klickorientiert arbeiten soll, also nicht 20 Prozent Umsatzrendite abwerfen muss. Das Interesse für ein solches Online-Magazin scheint in bürgerlichen Kreisen weniger gross zu sein.</p>
<p><strong>Versucht ihr dennoch die Trägerschaft breiter abzustützen?</strong><br />
Unbedingt! Das war von Anfang an unser Anspruch. Es ist auch mein persönliches Ziel, den Unterstützerkreis zu öffnen. Da sind Gespräche im Gang. Es darf nicht sein, dass das Projekt daran scheitert, weil die Leute das Gefühl haben, es sei politisch an eine Doktrin gebunden. Über den freien Markt lässt sich ein meinungsbildendes Online-Portal im Moment scheinbar nicht finanzieren. Darum suchen wir nach neuen Formen. Das zeigt auch die Medienentwicklung weltweit, wo vermehrt über Stiftungen oder gebührenfinanzierte Modelle diskutiert wird.</p>
<p><strong>Was unterscheidet euch von den bestehenden Lokalmedien wie Bund, Berner Zeitung, oder Regionaljournal?</strong><br />
Es ist der journalistische Ansatz, der ein anderer sein muss: Wir wollen mehr Zeit investieren in die Recherche, als dies unter dem Druck der Tagesaktualität möglich ist. Entsprechend können wir nicht den Anspruch haben, das Geschehen in der Stadt so umfassend abzudecken, wie dies Bund und Berner Zeitung machen können. Wir gehen mehr von einem Magazin-Gedanken aus. Insofern besetzen wir eine Nische und treten nicht als Konkurrenz zu den Tageszeitungen an, die in ihrem Bereich – trotz der schwierigen Voraussetzungen – vieles richtig machen.</p>
<p><strong>Welche Geschichte möchtest du in eurem Online-Magazin lesen, wenn es das Produkt heute schön gäbe?</strong><br />
Ich möchte zum Beispiel lesen, weshalb das Berner Nachtleben in letzter Zeit so stark unter Druck geraten ist. Das haben zwar die bestehenden Medien aufgegriffen. Aber ich hatte immer das Gefühl, dass man hier nicht bis zum Kern der Sache vorgedrungen ist. So ist noch nie jemand dieser – übrigens nicht nur in Bern – verbreiteten Stimmung auf den Grund gegangen, die dazu geführt hat, dass es nichts mehr geben darf, das Lärm macht oder sonst wie stört.</p>
<p><strong>Wartet Bern auf ein neues Online-Magazin?</strong><br />
Die Reaktionen, die ich erhalte, sind durchwegs positiv. Auch Leute, die nur per Zufall mitkriegen, dass wir etwas planen, freuen sich darauf. Sie sagen, dass sie bereit wären zu zahlen. Ob das auch stimmt, sehen wir erst, wenn wir unser Magazin lanciert haben. Als ich das erste Mal von diesem Projekt gehört hatte, war ich weit skeptischer als heute.  Mir kommt es so vor, als sei bei den Leserinnen und Lesern das Bewusstsein wiedererwacht, dass der Journalismus, den Gratiszeitungen anbieten, nicht der Weisheit letzter Schluss sein kann.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/11/10/ansporn-nachste-hurde-zu-nehmen/">«Ansporn, nächste Hürde zu nehmen»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>«Natürlich muss man pokern»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2011/04/15/naturlich-muss-man-pokern/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 15 Apr 2011 10:46:26 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Martin Wagner will mit seiner Glücksspielfirma Escor die Radio- und Fernsehsender von Tamedia kaufen. Was Medien und Glücksspiel gemeinsam haben, mit welcher Kaufstrategie er bei Tamedia punkten will und weshalb er glaubt, im digitalen Mediengeschäft bestehen zu können, sagt der umtriebige Rechtsanwalt im Gespräch mit der Medienwoche. Medienwoche: Herr Wagner, sind Medien ein Glücksspiel? Martin <a href="https://medienwoche.ch/2011/04/15/naturlich-muss-man-pokern/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/04/15/naturlich-muss-man-pokern/">«Natürlich muss man pokern»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Martin Wagner will mit seiner Glücksspielfirma <a href="http://escor.ch/newweb/index.php?escor&amp;escororgan&amp;ct=organisation&amp;pagenav=1" target="_blank">Escor</a> die Radio- und Fernsehsender <a href="https://medienwoche.ch/2011/04/13/senderlos-glucklich/" target="_blank">von Tamedia</a> kaufen. Was Medien und Glücksspiel gemeinsam haben, mit welcher Kaufstrategie er bei Tamedia punkten will und weshalb er glaubt, im digitalen Mediengeschäft bestehen zu können, sagt der umtriebige Rechtsanwalt im Gespräch mit der Medienwoche.<br />
<span id="more-1866"></span><br />
<em>Medienwoche: Herr Wagner, sind Medien ein Glücksspiel?<br />
</em><br />
Martin Wagner: Nein, Medien sind kein Glücksspiel, sondern ein Business. Im Hinblick auf die digitalen Veränderungen der Medienlandschaft sind wir hier aber vor grössere Herausforderungen gestellt als in anderen Branchen. Die Konvergenz schafft neue Geschäftsmodelle.</p>
<p><em>Sie haben in der Vergangenheit immer wieder Medien gekauft und dann wieder verkauft. Sind Medien also doch ein Glücksspiel?<br />
</em><br />
Jeder dieser Käufe und Verkäufe stand im Zusammenhang mit einer weiteren Transaktion. Das war bei Jean Frey so mit der späteren Veräusserung an Axel Springer und Roger Köppel. Radio Basilisk habe ich an Matthias Hagemann verkauft, damit ich Geld hatte, um die Basler Zeitung zu kaufen. Die BaZ habe ich verkauft, weil ich nicht die Rolle spielen konnte, die ich eigentlich wollte. Ich bin nicht ein Raider, der Beteiligungen kauft, um Profit zu machen. Natürlich muss man bei den Verhandlungen auch pokern. So gesehen schadet es sicher nicht, wenn man sich mit Glücksspiel auskennt.</p>
<p><em>Wie kommen die Kaufverhandlungen mit Tamedia voran?<br />
</em><br />
Wir haben erst unser Interesse angemeldet. Der Verkaufsprozess wird erst noch lanciert. Von den Preisvorstellungen von Tamedia habe ich keine Ahnung. Ich kann mir denken, dass die sich ihre Käufer gut aussuchen und strategische Überlegungen einfliessen lassen.</p>
<p><em>Weshalb wollen Sie ausgerechnet mit ihrer Glücksspielfirma Escor Radio und Fernsehen kaufen? Wie passt das zusammen?<br />
</em><br />
Bei Escor stehen wir vor grösseren Veränderungen. Wir haben unser Glück in Casinos im Ausland gesucht und sind damit gescheitert. Das Auslandgeschäft wird eingestellt. Nun konzentrieren wir uns ganz auf die Schweiz, auf das vielversprechende Casinoprojekt in Zürich, auf den Handel mit Spielautomaten und die Entwicklung von Geschicklichkeitsspielen. Der Bereich Gaming ist dann auch der Link zum Mediengeschäft. Spiele sind ja auch Unterhaltung. Wir streben mit all dem eine Diversifizierung der Firma Escor an zu einer Unterhaltungsholding mit verschiedenen Sektoren.</p>
<p><em>Der Kaufpreis der Tamedia-Sender dürfte sich im dreistelligen Millionenbereich bewegen. Woher nehmen sie das Geld?<br />
</em><br />
Ich kann nichts zu den Preisvorstellung sagen, weil es noch keine Zahlen gibt. Da die Escor börsenkotiert ist, können wir einfacher neues Geld aufnehmen auf dem Kapitalmarkt. Ausserdem könnten wir einen Teil des Kaufpreises in Aktien bezahlen. Das wäre für den Käufer interessant, da er die Anteile später zu einem höheren Preis verkaufen kann.</p>
<p><em>Den Kauf der Jean-Frey und der Basler Zeitung Medien tätigten sie jeweils zusammen mit Financier Tito Tettamanti. Wird er nun auch wieder mit von der Partie sein?</em></p>
<p>Nein, das ist ausgeschlossen.</p>
<p><em>Glücksspiel und Rundfunk sind in der Schweiz gesetzlich stark reguliert. Würden Sie beim Kauf von Radio und Fernsehen von ihren Erfahrungen um Umgang mit engen regulatorischen Schranken profitieren?<br />
</em><br />
Absolut. Wir sehen ja in beiden Branchen, wie die Regulierung der technischen Entwicklung hinterherhinkt. Die Regulierung hat im Glücksspielbereich eine ganze Branche vernichtet. Die erlaubten Geschicklichkeitsspiele sind kommerziell nicht sehr interessant. Inzwischen sind wir da aber wieder so weit, dass wir Geschäftsmodelle gefunden haben. Bei Radio und Fernsehen kann es in Zukunft nicht mehr so aufwändige Konzessionsverfahren geben. Das ist doch nicht zeitgemäss. In acht Jahren, wenn die aktuellen Konzessionen auslaufen, stehen wird vor einer ganz neuen Situation.</p>
<p><em>Die Regulierung und der kleine Markt in der Deutschschweiz sorgen dafür, dass Privatradio und Fernsehen bisher nicht eben Goldgruben waren. Weshalb haben Sie Interesse an Low-Profit-Unternehmen?<br />
</em><br />
Das war in der Vergangenheit sicher so. Da ich aber geschäftlich auch mit Medieninhalten zu tun habe, und nicht nur mit der Distribution, habe ich klare Vorstellungen, wie man in der digitalen Welt erfolgreich geschäften kann. Wichtig ist es, die richtige Zielgruppe anzusprechen. Hier wurde vor allem die Jugend vernachlässigt. Da muss auch bei der Vermarktung ein Umdenken stattfinden. Die Altersgruppe 14 bis 19 ist ebenso interessant, wenn nicht interessanter, als die 19- bis 49-Jährigen. Unsere Aufgabe wird es sein, eine optimale Verknüpfung von Information, Unterhaltung, Gaming und Film hinzukriegen.</p>
<p><em>Ihr Ziel sei es, so sagten sie schon mehrfach, ein Medien- und Unterhaltungsunternehmen nach dem Vorbild von Ringier aufzubauen. Ringier macht vor allem im Ausland gute Geschäfte. Ist das auch ihr Ziel?<br />
</em><br />
Ich sage nicht, dass Ringier mein Vorbild ist. Sie haben einfach die richtige Strategie gewählt. Aber Escor bleibt vorerst ein Schweizer Unternehmen. Was international entstehen kann, sehe ich noch nicht. Aber alles ist ja möglich.</p>
<p><em>In Basel gibt es als Reaktion auf die von ihnen mitverursachten Turbulenzen bei der BaZ eine neue Zeitung. Hat sich das Komitee «Rettet Basel» schon bei Ihnen bedankt?<br />
</em><br />
(lacht) Nein, ich habe noch kein Dankeschön erhalten. Aber ich habe ihnen zu diesem Schritt gratuliert. Diese Leute verstehen das journalistische Handwerk. So wie ich das beurteilen kann, versuchen sie mit ihrem multimedialen Zeitungsprojekt das zu realisieren, was für mich bei der BaZ wegen den politischen Wirren unmöglich wurde. Eine Zeitung muss breit abgestützt sein und darf sich nicht politisch in die eine oder andere Richtung zu stark exponieren.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/04/15/naturlich-muss-man-pokern/">«Natürlich muss man pokern»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Senderlos glücklich</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2011/04/13/senderlos-glucklich/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 12 Apr 2011 22:01:58 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Tamedia hat gestern bekanntgegeben, seine vier Radio- und Fernsehsender verkaufen zu wollen. Gerüchteweise war davon bereits im Februar die Rede. Als möglicher Käufer für TeleZüri kommt allenfalls Ringier in Frage. Mit dem Abschied von Lokalradio und Regional-TV beendet Tamedia-Chef Martin Kall ein Kapitel, das seine Vorgänger mit viel Geld in der Hand aufgeschlagen hatten. Aufschlussreich ist <a href="https://medienwoche.ch/2011/04/13/senderlos-glucklich/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/04/13/senderlos-glucklich/">Senderlos glücklich</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Tamedia hat gestern bekanntgegeben, seine vier Radio- und Fernsehsender verkaufen zu wollen. Gerüchteweise war davon bereits <a href="http://www.handelszeitung.ch/unternehmen/ende-einer-television" target="_blank">im Februar die Rede</a>. Als möglicher Käufer für TeleZüri kommt allenfalls Ringier in Frage. Mit dem Abschied von Lokalradio und Regional-TV beendet Tamedia-Chef Martin Kall ein Kapitel, das seine Vorgänger mit viel Geld in der Hand aufgeschlagen hatten.<br />
<span id="more-28785"></span><br />
Aufschlussreich ist nicht nur, was jemand sagt, sondern auch, was er verschweigt. Wie im Fall von Tamedia-Unternehmensleiter Martin Kall. In seinem <a href="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2011/04/kall_2010.pdf" target="_blank">Kommentar zum vergangenen Geschäftsjahr</a> spricht Kall viel von Zeitungen und Onlinemedien. Radio und TV erwähnt er mit keinem Wort. Kein Wunder: Tamedia will seine vier <a href="http://www.tamedia.ch/de/mediencorner/medienmitteilungen/Seiten/Gemeinsame%20Unternehmensstrategie%20nach%20Zusammenschluss%20mit%20Edipresse%20Schweiz.aspx" target="_blank">Sender loswerden</a>, gab das Unternehmen am Dienstag bekannt. Kall hat sich wohl schon beim Verfassen des Geschäftsberichts mental von Telezüri, Telebärn, Radio 24 und Capital FM getrennt.</p>
<p>Der Abschied von der Rundfunksparte erscheint im Licht der Geschäftspolitik von Tamedia der letzten Jahre nur folgerichtig. Eine auf Gewinnoptimierung getrimmte <a href="http://www.tamedia.ch/de/mediencorner/medienmitteilungen/Seiten/Tamedia%20waechst%202010%20dank%20Z%C3%BCrcher%20Regionalzeitungen%20und%20Onlinemedien.aspx" target="_blank">Geldmaschine</a> (Gewinn 2010: 110 Mio. Fr.) verträgt keine Unternehmensteile, deren kommerzielles Entwicklungspotenzial beschränkt ist. Mit Radio und TV lässt sich in der Schweiz nicht das grosse Geschäft machen. Das hat zum einen mit dem vergleichsweise kleinen Markt in der Deutschschweiz zu tun und der gesetzlichen Reglementierung, die den Unternehmen klare kommerzielle und publizistische Leitplanken setzt. Zum anderen kostet die Fernsehproduktion mit ihrer aufwendigen Technik eine ganze Stange Geld. Davon kann Tamedia ein Lied singen: Vor zehn Jahren setzte der Konzern mit TV3 <a href="http://www.blick.ch/news/mit-flop-tv-112-millionen-verpulvert-aid4119" target="_blank">über 100 Millionen Franken in den Sand</a> und warf 90 Millionen auf für den Kauf von Telezüri und Radio 24.  Die Verantwortung für diese Entscheide trug Michel Favre als Konzernleiter. Unter der Führung von Martin Kall handelt Tamedia schnell und konsequent, wenn es auf der Habenseite mal nicht mehr ganz so rosig aussieht, wie sich Aktionariat und Besitzerfamilie das vorstellen. Das zeigte der Konzern in der Vergangenheit mehrmals mit Massenentlassungen bei seinen Zeitungen.</p>
<p>Wenn Tamedia nun bekanntgibt, seine vier Sender verkaufen zu wollen, hat das Signalwirkung für die ganze Branche. Denn es ist nicht ganz unerheblich, wenn das grösste private schweizerische Medienunternehmen Radio und Fernsehen als strategisch bedeutungslose Geschäftsfelder sieht. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch ein weiterer Grund, den Tamedia für seine Verkaufsabsichten nennt: Das Medienhaus will sich nicht ein weiteres Mal dem Konzessionsverfahren stellen, wenn die Sendebewilligungen für Schweizer Privatsender in acht Jahren neu vergeben werden. Seine Sender könnten dabei leer ausgehen, fürchtet Tamedia bereits heute.</p>
<p>Zumindest für Telezüri dürfte es kein Problem sein, einen Käufer zu finden. So hat Ringier das Interesse an einem eigenen TV-Sender angemeldet und Telezüri als potenziellen Kaufkandidaten genannt. Gut möglich, dass die beiden Unternehmen bereits hinter den Kulissen verhandeln. Schwieriger sieht es für die anderen drei Sender aus. Besonders für die beiden Berner Lokalmedien Telebärn und Radio Capital FM <a href="http://www.bernerzeitung.ch/region/bern/TeleBaern-und-Capital-FM-hoffen-auf-einen-Kaeufer/story/29448093" target="_blank">dürfte es nicht einfach werden</a>, einen neuen Besitzer zu finden. Erst vor zwei Jahren wurden die Sender zusammen mit der Berner Zeitung BZ in das <a href="http://www.espacemedia.ch/em_de/aktuelles/meldungen/2008/2008_11_06_multimediahaus.php" target="_blank">neue Multimediahaus</a> in Bern integriert. Seither arbeiten die drei Medien eng zusammen, wobei Radio und Fernsehen vom journalistischen Know-how der BZ profitieren und die Zeitung Ton und Bild auf ihrer Website verwerten darf. Mit einem neuen Besitzer würden solche Kooperationen komplizierter, wenn nicht gar unmöglich. Ein Verkaufserfolg ist also alles andere als gewiss. Wenn Tamedia keine Käufer findet, müsste wohl mit der Schliessung des einen oder anderen Senders gerechnet werden.</p>
<p>Ob das ein Verlust für die Deutschschweizer Medien und die Meinungsvielfalt bedeuten würde, steht freilich auf einem anderen Blatt.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/04/13/senderlos-glucklich/">Senderlos glücklich</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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