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Dänemark

«No Billag» auf Dänisch

In Dänemark hat das Parlament die Gebühren für Radio- und TV abgeschafft. Neu wird der öffentliche Rundfunk aus dem Staatshaushalt finanziert. Die Umstellung erfolgt allerdings nicht kostenneutral, sondern zieht ein massives Sparprogramm nach sich. 400 Mitarbeitende werden entlassen, das sind mehr als zehn Prozent des bisherigen Personals. Gemäss der neuen Lizenz solle sich das dänische Radio und Fernsehen künftig auf das «Wesentliche beschränken». International beachtete Produktionen, wie etwa die Polit-Dramaserie «Borgen – Gefährliche Seilschaften», dürften künftig kaum noch zu finanzieren sein, glaubt Bruno Kaufmann, der für das das «Echo der Zeit» von Radio SRF die Entwicklung in Dänemark beleuchtet.

Dänischer Rundfunk reagiert auf rechten Druck

Einen Tag bevor die SRG am letzten Mittwoch ihr Sparprogramm mit dem Abzug der Radioinformation aus dem Studio Bern bekannt gegeben hatte, informierte auch in Dänemark das öffentlich-rechtliche Radio und Fernsehen DR über ein massives Sparprogramm: Jede sechste Stelle wird gestrichen, was einem Abbau von 400 Stellen gleichkommt. Weiter wird die Anzahl TV-Kanäle von sechs auf drei halbiert und Radiosender gibt es künftig noch fünf, heute sind es acht. Das Sparprogramm ist eine Konsequenz der Abschaffung der Rundfunkgebühr. Künftig wird das dänische Radio und Fernsehen aus dem Staatshaushalt finanziert. Auch inhaltlich gibt es Anpassungen, wie Reinhard Wolff in der taz schreibt. So betonen die neuen Programmrichtlinien die Rolle des Christentums explizit. Im Kulturangebot solle vor allem das «dänische und christliche Kulturerbe» vermittelt werden. Diese «Präzisierungen» erfolgten auf Druck der rechten Dänischen Volkspartei DF.

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Dänischer Rundfunk: internationaler Erfolg schützt vor Abbau nicht

Mit seinen international gefeierten und gern gesehenen TV-Serien machte der öffentliche Rundfunk aus dem kleinen Dänemark auf sich aufmerksam. Doch dieser Erfolg nützt dem Unternehmen nichts. Die Regierung hat dem Sender einen Fünftel des Budgets abgezwackt. Es ist dies auch ein Erfolg für die rechte Volkspartei, die in den letzten Jahren den Druck konstant hochhielt und jede Detailkritik zur Systemfrage emporstilisierte. Der dänische Rundfunk hatte dem nichts entgegen zu setzen – ausser, selbst ein Sparangebot anzubieten, um Schlimmeres zu verhindern. Doch damit scheiterte der Sender. Die Politik setzte sich durch. Das Medienmagazin ZAPP des Norddeutschen Rundfunks blickt noch einmal ausführlich auf die Vorgänge in Dänemark zurück.

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