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Der Postillon

Wenn aus «Postillon»-Satire Ernst wird

«Der Postillon» ist ein Satiremagazin. Doch Satire verstehen bekanntlich nicht alle. So auch die bayrische Polizei nicht. Sie ermittelt gegen einen Mann, der auf Facebook einen «Postillon»-Beitrag gelikt hat, auf dem neben AfD-Mann Bernd Höcke ein Hitler-Porträt zu sehen ist. «Und weil es sich bei dem ‹Like›-Klick für den ‹Postillon›-Hitler um einen möglichen Verstoss gegen den Paragrafen 86a des Strafgesetzbuches (‹Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen›) handelt», schreibt Martin Bernstein in der «Süddeutschen Zeitung», ermittle nun die Polizei. Die Sache ist doppelt absurd. Gegen den gleichen Mann läuft bereits ein Verfahren, weil er verbotenerweise die Flagge der Kurdenmiliz YPG auf seinem privaten Facebook-Profil gezeigt hatte. Das tat er, indem er einen Beitrag des Bayrischen Rundfunks mit einem entsprechenden Bild teilte. Medien dürfen das nach Gesetz, Privatpersonen aber nicht. Im Zuge dieser Ermittlungen stiess die Polizei auf den Hitler-Like, aus dem sie dem 27-Jährigen nun einen weiteren Strick zu drehen versucht.

Verstehen Algorithmen Satire?

Wenn Algorithmen Fake-News identifizieren und eliminieren sollen, droht Satire mit entsorgt zu werden. Tim Wolff, Chefredaktor der «Titanic», nimmt das gelassen, obwohl die Folgen der Gleichbehandlung von Fake-News und Satire schon heute gut sichtbar sind.

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Wahre Lügen aus dem Posthorn

Der Postillon hat sich mit plausibel klingenden, jedoch frei erfundenen Nachrichten zu einem kleinen Massenmedium gemausert. Der rasche Erfolg der Internet-Zeitung hat Betreiber Stefan Sichermann schon nach wenigen Jahren einen Vollzeitjob eingebracht. Im Gespräch mit der MEDIENWOCHE erklärt der 31-Jährige, woher er die Inspiration nimmt und wie viele Leser er hat.