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	<title>Der Sonntag | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
	<lastBuildDate>Thu, 28 Sep 2017 20:51:49 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 04 Sep 2012 10:25:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Reisejournalismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Grenzen zwischen einer freundlichen Geste und dem unzulässigen Geschenk sind fliessend. Deshalb sollten Journalisten, wann immer möglich die Finger von Zuwendungen lassen. Doch das ist einfacher gesagt als getan, denn Verlockungen lauern überall und dagegen zu widerstehen ist nicht immer einfach. Was sind schon 500 Franken bar auf die Hand gegen eine Woche gratis <a href="https://medienwoche.ch/2012/09/04/kleine-geschenke-erhalten-die-freundschaft/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Grenzen zwischen einer freundlichen Geste und dem unzulässigen Geschenk sind fliessend. Deshalb sollten Journalisten, wann immer möglich die Finger von Zuwendungen lassen. Doch das ist einfacher gesagt als getan, denn Verlockungen lauern überall und dagegen zu widerstehen ist nicht immer einfach.<br />
<span id="more-30526"></span><br />
Was sind schon 500 Franken bar auf die Hand gegen eine Woche gratis Fünfsternehotel in der sonnigsten Ecke Europas mit Privatchauffeur und kostenlosem Alkoholkonsum? Der zugesteckte Umschlag mit den Banknoten passt einfach besser ins gängige Bild der Bestechung. Doch der Gegenwert der «Pressereise» dürfte mindestens das Fünffache der Barzahlung tendieren.</p>
<p>In seiner jüngsten Ausgabe <a href="http://www.sonntagonline.ch/ressort/medien/2484/" target="_blank">berichtet «Der Sonntag»</a>, wie eine Zürcher Tourismusmarketing-Firma Journalisten für die Teilnahme an einem Anlass mit 500 Franken entschädigt hat. Redaktoren von Sonntagszeitung und NZZ hätten das Geld angenommen (um es der Ressortkasse abzuliefern), schreibt «Der Sonntag», andere mit Verweis auf die Gefährdung ihrer Glaubwürdigkeit dankend abgelehnt.</p>
<p>Dass dies kein Einzelfall ist, sondern einfach ein besonders augenfälliges Beispiel für die alltäglichen kleineren und grösseren Geschenke, mit denen die Medien in Versuchung geführt werden, <a href="http://medienwoche.tumblr.com/post/30792609392/dass-sich-medienvertreter-auch-solche-von" target="_blank">weiss jeder Journalist</a>. Nur spricht niemand gerne darüber. Gegen das schlechte Gewissen, wenn man einmal doch nicht hat widerstehen können und sich als informeller Werbeschreiber für eine Tourismusdestination anheuern liess – um ein weitverbreitetes Beispiel zu nehmen –, gibt es verschiedene Rechtfertigungsstrategie.</p>
<ul>
<li>Die Pressereise als quasi-legitimer Naturallohnanteil.</li>
<li>Wenn sonst niemand will, wäre es ja schade, das Angebot ungenutzt vorbeiziehen zu lassen.</li>
<li>Die Einladung wird ja deklariert im Artikel.</li>
<li>Ich berichte auch kritisch und erwähne den Gastgeber nicht und seine Angebote nur in der Faktenbox.</li>
<li>Wir können auch noch über politische und nicht nur über touristische Aspekte der Region berichten.</li>
<li>Kann ja nicht so schlimm sein, wenn es die beste Freundin auch schon gemacht hat.</li>
</ul>
<p>Im Kodex der Pflichten und Rechte der Journalistinnen und Journalisten steht: «Journalisten nehmen weder Vorteile noch Versprechungen an, die geeignet sind, ihre berufliche Unabhängigkeit und die Äusserung ihrer persönlichen Meinung einzuschränken.» Die Finanzierung einer Reise für Reisejournalisten kann man durchaus als geeignet ansehen, die Unabhängigkeit der Berichterstattung einzuschränken. Es geht nicht einmal darum, ob sie es tatsächlich tut, sondern dazu führen könnte. Grösste Zurückhaltung wäre also geboten. Umso mehr, weil solch gekaufte Berichterstattung meist in langweilige Texte mündet.</p>
<p>Doch wann wird es heikel? Schon beim Stehlunch nach der Medienkonferenz oder dem UBS-Stick mit der Präsentation drauf? Oder ist es erst beim DAB-Radio angebracht, nein zu sagen? Was ist mit dem Champions-League-Ticket? Es gibt die Weinflaschenregel: Der Tropfen zu Weihnachten als Goodwill-Geste für die gute Zusammenarbeit liegt drin, <a href="http://ratgeber.presserat.ch/index.php?de_66-akzeptiere-ich-geschenke-und-verganstigungen" target="_blank">findet etwa der Presserat</a>. Es gibt also Spielraum. Das ist auch gut so. Wie Journalisten Kritik einstecken müssen, sollen sie auch Wertschätzung erfahren dürfen und sei es in Form eines kleinen Geschenks.</p>
<p>Eine entscheidende Rolle spielen die Vorgesetzten. Sie stellen Regeln auf und können z.B. die Teilnahme an Pressereisen verbieten oder die Weinflaschenregel etablieren. Nur ist das leichter gesagt als getan, wenn der Chef selbst der grösste Reisejournalist ist. Letztlich liegt es an den Journalisten, nein zu sagen. Das ist auch ein klares Signal an diejenigen, die sich mit Geschenken eine Wohlgesinnung der Medien zu kaufen erhoffen.</p>
<p><small>Bild: <a href="http://www.flickr.com/photos/14922370@N07/3533981681/" target="_blank">Flickr/Bob Therina</a> <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/" target="_blank">(CC BY-SA 2.0)</a></small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/09/04/kleine-geschenke-erhalten-die-freundschaft/">Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>An der Twitter-Erklärfront</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2012/08/05/an-der-twitter-erklaerfront/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 05 Aug 2012 14:08:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Christof Gertsch]]></category>
		<category><![CDATA[Daniel Perrin]]></category>
		<category><![CDATA[Der Sonntag]]></category>
		<category><![CDATA[Social Media]]></category>
		<category><![CDATA[Twitter]]></category>
		<category><![CDATA[zehn Gebote]]></category>
		<category><![CDATA[NZZ am Sonntag]]></category>
		<category><![CDATA[Sonntagszeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Christof Moser]]></category>
		<category><![CDATA[Knigge]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Gleich drei der vier grossen Schweizer Sonntagszeitungen nehmen den rassistischen Tweet von Olympiafussballer Morganella zum Anlass, dem Publikum noch einmal die Sache mit Twitter zu erklären. Dabei ist vor allem von Risiken und Gefahren die Rede. Kein Wunder: Schliesslich macht der skandalfreie Twitter-Alltag auch keine grossen Schlagzeilen. 1. Sonntagszeitung: «Die Twitter-Falle» Das längliche Stück liest <a href="https://medienwoche.ch/2012/08/05/an-der-twitter-erklaerfront/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" alt="" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2012/08/536-twitter-logo.jpg" class="alignleft" width="120" height="97" /> Gleich drei der vier grossen Schweizer Sonntagszeitungen nehmen den rassistischen Tweet von Olympiafussballer Morganella zum Anlass, dem Publikum noch einmal die Sache mit Twitter zu erklären. Dabei ist vor allem von Risiken und Gefahren die Rede. Kein Wunder: Schliesslich macht der skandalfreie Twitter-Alltag auch keine grossen Schlagzeilen.<br />
<span id="more-30517"></span><br />
1. Sonntagszeitung: <a href="http://www.sonntagszeitung.ch/fokus/artikel-detailseite/?newsid=225971" target="_blank">«Die Twitter-Falle»</a><br />
Das längliche Stück liest sich als braver und uninspirierter Zusammenschrieb; nichts, was man andernorts nicht auch schon gelesen hätte: Ein bisschen Morganella-Chronologie, ein bisschen Twitter-Statistik, ein paar Expertenstimmen mit einem mehr oder weniger breiten Meinungsspektrum und schliesslich als News (die so neu nun auch nicht ist) die Ankündigung einer «grossen Twitteroffensive» bei Schweizer Unternehmen. Wer noch nie etwas von Twitter gehört hat, lässt nach diesem Artikel sicher die Finger davon. Twitter wird hier primär als Gefahrenherd dargestellt. Aber so funktioniert Journalismus: Nicht die Regel interessiert, sondern die Ausnahme.</p>
<p>2. Der Sonntag: <a href="http://www.sonntagonline.ch/ressort/aktuell/2434/" target="_blank">«140 Zeichen – und weg bist du: Was Twitter so gefährlich macht»</a><br />
Medienkritiker Christof Moser erklärt kompetent und (etwas zu) wortreich die Risiken und Nebenwirkungen von Twitter. Wobei auch dieser Text den Eindruck nicht vermeiden kann, als handle es sich bei Twitter um eine speziell tückische Kommunikationsplattform. Weshalb Twitter dann doch «so unwiderstehlich gut» sei, wie der Autor abschliessend festhält, muss sich der Leser selber zusammenreimen.</p>
<p>3. NZZ am Sonntag: <a href="http://webpaper.nzz.ch/2012/08/05/sport/JNAH2/wenn-entgleisungen-von-der-ganzen-welt-gelesen-werden?guest_pass=110dd13ffe:JNAH2:ca3360456052bef76b2206f7eba6ba49e5b2f9b9" target="_blank">«Wenn Entgleisungen von der ganzen Welt gelesen werden»</a><br />
Christof Gertsch schreibt nicht zum ersten Mal über Sport und Twitter, respektive: Sportler und ihr Gezwitscher. Das merkt man auch diesem Text an. Was den Artikel in der NZZ am Sonntag zum besten der sonntäglichen Erklärstunde macht, ist zum einen der nüchterne und schnörkellose Ton, zum anderen der breite Blick auf die Tücken der digitalen Kommunikationsplattformen. Gertsch beginnt seine Analyse nicht wie die anderen Sonntagszeitungen bei den olympischen Skandal-Tweets, sondern beim Journalisten Guy Adams. Ihm sperrte Twitter vorübergehend den Account weil er sich kritisch zur Olympia-Berichterstattung von NBC geäussert hatte. Die empörten Reaktionen auf den Vorfall zeigten, schreibt Gertsch, dass Twitter zum globalen Phänomen avanciert sei. Der Text in der NZZ am Sonntag liest sich nicht als implizite Warnung vor dem gefährlichen Twitter, sondern zeigt, dass nicht jeder Mensch zum Vorbild taugt – unabhängig von der Medienplattform und der vermeintlichen Professionalität. So sagte kürzlich ein ARD-Kommentator bei den olympischen Spielen: «Seit 2008 wird zurückgeritten. Wir holen uns Gold zurück, gnadenlos.»</p>
<p>4. NZZ am Sonntag: <a href="http://webpaper.nzz.ch/2012/08/05/hintergrund/JMJQW/zehn-gebote-fuer-den-richtigen-umgang-mit-social-media?guest_pass=110dd13ffe:JMJQW:7e1623b17224792f787c904ff35747c7333a7085" target="_blank">«Zehn Gebote für den richtigen Umgang mit Social Media»</a><br />
Als Autor für eine Social-Media-Knigge hat die NZZ am Sonntag den Winterthurer Linguistikprofessor Daniel Perrin als Gastautor eingeladen. Mit Twitter ist der ehemalige Journalist nur beschränkt vertraut. Vier Tweets hat er bisher verfasst, die jedoch nur seine 129 Follower lesen können. Das muss nichts heissen. Auch Journalisten, die noch nie im Weltall waren, schreiben über die ISS. Die der Diktion des biblischen Dekalogs nachempfundenden Empfehlungen («Du sollst nicht…») bestechen durch ihre Banalität. Sie zeigen einmal mehr, dass für Social Media die gleichen Anstands- und Verhaltensregeln gelten, wie auch sonst im Umgang mit anderen Menschen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/08/05/an-der-twitter-erklaerfront/">An der Twitter-Erklärfront</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Problematisches Pseudonym</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2012/01/18/problematisches-pseudonym/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 18 Jan 2012 12:09:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[François Bloch]]></category>
		<category><![CDATA[Inside Bahnhofstrasse]]></category>
		<category><![CDATA[Patrik Müller]]></category>
		<category><![CDATA[Tages-Anzeiger]]></category>
		<category><![CDATA[Boris Feldmann]]></category>
		<category><![CDATA[Der Sonntag]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Banker und Börsenkolumnist François Bloch («Inside Bahnhofstrasse» im Tages-Anzeiger) schreibt im «Sonntag» als Boris Feldmann. Diente das Pseudonym ursprünglich dazu, seine publizistische Tätigkeit vor einem früheren Arbeitgeber zu tarnen, so ist es heute nur noch eine Irreführung der Leser. «Sonntag»-Chefredaktor Patrik Müller hat damit kein Problem. Wer mit verschiedenen Identitäten jongliert, kann das Publikum <a href="https://medienwoche.ch/2012/01/18/problematisches-pseudonym/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/01/18/problematisches-pseudonym/">Problematisches Pseudonym</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="alignleft" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2012/01/anonym.jpg" alt="" width="120" height="117" /> Der Banker und Börsenkolumnist François Bloch («Inside Bahnhofstrasse» im Tages-Anzeiger) schreibt im «Sonntag» als Boris Feldmann. Diente das Pseudonym ursprünglich dazu, seine publizistische Tätigkeit vor einem früheren Arbeitgeber zu tarnen, so ist es heute nur noch eine Irreführung der Leser. «Sonntag»-Chefredaktor Patrik Müller hat damit kein Problem.<br />
<span id="more-30421"></span><br />
Wer mit verschiedenen Identitäten jongliert, kann das Publikum schon mal verwirren. Das tat auch François Bloch, als er am 8. Januar auf der Website des «Sonntag» <a href="http://www.sonntagonline.ch/ressort/geld/2056/" target="_blank">einen Artikel kommentierte</a>, den ein Boris Feldmann geschrieben hatte. Bloch trat dabei in der Rolle als Autor auf. Was nun? Ist Bloch Feldmann? Oder masst sich ein Dritter an, im Namen des Autors aufzutreten? Die Erklärung ist in der Technik zu finden: Der «Sonntag» nutzt das Kommentarmodul von Facebook und Bloch hat für sein Alter Ego offenbar keinen Facebook-Account eingerichtet, mit dem er als Feldmann hätte kommentieren können.</p>
<p>Ein Outing war das freilich nicht. Denn das Geheimnis um Blochs zweite Identität hat der <a href="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2012/01/sbli_20091220_0_0_a302.pdf" target="_self">Sonntagsblick</a> bereits vor zwei Jahren gelüftet, und die Bilanz hat später die <a href="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2012/01/f201003_biz_20100326_0_0_18.pdf" target="_self">Hintergründe ausgeleuchtet</a>. So soll Bloch deshalb unter Pseudonym beim «Sonntag» publiziert haben, weil er seine publizistische Tätigkeit dem damaligen Arbeitgeber gegenüber verschleiern wollte. Doch die Tarnung flog auf. Trotzdem lebt der fiktive Boris Feldmann weiter. Bis heute. Woche für Woche tritt er im «Sonntag» als Geldberater in Erscheinung.</p>
<p>Dass es sich beim Autor um einen Banker handelt, verschweigt die Zeitung seinen Lesern. Der Name Boris Feldmann erweckt den Eindruck, als handle es sich beim Autor um eine Person, die tatsächlich so heisst. Wer sich über die Identität des Journalisten kundig machen will, wird in die Irre geführt. Mit den Suchbegriffen «Boris Feldmann» und Sonntag finden sich im Web <a href="https://www.google.com/search?q=boris+feldmann+sonntag&amp;ie=utf-8&amp;oe=utf-8&amp;aq=t&amp;rls=org.mozilla:de:official&amp;client=firefox-a#sclient=psy-ab&amp;hl=en&amp;safe=off&amp;client=firefox-a&amp;rls=org.mozilla:de%3Aofficial&amp;source=hp&amp;q=%22boris+feldmann%22+sonntag&amp;pbx=1&amp;oq=%22boris+feldmann%22+sonntag&amp;aq=f&amp;aqi=&amp;aql=&amp;gs_sm=s&amp;gs_upl=0l0l0l1574l0l0l0l0l0l0l0l0ll0l0&amp;bav=on.2,or.r_gc.r_pw.r_cp.,cf.osb&amp;fp=23824b7ead49a1ae&amp;biw=998&amp;bih=533" target="_blank">keine Hinweise</a> auf die wahre Identität des Autors. Auch macht der «Sonntag» diese nirgends transparent. Einen entsprechenden Hinweis sucht man vergeblich.</p>
<p>Die Identitätsspielerei mutet vor allem deshalb sonderbar an, weil Bloch im Tages-Anzeiger unter seinem bürgerlichen Namen die Kolumne «Inside Bahnhofstrasse» veröffentlicht. Sowohl Bloch als auch «Sonntag»-Chefredaktor Patrik Müller begründen auf Anfrage die seltsame Praxis mit dem verbreiteten Usus unter Börsenkolumnisten, Künstlernamen zu verwenden. Bloch nennt als Beispiele LEX und Alphaphille (Financial Times), sowie «Heard on the Street» im Wall Street Journal; er hätte auch noch Frank Goldfinger von der Bilanz anfügen können.</p>
<p>Das macht die Sache aber nicht besser. Denn die genannten Unbekannten lassen auf den ersten Blick erkennen, dass es sich um Fantasienamen handelt. Das widerspricht zwar auch dem Transparenzgebot, aber der Leser weiss wenigstens, dass ihm hier jemand die wahre Identität vorenthält. Was man bei Boris Feldmann nicht behaupten kann. Auch auf erneute Nachfrage hin verweist Patrik Müller auf die legitime Verwendung von Künstlernamen. Und: Wenn Feldmann ein Problem sei, müsste man «wenn schon (..) Pseudonyme/Künstlernamen gänzlich in allen Medien untersagen…».</p>
<p>In der Tat ein möglicher Ansatz. Müller könnte mit gutem Beispiel vorangehen und Bloch nur noch als Bloch schreiben lassen. Transparenz zu schaffen, wäre vor allem deshalb angebracht, weil Feldmann bisweilen sehr <a href="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2012/01/1325359234.jpg" target="_blank" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="">unmissverständliche Tipps</a> gibt, wovon die Finger zu lassen und welche Finanzprodukte top seien. Der Leser hat ein Anrecht darauf zu erfahren, dass diese Informationen von einem praktizierenden Banker stammen und nicht von irgendeinem «Geldberater».</p>
<p>Es gibt durchaus Fälle, wo eine pseudonyme Autorschaft unproblematisch erscheint. Insbesondere dann, wenn um die Doppelidentität keine Geheimniskrämerei betrieben wird. Beispiele dafür gibt es zuhauf. Sei dies der <a href="http://minubasel.ch/" target="_blank">Basler Kolumnist -minu</a> (Hans-Peter Hammel) oder der deutsche Blogger und Autor <a href="http://meedia.de/internet/don-alphonso-bloggt-bei-der-faz/2009/01/19.html" target="_blank">Rainer Meyer alias Don Alphonso</a>. Auch kann es eine heikle Recherche rechtfertigen, nicht unter dem eigenen Namen zu publizieren. Vor allem dann, wenn der Autor mit negativen Folgen rechnen muss.</p>
<p>Verbriefte Spielregeln für den Umgang mit Pseudonymen gibt es nicht. Der Presserat als Selbstkontrollorgan der Branche hat sich noch nie zur Frage der Offenlegung der Autorenidentität geäussert. Martin Künzi, Sekretär des Gremiums, verweist auf die Analogie zu den Empfehlungen für Leserkommentare. In einer <a href="http://presserat.ch/_D52_2011_d.htm" target="_blank">aktuellen Stellungnahme</a> hält der Presserat fest, dass Kommentare im Grundsatz namentlich zu zeichnen seien. Ausnahmsweise soll es aber möglich sein, unter Pseudonym aufzutreten. Das gelte auch für Journalisten, so Künzis persönliche Meinung, «wenn sie dafür gute Gründe geltend machen können». Bloch und Müller indes können keine solchen Gründe nennen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/01/18/problematisches-pseudonym/">Problematisches Pseudonym</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Aufgestellt für den Selbstmord</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2011/09/02/aufgestellt-fur-den-selbstmord/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 02 Sep 2011 08:20:59 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Die Schweizer Journalistenbranche will lieber gemeinsam alt werden, statt sich konsequent zu erneuern. Frischen Kräften bleibt der Zugang zu verantwortungsvollen Aufgaben verwehrt. Jüngere Generationen arbeiten und informieren sich woanders. So ist man auf dem besten Wege, sich selbst abzuschaffen. Änderungen sind gefragt! &#8222;Die Zukunft liegt nicht in der Vergangenheit&#8220;, stellt der einzige hauptamtliche Medienredaktor der <a href="https://medienwoche.ch/2011/09/02/aufgestellt-fur-den-selbstmord/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/09/02/aufgestellt-fur-den-selbstmord/">Aufgestellt für den Selbstmord</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" alt="" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2011/09/Bild-von-Lodovico-Agostino-Marazzani-Visconti.png" class="alignleft" width="120" height="120" /> Die Schweizer Journalistenbranche will lieber gemeinsam alt werden, statt sich konsequent zu erneuern. Frischen Kräften bleibt der Zugang zu verantwortungsvollen Aufgaben verwehrt. Jüngere Generationen arbeiten und informieren sich woanders. So ist man auf dem besten Wege, sich selbst abzuschaffen. Änderungen sind gefragt!<br />
<span id="more-28913"></span><br />
<a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/medien/simulation_alter_arena-zeiten_1.12104086.html">&#8222;Die Zukunft liegt nicht in der Vergangenheit&#8220;</a>, stellt der einzige hauptamtliche Medienredaktor der Schweizer Tageszeitungen, Rainer Stadler, in der NZZ fest: das &#8222;neue&#8220; Format der &#8222;Arena&#8220; sei nicht mehr als eine Simulation der alten. Richtig, auch <a href="https://medienwoche.ch/2011/08/19/schauinski/">Schaüinski</a> ist nicht mehr als ein abgefilmter &#8222;Doppelpunkt&#8220;, ein &#8222;Talk Täglich&#8220; mit Designer. Ist es nicht verwunderlich, dass ausgerechnet die mehr oder minder verwitterten Gesichter von Roger Schawinski (*1945) und Filippo Leutenegger (*1952) frischen Wind in die öffentlich-rechtlichen und privaten Talkformate bringen sollen?</p>
<p>Die etablierten journalistischen Formate werden zusammen mit ihrem Publikum immer älter. Jüngere Generationen werden damit oft nicht mehr erreicht, denn die <a href="http://www.mpfs.de/?id=189">informieren sich zunehmend im Web</a>. Kontakt mit journalistischen Angeboten haben sie vor allem durch Videoportale, Gratiszeitungen und Online-Portale, doch letztere befinden sich nur noch ab und zu in der Hand der etablierten Verleger. Die Frage sei erlaubt: Wann hat zuletzt eine Titelgeschichte einer Printpublikation die Jugend so begeistert, dass sie deswegen die Kioske stürmte? Es muss irgendwann im letzten Jahrtausend gewesen sein.</p>
<p>Über die Themen, die viele junge Menschen interessieren, berichten etablierte journalistische Formate nur am Rande und wenn, dann nicht selten falsch. Auch wenn das Problem vielerorts erkannt und verbessert wurde, fühlen sich Onlinespieler, Weblogger, Webnutzer zurecht oft unangemessen behandelt. Wer beispielsweise Wegweisendes lesen will über die neusten Entwicklungen im Internet, kann das im Netz täglich tun. Doch in den journalistisch etablierten Medien werden die ganze Branchen umwälzenden Veränderungen durch das Internet noch immer recht stiefmütterlich behandelt. Natürlich auch, weil es sich dabei um die direkte Konkurrenz handelt.</p>
<p>Dass Zeitungen und Zeitschriften kaum noch junge Leser für sich gewinnen können, liegt auch an den Personalstrukturen der Verlage. Es werden zwar durchaus junge Mitarbeiter beschäftigt, doch die sind entweder für online zuständig oder für untergeordnete Aufgaben &#8211; was im Bewusstsein vieler Print-Führungskräfte fatalerweise ein Äquivalent ist. Ganz im Gegensatz zur USA, dort sind die aufstrebenden Stars der journalistischen Branche <a href="http://www.thelmagazine.com/gyrobase/theyre-young-they-re-successful-theyre-not-you/Content?oid=1454923&amp;storyPage=8">26</a>, <a href="http://www.thelmagazine.com/gyrobase/theyre-young-they-re-successful-theyre-not-you/Content?oid=1454923&amp;storyPage=9">25</a>, <a href="http://www.thelmagazine.com/gyrobase/theyre-young-they-re-successful-theyre-not-you/Content?oid=1454923&amp;storyPage=7">23</a> Jahre alt. Wir erinnern uns: &#8222;Weltwoche&#8220;-Chef Roger Köppel, der sich bald als eines der grössten Talente der Schweizer Medienbranche herausstellte, schrieb ab 1994 (mit 29) lange Feuilleton-Texte im &#8222;Tages-Anzeiger&#8220; und wurde 1997 (mit 32) zum Chefredakteur des &#8222;Magazins&#8220;. Welche journalistischen Stars unter 30 oder unter 35 hat die Schweizer Medienszene eigentlich die letzten Jahre geboren? Fällt jemandem ein Name ein?</p>
<p>Überhaupt sind die Plätze in den Redaktionen bereits besetzt und besonders die wirklich attraktiven Jobs werden auch besetzt gehalten. Von Journalisten, die die grosse Sparrunde vor zwei Jahren überlebt haben. Das war gar nicht so einfach und manchmal auch einfach Zufall, denn viele von denen, die ihren Job behalten durften, sind ja nicht besser als jene, die gehen mussten. Gehen mussten alle möglichen Mitarbeiter: Aus nachvollziehbaren sozialen Gründen nicht ganz so schwer fiel der Abschied von Alten, die frühpensioniert werden konnten und von Jungen, die &#8222;sicher wieder was finden&#8220;. Doch Journalismus sollte von allen Gesellschaftsschichten für alle Gesellschaftsschichten gemacht werden. Neben den Jungen in Führungspositionen fehlen auf vielen Redaktionen die Nicht-Akademiker, eine riesige Gruppe, von denen durchaus viele schreiben können. &#8222;Tagi&#8220;-Co-Chef Res Strehle, (&#8222;68, aber lieb&#8220;), sagte in einem <a href="http://www.woz.ch/artikel/2009/nr28/schweiz/18118.html">Interview mit der &#8222;Woz&#8220;</a>: &#8222;Wir stossen niemanden ins Prekariat.&#8220; Wieviele aber das journalistische Prekariat gar nicht erst verlassen und dann irgendwann in ganz andere Jobs verschwinden, zählt niemand.</p>
<p>Geblieben sind nach den <a href="http://www.persoenlich.com/news/show_news.cfm?newsid=82610">«Mai-Massakern»</a> 2009 (eine Übersicht der Entlassungen hat <a href="http://medienspiegel.ch/abbauschlacht.html">medienspiegel.ch</a>) viele Anpassungsfähige, die eine Familie zu versorgen haben und ohne zu murren das tun, was von oben gefordert wird. Oft sind das akademisch gebildete Eltern, zwischen 35 und 55 Jahren. Kaum zum Opfer fielen den Entlassungen überraschenderweise die Vorgesetzten. Nehmen wir mal <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/ueberuns/impressum/Impressum/story/28680087">die Chefs beim &#8222;Tages-Anzeiger&#8220;</a>: Neben vier Mitgliedern der Chefredaktion gibt es zwei Nachrichtenchefs und sieben Ressortleiter. Man fragt sich unwillkürlich, ob der &#8222;Tagi&#8220; bald mehr Chefs als Mitarbeiter hat. Die Krise führt in den Printmedien immer mehr zu einer umgekehrten Hierarchie-Pyramide. Während die Inhalte produzierende Basis immer schmaler wird, bleiben die Führungsetagen unangetastet, sie werden nur gemeinsam älter. Frank A. Meyer (*1944) beispielsweise darf jeden Sonntag zweimal seine vorgestrige Sicht der Welt im &#8222;Sonntags-Blick&#8220; ausbreiten. Seine &#8222;Hasstirade gegen das Internet&#8220; (<a href="http://hyperkontext.at/weblog/artikel/frank-a-meyer-und-seine-reproduzierte-wirklichkeit-der-medien/">Zitat hyperkontext.at</a>) mit dem Titel <a href="http://www.blick.ch/news/fam/basta-125570">&#8222;Basta!&#8220;</a> sorgte im Web für ungläubiges Staunen und unverhohlenes Gelächter. Hunderte von Twitterern verlinkten einen von Michel Reimon verfassten Brief <a href="https://wp_updatethoughts.wordpress.com/2009/08/14/offenster-brief-zum-dummsten-text-eines-journalisten-uber-das-internet/">&#8222;zum dümmsten Text eines Journalisten über das Internet&#8220;</a>.</p>
<p>Natürlich gibt es überall Ausnahmen, und bei der WOZ, bei der Weltwoche und auch beim Schweizer Fernsehen hat man durchaus hin und wieder mal den Eindruck, dass auch Jüngere Verantwortung übernehmen dürfen.</p>
<p>Weil das Boot schon voll ist, erhalten junge Journalisten heute kaum Chancen, ihre Talente auszuleben. Sie bleiben im Vergleich schlecht bezahlt und müssen unter Druck Agenturmeldungen umformulieren und oberflächliche Beiträge raushauen &#8211; andere wiederum sehen Redaktionen seit jeher nur von Aussen. Die vielleicht verdienstvollste Schweizer Journalistin der letzten Jahrzehnte, Margrit Sprecher, sagte <a href="http://www.klartext.ch/?p=9219">im &#8222;Klartext&#8220; (Ausgabe 5/09)</a>: &#8222;Es ist entwürdigend, wie mit den Jungen umgegangen wird.&#8220; Zusammengestrichene und nicht erscheinende Artikel würden das Selbstvertrauen beschädigen, &#8222;das Wichtigste, das man in unserem Beruf haben muss&#8220;. Auch wenn Tamedia und NZZ erfreulicherweise angekündigt haben, neue Mitarbeiter im Online-Bereich einzustellen, werden nur wenige davon den journalistischen Bereich betreffen. Wiederum werden die meisten von denen, die Inhalte erstellen, ein Kürzel bleiben und nicht die Chance erhalten, zu einer der publizistischen Stimmen zu reifen, an die sich die Leserschaft erinnert und die sie wieder und wieder lesen will.</p>
<p>Fasst sich mal ein Verleger (Peter Wanner) ein Herz und setzt einen damals 31-Jährigen (Patrik Müller) an die Spitze einer Sonntagszeitung (&#8222;Sonntag&#8220;), dann wird das mit Misstrauen, man könnte auch sagen Herablassung, aus dem inzestuösen Zürich verfolgt. Thomas Knellwolf vom &#8222;Tages-Anzeiger&#8220; schrieb 2007 über die erste Ausgabe des Neulings, &#8222;die kleine, teilweise profilierte Redaktion aus Baden&#8220; habe &#8222;nichts Weltbewegendes zu vermelden&#8220;. Er stiess ausserdem auf &#8222;Interviews ohne kritische Fragen&#8220;, und auch die &#8222;lokalen Nachrichten im &#8218;Sonntag&#8216; konnten nicht überzeugen&#8220;. Dass die &#8222;Sonntag&#8220;-Redaktion viel kleiner ist als die der &#8222;Sonntagszeitung&#8220; oder der &#8222;NZZ am Sonntag&#8220;, wurde nicht erwähnt.</p>
<p>Nur wenig später tanzten die Zürcher Grossverlage um Patrik Müller wie um ein goldenes Kalb und wollten ihn zum Chef von &#8222;Tagi&#8220; und &#8222;Blick&#8220; machen &#8211; der aber lehnte alle Angebote ab (<a href="https://twitter.com/#!/patrik_mueller/status/106014245518446593">Tweet vom 23. August 2011</a>: &#8222;Liebe Zürcher, bin 8 Jahre bei Peter Wanner &#8211; es macht Spass, bei ihm zu arbeiten&#8220;). Selbst Talente zu entdecken und Verantwortung zu übertragen, gehört heute offenbar nicht mehr zu den Stärken der Grossverlage. Lieber besetzen sie die Spitzen mit alten Haudegen der Branche, oder, falls den Job gar niemand machen kann oder will, mit Marc Walder. Frische Kräfte kommen nicht an die Macht, denn die haben ja noch keine Erfahrung. Jene wiederum, die ausreichend Erfahrung sammeln durften, sind bereits so betriebsblind, dass sie nicht als frische Kräfte gelten können.</p>
<p>&#8222;Bei Ringier habe ich erlebt, dass gewisse Chefs Angst haben, bessere Leute zu engagieren, weil ihnen diese gefährlich werden könnten&#8220; sagte Müller 2009 in einem <a href="http://www.persoenlich.com/news/show_news.cfm?newsid=81502">Interview mit &#8222;Persönlich&#8220;</a>. Das ist auch in anderen Verlagen so. Doch weil sich, solange die Zahlen einigermassen stimmen, darum niemand kümmert, bleibt alles, wie es ist. Für die Zukunft ist diese Haltung jedoch Selbstmord. Wenn keine Erneuerung mehr stattfindet, wenn keine jungen oder unbequemen Journalisten mehr Verantwortung übernehmen dürfen, dann verlieren die Publikationen bald auch noch den letzten Geruch von Frische. Und werden, was sie schon zu einem guten Teil geworden sind: Rentnerblätter mit einer laufend wegsterbenden Leserschaft. Wer sich wirklich um die Zukunft des Landes Sorgen macht, wie es im aktuellen Wahlkampf fast alle Parteien behaupten, sollte die Jugend mit gutem Journalismus versorgen.</p>
<p>Der Schweizer Journalismus verabschiedet sich nach und nach von den Menschen unter 35 Jahren, sowohl als wichtige Mitarbeiter als auch als Leser. Überhaupt, die treiben sich ja, man musste es bitter erfahren, doch nur in diesem Internet rum. Ihre Zahlungsbereitschaft tendiert angeblich gegen null. Und dann sind sie auch noch untreu. Viele Wohngemeinschaften machen sich nicht mal mehr die Mühe, für jedes WG-Mitglied und für jede Tageszeitung kostenlose Probeabos aneinanderzureihen &#8211; dabei würde das doch der Auflage zugutekommen.</p>
<p>Die 548 Franken für ein NZZ-Jahresabo setzen einen gut entlöhnten Job mit Lesefreizeit voraus, ein Luxus, über den nicht alle verfügen. Studenten haben zwar 40 Prozent Rabatt, doch dann sind es immer noch über 300 Franken, die auch anders ausgegeben werden können. Und die Zukunft verheisst zweierlei: Teurere Jahresabos und weniger sichere Jobs für junge Leser &#8211; eine Todesspirale. Bei den ganz jungen Lesern setzen einige Verlage mit Projekten wie <a href="http://new.baz.ch/zisch/">&#8222;Zeitung in der Schule&#8220;</a> an, doch dann verlieren sich die Bemühungen um die Jugend wieder, Beilagen wie &#8222;Ernst&#8220; tauchten zuletzt in den 1990er-Jahren auf.</p>
<p><a href="http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/dossier/finanzkrise/Sie-begehen-Selbstmord-aus-Angst-vor-dem-Tod/story/20100068">&#8222;Selbstmord aus Angst vor dem Tod&#8220;</a> nannte Roger Schawinski die Internetstrategie der in Panik geratenen Printmedien. Doch wenn es überhaupt eine Zukunft gibt für Printmedien, dann liegt sie in dieser schmählich vernachlässigten U35-Generation, die Printprodukte gar nicht generell ablehnt, wie manch ein verzweifelter Verlagsmanager vermutet.</p>
<p>Das Problem liegt bei den Trainern der Branche. Sie und ihr aufgeblähter Stab sind zu einem guten Teil nicht für die Zukunft aufgestellt. Und da niemand Druck macht in der Schweizer Medienbranche und lieber alle vordergründig Freunde bleiben, denken die Clubpräsidenten nicht daran, zu handeln, also mal den einen oder anderen Cheftrainer zu feuern. Am Schluss bleiben die Zuschauer aus und die schönen Stadien müssen für immer schliessen. Dann wird halt wieder auf dem Acker gespielt.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/09/02/aufgestellt-fur-den-selbstmord/">Aufgestellt für den Selbstmord</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>1.6 Kilogramm Altpapier</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2011/06/26/1-6-kilogramm-altpapier/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Edith Hollenstein]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 26 Jun 2011 13:45:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Altpapier]]></category>
		<category><![CDATA[Der Sonntag]]></category>
		<category><![CDATA[Manuel Puppis]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Spieler]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitung]]></category>
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		<category><![CDATA[Kurt W. Zimmermann]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Sonntagszeitungen landen spätestens am Montag im Altpapier, während klassische Wochenzeitungen eine mehrtägige Haltbarkeit haben. Warum sind Zeitungen mit «Sonntag» im Titel so rasch vergänglich? Und weshalb positioniert sich kein Sonntagstitel als Wochenzeitung? Über die Bedeutung von Sport und Samstagsaktualität und die unterschätzte Langlebigkeit. Am Sonntag kaufe ich Zeitungen. Weil ich noch immer herkömmlich lese, wiegt <a href="https://medienwoche.ch/2011/06/26/1-6-kilogramm-altpapier/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Sonntagszeitungen landen spätestens am Montag im Altpapier, während klassische Wochenzeitungen eine mehrtägige Haltbarkeit haben. Warum sind Zeitungen mit «Sonntag» im Titel so rasch vergänglich? Und weshalb positioniert sich kein Sonntagstitel als Wochenzeitung? Über die Bedeutung von Sport und Samstagsaktualität und die unterschätzte Langlebigkeit.</strong></p>
<p>Am Sonntag kaufe ich Zeitungen. Weil ich noch immer herkömmlich lese, wiegt meine Sonntagslektüre sage und schreibe 1.619 Kilogramm, denn ich kaufe die «SonntagsZeitung», die «NZZ am Sonntag», den «Sonntag» und den «Sonntagsblick». Nach dem Aussortieren der Werbebeilagen bleiben noch 0.955 Kilogramm und ich weiss aus Erfahrung: Lange muss ich sperrige Papierlast nicht ertragen, denn die Sonntagszeitungen landen spätestens am Montag auf dem Altpapier-Stapel. «Weshalb», frage ich mich, «liegen sie eigentlich nicht eine Woche lang im Wohnzimmer wie klassische Wochenzeitungen, wie etwa die «Weltwoche», die «WoZ», «Die Zeit» oder der «Spiegel»?</p>
<p>Martin Spieler, Chefredaktor der «SonntagsZeitung», will nicht gelten lassen, dass sein Produkt, bereits am Wochenstart zu Makulatur wird. «Unsere Geschichten haben eine lange Haltbarkeit. Das belegen entsprechende Leserbefragungen». Als Beispiel nennt er die alle zwei Jahre publizierte, repräsentative Bundnutzungsstudie. Diese zeige, dass einzelne Bünde auf die Seite gelegt und auch noch unter der Woche genutzt werden. «Die Werte reichen von 12,3 Prozent beim Nachrichtenbund bis zu 34,5 Prozent beim Bund «Wissen», der bis Donnerstag gelesen wird.»</p>
<p>Ähnlich argumentiert Felix E. Müller, Chefredaktor der «NZZ am Sonntag»: «Unsere Zeitung wird, wie wir aus Befragungen und auch von anekdotischen Beobachtungen wissen, durchaus als Wochentitel genutzt. Das heisst, dass die Zeitung im Gegensatz zur Konkurrenz nicht am Sonntagabend ins Altpapier wandert, sondern bundweise im Verlauf der Woche gelesen wird.»</p>
<p>Okay, zugegeben: Einzelne Seiten habe ich auch schon auf dem Nachttisch oder in der Laptop-Tasche untergebracht, um sie dann am Montag oder Dienstag im Tram zu lesen. Doch hier interessiert die Frage: Wie unterscheiden sich die Sonntagszeitungen von den klassischen Wochenzeitungen? Wäre es überhaupt möglich, zum Beispiel die «NZZ am Sonntag» als Wochenzeitung zu positionieren? «Man müsste im Titel auf den Begriff &#8218;Sonntag&#8216; verzichten und die Zeitung letztlich zu einem Magazin umwandeln, das am Sonntag erscheint», sagt Chefredaktor Müller. Ein Magazin hätte aber aufgrund der längeren Produktionszeiten den Nachteil, dass kaum Samstagsaktualität berücksichtigt werden könnte. Man würde also ein Magazin ohne aktuellen Sport am Sonntag verkaufen, was sicher nicht optimal wäre.</p>
<p>Die Unterschiede zwischen Sonntagszeitungen und klassischen Wochenzeitungen liegen also vor allem in der Aktualität. Trotz gleicher Periodizität orientieren sich die Sonntagszeitungen am samstäglichen Geschehen. Dies im Gegensatz zu den an Wochentagen erscheinenden Wochenzeitungen (Donnerstag: «Weltwoche», die «WoZ», «Die Zeit». Montag: «Spiegel»), welche auf tagesaktuelle Berichterstattung verzichten. «Sonntagszeitungen schliessen letztlich die Lücke, welche Tageszeitungen aus demselben Verlag am siebten Tag hinterlassen. Sie übernehmen damit die gleiche Funktion wie eine Tageszeitung &#8211; einfach mit dem Unterschied, dass aufgrund der längeren Lesedauer am Sonntag mehr Hintergrund- und Lifestyle-Berichte publiziert werden», sagt Manuel Puppis, Oberassistent am Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung der Universität Zürich.</p>
<p>Die Aussagen der beiden Chefredaktoren zeigen: Die Sonntagszeitungen setzen vor allem auf die Tatsache, dass wir Leser am Sonntag genügend Zeit haben, um Zeitung zu lesen – Zeit für samstagsaktuelle Texte, Recherchen und Hintergrundberichte. Mit dieser Positionierung fahren die Sonntagszeitungen gut und dies soll auch so bleiben. «Sie sollen sich nicht als klassische Wochenblätter positionieren», sagt Kurt W. Zimmermann, Medienexperte und ehemaliger Chefredaktor der «SonntagsZeitung». «Die Samstagsaktualität ist ihr grosser USP. Anders als Wochenzeitschriften sind Sonntagsblätter durch den aktuellen Tagesbezug nicht dem Risiko der Beliebigkeit ausgesetzt, sondern haben ein zwingendes Leseargument. Die Samstagsaktualität, wie man immer wieder sieht, ist auch der wichtigste Treiber der Verkaufsauflage.»</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/06/26/1-6-kilogramm-altpapier/">1.6 Kilogramm Altpapier</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Ein heilsamer Schock</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2011/06/06/ein-heilsamer-schock/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Jun 2011 09:36:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Standpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[NZZ am Sonntag]]></category>
		<category><![CDATA[Basel]]></category>
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		<category><![CDATA[Tito Tettamanti]]></category>
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		<category><![CDATA[BAZ]]></category>
		<category><![CDATA[AZ Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Konkurrenz]]></category>
		<category><![CDATA[taz]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Für das linke Basel war der Besitzerwechsel der Basler Zeitung ein Schock; wie sich nun zeigt ein heilsamer. Als Reaktion auf den publizistischen Kurswechsel entstand das Projekt zur Gründung einer neuen Wochenzeitung mit tagesaktueller Online-Ausgabe. Und die Konkurrenz aus dem Aargau schläft auch nicht und intensiviert die Berichterstattung. Traumhafte Verhältnisse im kleinen Basel: Statt einer <a href="https://medienwoche.ch/2011/06/06/ein-heilsamer-schock/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Für das linke Basel war der Besitzerwechsel der Basler Zeitung ein Schock; wie sich nun zeigt ein heilsamer. Als Reaktion auf den publizistischen Kurswechsel entstand das Projekt zur Gründung einer neuen Wochenzeitung mit tagesaktueller Online-Ausgabe. Und die <a href="https://medienwoche.ch/2011/06/01/vom-aargau-uber-liestal-an-den-rhein/" target="_blank">Konkurrenz aus dem Aargau</a> schläft auch nicht und intensiviert die Berichterstattung. Traumhafte Verhältnisse im kleinen Basel: Statt einer langweiligen stehen dem Publikum bald zwei Tageszeitungen und eine Sonntagszeitung zur Auswahl. Doch ist die BaZ wirklich ein «SVP-Kampfblatt», wie es sogar <a href="http://www.taz.de/1/archiv/print-archiv/printressorts/digi-artikel/?ressort=fl&amp;dig=2010%2F09%2F09%2Fa0139&amp;cHash=0e6da50ebe" target="_blank">in der Berliner «taz»</a> zu lesen war? Ein Blick in die Zeitung zeigt Überraschendes.<br />
<span id="more-28850"></span><br />
Schweizer Medien berichten nicht oft über Medien oder über die Kreise, die hinter Zeitungen stehen. Es sei denn, es geht um Publikationen, die explizit nicht links sind. Dann überbieten sie sich mit Artikeln. Die «NZZ am Sonntag» hat mit <a href="http://www.nzz.ch/_impressum_benini_francesco_1.468.html?independent=true">Francesco Benini</a> sogar eigens einen Journalisten dafür. Sobald sich etwas bewegt in der Medienszene und Roger Köppel, Markus Somm oder Christoph Blocher daran beteiligt sind, schreibt er Artikel, die nicht nur viel beachtet, sondern auch, wichtig für die Sonntagszeitungen, viel zitiert werden. Fast ebenso fleissig beobachtet die Lage der «Tages-Anzeiger» mit <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/stichwort/autor/maurice-thiriet/s.html">Maurice Thiriet</a>. Die Online-Portale greifen die Recherchen dann begierig auf und machen sie gerne grösser, als sie wichtig sind.</p>
<p>Heftig waren die Reaktionen, als die BaZ verkauft wurde. <a href="http://www.taz.de/1/archiv/print-archiv/printressorts/digi-artikel/?ressort=fl&amp;dig=2010%2F09%2F09%2Fa0139&amp;cHash=0e6da50ebe">«Noch ein SVP-Kampfblatt»</a>, stöhnte die deutsche «taz». Martin Lüchinger, SP-Präsident Basel-Stadt, war <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Basels-Linke-entsetzt-ueber-den-neuen-BaZChefredaktor-Markus-Somm/story/28138404">«entsetzt»</a>. Und der Basler Regierungsrat Christoph Brutschin (SP) warnte davor, die Ansprüche des Basler Bürgertums zu unterschätzen und prophezeite mit einem <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Redaktion-der-Basler-Zeitung-wagt-Machtprobe-mit-den-Verlegern-/story/15803171">«einseitig rechtskonservativen Kurs»</a> schon mal einen Einbruch bei den «Abonnenten und wohl auch Inserenten». <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/schweiz/baz-eigner_tettamanti_mag_nicht_nach_basel_reisen_1.8451619.html">Ausserdem</a> wurde die Auslieferung der Zeitung sabotiert und Investor Tito Tettamanti verkaufte seine Anteile, nachdem das linke Bündnis BastA! dazu aufgerufen hatte, ihn bei einem Vortrag mit Trillerpfeifen zu empfangen.</p>
<p>Was steht da denn in diesem angeblichen «SVP-Kampfblatt», zum Beispiel am Freitag, 3. Juni? Den Titel und die Seiten 2 und 3 füllt einer, mit dem sich Psychologiestudentinnen beschäftigen müssen: C.G. Jung (seine Beziehung zu Basel, war er ein Antisemit?). Dann kommen je zwei Seiten Schweizer Politik, internationale Politik, Meinung und Wirtschaft. Über fünf Seiten dagegen werden dem Sport, dem Lokalen und Kultur/Wissen eingeräumt. Das Team Politik, Meinung und Wirtschaft verliert also mit 8:15 Seiten gegen das Team Basel, Sport und Kultur. Darüber mag jetzt jeder selbst nachdenken.</p>
<p>Was ist mit den Inhalten? Die Basler Zeitung war mal bis weit in den deutschen Raum hinein für ihr herausragendes Feuilleton bekannt. Heute kann sie daran wohl nur noch an einzelnen Tagen anknüpfen, in der Regel geht es nun im Kulturteil um lokale Ereignisse (am 3.6. um eine Skulptur in der Heuwaage und einen Pianisten im Basler Musiksaal, immerhin zwei Spalten werden einer Performance in Zürich! eingeräumt). Ein deutliches Zeichen für eine Hinwendung zur Populärkultur ist der Bericht über das «Schätzeli der Nation», Francine Jordi, die den Mann gewechselt hat. Was sich abschreckend anhört und auch eher was für den Klatschteil ist, liest sich dann gar nicht so uninteressant, hat doch Journalistin Andrea Fopp tatsächlich Mitglieder des Jodlerklubs und des Eurovision-Fanclubs dazu befragt. Auch wenn es viele Kulturredakteure nicht wahrhaben wollen: Das sind die Texte, die gelesen werden.</p>
<p>Von der Wahl zum Fifa-Chef berichtet (am 1. Juni) der Blatter-kritische, freie Sportjournalist <a href="http://www.jensweinreich.de/">Jens Weinreich</a>. Anders als die Weltwoche: Dort empfing Sepp Blatter seinen späteren PR-Mann Walter De Gregorio (siehe <a href="https://medienwoche.ch/2011/04/20/das-bewerbungschreiben/">MEDIENWOCHE vom 20. April</a>) zusammen mit Roger Köppel zu einem Interview, das man je nach Standpunkt als Schwimmen gegen den Mainstream oder Gefälligkeit auslegen kann.</p>
<p>Ein Glanzstück sind die beiden Meinungsseiten. Links unten kommen die Leser zu Wort, rechts in der Mitte prangt die «Carte Blanche», wo sich kluge Leute, die schreiben können, obwohl sie keine Redaktoren sind, zu einem selbstgewählten Thema äussern können. Warum bloss liest man in Schweizer Printprodukten so wenige Texte von Branchenfremden? So oft sind es diese Texte, die neue Denkanstösse geben. Auch Politiker kommen in der BaZ regelmässig zu Wort &#8211; gerade bei Fachthemen sind diese viel lesenswerter als das, was ein Redaktor mit Zeitmangel sich kurz mal angelesen hat.</p>
<p>Die sich wandelnde BaZ hat nicht nur die stockkonservative Lokalelite aus ihrem isolationistischen Tiefschlaf geweckt, sie hat sie auch dazu ermuntert, <a href="http://www.bachmannmedien.ch/newsroom/medieninfo/projektbasel.html">selbst eine Zeitung anzukündigen</a>, hinter der sie auch wirklich stehen kann. Wie das Publikum auf die beiden Produkte in Zukunft reagiert, wird sich weisen. Vielleicht wird der Markt einer von beiden den Tod bescheren &#8211; schöner wäre es, für das Publikum und die Journalisten, wenn die neue publizistische Auswahl erhalten bleibt.</p>
<p>Die alte, zum Einschlafen langweilige BaZ ist auf jeden Fall Geschichte. Gut so. Die Medienlandschaft braucht nicht nur ein Basel, sie braucht viele Basel. Weil profilierte Produkte nur im Wettbewerb entstehen. Und Selbstzufriedenheit nur Langeweile schafft.</p>
<p><small>Bild: <a href="http://www.flickr.com/photos/paytonc/5331789788/">Flickr/paytonc</a>, <a href="http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/deed.en">CC BY-Lizenz</a></small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/06/06/ein-heilsamer-schock/">Ein heilsamer Schock</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Vom Aargau über Liestal an den Rhein</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2011/06/01/vom-aargau-uber-liestal-an-den-rhein/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 31 May 2011 22:39:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die AZ Medien dringen weiter nordwärts vor. Mit der «Sonntag»-Ausgabe für beide Basel und dem Ausbau der wochentäglichen Berichterstattung der Basellandschaftlichen Zeitung für das untere Baselbiet treten die AZ Medien nicht nur auf dem Lesermarkt in direkte Konkurrenz zur BaZ, sondern schaffen auch attraktive Arbeitsplätze für wechselwillige BaZ-Journalisten. Damit öffnet sich das nächste Kapitel in <a href="https://medienwoche.ch/2011/06/01/vom-aargau-uber-liestal-an-den-rhein/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" alt="" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2011/06/azmedien.jpg" class="alignleft" width="120" height="120" /> Die AZ Medien dringen weiter nordwärts vor. Mit der «Sonntag»-Ausgabe für beide Basel und dem Ausbau der wochentäglichen Berichterstattung der Basellandschaftlichen Zeitung für das untere Baselbiet treten die AZ Medien nicht nur auf dem Lesermarkt in direkte Konkurrenz zur BaZ, sondern schaffen auch attraktive Arbeitsplätze für wechselwillige BaZ-Journalisten. Damit öffnet sich das nächste Kapitel in der schwierigen Beziehung zwischen Aarau und Basel.<br />
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Zuerst verliess der stellvertretende Chefredaktor Urs Buess die BaZ und nun geht auch der erst vor kurzem als Leiter der aufgestockten Bundeshausredaktion eingesetzte Christian Mensch. Beide übernehmen tragende Rollen bei neuen Medienprojekten, die als direkte Konkurrenz zur BaZ aufgebaut werden: Buess wird <a href="http://www.bachmannmedien.ch/newsroom/medieninfo/projektbasel.html" target="_blank">Chefredaktor</a> einer <a href="https://medienwoche.ch/2011/04/15/wer-hats-erfunden/" target="_self">neuen Wochenzeitung</a> in Basel und <a href="http://azmedien.ch/_medien/archiv_medienmitteilungen/2011/2011-05-27_MM_Christian-Mensch_Der-Sonntag_Ausgabe-beider-Basel.pdf" target="_self">Mensch übernimmt die Leitung</a> der «Sonntag»-Ausgabe der basellandschaftlichen Zeitung, die ab August auch über das Kerngebiet der BaZ, die Stadt Basel berichten wird. Für BaZ-Chefredaktor Markus Somm ist die Welt trotz dieser prominenten Abgänge in Ordnung. Als Erzliberaler findet Somm die neue Situation auf dem Medienplatz Basel mit den beiden Konkurrenten in spe «irrsinnig gut», wie er gegenüber <a href="http://www.drs.ch/www/de/drs/sendungen/regionaljournal-basel-baselland-wochengast/117398.sh10180741.html" target="_blank">dem Regionaljournal DRS sagte</a>. Denn «Konkurrenz belebt, Konkurrenz ist gut, wir müssen uns mehr anstrengen. Das ist nur positiv.» Doch Konkurrenz und freier Markt heisst auch: Es gibt Sieger und Verlierer. Noch weiss niemand, wie sich der Medienplatz Basel und insbesondere der Zeitungsmarkt mit dem Auftritt der neuen Akteure entwickeln wird.</p>
<p>Klar ist indes, dass die AZ Medien noch weiter ins Stammrevier von Platzhirsch Basler Zeitung vordringen, nachdem sie bereits vor vier Jahren einen grossen Schritt nordwärts gemacht haben mit der Integration der Basellandschaftlichen Zeitung bz ins AZ-Kopfblattsystem; überhaupt nicht zur Freude der Basler Zeitung. Vom <a href="http://archiv.onlinereports.ch/2006/BZkooperationAZ.htm" target="_blank">«Auftakt eines Zeitungskriegs»</a> sprach der damalige BaZ-Verleger Matthias Hagemann. Ähnlich martialische Töne vernimmt man heute keine mehr aus Basel, obwohl die jüngsten Schritte der AZ Medien von ähnlicher Tragweite sind, wie damals die Partnerschaft mit der bz. Auch in Aarau hält man den Ball flach und will nichts wissen von einem Powerplay, um der BaZ das Leben schwerzumachen. «Wir verfolgen eine bestehende, grundsätzliche Strategie und intensivieren die Marktbearbeitung in einer Region, in der wir Auflagenpotenzial sehen», teilt Christoph Bauer, CEO der AZ Medien, auf Anfrage der MEDIENWOCHE mit. Im vergangenen Jahr suchten der damalige BaZ-Verleger Martin Wagner und AZ-Verleger Peter Wanner nach <a href="http://www.persoenlich.com/news/show_news.cfm?newsid=90075" target="_blank">Kooperationsmöglichkeiten</a> der beiden Medienunternehmen. Um einen Zusammenschluss der beiden Verlagshäuser sei es dabei aber nie gegangen, sagte Wagner im letzten August. Mit dem jüngsten Schritt der Aargauer stehen die Zeichen wieder stärker auf Konkurrenz als auf Kooperation. Doch mit Tamedia steht der BaZ weiterhin eine starke Partnerin an der Seite, die nicht nur Inhalte liefert in Form von «Magazin» und Newsnetz, sondern auch für Werbeeinnahmen sorgt über die Anzeigenkombination <a href="http://www.mytamedia.ch/mediadaten/zeitungen/kombinationen/metropool/profil.html" target="_blank">«Metropool»</a>.</p>
<p>Ob es für die BaZ mit der neuen Konkurrenz ungemütlich wird, hängt nicht zuletzt von ihr selbst ab. Solange nicht klar ist, ob der <a href="https://medienwoche.ch/2011/03/16/die-baz-und-ihr-trojanisches-pferd/" target="_self">unbekannte Investor</a> vor allem an einer politischen Dividende interessiert ist, die er mit den Kommentaren von Chefredaktor Markus Somm regelmässig ausbezahlt erhält, oder ob er auch ein gutes Geschäft machen will, lassen sich in der Akte BaZ entscheidende Fragen nicht beantworten. Das könnte sich bald ändern: <a href="http://www.onlinereports.ch/News.117+M5e9b4c52ce4.0.html" target="_blank">Gemäss onlinereports.ch</a> will Moritz Suter, VR-Präsident der Basler Zeitung Medien, Transparenz schaffen und einen Investor präsentieren, der mit offenen Karten spielt.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/06/01/vom-aargau-uber-liestal-an-den-rhein/">Vom Aargau über Liestal an den Rhein</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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