von René Worni

Die BaZ und ihr Trojanisches Pferd

In Basel ist das Seilziehen um die politische Ausrichtung der Basler Zeitung nach wie vor im Gange. Mehr und mehr zeigt sich, dass den Besitzern mit der Positionierung von Chefredaktor Markus Somm als Trojanisches Pferd ein Coup gelungen ist. Im Mai will BaZ-Verwalter Moritz Suter der Redaktion bekanntgeben, wohin die Reise geht – Richtung Süden.

Wohin steuert die Basler Zeitung? Die Installation von Crossair-Gründer Moritz Suter als Retter der BaZ aus dem Zugriff rechtsbürgerlicher Kreise war nur von kurzer Dauer. Allzu schnell war auch der Paukenschlag verklungen, mit dem Suter als erste Amtshandlung das Beratungsmandat von Christoph Blocher und seiner Robinvest storniert hatte. Denn konsequenterweise hätte zu dem Zeitpunkt auch BaZ-Chefredaktor und Blocher-Biograph Markus Somm den Hut nehmen müssen. Doch Somm blieb, aus zunächst unerfindlichen Gründen.

Als dann im Februar bekannt geworden war, dass Suter nicht die ganze BaZ, sondern bloss die Übernahmeholding besitzt, die er für eine Million Franken gekauft hatte, war die Enttäuschung gross. Von verschiedener Seite wurde Transparenz über die Besitzverhältnisse gefordert und die Spekulationen um die Zukunft der Basler Zeitung schiessen seither weiterhin wild ins Kraut. In Basel sieht man in Suters Intervention unterdessen wohl vor allem eine gekonnt inszenierte Aktion mit dem Zweck, die Geldgeber (Tito Tettamanti und Martin Wagner) aus der Schusslinie vieler entrüsteter BaZ-Abonnentinnen und -Abonnenten zu nehmen. Je länger sich Suter als Gutmensch aufspielt, desto mehr dürfte sein Renommee als einstiger Swissair-Retter ohne Furcht und Tadel leiden.

Branchenkenner gehen übereinstimmend davon aus, dass die Investoren, die für den Kaufpreis von 70 Millionen und dem Schuldenberg von 107 Millionen Franken geradestehen, nach wie vor im politischen Einflussgebiet der SVP und von Christoph Blocher anzusiedeln sind, wenn nicht gar Blocher selber für die Beträge garantiert. Doch belegen lässt sich das bisher nicht.

Radiomann Roger Schawinski zum Beispiel hielt auf persönlich.com gewohnt angriffig die finanzielle Beteiligung Blochers an der BaZ für logisch. Doch der Text ist gelöscht. Chefredaktor Matthias Ackeret, der sich im Internet auf Tele Blocher dem alt Bundesrat wöchentlich auf den Schoss setzt, quälten offensichtlich Loyalitätsprobleme und Klagedrohungen. (Schawinskis Kolumne ist andernorts im Netz weiterhin zugänglich.)

Doch was haben die unerkannt bleiben wollenden Besitzer mit der BaZ vor? Laut zuverlässigen Quellen habe Moritz Suter kürzlich erklärt, dass er im Mai der Redaktion sagen könne, wohin die Reise gehe. Sie müsse sich nicht warm anziehen, es gehe nicht in den Norden, man solle vielmehr die Badehose einpacken. Zwar gibt die Redaktion nicht allzu viel auf Suters Sprüche, doch taugen diese geographischen Hinweise – Suter meinte den Süden – als Indiz für eine Kooperation der Basler Zeitung mit den AZ-Medien von Verleger Peter Wanner. Laut Berichten des Tages Anzeigers soll Blocher anlässlich eines Managementseminars der BZM-Konzernleitung zur Sanierung der BaZ die Variante Wanner beliebt gemacht haben. Dem Aargauer Verleger hat Blocher dabei die Führung der kommerziellen Belange zugedacht, der BaZ die publizistischen unter Markus Somm. Mit einem Schlag könnte eine um die BaZ erweiterte AZ 600000 Leserinnen und Leser erreichen. Sie böte Wanner zudem die Expansion seines geliebten Sonntagsblattes Sonntag ans Rheinknie. Damit würde der Sonntag wohl zur Nummer eins im Sonntagsmarkt aufsteigen. Diese Option böte eine ebenfalls diskutierte Kooperation mit der NZZ nicht. Der Konzern scheint sich unter anderem nach einer Reihe von Entlassungen wieder erholt zu haben und kann ein Zusammenspannen mit Basel oder Zürich mit Bedacht angehen. AZ-Mediensprecherin Eva Keller stellt in Aussicht, dass man noch in diesem Monat einen deutlich besseren Jahresabschluss als den Letzten werde präsentieren können.

Ob Wanner sich allerdings vor den Karren einer rechtsbürgerlich geprägten Medienstrategie spannen lassen will, ist völlig offen. Ein Zusammenspannen mit Basel ist einerseits verlockend, denn besonders die aufgerüsteten und kostenintensiven Lokalredaktionen der BaZ und der Basellandschaftlichen Zeitung liessen sich bequem zusammenlegen. Optionen böten sich auch im Druckbereich. Andererseits ist das Ausmass inhaltlicher Konsequenzen im nationalen Ressort nicht abschätzbar. Die Entwicklung in Basel müsste Wanner mindestens hellhörig machen. Somm, der bei der BaZ praktisch als Trojanisches Pferd wirkt und sich Leute aus vergangenen Weltwoche-Tagen geholt hat (Eugen Sorg, Max Frenkel), hat zum Beweis, dass es ihm und seinen Investoren mit der nationalen Ausrichtung der BaZ ernst ist, die Bundeshausredaktion auf Kosten des Rechercheteams auf vier Personen aufgestockt. Der bisherige und eher als links geltende Bundeshausredaktor Ruedi Studer musste gehen, wie auch weitere, bei der letzten Entlassungsrunde nicht genehme Redaktionsmitglieder. Als Teamleiter setzt Somm auf Christian Mensch, einen erfahrenen und kritischen Journalisten, gegen den Wanner nichts einzuwenden haben dürfte. Man will den Kooperationspartner, auf den die hochverschuldete BaZ angewiesen ist, nicht lichtscheu machen. Ob die BaZ mit oder ohne Wanner steht beziehungsweise fällt, hängt einerseits vom langen Atem der Investoren ab aber auch davon, wie lange sich die Basler Bevölkerung den politischen Umbau ihrer in der Vergangenheit nicht immer nur geliebten Basler Zeitung noch gefallen lassen will.

Bild: CC Flickr/Andreä, BY-Lizenz.

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