von Nick Lüthi

Vom Aargau über Liestal an den Rhein

Die AZ Medien dringen weiter nordwärts vor. Mit der «Sonntag»-Ausgabe für beide Basel und dem Ausbau der wochentäglichen Berichterstattung der Basellandschaftlichen Zeitung für das untere Baselbiet treten die AZ Medien nicht nur auf dem Lesermarkt in direkte Konkurrenz zur BaZ, sondern schaffen auch attraktive Arbeitsplätze für wechselwillige BaZ-Journalisten. Damit öffnet sich das nächste Kapitel in der schwierigen Beziehung zwischen Aarau und Basel.

Zuerst verliess der stellvertretende Chefredaktor Urs Buess die BaZ und nun geht auch der erst vor kurzem als Leiter der aufgestockten Bundeshausredaktion eingesetzte Christian Mensch. Beide übernehmen tragende Rollen bei neuen Medienprojekten, die als direkte Konkurrenz zur BaZ aufgebaut werden: Buess wird Chefredaktor einer neuen Wochenzeitung in Basel und Mensch übernimmt die Leitung der «Sonntag»-Ausgabe der basellandschaftlichen Zeitung, die ab August auch über das Kerngebiet der BaZ, die Stadt Basel berichten wird. Für BaZ-Chefredaktor Markus Somm ist die Welt trotz dieser prominenten Abgänge in Ordnung. Als Erzliberaler findet Somm die neue Situation auf dem Medienplatz Basel mit den beiden Konkurrenten in spe «irrsinnig gut», wie er gegenüber dem Regionaljournal DRS sagte. Denn «Konkurrenz belebt, Konkurrenz ist gut, wir müssen uns mehr anstrengen. Das ist nur positiv.» Doch Konkurrenz und freier Markt heisst auch: Es gibt Sieger und Verlierer. Noch weiss niemand, wie sich der Medienplatz Basel und insbesondere der Zeitungsmarkt mit dem Auftritt der neuen Akteure entwickeln wird.

Klar ist indes, dass die AZ Medien noch weiter ins Stammrevier von Platzhirsch Basler Zeitung vordringen, nachdem sie bereits vor vier Jahren einen grossen Schritt nordwärts gemacht haben mit der Integration der Basellandschaftlichen Zeitung bz ins AZ-Kopfblattsystem; überhaupt nicht zur Freude der Basler Zeitung. Vom «Auftakt eines Zeitungskriegs» sprach der damalige BaZ-Verleger Matthias Hagemann. Ähnlich martialische Töne vernimmt man heute keine mehr aus Basel, obwohl die jüngsten Schritte der AZ Medien von ähnlicher Tragweite sind, wie damals die Partnerschaft mit der bz. Auch in Aarau hält man den Ball flach und will nichts wissen von einem Powerplay, um der BaZ das Leben schwerzumachen. «Wir verfolgen eine bestehende, grundsätzliche Strategie und intensivieren die Marktbearbeitung in einer Region, in der wir Auflagenpotenzial sehen», teilt Christoph Bauer, CEO der AZ Medien, auf Anfrage der MEDIENWOCHE mit. Im vergangenen Jahr suchten der damalige BaZ-Verleger Martin Wagner und AZ-Verleger Peter Wanner nach Kooperationsmöglichkeiten der beiden Medienunternehmen. Um einen Zusammenschluss der beiden Verlagshäuser sei es dabei aber nie gegangen, sagte Wagner im letzten August. Mit dem jüngsten Schritt der Aargauer stehen die Zeichen wieder stärker auf Konkurrenz als auf Kooperation. Doch mit Tamedia steht der BaZ weiterhin eine starke Partnerin an der Seite, die nicht nur Inhalte liefert in Form von «Magazin» und Newsnetz, sondern auch für Werbeeinnahmen sorgt über die Anzeigenkombination «Metropool».

Ob es für die BaZ mit der neuen Konkurrenz ungemütlich wird, hängt nicht zuletzt von ihr selbst ab. Solange nicht klar ist, ob der unbekannte Investor vor allem an einer politischen Dividende interessiert ist, die er mit den Kommentaren von Chefredaktor Markus Somm regelmässig ausbezahlt erhält, oder ob er auch ein gutes Geschäft machen will, lassen sich in der Akte BaZ entscheidende Fragen nicht beantworten. Das könnte sich bald ändern: Gemäss onlinereports.ch will Moritz Suter, VR-Präsident der Basler Zeitung Medien, Transparenz schaffen und einen Investor präsentieren, der mit offenen Karten spielt.

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