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	<title>Le Temps | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
	<lastBuildDate>Fri, 09 Apr 2021 12:09:54 +0000</lastBuildDate>
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		<title>«Heidi.news»: Nach starkem Start vor ungewisser Zukunft</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2021/01/12/heidi-news-vor-einer-unbekannten-zukunft-zusammen-mit-le-temps/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Eva Hirschi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 12 Jan 2021 13:29:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Westschweiz]]></category>
		<category><![CDATA[Heidi.news]]></category>
		<category><![CDATA[Le Temps]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mit den «Tamedia Papers» machte «Heidi.news» Ende 2020 in der Deutschschweiz von sich reden; nicht zum ersten Mal. Nun spannt das junge Online-Magazin aus Genf mit der Tageszeitung «Le Temps» zusammen. Eine finanzkräftige Stiftung hat die beiden Medien gekauft. Es ist die umfassendste Recherche zur Geschichte des grössten Schweizer Medienhauses, die in den letzten Jahren <a href="https://medienwoche.ch/2021/01/12/heidi-news-vor-einer-unbekannten-zukunft-zusammen-mit-le-temps/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Mit den «Tamedia Papers» machte «Heidi.news» Ende 2020 in der Deutschschweiz von sich reden; nicht zum ersten Mal. Nun spannt das junge Online-Magazin aus Genf mit der Tageszeitung «Le Temps» zusammen. Eine finanzkräftige Stiftung hat die beiden Medien gekauft.</strong><br />
<img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-84862" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/01/MW-Heidi-News-Le-Temps-20210112.jpg" alt="" width="1456" height="976" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/01/MW-Heidi-News-Le-Temps-20210112.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/01/MW-Heidi-News-Le-Temps-20210112-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/01/MW-Heidi-News-Le-Temps-20210112-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/01/MW-Heidi-News-Le-Temps-20210112-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/01/MW-Heidi-News-Le-Temps-20210112-470x315.jpg 470w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
Es ist die umfassendste Recherche zur Geschichte des grössten Schweizer Medienhauses, die in den letzten Jahren publiziert wurde: Mit den <a href="https://medienwoche.ch/2020/12/22/tamedia-papers/">«Tamedia Papers»</a> hat das unabhängige Westschweizer Online-Portal «Heidi.news» eine 12-teilige Serie über Einfluss, Macht und Geld des Zürcher Medienkonzerns Tamedia (heute TX Group) auf die Schweizer Medienlandschaft veröffentlicht. Daran mitgearbeitet hat auch das Online-Magazin «Republik», das die Serie auf Deutsch publiziert hat.<br />
</p>
<p>Viel Neues erfahren Branchenkenner in dem Bericht allerdings nicht. Viel eher trägt er ausführlich bereits vorhandenen Fakten zusammen und reichert sie durch zahlreiche Gespräche mit ehemaligen Mitarbeitenden und Brancheninsidern an. Dennoch ist es das erste Mal, dass ein Medium so offensiv ein ganzes Medienhaus an den Pranger stellt. Ausgerechnet die Westschweiz wehrt sich gegen die Zürcher Dominanz – aus gutem Grund: In der Romandie gehören 70 Prozent der grossen Nachrichtenmedien Tamedia; in der Deutschschweiz sind es 40 Prozent.</p>
<p>Eine Folge der «Tamedia Papers» sorgte für besondere Furore: Unter den angeblichen Opfern der erdrückenden Tamedia-Dampfwalze wird auch der Geschäftsmann und Milliardär Frederik Paulsen erwähnt, der sich gerichtlich gegen Artikel der Tamedia-Titel zur Wehr setzte. Der gleiche Paulsen überwies «Heidi.news» eine Spende von 250&#8217;000 Franken. «Heidi.news» wurde <a href="http://www.kleinreport.ch/news/republik-nach-artikel-uber-tamedia-bedrangnis-96096/" target="_blank" rel="noopener">Parteilichkeit vorgeworfen</a>. Die Spende ist im Artikel jedoch transparent erwähnt, das stellt auch «Heidi»-Mitbegründer Serge Michel in seiner <a href="http://www.kleinreport.ch/news/serge-michel-ich-habe-mich-vollkommen-neutral-verhalten-96134/" target="_blank" rel="noopener">Replik im «Klein Report»</a> klar. Den Vorwurf der Befangenheit weist er dezidiert zurück.</p>
<blockquote><p>Für eine achtteilige Serie zu Corona-Verschwörungstheorien musste «Heidi.news» viel Kritik einstecken.</p></blockquote>
<p>Es ist nicht die erste Recherche, mit der das erst <a href="https://medienwoche.ch/2019/01/10/wir-sehen-uns-eigentlich-konkurrenzlos-unser-konzept-gibt-es-so-noch-nicht/">im Mai 2019 lancierte Online-Portal</a> «Heidi.news» von sich reden macht. Für eine <a href="https://www.heidi.news/explorations/au-coeur-de-la-complosphere" target="_blank" rel="noopener">achtteilige Serie zu Corona-Verschwörungstheorien</a> musste «Heidi.news» viel Kritik einstecken – jedoch weniger zu deren Inhalt als viel mehr zur Machart: Der Journalist Sami Zaïbi unterwanderte während zwei Monaten eine Gruppierung aus sogenannten Verschwörungstheoretikern, die gegen die SwissCovid-App mobil machte und Demonstrationen gegen die Corona-Massnahmen des Bundes organisierte. Während einige Stimmen die Recherche lobten, kritisierten andere unlautere Undercover-Methode.</p>
<p>Doch das war nicht alles: Zahlreiche Hassnachrichten und Bedrohungen erreichten «Heidi.news» und den Autor der Serie. Selbst «Reporter ohne Grenzen» äusserte Sorge über die <a href="https://rsf-ch.ch/de/nicht-tolerierbare-rassistische-kommentare-gegen-einen-journalisten-von-heidi-newspropos-racistes-intolerables-tenus-contre-un-journaliste-de-heidi-news/" target="_blank" rel="noopener">«nicht tolerierbaren rassistischen Kommentare»</a>. Möglich, dass die Artikelserie ein Nachspiel haben wird: Eine im Bericht prominent vorgestellte Lehrerin reichte eine Beschwerde beim Schweizer Presserat ein. Das tat ebenso der Walliser SVP-Nationalrat Jean-Luc Addor, auch er ein Kämpfer gegen die SwissCovid-App. Noch ist offen, ob der Presserat auf die Beschwerden eingehen wird.</p>
<p>Gerade in Journalistenkreisen hat «Heidi.news» somit immerhin rasch an Bekanntheit gewonnen – vielleicht auch, weil in den letzten Jahren kaum von neuen Medienprojekten in der Romandie zu lesen war. Ein Projekt wie «Bon pour la tête», das nach der Einstellung von L&#8217;Hebdo gegründet, hat es nicht geschafft, grössere Aufmerksamkeit zu erlangen oder sich breit zu etablieren.</p>
<p>Anders bei «Heidi.news»: Innert 20 Monaten hat das Online-Magazin über 6’000 Abonnements verkauft, das Break-even-Ziel liegt bei 15&#8217;000 Abonnements bis Ende 2023. Zum Vergleich: Die «Republik» – ebenfalls als unabhängiges Start-up gegründetes Online-Bezahlmedium ohne Werbung – hatte nach zwei Geschäftsjahren 18&#8217;000 Mitgliedschaften und Abonnements erreicht und den Break-even von 25&#8217;000 Mitgliedern und Abos im Juni 2020 überschritten – im bedeutend grösseren Deutschschweizer Markt. «Heidi.news» schneidet also nicht schlecht ab.</p>
<blockquote><p>Insbesondere bei der Berichterstattung zur Gesundheit kann «Heidi.news» mit spezialisierten Journalistinnen und Journalisten punkten.</p></blockquote>
<p>Neben langen Recherchen überzeugt «Heidi.news» vor allem mit innovativen (kostenlosen) Newslettern aus verschiedenen Teilen der Welt sowie der Berichterstattung in ihren Schwerpunktbereichen. Anders als Tagesmedien setzt «Heidi.news» nämlich nicht auf die üblichen Ressorts, sondern hat sich auf eine Anzahl thematische Feeds («les flux») spezialisiert, zurzeit zu Gesundheit, Wissenschaft, Klima, Wirtschaft, Innovation, Kultur und Bildung.</p>
<p>Insbesondere bei der Berichterstattung zur Gesundheit, die von vielen Medien lange vernachlässigt wurde, nun aber wegen Covid-19 neuen Aufwind erhalten hat, kann «Heidi.news» mit spezialisierten Journalistinnen und Journalisten punkten. Ein pensionierter Epidemiologe sagt gegenüber der MEDIENWOCHE, «Heidi.news» liefere in der Westschweiz als einziges Medium seriöse, verifizierte Informationen zum Coronavirus – für ihn ausschlaggebend für sein Abonnement.</p>
<p>Dennoch: Während sich «Heidi.news» langsam bei einer an Qualitätsjournalismus interessierten Leserschaft mit hohem Bildungsgrad einen Namen macht, ist das Magazin bei der breiten Bevölkerung noch längst nicht angekommen. Wohl auch aus dem Grund, dass «Heidi.news» keinen News- und Tagesjournalismus bietet und stärker das grosse Ganze als kleine Lokalthemen anschaut. Trotz des Erfolgs bleibt «Heidi.news» (noch) ein Nischenprodukt. Die Zusammenarbeit mit «Le Temps» könnte das ändern.</p>
<blockquote><p>Es stellt sich die Frage, wie es mit «Heidi.news» weitergehen soll, wird doch die Redaktion mit jener von «Le Temps» zusammengelegt.</p></blockquote>
<p>Letzten November wurde bekannt, dass die <a href="https://aventinusfondation.ch/" target="_blank" rel="noopener">Stiftung Aventinus</a> <a href="https://www.persoenlich.com/medien/stiftung-aventinus-ubernimmt-le-temps" target="_blank" rel="noopener">sowohl die Westschweizer Tageszeitung «Le Temps»</a> <a href="https://www.persoenlich.com/medien/die-stiftung-aventinus-ubernimmt-auch-heidi-news" target="_blank" rel="noopener">als auch das Online-Portal «Heidi.news»</a> kaufen wird. Finanziell bringt dies somit vorerst etwas Entspannung. Dennoch stellt sich die Frage, wie es mit «Heidi.news» weitergehen soll, werden doch die beiden Redaktionen zusammengelegt. Für das kleine Online-Portal bedeutet dies ein grösseres Risiko als für «Le Temps» – das achtzigköpfige Redaktionsteam der etablierten Tageszeitung wird kaum das Dutzend Medienschaffende von «Heidi.news» verdrängen.</p>
<p>Die Herausforderung für «Heidi.news» wird darin bestehen, eine komplementäre Funktion zu «Le Temps» zu finden. Denn die Zielgruppen sind ähnlich, im Moment sind die beiden Medien eher Konkurrenten, und «Le Temps» kann auf eine bereits vorhandene treue Leserschaft zählen. Möglich wäre eine noch stärkere Spezialisierung von «Heidi.news», etwa im Bereich der Gesundheit.</p>
<p>Wie genau die inhaltliche Ausrichtung der beiden Medien in Zukunft aussehen soll, dazu will sich noch niemand äussern. Sowohl die neue Chefredaktorin von «Le Temps», Madeleine von Holzen, als auch der Redaktionsleiter von «Heidi.news», Serge Michel (der Teil der erweiterten sechsköpfigen stellvertretenden Chefredaktion der beiden Titel wird), sagen, man warte den effektiven Kauf durch die Stiftung Aventinus ab – der voraussichtlich nicht vor April stattfindet. Die Identität der beiden Titel solle aber fortbestehen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/01/12/heidi-news-vor-einer-unbekannten-zukunft-zusammen-mit-le-temps/">«Heidi.news»: Nach starkem Start vor ungewisser Zukunft</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>«Le Temps» mit neuer Chefredaktorin: Die Frau der starken Männer</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2021/01/04/le-temps-mit-neuer-chefredaktorin-die-frau-der-starken-maenner/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 04 Jan 2021 11:28:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Le Temps]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Madeleine von Holzen übernimmt «Le Temps», die wichtigste Tageszeitung der Romandie.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Madeleine von Holzen übernimmt «Le Temps», die wichtigste Tageszeitung der Romandie.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/01/04/le-temps-mit-neuer-chefredaktorin-die-frau-der-starken-maenner/">«Le Temps» mit neuer Chefredaktorin: Die Frau der starken Männer</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die Ringier-DNA und ihre Grenzen</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2020/11/10/die-ringier-dna-und-ihre-grenzen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 10 Nov 2020 16:24:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Le Temps]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mit dem Verkauf von «Le Temps» endet für Ringier ein weiterer Ausflug abseits des Boulevards nach nur wenigen Jahren. Damit wiederholt sich die Geschichte. Ringier tut sich immer wieder schwer mit publizistischen Projekten abseits des Kerngeschäfts. Eine «Herzens-Sache» sei es. «Ein Bekenntnis zum Journalismus. Ein Bekenntnis zur Westschweiz.» So kommentierte im April 2014 Ringier-Konzernchef Marc <a href="https://medienwoche.ch/2020/11/10/die-ringier-dna-und-ihre-grenzen/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Mit dem Verkauf von «Le Temps» endet für Ringier ein weiterer Ausflug abseits des Boulevards nach nur wenigen Jahren. Damit wiederholt sich die Geschichte. Ringier tut sich immer wieder schwer mit publizistischen Projekten abseits des Kerngeschäfts.</strong><br />
<img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-83254" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/11/MW-Ringier-DNA-Boulevard-20201110.jpg" alt="" width="1456" height="976" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/11/MW-Ringier-DNA-Boulevard-20201110.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/11/MW-Ringier-DNA-Boulevard-20201110-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/11/MW-Ringier-DNA-Boulevard-20201110-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/11/MW-Ringier-DNA-Boulevard-20201110-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/11/MW-Ringier-DNA-Boulevard-20201110-470x315.jpg 470w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
Eine «Herzens-Sache» sei es. «Ein Bekenntnis zum Journalismus. Ein Bekenntnis zur Westschweiz.» So kommentierte im April 2014 Ringier-Konzernchef <a href="https://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/tempo-ist-alles-die-amerikaner-haben-recht/story/13926460" target="_blank" rel="noopener">Marc Walder</a> die Übernahme der Tageszeitung «Le Temps». Das Bekenntnis zum Qualitätstitel sollte sechs Jahre halten. Anfang November gab Ringier Axel Springer bekannt, das Blatt per Anfang 2021 an eine Stiftung <a href="https://www.ringieraxelspringer.ch/de/medienmitteilungen/le-temps-westschweizer-stiftung-aventinus-uebernimmt-le-temps-sa-von-ringier" target="_blank" rel="noopener">zu veräussern</a>.<br />
<br />
Als Grund für die Trennung von «Le Temps» nannte das Medienhaus «mangelnde Synergien mit seinem publizistischen Portfolio, welches zum grössten Teil aus Zeitschriften besteht». Synergien für «Le Temps» suchte Ringier in den sechs Jahren Eigentümerschaft mit seinem politischen Wochenmagazin «L&#8217;Hebdo», allerdings weniger mit strategischem Weitblick als aus schierer Geldnot. Das Ergebnis ist bekannt. «L&#8217;Hebdo» wurde 2017 nach fast 36 Jahren <a href="https://medienwoche.ch/2017/01/25/das-wunder-dauerte-immerhin-36-jahre/">eingestellt</a>. Und «Le Temps» drei Jahre später verkauft. Damit endet ein weiteres Kapitel Qualitätspublizistik im Hause Ringier, wie schon so viele andere zuvor geendet hatten.</p>
<p>Die publizistische DNA des traditionsreichen Verlagshauses ist offensichtlich so stark, dass Projekte ausserhalb des Kerngeschäfts mit Boulevard- und Unterhaltungsmedien einen schweren Stand haben. Sinnbildlich dafür steht die aktuelle Entwicklung in der Westschweiz: Weniger als einen Monat vor Bekanntgabe des «Le Temps»-Verkaufs kündigte Ringier die Expansion mit ihrer Stammmarke <a href="https://medienwoche.ch/2020/10/08/ein-zeichen-dass-man-die-westschweiz-nicht-vergessen-hat/">«Blick» in die Westschweiz</a> an – Qualitätszeitung geht, Boulevard kommt.</p>
<p>Neben dem Nachrichtenmagazin «L&#8217;Hebdo», das sich unter Ringier mehr als drei Jahrzehnte als Referenzblatt einer linksliberalen, EU-freundlichen Elite in der Westschweiz halten konnte, fanden andere Investitionen in den politischen Journalismus ein schnelleres Ende. Die Schwesterpublikation des «L&#8217;Hebdo» in der Deutschschweiz, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Woche_(1981%E2%80%931982)" target="_blank" rel="noopener">«Die Woche»</a>, machte es nur gerade ein Jahr. Auch beim «Bund» in Bern blieb Ringier nicht lange an Bord. Anfang der 1990er-Jahre sah man in der Berner Traditionszeitung einen idealen Partner für die «Luzerner Neusten Nachrichten» LNN, die sich seit 1975 als einzige Regionalzeitung im Portfolio befanden. Doch die Ambitionen zerschlugen sich schnell – nicht zuletzt wegen der Konkurrenz, die den beiden Blättern in Bern und Luzern das Leben auf dem Inseratemarkt schwer machten. «Bund» und LNN gingen schliesslich an die NZZ.</p>
<blockquote><p>Nicht nur in der Schweiz, auch im Ausland hatte Ringier wenig Erfolg mit Publikationen, die ausserhalb des Boulevard-Segments positioniert waren.</p></blockquote>
<p>Auch mit Nachrichten- und Politmagazinen sah es nicht viel besser aus. Bei der «Weltwoche» pokerte Ringier zu hoch und verlor das Blatt im letzten Moment an jene Investoren, die schliesslich Roger Köppel zum starken Mann machten. Die Wirtschaftswochenzeitung «Cash» existierte immerhin 18 Jahre, bevor ihr 2007 das Geld ausging.</p>
<p>Aber nicht nur in der Schweiz, auch im Ausland hatte Ringier wenig Erfolg mit Publikationen, die ausserhalb des Boulevard-Segments positioniert waren. Etwa in Ungarn. Mit <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Magyar_H%C3%ADrlap" target="_blank" rel="noopener">«Magyar Hírlap»</a> und <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/N%C3%A9pszabads%C3%A1g" target="_blank" rel="noopener">«Népszabadság»</a> befanden sich von 2000 bis 2014 gleich zwei gewichtige Titel im Portfolio des Schweizer Verlagshauses, das nach der Wende 1989 seine Geschäftstätigkeit nach Osteuropa ausgeweitet hatte. Doch nach vier («Magyar Hírlap»), respektive neun Jahren («Népszabadság») war Ringier die Blätter auch schon wieder los. In beiden Fällen spielten regulatorische Entscheidungen der Regierung, gegen die sich Ringier mit Klagen wehrte, eine entscheidende Rolle bei der Veräusserung. Was sich dagegen hält in Ungarn, wie auch in weiteren Ländern Osteuropas, ist die Ringier-Marke <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Blikk" target="_blank" rel="noopener">«Blikk»</a> in Print und Online.</p>
<p>Auch wenn die Gründe für die kurzen und erfolglosen Gastspiele ausserhalb des Boulevards jeweils in der konkreten Konstellation zu suchen sind, gibt es Erklärungsansätze, die breiter greifen – zumindest was die Deutschschweiz angeht.</p>
<blockquote><p>Ringier kann Boulevard. Aber das dafür richtig und erfolgreich, wie die umtriebige «Blick»-Gruppe zeigt.</p></blockquote>
<p>Ein wichtiger Grund liegt im publizistischen Profil. «In der Deutschschweiz war Ringier immer die erste Adresse für Magazin- und Unterhaltungs-Journalismus», erklärte der Publizist und Ringier-Kenner Karl Lüönd 2014 gegenüber der MEDIENWOCHE. «Entsprechend haben sich über die Jahre hinweg die Personalstämme in den Redaktionen und den Verlagsabteilungen formiert.» Womit wir wieder bei der DNA wären. Ringier kann Boulevard. Aber das dafür richtig und erfolgreich, wie die <a href="https://medienwoche.ch/2020/10/08/ein-zeichen-dass-man-die-westschweiz-nicht-vergessen-hat/">weiterhin</a> <a href="https://medienwoche.ch/2020/06/23/wir-probieren-vieles-aus-und-schauen-was-funktioniert/">umtriebige</a> «Blick»-Gruppe zeigt.</p>
<p><small><strong>Update</strong>: In einer ersten Fassung hiess es, die Wirtschaftszeitung «Cash» sei 2006 eingestellt worden. Das stimmt nicht. Es war 2007.</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/11/10/die-ringier-dna-und-ihre-grenzen/">Die Ringier-DNA und ihre Grenzen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Stiftungen übernehmen die Tageszeitung «Le Temps»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2020/11/05/stiftungen-uebernehmen-die-tageszeitung-le-temps/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Nov 2020 12:45:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Le Temps]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Westschweizer Tageszeitung «Le Temps» kommt 2021 in die Hände privater Mäzene. Verkäuferin Ringier bringt dafür den «Blick» nach Westen.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Westschweizer Tageszeitung «Le Temps» kommt 2021 in die Hände privater Mäzene. Verkäuferin Ringier bringt dafür den «Blick» nach Westen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/11/05/stiftungen-uebernehmen-die-tageszeitung-le-temps/">Stiftungen übernehmen die Tageszeitung «Le Temps»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Genf will seine Zeitung zurück</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2020/10/31/genf-will-seine-zeitung-zurueck/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 31 Oct 2020 09:53:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Le Temps]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>«Le Temps» steht seit über einem Jahr zum Verkauf, und dies nicht zum ersten Mal. Ein Käufer stände bereit, doch Ringier zögert.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/10/31/genf-will-seine-zeitung-zurueck/">Genf will seine Zeitung zurück</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>«Le Temps» steht seit über einem Jahr zum Verkauf, und dies nicht zum ersten Mal. Ein Käufer stände bereit, doch Ringier zögert.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/10/31/genf-will-seine-zeitung-zurueck/">Genf will seine Zeitung zurück</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Reiche Genfer greifen nach «Le Temps»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2020/10/01/reiche-genfer-greifen-nach-le-temps/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Oct 2020 15:24:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Le Temps]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es verdichten sich die Zeichen, dass der Medienkonzern Ringier und eine Käufergruppe sich über den Verkauf der Westschweizer Zeitung «Le Temps» geeinigt haben.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/10/01/reiche-genfer-greifen-nach-le-temps/">Reiche Genfer greifen nach «Le Temps»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Es verdichten sich die Zeichen, dass der Medienkonzern Ringier und eine Käufergruppe sich über den Verkauf der Westschweizer Zeitung «Le Temps» geeinigt haben.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/10/01/reiche-genfer-greifen-nach-le-temps/">Reiche Genfer greifen nach «Le Temps»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Preise für Gleichstellung,Aufstand im Newsroom, zweite Welle ahoi</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2020/09/18/preise-fuer-gleichstellungaufstand-im-newsroom-zweite-welle-ahoi/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Miriam Suter]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 18 Sep 2020 20:26:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[SRF]]></category>
		<category><![CDATA[Le Temps]]></category>
		<category><![CDATA[Blick]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>The Good – «Le Temps» räumt Preise für Gleichstellung ab Den Preis «Femmes et médias» erhalten in der Westschweiz Medienschaffende, die sich mit ihrer Arbeit besonders für die Gleichberechtigung der Geschlechter einsetzen. Dieses Jahr ging die Auszeichnung an Célia Héron, Podcast-Verantwortliche bei «Le Temps» und an die freie Journalistin Pascaline Sordet. In ihrem Podcast «Raffut» <a href="https://medienwoche.ch/2020/09/18/preise-fuer-gleichstellungaufstand-im-newsroom-zweite-welle-ahoi/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-81541" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/09/MW-Good-Bad-Ugly-20200918b.jpg" alt="" width="1456" height="488" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/09/MW-Good-Bad-Ugly-20200918b.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/09/MW-Good-Bad-Ugly-20200918b-300x101.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/09/MW-Good-Bad-Ugly-20200918b-768x257.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/09/MW-Good-Bad-Ugly-20200918b-1024x343.jpg 1024w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /></p>
<h3>The Good – «Le Temps» räumt Preise für Gleichstellung ab</h3>
<p>Den Preis <a href="https://egalite.ch/2020/09/prix-femmes-et-medias-edition-2020/" target="_blank" rel="noopener">«Femmes et médias»</a> erhalten in der Westschweiz Medienschaffende, die sich mit ihrer Arbeit besonders für die Gleichberechtigung der Geschlechter einsetzen. Dieses Jahr ging die Auszeichnung an Célia Héron, Podcast-Verantwortliche bei «Le Temps» und an die freie Journalistin Pascaline Sordet. In ihrem <a href="https://www.letemps.ch/podcast/raffut" target="_blank" rel="noopener">Podcast «Raffut»</a> gehen die beiden Klischees über Sportlerinnen nach.</p>
<p>Ebenfalls einen Preis erhielt die «Le Temps»-Journalistin Sylvia Revello für ihren Artikel über <a href="https://www.letemps.ch/suisse/laccouchement-vire-cauchemar" target="_blank" rel="noopener">Gewalt bei der Geburtshilfe</a>. Die gesamte «Le Temps»-Redaktion wurde zudem ausgezeichnet für die Qualität ihrer Artikel sowie das Arbeitsklima. Nur eine einzige Auszeichnung, welche die Konferenz der Westschweizer Gleichstellungsbüros vergibt, ging nicht an «Le Temps».</p>
<p>Was macht «Le Temps» anders? Seit 2018 finden regelmässig Schulungen zur Sensibilisierung auf Gleichstellung und spezifisch auf geschlechterspezifischer Gewalt statt. Trotz der Preisflut bleibt Chefredaktor Stéphane Benoit-Godet <a href="https://www.letemps.ch/societe/temps-prime-efforts-matiere-degalite" target="_blank" rel="noopener">selbstkritisch</a>: Die Chefetage von «Le Tamps» sei noch immer zu männlich besetzt.</p>
<h3>The Bad – Es brodelt beim Schweizer Fernsehen</h3>
<p>Die SRF-Inlandredaktion wandte sich mit <a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/09/Appell_Inlandredaktion.pdf" target="_blank" rel="noopener">einem «Appell»</a> an Direktorin Nathalie Wappler, TV-Chefredaktor Tristan Brenn und weitere Leitungspersonen im Studio Leutschenbach. Man fühle sich zu oft von übergeordneten Entscheidungen als kritische Journalist*innen beschnitten, heisst es etwa darin. Engagierte Redaktor*innen würden übergangen und eingeschränkt, dies führe zu einem Gefühl von Fremdbestimmtheit und fehlendem Gestaltungsspielraum – und diese Stimmung führe zu Abgängen von talentierten Kolleg*innen.</p>
<p>Im <a href="https://www.blick.ch/people-tv/schweiz/wut-im-srf-newsroom-oben-zuviele-chefs-unten-angst-um-die-stelle-aufstand-am-leutschenbach-geht-weiter-id16093499.html" target="_blank" rel="noopener">«Blick»</a> sprachen nicht namentlich genannte SRF-Mitarbeiter*innen von «undurchsichtigen Strukturen und erbitterten Grabenkämpfen zwischen der alten Garde und jüngeren, online-affineren Kolleg*innen» und davon, dass «dringend für das Kerngeschäft benötigte Ressourcen vermehrt in fragwürdige Social-Media-Aktivitäten abwandern». Daraufhin wurde auf Social Media Widerspruch laut. Auf Twitter schrieb Simon Hutmacher, SRF-Lokalkorrespondent für Zürich/Schaffhausen, die Aussagen im «Blick» <a href="https://twitter.com/simonhutmacher/status/1305841415256256514" target="_blank" rel="noopener">entsprächen nicht dem Spirit</a>, den er bei den meisten Kolleg*innen wahrnehme: «Wir sind uns nämlich bewusst, dass wir auch einen konzessionierten Auftrag haben, ALLE zu erreichen, gerade auch die jüngere Bevölkerung. Es muss doch unser Ansporn sein, unsere Inhalte und Recherchen auch auf den sozialen Medien zu verbreiten, wenn wir von deren Qualität überzeugt sind.» Das Argument ist nicht grundsätzlich falsch, dennoch ist das Protestschreiben ein gutes Zeichen: Wenn es Missstände zu benennen gilt, schliesst sich eine Redaktion zusammen und muckt gegen die Leitung auf.</p>
<h3>The Ugly – Die zweite Welle ist schon da</h3>
<p>Seit Beginn der Corona-Pandemie liefern sich zahlreiche Medien einen regelrechten Wettlauf um die erste Vermeldung (vermeintlich) neuer Fakten, um die krasseste Story. Dabei geht es um die grösste Reichweite, die meiste Aufmerksamkeit.</p>
<p>Am Montag verschickte die Nachrichtenagentur Keystone-SDA eine Meldung, mit der sie genau diese Wettlauf kritisieren wollte: Verschiedene Medien hätten «die Behauptung vom Risikoland Schweiz hinausposaunt». Die Medienkritik der Nachrichtenagentur ging schief. Zwar lag die Schweiz tatsächlich knapp unter der Schwelle für Risikoländer, aber «die Behauptung vom Risikoland» stammt aus einer Meldung von Keystone-SDA selbst, wie die Agentur immerhin <a href="https://twitter.com/key_SDA_news/status/1305778866351468544" target="_blank" rel="noopener">schnell einräumte</a>.</p>
<p>Am Dienstag folgte die Shitshow um das Naturheilmittel Echinaforce. Beim «Blick» half es erst («Naturheilmittel wirkt gegen Corona!»), tags darauf schwächte man ab: «Viel Hoffnung, aber auch viele Fragen.» Fachleute stellten die Wirksamkeit infrage. Wir erleben gerade die zweite Welle der sich überschlagenden und widersprechenden Pandemie-Newsmeldungen. Das hilft niemandem, den sowieso schon besorgten Leser*innen nicht und auch nicht dem Vertrauen in den Journalismus.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/09/18/preise-fuer-gleichstellungaufstand-im-newsroom-zweite-welle-ahoi/">Preise für Gleichstellung,<br>Aufstand im Newsroom,<br> zweite Welle ahoi</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>«Le Temps»: Ikarusflug zur Hautevolée</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2019/04/02/le-temps-ikarusflug-zur-hautevolee/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Bernhart]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Apr 2019 12:13:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Le Temps]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=67800</guid>

					<description><![CDATA[<p>«Le Temps» ist die einzige überregionale Tageszeitung der Westschweiz. Doch die letzten Westschweizer Affären von überregionaler Bedeutung, jene um die FDP-Regierungsräte Broulis (Waadt) und Maudet (Genf), enthüllte die Konkurrenz. Stattdessen kungelt «Le Temps» lieber mit der Hautevolée von Politik und Wirtschaft. «Sehr, sehr stolz», sei er, seinen «ersten Beitrag über die #FashionLeaks im @tagesanzeiger mitverfasst <a href="https://medienwoche.ch/2019/04/02/le-temps-ikarusflug-zur-hautevolee/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>«Le Temps» ist die einzige überregionale Tageszeitung der Westschweiz. Doch die letzten Westschweizer Affären von überregionaler Bedeutung, jene um die FDP-Regierungsräte Broulis (Waadt) und Maudet (Genf), enthüllte die Konkurrenz. Stattdessen kungelt «Le Temps» lieber mit der Hautevolée von Politik und Wirtschaft.</strong><br />
<img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-67803" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/04/MW-Le-Temps_20190402.jpg" alt="" width="1456" height="976" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/04/MW-Le-Temps_20190402.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/04/MW-Le-Temps_20190402-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/04/MW-Le-Temps_20190402-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/04/MW-Le-Temps_20190402-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/04/MW-Le-Temps_20190402-470x315.jpg 470w" sizes="auto, (max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
«Sehr, sehr stolz», sei er, seinen «ersten Beitrag über die #FashionLeaks im @tagesanzeiger mitverfasst zu haben», teilte Sylvain Besson am 25. Januar <a href="https://twitter.com/SylvainBesson/status/1088847319246753798" target="_blank" rel="noopener">auf Twitter seinen Followern mit</a>. Bessons Stolz und Freude bedeuten gleichzeitig einen herben Verlust für «Le Temps». Die Zeitung verliert damit nicht nur ihren stellvertretenden Chefredaktor und aktivsten investigativen Journalisten, sondern auch einen profunden Islamkenner. Bessons Buch <a href="http://www.seuil.com/ouvrage/la-conquete-de-l-occident-le-projet-secret-des-islamistes-sylvain-besson/9782020816236" target="_blank" rel="noopener">«La Conquête de l’Occident»</a> gilt als ein Standardwerk zur Geschichte der Muslim-Brüder mit ihren markanten Genfer Spuren im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hani_Ramadan" target="_blank" rel="noopener">Ramadan-Familienclan</a>.</p>
<blockquote><p><a href="#kasten">Zur Geschichte von «Le Temps»:</a> Vom frechen «Nouveau Quotidien» zum vornehmen «Le Temps».</p></blockquote>
<p>Den Verlust wird «Le Temps» zu verschmerzen wissen, denn Recherchen im eigenen Einzugsgebiet waren nie die Stärken der Zeitung. Das zeigt auch die Zurückhaltung bei der Berichterstattung zu den unter Korruptionsverdacht stehenden FDP-Regierungsräten Pierre Maudet in Genf und Pascal Broulis in der Waadt. Pierre Maudets gesponserte Reise nach Abu Dhabi sowie weiteres korruptionsverdächtiges Verhalten kamen nach Recherchen von <a href="https://www.tdg.ch/geneve/actu-genevoise/L-intrigant-voyage-de-Pierre-Maudet-a-Abu-Dhabi/story/17116439" target="_blank" rel="noopener">«Tribune de Genève»</a> und «Radio Lac» ans Licht. «Le Temps»-Leser mussten nach den ersten Enthüllungen der Konkurrenz fast eine Woche warten, bis sie über Maudets mögliche Verfehlungen ins Bild gesetzt wurden.</p>
<p>Als mögliche Erklärung für die Beisshemmung nennt der Freiburger Geschichtsprofessor Alain Clavien, Autor eines <a href="https://www.antipodes.ch/librairie/la-presse-romande-detail" target="_blank" rel="noopener">Standardwerks über die Westschweizer Presse</a>, die beiden grossen Prozesse gegen «L’Hebdo» als Folge von Recherchen des Wochenmagazins zu den <a href="https://www.woz.ch/-5a3c" target="_blank" rel="noopener">Bankiers Safra</a> (1991) und zum Genfer Richter Trembley (1989). «Da sagte man sich, Recherchen können gefährlich werden», so Clavien gegenüber der MEDIENWOCHE.</p>
<blockquote><p>Wie «Le Temps» die Broulis-Affären publizistisch verarbeitete, bietet einen tiefen Einblick, wie sich die Zeitung gegenüber Politik und Wirtschaft verhält.</p></blockquote>
<p>So erstaunt es nicht weiter, wie zurückhaltend «Le Temps» die beiden bis heute nich gänzlich erhellten Affären rund um den Waadtländer Staatsrat Pascal Broulis (FDP) abhandelte. Recherchen des Tages-Anzeigers zu <a href="https://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/keine-beweise-fuer-steueroptimierung-bei-pascal-broulis/story/26442139" target="_blank" rel="noopener">Steuertricks</a> und <a href="https://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/alles-ganz-privat/story/31260707" target="_blank" rel="noopener">Reisen nach Russland</a> zusammen mit der Waadtländer Ständerätin Géraldine Savary (SP), mit Milliardär Frederik Paulsen und Reiseleiter Eric Hoesli, Ex-Chefredaktor von «Le Temps», führten zu behördlichen Untersuchungen. Doch diese wurden eingestellt, bevor alle Fakten auf den Tisch kamen. Nun hat Broulis den Spiess umgedreht und klagt gegen den Tages-Anzeiger wegen Ehrverletzung. Peter Rothenbühler, langjähriger Chefredaktor von «Schweizer Illustrierte» und «Le Matin», meinte Ende März in der «Sonntagszeitung» zur jüngsten Wendung der Affäre: «Dass ein gut verdienender Freisinniger wie Pascal Broulis jetzt wegen missliebiger Berichterstattung Geld will, das kommt ganz schlecht an.»</p>
<p>Wie «Le Temps» die Broulis-Affären publizistisch verarbeitete, bietet einen tiefen Einblick, wie sich die Zeitung gegenüber Politik und Wirtschaft verhält. Im Scheinwerferlicht der Russlandreisen-Affäre stand der Milliardär Paulsen, der im Kanton Waadt der Pauschalbesteuerung untersteht. Am 21. September 2018 veröffentlichte «Le Temps» zunächst ein wohlwollendes Porträt unter dem Titel <a href="https://www.letemps.ch/suisse/frederik-paulsen-un-riche-ami-veut-bien" target="_blank" rel="noopener">«Frederik Paulsen, un (riche) ami qui vous veut du bien»</a>. Dieser «reiche Freund, der Ihnen nur Gutes will», wird als Persönlichkeit «ausserhalb der Norm» präsentiert: als Unternehmer, der das Pharma-Unternehmen seines Vaters zum Florieren brachte, als neugieriger Reisender ins ewige Eis des hohen Nordens, als Mäzen, der die Lausanner Oper unterstützt oder das Bolschoi-Ballett ins Beaulieu-Theater nach Lausanne einlädt. Paulsen wirkt zudem als Honorarkonsul von Russland und als Sponsor der ETH Lausanne. Das Zeitungsporträt ist aber erst der Auftakt. Zwei Monate später widmet ihm «Le Temps» das traditionelle, zweiseitige Samstags-Gefälligkeitsinterview. Aufgrund fehlender Aktualität sind diese Gespräche gewöhnlich im hinteren Teil des ersten Bundes platziert. Doch <a href="https://www.letemps.ch/suisse/frederik-paulsen-prefere-cest-lintegrite-politiciens" target="_blank" rel="noopener">das Paulsen-Interview vom 17. November 2018</a> erscheint an vorderster Stelle, auf den Seiten zwei und drei.</p>
<blockquote><p>Als Schlussbouquet bekundet Paulsen im Interview unwidersprochen seinen feudalistischen Standpunkt, als er auf sein Privileg der Pauschalbesteuerung angesprochen wird.</p></blockquote>
<p>Die Einstiegsfragen des Interviews betreffen Paulsens Gemütszustand, ähnlich wie sie Lokalradio-Volontäre stellen. Man spüre, dass er zornig sei. Und schon zieht Paulsen über die Medien vom Leder, die ein falsches Bild von ihm zeichneten und lässt sich über «Tages-Anzeiger»-Korrespondent Philippe Reichen aus. Dieser habe den integren Broulis mit unzähligen (!) Artikeln attackiert – einen Mann, der einen bankrotten Kanton in ein «ökonomisches Powerhaus» transformiert habe. Als Schlussbouquet bekundet Paulsen unwidersprochen seinen feudalistischen Standpunkt, als er auf sein Privileg der Pauschalbesteuerung angesprochen wird. Zehnmal mehr Geld habe er gespendet, als er als normal Besteuerter hätte entrichten müssen. «Indem ich direkt den Leuten Geld gab, glaube ich effizienter gewesen zu sein, als wenn ich es dem Staat überwiesen hätte, wo es durch eine Bürokratie geflossen wäre.»</p>
<p></p>
<p>Mit diesem Interview ist die Russlandreise für «Le Temps» aber noch nicht abgehakt. Es gilt auch noch die Rolle von Reiseleiter Eric Hoesli, dem ehemaligen «Le Temps»-Chefredaktor, ins beste Licht zu rücken. Einen Tag bevor Staatsanwalt Eric Cottier seinen entlastenden Bericht vorstellt, veröffentlichte «Le Temps» am 15. Januar 2019 bereits <a href="https://www.letemps.ch/suisse/coeur-voyages-russie-elus-romands" target="_blank" rel="noopener">Auszüge davon</a>. Und lässt Hoesli dazu in einem Interview zu den zwölf von ihm mitorganisierten Russlandreisen sagen: «Alle haben ihre Kosten immer selber bezahlt.» Aber nur die Leser des Konkurrenzblatts «24 Heures» erhalten eine Übersicht der bezahlten Beträge und der Destinationen. Sie dürften sich danach gefragt haben, wie man während sieben Tagen am nördlichen Polarkreis für nur 2072 Franken pro Person reisen kann, wenn Hoesli sonst für eine 20-tägige Reise nach Sibirien 18&#8217;000 Franken im Einzelzimmer verrechnet. Hoesli begründete die geringen Kosten mit dem Verzicht auf Komfort bei der Unterbringung.</p>
<p>Die publizistische Begleitung der beiden Affären in «Le Temps» legt den Schluss nahe, dass es der Zeitung darum geht, der liberalen politischen und wirtschaftlichen Elite im Kanton bloss nicht an den Karren zu fahren. Das zeigt sich auch sonst im Blatt: In jeder Ausgabe wird als Abschluss eine erfolgreiche Person mit ihrem Engagement porträtiert. «Le Temps» ist eine Zeitung für Arrivierte des oberen Mittelstands oder für junge Erwachsene auf dem Weg nach oben.</p>
<blockquote><p>«Le Temps» stellt das Silicon Valley gerne als Vorbild für den Arc Lémanique dar.</p></blockquote>
<p>Die Genferseeregion vergleicht «Le Temps» gerne mit dem Silicon Valley – mit der ETH-Lausanne als Innovationstreiberin und einer blühenden Start-up-Landschaft. Folgerichtig schickte «Le Temps» zu ihrem 20-jährigen Bestehen im vergangenen Oktober einen <a href="https://www.letemps.ch/dossiers/temps-raconte-san-francisco" target="_blank" rel="noopener">Teil der Redaktion nach San Francisco</a>. Es kamen vornehmlich enthusiastische Berichte aus dem Silicon Valley, wenig Kritisches, bestenfalls ein paar Zeichnungen aus der spitzen Feder von Karikaturist Patrick Chappatte. In zwei Artikeln berichtete man über prekäre Arbeitsbedingungen bei Tesla und über die Gentrifizierung in San Francisco. Insgesamt wird in «Le Temps» das Silicon Valley aber als Vorbild für den Arc Lémanique dargestellt. Start-ups der Romandie feiern in der Zeitung das High-Tech-Tal als ihre Inspirationsquelle. Und auch Patrick Aebischer, ehemaliger ETH-Lausanne-Präsident, darf mitschwärmen.</p>
<p>Überhaupt gibt sich «Le Temps» ausserordentlich technologiefreundlich. Das Abenteuerunternehmen «Solar-Impulse» mit dem Flug eines Leichtbauflieger-Einplätzers rund um den Globus, angetrieben von eigenem Solarzellen-Strom, wird in den Jahren 2015 und 16 enthusiastisch in zahlreichen Artikeln gefeiert. Redaktoren fliegen dafür zweimal nach Abu Dhabi, um Vorbereitung und Start der beiden Piloten Bertrand Piccard und André Borschberg zu begleiten. «Ein Erfolg, drei Verdienste und eine Botschaft», bilanziert Wissenschaftsredaktor Olivier Dessibourg das Flugereignis. Die Botschaft: saubere Energie für die Rettung unseres Planeten. Einer der Verdienste: die Verwirklichung des eigenen Traums für 170 Mio. Franken. Derweil hinterfragen andere Medien, ob dieser teure und aufwändige Flug nicht eher die Abenteuerlust älterer Herren befriedigt hat. Wissenschaftsredaktor Dessibourg fliegt auch schnell nach Moskau für einen Bericht über den Neuenburger Abenteurer Raphaël Domjan, der dort einen Raumanzug testet. Und wenn der Genfer Milliardär Ernesto Bertarelli im Namen seiner Stiftung nach London bittet, um die von ihm unterstützte Forschung der Universität Stanford an Haien im Indischen Ozean zu präsentieren, steigt Redaktor Florian Delafoi sofort ins Flugzeug und zitiert Positives von Bertarelli im Artikel. Die Frage, ob «Le Temps» für die Reisespesen an diese Orte selbst aufgekommen sei, oder ob sich hier um «embedded Journalism» handelt, wollte Dessibourg gegenüber der MEDIENWOCHE weder mündlich noch schriftlich beantworten. Eine Schweigepflicht in dieser Sache gegenüber «Le Temps» hätte er eigentlich nicht. Seit einem Jahr schreibt Dessibourg nicht mehr für die Zeitung.</p>
<blockquote><p>Die Redaktion ist inzwischen derart ausgeblutet, dass sie für die wichtige Bundeshausberichterstattung eine Kooperation mit der Freiburger Zeitung «La Liberté» eingehen musste.</p></blockquote>
<p>Am Ende bleibt die Frage, ob sich die Strategie von «Le Temps» auszahlt. Ob die Rechnung aufgeht mit einer Berichterstattung, die sich auf das gehobene Bildungsbürgertum ausrichtet und sich bei der Oberschicht mit Hochglanzbeilagen voller Luxusartikel anbiedert. Die Redaktion ist inzwischen derart ausgeblutet, dass sie für die wichtige Bundeshausberichterstattung eine Kooperation mit der Freiburger Zeitung «La Liberté» eingehen musste und ihre Artikel veröffentlicht.</p>
<p>Betrug die Auflage von «Le Temps» zu ihren Glanzzeiten im Jahre 2000 noch 50&#8217;900 Exemplare, so schrumpfte sie bis 2018 auf knapp 29&#8217;950 verkaufte Exemplare. Nicht nur die bezahlten Westschweizer Tamedia-Zeitungen haben «Le Temps» den Rang abgelaufen («24 Heures» 47&#8217;893 verkaufte Exemplare, «Tribune de Genève» deren 30&#8217;898). Selbst die Freiburger «La Liberté» steht mit 31&#8217;310 verkauften Exemplaren besser da. Auch online sieht es nicht besser aus. Bei allen gemessenen Kennwerten bewegt sich die Nutzung von letemps.ch bestenfalls seitwärts. Die von <a href="https://netreport.net-metrix.ch/traffic/detail.php?t=0&amp;id=621&amp;p=201902&amp;pp=201802&amp;s=18640383&amp;l=de" target="_blank" rel="noopener">Net-Metrix gemessene Besucherzahl</a> stagniert bei etwas über drei Millionen pro Monat. Das ist zwar etwas mehr als bei 24heures.ch, aber nur einen Drittel der Besucherzahlen von lematin.ch.</p>
<p>«Le Temps»-Co-Chefredaktor Gaël Hürlimann gibt sich auf Anfrage trotzdem optimistisch und verweist auf gestiegene Leserzahlen, die in der kommenden MACH-Studie der Wemf publiziert würden. Doch diese Studie hat eine beschränkte Aussagekraft, da sie vor allem den Bekanntheitsgrad einer Zeitung abbildet und nicht die tatsächliche Nutzung. Den Abgang von Sylvain Besson begründet Hürlimann damit, dass Besson gerne in einem Recherche-Team arbeiten wollte, das ihm «Le Temps» nicht bieten konnte.</p>
<p>Für «Le Temps» sieht es eher düster aus. Alain Clavien, der Geschichtsprofessor und Kenner der Westschweizer Presse sagt es so: «Le Temps ist halt keine Regionalzeitung, auch keine Zeitung für jedermann, sondern richtet sich an die Elite der Romandie. Man kann sich durchaus fragen, ob es eine gute Positionierung ist.» Clavien lässt durchblicken, dass man sich ebenso fragen könne, ob der Verlust in der Romandie wirklich so gross wäre, wenn «Le Temps» eines Tages nicht mehr erschiene.</p>
<div style="margin: 4%; border: 1px; border-style: solid; border-color: #cccccc; padding: 4%; font-size: 16px;"><strong><a name="kasten"></a>Vom frechen «Nouveau Quotidien» zum vornehmen «Le Temps»</strong><br />
Hervorgegangen aus der Fusion des Lausanner <a href="http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D48331.php" target="_blank" rel="noopener">«Nouveau Quotidien»</a> und des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Journal_de_Gen%C3%A8ve" target="_blank" rel="noopener">«Journal de Genève»</a>, markierte «Le Temps» den Schlussstrich eines aufreibenden Konkurrenzkampfs. Der Medienkonzern Edipresse hatte den «Nouveau Quotidien» 1991 als Kampfansage an die vornehme liberale Konkurrenz aus Genf gestartet. Mit ins Boot holte Edipresse den Ringier-Verlag, der seinerseits den Publizisten und «Hebdo»-Gründer Jacques Pilet als Chefredaktor auf die Kommandobrücke stellte. Mit ähnlichem Anspruch – eine europäische Zeitung wie das «Journal de Genève» zu sein – positionierten sich «Nouveau Quotidien» als die frechere Version mit ressortübergreifender Berichterstattung unter aufmüpfigen Schlagzeilen und mit kulturellen Schwerpunkten. Dafür griffen die Verleger tief in die Taschen und machten Millionenverluste. Doch 1998 waren sie soweit, um die vornehme Genfer Zeitung in die Fusion zu zwingen. «Le Temps» sollte den frischen Ansatz des «Nouveau Quotidien» verinnerlichen, ummantelt mit dem distinguierten Gehabe aus Genf. Bemüht um den Goodwill der Genfer Privatbankiers, die zuvor die Millionen-Verluste der ortsansässigen Zeitung deckten, wurde die Redaktion vorerst in Genf angesiedelt.</p>
<p style="text-align: left;">Statt zwei defizitäre, hatte die Romandie nun noch eine Zeitung mit einem überregionalen Anspruch. In Zeiten schrumpfender Werbeeinnahmen und der Selbstzerfleischung mittels Gratisblättern bei gleichzeitig gestiegenem Renditeanspruch der Verlagshäuser kam es nicht nur in der Westschweiz zu Personalabbau, Fusionen und Verkäufen. Die beste Übersicht dazu bietet der Freiburger Geschichtsprofessor Alain Clavien in seinem Standardwerk «La Presse Romande» (2017). «Le Temps» ging zuletzt durch die Hände von Tamedia und landete schliesslich bei Ringier Axel Springer Schweiz, die das Blatt 2014 in Lausanne mit L’Hebdo und dem Magazin «Edelweiss» in einen gemeinsamen Newsroom quetschten – und alsbald «L’Hebdo» und «Edelweiss» liquidierten.</p>
<p style="text-align: center;">***</p>
<p style="text-align: left;">Als Abonnent seit der Lancierung von zuerst «Nouveau Quotidien» und später «Le Temps» wusste man den Elan zu schätzen und freute sich über die oft unkonventionellen Sichtweisen auf Themen, die Reportagen aus publizistisch vernachlässigten Regionen wie Afrika und Indien, sowie über die oft erlesene Bildauswahl. Umso mehr nahm man dann in den letzten Jahren die Ausdünnung wahr. Ab 1. Oktober 2015 reichte für «Le Temps» an Wochentagen ein Zeitungsbund vollauf und auch dieser wurde immer dünner. Es war nicht nur dem Wegfall von Inseraten geschuldet, ebenso dem kontinuierlichen Aderlass der Redaktion: Offiziell wurden 2009 zehn Vollstellen, 2017 weiter 20 im Zuge der Liquidation von L’Hebdo gekürzt. Im Gegenzug gab es immer häufiger Hochglanzbeilagen, nicht nur jene für die Uhrenhersteller, sondern auch das «T-Magazin», eine Lifestylebeilage, konzipiert als Luxuseldorado für die Oberschicht. Alain Claviens Fazit der jüngsten Entwicklung in einem Satz: «Auf geschrumpften Seitenzahlen findet man weniger Artikel und Recherchen, dafür mehr Interviews.»</p>
</div>
<p><small><strong>Richtigstellung:</strong></small></p>
<p><small>Gemäss seinem Rechtsvertreter legt Regierungsrat Pascal Broulis Wert auf folgende Richtigstellung:</small></p>
<p><small><em>«Contrairement à ce qui a été affirmé dans la présentation de cet article depuis le 2 avril, les investigations préliminaires du Procureur général du canton de Vaud ont permis, en ce qui concerne M. Broulis, d’établir l’absence du moindre indice d’infraction pénale. Il ne saurait dès lors être question de corruption ou de scandale.»</em></small></p>
<p><small>Übersetzung auf Deutsch:</small></p>
<p><small><em>«Im Gegensatz zu dem, was in der Präsentation dieses Artikels seit dem 2. April gesagt wird, haben die Voruntersuchungen des Generalstaatsanwalts des Kantons Waadt es ermöglicht, gegen Herrn Broulis festzustellen, dass es keine Beweise für eine Straftat gibt. Von Korruption oder Skandal kann daher keine Rede sein.»</em></small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2019/04/02/le-temps-ikarusflug-zur-hautevolee/">«Le Temps»: Ikarusflug zur Hautevolée</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Kosten senken ist keine weitsichtige Strategie</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2018/07/10/kosten-senken-ist-keine-weitsichtige-strategie/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 10 Jul 2018 09:38:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Auf dem Radar]]></category>
		<category><![CDATA[Le Temps]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=59207</guid>

					<description><![CDATA[<p>Stéphane Benoit-Godet, Chefredaktor der Westschweizer Zeitung «Le Temps» (Ringier/Axel Springer), wirft einen kritischen Blick auf die Unternehmensstrategie des Zürcher Medienunternehmens Tamedia. Aktueller Anlass ist die bevorstehende Einstellung der gedruckten Ausgabe der Tageszeitung «Le Matin». Der Konzern fokussiere nur auf die Kosten und sei unfähig zur Innovation: «Wenn der Umsatz sinkt, ist eine sofortige Massnahme, die Kosten zu senken. Dies ist keine langfristige Strategie. Wenn das Geschäft strukturell schrumpft, können Sie die Schere nicht alle 18 Monate hervornehmen.»</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Stéphane Benoit-Godet, Chefredaktor der Westschweizer Zeitung «Le Temps» (Ringier/Axel Springer), wirft einen kritischen Blick auf die Unternehmensstrategie des Zürcher Medienunternehmens Tamedia. Aktueller Anlass ist die bevorstehende Einstellung der gedruckten Ausgabe der Tageszeitung «Le Matin». Der Konzern fokussiere nur auf die Kosten und sei unfähig zur Innovation: «Wenn der Umsatz sinkt, ist eine sofortige Massnahme, die Kosten zu senken. Dies ist keine langfristige Strategie. Wenn das Geschäft strukturell schrumpft, können Sie die Schere nicht alle 18 Monate hervornehmen.»</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/07/10/kosten-senken-ist-keine-weitsichtige-strategie/">Kosten senken ist keine weitsichtige Strategie</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
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		<title>Eine kurze Geschichte der Zeit</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2018/03/20/eine-kurze-geschichte-der-zeit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 20 Mar 2018 11:24:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Auf dem Radar]]></category>
		<category><![CDATA[Le Temps]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=55121</guid>

					<description><![CDATA[<p>Die Westschweizer Tageszeitung «Le Temps» (Die Zeit) feierte die Tage ihr zwanzigjähriges Bestehen. Aus Anlass des runden Geburtstags stieg die Redaktion ins Archiv und präsentiert 20 Titelseiten aus 20 Jahren. Die grossflächig ins Web gestellten Aufmacher reichen thematisch vom Absturz des Swissair-Flugs SR 111 im September 1998 über Blocher-Wahl und Blocher-Abwahl zum Tyrannentod Bin Ladens und Ghadaffis. Ein Stammgast auf der Titelseite ist der bekannte Westschweizer Zeichner Chappatte.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Westschweizer Tageszeitung «Le Temps» (Die Zeit) feierte die Tage ihr zwanzigjähriges Bestehen. Aus Anlass des runden Geburtstags stieg die Redaktion ins Archiv und präsentiert 20 Titelseiten aus 20 Jahren. Die grossflächig ins Web gestellten Aufmacher reichen thematisch vom Absturz des Swissair-Flugs SR 111 im September 1998 über Blocher-Wahl und Blocher-Abwahl zum Tyrannentod Bin Ladens und Ghadaffis. Ein Stammgast auf der Titelseite ist der bekannte Westschweizer Zeichner Chappatte. </p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/03/20/eine-kurze-geschichte-der-zeit/">Eine kurze Geschichte der Zeit</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<item>
		<title>Wenn Journalisten am eigenen Ast sägen</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/05/09/wenn-journalisten-am-eigenen-ast-saegen/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2016/05/09/wenn-journalisten-am-eigenen-ast-saegen/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 May 2016 08:16:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[MAZ]]></category>
		<category><![CDATA[Eva Novak]]></category>
		<category><![CDATA[Bundesverwaltung]]></category>
		<category><![CDATA[Georg Farago]]></category>
		<category><![CDATA[Thomas Bornhauser]]></category>
		<category><![CDATA[Jürg Rüttimann]]></category>
		<category><![CDATA[Neue Luzerner Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[VBJ]]></category>
		<category><![CDATA[SDA]]></category>
		<category><![CDATA[AZB]]></category>
		<category><![CDATA[SRF]]></category>
		<category><![CDATA[Bernard Wuthrich]]></category>
		<category><![CDATA[Tages-Anzeiger]]></category>
		<category><![CDATA[BFS]]></category>
		<category><![CDATA[Le Temps]]></category>
		<category><![CDATA[EDA]]></category>
		<category><![CDATA[IAM]]></category>
		<category><![CDATA[EJPD]]></category>
		<category><![CDATA[ZHAW]]></category>
		<category><![CDATA[EPA]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Medien beklagen sich regelmässig und völlig zurecht über die Kommunikationsverhinderung durch Verwaltung und Behörden. Nur: Das Know-How der Staatsangestellten stammt mehrheitlich von praktizierenden und ehemaligen Journalistinnen und Journalisten, welche die Gegenseite schulen. Wie die Recherche zeigt, ist das ein florierendes Geschäft. Ist es berufsethisch vertretbar, wenn Journalisten neben ihrer Hauptbeschäftigung Staatsangestellte trainieren, damit sie gegenüber <a href="https://medienwoche.ch/2016/05/09/wenn-journalisten-am-eigenen-ast-saegen/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Medien beklagen sich regelmässig und völlig zurecht über die Kommunikationsverhinderung durch Verwaltung und Behörden. Nur: Das Know-How der Staatsangestellten stammt mehrheitlich von praktizierenden und ehemaligen Journalistinnen und Journalisten, welche die Gegenseite schulen. Wie die Recherche zeigt, ist das ein florierendes Geschäft.<br />
<span id="more-27254"></span><br />
Ist es berufsethisch vertretbar, wenn Journalisten neben ihrer Hauptbeschäftigung Staatsangestellte trainieren, damit sie gegenüber den kritischen Fragen der Medien besser dastehen? Kein Problem, findet zum Beispiel Eva Novak, die Leiterin der Bundeshausredaktionen der Neuen Luzerner Zeitung und der Zentralschweiz am Sonntag. 2013 und 2014 liess sie sich vom Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) für zwei Medienseminare sowie einen Grundkurs Medienarbeit bezahlen (<a href="https://medienwoche.ch/2015/11/27/hoechste-bundeshausjournalistin-staerkt-behoerdenkommunikation/">die MEDIENWOCHE berichtete</a>). Das Ziel der Kurse war es, mit Kamera- und Interview-Trainings die Kommunikations- und Auftrittskompetenz der Verwaltungsangestellten zu verbessern sowie deren Verständnis für die Arbeitsweise und Bedürfnisse von Medienschaffenden zu fördern.</p>
<p>Kein Problem, findet auch ihr langjähriger Chef, der per Ende April zurückgetretene NLZ-Chefredaktor Thomas Bornhauser. Er wies auf die 80-Prozent-Teilzeitarbeit seiner Kadermitarbeiterin hin: «Frau Novak arbeitet bei uns als redaktionelle Teilzeitangestellte. Sie ist damit arbeitsrechtlich grundsätzlich frei in der Gestaltung ihrer weiteren beruflichen Tätigkeiten, soweit diese die Interessen ihres Arbeitgebers LZ Medien nicht tangieren.» Kein Problem, findet auch EDA-Sprecher Georg Farago: «Wir wollen betonen, dass Journalistinnen und Journalisten, die solche Mandate übernehmen, keinesfalls ihre Unabhängigkeit und Kritikfähigkeit gegenüber dem EDA oder der Bundesverwaltung verlieren. Weder verlangt das EDA von Ihnen Wohlwollen in der Berichterstattung noch erwartet es diese indirekt.»</p>
<p>Aber ist es wirklich kein Problem? Novak unterstützt die Verwaltung, die sie mit den Fragen der Öffentlichkeit konfrontieren sollte, darin, sich geschickter diesen Fragen zu widersetzen. Kann journalistisch glaubwürdig bleiben, wer der Gegenseite beibringt, wie man die Anfragen der eigenen Zunft am Besten ins Leere laufen lässt? Können die Leser von der NLZ und der ZaS kritischen Journalismus über die Behörden erwarten, wenn die Bundeshauschefin einen Teil ihres Einkommens von ihnen finanzieren lässt? Sehen die Journalisten in der Vereinigung der Bundeshaus-Journalisten (VBJ), der Novak als Präsidentin vorsteht, in ihr weiterhin eine Vertreterin der eigenen Interessen gegenüber der Bundesverwaltung? Und wenn diese Tätigkeiten so problemlos und unverfänglich sind, wie sie dargestellt werden, warum gibt es nur sehr wenige Journalisten, die mit dem Thema offen umgehen? Einer der wenigen ist Jacques Briod, der auf seiner Website <a href="http://jbcomm.ch/" target="_blank">jbcomm.ch</a> Journalismus, Kommunikation, Beratung und Medientraining anbietet – als gäbe es keinen grundlegenden Unterschied zwischen journalistischen und werblichen Tätigkeiten. 2012 schulte er zusammen mit der ehemaligen Radio- und Fernsehjournalistin Elisabeth Weyermann das Bundesamt für Polizei fedpol – das EJPD verbuchte den Betrag von 22&#8217;872 Franken.</p>
<p>Neben Novak war auch der Verantwortliche der Bundeshausredaktion der Tageszeitung «Le Temps», Bernard Wuthrich, für die Behörden tätig. 2013 erklärte er für 1000 Franken Honorar Mitarbeitern des BFS, was ein Journalist von einer Medienmitteilung erwartet. Ausserdem führte er für das EDA an fünf halben Tagen einen jeweils mit 700 Franken vergüteten Grundkurs Medienarbeit durch. Er wäre, so schreibt er auf Anfrage, für seinen Aufwand gerne nur mit einer Schachtel Pralinen oder einer Flasche Wein kompensiert worden, aber das sei leider nicht Usus bei der Bundesverwaltung: «Mein Ziel war, die Kursteilnehmer zu ermutigen, Fragen von Journalisten zu beantworten und nicht zu verweigern. Diese Engagements wurden im Einvernehmen mit meiner Chefredaktion durchgeführt und haben immer ein einziges Ziel verfolgt: die Interessen der Journalisten zu verteidigen.»</p>
<p>Jürg Rüttimann vom Tages-Anzeiger war 2013 Leiter der Wirtschaftsredaktion bei der SDA. Für 4500 Franken brutto unterrichtete er drei Kurstage über Medienarbeit und schulte Fachmitarbeiter des Bundesamts für Kultur (BAK) im Verfassen von Medienmitteilungen. Einen Interessenskonflikt mit seiner Arbeit als Journalist sieht Rüttimann deshalb keinen, weil die Behördenmitarbeiter in einem anderen Bereich tätig waren als er (Kultur statt Wirtschaft) – wäre das anders gewesen, hätte er das Angebot abgelehnt. Vermittelt wurde er über einen Bekannten eines Bekannten, weil noch deutschsprachige Kursleiter gesucht wurden. Im Budget des BAK tauchen die Kurstage mit 9000 Franken auf, verrechnet an die Weiterbildungsstelle der Universität Fribourg.</p>
<p>Das SRF hat die Problematik von Medientrainings durch Journalisten erkannt und gehandelt. Seit einem Geschäftsleitungsentscheid im Sommer 2012 dürfen SRF-Mitarbeiter keine Medientrainings mehr anbieten. Im entsprechenden Reglement heisst es: «Eine Tätigkeit als Medientrainer/in (Training von Interviews, Medienauftritten, Tipps für Medienarbeit) ist für Mitarbeitende von SRF aus Glaubwürdigkeitsgründen problematisch und mit ihrer beruflichen Funktion grundsätzlich nicht zu vereinbaren.» Der inzwischen pensionierte SRF-Journalist Thomas Kropf führte im Auftrag des MAZ ab 2012 jedes Jahr Kurse für Personen aus dem EJPD durch – das Departement listet einen Betrag von 14&#8217;000 Franken auf. Keine Medientrainings, vielmehr schulte Kropf EJPD-Juristen in einer regelmässig stattfindenden Schreibwerkstatt, die zu besser verständlichen Manuskripten für Reden von Bundesrätin Sommaruga führen sollte. Problematisch findet er das aus mehreren Gründen nicht: die Kursteilnehmer waren nicht im Kontakt mit Journalisten, er selbst hatte als Radio-Nachrichtenredaktor keinen Kontakt zu den Kursteilnehmern und vermittelt wurde nicht, wie man sich gegenüber Journalisten verhält, sondern nur die Erstellung eines verständlichen Redetextes. SRF-Mediensprecherin Andrea Wenger bestätigt seine Tätigkeiten für die Behörden: «Thomas Kropf war bis 2015 Teilzeit bei SRF in der Ausbildung und in der Chefredaktion Radio tätig und durfte damit Nebenbeschäftigungen nachgehen.»</p>
<p>Viele der Staatsbediensteten-Trainer sind ehemalige Journalisten: Noch letztes Jahr bildeten Christian Müller und Andreas Stutz die Chefredaktion der Zürcher Oberland Medien (ZOB) und verantworteten die Tageszeitungen «Zürcher Oberländer» und «Anzeiger von Uster». Jetzt sitzen sie in einer Villa in Uster und bieten speziell auf Behörden und Organisationen zugeschnittene Medientrainings an. Zum Pauschalpreis von 4400 Franken können staatliche Stellen bei der <a href="http://dimedio.ch/#seminare" target="_blank">Dimedio GmbH</a> für maximal 12 Personen ein Tagesseminar inklusive Vorbesprechung, Kursunterlagen und Zertifikat buchen. Daniel Deicher (Ex-Sonntagsblick) und Simon Kopp (Ex-SRF) im luzernischen Buchrain werben damit, besonders praxisnah zu sein: «<a href="http://www.deicherkopp.ch/de" target="_blank">Deicher | Kopp Kommunikation</a> arbeitet mit Fallbeispielen aus dem Umfeld Ihrer Organisation oder mit realen Medienmitteilungen und Kampagnen.» Die <a href="http://www.metacom.ch/" target="_blank">metacom GmbH</a> in Aarau wird geführt vom ehemaligen Kriegsreporter Beat Krättli und von der Ex-Videojournalistin Anna Muser und beschäftigt auch SRF-Journalisten, wie die SRF-Mediensprecherin auf Anfrage bestätigt: «Henriette Engbersen arbeitet 60 Prozent als Journalistin für die Tagesschau und darf damit Nebenbeschäftigungen nachgehen. Dasselbe gilt für Thomas Pressmann, der 80 Prozent für das Regionaljournal Bern, Freiburg, Wallis tätig ist. Beide gehen einer Nebenbeschäftigung in Nachdiplom- und Diplomstudiengängen in Krisenkommunikation nach. Die SRF-Journalisten unterstützen dort die Übungsleitung während Krisensimulationen. Hierbei geht es primär darum, den Studierenden aufzuzeigen, wie die Medien arbeiten und welche Bedürfnisse sie haben.» Für Dimedio, Deicher/Kopp und Metacom verbuchte das Staatssekretariat für Migration SEM im Zeitraum von 2013 bis 2015 62&#8217;800 Franken. Der Gesamtbetrag aller Medientrainings für den Staat ist natürlich viel höher, kann aber nicht offiziell beziffert werden.</p>
<p>Aufgrund der Integration der Medientrainingskurse der Zollverwaltung in das Kursangebot des Ausbildungszentrums der Bundesverwaltung (AZB) musste das Eidgenössische Personalamt (EPA) Ende März erstmals eine Ausschreibung auf Simap.ch publizieren (Projekt-ID 138216), denn der im Bundesgesetz über das öffentliche Beschaffungswesen Art. 6b festgesetzte Schwellenwert von 230&#8217;000 Franken für Dienstleistungen wurde überschritten. Wie im Aufgabenbeschrieb der Ausschreibung ersichtlich ist, geht es bei den (allen Mitarbeitern der Bundesverwaltung offenstehenden) Medientrainings um das Erlernen des Umgangs mit Journalisten: «Die Kurse zum Umgang mit Medien bereiten Mitarbeitende und Kader auf die Kommunikation mit den Medien in unterschiedlichen Situationen vor.» Wichtig scheint die Pflege des Images der Bundesangestellten zu sein: «Der professionelle Auftritt der Mitarbeitenden der Bundesverwaltung vor den Medien beinhaltet immer auch die Komponente der Imagepflege der Bundesverwaltung.» Noch bis zum 13. Mai 2016 können sich Medientrainer bewerben, die dem Anforderungsprofil entsprechen – darunter werden natürlich auch Journalisten sein. Das EPA rechnet von 2017 bis 2024 mit 144 Kurstagen auf Deutsch und 48 Kurstagen auf Französisch. Rechnet man mit dem Behördentraining-Tagessatz der Dimedio von 4400 Franken, so wären es rund 120&#8217;000 Franken pro Jahr, die das EPA einsetzen will, um Journalisten zu verstehen und um den eigenen Glanz zu pflegen.</p>
<p>Anders als beispielsweise in Deutschland, wo sich renommierte Journalistenschulen klar von der PR abgrenzen, wird Journalismus und PR in der Schweiz bereits in der Ausbildung vermischt. Im Institut für angewandte Medienwissenschaften IAM in Winterthur studieren künftige Journalisten und PR-Leute im modular aufgebauten Studium «Bachelor Kommunikation» Seite an Seite. Bereits hier werden Beziehungen aufgebaut, die danach für den kritischen Journalismus zum Problem werden können. Denn welcher Journalist möchte schon einem netten ehemaligen Schulkamerad mit einer Story ein grosses Problem einhandeln? Im PR-Sprech auf der Website des IAM klingt das freilich anders: «In der Ausbildung trainieren Sie von Anfang an, die Perspektiven nicht zu vermischen, sondern einander entgegen zu setzen und im Verlauf des Studiums zu profilieren.» Die Journalistenschule MAZ führt regelmässig Medientrainings durch und unterrichtet dabei auch Behörden. Die Kursleiter werden aus einem Pool von Medientrainern ausgewählt, die nach Angaben des MAZ allesamt keine aktive Journalistenfunktion inne haben. Umsätze gibt das MAZ keine bekannt, aber die «Kunden Kommunikation | Rhetorik» sind im Jahresbericht nachzulesen. 2015 waren zum Beispiel dabei: die Eidgenössischen Departemente EDA, WBF, VBS, EFD, die Bundesämter BLV, BBL, BFE, BAG, BSV, BFS, BAV, BABS, ARE, Baspo, Bafu, Astra, Swisstopo, Armasuisse, die Finma, Präsenz Schweiz, die Zollverwaltung. Weiter aufgeführt sind sechs Universitäten, fünf Stadtverwaltungen, fünf IV-Stellen, vier Gemeindeverwaltungen, vier Kantonspolizeien, zwei Stadtpolizeien, zwei Fachstellen. Und selbst die Medien brauchen Medientrainings: Die SRG ist genau so unter den Kunden wie die NZZ, die AZ Medien AG oder die BauernZeitung. Insgesamt nahm das MAZ 4,8 Millionen Franken netto durch Kursgelder ein; die Abteilung Kommunikation erwirtschaftete dabei erstmals mehr Umsatz als die Abteilung Journalismus.</p>
<p><small>Der Text erschien zuerst in gekürzter Form in der Zeitschrift «Schweizer Journalist».</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/05/09/wenn-journalisten-am-eigenen-ast-saegen/">Wenn Journalisten am eigenen Ast sägen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
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		<title>Eine Chance für die NZZ</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2013/10/09/eine-chance-fuer-die-nzz/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 09 Oct 2013 08:10:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Westschweiz]]></category>
		<category><![CDATA[Tamedia]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[NZZ]]></category>
		<category><![CDATA[Le Temps]]></category>
		<category><![CDATA[Romandie]]></category>
		<category><![CDATA[Ringier]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Westschweizer Tageszeitung «Le Temps» steht zum Verkauf. Das haben gestern ihre beiden Besitzer Ringier und Tamedia bekanntgegeben. Als Käufer kommt eigentlich nur die NZZ infrage, die mit «Le Temps» seit zehn Jahren ein Anzeigenkombi unterhält. Wenn Verlage ankündigen, eine ihrer Zeitungen verkaufen zu wollen, zieht normalerweise innert Kürze ein Proteststurm auf. Gewerkschaften und besorgte <a href="https://medienwoche.ch/2013/10/09/eine-chance-fuer-die-nzz/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/10/09/eine-chance-fuer-die-nzz/">Eine Chance für die NZZ</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Westschweizer Tageszeitung «Le Temps» steht zum Verkauf. Das haben gestern ihre beiden Besitzer Ringier und Tamedia bekanntgegeben. Als Käufer kommt eigentlich nur die NZZ infrage, die mit «Le Temps» seit zehn Jahren ein Anzeigenkombi unterhält.<br />
<span id="more-16280"></span><br />
Wenn Verlage ankündigen, eine ihrer Zeitungen verkaufen zu wollen, zieht normalerweise innert Kürze ein Proteststurm auf. Gewerkschaften und besorgte Politiker ermahnen die Eigentümer, eine nachhaltige Lösung für das Verkaufsobjekt zu suchen und den Titel nicht an den erstbesten Käufer zu verscherbeln.</p>
<p>Gestern Abend blieb es erstaunlich ruhig, nachdem <a href="http://www.tamedia.ch/de/pressekontakt/medienmitteilungen/2013/pressrelease/ringier_und_tamedia_planen_verkauf_ihrer_beteiligung_an_der_tageszeitung_le_temps/" target="_blank">Tamedia</a> und <a href="http://www.ringier.com/de/medien/medienmitteilungen/ringier-und-tamedia-planen-verkauf-ihrer-beteiligung-der" target="_blank">Ringier</a> um 17 Uhr ihre Verkaufsabsichten für «Le Temps» kundgetan haben. (Mit Verspätung folgte <a href="http://www.impressum.ch/web/impressum-de/service/Presse/letempsenvente.html" target="_blank">die obligate Protestnote</a> doch noch). Genauso sind aber Stimmen zu vernehmen, die von einer «guten Nachricht» reden im Zusammenhang mit den Verkaufsplänen für «Le Temps». <a href="http://www.rts.ch/info/economie/5277211-le-journal-le-temps-est-a-vendre.html" target="_blank">Isidore Raposo</a>, Chefredaktor von <a href="http://www.laregion.ch/" target="_blank">La Région Nord vaudois</a>, erhofft sich von einer neuen, einheitlichen Eigentümerschaft, dass sie der Zeitung eine strategische Unabhängigkeit ermögliche. Heute sind die beiden Zürcher Medienunternehmen Ringier und Tamedia mit je 46,2 Prozent an «Le Temps» beteiligt. Der Rest verteilt sich auf die Mitarbeiter, einen Genfer Bankier und die französische Tageszeitung Le Monde.</p>
<p>Als Grund für ihre Verkaufsabsichten nennen Tamedia und Ringier in der gemeinsamen Mitteilung indirekt die Schwerfälligkeit der geteilten Verantwortung. Sie schreiben: «Mit einem starken Mehrheitsaktionär würden angesichts der strukturellen Herausforderungen der Medienbranche die besten Voraussetzungen für den Fortbestand und die Weiterentwicklung von Le Temps geschaffen.» Und nicht der erstbeste oder der meistbietende soll den Zuschlag erhalten, sondern nur ein Unternehmen, das sich der Bedeutung der Zeitung für die Westschweiz bewusst ist, sowie den Mitarbeitenden eine Perspektive bieten kann. Findet sich bis Mitte 2014 kein valabler Käufer, erwägen Tamedia und Ringier den Anteil des Anderen zu übernehmen und «Le Temps» im Alleinbesitz weiterzuführen. Auch so würde dem Ziel einer schlankeren strategischen Führung Rechnung getragen.</p>
<p>Der Kreis möglicher Käufer ist einigermassen klein. Eigentlich kommt bei einer einheimischen Lösung nur die Neue Zürcher Zeitung NZZ in Frage als neue Eigentümerin von «Le Temps». Aus folgenden Gründen:</p>
<ul>
<li><span style="font-size: 13px; line-height: 19px;">Was die NZZ in der Deutschschweiz, ist «Le Temps» in der Westschweiz: ein Qualitätstitel von Weltblattformat (oder zumindest mit diesem Anspruch). Das hat jüngst auch wieder das Jahrbuch «Qualität der Medien» bestätigt: «Le Temps» bilde in der Westschweiz «als einziges Medium» die Spitze der Qualitätspyramide.</span></li>
<li><span style="font-size: 13px; line-height: 19px;">Die beiden Titel kooperieren bereits seit zehn Jahren auf dem Werbemarkt mit dem <a href="http://www.ringier.com/de/medien/medienmitteilungen/ringier-und-tamedia-planen-verkauf-ihrer-beteiligung-der" target="_blank">«BusinessCombi»</a>. Die Inseratekombination der beiden Titel zielt auf sogenannte Top-Leader gemäss MACH-Typologie.</span></li>
<li><span style="font-size: 13px; line-height: 19px;">NZZ und «Le Temps» haben eine im Branchenvergleich erfolgreiche Digitalstrategie eingeschlagen und erzielen bereits beträchtliche Absatzzahlen beim <a href="http://www.nzz.ch/aktuell/schweiz/die-presse-wird-digitaler-1.18159777" target="_blank">Verkauf von E-Paper-Ausgaben</a>.  «Le Temps» setzt, gemessen an der gesamten verkauften Auflage, mit 13 Prozent sogar einen wesentlichen höheren Anteil E-Paper ab als die NZZ (8 Prozent).</span></li>
<li><span style="font-size: 13px; line-height: 19px;">Die NZZ als Eigentümerin von «Le Temps» würde ein Stück Medien(eigentümer)vielfalt in die <a href="https://twitter.com/nick_luethi/status/383524358892707840/photo/1" target="_blank">von Tamedia dominierte</a> Presselandschaft in der Westschweiz zurückbringen.</span></li>
<li><span style="font-size: 13px; line-height: 19px;">«Le Temps» ist ein vergleichsweise schlankes Unternehmen, das zum Beispiel über keine eigene Druckerei verfügt. Die Zeitung wird bei Edipresse/Tamedia in Lausanne gedruckt. Ebenso schreibe die</span><span style="font-size: 13px; line-height: 19px;"> Zeitung «keinen Verlust», hielt gestern Christoph Zimmer, Sprecher von Tamedia fest.  «Le Temps» hat </span><a style="font-size: 13px; line-height: 19px;" href="http://www.werbewoche.ch/weniger-entlassungen-bei-le-temps-als-angekuendigt" target="_blank">eine grössere Sparrunde</a><span style="font-size: 13px; line-height: 19px;"> mit zahlreichen Entlassungen hinter sich.</span></li>
</ul>
<p>Damit zusammenfindet, was zusammengehört, muss die NZZ beim Verhandlungsgeschick aber einen Zacken zulegen. In den letzten Jahren zog die Zürcher Zeitung mehrmals den Kürzeren. So <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/Die-NZZ-verliert-den-Kampf-um-die-Basler-Zeitung/story/20550169?track" target="_blank">beim Kauf der Basler Zeitung</a>, die man so gut wie gekauft hatte, als in letzter Minute Investor Tito Tettamanti der NZZ die BaZ vor der Nase wegschnappte. Auch am Winterthurer Landboten war die NZZ-Gruppe interessiert, ging aber schliesslich <a href="http://www.landbote.ch/index.php?id=18&amp;tx_vsarticle_pi1[article]=244449" target="_blank">auch dort leer aus</a>, weil Tamedia von ihrem Vorkaufsrecht gebrauch machte. Bei «Le Temps» stünde keine Tamedia im Weg – schliesslich ist sie die Verkäuferin. Ausserdem gab es in der Zwischenzeit einen Wechsel an der Spitze der NZZ-Gruppe. War bei den gescheiterten Übernahmen in Basel und Winterthur noch <a href="https://medienwoche.ch/2013/08/16/dynamischer-geworden-ohne-die-tradition-zu-verraten/" target="_blank">Albert P. Stäheli</a> am Ruder, hat jetzt <a href="http://www.nzz.ch/aktuell/feuilleton/medien/veit-dengler-wird-neuer-ceo-der-nzz-mediengruppe-1.18101099" target="_blank">Veit Dengler als CEO übernommen</a>. Eine schnelle Akquisition von «Le Temps» könnte sein Gesellenstück werden. Dengler äussert sich auf Anfrage vorerst unverbindlich zu einem allfälligen Engagement der NZZ in der Westschweiz:</p>
<blockquote class="twitter-tweet"><p><a href="https://twitter.com/nick_luethi">@nick_luethi</a> NZZ-MG offen für Titel, die zu unserer Positionierung passen. Prüfen in solchen Fällen, ob Angebot Voraussetzungen erfüllt</p>
<p>— Veit Dengler (@veitdengler) <a href="https://twitter.com/veitdengler/statuses/388025300165996544">October 9, 2013</a></p></blockquote>
<p><script src="//platform.twitter.com/widgets.js"></script></p>
<p>Doch selbst wenn sich die NZZ ernsthaft für einen Kauf interessieren sollte, müsste sie mit Konkurrenz rechnen. Auch bei «Le Temps» ist mit dem Interesse von ausländischen Unternehmen oder finanzkräftigen, branchenfremden Kreisen zu rechnen. So könnte die in der Romandie bereits stark verankerte französische <a href="http://www.eshmedias.ch/de/" target="_blank">Hérsant-Gruppe </a>ein gutes Geschäft als Ergänzung zu ihren Regionalzeitungen wittern. Und schliesslich muss immer mit Investoren gerechnet werden, die <a href="https://twitter.com/kurtwzimmermann/status/387846687823110144" target="_blank">aus weltanschaulichen Gründen</a> eine Zeitung kaufen wollen. Am Ende entscheiden Tamedia und Ringier. Und vielleicht heisst dann der Käufer – Ringier oder Tamedia.</p>
<p>Nachtrag I (10.10.2013): Stellungnahme von NZZ-CEO Veit Dengler, siehe Tweet oben.</p>
<p>Nachtrag II (10.10.2013): Inwzwischen hat die Westschweizer <a href="http://agefi.com/" target="_blank">Wirtschaftszeitung L&#8217;Agefi</a> ihr Interesse an einem Kauf von «Le Temps» angemeldet. Gemäss einem <a href="http://www.tdg.ch/geneve/actu-genevoise/L-Agefi-veut-racheter-Le-Temps/story/23441937" target="_blank">Bericht der Tribune de Genève</a> wären die Eigentümer von L&#8217;Agefi sogar bereit, dafür ihr eigenes Blatt aufzugeben, respektive in «Le Temps» zu integrieren. Geld für den Kauf sollte ausreichend vorhanden sein. Hinter der Wirtschaftszeitung steht die im Klinik- und Gesundheitsbereich tätige <a href="http://www.aevis.com/websites/aevis/German/1/home.html?newsID=" target="_blank">Aevis Holding</a>.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/10/09/eine-chance-fuer-die-nzz/">Eine Chance für die NZZ</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Ein Hoch auf das Sommerloch!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Jul 2012 08:47:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Sommerloch]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Le Temps]]></category>
		<category><![CDATA[Berner Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Echo der Zeit]]></category>
		<category><![CDATA[Qualität]]></category>
		<category><![CDATA[Reporter]]></category>
		<category><![CDATA[Rundschau]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Sommerloch ist ein Glücksfall für den Journalismus. Selten berichten Medien entspannter und hintergründiger. Aus einem einfachen Grund: Sie haben Zeit, können in der Berichterstattung eigenständige Akzente setzen und müssen nicht im Hamsterrad Aktualitäten abspulen. Pünktlich zum Sommerbeginn öffnet sich jeweils bedrohlich das Sommerloch, das den Restgehalt an Qualität in den Medien zu verschlingen droht. <a href="https://medienwoche.ch/2012/07/23/ein-hoch-auf-das-sommerloch/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/07/23/ein-hoch-auf-das-sommerloch/">Ein Hoch auf das Sommerloch!</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" alt="" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2012/07/sommerloch_klein.jpg" class="alignleft" width="120" height="120" />Das Sommerloch ist ein Glücksfall für den Journalismus. Selten berichten Medien entspannter und hintergründiger. Aus einem einfachen Grund: Sie haben Zeit, können in der Berichterstattung eigenständige Akzente setzen und müssen nicht im Hamsterrad Aktualitäten abspulen.<br />
<span id="more-30511"></span><br />
Pünktlich zum Sommerbeginn öffnet sich jeweils bedrohlich das Sommerloch, das den Restgehalt an Qualität in den Medien zu verschlingen droht. Weil der Politik- und Parlamentsbetrieb pausiert, füllen sich die Zeitungsspalten und Sendeminuten noch mehr als sonst mit Meldungen über Tierchen, Sternchen, Sex &amp; Crime und anderer Belanglosigkeit. In Ermangelung harter Stoffe nimmt das Softe überhand, was die Medienkritiker zur Klage  veranlasst, die da im netteren Fall lautet: <a href="http://www.theeuropean.de/thore-barfuss/11569-journalismus-und-das-sommerloch" target="_blank">«Sommerpause an, Hirn aus»</a>. So weit so schlecht. Nur: Was hat das mit der Realität zu tun? Wenig bis nichts. Denn das sogenannte Sommerloch ist die beste Zeit für den Journalismus. Wers nicht glaubt, lese Zeitung, höre Radio oder schaue fern.</p>
<p>Wenn der Aktualitätsdruck nachlässt, die Blattumfänge und Sendezeiten aber bleiben, dann sind Redaktionen zur Kreativität gezwungen. Sie können sich nicht mehr auf einen stetigen Nachrichtenfluss verlassen, der ihnen den Arbeitstakt vorgibt. Das ist ein Glücksfall für den Journalismus. Denn nun zeigt sich, wer aus dem vermeintlichen Nichts, etwas zu schaffen weiss. Geschichten aufspüren, die noch niemand erzählt hat, Themen aufs Tapet bringen, für die sonst keine Zeit bleibt, das machen landauf landab Redaktionen im Sommer. Tageszeitungen, Radio und Fernsehen planen die Sommermonate so aufwändig und intensiv, wie sie selten sonst im Jahr ihre Berichterstattung vorbereiten. Das allein bietet freilich noch keine Garantie für Qualität. Auch Sommerserien können so seicht daherkommen wie die durchschnittliche Saure-Gurken-Meldung. Uninspiriert und als Pflichtübung runtergeschrieben lesen sich die Beiträge der <a href="http://www.nzz.ch/_/kantonsmittelpunkte---eine-sommerserie-2.48095" target="_blank">NZZ-Sommerserie</a> zu den geografischen Mittelpunkten der Schweizer Kantone. Auch <a href="http://www.sendungen.sf.tv/wasser/Nachrichten/Archiv/2012/05/15/Wasserratten/Schweiz-aktuell-Die-Wasserratten" target="_blank">«Die Wasserratten»</a> von Schweiz aktuell zählen sicher nicht zu den Höhepunkten des Mediensommers 2012.</p>
<p>Doch ein Blick in die übrige Medienlandschaft zeigt mehrheitlich ein anderes Bild. Die Sommer-Serien in Zeitungen, Radio oder Fernsehen sind mehr als nur Lückenbüsser für eine nachrichtenarme Zeit: sie bieten Journalismus, wie es ihn in den übrigen zehn Monaten des Jahres zu selten gibt; lange und hintergründige Formate, langsame und unaufgeregte Geschichten, die beim Publikum einen nachhaltigeren Eindruck hinterlassen als der hochtourige Hamsterradjournalismus. Die folgenden vier Beispiele sind auch als Plädoyer für mehr Sommer im ganzen Jahr zu verstehen.</p>
<p><strong>«Le Temps»: <a href="http://www.letemps.ch/dossiers/dossiers_2012/2012_series_ete" target="_blank">Seriensommer</a></strong><br />
Die Westschweizer Qualitätszeitung zieht alle Register: nicht weniger als 19 redaktionelle Sonderefforts leistet «Le Temps» diesen Sommer. Von der Serie über die «Bösen in der Schweizer Geschichte», angefangen mit einer historischen Recherche über den Inquisitor Ulric de Torrenté, über eine brandaktuelle Artikelfolge zur Geschichte der Staatsverschuldung bis zur Serie über die grossen Redner der Weltgeschichte. Auf diesem Niveau geht der Serienreigen weiter.</p>
<p><strong>«Berner Zeitung»: <a href="http://www.bernerzeitung.ch/dossiers/region/dossier2.html?dossier_id=1510" target="_blank">«Senioren-Sommer»</a></strong><br />
Seit Anfang Juli widmet sich die «Berner Zeitung» ausführlich und thematisch breitgefächert den Lebenswelten älterer Mitmenschen. Dazu verbrachte ein Redaktor <a href="http://www.bernerzeitung.ch/dossiers/region/dossier2.html?dossier_id=1510#panel4" target="_blank">eine Woche im Altersheim</a>, von wo er im Tagesrhythmus berichtet. Leserinnen und Leser der BZ können dem ältesten Ehepaar der Schweiz Fragen zukommen lassen, die eine Redaktoren den beiden über Hundertjährigen stellt. Und auch die Aktualität kommt nicht zu kurz: Im Sportressort fand sich anlässlich er OL-WM in Lausanne das <a href="http://www.bernerzeitung.ch/sport/weitere/Die-Faszination-ist-geblieben/story/18606035?dossier_id=1510" target="_blank">Porträt eines der Kurssetzer</a> – ein 66-jähriger ehemaliger Spitzenläufer.</p>
<p><strong>Rundschau (Schweizer Fernsehen): <a href="http://www.sendungen.sf.tv/rundschau/Nachrichten/Archiv/2012/07/09/Serien/Mission-Reporter" target="_blank">«Mission Reporter»</a></strong><br />
Hartnäckig nachfragen, Autoritäten in Frage stellen und unbeirrbar berichten, um die Wahrheit ans Licht zu bringen – koste es, was es wolle. Das ist Journalismus. In Mexiko oder Russland setzt das Leben aufs Spiel, wer das Medienhandwerk so ausübt. Die «Rundschau» zeigt in ihrer Sommerserie, was es heisst, in diesen Ländern als Journalist zu arbeiten. Als Beispiel für einen Schweizer Journalisten, der nicht locker lässt und seit Jahr und Tag Aufklärungsarbeit leistet, folgt zum Schluss der Sommerserie ein Porträt des Sektenspezialsten Hugo Stamm.</p>
<p><strong>Echo der Zeit (Schweizer Radio): <a href="http://www.drs1.ch/www/de/drs1/sendungen/echo-der-zeit/348998.sommerserie-20-koepfe-20-ideen.html" target="_blank">«20 Köpfe, 20 Ideen»</a></strong><br />
Während vier Sommerwochen gibt das Nachrichten-Flaggschiff vom Schweizer Radio für einmal die Zügel aus der Hand. In einer Serie mit zwanzig Gastbeiträgen präsentieren mehr oder weniger prominente Figuren aus Gesellschaft, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft ihre Vorstellungen von der Zukunft der Schweiz. Auch wenn die Qualität der einzelnen Statements, sowohl was Machart als auch den Inhalt angeht, stark schwanken, ist es dem Echo gelungen, ein Panoptikum des gegenwärtigen Schweizer Geistesleben zu zeigen. Erfrischend: Die üblichen Verdächtigen, Experten aller Couleur, kommen nicht zu Wort, dafür Figuren aus der zweiten Reihe, Macherinnen und Macher, die wirklich etwas zu sagen haben. Hörtipp: <a href="http://www.drs1.ch/www/de/drs1/sendungen/rendez-vous/2753.bt10233605.html" target="_blank">Gerhard Schwarz</a> (Avenir Suisse, Ex-NZZ) und seine Idee gegen verstopfte Züge und Strassen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/07/23/ein-hoch-auf-das-sommerloch/">Ein Hoch auf das Sommerloch!</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Wikileaks in der zweiten Reihe</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2011/02/21/wikileaks-in-der-zweiten-reihe/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 21 Feb 2011 11:14:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[NZZ Online]]></category>
		<category><![CDATA[Swiss Papers]]></category>
		<category><![CDATA[NZZ]]></category>
		<category><![CDATA[Le Temps]]></category>
		<category><![CDATA[WIkileaks]]></category>
		<category><![CDATA[Data-Journalism]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Interesse der Medien an Wikileaks hat spürbar nachgelassen. Mit der dramatischen Entwicklung im arabischen Raum geniesst die Gegenwart wieder Vorrang gegenüber der Vergangenheit. Nicht überall: Von anderen Medien wenig beachtet, haben sich NZZ und Le Temps daran gemacht, die von Wikileaks veröffentlichten «Swiss Papers» auszuwerten. Ein Datensatz, zwei Herangehensweisen. Plötzlich waren die «Swiss Papers» <a href="https://medienwoche.ch/2011/02/21/wikileaks-in-der-zweiten-reihe/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/02/21/wikileaks-in-der-zweiten-reihe/">Wikileaks in der zweiten Reihe</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Interesse der Medien an Wikileaks hat spürbar nachgelassen. Mit der dramatischen Entwicklung im arabischen Raum geniesst die Gegenwart wieder Vorrang gegenüber der Vergangenheit. Nicht überall: Von anderen Medien wenig beachtet, haben sich NZZ und Le Temps daran gemacht, die von Wikileaks veröffentlichten «Swiss Papers» auszuwerten. Ein Datensatz, zwei Herangehensweisen.<br />
<span id="more-28732"></span><br />
Plötzlich waren die «Swiss Papers» da – und kaum jemand nahm Notiz davon; keine Schlagzeilenflut, keine «Breaking News», kein «Enthüllung!»-Geschrei, wie das vor nicht allzu langer Zeit der Fall war, sobald das Stichwort Wikileaks die Runde machte. Fast 6000 unveröffentlichte Depeschen aus der US-Diplomatenkorrespondenz mit einem Bezug zur Schweiz hat «Le Temps» am Abend des 10. Februar von Wikileaks erhalten. Eine Kopie davon reichte die Genfer Zeitung der NZZ weiter.</p>
<p>Während sich Le Temps umgehend daran machte, die Dokumente nach publikationswürdigen Informationen zu durchstöbern, blieb es bei der NZZ zuerst einmal ruhig. <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/schweiz/die_schweiz_in_5814_wikileaks-depeschen_1.9485733.html" target="_blank">Eine knappe Mitteilung</a>, wonach die Zeitung im Besitz der «Swiss Papers» sei, platzierte die NZZ gut versteckt irgendwo im Blatt. Fast eine Woche lang tat sich nichts, abgesehen von einem <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/startseite/wikileaks__wo_ist_transparenz_sinnvoll_wo_schaedlich_1.9512793.html" target="_blank">Gastbeitrag eines HSG-Ökonomen</a>, der sich kritisch zur Veröffentlichung von diplomatischer Korrespondenz äusserte. Ausserdem geriet Wikileaks erneut ins Zwielicht, nachdem der Aussteiger Daniel Domscheit-Berg in seinem Buch ein wenig schmeichelhaftes Bild von Julian Assange und seinem Projekt zeichnete. <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/startseite/wikileaks_hat_die_oeffentlichkeit_getaeuscht_1.9498131.html" target="_blank">Ein Interview mit dem ehemaligen Assange-Gefährten</a>, das die NZZ am Sonntag und später auch NZZ Online veröffentlichten, bereitete das Terrain nicht eben auf ideale Weise für Wikileaks-Enthüllungen im Hause NZZ vor.</p>
<p>Bei Le Temps gab es keine solchen erschwerenden Begleitumstände. Hier ging man forsch zur Sache und hausierte offensiv mit dem exklusiven Stoff. Bereits am Samstag 12. Februar, zwei Tage nachdem die Zeitung die Dokumente erhalten hatte, veröffentlichte sie erste Erkenntnisse aus der Analyse der «Swiss Papers». Zwei Artikel zu Erpresssungsversuchen der kolumbianischen Farc-Rebellen gegen den Westschweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé, sowie zu einem internen Memo der US-Diplomatie für die Sprachregelung bei Medienanfragen zum Fall Tinner. Von da an ging es weiter im Takt. Seit einer Woche veröffentlicht Le Temps jeden Tag mindestens zwei Artikel mit Erkenntnissen und Schlüssen aus den «Swiss Papers».</p>
<p>Nach einer ersten Sichtung der Dokumente hat sich die NZZ gegen einen täglichen Publikationsrhythmus entschieden. Stattdessen bot die NZZ am letzten Samstag auf einer Doppelseite eine Tour d&#8217;Horizon quer durch die Depeschen . «Unter dem Newsaspekt sind die Dokumente nicht interessant», sagt NZZ-Nachrichtenchef Luzi Bernet. Deshalb zog man es vor, ein Gesamtbild zu zeichnen und konnte sich so auch Zeit lassen.</p>
<p>Ein deutlicher Unterschied zwischen NZZ und Le Temps zeigt sich online. Während die Westschweizer für die Serie eigens ein Logo schufen und unter letemps.ch ein <a href="http://www.letemps.ch/swiss_papers" target="_blank">Dossier «Swiss Papers»</a> (nur mit Anmeldung zugänglich) eröffneten, wo sie neben den Zeitungsartikeln auch die zitierten Originaldateien im Volltext ablegen, sucht man auf nzz.ch vergeblich nach etwas Vergleichbarem. Die NZZ bietet keine Extras im Web. Urs Holderegger, Redaktionsleiter NZZ Online, macht für diese Zurückhaltung inhaltliche Gründe geltend: «Aufgrund der Einschätzung der Inlandredaktion, dass die Wikileaks-Dokumente <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/schweiz/unspektakulaer_und_trotzdem_relevant_1.9598321.html" target="_blank">keine bahnbrechenden Neuigkeiten</a> enthalten, haben wir uns für ein zurückhaltendes Vorgehen entschieden.» Auf eine Publikation der Originaldokumente habe man aus Datenschutzgründen verzichtet, so Holderegger.</p>
<p>Aber auch Le Temps beschränkt sich im Netz letztendlich auf bewährte und wenig innovative Formate. Online dient nur als Verlängerung von Print. Dynamische Elemente sucht man vergeblich. Wer erwartungsfroh die <a href="http://www.letemps.ch/Page/Uuid/6106e03c-3627-11e0-aa25-511990c3a24b/" target="_blank">«Infographie» </a>anklickt, findet jene durchschnittliche Infografik, die am Samstag vor einer Woche bereits in der Zeitung zu sehen war.</p>
<p>Bei der NZZ rührt die Zurückhaltung im Netz auch daher, dass man dem «Datenjournalismus» und seinen Versprechen nicht traut. Stefan Betschon, der als IT-Redaktor die Dateien inspizierte und für seine Redaktionskollegen so aufbereitete, dass sie damit arbeiten konnten, hält wenig von diesem Trendbegriff, mit dem der Journalist zum Programmierer wird und die Maschine recherchieren lässt. <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/startseite/die_konzentration_auf_das_wesentliche_1.9598240.html" target="_blank">Betschon schreibt</a>: «Der Begriff des Data-Journalismus weckt die Hoffnung, dass Computerprogramme ohne menschliches Zutun aus grossen Datensammlungen die menschlich bewegenden Geschichten herausschälen könnten, Antworten lieferten auf nie gestellte Fragen. Doch das ist eine Illusion.»</p>
<p>Manpower also und nicht Rechenleistung. Den beiden Zeitungen stehen jedoch nur beschränkte Kapazitäten zur Verfügung. In Genf sind es sieben Redaktoren, bei der NZZ maximal acht, die sich seit mehr als einer Woche nur noch um das eine Thema kümmern. Da bleibt das eine oder andere liegen. Je nach Entwicklung der Nachrichtenlage muss Wikileaks hinten anstehen. So gut sind die Redaktionen auch nicht mehr dotiert, dass sich eine Gruppe über Wochen für eine Sonderaufgabe abmelden kann.</p>
<p>Sicherlich wäre aus den «Swiss Papers» mehr rauszuholen, als das, was uns Le Temps und NZZ bisher präsentiert haben. Grenzen setzen hier einerseits die personellen Möglichkeiten, andererseits die ungewohnte und neue Aufgabe, Tausende von Dokumenten innert nützlicher Frist auszuwerten. Die beiden Zeitungen mögen in der Schweiz zu den führenden Publikationen zählen. Im internationalen Vergleich zeigt der Umgang mit den Wikileaks-Dokumenten doch deutlich den Unterschied zu den ganz Grossen der Branche.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/02/21/wikileaks-in-der-zweiten-reihe/">Wikileaks in der zweiten Reihe</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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