<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>MAZ | MEDIENWOCHE</title>
	<atom:link href="https://medienwoche.ch/tag/maz/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://medienwoche.ch</link>
	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
	<lastBuildDate>Fri, 08 Jul 2022 07:13:03 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=6.9.1</generator>
	<item>
		<title>Journalismus-Ausbildung ist (nicht) gefragt</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2022/07/07/journalismus-ausbildung-ist-nicht-gefragt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 Jul 2022 14:48:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Ringier Journalistenschule]]></category>
		<category><![CDATA[ZHAW]]></category>
		<category><![CDATA[MAZ]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus-Ausbildung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=98424</guid>

					<description><![CDATA[<p>Während Journalismus-Schulen Mühe bekunden, ihre Studiengänge vollzukriegen, sind die Absolvent:innen bei den Verlagen umso begehrter. Bis vor Kurzem galt es als ein Traumlos: Zwei Jahre bezahltes Volontariat auf einer Redaktion, dazu eine Diplomausbildung am MAZ. Die Journalistenschule selbst nennt es den «Königsweg in den Journalismus». Für den nächsten Ausbildungsgang hatte auch der «Landbote» in Winterthur <a href="https://medienwoche.ch/2022/07/07/journalismus-ausbildung-ist-nicht-gefragt/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2022/07/07/journalismus-ausbildung-ist-nicht-gefragt/">Journalismus-Ausbildung ist (nicht) gefragt</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Während Journalismus-Schulen Mühe bekunden, ihre Studiengänge vollzukriegen, sind die Absolvent:innen bei den Verlagen umso begehrter.</strong><br />
<a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/07/MW-Stand-Journalistenausbildung-20220707.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/07/MW-Stand-Journalistenausbildung-20220707.jpg" alt="" width="1456" height="976" class="aligncenter size-full wp-image-98445" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/07/MW-Stand-Journalistenausbildung-20220707.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/07/MW-Stand-Journalistenausbildung-20220707-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/07/MW-Stand-Journalistenausbildung-20220707-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/07/MW-Stand-Journalistenausbildung-20220707-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/07/MW-Stand-Journalistenausbildung-20220707-470x315.jpg 470w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /></a><br />
Bis vor Kurzem galt es als ein Traumlos: Zwei Jahre bezahltes Volontariat auf einer Redaktion, dazu eine Diplomausbildung am MAZ. Die Journalistenschule selbst nennt es den «Königsweg in den Journalismus». Für den nächsten Ausbildungsgang hatte auch der «Landbote» in Winterthur wieder ein MAZ-Volontariat ausgeschrieben. Doch gefehlt: Es gab kein nennenswertes Interesse, das Volontariat bleibt diesmal verwaist.<br />
 </p>
<p>Wie die Redaktionen Mühe bekunden bei der Suche nach Nachwuchs, so ergeht es auch den Ausbildungsstätten nicht anders. Mit 22 Teilnehmenden verzeichnet <a href="https://www.maz.ch/home" rel="noopener" target="_blank">das MAZ</a> derzeit eine rekordtiefe Belegung der zweijährigen Diplomausbildung. In den vergangenen Jahren waren es jeweils zwischen 40 und 60. «Gewisse Verlage können niemanden schicken, weil sie schlicht keine Leute haben. Oder die Personaldecke ist dermassen dünn, dass sie für die 90 Ausbildungstage bei uns nur noch alle zwei Jahre jemanden entbehren können», sagt MAZ-Direktorin Martina Fehr im Gespräch mit der MEDIENWOCHE. Was Fehr aber auch feststellt: Jene 22, die sich für die Diplomausbildung entschieden haben, seien «sehr motiviert und sehr zielgerichtet». Das mag auch daher rühren, dass sie eine Anstellung auf sicher haben. «Die meisten Leute werden noch während des Studiums angestellt.».</p>
<p>Während das Interesse am zweijährigen Diplomlehrgang sinkt (die Radio- und Video-Lehrgänge in der Grundausbildung sind weiterhin ausgebucht), nehmen die Anfragen zu für spezifische Weiterbildungen. Ein Zeichen, dass Verlage in bestehendes Personal investieren wollen. Das MAZ müsse hier nun eine «Umschichtung managen», erklärt die Direktorin. «Unser oberstes Ziel bleibt es, die Kunden zufriedenzustellen mit gezielten Angeboten für Aus- und Weiterbildung.» Das scheint in dieser Phase des Umbruchs ganz gut zu gelingen. Medien, die das MAZ als Kunden verloren hatte, kommen wieder, und langjährige Kunden, etwa CH Media, buchen im bisherigen Umfang Kurse in Luzern.</p>
<blockquote><p>CH Media nutzt ihr neues Ausbildungsangebot als eine Art Mischung aus Trichter und Staubsauger, um die passenden Leute zu finden.</p></blockquote>
<p>Im Fall von CH Media mag das insofern überraschen, als dass das Unternehmen vor zwei Jahren selbst eine «Academy» gründete als Reaktion auf die Rekrutierungsschwierigkeiten für Medien-Jobs. Die trimediale Ausbildung an der <a href="https://chmedia-academy.ch/" rel="noopener" target="_blank">«CH Media Academy»</a> ist auf die Bedürfnisse der elektronischen Medien TV, Radio und Online ausgerichtet, die CH Media in vier (<a href="https://chmedia.ch/news/ch-media-baut-sein-today-netzwerk-weiter-aus" rel="noopener" target="_blank">und demnächst sechs</a>) Deutschschweizer Städten betreibt. «Wir müssen versuchen, den jungen Leuten etwas Attraktives zu bieten, das über das Standardpraktikum hinausgeht», erklärt Nicola Bomio die Motivation für den eigenen Ausbildungsgang. Als Leiter der Radioprogramme von CH Media hat Bomio die «CH Media Academy» mitentwickelt. Die ersten 15 Teilnehmenden der neuen Ausbildung haben nun nach einem Jahr zwei der insgesamt drei halbjährigen Praktika in den Redaktionen von Radio, TV und Online absolviert. Für ihre Arbeit erhalten sie am Anfang 2500 Franken im Monat, am Ende der Ausbildung 4000.</p>
<p>CH Media nutzt ihr neues Ausbildungsangebot als eine Art Mischung aus Trichter und Staubsauger, um die passenden Leute zu finden. Nach der Ausschreibung primär über die eigenen Kanäle meldeten sich 100 Interessierte. Nach der Sichtung der Dossiers hat CH Media 40 an den sogenannten «Talent Day» eingeladen, wo das Feld in einem eintägigen Assessment mit praxisnahen Aufgaben schliesslich auf die verbleibenden 15 ausgedünnt wurde, die dann die Ausbildung in Angriff nehmen durften. Eine Verpflichtung, danach für eine bestimmte Zeit im Unternehmen zu bleiben, gibt es nicht; aber gute Chancen, fest angestellt zu werden.</p>
<blockquote><p>Zählte die «JouSchu» früher über 200 Bewerbungen, so waren es für den kommenden Lehrgang gerade noch rund 50.</p></blockquote>
<p>Wie CH Media setzt auch Ringier – weiterhin und verstärkt – auf das eigene Ausbildungsangebot. Seit bald 50 Jahren führt das Zürcher Medienhaus an seinem historischen Stammsitz in Zofingen die <a href="https://www.ringierjournalistenschule.ch/schule" rel="noopener" target="_blank">Ringier Journalistenschule</a>, auch bekannt als «Jouschu». Mit Peter Hossli leitet die Schule seit Anfang Mai dieses Jahres ein erfahrener und versierter Reporter und Moderator, der zuletzt bei der «NZZ am Sonntag» und dem Schweizer Fernsehen SRF gearbeitet hatte. Hossli löste den früheren Fernsehmann und «Sonntagsblick»-Chefredaktor Hannes Britschgi ab, der die «Jouschu» zwölf Jahre lang geleitet hatte.<br />
 <br />

            <div class="form-block-bg">
                <div class="form-block-wrap">
                    <div id="myDIV" class="form-block">
                        <div class="new-form">
                            <h2 class="h2">Unterstützen Sie unabhängigen und kritischen Medienjournalismus. Werden Sie jetzt Gönner/in.</h2><p>Journalismus braucht Herzblut, Zeit – und Geld. Mit einem Gönner-Abo helfen Sie, unseren unabhängigen Medienjournalismus nachhaltig zu finanzieren. Ihr Beitrag fliesst ausschliesslich in die redaktionelle und journalistische Arbeit der MEDIENWOCHE.</p>

                            <div class="buttons-row">
                                 <button class="new-form__button" type="button" onclick="window.location='https://medienwoche.ch/goenner-abo/wie-viel-ist-ihnen-unabhaengiger-journalismus-wert/'">JETZT GÖNNER/IN WERDEN</button>
                                 <button id="elem" class="new-form__button new-form__button--accent" type="button">login</button>
                                 <button id="hide" data-admin-url="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-admin/admin-ajax.php " data-post-id="98424" class="new-form__button new-form__button--accent" type="button">IM MOMENT NICHT</button>
                            </div>
                        </div>
                    </div>
                </div>
            </div>
            [rml_read_more]</p>
<p>Auch die Ringier-Ausbildungsstätte spürt den schwächeren Zustrom an interessierten jungen Leuten. Zählte man früher über 200 Bewerbungen, so waren es für den kommenden Lehrgang gerade noch rund 50. Im August beginnen voraussichtlich 14 davon die Ausbildung. «Das hat wohl damit zu tun, dass wir zu wenig rausgehen, dass die Schule nicht mehr überall bekannt ist», sagt Peter Hossli zur MEDIENWOCHE. Das wolle er ändern. Unter den Bewerbungen fand sich anfänglich niemand, der die Ausbildung bei einem Wirtschaftsmedium von Ringier machen wollte, etwa bei «Handelszeitung» oder «Bilanz». Hossli suchte – und ist zuversichtlich, die Position besetzen zu können. Rekrutierungspotenzial für die Ausbildung an der Ringier-Schule sieht Hossli bei Gruppen, die im Journalismus bisher zu wenig vertreten sind: Nicht-Akademiker:innen und die migrantische Bevölkerung. «Es hat weiterhin nur wenige mit einem -ić im Nachnamen auf den Redaktionen. Da möchte ich einen Effort leisten für die nächste Klasse», sagt Hossli. Er schaue darum nach vorne und beginne jetzt schon mit der Rekrutierung für den übernächsten Studiengang, der 2025 beginnt. Ein Instrument, das ihm dabei hilft, ist das <a href="https://www.ringier.com/de/die-blick-gruppe-laedt-zum-mediacamp/" rel="noopener" target="_blank">Mediacamp der «Blick»-Gruppe</a>. Im Juli werden eine Woche lang dreizehn Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 16 und 22 auf den «Blick»-Redaktionen mitarbeiten. «Ich hätte die Plätze doppelt belegen können», berichtet Hossli vom grossen Zuspruch. Weiter erfreulich sei zum einen der hohe Frauenanteil. Es habe etwa dreimal so viele Bewerberinnen wie Bewerber gegeben. Zum anderen brächten die jungen Leute einen gut gefüllten Rucksack mit, hätten mitunter schon Erfahrungen bei Lokalzeitungen und -radios gesammelt. Aus diesem Pool kann Hossli nun schöpfen für seine Schule. «Das Interesse am Mediacamp zeigt, dass der Journalismus für junge Menschen nach wie vor eine grosse Attraktivität ausstrahlt.»</p>
<blockquote><p>Im ersten Corona-Jahr während des Lockdowns verzeichnete der Studiengang Kommunikation an der ZHAW rekordviele Anmeldungen.</p></blockquote>
<p>Business as usual meldet derweil die ZHAW in Winterthur. Der <a href="https://www.zhaw.ch/de/linguistik/studium/bachelor-kommunikation/" rel="noopener" target="_blank">Bachelor Kommunikation</a>, der eine Möglichkeit zur Vertiefung in den Journalismus bietet, läuft stabil. Guido Keel von der Leitung des Instituts für Angewandte Medienwissenschaft an der Zürcher Fachhochschule sieht über die letzten Jahre lediglich «Schwankungen, die sich ausgleichen.» Im ersten Corona-Jahr während des Lockdowns verzeichnete der Studiengang rekordviele Anmeldungen. «Wir nehmen an, dass das mehr auf Einschränkungen im Alltag zurückzuführen war als auf eine plötzliche Popularität des Studiengangs – man fing mal ein Studium an, weil man die Weltreise nicht antreten konnte», schreibt Keel auf Anfrage. Im Folgejahr fehlten im Vergleich zum langjährigen Schnitt dann entsprechend ein paar Anmeldungen. Die Stabilität mag in Winterthur auch daher rühren, dass bereits seit 2016 mehrheitlich Leute die Ausbildung besuchen, die sich in Richtung Organisationskommunikation entwickeln wollen. In den vergangenen Jahren lag der Anteil jener, die sich für eine Vertiefung in Journalismus entscheiden, nur noch zwischen 30 und 40 Prozent.</p>
<p>Nach dem gleichen Modell wie in Winterthur gibt es seit diesem Frühjahr an der Fachhochschule Graubünden die Möglichkeit, sich im Rahmen der Bachelor-Ausbildung «Multimedia Production», in Richtung Journalismus zu vertiefen. Die neuen Journalismus-Kurse führt das MAZ. Zwar entschieden sich auch schon bisher Absolvent:innen der Ausbildung in Chur für journalistische Jobs. Mit dem stärkeren Fokus sollte das aber umso mehr der Fall sein. Die Kooperation von MAZ und FH Graubünden stärkt nicht nur die beiden Institutionen. Sie zeigt auch einen erfolgversprechenden Weg auf, die Ausbildung insgesamt zu stärken, wenn sich Schulen vernetzen. Auch zwischen MAZ und CH-Media-Academy laufen Gespräche über eine Zusammenarbeit.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2022/07/07/journalismus-ausbildung-ist-nicht-gefragt/">Journalismus-Ausbildung ist (nicht) gefragt</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Martina Fehr: «Ohne Journalismus ist das MAZ tot»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2022/02/03/martina-fehr-ohne-journalismus-ist-das-maz-tot/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 03 Feb 2022 06:38:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Medienförderung]]></category>
		<category><![CDATA[MAZ]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=94532</guid>

					<description><![CDATA[<p>In der Kontroverse um die Medienförderung kommt kaum zur Sprache: Von einem Ja würde auch das Medienausbildungszentrum MAZ in Luzern profitieren. Direktorin Martina Fehr erklärt im Gespräch, was das Paket finanziell für das MAZ bedeutet. Und wie es um die Branche steht.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2022/02/03/martina-fehr-ohne-journalismus-ist-das-maz-tot/">Martina Fehr: «Ohne Journalismus ist das MAZ tot»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>In der Kontroverse um die Medienförderung kommt kaum zur Sprache: Von einem Ja würde auch das Medienausbildungszentrum MAZ in Luzern profitieren. Direktorin Martina Fehr erklärt im Gespräch, was das Paket finanziell für das MAZ bedeutet. Und wie es um die Branche steht.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2022/02/03/martina-fehr-ohne-journalismus-ist-das-maz-tot/">Martina Fehr: «Ohne Journalismus ist das MAZ tot»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Martina Fehr: «Ein sauberes Handwerk ist das Wesentliche im Journalismus»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2021/05/17/martina-fehr-ein-sauberes-handwerk-ist-das-wesentliche-im-journalismus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 17 May 2021 15:13:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[MAZ]]></category>
		<category><![CDATA[Martina Fehr]]></category>
		<category><![CDATA[Presserat]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=88584</guid>

					<description><![CDATA[<p>Martina Fehr führt die Luzerner Journalistenschule MAZ und ist seit Kurzem Präsidentin des «Schweizer Presserats». Die 47-jährige Bündnerin sagt im Gespräch, warum sie jeden Montagmorgen von Chur nach Luzern fährt, wie das MAZ die Pandemie bewältigte und was ihre grösste Lebensschule war.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/05/17/martina-fehr-ein-sauberes-handwerk-ist-das-wesentliche-im-journalismus/">Martina Fehr: «Ein sauberes Handwerk ist das Wesentliche im Journalismus»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Martina Fehr führt die Luzerner Journalistenschule MAZ und ist seit Kurzem Präsidentin des «Schweizer Presserats». Die 47-jährige Bündnerin sagt im Gespräch, warum sie jeden Montagmorgen von Chur nach Luzern fährt, wie das MAZ die Pandemie bewältigte und was ihre grösste Lebensschule war.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/05/17/martina-fehr-ein-sauberes-handwerk-ist-das-wesentliche-im-journalismus/">Martina Fehr: «Ein sauberes Handwerk ist das Wesentliche im Journalismus»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>MAZ-Direktorin Fehr: «Ich habe nun viel mehr mit Journalismus zu tun»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2020/11/03/ich-habe-nun-viel-mehr-mit-journalismus-zu-tun/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Benjamin von Wyl]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 03 Nov 2020 10:51:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[MAZ]]></category>
		<category><![CDATA[Martina Fehr]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=82951</guid>

					<description><![CDATA[<p>Nach mehr als 20 Jahren bei Somedia wechselte Martina Fehr im vergangenen Mai als Direktorin an die Schweizer Journalistenschule MAZ in Luzern. Mit der MEDIENWOCHE sprach sie über das «harte Pflaster» Lokaljournalismus, öffentliche Gelder für die Ausbildung und ihren Start mitten in der Pandemie.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/11/03/ich-habe-nun-viel-mehr-mit-journalismus-zu-tun/">MAZ-Direktorin Fehr: «Ich habe nun viel mehr mit Journalismus zu tun»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Nach mehr als 20 Jahren bei Somedia wechselte Martina Fehr im vergangenen Mai als Direktorin an die Schweizer Journalistenschule MAZ in Luzern. Mit der MEDIENWOCHE sprach sie über das «harte Pflaster» Lokaljournalismus, öffentliche Gelder für die Ausbildung und ihren Start mitten in der Pandemie.</strong><br />
<img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-82966" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/11/MW-Interview-Martina-Fehr_MAZ-20201103.jpg" alt="" width="1456" height="976" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/11/MW-Interview-Martina-Fehr_MAZ-20201103.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/11/MW-Interview-Martina-Fehr_MAZ-20201103-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/11/MW-Interview-Martina-Fehr_MAZ-20201103-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/11/MW-Interview-Martina-Fehr_MAZ-20201103-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/11/MW-Interview-Martina-Fehr_MAZ-20201103-470x315.jpg 470w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
<div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Sie traten mitten in der Pandemie Ihre Stelle als MAZ-Direktorin an. Wie war das?</p>
</div><div class="answer"><h4>Martina Fehr:</h4> <p>Als ich am 1. Mai begonnen habe, war die Schule geschlossen. Aber ich wollte vom ersten Tag an hier sein und ein Gespür für das Haus bekommen. Auch wenn es fast leer war. Das allererste Teammeeting fand per Zoom statt, denn natürlich waren 90 Prozent der Leute im Homeoffice. Sonst hält man eine Antrittsrede und bringt etwas zum Knabbern mit – stattdessen waren da etwa 25 Zoom-Fenster. Da spürt man null Reaktion von den Leuten, das ist schwierig. Statt den geplanten Antritts- und Verabschiedungsrunden konnte ich dafür mit dem abtretenden MAZ-Direktor Diego Yanez und den Studienleiterinnen und -leitern sehr sachbezogen arbeiten. Wir konnten das Beste aus der Situation machen und die Zeit nutzen. Um hier anzukommen war das nicht schlecht.</p>
</div>							<h3 style="margin-bottom:20px;display:block;width:100%;margin-top:10px"> </h3>
						<style>
				<style>
#wpsm_accordion_82971 .wpsm_panel-heading{
	padding:0px !important;
}
#wpsm_accordion_82971 .wpsm_panel-title {
	margin:0px !important; 
	text-transform:none !important;
	line-height: 1 !important;
}
#wpsm_accordion_82971 .wpsm_panel-title a{
	text-decoration:none;
	overflow:hidden;
	display:block;
	padding:0px;
	font-size: 18px !important;
	font-family: Open Sans !important;
	color:#000000 !important;
	border-bottom:0px !important;
}

#wpsm_accordion_82971 .wpsm_panel-title a:focus {
outline: 0px !important;
}

#wpsm_accordion_82971 .wpsm_panel-title a:hover, #wpsm_accordion_82971 .wpsm_panel-title a:focus {
	color:#000000 !important;
}
#wpsm_accordion_82971 .acc-a{
	color: #000000 !important;
	background-color:#e8e8e8 !important;
	border-color: #ddd;
}
#wpsm_accordion_82971 .wpsm_panel-default > .wpsm_panel-heading{
	color: #000000 !important;
	background-color: #e8e8e8 !important;
	border-color: #e8e8e8 !important;
	border-top-left-radius: 0px;
	border-top-right-radius: 0px;
}
#wpsm_accordion_82971 .wpsm_panel-default {
		border:1px solid transparent !important;
	}
#wpsm_accordion_82971 {
	margin-bottom: 20px;
	overflow: hidden;
	float: none;
	width: 100%;
	display: block;
}
#wpsm_accordion_82971 .ac_title_class{
	display: block;
	padding-top: 12px;
	padding-bottom: 12px;
	padding-left: 15px;
	padding-right: 15px;
}
#wpsm_accordion_82971  .wpsm_panel {
	overflow:hidden;
	-webkit-box-shadow: 0 0px 0px rgba(0, 0, 0, .05);
	box-shadow: 0 0px 0px rgba(0, 0, 0, .05);
		border-radius: 4px;
	}
#wpsm_accordion_82971  .wpsm_panel + .wpsm_panel {
		margin-top: 5px;
	}
#wpsm_accordion_82971  .wpsm_panel-body{
	background-color:#ffffff !important;
	color:#000000 !important;
	border-top-color: #e8e8e8 !important;
	font-size:16px !important;
	font-family: Open Sans !important;
	overflow: hidden;
		border: 2px solid #e8e8e8 !important;
	}

#wpsm_accordion_82971 .ac_open_cl_icon{
	background-color:#e8e8e8 !important;
	color: #000000 !important;
	float:right !important;
	padding-top: 12px !important;
	padding-bottom: 12px !important;
	line-height: 1.0 !important;
	padding-left: 15px !important;
	padding-right: 15px !important;
	display: inline-block !important;
}

			
			</style>	
			</style>
			<div class="wpsm_panel-group" id="wpsm_accordion_82971" >
								
					<!-- Inner panel Start -->
					<div class="wpsm_panel wpsm_panel-default">
						<div class="wpsm_panel-heading" role="tab" >
						  <h4 class="wpsm_panel-title">
							<a  class=""  data-toggle="collapse" data-parent="#wpsm_accordion_82971 " href="javascript:void(0)" data-target="#ac_82971_collapse1" onclick="do_resize()">
																	<span class="ac_open_cl_icon fa fa-plus"></span>
									
								 
								<span class="ac_title_class">
																				<span style="margin-right:6px;" class="fa fa-laptop"></span>
									Historikerin, Chefredaktorin, Direktorin								</span>
							</a>
						  </h4>
						</div>
						<div id="ac_82971_collapse1" class="wpsm_panel-collapse collapse "  >
						  <div class="wpsm_panel-body">
							Die ausgebildete Historikerin Martina Fehr (46) begann ihre Laufbahn in den Medien 1997. Neben ihrem Studium an der Universität Zürich arbeitete sie als Redaktorin bei Radio Grischa in Chur. 2006 übernahm sie die Leitung des Bündner Lokalsenders. Zwei Jahre später wurde sie zur Programmleiterin von Radio Grischa und Radio Engiadina (heute Radio Südostschweiz) ernannt. Von 2012 bis 2015 arbeitete sie als Projektmanagerin und Leiterin Unternehmensentwicklung bei Somedia, bevor sie Chefredaktorin der «Südostschweiz» wurde. Ihr letzte Führungsaufgabe bei Somedia war die publizistische Leitung sämtlicher Medien des Verlagshauses. Seit Mai 2020 leitet Fehr als Direktorin die Journalistenschule MAZ in Luzern.						  </div>
						</div>
					</div>
					<!-- Inner panel End -->
					
							</div>
			
<script type="text/javascript">
	
		function do_resize(){

			var width=jQuery( '.wpsm_panel .wpsm_panel-body iframe' ).width();
			var height=jQuery( '.wpsm_panel .wpsm_panel-body iframe' ).height();

			var toggleSize = true;
			jQuery('iframe').animate({
			    width: toggleSize ? width : 640,
			    height: toggleSize ? height : 360
			  }, 250);

			  toggleSize = !toggleSize;
		}
		
</script>	<div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Wir sprechen am 21. Oktober miteinander. Momentan verschlechtert sich die Pandemie-Situation frappant. Konnten Sie in Ihrer bisherigen Zeit am MAZ denn überhaupt je eine gewisse Normalität erleben?</p>
</div><div class="answer"><h4>Fehr:</h4> <p>Im Sommer war der Betrieb sehr normal. Abstände können wir gut einhalten, die Verpflegung fand draussen statt. Ich spürte bei Studierenden, Dozierenden, den Studienleitern wieder eine gewisse Normalität … und das hat sich nun total verändert.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Eigentlich sollte das Interview bereits einige Tage früher stattfinden, aber haben das Gespräch dann verschoben.</p>
</div><div class="answer"><h4>Fehr:</h4> <p>Nun zeigt sich bereits wieder ein komplett anderes Bild! In den letzten fünf Tagen haben sich viele verunsicherte Leute gemeldet: Studierende, Menschen aus der Kommunikationsbranche, aber auch viele Dozierende aus Österreich und Deutschland. Die Quarantänesituation verunmöglicht es ihnen, nach Luzern zu kommen. Manchen untersagt der Arbeitgeber das Reisen. Nun stellen wir halt wieder auf virtuell um. Wir streamen, was möglich ist. Teilweise gibt es auch Hybridmodelle, in denen nur ein Teil der Klasse vor Ort ist. Es klappt relativ gut, aber hängt auch vom Thema ab: Kurse, in denen es um Auftrittskompetenz geht, kann man schlecht ins Virtuelle verschieben.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Werden die verschoben?</p>
</div><div class="answer"><h4>Fehr:</h4> <p>Das entscheiden die Kunden. Unser Sicherheitskonzept ist sehr streng. Aber es ist mir natürlich klar, dass es Leute gibt, die sich die Reise nach Luzern und einen Gruppenkurs momentan lieber ersparen. Das betrifft vor allem Kurse der Kommunikationsbranche. Im Journalismus sind Absagen aber weniger ein Thema. Die Journalisten sind irgendwie krisenresistenter, suchen virtuelle Lösungen oder bleiben beim Präsenzunterricht.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Also Sie merken dem Journalismus eine gewisse Abhärtung an?</p>
</div><div class="answer"><h4>Fehr:</h4> <p>Vielleicht ist der Umgang mit der Situation grundsätzlich anders, weil Journalistinnen und Journalisten auch über die Pandemie berichten müssen.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Ihr Vorgänger hat selbst auch unterrichtet. Werden Sie das auch tun?</p>
</div><div class="answer"><h4>Fehr:</h4> <p>Im Zuge der Pandemie gibt es so viel zu tun, dass ich nächstens wohl kaum dazu komme, aber später auf jeden Fall. Darauf freue ich mich sehr – und es ist auch wichtig. Doch ich war bereits bei einigen Angeboten dabei: Im Rollenspiel des Führungskräfte-Seminars zu Redaktionsmanagement habe ich den blöden Chef gespielt, anderswo war ich dabei, um Dozierenden Feedback zu geben. Beim MAZ-Digitaltag habe ich als Moderatorin auch Erfahrung darin gewonnen, wie Moderieren per Zoom funktionieren kann. Sobald ich dazu komme, möchte ich in der Journalismus-Diplomausbildung unterrichten. Ob ich wie mein Vorgänger Diego Yanez Medienethik unterrichte, müssen wir anschauen. Das Fach ist momentan bei Dominique Strebel, der uns verlassen wird und als Chefredaktor zum «Beobachter» geht. Was ich unterrichte, werde ich mit den Studienleitungen absprechen, aber ich finde es wichtig, Präsenz zu zeigen – und es macht viel Freude, den Nachwuchs zu erleben: Die Fragen, die sie haben und auch die Freude am Journalismus. Das gibt mir auch sehr viel zurück.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Ist es so, dass junge Journalistinnen, Journalisten idealistischer und motivierter sind als erfahrenere?</p>
</div><div class="answer"><h4>Fehr:</h4> <p>Sie sind noch nicht so verbraucht! Wohl auch, weil sie erst wenig Schlechtes erlebt haben. Aber natürlich kann man das so generell nicht sagen. Die Studierenden bringen sehr gute Fragestellungen ein und fordern uns heraus, indem sie bei uns Gelerntes im Berufsalltag anwenden und uns dann die gemachten Erfahrungen wieder zurückspielen, etwa in der Interviewtechnik. Es ist natürlich auch schön zu sehen, dass sie anwenden, was sie am MAZ lernen. Dabei kommen spannende Fragen auf.</p>
</div><br />
<br />
<div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Christian Mensch, der bei CH Media unter anderem für die Ausbildung verantwortlich ist, sagte der WOZ vor etwa einem Jahr, die heutige Generation sei «die am besten ausgebildete». Sehen Sie das auch so?</p>
</div><div class="answer"><h4>Fehr:</h4> <p>Als ich selbst anfing, hiess es: Mach mal! Das ist heute ganz anders. Dafür wird auch sehr viel gefordert, der Anspruch an die Jungen ist hoch. Im Online-Journalismus gehen die Anforderungen fast ins Programmieren – und gleichzeitig werden Storytelling-Kenntnisse erwartet.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Sie selbst haben die MAZ-Diplomausbildung nicht absolviert. Welchen MAZ-Kurs hätten Sie rückblickend gerne an den Anfang ihrer Laufbahn als Journalistin gestellt?</p>
</div><div class="answer"><h4>Fehr:</h4> <p>An meinen ersten MAZ-Kurs mag ich mich noch erinnern! Das war 1997, damals noch in Kastanienbaum ausserhalb von Luzern. Ich war da aber bereits drei Monate als Nachrichtenredaktorin bei Radio Grischa. Am MAZ habe ich dann bei Thomas Kropf von Radio DRS gelernt: In der Kürze liegt die Würze – so hiess auch der Kurs. Der zweite Kurs war übers Nachrichtenschreiben, wo ich ein Aha-Erlebnis hatte: Ah, es gibt eine systematische Logik, wie man Nachrichten aufbaut. Vor den Kursen habe ich einfach gemacht, die Kolleginnen kopiert. Aber das ist natürlich 23 Jahre her.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Soll denn am Anfang jeder Berufslaufbahn eine journalistische Ausbildung stehen? Wäre das wünschenswert?</p>
</div><div class="answer"><h4>Fehr:</h4> <p>Das Schulische für sich nicht. Im Journalismus lernt man extrem viel durchs Anwenden. Das ist, was unsere Ausbildung eben so wertvoll macht: Hier wendet man Wissen – anders an der Uni – immer an. Die Kombi von Beruf und Ausbildung ist ideal. Es ist natürlich von Vorteil, wenn man ein wenig Vorlaufzeit und Vorbereitung hat, bevor man ein allererstes Mal auf Sendung geht. Deshalb stellen wir der Diplomausbildung nun zweiwöchige Kompaktkurse voran. Aktuell spüren wir, dass die Begleitung unserer Studierenden, gerade im Homeoffice, weniger Raum bekommt. Wir bekamen auch gespiegelt, dass es für den Nachwuchs da teilweise schwierig ist, Feedback auf Artikel und Ideen für Geschichten zu bekommen.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Den Studierenden fehlt in der Pandemie Feedback innerhalb ihrer Redaktionen?</p>
</div><div class="answer"><h4>Fehr:</h4> <p>Auf einer Redaktion spricht man sonst miteinander, kann eine Geschichte auch mal im Türrahmen entwickeln. Das fällt im Homeoffice weg. Jetzt geben Studierende einen Artikel ab, bekommen irgendwann, ein paar Tage später erst, Feedback dafür. Das ist unbefriedigend. Es fehlt, dass jemand mal schnell einen Text gegenlesen kann. Im Unterricht konnten wir diese aktuellen Fragen einbinden und Strategien besprechen: Wie findet man alleine die gute Geschichte, die mehr ist als die 08/15-Variante, die einem spontan in den Sinn kommt? Eine Alternative wäre, klar abzumachen, wann die Studierenden ihre betreuenden Redaktoren anrufen dürfen.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Ich nehme an, die Studierenden haben auch Respekt davor, ihren Mentorinnen, Mentoren auf die Nerven zu gehen.</p>
</div><div class="answer"><h4>Fehr:</h4> <p>Absolut. Aber die Kreativität ist nicht nur bei den Jungen angeschlagen: Die Chefs sind momentan sehr gefordert. Darum haben wir für Führungskräfte kurze, in den Alltag integrierbare Sessions über Zoom eingeführt. Thema ist dabei eben gerade die Kommunikation über Zoom: Wie führt man über Zoom? Wie bewahrt man bei Redaktionssitzungen per Zoom Kreativität? Da sehen wir, was wir aktuell, auf die Pandemie zugespitzt, beisteuern können. In diese Führungsseminare fliessen dann wieder die Feedbacks der Studierenden aus der Diplomausbildung.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Und was empfehlen Sie ganz konkret einer Praktikantin, einem Praktikanten, irgendwo in der Schweiz im Homeoffice: Feedback aktiv verlangen oder nicht?</p>
</div><div class="answer"><h4>Fehr:</h4> <p>Auch unter unseren Studierenden herrscht teils Verunsicherung darüber, ob ihnen das zusteht. Wir sagen: Ihr dürft das einfordern.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Bevor sie im Frühjahr als MAZ-Direktorin gestartet haben, waren Sie bei der Bündner Somedia in vielen verschiedenen Funktionen tätig. Was vermissen Sie nun nach mehr als 20 Jahren im selben Medienhaus?</p>
</div><div class="answer"><h4>Fehr:</h4> <p>Äh … eigentlich nichts.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Gar nichts?</p>
</div><div class="answer"><h4>Fehr:</h4> <p>Nein. Viele warnten mich, mir werde es ausserhalb des Tagesgeschäfts, also am MAZ, langweilig. Wenn du im Tagesjournalismus bist, gibt es keine Lücken und immer etwas zu tun. Aber im Moment würde ich mir ein wenig Langeweile wünschen! Das ist aber auch geprägt von der Pandemie. Ich muss so viele Entscheidungen treffen, wir probieren so viele – digitale – Formate aus, die sehr viel Spass machen. Also von daher… Momentan fehlt mir das Tagesaktuelle überhaupt nicht.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Sie leben weiterhin sehr im Moment.</p>
</div><div class="answer"><h4>Fehr:</h4> <p>Ja. Ich konnte mich schon lange nicht mehr so um den Journalismus kümmern wie jetzt. Vorher hatte ich als Leiterin Publizistik so viele Managementaufgaben und Sitzungen – da war ich weiter weg vom Journalismus. Jetzt bin ich so nah dran und das ist sehr schön: im Austausch mit den Studierenden, mit den Studienleitern, Kurse oder Prüfungen vorbesprechen. Ich muss sagen: Ich habe nun viel, viel mehr mit dem Journalismus zu tun.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Dabei besteht das MAZ ja selbst nicht bloss aus Journalismus: 2018 zum Beispiel waren zwei Fünftel der Kurstage Angebote für die PR- und Kommunikationsbranche. Diese Kommunikationskurse sorgten für 55 Prozent des Umsatzes. Nur drei von fünf Kurstagen und 45 Prozent des Umsatzes steuerten Journalismuskurse bei.</p>
</div><div class="answer"><h4>Fehr:</h4> <p>Dieses Verhältnis wird sich dieses Jahr massiv verschieben. In anderen Jahren war es häufig 50/50, aber nun ist eben der Journalismus stabil und die Kommunikationskurstage fallen sehr viel häufiger aus. Exakt kann ich das aber noch nicht sagen. In der Regel macht der Bereich Kommunikation einen Gewinn.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Auch dieses Jahr?</p>
</div><div class="answer"><h4>Fehr:</h4> <p>Ja. 2020 können wir das Defizit des MAZ aus dem Journalismus mit dem Gewinn aus der Kommunikation aber nicht auffangen.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Ist es ein Problem, dass das MAZ als Journalismus-Schule von der Kommunikationsbranche abhängig ist?</p>
</div><div class="answer"><h4>Fehr:</h4> <p>Um diese Querfinanzierung bin ich sehr froh. Nur deshalb können wir die Journalismus-Kurse zu viel tieferen Preisen anbieten als die der Kommunikation. Oft höre ich, dass Redaktionen bei Aus- und Weiterbildung sparen. Würden wir die Preise nach oben anpassen oder unser Angebot ausdünnen, verzichteten wohl einige. Das würde dem Journalismus schaden. Wir haben auch klar definiert, welche Art Kommunikationskurse wir anbieten und welche nicht: Wir machen keinerlei Beratungen oder Kommunikationskonzepte, sondern bieten Kurse, die das Verständnis für Journalismus, die das Verständnis für unsere Arbeit vergrössern. Was sich damit nicht vereinen lässt, machen wir nicht.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Also sind es handwerkliche Kurse, die das MAZ bietet?</p>
</div><div class="answer"><h4>Fehr:</h4> <p>Genau. Wenn in Kommunikationsabteilungen klar ist, worauf es bei guten Medienmitteilungen ankommt, ist das auch ein Dienst an die Journalisten. In fast jedem Kommunikationskurs, den wir anbieten, braucht es auch die journalistische Sichtweise.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Wenn die Kommunikation momentan im Pandemiejahr mehr einbringt, ist es wohl kein akutes Risiko, aber trotzdem. Könnte es irgendwann zu viel Kommunikation werden?</p>
</div><div class="answer"><h4>Fehr:</h4> <p>Die Frage, wann es kippen würde, beschäftigt uns am MAZ immer wieder. Meine Befürchtungen sind da nicht so gross, denn Aus- und Weiterbildung ist wichtig – und das wird hoffentlich im neuen Mediengesetz anerkannt. Wir hoffen darauf, dass der Staat anerkennt, wie wichtig es ist, dass Journalistinnen und Journalisten ihr Handwerk wirklich beherrschen. Wenn wir viele Kurse danach bis zu 80 Prozent günstiger anbieten könnten, wäre der gesamten Gesellschaft geholfen. Ich finde es extrem wichtig, dass Journalisten – trotz Multimedialität, trotz Zeitnöten – die Grundlagen wirklich kennen: Das sind eure Rechte, das sind eure Pflichten. So können wir ein Bollwerk bleiben.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Ein Bollwerk wofür soll der Journalismus sein?</p>
</div><div class="answer"><h4>Fehr:</h4> <p>Journalismus ist für unsere direkte Demokratie extrem wichtig. Wir sehen nun, welche Verschiebungen passieren: Wie PR-Abteilungen bei Privaten und Ämtern stark aufstocken. Manche dieser PR-Leute kämpfen mit harten Bandagen, drohen schnell mit Anwälten … Wenn ich teilweise höre, wie Interviews beim Gegenlesen komplett umgeschrieben werden – das geht doch einfach nicht. Darum ist es umso wichtiger, dass die jungen Journalisten schon früh wissen: Das musst du beachten, das sind eure Pflichten – aber ihr habt auch Rechte. Und wenn ihr eure Pflichten einhaltet, müsst ihr nicht einfach alles akzeptieren. Je besser und je mehr Journalisten wir darin fit machen können, je früher sie dieses Selbstbewusstsein haben, desto schneller können sie journalistisch Haltungen einnehmen. Und dann – das ist meine Grundüberzeugung – hilft das allen in der Gesellschaft. Dazu gehört ebenfalls, dass wir Leute mittleren Alters fit machen, etwa mit Kursen für Datenjournalismus, so dass sie bis zur Pensionierung mithalten und im Journalismus bleiben können. Auch Älteren hilft es, wenn wir die Kurse stark vergünstigt anbieten könnten.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Dass nun eine breite öffentliche Medienförderung diskutiert wird, ist ja die Folge einer Entwicklung, die die Medienbranche seit 20 Jahren erlebt. Sprechen Sie denn vom Medienwandel oder von einer Medienkrise?</p>
</div><div class="answer"><h4>Fehr:</h4> <p>Von einer Transformation. Das alte Geschäftsmodell ist am Sterben, aber noch immer matchentscheidend. Gleichzeitig weiss man im Digitalen noch nicht, wie das neue erfolgreiche Geschäftsmodell aussieht. Das ist der Übergang, in dem wir uns befinden. Aber eine Krise würde ich es nicht nennen: Wir sind auf sehr vielen Ebenen in einer schwierigen Transformation. Der Weg, den man gehen will, ist einfach noch nicht sehr klar, weil man diese Digitalisierung noch immer nicht komplett verstanden hat.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Verfolgen Sie als MAZ-Direktorin in dieser Transformation ein Prinzip oder konkrete Projekte, die die Journalismusschule prägen sollen?</p>
</div><div class="answer"><h4>Fehr:</h4> <p>Auch bei mir: Digitalisierung! Einerseits geht es darum, dass wir uns intern von mühsamen Excel-Tabellen lösen und auf zeitgemässe Plattformen wechseln. Andererseits sollen wir auch agiler auf die Problematik am Markt reagieren können. Das heisst: neue Unterrichtsformen schaffen. Denn auch die Zeit ist ein Kostenfaktor, der Leute von Aus- und Weiterbildungen abhält. Sie müssen anfahren, brauchen je nachdem eine Vorübernachtung. Das sind grosse Kostentreiber.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Sie wollen die Schwellen so niedrig wie möglich setzen?</p>
</div><div class="answer"><h4>Fehr:</h4> <p>Ja, dass wir uns die Frage bewusst stellen: Was bieten wir vor Ort im Präsenzunterricht und was lagern wir ins Virtuelle aus? Gerade für Kaderleute ist es schwierig, sich einen ganzen Tag für einen Kurs freizuhalten, weshalb wir nun anderthalb- bis zweistündige Blöcke bieten. Dazu kommen neue Formate wie unser Digitalinput, wo wir die ersten drei Folgen mal <a href="https://www.maz.ch/veranstaltung/maz-digitalinput-audio-lebt" target="_blank" rel="noopener">kostenlos anbieten</a>.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Wie viele Arbeitgeber zahlen den Volontärinnen, Volontären tatsächlich noch den Diplomlehrgang?</p>
</div><div class="answer"><h4>Fehr:</h4> <p>Grundsätzlich ist es so, dass je länger je mehr Studierende ihre Ausbildung selbst zahlen. Bei gebührenfinanzierten Lokalradio- und Fernsehstationen übernimmt das Bakom bis zu 80 Prozent der Kosten, gewisse Kantone beteiligen sich ebenfalls an den Ausbildungskosten. Wie genau die Anteile sind, weiss ich nicht aus dem Kopf. Aber von Seiten Arbeitgeber wird die Finanzierung, die früher selbstverständlich war, häufiger nicht mehr übernommen.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Hoffen Sie auch in Bezug auf das Schulgeld der Diplomstudierenden auf einen Ausbau der öffentlichen Beiträge an die Finanzierung?</p>
</div><div class="answer"><h4>Fehr:</h4> <p>Ja.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Vorhin haben Sie gesagt, sie vermissen nichts an Ihrem früheren Beruf. Aber trotzdem nochmals, mehr auf die Region bezogen: Was lernt man in Graubünden über Journalismus, das man sonst nirgends lernt?</p>
</div><div class="answer"><h4>Fehr:</h4> <p>Einige Dinge! Lokaljournalismus ist ein hartes Pflaster. Man ist Teil der Gesellschaft, über die man berichtet. Wer böse über den Nachbarn schreibt, spürt das direkt. Das andere, wovon ich sehr profitiert habe, ist, dass man bei Somedia sehr generalistisch unterwegs ist. Es ist kein Riesen-Medienhaus, wo es tausende Ressorts voller Spezialisten gibt. Dadurch erhält man eine Riesenspielwiese: Wer wollte, dem sind die Türen in sehr verschiedene Richtungen offen gewesen. Wenn zum Beispiel Zeitungsmenschen Lust hatten, im Radio zu arbeiten, war das möglich.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Sie selbst kommen ja vom Radio.</p>
</div><div class="answer"><h4>Fehr:</h4> <p>Genau, es ist meine Homebase, meine erste Liebe und das, was ich am längsten gemacht hab. Aber ich konnte eben sehr viel mehr tun. Das hilft mir jetzt: Ich stand bereits in früherer Funktion im Austausch mit dem Bakom und kenne die verschiedenen Mediengattungen.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Fällt Ihnen etwas ein, was Sie erzählen können dazu, wie hart Lokaljournalismus im Bündnerland manchmal sein kann?</p>
</div><div class="answer"><h4>Fehr:</h4> <p>Am Beispiel der Engadin-Korrespondentin der Südostschweiz. Sie hat gesagt, wenn sich jemand nicht fair behandelt fühlt, hast du einfach verloren. Die Macht, die man dann zu spüren bekommt, besteht darin, dass dir keine Informationen mehr weitergegeben werden und du nicht mehr eingeladen wirst. Dann bist du sofort vom Informationsstrom abgeschnitten. Wenn die Leute nicht mehr mit dir sprechen, kannst du deinen Job nicht mehr sinnvoll machen. Es ist darum als Lokaljournalistin immer ein Balanceakt, bei dem es darum geht, gegenüber allen fair zu sein und alle gleich zu behandeln. Im Lokaljournalismus hast du auch keine Ferien. Denn wenn du Einladungen ausfallen lässt, heisst es schnell, du seist nachlässig. In kleinräumigen Gebieten kommt es auch immer wieder vor, dass man über drei Ecken verwandt oder bekannt ist. Wenn jemand was geschrieben hat, das jemandem in den falschen Hals ist, habe ich als Südostschweiz-Chefredaktorin unmittelbar einen Anruf erhalten. Das würde im Raum Zürich, denke ich, wohl so nicht passieren.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Vor etwa zehn Jahren, als Chefredaktorin von Radio Grischa, mussten Sie sich einem wütenden Leserbriefschreiber gegenüber rechtfertigen, weil der Preis in einem Wettbewerb aus einem Aufenthalt in einem österreichischen Skigebiet bestanden hat.</p>
</div><div class="answer"><h4>Fehr:</h4> <p>Ja, genau! Auch – bezahlte – Inserate für Ferien im Südtirol sorgten immer für Ärger. Dabei kann man ja Werbekunden auch nicht einfach diskriminieren. Das sind Befindlichkeiten in der Bevölkerung, die schnell hochkochen. Wenn man über Trump herzieht, erhält man keine Reaktion, aber wenn man die Gemeindepräsidentin der Wohngemeinde kritisiert, ist die Ausgangslage anders. Das ist natürlich manchmal heavy.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Sie waren bei Somedia – als Programmleiterin von Radio Grischa, Chefredaktorin der Zeitung Südostschweiz und zuletzt Leiterin Publizistik – in vielen Funktionen die erste Frau. Das ist in der Medienbranche leider noch immer die Ausnahme: Die Führungspositionen sind grossmehrheitlich von weissen, studierten Männern besetzt. Kann oder soll das MAZ etwas tun, damit dies ausgeglichener wird und die Medienbranche näher an die Gesellschaft rückt, die sie repräsentiert?</p>
</div><div class="answer"><h4>Fehr:</h4> <p>Wir zeigen den Frauen am MAZ: Du kannst das. Oft, als ich Frauen in Führungspositionen nehmen wollte, reagierten sie sehr zurückhaltend. Deshalb geht es für uns in der MAZ-Ausbildung von Anfang an darum, jungen Frauen das Selbstbewusstsein zu geben: Glaub an dich, mach das. Wir sorgen auch bei Podiumsdiskussionen und Vorträgen dafür, dass wir ausgewogen sind. Die Frage, was unsere Rolle gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund ist, diskutieren wir aktuell intensiv, angeregt durch verschiedene Umfragen zur Diversität am MAZ. Hindernisse wie Sprache und lokales Netzwerk sind auch oft der Grund, weshalb es im Lokaljournalismus weniger Secondas und Secondos gibt.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Sie haben das Gefühl, Sprachkompetenz sei in der zweiten Generation zu wenig vorhanden, um im Journalismus zu arbeiten?</p>
</div><div class="answer"><h4>Fehr:</h4> <p>Bei Radio Grischa hatten wir lange Zeit die Vorgabe, dass man einen Bündnerdialekt hat. Es gibt halt Kriterien, nach denen Leute in der Branche wirklich ausgeschlossen werden. Beim Radio ist das mit der Sprache wohl noch krasser – aber es gibt ja heute andere Wege, ausserhalb des Lokaljournalismus, zu publizieren, etwa via Social Media. Das MAZ thematisiert transkulturelle Kompetenz und Berichterstattung in unseren Kursen, zum Beispiel in Führungs- oder Medienethikkursen. Es ist ein wichtiges Thema, aber im Diplomlehrgang haben wir nur ganz wenige Studierende mit einem Hintergrund aus dem nicht-deutschsprachigen Ausland. Was die Gründe sind, ist schwierig zu sagen. Wir diskutieren aber, ob es unsere Aufgabe ist oder nicht, hier Veränderung anzustossen.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Ihr Vorgänger in der MAZ-Direktion, Diego Yanez, ist ja selbst Erstgenerationsmigrant.</p>
</div><div class="answer"><h4>Fehr:</h4> <p>Ja. Er ist ja auch nicht der einzige. Es ist nicht unmöglich, dass man es schafft. Es ist einfach eher schwierig.</p>
</div></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/11/03/ich-habe-nun-viel-mehr-mit-journalismus-zu-tun/">MAZ-Direktorin Fehr: «Ich habe nun viel mehr mit Journalismus zu tun»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Migrantisches Mediennetzwerk, Kein Wirtschaftsfernsehen, Entlassung von MAZ-Studierenden</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2020/08/22/migrantisches-mediennetzwerk-kein-wirtschaftsfernsehen-entlassung-von-maz-studierenden/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Benjamin von Wyl]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 22 Aug 2020 05:54:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[CNN Money Switzerland]]></category>
		<category><![CDATA[Patrizia Laeri]]></category>
		<category><![CDATA[Eco]]></category>
		<category><![CDATA[MAZ]]></category>
		<category><![CDATA[Reto Lipp]]></category>
		<category><![CDATA[Diversity]]></category>
		<category><![CDATA[nau.ch]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=80703</guid>

					<description><![CDATA[<p>The Good – Neue Schweizer Medienmacher*innen NCHM* «Diversität ist ein wichtiges Ziel, es gibt keine Strategie», teilte das «Bieler Tagblatt» dem Magazin «Schweizer Journalist» kürzlich für eine Umfrage mit. Nach eigenen Angaben hätten zu dem Zeitpunkt genau null Migrant*innen in der Redaktion gearbeitet. In einer Stadt, in der mehr als ein Drittel der Bevölkerung keinen <a href="https://medienwoche.ch/2020/08/22/migrantisches-mediennetzwerk-kein-wirtschaftsfernsehen-entlassung-von-maz-studierenden/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/08/22/migrantisches-mediennetzwerk-kein-wirtschaftsfernsehen-entlassung-von-maz-studierenden/">Migrantisches Mediennetzwerk, Kein Wirtschaftsfernsehen, Entlassung von MAZ-Studierenden</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-80704" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/08/MW-Good-Bad-Ugly-Lipp-Laeri-20200821b.jpg" alt="" width="1456" height="488" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/08/MW-Good-Bad-Ugly-Lipp-Laeri-20200821b.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/08/MW-Good-Bad-Ugly-Lipp-Laeri-20200821b-300x101.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/08/MW-Good-Bad-Ugly-Lipp-Laeri-20200821b-768x257.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/08/MW-Good-Bad-Ugly-Lipp-Laeri-20200821b-1024x343.jpg 1024w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /></p>
<h3>The Good – Neue Schweizer Medienmacher*innen NCHM*</h3>
<p>«Diversität ist ein wichtiges Ziel, es gibt keine Strategie», teilte das «Bieler Tagblatt» dem Magazin «Schweizer Journalist» kürzlich für eine Umfrage mit. Nach eigenen Angaben hätten zu dem Zeitpunkt genau null Migrant*innen in der Redaktion gearbeitet. In einer Stadt, in der mehr als ein Drittel der Bevölkerung keinen Schweizer Pass hat.</p>
<p>Anderswo sieht es kaum besser aus. In Schweizer Medienhäusern arbeiten fast keine Menschen mit Migrationshintergrund. «Die Redaktionen spiegeln die Gesellschaft in diesem Land nicht», sagt Anna Jikhareva. Die WOZ-Redaktorin gehört zum Netzwerk «Neue Schweizer Medienmacher*innen NCHM*», das sich am Donnerstag gründete. Das Netzwerk fordert einen «neuen Journalismus», der «Menschen mit Migrationsgeschichte» nicht mehr «undifferenziert, rassistisch und problembehaftet» darstellt.</p>
<p>«Wir helfen gerne!», sagt Jikhareva. Redaktionen und Journalist*innen können sich <a href="https://neuemedienmacherinnen.ch/" target="_blank" rel="noopener">bei NCHM* melden</a>, wenn Fragen auftauchen, wie man auf Augenhöhe berichtet. Damit das geht, müssen sich aber auch Redaktionen verändern. Jikhareva: «Heute hinterfragt ja auch niemand, dass es im Journalismus Frauen – ob berichtend oder in Leitungspositionen – braucht.»</p>
<p>Ein Viertel der Bevölkerung hat keinen Schweizer Pass; noch viel mehr Menschen haben Eltern, die nicht hier geboren sind. Alle diese Menschen lesen, schauen, hören, lösen Abos. Wer sie ignoriert, wird irrelevant.</p>
<h3>The Bad: «ECO» und «CNN Money Switzerland»</h3>
<p>Ich bin noch lange jung. Zumindest, wenn es nach den Kategorien von SRF geht. Am Donnerstag präsentierte SRF-Direktorin Nathalie Wappler einen Radikalumbau, in dessen Rahmen es zu Entlassungen kommt und eine ganze Reihe von Fernsehsendungen eingestellt werden. Neu dazu kommen vermehrt digitale Angebote, um ein eher jüngeres Publikum anzusprechen: «Leute unter 45 Jahren». Die Verjüngung ist Gesetz. Seit letztem Jahr muss SRF laut Konzession «Angebote für junge Menschen» produzieren.</p>
<p>Um jüngeren Formaten Platz zu machen, hat SRF auch das hintergründige Wirtschaftsmagazin ECO gekippt. Dabei werden andere Sendungen in Altersheimen häufiger geschaut als ECO. Die durchschnittliche ECO-Zuschauerin kommt auf stolze 61,5 Jahre. Damit ist sie aber <a href="https://www.tagesanzeiger.ch/sonntagszeitung/srf-kaempft-um-seine-zukunft/story/12134425" target="_blank" rel="noopener">immer noch jünger</a> als das Publikum von beispielsweise der «Arena» oder der «Rundschau». Fast fünf Jahre älter sind gar die Zuschauer*innen von «Glanz &amp; Gloria» und «Schweiz aktuell».</p>
<p>Die Einstellung von ECO ist diese Woche bereits der zweite Paukenschlag für Fernsehen, das wirtschaftliche Zusammenhänge vermittelt. Zuvor kam das definitive Aus des Privatsenders «CNN Money Switzerland». Die neuste <a href="https://www.blick.ch/meinung/kolumne-aufbruch-wie-ich-zur-konkursverwalterin-wurde-id16049451.html" target="_blank" rel="noopener">«Blick»-Kolumne</a> von Chefredaktorin Patrizia Laeri liest sich wie ein Anstellungsaufruf für ihre 25 (Ex-)Mitarbeitenden. Bleibt zu hoffen, dass er Wirkung zeigt und die Betroffenen bald einen neuen Job finden. Vielleicht bei SRF? Dort würden die Wirtschaftsjournalist*innen unseren 69-jährigen Finanzminister hoffentlich nicht mehr <a href="https://youtu.be/mKwX9AynlX4" target="_blank" rel="noopener">auf Englisch interviewen</a>.</p>
<h3>The Ugly: «Nau.ch» und «Lokalinfo AG»</h3>
<p>Zwei Studierende der MAZ-Diplomausbildung sind während der Pandemie entlassen worden. Nun steht nicht nur ihre wirtschaftliche Existenz, sondern auch die Ausbildung auf der Kippe. Gemäss MAZ-Direktorin Martina Fehr seien «beide noch auf der Suche nach einer Lösung».</p>
<p>Eine der beiden arbeitete bei der Zürcher Lokalinfo AG. Der Entscheid sei «verbunden mit der Hoffnung, eine jüngere Person würde eher wieder eine Anstellung im Journalismus oder in einem anderen Bereich finden», teilt Geschäftsführerin Liliane Müggenberg mit. Das Sparpaket beim Zürcher Medienunternehmen des SVP-Altnationalrats Walter Frey betreffe «alle Abteilungen» und sei so umgesetzt, dass «soziale Härtefälle» möglichst vermieden werden. Die MAZ-Studierende war regulär angestellt; die Ausbildungskosten habe die Lokalinfo AG übernommen.</p>
<p>Die News-Plattform «Nau.ch» entliess Ende Mai neun Leute, darunter jene*n Redaktor*in, die nun womöglich die Maz-Ausbildung abbrechen muss. «Nau» teilt mit, deren Entlassung bedauere man «genau so, wie alle anderen Kündigungen auch». Einem Nau-Kadermann sei «mündlich zugesichert worden, dass die Fortsetzung der Ausbildung gewährleistet sei».</p>
<p>Nun ist es so, dass der betroffenen Person die Kurse weiter offenstehen – für den Abschluss und das Diplom braucht sie zwingend eine neue Anstellung. Nau schiebt die Verantwortung ans MAZ: «Seitens Nau media AG liegt uns viel daran, dass die besagte Person ihre Weiterbildung fortsetzen kann. Den weiteren Entscheid seitens MAZ können wir leider nicht beeinflussen.»</p>
<p>Wer hat sie nochmals entlassen?</p>
							<h3 style="margin-bottom:20px;display:block;width:100%;margin-top:10px"> </h3>
						<style>
				<style>
#wpsm_accordion_80407 .wpsm_panel-heading{
	padding:0px !important;
}
#wpsm_accordion_80407 .wpsm_panel-title {
	margin:0px !important; 
	text-transform:none !important;
	line-height: 1 !important;
}
#wpsm_accordion_80407 .wpsm_panel-title a{
	text-decoration:none;
	overflow:hidden;
	display:block;
	padding:0px;
	font-size: 18px !important;
	font-family: Open Sans !important;
	color:#000000 !important;
	border-bottom:0px !important;
}

#wpsm_accordion_80407 .wpsm_panel-title a:focus {
outline: 0px !important;
}

#wpsm_accordion_80407 .wpsm_panel-title a:hover, #wpsm_accordion_80407 .wpsm_panel-title a:focus {
	color:#000000 !important;
}
#wpsm_accordion_80407 .acc-a{
	color: #000000 !important;
	background-color:#e8e8e8 !important;
	border-color: #ddd;
}
#wpsm_accordion_80407 .wpsm_panel-default > .wpsm_panel-heading{
	color: #000000 !important;
	background-color: #e8e8e8 !important;
	border-color: #e8e8e8 !important;
	border-top-left-radius: 0px;
	border-top-right-radius: 0px;
}
#wpsm_accordion_80407 .wpsm_panel-default {
		border:1px solid transparent !important;
	}
#wpsm_accordion_80407 {
	margin-bottom: 20px;
	overflow: hidden;
	float: none;
	width: 100%;
	display: block;
}
#wpsm_accordion_80407 .ac_title_class{
	display: block;
	padding-top: 12px;
	padding-bottom: 12px;
	padding-left: 15px;
	padding-right: 15px;
}
#wpsm_accordion_80407  .wpsm_panel {
	overflow:hidden;
	-webkit-box-shadow: 0 0px 0px rgba(0, 0, 0, .05);
	box-shadow: 0 0px 0px rgba(0, 0, 0, .05);
		border-radius: 4px;
	}
#wpsm_accordion_80407  .wpsm_panel + .wpsm_panel {
		margin-top: 5px;
	}
#wpsm_accordion_80407  .wpsm_panel-body{
	background-color:#ffffff !important;
	color:#000000 !important;
	border-top-color: #e8e8e8 !important;
	font-size:16px !important;
	font-family: Open Sans !important;
	overflow: hidden;
		border: 2px solid #e8e8e8 !important;
	}

#wpsm_accordion_80407 .ac_open_cl_icon{
	background-color:#e8e8e8 !important;
	color: #000000 !important;
	float:right !important;
	padding-top: 12px !important;
	padding-bottom: 12px !important;
	line-height: 1.0 !important;
	padding-left: 15px !important;
	padding-right: 15px !important;
	display: inline-block !important;
}

			
			</style>	
			</style>
			<div class="wpsm_panel-group" id="wpsm_accordion_80407" >
								
					<!-- Inner panel Start -->
					<div class="wpsm_panel wpsm_panel-default">
						<div class="wpsm_panel-heading" role="tab" >
						  <h4 class="wpsm_panel-title">
							<a  class=""  data-toggle="collapse" data-parent="#wpsm_accordion_80407 " href="javascript:void(0)" data-target="#ac_80407_collapse1" onclick="do_resize()">
																	<span class="ac_open_cl_icon fa fa-plus"></span>
									
								 
								<span class="ac_title_class">
																				<span style="margin-right:6px;" class="fa fa-laptop"></span>
									Über diese Kolumne:								</span>
							</a>
						  </h4>
						</div>
						<div id="ac_80407_collapse1" class="wpsm_panel-collapse collapse "  >
						  <div class="wpsm_panel-body">
							<p>Die Medienwelt ist zu aufgewühlt, um mit Reflexionen und Recherchen abzuwarten, bis sie Stoff für einen längeren Text bieten. Die Medienwelt ist zu aufgewühlt, um ihr nur mit nüchternen Branchen-News zu begegnen. Darum gibt es diese Kolumne.</p>

<p>«The Good, the Bad and the Ugly» ist das neue Kurzformat der Medienwoche: Ab sofort werden Woche für Woche eine besonders positive, eine besonders negative und eine bizarre News aus der Schweizer Medien- und Werbewelt präsentiert und kurz eingeordnet. Die Autor*innen sind nicht um Ausgeglichenheit bemüht, sondern schreiben so subjektiv, wie sie ihre Themen wählen.</p>

<p>Im «The Good, the Bad and the Ugly»-Redaktions-Chat finden sich von Anfang an ein Vielfaches mehr schlechte und bizarre Nachrichten als Good News. Ein Zeichen, dass es gut ist, dass «The Good» eine Regel ist. Im Wechsel schreiben Medienwoche-Redaktor Nick Lüthi, die langjährigen freien Mitarbeitenden Miriam Suter (u.a. Videokolumne), Benjamin von Wyl (u.a. «So schreibe ich») und – neu bei der Medienwoche – die freie Kulturjournalistin Anne-Sophie Scholl.</p>

<p>Niemand von ihnen ist Fan von Italo-Western.</p>						  </div>
						</div>
					</div>
					<!-- Inner panel End -->
					
							</div>
			
<script type="text/javascript">
	
		function do_resize(){

			var width=jQuery( '.wpsm_panel .wpsm_panel-body iframe' ).width();
			var height=jQuery( '.wpsm_panel .wpsm_panel-body iframe' ).height();

			var toggleSize = true;
			jQuery('iframe').animate({
			    width: toggleSize ? width : 640,
			    height: toggleSize ? height : 360
			  }, 250);

			  toggleSize = !toggleSize;
		}
		
</script><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/08/22/migrantisches-mediennetzwerk-kein-wirtschaftsfernsehen-entlassung-von-maz-studierenden/">Migrantisches Mediennetzwerk, Kein Wirtschaftsfernsehen, Entlassung von MAZ-Studierenden</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>MAZ-Chef Diego Yanez über Journalismus in der Krise</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2020/04/16/maz-chef-diego-yanez-ueber-journalismus-in-der-krise/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 Apr 2020 14:24:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[MAZ]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=77850</guid>

					<description><![CDATA[<p>Ein Leben für die Medien: Der Luzerner Diego Yanez war Reporter, dann Chefredaktor beim SRF, im Mai tritt er als Direktor des Medienausbildungszentrums MAZ ab. Wie erlebt er den Journalismus in der Corona-Krise?</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/04/16/maz-chef-diego-yanez-ueber-journalismus-in-der-krise/">MAZ-Chef Diego Yanez über Journalismus in der Krise</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Leben für die Medien: Der Luzerner Diego Yanez war Reporter, dann Chefredaktor beim SRF, im Mai tritt er als Direktor des Medienausbildungszentrums MAZ ab. Wie erlebt er den Journalismus in der Corona-Krise?</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/04/16/maz-chef-diego-yanez-ueber-journalismus-in-der-krise/">MAZ-Chef Diego Yanez über Journalismus in der Krise</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>MAZ im Wandel: Feiern im leeren Schwimmbecken</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2019/03/26/maz-im-wandel-feiern-im-leeren-schwimmbecken/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Benjamin von Wyl]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 26 Mar 2019 14:50:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[MAZ]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=67576</guid>

					<description><![CDATA[<p>Die Diplomausbildung am MAZ ist weiterhin ein direkter Weg zu einer Festanstellung in einer Redaktion. Doch weniger Studierende melden sich an für den zweijährigen Kurs. Gleichzeitig nimmt der Anteil jener zu, die das Schulgeld selber zahlen müssen, weil sie kein Verlag unterstützt. Am 35. Geburtstag der Journalistenschule haben die Verantwortlichen auch an die öffentliche Hand <a href="https://medienwoche.ch/2019/03/26/maz-im-wandel-feiern-im-leeren-schwimmbecken/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2019/03/26/maz-im-wandel-feiern-im-leeren-schwimmbecken/">MAZ im Wandel: Feiern im leeren Schwimmbecken</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Diplomausbildung am MAZ ist weiterhin ein direkter Weg zu einer Festanstellung in einer Redaktion. Doch weniger Studierende melden sich an für den zweijährigen Kurs. Gleichzeitig nimmt der Anteil jener zu, die das Schulgeld selber zahlen müssen, weil sie kein Verlag unterstützt. Am 35. Geburtstag der Journalistenschule haben die Verantwortlichen auch an die öffentliche Hand appelliert.</strong><br />
<img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-67577" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/03/MW-MAZ-Jubilaeum-20190326.jpg" alt="" width="1456" height="976" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/03/MW-MAZ-Jubilaeum-20190326.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/03/MW-MAZ-Jubilaeum-20190326-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/03/MW-MAZ-Jubilaeum-20190326-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/03/MW-MAZ-Jubilaeum-20190326-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/03/MW-MAZ-Jubilaeum-20190326-470x315.jpg 470w" sizes="auto, (max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
«Haben wir Grund zu feiern?», fragt MAZ-Direktor Diego Yanez zu Beginn von der Bühne am tiefsten Punkt eines leeren Schwimmbeckens. Im «Neubad Luzern», einem zum Kulturzentrum umgenutzten Schwimmbad, hören ihm 350 geladene Gäste zu. Sie tragen Namensschildchen, auf denen etwa steht: «Redaktor Pfarrblatt Obwalden» oder «Mediensponsoring. Ferrari Owners&#8216; Club». Das erleichtert die Kontaktaufnahme, denn Networking stand auf der Einladung zum Fest anlässlich von <a href="https://www.flickr.com/photos/mazluzern/albums/72157690509790373" target="_blank" rel="noopener">35 Jahren MAZ</a> explizit als Programmpunkt. Yanez&#8216; Frage war natürlich rhetorisch gemeint: Jeder Geburtstag bietet Grund zum Feiern.</p>
<p>Einige Stunden davor im Direktorenbüro. MAZ-Direktor Diego Yanez nennt der MEDIENWOCHE Zahlen, die wenig Grund zum Feiern bieten: Im aktuellen Jahr starten 33 Studierende ihre zweijährige Diplomausbildung. Das sind knapp 20 Prozent weniger als im Schnitt der letzten zehn Jahre. Auch die gesamte Abteilung Journalismus, inklusive CAS und Tageskurse, erlebt einen Rückgang: Zählte das MAZ in diesem Bereich 2014 insgesamt 7081 Kurstage, waren es im vergangenen Jahr noch 6214. Das sind mehr als zehn Prozent weniger. Gewisse Kurse, die früher mehrmals pro Jahr durchgeführt worden sind, gebe es jetzt noch in einfacher Ausführung. Einzelne Angebote habe man gekippt.</p>
<blockquote><p>Die Diplomausbildung am MAZ kostet bis zu 30&#8217;000 Franken. Immer mehr Studierende tragen die Kosten selber.</p></blockquote>
<p>«Im Spiegel der Branche ist das keine Überraschung: Die Redaktionen müssen sparen», sagt Yanez. Ob der Jahrgang ein einmaliger Ausreisser nach unten bleibt? «Es kann durchaus sein, dass wir uns dort einpendeln.» Die 33 Studierenden besuchen das MAZ auch nicht mehr alle mit einem zweijährigen Volontariat auf einer Redaktion: Um die 20 Prozent der Studierenden absolvieren laut Yanez heute die Diplomausbildung ohne feste Ausbildungsstelle und hangeln sich von Praktikum zu Praktikum. Noch vor zehn Jahren sei das die absolute Ausnahme gewesen. Diese Studierenden müssen Kredite aufnehmen oder haben Eltern, die sie finanziell unterstützen können und wollen. «1500 Franken Praktikumslohn reichen nicht mal zur Deckung der Lebenshaltungskosten, geschweige denn um das Schulgeld zu zahlen», so Yanez.</p>
<p>Je nach Vertiefungsrichtung und Wohnkanton kostet die Diplomausbildung zwischen 18&#8217;500 und 30&#8217;000 Franken. Trägt man diese Kosten vollumfänglich selbst, kann der Diplomstudiengang am MAZ die teuerste Schweizer Journalismus-Ausbildung überhaupt sein. Der drei- bis sechsjährige Journalismus-Bachelor an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW kostet 800 Franken im Semester. Bei maximaler Ausbildungsdauer macht das rund 10&#8217;000 Franken.</p>
<p></p>
<p>Das ist billiger, aber nicht zwingend lohnender, denn die MAZ-Diplomausbildung, die sich selbst als «Königsweg in den Beruf» bewirbt, scheint ein Garant für eine Festanstellung nach dem Abschluss zu bleiben. Seit einigen Jahren gebe es vermehrt Leute, die an ihr Journalismus-Studium an der ZHAW noch zwei Jahre MAZ anhängen. «Es ist ganz selten, dass jemand unsere Diplomausbildung ohne Stelle verlässt», erklärt Yanez. «Denn alle arbeiten während der Ausbildung auch in der Praxis.» Auch diejenigen, die das MAZ ohne Volontariat besuchen, finden nach Ausbildungsabschluss schnell eine Stelle. «Es ist klar: Wenn es weniger Stellen gibt, haben wir weniger Leute, aber wir bilden niemanden für die Arbeitslosigkeit aus.»</p>
<blockquote><p>Rund 70 Prozent der MAZ-Studierenden verfügen mindestens über eine gymnasiale Matura, der Rest über Berufserfahrung.</p></blockquote>
<p>Mit der Medienkonzentration ist der berufliche Quereinstieg alleine über Praktika schwierig bis unmöglich geworden. Solange es Volontariatsstellen gibt, leistet das MAZ wohl auch einen Beitrag zur sozialen Mobilität: Wer nicht gemacht ist für ein Hochschulstudium oder sich kein Dasein ohne Einkommen leisten kann, dem bietet das MAZ einen Notausgang aus einer potenziell ewigen Praktikumskette. Rund 70 Prozent der MAZ-Studierenden verfügen mindestens über eine gymnasiale Matura. Die anderen 30 Prozent kommen «sur dossier» und verfügen bereits über grosse Berufserfahrung.</p>
<p>«Wir hatten schon Coiffeusen, Krankenpfleger oder Mediamatiker. Darunter sind überdurchschnittlich viele leidenschaftliche Leute, die richtig gute Journalisten werden», sagt Studienleiter Dominique Strebel, Co-Leiter der Diplomausbildung, im Gespräch mit der MEDIENWOCHE. Was sagt Strebel zum Rückgang bei den Anmeldungen? «Stellenabbau und Medienwandel dauern ja schon länger an. Wir waren überrascht, dass sich die Folgen nicht früher auf das MAZ ausgewirkt haben.» Dass es nicht früher zu einem Anmeldungsrückgang gekommen ist, könne daran liegen, dass Journalist*innen im Verlauf ihrer Laufbahn früher den Beruf wechseln als noch vor einigen Jahren. Damit sei die Nachfrage nach neuen Journalist*innen vorübergehend gestiegen.</p>
<p>Momentan überprüft eine Arbeitsgruppe, wie sich die Diplomausbildung neu aufstellen kann. Studienleiter Strebel erklärt, man müsse Vorgänge und Aufbau einer solchen Ausbildung immer wieder im Grundsatz hinterfragen. Gleichzeitig gelte es, auf die Bedürfnisse von Redaktionen in der gegenwärtigen Situation einzugehen. Soll die Diplomausbildung künftig mit einem mehrwöchigen Einführungskurs starten, so dass die Volontär*innen den Redaktionen danach mit einem bereits gut gefüllten Rucksack länger ohne Unterbruch zur Verfügung stehen? Oder sollte man beispielsweise zwei fixe Schultage pro Woche festlegen? Eine erste Sichtung der Ergebnisse erfolge laut Yanez im April.</p>
<blockquote><p>«Manche Chefredaktoren wären wohl nicht unglücklich, wenn wir die Medienethik streichen würden.»<br />
<small>Diego Yanez, Direktor MAZ</small></p></blockquote>
<p>Das Ausbildungsmodell des MAZ ist heute darauf ausgerichtet, dass Redaktionen Volontär*innen entsenden. Es ist also logisch, dass Meinungen und Bedürfnisse von Redaktionen entscheidend sind für die Ausrichtung des Diplomstudiengangs. Aber dass man auf die Bedürfnisse der Medienbetriebe eingehe, bedeute nicht, dass man die Kernbereiche antaste, betont MAZ-Direktor Yanez. «Wir haben neue Inhalte im Digital- und Multimediabereich, aber das geht nie zulasten der Grundfertigkeiten. Obwohl ich sicher bin, dass manche Chefredaktoren nicht unglücklich wären, wenn wir die Medienethik streichen würden», sagt Yanez, der selbst Medienethik unterrichtet. Schreibhandwerk, Recherche, Medienrecht, und -ethik bleiben das unhinterfragte Fundament, bekräftigt auch Studienleiter Strebel.</p>
<p>Anders als etwa an der ZHAW sind die Ausbildungsangebote für Journalismus und Kommunikation am MAZ strikt getrennt. Strebel, der als Journalist unter anderem Gerichtskolumnen für die «Republik» schreibt, sagt: «Wir sind eine handwerklich orientierte Schule. Wenn man an einer Fachhochschule oder Uni nur abstrakt über Inhalte spricht, kann man allenfalls PR- und Journalismus-Studierende zusammen unterrichten. Sobald es aber um Handwerk und Praxis geht, ist das Ziel des Journalisten ein anderes als jenes des Kommunikationsmenschen. Eine strikte Trennung ist unabdingbar.» Die Kurse für Kommunikation und Journalismus finden im selben Gebäude auf verschiedenen Etagen statt. Zudem sind – anders als etwa an der ZHAW – die meisten Kurse alleine entweder Journalist*innen oder Kommunikationsfachleuten vorbehalten.</p>
<blockquote><p>Das MAZ ist immer weniger eine Journalistenschule. Das Geld bringen vor allem die Angebote für PR und Kommunikation.</p></blockquote>
<p>Die Anzahl Kurstage im Vergleich belegen: Das MAZ, die «Schweizer Journalistenschule», bildet noch immer intensiver Journalist*innen aus als deren natürlicher Gegenpart. Aber die Abteilung für PR und Kommunikation wächst. Als Diego Yanez vor fünf Jahren als MAZ-Direktor anfing, betrug das Verhältnis zwischen Kommunikation und Journalismus, in Kurstagen gemessen, ungefähr 33 zu 66. Im letzten Jahr waren es schon 40 zu 60. «Wir haben eine starke Kommunikationsabteilung. Dazu stehe ich. Sie gibt uns Sicherheit. Sie gibt uns Atem, Kurse und Konzepte zu entwickeln», macht Yanez klar. Ausbildungen und Kurse in Kommunikation und PR verschaffen dem MAZ deshalb einen längeren Atem, weil die PR-Kurse schon immer die Cash Cow des Ausbildungszentrums gewesen sind. «Die Kommunikationsabteilung sorgte 2018 für 55 Prozent unseres Umsatzes. Die Journalismusabteilung ist in der Regel defizitär; die Kommunikationsabteilung erzielt einen Gewinn», führt Yanez aus.</p>
<p>Die PR-Kurse sind teurer als diejenigen für Journalist*innen. Ein zweitägiger Storytelling-Kurs für Kommunikationsfachleute kostet 1550 Franken. Für das gleiche Geld bekommt man als Journalist*in beispielsweise eine Masterclass im Magazinjournalismus, dazu den eintägigen Kurs «Bildlegenden schreiben – Grundlagen» und hätte erst noch Sackgeld für den Lunch übrig (1100 Franken plus 420 Franken plus 30 Franken für Pizza).</p>
<p>Das MAZ finanziert sich zu 80 Prozent aus Kursgeldern, dazu kommen Beiträge der SRG, des Verlegerverbands, des Bakom und von weiteren Berufsverbänden. Die Kommunikationsbranche schaltet kaum noch Inserate in Zeitungen, aber ausgebildet werden müssen deren Protagonist*innen ja weiterhin. Das Geschäftsmodell der Medienschule ist also nicht derart krass infrage gestellt wie jenes der klassischen Medien. Doch das MAZ verlöre seine Existenzberechtigung, wenn Redaktionen keine Volontär*innen mehr entsenden würden. Schon lange beschäftigt sich das MAZ damit, wie man als Institution mit den veränderten Ansprüchen an Journalist*innen und dem Spardruck umgeht. «Eine Krise würde vorbeigehen», sagt etwa die ehemalige MAZ-Direktorin Sylvia Egli von Matt im Gespräch mit der MEDIENWOCHE. Egli von Matt war von 1992 bis 2014 in verschiedenen leitenden Funktionen am MAZ tätig. Sie beobachtet heute eine tiefgreifende Transformation: eine Transformation von Finanzierungsmodellen, Inhalten und Organisationsformen. Früh habe das MAZ Kurse und Ausbildungsgänge für Online-Journalist*innen geschaffen. Aber nach einem ersten Schub sei die Nachfrage mit der Dotcom-Blase wieder eingebrochen. Egli von Matt beschreibt, wie sich das MAZ «mit seinem Baukastensystem» auf der Angebotsebene immer wieder verändert hat – und wie die «vielfach lustvollen und immer intensiven Auseinandersetzungen mit dem Beruf» auch die Dozierenden geprägt haben.</p>
<blockquote><p>Das Spannungsfeld aus Flexibilität und Pragmatismus einerseits, Leidenschaft und Haltung andererseits gehören zum MAZ.</p></blockquote>
<p>In den Aufnahmegesprächen sei es schon damals darum gegangen, jene zu finden, die wirklich Journalismus machen wollen – und nicht einfach «irgendwas mit Medien». Hört man Egli von Matt zu, bekommt man das Gefühl, dass das MAZ den Wandel übersteht. Das Baukastensystem scheint diesem Berufsstand und dieser Branche gerecht zu werden. Das Spannungsfeld aus Flexibilität und Pragmatismus einerseits, Leidenschaft und Haltung andererseits gehörten zum MAZ.</p>
<p>Im leeren Schwimmbad. Fliesenwände, eine ausrangierte Wasserrutsche als Leuchtkörper. Es wird gegessen; es wird getrunken. In manchen Rauchrunden werden die Vorzüge der CVP erläutert; zwischen Risotto-Bissen bringt ein aus dem Iran Geflüchteter die Frustration über das Dasein als (ex-)Journalist in einem anderen Sprachraum zum Ausdruck.</p>
<p>Frauen stehen nur während musikalischen Auftritten am Mikrofon. Die einzige Festrede hält MAZ-Stiftungsratspräsident Res Strehle. Der Publizist und frühere Tages-Anzeiger-Chefredaktor spart nicht an Pointen und Anekdoten, aber zwischen zahlreichem Geistreichem, wird er beschwörend: «Möge der Staat, das Gemeinwesen, merken, was es am Journalismus hat!» Und wiegelt gleich wieder ab: «Ich möchte nicht in die Rolle des Präsidenten des Bauernverbandes kommen und in eigener Sache Geld verlangen. Darum sag ich nur ganz kurz: Der Staat müsste im präkompetitiven Bereich mitfinanzieren. Das betrifft die Ausbildung, die Agenturen und er müsste auch die Hauszustellung mitfinanzieren.» Das Zitat von Matthias Claudius, einem der ersten deutschsprachigen Journalisten, mit dem Strehle endet, macht seine Rede endgültig zur Predigt: «Hilf und gib gerne, wenn du hast! Und wenn du nicht hast, so halte den Krug kalten Wassers in der Hand!»</p>
<blockquote><p>«Journalismus ist ein öffentliches Gut. Warum soll ausgerechnet etwas so Fundamentales wie Journalismus nicht gefördert werden?»<br />
<small>Diego Yanez</small></p></blockquote>
<p>Die pathetische Beschwörung, mit der Strehle eigentlich nur wiederholt, was derzeit der Verlegerverband in der Medienpolitik fordert, zeigt deutlich, wie stark das MAZ mit den Schweizer Medien verzahnt ist.Aber während den Verlegern das Geschäftsmodell mit dem Zusammenbruch des Inseratemarkts abhandenkam, gedeihen die Ausbildungsangebote für die PR- und Kommunikationsbranche des MAZ weiter. Es bleibt trotzdem zu hoffen, dass der Journalismus nicht irgendwann nur noch als nostalgisches Anhängsel übrigbleibt.</p>
<p>«Journalismus ist ein öffentliches Gut. Warum soll ausgerechnet etwas so Fundamentales wie Journalismus nicht gefördert werden?» sagt Yanez am Nachmittag entschieden. Nach einer Pause fügt er an: «Der einzige Aspekt des neuen Mediengesetzes, den keine Partei und kein Verband ablehnt, ist die Ausbildung. Öffentliche Gelder für die Ausbildung von Journalisten werden nicht hinterfragt.»</p>
<p>Zu den mangels Anmeldungen gestrichenen MAZ-Angeboten gehört der eintägige Kurs «Medienpolitik – Grundlagen». Was den Studierenden vorenthalten wird, war am MAZ-Geburtstag allgegenwärtig: Man kann momentan nicht über Medien sprechen, ohne über Medienpolitik zu sprechen. Jetzt kommt es drauf an, welche Medienpolitik sich durchsetzt.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2019/03/26/maz-im-wandel-feiern-im-leeren-schwimmbecken/">MAZ im Wandel: Feiern im leeren Schwimmbecken</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Res Strehle: «Die aktuelle Diffamierung von Journalisten ist einzigartig»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2017/01/29/res-strehle-die-aktuelle-diffamierung-von-journalisten-ist-einzigartig/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 28 Jan 2017 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[MAZ]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/wp_website/2017/01/29/res-strehle-die-aktuelle-diffamierung-von-journalisten-ist-einzigartig/</guid>

					<description><![CDATA[<p>Erstmals ist ein Journalist Präsident der grössten Schweizer Journalistenschule. Res Strehle, WOZ-Mitbegründer und zuletzt «Tages-Anzeiger»-Chefredaktor, steht seit einem Jahr dem MAZ in Luzern vor. Im Interview sagt er, warum Journalisten sterblich geworden sind. Und wieso er seinen Beruf immer noch fantastisch findet.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/01/29/res-strehle-die-aktuelle-diffamierung-von-journalisten-ist-einzigartig/">Res Strehle: «Die aktuelle Diffamierung von Journalisten ist einzigartig»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Erstmals ist ein Journalist Präsident der grössten Schweizer Journalistenschule. Res Strehle, WOZ-Mitbegründer und zuletzt «Tages-Anzeiger»-Chefredaktor, steht seit einem Jahr dem MAZ in Luzern vor. Im Interview sagt er, warum Journalisten sterblich geworden sind. Und wieso er seinen Beruf immer noch fantastisch findet.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/01/29/res-strehle-die-aktuelle-diffamierung-von-journalisten-ist-einzigartig/">Res Strehle: «Die aktuelle Diffamierung von Journalisten ist einzigartig»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die perfekte Journalistenausbildung</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/07/07/die-perfekte-journalistenausbildung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 Jul 2016 11:47:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[MAZ]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=11678</guid>

					<description><![CDATA[<p>Die Digitalisierung öffnet Gräben: zwischen Ausbildnern und Studis, zwischen der Branche und den Journalistenschulen, zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Eine journalistische Ausbildung mit Zukunft muss diese Gräben schließen. Nur wie? Unsere Autorin Alexandra Stark hat da eine Idee.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/07/07/die-perfekte-journalistenausbildung/">Die perfekte Journalistenausbildung</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Digitalisierung öffnet Gräben: zwischen Ausbildnern und Studis, zwischen der Branche und den Journalistenschulen, zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Eine journalistische Ausbildung mit Zukunft muss diese Gräben schließen. Nur wie? Unsere Autorin Alexandra Stark hat da eine Idee.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/07/07/die-perfekte-journalistenausbildung/">Die perfekte Journalistenausbildung</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wenn Journalisten am eigenen Ast sägen</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/05/09/wenn-journalisten-am-eigenen-ast-saegen/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2016/05/09/wenn-journalisten-am-eigenen-ast-saegen/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 May 2016 08:16:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[EDA]]></category>
		<category><![CDATA[IAM]]></category>
		<category><![CDATA[EJPD]]></category>
		<category><![CDATA[ZHAW]]></category>
		<category><![CDATA[EPA]]></category>
		<category><![CDATA[MAZ]]></category>
		<category><![CDATA[Eva Novak]]></category>
		<category><![CDATA[Bundesverwaltung]]></category>
		<category><![CDATA[Georg Farago]]></category>
		<category><![CDATA[Thomas Bornhauser]]></category>
		<category><![CDATA[Jürg Rüttimann]]></category>
		<category><![CDATA[Neue Luzerner Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[VBJ]]></category>
		<category><![CDATA[SDA]]></category>
		<category><![CDATA[AZB]]></category>
		<category><![CDATA[SRF]]></category>
		<category><![CDATA[Bernard Wuthrich]]></category>
		<category><![CDATA[Tages-Anzeiger]]></category>
		<category><![CDATA[BFS]]></category>
		<category><![CDATA[Le Temps]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=27254</guid>

					<description><![CDATA[<p>Medien beklagen sich regelmässig und völlig zurecht über die Kommunikationsverhinderung durch Verwaltung und Behörden. Nur: Das Know-How der Staatsangestellten stammt mehrheitlich von praktizierenden und ehemaligen Journalistinnen und Journalisten, welche die Gegenseite schulen. Wie die Recherche zeigt, ist das ein florierendes Geschäft. Ist es berufsethisch vertretbar, wenn Journalisten neben ihrer Hauptbeschäftigung Staatsangestellte trainieren, damit sie gegenüber <a href="https://medienwoche.ch/2016/05/09/wenn-journalisten-am-eigenen-ast-saegen/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/05/09/wenn-journalisten-am-eigenen-ast-saegen/">Wenn Journalisten am eigenen Ast sägen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Medien beklagen sich regelmässig und völlig zurecht über die Kommunikationsverhinderung durch Verwaltung und Behörden. Nur: Das Know-How der Staatsangestellten stammt mehrheitlich von praktizierenden und ehemaligen Journalistinnen und Journalisten, welche die Gegenseite schulen. Wie die Recherche zeigt, ist das ein florierendes Geschäft.<br />
<span id="more-27254"></span><br />
Ist es berufsethisch vertretbar, wenn Journalisten neben ihrer Hauptbeschäftigung Staatsangestellte trainieren, damit sie gegenüber den kritischen Fragen der Medien besser dastehen? Kein Problem, findet zum Beispiel Eva Novak, die Leiterin der Bundeshausredaktionen der Neuen Luzerner Zeitung und der Zentralschweiz am Sonntag. 2013 und 2014 liess sie sich vom Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) für zwei Medienseminare sowie einen Grundkurs Medienarbeit bezahlen (<a href="https://medienwoche.ch/2015/11/27/hoechste-bundeshausjournalistin-staerkt-behoerdenkommunikation/">die MEDIENWOCHE berichtete</a>). Das Ziel der Kurse war es, mit Kamera- und Interview-Trainings die Kommunikations- und Auftrittskompetenz der Verwaltungsangestellten zu verbessern sowie deren Verständnis für die Arbeitsweise und Bedürfnisse von Medienschaffenden zu fördern.</p>
<p>Kein Problem, findet auch ihr langjähriger Chef, der per Ende April zurückgetretene NLZ-Chefredaktor Thomas Bornhauser. Er wies auf die 80-Prozent-Teilzeitarbeit seiner Kadermitarbeiterin hin: «Frau Novak arbeitet bei uns als redaktionelle Teilzeitangestellte. Sie ist damit arbeitsrechtlich grundsätzlich frei in der Gestaltung ihrer weiteren beruflichen Tätigkeiten, soweit diese die Interessen ihres Arbeitgebers LZ Medien nicht tangieren.» Kein Problem, findet auch EDA-Sprecher Georg Farago: «Wir wollen betonen, dass Journalistinnen und Journalisten, die solche Mandate übernehmen, keinesfalls ihre Unabhängigkeit und Kritikfähigkeit gegenüber dem EDA oder der Bundesverwaltung verlieren. Weder verlangt das EDA von Ihnen Wohlwollen in der Berichterstattung noch erwartet es diese indirekt.»</p>
<p>Aber ist es wirklich kein Problem? Novak unterstützt die Verwaltung, die sie mit den Fragen der Öffentlichkeit konfrontieren sollte, darin, sich geschickter diesen Fragen zu widersetzen. Kann journalistisch glaubwürdig bleiben, wer der Gegenseite beibringt, wie man die Anfragen der eigenen Zunft am Besten ins Leere laufen lässt? Können die Leser von der NLZ und der ZaS kritischen Journalismus über die Behörden erwarten, wenn die Bundeshauschefin einen Teil ihres Einkommens von ihnen finanzieren lässt? Sehen die Journalisten in der Vereinigung der Bundeshaus-Journalisten (VBJ), der Novak als Präsidentin vorsteht, in ihr weiterhin eine Vertreterin der eigenen Interessen gegenüber der Bundesverwaltung? Und wenn diese Tätigkeiten so problemlos und unverfänglich sind, wie sie dargestellt werden, warum gibt es nur sehr wenige Journalisten, die mit dem Thema offen umgehen? Einer der wenigen ist Jacques Briod, der auf seiner Website <a href="http://jbcomm.ch/" target="_blank">jbcomm.ch</a> Journalismus, Kommunikation, Beratung und Medientraining anbietet – als gäbe es keinen grundlegenden Unterschied zwischen journalistischen und werblichen Tätigkeiten. 2012 schulte er zusammen mit der ehemaligen Radio- und Fernsehjournalistin Elisabeth Weyermann das Bundesamt für Polizei fedpol – das EJPD verbuchte den Betrag von 22&#8217;872 Franken.</p>
<p>Neben Novak war auch der Verantwortliche der Bundeshausredaktion der Tageszeitung «Le Temps», Bernard Wuthrich, für die Behörden tätig. 2013 erklärte er für 1000 Franken Honorar Mitarbeitern des BFS, was ein Journalist von einer Medienmitteilung erwartet. Ausserdem führte er für das EDA an fünf halben Tagen einen jeweils mit 700 Franken vergüteten Grundkurs Medienarbeit durch. Er wäre, so schreibt er auf Anfrage, für seinen Aufwand gerne nur mit einer Schachtel Pralinen oder einer Flasche Wein kompensiert worden, aber das sei leider nicht Usus bei der Bundesverwaltung: «Mein Ziel war, die Kursteilnehmer zu ermutigen, Fragen von Journalisten zu beantworten und nicht zu verweigern. Diese Engagements wurden im Einvernehmen mit meiner Chefredaktion durchgeführt und haben immer ein einziges Ziel verfolgt: die Interessen der Journalisten zu verteidigen.»</p>
<p>Jürg Rüttimann vom Tages-Anzeiger war 2013 Leiter der Wirtschaftsredaktion bei der SDA. Für 4500 Franken brutto unterrichtete er drei Kurstage über Medienarbeit und schulte Fachmitarbeiter des Bundesamts für Kultur (BAK) im Verfassen von Medienmitteilungen. Einen Interessenskonflikt mit seiner Arbeit als Journalist sieht Rüttimann deshalb keinen, weil die Behördenmitarbeiter in einem anderen Bereich tätig waren als er (Kultur statt Wirtschaft) – wäre das anders gewesen, hätte er das Angebot abgelehnt. Vermittelt wurde er über einen Bekannten eines Bekannten, weil noch deutschsprachige Kursleiter gesucht wurden. Im Budget des BAK tauchen die Kurstage mit 9000 Franken auf, verrechnet an die Weiterbildungsstelle der Universität Fribourg.</p>
<p>Das SRF hat die Problematik von Medientrainings durch Journalisten erkannt und gehandelt. Seit einem Geschäftsleitungsentscheid im Sommer 2012 dürfen SRF-Mitarbeiter keine Medientrainings mehr anbieten. Im entsprechenden Reglement heisst es: «Eine Tätigkeit als Medientrainer/in (Training von Interviews, Medienauftritten, Tipps für Medienarbeit) ist für Mitarbeitende von SRF aus Glaubwürdigkeitsgründen problematisch und mit ihrer beruflichen Funktion grundsätzlich nicht zu vereinbaren.» Der inzwischen pensionierte SRF-Journalist Thomas Kropf führte im Auftrag des MAZ ab 2012 jedes Jahr Kurse für Personen aus dem EJPD durch – das Departement listet einen Betrag von 14&#8217;000 Franken auf. Keine Medientrainings, vielmehr schulte Kropf EJPD-Juristen in einer regelmässig stattfindenden Schreibwerkstatt, die zu besser verständlichen Manuskripten für Reden von Bundesrätin Sommaruga führen sollte. Problematisch findet er das aus mehreren Gründen nicht: die Kursteilnehmer waren nicht im Kontakt mit Journalisten, er selbst hatte als Radio-Nachrichtenredaktor keinen Kontakt zu den Kursteilnehmern und vermittelt wurde nicht, wie man sich gegenüber Journalisten verhält, sondern nur die Erstellung eines verständlichen Redetextes. SRF-Mediensprecherin Andrea Wenger bestätigt seine Tätigkeiten für die Behörden: «Thomas Kropf war bis 2015 Teilzeit bei SRF in der Ausbildung und in der Chefredaktion Radio tätig und durfte damit Nebenbeschäftigungen nachgehen.»</p>
<p>Viele der Staatsbediensteten-Trainer sind ehemalige Journalisten: Noch letztes Jahr bildeten Christian Müller und Andreas Stutz die Chefredaktion der Zürcher Oberland Medien (ZOB) und verantworteten die Tageszeitungen «Zürcher Oberländer» und «Anzeiger von Uster». Jetzt sitzen sie in einer Villa in Uster und bieten speziell auf Behörden und Organisationen zugeschnittene Medientrainings an. Zum Pauschalpreis von 4400 Franken können staatliche Stellen bei der <a href="http://dimedio.ch/#seminare" target="_blank">Dimedio GmbH</a> für maximal 12 Personen ein Tagesseminar inklusive Vorbesprechung, Kursunterlagen und Zertifikat buchen. Daniel Deicher (Ex-Sonntagsblick) und Simon Kopp (Ex-SRF) im luzernischen Buchrain werben damit, besonders praxisnah zu sein: «<a href="http://www.deicherkopp.ch/de" target="_blank">Deicher | Kopp Kommunikation</a> arbeitet mit Fallbeispielen aus dem Umfeld Ihrer Organisation oder mit realen Medienmitteilungen und Kampagnen.» Die <a href="http://www.metacom.ch/" target="_blank">metacom GmbH</a> in Aarau wird geführt vom ehemaligen Kriegsreporter Beat Krättli und von der Ex-Videojournalistin Anna Muser und beschäftigt auch SRF-Journalisten, wie die SRF-Mediensprecherin auf Anfrage bestätigt: «Henriette Engbersen arbeitet 60 Prozent als Journalistin für die Tagesschau und darf damit Nebenbeschäftigungen nachgehen. Dasselbe gilt für Thomas Pressmann, der 80 Prozent für das Regionaljournal Bern, Freiburg, Wallis tätig ist. Beide gehen einer Nebenbeschäftigung in Nachdiplom- und Diplomstudiengängen in Krisenkommunikation nach. Die SRF-Journalisten unterstützen dort die Übungsleitung während Krisensimulationen. Hierbei geht es primär darum, den Studierenden aufzuzeigen, wie die Medien arbeiten und welche Bedürfnisse sie haben.» Für Dimedio, Deicher/Kopp und Metacom verbuchte das Staatssekretariat für Migration SEM im Zeitraum von 2013 bis 2015 62&#8217;800 Franken. Der Gesamtbetrag aller Medientrainings für den Staat ist natürlich viel höher, kann aber nicht offiziell beziffert werden.</p>
<p>Aufgrund der Integration der Medientrainingskurse der Zollverwaltung in das Kursangebot des Ausbildungszentrums der Bundesverwaltung (AZB) musste das Eidgenössische Personalamt (EPA) Ende März erstmals eine Ausschreibung auf Simap.ch publizieren (Projekt-ID 138216), denn der im Bundesgesetz über das öffentliche Beschaffungswesen Art. 6b festgesetzte Schwellenwert von 230&#8217;000 Franken für Dienstleistungen wurde überschritten. Wie im Aufgabenbeschrieb der Ausschreibung ersichtlich ist, geht es bei den (allen Mitarbeitern der Bundesverwaltung offenstehenden) Medientrainings um das Erlernen des Umgangs mit Journalisten: «Die Kurse zum Umgang mit Medien bereiten Mitarbeitende und Kader auf die Kommunikation mit den Medien in unterschiedlichen Situationen vor.» Wichtig scheint die Pflege des Images der Bundesangestellten zu sein: «Der professionelle Auftritt der Mitarbeitenden der Bundesverwaltung vor den Medien beinhaltet immer auch die Komponente der Imagepflege der Bundesverwaltung.» Noch bis zum 13. Mai 2016 können sich Medientrainer bewerben, die dem Anforderungsprofil entsprechen – darunter werden natürlich auch Journalisten sein. Das EPA rechnet von 2017 bis 2024 mit 144 Kurstagen auf Deutsch und 48 Kurstagen auf Französisch. Rechnet man mit dem Behördentraining-Tagessatz der Dimedio von 4400 Franken, so wären es rund 120&#8217;000 Franken pro Jahr, die das EPA einsetzen will, um Journalisten zu verstehen und um den eigenen Glanz zu pflegen.</p>
<p>Anders als beispielsweise in Deutschland, wo sich renommierte Journalistenschulen klar von der PR abgrenzen, wird Journalismus und PR in der Schweiz bereits in der Ausbildung vermischt. Im Institut für angewandte Medienwissenschaften IAM in Winterthur studieren künftige Journalisten und PR-Leute im modular aufgebauten Studium «Bachelor Kommunikation» Seite an Seite. Bereits hier werden Beziehungen aufgebaut, die danach für den kritischen Journalismus zum Problem werden können. Denn welcher Journalist möchte schon einem netten ehemaligen Schulkamerad mit einer Story ein grosses Problem einhandeln? Im PR-Sprech auf der Website des IAM klingt das freilich anders: «In der Ausbildung trainieren Sie von Anfang an, die Perspektiven nicht zu vermischen, sondern einander entgegen zu setzen und im Verlauf des Studiums zu profilieren.» Die Journalistenschule MAZ führt regelmässig Medientrainings durch und unterrichtet dabei auch Behörden. Die Kursleiter werden aus einem Pool von Medientrainern ausgewählt, die nach Angaben des MAZ allesamt keine aktive Journalistenfunktion inne haben. Umsätze gibt das MAZ keine bekannt, aber die «Kunden Kommunikation | Rhetorik» sind im Jahresbericht nachzulesen. 2015 waren zum Beispiel dabei: die Eidgenössischen Departemente EDA, WBF, VBS, EFD, die Bundesämter BLV, BBL, BFE, BAG, BSV, BFS, BAV, BABS, ARE, Baspo, Bafu, Astra, Swisstopo, Armasuisse, die Finma, Präsenz Schweiz, die Zollverwaltung. Weiter aufgeführt sind sechs Universitäten, fünf Stadtverwaltungen, fünf IV-Stellen, vier Gemeindeverwaltungen, vier Kantonspolizeien, zwei Stadtpolizeien, zwei Fachstellen. Und selbst die Medien brauchen Medientrainings: Die SRG ist genau so unter den Kunden wie die NZZ, die AZ Medien AG oder die BauernZeitung. Insgesamt nahm das MAZ 4,8 Millionen Franken netto durch Kursgelder ein; die Abteilung Kommunikation erwirtschaftete dabei erstmals mehr Umsatz als die Abteilung Journalismus.</p>
<p><small>Der Text erschien zuerst in gekürzter Form in der Zeitschrift «Schweizer Journalist».</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/05/09/wenn-journalisten-am-eigenen-ast-saegen/">Wenn Journalisten am eigenen Ast sägen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://medienwoche.ch/2016/05/09/wenn-journalisten-am-eigenen-ast-saegen/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>4</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wir zeigen alles</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/02/29/wir-zeigen-alles/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2016/02/29/wir-zeigen-alles/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Antonio Fumagalli]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 29 Feb 2016 14:38:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blickwinkel]]></category>
		<category><![CDATA[Standpunkt>Blickwinkel]]></category>
		<category><![CDATA[Standpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[El Nuevo Diario]]></category>
		<category><![CDATA[Nicaragua]]></category>
		<category><![CDATA[Stage]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[MAZ]]></category>
		<category><![CDATA[Persönlichkeitsschutz]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=26847</guid>

					<description><![CDATA[<p>Nicht alle Medien halten den Persönlichkeitsschutz gleich hoch. Um das zu sehen, muss man nicht nach Nicaragua gehen, wo unser Kolumnist derzeit ein Stage absolviert. Doch dort treibt die öffentliche Zurschaustellung die grässlichsten Blüten – und das nicht einmal nur auf dem Boulevard. «Periodismo con valores», also «Journalismus mit Werten», steht gleich unter dem Titel <a href="https://medienwoche.ch/2016/02/29/wir-zeigen-alles/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/02/29/wir-zeigen-alles/">Wir zeigen alles</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Nicht alle Medien halten den Persönlichkeitsschutz gleich hoch. Um das zu sehen, muss man nicht nach Nicaragua gehen, wo unser Kolumnist derzeit ein Stage absolviert. Doch dort treibt die öffentliche Zurschaustellung die grässlichsten Blüten – und das nicht einmal nur auf dem Boulevard.<br />
<span id="more-26847"></span><br />
«Periodismo con valores», also «Journalismus mit Werten», steht gleich unter dem Titel von «El Nuevo Diario» – jener nicaraguanischen Tageszeitung, bei der ich seit Anfang Januar <a href="http://stages.mazblog.ch/category/2016/nicaragua-antonio-fumagalli/" target="_blank">ein befristetes Stage absolviere</a>. Nun, über Werte lässt sich genüsslich streiten, erst recht über die Ozeane hinweg. Um dafür Munition zu erhalten, reicht manchmal ein Blick auf die Titelseite des «Nuevo Diario». Wird man auf der Front nicht fündig, dann mit grosser Wahrscheinlichkeit auf den hinteren Seiten.</p>
<p>Kaum ein Tag vergeht, an dem sich in unserer Zeitung nicht irgendein mutmasslicher Straftäter mit Bild, vollem Namen und biographischen Angaben wiederfindet. Da wird Adrián Salmerón – ein 24-jähriger Händler aus der Kleinstadt Séboca, der beschuldigt wird, in Costa Rica ein Tötungsdelikt verübt zu haben – auf dem vierspaltigen Frontbild gezeigt. Oder der Taxifahrer Rubén Alberto Marenco aus Potosí, der für seine 39 Jahre schon erstaunlich viele graue Haare hat und des Drogenhandels verdächtigt wird. Die Liste könnte ewig weitergeführt werden.</p>
<p>Immer gilt: Die Männer, ja es sind fast ausschliesslich Männer, sehen auf den Bildern denkbar unvorteilhaft aus. Vor allem aber: Es sind Taten, die sie mutmasslich ausgeführt haben. Kein Richter hat je darüber befunden und auch ein Geständnis liegt nicht immer vor.</p>
<p>Als ich den hiesigen Chefredaktor darauf ansprach, zuckte er nur mit der Schulter. Solange man keine Kinder zeige und im Text darauf hinweise, dass die Straftäter eben nur beschuldigt und nicht verurteilt seien, sei das kein Problem – weder juristisch noch moralisch. Die Behörden würden jeweils die Zeitung informieren, wann und wo man einen Angeklagten zu sehen bekomme.</p>
<p>Es ist an sich schon problematisch, dass das nicaraguanische Rechtssystem gemäss internationaler Einschätzung westlichen Standards nicht genügt. Man hört, dass bei stockenden Ermittlungen auch schon willkürlich Leute verhaftet worden sind, damit die Polizei einen «Erfolg» vorweisen kann. In solchen Fällen ist es die Praxis der Zeitungen, Verdächtige mit voller Identität zu präsentieren, natürlich besonders perfid &#8211; und wirft ein besonders schiefes Licht auf die ethische Befindlichkeit der Medien.</p>
<p>Zu einfach wäre es jedoch, diese journalistische Gepflogenheit einfach als Ausdruck von fehlenden juristischen und berufsethischen Regeln abzukanzeln, wie es in einem Entwicklungsland mit schwachen Institutionen halt vorkommt. Auch die USA mit einer langen Rechts- und Medien-Tradition kennen eine durchaus vergleichbare Form davon: Den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Perp_walk" target="_blank">sogenannten «Perp Walk»</a>, wobei «perp» für «perpetrator» (Straftäter) steht. In Handschellen, vorgeführt von grimmig schauenden Polizisten, absolviert der Beschuldigte dabei einen eigentlichen Spiessrutenlauf zwischen filmenden und fotografierenden Medienvertretern. Besonders beliebt ist die Praxis in New York City seit den 1980er-Jahren, wo sich der damalige Staatsanwalt (und spätere Bürgermeister) Rudy Giuliani damit profilieren konnte.</p>
<p>Nun sind aber auch die in den USA öffentlich vorgeführten Personen halt eben keine verurteilten Straftäter, sondern nur Angeklagte. Nicht, dass die Unschuldsvermutung im Land der unbegrenzten Möglichkeiten nicht gelten würde. Nur wird das Interesse der Öffentlichkeit stärker gewichtet als der Persönlichkeitsschutz der Angeklagten. Abgesehen davon, dass eine abschreckende Wirkung auf potentielle Täter erhofft wird, sollen die Medien den Behörden im wahrsten Sinn des Wortes auf die Finger schauen. Auch dann, wenn sich diese an den Oberarm eines Beschuldigten klemmen. Umso mehr gilt das, wenn es sich prominente Persönlichkeiten handelt. Getreu dem Grundsatz: «Vor dem Gesetz sind alle gleich.» Ex-IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn kann ein Lied davon singen, die Bilder von seinem «Perp Walk» im Jahr 2011 haben schon fast Ikonen-Status – was in seinem Heimatland Frankreich für empörte Reaktionen sorgte.</p>
<p>Zu Recht, finde ich. Nicht weil DSK besonders schützenswert wäre. Sondern weil Gerichte – was gerade in seinem Fall dann passiert ist – Angeklagte selbstverständlich vom Verdacht freisprechen können. Staatsanwälte können sich, genauso wie Gerichte, irren. Der Schaden, der dem zu Unrecht Angeklagten davor durch den «walk of shame» zugeführt wurde, ist irreparabel – mit dem Internet als ewiges Gedächtnis sowieso. Da hilft auch das Gerichtsurteil gegen Google wenig, dank dem man das Löschen eigener Einträge beantragen darf.</p>
<p>In Nicaragua wird die öffentliche Zurschaustellung in den Medien allerdings noch auf eine besonders fragwürdige Art praktiziert. Nicht nur mutmassliche Straftäter werden vorgeführt, sondern auch Opfer jeglicher Art – von Verbrechen, Unfällen oder Naturkatastrophen. Und zwar auf allen Kanälen: In unserer Zeitung wird immerhin noch darauf geachtet, dass das Gesicht von Toten nicht erkennbar ist – das Leichentuch, das den 35-jährigen Rodolfo Andrades bedeckt, der im vom Moisés Alí Rodas Calderón gelenkten Kleinbus verunglückte, durfte der Leser dennoch sehen.</p>
<p>Im Radio konnte man derweil hören, dass der 26-jährige Ronald Ariel Ponce Andrade verhaftet werden konnte. Er habe seine Frau Junieth Cacéres getötet, weil sie ihn mit einem anderen betrügt habe und er ihr zuvor schon zweimal vergeben habe. Nur der Name des Liebhabers fehlte.</p>
<p>Am aggressivsten gehen gewisse TV-Stationen vor, insbesondere zwei Regierungssender. Pünktlich zur Mittagszeit werden die Verbrechen und Unfälle der vergangenen Tagen genussfertig aufbereitet, wobei mutmassliche Täter und Opfer aus schamloser Nähe gezeigt werden. Bei Bildern von blutverschmierten Strassenverkehrsopfern bleibt einem da schon mal die frittierte Banane im Hals stecken. Schlimmer aber noch ist, was diese Sendungen bei allzeit bereiten Handy-Kameras in der Bevölkerung auslösen: Sie rufen die niedrigsten Instinkte der Leute hervor – in der Hoffnung, dass es ihre Aufnahmen danach ins Fernsehen schaffen.</p>
<p>Eine Freundin fuhr kürzlich per Zufall bei Matagalpa an einer Stelle vorbei, an der nur wenige Minuten zuvor ein Bus von der Strasse abgekommen war und den Hang hinunterstürzte. Eine erstes Feuerwehrauto war zwar bereits zur Stelle, aber im Innern des Buses waren noch zahlreiche Passagiere gefangen. Und was machten die dutzenden Zaungäste? Sie hielten hemmungslos auf alles mit der Kamera drauf, teilweise aus nächster Nähe. Wie die Polizei später erklärte, wurden in jenem Bus über fünfzig Personen verletzt. Sieben starben.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/02/29/wir-zeigen-alles/">Wir zeigen alles</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://medienwoche.ch/2016/02/29/wir-zeigen-alles/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>3</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Selbstzensur aus Angst vor der «Hexe»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/01/18/selbstzensur-aus-angst-vor-der-hexe/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2016/01/18/selbstzensur-aus-angst-vor-der-hexe/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Antonio Fumagalli]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 Jan 2016 09:33:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Standpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Blickwinkel]]></category>
		<category><![CDATA[Standpunkt>Blickwinkel]]></category>
		<category><![CDATA[Nicaragua]]></category>
		<category><![CDATA[Stage]]></category>
		<category><![CDATA[Medienfreiheit]]></category>
		<category><![CDATA[MAZ]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=26548</guid>

					<description><![CDATA[<p>Unser Kolumnist absolviert derzeit ein Stage bei «El Nuevo Diario» in Nicaragua &#8211; und hat dabei Einblick in eine Medienlandschaft, die weit davon entfernt ist, die vierte Gewalt im Staat zu sein. Ernsthaft zwar, aber nie verärgert und schon gar nicht böse – so lernte ich Orlando, einen Fotografen der nicaraguanischen Tageszeitung «El Nuevo Diario» <a href="https://medienwoche.ch/2016/01/18/selbstzensur-aus-angst-vor-der-hexe/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/01/18/selbstzensur-aus-angst-vor-der-hexe/">Selbstzensur aus Angst vor der «Hexe»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Unser Kolumnist absolviert derzeit ein Stage bei «El Nuevo Diario» in Nicaragua &#8211; und hat dabei Einblick in eine Medienlandschaft, die weit davon entfernt ist, die vierte Gewalt im Staat zu sein.<br />
<span id="more-26548"></span><br />
Ernsthaft zwar, aber nie verärgert und schon gar nicht böse – so lernte ich Orlando, einen Fotografen der nicaraguanischen Tageszeitung «El Nuevo Diario» in den ersten<br />
Tagen <a href="http://www.maz.ch/stages/stages/aktuell-unterwegs/" target="_blank">meines Aufenthalts</a> kennen. Bis an jenem Mittwoch, um 17.01 Uhr in der ehemaligen Kolonialstadt Leòn. Sein Gesicht verfinsterte sich, hastig zog er mich zur Seite. «Du hast gerade einen grossen Fehler begangen», liess er mich in typischem Nica-Spanisch, das «s» verschluckend, wissen.</p>
<p>Nun, was hatte ich getan? Orlando, der mich schon zweimal auf Reportage begleitet hat, wollte mir unbedingt das Dach von Leòns Kathedrale zeigen. Er selbst brauchte von dort oben ein paar Fotos für einen Artikel. Dummerweise erbaten wir exakt eine Minute nach dem Ende der offiziellen Besuchszeiten um Einlass. Also versuchte ich einen vermeintlichen Trumpf auszuspielen: Wir seien Journalisten und möchten uns für einen Artikel gerne einen kurzen Überblick verschaffen, erklärte ich dem Türsteher. Ich dachte, dass dies für einen Touristen-Hotspot wie die Kathedrale nur positiv sein kann. In der Schweiz hätte eine solche Flucht nach vorne durchaus erfolgreich sein können. Nicht so hier. Die Türe blieb verschlossen und Orlando hielt mir kurz darauf eine Standpauke. Wir könnten nur hoffen, dass am kommenden Morgen ein anderer Türsteher Dienst habe (was dann auch der Fall war), sagte er. Ansonsten kämen wir nur mit der persönlichen Genehmigung des Tourismus-Ministers auf die Kathedrale.</p>
<p>Ich liess mir erklären: In Nicaragua hat man als Journalist gegenüber behördlichen Stellen per se das Nachsehen. Medienschaffende sind der Regierung, die seit 2007 wieder vom einstigen Revolutionsführer Daniel Ortega angeführt wird, suspekt. Wer eine Information will, braucht einen direkten Kontakt in ein Ministerium oder muss aus den offiziellen Verlautbarungen zitieren. Eine Website mit den Ansprechpartnern, wie wir sie <a href="https://www.admin.ch/gov/de/start/service/kontakt/medienstellen.html" target="_blank">in der Schweiz kennen</a>? Hier undenkbar. Entsprechend konnten es meine nicaraguanischen Redaktionskollegen fast nicht glauben, als mir das Schweizer Justizministerium innert Tagesfrist und ziemlich ausführlich schilderte, wie der Gefängnisalltag eines Auslieferungshäftlings – zu denen auch ein nicaraguanischer Fifa-Funktionär gehört – aussieht. Für eine solche Antwort hätte man mich hier wochenlang vertröstet, um die Anfrage letztlich versanden zu lassen, sagten mir die Kollegen.</p>
<p>Das Erstaunliche an der behördlichen Verweigerungshaltung: Ich arbeite hier für eine Zeitung, die der sandinistischen Regierung überaus freundlich gestimmt ist. Dem war allerdings nicht immer so, bis ins Jahr 2009 – Ortega war damals bereits wieder an der Macht – war die Zeitung gemäss der Schilderungen meiner Redaktionskollegen der (zerstückelten) Opposition näher. Dann übernahm eine der wichtigsten Banken des Landes, über welche die Regierung Löhne und weitere Zahlungen abwickelt, das Ruder. Die Bank ihrerseits ist in erster Linie an politischer Stabilität interessiert. Einige führende Journalisten verliessen den «Nuevo Diario» im Zuge dieser Übernahme, andere passten sich an.</p>
<p>Was seither abläuft, kann am besten mit «Selbstzensur» beschrieben werden: Im Wissen, dass die Chefredaktion missliebige – ergo: regierungskritische – Artikel aus dem Blatt kippt, versuchen es die Journalisten gar nicht mal erst. Ein Beispiel: Eine Redaktionskollegin vermittelte mir kürzlich den Kontakt zu einer Gesundheitsexpertin, die in den 1980er-Jahren der Revolutions-Regierung angehörte. Gleichzeitig fügte sie an, dass es sich nicht lohne, diese für ein Statement anzufragen – weil sie in der Zeitung ohnehin nicht erwähnt werden dürfe. Wie die meisten der damaligen Mitstreiter hat die Ex-Ministerin nämlich mit Ortega gebrochen und gehört nun einer Oppositionsgruppierung an. Mit diesem Schritt ist sie für unsere Zeitung zum roten Tuch geworden.</p>
<p>Neben der Chefredaktion und den Ressortleitern überwacht offenbar ein eigens dazu abgestellter Kadermann der Bank, dass die publizistische Ausrichtung der Zeitung nicht aus dem Ruder läuft (das «offenbar», weil ich diesen Mann noch nie gesehen habe – alle kennen ihn aber). Gefällt ihm ein Artikel nicht, ruft er am nächsten Tag an. Auch wichtige Inserenten – etwa Telekomunternehmen – werden verschont. Einige Redaktoren gehen gar davon aus, dass der «Kontrolleur» noch am Abend die wichtigsten Artikel des folgenden Tages überprüft.</p>
<p>Exemplarisch zeigt sich unsere Hofberichterstattung auch im Umgang mit der wohl schillernsten Frau des Landes: Firstlady Rosario Murillo, in der Bevölkerung wahlweise auch als «la bruja» (die Hexe) oder «la chayo» (Eigenwort) bekannt. Sie ist jedoch weit mehr als einfach nur die Frau des Präsidenten. Innenpolitisch gibt sie in Nicaragua den Ton an. Und sie ist mit Abstand die Kommunikativste im Lande: Jeden (!) Mittag hält sie per Telefon eine Art Pressekonferenz ab, bei der sie sich zu allen möglichen Themen äussert – von den Arbeitslosenzahlen über den Tourismusboom bis hin zum bevorstehenden Vulkanausbruch. Denn sie ist offizielle Sprecherin der Regierung (wohlgemerkt: derjenigen ihres Mannes). Entsprechend oft erscheint sie in der Zeitung. Früher hat man sie dabei schlicht als «primera dama» betitelt, doch das hat sie irgendwann geärgert. Also hat sie interveniert. Seither heisst sie bei uns «Coordinadora del Consejo de Comunicación y Ciudadanía» (so viel wie: «Koordinatorin des Kommunikations- und Bürgerrats»).</p>
<p>Es sind dies persönliche Einblicke in eine Medienlandschaft, die weit davon entfernt ist, ihre Rolle als vierte Gewalt im Staat wahrzunehmen. Ohnehin teilt sie sich in ein regierungsfreundliches und in ein -kritisches Lager auf – wobei Ersteres längst Überhand genommen hat. Etwas dazwischen gibts kaum. Alle TV-Kanäle bis auf zwei sind staatlich kontrolliert. Und von den grossen Printprodukten gilt nur noch «La Prensa» als regierungskritisch. Diese nimmt ihre Rolle dafür mit umso mehr Furor wahr. Nennt sie Machthaber Daniel Ortega, tut sie dies in Anlehnung auf dessen juristisch überaus umstrittene Regierungstätigkeit konsequent mit folgendem Zusatz: «el presidente inconstitucional» – «der verfassungswidrige Präsident».</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/01/18/selbstzensur-aus-angst-vor-der-hexe/">Selbstzensur aus Angst vor der «Hexe»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://medienwoche.ch/2016/01/18/selbstzensur-aus-angst-vor-der-hexe/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>1</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Iwan Rickenbacher: «Nein, das MAZ ist nicht fein raus»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/12/28/iwan-rickenbacher-nein-das-maz-ist-nicht-fein-raus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 28 Dec 2015 13:49:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[MAZ]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=8327</guid>

					<description><![CDATA[<p>Sesselrücken an der grössten Journalistenschule der Schweiz, dem MAZ in Luzern: Nach elf Jahren als Präsident tritt Iwan Rickenbacher per Ende 2015 zurück. Der 72-Jährige übte das Amt elf Jahre lang aus und hat dabei einen Wandel erlebt, der heftiger kaum hätte sein können. Zeit also für ein Abschiedsgespräch.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/12/28/iwan-rickenbacher-nein-das-maz-ist-nicht-fein-raus/">Iwan Rickenbacher: «Nein, das MAZ ist nicht fein raus»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Sesselrücken an der grössten Journalistenschule der Schweiz, dem MAZ in Luzern: Nach elf Jahren als Präsident tritt Iwan Rickenbacher per Ende 2015 zurück. Der 72-Jährige übte das Amt elf Jahre lang aus und hat dabei einen Wandel erlebt, der heftiger kaum hätte sein können. Zeit also für ein Abschiedsgespräch.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/12/28/iwan-rickenbacher-nein-das-maz-ist-nicht-fein-raus/">Iwan Rickenbacher: «Nein, das MAZ ist nicht fein raus»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>#Lügenpresse: «Sagen Sie einfach die Wahrheit!»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/04/18/luegenpresse-sagen-sie-einfach-die-wahrheit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 18 Apr 2015 12:39:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[MAZ]]></category>
		<category><![CDATA[Hansi Voigt]]></category>
		<category><![CDATA[Watson]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=4624</guid>

					<description><![CDATA[<p>Journalismus in Zeiten des digitalen Wandels – watson-Chefredaktor Hansi Voigt hielt an der Diplomfeier der Schweizer Journalistenschule MAZ in Luzern die Festrede. Weil das Thema aber uns alle angeht und aktuell sehr hitzig diskutiert wird, machen wir die Rede öffentlich. Und sind gespannt auf die Leser-Kommentare.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/04/18/luegenpresse-sagen-sie-einfach-die-wahrheit/">#Lügenpresse: «Sagen Sie einfach die Wahrheit!»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Journalismus in Zeiten des digitalen Wandels – watson-Chefredaktor Hansi Voigt hielt an der Diplomfeier der Schweizer Journalistenschule MAZ in Luzern die Festrede. Weil das Thema aber uns alle angeht und aktuell sehr hitzig diskutiert wird, machen wir die Rede öffentlich. Und sind gespannt auf die Leser-Kommentare.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/04/18/luegenpresse-sagen-sie-einfach-die-wahrheit/">#Lügenpresse: «Sagen Sie einfach die Wahrheit!»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
