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	<title>Medienforschung | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
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		<title>Abstimmungsinserate, Medienforschung, Sparmassnahmen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 01 Oct 2022 07:35:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[IKMZ]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>The Good – Eine Art Presseförderung Seit zwanzig Jahren geht es bergab mit der Werbung in gedruckten Zeitungen. Inzwischen liest sich sogar ein einstiger Inserate-Krösus wie «20 Minuten» weitgehend werbefrei. Nur: Die Situation könnte noch schlimmer sein, wäre da nicht die direkte Demokratie. Die Pro- und Contra-Kampagnen zu Eidgenössischen Abstimmungen erzeugten seit dem Jahr 2000 <a href="https://medienwoche.ch/2022/10/01/politinserate-medienforschung-sparmassnahmen/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/10/MW-Good-Bad-Ugly-20221001b.jpeg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/10/MW-Good-Bad-Ugly-20221001b.jpeg" alt="" width="1456" height="487" class="aligncenter size-full wp-image-99837" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/10/MW-Good-Bad-Ugly-20221001b.jpeg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/10/MW-Good-Bad-Ugly-20221001b-300x100.jpeg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/10/MW-Good-Bad-Ugly-20221001b-1024x343.jpeg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/10/MW-Good-Bad-Ugly-20221001b-768x257.jpeg 768w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /></a></p>
<h3>The Good – Eine Art Presseförderung</h3>
<p>Seit zwanzig Jahren geht es bergab mit der Werbung in gedruckten Zeitungen. Inzwischen liest sich sogar ein einstiger Inserate-Krösus wie «20 Minuten» weitgehend werbefrei.</p>
<p>Nur: Die Situation könnte noch schlimmer sein, wäre da nicht die direkte Demokratie. Die Pro- und Contra-Kampagnen zu Eidgenössischen Abstimmungen erzeugten seit dem Jahr 2000 einen Brutto-Werbedruck von rund 400 Millionen Franken, verteilt auf alle Mediengattungen. Diesen Betrag hat die Firma <a href="https://mediafocus.ch/wp-content/uploads/2022/09/Media_Focus_eidg._Abstimmungsvorlagen_2000-2022.pdf" rel="noopener" target="_blank">Media Focus kürzlich errechnet</a>. Sie betont aber, dass der Betrag dem Gegenwert gemäss den offiziellen Medientarifen und nicht den tatsächlichen Ausgaben beziehungsweise Einnahmen entspricht.</p>
<p>Im Fall der gedruckten Presse zeigt sich ein erfreuliches Bild bei der Anzeigenentwicklung. «Die eidgenössischen Abstimmungen bleiben stabil, während der Gesamtwerbemarkt sinkt», erklärt Tina Fixle, Chefanalytikerin von Media Focus. Was auch heisst, dass Parteien und Komitees die Zeitungen weiterhin als geeignetes Umfeld für ihre Botschaften anschauen.</p>
<p>Bloss: Auch wenn Abstimmungspropaganda als eine Art Presseförderung wirkt, retten wird sie die Zeitungen auch nicht. «Wir reden hier im Verhältnis zum Gesamtmarkt nicht von grossen Summen», relativiert Werbeforscherin Fixle. Aber wenig ist immer noch mehr als nichts.<br />
</p>
<h3>The Bad – Mangelndes Engagement für die Forschung</h3>
<p>Was machen wir eigentlich und warum? Die Frage nach dem Selbstverständnis der Kommunikationswissenschaft beschäftigt das Fach schon länger. Schliesslich stellt die Digitalisierung nicht nur die Medien selbst vor neue Fragen, sondern auch jene, die sie professionell beobachten. </p>
<p>Darum entschlossen sich die beiden Forschenden Franziska Oehmer-Pedrazzi (Fachhochschule Graubünden) und Tobias Rohrbach (Universität Freiburg) vor sechs Jahren zu einer Bestandesaufnahme. Mit einer Analyse möglichst vieler studentischer Abschlussarbeiten an Schweizer Universitäten und Fachhochschulen wollten sie die Debatte zum Selbstverständnis der Kommunikationswissenschaft mit empirischen Daten anreichern.</p>
<p>Allerdings gab es da ein Problem. Ausgerechnet das renommierte <a href="https://www.ikmz.uzh.ch/de.html" rel="noopener" target="_blank">Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung IKMZ</a> der Uni Zürich lehnte die Teilnahme an der Analyse ab. Die Abschlussarbeiten, die Studierende am IKMZ (und beim Vorgänger IPMZ) verfasst hatten, konnten nicht für die Arbeit berücksichtigt werden, wie im kürzlich <a href="https://www.hope.uzh.ch/scoms/article/view/j.scoms.2022.02.002/2386" rel="noopener" target="_blank">publizierten Beitrag</a> steht. Das wirkt sich natürlich negativ auf die Qualität der Studie aus: «Der Datensatz ist dadurch insgesamt weniger repräsentativ», schreiben Oehmer-Pedrazzi und Rohrbach.</p>
<p>Auf Anfrage erklärt IKMZ-Institutsdirektor Mike Schäfer, der Rechtsdienst der Fakultät sei damals zur Einschätzung gelangt, dass das Institut die Abschlussarbeiten ohne Zustimmung der Autor:innen nicht weitergeben dürfe. Nur: Alle anderen Institute von Neuenburg über Bern bis Lugano sahen kein Problem darin, dass ihre Arbeiten auch ohne Zustimmung beforscht wurden. Warum sich das IKMZ damals nicht stärker für die Forschung eingesetzt und den Entscheid des Rechtsdiensts mit Verweis auf das Vorgehen der anderen Universitäten hinterfragt hatte, bleibt sein Geheimnis.</p>
<h3>The Ugly – Tamedia spart, Folge 378</h3>
<p>Wieder mal unerfreuliche Nachrichten aus dem Hause TX Group/Tamedia. Obwohl die gedruckten Zeitungen im Geschäftsjahr 2021 schwarze Zahlen geschrieben hatten und die Verlegerfamilie um Pietro Supino <a href="https://www.aargauerzeitung.ch/wirtschaft/medien-tiefschwarze-zahlen-bei-der-tx-group-ld.2261287" rel="noopener" target="_blank">50 Millionen Franken Dividenden</a> kassierte, bleibt der Spardruck auf Titel wie «Tages-Anzeiger» und «Berner Zeitung» konstant hoch.</p>
<p>Am vergangenen Dienstag <a href="https://www.republik.ch/2022/09/27/journal" rel="noopener" target="_blank">meldete die «Republik»</a>, dass es nun die überregionale Redaktion, also das Mantelressort der Tamedia-Titel, treffe. Von einem knappen Dutzend Entlassungen sowie der Nichtbesetzung offener Stellen ist die Rede. Federn lassen muss auch die Produktionsabteilung, die allen Zeitungen zudient. </p>
<p>Der Abbauschritt erfolgt nicht überraschend. Er trägt zu den 70 Millionen Franken bei, die Tamedia im August 2020 als Sparziel ausgegeben hatte. «Durch vorausschauendes Management konnte Tamedia in den vergangenen Monaten auf Kündigungsmassnahmen verzichten. Leider ist das aufgrund der gesamtwirtschaftlich angespannten Lage nicht mehr ausreichend», teilt Tamedia auf Anfrage mit. </p>
<p>Besonders gross ist der Ärger in Bern. Hier ging man davon aus, mit der <a href="https://medienwoche.ch/tag/berner-modell/">Zusammenlegung der Redaktionen von «Berner Zeitung» und «Bund»</a> vor einem Jahr einen ausreichenden Beitrag zum 70-Millionen-Paket geleistet zu haben und dafür eine Weile verschont zu bleiben von weiteren Sparschritten. Das versicherten die Verantwortlichen im letzten Frühjahr dem Personal. Doch nun geht es trotzdem weiter. «Am Standort Bern ist eine Frühpensionierung im Gespräch», heisst es von Seiten Tamedia. Aber nicht nur das. Auch die Neubesetzung einer Praktikumsstelle ist fraglich, ebenso wie eine Reihe schon länger vakanter Stellen. Als mögliches Sparobjekt gehandelt würden zudem die Löhne der festen freien Mitarbeitenden, heisst es aus der Redaktion BZ/«Bund». Tamedia sagt dazu nichts.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2022/10/01/politinserate-medienforschung-sparmassnahmen/">Abstimmungsinserate, Medienforschung, Sparmassnahmen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Die hohen Hürden zu einem Abonnement</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2022/06/08/die-hohen-huerden-zu-einem-abonnement/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 Jun 2022 07:41:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Studie]]></category>
		<category><![CDATA[Niederlande]]></category>
		<category><![CDATA[Medienforschung]]></category>
		<category><![CDATA[Abonnemente]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine Studie aus den Niederlanden fragte, warum Leute für News kein Geld zahlen wollen. Der wichtigste Grund ist der Preis – aber nicht nur weil er zu hoch ist. Es ist die Hundert-Punkte-Frage, die sich private Medienunternehmen immer wieder stellen – ja stellen müssen, wenn sie überleben wollen: Wie kriegen wir Leute dazu, für News <a href="https://medienwoche.ch/2022/06/08/die-hohen-huerden-zu-einem-abonnement/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Eine Studie aus den Niederlanden fragte, warum Leute für News kein Geld zahlen wollen. Der wichtigste Grund ist der Preis – aber nicht nur weil er zu hoch ist.</strong><br />
<a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/MW-Zeitungs-Abos-Studie-20220608b.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-97743" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/MW-Zeitungs-Abos-Studie-20220608b.jpg" alt="" width="1456" height="976" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/MW-Zeitungs-Abos-Studie-20220608b.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/MW-Zeitungs-Abos-Studie-20220608b-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/MW-Zeitungs-Abos-Studie-20220608b-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/MW-Zeitungs-Abos-Studie-20220608b-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/06/MW-Zeitungs-Abos-Studie-20220608b-470x315.jpg 470w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /></a><br />
Es ist die Hundert-Punkte-Frage, die sich private Medienunternehmen immer wieder stellen – ja stellen müssen, wenn sie überleben wollen: Wie kriegen wir Leute dazu, für News zu zahlen? Eine einfache Antwort gibt es nicht, dafür <a href="https://reutersinstitute.politics.ox.ac.uk/digital-news-report/2021" target="_blank" rel="noopener">ernüchternde Zahlen</a>: Weniger als jede fünfte Person zahlt in westlichen Ländern – von den USA bis Polen – für Online-News. Die Schweiz und die Niederlanden liegen in der Mitte. In beiden Ländern gaben 17 Prozent der 2000 befragten Personen an, im Jahr 2020 für Online-News Geld ausgegeben zu haben. Dieser Wert hat in den vergangenen Jahren zwar stetig zugenommen. Aber gleichzeitig verlieren Verlage weiter Printabos. Unter dem Strich geht für viele die Rechnung (noch) nicht auf. Die häufig bemühten Erfolgsbeispiele, die es überall gibt, können nicht über das grundsätzlich harte Pflaster auf dem Abomarkt hinwegtäuschen.<br />
</p>
<p>Aber warum tut sich selbst ein interessiertes Publikum so schwer, für Journalismus zu zahlen? Aufschlussreiche Antworten liefert <a href="https://twitter.com/tgrootkormelink" target="_blank" rel="noopener">Tim Groot Kormelink</a>. Für seine qualitative Studie <a href="https://journals.sagepub.com/doi/pdf/10.1177/14648849221099325" target="_blank" rel="noopener">«Why people don’t pay for news»</a> versorgte der Assistenzprofessor für Journalismus an der Vrije Universiteit Amsterdam 68 Leute mit einem Probeabo, Print und Online. Sie konnten aus den Abo-Angeboten von vier niederländischen Tageszeitungen auswählen. Nach drei Wochen befragte sie der Forscher eingehend zu ihren Erfahrungen.</p>
<blockquote><p>Bei jüngeren Personen stellt das limitierte Budget als Hürde da: Zusätzliche Ausgaben bedeuten Verzicht andernorts.</p></blockquote>
<p>Einen ebenso ernüchternden wie auch überraschenden Befund liefert der Autor gleich vorweg: Von den 68 Personen zwischen 20 und 75 Jahren, davon 36 Frauen, 32 Männer, alle mit einem «relativ hohen Bildungsniveau», gab nach Ablauf der Probefrist niemand an, ein kostenpflichtiges Abo des getesteten Titels kaufen zu wollen.</p>
<p>Die weitaus meisten kritischen Aussagen betreffen den Preis. Bei jüngeren Personen stellt das limitierte Budget als Hürde da: Zusätzliche Ausgaben für News bedeuten Verzicht auf einen anderen Budgetposten.</p>
<p>Die älteren Proband:innen stören sich dagegen an der Preispolitik der Verlage, etwa am grossen Preissprung vom Probeabo zur regulären Subskription; oder daran, dass man als treue Kundin, die über Jahre den vollen Abopreis zahlt, nie einen Rabatt oder sonst ein Treueangebot erhält – ganz im Gegensatz zu den umworbenen Neukunden, die mit Dumpingpreisen geködert werden.</p>
<blockquote><p>Gegen einen Abschluss spricht auch die «Abo-Sättigung», man zahlt ja schon für so viele Dienste im Netz.</p></blockquote>
<p>Ein naheliegender und immer wieder gehörter Grund, kein Geld für Online-News ausgeben zu wollen, ist der als zu hoch wahrgenommene Abopreis. «In Anbetracht der Tatsache, dass der Preis die grösste Hürde für ein Abonnement darstellt, argumentierten die Teilnehmenden, dass ein attraktiverer Preis sie davon überzeugen könnte, Nachrichten zu abonnieren», schreibt Groot Kormelink. Gerade jüngere Mediennutzende hätten eine sehr konkrete Vorstellung zur Preisgestaltung. Für sie lägen 3 bis 5 Euro pro Monat drin. Als Referenz dient der Preis eines geteilten Netflix- oder Spotify-Kontos.</p>
<p>Ebenfalls gegen einen Abschluss spricht auch die «Abo-Sättigung», man zahlt ja schon für so viele Streamingdienste, digitale Plattformen und andere Medienangebote. Damit direkt zu tun hat auch die Furcht, die News der abonnierten Zeitung zu wenig zu nutzen und somit Geld für nichts ausgeben zu haben. Denn daneben lockt ja auch immer noch eine Fülle an kostenlos verfügbaren News im Netz; nach dem Preis der zweitwichtigste Grund, kein Online-Abo zu kaufen. In den Niederlanden, wo die Studie durchgeführt wurde, gibt es mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk NOS und dem kommerziellen News-Portal «NU.nl» zwei grosse Gratisanbieter. Aber auch Podcasts zählen zum gern genutzten kostenlosen Angebot.</p>
<blockquote><p>Für ein Abo zu zahlen, empfinden manche als eine Verpflichtung, die sie nicht einzugehen bereit sind.</p></blockquote>
<p>Vor allem Jüngere zeigen zudem Bindungsängste bei der Medienauswahl. Für ein Abo zu zahlen, empfinden sie offenbar als eine Verpflichtung, die sie nicht einzugehen bereit sind. Der Entscheid <em>für</em> das Abo eines bestimmten Titels, heisst auch immer, sich <em>gegen</em> ganz viele andere, ebenfalls valable, Angebote zu entscheiden. Und hinter dieser Hürde steht eine nächste: Wer sich irgendwann doch für ein Abo entscheidet, sollte dann auch lesen, wofür er oder sie bezahlt hat. Wer diese (Selbst-)Verpflichtung als zu belastend empfindet, entscheidet sich gegen ein Abo und snackt mal hier, mal dort im grossen Gratisangebot.</p>

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            [rml_read_more]
<p>Den Entscheid gegen den Aboerwerb nicht beeinflusst hat hingegen die journalistische Qualität. Sie gab aber auch keinen Kaufimpuls. Immerhin stellten Studien-Teilnehmende fest, dass die Qualität, zu der sie nun probeweise Zugang erhielten, besser ist als die der Gratismedien. Manche hatten noch nie hinter eine Paywall geschaut und wussten gar nicht, was es dort gibt. Das werfe ein Dilemma für die Zeitungen auf, schreibt Groot Kormelink: «Wenn sie mehr ihrer hintergründigen Inhalte frei zugänglich machen, könnte dies zwar dazu beitragen, ihre Qualität hervorzuheben, aber diese Strategie könnte auch dazu führen, dass es noch weniger dringend ist, ein kostenpflichtiges Abonnement zu erwerben.»</p>
<p>Schliesslich spielt auch die Servicequalität eine Rolle, die sowohl gegen als auch für den Aboabschluss sprechen kann. Wenn die Zustellung der gedruckten Zeitung nicht klappt, wenn das Login auf der Website nicht funktioniert, dann sieht man den Preis schnell als nicht gerechtfertigt an. Positive Anreize zum Aboabschluss könnte ein Verlag hingegen mit modularen und vielfältigen Zugangs- und Zustellmöglichkeiten schaffen. Konkret nennt eine Partizipantin der Studie ein Abo für eine bestimmte Anzahl Zeitungsausgaben, die man nur dann bestellt, wenn man Zeit für die Lektüre auf Papier findet.</p>
<blockquote><p>«Digitale Abonnements generieren nicht genug Einnahmen, um Printmedien aufzugeben, aber sie kannibalisieren gleichzeitig die Printabonnements.»</p></blockquote>
<p>Nur: Solche personalisierten Abomodelle erhöhen die Komplexität des Zustellprozesses und damit auch die Kosten. Schon heute steigen die Distributionskosten pro Exemplar: Es gibt zwar immer weniger Print-Abos, aber der Verteilaufwand nimmt nicht im gleichen Masse ab. Obwohl Print gerade mit modularen Varianten den einen oder die andere als Abonnent:in halten konnte, rechnet sich der Aufwand unter dem Strich nicht. «Nachrichtenorganisationen befinden sich in einem Fegefeuer zwischen Digital- und Printmedien», zitiert die Studie aus einer Paywall-Studie von 2015. «Digitale Abonnements generieren nicht genug Einnahmen, um Printmedien aufzugeben, aber sie kannibalisieren gleichzeitig die Printabonnements.»</p>
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<h3>Abo-Markt: Innovation dank neuer Software</h3>
<p>Die grossen Schweizer Zeitungsverlage Tamedia, CH Media und NZZ versuchen mit Sonderangeboten ein junges Publikum zu gewinnen, das bereit ist, für Journalismus zu zahlen. Das gelingt ihnen unterschiedlich gut. Bei NZZ und CH Media zahlen Leute in Ausbildung ab fünf Franken pro Monat für den Zugriff auf das Online-Angebot, Tamedia führte vor einem halben Jahr einen Jugendtarif ein, der mit neun Franken allerdings fast doppelt so teuer ist wie die Angebote der Konkurrenz.</p>
<p>Die Erfahrungen der drei Verlage sehen etwas durchzogen aus. Bei CH Media mache das <a href="https://abo.aargauerzeitung.ch/az-student/" target="_blank" rel="noopener">Studentenabo</a> «lediglich 1,2 Prozent unseres Gesamtbestands aus», teilt CH-Media-Sprecher Stefan Heini auf Anfrage mit und ergänzt: «Trotz des sehr attraktiven Angebots ist das Wachstum im Augenblick relativ bescheiden.» Man habe aber das Angebot bislang auch kaum beworben. Voll zufrieden zeigt sich derweil die NZZ mit ihrem <a href="https://abo.nzz.ch/kampagne/?lp=21019698&amp;trco=20007931-04-04-0014-0029-000000-00000000" target="_blank" rel="noopener">Abo «NZZ für Studierende»</a>. Konkrete Zahlen nennt das Unternehmen nicht. Nur so viel: Das Abonnement erfreue sich grosser Beliebtheit. Den Erfolg misst der Verlag an der Wandlungsquote vom Studi- zum regulären Abo. Dieser Wert zeige, dass die NZZ richtig liege. Tamedia führte erst Anfang des laufenden Jahres ihr <a href="https://abo-digital.tagesanzeiger.ch/checkout/specials?_ptid=%7Bkpdx%7DAAABGkwKRtL_qgoKbTVQYXpVV2RwdRJJMjAyMi0wNi0wOC0wOS0zMS00My0yNjktbFFtWGI1WDNaTlF4YThnZS02ODYwZDkyOTA1NzE0ZTk1NDdiY2NiNGY4MTU0ZGI1MBoMRVhYNEhBNkw4NVRZIiUxODA1M2swMGRvLTAwMDAzMGEyNzdxcnBtMzNvaXZsOGk5bzQwKhdzaG93T2ZmZXI5RUlLSFAxSVM2UFExNzABOgxPVEFYVU1YWVpTRUJSS3YtqwAC_wQ3Ny1rTjM1c1loTzVqU1d6ZFRZqwAO8AlaCzg1LjIuMTQyLjc3YgNkbWNo38OGlQY" target="_blank" rel="noopener">«Youth»-Abo</a> ein und kann daher noch nicht viel sagen.</p>
<p>Neben Abos, die sich explizit an Junge richten, lancieren Verlage weitere preisgünstige und flexible Angebote, die ebenfalls dem Nutzungsbedürfnis eines jüngeren Publikums entgegenkommen. So bietet Tamedia ein Familien-Abo mit vier Konten an, das auch eine Wohngemeinschaft nutzen kann. Ein Flatrate-Abo ermöglicht einer Person den Zugang zu sämtlichen Titeln des Verlags.</p>
<p>Um überhaupt neue Aboformen einführen zu können, braucht es eine entsprechende technische Infrastruktur. «Dank des Wechsels auf die Software von Piano […] konnte Tamedia ihr Digitalabo-Portfolio um neue Angebote für spezifische Kundengruppen erweitern», steht im aktuellen Geschäftsbericht der Tamedia-Mutter TX Group. <a href="https://piano.io/about/" target="_blank" rel="noopener">«Piano»</a> ist einer der führenden Anbieter für Bezahllösungen im Mediengeschäft.</p>
<p>Noch nicht so weit ist CH Media. Dort steht der Wechsel auf die «Piano»-Software erst noch an, wie Unternehmenssprecher Heini bestätigt. Doch schon heute erfülle bei ihnen das Standard-Abo, was andernorts nur ein Spezialabo leiste: Das Login zu einer CH-Media-Zeitung bietet Zugriff auf alle anderen Titel aus dem Verbund.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Neue Wege für mehr Medienvertrauen</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2022/06/07/neue-wege-fuer-mehr-medienvertrauen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Jun 2022 12:33:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Transparenz]]></category>
		<category><![CDATA[Medienforschung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Medien möchten vertrauenswürdig sein, gleichzeitig sieht sich die Branche mit einer zweifelnden Audience konfrontiert. Doch wie gelingt es Medienmacher:innen tatsächlich Vertrauen aufzubauen? Eine Transparenz-Offensive ist eindeutig zu kurz gegriffen. Es geht vielmehr darum, alt eingesessene Strukturen im Redaktionsalltag zu hinterfragen. Wo Potenziale liegen, offenbart der neue Report «Building Trust!».</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Medien möchten vertrauenswürdig sein, gleichzeitig sieht sich die Branche mit einer zweifelnden Audience konfrontiert. Doch wie gelingt es Medienmacher:innen tatsächlich Vertrauen aufzubauen? Eine Transparenz-Offensive ist eindeutig zu kurz gegriffen. Es geht vielmehr darum, alt eingesessene Strukturen im Redaktionsalltag zu hinterfragen. Wo Potenziale liegen, offenbart der neue Report «Building Trust!».</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2022/06/07/neue-wege-fuer-mehr-medienvertrauen/">Neue Wege für mehr Medienvertrauen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wie Meta/Facebook unabhängige Forschung blockiert</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2021/12/02/wie-meta-facebook-unabhaengige-forschung-blockiert/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Thomas Paszti]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Dec 2021 11:00:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Technologie]]></category>
		<category><![CDATA[Facebook]]></category>
		<category><![CDATA[Algorithmen]]></category>
		<category><![CDATA[Medienforschung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=93173</guid>

					<description><![CDATA[<p>Mit Ad Observatory und AlgorithmWatch hat Facebook zwei unabhängigen Forschungsprojekten die (Daten-)Grundlage entzogen. Doch die Geblockten geben nicht auf.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Mit Ad Observatory und AlgorithmWatch hat Facebook zwei unabhängigen Forschungsprojekten die (Daten-)Grundlage entzogen. Doch die Geblockten geben nicht auf.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/12/02/wie-meta-facebook-unabhaengige-forschung-blockiert/">Wie Meta/Facebook unabhängige Forschung blockiert</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Öffentlicher Rundfunk: gute Qualität mit unklarer Wirkung</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2018/03/10/oeffentlicher-rundfunk-gute-qualitaet-mit-unklarer-wirkung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 10 Mar 2018 11:44:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Medienforschung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Bedeutung des öffentlichen Rundfunks wird in der politischen Debatte oft überhöht. Mehr Bodenhaftung verschafft ein Vergleich der Forschung.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Bedeutung des öffentlichen Rundfunks wird in der politischen Debatte oft überhöht. Mehr Bodenhaftung verschafft ein Vergleich der Forschung.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/03/10/oeffentlicher-rundfunk-gute-qualitaet-mit-unklarer-wirkung/">Öffentlicher Rundfunk: gute Qualität mit unklarer Wirkung</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>TV verliert Zuschauer – große Sender büssen Marktanteile ein</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2017/12/29/tv-verliert-zuschauer-grosse-sender-buessen-marktanteile-ein/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Dec 2017 08:49:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Medienforschung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das klassische Fernsehen verliert Zuschauer. Besonders Jüngere wenden sich ab, wie die aktuellen Nutzungsdaten belegen. Quotensieger im TV-Jahr 2017 ist wieder das ZDF.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Das klassische Fernsehen verliert Zuschauer. Besonders Jüngere wenden sich ab, wie die aktuellen Nutzungsdaten belegen. Quotensieger im TV-Jahr 2017 ist wieder das ZDF.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/12/29/tv-verliert-zuschauer-grosse-sender-buessen-marktanteile-ein/">TV verliert Zuschauer – große Sender büssen Marktanteile ein</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wer hats erfunden? Neidischer Blick auf Schweizer Qualitätsforschung</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2017/11/23/wer-hats-erfunden-neidischer-blick-auf-schweizer-qualitaetsforschung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 23 Nov 2017 15:56:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Auf dem Radar]]></category>
		<category><![CDATA[Medienforschung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>«In Deutschland gibt es bisher keine unabhängige und auf Dauer gestellte Qualitätsprüfung öffentlich-rechtlicher Medienangebote», stellt mit einem gewissen Bedauern die Medienwissenschaftlerin Margreth Lünenborg fest und verweist auf das schweizerische Jahrbuch «Qualität der Medien». In ihrem Beitrag für «Zeit Online» wünscht sich Lüneborg ein vergleichbares Instrument für den deutschen Markt und insbesondere für die öffentlich-rechtlichen Sender, <a href="http://www.zeit.de/kultur/film/2017-11/oeffentlich-rechtlicher-rundfunk-debatte-qualitaetskontrolle-journalismus/komplettansicht">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>«In Deutschland gibt es bisher keine unabhängige und auf Dauer gestellte Qualitätsprüfung öffentlich-rechtlicher Medienangebote», stellt mit einem gewissen Bedauern die Medienwissenschaftlerin Margreth Lünenborg fest und verweist auf das schweizerische Jahrbuch «Qualität der Medien». In ihrem Beitrag für «Zeit Online» wünscht sich Lüneborg ein vergleichbares Instrument für den deutschen Markt und insbesondere für die öffentlich-rechtlichen Sender, deren Existenzberechtigung massgeblich darauf basiert, einen «public value» zu bieten, der nicht wie die Reichweite quantitativ, sondern eben nur qualitativ gemessen werden kann.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/11/23/wer-hats-erfunden-neidischer-blick-auf-schweizer-qualitaetsforschung/">Wer hats erfunden? Neidischer Blick auf Schweizer Qualitätsforschung</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Für eine aktive Medienlandschaftspflege</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2017/02/19/fuer-eine-aktive-medienlandschaftspflege/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Gastbeitrag]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 19 Feb 2017 10:59:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Geschäftsmodell]]></category>
		<category><![CDATA[Uni Fribourg]]></category>
		<category><![CDATA[Erlöskrise]]></category>
		<category><![CDATA[Medienforschung]]></category>
		<category><![CDATA[TA SWISS]]></category>
		<category><![CDATA[Medienwandel]]></category>
		<category><![CDATA[Studie]]></category>
		<category><![CDATA[Medienpolitik]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=28770</guid>

					<description><![CDATA[<p>Eine im Januar veröffentliche Studie der TA-SWISS erinnerte Medien und Politik mit konkreten Vorschlägen daran, wie sie die Gestaltungsmöglichkeiten der Medienpolitik aktiver nutzen könnten. Zwei der Herausgeber der Studie, Brigitte Hofstetter und Manuel Puppis, kommentieren in einem Gastbeitrag die Rezeption ihrer Arbeit und erinnern an Forderungen, die in der Berichterstattung zu kurz kamen. So weit <a href="https://medienwoche.ch/2017/02/19/fuer-eine-aktive-medienlandschaftspflege/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Eine im Januar veröffentliche Studie der TA-SWISS erinnerte Medien und Politik mit konkreten Vorschlägen daran, wie sie die Gestaltungsmöglichkeiten der Medienpolitik aktiver nutzen könnten. Zwei der Herausgeber der Studie, Brigitte Hofstetter und Manuel Puppis, kommentieren in einem Gastbeitrag die Rezeption ihrer Arbeit und erinnern an Forderungen, die in der Berichterstattung zu kurz kamen.</strong></p>
<p>So weit sind sich alle einig: Unabhängige Medien, die umfassend über gesellschaftspolitische Themen berichten, diese entsprechend ihrer Relevanz auswählen und einordnen, leisten einen wichtigen Beitrag zur Meinungsbildung der Bürgerinnen und Bürger. Wie und ob dem hehren Anspruch – noch – nachgelebt werden kann, steht indes auf einem anderen Blatt. Die Medienlandschaft befindet sich in einem tief greifenden Wandel.</p>
<p>Die Mediennutzung findet zunehmend online und mobile statt und mit den sozialen Netzwerken verändert sich das Zusammenspiel von Medien, Politik und Bevölkerung. Nicht nur die Nutzer, auch die Werbung ist ins Internet abgewandert. Während die Nettowerbeumsätze der Kaufpresse in den letzten 20 Jahren in der Schweiz um fast 60 Prozent eingebrochen sind, nehmen die mit Onlinewerbung generierten Umsätze stetig zu. Davon profitieren aber insbesondere Suchmaschinen, Kleinanzeigenportale und «Soziale» Medien, nicht die Produzenten von Journalismus.</p>
<p>Netto-Werbeumsätze 1995–2015 in Mio. CHF (grössere Grafik &#8211;> Klick auf Bild)</p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2017/02/Abbildung1_gross.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-28774" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2017/02/Abbildung1.jpg" alt="abbildung1" width="460" height="288" /></a><br />
<small>Quelle: eigene Berechnungen auf Basis Stiftung Werbestatistik Schweiz und Media Focus<br />
Presse ab 1997 nicht mit den Vorjahren vergleichbar (Umgruppierungen einzelner Titel); TV ab 2002 nicht mit den Vorjahren vergleichbar (zuvor Beraterkommissionen bei SRG nicht enthalten); Online ohne Verzeichnisse</small></p>
<p>Die traditionellen Medienunternehmen haben bislang kein tragfähiges Geschäftsmodell gefunden, mit dem sich Journalismus weiterhin finanzieren lässt. Jüngstes Beispiel dieser Entwicklung ist die Einstellung des Magazins «L’Hebdo» in der Westschweiz. Diese Krise der Medienfinanzierung sowie fortschreitende Konzentrationsprozesse lösen Befürchtungen hinsichtlich der Konsequenzen für die schweizerische Demokratie aus.</p>
<p>Deshalb hat die schweizerische Stiftung für Technologiefolgen-Abschätzung (TA-SWISS) die Studie «Medien und Meinungsmacht» initiiert. Die zentralen Befunde, der im Januar vorgestellten Arbeit, lauten:</p>
<ul>
<li>In traditionellen Medien (Zeitungen, Radio, Fernsehen) und auf Social Media kommen zwar die gleichen Themen vor, doch werden diese unterschiedlich gewichtet.</li>
<li>Die Kommunikation über politische Themen kann auf Social Media einseitig verlaufen. Trotz neuer Artikulationsmöglichkeiten für die Zivilgesellschaft dominieren etablierte und ressourcenstarke Akteure. Die journalistische Berichterstattung zeichnet sich im Vergleich dazu durch eine gewisse Ausgewogenheit aus.</li>
<li>Suchmaschinen, News Apps und soziale Netzwerke werden für die Informationsnutzung neben Gratiszeitungen und kostenlosen Websites immer wichtiger. Zahlungspflichtige Zeitungen werden in der jungen Zielgruppe dagegen kaum noch genutzt, weder auf Papier, noch online.</li>
</ul>
<p>Informationsquellen politischer Themen der 16- bis 25-Jährigen in Prozent im Zeitverlauf (grössere Grafik &#8211;> Klick auf Bild)</p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2017/02/Abbildung2_gross.jpg" data-rel="lightbox-image-1" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-28777" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2017/02/Abbildung2.jpg" alt="abbildung2" width="460" height="297" /></a></p>
<p><small>*bis 2014: News-Apps auf Smartphone; **bis 2014: Internet soziale Netzwerke<br />
Quelle: gfs.bern</small></p>
<ul>
<li>Die Digitalisierung bietet Chancen für den Journalismus. Doch Journalismus ist teuer und die künftige Finanzierung ungewiss. Aufgrund wegbrechender Einnahmen bleibt der Spardruck im Journalismus hoch. Zudem besteht durch neue Werbeformen und Diversifikation die Gefahr kommerzieller Einflüsse auf journalistische Inhalte.</li>
</ul>
<p>Die zentralen Ergebnisse der Studie und die daraus abgeleiteten Handlungsempfehlungen fanden ein grosses Echo. Der Medienwandel und die Forschung dazu werden offensichtlich wahr- und ernstgenommen. Das liegt auch daran, dass in den kommenden Monaten und Jahren zentrale Weichenstellungen anstehen. Die Rolle der SRG SSR in der digitalen Gesellschaft wird verhandelt und mit der No-Billag-Initiative steht eine Abstimmung an, deren Annahme das Ende des Service public bedeuten würde. Und die Arbeiten an einem neuen Mediengesetz haben begonnen. Entsprechend lösen die aus den Ergebnissen entwickelten Handlungsempfehlungen Diskussionen aus: Je nach Unternehmen und politischem Lager gefallen und missfallen andere Empfehlungen.</p>
<p>Ein Blick auf die Medienreaktionen zeigt, dass die Berichterstattung vor allem auf die Empfehlung zur Einführung einer direkten Medienförderung fokussierte. Nicht umstritten ist, dass der Einnahmerückgang im Anzeigen- und Lesermarkt «seit der Jahrtausendwende schwer auf den Verlegern lastet» (Südostschweiz &amp; Aargauer Zeitung, 10.01.2017). Unterschiedlich hingegen fällt die Beurteilung der vorgeschlagenen Fördermassnahmen für Journalismus aus. Kritische Stimmen sprechen von einer <a href="https://www.nzz.ch/meinung/expertenrat-fuer-den-schweizer-journalismus-vorschnelle-medienhilfe-ld.138855" target="_blank">«voreiligen Medienhilfe»</a>, die zu einer Abhängigkeit der Medien vom Staat führe, an dessen finanziellen Tropf Innovationen und flexible Anpassungen an Marktbedingungen erschwert würden (Le Temps, 19.01.2017). Die Schliessung des Magazins «L’Hebdo» hat der Diskussion über eine «aide publique à la presse» (Le Matin Dimanche, 29.01.2017) vor allem in der Westschweiz Aufwind gegeben.</p>
<p>Die in der Studie gemachten Empfehlungen beschränken sich aber nicht auf die direkte Medienförderung. Das skizzierte «Infrastrukturprogramm für Journalismus» geht weit über das hinaus und will <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/die-medienschweiz-neu-denken/story/31346008" target="_blank">«die Medienschweiz neu denken»</a>. Dazu zählt etwa eine Stärkung der Selbstregulierung in der Medienbranche. Wirtschaftliche Abhängigkeiten und die Vermischung publizistischer und kommerzieller Interessen dürften angesichts der anhaltenden Erlösschwäche weiter zunehmen. Angesichts neuer Werbeformen («Native Advertising») und einer Diversifizierung in lukrativere Transaktionsgeschäfte empfiehlt die Studie der Branche, sich gegen eine Vermischung publizistischer und kommerzieller Interessen einzusetzen, Transparenz über Eigentumsverhältnisse und die Verwendung von Nutzerdaten zu schaffen.</p>
<p>Dass die TA-SWISS Studie ein umfangreiches Audio- und Videoangebot der SRG im Internet für sinnvoll hält, aber im Gegenzug <a href="http://www.20min.ch/schweiz/news/story/SRG-Werbeverbot-laut-TA-Swiss-vertretbar-20885739" target="_blank">«kein Tabu in einem Werbeverbot für die SRG»</a> sieht, blieb ebenfalls weitgehend unbeachtet. Dies gilt auch für die Forderung, dass die SRG privaten Medienunternehmen im technologischen Bereich Kooperationen anbieten soll. Die Studie zeigt, dass kleine und mittlere Medienhäuser kaum in der Lage sein werden, die notwendigen Investitionen in die Digitalisierung des Mediengeschäfts alleine zu stemmen. Insbesondere die Verwertung von Nutzerdaten erzwingt Kooperationen und schafft neue Abhängigkeiten. Deshalb sollen auch private Plattformbetreiber und grosse Medienunternehmen, die verstärkt als Anbieter technologischer Basisinfrastruktur auftreten, anderen Medienunternehmen einen chancengleichen Zugang gewähren.</p>
<p>Neben den Finanzierungsproblemen adressiert die Studie auch die Nutzerinnen und Nutzer. Die Inhaltsselektion durch globale Plattformen wie Google, Facebook, Twitter und Co. aufgrund von Algorithmen ist völlig intransparent. Deshalb wird eine Förderung der Medienkompetenz auf breiter Front vorgeschlagen. Diese soll die Bürgerinnen und Bürger dazu befähigen, die Qualität und den Wert von Medienangeboten zu beurteilen und den Unterschied zwischen journalistischen Inhalten und anderen Formen von Content zu erkennen. Der «Lehrplan 21» etwa sieht eine Vermittlung von Medienkompetenz in der Schule vor.</p>
<p>Die Digitalisierung bietet zweifellos zahlreiche Chancen für den Journalismus und die Demokratie. Doch Journalismus kostet – und die neuen Darstellungs- und Erzählformen, die das Internet bietet, machen Investitionen notwendig. Es ist Zeit, dass die Medienpolitik ihre Gestaltungsmöglichkeiten aktiv wahrnimmt. Gleichzeitig sind aber auch die Medienbranche selbst sowie die Nutzerinnen und Nutzer gefordert. Letztlich geht es darum, eine Medienlandschaft zu erhalten, die unserer Demokratie gerecht wird.</p>
<p><small><strong>Die Studie:</strong> Erarbeitet wurde die Studie «Medien und Meinungsmacht» im Auftrag von TA-SWISS (Stiftung für Technologiefolgen-Abschätzung) von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universitäten Freiburg, Lausanne und Zürich unter der Leitung von Manuel Puppis und Michael Schenk. Die Studie «Medien und Meinungsmacht» ist <a href="http://vdf.ch/medien-und-meinungsmacht-e-book.html?collection_id=29" target="_blank">als kostenloses eBook erhältlich</a>. Zudem ist eine <a href="https://www.ta-swiss.ch/projekte/informationsgesellschaft/medien-und-meinungsmacht/" target="_blank">journalistisch aufbereitete Kurzfassung</a> der Studie verfügbar.</p>
<p><strong>Die Autoren:</strong> Brigitte Hofstetter ist Doktorandin, Manuel Puppis Professor am Departement für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung DCM der Universität Freiburg-Fribourg.</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/02/19/fuer-eine-aktive-medienlandschaftspflege/">Für eine aktive Medienlandschaftspflege</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>SRF-Regionaljournale: «Staatssender» oder Messfehler?</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/02/05/srf-regionaljournale-staatssender-oder-messfehler/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2016/02/05/srf-regionaljournale-staatssender-oder-messfehler/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 05 Feb 2016 13:18:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Verwaltung]]></category>
		<category><![CDATA[Studie]]></category>
		<category><![CDATA[René Grossenbacher]]></category>
		<category><![CDATA[Behörden]]></category>
		<category><![CDATA[Medienforschung]]></category>
		<category><![CDATA[Bakom]]></category>
		<category><![CDATA[Regierung]]></category>
		<category><![CDATA[Regionalfernsehen]]></category>
		<category><![CDATA[Rolf Hieringer]]></category>
		<category><![CDATA[Staatssender]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Gewähren die Regionaljournale von Schweizer Radio SRF den Akteuren aus Regierung und Verwaltung zu viel Raum in ihrem Programm? Medienforscher René Grossenbacher hat hierzu im Auftrag des Bakom verdächtig hohe Werte ermittelt. Doch die Journalistinnen und Journalisten wehren sich: Mit Grossenbachers Methode lasse sich Behördennähe nicht messen und wenn, sei diese nicht a priori negativ <a href="https://medienwoche.ch/2016/02/05/srf-regionaljournale-staatssender-oder-messfehler/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Gewähren die Regionaljournale von Schweizer Radio SRF den Akteuren aus Regierung und Verwaltung zu viel Raum in ihrem Programm? Medienforscher René Grossenbacher hat hierzu im Auftrag des Bakom verdächtig hohe Werte ermittelt. Doch die Journalistinnen und Journalisten wehren sich: Mit Grossenbachers Methode lasse sich Behördennähe nicht messen und wenn, sei diese nicht a priori negativ zu werten.</strong></p>
<p>Die Zahlen hätten das Zeug zum Skandal: In der regionalen Berichterstattung erweisen sich die Programme von Radio SRF als eigentlicher Behördenfunk, sprich: Staatssender. So könnte man die Befunde der Studie <a href="http://www.publicom.ch/wp-content/uploads/ber_SRG_2014.pdf" target="_blank">«Analyse der Radioprogramme der SRG SSR 2014 (Deutschschweiz)»</a> lesen, die das Forschungsinstitut Publicom im Auftrag des <a href="http://www.bakom.admin.ch/themen/radio_tv/01153/01156/04801/index.html?lang=de" target="_blank">Bundesamts für Kommunikation</a> vorgelegt hat.</p>
<p><a href="http://www.publicom.ch/" target="_blank">Publicom</a> und ihr Chef <a href="http://www.publicom.ch/ueber-uns/team/rene-grossenbacher/" target="_blank">René Grossenbacher</a> haben herausgefunden, dass sämtliche sieben Regionaljournale des Deutschschweizer Radios SRF beim gemessenen Leistungsmerkmal «Behördennähe» auffällig hohe Werte aufweisen. Gemessen wurde der Anteil der exekutiven Akteure am Total der politischen Akteure. Der höchste Wert schlägt beim Regionaljournal Bern, Freiburg, Wallis zu Buche. Von zehn Informationsbeiträgen mit politischen Akteuren, kommen in deren neun Vertreter aus Regierung oder Verwaltung zu Wort.</p>
<p>Die geringste gemessene Behördennähe weisen die Regionaljournale für die beiden Basel, sowie für Aargau und Solothurn auf. Aber auch bei ihnen stammt immer noch mehr als jede zweite politische Stimme auf dem Sender aus Exekutive und Ämtern. So weit so schlecht.</p>
<p>Aber was wurde genau gemessen? Und stimmen die Zahlen überhaupt? Hierzu gehen die Meinungen zwischen Forschung und Praxis diametral auseinander. Eine Umfrage der MEDIENWOCHE bei Mitarbeitenden und Leitungspersonal verschiedener Regionaljournale ergibt einhellig das gleiche Ergebnis: absoluter Humbug. Mit der gewählten Methode könnten keine verlässlichen Aussagen zur Behördennähe der jeweiligen Programme gemacht werden, finden die Journalistinnen und Journalisten.</p>
<p>Sie monieren zuerst einmal den zu kleinen Beobachtungszeitraum der Forschenden. Aus den viereinhalb Stunden Sendung pro Regionaljournal könnten keine Schlüsse gezogen werden. Publicom gesteht dieses Manko insofern ein, als dass die Studie dazu festhält: Es sei «zu berücksichtigen, dass die Ergebnisse lediglich auf je ca. 4.5 Stunden Sendezeit beruhen. D.h. einzelne Beiträge und Ereignisse können diese relativ stark beeinflussen.»</p>
<p>Weiter kritisieren die Regionaljournale die negative Wertung der Variablen «Behördennähe». Im Forschungsbericht steht dazu: «Unter dem Aspekt des Pluralismusgebots von besonderem Interesse ist, welche politischen Akteure im Fokus stehen. Zunächst ist festzuhalten, dass die oft bei Medien zu beobachtende starke Behördennähe bei den meisten SRF-Programmen kaum festzustellen ist. Eine Ausnahme bilden die Regionaljournale, die eine ausgeprägte Tendenz zu behördennaher Berichterstattung an den Tag legen.» Ein Vorwurf, den keine Redaktion auf sich sitzen lässt.</p>
<p>Rolf Hieringer, in der Radio-Chefredaktion zuständig für die Regionaljournale, wehrt sich: «Behördennähe muss nicht negativ sein. Wir haben ein starkes politisches Profil und eine gewisse Informationspflicht, da lässt es sich nicht vermeiden, dass Regierung und Verwaltung eine starke Präsenz in den Programmen haben.» Der langjährige Radiojournalist illustriert das an einem Beispiel: «Wenn wir mit einem Regierungsrat ein zehnminütiges kritisches Interview führen, zählt das in der Studie als zehn Minuten Behördennähe. Mit dieser Behördennähe kann ich gut leben».</p>
<p>Publicom-Chef René Grossenbacher sieht die Unabhängigkeit der Berichterstattung weniger wegen ungefilterter Behördenpropaganda in Gefahr, als wegen eines zu engen Fokus auf die Agenda von Exekutive und Verwaltung: «Auch das stellt ein Risiko dar», gibt Grossenbacher zu bedenken. Radiomann Hieringer hält dagegen: «Wer politischen Journalismus macht, kommt an der Agenda der Behörden nicht vorbei.»</p>
<p>Zumindest in diesem Punkt werden sich Theorie und Praxis nicht finden. Dennoch halten die Radioleute die amtlich verordnete Programmforschung nicht für komplett nutzlos. So sorgten die Befunde zur Behördennähe in den Regionalredaktionen immerhin dafür, dass die eigene Berichterstattung überprüft und das Bewusstsein geschärft wurde für die Risiken behördlicher Beeinflussung. Als Schuss vor den Bug hat der Bericht seine Wirkung nicht verfehlt. Aber als Grundlage für eine fruchtbare Debatte auf der Grundlage wissenschaftlicher Befunde taugt die Radiostudie nicht.</p>
<p>Damit befinden sich Radio SRF und Publicom in bester Gesellschaft. Auch die Presse tut sich jeweils schwer mit der Qualitätsmessung im «Jahrbuch Qualität der Medien». Die teils drastischen Befunde und die auf den Fuss folgende Fundamentalkritik an den Forschungsmethoden zeigen hier wie dort, dass sich Forschung und Journalismus nur schlecht verstehen.</p>
<p>«So läuft es seit Jahrzehnten», weiss Medienforscher Grossenbacher. «Wenn die Resultate nicht genehm sind, ist die Methode falsch.» Es gebe aber auch Lichtblicke. So sei die Methode der Radiostudie seit ein paar Jahren von der SRG grundsätzlich akzeptiert, wenn auch mit Vorbehalten. Aber konkrete Verbesserungsvorschläge seien nie unterbreitet worden, weiss der Publicom-Forscher – ausser dem Wunsch nach einer grösseren Stichprobe: «Das würden wir noch so gerne machen, aber ich kann versichern, dass die Resultate sich kaum verändern würden.» Das muss bis zum Tatbeweis eine Behauptung bleiben. Publicom täte indes gut daran, in einer nächsten Untersuchung das selbst eingestandene Manko der zu kurzen Messdauer zu beheben.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/02/05/srf-regionaljournale-staatssender-oder-messfehler/">SRF-Regionaljournale: «Staatssender» oder Messfehler?</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Journalistische Unabhängigkeit in Gefahr</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/01/28/journalistische-unabhaengigkeit-in-gefahr-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Silke Fürst]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 28 Jan 2015 07:37:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Studie]]></category>
		<category><![CDATA[Redaktion]]></category>
		<category><![CDATA[Uni Fribourg]]></category>
		<category><![CDATA[Medienforschung]]></category>
		<category><![CDATA[Bakom]]></category>
		<category><![CDATA[impressum]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=22888</guid>

					<description><![CDATA[<p>«Gelenkte Informationen», «Einheitsbrei», «Erschöpfung» – die Medienkritik verschärft sich und warnt vor den Auswirkungen massiver Einsparungen in Schweizer Redaktionen. Alarmierende Entwicklungen im Journalismus sind hinlänglich bekannt, doch solide Daten sind Mangelware. Eine Studie der Universität Freiburg zeigt anhand der Aussagen von über 1000 Schweizer Medienschaffenden auf, wie sich die Arbeitsbedingungen verschlechtert haben und die Berichterstattungsfreiheit <a href="https://medienwoche.ch/2015/01/28/journalistische-unabhaengigkeit-in-gefahr-2/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>«Gelenkte Informationen», «Einheitsbrei», «Erschöpfung» – die Medienkritik verschärft sich und warnt vor den Auswirkungen massiver Einsparungen in Schweizer Redaktionen. Alarmierende Entwicklungen im Journalismus sind hinlänglich bekannt, doch solide Daten sind Mangelware. Eine Studie der Universität Freiburg zeigt anhand der Aussagen von über 1000 Schweizer Medienschaffenden auf, wie sich die Arbeitsbedingungen verschlechtert haben und die Berichterstattungsfreiheit eingeschränkt wird.</strong></p>
<p>Die Signale aus den Redaktionen sind alarmierend: Durch Zusammenlegungen und Stellenkürzungen wird in zahlreichen Medien der Verlust von Fachwissen beklagt. Der Zeitdruck sei soweit gestiegen, dass selbst basale Fakten nicht mehr ausreichend geprüft werden und Zeitungen unter <a href="http://blog.tagesanzeiger.ch/deadline/index.php/33333/pitbulls-der-demokratie/" target="_blank">«chronischem Stress»</a> entstehen. Lassen sich diese Entwicklungen tatsächlich verallgemeinern? Für eine Studie des Departements für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung <a href="http://www.unifr.ch/dcm/" target="_blank">DCM</a> der Universität Fribourg wurden insgesamt rund 3300 Mitglieder des Journalistenverbandes impressum angeschrieben. Über 1100 Journalistinnen und Journalisten haben an der Studie teilgenommen, die das Bakom finanziell unterstützt hat. (<a href="http://www.lu-wahlen.ch/uploads/media/BAKOM-Projekt_Journalistenbefragung_2014_-_Endbericht__28korrigiert_29-3.pdf" target="_blank">Download komplette Studie, PDF 1,4 MB</a>)</p>
<p><strong>Zunehmender ökonomischer Druck</strong><br />
Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass der ökonomische Druck in den letzten fünf bis zehn Jahren zugenommen hat und die Arbeitsbedingungen prägt. Die Mehrheit der Befragten (53 &#8211; 55 Prozent) gibt an, dass die Redaktion deutlich mehr Beiträge erstellen muss und die Zeit für die Produktion einzelner Beiträge stark abgenommen hat. Das fest angestellte Personal wurde in vielen Redaktionen gekürzt. Zugleich sind die Ressourcen für Reisen, technische Ausstattung und andere Spesen zurückgegangen.</p>
<p>Ein grosser Teil der Journalistinnen und Journalisten (52%) spürt in starker Weise, dass die Finanzierung des eigenen Mediums unsicherer geworden ist. Gleichzeitig hat auch die Konkurrenz mit anderen Medien deutlich zugenommen. Im Zuge dessen ist die Bedeutung von Klickraten gestiegen. So prägen die Onlinenutzungszahlen in vielen Redaktionen den Entscheid mit, welche Themen ausgewählt und wie sie dargestellt werden.</p>
<p>Beim Vergleich verschiedener Medientypen zeigt sich, dass insbesondere die Tageszeitungen unter einem steigenden ökonomischen Druck leiden (Abbildung 1). Redaktionen der SRG haben im Vergleich zwar die geringsten Personalkürzungen und sehen ihre Finanzierung kaum gefährdet, spüren jedoch am stärksten eine zunehmende Konkurrenz mit anderen Medien und einen deutlich ansteigenden Produktions- und Zeitdruck. Wochenzeitungen und Zeitschriften sind von diesen Entwicklungen ebenfalls stark betroffen. Beim privaten Rundfunk wird der ökonomische Druck dagegen am geringsten erlebt. Zwischen den verschiedenen Sprachräumen zeigen sich in diesem Bereich kaum Unterschiede. Auffallend ist allerdings, dass Journalistinnen und Journalisten aus deutschsprachigen Redaktionen einen deutlich höheren Produktionsdruck spüren als ihre Kollegen aus der Romandie und dem Tessin.</p>
<p><strong>Unzufriedenheit mit eigenen Arbeitsbedingungen</strong><br />
Mit Blick auf die individuellen Arbeitsbedingungen zeigt sich, dass für grundlegende Aufgaben im redaktionellen Alltag gegenwärtig nur begrenzt Zeit zur Verfügung steht. Dies gilt für das Verfassen eigener Beiträge und insbesondere für vertiefende Recherchen vor Ort sowie für die Pflege eines eigenen Netzwerks von Informanten. Für die Überprüfung von Informationen und Quellen wird die meiste Zeit aufgewendet (Abbildung 2).</p>
<p>Auch für die inhaltliche Überarbeitung von vorliegendem Material, wie Agenturmeldungen und Medienmitteilungen, bleibt nur begrenzt Zeit. Angesichts des hohen Anteils von externem Material innerhalb der Berichterstattung lässt sich vermuten, dass dieses in Teilen nicht ausreichend überprüft und ergänzt werden kann. Entsprechend sind die befragten Journalistinnen und Journalisten mit ihren Zeitressourcen eher wenig zufrieden. Viele von ihnen können ihre täglich anfallenden Aufgaben kaum in zufriedenstellender Weise erfüllen. Sie stehen folglich unter starkem Zeitdruck und verfügen nach eigenem Verständnis nicht über die notwendigen Ressourcen, um ihre Arbeit gut zu machen.</p>
<p>Die Arbeitsbedingungen sind tendenziell über alle Medientypen hinweg ähnlich. Beim Schweizer Privatrundfunk zeigen sich jedoch vergleichsweise schlechtere Arbeitsbedingungen. Auch schneidet die Tagespresse in einigen Bereichen, wie etwa der Zufriedenheit mit den eigenen Zeitressourcen, schlechter ab. Diese Ergebnisse korrespondieren mit jenen einer kürzlich veröffentlichten <a href="http://www.stiftervereinigung.de/downloads/Einflussnahmen%20auf%20journalistische%20Arbeit_Summary.pdf" target="_blank">Befragung deutscher Zeitungsjournalisten und -journalistinnen</a>.</p>
<p><strong>Leichte Verschlechterung der Arbeitsbedingungen</strong><br />
Ist diese Situation auf Entwicklungen in den letzten fünf Jahren zurückführen? Unsere Ergebnisse sprechen nicht für starke Veränderungen. Ein jeweils etwa gleich grosser Anteil der Befragten berichtet, dass die Zeit für bestimmte Aufgaben weniger geworden, gleich geblieben oder zugenommen hat. Insofern ist es innerhalb der Redaktionen vielfach zu Umverteilungen von Aufgaben und Ressourcen gekommen. Leichte Verschlechterungen zeigen sich jedoch bei vertiefenden Recherchen vor Ort, bei der Netzwerkpflege und bei der Zufriedenheit mit den eigenen Zeitressourcen.</p>
<p>Dies trifft wiederum insbesondere auf die Tagespresse zu. Hier hat die Zeit für das Schreiben eigener Beitrage überdurchschnittlich stark abgenommen. Auch sind bei den Zeitungsjournalisten und -journalistinnen die Möglichkeiten zur Netzwerkpflege und die Zufriedenheit mit den Zeitressourcen stärker zurückgegangen. Bedenklich sind aber zum Teil auch die Befunde zum öffentlichen Rundfunk: Ein überdurchschnittlich hoher Anteil der hier arbeitenden Redaktorinnen und Redaktoren gibt an, dass die Zeit für die Informationsprüfung und für Recherchen vor Ort abgenommen hat. Im Vergleich der Sprachräume zeigt sich, dass die Westschweiz etwas stärker von einer Verschlechterung der Arbeitsbedingungen betroffen ist als die Deutschschweiz.</p>
<p><strong>Gefährdete Berichterstattungsfreiheit?</strong><br />
In Zeiten des Sparens stellt sich verschärft die Frage, inwiefern sich nicht nur die Arbeitsbedingungen verschlechtern, sondern auch die Berichterstattungsfreiheit eingeschränkt wird. Die internationale Forschungsliteratur geht davon aus, dass die kritische und unabhängige Berichterstattung über Werbekunden, das eigene Unternehmen sowie Mediensystem und Medienpolitik eingeschränkt ist. Die Studie der Universität Fribourg machte sich daran, diese Zusammenhänge für die Schweizer Medien zu prüfen.</p>
<p><strong>Verschwimmende Grenzen von Journalismus und Werbung</strong><br />
Zuerst zu den Werbekunden: In der Schweiz wird derzeit wieder vermehrt diskutiert, inwieweit sich die Grenzen zwischen Journalismus und Werbung aufweichen. Im Bereich der Schweizer Gratiszeitungen <a href="https://medienwoche.ch/2014/03/27/schleichwerbe-limbo/" target="_self">gibt es dafür anschauliche Beispiele</a>. Aber lassen sich diese Entwicklungen für die gesamte Medienbranche verallgemeinern? Wir wollten wissen, inwieweit Redaktionen Werbekunden möglichst positiv darstellen und ob sie auf deren Druck reagieren.</p>
<p>Es zeigt sich, dass eher selten Nachrichten veröffentlicht werden, die für das Image der Werbekunden schädlich sein könnten. Dieses Ergebnis weist bereits darauf hin, dass in den Schweizer Medien auf die Interessen von Werbekunden Rücksicht genommen wird. Werden negative Meldungen über einen Werbekunden aber in anderen Medien verbreitet, so werden solche Nachrichten selten unterdrückt. Auch auf den direkten Druck von Werbekunden wird nur in begrenzter Weise reagiert (Abbildung 3).</p>
<p>Zwischen den verschiedenen Medientypen gibt es allerdings starke Unterschiede. Bei den Wochenzeitungen und Zeitschriften ist der Einfluss der Werbekunden am stärksten. Zudem hat der direkte Druck von Werbekunden die stärksten Auswirkungen auf die Tages- und Wochenpresse. Angesichts der finanziellen Lage der Presse kann diese offenkundig am wenigsten den Entzug von Werbeaufträgen in Kauf nehmen.</p>
<p>Aus den Daten lässt sich kein konsistentes Bild dazu ableiten, ob der Einfluss von Werbekunden im Zuge der Medienkrise zugenommen hat. Allerdings lässt sich bei der Wochenpresse und den Tageszeitungen feststellen, dass Anzeigenkunden zunehmend möglichst positiv dargestellt werden und vermehrt auf den direkten Druck von Werbekunden eingegangen wird. Zudem wächst der Einfluss von Werbekunden in der Deutschschweiz und im Tessin stärker als in der Romandie.</p>
<p><strong>Positive Darstellung des eigenen Medienunternehmens</strong><br />
Angesichts der <a href="http://www.bakom.admin.ch/themen/radio_tv/01153/01156/03479/index.html?lang=de" target="_blank">zunehmenden Medienkonzentration</a> im Schweizer Medienmarkt ist genauer zu betrachten, inwieweit Redaktionen kritisch und unabhängig über das eigene Medienunternehmen berichten können. Die Ergebnisse sind hier sehr deutlich. Die Befragten geben zu einem überwiegenden Teil an, dass sie gar nicht oder kaum Nachrichten bringen, die das eigene Medienunternehmen kritisch beleuchten (Abbildung 4).</p>
<p>Auch berichten Redaktionen in eher geringem Masse über Vorgänge im Medienunternehmen, die bereits in der öffentlichen Kritik stehen. Wenn sie diese Ereignisse jedoch in ihrer Berichterstattung aufgreifen, so können die jeweiligen Journalistinnen und Journalisten kaum über Inhalt und Umfang des Berichtes frei bestimmen. Darüber hinaus stimmen die Befragten in starkem Masse der Aussage zu, dass es für ihre Redaktion selbstverständlich ist, über positive Meldungen des eigenen Medienunternehmens zu berichten.</p>
<p>Es zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Medientypen. Die Möglichkeiten, öffentliche Kritik am Medienunternehmen aufzugreifen, sind bei der Tagespresse und beim öffentlichen wie privaten Rundfunk höher als bei den Wochenzeitungen und Zeitschriften.</p>
<p>Etwa drei Viertel aller Befragten stellen fest, dass sich dieser Einfluss in den letzten fünf Jahren nicht gewandelt hat. Eine bemerkenswerte Veränderung zeigt sich aber mit Blick auf positive Meldungen über das eigene Medienunternehmen. Rund 27 Prozent der Befragten geben an, dass es selbstverständlicher geworden ist, solche Nachrichten zu veröffentlichen. Bei der Tagespresse und dem öffentlichen Rundfunk ist diese Entwicklung noch stärker ausgeprägt. Die ohnehin stark von PR-Interessen geprägte Berichterstattung über das eigene Medienhaus nimmt also weiter zu.</p>
<p><strong>Eingeschränkte Berichterstattung über Medienpolitik</strong><br />
Auch die Medienpolitik ist für Journalistinnen und Journalisten per se ein sensibles Thema, da sie die eigene Branche betrifft und Interessen des eigenen Medienunternehmens berühren kann. Unsere Ergebnisse zeigen, dass Schweizer Medien insgesamt in eher geringfügigem Ausmass über medienpolitische Nachrichten berichten. Wenn dies geschieht, gilt es in einigen Redaktionen als selbstverständlich, «der Position des Medienunternehmens zu entsprechen». Rund 27% aller Befragten stimmen dieser Aussage stark bis sehr stark zu.</p>
<p>Engt man den Themenkreis auf jene medienpolitischen Entwicklungen und Entscheidungen ein, «die für das eigene Medienunternehmen folgenreich sind», so zeigen sich auch hier tendenziell Einschränkungen. Einige Redaktionen greifen diese folgenreichen Entwicklungen zwar auf, jedoch können die Autoren und Autorinnen dann nur in einigen Fällen «den Inhalt frei bestimmen» oder das Thema in «gewünschter Länge behandeln». Medienpolitischen Themen wird also insgesamt wenig Raum gegeben. Zugleich wird die Berichterstattung von den Unternehmensinteressen beeinflusst (Abbildung 5).</p>
<p>Auffällig ist, dass es bezüglich der Übernahme der medienpolitischen Position des Medienunternehmens keine nennenswerten Unterschiede zwischen den verschiedenen Medientypen gibt. Insofern hängt dieser Einfluss offenkundig nicht von der Finanzierungsform und den organisatorischen Eigenheiten ab. Unterschiede zeigen sich dagegen insbesondere bei der Frage, ob überhaupt über medienpolitische Themen berichtet wird. Wochenzeitungen und Zeitschriften greifen medienpolitische Themen am seltensten auf und erlauben den Redaktoren und Redaktorinnen dabei auch weniger Freiheit in der Gestaltung des Artikels.</p>
<p>Über zwei Drittel der Befragten geben an, dass sich diesbezüglich in den letzten fünf Jahren keine Veränderungen eingestellt haben. Daneben sagt jeder vierte Teilnehmer der Befragung, dass die Thematisierung medienpolitischer Nachrichten in den letzten fünf Jahren zugenommen hat. Etwa gleich viele Befragte geben an, dass sich die medienpolitische Berichterstattung nun verstärkt an der Position des eigenen Medienunternehmens ausrichten muss. Auch sind Journalistinnen und Journalisten zunehmend in der Gestaltung ihrer Berichte eingeschränkt. Die medienpolitische Berichterstattung nimmt also zu, ist aber zugleich auch stärker von den Unternehmensinteressen beeinflusst.</p>
<p><strong>Ökonomischer Druck erzeugt Handlungsbedarf</strong><br />
Die Resultate unserer Studie zeigen deutlich, dass Schweizer Journalistinnen und Journalisten mehrheitlich eine deutliche Verschärfung des ökonomischen Drucks wahrnehmen. Für grundlegende journalistische Aufgaben bleibt im Alltag oft zu wenig Zeit – und dieses Problem hat sich in den letzten fünf Jahren zwar nicht gravierend, aber tendenziell verstärkt. Die Berichterstattung über Werbekunden ist eingeschränkt. Noch stärkere Einschränkungen zeigen sich in der Berichterstattung über das eigene Medienunternehmen und über medienpolitische Themen.</p>
<p>Der Journalismus lebt gerade in Zeiten zunehmender Medienkonkurrenz von seiner Glaubwürdigkeit und Qualität. Diese Standards sind durch ökonomische Einflüsse und Interessen gefährdet. <a href="https://medienwoche.ch/2015/01/30/ausbildung-medienkritik-und-finanzierung-staerken/" target="_self">Die MEDIENWOCHE diskutiert</a> daher in den kommenden Tagen, welche Konsequenzen und Handlungsmöglichkeiten sich angesichts dieser Studienergebnisse ergeben.</p>
<p><small>Die Studie «Arbeitsbedingungen und Berichterstattungsfreiheit in journalistischen Organisationen» von Manuel Puppis, Philomen Schönhagen, Silke Fürst, Brigitte Hofstetter und Mike Meißner wurde durch das Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) finanziert. Der vollständige Projektbericht inklusive Fragebogen ist zum <a href="http://www.bakom.admin.ch/themen/radio_tv/01153/01156/04801/index.html?lang=de&amp;download=NHzLpZeg7t,lnp6I0NTU042l2Z6ln1acy4Zn4Z2qZpnO2Yuq2Z6gpJCDfXx_g2ym162epYbg2c_JjKbNoKSn6A--" target="_self">Download</a> verfügbar.</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/01/28/journalistische-unabhaengigkeit-in-gefahr-2/">Journalistische Unabhängigkeit in Gefahr</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Eine fruchtbare und furchtbare Diskussion</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2014/02/17/eine-fruchtbare-und-furchtbare-diskussion/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2014/02/17/eine-fruchtbare-und-furchtbare-diskussion/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Stephan Russ-Mohl]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 17 Feb 2014 14:19:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Standpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Daniel Foppa]]></category>
		<category><![CDATA[Populismus]]></category>
		<category><![CDATA[Medienwissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[NZZ]]></category>
		<category><![CDATA[Tages-Anzeiger]]></category>
		<category><![CDATA[Rainer Stadler]]></category>
		<category><![CDATA[Tagesspiegel]]></category>
		<category><![CDATA[Abstimmung]]></category>
		<category><![CDATA[Medienforschung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Populistische Medien trügen eine Mitschuld am Abstimmungsergebnis zur «Masseneinwanderungsinitiative», stellte Medienforscher Stephan Russ-Mohl fest. Die anschliessende Diskussion um die Ergebnisse der Medienforschung, auf die sich der Autor stützte, war so fruchtbar, wie sie auch entgleiste. Sein folgender Beitrag dokumentiert die Kontroverse und bewertet die wichtigsten Diskussionsbeiträge. Mein Ausgangs-Kommentar im Berliner Tagesspiegel berief sich auf zwei <a href="https://medienwoche.ch/2014/02/17/eine-fruchtbare-und-furchtbare-diskussion/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Populistische Medien trügen eine Mitschuld am Abstimmungsergebnis zur «Masseneinwanderungsinitiative», stellte Medienforscher Stephan Russ-Mohl fest. Die anschliessende Diskussion um die Ergebnisse der Medienforschung, auf die sich der Autor stützte, war so fruchtbar, wie sie auch entgleiste. Sein folgender Beitrag dokumentiert die Kontroverse und bewertet die wichtigsten Diskussionsbeiträge.<br />
<span id="more-18151"></span><br />
Mein <a href="http://www.tagesspiegel.de/medien/masseneinwanderung-auslaender-als-problem/9460742.html" target="_blank">Ausgangs-Kommentar</a> im Berliner Tagesspiegel berief sich auf zwei Schweizer Forschungsinstitute, die bereits vor der Abstimmung unabhängig voneinander einen Mitschuldigen am Abstimmungsergebnis ausfindig gemacht hatten: die Schweizer Medien.</p>
<p>Das <a href="http://www.foeg.uzh.ch/analyse/politischekommunikation/abstimmungfebruarupdate.html" target="_blank">Forschungsinstitut Öffentlichkeit und Gesellschaft (fög)</a> der Universität Zürich berichtete, die rechtspopulistische Initiative habe beispielsweise von der mit Abstand grössten Zeitung, dem Gratisblatt 20 Minuten, aber auch von der auflagenstärksten Qualitätszeitung, dem sonst eher linksliberalen und auf Seriosität bedachten Tages-Anzeiger, Zuspruch erhalten. Der «‹horse race›-Journalismus, bei dem Kampagnenstrategien statt der Austausch von Argumenten im Zentrum stehen», habe – so meine Darstellung – mit dazu beigetragen, dass zu guter Letzt die schweigende Mehrheit einen knappen Abstimmungssieg erringen konnte.</p>
<p>Die letzten beiden Halbsätze waren eine naheliegende Schlussfolgerung, die ich gezogen habe, die allerdings so direkt nicht im Forschungsbericht steht – da heisst es wortwörtlich lediglich: Korrespondierend zum «medialen Zuwachs an Pro-Stimmen rücken die Medien jene Lager und Gruppen stärker in den Fokus, die (unerwartet) die Initiative befürworten (z.B. ‹Abweichler› innerhalb der Grünen-, FDP- und CVP-Parteisympathisanten). Im Modus eines ‹horse race›-Journalismus, bei dem Kampagnenstrategien statt der Austausch von Argumenten im Zentrum stehen, setzt sich in der Medienarena das Bild durch, dass die Gegner der Initiative ‹nervös› seien (NZZ). Diese Deutung erhält mehr Resonanz als jene der Initiativ-Gegner, wonach die genannten Umfrageergebnisse einen für die Gegenkampagne ‹heilsamen Elektroschock› (Le Temps) darstellten.»</p>
<p>Ergänzend hatte das <a href="http://www.mediatenor.com/de/bibliothek/newsletter/auslaenderbild-in-schweizer-medien-verschafft-svp-initiative-rueckenwind" target="_blank">Forschungsinstitut Media Tenor</a> (Rapperswil) darauf verwiesen, dass in den Hauptnachrichten-Sendungen des Schweizer Fernsehens die Ausländer «in erster Linie als Problem präsentiert» würden, und somit «jeder Entscheid zugunsten der Ausländer eine Überraschung» gewesen wäre. Media Tenor analysierte Präsenz und Bewertungen der Ausländer in den Schweizer Fernseh-Nachrichten und in anderen Sendungen der SRG seit 2006. «Mehr als 80 Prozent aller Berichte, in denen Ausländer überhaupt von den Nachrichten thematisiert wurden, bezogen sich allein auf das Asylrecht oder Einwanderungsfragen.» Damit habe der Stimmbürger keine Chance gehabt, «die reale Veränderung im Alltag der Schweiz über die Medien zu erfahren»: Kaum ein Krankenhaus komme «ohne Nicht-Schweizer aus» und «Forschung und Lehre wären zwischen St. Gallen und Genf undenkbar, würden Wissenschaftler aus Europa, Amerika, Afrika und Asien nicht ihren Beitrag leisten.»</p>
<p>Sodann zum spannenden Teil der anschliessenden Diskussion: Rainer Stadler hat sich <a href="http://medienblog.blog.nzz.ch/2014/02/12/migration-die-medien-sind-schuld/" target="_blank">in seinem NZZ-Blog zu Wort</a> gemeldet. Zitat: «In der FÖG-Analyse steht, dass 20 Minuten in der Untersuchungsperiode vom 18. November 2013 bis zum 6. Februar 2014 insgesamt 36 Beiträge zu diesem Thema publizierte. Zum Überhang an positiv gestimmten Beiträgen über die Initiative notiert die Studie die Zahl 3. Demnach hat die Gratiszeitung ziemlich neutral über die Initiative informiert. Der Tages-Anzeiger brachte in dieser Phase 76 Artikel, wobei der Überhang der Artikel mit Initiative-freundlichem Tenor 13 betrug. Eine Art Pro-Kampagne des Tages-Anzeigers kann man aus diesem Resultat sicher nicht herauslesen.»</p>
<p>Stadler verwechselt hier zwar Prozentpunkte mit Artikelzahlen – aber das ändert an seiner Einschätzung wenig und erschliesst sich auch aus der Darstellung des FÖG auch für Nicht-Wissenschaftler nicht ohne Weiteres. Zutreffend fügt Stadler hinzu, Redaktionen arbeiteten «nicht mit einem Zählrahmen, um Pro- und Contra-Beiträge punktgenau auszutarieren. Im Tagesgeschäft wirkt auch Meister Zufall mit.» In diesem Sinn solle man in wissenschaftliche Studien nicht mehr hineinlesen, als diese inhaltlich hergeben können.</p>
<p>Ich habe Stadler (für den ich regelmässig als NZZ-Autor arbeite) erst einmal auf Facebook zu seiner vertiefenden Analyse gratuliert und dabei auch Schwächen meines eigenen Beitrags eingestanden: «Als ich … meinen Beitrag unter Zeitdruck geschrieben habe, habe ich mich wohl von den zugespitzten Presseerklärungen der beiden Forschungsinstitute dazu verleiten lassen, vorschnelle Schlussfolgerungen zu ziehen. Fazit: Man sollte auch seinen Wissenschaftler-Kollegen nicht alles glauben. Und: Wir brauchen genau solch einen – leider sehr rar gewordenen – Journalismus, der prüft und hinguckt, auch wenn Wissenschaftler sich auf ihre eigenen Fachkollegen berufen….»</p>
<p>Trotzdem lassen sich auch gegen Stadlers Argumentation Einwände geltend machen. Er nimmt ja nobel den Tages-Anzeiger und auch das öffentliche Fernsehen – beide sind in Zeiten der Medienkonvergenz unmittelbare Wettbewerber der NZZ – in Schutz, so wie sich eben Professionsangehörige – darauf hat auch der Medienforscher Mark Eisenegger vom FÖG in einer privaten E-Mail an mich noch einmal hingewiesen – untereinander gerne in Schutz nehmen, wenn sie von aussen angegriffen werden.</p>
<p>Auf den ersten Blick erscheint der quantitativen Analyse des FÖG zufolge die Berichterstattung sowohl von 20 Minuten als auch von Tages-Anzeiger in der Tat «ausgewogen». Gegner und Befürworter kamen in etwa gleich häufig zu Wort, mein «Populismus-Vorwurf» scheint mithin entkräftet. Auf den zweiten Blick wird man aber doch festhalten müssen, dass der mediale Populismus womöglich gerade darin besteht, dass die beiden Zeitungen den Vereinfachern der SVP gleich viel bzw. sogar etwas mehr Aufmerksamkeit geschenkt haben als der «grossen Koalition» aus allen anderen Parteien, den Gewerkschaften und Wirtschaftsverbänden ebenso wie der Kirchen und Universitäten, die auf die komplizierten Zusammenhänge und Folgeprobleme der Initiative hingewiesen haben. Die Versuchung, im Journalismus zu simplifizieren und auf diese Weise grössere Publika zu erreichen, ist angesichts schrumpfender Werbeerlöse und auf Sparflamme gesetzter Redaktionen gross – und genau das ist hier womöglich passiert.</p>
<p>Auch mit der Analyse des Media Tenor über die Berichterstattung des öffentlichen Fernsehens setzte sich Stadler auseinander. Er hat recherchiert, dass die «Tagesschau”, die «Rundschau”, «SRF Börse” und «Eco” ausgewertet wurden. Man könne «darüber streiten, ob ein solcher Programmfächer aussagekräftige Ergebnisse liefern kann. Von Aktualitäten getriebene Sendungen müssten «an die Themen des politischen und wirtschaftlichen Tagesgeschäfts anknüpfen». Entsprechend verwundere es nicht, dass hauptsächlich über die Asylpolitik und die Einwanderung berichtet wurde.</p>
<p>Sodann fragt Stadler: «Müssten also verstärkt die Leistungen der Ausländer für das Funktionieren der Schweizer Wirtschaft herausgehoben werden, wie der Media Tenor indirekt fordert?» Wissenschaftliche Untersuchungen wiesen seit Längerem darauf hin, dass die Medien die positiven Aspekte der Migration nicht angemessen darstellten. Stadler meint, die  Journalisten sollten die entsprechenden Fakten «in der Tat auf den Tisch legen», fragt aber, ob eine Nachrichtensendung der richtige Ort dafür sei. «Die Gefahr wäre gross, dass gerade das Fernsehen in die Rolle einer Belehrungsinstanz geriete. Das kommt schlecht an und wäre gar kontraproduktiv.»</p>
<p>Stadler hat wohl die Dynamik der Konkurrenz um Aufmerksamkeit im Hinterkopf, wenn er so fatalistisch akzeptiert, dass sich in den Medien meist schlechte statt gute Nachrichten durchsetzen – und damit auch sensationsgierige, populistische Darstellungsweisen gegenüber solchen, die sich um Ausgewogenheit und «Objektivität» bemühen, die Oberhand gewinnen. Daran anzuknüpfen wäre allerdings die Frage, inwieweit sich ein öffentlicher Sender, der sich aus steuerähnlichen Gebühren finanziert und einen Integrationsauftrag hat, diesen Auswahlprinzipien des kommerziellen Journalismus umstandslos fügen muss. Vielleicht dürften die Ausländer, die immerhin einen Bevölkerungsanteil von knapp 25 Prozent in der Schweiz stellen und ja ebenfalls die Empfangsgebühr bezahlen, da doch etwas mehr «Minderheitenschutz» erwarten – allein schon, was die Sprache anlangt, in der die öffentlichen Sender mit ihren Publika kommunizieren (aber das ist zugegebenermassen ein anderes Thema). Dass man zudem publizistisch sogar als kommerzieller Nachrichtenanbieter auch mit «good news» punkten kann, hat in den 80er und 90er Jahren USA Today mit seinem kometenhaften Aufstieg zur grössten Tageszeitung der Vereinigten Staaten vorgemacht.</p>
<p>Auch optisch war Stadlers Diskussionsbeitrag übrigens hübsch inszeniert: Mit Handschellen, als wollten wir Medienforscher die Journalisten in Geiselhaft nehmen. Mein öffentliches «Schuldeingeständnis» auf Facebook, dass mein Beitrag unter Zeitdruck (zwei Stunden bis zum nächsten Sitzungstermin und damit vor Redaktionsschluss) und Platzmangel (2000 Zeichen) zustande gekommen ist, und dass ich mich im Wesentlichen auf öffentliche Erklärungen der beiden Forschungsinstitute gestützt habe, ohne die mitgelieferten Daten gründlicher analysiert zu haben, <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/ipad/schweiz/Forschung-aus-der-Huefte/story/29015808" target="_blank">hat der Tages-Anzeiger</a> zum Anlass genommen, um meine Aussagen für seinen eigenen Diskussionsbeitrag zu instrumentalisieren, der ihn von jedweder Mitschuld reinwäscht, dafür aber einmal mehr «die Medienforschung» auf die Anklagebank setzt.</p>
<p>Schon die Rubrik des Beitrags von Daniel Foppa lässt wenig Gutes erwarten: «Forschung aus der Hüfte. Wenn Medienforscher in Hektik verfallen» heisst es da – und bringt mich als Kronzeugen gegen das FÖG in Stellung. In Stil und Inhalt bestätigt sodann der Tages-Anzeiger auch im Umgang mit Medienforschung genau meinen Vorwurf, den ich – nach nunmehr gründlicherer Überprüfung – weiterhin aufgrund der Datenlage auch zur Berichterstattung über die Masseneinwanderungsinitiative aufrechterhalte: Es wird eher «populistisch» berichtet statt hinreichend «inhaltlich-sachlich» argumentiert. Das FÖG hat recht, wenn es in seiner eigenen <a href="http://www.foeg.uzh.ch/analyse/tagesanzeiger.html" target="_blank">Stellungnahme festhält</a>, der Tages-Anzeiger habe es «gesamthaft verpasst, sich seriös mit unseren Studienresultaten auseinanderzusetzen.»</p>
<p>Höchste Zeit wohl, dass Chefredaktor Res Strehle das Versprechen einlöst, das er vor knapp einem Jahr gemacht hat. In Solothurn hat er vor der Creme de la creme der Schweizer Medienforscher und Journalisten feierlich versprochen, der Tages-Anzeiger werde seine Kompetenz in der Berichterstattung über Medien und Journalismus stärken. Bleibt zu hoffen, dass der neue Kollege oder die neue Kollegin bald gefunden wird, und vielleicht ja auch von Medienforschung eine Ahnung hat.</p>
<p>Abschliessend noch ein paar weitere Anmerkungen:</p>
<ol>
<li><span style="font-size: 13px;">Wenn Wissenschaftler im Kampf um mediale Aufmerksamkeit sich Gehör verschaffen wollen, müssen auch sie ihre Botschaften zuspitzen. Zugespitzt habe im konkreten Fall allerdings ich, nicht das FÖG – und diese Zuspitzung hat sich dann in anderen Medien weiter verselbstständigt. So «trommelte» dann laut Schweiz am Sonntag derTages-Anzeiger zu guter Letzt für die SVP.</span></li>
<li><span style="font-size: 13px;">Wenn Journalisten über Forschungsarbeiten schreiben, sollten sie sich möglichst nicht allein auf Medienmitteilungen stützen, sondern diese zum Anlass nehmen, um nachzufragen und nachzurecherchieren. Rainer Stadler hat das erfreulicherweise getan, den meisten anderen Redaktionen fehlen dazu freilich oftmals die Ressourcen und die Zeit. Die meisten Pressestellen wissen das inzwischen und beuten diesen Umstand leider gelegentlich in ihrem eigenen Interesse aus.</span></li>
<li><span style="font-size: 13px;">Das Beispiel der beiden zitierten Studien zeigt einmal mehr, wie unterschiedlich sich Daten interpretieren lassen, die mit wissenschaftlichen Methoden erhoben wurden.</span></li>
</ol>
<p>Sind populistische Medien also mit Schuld am Abstimmungsergebnis zur Masseneinwanderungsinitiative? Nachdem jetzt die verfügbaren Analysen auf dem Tisch liegen und die Argumente ausgetauscht sind, mag sich im konkreten Fall darüber jeder selbst seine Meinung bilden.</p>
<p>Stadler zitiert in seinem Diskussionsbeitrag abschliessend den Schriftsteller Thomas Hürlimann. Dieser hatte <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/zur-schweizer-einwanderungsdebatte-der-schweizer-als-hoehlenmensch-12794965.html" target="_blank">in der FAZ</a> darauf aufmerksam gemacht, dass die schweizerische Demokratie vor allem dann funktioniere, «wenn es bei Volksabstimmungen nur eine relativ geringe Beteiligung gibt». Denn dann gingen die politisch Informierten an die Urne. Kluge Resultate seien die Folge. Das sieht Hürlimann nicht mehr gewährleistet, wenn die Mobilisierung stark sei und mehr als fünfzig Prozent der Stimmberechtigten aktiv würden, wie im aktuellen Fall. Diese Feststellung klingt für Stadler «etwas hochnäsig». Die Annahme, dass «bei steigender Stimmbeteiligung die Anzahl der wenig informierten Urnengänger wächst», scheint indessen auch ihm naheliegend: «Entsprechend», so Stadler, «erhalten die massenwirksamen Botschaften eindimensionaler Schlagzeilen und einprägsamer Bilder ein grösseres Gewicht. Dann entwickelt die stereotyp und unreflektiert wiederholte Rede von «<a href="http://medienblog.blog.nzz.ch/2014/02/04/doppelboediges-zur-migration/" target="_blank">überfüllten Zügen und verstopften Strassen</a>, wie es in diesem Abstimmungskampf geschah, ihre gefährliche rhetorische Kraft.»</p>
<p>Damit ist eine weitere Grundsatz-Frage aufgeworfen: Besteht Demokratie ausschliesslich aus der Mehrheits-Regel – oder nicht doch aus einem sehr viel komplexeren Gefüge wechselseitiger Machtkontrolle von Volkssouverän, Regierung, Parlament und Justiz? Wie sind Mehrheitsentscheidungen und Minderheitenschutz gegeneinander auszubalancieren? Wie ist in hochkomplexen, die Lebensqualität entscheidenden Fragen eine 50,3-Prozent-Mehrheit zu gewichten, wenn eine Minderheit von 49,7 Prozent anderer Meinung war und 44 Prozent der Stimmbürger sich an der Abstimmung gar nicht beteiligt haben?</p>
<p>Es bleibt zu hoffen, dass gerade die Schweiz mit ihrer direkten Demokratie, ihrem hochdifferenzierten Föderalismus und ihrem klugen System der Konsenssuche und Konkordanz-Demokratie einen Weg aus dem Schlamassel finden wird, das das Votum vom 9. Februar angerichtet hat. Dazu wird es allerdings im Umgang mit dem Volksentscheid auch Fingerspitzengefühl auf der anderen Seite, in Brüssel, brauchen. In Deutschland oder Belgien, in Frankreich oder Italien würde trotz eines sehr viel niedrigeren Ausländer-Anteils an der Bevölkerung eine solche Abstimmung wohl kaum anders ausgehen als in der Schweiz, wenn sie denn in diesen EU-Ländern stattfinden dürfte.</p>
<p>In einem höheren Sinne haben «die Medien» im Übrigen wohl an jedem Abstimmungs- oder Wahlergebnis eine Mitverantwortung. Denn fast alles, war wir wissen, wissen wir aus den Medien – so schon vor vielen Jahren der Soziologe Niklas Luhmann. Daran hat sich auch im Zeitalter der sozialen Netzwerke wenig geändert. Dass die Medien sicherlich nicht die «Hauptschuldigen» sind und es eben noch viele andere, diffuse Gründe gibt, die das Abstimmungsergebnis mit erklären helfen, haben wenige Diskussionsbeiträge so einfühlsam veranschaulicht wie <a href="http://www.nzz.ch/aktuell/schweiz/phantomschmerz-in-der-dorfidylle-1.18243777" target="_blank">eine Reportage der NZZ</a>, die am Beispiel des Dorfs Hellikon in der Nähe von Basel zeigt, welche Wunden der Globalisierungsprozess auf lokaler Ebene auch dann hinterlässt, wenn vor Ort kaum Ausländer zugegen sind.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/02/17/eine-fruchtbare-und-furchtbare-diskussion/">Eine fruchtbare und furchtbare Diskussion</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Der «Herr der Quoten» stellt kritische Fragen</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2013/05/08/der-herr-der-quoten-stellt-kritische-fragen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 May 2013 08:05:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Matthias Steinmann]]></category>
		<category><![CDATA[Telecontrol]]></category>
		<category><![CDATA[SRG]]></category>
		<category><![CDATA[Forschung]]></category>
		<category><![CDATA[Mediapulse]]></category>
		<category><![CDATA[Medienforschung]]></category>
		<category><![CDATA[Kantar]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der langjährige SRG-Forschungsleiter und Telecontrol-Erfinder Matthias Steinmann kommentiert die verfahrene Situation um die Einführung einer neuen Erhebungsmethode für die TV-Zuschauerzahlen. Als möglichen Ausweg aus dem Desaster sieht er den Abbruch der Übung. Erst einmal hat er sich bisher öffentlich dazu geäussert. Ende Februar nahm Matthias Steinmann im Sonntagsblick kurz Stellung zu den Problemen mit der <a href="https://medienwoche.ch/2013/05/08/der-herr-der-quoten-stellt-kritische-fragen/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Der langjährige SRG-Forschungsleiter und Telecontrol-Erfinder Matthias Steinmann kommentiert die verfahrene Situation um die Einführung einer neuen Erhebungsmethode für die TV-Zuschauerzahlen. Als möglichen Ausweg aus dem Desaster sieht er den Abbruch der Übung.<br />
<span id="more-14015"></span><br />
Erst einmal hat er sich bisher öffentlich dazu geäussert. Ende Februar nahm Matthias Steinmann im Sonntagsblick kurz Stellung zu den Problemen mit der Einführung einer neuen Erhebungsmethode für die TV-Zuschauerzahlen in der Schweiz. Ansonsten hat sich der altgediente Medienforscher wohlweislich zurückgehalten, nachdem sich die Stiftung Mediapulse gegen das von ihm entwickelte Telecontrol-System entschieden hatte.</p>
<p>Seit Anfang Jahr sollte die Firma Kantar verlässliche Zuschauerzahlen liefern. Die Zahlen gibt es inzwischen, aber die Branche hat kein Vertrauen in die neue Quote. Nicht nachvollziehbar halten Sender und Vermarkter die teils starken Abweichungen gegenüber den früheren Werten. Ein Teil der Regionalsender will deshalb auf die Dienste von Mediapulse und Kantar <a href="https://medienwoche.ch/2013/04/04/exit-szenario-liegt-auf-dem-tisch/" target="_self">verzichten</a>. Andere wiederum blockieren die Veröffentlichung der angezweifelten Zuschauerzahlen <a href="http://www.persoenlich.com/news/medien/mediapulse-daten-d-rfen-doch-nicht-publiziert-werden-306011#.UYoCnytOr3E" target="_blank">auf gerichtlichem Weg</a>.</p>
<p>Angesichts der tiefgreifenden Vertrauenskrise wollte Steinmann nicht mehr länger schweigen. In einer <a href="http://monsieurdigital.files.wordpress.com/2013/05/auffc3a4lligkeiten-und-fragestellungen-neues-messsystem-29-4-2013-2.pdf">Stellungnahme</a>, die er ehemaligen Mitarbeitern und Geschäftspartnern hat zukommen lassen, geht der Medienforscher mit seinen Nachfolgern hart ins Gericht. Das zehnseitige Dokument wurde ohne Wissen Steinmnns auf einem <a href="http://monsieurdigital.wordpress.com/2013/05/03/mediapulse-prof-dr-matthias-steinmann-meldet-sich-zu-wort/" target="_blank">Blog veröffentlicht</a>. Gegenüber der MEDIENWOCHE hat Steinmann die Autorschaft bestätigt. Darüber hinaus wollte er aber nicht Stellung nehmen.</p>
<p>Das Dokument, das der Doyen der schweizerischen Publikumsforschung als «persönliche Gedanken» verstanden wissen will, lässt an der Arbeit von Kantar und Mediapulse keinen guten Faden: «Das ganze &#8218;Desaster&#8216; ist meiner Ansicht nach die Folge einer falschen Strategie.» Damit meint Steinmann den Entscheid, mit einer neuen Firma und einer komplett neuen Methode <a href="http://www.nzz.ch/aktuell/feuilleton/medien/tv-wettrennen-zurueck-an-den-start-1.17895978" target="_blank">bei null zu beginnen</a>, anstatt das Bestehende weiterzuentwickeln. Da die «Schweizer TV-Forschungsverhältnisse zu den kompliziertesten der Welt gehören», sei «spezifische Erfahrung» mit den lokalen Bedingungen eine zentrale Voraussetzung für den Erfolg. Wenig verwunderlich also, tut sich eine Firma schwer, die erstmals im Schweizer Markt tätig ist. Was Steinmann meint, ist klar, ohne dass er es explizit schreibt: Mit seinem Telecontrol wäre es nie zu einem vergleichbaren Desaster gekommen.</p>
<p>Nun überrascht es zuerst einmal wenig, wenn Steinmann das eigene Produkt für die bessere Lösung hält. Um dem Eindruck der Befangenheit entgegenzutreten, verweist Steinmann auf sein <a href="http://www.derbund.ch/bern/Professor-Steinmann-kauft-Schloss-Wyl/story/18815882" target="_blank">Rentnerdasein</a> und das getrübte Verhältnis zur <a href="http://www.gfk.ch/company/organisation/affiliates/index.de.html" target="_blank">Telecontrol-Firma GfK</a>, mit der er einen mehrjährigen Rechtsstreit ausgefochten hatte. Dass ihm nicht an einer Abrechnung gelegen ist, zeigt auch der sachliche Ton Schreibens. Frei von Ressentiments stellt Steinmann Fragen und kommentiert die Vorgänge rund um die neu aufgestellte TV-Forschung.</p>
<p>Aus seinen Beobachtungen schliesst der ehemalige Medienprofessor, dass wissenschaftliche Grundvoraussetzungen schlicht nicht erfüllt seien. Mängel sieht Steinmann insbesondere beim Aufbau des Panels. Es bilde die Realität nicht ausreichend ab, mit der Folge, dass die erhobenen Daten weder reliabel noch ausreichend valide seien. Also im Prinzip unbrauchbar, weil nicht das gemessen werden kann, was zu messen vorgegeben wird.</p>
<p>Schliesslich durchkreuzt Steinmann zwei zentrale Argumentationslinien der Firma Mediapulse. Immer wieder warnten die Medienforscher davor, die neuen Zuschauerzahlen mit den alten <a href="https://medienwoche.ch/2013/03/01/excel-ohne-wert/" target="_self">zu vergleichen</a> und daraus Aussagen über Zugewinne oder Verluste ableiten zu wollen. Steinmann hält dazu fest: «Diese Vergleiche können von Fachleuten durchaus durchgeführt werden.» Auch bei der Frage zum Parallelbetrieb sieht es Steinmann anders. Mediapulse hatte eine Überlappung von alter und neuer Messmethode auf einen Monat beschränkt. Ein längerer Parallelbetrieb hätte in der Branche für Verunsicherung gesorgt, da zwei «Währungen» gleichzeitig im Markt kursierten. Steinmann findet einen Parallelbetrieb gerade deshalb wichtig, um Vertrauen in die neue Methode zu schaffen.</p>
<p>Trotz zahlreicher Anregungen und Vorschläge, wie die verfahrene Situation doch noch zu retten wäre, stellt Steinmann zum Schluss die rhetorische Frage, «ob nicht ein Ende mit Schrecken einem Schrecken ohne Ende vorzuziehen wäre.» Was das genau heisst, lässt der Medienforscher offen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass er damit primär personelle Massnahmen meint. In dem Sinn könnte man die unerbetene Stellungnahme auch als Blindbewerbung um eine Rolle als Troubleshooter lesen. Mediapulse-Verwaltungsratspräsident Marco de Stoppani signalisierte schon im Februar gegenüber der Weltwoche, dass er bereit wäre, das Feld zu räumen, «sollte es der Sache dienen». Dass es Steinmann um die Sache geht, hat er mit seinem Schreiben deutlich deklariert.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/05/08/der-herr-der-quoten-stellt-kritische-fragen/">Der «Herr der Quoten» stellt kritische Fragen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>«Selbständige Redaktion»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2012/04/27/selbstaendige-redaktion/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 Apr 2012 11:26:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Medienforschung]]></category>
		<category><![CDATA[Konzession]]></category>
		<category><![CDATA[Michael Latzer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am Montag werden SRG und Verleger zusammen mit Bundesrätin Doris Leuthard nach einer Einigung im Online-Streit suchen. Im Zentrum der Gespräche steht das Werbeverbot, das die SRG für ihre Webseiten aufheben möchte. Aber es geht auch um die Grenzen der publizistischen Aktivitäten im Netz. Derweil nimmt beim Schweizer Radio und Fernsehen eine «selbständige Online-Redaktion» ihre <a href="https://medienwoche.ch/2012/04/27/selbstaendige-redaktion/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/04/27/selbstaendige-redaktion/">«Selbständige Redaktion»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Am Montag werden SRG und Verleger zusammen mit Bundesrätin Doris Leuthard nach einer Einigung im Online-Streit suchen. Im Zentrum der Gespräche steht das Werbeverbot, das die SRG für ihre Webseiten aufheben möchte. Aber es geht auch um die Grenzen der publizistischen Aktivitäten im Netz. Derweil nimmt beim Schweizer Radio und Fernsehen eine «selbständige Online-Redaktion» ihre Arbeit auf.</strong></p>
<p>Am nächsten Freitag gibt es bei Schweizer Radio und Fernsehen SRF etwas zu feiern. Anlass für den Apéro bietet der Umzug der News-Online-Redaktion in neue Büros im Studio am Leutschenbach. Ein Umzug, so schreiben die Verantwortlichen, der mehr sei als nur ein Umzug, nämlich «der Anfang einer selbständigen Online-News-Redaktion.»</p>
<p>Der Apéro wäre nicht weiter der Rede wert und ein Betriebsanlass wie jeder andere, wenn nicht  am nächsten Montag ein wichtiger und gewichtiger Termin anstünde, wo es genau darum geht, was das Schweizer Radio- und Fernsehen SRF im Netz tun darf und was es zu lassen hat; also auch um die Klärung der Frage, wie selbständig eine «selbständige Online-News-Redaktion» arbeiten darf.</p>
<p>«Selbständig» sei in diesem Zusammenhang folgendermassen zu verstehen, erklärt SRF-Sprecherin Andrea Hemmi: «Die Online-News-Redaktion ist organisatorisch sowie räumlich nicht mehr wie bisher an die Tagesschau gekoppelt. Die konvergente Online-News-Redaktion von SRF ist der Chefredaktion Radio und der Chefredaktion Fernsehen gemeinsam unterstellt.» Sobald es aber um die Inhalte geht, sind der Selbständigkeit Grenzen gesetzt – und die Verleger pochen darauf, dass diese künftig restriktiver ausgelegt, respektive besser eingehalten werden; Online dürfe «höchstens das Programm begleiten».</p>
<p>Der strittige Punkt ist der sogenannte Sendungs- und Programmbezug, wie er in der <a href="https://docs.google.com/viewer?a=v&amp;q=cache:5mKq5clpZrkJ:www.srgssr.ch/fileadmin/pdfs/Konzession_srg_281109_de.pdf+&amp;hl=en&amp;pid=bl&amp;srcid=ADGEESg8jRESmjWR56rbQXiFnzqyJYKW1XvcBCmS2YJKYwKSflqq_ld_wdWdCgWxGn6tenuBn5C3KeY_EESCGxK9Y-8Igo_D-jPDA8ThVwT23DsNww3toNq-idktdcZdpdjikrgNMkkD&amp;sig=AHIEtbQT7nAmWsXiOcC388BiXLYUXJU98A" target="_blank">Konzession</a> gefordert wird: «Die Online-Angebote [der SRG] umfassen programmbezogene, multimedial aufbereitete Beiträge, die zeitlich und thematisch einen direkten Bezug zu Sendungen aufweisen.» Was auf den ersten Blick einigermassen klar und nachvollziehbar aussieht, entpuppt sich in der Praxis als schwammiger Passus. Ein juristisches Gutachten im Auftrag des Verbands Schweizer Medien kam zum Schluss, dass der betreffende Konzessionsartikel «keine effektiven inhaltlichen Grenzen» setze.</p>
<p>In der Tat haben Radio und vor allem das Fernsehen ihre Nachrichtenwebseiten in den letzten Jahren zu <a href="http://www.tagesschau.sf.tv/" target="_blank">umfassenden News-Portalen ausgebaut</a>. Ihr Angebot ist inzwischen vergleichbar mit demjenigen von privaten Medienhäusern trotz konzessionsrechtlicher Einschränkungen. Der geforderte Bezug zu Radio- und TV-Sendungen lässt sich grosszügig ausgelegt immer irgendwie konstruieren. Offensichtlich besteht hier grosser Interpretationsspielraum. Das wird auch von unabhängiger Seite bestätigt. «Die Frage, wie die zeitliche Distanz des Aufschaltens der einzelnen Beiträge sein muss, ist nicht eindeutig geklärt», sagt Medienwissenschaftler Michael Latzer von der Uni Zürich.</p>
<p>Latzer hat im Auftrag des Bundesamts für Kommunikation das Online-Angebot der SRG zweimal auf <a href="http://www.bakom.admin.ch/themen/radio_tv/00509/01188/03240/index.html" target="_blank">Konzessionsverstösse</a> <a href="http://www.news.admin.ch/message/index.html?lang=de&amp;msg-id=37856" target="_blank">überprüft</a> – und grösstmehrheitlich für konform befunden. Gleichzeitig weist der Professor darauf hin, dass es in manchen Fällen aufgrund unverhältnismässigen Rechercheaufwands und mangels verfügbarer finanzieller Mittel nicht möglich sei, die Konzessionskonformität eines Online-Beitrags abschliessend zu beurteilen.</p>
<p>Die SRG kann mit diesem Zustand – verständlicherweise – ganz gut leben und sieht deshalb auch keinen Handlungsbedarf. «Diesbezüglich ist bei uns nichts auf dem Radar», teilt SRG-Sprecher Daniel Steiner im Hinblick auf die Gespräche vom Montag mit. Anders tönt es bei Urs F. Meyer, Geschäftsführer vom Verband Schweizer Medien. Für ihn ist klar: «Im Rahmen der Gespräche über die Online-Werbung der SRG wird auch über die Beschränkung der Online-Inhalte gesprochen.»</p>
<p>Wenn es am runden Tisch zu keiner Einigung kommen sollte, wird letztlich Bundesrätin Leuthard entscheiden. Und sie neigt zu einer grosszügigen Auslegung des strittigen Begriffs des Programmbezugs und stützt damit die bisherige Praxis der SRG. Ihre Haltung illustrierte sie vor einem Jahr anhand der <a href="http://www.swissinfo.ch/ger/news/newsticker/wirtschaft/CH/Politik_will_sich_in_SRG-Online-Streit_nicht_einmischen.html?cid=29977070" target="_blank">Berichterstattung zum AKW-Unfall in Fukushima</a>: Die SRG habe bis zur ordentlichen Ausgabe der Tagesschau keine Bilder dazu ins Netz stellen dürfen. Das seien Auflagen, die zu hinterfragen seien. Leuthard meint damit jene Konzessionsbestimmungne, die schon heute äusserst large interpretiert werden.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/04/27/selbstaendige-redaktion/">«Selbständige Redaktion»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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