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	<title>Printverlage | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
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		<title>Schlachtplan Zufall</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 Oct 2014 10:40:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Transparenz]]></category>
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		<category><![CDATA[Weltwoche]]></category>
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		<category><![CDATA[Christoph Blocher]]></category>
		<category><![CDATA[Blocher-Medien 2014]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als Anteilseigner der Basler Zeitung ist Christoph Blocher seit Mitte 2014 offiziell ein Zeitungsverleger. Auch wenn sein Einstieg in die Medien von vielen Rückschlägen begleitet und mehr zufällig erfolgt als sorgfältig geplant war, bahnt sich der Wille, Schweizer Medien zu beherrschen und zu beeinflussen, einen Weg. Als roter Faden zieht sich die konsequente Vermeidung von <a href="https://medienwoche.ch/2014/10/15/schlachtplan-zufall/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Als Anteilseigner der Basler Zeitung ist Christoph Blocher seit Mitte 2014 offiziell ein Zeitungsverleger. Auch wenn sein Einstieg in die Medien von vielen Rückschlägen begleitet und mehr zufällig erfolgt als sorgfältig geplant war, bahnt sich der Wille, Schweizer Medien zu beherrschen und zu beeinflussen, einen Weg. Als roter Faden zieht sich die konsequente Vermeidung von Transparenz durch die bisherigen Aktivitäten; eine fragwürdige Vorgehensweise in einer Branche, deren Produkt die Schaffung von Transparenz ist. Teil 1 unserer <a href="https://medienwoche.ch/tag/blocher-medien-2014/">Serie zu den «Blocher-Medien» und ihren Exponenten</a>.<br />
<span id="more-21253"></span></p>
<div align="right">
<h2>«Ein Parteiführer und Milliardär lässt im Geheimen seine Tochter eine Zeitung kaufen und schiebt gegenüber der Öffentlichkeit einen Flugunternehmer als Besitzer vor und gegenüber den Banken den ehemaligen Chef einer Grossbank. Und all das, um seinen Biographen als Chefredaktor einzusetzen. Das ist eine Geschichte, die klingt wie aus Russland. So etwas tun Oligarchen.»</p>
<p>Constantin Seibt in einer auf Einladung der Medienvielfalt Holding AG gehaltenen <a href="http://blog.tagesanzeiger.ch/deadline/index.php/1769/presse-demokratie-und-meinung-eine-rede-vor-den-aktionaren-und-freunden-der-basler-zeitung/">Rede</a> 2012.</h2>
</div>
<p></p>
<p><em>«Ich lese Organe der Blocher-Presse, die vor Fremdenfeindlichkeit strotzen» &#8211; dieser Satz von Martin Schulz am 9. Februar 2014 gegenüber <a href="http://www.nzz.ch/nzzas/nzz-am-sonntag/christoph-blocher-ist-ein-cleverle-1.18239039">der NZZ am Sonntag</a> ist der Auslöser für die hier beginnende <a href="https://medienwoche.ch/tag/blocher-medien-2014/">Serie</a>. Denn offenbar existiert eine «Blocher-Presse», gibt es «Blocher-Medien», von denen zwar der Präsident des Europäischen Parlaments weiss, aber nicht die breite Öffentlichkeit. Zeit für eine Untersuchung also, welchen Einfluss Blocher hat auf Journalisten und was es bedeutet, dass er eine traditionsreiche Tageszeitung unter seine Kontrolle gebracht hat.</em></p>
<p>Was eine Strategie ist, das weiss Christoph Blocher ganz genau, nämlich «ein genauer Plan zur Erreichung eines Ziels unter Einschluss sämtlicher Faktoren, die der Zielerreichung entgegenwirken können» («Das Blocher-Prinzip», Seite 89). Auch Roger Köppel weiss es: «Was ist eine Strategie? ­Eine Strategie ist ein präziser Plan zur Er­reichung eines vorher festgesetzten Ziels», <a href="http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2014-09/editorial-titel-die-weltwoche-ausgabe-092014.html">schreibt er</a>; schliesslich hat ihm das Blocher in einem <a href="http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2012-49/burkhalter-weiss-nicht-was-er-will-die-weltwoche-ausgabe-492012.html">Interview</a> aus dem Duden zitiert.</p>
<p>Um so verwundernswerter ist es, wie unvorbereitet der Unternehmer und Ex-Bundesrat ins Mediengeschäft gestolpert ist, wie plump er versucht hat, undurchsichtig zu bleiben. Hat es eine Strategie zur Übernahme der Basler Zeitung gegeben, dann muss sie so ausgesehen haben:</p>
<ol>
<li>Zeitung unter Kontrolle bringen</li>
<li>Die realen Machtverhältnisse über viele Monate hinweg leugnen</li>
<li>Konkurrenzierende Medienhäuser dazu spekulieren lassen</li>
<li>Die Wahrheit per Salami-Taktik ans Licht kommen lassen</li>
<li>Die realen Machtverhältnisse am Ende nur unzureichend transparent machen</li>
</ol>
<p>Ein doch sehr erstaunlicher Einstieg in das Geschäft mit dem Journalismus, dessen Rückgrat das Bemühen ist, die Wahrheit herauszufinden und die damit gewonnene Glaubwürdigkeit. Der «Schweizer Journalist» erklärte deshalb dem Unternehmer in Ausgabe 8-9/2014, er würde «das Geschäftsmodell der Medien nicht verstehen», das heisse nämlich am Ende Transparenz:</p>
<blockquote><p>«Blocher hat seine Lektion noch nicht gelernt, dabei wäre es auch aus wirtschaftlichen Gründen besser, reinen Tisch zu machen. Seit dem Verkauf der BaZ 2010 an rechtsbürgerliche Kreise hat nichts dem Blatt so sehr geschadet wie das Wirrwarr um die Besitzverhältnisse, über die Blocher die Öffentlichkeit lange hinters Licht geführt hat.»</p></blockquote>
<h3>Medien nach eigenem Gusto</h3>
<p>Den Erfolg, eine der bekannteren Schweizer Zeitungen zu besitzen und sie nicht einem der Grossverlage zu überlassen, hat Blocher zu einem hohen Preis erkauft. Einerseits hat er am Ende sehr viel für das Produkt bezahlt, auch weil er sich mutmasslich hat täuschen lassen über den tatsächlichen Zustand des Unternehmens (siehe dazu das <a href="https://medienwoche.ch/2014/02/12/die-unabhaengigkeit-vom-werbemarkt-ist-der-traum-aller-verleger/">MEDIENWOCHE-Interview mit CEO Rolf Bollmann</a>). Andererseits hat die unausgegegorene Strategie unmässig viele Abonnenten vertrieben. Die Auflage brach von 83 773 verkauften Exemplaren 2010 über 30 Prozent ein auf verkaufte 57 647 Exemplare 2013.</p>
<p>Im Nachhinein zu analysieren, was alles falsch gemacht wurde, ist zugegebenermassen simpel. Es ist wahrscheinlich, dass auch anders gewählte Einstiege von Blocher ins Zeitungsgeschäft nicht reibungslos verlaufen wären. Doch hier liegt das Problem der Investments: Weil man sich offenbar nicht zutraut, ein Medienprodukt zu lancieren, das ausreichend Publikum anzieht, um Wirkung zu entfalten, versucht man, bestehende Produkte zu übernehmen und inhaltlich neu, also nach eigenem Gusto, auszurichten. Ein solches Vorgehen lässt viele Beobachter vermuten, dass hier unter dem Deckmantel etablierter Marken Propaganda betrieben und mit Geld eine politische Ausrichtung erkauft wird.</p>
<div style="border: 1px solid #dddddd; margin: 3px 0px 10px 10px; padding: 7px; background: #ececec none repeat scroll 0% 0%; float: right; font-size: 0.9em; width: 147px; line-height: 1.3em; color: #4382cf;">Was sind die<br /> <a href="https://medienwoche.ch/tag/blocher-medien-2014/"><strong><big>«Blocher-Medien»</big></strong></a><br />
&#8211; und wer gehört dazu? Retten sie den Journalismus oder schaffen sie ihn ab, geht es um <strong>Information oder Propaganda</strong>? Die MEDIENWOCHE beleuchtet in einer Serie Persönlichkeiten und Medien, die in einer Beziehung mit dem Politiker und Unternehmer <strong>Christoph Blocher</strong> stehen.</div>
<h3>Erfüllung des Auftrags</h3>
<p>Ein weiteres Problem von Blocher in der Medienbranche ist, dass er nichts anderes kennt und akzeptieren will als Untergegebene, die zu führen und zu kontrollieren sind. Doch im Journalismus geht es anders als in jeder anderen Branche um Transparenz und um Augenhöhe. Wird der Journalist zum nicht mehr reflektierenden Befehlsempfänger, so hört er auf, Journalist zu sein, so einfach ist das. In einer Partei oder einem Unternehmen kann eine unreflektierte Gefolgschaft per Befehl geführt werden, doch im Journalismus ist das ein schwieriges Unterfangen. Blocher ist nicht der erste und nicht der letzte Verleger, der damit umgehen muss, dass freie Geister sehr viel Spielraum benötigen, um den von ihm ausgegebenen Auftrag, wie auch immer er lautet, erfüllen zu können. Ein Auftrag? Ja, ein Auftrag. Im Führungssystem von Blocher geht es immer um den Auftrag, so steht es auf Seite 29 im «Blocher-Prinzip», dem von Matthias Ackeret niedergeschriebenen Blocher-Führungsbuch:</p>
<blockquote><p>Wer führt und Verantwortung trägt, hat stets nach dem Auftrag zu fragen: nach dem Auftrag, in einer ganz bestimmten Sache an einem ganz bestimmten Ort zu einer ganz bestimmten Zeit etwas ganz Bestimmtes zu tun, um etwas ganz Bestimmtes zu erreichen. Zweck der Führung ist, den Auftrag zu erfüllen.</p></blockquote>
<p>Stellt Blocher einen Auftrag an die von ihm finanzierten Medien? Offiziell ist nicht bekannt, in welcher Höhe Geld fliesst, ob es einen Auftrag gibt und wie dieser lautet. Aber bedingungsloses Geld erhält niemand, und schon gar nicht von einem mit allen Wassern gewaschenen Unternehmer wie Blocher. In der normalen Privatwirtschaft mögen solche Fragestellungen als Geschäftsgeheimnis durchgehen, aber im Journalismus ist die Frage nach der Abhängigkeit und der Unabhängigkeit die allerwichtigste. Denn wenn Journalisten einen Auftrag erfüllen müssen, der darüber hinausgeht, unvoreingenommen die Wahrheit zu berichten, dann muss die Öffentlichkeit darüber Bescheid wissen. Ist das nicht der Fall, dann sind die Zweifel an der Unabhängigkeit der mit Blocher verbandelten Medien folgerichtig.</p>
<h3>Transparenz</h3>
<p>Mit Transparenz wären viele dieser Zweifel zu zerstreuen. Doch wenn es eine Linie gibt in der bisherigen Geschichte der «Blocher-Medien», dann ist es die konsequente Vermeidung von Transparenz. Diese Strategie, wenn es denn eine ist und nicht nur ein dem Unwillen verschuldeter Zufall, fördert alle Zweifel an den guten Absichten, die möglicherweise hinter dem Einstieg von Blocher stecken. Will Blocher ernsthaft im Journalismus mittun und sich als Retter oder Ermöglicher von journalistischen Produkten feiern lassen, so muss er &#8211; so mein Rat &#8211; möglichst alles klar und nachvollziehbar machen. Öffentlich werden muss:</p>
<ol>
<li>Die Besitzverhältnisse der Medienprodukte</li>
<li>Den an die Verleger und Journalisten gestellten Auftrag</li>
<li>Die Abhängigkeiten, Verpflichtungen, Haltungen und Interessen der Verleger und aller journalistischen Mitarbeiter</li>
</ol>
<p>Werden hier nicht andere Massstäbe angelegt als an die Konkurrenz? Ja. Aber überrascht es denn, dass die Öffentlichkeit an einen Unternehmer und Politiker, der die öffentliche Debatte der letzten Jahrzehnte wesentlich geprägt hat, sehr viel höhere Transparenz-Ansprüche stellt als an etablierte Verlegerfamilien und Medienkonzerne? Wer keine anderen Ziele hat als die Produktion von wertvollem Journalismus, wird keine Mühe haben, die Antworten zu diesen Fragen offenzulegen.</p>
<h3>Journalisten als Unternehmer</h3>
<p>Das Bestreben von Investoren wie Christoph Blocher oder Tito Tettamanti, Journalisten zu eigenständigen Unternehmern zu machen, ist sehr begrüssenswert. Es ist unverständlich, weshalb eine solche Idee bei anderen Journalisten auf Ablehnung stösst, während sie gleichzeitig beklagen, dass Grossverlage wie Tamedia nur noch nach rein kommerziellen Aspekten agieren. Aber, um mal innezuhalten: Ist es denn nicht so, dass selbst grosse Verleger und Unternehmer wie Axel Springer oder Rudolf Augstein das Glück hatten, in einer Zeit zu wirtschaften, als die Lizenz als Printverleger auch eine Lizenz zum Gelddrucken war? Das Betreiben vieler Zeitungen war während Jahrzehnten ein No-Brainer-Geschäftsmodell, in dem auch ein Kartoffelsack an der Spitze Rendite gemacht hätte. Deshalb ist es doch auch immer wieder allerliebst, wenn sich Leute, die ein todsicheres Geschäft betreiben, als geniale Unternehmer oder CEOs feiern. Im Internet wird bisher mit E-Commerce (Amazon, Alibaba) oder Abonnements / Flatrates (Spotify, Netflix) Geld verdient, doch die einträglichen Internet-Geschäftsmodelle sind bisher am Journalismus vorbeigegangen. Vielleicht ist die Zeit des profitablen Journalismus für immer vorbei, vielleicht aber wird sich in den nächsten Jahren ein (Abonnement-)Modell etablieren, wie es die gedruckten Zeitungen etabliert hatten.</p>
<p>Als kapitalistisch orientierte Menschen sind die Verleger der «Blocher-Medien» nach wie vor überzeugt, dass guter Journalismus nur entstehen kann unter dem Druck des Markts. Weltwoche-Medienkolumnist Kurt W. Zimmermann <a href="https://medienwoche.ch/2014/01/01/wir-hatten-zeit-und-wir-hatten-geld/">sagt im MEDIENWOCHE-Interview</a>: «Sobald der Erfolgsdruck ausgehebelt wird, geht die Dynamik weg, vor allem im Mediengeschäft.» Ich glaube das nicht. Dass eine Weltwoche in den letzten Jahren mit kleinem Team grosse Aufmerksamkeit erzeugt hat, liegt zu einem guten Teil an Roger Köppel, der als unermüdlicher Antreiber seine Mitarbeiter zu Höchstleistungen gebracht hatte. So wenig wie ein Köppel ausschliesslich aus finanziellen Gründen angetrieben wird, so wenig ist finanzielle Absicherung ein Hindernis, grossartige Werke zu erschaffen. Dass in vielen Schweizer Medien eine <a href="http://netzwertig.com/2007/02/08/krawallblogger-niklaus-meienberg/">«gförchige Langeweile»</a> vorherrscht, liegt an der Durchschnittlichkeit und der Angepasstheit jener, die von Verlagschefs in Chefpositionen gehievt werden, an der fehlenden helvetischen Streit- und Debattierkultur und an der Genügsamkeit vieler hiesiger Journalisten.</p>
<h3>Schönwetter-Liberalismus</h3>
<p>Doch werden die Verleger der «Blocher-Medien» ihre wettbewerbsfreundliche, kapitalistische Haltung beibehalten, wenn ihnen das traditionelle Geschäftsmodell abhandenkommt, was in Zukunft zu erwarten sein wird? Werden sie sich der Gruppe der durch <a href="http://www.bakom.admin.ch/themen/radio_tv/marktuebersicht/radio_lokal/index.html?lang=de">Radio-</a> und <a href="http://www.bakom.admin.ch/themen/radio_tv/marktuebersicht/tv_lokal_regional/index.html?lang=de">TV-Gebührengelder</a> subventionierten Verlage wie der Südostschweiz Medien oder den AZ Medien anschliessen? Oder werden sie sich wie Mathias Döpfner, der CEO der Axel Springer AG, als eine Art Schönwetter-Liberale outen, die Markt dann gut finden, wenn sie selbst am Markt gewinnen? Zur Erinnerung: Der kluge Döpfner, der den anderen Printverlegern als eine Art letztmöglicher Messias dient, liess, als Suchmaschinen plötzlich mehr Werbegelder abgreifen konnten als seine Firma, seine Mitarbeiter für ein absurdes <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Leistungsschutzrecht_f%C3%BCr_Presseverleger">Leistungsschutzrecht</a> lobbyieren und reichte gemeinsam mit anderen Verlegern eine <a href="http://www.handelsblatt.com/unternehmen/it-medien/verleger-gegen-google-kartellamtsbeschwerde-geht-nach-bruessel/6254170.html">Kartellamtsbeschwerde</a> bei der Europäischen Kommission ein wegen angeblicher Verletzung des Kartellrechts durch die von den Marktteilnehmern mehrheitlich bevorzugten Suchmaschine Google. Überhaupt scheint sich bei Springer vieles geändert zu haben: Christoph Keese, Konzerngeschäftsführer «Public Affairs», erklärte kürzlich gegenüber dem ehemaligen Zentralorgan der FDJ, <a href="https://www.jungewelt.de/kultur-medien/%C2%BBliebe-ist-kein-algorithmus%C2%AB">der «jungen Welt»</a>, er habe sich «immer auch als eine Art Linker verstanden». Den Gedanken an eine demokratische Planwirtschaft hält Keese für «verlockend und nachvollziehbar»: «Es könnte tatsächlich sein, dass die sozialistische Planwirtschaft an der damals noch nicht vorhandenen Technologie gescheitert ist und dass eine neue Planwirtschaft unter digitalen Vorzeichen möglich wäre.»</p>
<p>Kommt erst mal eine heftige Rezession, werden auch die finanziell verwöhnten, <a href="https://medienwoche.ch/2013/09/26/die-party-ist-noch-nicht-vorbei/">sich jährlich in Luxushotels treffenden</a> Schweizer Printverleger so richtig unter Druck geraten. Werbeetats werden zuerst gekürzt, und es ist auch anzunehmen, dass Zeitungsleser, bevor sie verhungern oder die Wohnung kündigen, die Zeitung abbestellen und sich kostenlos oder kostengünstig im Internet informieren werden. Betriebswirtschaftlich haben Blocher und Bollmann mit der Reduktion von aufgeblasenen Verlagsstrukturen auf das Hauptprodukt, die Zeitung, gute Arbeit geleistet. Andere Medienmanager haben diese notwendigen Sanierungen noch vor sich.</p>
<p>Im <a href="https://medienwoche.ch/2013/04/15/ich-kritisiere-die-journalisten-weil-sie-wichtig-sind/">MEDIENWOCHE-Interview</a> sagte Christoph Blocher, dass er selbst wohl kein Journalist sein könnte, er aber eine grosse Achtung vor dem wichtigen und schwierigen Beruf des Journalisten hätte. Bisher sieht es eher so aus, als würde Blocher jene Journalisten schätzen, die seine Positionen vertreten. Und damit wäre er unter Politikern nicht der Einzige. Michael Spreng, Chefredaktor der «Bild am Sonntag» von 1989 bis 2000, schreibt im Blogbeitrag <a href="http://www.sprengsatz.de/?p=3686">«Kohlianer»</a>:</p>
<blockquote><p>Von Helmut Kohl ist bekannt, dass er nur zwei Sorten von Menschen kannte: diejenigen, die für ihn, und diejenigen, die gegen ihn waren. So teilte er auch Journalisten ein. Sein Verhältnis zur Pressefreiheit war ein rein instrumentelles: ein guter Journalist war derjenige, der sich von ihm instrumentalisieren liess.</p></blockquote>
<p><small>Offenlegung: Ronnie Grob hat bisher mehrere Beiträge in der Basler Zeitung und in der Weltwoche veröffentlicht. Sie wurden angemessen vergütet, die Zusammenarbeit war stets erfreulich und verlief ohne jegliche inhaltlich-politische Einflussnahme.<br />
Inputs zur Serie erhalten wir gerne in den Kommentaren oder <a href="https://medienwoche.ch/uber-uns/personen/">per E-Mail</a>.</small></p>
<p><small><b>Übersicht der <a href="https://medienwoche.ch/tag/blocher-medien-2014/">Serie zu den «Blocher-Medien»</a>:</b><br />
1. Teil: <a href="medienwoche.ch/2014/10/15/schlachtplan-zufall/">Schlachtplan Zufall</a><br />
2. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/10/22/unter-dem-guru-von-herrliberg/">Unter dem Guru von Herrliberg</a><br />
3. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/10/29/der-provokateur/">Der Provokateur</a><br />
4. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/04/es-braucht-wieder-fakten/">Es braucht wieder Fakten</a><br />
5. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/12/politiker-der-redaktion/">Politiker der Redaktion</a><br />
6. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/19/fuer-partei-und-vaterland/">Für Partei und Vaterland</a><br />
7. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/26/sicherheit-in-statistiken/">Sicherheit in Statistiken</a><br />
8. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2014/12/03/sie-sind-klein-und-sie-sind-ueberall/">Sie sind klein und sie sind überall</a></small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/10/15/schlachtplan-zufall/">Schlachtplan Zufall</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Reichweite oder Bezahllösung?</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2014/02/18/reichweite-oder-bezahlloesung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 Feb 2014 08:46:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Medienmarken im Netz stehen am Scheideweg: Entweder sie setzen auf die Karte Reichweite und optimieren die Besucherzahlen ihrer Websites in jeder erdenklichen Weise. Oder sie setzen auf die Karte Bezahllösung &#8211; und vergessen die hohen Besucherzahlen und die damit verbundenen Werbeeinnahmen. Die klare Trennung von Masse und Klasse könnte eine Chance sein für beide <a href="https://medienwoche.ch/2014/02/18/reichweite-oder-bezahlloesung/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Medienmarken im Netz stehen am Scheideweg: Entweder sie setzen auf die Karte Reichweite und optimieren die Besucherzahlen ihrer Websites in jeder erdenklichen Weise. Oder sie setzen auf die Karte Bezahllösung &#8211; und vergessen die hohen Besucherzahlen und die damit verbundenen Werbeeinnahmen. Die klare Trennung von Masse und Klasse könnte eine Chance sein für beide Modelle.<br />
<span id="more-18079"></span><br />
«Das erste Werbebanner der Geschichte wurde von 44 Prozent der Nutzer angeklickt, die es sahen. Heute, 20 Jahre später, gilt eine Klickrate von fünf Promille als Erfolg.» Und: «Nur noch jeder Zehntausendste findet Werbe-Einblendungen im Web so interessant, dass er darauf klickt, um mehr zu erfahren.» Zwei Sätze aus dem Brandeins-Artikel <a href="http://www.brandeins.de/archiv/2014/werbung/die-kurzen-arme-der-datenkraken.html">«Die kurzen Arme der Datenkraken»</a> zeigen auf, dass klassische Online-Werbung heute kein einfaches Geschäft ist. Dass Print-Anzeigen besser beachtet werden, ist nicht zu belegen, was Print-Verleger glücklich macht, denn so können sie mangels Gegenbeweis ungestraft behaupten, dass dem so ist.</p>
<p>Tatsache ist, dass Print-Werbung nach wie vor gute bis sehr gute Einnahmen garantiert, und auch mit Online-Werbung ist Geld zu machen, wenn man denn eine hohe <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Reichweite_%28Medien%29">Reichweite</a> (Anteil der Zielpersonen, die durch einen Werbeträger erreicht werden) ausweisen kann. Um die zu erreichen, muss man den Lesern nicht das liefern, was sie zu lesen vorgeben und behaupten, sondern das, was sie tatsächlich anklicken. Und das ist, wie jeder weiss, der schon mal die Statistiken seiner Website konsultiert hat: Boulevard, Sex, Listen, Breaking News in allen Facetten, Emotionen (Freude, Streit, Hass, &#8230;), Promis (Blocher, Federer, Winiger, &#8230;), aber natürlich auch herzige Tierfotos oder neue Erkenntnisse über Nazis oder Ufos.</p>
<p><strong>Das erste Problem</strong> der Schweizer Zeitungen im Internet ist, dass sie die Reichweite ausbauen wollen, ohne die (dem Leser bekannte) Marke zu verändern, also so genannte «Qualität» einzubüssen. Sie wissen alle, wie eine hohe Reichweite zu erreichen wäre, möchten aber den traditionellen Leser nicht vergraulen und fahren die Website deshalb mit angezogener Handbremse. Keine Überraschung also, dass bei der Reichweitenmessung ganz oben die Boulevardportale <a href="http://www.20min.ch/entertainment/musik/story/Jetzt-kennen-Sie-diese-Jungs-bestimmt-27977349">20min.ch</a> («Hose runter, Fudi raus – so wird man bekannt») und <a href="http://www.blick.ch/people-tv/international/kelly-brooks-freund-ist-teilweise-rechtstraeger-id2670740.html">Blick.ch</a> («Kelly Brooks Freund ist teilweise Rechtsträger») stehen, die keine Scheu haben, die Region unter der Gürtellinie zu bewirtschaften.</p>
<p>Der englischsprachige Raum wurde in letzter Zeit von neuen Playern wie <a href="http://www.buzzfeed.com/">Buzzfeed</a> oder <a href="http://www.upworthy.com/">Upworthy</a> belebt, die das Leserinteresse konsequent (und zum Teil inhaltlich brillant) bedienen. <a href="http://blogs.reuters.com/felix-salmon/2014/02/11/content-economics-part-5-news/">Felix Salmon ist gar der Meinung</a>, in den letzten acht Monaten habe sich das Nachrichtengeschäft stärker verändert als in den fünf Jahren zuvor. <a href="http://www.watson.ch/Snowboard/articles/977141741-Welcher-Frau-schenkte-%C2%ABiPod%C2%BB-den-Yolo-Flip%3F">Watson.ch</a> («Iouris Gold-Musen: Welcher Frau schenkte ‹iPod› den Yolo-Flip?») und <a href="http://www.blickamabend.ch/people/uma-thurmans-bruder-ist-ein-yogi-gruesel-id2671734.html">Blickamabend.ch</a> («Schülerin behauptet: Uma Thurmans Bruder ist ein Yogi-Grüsel!») gehören zu diesen neuen Websites, die sich nicht schämen, das Ziel einer hohen Reichweite zu verfolgen. Wer nicht höhere Ziele hat als Visitors, Visits und Page Impressions zu bolzen, sollte dementsprechend konsequent sein und die Handbremse lösen.</p>
<p><strong>Das zweite Problem</strong> ist die Ausgestaltung der Bezahllösung. Eine Runde hiesiger Kadermitarbeiter schaffte es kürzlich <a href="http://www.presseverein.ch/2014/02/wir-lieben-zeitungen/">am Communication Summit</a> zum angekündigten Thema Gratiskultur und digitale Herausforderungen, nicht ein konkretes Wort über mögliche Bezahllösungen zu verlieren. Man schweigt und hofft auf Einnahmen, selbst wenn dazu nicht viel Anlass besteht. Christine Maier, die Chefredaktorin vom SonntagsBlick, konnte nicht mal die Frage beantworten, ob ihre Zeitung Digitalabos verkaufe und falls ja, wie viele. Die Ringier-Pressestelle macht auf Anfrage keine Angaben zu den Verkaufszahlen; aber selbstverständlich gebe es den SonntagsBlick als E-Paper, <a href="http://www.online-kiosk.ch/Zeitschriften?productId=SBL">hier</a> und <a href="https://itunes.apple.com/ch/app/sonntagsblick-hd/id469031670?mt=8">hier</a>.</p>
<p>Einige wenige Schweizer Printprodukte, so beispielsweise die Weltwoche, die Basler Zeitung oder die Schaffhauser Nachrichten, sind im Internet kaum frei zugänglich, was ihre Texte von der sich dort abspielenden Debatte fernhält. Diese Marken entfernen sich nach und nach aus dem Bewusstsein einer Leserschaft mit veränderten Nutzungsgewohnheiten. Doch immerhin bringen sie den Mut auf zu einer harten Bezahlmauer. Die anderen Marktteilnehmer glauben (in vielen Fällen völlig zurecht) nicht daran, dass irgendjemand bereit ist, für das, was sie produzieren, zu bezahlen. Als Faustregel gilt: Wer bringt, was andere auch bringen, sollte sich gar nicht erst um eine Bezahllösung bemühen.</p>
<p>Die <a href="http://www.nzz.ch/meinung/in-eigener-sache/digital-abonnement-lanciert-1.17660389">im Oktober 2012</a> im deutschsprachigen Raum erstmals von der NZZ lancierte Metered Paywall ist bisher weniger ein Schutzwall als vielmehr ein höchstens hüfthohes Mäuerchen mit vielen Lücken. Das Modell dient in erster Linie dem Marketing und ist deshalb interessant, weil es die Nutzer dazu bringt, Profile anzulegen &#8211; so setzt der Kunde selbst den Grundstein zur Kommunikation und zu einer möglichen Geschäftsbeziehung. Welche Art von Mauer Tagesanzeiger.ch in den nächsten Wochen aufziehen wird, erwartet die Branche mit Spannung: Sie soll flexibel sein und mal diesen und mal jenen Artikel dem freien Zugang entziehen. Was NZZ und Tagi verbindet, ist die grosse Angst vor einem Verlust an Reichweite und die damit verbundene Verminderung der Online-Werbeeinnahmen. Die ja, wie man oft und gerne betont, völlig unbefriedigend sind.</p>
<p>Ist ein Vergleich zum Internet-Porno-Business unangemessen? Dort ist die Situation jedenfalls aktuell so, dass das Kurzfutter, also Fotos und Kurzvideos in allen Bereichen, analog den News frei zugänglich sind. Bezahlt dagegen wird für Vollständigkeit, Qualität und die Befriedigung von Spezialinteressen &#8211; was exakt das ist, was echter Journalismus liefert. Wer also meint, er verfüge über Inhalte, für die Kunden zu bezahlen bereit sind, sollte Geld dafür verlangen. Zur Verfügung stehen Bezahlmauern oder das Freemium-Modell.</p>
<p>Ob Reichweite oder Bezahllösung: Gewinnen wird,</p>
<ul>
<li>wer seine Strategie konsequenter und mit mehr Einsatz verfolgt als die Konkurrenz.</li>
<li>wer das bessere CMS, die bessere Software hat.</li>
<li>wer die besseren Journalisten und Informatiker für sich gewinnen kann.</li>
<li>wer seine Journalisten und Informatiker besser zusammenarbeiten lässt.</li>
</ul>
<p>Witzig dabei ist nur, dass die Informatiker, die diese Software erarbeiten und die Journalisten, die diese Software umsetzen sollen, von jenen Herren gefunden werden sollen, die die letzten 15 Jahre damit verschwendet haben, einander an Verlegerkongressen in altehrwürdigen Luxushotels die Unverzichtbarkeit von Papier zu versichern.</p>
<p>Bild: <a href="https://www.flickr.com/photos/julia_manzerova/2757851927/in/photolist-fAdkuc-9Xsr6X-fAsD4b-9XskWV-bUgXoP-bAZiw3-5cGHia-6rnjDL-9bQ7sc-e9h4HK-6TFq1t-fAdkZ2-fAsDUj-6s4qqP-6s4qmM-8uM4BD-Kjxv1-6sMmzo-6sHdKp-6sHdrM-6sHdU2-6sHdxk-4wnpa6-6rmyKp-7t9K9-6sCs5K-6sMBD7-6sHrep-6sHt92-6sFj4p-6sEVQX-6sKt9G-6sHtJp-ac1wsS-6sJ98C-6sJUvw-6sJmMN-6sDZBR-6sDZtH-6sJnCC-6sEMyt-6sJ9fu-6sJ9tC-6sZneL-6sJ8rP-6sJ8NM-6s4p8p-6sHe7p-6sHemK-6sVfvV" target="_blank">Flickr/Julia Manzerova (CC BY-ND 2.0)</a></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/02/18/reichweite-oder-bezahlloesung/">Reichweite oder Bezahllösung?</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Unser aller Darth Vader</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2012/05/01/unser-aller-darth-vader/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 01 May 2012 09:17:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Axel Springer]]></category>
		<category><![CDATA[Bild]]></category>
		<category><![CDATA[Verlag]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am 2. Mai 2012 würde Axel Springer 100 Jahre alt. Der umstrittene deutsche Verleger hinterlässt nicht nur die «Bild»-Zeitung und einer der grössten Zeitungsverlage in Europa. Er kämpfte für die deutsche Wiedervereinigung und für die Aussöhnung zwischen Deutschen und Juden. Die Stasi bespitzelte den Mann in seinem eigenen Büro, das DDR-Fernsehen widmete ihm einen monumentalen <a href="https://medienwoche.ch/2012/05/01/unser-aller-darth-vader/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Am 2. Mai 2012 würde Axel Springer 100 Jahre alt. Der umstrittene deutsche Verleger hinterlässt nicht nur die «Bild»-Zeitung und einer der grössten Zeitungsverlage in Europa. Er kämpfte für die deutsche Wiedervereinigung und für die Aussöhnung zwischen Deutschen und Juden. Die Stasi bespitzelte den Mann in seinem eigenen Büro, das DDR-Fernsehen widmete ihm einen monumentalen Propagandafilm. Seiner fünften Ehefrau gemäss war er «eine eigenartige Mischung aus tiefer Ernsthaftigkeit und fröhlicher Leichtigkeit».<br />
<span id="more-30470"></span><br />
«Axel Springer war der Darth Vader meiner Kindheit», schreibt «Zeit»-Redaktorin Mariam Lau und Peter Glotz hält fest, dass Springer zwischen 1968 und 1972 «die kontroverseste Figur» Deutschlands war. Wenn Christian Kracht an Springer denkt, sieht er auch <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Der_gro%C3%9Fe_Gatsby">Jay Gatsby</a>. Und Frank Schirrmacher schreibt: «Er besass, was der Traum jedes Intellektuellen ist: die Reproduktionsmittel der Bewusstseinsindustrie.»</p>
<h2><center>«Frauenheld der allerextremsten Form»</center></h2>
<p>Das steht in «Axel Springer – Neue Blicke auf den Verleger», 2005 herausgegeben vom Konzernchef Mathias Döpfner. In der Mitte des Buchs sind Fotos von Axel Springer zu sehen. Wie er die Hand der Hörzu-Werbefigur <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mecki">Mecki</a> schüttelt. Wie er die Hand von Königin Elisabeth II. schüttelt. Wie er die Hand von Papst Paul VI. schüttelt. Oft dabei, daneben: Friede Springer, seine fünfte Ehefrau, seit seinem Tod die starke Frau im Verlag. Im Buch ist nur ein Text von ihr zu finden. Sie schreibt:</p>
<blockquote><p><small>Axel Springer war eine eigenartige Mischung<br />
aus tiefer Ernsthaftigkeit und fröhlicher Leichtigkeit.<br />
Ich habe die letzten 20 Jahre, die ich für die bedeutendsten<br />
in seinem Leben halte, an seiner Seite verbracht.<br />
Ich war seine beste Freundin, seine Ehefrau, Mitarbeiterin, zuweilen<br />
Köchin, Fahrerin und zum Schluss auch seine Krankenschwester.<br />
Auch wenn es komisch klingt, ich habe nicht mein,<br />
sondern sein Leben geführt und möchte keine Minute missen.<br />
Mehr als 30 Jahre jünger, habe ich viel gelernt.<br />
Es war eine erfüllte Zeit &#8211; nicht nur für mich.<br />
Es war die große Liebe für uns beide.</small></p></blockquote>
<p>Als 23-Jährige antwortete die damalige Friede Riewerts im Sommer 1965 auf eine Anzeige in der «Welt am Sonntag»: «Villenhaushalt sucht Kindermädchen». Sie wurde im Hause Axel Springer angestellt, wenig später waren Axel und Friede ein Paar, 1978 heirateten die beiden. Wie in der im Propyläen-Verlag (gehörte zur Axel Springer AG*) erschienenen <a href="http://www.ullsteinbuchverlage.de/listtb/buch.php?id=13300&#038;page=suche&#038;auswahl=a&#038;pagenum=1&#038;page=buchaz&#038;PHPSESSID=d8eec462cfd70aaa0b406ac077689cfd">Biografie</a> zu lesen ist, war sie für Axel von beruhigender Wirkung:</p>
<blockquote><p>Die Aussenwelt bestaunte die gut gestylte Fassade des jungen Presselords, in der Redaktion diskutierte er hemdsärmlig als Journalist unter Journalisten, was aber heftige Szenen nicht ausschloss, im Gespräch oder in der Korrespondenz mit guten Freunden gab er sich spöttisch und selbstironisch, dem Mütterchen schrieb er liebe, fürsorgliche Briefe, bei Auseinandersetzungen im kleinen und kleinsten Kreis erschreckte er nicht selten mit schlimmen Wutanfällen. Irgendwie stand er immer unter Dampf. Wenn er sich erregte, wurden Telefone oder Mappen voller Akten zu Boden geworfen, Vorhänge heruntergerissen und Türen zugeknallt. Lange Jahre irritierte das seine nächste Umgebung. Einmal vergass er sich so sehr, dass er seinen Chauffeur ohrfeigte. Als sein Zorn verraucht war, schämte er sich dessen und kaufte dem Betreffenden einen roten Sportwagen. Erst viel später, als sein Schilddrüsenerkrankung erfolgreich therapiert wurde und zugleich die ruhige Friede Springer in sein Leben trat, wurde es mit seinen Wutanfällen besser.</p></blockquote>
<p>Fünfmal war Axel Springer verheiratet, aber Frauen hatte er noch viel mehr (siehe dazu den Film <a href="https://www.youtube.com/watch?v=3p8ZOeujtKY">«Axel Springer &#8211; Ein deutscher Verleger»</a> ab Minute 9). «Ein Frauenheld der allerextremsten Form», nennt ihn Mathias Döpfner, «ein unglaublicher Schwerenöter». Friede Springer glaubt, dass er für jeden Lebensabschnitt die passende Frau gefunden hat.</p>
<h2><center>Die 68er</center></h2>
<p>Für viele (Journalisten) ist Springer und sein Verlag auch heute noch ein Hassobjekt, ein Feindbild, was mit den Ereignissen um 1968, dem Eintreten für den Kapitalismus und der Solidarität von Springer mit Israel zu tun hat, die von vielen als bedingungslos eingestuft wird. Der Axel-Springer-Verlag arbeitete in den letzten Jahren daran, die Sichtweise auf die Zeit um 1968 zu verändern, die «neuen Blicke auf den Verleger» sind nur ein Beispiel. So lud der Verlag 2009 zu einer <a href="http://www.axelspringer.de/presse/Axel-Springer-laedt-ein-zum-Springer-Tribunal-2009-quot_881566.html">Neuauflage des «Springer-Tribunals» von 1968</a> ein, das aufgrund von <a href="http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,644461,00.html">Absagen von 68ern</a> wie Peter Schneider und Daniel Cohn-Bendit nicht zustande kam.</p>
<p>Zuletzt machte es gar den Anschein, als würde sich der Verlag bemühen um eine Aufarbeitung der Beziehung zu <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BCnter_Wallraff">Günter Wallraff</a>, der sich unter dem Pseudonym Hans Esser bei «Bild» anstellen liess und danach über die Arbeitsmethoden berichtete (<a href="http://www.wdr.de/unternehmen/presselounge/pressemitteilungen/2011/11/20111117_wallraff.phtml">Bedauern von Mathias Döpfner</a> / <a href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/der-gute-mann-von-axel-springer/">Kommentar von Stefan Niggemeier</a>). Demgegenüber wird Wallraff in der «Welt am Sonntag» vom 22. April unter dem Titel <a href="http://www.welt.de/print/wams/article106212127/Kam-Ali-aus-Ost-Berlin.html">«Kam Ali aus Ost-Berlin?»</a> über fünf Seiten kritisch mit seiner Vergangenheit konfrontiert. Es werden bereits <a href="https://www.taz.de/!92114/">2003</a> und <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13525107.html">1987 im «Spiegel»</a> ausgebreitete Vorwürfe noch einmal aufbereitet, genauer analysiert wird eine Mitarbeit von «IM Fischer» alias Frank Berger am Bestseller «Ganz unten». Wallraff sagt dazu, er selbst habe nie «wissentlich und willentlich» mit der Stasi zusammengearbeitet.</p>
<p>Mit der Website <a href="http://www.medienarchiv68.de/">Medienarchiv68.de</a> wurde auch die immer wieder geäusserte Kritik an den damals von Springer-Zeitungen zu den Studentenprotesten erschienen Artikel offensiv angegangen. Konzernchef Döpfner zieht das Fazit, dass wenn man genauer hinschaue, sich ein differenziertes Bild ergebe:</p>
<blockquote><p>Die These, das Haus Axel Springer sei eine zentral gelenkte Meinungsmaschine gewesen, welche die Studentenbewegung verhindern wollte, bestätigt sich jedenfalls nicht.</p></blockquote>
<p>Weitere Stimmen aus den Medien dazu <a href="http://meedia.de/internet/die-pressestimmen-zum-medienarchiv68/2010/01/19.html">sammelte Meedia.de</a>.</p>
<p>Die aufgeheizte Stimmung damals führte zu Opfern. Der Student <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Benno_Ohnesorg">Benno Ohnesorg</a> stirbt am 2. Juni 1967, durch einen Schuss des Berliner Polizisten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Karl-Heinz_Kurras">Karl-Heinz Kurras</a>, einem Waffennarr, der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Inoffizieller_Mitarbeiter">inoffizieller Mitarbeiter</a> der Stasi sowie gleichzeitig SPD- und SED-Mitglied ist. Verantwortlich gemacht für die Tat wird die Berichterstattung der Springer-Zeitungen. Fünf Jahre später, am 19. Mai 1972, werden im Hamburger Axel-Springer-Haus 17 Mitarbeiter bei einem RAF-Anschlag verletzt. Axel Springer ist bis zu seinem Lebensende Tag und Nacht von Leibwächtern umgeben. Für ihn ein Tabuthema, wie in seiner <a href="http://www.ullsteinbuchverlage.de/listtb/buch.php?id=13300&#038;page=suche&#038;auswahl=a&#038;pagenum=1&#038;page=buchaz&#038;PHPSESSID=d8eec462cfd70aaa0b406ac077689cfd">Biographie</a> nachzulesen ist:</p>
<blockquote><p>Über seine psychische Belastung durch die Bedrohung hat sich öffentlich nicht geäussert. Auch in seinen Briefen kam er künftig kaum darauf zu sprechen. Doch wenn ein sensibler Mensch jahrelang im Schatten eines jähen Anschlags auf ihn selbst oder seine nächsten Angehörigen steht, verändert ihn das. Am meisten fürchtete er sich vor einer Entführung mit anschliessender Folter. Nach der Entführung des Arbeitgeber-Präsidenten Hanns Martin Schleyer trug er zeitweilig eine Kapsel mit Zyankali um den Hals, «weil ich Schmerzen schlecht ertrage».</p></blockquote>
<p>Axel Springer verabscheute Extremismus: die Ablehnung jeglicher Art von politischem Totalitarismus hatte er bereits 1967 in die nach wie vor aktuellen, später von vier auf fünf Punkte erweiterten <a href="http://www.axelspringer.de/artikel/Grundsaetze-und-Leitlinien_40218.html">Unternehmensgrundsätze</a> geschrieben. Ebenso wichtig war ihm die Aussöhnung zwischen Deutschen und Juden, die Verteidigung der Sozialen Marktwirtschaft und das Eintreten für die Wiedervereinigung Deutschlands, für die er kämpfte und die er um vier Jahre verpasste. Sein <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Axel-Springer-Hochhaus">Berliner Verlagshaus</a> baute er direkt an die damalige Grenze zum sowjetischen Sektor, von Ostberlin aus waren die auf dem Dach des Gebäudes in einer Laufschrift angezeigten, aktuellen Nachrichten von Weitem zu sehen. Die Grundsteinlegung fand am 25. Mai 1959 statt, zu einem Zeitpunkt, als Springer einer der wenigen war, der an die deutsche Wiedervereinigung glaubte.</p>
<h2><center>Die DDR</center></h2>
<p>Wie verhasst und gefürchtet Axel Springer in der DDR-Führung war, zeigt der sehr sehenswerte WDR-Film <a href="https://www.youtube.com/watch?v=_83xk3kZxlM">&#8222;Bespitzelt Springer! Wie die Stasi einen Medienkonzern ausspähte&#8220;</a> von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tilman_Jens">Tilman Jens</a> (2009):</p>
<p><iframe width="460" height="342" src="https://www.youtube.com/embed/_83xk3kZxlM" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Das Ministerium für Staatssicherheit platzierte nicht nur eine Sekretärin in sein Büro (als «IM Grunewald» eine von drei Chefsekretärinnen Springers), die dem Geheimdienst brühwarm Interna rückmeldete, der Sender Adlershof produzierte auch mit grossem Aufwand den Fünfteiler <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ich_%E2%80%93_Axel_C%C3%A4sar_Springer">«Ich, Axel Cäsar Springer»</a>. 600 Sendeminuten des DDR-Fernsehens, die 10 Millionen Ostmark gekostet hatten und von 1968 bis 1970 ausgestrahlt wurden (siehe dazu das Video oben ab Minute 14:30). In diesem Film wird er als Witzfigur dargestellt, die angeblich alkoholkrank, impotent und homosexuell ist (ab Minute 19:30).</p>
<p>Das Willy-Brandt-Zitat, wonach die DDR «weder deutsch noch demokratisch, noch eine Republik» sei, nahm Axel Springer freudig auf, in seinen Zeitungen wurde die «DDR» stets in Anführungsstrichen geschrieben. «An diese Tatsache sollen uns die Anführungsstriche ständig gemahnen», schrieb er als <a href="http://www.axelspringer.de/artikel/Deshalb-bleiben-wir-bei-den-Anfuehrungsstrichen_2197176.html">Antwort auf einen Leserbrief eines «Welt»-Lesers</a>. Der «Spiegel» notierte <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13495372.html">im Januar 1989</a>: «Die Praxis der orthographischen Nichtanerkennung wird in Bild, Welt, Hörzu und allen anderen Titeln mit eiserner Konsequenz durchgehalten.»</p>
<h2><center>Die Bild-Zeitung</center></h2>
<p>Unter dem nicht sehr originellen Namen «Neue Bild Zeitung» kopierte die DDR ab 1959 auch «Bild», allerdings ohne Erfolg, weil ohne Inspiration und nur in kleiner Auflage. Auf die Idee von «Bild» kam Springer in der <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Fleet_Street">Fleet Street</a> in London, als er die dortigen Tabloids studierte. Zu Beginn bestand die Zeitung tatsächlich fast nur aus Bildern, das Produkt war damals so revolutionär, dass Springer die Lancierung gegen grossen Druck aus dem eigenen Haus durchsetzte. In einem <a href="https://www.youtube.com/watch?v=uLbU8-bMU-I">Interview 1982</a> erzählte er (ab Minute 13):</p>
<blockquote><p>Meine Direktoren besuchten mich draussen in Blankenese, wo ich damals wohnte, und als ich ihnen davon erzählte, hielt sie nur die Tatsache, dass ich der Chef war, zurück, laut zu lachen. Aber als sie mich dann fragten, ob ich denn schon einen Titel hätte, und ich sagte «Bild», dann prusteten sie also los. Trotzdem wurde die Zeitung gemacht und nach einigem Hin und Her ist sie dann ganz schnell in die Millionenhöhe gekrabbelt und wurde ein ausserordentlicher Erfolg.</p>
<p><em>Gerade dieses Blatt bringt Ihnen ja immer wieder heftige Angriffe ein. Wie kontern sie das eigentlich?</em></p>
<p>Wenn das eine flott linke Zeitung wäre, eine richtig linke Zeitung, dann würde überhaupt gar keine Opposition da sein. (&#8230;)</p></blockquote>
<p>Das stimmt natürlich nur teilweise. «Bild» wird auch heute noch aus vielfältigen Gründen verabscheut, und das oft völlig zurecht. Ein aktueller Ausschnitt dieser Gründe ist in den Beiträgen von <a href="http://www.bildblog.de/">Bildblog.de</a> nachzulesen.</p>
<h2><center>Verleger geworden, Verleger geblieben</center></h2>
<p>Es wäre wohl vielen recht gewesen, wenn Springer seinen ursprünglichen Berufswunsch, Sänger zu werden, verwirklicht hätte. Doch er ist Verleger geworden und gegen alle Opposition Verleger geblieben. Wie wäre wohl der Konflikt zwischen den 68ern und Axel Springer ohne die Aktivitäten der Stasi abgelaufen? Wäre die Situation eskaliert, wenn nicht Stasi-IM Kurras Benno Ohnesorg erschossen hätte? Wäre die Stasi ohne Spion in Springers Büro jemals so gut informiert gewesen? Die Losung der rebellierenden Studenten, «Enteignet Springer», stammt übrigens ursprünglich von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Ulbricht">Walter Ulbricht</a>, dem SED-Generalsekretär und DDR-Staatsratsvorsitzenden höchstpersönlich (ein Zitat aus einer Rede von 1966) &#8211; sie wurde von Doppelagent <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Barthel_%28Journalist%29">Walter Barthel</a> der studentischen, westdeutschen Linken eingeimpft (siehe Video oben ab Minute 20:30). Die Springer-<a href="http://www.ullsteinbuchverlage.de/listtb/buch.php?id=13300&#038;page=suche&#038;auswahl=a&#038;pagenum=1&#038;page=buchaz&#038;PHPSESSID=d8eec462cfd70aaa0b406ac077689cfd">Biographie</a> von Hans-Peter Schwarz hält fest:</p>
<blockquote><p>Dank der detaillierten Studie von Hubertus Knabe über die Stasi im Westen ist ein Sachverhalt unbestreitbar: die Steuerungsgremien der Berliner Studentenbewegung &#8211; der SDS, der AStA der Freien Universität, die «November-Gesellschaft» oder der Republikanische Club in der Wielandstrasse &#8211; waren fast durchweg von Stasi-Spitzeln und von Einflussagenten durchsetzt. Dasselbe gilt für bundesweit operierende Organisationen wie «Die Falken» und den Arbeitsausschuss der «Kampagne für Abrüstung», bei denen die Forderung nach der Enteignung Springers schon im Juli 1967 zum Hauptthema wurde.</p></blockquote>
<p>Es bleibt, zu fragen, ob der Springer-Verlag das Vermächtnis von Axel Springer in seinem Sinne verwaltet. Die Unternehmensgrundsätze sind, wenn auch verändert, nach wie vor in Kraft und werden auch umgesetzt: Auf das <a href="http://www.sueddeutsche.de/kultur/gedicht-zum-konflikt-zwischen-israel-und-iran-was-gesagt-werden-muss-1.1325809">Grass-Gedicht</a> reagierte die «Welt am Sonntag», in dem sie drei Redakteure zu Benjamin Netanjahu nach Israel schickte und ihn für eine Doppelseite interviewte, darauf folgend ein ganzseitiger Bericht über Israelis in Berlin (Ausgabe vom 22. April). Eine markt- und pressefreiheitsfeindliche, protektionistische Kungelei mit der Regierung, wie das von Christoph Keese im Auftrag des Verlags propagierte <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Leistungsschutzrecht_f%C3%BCr_Presseverleger">Leistungsschutzrecht für Presseverleger</a> hätte Axel Springer selbst aber wohl kaum je vertreten.</p>
<p><small><a href="https://www.youtube.com/watch?v=0MOttjKNqls">«Axel Springer, Verleger &#8211; Feindbild &#8211; Privatmann»</a> (am 1. Mai, 20.15 Uhr auf arte und am 2. Mai, 22.55 Uhr auf SF1)<br />
<a href="https://www.youtube.com/watch?v=3p8ZOeujtKY">«Axel Springer &#8211; Ein deutscher Verleger»</a> (am 1. Mai, 21.45 Uhr auf BR und am 2. Mai, 21 Uhr auf Phoenix)<br />
<a href="https://www.youtube.com/watch?v=_83xk3kZxlM">«Bespitzelt Springer! Wie die Stasi einen Medienkonzern ausspähte»</a> (2009)<br />
<a href="https://www.youtube.com/watch?v=uLbU8-bMU-I">Axel Springer im Gespräch mit Gerhard Löwenthal</a> (1982)</p>
<p>Offenlegung: Ronnie Grob arbeitet regelmässig für Bildblog.de.</p>
<p><strong>* Nachtrag / Korrektur</strong>, 2. Mai 2012, 12 Uhr: Der Propyläen Verlag gehört nicht (wie wir behaupteten) zur Axel Springer AG, sondern seit 2003 zur Ullstein Buchverlage GmbH und somit zum Bonnier-Konzern. Danke für den Hinweis <a href="http://weblogs.evangelisch.de/weblogs/altpapier/2012/05/02/er-liebte-israel-und-teetische">an das &#8222;Altpapier&#8220;</a>.</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/05/01/unser-aller-darth-vader/">Unser aller Darth Vader</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
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		<title>Aufgestellt für den Selbstmord</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2011/09/02/aufgestellt-fur-den-selbstmord/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 02 Sep 2011 08:20:59 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Die Schweizer Journalistenbranche will lieber gemeinsam alt werden, statt sich konsequent zu erneuern. Frischen Kräften bleibt der Zugang zu verantwortungsvollen Aufgaben verwehrt. Jüngere Generationen arbeiten und informieren sich woanders. So ist man auf dem besten Wege, sich selbst abzuschaffen. Änderungen sind gefragt! &#8222;Die Zukunft liegt nicht in der Vergangenheit&#8220;, stellt der einzige hauptamtliche Medienredaktor der <a href="https://medienwoche.ch/2011/09/02/aufgestellt-fur-den-selbstmord/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/09/02/aufgestellt-fur-den-selbstmord/">Aufgestellt für den Selbstmord</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" alt="" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2011/09/Bild-von-Lodovico-Agostino-Marazzani-Visconti.png" class="alignleft" width="120" height="120" /> Die Schweizer Journalistenbranche will lieber gemeinsam alt werden, statt sich konsequent zu erneuern. Frischen Kräften bleibt der Zugang zu verantwortungsvollen Aufgaben verwehrt. Jüngere Generationen arbeiten und informieren sich woanders. So ist man auf dem besten Wege, sich selbst abzuschaffen. Änderungen sind gefragt!<br />
<span id="more-28913"></span><br />
<a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/medien/simulation_alter_arena-zeiten_1.12104086.html">&#8222;Die Zukunft liegt nicht in der Vergangenheit&#8220;</a>, stellt der einzige hauptamtliche Medienredaktor der Schweizer Tageszeitungen, Rainer Stadler, in der NZZ fest: das &#8222;neue&#8220; Format der &#8222;Arena&#8220; sei nicht mehr als eine Simulation der alten. Richtig, auch <a href="https://medienwoche.ch/2011/08/19/schauinski/">Schaüinski</a> ist nicht mehr als ein abgefilmter &#8222;Doppelpunkt&#8220;, ein &#8222;Talk Täglich&#8220; mit Designer. Ist es nicht verwunderlich, dass ausgerechnet die mehr oder minder verwitterten Gesichter von Roger Schawinski (*1945) und Filippo Leutenegger (*1952) frischen Wind in die öffentlich-rechtlichen und privaten Talkformate bringen sollen?</p>
<p>Die etablierten journalistischen Formate werden zusammen mit ihrem Publikum immer älter. Jüngere Generationen werden damit oft nicht mehr erreicht, denn die <a href="http://www.mpfs.de/?id=189">informieren sich zunehmend im Web</a>. Kontakt mit journalistischen Angeboten haben sie vor allem durch Videoportale, Gratiszeitungen und Online-Portale, doch letztere befinden sich nur noch ab und zu in der Hand der etablierten Verleger. Die Frage sei erlaubt: Wann hat zuletzt eine Titelgeschichte einer Printpublikation die Jugend so begeistert, dass sie deswegen die Kioske stürmte? Es muss irgendwann im letzten Jahrtausend gewesen sein.</p>
<p>Über die Themen, die viele junge Menschen interessieren, berichten etablierte journalistische Formate nur am Rande und wenn, dann nicht selten falsch. Auch wenn das Problem vielerorts erkannt und verbessert wurde, fühlen sich Onlinespieler, Weblogger, Webnutzer zurecht oft unangemessen behandelt. Wer beispielsweise Wegweisendes lesen will über die neusten Entwicklungen im Internet, kann das im Netz täglich tun. Doch in den journalistisch etablierten Medien werden die ganze Branchen umwälzenden Veränderungen durch das Internet noch immer recht stiefmütterlich behandelt. Natürlich auch, weil es sich dabei um die direkte Konkurrenz handelt.</p>
<p>Dass Zeitungen und Zeitschriften kaum noch junge Leser für sich gewinnen können, liegt auch an den Personalstrukturen der Verlage. Es werden zwar durchaus junge Mitarbeiter beschäftigt, doch die sind entweder für online zuständig oder für untergeordnete Aufgaben &#8211; was im Bewusstsein vieler Print-Führungskräfte fatalerweise ein Äquivalent ist. Ganz im Gegensatz zur USA, dort sind die aufstrebenden Stars der journalistischen Branche <a href="http://www.thelmagazine.com/gyrobase/theyre-young-they-re-successful-theyre-not-you/Content?oid=1454923&amp;storyPage=8">26</a>, <a href="http://www.thelmagazine.com/gyrobase/theyre-young-they-re-successful-theyre-not-you/Content?oid=1454923&amp;storyPage=9">25</a>, <a href="http://www.thelmagazine.com/gyrobase/theyre-young-they-re-successful-theyre-not-you/Content?oid=1454923&amp;storyPage=7">23</a> Jahre alt. Wir erinnern uns: &#8222;Weltwoche&#8220;-Chef Roger Köppel, der sich bald als eines der grössten Talente der Schweizer Medienbranche herausstellte, schrieb ab 1994 (mit 29) lange Feuilleton-Texte im &#8222;Tages-Anzeiger&#8220; und wurde 1997 (mit 32) zum Chefredakteur des &#8222;Magazins&#8220;. Welche journalistischen Stars unter 30 oder unter 35 hat die Schweizer Medienszene eigentlich die letzten Jahre geboren? Fällt jemandem ein Name ein?</p>
<p>Überhaupt sind die Plätze in den Redaktionen bereits besetzt und besonders die wirklich attraktiven Jobs werden auch besetzt gehalten. Von Journalisten, die die grosse Sparrunde vor zwei Jahren überlebt haben. Das war gar nicht so einfach und manchmal auch einfach Zufall, denn viele von denen, die ihren Job behalten durften, sind ja nicht besser als jene, die gehen mussten. Gehen mussten alle möglichen Mitarbeiter: Aus nachvollziehbaren sozialen Gründen nicht ganz so schwer fiel der Abschied von Alten, die frühpensioniert werden konnten und von Jungen, die &#8222;sicher wieder was finden&#8220;. Doch Journalismus sollte von allen Gesellschaftsschichten für alle Gesellschaftsschichten gemacht werden. Neben den Jungen in Führungspositionen fehlen auf vielen Redaktionen die Nicht-Akademiker, eine riesige Gruppe, von denen durchaus viele schreiben können. &#8222;Tagi&#8220;-Co-Chef Res Strehle, (&#8222;68, aber lieb&#8220;), sagte in einem <a href="http://www.woz.ch/artikel/2009/nr28/schweiz/18118.html">Interview mit der &#8222;Woz&#8220;</a>: &#8222;Wir stossen niemanden ins Prekariat.&#8220; Wieviele aber das journalistische Prekariat gar nicht erst verlassen und dann irgendwann in ganz andere Jobs verschwinden, zählt niemand.</p>
<p>Geblieben sind nach den <a href="http://www.persoenlich.com/news/show_news.cfm?newsid=82610">«Mai-Massakern»</a> 2009 (eine Übersicht der Entlassungen hat <a href="http://medienspiegel.ch/abbauschlacht.html">medienspiegel.ch</a>) viele Anpassungsfähige, die eine Familie zu versorgen haben und ohne zu murren das tun, was von oben gefordert wird. Oft sind das akademisch gebildete Eltern, zwischen 35 und 55 Jahren. Kaum zum Opfer fielen den Entlassungen überraschenderweise die Vorgesetzten. Nehmen wir mal <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/ueberuns/impressum/Impressum/story/28680087">die Chefs beim &#8222;Tages-Anzeiger&#8220;</a>: Neben vier Mitgliedern der Chefredaktion gibt es zwei Nachrichtenchefs und sieben Ressortleiter. Man fragt sich unwillkürlich, ob der &#8222;Tagi&#8220; bald mehr Chefs als Mitarbeiter hat. Die Krise führt in den Printmedien immer mehr zu einer umgekehrten Hierarchie-Pyramide. Während die Inhalte produzierende Basis immer schmaler wird, bleiben die Führungsetagen unangetastet, sie werden nur gemeinsam älter. Frank A. Meyer (*1944) beispielsweise darf jeden Sonntag zweimal seine vorgestrige Sicht der Welt im &#8222;Sonntags-Blick&#8220; ausbreiten. Seine &#8222;Hasstirade gegen das Internet&#8220; (<a href="http://hyperkontext.at/weblog/artikel/frank-a-meyer-und-seine-reproduzierte-wirklichkeit-der-medien/">Zitat hyperkontext.at</a>) mit dem Titel <a href="http://www.blick.ch/news/fam/basta-125570">&#8222;Basta!&#8220;</a> sorgte im Web für ungläubiges Staunen und unverhohlenes Gelächter. Hunderte von Twitterern verlinkten einen von Michel Reimon verfassten Brief <a href="https://wp_updatethoughts.wordpress.com/2009/08/14/offenster-brief-zum-dummsten-text-eines-journalisten-uber-das-internet/">&#8222;zum dümmsten Text eines Journalisten über das Internet&#8220;</a>.</p>
<p>Natürlich gibt es überall Ausnahmen, und bei der WOZ, bei der Weltwoche und auch beim Schweizer Fernsehen hat man durchaus hin und wieder mal den Eindruck, dass auch Jüngere Verantwortung übernehmen dürfen.</p>
<p>Weil das Boot schon voll ist, erhalten junge Journalisten heute kaum Chancen, ihre Talente auszuleben. Sie bleiben im Vergleich schlecht bezahlt und müssen unter Druck Agenturmeldungen umformulieren und oberflächliche Beiträge raushauen &#8211; andere wiederum sehen Redaktionen seit jeher nur von Aussen. Die vielleicht verdienstvollste Schweizer Journalistin der letzten Jahrzehnte, Margrit Sprecher, sagte <a href="http://www.klartext.ch/?p=9219">im &#8222;Klartext&#8220; (Ausgabe 5/09)</a>: &#8222;Es ist entwürdigend, wie mit den Jungen umgegangen wird.&#8220; Zusammengestrichene und nicht erscheinende Artikel würden das Selbstvertrauen beschädigen, &#8222;das Wichtigste, das man in unserem Beruf haben muss&#8220;. Auch wenn Tamedia und NZZ erfreulicherweise angekündigt haben, neue Mitarbeiter im Online-Bereich einzustellen, werden nur wenige davon den journalistischen Bereich betreffen. Wiederum werden die meisten von denen, die Inhalte erstellen, ein Kürzel bleiben und nicht die Chance erhalten, zu einer der publizistischen Stimmen zu reifen, an die sich die Leserschaft erinnert und die sie wieder und wieder lesen will.</p>
<p>Fasst sich mal ein Verleger (Peter Wanner) ein Herz und setzt einen damals 31-Jährigen (Patrik Müller) an die Spitze einer Sonntagszeitung (&#8222;Sonntag&#8220;), dann wird das mit Misstrauen, man könnte auch sagen Herablassung, aus dem inzestuösen Zürich verfolgt. Thomas Knellwolf vom &#8222;Tages-Anzeiger&#8220; schrieb 2007 über die erste Ausgabe des Neulings, &#8222;die kleine, teilweise profilierte Redaktion aus Baden&#8220; habe &#8222;nichts Weltbewegendes zu vermelden&#8220;. Er stiess ausserdem auf &#8222;Interviews ohne kritische Fragen&#8220;, und auch die &#8222;lokalen Nachrichten im &#8218;Sonntag&#8216; konnten nicht überzeugen&#8220;. Dass die &#8222;Sonntag&#8220;-Redaktion viel kleiner ist als die der &#8222;Sonntagszeitung&#8220; oder der &#8222;NZZ am Sonntag&#8220;, wurde nicht erwähnt.</p>
<p>Nur wenig später tanzten die Zürcher Grossverlage um Patrik Müller wie um ein goldenes Kalb und wollten ihn zum Chef von &#8222;Tagi&#8220; und &#8222;Blick&#8220; machen &#8211; der aber lehnte alle Angebote ab (<a href="https://twitter.com/#!/patrik_mueller/status/106014245518446593">Tweet vom 23. August 2011</a>: &#8222;Liebe Zürcher, bin 8 Jahre bei Peter Wanner &#8211; es macht Spass, bei ihm zu arbeiten&#8220;). Selbst Talente zu entdecken und Verantwortung zu übertragen, gehört heute offenbar nicht mehr zu den Stärken der Grossverlage. Lieber besetzen sie die Spitzen mit alten Haudegen der Branche, oder, falls den Job gar niemand machen kann oder will, mit Marc Walder. Frische Kräfte kommen nicht an die Macht, denn die haben ja noch keine Erfahrung. Jene wiederum, die ausreichend Erfahrung sammeln durften, sind bereits so betriebsblind, dass sie nicht als frische Kräfte gelten können.</p>
<p>&#8222;Bei Ringier habe ich erlebt, dass gewisse Chefs Angst haben, bessere Leute zu engagieren, weil ihnen diese gefährlich werden könnten&#8220; sagte Müller 2009 in einem <a href="http://www.persoenlich.com/news/show_news.cfm?newsid=81502">Interview mit &#8222;Persönlich&#8220;</a>. Das ist auch in anderen Verlagen so. Doch weil sich, solange die Zahlen einigermassen stimmen, darum niemand kümmert, bleibt alles, wie es ist. Für die Zukunft ist diese Haltung jedoch Selbstmord. Wenn keine Erneuerung mehr stattfindet, wenn keine jungen oder unbequemen Journalisten mehr Verantwortung übernehmen dürfen, dann verlieren die Publikationen bald auch noch den letzten Geruch von Frische. Und werden, was sie schon zu einem guten Teil geworden sind: Rentnerblätter mit einer laufend wegsterbenden Leserschaft. Wer sich wirklich um die Zukunft des Landes Sorgen macht, wie es im aktuellen Wahlkampf fast alle Parteien behaupten, sollte die Jugend mit gutem Journalismus versorgen.</p>
<p>Der Schweizer Journalismus verabschiedet sich nach und nach von den Menschen unter 35 Jahren, sowohl als wichtige Mitarbeiter als auch als Leser. Überhaupt, die treiben sich ja, man musste es bitter erfahren, doch nur in diesem Internet rum. Ihre Zahlungsbereitschaft tendiert angeblich gegen null. Und dann sind sie auch noch untreu. Viele Wohngemeinschaften machen sich nicht mal mehr die Mühe, für jedes WG-Mitglied und für jede Tageszeitung kostenlose Probeabos aneinanderzureihen &#8211; dabei würde das doch der Auflage zugutekommen.</p>
<p>Die 548 Franken für ein NZZ-Jahresabo setzen einen gut entlöhnten Job mit Lesefreizeit voraus, ein Luxus, über den nicht alle verfügen. Studenten haben zwar 40 Prozent Rabatt, doch dann sind es immer noch über 300 Franken, die auch anders ausgegeben werden können. Und die Zukunft verheisst zweierlei: Teurere Jahresabos und weniger sichere Jobs für junge Leser &#8211; eine Todesspirale. Bei den ganz jungen Lesern setzen einige Verlage mit Projekten wie <a href="http://new.baz.ch/zisch/">&#8222;Zeitung in der Schule&#8220;</a> an, doch dann verlieren sich die Bemühungen um die Jugend wieder, Beilagen wie &#8222;Ernst&#8220; tauchten zuletzt in den 1990er-Jahren auf.</p>
<p><a href="http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/dossier/finanzkrise/Sie-begehen-Selbstmord-aus-Angst-vor-dem-Tod/story/20100068">&#8222;Selbstmord aus Angst vor dem Tod&#8220;</a> nannte Roger Schawinski die Internetstrategie der in Panik geratenen Printmedien. Doch wenn es überhaupt eine Zukunft gibt für Printmedien, dann liegt sie in dieser schmählich vernachlässigten U35-Generation, die Printprodukte gar nicht generell ablehnt, wie manch ein verzweifelter Verlagsmanager vermutet.</p>
<p>Das Problem liegt bei den Trainern der Branche. Sie und ihr aufgeblähter Stab sind zu einem guten Teil nicht für die Zukunft aufgestellt. Und da niemand Druck macht in der Schweizer Medienbranche und lieber alle vordergründig Freunde bleiben, denken die Clubpräsidenten nicht daran, zu handeln, also mal den einen oder anderen Cheftrainer zu feuern. Am Schluss bleiben die Zuschauer aus und die schönen Stadien müssen für immer schliessen. Dann wird halt wieder auf dem Acker gespielt.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/09/02/aufgestellt-fur-den-selbstmord/">Aufgestellt für den Selbstmord</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Die Printverleger und das Internet</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2011/02/23/die-printverleger-und-das-internet-keine-liebesgeschichte/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Feb 2011 11:50:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Wälty]]></category>
		<category><![CDATA[Printverlage]]></category>
		<category><![CDATA[Norbert Neininger]]></category>
		<category><![CDATA[Ringier]]></category>
		<category><![CDATA[Hanspeter Lebrument]]></category>
		<category><![CDATA[Michael Ringier]]></category>
		<category><![CDATA[Frank A. Meyer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Aus den Kaderabteilungen der Schweizer Printverlage waren seit dem zunehmenden Aufkommen des Internets immer wieder knackige Zitate über die wachsende elektronische Konkurrenz zu hören. Böse Zungen sprachen jeweils von Kriegs- und Kampfrhetorik, und es fielen Begriffe wie Internetfeindlichkeit und Ahnungslosigkeit. Um einen Überblick zu erhalten und die Haltbarkeit der Aussagen im Wandel der Zeit verfolgen <a href="https://medienwoche.ch/2011/02/23/die-printverleger-und-das-internet-keine-liebesgeschichte/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/02/23/die-printverleger-und-das-internet-keine-liebesgeschichte/">Die Printverleger und das Internet</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Aus den Kaderabteilungen der Schweizer Printverlage waren seit dem zunehmenden Aufkommen des Internets immer wieder knackige Zitate über die wachsende elektronische Konkurrenz zu hören. Böse Zungen sprachen jeweils von Kriegs- und Kampfrhetorik, und es fielen Begriffe wie Internetfeindlichkeit und Ahnungslosigkeit. Um einen Überblick zu erhalten und die Haltbarkeit der Aussagen im Wandel der Zeit verfolgen zu können, haben wir einige der Sprüche auf eine im Jahr 2007 beginnende Zeitleiste gepackt. <span id="more-28733"></span></p>
<p>Wann sagte Hanspeter Lebrument den legendären Satz «Google hat Angst vor uns»? Es war im Herbst 2007 und damals wie heute war er Präsident des Schweizer Verlegerverbands. Ein Jahr später folgte Norbert Neininger, gleich wie Lebrument schon lange Mitglied des Präsidiums, mit den Worten «Was Google macht, ist illegal.» 2010 dann schrieb Neininger, die Einführung eines Leistungsschutzrechts nach deutschem Vorbild habe «Priorität».</p>
<p>Hat die holzverarbeitende Branche seit 2007 etwas gelernt? Oder eher nicht? Das kann nun jede und jeder selbst entscheiden. Zu sehen ist die <a href="http://timeglider.com/app/viewer.php?uid=line_5e59b1f138f6272700e5bad49b7ee645">Zeitleiste der Zitate auf Timeglider.com</a>.</p>
<p>Und eingebunden hier, nach der kurzen Bedienungsanleitung:</p>
<p>1. Auf &#8222;Start&#8220; klicken.<br />
2. Scrollen: von links nach rechts (und wieder zurück).<br />
3. Zoomen: mit dem grünen Regler rechts.<br />
4. Quellenangaben: Klick auf das einzelne Zitat.<br />
5. Vollbildansicht: Klick rechts oben auf den Schraubenschlüssel.</p>
<p><iframe src='https://timeglider.com/app/viewer.php?uid=line_5e59b1f138f6272700e5bad49b7ee645' width='100%' height='550'></iframe></p>
<p>Die Liste möchte erweitert werden. Zitate, die noch nicht drauf sind, darum bitte in die Kommentare, danke.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/02/23/die-printverleger-und-das-internet-keine-liebesgeschichte/">Die Printverleger und das Internet</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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