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	<title>Talkshow | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
	<lastBuildDate>Tue, 09 Jun 2020 15:37:00 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Talkshows: Ahnungslos und ignorant</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2020/06/09/ahnungslos-und-ignorant/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 09 Jun 2020 15:20:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Rassismus]]></category>
		<category><![CDATA[Talkshow]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ausschliesslich weisse Gäste, Unkenntnis grundlegender Begriffe, Hilflosigkeit im Umgang mit Kritik: Das Fernsehen zeigt, wie weit es im Rassismusdiskurs zurückliegt.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ausschliesslich weisse Gäste, Unkenntnis grundlegender Begriffe, Hilflosigkeit im Umgang mit Kritik: Das Fernsehen zeigt, wie weit es im Rassismusdiskurs zurückliegt.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/06/09/ahnungslos-und-ignorant/">Talkshows: Ahnungslos und ignorant</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Warum deutsche Talkshows den Rechten nutzen</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2019/07/05/warum-deutsche-talkshows-den-rechten-nutzen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 05 Jul 2019 13:45:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Talkshow]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Politische TV-Debatten inszenieren oft lieber Konflikte, als sich für die Wirklichkeit zu interessieren. So tragen sie zur Polarisierung der Gesellschaft bei.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Politische TV-Debatten inszenieren oft lieber Konflikte, als sich für die Wirklichkeit zu interessieren. So tragen sie zur Polarisierung der Gesellschaft bei.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2019/07/05/warum-deutsche-talkshows-den-rechten-nutzen/">Warum deutsche Talkshows den Rechten nutzen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>«Öffentlich-rechtliche Talkshows sind Werbeträger für die AfD»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2019/07/04/oeffentlich-rechtliche-talkshows-sind-werbetraeger-fuer-die-afd/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 04 Jul 2019 13:57:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[AfD]]></category>
		<category><![CDATA[Talkshow]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Talkshows seien ungeeignet dafür, komplexe politische Prozesse abzubilden, sagte der Medienwissenschaftler Lutz Hachmeister im Dlf. Ihr fast tägliches „Ritual der Politiksimulation“ sei ermüdend und ähnele Scripted Reality. Durch ihre Inszenierung und Taktung spielten Talkshows außerdem der AfD in die Hände.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Talkshows seien ungeeignet dafür, komplexe politische Prozesse abzubilden, sagte der Medienwissenschaftler Lutz Hachmeister im Dlf. Ihr fast tägliches „Ritual der Politiksimulation“ sei ermüdend und ähnele Scripted Reality. Durch ihre Inszenierung und Taktung spielten Talkshows außerdem der AfD in die Hände.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2019/07/04/oeffentlich-rechtliche-talkshows-sind-werbetraeger-fuer-die-afd/">«Öffentlich-rechtliche Talkshows sind Werbeträger für die AfD»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Köppel als Krokodil im Kasperle-Theater</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2014/03/11/koeppel-als-krokodil-im-kasperle-theater/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lothar Struck]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 11 Mar 2014 08:21:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[ARD]]></category>
		<category><![CDATA[Roger Köppel]]></category>
		<category><![CDATA[Weltwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Schweizbild]]></category>
		<category><![CDATA[Talkshow]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[ZDF]]></category>
		<category><![CDATA[TV]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mit dem Ja zur Einwanderungsinitiative der SVP erlebte die Köppel-Mania in Deutschlands Medien einen neuen Höhepunkt. Der Weltwoche-Chef avancierte zum Schweiz-Erklärer Nummer 1. Er profitiert dabei von der Dramaturgie der TV-Talkshows, die für Figuren wie Roger Köppel die unentbehrliche Rolle des rechten Agent provocateur vorsieht. Ziegler, Muschg und Hürlimann – sie sind die mitteilungs- und <a href="https://medienwoche.ch/2014/03/11/koeppel-als-krokodil-im-kasperle-theater/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Mit dem Ja zur Einwanderungsinitiative der SVP erlebte die Köppel-Mania in Deutschlands Medien einen neuen Höhepunkt. Der Weltwoche-Chef avancierte zum Schweiz-Erklärer Nummer 1. Er profitiert dabei von der Dramaturgie der TV-Talkshows, die für Figuren wie Roger Köppel die unentbehrliche Rolle des rechten Agent provocateur vorsieht.<br />
<span id="more-18513"></span><br />
Ziegler, Muschg und Hürlimann – sie sind die mitteilungs- und meinungsfreudigen intellektuellen Zugpferde der deutschen Medien, wenn es um die Schweiz geht. Aber niemand beeinflusst das Bild der Schweiz in deutschen Medien gegenwärtig nachhaltiger und massenwirksamer als der Journalist Roger Köppel, Chefredaktor und Verleger der Weltwoche. Zuvor hatte ein kurzes Zwischenspiel von 2004-2006 als Chefredakteur der Springer-Tageszeitung «Die Welt». Wenn es um Initiativen, Referenden oder einfach nur direkte Demokratie geht, ist Köppel seit Jahren regelmässiger Gast in den zahlreichen politischen Talkshows der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender. 2010 wurde er dafür von der «Süddeutschen Zeitung» <a href="http://www.sueddeutsche.de/medien/tv-kritik-hart-aber-fair-ein-schweizer-ruft-nur-noch-skandal-1.67946" target="_blank">despektierlich als «(Quoten-)Schweizer» bezeichnet</a>; in der FAZ gilt er inzwischen als «obligatorische[r] Schweiz-Erklärer», eine Begrifflichkeit, die die FAZ natürlich niemals auf die für sie schreibenden Schweiz-Erklärer <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/faz-net-fruehkritik/tv-kritik-hart-aber-fair-wer-hetzt-hier-12795541.html" target="_blank">anwenden würde</a>.</p>
<ul>
<li><span style="font-size: 13px;">Teil 1: <a href="https://medienwoche.ch/2014/03/07/der-fremde-nachbar/" target="_self">Der fremde Nachbar</a></span></li>
<li><span style="font-size: 13px;">Teil 2: <a href="https://medienwoche.ch/2014/03/07/schriftsteller-als-schweiz-erklaerer/" target="_self">Schriftsteller als Schweiz-Erklärer</a></span></li>
<li>Teil 4: <a href="https://medienwoche.ch/2014/03/12/die-toblerone-republik-als-gallierdorf/" target="_self">Die Toblerone-Republik als Gallierdorf</a></li>
</ul>
<p>Im «Spiegel» nannte <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-69518852.html" target="_blank">Marc Hujer Köppel einen «Unschweizer»</a>. Dass Christoph Blocher auch Adolf Muschg einmal mit dem Begriff des «Unschweizers» denunziert hatte, der «Spiegel»-Reporter sich also in durchaus windige rhetorische Gewässer begibt, scheint ihn nicht zu stören. Und auch die Bemerkung er sei «das Gegenteil seiner Landsleute: laut, schrill, provokativ» bedient ja indirekt ein veritables Schweiz-Klischee. Köppel sei ein «Intellektuelle[r] der Schweizer Rechten», dessen Auftritte in den diversen Fernsehsendungen den Schweizern peinlich wären und der Positionen vertrete, die in seinem Heimatland nicht mehrheitsfähig seien, so Hujer, der dabei übersieht, dass es gerade die Mehrheitsentscheidungen der Initiativen sind, die der Schweiz-Erklärer den Deutschen nahebringen soll. Köppel, der «einmal ein linksliberaler Journalist» war, beklagt nun in fast jedem Interview oder Gastspiel die <a href="http://derstandard.at/3251773/Blocher-ist-ganz-anders-als-Haider" target="_blank">Dominanz des «linksliberalen Publizistik-Mainstream»</a> – offiziell nur in der Schweiz, aber durchaus auch in Deutschland. Wir werden noch sehen, dass dies stimmt, obwohl es zum Standardrepertoire deutscher Medien gehört, die linksliberale Dominanz in ihrer Branche abzustreiten.</p>
<p>Die erste Begegnung Köppels mit Christoph Blocher im Frühjahr 2000 verklärt Hujer wie eine Initiation, die eine sofortige Apostasie zur Folge hatte. Pragmatischer sieht dies der deutsch-schweizerische Journalist und ehemalige Leiter des «Zeit»-Büros in der Schweiz Peer Teuwsen. <a href="http://www.zeit.de/2010/08/Portraet-Roger-Koeppel" target="_blank">Er nennt Köppel einen Eklektiker</a>, der mit «einem staatsfeindlichen und wirtschaftsfreundlichen Programm» in Europa eine publizistische Lücke bediene. Teuwsen, der selber bis 2008 bei der Weltwoche gearbeitet hatte, schildert Köppel als eine Art opportunistischen Agent provocateur, der sich kaltschnäuzig einem sich neu anbahnenden und erfolgversprechenden Mainstream andient. Tatsächlich sind ja Blocher und die SVP längst nicht mehr die Aussenseiter des politischen Betriebs, als welche sie sich gerne sehen und, merkwürdigerweise, auch in den deutschen Medien betrachtet werden.</p>
<h3 style="text-align: center;">TV-Talkshows als Kasperle-Theater</h3>
<p>Die Lesart ist interessant, wenn man Köppels Rolle in Talkshows im deutschen Fernsehen anwendet. In den öffentlich-rechtlichen Vollprogramm-Sendern ARD und ZDF gibt es aktuell sieben regelmässige Talkshow-Sendungen pro Woche, in denen situativ politische Themen behandelt werden. Hinzu kommen zahlreiche ähnliche Sendungen in den längst bundesweit empfangbaren Regionalprogrammen sowie in Spartenkanälen wie «Phoenix» und «3sat». Die politischen Talkshows unterliegen in der Regel einer ausgefeilten Choreographie, in der die eingeladenen Gäste bestimmte Funktionen erfüllen sollen. So gibt es fast immer einen bekannten Sportler, Schauspieler oder anderen Medienprominenten, der den «Glamour-Faktor» bedienen soll. Mit der behandelten Thematik ist er im Detail kaum befasst, dennoch vertritt er eine dezidierte Meinung, die alleine aufgrund des Prominentenstatus Gewicht zugesprochen bekommt. Hinzu kommen Politiker (meist paritätisch Regierung und Opposition) und ein sogenannter «Experte». Bei erwartet kontroversen Themen gibt es dann einen Provokateur, der in Anlehnung an die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kasper#Figuren_des_Kaspertheaters" target="_blank">Dramaturgie beim Kasperle-Theater</a> «Krokodil» genannt wird. Und schliesslich die Moderatorin bzw. der Moderator, die sich pro forma als neutrale Fragesteller und Diskussionsleiter gerieren, in Wirklichkeit jedoch ihrer Eitelkeit kaum noch Zügel anlegen und sich als unfehlbare Schiedsrichter gerieren. So ist nur eine der sieben Sendungen mit einem neutralen Titel («Hart aber fair»), während alle anderen nach den ModeratorInnen benannt sind («Günther Jauch», «Maischberger», «Anne Will», «Maybrit Illner», «Beckmann», «Lanz»).</p>
<p>Beim Thema Schweiz wird Köppel in der Rolle des «Krokodils» besetzt, gilt er doch als verlängertes Sprachrohr von Blocher bzw. der SVP. Er nimmt mit Wonne die ihm zugewiesene Rolle an und streitet gegen nahezu alle linksliberalen Arrangements. Dabei kommt ihm zu Gute, dass er durch seine frühere Tätigkeit in Deutschland auch die deutsche politische Szene ausgezeichnet kennt. Köppel wendet in den Sendungen eine Doppelstrategie an: Zum einen nimmt er die Schweizer vor Angriffen in Schutz, die für die Resultate der Initiativen und Volksentscheide scharf kritisiert werden. Zum anderen rekurriert er auf die sich in den Voten zeigende basisdemokratische Komponente der Schweiz, die er dem repräsentativen Demokratieentwurf Deutschlands gegenüberstellt. Die Rolle des Krokodils bedeutet allerdings auch, dass ein rhetorischer Sieg des Provokateurs von vornherein ausgeschlossen ist. Schon die plakativ-suggestiven Titel zeigen dies. Beispielsweise bei «Hart aber fair»: «Schockentscheidung zum Minarett-Verbot – Wie tief sitzt die Angst vor dem Islam?» (03.12.2009) oder: «Die Schweiz stoppt Zuwanderer – Alarmsignal für Europa?» (10.02.2014). Wie im Kindertheater wird das Krokodil am Ende verprügelt. Alleine die Übermacht der anderen Diskutanten und die Steuerung des Moderators auf zeitlich paritätisch ausgewogene Diskussionsbeiträge lässt ihm keine Chance.</p>
<h3 style="text-align: center;">Linksliberale Schlagseite</h3>
<p>Hinzu kommt, dass die Journalistik auch in den öffentlich-rechtlichen Medien in Deutschland eine deutliche linksliberale Schlagseite aufweist. In einer <a href="https://www.dfjv.de/documents/10180/178294/DFJV_Studie_Politikjournalistinnen_und_Journalisten.pdf" target="_blank">Studie der Freien Universität Berlin</a> im Auftrag des Deutschen Fachjournalisten-Verbandes aus dem Jahr 2010 gaben von 743 Journalisten zwar 36,1% an keiner Partei nahezustehen. Aber immerhin bekannten 26,9% eine Nähe zu den Grünen und 15,5% zu den Sozialdemokraten (SPD). Zur konservativen CDU, die 2013 bei den Bundestagswahlen auf 41,5% der Stimmen kam [CDU und CSU addiert], bekannten sich nur 9% der befragten Journalisten. Mit 26,9% erreichen die Grünen damit eine dreimal höhere Repräsentanz unter den Journalisten als bei den letzten Bundestagswahlen, während die SPD leicht unterrepräsentiert ist. Rechnet man die sich selber neutral einschätzenden 36,1% heraus, so kommt das «linke Lager» auf mehr als 70% Repräsentanz. Köppels Verdikt von der «linken» Beeinflussung in den Medien ist also nicht von der Hand zu weisen, wie auch <a href="https://medienwoche.ch/2011/10/13/welche-parteien-die-journalisten-lieben/" target="_self">ähnliche Analysen</a> für die Schweiz zeigen.</p>
<p>Der entscheidende Grund ist historisch bedingt und ist in der Infiltration der sogenannten 68er-Protest-Generation in die Redaktionsstuben von Zeitungen, Rundfunk und Fernsehen in den 1970er Jahren zu finden. Die Sozialdemokraten regierten in Deutschland zwischen 1969 und 1982 zusammen mit den Liberalen. In den Medien war spätestens Anfang der 1980er Jahre ein gewisser linksliberaler Überhang spürbar. Das Bekenntnis zu einer bestimmten Politik wurde wichtiger als der Versuch, objektiv zu berichten und das Urteil dem Rezipienten zu überlassen. Trotz des starken publizistischen Gegenwinds (in diversen ARD-Sendern und vor allem von «Spiegel» und «Zeit») gewann die konservative CDU/CSU-Regierung unter Helmut Kohl vier aufeinanderfolgende Bundestagswahlen. Die Diskrepanz zwischen öffentlicher Meinung und veröffentlichter Meinung zeigte sich in jedem neuen Triumph Kohls. 1998 wurde Kohl dann zu Gunsten des Sozialdemokraten Schröder und einer rot-grünen Regierung abgewählt. Inzwischen zogen die Kinder der 68er von den Universitäten ebenfalls in die Redaktionen ein. Etliche von ihnen waren durch die Anfang der 1980er Jahre aufkommenden Grünen (Anti-Atomprotest, Friedensbewegung, Umweltschutz, Frauenrechte) politisch sozialisiert worden.</p>
<h3 style="text-align: center;">Ab an den Pranger</h3>
<p>Die pointierte, satisfaktionsfähige <a href="http://www.deutschlandfunk.de/egon-flaig-gedanken-eines-zornigen-alten-mannes.700.de.html?dram:article_id=278589" target="_blank">konservative Publizistik</a> ist in Deutschland fast nicht mehr existent. Das Übergewicht der linksliberalen Gesinnung im deutschen Journalismus blieb erhalten. Wer nicht in das Schema passt, wird an den medialen Pranger gestellt und als «Rechtsdenker» tituliert. (siehe rechts, Titelbild «Freitag») Aber nicht nur in den wenig repräsentativen Kommentarspalten diverser Online-Medien kann man erkennen, dass es Unterschiede zwischen der von Journalisten verbreiteten Meinung und den Ansichten der Bürger gibt. So war das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Volksabstimmung_zu_Stuttgart_21" target="_blank">Resultat der Volksabstimmung</a> zum heftig umstrittenen Verkehrs- und Städtebauprojekt «Stuttgart 21» eine ziemliche Überraschung. Monatelang wurde 2010 von den vehementen Strassenprotesten der sogenannten «Wutbürger» berichtet. Sie richteten sich vor allem gegen die Baumassnahmen rund um den Stuttgarter Hauptbahnhof und die Kosten einer neuen Bahnstrecke. Nach einer Schlichtung zwischen Gegnern und Befürwortern, die im Fernsehen übertragen wurde, kam es im November 2011 zu einer Abstimmung über das Projekt, wobei sich 58,9% für den Bau des Projekts aussprachen. Dieses Votum entsprach eindeutig nicht der vorher in den Medien praktizierten Berichterstattung.</p>
<p>In Anlehnung an die ersten Worte des <a href="http://gutenberg.spiegel.de/buch/4975/1" target="_blank">Kommunistischen Manifests</a> schreibt Köppel 2009 nach dem Minarett-Entscheid in der Weltwoche: <a href="http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2009-49/artikel-2009-49-editorial-demokr.html" target="_blank">«Ein Gespenst geht um in Europa: die Schweizer Demokratie.»</a> Ohne Unterlass und rhetorisch geschickt setzt Klöppel bei seinen Auftritten die partizipative Demokratie der Schweiz dem repräsentativ-paternalistischen Politikentwurf Deutschlands und der EU entgegen. Er hat erkannt, dass Forderungen nach direkter Demokratie im linksintellektuellen Milieu immer dann unter Populismus-Verdacht geraten, wenn eine Abstimmung anders auszugehen droht, als man dies wünscht. Dann wird zum Beispiel regelmässig längst widerlegtes Schulbuchwissen aus den 1960er und 1970er Jahren hervorgeholt. Demnach sei die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Weimarer_Republik" target="_blank">Weimarer Republik</a> von 1918/19-1933 an den zahlreichen Wahlen (zwischen 1919 und 1933 wurden neun <a href="http://www.gonschior.de/weimar/Deutschland/Uebersicht_RTW.html" target="_blank">Wahlen zum Reichstag</a> abgehalten) und Volksentscheiden gescheitert. In Wirklichkeit gab es in den 15 Jahren nur insgesamt <a href="http://www.dhm.de/lemo/html/weimar/verfassung/volksentscheid/" target="_blank">drei Volksentscheide</a>. Dabei gelten längst die mangelnde Kompromissfähigkeit der damaligen Politiker zusammen mit ihrem begrenzten Erfahrungshorizont was demokratische Willensbildung angeht, die Massenarbeitslosigkeit in Folge einer Weltwirtschaftskrise und überzogene Reparationsforderungen aus dem Ersten Weltkrieg als die Hauptursachen für das Scheitern der Weimarer Republik, die sukzessive den Rückhalt in der Bevölkerung verlor und sich extremistischen Parteien – rechts wie links – anschlossen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/03/11/koeppel-als-krokodil-im-kasperle-theater/">Köppel als Krokodil im Kasperle-Theater</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Polit-Talk als Casting-Show</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2012/11/12/polit-talk-als-casting-show/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 12 Nov 2012 11:02:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Absolute Mehrheit]]></category>
		<category><![CDATA[Castingshow]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Limbourg]]></category>
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		<category><![CDATA[ProSiebenSat.1 Media]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Stefan Raab belebt mit der ersten Ausgabe von «Absolute Mehrheit» die dröge Talkshow-Kultur Deutschlands. Das Casting-Format des Privatsenders Pro7 könnte einige Menschen tatsächlich dazu bringen, sich ansatzweise mit Politik beschäftigen. Einige Schlagzeilen am Morgen nach der ersten Sendung sind sich einig: &#8222;Raabs Experiment fährt vor die Wand&#8220;, &#8222;nur öder Politquatsch&#8220;, &#8222;nur ein schlechter Witz&#8220;, gar <a href="https://medienwoche.ch/2012/11/12/polit-talk-als-casting-show/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Stefan Raab belebt mit der ersten Ausgabe von <a href="http://www.prosieben.de/tv/absolute-mehrheit/">«Absolute Mehrheit»</a> die dröge Talkshow-Kultur Deutschlands. Das Casting-Format des Privatsenders Pro7 könnte einige Menschen tatsächlich dazu bringen, sich ansatzweise mit Politik beschäftigen.<br />
<span id="more-30560"></span><br />
Einige Schlagzeilen am Morgen nach der ersten Sendung sind sich einig: <a href="http://www.rp-online.de/gesellschaft/fernsehen/raabs-experiment-faehrt-vor-die-wand-1.3065417">&#8222;Raabs Experiment fährt vor die Wand&#8220;</a>, <a href="http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/neue-polit-show-nur-oeder-politquatsch-bei-stefan-raab/7376272.html">&#8222;nur öder Politquatsch&#8220;</a>, <a href="http://www.hna.de/nachrichten/panorama-lokal/nein-schlechter-witz-stefan-raabs-polit-talk-absolute-mehrheit-2608730.html">&#8222;nur ein schlechter Witz&#8220;</a>, gar <a href="http://www.noz.de/deutschland-und-welt/kultur/fernsehen/67882196/raabs-neuer-polittalk-absolute-mehrheit-erfuellt-schlimmste-befuerchtungen">&#8222;schlimmste Befürchtungen&#8220;</a> sehen sich bestätigt. Die FAZ zählte am Ende der Sendung sechs Verlierer, die Sendung habe <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/faz-net-fruehkritik-absolute-mehrheit-der-vorfuehr-effekt-11958029.html">&#8222;ausser Witzchen und Rüpelei wenig zu bieten&#8220;</a>. Wer die Reaktionen zur Sendung unter <a href="https://twitter.com/search?q=%23absolutemehrheit&#038;src=hash">#absolutemehrheit</a> auf Twitter verfolgte, traf auf eine Menge Leute, die fest entschlossen waren, das neue Format, das die Einförmigkeit von Talkshows in Deutschland aufbrechen möchte, nicht zu mögen.</p>
<p>Warum bloss? Wie kann man sich jeden Sonntagabend über «Günther Jauch» aufregen und dann, wenn jemand einen anderen Ansatz ausprobiert, den von der ersten Minute an in die Tonne treten? Keine Frage, es gibt vieles, das an der ersten Sendung zu kritisieren ist: Die ermüdend «frechen» Fragen von Stefan Raab, die ihn seiner <a href="https://www.youtube.com/watch?v=WuWpE1P-KLg">Switch-Parodie</a> gefährlich nahe bringen. Sein kindisch-dümmliches Witzchen über <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Philipp_R%C3%B6sler">Philipp Rösler</a> («Wenn er das jetzt sieht beim Abendessen, hoffentlich fallen ihm nicht die Stäbchen aus der Hand»), in dem «Spiegel Online» eine <a href="http://www.spiegel.de/kultur/tv/tv-kritik-stefan-raab-und-seine-polit-show-die-absolute-mehrheit-a-866591.html">«rassistische Entgleisung»</a> sah. Das aufgepeitscht klatschende Publikum, in dem einige besonders laut für den späteren Sieger der Sendung, Wolfgang Kubicki, johlten.</p>
<p>Vieles war wie in anderen deutschen Talkshows auch: Alle sprachen sich für die Energiewende aus, niemand forderte eine Senkung der Steuern, und es dauerte nicht mal fünf Minuten, bis sich die Kandidaten gegenseitig ins Wort fielen («Jetzt red ich mal zu Ende»), ein Schauspiel unter Männchen, das die Frau in der Runde, die Berliner Unternehmerin Verena Delius, mit Zurückhaltung beobachtete. Raab musste hier das Lehrgeld des Newcomers bezahlen, seine wenigen Eingriffe in das Gespräch waren inhaltlich wenig erhellend. Überhaupt kam ein solches kaum je zustande, weil insgesamt sechs Mal die aktuellen Ergebnisse des Televotings eingeblendet wurden, was wohl auch im Wissen des Privatsenders um die kurze Aufmerksamkeitsspanne ihrer Zuschauer geschah.</p>
<p>Vieles war aber auch anders: Ausgerechnet Vertreter der bei vielen Journalisten unbeliebten Parteien FDP und Die Linke holten beim Publikum die meisten Stimmen. Es schien, als bemühten sich die Gäste bei «Absolute Merheit» um eine verständliche Ausdrucksweise. Und mehrere lange Werbeblöcke rückten ins Bewusstsein, dass Privatsender ihr Geld mit Werbung verdienen müssen. Den Satz «Jetzt höre ich grade von der Regie, dass wir, bevor wir in die Werbung gehen, nochmals das Auto angucken» hätte man von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Limbourg_%28Journalist%29">Peter Limbourg</a>, der als Sat.1-Nachrichtensprecher sowas wie das journalistische Aushängeschild der ProSiebenSat.1 Media ist, allerdings doch lieber nicht hören mögen. Ihm war überhaupt eine unglückliche Rolle zugewiesen, mit der er sein Potenzial nicht ausspielen konnte.</p>
<p>Das Versprechen, am Ende einen Sieger zu küren, der mit einer «absoluten Mehrheit» den Jackpot leeren kann, verleiht der Verheiratung von Casting- und Talkshow, die Raab hier betreibt, eine spielerische Note. Der grinsende Bundesadler, der die Initalen der Sendung (und der aktuellen Bundeskanzlerin) trägt, wacht über einen Talk, der sich nicht allzu ernst nimmt, und gerade so in das Bewusstsein von Leuten eindringen könnte, die mit dem Thema Politik längst abgeschlossen oder gar noch nicht angefangen haben. Neckisch auch das Porträt von Bundespräsident Gauck, das an der in Talkshows gerne aufgestellten Backsteinwand hängt.</p>
<p>Auch wenn es die Elitisten ungern wahrhaben wollen: Über Politik dürfen alle reden, nicht nur die so genannten Experten, sogar ein Stefan Raab. <a href="http://meedia.de/fernsehen/grandiose-start-fuer-raabs-absolute-mehrheit/2012/11/12.html">Gerade beim jüngeren Publikum</a> kam die erste Sendung jedenfalls gut an. Und populistischer als andere Talkshows ist «Absolute Mehrheit» auch nicht.</p>
<p><small><a href="http://www.prosieben.de/tv/absolute-mehrheit/">«Absolute Mehrheit»</a> (<a href="http://www.prosieben.de/tv/absolute-mehrheit/video/">Videos</a>) wurde am 11. November 2012, um 22:45 Uhr, auf Pro7 ausgestrahlt.</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/11/12/polit-talk-als-casting-show/">Polit-Talk als Casting-Show</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>«Ich habe so viel mehr erreicht, als ich mir jemals vorgestellt habe»</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 03 Sep 2012 09:12:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gespräche]]></category>
		<category><![CDATA[Roger Schawinski]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als Gründer von Privatradios und Privatfernsehen hat Roger Schawinski das Monopol der Staatssender zum Einsturz bzw. zum Wanken gebracht. Der erfolgreiche und seit Anbeginn polarisierende Medienpionier ist aus der Schweizer Medienszene nicht mehr wegzudenken, denn er hat viele bleibende Spuren hinterlassen und unzählige andere Journalisten beeinflusst und mitgerissen. Schawinski, der sich selbst als «Zeitungsfreak» und <a href="https://medienwoche.ch/2012/09/03/ich-habe-so-viel-mehr-erreicht-als-ich-mir-jemals-vorgestellt-habe/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Als Gründer von Privatradios und Privatfernsehen hat Roger Schawinski das Monopol der Staatssender zum Einsturz bzw. zum Wanken gebracht. Der erfolgreiche und seit Anbeginn polarisierende Medienpionier ist aus der Schweizer Medienszene nicht mehr wegzudenken, denn er hat viele bleibende Spuren hinterlassen und unzählige andere Journalisten beeinflusst und mitgerissen. Schawinski, der sich selbst als «Zeitungsfreak» und «verkappter Introvertierter» bezeichnet, hat uns Auskunft gegeben über seinen Interviewstil, seine Investitionen und seine Beziehung zu ehemaligen Erzfeinden.<br />
<span id="more-30525"></span><br />
<em>Ich treffe einen bestens gelaunten Roger Schawinski in seinem nicht übermässig grossen Büro bei Radio1 an der Hottingerstrasse in Zürich. An der Wand hängt eine Collage der schönsten Blick-Schlagzeilen, in denen es um Schawinski geht. Am Vorabend hat der 67-jährige Journalist in seiner Sendung <a href="http://www.videoportal.sf.tv/video?id=efbc5cf9-a231-419a-b7fb-127ac6f71c9f">Gerhard Blocher als Gast</a> empfangen.</em></p>
<p><strong>Welche nationale Relevanz hat ein auf einer bedeutungslosen Position für den Kantonsrat kandidierender Bruder eines Nationalrats?</strong><br />
Eine grosse, wenn er der Privatseelsorger von Christoph Blocher ist und man das Gefühl hat, die Basis des Blocherschen Denkens sei über Gerhard besser zu knacken, weil er weniger berechnend und damit authentischer ist als sein mit allen Wassern gewaschener Bruder.</p>
<p><strong>War das Gespräch für Dich ergiebig?</strong><br />
Einerseits Ja, andererseits Nein. Die grundsätzliche Frage der Herkunft des Auftrags, den die Blochers ja immer ins Zentrum stellen, beantwortete er mit einem «Ich weiss es nicht». Das ist für mich bemerkenswert, weil ich glaube, dass dies aus dem calvinistischen Denken kommt, also, dass alles göttlich vorbestimmt ist und man nur ein Instrument ist in dieser Welt, das agieren muss. Das führt dann zu dem zum arroganten und oft rüden Verhalten der Blochers, die das Gefühl haben, sie können sich alles erlauben.</p>
<p><strong>Du kommst aus eher einfachen Verhältnissen, durch harte Arbeit bist Du nun Millionär. Wer hat Dir den Auftrag gegeben, das zu erreichen?</strong><br />
Ich würde nie sagen, dass mir jemand einen Auftrag gegeben hat. Das ist meine eigene Motivation. Doch bei den Blochers wird der Auftrag überhöht und verklärt.</p>
<p><strong>Wie würdest Du reagieren, wenn jemand Verwandte von Dir einlädt, um öffentlich über Dich zu spekulieren?</strong><br />
Gerhard Blocher ist ja nicht irgendein Verwandter, sondern der grosse Bruder von Christoph Blocher. Christoph nennt Gerhard seine wichtigste Bezugsperson, telefoniert fast täglich mit ihm, ist sein engster Berater.</p>
<p><strong>Mein Eindruck war: Du bist in diesem Gespräch journalistisch und persönlich fair geblieben, hast aber nur die negativen Seiten und die Schwächen eines 78-Jährigen beleuchtet. Auf mich wirkte es wie eine sehr einseitige Auseinandersetzung.</strong><br />
Ich habe ihm die Gelegenheit eingeräumt, positive Seiten von sich zu erwähnen. Wenn er dazu nichts sagt, wenn er auf meine Fragen nicht eingeht und sich damit verweigert, ist das auch eine Aussage.</p>
<p><strong>Wie schätzt Du die Rolle des Schweizer Fernsehens ein beim <a href="https://www.youtube.com/watch?v=xnMWp1ORyBo">Reporter-Film</a> direkt vor der Abwahl aus dem Bundesrat? Christoph Blocher sagt, das SF habe zugesichert, den Film nach den Wahlen auszustrahlen.</strong><br />
Ich kann dazu nichts sagen, da ich nichts darüber weiss. Gerhard Blocher glaubt ja nicht, dass der Film seinem Bruder geschadet hat, wie er in meiner Sendung erklärt hat.</p>
<p><strong>Wie würdest Du Deinen Interviewstil, wie Du ihn aktuell bei «Schawinski» und «Doppelpunkt» pflegst, beschreiben und was möchtest Du damit erreichen?</strong><br />
Ich versuche, sehr gut recherchiert an das Gespräch heranzutreten, ich mache mir viele Gedanken im Vorfeld, ich bin umfassend dokumentiert – um die relevanten Fragen im richtigen Moment stellen zu können und damit sich der Zuschauer eine eigene Meinung bilden kann. Das geht nur, in dem man hinter die Oberfläche der Gäste schaut und sie mit ihren Widersprüchen konfrontiert, was mal besser, mal weniger gut gelingt. Auf jeden Fall ist es ein kritischerer Stil, als man es vom Schweizer Fernsehen bisher gewöhnt war.<br />
Eine halbe Stunde Gespräch zwischen zwei Menschen ist im Fernsehen zu einer seltenen Disziplin, zu einem Anachronismus geworden. Im deutschen Fernsehen glaubt man, mindestens sechs Leute einladen zu müssen, damit der Zuschauer dran bleibt. Ich bedaure das, denn das 1:1-Gespräch ist für mich die Königsdisziplin. Es ist ein Hochseilakt, nur einen Gast zu haben, denn der kann ein Totalausfall sein. Das ist das grosse Risiko, das ich jedes Mal auf mich nehme.<br />
Einer, den ich bewundere, ist <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Charlie_Rose">Charlie Rose</a>, der bei Bloomberg und PBS zu sehen ist. Er kann, anders als ich, mehr in die elitäre Nische gehen. Das Schweizer Fernsehen dagegen ist Marktführer und bedient ein viel breiteres Publikum. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mike_Wallace">Mike Wallace</a>, der vor kurzem verstorbene grosse amerikanische Fernsehjournalist, hat einmal gesagt, dass ein kritisches TV-Interview immer auch eine Gratwanderung zwischen Sadismus und intellektueller Neugier ist. Ich bewege mich also auf sehr heiklem Terrain.</p>
<p><strong>Das Konzept von «Schawinski» ist gut, doch die Sendung ist so prall gefüllt mit Beweisen gegen den Gast, dass das Gespräch zu kurz kommt.</strong><br />
Ich bin bereit, auf einen Gast, der etwas weiterführt, einzugehen, und dafür einen Teil meiner Vorbereitungen aufzugeben.</p>
<p><strong>Ich habe eine Umfrage gemacht, was es an Deinem Interviewstil zu kritisieren gibt. Das hat folgendes ergeben:<br />
1. Du lässt Gäste Gedanken oftmals nicht zu Ende formulieren, so verhinderst Du möglicherweise interessante Aussagen.</strong><br />
Das ist ein Fehler, den ich zu Beginn oft gemacht habe, richtig. Da hatte ich die Dramaturgie der 28 Minuten noch nicht im Griff. Andererseits werden Leute, die nicht unterbrochen werden, ausschweifend, und das wird für den Zuschauer unerträglich. Man muss immer den Rhythmus des Gesprächs im Blickfeld behalten.</p>
<p><strong>2. Du bist als Person zu präsent, Du präsentierst nicht nur Deine Meinung, sondern Du zelebrierst Voreingenommenheit.</strong><br />
Anders als ich können die meisten Interviewer nicht auf Augenhöhe mit ihrem Gast diskutieren. Ich  hingegen versuche genau das, und ich kann dies aufgrund meiner Erfahrung als Interviewer, Unternehmer und Manager über sehr viele Jahre hinweg auch tun. Damit werde ich natürlich auch viel kritisierbarer. Aus einer zweidimensionalen Ebene zwischen dem Interviewer und dem Interviewten, bei dem der Zuschauer aussen vor ist, wird so eine dreidimensionale Ebene zwischen Zuschauer, Interviewer und Interviewten. Der Zuschauer wird also eingebunden und kann laufend entscheiden, auf welcher Seite er in einzelnen Fragen steht. Das ergibt meiner Meinung nach viel spannenderes Fernsehen.</p>
<p><strong>3. Statt einfach nur hart nachzufragen, wirkst Du auf einige Zuschauer frech und stillos.</strong><br />
Im deutschen Fernsehen gibt es Soft Talkers wie Beckmann oder Jauch. Mein Stil ist anders, damit nehme ich in Kauf, dass sich gewisse Gäste dem nicht stellen wollen, und dass das einigen Zuschauern nicht schmeckt, vor allem nicht auf dem Sendeplatz um 22:55 Uhr, zu einer Zeit also, wo viele Menschen bereits am wegdösen sind. Ja, meine Sendung ist intensiver als andere. Von meinen Gästen höre ich aber, dass die Rückmeldungen auf ihren Besuch viel zahlreicher und positiver sind als bei anderen Sendungen. Es wird ihnen teilweise als Heldentat angerechnet, dass sie sich mir gestellt haben. Das heisst, die Sendung zahlt sich für alle aus.</p>
<p><strong>4. Deine Gäste bestehen aus Deinem Altherrennetzwerk, Junge und Frauen kommen zu kurz.</strong><br />
Ich kenne einfach viele Leute. Es gibt wenige Frauen in Führungspositionen. Und Junge haben einfach viel weniger zu erzählen. Ich brauche Leute mit einem Lebensentwurf, die eine halbstündige Sendung füllen können. Und «alt» ist relativ, im Vergleich zu «Menschen bei Maischberger» habe ich fast schon jugendliche Gäste.</p>
<p><strong>Wieso wollen Frauen wie Natalie Rickli oder Bettina Weber nicht zu Dir in die Sendung?</strong><br />
Jene Frauen, die in meiner Sendung waren, haben hervorragende Rückmeldungen erhalten. Bettina Weber machte mir den Vorwurf, zu wenige Frauen einzuladen. Dann fragte ich sie an, und sie schrieb mir zurück, sie sei keine öffentliche Person und sage deshalb ab, und dies, obwohl sie für den «Tages-Anzeiger» ganze Seiten mit Meinungsartikeln vollschreibt. Das ist leider ein typisches weibliches Verhalten, das ich oft erlebe. Die meisten Frauen stellen sich weniger gern der Kritik &#8211; und beklagen sich dann, dass sie nicht zu Wort kommen.</p>
<p><strong>Von Berlin aus wirkt die Schweiz noch harmoniebedürftiger als von Zürich aus. Ist die Angst vor Konfrontation in den letzten Jahren gestiegen?</strong><br />
Die Leute an der Spitze sind nicht das grösste Problem, das sind ihre überquellenden Medienabteilungen. Es läuft so: Die Medienberater trauen ihren Chefs zu wenig zu und wollen sie nur in einem absolut sicheren Umfeld platzieren, zum Beispiel in einem Zeitungsinterview, das sie 37x redigieren können, bis es absolut blutleer ist. Sie haben wohl Angst, dass sie, wenn etwas schief läuft, ihren Job verlieren. Sie wollen die absolute Kontrolle und verunmöglichen ihren Chefs damit, sich als Mensch öffentlich zu profilieren. Für mich ist diese Angsthaltung vieler Medienabteilungen unprofessionell. Ich hatte schon Zusagen von Bundesrätinnen, doch als die Medienabteilungen davon erfuhren, wurden plötzlich Terminprobleme vorgeschoben. Ich finde das verheerend, weil die Macht der ausufernden Medienabteilungen echte öffentliche Kommunikation immer mehr verhindert.</p>
<p><strong>Hat der Einfluss von PR im Schweizer Journalismus zugenommen?</strong><br />
Massiv. Dies und der gewaltige Einfluss der Medienstellen entwickeln sich immer mehr zu einer Pest.</p>
<p><strong>Du hast Dich damals mit Radio24 gelangweilt, und darum ein Fernsehen aufgebaut. Langweilst Du Dich nicht auch mit Radio1?</strong><br />
Nein, Radio1 ist ein Wunschkind von mir. Das ganze Leben die Nummer 1 sein wie bei Radio24, das kann für mich ja keine echte Challenge sein. Mit Radio1 habe ich wieder bei Null angefangen und den Einstieg in einen sehr stark besetzten Zürcher Radiomarkt geschafft. Die Konkurrenz besteht ja nicht nur aus dem SRG-Programm, sondern auch aus sechs Privatsendern. Ich habe mir hier eine schwierige Aufgabe gestellt, doch ich suche Herausforderungen. Dabei ist es mein vorrangiges Ziel, den qualitativ besten Privatsender des Landes zu betreiben. Wir sind auf diesem Weg schon sehr weit vorangekommen.</p>
<p><strong>Im <a href="https://www.youtube.com/watch?v=nwdLsbuoC2w">Trailer</a> zum Film «Jolly Roger» sagst Du: «Die, die uns den den Sender kaputt gemacht haben, der Staat, die Macht, die Gewalt &#8211; das macht mir Angst.» Wie ist Dein Verhältnis zum Staat heute?</strong><br />
Ich habe immer noch eine kritische Haltung. Prinzipiell aber glaube ich, dass das Vertrauen in unsere staatlichen Institutionen ein Fundament ist, das man nicht willkürlich zerstören sollte, wie das die SVP versucht. Das grundsätzliche Vertrauen in die Institutionen ist unser Fundament, die Basis des Erfolgsmodells Schweiz.</p>
<p><strong>Du bist jede Woche auf der Gegenseite von Roger Köppel bei «Roger vs. Roger». Du kannst also nur links sein?</strong><br />
Weiter rechts zu sein, als er es ist, wäre ja selbst theoretisch nicht vorstellbar. Aber hie und da sind wir sogar ähnlicher Meinung.</p>
<p><strong>Im September 1973 schriebst Du für die «Schweizer Illustrierte» einen Text unter dem Titel «Nach Allendes Tod wird Blut fliessen.» Deine Sympathien für Salvador Allende, dem chilenischen Präsidenten, der einen demokratischen Sozialismus anstrebte, sind unübersehbar. Trotzdem hältst Du wahrheitsgetreu fest, dass die wirtschaftliche Lage im dritten Jahr der Regierung Allende katastrophal war, die Inflation einen Weltrekord erreichte, die Produktion in allen Bereichen sank und die Versorgung mit Lebensmitteln und Brennstoffen zeitweise beinahe zusammen brach. Wie hältst Du es mit dem Sozialismus?</strong><br />
Der Sozialismus ist gescheitert, auch die demokratischen Versuche. Der letzte Versuch war vielleicht derjenige unter Allende. Ich habe vor Ort gesehen, dass dieses System am Ende unfähig war, weil es im Rahmen der demokratischen Ordnung von seinen Gegnern gezielt destabilisiert wurde. Sozialismus funktioniert eben nur mit einem Terrorregime, weil ihn sonst die kapitalistischen Gegenkräfte wie im Fall Chile mit aller Macht zerstören. Also ist Sozialismus keine Option, mit der wir uns befassen sollten.</p>
<p><strong>Drei Wochen vor 9/11 hast Du die unter dem Namen Belcom zusammengefassten Radio24 und Tele24 für 92 Millionen Franken an die Tamedia verkauft, rückblickend ein Glücksdeal, weil danach die Kurse abstürzten.</strong><br />
Drei Monate vorher hatte ich noch eine schriftliche Offerte in der Höhe von 162 Millionen. Dann kam das Platzen des Dotcom-Hypes. Ich habe verkauft, weil ich keine grosse Herausforderung mehr sah bei Radio24 und weil selbst das damals angedachte Radio- und Fernsehgesetz einen Erfolg des Privatfernsehens verunmöglichen würde. Zudem war ich etwas ausgebrannt, auch durch die vier «Talk-Täglich»-Sendungen jede Woche mit zum Teil sehr boulevardesken Gästen. Wenn ich nicht verkauft hätte, dann wäre ich nie Chef von Sat.1 geworden, hätte nie als Geschäftsführer eines grossen Senders im Zentrum des gesellschaftlichen und politischen Lebens in Berlin gelebt, was mich sehr bereichert hat. Loslassen ist vielleicht das Schwierigste überhaupt, aber das Wichtigste. Ich habe es mehr als einmal im richtigen Moment getan.<br />
Nach dem Verkauf dachte ich: Roger, jetzt musst Du Dich nie mehr um Geld kümmern. Das war ein grosser Irrtum, denn Geld will verwaltet sein. Mein Banker sagte mir einmal: «Roger, Geld ist flüchtig» &#8211; und er hat recht. Es kann jederzeit wieder weg sein, durch falsche Anlagen, durch eine Finanzkrise oder andere Ereignisse. Ich bedaure, dass ich mich seither fast mehr mit Geld beschäftigen muss als vorher.</p>
<p><strong>In der Reihe der letzten Sat.1-Chefs warst Du der mit der längsten Amtszeit. Wie ist der Zustand des Senders heute?</strong><br />
Das, was ich befürchtet habe und weswegen ich auch gegangen bin, ist eingetroffen: Die Sendergruppe wurde verkauft, die neuen Käufer haben einen unheimlich hohen Preis bezahlt und die Kosten wurden gemäss McKinsey-Beratung massiv reduziert. Der teure, aber wichtige Senderstandort Berlin wurde aufgegeben. Heute wird die ProSiebenSat.1 Media AG zentral aus Unterföhring bei München geführt, und die Senderchefs sind nicht mehr so wichtig wie früher. Finanziell funktioniert die Gruppe offenbar, doch was das Image und die Quote betrifft, steht Sat.1 heute leider nicht besonders gut da.</p>
<p><strong>Mir scheint, seit Deiner Zeit bei Sat.1 bist Du besessen von der Quote. Kann Dir das als «Schawinski» auf einem öffentlich-rechtlichen Kanal nicht egal sein? Bist Du nicht auch in dem Alter, in dem Du machen kannst, was Du willst?</strong><br />
Ich bin nicht besessen davon, aber ich finde sie wichtig. Im Schweizer Fernsehen wird die Quote durchaus analysiert. Etwas bedenklich ist vor allem der kontinuierliche Rückgang der Zuschauer unter 50 Jahren. Dasselbe Problem haben die deutschen öffentlich-rechtlichen Sender wie ARD und ZDF ebenfalls, ohne dass sie ein Rezept gegen diese Verluste gefunden haben, und dies, obwohl sie unvergleichlich mehr Mittel haben als SRF.<br />
In Deutschland gibt es Portale wie <a href="http://www.quotenmeter.de/">quotenmeter.de</a>, <a href="http://www.dwdl.de/">dwdl.de</a> oder <a href="https://kress.de/">kress.de</a>, die TV-Quoten täglich abbilden und bewerten. Ich bedaure, dass der Schweizer Medienjournalismus diese Aufgabe nur sporadisch und punktuell betreibt. Ich bin seit meiner Sat.1-Zeit von Quoten angefixt. Das bringe ich einfach nicht aus meinem System raus. So ziehe ich mir auch heute noch täglich die Quoten der deutschen Sender rein, lese die Kommentare und überlege, welche Massnahmen auf welchen Sendeplätzen ich vornehmen würde.</p>
<p><strong>Du bist Teilhaber einer TV-Produktion in Berlin, was macht die?</strong><br />
Ich bin Minderheitsaktionär bei <a href="http://www.solistv.de/">Solis TV</a>, einer Firma, die sehr erfolgreich ist. Ich habe dieses Projekt ehemaliger Sat.1-Kollegen von Anfang an unterstützt. Wir produzieren etwa für den WDR «Der grosse Haushaltscheck» und «Der Vorkoster» oder für RTL «Helena Fürst – Anwältin der Armen». Das sind alles journalistische Projekte, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Scripted_Reality">Scripted Reality</a> machen wir keine [<a href="http://www.solistv.de/projekte.php">Hier eine Übersicht der Projekte</a>].</p>
<p><strong>Deine Investitionen sind aber auch sonst vielfältig: Du bist Verwaltungsratspräsident der Radio1 AG und im Verlag Kein &#038; Aber, dazu beteiligt an der Medizinfirma Qvanteq AG.</strong><br />
Qvanteq ist ein Startup im Medizinbereich, ich wollte hier jungen Unternehmern finanziell unter die Arme greifen. Kein &#038; Aber ist nach Diogenes der zweitgrösste Schweizer Belletristikverlag. Es macht mir grossen Spass, dort aktiv beteiligt zu sein. Peter Haag ist ein sehr erfolgreicher Verleger, der für den grossen Ruf von Kein &#038; Aber gerade auch in Deutschland gesorgt hat.</p>
<p><strong>1997 sagtest Du dem «Klartext»: «Ich bin ein Internet-Pionier, indem ich als einziger im Internet überhaupt nichts mache.» Ist das immer noch so?</strong><br />
Ich bin nicht in die Investitionsfalle im Jahr 2001 getreten, weil ich schlicht und einfach die Geschäftsmodelle nicht verstanden habe. Viele, die damals investiert haben, verstehen sie ja heute noch nicht. Ich möchte nur in Projekte investieren, die ich verstehe.</p>
<p><strong>Und darum hältst Du Dich konsequent fern vom Internet?</strong><br />
Wirtschaftlich gesehen hat Radio1 relativ wenige kommerzielle Möglichkeiten im Internet. Aber die nutzen wir konsequent. Bei Kein &#038; Aber ist das anders, wir verkaufen E-Books und Apps. Für Bücher ist das Internet die Zukunft.<br />
Als Konsument ist das Netz eine meiner Hauptinformationsquellen. Ich war jetzt zwei Wochen in Sardinien und verfügte während zwei Wochen nur über Internet. Als ich zurückkehrte, dachte ich: Wenn ich nochmals zwei Wochen geblieben wäre, dann hätte ich es wohl aufgegeben, Zeitungen zu lesen. Zeitungen haben ein Riesenproblem! Bei mir handelt es sich nicht nur um einen, der mit Zeitungen sozialisiert wurde, nein, ich bin ein Zeitungsfreak! Ich kann mich erinnern, wie ich meiner heutigen Frau nach der ersten gemeinsamen Nacht sagte: «Du, das gibt es jetzt wohl nur einmal, dass ich am Morgen keine Zeitung lese. Die lese ich sonst immer zuerst.» Seit einiger Zeit lese ich sogar die «Sunday Times» aus England, weil ich die im Vergleich zu unseren vier Schweizer Sonntagszeitungen, die bei mir im Briefkasten liegen, herausragend finde. Die liefert mir echten «additional value» mit viel und ausführlichem Lesestoff. Und die «New York Times» konsumiere ich täglich auf dem iPad. Heute kann sogar ich mir vorstellen, den Zeitungen einmal untreu zu werden.</p>
<p><strong>Du hattest in Deiner Karriere eine Reihe von Erzfeinden: Armin Walpen, Peter Schellenberg, Hanspeter Lebrument, Frank A. Meyer, Kurt W. Zimmermann, Jürg Wildberger. Aber eigentlich bist Du nicht lange nachtragend, oder?</strong><br />
Nein, mit einigen von Ihnen habe ich wieder Kontakt, das waren halt Interessenskonflikte. Mit den meisten bin ich heute im Reinen, einige sind abgetreten von der Bühne, aber ich beschäftige mich jetzt auch nicht mit ihnen.</p>
<p><strong>Was muss an den aktuellen Schweizer Mediengesetzen geändert werden?</strong><br />
Alle Chancen sind verpasst worden. Das Radio- und Fernsehgesetz hätte man vor 15 Jahren ändern müssen. Moritz Leuenberger hat das verhindert, weil er eben ein Etatist ist. Es ist schade, dass die Schweiz als einziges Land nur ein einziges grosses Informationsfernsehen hat.</p>
<p><strong>Du hast mal erzählt, man könne es kaum glauben, aber Du seist ein eher introvertierter, stiller Jugendlicher gewesen.</strong><br />
Bei meiner ersten Arbeitsstelle wurde ein graphologisches Gutachten gemacht, und dort ist herausgekommen, dass ich äusserst introvertiert sei. Vielleicht bin ich ein verkappter Introvertierter, der das verstecken muss, in dem er sich extrovertiert gibt (lacht). Doch ja, ich habe eine introvertierte, eine stille Seite.</p>
<p><strong>Mit der Gründung von Radio24 hast Du ziemlich früh, mit 34, einen Karrierehöhepunkt erreicht. Die Begeisterung damals ist kaum noch nachvollziehbar: Innerhalb von fünf Tagen wurden 212.000 Unterschriften für Radio24 gesammelt, Du wurdest gefeiert mit «Roschee, Roschee»-Rufen, was Du zurückgewiesen hast, es gehe um die Sache, nicht um Dich (<a href="http://www.videoportal.sf.tv/video?id=b6b4990f-5646-4eeb-a7e1-6afbc728821f">Video</a>, ab 37:45 Minuten). Radio DRS kam darauf erstmals auf die Idee, rund um die Uhr zu senden, das Monopol war Geschichte.</strong><br />
Wenn ich mir die heutigen 34-Jährigen ansehe: Ich muss damals eine grosse Unbekümmertheit gehabt haben – die ich sicher nicht mehr besitze. Die Chance, dass ich mit Radio24 nach drei Schliessungen erfolgreich sein würde, lag wohl weit unter einem Prozent. Doch verschiedene Umstände haben dazu geführt, dass es trotzdem geklappt hat, es war fast wie ein Märchen.</p>
<p><strong>Der Erfolg muss Dich doch auch selbst überrascht haben.</strong><br />
Total, aber wenn man mittendrin steckt, sieht man das nicht, das erkennt man erst hinterher. Wenn alle Journalisten und alle Mitarbeiter gesagt haben, nun ist alles vorbei, dann hat mich das genau 30 Sekunden lang lahm gelegt. Und dann suchte ich die eine Chance, die Geschichte doch noch zu drehen. Aber ohne Glück geht es nicht, Leistung und Einsatz genügen nicht. Ich sehe mich als glücklichen und zufriedenen Menschen: Ich habe so viel mehr erreicht, als ich mir jemals vorgestellt habe. Und ich habe mich nie verkauft, nie das Lager gewechselt, bin mir immer treu geblieben.</p>
<p><strong>Reden wir über Religion: Ich habe lange nicht gewusst, dass Du jüdischer Herkunft bist. Aber eigentlich bist Du Buddhist?</strong><br />
Das ist kein Gegensatz, denn ich sehe Buddhismus nicht als Religion, sondern als Philosophie. Ich war vor kurzem nach längerem Unterbruch wieder in einem buddhistischen Meditationsseminar. Mit den Techniken, die dort angewendet werden, komme ich auf eine Art und Weise an mich heran, die eine neue Dimension zu mir selbst eröffnet. Ich muss das nicht immer praktizieren, aber ich bin froh, dass ich weiss, dass es das gibt.<br />
Meine jüdischen Wurzeln sind da und bleiben da. Mein Vater vermittelte mir eine Grundethik des Helfens, er wollte selbst Arzt werden, aber das war finanziell nicht zu machen. Dann hoffte er, dass ich Arzt werde, nun ist meine ältere Tochter Ärztin geworden, was mich beglückt. Ich versuche auch immer, auf der Seite der Schwächeren zu stehen. Religion ist für mich eher Teil der Kultur, der Traditionen. Meine 15-jährige Tochter hat zu meiner Überraschung ein grosses Interesse für jüdische Fragen entwickelt. Durch sie bin ich mit dieser Kultur wieder vermehrt in Kontakt gekommen.</p>
<p><strong>Ich habe gelesen, Du schaust regelmässig US-Serien.</strong><br />
«The Newsroom» schaue ich derzeit religiously, da kommen Fragen über Journalismus auf, die ich mir auch selbst stelle: Ist es das Konzept, das die Quote treibt oder bestimmen Quoten die Inhalte? Wie weit muss man gehen? Wo muss man Kompromisse machen? Das interessiert mich unglaublich. Ich schaue aber auch gerne andere spannende Serien von «Breaking Bad» über «Mad Men» bis zu «The Wire», «Sopranos», «West Wing» und selbst «Big Love», wo es um Polygamie in Utah geht.</p>
<p><strong>Warum ist aus Dir eigentlich nie ein Late-Night-Host geworden?</strong><br />
Klassische Late-Night ist ja Unterhaltung, und ich sehe mich mehr als Journalist. Ich glaube nicht, dass ich das könnte.</p>
<p><strong>Du hast mal an der Seite von Timo Konietzka auf «Tele Züri» das Bundesligaspiel Borussia Dortmund gegen Bayern München kommentiert. Bist Du ein guter Fussballreporter?</strong><br />
Nein, natürlich nicht. Aber das war ein Jugendtraum, den ich mir erfüllt habe: Zuerst wollte ich wie so viele andere Nationalspieler werden, dann Fussballreporter, letzteres hat dann kurzzeitig geklappt. Als Sat.1 die Champions-League-Rechte inne hatte, durfte ich als Schweizer jeweils entscheiden, welches Spiel pro Spieltag die Deutschen sehen dürfen. Das war eine Machtposition, die ich genossen habe, und dies in einem Bereich, den ich liebe und in dem ich mich kompetent fühlte. Ich bin ja ein grosser Fussballfan.</p>
<p><strong>Man könnte sagen, Du bist ein journalistisches Allroundtalent. Gibt es auch Disziplinen im Journalismus, die Du nicht beherrschst, an denen Du gescheitert bist?</strong><br />
Ich schreibe zwar ganz gut, aber ich bin keine Edelfeder. Immerhin habe ich sieben Bücher geschrieben, fast alle Bestseller. Eher stolz bin ich, dass ich mit 67 noch selbst Radiosendungen fahre, was technisch ziemlich anspruchsvoll geworden ist und wo auch Jüngere kapitulieren. Auch bei «Schawinski» muss ich ja einen Teil der Technik selbst bedienen. Das ist zusammen mit der Präsenz im Gespräch Gehirnjogging vom Feinsten und ich mache das, solange es keine grösseren Ausfälle gibt. Was ich sicher nicht kann, ist Literatur: Ich habe zwar schon versucht, Drehbücher zu schreiben und deswegen in Los Angeles sogar einen Kurs besucht, doch zu meinem Leidwesen ist es dann bei Fingerübungen geblieben.</p>
<p><strong>Was Du allerdings sehr gut kannst, ist einen Input unglaublich schnell aufnehmen, ihn verarbeiten und beantworten. Ist das ein Talent? Oder kann man das lernen?</strong><br />
Ja, ich glaube, es ist ein Talent von mir, Fakten zu behalten und sie im richtigen Moment präsent zu haben. Alles präsent zu haben, ist die Quintessenz einer Sendung wie «Schawinski».</p>
<p><small>Das Gespräch mit Roger Schawinski wurde am 28. August 2012 in Zürich geführt. Die Sendung mit Gerhard Blocher erreichte 137.000 Zuschauer und 21,5 Prozent Marktanteil.</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/09/03/ich-habe-so-viel-mehr-erreicht-als-ich-mir-jemals-vorgestellt-habe/">«Ich habe so viel mehr erreicht, als ich mir jemals vorgestellt habe»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>«Dicke Frauen gehören in den Zirkus»</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 11 Jun 2012 09:33:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[TV]]></category>
		<category><![CDATA[Talkshow]]></category>
		<category><![CDATA[Hamburg]]></category>
		<category><![CDATA[Privatfernsehen]]></category>
		<category><![CDATA[Alexander Wenger]]></category>
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		<category><![CDATA[Christian Oberfuchshuber]]></category>
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		<category><![CDATA[Ingo Stabler]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Bei Britt Hagedorn auf Sat.1 wird seit über elf Jahren wochentags um 13 Uhr über Beziehungsfragen diskutiert. Als Redaktionspraktikant ist der Zürcher Alexander Wenger für drei Monate mittendrin im täglichen Wahnsinn zwischen Sex und Betrug. Nicht nur Vaterschaft, Schwangerschaft und Geschwisterschaft werden mit Tests erwiesen, auch für Lügen steht ein Detektor bereit. Gesucht wird nichts <a href="https://medienwoche.ch/2012/06/11/dicke-frauen-gehoeren-in-den-zirkus/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Bei Britt Hagedorn auf Sat.1 wird seit über elf Jahren wochentags um 13 Uhr über Beziehungsfragen diskutiert. Als Redaktionspraktikant ist der Zürcher Alexander Wenger für drei Monate mittendrin im täglichen Wahnsinn zwischen Sex und Betrug. Nicht nur Vaterschaft, Schwangerschaft und Geschwisterschaft werden mit Tests erwiesen, auch für Lügen steht ein Detektor bereit. Gesucht wird nichts als die Wahrheit.<br />
<span id="more-30492"></span><br />
«Hier ist Marc!», ruft Britt, zeigt auf die sich öffnende Türe &#8211; und das Publikum schreit im Chor: «mit dem Silberkoffer!». Er bringt<br />
nicht nur wissenschaftliche Gentests ins Studio, sondern auch die Ergebnisse der Lügendetektor-Auswertung, die in der Sendung die vorherigen Diskussionen wie absolute Wahrheiten abschliessen. Es ist das fünfte Mal an diesem Abend, in der Marc, der <a href="https://www.youtube.com/watch?v=1X4Nh9X9JzA">eigentlich Robert</a> heisst, zu seiner Erkennungsmelodie ins Studio schreitet &#8211; und immer jubelt das Publikum begeistert. Das liegt am dauergrinsenden Einheizertalent Christian Oberfuchshuber, der vom Rand des Studios die Aahs, Oohs und Buhs, die durch das Publikum gehen, vorgibt, wie auf den Aufnahmen stets gut zu hören ist. Ich sitze im Publikum, in der hintersten Reihe. Wer sich nicht meldet, werde auch nicht einbezogen, wurde mir versichert. Eine der zwei am 31. Mai aufgezeichneten Sendungen wurde letzten Freitag ausgestrahlt: <a href="http://www.sat1.de/tv/britt/video/mcsex-ganze-folge">«McSex &#8211; Warum verschleuderst du dich so billig?»</a>.</p>
<p>Die Menschen, die bei «Britt» auftreten, können in zwei Gruppen aufgeteilt werden.</p>
<p>Die eine Gruppe hat etwas zu erzählen, will diskutieren, sich selbst darstellen. In diese Meinungssendungen zieht es eher Selbstdarsteller, die sich begeistert, gar ausufernd in Szene setzen, um dann auf Facebook über ihren Auftritt zu berichten und auch direkt die online gestellen Videos kommentieren. Sie wollen ihre Fähigkeiten bekannt machen, vielleicht irgendwann berühmt werden, die TV-Präsenz zu ihren Gunsten ausnutzen.</p>
<p>Die andere Gruppe möchte ein Problem oder eine Situation auflösen und Britt soll ihnen dabei behilflich sein: Als Kommunikationshilfe, mit Rat oder auch mit der Übernahme von kostenpflichtigen Gentests, die zweifelsfrei bzw. zu 99.99% beweisen, wer wie mit wem verwandt ist. Gerade Vaterschaftstests werden gerne von den neuen Frauen der inzwischen getrennt von den Müttern lebenden Väter angeregt, es könnte ja sein, dass sich die neue Beziehungsgemeinschaft die Alimente für die in der alten Beziehung auf die Welt gestellten Kinder sparen könnte. Ein weiteres Argument ist der Preis: Für ein paar Minuten Präsenz im Fernsehen spart man sich hunderte von Euros, die beispielsweise ein Vaterschaftstest kostet. Solche Gäste sind durchaus erwünscht, sonst könnte beim offiziellen <a href="http://www.schwartzkopff-tv-tickets.de/casting_formular.php?actpage=Casting&amp;pagetitle=Schwartzkopff%20TV%20-%20Ticketing%20-%20Casting%20Formular&amp;format=bei%20Britt">Casting-Formular</a> nicht gewählt werden zwischen Themen wie «Meine Ex will mir ein Kind unterjubeln» oder «Britt zahlt deinen Vaterschaftstest». Produziert wird «Britt» von der Firma <a href="http://www.schwartzkopff-tv.de/produktionen/aktuelle_produktionen">Schwartzkopff TV-Productions</a>, die auch für das öffentlich-rechtliche Fernsehen Unterhaltungssendungen macht. Sie gehört zu 100 Prozent zum Axel Springer Verlag.</p>
<p>Der bald 26-jährige Alexander Wenger ist seit rund zwei Monaten Redaktionspraktikant in der «Britt»-Redaktion, vorher arbeitete er zwei Jahre in der Nachrichtenredaktion von Tele Züri. Die Skepsis einiger Kollegen und Freunde war gross, als er ihnen von seinem Transfer in eine Talkshow-Redaktion erzählte. Seine bisherige Erkenntnis ist, dass bei Britt tiefer recherchiert werde als bei den Nachrichten. Es verwundert ihn, wie sehr ihm die Menschen, die in die Sendung kommen sollen, vertrauen. «Das ist einerseits sehr spannend, andererseits ist es krass, wie rasch man zum Vermittler wird bei diesen Problemen.»</p>
<p>Die Lügendetektor-Auswertung wird gemäss Redaktionsleiter Ingo Stabler von zwei Wissenschaftlern durchgeführt, die in den USA an solchen (dort vor Gericht als Beweismittel zugelassenen) Geräten ausgebildet wurden. «Wir verwenden nur jene Ergebnisse, bei denen sich die Fachmänner sicher sind, alle anderen deklarieren wir als ‹nicht auswertbar›. Im Zweifelsfall entscheiden wir immer zugunsten des Angeklagten.» Die Verkündigung der Ergebnisse ist dennoch manchmal sehr hart, wie <a href="http://www.sat1.de/tv/britt/video/clip-miese-mieze-clip">dieser kurze Clip</a> deutlich beweist. In der zweiten am Abend aufgezeichneten Sendung wollte ein junger Mann seiner Freundin seine Liebe beweisen (geplante Ausstrahlung am 15. August). Die Fragen «Findest Du sie attraktiv?» und «Liebst Du sie?» beantwortete er beide Male mit einem «Ja». Der Lügendetektor sah das aber anders und spuckte zwei Mal erbarmungslos die Antwort «Lüge!» aus, was das dazu animierte Publikum mit einem lauten «Buh!» quittierte. Die Verlässlichkeit von Lügendetektoren ist umstritten, es gibt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%BCgendetektor#Kritik_an_L.C3.BCgendetektoren">eine Reihe von Kritikpunkten</a>.</p>
<p>Davon abgesehen macht die Redaktion aber den Eindruck, sich redlich um die Wahrheit zu bemühen und gibt sich die Devise, nur echte Gäste mit echten Storys einzuladen. Natürlich werde das Spannende an den Geschichten herausgerissen und plakativ verkauft, sagt Wenger, sie seien aber immer echt, soweit das zu überprüfen sei. Die Aussagen der Gäste sind mächtig zugespitzt, so wird Gast Robin in der Ausgabe <a href="http://www.sat1.de/tv/britt/video/kleine-brueste-fette-kiste-ganze-folge">«Kleine Brüste, fette Kiste! Trotzdem bin ich sexy!»</a> schon mal mit dem Zitat «Dicke Frauen gehören in den Zirkus» eingeführt.</p>
<p>Vor einer Einladung werden neue Talkshow-Gäste mit einer Liste von Schwartzkopff TV-Productions abgeglichen, Faker, nicht zur Aufzeichnung Erschienene oder Bevormundete sind gesperrt. Wenger findet, der Unterschied der «Britt»-Gäste zu den Laiendarstellern der Scripted-Reality-Shows sei klar erkennbar: «Dort gibt es nur immer das Erzählschema ‹Problem, Streit, Lösung›. Bei Britt bleiben die Storys manchmal unschlüssig. Wir telefonieren bis zu 40 oder 50 mal mit den Gästen, da braucht ein Fake sehr viel Energie.» Misstrauisch wird die Redaktion, wenn alle Details stimmen oder gar keine. Fälscher, die auffliegen, werden wieder nach Hause geschickt, es wurden auch schon Sendungen abgebrochen und nicht gesendet. «Es wäre für uns alle sehr viel einfacher, wenn es keine echten Fälle wären», sagt Wenger weiter. Leute, die sich partout nicht vorstellen können, dass Menschen solche Probleme haben und sie auch noch am Fernsehen ausbreiten, würden vergessen, dass sie sich selbst in einem ganz anderen Umfeld befinden als die Gäste. «Beziehungsprobleme gibt es in allen Schichten, doch nur ein paar Menschen reden halt auch am Fernsehen darüber.»</p>
<p>Redaktionsleiter Stabler bekräftigt den Anspruch, keine vorgetäuschten Geschichten zu liefern: «Wir sind die einzigen, die am Nachmittag die Wahrheit bringen.» Wieso die Sendung trotzdem immer wieder mit Fake-Vorwürfen konfrontiert werde, kann er nicht verstehen. «Bei uns sind doch die wahrhaften Emotionen, die wahren Gefühle.» Tatsächlich ist der Rest des Sat.1-Nachmittags von Laiendarstellern bevölkert, die sich mehr schlecht als recht in modernem Bauerntheater, auch <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Scripted_Reality">Scripted Reality</a> genannt, versuchen. Gemäss Stabler erhalten die Gäste bei «Britt» lediglich die Spesen und ein Handgeld von 50 Euro. Ganz ausschliessen wird man Fake-Vorwürfe nie können, aber die Emotionalität einzelner Gäste macht es schwer zu glauben, sie könne gespielt werden, so zum Beispiel bei dieser <a href="http://www.sat1.de/tv/britt/video/totalschaden-ganze-folge">Versöhnung</a> eines Vaters mit seiner leiblichen Tochter (ab Minute 15).</p>
<p>Zeit, bei den Gästen selbst nachzufragen. Michael Frenken, der in <a href="http://www.sat1.de/tv/britt/video/totalschaden-ganze-folge">«Totalschaden &#8211; unsere Liebe ist entgleist!»</a> zu Wort kam, war das erste Mal bei «Britt» und würde auf jeden Fall wieder hingehen. Er fand die Sendung gut, negativ sei nur, dass er seine Frau nicht zurückgekriegt habe. Viktoria Lapidus, die zum Thema <a href="http://www.sat1.de/tv/britt/video/clip-kleine-brueste-fette-kiste-clip">«Kleine Brüste, fette Kiste! Trotzdem bin ich sexy!»</a> eingeladen war, hätte nicht gedacht, dass sie «ohne triftigen Grund» so angegriffen werde von den anderen. «Ich war wirklich sehr wütend während der Sendung. Aber ich habe mich sehr gut verteidigt und am Ende sogar richtig Spass gehabt, das Publikum war ja auf meiner Seite.» Rückblickend spricht sie von einer «super Erfahrung». Ähnliches berichtet auch Ammar Hanif, der Mann in der grünen Hose, der bei <a href="http://www.sat1.de/tv/britt/video/mcsex-ganze-folge">«McSex»</a> mitdiskutierte: «Ich werde auf jeden Fall wieder hingehen, weil diese Sendung das dargestellt hat, was ich denke und mich somit nun ein Stückchen positiver zeigt.» Übereinstimmend berichten alle drei, dass von der Redaktion dazu angehalten wurden, die Wahrheit, bzw. ihre Wahrheit zu erzählen, was sie auch getan hätten.</p>
<p>Die 40-jährige Talkleiterin <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Britt_Hagedorn">Britt Hagedorn</a> studierte übrigens Kulturwissenschaft, Literaturwissenschaft und Kunstgeschichte mit Schwerpunkt Sprache, Kommunikation und Ästhetische Gestaltung. Und ob man sie mag oder nicht, eins muss man ihr lassen: Sie macht ihren Job ziemlich gut. Denn es ist schon eine Herausforderung, die nicht immer pflegeleichten Gäste sowie das Publikum in Schach zu halten, nicht zu vergessen, wer wen wann wie betrogen hat und wer wie mit wem verwandt ist und dann auch noch immer gute Laune und Interesse auszustrahlen. Ausserdem gilt es, eine für alle Beteiligten akzeptierbare Balance zu halten zwischen der zugespitzten Story und der Verletzbarkeit der Eingeladenen. Nicht vergessen sollte man auch, dass alle Beteiligten aus freien Stücken dabei sind und nicht gegen ihren Willen, so wie jene, die mit ihrer Geschichte in eine Fernsehsendung oder auf die Seite 1 einer Boulevardzeitung gehievt werden.</p>
<p><small>«Britt», Sat.1, wochentags um 13 Uhr.<br />
Die Gespräche mit Alexander Wenger und Ingo Stabler wurden am 1. Juni 2012 in Hamburg geführt.</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/06/11/dicke-frauen-gehoeren-in-den-zirkus/">«Dicke Frauen gehören in den Zirkus»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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