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	<title>Winterthur | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
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		<title>Das Zentrum ist überall: Mit Andreas Mösli in Winterthur</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2022/04/29/das-zentrum-ist-ueberall-mit-andreas-moesli-in-winterthur/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Benjamin von Wyl]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Apr 2022 05:45:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Andreas Mösli]]></category>
		<category><![CDATA[Winterthur]]></category>
		<category><![CDATA[Landbote]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Winterthur ist die sechstgrösste Stadt der Schweiz – doch warum steht in jedem Artikel «Winterthur ZH», als wüssten die Leser:innen nicht, dass Winterthur im Kanton Zürich liegt? Ein Spaziergang durch eine Stadt, wo die Medien mit dem Wachstum der Stadt nicht mithalten konnten. «Am Stadttor» sollen wir uns treffen. Aber wer kommt denn auf die <a href="https://medienwoche.ch/2022/04/29/das-zentrum-ist-ueberall-mit-andreas-moesli-in-winterthur/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Winterthur ist die sechstgrösste Stadt der Schweiz – doch warum steht in jedem Artikel «Winterthur ZH», als wüssten die Leser:innen nicht, dass Winterthur im Kanton Zürich liegt? Ein Spaziergang durch eine Stadt, wo die Medien mit dem Wachstum der Stadt nicht mithalten konnten.</strong></p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Moesli-von-Wyl-20220427-DSCF0633.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-96802" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Moesli-von-Wyl-20220427-DSCF0633.jpg" alt="" width="1456" height="976" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Moesli-von-Wyl-20220427-DSCF0633.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Moesli-von-Wyl-20220427-DSCF0633-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Moesli-von-Wyl-20220427-DSCF0633-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Moesli-von-Wyl-20220427-DSCF0633-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Moesli-von-Wyl-20220427-DSCF0633-470x315.jpg 470w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /></a></p>
<p>«Am Stadttor» sollen wir uns treffen. Aber wer kommt denn auf die Idee, dass das direkt bei der Bahnhofsunterführung ist? Die weisse Verschalung über dem Bahnhoftreffpunkt ist das Tor zur sechstgrössten Stadt der Schweiz. Fotografin Elisabeth Egli hantiert mit ihrer Kamera – so erkenne ich sie schnell. Gemeinsam finden wir dann Andreas Mösli. Dieser fände ein Kafi to go nett, weshalb wir direkt nochmal zurück in die Unterführung gehen. Den besten Kafi biete hier das «Spettacolo», sagt Mösli. Die Filiale ist so versteckt «im Underground», dass man sie beinahe als Geheimtipp bezeichnen könne.</p>
<p></p>
<p>«Mein ganzes Leben hat sich hier abgespielt», erzählt Mösli wieder auf dem Bahnhofplatz, mit Kaffee versorgt. «Ich bin gerne in Winterthur und erlebe die Stadt als Ort, wo ich mit globalem Bewusstsein im kleinen Rahmen etwas bewirken kann.» Die letzten 20 Jahre hat das Mösli vor allem als Geschäftsführer des <a href="https://fcwinterthur.ch/" target="_blank" rel="noopener">FC Winterthur</a> getan.</p>
<p>Während sich der Super-League-Fussball zunehmend dem Komplettkommerz preisgab, arbeitete der FC Winterthur daran, sich als sympathischen Mitfieber-Verein zu positionieren. «Erstklassig zweitklassig», war ein Claim, den Mösli geprägt hat – und der mit dem jetzt möglichen Aufstieg überholt werden könnte. Für den FCW arbeitet er heute als Mitglied der Geschäftsleitung und Mediensprecher. Trotzdem spricht Mösli nicht nur über Fussball. Mösli wirkt wie ein Mensch, der viele Leben in sich vereint.</p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Andreas-Moesli-20220427-DSCF0901.jpg" data-rel="lightbox-image-1" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img decoding="async" class="alignleft wp-image-96801" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Andreas-Moesli-20220427-DSCF0901-201x300.jpg" alt="" width="360" height="537" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Andreas-Moesli-20220427-DSCF0901-201x300.jpg 201w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Andreas-Moesli-20220427-DSCF0901-686x1024.jpg 686w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Andreas-Moesli-20220427-DSCF0901-768x1146.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Andreas-Moesli-20220427-DSCF0901.jpg 976w" sizes="(max-width: 360px) 100vw, 360px" /></a>Ja, Punk-Musiker sei er auch mal gewesen, sagt er, bevor wir vom Bahnhofplatz in die Technikumstrasse einbiegen. Das war noch, bevor er «zufällig Journalist» geworden sei. In der «Winterthurer Arbeiterzeitung» hatte er Anfang der 1990er-Jahre eine Annonce gesehen. Bis dahin beschränkte sich Möslis publizistisches Schaffen auf linke Flugblätter, doch er hat sich beworben und die Stelle bekommen. «Ich war dann der erste und letzte Volontär», sagt er. «Leider.»</p>
<blockquote><p>Mösli redet gegen den Verkehrslärm an, erweckt mit seinen Worten die grün blinkenden Bildschirme, auf denen er vor 30 Jahren Texte getippt hat.</p></blockquote>
<p>Er zeigt auf eines der Fenster eines massiven Bürobauses: «Da war mein Platz.» Im Parterre des Gebäudes arbeitet heute ein Coiffeur; im Keller ist ein Musik-Club, der sich als «stylische Wohlfühl-Party-Oase» bewirbt. Längst entstehen hier keine Zeitungen mehr. An die «Arbeiterzeitung» erinnern in der ehemaligen Arbeiter:innenstadt Winterthur vor allem noch die Industriegebäude.</p>
<p>Mösli redet gegen den Verkehrslärm an, erweckt mit seinen Worten die grün blinkenden Bildschirme, auf denen er vor 30 Jahren Texte getippt hat. Jeden Abend packten die Redaktor:innen eine Diskette, auf der die Artikel lagen, in ein Couvert, legten die selbst entwickelten Fotos dazu und brachten sie ans Gleis. Dort gaben sie dem Kondukteur das Rohmaterial für die Zeitung des nächsten Tages auf die Fahrt nach Schaffhausen mit. In Schaffhausen, in der Unionsdruckerei, entstand aus den analog gelieferten Daten dann erst die Zeitung. «Damals gab es ein linkes Mantelzeitungssystem, unter anderem mit der ‹DAZ – Die andere Zeitung› aus Zürich und der ‹Schaffhauser AZ›. In Schaffhausen haben die das auf Leuchttischen präpariert, Artikel geklebt, die Zeitungen gedruckt und nach Winterthur geliefert.» Im Rückblick findet es Mösli absurd, dass es in den Jahren darauf die arbeitnehmer:innenfreundliche «Winterthurer AZ» war, die als erste in der Stadt Apple-Computer anschaffte und auf Technik setzte, die zahlreiche Jobs in der Druckindustrie obsolet machte.</p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/2022/03/30/zur-spaziergang-serie-das-zentrum-ist-ueberall/"><img decoding="async" class="alignright wp-image-96029" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/Mehr-ueber-Spaziergang-Bild2-300x268.jpg" alt="" width="320" height="286" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/Mehr-ueber-Spaziergang-Bild2-300x268.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/Mehr-ueber-Spaziergang-Bild2-1024x914.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/Mehr-ueber-Spaziergang-Bild2-768x686.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/Mehr-ueber-Spaziergang-Bild2.jpg 1456w" sizes="(max-width: 320px) 100vw, 320px" /></a>Es sei damals schon ums Überleben der Zeitung gegangen. Nach dem Volontariat wirkte Mösli als Redaktor und Arbeitnehmer:innenvertreter im Verwaltungsrat der Zeitung mit. Zwar hätten Politkenner:innen aus allen Lagern die AZ-Berichterstattung geschätzt, die Zeitung trumpfte mit vielen Primeurs. Doch nur 2000 Abonennt:innen reichten nicht, um sich auf dem Anzeigenmarkt durchzusetzen. Statt sechs Ausgaben gab es eine Weile lang deren drei, dann erschien sie noch einmal pro Woche. 1997 – 100 Jahre nach ihrer Gründung – versuchte es die AZ als <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Stadtblatt" target="_blank" rel="noopener">«Stadtblatt»</a>. 2008 erschien dieses noch als sonntägliche Gratiszeitung. Dann war Schluss.</p>
<p>Möslis Erzählung aus einer anderen Zeit reicht bis in die Gegenwart, weil es bis heute in Winterthur bloss noch eine einzige Tageszeitung gibt. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Landbote" target="_blank" rel="noopener">«Der Landbote»</a> ist die älteste Tamedia-Zeitung, älter als der «Tages-Anzeiger», älter als «Der Bund». 1836 gegründet, wurde er ab 1860 «zum führenden Organ der Demokratischen Bewegung mit nationaler Bedeutung», wie es im <a href="https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/024775/2008-11-11/" target="_blank" rel="noopener">Historischen Lexikon der Schweiz HLS</a> heisst. Das HLS betont seine Bedeutung: «Anfang des 21. Jh. war der L. mit 46&#8217;427 Exemplaren (2001) die führende Zeitung in Winterthur und der näheren Region.» Aktuell beträgt die verkaufte Auflage laut WEMF gut 21’000 Exemplare.<br />
<a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Moesli-von-Wyl-20220427-DSCF0650.jpg" data-rel="lightbox-image-2" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-96803" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Moesli-von-Wyl-20220427-DSCF0650-1024x686.jpg" alt="" width="728" height="488" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Moesli-von-Wyl-20220427-DSCF0650-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Moesli-von-Wyl-20220427-DSCF0650-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Moesli-von-Wyl-20220427-DSCF0650-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Moesli-von-Wyl-20220427-DSCF0650-470x315.jpg 470w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Moesli-von-Wyl-20220427-DSCF0650.jpg 1456w" sizes="auto, (max-width: 728px) 100vw, 728px" /></a></p>
<p>Mösli zeigt auf das Gebäude diagonal über die Strasse. Bis in die 1960er habe es noch fünf lokale Tageszeitungen gegeben – so wie das freisinnige «Tagblatt»: Die Zeitung der politischen Rivalen hatte ihre Redaktion gleich gegenüber der AZ. Doch die FDP-Zeitung ging lange vor dem Ende der AZ im «Landboten» auf. Der setzte sich gegen alle anderen durch. Mösli sagt, es folgten bereits im 20. Jahrhundert Dekaden, in denen praktisch jeder Winterthurer Haushalt den «Landboten» abonniert hatte. Möslis Eltern seien im Laufe der 1970er von der AZ zum «Landboten» gewechselt, weil in der Arbeiterzeitung unter anderem die Todesanzeigen fehlten.</p>
<blockquote><p>Die Winterthurer Tagi-Redaktion war im Rückblick eine Zwischenphase der Medienkonzentration.</p></blockquote>
<p>Wir biegen links in den Neumarkt ab. Der «Neumarkt» in St. Gallen oder Brugg ist ein klobiges Einkaufszentrum. In Winterthur ist der Neumarkt noch ein richtiger Wochenmarkt: ein Gewusel. Nicht nur Käse, Gemüse und Gebäck wechseln gerade die Besitzer:innen, sondern auch ein «Surprise»-Magazin. Der Verkäufer sei sehr engagiert. Ein paar Schritte weiter bleibt Mösli stehen. Wenn man über den Platz in die Gasse hineingucke, sehe man die Fassade, gleich hinter jener des Restaurants «Trübli». Dort habe die «Tages-Anzeiger»-Redaktion gearbeitet. Eine «Tages-Anzeiger»-Redaktion in Winterthur? Auf dem Markt grüssen manche Mösli im Vorbeigehen. Heute ist er ein bekanntes Gesicht in der Stadt, Wegbereiter eines neuen Lokalgefühls – Ende der 1990er-Jahre arbeitete er, nach einigen Jahren als freier Journalist, für die Dependance der Stadtzürcher Zeitung. Zu fünft produzierte das Tagi-Team hinter dem «Trübli» eine Winterthur-Seite für jede Ausgabe. «Der Tagi hatte hier nie eine Chance.» Die Winterthurer Tagi-Redaktion war im Rückblick eine Zwischenphase der Medienkonzentration: Bevor Tamedia den «Landboten» übernommen hat, konkurrenzierte sie ihn. In Möslis Erinnerung besass Tamedia bereits damals einen grossen Stoss «Landbote»-Aktien. Jedenfalls war Tamedia bereits Minderheitsaktionärin, bevor sie vor knapp zehn Jahren den «Landboten» für 50 Millionen Franken gekauft hat.</p>
<p>Wer sich wirklich für das Weltgeschehen interessierte, hatte je nach politischer Schattierung ein Abo von NZZ oder «Tages-Anzeiger», doch im Lokalen dominierte der «Landbote». «Damals beim Tagi haben wir uns gefragt, was wir hier eigentlich machen. Vielleicht war es Verlagspolitik: Es ging darum, in Winterthur Druck zu machen.» So oder so wurde die Winterthur-Seite im «Tages-Anzeiger» wieder eingestellt, Mösli ist gegangen und seit 2002 beim FC Winterthur, also auf der anderen Seite. Auf jener, die interviewt wird.</p>
<blockquote><p>«Hey, sorry: Sind wir ein unbekanntes Dorf, irgendwo in den Bergen? Haben wir einen komischen Namen?»</p></blockquote>
<p>Anfangs, als der FC Winti in Schulden ersoff, war das Interesse noch bescheiden. Mit der Zeit stabilisierten sich die Verhältnisse und auch das Medieninteresse stieg. «Je mehr Interviews ich geben musste – gegenüber ‹Radio Top›, Gratiszeitungen oder zuletzt Formaten wie ‹Nau.ch›, desto öfters machte ich die Erfahrung, dass diese Medien eine ganz andere Welt sind.» Junge Leute ohne Erfahrung und nach Möslis Eindruck ohne seriöses Grundwissen über Journalismus, ohne Hintergrundkenntnisse, stellen oberflächliche Fragen. «Es sind auch schon Leute gekommen, die offen zugaben, dass sie was über den FCW machen müssen, aber nicht wissen, was da gerade wichtig ist. Die kommen dann so: ‹Kannst du mir schnell sagen, was das Thema ist?›» Diejenigen, die ihm Informationen entlocken sollten, fragen stattdessen ihn, was sie fragen sollen. «Journalistisch ist das eine Katastrophe.» Die lokalen «Top»-Medien – also <a href="https://www.toponline.ch/radio-top/radio-top-live" target="_blank" rel="noopener">‹Radio Top›</a>, <a href="https://www.toponline.ch/tele-top" target="_blank" rel="noopener">‹Tele Top›</a> und <a href="https://toponline.ch/" target="_blank" rel="noopener">‹Top Online›</a> – würden ohnehin oft dann etwas machen, wenn er einen Facebook-Post erstelle.</p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Moesli-von-Wyl-20220427-DSCF0701.jpg" data-rel="lightbox-image-3" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-96804 size-full aligncenter" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Moesli-von-Wyl-20220427-DSCF0701.jpg" alt="" width="1456" height="976" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Moesli-von-Wyl-20220427-DSCF0701.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Moesli-von-Wyl-20220427-DSCF0701-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Moesli-von-Wyl-20220427-DSCF0701-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Moesli-von-Wyl-20220427-DSCF0701-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Moesli-von-Wyl-20220427-DSCF0701-470x315.jpg 470w" sizes="auto, (max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /></a></p>
<p>«Die bedienen Schaffhausen, Winterthur, Thurgau, St. Gallen. Das geht mit der Idee des Lokalen gar nicht zusammen: Der Winterthurer nervt sich, wenn er die ganze Zeit Thurgauerdeutsch hört. Der Schaffhauser nervt sich über den FCW. Der St. Galler fragt sich, was interessiert mich ein Museum in Schaffhausen.» Doch diese Probleme in der Ausrichtung seien im Konzept des Medienhauses anscheinend zweitrangig. Dieses setze auf ein grosses Einzugsgebiet für niedrige Kosten. Immerhin, werfe ich ein, haben die «Top»-Medien Winterthur zur Hauptstadt der Ostschweiz erkoren.</p>
<p>«Das siehst vielleicht du so!» In der Ostschweiz nenne man die Winterthurer:innen Zürcher:innen. «Nein, sorry, es ist manchmal peinlich.» Es geht nun ums Grundsätzliche: Er habe es gerade wiedermal gelesen, in einem Artikel über das geplante Holzhochhaus in Winterthur. «Es ist das höchste Holzhaus der Welt – und wo steht es? In ‹Winterthur ZH›. Hey, sorry: Sind wir ein unbekanntes Dorf, irgendwo in den Bergen? Haben wir einen komischen Namen?», ärgert sich Mösli. Warum brauche es bloss dieses «ZH»? «Die Medien schreiben immer ZH, um zu sagen, wo Winterthur ist. Wenn du mal auf der Autobahn in Richtung Winterthur fährst …» Mösli ist ein mächtiger Redner, doch nun unterbricht ihn Fotografin Elisabeth Egli: «Hey, es ist ewig nicht angeschrieben!» Am Wochenende führ die Wahlwinterthurerin zuletzt von Luzern nach Winterthur. «Auf den Autobahnschildern erscheint München vor Winti.» Nicht mal den Autofahrer:innen wird Winti bekannt gemacht.</p>

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<p>118′000 Menschen leben in Winterthur, das sind keine 20′000 weniger als in Bern. In Luzern, als nächstkleinere Stadt, sind es nur um die 80′000. Aber Winterthur ist nicht nur die sechstgrösste Stadt der Schweiz, sondern auch mit Abstand die grösste, die keine Kantonshauptstadt ist.</p>
<p>Wir versperren Passant:innen den Weg zum Gemüsestand. Ein paar Schritte zur Seite, doch zum Thema hat Mösli noch einiges zu sagen: «Früher waren wir wirklich ein verschlafenes Nest!» In seiner Jugend habe es ein wahnsinnig schwaches kulturelles Angebot gegeben. Clubs wie das Salzhaus sind erst in der zweiten Hälfte der 1990er entstanden. «Wollten wir in den 80er-Jahren ein Konzert organisieren, hatten wir keine andere Wahl als Häuser zu besetzen. Hey, um elf sind die meisten Beizen zugegangen, um elf!»</p>
<blockquote><p>In dieser Stadt geht es mit den Medien bergab – und mit dem gesellschaftlichen Leben trotzdem bergauf.</p></blockquote>
<p>Doch in den letzten Jahrzehnten habe Winterthur eine neue Identität gefunden, die vielen gefalle: «In den 90ern waren wir etwa so gross wie St. Gallen. Die schrumpfen und wir wachsen.» Viele schätzen Winti für die Gleichzeitigkeit von städtischer Anonymität und Dorfcharakter. «Nur die Winterthurer Medien haben eine negative Entwicklung genommen.»</p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Winterthur-20220427-DSCF0955.jpg" data-rel="lightbox-image-4" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-96813" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Winterthur-20220427-DSCF0955.jpg" alt="" width="1456" height="976" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Winterthur-20220427-DSCF0955.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Winterthur-20220427-DSCF0955-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Winterthur-20220427-DSCF0955-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Winterthur-20220427-DSCF0955-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Winterthur-20220427-DSCF0955-470x315.jpg 470w" sizes="auto, (max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /></a></p>
<p>Mösli nimmt den letzten Schluck Kafi, er ist wohl längst kalt – aber während dem vielen Reden kam er kaum zum Trinken. Ich drehe mich um: ein belebter Markt, viele Stände – unter jene, die einkaufen, mischen sich langsam die, die die Mittagspause haben. Um uns herum wird locker geschwatzt. Der öffentliche Raum lebt. In einer Stadt geht es mit den Medien bergab – und mit dem gesellschaftlichen Leben trotzdem bergauf. Winterthur ist lebendig, selbst wenn die Medien Politik und Gesellschaft seltener spiegeln.</p>
<p>«Der Landbote versucht zu bestehen.» Aber er ist in einer schwierigen ökonomischen Lage und besteche nicht durch Aussergewöhnliches, findet Mösli. Die Politkommentare seien ok geschrieben, aber kaum je originell. Während früher ein Bericht kam, wenn die U18-Fussballmannschaft des FC Winterthur gegen St. Gallen antrat, werde immer mehr auch das Kleine, Lokale weggespart.</p>
<blockquote><p>«Es ist halt wirklich unser Problem, dass wir im Schatten der Medienhauptstadt Zürich stehen.»</p></blockquote>
<p>Die Zeitung bewege sich aus der Stadt, ganz konkret. Noch immer stehen wir am selben Ort, nah am Gemüsestand auf dem Neumarkt, wo wir vorhin den Weg versperrten. Erst jetzt macht Mösli klar, dass wir aus einem Grund hier sind: Er zeigt Richtung Kirche. Da, direkt neben der Kirche, «aber mit ideologisch grösstmöglichem Abstand zur Kirche» war die «Landbote»-Redaktion. Am Garnmarkt 1. Hier ist die Zeitung immer gewesen. Jetzt ist sie weg. «Der Standortwechsel ist für mich sinnbildlich. Irgendwann wird der ‹Landbote› verschwinden.»</p>
<p>Mösli hält es für grundsätzlich falsch, dass man Medien ökonomisch gleich behandelt «wie Bäckereien oder irgendwelche Betriebe». Seiner Meinung nach müsste man sie als öffentliches Gut betrachten, ihre Unabhängigkeit schützen und sie «aus der kapitalistischen Ordnung nehmen». Journalismus müsse an Qualität, nicht an Profittabellen gemessen werden. «Wenn ich heute ein Interview zum Gegenlesen bekomme, stehen oft Sachen drin, die ich nie gesagt habe.» Winterthur spüre die Medienkrise besonders. «Es ist halt wirklich unser Problem, dass wir im Schatten der Medienhauptstadt Zürich stehen.» Zürich, das sei eine mondäne Weltstadt. Winterthur ist das nicht, wolle das nicht sein und das sei auch gut so.</p>
<p>Der Tagi bringe einmal pro Woche was «für die Winterthur-ZH-Fraktion», also Winterthur-Berichterstattung für Nicht-Winterthurer:innen. Neben dem Landboten gebe es «keine Winterthurer Zeitung». Ausser natürlich die <a href="https://www.winterthurer-zeitung.ch/" target="_blank" rel="noopener">«Winterthurer Zeitung»</a>: Diese wöchentliche Gratiszeitung gehört zum «Blocherimperium». Mösli hat nicht das Gefühl, dass sie politischen Journalismus mache. «Viele People-Geschichten und Beiträge über Ladeneröffnungen. Sie prägt keine Debatten.» Unter den Gratis-Anzeigern gibt es immerhin Konkurrenz: Ehemalige der «Winterthurer Zeitung» schlossen sich in der Lokalmedia AG zu <a href="https://84xo.ch/" target="_blank" rel="noopener">«84xo»</a> zusammen. Der Name verweist auf die Postleitzahl 8400, gleichzeitig soll es ein Smiley sein. «Die haben schon den Anspruch Journalismus zu machen, aber ihr politisches Gewicht ist klein und die Mittel bescheiden.» Bei beiden Anzeigeblättern sei der Journalismus bloss Beiprodukt.</p>
<blockquote><p>Gab es denn wenigstens eine Lokalgeschichte aus Winterthur in den letzten Jahrzehnten, wo er gesagt hat: Hut ab?</p></blockquote>
<p>Wir passieren die zentrale Altstadtachse, das «Untertor», biegen beim Stadtgarten links ab. Mösli zeichnet ein düsteres Bild der lokalen Medienlandschaft. Ich glaube ihm – als Mediensprecher des wichtigsten Sportvereins hat er ja keinen Grund, die Medien schwach zu reden, mit denen er regelmässig zu tun hat. Doch trotzdem: Gibt es keine Hoffnungsschimmer? Mösli winkt ab.</p>
<p>Gab es denn wenigstens eine Lokalgeschichte aus Winterthur in den letzten Jahrzehnten, wo er gesagt hat: Hut ab? «Jedenfalls keine, die mir in Erinnerung geblieben ist.» Der «Landbote» mache meist solide Arbeit. «Ich merke aber, dass es denen an Zeit fehlt. Ich weiss nicht, ob das an meinem journalistischen Hintergrund liegt oder ob das alle Leserinnen, Leser spüren.» Die Zeitung setze keine Themen und wenn nationale Medien Winterthur schlechtschreiben, bietet der «Landbote» für Möslis Empfinden zu wenig Paroli.</p>
<p>Vor vier Jahren ist in der NZZ eine grosse Geschichte erschienen, die das Quartier «Steig» als islamistische Hochburg zeichnete. Möslis Frau ist dort Lehrerin; der FCW hat sich immer wieder an Quartierprojekten beteiligt. Mösli kennt also die Nachbarschaft. Es gebe Probleme – wie im Zürcher Kreis 4 ebenfalls. Doch die NZZ habe einen einseitigen Blick vermittelt. «Ich kenne drei Leute von dort oben, die heute Nationalspieler sind. Darüber stand nie ein Wort in der NZZ.» Alles Kreative, Positive kam nicht vor. Wer den Artikel las, musste glauben, «Steig» sei voller Drogen und Terrorismus. «Diese Pseudo-Reportage weckte Bilder der Banlieues von Paris, pure Klischees. Da hätte der ‹Landbote› dagegenhalten müssen und das hat er zu wenig gemacht.»</p>
<p>Ich frage nach dem <a href="https://www.coucoumagazin.ch/de/kalender.html" target="_blank" rel="noopener">«Coucou-Kulturmagazin»</a>, kurz bevor wir in die graue Passage am Rand des Manor-Gebäudes schreiten. Das «Coucou» sei toll, unterstützenswert, aber stark auf Freiwilligkeit angewiesen. Wenn sich Freiwillige engagieren, sei es nie einfach die Qualität zu messen: Welche Masstäbe setzt man an? Dasselbe gelte auch für das Medium in der Villa, vor der wir nun stehen: «Da gibt es einige, die nuscheln.» <a href="https://stadtfilter.ch/" target="_blank" rel="noopener">«Radio Stadtfilter»</a> sendet aus dem Dachstock des Stammsitzes einer alten Winterthurer Mäzen:innenfamilie.</p>
<blockquote><p>Aber wo tauscht sich dieses neue lebendige Winterthur denn aus, wenn es kein Medium hat?</p></blockquote>
<p>Mösli sitzt im Verwaltungsrat des Kultur- und Mitmachradios. Es sei ein tolles Projekt, erreiche einige zehntausend Personen. Migrantische Sendungen in verschiedenen Sprachen seien wichtig. Doch auch «Radio Stadtfilter» könne die mediale Lücke, die Mösli in Winterthur wahrnimmt, nicht füllen. Aber wo tauscht sich dieses neue lebendige Winterthur denn aus, wenn es kein Medium hat? Zumindest soweit Mösli weiss auch nicht auf Social Media.</p>
<p>Wo dann?</p>
<p>«Auf der Schützi!», platzt es aus der Fotografin heraus. Das Fussballstadion ist ein wichtiger Treffpunkt für Elisabeth Egli. «Alle möglichen Leute, auch aus der Kulturszene, sind da», sagt sie. «Ich merke es jedes Mal, wenn ich dort bin. Auf der Schützi triffst du alle: Viele, die mit meiner Arbeit zu tun haben, Freizeit, Freundinnen, Freunde.» In «Lozärn» wäre das anders. «Das liegt am FC Winti.» Nun stimmt auch Mösli ein. «Wir wollten den Verein als Plattform, als soziales Netzwerk aufbauen. Du kommst wegen dem Fussball, aber triffst einfach alle. Viele Informationen fliessen dort.»</p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Moesli-von-Wyl-20220427-DSCF0901.jpg" data-rel="lightbox-image-5" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-96805" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Moesli-von-Wyl-20220427-DSCF0901-1024x686.jpg" alt="" width="728" height="488" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Moesli-von-Wyl-20220427-DSCF0901-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Moesli-von-Wyl-20220427-DSCF0901-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Moesli-von-Wyl-20220427-DSCF0901-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Moesli-von-Wyl-20220427-DSCF0901-470x315.jpg 470w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/MW-Moesli-von-Wyl-20220427-DSCF0901.jpg 1456w" sizes="auto, (max-width: 728px) 100vw, 728px" /></a></p>
<p>«Radio Stadtfilter» in den gediegenen Räumen sitzt gleich gegenüber vom Bahnhof. Mehr als einmal stehen wir dem Busverkehr im Weg. So sehr die Altstadt mit Fussgänger:innen belebt ist, so dicht ist der Verkehr auf den Strassen um das Altstadtgeviert. Wir sind wieder dort, wo wir losgegangen sind. Die Route soll auf der anderen Seite des Bahnhofs enden: vor dem neuen Sitz der «Landbote»-Redaktion.</p>
<p>Auf der anderen Seite der Unterführung bewegen wir uns in einem Strom aus Studierenden und anderen Menschen in der Mittagspause. Mösli sagt, viele von denen kommen morgens in Winterthur an und fahren abends wieder weg. Egli entgegnet, dass viele auch bleiben. Mösli freut das.</p>
<p>Als wir die zur Fachhochschulbibliothek umgebaute Industriehalle hinter uns lassen, ist der Strom der Passant:innen nicht weniger dicht, aber weniger zielstrebig. Auf dem Sulzer-Areal fläzen Menschen in Strassenrand-Cafés und sehen dabei aus, als würden sie den ganzen Tag nichts anderes tun. Egli hat ihr Atelier hier. Es sei toll – nur ein Kiosk fehlt. Für Snacks, wenn die Arbeit mal länger dauert.</p>
<p>Dann, als die Budendichte schon wieder abnimmt, sehen wir rechts im zweiten oder dritten Stock eines grossen Gewerbehauses «Landbote»-Logos. Sie sind eher klein und bescheiden. Die Tamedia-Zeitung mit gut 30 Redaktor:innen besetzt ein ganzes Stockwerk. Unter dem Eingang steht ein Foodtruck, etwas abseits serviert «Badawi» ägyptisches Essen aus einer Art Hütte. Es ist kein totes Gewerbegebiet. Hier ist die Stadt am Entstehen und Ausprobieren, findet auch Mösli.</p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/Winterthur-Wanderweg-ganz-20220427.jpg" data-rel="lightbox-image-6" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-96842" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/Winterthur-Wanderweg-ganz-20220427.jpg" alt="" width="1565" height="1031" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/Winterthur-Wanderweg-ganz-20220427.jpg 1565w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/Winterthur-Wanderweg-ganz-20220427-300x198.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/Winterthur-Wanderweg-ganz-20220427-1024x675.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/Winterthur-Wanderweg-ganz-20220427-768x506.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/04/Winterthur-Wanderweg-ganz-20220427-1536x1012.jpg 1536w" sizes="auto, (max-width: 1565px) 100vw, 1565px" /></a></p>
<p>Ich frage zwei, die uns mit Auberginen und Reis beladenen Tellern entgegenkommen, ob sie beim «Landboten» arbeiten. Sie kommen mir bekannt vor. Die Angesprochenen bejahen. Sie mögen es, von hier aus zu arbeiten. Zwar sind sie nicht mehr in der Altstadt, aber das Areal sei ja lebendig. Vor kurzem seien noch die Journalist:innen des «Zürcher Unterländer» dazu gekommen – in Bülach gebe es nur noch ein kleines Büro. Eine Sparmassnahme, mit der Stellenabbau verhindert werden konnte. Die «Landbote»-Journalist:innen gehen mit ihren Tellern ab. Mösli und ich gehen auch essen. Wer bei «Badawi» kein Bargeld dabei hat, solle einfach das nächste Mal zahlen.</p>
<p>Von Bülach aus führt die Medienkonzentration nach Winterthur. Bülach ist eine 20′000-Einwohner:innen-Stadt, von Zürich und Winterthur jeweils etwa 20 Kilometer entfernt. Eine Stadt so gross wie Aarau oder Solothurn. Im Kanton Zürich stehen Städte so gross wie manche Kantonshauptorte nicht nur im Schatten der Stadt Zürich, sondern auch im Schatten von Winterthur.</p>
<p><strong>Bilder: Elisabeth Egli</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<div style="margin: 4%; border: 1px; border-style: solid; border-color: #cccccc; padding: 4%; font-size: 16px;">
<h3>Grosse Stadt, kleine Medien</h3>
<p>Selbst das grösste und prominenteste Lokalmedium ist eine kleine Nummer in Winterthur – einer Stadt mit inzwischen 118&#8217;000 Einwohner:innen. Der «Landbote» zählt heute nicht einmal mehr 20&#8217;000 Abonnements. Zum Vergleich: Im nur unwesentlich grösseren Bern (Bevölkerung: 134&#8217;000) zählen «Bund» und Stadtausgabe der «Berner Zeitung» das Dreifache an Abos. Wie seine Schwesterblätter in der Bundesstadt hängt auch der «Landbote» längst am Tamedia-Tropf und beschäftigt nur noch eine eigene Lokalredaktion, der Rest kommt aus Zürich.</p>
<p>Mit ihren Vorläufersendern seit 1984 in Winterthur verwurzelt sind die «Top»-Medien mit den gleichnamigen Radio- und TV-Sendern und einem News-Portal. «Radio Top» entstand 1998 aus einem Zusammenschluss von «Radio Eulach», «Radio Thurgau» und «Radio Will». «Tele Top» ging 1999 als Nachfolgeprojekt von «Winti TV» auf Sendung. Eine publizistische Konkurrenz zur Lokalberichterstattung des «Landboten» können die beiden Sender aber insofern nicht bieten, als dass sie aufgrund der Konzessionsvorgaben praktisch die gesamte Ostschweiz von Winterthur über Schaffhausen bis St. Gallen abdecken müssen. Inhaltlich machen Soft-News aus der Region einen Grossteil der Berichterstattung aus. Eine wichtige Rolle spielen «Radio Top» und «Tele Top» indes als Ausbildungsmedien. Diese Funktion erfüllt auch «Radio Stadtfilter». Als sogenanntes Komplementärradio ohne Werbung und mit einem Gebührenanteil für gesellschaftliche Integrationsleistung ist bei diesem Sender die Wirkung nach innen mindestens ebenso wichtig wie der Programm-Output.</p>
<p>Winterthur ist mit Abstand die grösste Stadt, in der eine Gratiswochenzeitung aus Christoph Blochers Verlag Swiss Regiomedia erscheint. Weiter befinden sich in der Eulachstadt eine Reihe jüngerer und kleinerer Medien, etwa das Kulturmagazin «Coucou» und die Online-Wochenzeitung «84xo». Das Wissenschaftsmagazin «Higgs» wird im kommenden Sommer nach viereinhalb Jahren aus finanziellen Gründen den Betrieb einstellen.</p>
<p>Anders als in allen anderen grösseren Schweizer Städten gibt es in Winterthur kein Studio der SRG.</p>
<p>Auch wenn sich das publizistische Angebot eher mager ausnimmt und nicht dem Selbstverständnis der Stadt entspricht, darf sich Winterthur zumindest bei der Ausbildung das Etikett «Medienstadt» anheften: Das Departement Angewandte Linguistik der Fachhochschule ZHAW betreibt Medienforschung und bildet Journalist:innen und Kommunikationsfachleute aus.</p>
<p><em><small>Nick Lüthi</small></em></p>
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			</item>
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		<title>Zukunft des Journalismus</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2014/11/06/zukunft-des-journalismus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 06 Nov 2014 16:21:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienmonitor]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus Tag]]></category>
		<category><![CDATA[Winterthur]]></category>
		<category><![CDATA[IAM]]></category>
		<category><![CDATA[ZHAW]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Journalismus-Tag ist das wichtigste Stelldichein der Medienschaffenden in der Schweiz. Am 5. November ging es in Winterthur in einer Mischung aus Rückblick und Ausblick um die Zukunft einer Profession, an die selbst manche ihrer Protagonisten nicht mehr richtig glauben wollen. Der MEDIENMONITOR-Schwerpunkt dieser Woche widmet sich aus aktuellem Anlass der Zukunft des Journalismus. Das <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/06/zukunft-des-journalismus/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Der Journalismus-Tag ist das wichtigste Stelldichein der Medienschaffenden in der Schweiz. Am 5. November ging es in Winterthur in einer Mischung aus Rückblick und Ausblick um die Zukunft einer Profession, an die selbst manche ihrer Protagonisten nicht mehr richtig glauben wollen. Der MEDIENMONITOR-Schwerpunkt dieser Woche widmet sich aus aktuellem Anlass der Zukunft des Journalismus.<br />
<span id="more-21875"></span><br />
<strong><a href="http://jourtag14blog.wordpress.com/" target="_blank">Das war der Journalismus-Tag 2014</a></strong><br />
Das IAM-Reporterteam ist am Journalismustag 2014 unterwegs und sucht spannende Statements, provokative Behauptungen, knackige Tweets und starke Bilder. Die Studierenden des ersten Semesters Journalismus und Organisationskommunikation testen am #JourTag14 ihre Reporterfähigkeiten und bringen aus allen Tagungen Material mit, aus denen Berichte für diesen Liveblog entstehen sollen.</p>
<p><strong><a href="http://www.2110.ch/qualitaet-durch-umbruch/" target="_blank">Qualität durch Umbruch</a></strong><br />
Am JournalismusTag.14 wurde ein ganzer Tag über die Qualität im Journalismus debattiert. Abgesehen von wenigen Ausnahmen kam die Innovation in den Workshops zu kurz. Ein Problembeschrieb.</p>
<p><strong><a href="http://landbote.ch/detail/article/wie-geht-es-dem-journalismus/gnews/99289588/" target="_blank">Wie geht es dem Journalismus?</a></strong><br />
Das sagen sechs führende Journalisten, die in Winterthur leben oder über die Region berichten.</p>
<p><strong><a href="http://www.landbote.ch/detail/article/die-redaktionen-sind-wie-irre-am-ueberreagieren/gnews/99289578/" target="_blank">«Die Redaktionen sind wie irre am Überreagieren»</a></strong><br />
Rund 200 Journalisten treffen sich morgen in Winterthur. Der Mitorganisator und ZHAW-Dozent Vinzenz Wyss übt Kritik an der Branche.</p>
<p>Weitere Artikel zum Thema:<br />
<a href="http://medienmonitor.ch/post-dossier/zukunft-des-journalismus/"><a href="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2014/10/monitor.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption=""><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-full wp-image-21783" title="" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2014/10/monitor.jpg" alt="" width="460" height="107" /></a></a></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/06/zukunft-des-journalismus/">Zukunft des Journalismus</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Das war der Journalismus-Tag 2014</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2014/11/06/dokumentation-journalismus-tag-2014/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 06 Nov 2014 09:29:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Journralismus-Tag]]></category>
		<category><![CDATA[IAM]]></category>
		<category><![CDATA[ZHAW]]></category>
		<category><![CDATA[Winterthur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das IAM-Reporterteam ist am Journalismustag 2014 unterwegs und sucht spannende Statements, provokative Behauptungen, knackige Tweets und starke Bilder. Die Studierenden des ersten Semesters Journalismus und Organisationskommunikation testen am #JourTag14 ihre Reporterfähigkeiten und bringen aus allen Tagungen Material mit, aus denen Berichte für diesen Liveblog entstehen sollen.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Das IAM-Reporterteam ist am Journalismustag 2014 unterwegs und sucht spannende Statements, provokative Behauptungen, knackige Tweets und starke Bilder. Die Studierenden des ersten Semesters Journalismus und Organisationskommunikation testen am #JourTag14 ihre Reporterfähigkeiten und bringen aus allen Tagungen Material mit, aus denen Berichte für diesen Liveblog entstehen sollen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/06/dokumentation-journalismus-tag-2014/">Das war der Journalismus-Tag 2014</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wie geht es dem Journalismus?</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2014/11/05/wie-geht-es-dem-journalismus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 Nov 2014 09:07:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Winterthur]]></category>
		<category><![CDATA[Rolf Cavalli]]></category>
		<category><![CDATA[Karl Lüönd]]></category>
		<category><![CDATA[Nicole Meier]]></category>
		<category><![CDATA[Benjamin Geiger]]></category>
		<category><![CDATA[Katrin Hug]]></category>
		<category><![CDATA[Gianni Huber]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus Tag]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das sagen sechs führende Journalisten, die in Winterthur leben oder über die Region berichten.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Das sagen sechs führende Journalisten, die in Winterthur leben oder über die Region berichten.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/05/wie-geht-es-dem-journalismus/">Wie geht es dem Journalismus?</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Das Frischfleisch bilanziert</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2011/12/01/das-frischfleisch-bilanziert/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2011/12/01/das-frischfleisch-bilanziert/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Stephanie Rebonati]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Dec 2011 10:41:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[IAM]]></category>
		<category><![CDATA[ZHAW]]></category>
		<category><![CDATA[Ausbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Bachelor]]></category>
		<category><![CDATA[Hochschule]]></category>
		<category><![CDATA[Studium]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Winterthur]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=5982</guid>

					<description><![CDATA[<p>Am 14. Oktober erhielten 99 junge Menschen in Winterthur ein weisses Couvert in die Hand gedrückt. Es wurde gelächelt, geknipst und geklatscht. Im Umschlag eine Diplomurkunde: «Bachelor of Arts ZFH in Kommunikation». 45 Studierende des Instituts für Angewandte Medienwissenschaft IAM schlossen mit der Vertiefung Journalismus und 54 in Organisationskommunikation ab. Dann wurde das Frischfleisch auf <a href="https://medienwoche.ch/2011/12/01/das-frischfleisch-bilanziert/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2011/12/header.jpg" alt="" width="120" height="120" /> Am 14. Oktober erhielten 99 junge Menschen in Winterthur ein weisses Couvert in die Hand gedrückt. Es wurde gelächelt, geknipst und geklatscht. Im Umschlag eine Diplomurkunde: «Bachelor of Arts ZFH in Kommunikation».<br />
45 Studierende des Instituts für Angewandte Medienwissenschaft IAM schlossen mit der Vertiefung Journalismus und 54 in Organisationskommunikation ab. Dann wurde das Frischfleisch auf den Markt geworfen. Und jetzt? Neun Absolventinnen und Absolventen schauen auf die Ausbildung zurück – mit gemischten Gefühlen. Zwei würden das Studium nicht mehr wählen.<br />
<span id="more-28950"></span><br />
<strong>Moritz Kaufmann (25), Basel-Stadt Redaktor <a href="http://www.basellandschaftlichezeitung.ch/" target="_blank">Basellandschaftliche Zeitung</a></strong></p>
<blockquote><p>«<a href="http://www.linguistik.zhaw.ch/de/linguistik/iam.html" target="_blank">Das IAM</a> ist in der Praxis sehr gut vernetzt und bietet deshalb spannenden Unterricht mit kompetenten Coaches. Es fördert auch den Austausch mit Hochschulen im Ausland. In gewissen Punkten besteht aber auch Verbesserungspotential. Das IAM bemüht sich, am Puls der Zeit zu bleiben, aber schafft es nicht ganz. Etwa im Online-Bereich. Ich hätte gerne gelernt, wie man Infografiken programmiert und Websites bearbeitet. Stichwort Social Media. Warum haben wir nie Blogs geführt? Das IAM ist ausserdem zu nett zu den Studenten. Französisch kann man mit Englisch kompensieren, was man dann wieder mit Deutsch kompensieren kann. So kommen trotz Assessment und vielen Prüfungen einige Studenten durch, die den Ansprüchen nicht gerecht werden. Es müsste so sein: Besteht man eine Prüfung nicht, schreibt man die Nachprüfung. Besteht man diese, kommt man weiter. Wenn nicht, dann halt basta.»</p></blockquote>
<p><strong>Noemi Fraefel (24) Beraterin, Werbeagentur <a href="http://www.hochspannung.ch/" target="_blank">Hochspannung</a></strong></p>
<blockquote><p>«Dank dem IAM kann ich Konzepte schreiben, kenne spezifische Begriffe und die Hintergründe und Funktionsweisen von Kommunikation, Zielgruppen, Botschaften, Message Design. Die Praktika im zweiten Studienjahr ermöglichen den praktischen Einblick und die Chance, Profis und Firmen kennenzulernen. Das haben viele strategisch genutzt, Networking halt. Vieles lerne ich aber erst on the job: Projekte planen, umsetzen und koordinieren. Mein Verdikt lautet so: Das IAM bietet eine gute Basis für das Berufsfeld Kommunikation, der Sprachunterricht muss revidiert und in einigen Vorlesungen muss ein Computerverbot eingeführt werden. Ausserdem hätte ich mir von Seiten der Dozenten gewünscht, dass stärker zur Diskussion und Partizipation aufgerufen worden wäre.»</p></blockquote>
<p><strong>Lukas Langhart (22), Bachelor-Student, Betriebswirtschaft Universität Bern</strong></p>
<blockquote><p>«Noch vor dem Abschluss entschied ich mich gegen den Einstieg in den Journalismus. Zumindest für den Moment. Im September begann ich ein zweites Bachelor-Studium: Wirtschaft mit Schwerpunkt Betriebswirtschaft, im Nebenfach Germanistik. Wieso? Weil es in meinem Kopf noch Platz hat. Stünde ich mit dem heutigen Wissen nochmals vor der Wahl, würde ich mich nicht mehr für das IAM entscheiden, sondern direkt an die Universität gehen. Das IAM sollte meiner Meinung nach von Beginn weg rigoroser filtern und dürfte Leuten, denen es an Sprach- und Kommunikationskompetenz mangelt, keinen «BA in Kommunikation» verleihen. Mindestens zehn Prozent der Absolventen sind nicht für diese Branche gemacht und werden dies – trotz Diplom – irgendwann frustriert feststellen. Oder noch schlimmer: genau das von ihren Vorgesetzten hören. Ein grosses Manko der Ausbildung ist das Fehlen eines Fachs  «Journalismusgeschichte». Ich behaupte, dass vier von fünf IAM-Absolventen nicht wissen, worum es beim Watergate-Skandal ging, wer Günter Wallraff ist oder welchen politischen Zickzackkurs die grösste Schweizer Abonnementszeitung «Blick» in den vergangenen Jahrzehnten erlebt hat. Kurz: Wo eine Begabung vorhanden ist, wird diese vom IAM entdeckt und gefördert. Aber: Fachwissen und Berufsverständnis vermittelt das IAM praktisch keines.»</p></blockquote>
<p><strong>Martina Zürcher (31), Geschäftsführerin, Hilfswerk <a href="http://www.bayasgalant.org/de/home.aspx" target="_blank">Bayasgalant</a></strong></p>
<blockquote><p>«Nach meiner Lehre zur Floristin und sechs Jahren beim Radio Canal3 entschied ich mich, zu studieren – mit Erfolg: Was ich am IAM gelernt habe, kann ich heute anwenden. Ich bin Geschäftsführerin von Bayasgalant, meiner selbst aufgebauten Hilfsorganisation für Strassenkinder in der Mongolei. Ich habe die Vertiefung Organisationskommunikation gewählt, um in Sachen Kommunikationsmassnahmen und Medienarbeit selbstständig für Bayasgalant arbeiten zu können. Und das mache ich jetzt zu etwa 80 Prozent, verdiene aber nur 40 Prozent, weswegen ich nebenbei noch in einer Bar jobbe. Rückblickend muss ich feststellen, dass das IAM im Fremdsprachenunterricht versagt hat. Kläglich irgendwie. Es wäre besser, wenn man innerhalb des Studiums Sprachdiplome absolvieren müsste. Nicht nur Prüfungen, die man mit anderen Fächern bis zum Umfallen kompensieren kann. Das macht den Menschen berechnend und faul. Und solche Leute braucht die Kommunikationsbranche nicht»</p></blockquote>
<p><strong>Stephan Liniger (25) Sportredaktor, <a href="http://www.teleclub.ch/screenland/4-sport" target="_blank">Teleclub</a></strong></p>
<blockquote><p>«Vor und während dem Studium habe ich regelmässig fürs Radio und Fernsehen gearbeitet. Zuerst für Radio Energy Zürich und für das Schweizer Sporfernsehen, danach beim Pay-TV-Sender Teleclub Sport. Als ich mich im fünften Semester zwischen den Vertiefungen Journalismus und Organisationskommunikation entscheiden musste, wählte ich Letzteres, die PR. Ein strategischer Schachzug. Mit den Inhalten der Journalismusvorlesungen konnte ich ohnehin wenig anfangen, die Kommunikation interessierte mich mehr. Ich legte mir folgenden Plan zurecht: Journalismus auf die praktische Art on the job erlernen und PR theoretisch am IAM. So habe ich beides. Doppelt gemoppelt. Das Studium würde ich aber trotzdem nicht wieder machen. Eher ein themenspezifisches wie Jura oder Wirtschaft. Auch so kommt man in den Journalismus, und erst noch mit zusätzlichem Fachwissen.»</p></blockquote>
<p><strong>Jennifer Zimmermann (25) Praktikantin, <a href="http://www.migros.ch/de/unternehmen/migros-gruppe/genossenschaften/migros-genossenschafts-bund.html" target="_blank">Migros Genossenschaftsbund </a></strong></p>
<blockquote><p>«Ich habe am IAM studiert, da ich mit dem Gedanken spielte, Journalistin zu werden. Nebenher habe ich als Freie in verschiedenen Print-Medien publiziert. Abgeschlossen habe ich denn auch mit der Vertiefung Journalismus. Und jetzt mache ich ein achtmonatiges Praktikum in der Kommunikation. Dies, weil mich die PR sehr reizt und ich mehr erfahren möchte – auf dem praktischen Weg halt. Was mir noch Mühe bereitet, ist das werberische Schreiben. Was ich aber gut anwenden kann, ist die Schreibroutine, die ich mir durch das IAM angeeignet habe. Was das IAM jedoch unter Englisch- und Französischunterricht versteht, reicht für den Arbeitsmarkt nicht aus. Der Fremdsprachenunterricht sollte in Niveauklassen unterteilt werden, sodass alle was vom Kuchen abbekommen.»</p></blockquote>
<p><strong>Daniel Ochs (25), Praktikant, Kommunikation Soziale Dienste der Stadt Zürich</strong></p>
<blockquote><p>«Theorien, die mir im Studium als trockene Materie erschienen, machen nun plötzlich Sinn. Das ist befriedigend und beruhigend. Schreibstrategien, die uns in der Medienlinguistik vermittelt wurden, sind goldig. Auch die Vertiefung in der Organisationskommunikation war ergiebig: Fachwissen und Übungen zu Corporate Identity, Corporate Design und Medienarbeit haben meinen Werkzeugkasten gut ausgestattet. Am IAM habe ich gelernt, Prioritäten zu setzen und diese einzuhalten. Was ich nicht gelernt habe: IT und Online-Kommunikation. Wer heute in der Kommunikation arbeiten will, muss ein CMS beherrschen oder zumindest gängige Standardprogramme wie Typo 3 oder CQ5 kennen. Auch im Bereich der graphischen Grundlagen und Fotografie sollte sich das IAM verbessern. Ausserdem sollten unnötige Fächer gekürzt oder gar weglassen werden – Kultur, Englisch und Französisch etwa.»</p></blockquote>
<p><strong>Florence Fischer (27), Nachrichtenmoderatorin, Tele Top und Redaktorin, DRS 3</strong></p>
<blockquote><p>«Ich würde das Studium wieder machen. Ich würde es gar bewusster machen. Nur allzu oft habe ich mir den Stoff kurzum in den Kopf gedrückt, um ihn nach der Prüfung wieder zu vergessen. So ist das als Student. Dies bedeutet aber nicht, dass das Studium nicht nachhaltig war. Ich habe viel Anwendbares puncto Präsentationen, Präsenz, Stimme, Körpersprache und Feedback-Kultur gelernt. Das kann ich heute als Moderatorin nutzen. Dank Vorlesungen wie Journalistik und Medienlinguistik wird man sich der Verantwortung bewusst, die man als Journalistin hat. Doch die vielen Seminararbeiten waren für die Katz. Da musste man sich um zig Themen kümmern, sodass eine Vertiefung unmöglich war. Ähnlich bedauerlich ist das: Innert kürzester Zeit bedeutende Theorien und Philosophien abhandeln, content droping quasi. Darf man das?»</p></blockquote>
<p><strong>Stephanie Rebonati (23), Master-Studentin, Zürcher Hochschule der Künste</strong></p>
<blockquote><p>«Journalistin zu werden, war schon immer mein Plan. So absolvierte ich nach dem Gymnasium ein Praktikum bei einem Magazin. Dort hatten wir mal eine Praktikantin, die im Praxissemester des IAM bei uns war. Cool, dachte ich mir. Ein Studium, das seine Leute ein Semester lang in die reale Welt schickt. Da will ich hin und da ging ich hin. Am IAM habe ich gelernt wie Journalismus und Public Relations in Wechselwirkung zueinander stehen und wie das Schweizer Mediensystem funktioniert – theoretisch, wirtschaftlich und juristisch. Historisch wurde zu wenig vermittelt und für wissenschaftliche Abstrakta zu viel Zeit vergeudet. Doch die Workshops mit namhaften Journalisten wie Barbara Lukesch,  Kurt Brandenberger und andere waren für mich wegweisend. Derart wegweisend, dass ich noch vor Abschluss wusste, dass ich mehr lernen wollte, um meine Ziele zu erreichen. Ich erfuhr vom <a href="http://mae.zhdk.ch/mae/deutsch/publizieren-vermitteln/" target="_blank">Master of Arts in Art Education</a> mit der Vertiefung publizieren und vermitteln an der Zürcher Hochschule der Künste. Ich las Kunst, Kultur, Reflexion, <a href="http://www.nzz.ch/_impressum_papst_manfred_1.537372.html?independent=true" target="_blank">Manfred Papst</a> und ich kreischte: Ja, ich will! Nun bin ich glücklich an der ZHDK und schätze die Ausbildung, die ich am IAM erhalten habe. Sie ist solider Boden, auf dem ich jetzt meine Kunst-Kultur-Schlösser bauen kann.»</p></blockquote><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/12/01/das-frischfleisch-bilanziert/">Das Frischfleisch bilanziert</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Gratwanderung mit Happyend</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2011/06/17/gratwanderung-mit-happyend/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[René Worni]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 Jun 2011 15:45:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
		<category><![CDATA[Winterthur]]></category>
		<category><![CDATA[Landbote]]></category>
		<category><![CDATA[Recherche]]></category>
		<category><![CDATA[Bankenskandal]]></category>
		<category><![CDATA[Beisshemmung]]></category>
		<category><![CDATA[Raiffeisenbank]]></category>
		<category><![CDATA[Lokaljournalismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wie sehr die Nähe zu den Akteuren im Lokaljournalismus eine Gratwanderung ist, zeigte die MEDIENWOCHE Ende April am Beispiel des Landboten und dessen zunächst widersprüchlicher Berichterstattung über einen Winterthurer Bankenskandal. Wir haben uns vorgenommen, Geschichten wenn möglich auch zu Ende zu erzählen. Das tun wir an dieser Stelle: Denn aus journalistischer Sicht ist der Fall <a href="https://medienwoche.ch/2011/06/17/gratwanderung-mit-happyend/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/06/17/gratwanderung-mit-happyend/">Gratwanderung mit Happyend</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wie sehr die Nähe zu den Akteuren im Lokaljournalismus eine Gratwanderung ist, zeigte die MEDIENWOCHE Ende April am Beispiel des Landboten und dessen zunächst widersprüchlicher Berichterstattung über einen <a href="https://medienwoche.ch/2011/04/27/die-zeitung-die-bank-und-der-journalismus/" target="_blank">Winterthurer Bankenskandal</a>. Wir haben uns vorgenommen, Geschichten wenn möglich auch zu Ende zu erzählen. Das tun wir an dieser Stelle: Denn aus journalistischer Sicht ist der Fall unterdessen zur Erfolgsstory geworden.<span id="more-28862"></span></p>
<p>Es liegt in der Natur der Sache: Je näher die Ereignisse, desto mehr Vorsicht ist geboten. Bei Lokaljournalistinnen und Journalisten führt einerseits die Nähe zur Leserschaft sowie andererseits jene zu den politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Akteuren zu Beisshemmung. Denn wer hier Fehler macht, bekommt dies unmittelbar nach der Publikation am eigenen Leib zu spüren. Exakte Recherche und ein genaues Abwägen der Fakten und des journalistischen Urteils sind mitunter eine heikle Sache. «Hier von Fall zu Fall das richtige Mass zu finden, das heisst, gleichzeitig den Informationsauftrag richtig zu interpretieren und dabei weder den Respekt den Menschen gegenüber noch die journalistische Unabhängigkeit zu verlieren – das gehört zur hohen Schule des Lokaljournalismus», so ein Statement von <a href="http://www.quajou.ch/thesen/927.php" target="_blank">Christine Fivian</a>, bis vor drei Jahren langjährige Chefredaktorin des Zürcher Unterländers und Mitgründerin des <a href="http://www.quajou.ch/aktuell.php" target="_blank">Vereins Qualität im Journalismus</a>.</p>
<p>Der Fall des Winterthurer Bankenskandals, ausgelöst durch einen inzwischen konkursiten Generalunternehmer und die Berichterstattung des Landboten darüber steht dabei exemplarisch für dieses Spannungsfeld.  Nach einer überzeugenden Recherche über den Fall im Landboten vom 6. April, kamen in der Folge zwar alle Parteien und Stimmen zu Wort, Doch die Berichterstattung der Landbote-Redaktion mäandrierte zwischen einem ausschweifenden Interview mit einer Bankverantwortlichen («Wir lassen uns nicht erpressen»), einem Selbstgeisselungsinterview mit dem Generalunternehmer und Stimmen der Geschädigten, die sich zu einer schlagkräftigen Interessengemeinschaft zusammengeschlossen hatten. Zweimal widerrief die Redaktion die Aussagen einer Quelle, was wohl für einige Verwirrung bei der Leserschaft gesorgt hat. Ein einordnender Kommentar blieb aus, der der Leserschaft ein Abwägen der Situation ermöglicht und die Unabhängigkeit der Redaktion bekräftigt hätte.</p>
<p>Die Redaktion blieb seither weiterhin am Ball und das Blatt hat sich gewendet. Zunächst liess sie erneut die Geschädigten zu Wort kommen, griff Vorwürfe gegen den Leiter der Raiffeisenbank Winterthur auf, konfrontierte die Bank damit, bis diese schliesslich eingesteht, dass die Kontrolle der Baukredite nicht immer ausreichend gewesen sei. Auf Druck der Medien und der Intererssengemeinschaft der Geschädigten, welche ihren Generalunternehmer und auch Raiffeisen-Verantwortliche einklagten, hat die Bank einen Fonds geäuffnet und will die Betroffenen angemessen entschädigen. Endlich veröffentlicht der Landbote auch einen Kommentar mit der  Aufforderung, die Bank solle jetzt beweisen, dass es ihr ernst sei mit ihren Zusagen (alle Artikel als pdf <a href="http://igbaumhaus.jimdo.com/medienmitteilungen/zeitungsberichte/" target="_blank">hier</a>). Ende gut, alles gut? Unter dem Strich hat die Redaktion des Landboten ihre Unabhängigkeit bewiesen und dürfte entscheidend dazu beigetragen haben, dass die Verantwortlichen jetzt über die Bücher gehen, Rechenschaft ablegen und die Betroffenen entschädigen. Christine Fivian: «Eine gut gemachte Lokalzeitung lebt also in erster Linie von der Glaubwürdigkeit, der Sachkenntnis und der journalistischen Unabhängigkeit ihrer Macher.»</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/06/17/gratwanderung-mit-happyend/">Gratwanderung mit Happyend</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Die Bank, die Zeitung und der Journalismus</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2011/04/27/die-zeitung-die-bank-und-der-journalismus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[René Worni]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 27 Apr 2011 14:30:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Lokaljournalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Raiffeisen]]></category>
		<category><![CDATA[Winterthur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Nähe zu den Akteuren ist im Lokaljournalismus Voraussetzung, um an relevante Informationen zu kommen. Aber Vorsicht: Da kann so manches gehörig in die Hosen gehen. Mit ihren Berichten über einen lokalen Bankenskandal mäandriert die Redaktion des Landboten in Winterthur zwischen kritischer Recherche und Schadensbegrenzung für die Bank. Die Leserschaft bleibt dabei im Regen stehen <a href="https://medienwoche.ch/2011/04/27/die-zeitung-die-bank-und-der-journalismus/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/04/27/die-zeitung-die-bank-und-der-journalismus/">Die Bank, die Zeitung und der Journalismus</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Nähe zu den Akteuren ist im Lokaljournalismus Voraussetzung, um an relevante Informationen zu kommen. Aber Vorsicht: Da kann so manches gehörig in die Hosen gehen. Mit ihren Berichten über einen lokalen Bankenskandal mäandriert die Redaktion des Landboten in Winterthur zwischen kritischer Recherche und Schadensbegrenzung für die Bank. Die Leserschaft bleibt dabei im Regen stehen und fragt sich: Wer gängelt hier wen, die Bank die Redaktion oder umgekehrt?<br />
<span id="more-28805"></span><br />
1,9 Millionen Franken sollen Kunden der Raiffeisenbank Winterthur verloren haben, weil die Bank nicht sorgfältig gearbeitet hat, schrieb Stadtredaktor Christian Gurtner im <a href="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2011/04/Landbote+-+6.4.11.pdf">Landboten am 6. April</a> unter dem Titel «Raiffeisen lässt Kunden im Regen stehen». Gurtner bezieht sich auf die Aussagen einer Geschädigten, die mit ihrem Mann zusammen ein Haus bauen lässt. Doch die Zahlungen leitet die Bank, die dem Paar den Generalunternehmer Norbert Moos empfahl, nicht ins Bauprojekt, sondern auf dessen Privatkonto.<br />
Insgesamt entstand auf diese Weise rund einem Dutzend Geschädigter wegen unsorgfältigen Arbeitens der Bank besagter Schaden von 1,9 Millionen Franken. Sie alle klagen als <a href="http://igbaumhaus.jimdo.com/" target="_blank">Interessengemeinschaft</a> gegen Moos und die Raiffeisen-Bank.</p>
<p>Gurtners Artikel ist sauber geschrieben, handwerklich einwandfrei und eine spannende Geschichte, welche nebst des mitunter arroganten Verhaltens der Bankverantwortlichen auch die Ohnmacht von Privaten gegenüber einer Bank exemplarisch zeigt. Die Lokalredaktion des Landboten ist wachsam. Doch drei Tage später, am 9. April, publiziert das Blatt ein Interview mit dem konkursiten Bauunternehmer Moos unter dem Titel «Die Sache tut mir unheimlich leid» – diesmal geschrieben von Redaktor Marius Beerli. Dabei wird man den Eindruck nicht los, Moos sei auf Druck der Bank zur Selbstgeisselung im Landboten angetreten, um von den Raiffeisen-Verantwortlichen abzulenken.</p>
<p>Vier Tage später, am 13. April, lässt die Bank Gabriele Burn, GL-Mitglied von Raiffeisen Schweiz im Landboten auffahren. Diese bekommt eine ganze Seite mit Bild und darf die Vorwürfe weitgehend entkräften: «Es gab keinen Grund, am Generalunternehmer zu zweifeln.» Das Interview mit Titel «Wir lassen uns nicht erpressen» zeichnet der Landbote nur noch scheu mit (red). Dicke Post ist aber ein Kästchen, in dem die Redaktion sich von ihrer Informantin des ersten Artikels distanziert. «Aufgrund der von der Raiffeisen-Bank vorgelegten Informationen sind deren Aussagen unwahr &#8230;», diese sei gar nicht Kundin der Bank. Ist Christian Gurtner bei seiner Recherche ein grober Fehler unterlaufen? Weder eine Stellungnahme der Redaktion, wonach sie an ihrer Darstellung festhält, noch ist das Kästchen erkennbar als Gegendarstellung gekennzeichnet.</p>
<p>Einen Tag später titelt Landbote-Reporter Oliver Graf mit dem Aufmacher «Eine lange Liste von Verdächtigungen» und zeigt die Position der Klägergemeinschaft, nicht ganz eine Seite lang aber ebenfalls mit Bild. Die Klage lautet auf Veruntreuung, betrügerischem Konkurs und Unterschriftenfälschung. Immerhin heisst es hier, dass sich die Strafanzeige auch gegen zwei Mitarbeiter der Bank richtet. Dann passiert fünf Tage lang nichts.  Am 18. April berichtet Roman Banholzer für <a href="http://www.videoportal.sf.tv/video?id=1b980c53-b293-48d6-9f9f-16b49d1c1c87" target="_blank">Schweiz Aktuell</a> über den Fall. Der Logik der Medienhierarchie gehorchend fasst zwei Tage später am 20. April der Landbote ein Herz und nimmt unter dem Titel «Wann wusste die Bank was?» erstmals wieder die Bank direkt ins Visier. Diesmal schreibt Reporter Peter Fritsche, gleichzeitig Winterthurer Korrespondent von Radio DRS und fasst im Wesentlichen den SF-Beitrag zusammen, der weitere bankinterne Ungereimtheiten an den Tag bringt. Und last but not least sieht sich die Redaktion genötigt, ihre Informantin des ersten Artikels reinzuwaschen. «Für die am 13. April publizierte Richtigstellung, wonach die Aussagen der Informantin unwahr seien, entschuldigen wir uns.»</p>
<p>Was hält die Redaktion zurück, die Dinge nach dem spannenden Start weiterhin beim Namen zu nennen? Wurde bloss die journalistische Regel überstrapaziert, stets auch die Gegenpartei zu Wort kommen zu lassen? Die redaktionellen Schlenker werden jedenfalls für die Leser nicht gerade transparent. Chefredaktorin Colette Gradwohl dementiert entschieden: «Wir haben zweimal einen kleinen Fehler gemacht, den wir korrigiert haben. Zuerst mit der Richtigstellung, dass unsere Informantin nicht Kundin der Raiffeisenbank ist und später, dass sie dies gegenüber dem Landboten so nicht gesagt hatte.» Bei <a href="http://igbaumhaus.jimdo.com/medienmitteilungen/zeitungsberichte/" target="_blank">dieser Geschichte</a> sei es logisch, dass man nicht von Anfang an alle Puzzleteile beisammen haben könne. Für die Chefredaktorin ist klar, der Landbote bleibe dran, auch wenn sich die Bank derzeit auf das laufende Verfahren berufe. Das jedenfalls sind klare Worte, die man im Blatt wenigstens in Teilen in einem Kommentar gerne so gelesen hätte.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/04/27/die-zeitung-die-bank-und-der-journalismus/">Die Bank, die Zeitung und der Journalismus</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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