Sag niemals nie: Schawinskis neuer Flirt mit Digitalradio

schawi
Nick Lüthi, 6. Juni 2014, 15:40

Vor einem halben Jahr verabschiedete sich Roger Schawinski mit seinen Sendern Radio 1 und dem neu erworbenen 105 von Digitalradio. DAB sei eine teure Technologie ohne Publikum. Stattdessen will der Medienunternehmer auf Internetradio setzen. Wie die MEDIENWOCHE weiss, plant Schawinski eine Rückkehr auf Digitalradio. Schon ab diesem Sommer könnten Radio 1 und 105 in Zürich wieder via DAB zu empfangen sein.

Er gilt zurecht als Radiopionier, aber mit Digitalradio wollte Roger Schawinski nicht vorne dabei sein. «DAB ist schon zu lange erfolglos auf dem Markt, um jetzt noch den Durchbruch zu schaffen», sagte er bereits vor sechs Jahren. Dennoch ging Schawinski vier Jahre später mit Radio 1 digital auf Sendung. Ende 2013 kaufte er mit Radio 105 einen Sender, der ebenfalls via DAB zu empfangen war. Allerdings nicht mehr lange nach der Handänderung.

Getreu seinem Credo, dass DAB nur koste und nichts bringe, stellte er die digitale Verbreitung der beiden Sender kurz nacheinander ein. Er setze lieber auf Internetradio. Das sei die Zukunft, verkündete er seither unablässig. «Internetradio kommt wie eine Welle über uns und nicht so im Schnarchtempo wie DAB», verkündete er Mitte Mai an der Goldbach Mediarena. Gibt es in der Schweiz eine prominente Stimme gegen DAB-Digitalradio, dann ist es diejenige von Dr. Roger Schawinski.

Nun zeichnet sich eine überraschende Wendung ab. Schawinski interessiert sich mit Radio 1 und 105 offenbar für Sendeplätze in einem neuen Digitalradionetz, das noch in diesem Jahr in Zürich seinen Betrieb aufnehmen soll. Das zeigen Dokumente, die der MEDIENWOCHE vorliegen. Schawinski liess eine Anfrage dazu unbeantwortet und auch der technisch Verantwortliche der beiden Sender zog es vor zu schweigen.

Genaueres weiss jedoch der Netzbetreiber: «Aufgrund unserer bisherigen Kontakte rechnen wir damit, dass Schawinski Gesuche für zwei Sendeplätze einreichen wird», sagt Thomas Gilgen, Geschäftsführer der Digris AG. Die Firma baut derzeit mit einer amtlichen Konzession in mehreren Schweizer Städten neue Digitalradio-Netze auf. Anfang Juni nahm in Genf das erste solche lokale Netz mit 14 Sendern den Betrieb auf.

Die neuen Sendeplätze sind in erster Linie für nichtkommerziell orientierte Programme, wie Jugend- und Alternativradios, vorgesehen. Zur Finanzierung der Infrastruktur ist der Netzbetreiber Digris aber auch auf kommerzielle Sender angewiesen. Darum beurteilt Gilgen die Chancen als gut, dass Schawinski sicher mit einem, wenn nicht sogar mit beiden Sendern wieder über DAB+ senden könnte.

Auch wenn sich Schawinski selbst nicht zu einem Gesinnungswandel äussern mag, liegen die Gründe dafür auf der Hand: Es sind die Kosten. In der Vergangenheit beschwerte er sich mehrfach über die «teure Technologie», die umso teurer erscheint, solange das Programm gleichzeitig parallel auf UKW und über DAB+ ausgestrahlt werden muss, bis sich Digitalradio etabliert hat und UKW abgeschaltet werden kann.

Digris bietet nun eine kostengünstige Alternative zur bisherigen DAB+-Technologie. Zahlte Schawinski der Netzgesellschaft SwissMediaCast SMC rund 300’000 für die digitale Verbreitung von Radio 1 während eines Jahres, so würde ihn die Verbreitung der beiden Sender über das Digris-Netz gerade mal je 20’000 Franken pro Jahr kosten. Das ist selbst dann noch wesentlich günstiger als mit SMC, wenn man das kleinere Verbreitungsgebiet des neuen Netzes in Rechnung zieht. Mit Digris würden die Schawinski-Sender vor allem im Zürcher Stadtgebiet ausgestrahlt.

Die Tür ganz zugeschlagen hatte Schawinski indes nie. Das zeigt sich auch in der Mitteilung an die teils verärgerte 105-Hörerschaft, nach dem er ihnen den digitalen Kanal zugedreht hatte. Da steht: «Zu einem späteren Zeitpunkt wird entschieden, ob der DAB+-Weg wieder gewählt werden soll.» Nun hat er offenbar entschieden.

Nick Lüthi
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Nick Lüthi

Leiter MEDIENWOCHE

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