DOSSIER mit 125 Beiträgen

Journalistische Praxis

Digitale Medienexperimente in Schaffhausen

Lokalzeitungen stehen zwar noch solider auf ihrem Papierfundament als die Blätter in den Grossagglomerationen. Doch in den nächsten Jahren steigt der Digitalisierungsdruck auch in den Regionen. Was tun? Oft fehlen Ressourcen und Fachwissen. Anders bei den Schaffhauser Nachrichten. Mit Janosch Tröhler verfügt die kleine Tageszeitung über einen umtriebigen und versierten Online-Produzenten. Am Multimedia-Tag der Journalistenschule Weiterlesen …

Weitere Beiträge aus diesem Dossier

Als der #Schulzzug rollte, sassen die Journalisten auf der Lok

Die Marketing-Kampagne der SPD für Martin Schulz schlug in den Anfängen voll ein. Seine Inszenierung als glaubwürdiger Politiker halfen die meisten Medien weiter zu befeuern und stellten den Kanzlerkandidaten als Lichtgestalt dar. «Schulz hat das, was Angela Merkel fehlt: Er hat den Überschwang, das Feuer, die Begeisterung», schrieb etwa ein Heribert Prantl in der «Süddeutschen Zeitung». Heute sieht man im gleichen Blatt einen «völlig überforderten Parteichef». Wie konnten sich die versammelten Medien in Schulz nur so irren? Hans-Martin Tillack, «Stern»-Reporter in Berlin, beschreibt die «Dynamik des kollektiven Hochschreibens», der sich die Journalisten kaum entziehen können; Rudeljournalismus in Reinkultur.

Journalismus: Erst das Erklärstück öffnet den Zugang zu den News

Manchmal lohnt es sich, ein paar Jahre zurückzublicken, auch nur um festzustellen, wie wenig sich doch eigentlich getan hat. Vor zehn Jahren schilderte der Journalist und Medienprofessor Jay Rosen in seinem Blog, wie er damals das epische Erklärstück «The Giant Pool of Money» zur Immobillienkrise, die sich zu einer globalen Finanzkrise ausweitete, rezipiert hatte. Rosen beschreibt, wie er sich nach diesem stündigen Radio/Podcast-Stück für das Thema zu interessieren begann und fortan auch News zur Immobilienkrise las, weil er nun verstand, worum es geht. Seine Erkenntnis: Es gibt Themen, wo man zuerst das ganze Bild gesehen haben muss, damit man auch die einzelnen Elemente davon versteht. Für den Journalismus hiesse dies, frühzeitig Erklärstücke zu publizieren und so mehr Publikum für die nachfolgenden News zu gewinnen. Viel ist davon auch zehn Jahre nach dem Aha-Erlebnis von Jay Rosen noch nicht zu sehen.

Making-of der grossen Federer-Analyse von SRF-Data

Das Timing war perfekt: Roger Federer gewinnt sein 20. Grand-Slam-Turnier in Australien und kurz darauf bietet Schweizer Radio und Fernsehen SRF die grosse Datengeschichte zur Rekordkarriere des Schweizer Tennisspielers – in bisher fünf Sprachen übersetzt. Wie die SRF-Datenjournalisten vorgegangen sind, um aus einer Datenfülle aus zwanzig Jahren Spitzentennis die entscheidenden Zahlen herauszufiltern, erzählt Angelo Zehr, der an dem Projekt beteiligt war. Die Daten konnten sie bei einer Privatperson in Serbien auftreiben, die hobbymässig Zahlen der ATP in eine Datenbank abfüllt und einem Sportstatistiker. Nach einer Konkurrenzanalyse – Federer und das Welttennis wurde schon mehrfach datenjournalistisch vermessen – entschieden sich die SRF-Journalisten für ihr Vorgehen, das schliesslich in ein sehr ansprechendes Resultat mündete. Die Datenaufbereitung- und darstellung erlaubt dem Nutzer einen intuitiven Zugang und verschränkt sich optimal mit den Text- und Multimedia-Elementen.

Kollaboration braucht Infrastruktur, z.B. die Plattform Facet

Wenn die Geschichten grösser werden, als dass sie eine Redaktion alleine stemmen kann, dann ist Kooperation angesagt. Längst haben sich moderne Formen der Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen Medien über Kontinente und Kulturen hinweg etabliert. Kooperation und Kollaboration sei ein zentraler Erfolgsfaktor für die Branche, schreibt Heather Bryant für Monday Note. «Unsere Herausforderung besteht darin, dass wir Redaktionen nie für diese Zusammenarbeit konzipiert haben. Uns fehlt die Infrastruktur, um den Redaktionsprozess zu managen, wenn mehrere Partner involviert sind.» Als möglichen Lösungsansatz stellt Bryant das Projekt Facet vor, das im Kern aus einer Plattform besteht, wo der Informationsfluss innerhalb der Redaktion aber auch mit externen Partnern organisiert werden kann. Denn ein Problem ist heute, dass im Redaktionsalltag zu viele kleine Tools, die mehr Effizienz versprechen, am Ende das Gegenteil bewirken. Im Einsatz befindet sich Facet aktuell beim Alaska’s Energy Desk, einem kollaborativen Recherheprojekt verschiedener öffentlicher Radiosender im nördlichsten US-Bundesstaat.

Was wäre «Watson» ohne Trump?

Das Online-Magazin «Watson» hat nachgezählt: Im ersten Amtsjahr von Donald Trump als US-Präsident verschickte die Redaktion 522 Push-Meldungen, die das Wort «Trump» enthielten. Was heisst: Jeden Tag im Durchschnitt eineinhalb Alerts zum Thema. Zwar zeigt man sich bei «Watson» ob der Zahl überrascht, findet den Wert aber nicht zu hoch. Man werde Donald Trump auch in seinem zweiten Amtsjahr eng begleiten, schreiben Martin Lüscher und Lea Senn. «Ob dazu künftig auch so viele Push-Nachrichten nötig sind? Wir werden sehen.»

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«Manchmal höre ich zum Schreiben stundenlang dasselbe Lied»

So schreibe ich: Die Journalistin Sarah Jäggi («Zeit» Schweiz) über ihren strukturierten Zugang zum Schreiben und der persönlichen Begegnung als Schlüssel für gelungene Porträts anhand ihres Artikels «Narziss und Goldzahn» über das Filmemacherpaar Lisa Brühlmann und Dominik Locher in den Schweiz-Seiten der «Zeit». Ein Porträt kann eine Organisation, ein Projekt oder eine Person vorstellen. In Weiterlesen …