von Christoph Kaufmann

Geschäftsbericht der Republik: Buchhaltung ohne Bullshit

Was lässt sich aus den ersten veröffentlichten Geschäftszahlen der «Republik» herauslesen? Ein Millionenverlust, wie es auf den ersten Blick scheint? Für die MEDIENWOCHE hat der ehemalige Buchhalter der Wochenzeitung WOZ die Zahlen angeschaut und das Wichtigste festgehalten.

Die «Republik» und Project R veröffentlichen in ihrem Geschäftsbericht die Zahlen des ersten langen Geschäftsjahres vom Januar 2017 bis Juni 2018 und schockieren ihre 22’000 Verlegerinnen und Verleger gleich mal mit einem Verlust von 2.85 Millionen bei einem Betriebsertrag von gerade 2.52 Millionen.

Ein Blick auf die Bilanz kehrt die Sache dann wieder um: Die ersten 19’125 Abonnenten haben 4.64 Millionen Franken eingelegt, die erscheinen allerdings nicht als Ertrag, sondern als Kapitaleinzahlung. Dafür gab es in erster Linie Mitgliedschaftsrechte und nur als Zugabe noch ein Jahresabo. Betrachtet man diese Einlagen als Abo-Beiträge, wird aus dem Verlust von 2.85 Millionen ein Gewinn von 1.79 Millionen.

Ein neues Medium, das von Anfang an Geld im Überfluss scheffelt? Das auch wieder nicht, denn im Betriebsertrag stecken Spenden von über zwei Millionen Franken, und die gibt es kaum jedes Jahr. Und der Aufwand fünf Millionen in 17 Monaten wird im nächsten, normal zwölfmonatigen Geschäftsjahr, nicht etwa kleiner, sondern grösser, weil die Maschine in den ersten Monaten, als noch keine «Republik» erschien, viel kleiner war als heute.

Die Republik rechnet denn auch mit sieben Millionen Aufwand im laufenden Geschäftsjahr, das lustigerweise von Juli bis Juni dauert. Woraus sich direkt errechnen lässt, wie viele Abos sie langfristig zum Überleben braucht: Es sind 30’000.

Diese Buchhaltung sagt damit nichts anderes als das, was die «Republik» auch sonst sagt, nicht mit Manager-Phrasen, sondern zum Mitlesen. Buchhaltung ohne Bullshit.

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