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	<title>Medienmenschen | MEDIENWOCHE</title>
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	<link>https://medienwoche.ch</link>
	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
	<lastBuildDate>Mon, 07 May 2018 11:12:51 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
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	<item>
		<title>Alexander Tschäppät als Medienmensch</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2018/05/07/alexander-tschaeppaet-als-medienmensch/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 07 May 2018 08:47:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Auf dem Radar]]></category>
		<category><![CDATA[Alexander Tschäppät]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der am Freitag verstorbene frühere Berner Stadtpräsident Alexander Tschäppät spielte gekonnt auf der Klaviatur der Medien und war immer für einen überraschenden Auftritt und einen träfen Satz gut – und das ganz ohne professionelles Coaching, wie das heute bei Spitzenpolitikern üblich ist. «Das ist auch nicht nötig: Als Stadtpräsident in Bern, der den öffentlichen Verkehr benutzt und ab und zu in einer Beiz ein Bier trinkt, weiss ich, was die Leute von mir und meinem letzten Auftritt denken.» Vor fünf Jahren sprach die MEDIENWOCHE mit Tschäppät über sein Verhältnis zu den Medien. Aus aktuellem, traurigem Anlass verweisen wir an dieser Stelle gerne erneut auf das Gespräch.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Der am Freitag verstorbene frühere Berner Stadtpräsident Alexander Tschäppät spielte gekonnt auf der Klaviatur der Medien und war immer für einen überraschenden Auftritt und einen träfen Satz gut – und das ganz ohne professionelles Coaching, wie das heute bei Spitzenpolitikern üblich ist. «Das ist auch nicht nötig: Als Stadtpräsident in Bern, der den öffentlichen Verkehr benutzt und ab und zu in einer Beiz ein Bier trinkt, weiss ich, was die Leute von mir und meinem letzten Auftritt denken.» Vor fünf Jahren sprach die MEDIENWOCHE mit Tschäppät über sein Verhältnis zu den Medien. Aus aktuellem, traurigem Anlass verweisen wir an dieser Stelle gerne erneut auf das Gespräch.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/05/07/alexander-tschaeppaet-als-medienmensch/">Alexander Tschäppät als Medienmensch</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<item>
		<title>«Nach dem Wettkampf beginnt das Medienspiel»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/07/08/nach-dem-wettkampf-beginnt-das-medienspiel/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Carmen Epp]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 08 Jul 2016 15:29:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Max Heinzer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mit 14 Weltcupsiegen und drei Europameistertiteln zählt Max Heinzer zur Weltspitze der Degenfechter. Demnächst steht er an den Olympischen Spielen in Rio im Einsatz. Im Gespräch mit der MEDIENWOCHE erzählt der 29-Jährige Innerschweizer, wieso er Medienanfragen immer persönlich bearbeitet, welche Fragen von Journalisten ihn nerven und wie er sich einmal als Kolumnist ins Fettnäpfchen geschrieben <a href="https://medienwoche.ch/2016/07/08/nach-dem-wettkampf-beginnt-das-medienspiel/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Mit 14 Weltcupsiegen und drei Europameistertiteln zählt Max Heinzer zur Weltspitze der Degenfechter. Demnächst steht er an den Olympischen Spielen in Rio im Einsatz. Im Gespräch mit der MEDIENWOCHE erzählt der 29-Jährige Innerschweizer, wieso er Medienanfragen immer persönlich bearbeitet, welche Fragen von Journalisten ihn nerven und wie er sich einmal als Kolumnist ins Fettnäpfchen geschrieben hat.</strong><br />
<img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2016/07/AUG_2933.jpg" alt="" width="1680" height="853" class="alignnone size-full wp-image-56899" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2016/07/AUG_2933.jpg 1680w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2016/07/AUG_2933-300x152.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2016/07/AUG_2933-768x390.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2016/07/AUG_2933-1024x520.jpg 1024w" sizes="(max-width: 1680px) 100vw, 1680px" /><br />
Ende Juni im Sportcenter Dierikon, Kanton Luzern. Max Heinzer erscheint mit einer grossen Trainingstasche zum Gespräch. Anderthalb Stunden hat er Zeit, dann ist Training angesagt. Der mehrfache Weltcupsieger und Hoffnungsträger für die Olympischen Spiele in Rio kommt jeden Donnerstag hierher zum Training. Für einmal hat er nicht seinen Degen dabei, sondern ein Racket. Beim Badminton würden ähnliche Bewegungsmuster trainiert wie beim Fechten, sagt er. «Ausserdem fechte ich, seit ich fünf Jahre alt bin. Da bin ich froh, auch mal was anderes zu machen als Fechten, Ausdauer- und Krafttraining.»</p>
<p><strong>MEDIENWOCHE: Auf meine Interviewanfrage, eingetippt ins Presseformular auf Ihrer Website, hat sich nicht etwa ein PR-Manager, sondern Sie sich persönlich gemeldet. Bearbeiten Sie alle Medienanfragen selber?</strong><br />
Max Heinzer: Das mag Sie vielleicht überraschen, aber in einer Randsportart wie Fechten ist das durchaus üblich. Für mich kam es bisher nicht infrage, ein professionelles Management anzustellen. Zum einen wäre das nicht ganz günstig. Zum anderen wäre ich «nur» mit den vier bis fünf Stunden Training pro Tag auch unterfordert. Ausserdem finde ich den Aspekt von Medienarbeit und Selbstvermarktung sehr spannend.</p>
<p><strong>Dann werden Sie dieses Interview auch ohne Berater gegenlesen?</strong><br />
Nein. Bei wichtigen Interviews oder wenn ich mich zu einem Thema äussere, in dem ich nicht Profi bin, berate ich mich jeweils mit Urs Lauffer. Er ist Präsident der Fritz-Gerber-Stiftung für begabte junge Menschen, die mich seit Langem unterstützt und für die ich heute in einem 20-Prozent-Pensum Gesuche von jungen Sportlern prüfe. Urs Lauffer ist ein ausgewiesener Kommunikationsexperte und hat mir angeboten, mich bei wichtigen Medienauftritten auf freundschaftlicher Basis zu beraten. Mit ihm werde ich dann auch dieses Interview besprechen.</p>
<p><strong>Anders als bei den meisten Ihrer Medienanfragen wird es in diesem Interview nicht in erster Linie um Ihren Sport gehen. Wieso haben Sie trotzdem zugesagt?</strong><br />
Wieso nicht? Die Frage impliziert, dass ich nur über Sport berichten kann. Dem ist aber nicht so. Ich habe durchaus auch noch andere Interessen, auch wenn ich in diesen Bereichen nicht Profi bin. Ihre Anfrage hat mich auch deshalb gereizt, weil es mal um etwas anderes geht als um die 0815-Fragen, die mir sonst gestellt werden. Medien und Kommunikation interessieren mich. Als ich an der Universität Basel Sport studiert habe, hätte ich beinahe Kommunikationswissenschaften im Nebenfach belegt. Nach zwei, drei Vorlesungen habe ich dann aber bemerkt, dass der Lesestoff mein Zeitbudget mit Studium und Training gesprengt hätten.</p>
<p><strong>Nun haben Sie mit Sportjournalisten zu tun. Denen haftet der Ruf an, immer dieselben langweiligen Fragen stellen. Wie erleben Sie das?</strong><br />
Ich halte den Ruf für unberechtigt. Es geht im Sport immer um Sieg oder Niederlage und da ist es naheliegend, dass oft dieselben Fragen gestellt werden. Wenn ein Kampf schlecht lief, wird man gefragt, wieso er schlecht lief. Und wenn man gewonnen hat, will man wissen, was gut geklappt hat. Da liegt in der Natur der Sache, nicht an den Journalisten. Was mich mehr nervt sind Journalisten, die schlecht vorbereitet sind.</p>
<p><strong>Wie äussert sich das?</strong><br />
Indem ich bei jedem Gespräch quasi von vorne anfangen und dem Journalisten erst die Regeln des Fechtens erklären muss. Oder wenn ich gefragt werde, wieso ich mit dem Fechten angefangen habe oder wie viele Weltcups ich schon gewonnen habe – Dinge also, die man ganz einfach googlen könnte zur Vorbereitung. Da löscht’s mir manchmal schon ein bisschen ab, zumal ich mich für meinen Sport und meinen Wettkampf immer gut vorbereite und das dann eigentlich auch von meinen Interviewpartnern erwarte. Ich bleibe dann aber meist cool und professionell. Zum Glück kommt das inzwischen nur noch selten vor. Im Vergleich zu früher sind die allermeisten Journalisten, mit denen ich zu tun habe, heute gut informiert, was den Fechtsport angeht. Noch vor fünf, zehn Jahren musste ich öfters bei null anfangen als heute.</p>
<p><strong>Sonst noch Fragen, die Sie nerven – und ich dann besser nicht stellen sollte?</strong><br />
Eine weitere Frage, die immer wieder kommt, ist: Und was machen Sie sonst noch so ausser Fechten? Es kann sich irgendwie niemand so recht vorstellen, dass das tatsächlich mein Beruf ist. Aber ich trainiere wahrscheinlich nicht weniger als beispielsweise ein Roger Federer – und ihn würde ja auch niemand fragen, was er nebenbei noch arbeitet. Aber als Randsportler ist man sich das gewöhnt, da rege ich mich mich gar nicht mehr so auf. Die Frage stellen ausserdem nicht nur Journalisten, sondern auch Freunde von Freunden, die mich nicht gut kennen.</p>
<p><strong>Apropos Freunde: Sie haben aktuell rund 10’000 Fans auf Facebook …</strong><br />
Meinen Berechnungen zufolge sollten es morgen oder übermorgen 11’000 sein *lacht*.</p>
<p><strong>Ganz schön viele für einen Vertreter einer Randsportart! Wie schaffen Sie das?</strong><br />
Ich finde die Zahl auch sehr hoch und bin stolz darauf. Allerdings investiere ich auch Zeit in meinen Facebook-Auftritt und probiere, das gut zu machen. Andere Athleten bewirtschaften ihr Profil nur nach guten Kämpfen, ich poste auch, wenn ich verloren habe. Ausserdem achte ich darauf, dass ich regelmässig etwas poste, sodass die Leute, die mir folgen, wissen, dass sie immer mal wieder ein Update von mir kriegen. Schliesslich beantworte ich alle Nachrichten, die mir via Facebook gesendet haben. Was allerdings auch Nachteile haben kann.</p>
<p><strong>Wieso?</strong><br />
Ich kriege manchmal Nachrichten von Athleten aus aller Welt, die mich fragen, wie sie trainieren sollen. Oder sie schicken mir Videos von ihren Trainings und wollen Tipps, auch zum Trainingsmaterial. Einmal hat mir ein Fan aus der Türkei geschrieben, dass er gerne eine Autogrammkarte hätte für seinen Sohn – auf Türkisch! Dank Google Translator habe ich seinen Wunsch entziffern können und ihm dann auch geantwortet. Das ist dann manchmal schon ein bisschen too much und vielleicht bin ich da auch etwas zu nett, wenn ich alles beantworte. Aber das ist sicher auch mit ein Grund, wieso ich so viele Fans habe und die Kurve ständig nach oben geht. Das ist aber auch das Coole am Fechten, da ist man den Leuten näher. Und 11’000 sind ja trotzdem noch einigermassen überschaubar.</p>
<p><strong>Auf Ihrer Facebook-Seite streamen Sie regelmässig Fechtkämpfe live, zuletzt an der EM in Polen. Welche Überlegung steckt dahinter?</strong><br />
Ich will meinen Fans damit einen Mehrwert bieten. Fechten live als Wettkampf gibt es praktisch nie am Fernsehen zu sehen, ausser an den Olympischen Spielen oder an Weltmeisterschaften. Da ist Facebook eine coole Möglichkeit, schnell, mit wenig Aufwand und gratis eine grosse Reichweite zu erreichen. So können meine Fans meine Kämpfe verfolgen, in den Kommentaren Fragen stellen oder mich anfeuern, was auch rege gemacht wird.</p>
<p><strong>Machen Sie mit diesen Live-Streams nicht die Journalisten überflüssig, wenn die Zuschauer Ihre Kämpfe schauen können und die – wie Sie andeuten – auch noch kommentiert würden?</strong><br />
Nein. Ich glaube, das Gegenteil ist der Fall. Wenn ich beispielsweise einen Fussballmatch schaue, finde ich es trotzdem noch spannend, am nächsten Tag zu lesen, welche Note der «Blick» den Spielern gibt. Wenn man etwas live gesehen hat, liest man umso mehr, was später darüber geschrieben wurde. Deshalb denke ich, dass meine Live-Streams das Interesse an einer journalistischen Berichterstattung eher grösser machen als kleiner.</p>
<p><strong>Wenn man einen Wettkampfbericht von Ihnen in einer Zeitung liest, war der betreffende Journalist dann jeweils vor Ort? Oder schaut er sich allenfalls auch den Live-Stream an und berichtet dann auf dieser Grundlage?</strong><br />
Das hängt oft von der Grösse eines Turniers ab. Je grösser, desto eher sind auch Schweizer Journalisten vor Ort. Meist ist ein Vertreter der «Sportinformation» vor Ort, der direkt nach dem Wettkampf anruft und die Meldung dann verbreitet. Oder die Journalisten aus der Schweiz rufen mich an. Was ich allerdings auch schon festgestellt habe, ist, dass sehr viele Medien direkt Statements von meiner Facebook-Seite benützen. So haben die «Basler Zeitung», die NZZ oder auch schon der «Tages-Anzeiger» zum Beispiel schon mal einen ganzen Artikel publiziert alleine anhand der Aussagen und Fotos, die ich auf Facebook geladen habe.</p>
<p><strong>Dann nehmen Sie mit Ihrer Facebook-Seite den Journalisten quasi die Arbeit ab?</strong><br />
Vielleicht, ja. Es bringt aber auch für mich Vorteile. Dadurch, dass die Journalisten wissen, dass ich meistens eine Stunde nach einem Turnier die wichtigsten Infos auf meiner Seite posten, kann ich mich auch selber davor schützen, dass ich mit Anrufen bombardiert werde, während ich noch in der Dopingkontrolle bin oder bei der Siegerehrung. Und gerade bei Turnieren in Übersee mit grosser Zeitverschiebung wäre das Risiko wahrscheinlich gross, dass die Resultate, die mitten in der Nacht Schweizerzeit gefallen sind, in der Schweizer Presse gar nicht vermeldet werden, wenn ich nichts posten würde. So beginnt für mich nach dem Wettkampf das Medienspiel. Das gehört für einen Vertreter einer Randsportart denke ich einfach dazu, wenn er will, dass seine Sportart präsent wird oder bleibt.</p>
<p><strong>Abgesehen von Medienauftritten als Sportler sind Sie auch schon in Homestories oder an Anlässen aufgetreten, die nicht in erster Linie mit Ihrem Sport zu tun haben. Wieso?</strong><br />
Ich fühle mich überhaupt nicht als Star und und muss mich drum auch nicht abschirmen von irgendeinem Rummel. Wenn mich also die «Schweizer Illustrierte» zu einem Zirkus einlädt oder zu den Swiss Indoors in die VIP-Lounge, ist das schon cool und dann sage ich auch zu, wenn es mich interessiert. An solchen Anlässen lernt man auch immer wieder spannende Leute kennen. Und wenn dann dort Fotos gemacht werden, die irgendwo publiziert werden, ist das halt Part of the Game und sorgt auch dafür, dass mein Gesicht und damit auch der Fechtsport in den Köpfen der Leute präsent bleibt. Bei solchen Anlässen aber gilt, genau so wie für Repräsentationsaufgaben für meine Sponsoren, dass sie in meinen Wettkampf- und Trainingsplan passen müssen, sonst sage ich ab. Und die eine Homestory in der «Schweizer Illustrierten» hat sich so ergeben und für meine damalige Freundin und mich so gepasst.</p>
<p><strong>Ausserdem treten Sie auch regelmässig als Vertreter Ihres Sponsors Jaguar in Erscheinung, zum Beispiel am Autosalon in Genf oder an Anlässen an der Costa Brava. Absolvieren Sie das als Pflichtprogramm?</strong><br />
Nicht nur. Klar gehört das dazu, wenn man eine Partnerschaft eingeht, dass der Sponsor dann auch eine Gegenleistung will vom Athleten und das mache ich auch gerne. Zumal man auch dort wieder neue Leute kennenlernt und das eine spannende Abwechslung zum Trainingsalltag ist. Ausserdem empfinde ich die Partnerschaft mit Jaguar als sehr sinnvoll. Ich fahre seit zweieinhalb Jahren selber Jaguar, mache jährlich 30’000 Kilometer, ist also mein tagtäglicher Begleiter. Jaguar ist individuell, speziell, ein bisschen elitär und schnell, genauso wie das Fechten. Insofern passt die Marke auch zum Fechtsport.</p>
<p><strong>Ein paar «Medienhighlights» haben Sie auf ihrer Website publiziert, alles wohlwollende Porträts, Interviews und Wettkampfberichte. Wird denn auch mal was Negatives über Sie berichtet?</strong><br />
Klar. Wenn ich bei einem Turnier eine schlechte sportliche Leistung erbracht habe, wird das natürlich auch vermeldet. Ansonsten erinnere ich mich nur an eine Schlagzeile im «Blick», über die ich nicht sehr happy war. Da hatte ich im Vorfeld vom Weltcup in Qatar schriftlichen Kontakt mit einem Journalisten. Eine seiner Fragen lautete, wieso der Weltcup ausgerechnet in Qatar stattfinde. Darauf habe ich geantwortet, dass das wahrscheinlich daran liegen würde, dass die dort sehr finanzkräftig sind, und in einem Nebensatz erwähnt, dass das ausserdem das Turnier mit dem höchsten Preisgeld sei. Dann erschien am Tag des Turniers im «Blick» ein grosses Jubel-Bild von mir mit der Schlagzeile «Heinzer will Kohle». Das hat mich ziemlich genervt, weil das überhaupt nicht die Botschaft war und auch gar nicht mir entspricht. Wenn ich reich werden möchte, hätte ich mir eine andere Sportart ausgesucht. Das war aber auch die einzige negative Erfahrung mit dem «Blick», die machen das sonst wirklich toll und räumen dem Fechten auch immer viel Platz ein, was ich sehr schätze.</p>
<p><strong>Gab es darauf negative Rückmeldungen?</strong><br />
Nein. Ich habe den Spiess umgedreht und meinen Sponsoren ein PDF des Artikels geschickt mit einer Erklärung, wie der zustande gekommen ist. Meiner Familie und meinen Freunden musste ich nichts erklären, die wissen, dass ich nicht so bin. Es gibt natürlich immer Leute, die mich nur aus den Medien kennen und dort den Eindruck kriegen, ich sei arrogant. Obwohl es viele Gründe gibt, wieso ich das eben gerade nicht bin. Aber mir geht es ja auch oft so, dass ich mir eine Meinung bilde über Menschen, über die ich irgendwo gelesen habe, obwohl ich weiss, dass man das nicht tun sollte. Ich denke, das ist menschlich und sollte man sich auch nicht zu sehr zu Herzen nehmen.</p>
<p><strong>Die besagte «Blick»-Schlagzeile ist die einzig negative Erfahrung mit Medienauftritten bisher?</strong><br />
Nein. Die andere habe ich mir jedoch selber eingebrockt.</p>
<p><strong>Inwiefern?</strong><br />
Ich wurde vom «Rigi Anzeiger» vor fünf Jahren angefragt, eine Kolumne zu schreiben und habe mich entschieden, mein Hobby, das Fischen, zum Thema zu machen. Da habe ich unter anderem geschrieben, dass es im Zugersee immer mehr Kormorane hat und immer weniger Fische. Das war ein Fehler und gab viele negative Reaktionen, vor allem von Vogelfreunden. Dabei habe ich mir nichts Böses gedacht und einfach frei von meinem Fischerherzen geschrieben. Eine Organisation hat mich dann zu einer Vogelzählung eingeladen, die ich auch gerne mitgemacht habe. Aus dieser Erfahrung habe ich aber gelernt, dass ich mich besser nicht zu Themen äussere, in denen ich nicht Profi bin.</p>
<p><strong>Zum Beispiel?</strong><br />
Politik und Religion gehören auch dazu. Das sind zwar Themen, die mich persönlich interessieren, zu denen ich mich aber nicht öffentlich äussern werde. Zurückhaltend gehe ich auch mit Infos aus meinem Privatleben um. Ich publiziere zwar mal hie und da ein Foto von Familienmitgliedern auf Facebook, wie neulich, als ich Onkel geworden bin. Dies aber nur nach Rücksprache und gut überlegt.</p>
<p><strong>Durch Ihre Medienpräsenz sind Sie offenbar auch den Frauen positiv aufgefallen. Wenn man nach Ihnen googlet, kommt als dritte Möglichkeit «Max Heinzer Freundin» …</strong><br />
Stimmt, das habe ich auch schon probiert. Ist das wirklich so, dass das die Suchanfragen sind, die am häufigsten eingegeben werden bei Google?</p>
<p><strong>Ja. Offenbar scheint es zu interessieren, ob die Freundin, mit der Sie mal in der «Schweizer Illustrierten» zu sehen waren, noch aktuell ist?</strong><br />
Das ist seit anderthalb Jahren nicht mehr aktuell, nein. Und wie ich bereits erwähnt habe, möchte ich zu meinem Privatleben auch nicht viel sagen. Nächste Frage?</p>
<p><strong>Welche Medien nutzen Sie persönlich?</strong><br />
Ich lese jeden Morgen immer zuerst die Headlines von «Blick» oder «20 Minuten» auf meinem Smartphone, als erstes immer den Sport. Am Wochenende nehme ich dann auch mal eine gedruckte Zeitung zur Hand, durch meine Verwurzelung in der Zentralschweiz vor allem lokale Blätter.</p>
<p><strong>Schon bald reisen Sie an die Olympischen Spiele nach Rio. Wie sieht Ihr Medienfahrplan bis dahin aus?</strong><br />
Diese Woche habe ich fünf Interviews, heute Nachmittag noch eines mit «Le Matin» in Bern. Sonst ergibt sich mein Medienfahrplan aus den Anfragen, die vielleicht noch kommen werden. In erster Linie werde ich mich aber auf mein Training und die Vorbereitung auf Rio konzentrieren und dann wohl auch die eine oder andere Anfrage absagen müssen. Ein paar Tage vor Rio wird es eine Medienkonferenz geben, in Rio selber liegt der Fokus dann voll und ganz auf dem Wettkampf. Wie es danach weiter geht mit dem Medieninteresse, hängt dann wohl vom Ausgang der Olympischen Spiele ab.</p>
<p><small>Bild: Augusto Bizzi</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/07/08/nach-dem-wettkampf-beginnt-das-medienspiel/">«Nach dem Wettkampf beginnt das Medienspiel»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>«Oft siehst du die Paparazzi gar nicht»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2013/10/24/oft-siehst-du-die-paparazzi-gar-nicht/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2013/10/24/oft-siehst-du-die-paparazzi-gar-nicht/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Stephanie Rebonati]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Oct 2013 14:49:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Blanda Eggenschwiler]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Zürcher Grafikkünstlerin Blanda Eggenschwiler erlebt seit rund einem Jahr die volle Wucht des internationalen Boulevards – weil sie mit einem US-Superstar liiert ist. Im Interview spricht die 28-Jährige über Paparazzi, die sich im Kofferraum von Autos verstecken und über Schweizer Medien, die alles für bare Münze nehmen, was aus den USA kommt. Gab man <a href="https://medienwoche.ch/2013/10/24/oft-siehst-du-die-paparazzi-gar-nicht/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Zürcher Grafikkünstlerin Blanda Eggenschwiler erlebt seit rund einem Jahr die volle Wucht des internationalen Boulevards – weil sie mit einem US-Superstar liiert ist. Im Interview spricht die 28-Jährige über Paparazzi, die sich im Kofferraum von Autos verstecken und über Schweizer Medien, die alles für bare Münze nehmen, was aus den USA kommt.</strong><br />
<img decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2013/10/blanda2_2.jpg" alt="" width="1680" height="1120" class="alignnone size-full wp-image-56903" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2013/10/blanda2_2.jpg 1680w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2013/10/blanda2_2-300x200.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2013/10/blanda2_2-768x512.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2013/10/blanda2_2-1024x683.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2013/10/blanda2_2-728x485.jpg 728w" sizes="(max-width: 1680px) 100vw, 1680px" /><br />
Gab man bis vor Kurzem «Blanda Eggenschwiler» bei Google ein, flatterte einem Aussichtsvolles entgegen: aufstrebende Künstlerin, Schweizer Grafikerin bei der «New York Times», Zürcher Designerin kollaboriert mit kalifornischem Kult-Label. Seit sie aber mit US-Superstar Joe Jonas von der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Jonas_Brothers" target="_blank">Pop-Band «Jonas Brothers»</a> liiert ist, spuckt die Suchmaschine böse Gerüchte in die Welt hinaus.</p>
<p><strong>MEDIENWOCHE: Vor ein paar Tagen verbreitete der amerikanische TV-Sender «E! News», dass Du heroinsüchtig seist. Dann stand es im «Blick». Was geht Dir durch den Kopf?</strong><br />
Blanda Eggenschwiler: Ich möchte klarstellen, dass dieses Gerücht, wie bereits zahlreiche unwahre Vorgänger, von Klatsch-Webseiten in die Welt gesetzt wurde. Auf dieser Seite kann jeder anonym und willkürlich Gerüchte verbreiten – sozusagen das Social-Media-Äquivalent zum Dorfklatsch. Dagegen kann man sich kaum wehren. Eigenartig wird es allerdings erst, wenn vermeintlich ernstzunehmende Medientitel solche Gerüchte aufgreifen und sie als Wahrheiten verkaufen, ohne die Quelle zu überprüfen. Ich finde es enttäuschend, dass ich mit Gerüchten konfrontiert werde, die nicht weiter von mir entfernt sein könnten.</p>
<p><strong>Im Frühling kursierten Gerüchte um ein vermeintliches Sex-Video. Schweizer Gratis- und Boulevardmedien griffen es auf und zitierten einen falschen Twitter-Account von Dir. Wie ist das passiert?</strong><br />
Das frage ich mich auch. Ich finde es peinlich, dass ein Mensch, der sich Journalist nennt, sich nicht zwei Minuten Zeit nimmt für die Recherche. Stattdessen wird ein falsches Zitat abgedruckt, weil er sich im Twitter-Account geirrt hat. Es ist relativ rasch klar, welcher Account von mir ist und welcher nicht.</p>
<p><strong>Hat sich Deine Meinung über Journalisten und die Medien verändert? </strong><br />
Grundlegend. Ich bin viel kritischer geworden, denn ich weiss nun selber, wie einem das Wort im Munde verdreht wird. Das, was ich sage und das, was dann in der Zeitung steht, kann meilenweit voneinander entfernt sein.</p>
<p>1985 auf einem Futon in Zürich geboren, wuchs Blanda Eggenschwiler als Tochter von «tollen Hippie-Eltern» auf, die sie von klein auf ernst nahmen und stets unterstützten. Ihr Vater war Zeichenlehrer und spielte mit ihr ein Spiel: Sag mir ein Wort und ich zeichne es für dich. «Ich sagte immer Hund», erinnert sich die 28-Jährige. Irgendwann wurden die Rollen getauscht, früh wusste Blanda Eggenschwiler, dass sie in der Kreativwirtschaft Fuss fassen wollte. Nach dem Kunstgymnasium Liceo Artistico in Zürich studierte sie an der School of Visual Arts in New York Grafikdesign und Illustration, arbeitete danach als Art Director bei der «New York Times» und als Grafikerin in einer Branding Agentur. Heute ist sie selbstständig, illustriert für Magazine, entwirft für Labels Schmuck und Accessoires, konzipiert für Clubs und Restaurants Plakate und Broschüren. Im Juni dieses Jahres nahm sie erstmals an der Volvo Art Session im Zürcher Hauptbahnhof teil.</p>
<p><strong>Du erlebst die Medien einerseits als Grafikkünstlerin und andererseits als Freundin eines Pop-Stars. Wie unterscheidet<br />
sich das?</strong><br />
Ich habe gemerkt, dass es zwei verschiedene Herangehensweisen für Geschichten gibt. Ich habe schon extrem positive Interviews erlebt, in denen ich mich und meine Arbeit als Künstlerin wiedererkannt habe und mich verstanden fühlte. Mir wurde mit Interesse begegnet. Schwierig wird es, wenn ein Medienschaffender mit einer vorgefertigten Schlagzeile auf mich zukommt und so alles, was ich sage, dreht, damit es passt. Da kann ich sagen, was ich will, es besteht kein Interesse mir eine Stimme zu geben, sondern lediglich, Klatsch zu verkaufen.</p>
<p><strong>Wie wirkt sich diese Medienpräsenz auf Deine Karriere aus?</strong><br />
Es hat seine Vor- und Nachteile. Einerseits erreicht meine Arbeit so ein grösseres Publikum, aber gleichzeitig ist der ganze Klatsch rufschädigend. Vor einem halben Jahr wurde mir beinahe eine Kollaboration abgesagt wegen des Gerüchts um das vermeintliche Sex-Video. Die Firma sagte mir, sie wolle nicht mit so etwas assoziiert werden. Ich habe ihnen erklärt, dass nichts daran wahr sei und dass ich ja auch nicht mit so etwas assoziiert werden möchte. Die Kollaboration fand zum Glück trotzdem erfolgreich statt.</p>
<p>Vor zehn Jahren war Blanda Eggenschwiler ein gefragtes Model, neben dem Gymnasium warb sie für Kleider, Unterwäsche und Shampoo. Nach Abschluss der Matura zog sie für ein paar Monate nach Paris und erkannte rasch, dass die Welt der Models ihr nicht behagte. Trotzdem, posieren kann sie noch immer, auf Instagram <a href="http://instagram.com/blahblahblanda" target="_blank">folgen ihr über 42&#8217;000 Leute</a>, jedes Bild hat mehrere Kommentare, schmeichelnde und verletzende.</p>
<p><strong>Wie gehst Du mit den Kommentaren zu Deinen Bildern um? Einige loben dich, andere nennen Dich «hässlich» und «Opportunistin».</strong><br />
Zu sagen, dass die Anschuldigungen und negativen Kommentare nicht wehtun, wäre eine Lüge. Aber ich bin mir auch völlig bewusst, dass diese Sachen von Leuten kommen, die mich nicht kennen. Ich reagiere nicht darauf. Diese Kommentare sagen mehr über die Leute aus, die sie posten, als über mich und sind somit irrelevant.</p>
<p><strong>Selten beziehst Du Stellung. Wann erachtest Du es als notwendig?</strong><br />
Was mich viel mehr trifft, als die hasserfüllten Attacken, sind junge Frauen, die mir schreiben, dass sie sich hässlich fühlen, wenn sie ein Foto von mir sehen. Ich kenne das Gefühl von Unsicherheit, wie übrigens jede Frau in unserer Gesellschaft. Deshalb versuche ich, diese jungen Frauen in ihrem Selbstwertgefühl zu stärken, in dem ich ihnen schreibe, dass etwa eine Werbekampagne Make-up, Styling und PhotoShop beinhaltet, oder dass Schönheit von einer riesigen Portion Charakter zeugt und nicht nur auf äusserliche Erscheinung basiert. Klingt wie Klischees, aber im Grunde sind sie wahr.</p>
<p><strong>Nicht nur Fans, sondern auch Paparazzi folgen Dir. Wie fühlt sich das an?</strong><br />
Es ist etwas extrem Unangenehmes. Du weißt, dass du keine Reaktion zeigen darfst, weil dass dann auf den Bildern zu sehen ist und im selben Moment fühlst du dich derart exponiert und in deiner Intimsphäre belästigt, dass es schwerfällt, ein Poker-Face aufzusetzen. Oftmals siehst du die Paparazzi nicht, wenn du sie dann entdeckst, haben sie dich schon länger verfolgt. Die können in einem Laden stehen, im Kofferraum eines Autos sitzen oder drei Strassen weiter unten stehen. Paparazzi sind die einzigen Fotografen in der Welt, die wollen, dass du schlecht aussiehst. Ich habe inzwischen gelernt, auf den Boden zu schauen und weiter zu laufen.</p>
<p><strong>Verhältst Du dich in der Öffentlichkeit wegen den Paparazzi anders als früher?</strong><br />
Nein. Ich weigere mich, mein Leben derart beeinflussen zu lassen.</p>
<p><strong>Was ziehst Du aus dieser ganzen Erfahrung?</strong><br />
Es geht nur um Klatsch. Ich glaube, dass Leute, die diese Gerüchte verbreiten, nicht verstehen und sich nicht bewusst sind, dass es hier um Menschen geht. Ich bin viel kritischer geworden und ich glaube nur noch Sachen, die ich direkt von Leuten höre, ich glaube nichts mehr, was ich in der Klatschpresse lese.</p>
<p>Nach der letzten Frage klingelt Blanda Eggenschwilers Telefon, es ist ihre Managerin aus der Schweiz, Lea Rindlisbacher, die sich auch um Melanie Winigers Medienarbeit kümmert. «Okay, mache ich», sagt Blanda Eggenschwiler und notiert zügig etwas auf der Rückseite einer Quittung. Eine Schweizer Boulevardzeitung hatte ihr einige Stunden zuvor Fragen geschickt, worauf sie geantwortet hatte. Es ging um das Heroingerücht. Die<br />
Journalistin hat daraufhin mehrere Antworten aus ihrem ursprünglichen Kontext gelöst und neu eingebettet, zum zweiten Mal an diesem Tag. Blanda Eggenschwiler schüttelt lachend den Kopf und sagt: «Kann mir das bitte jemand erklären?»</p>
<p><small>Bild: Chantal Adair</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/10/24/oft-siehst-du-die-paparazzi-gar-nicht/">«Oft siehst du die Paparazzi gar nicht»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>«Die Angst, sich lächerlich zu machen, verhindert extrem viele gute Sachen»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2013/06/04/die-angst-sich-laecherlich-zu-machen-verhindert-extrem-viele-gute-sachen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 04 Jun 2013 06:21:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Sascha Lobo]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wer glaubt, Sascha Lobo sei vor allem eine Frisur, täuscht sich. Mit seinen eloquent-witzigen Formulierungen unterhält der 38-jährige Berliner Vortragsredner, Kolumnist und Unternehmer bestens, er transportiert darin aber auch echte und wertvolle Gedankenanstösse zum Medienwandel. Im Gespräch mit der MEDIENWOCHE redet er über seine Mitverantwortung an Begriffen wie «Digitale Bohème» und «Shitstorm» und erklärt, ob <a href="https://medienwoche.ch/2013/06/04/die-angst-sich-laecherlich-zu-machen-verhindert-extrem-viele-gute-sachen/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/06/04/die-angst-sich-laecherlich-zu-machen-verhindert-extrem-viele-gute-sachen/">«Die Angst, sich lächerlich zu machen, verhindert extrem viele gute Sachen»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wer glaubt, Sascha Lobo sei vor allem eine Frisur, täuscht sich. Mit seinen eloquent-witzigen Formulierungen unterhält der 38-jährige Berliner Vortragsredner, Kolumnist und Unternehmer bestens, er transportiert darin aber auch echte und wertvolle Gedankenanstösse zum Medienwandel. Im Gespräch mit der MEDIENWOCHE redet er über seine Mitverantwortung an Begriffen wie «Digitale Bohème» und «Shitstorm» und erklärt, ob er ein Nerd oder ein Yuppie ist und warum er noch nie Drogen konsumiert hat.</strong></p>
<p><em><a href="https://www.facebook.com/MeinHausAmSee">«Mein Haus am See»</a> am Rosenthaler Platz in Berlin Mitte ist eine Sammlung bequemer Polstermöbel mit ein paar Tischchen und einer Kaffeetheke, nonstop geöffnet und natürlich mit kostenlosem Internet-Zugang. Wer also spontan ein Projektmeeting einberufen muss oder einen geheizten Ort mit Kaffee braucht, um eine Arbeit zu Ende zu schreiben, kann das auch an einem Dienstagmorgen um 3 Uhr nachts tun. Wir treffen uns um 10.30 Uhr, Lobo kommt ganz in schwarz gekleidet und auf die Minute pünktlich, bestellt einen Latte Macchiato mit Sojamilch. Es ist ein Interviewtag für ihn, vor und nach dem Gespräch hat er Termine mit anderen Journalisten.</em></p>
<p><strong>Im 2006 erschienenen Buch <a href="http://wirnennenesarbeit.de/">«Wir nennen es Arbeit»</a> hast Du (zusammen mit Holm Friebe) einen grundlegenden Wandel in der Arbeitswelt vorhergesehen. Heute sind die Berliner Cafés und Co-Working-Arbeitsplätze voll mit Menschen, die alleine an Laptops sitzen und an «Projekten» arbeiten. Was von Deinen damaligen Erwartungen ist eingetroffen und was nicht? </strong><br />
Wir haben 2005, als wir dieses Buch zu schreiben begonnen haben, vieles nicht gewusst, sondern nur gespürt oder erahnt. Bewahrheitet hat sich die Veränderung und Flexibilisierung der Arbeitswelt für die meisten Kulturberufe. Die Mechanismen der Digitalen Bohème sind bis in Konzerne hineingesickert, die Möglichkeit, digital vernetzt und also von überall her zu arbeiten, hat die Arbeit grundlegend verändert. Noch nicht so gut geklappt hat es, diese Mischform der Arbeit auf eine eigene, erfolgreiche Ebene zu bringen. Viele hängen in prekären Verhältnissen, haben wenig Lobbyunterstützung. Finanziell und absicherungstechnisch steht die Digitale Bohème schwierig bis fragwürdig da.</p>
<p><strong>Wie geht es nun weiter?</strong><br />
Kurzfristig werden weiterhin viele die Selbständigkeit wagen. Trotz der Sicherheitsbedürfnisse auslösenden Krise gibt es immer noch ein Wachstum der Selbständigkeit in Kulturberufen, wenn auch nicht immer freiwillig. Langfristig muss man die Sozialsysteme umbauen. Die Frage zum Beispiel, wer wessen Rente warum und wann zahlt, muss ganz neu gestellt werden.</p>
<p><strong>Aktuell gibt es ja eine Zweiklassengesellschaft in den Sozialsystemen. Einerseits jene, die über alte Verträge verfügen, andererseits jene, die neu hinzukommen und nur Zeitarbeitsverträge erhalten.</strong><br />
Die Frage «Was bringt mir Arbeit?» wird in Deutschland extrem zugunsten von Angestellten und Langzeitangestellten ausgelegt. Doch Unternehmen und Sozialsysteme müssen sich auf die projekthafte Arbeit der Digitalen Bohème einstellen, die sich immer stärker ausbreitet. Der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Eckrentner#Eckrentner">«Eckrentner»</a>, der Standardrentner, der 45 Jahre gleichbleibend in Sozialsysteme einzahlt, existiert so gar nicht mehr.</p>
<p><strong>Von all Deinen <a href="http://saschalobo.com/ich/">Tätigkeiten</a> ist Dir das Dasein als Autor am Wichtigsten. Was ist Dein Antrieb, zu schreiben?</strong><br />
Ich betrachte das Publizieren als eine Mischung aus Wirtschaft und Kunst. Ich lebe davon, dass ich mich auf eine Bühne stelle, etwas in die Welt setze und eine Reaktion vom Publikum bekomme. Das ist Teil meines Wesens und meiner Berufung. Im Schriftlichen fühle ich mich zuhause, visuell gestaltend, schauspielerisch und musikalisch bin ich nur mittel begabt.</p>
<p><strong>In Deinem Roman <a href="http://www.begleitschreiben.net/sascha-lobo-strohfeuer/">«Strohfeuer»</a> ist zu lesen: «Mit meiner Wirkung im Raum beschäftigte ich mich oft, eigentlich immer. In meinem Hinterkopf berechnete ein kleines Programm ständig, wie ich in dieser Sekunde auf einen Beobachter oder eine Kamera wirken würde. Die Kontrolle über meine Wirkung war ein wesentlicher Teil meiner Kommunikation und damit meines beruflichen Erfolges.» Was hat diese Passage mit Dir zu tun?</strong><br />
«Strohfeuer» ist etwa drittelbiografisch und beschäftigt sich mit einer Zeit, die mich sehr geprägt hat, der New Economy. Was ich da an mir selber gemerkt habe, ist eine grosse Hybris, und wie leicht man auf die eigene Hybris reinfallen kann. Also zu glauben, die Dinge seien eigentlich ganz einfach und beherrschbar, «ist doch ein Kinderspiel, das krieg ich auch hin, zack, bumm, fertig». Diese Art von Selbstüberschätzung, Grössenwahn, teilweise auch Narzissmus tragen viele Leute in sich, und ich glaube, es ist sinnvoll, sich damit zu beschäftigen. Der Unterschied zu mir ist, dass die Figur im Buch eine Läuterung nur vortäuscht, während ich glaube und hoffe, eine tatsächliche Lernfähigkeit zu haben.</p>
<p><strong>Weiter heisst es: «Mein Leben, mein Selbstwertgefühl basierten darauf, Menschen von mir zu überzeugen. Im Beruf überzeugte ich Leute, mir Geld zu geben. Im echten Leben überzeugte ich Frauen, mit mir ins Bett zu gehen.»</strong><br />
Wenn man mit Anfang 20 postadoleszent ist und anfängt, die Klaviatur der Gesellschaft zu spielen und gewisse Zusammenhänge zu verstehen, gerät man leicht in das sehr problematische Fahrwasser, die Gesellschaft rein ökonomisch zu betrachten. Dass das Leben aus Marketing besteht, wie die Figur in «Strohfeuer» glaubt, ist in meinen Augen ein klassischer Trugschluss, eine Styroporweisheit.</p>
<p><strong>Auf Deiner Website sind «Instant-Interviews» verfügbar zu <a href="http://saschalobo.com/presse/instant-interview-saschalobo/">Deiner Person</a> und zu <a href="http://saschalobo.com/presse/instant-interview-dinge-geregelt-kriegen-ohne-einen-funken-selbstdisziplin/">einem Buch von Dir</a>. Du schreibst dazu: «nur noch eigene Fragen dazugiessen – und fertig!».</strong><br />
Ich habe die Instant-Interviews 2009 eingeführt, in der bisher weitaus medienintensivsten Zeit mit 5 bis 8 Interviews in der Woche. Das war mir irgendwann zu viel, weshalb ich versucht habe, mich auf substanziellere Dinge zu konzentrieren, als darauf, jede Medienanfrage zu beantworten. Im Rahmen dieser Abkehr habe ich den Ersatz der Instant-Interviews geschaffen, als Mischung aus Scherz und tatsächlicher Umgangsweise. Interessanterweise hat erst Ende 2012 ein Medium das so verwendet, wie ich mir das vorgestellt habe.</p>
<p><strong>Was kritisierst Du am Journalismus?</strong><br />
Journalisten werden ja nicht zu wenig kritisiert, Journalisten werden nicht gut genug kritisiert. Um es am Beispiel des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Leistungsschutzrecht_f%C3%BCr_Presseverleger">Leistungsschutzrechts</a> festmachen: Grosse Teile des Journalismus haben lautstark für dieses Gesetz gekämpft, zum Teil mit nachweisbaren, faktischen Lügen. Dabei haben sie so getan, als wären sie unabhängige Berichterstatter, tatsächlich haben sie Lobbyismus in eigener Sache betrieben. Die Politik hat aus Angst vor der Axel-Springer-Maschinerie klein bei gegeben und am Ende ein vermurkstes, völlig sinnloses Gesetz erlassen, das die Probleme des Journalismus nicht lösen wird. Das war eine Niederlage des Journalismus und ein Verrat am Journalismus.</p>
<p><strong>Wie lange brauchst Du für eine Deiner wöchentlichen <a href="http://www.spiegel.de/thema/spon_lobo/">Kolumnen für «Spiegel Online»</a>?</strong><br />
Einen Tag und mehr, ich reserviere mir dafür jeweils den Montag. Mein Anspruch ist es, Kolumnen mit einem Erkenntnismehrwert zu schreiben, und das dauert.</p>
<p><strong>Deine Ehefrau <a href="http://www.fraumeike.de/2013/sie-nutzen-einen-werbeblocker-my-ass/">schreibt</a>: «Werbung ist in 100% der Fälle Lüge. Werbung ist in 100% der Fälle Manipulation. Werbung degradiert Menschen in 100% der Fälle zu Geldvieh. Werbung vermittelt in 100% der Fälle falsche Bilder, Werte und Erwartungen.» Du bist bekannt als Werber, machst Du eigentlich noch Werbung?</strong><br />
Nein, nicht mehr hauptberuflich, ich habe mich etwas davon entfernt, ohne dass ich diese Zeit bereue. Meine Frau hasst Werbung wie die ranzige Pest, aber das hält unsere Ehe aus. Während sie Werbung einfach nicht erträgt, finde ich diesen Deal ok: Ich schau eure Werbung an und ihr gebt mir dafür eure Inhalte kostenlos, ich nutze darum auch keinen Werbeblocker. Ich glaube aber, dass es Angebote braucht für Leute, die diesen Deal nicht ok finden.</p>
<p><strong>Wird sich Journalismus im Internet jemals auf eine zufrieden stellende Weise durch Werbung finanzieren können?</strong><br />
Klar, im angelsächsischen Raum finanzieren sich verschiedene Medienunternehmen über Werbung. Dass es auch bei uns funktionieren kann, sieht man an «Spiegel Online». Ich glaube aber, dass ergänzend in Zukunft Paid Content eine wichtige Rolle spielt, hier muss sich nur noch die richtige Verfahrensweise finden.</p>
<p><strong>Warum sollen Journalisten bloggen, wenn sie damit konkret kein Geld verdienen?</strong><br />
Die Frage ist eine Katastrophe, denn die tut so, als müssten Journalisten nur das machen, was unmittelbar Geld bringt. Das ist eine oberflächliche Ökonomisierung der Denkweise. Ich glaube, dass man bloggen sollte, um sich einem Thema zu nähern und um sich selbst zu positionieren. Das ist eine thematische Investition und eine wirtschaftliche Investition über Bande. Der direkte Austausch mit dem Publikum führt zwar zu 90 Prozent in die Sackgasse, aber für die restlichen 10 Prozent lohnt er sich – diese Interaktion bereichert den Journalismus stark. Mit einem gut geführten Blog kann man sich aber nicht nur inhaltlich fortbilden, sondern auch selbst im Markt positionieren und damit die eigenen Jobchancen erhöhen.<br />
Jeder Journalist sollte bloggen, es ist fahrlässig, es nicht zu tun. Weil man sich mit einem Publikum und einem Fachgebiet auseinandersetzt, lernt man viel mehr, als man am Anfang glaubt.</p>
<p><strong>Warum haben Journalisten so grosse Mühe damit, eigene Fehler einzugestehen?</strong><br />
Alle Menschen haben grosse Mühe, eigene Fehler einzugestehen. Es wird bloss sehr viel schwieriger, wenn man auf der Bühne steht.</p>
<p><strong>«Machen &#8211; auch wenn es sich seltsam oder bekloppt anfühlt», hast Du den Leuten an der diesjährigen re:publica empfohlen. Aus eigener Erfahrung?</strong><br />
Definitiv aus eigener Erfahrung. Ich bin viel zu oft zurückgeschreckt vor eigentlich sinnvollen Aktivitäten und Aktionen, weil ich dachte: «Das ist jetzt zu doof, das ist jetzt zu bescheuert.» War es natürlich auch oft. Aber die Angst, sich lächerlich zu machen, verhindert extrem viele gute Sachen. Darum: Macht ein Blog über dreibeinige Hunde! Macht ein Fake-Twitter-Konto des Dalai Lama! Gründet einen Verein oder eine Partei! Das Machen gehört unterstützt, denn leider unterschätzen die meisten Menschen die Macht des Machens. Machen reisst andere Leute mit und führt dazu, dass man merkt, ob die bekloppte Idee nun wirklich bekloppt ist oder die gute Idee wirklich gut.</p>
<p><strong>Wie weit ist <a href="http://www.reclaim.fm">Reclaim.fm</a>?</strong><br />
Reclaim.fm soll noch diesen Sommer zu einem eigenen Plug-In für WordPress-Blogs werden. Es ist eine Methode, die eigenen Hinterlassenschaften in den verschiedenen Sozialen Netzwerken im eigenen WordPress-Blog zu spiegeln, zu speichern, durchsuchbar zu machen und auf diese Weise etwas Kontrolle über die Inhalte zurückgewinnen.</p>
<p><strong>Auf <a href="http://saschalobo.com/">Saschalobo.com</a> ist einsehbar, wo Du Dich jeweils gerade aufhältst bzw. aufzuhalten vorgibst. Ab wann wird Transparenz totalitär?</strong><br />
Der Unterschied, ob Transparenz für Privatpersonen totalitär wirkt oder nicht, liegt in der Freiwilligkeit. Messungen von Aktivitäten im Netz und viele andere Sensoren, die Bild, Ton und Bewegung aufzeichnen, machen die Gesellschaft immer datenintensiver und damit über Bande auch transparenter. Das Problem fängt dort an, wo diese Transparenz nach dem Gefühl des Einzelnen zu weit geht und ein Zwang besteht. Das würde ich aber nicht als Totalitarismus bezeichnen, sondern als Verhandlung der Frage, bis in welche Tiefe Technologie die Gesellschaft verändern darf. Transparenz des Staates ist übrigens das Gegenteil von Totalitarismus.</p>
<p><strong>Debatten werden in Deutschland oft von rituell wiederkehrenden Empörungswellen angespült. Muss das so sein?</strong><br />
Ich würde sagen Ja. Empörung ist ein wichtiger Hygienefaktor für die Öffentlichkeit, ein Mittel, um im Rechtsstaat Widerstand zu zeigen und so die Politik zu lenken. Nichts ist schlimmer als eine zynische Völlig-Egal-Gesellschaft.</p>
<p><strong>«Es führt kein Weg an massiven staatlichen Investitionen in eine netzneutrale Glasfaserinfrastruktur vorbei», <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/sascha-lobo-die-fuenf-luegen-der-breitband-schoenredner-a-897385.html">schriebst</a> Du kürzlich. Ist es eine kluge Idee, wenn der Staat Einfluss auf das Internet hat? Wer Geld gibt, will ja dann meistens auch was bestimmen.</strong><br />
Es ist eine leider notwendige Idee, dass der Staat Einfluss haben muss auf das Internet, zum Schutz des freien und offenen Internets. Es hat sich gezeigt, dass die Infrastruktur, in der das Netz funktioniert, sehr wohl etwas ist, wo Konzerne das Sagen haben &#8211; anders, als viele Aktivisten in den 1990er-Jahren dachten. Hätte der Staat keinen Einfluss, hätten wir ein Konzern-Internet, und das wäre eine Katastrophe.</p>
<p><strong>Du hast Dich <a href="http://www.mediummagazin.de/magazin-plus/umarmt-das-neue-2/">2009</a> als «Sympathisant» im Online-Beirat der SPD engagiert, um «Online-Wissen in die Partei hineinzutragen». Wie ist das herausgekommen?</strong><br />
Das ist durchaus auch mit Ernüchterung verbunden gewesen. Netzpolitik ist in Deutschland lange, lange Politik und ganz zum Schluss ein bisschen Internet. Es ist trotzdem inzwischen gelungen, Wissen in die Parteien zu tragen, allerdings nicht unbedingt mir persönlich. Das sieht man an einzelnen Personen und Entscheidungen eher als am grossen Ganzen der Netzpolitik.</p>
<p><strong>Du hast <a href="http://saschalobo.com/2009/09/27/ich-habe-spd-gewahlt/">2009 SPD gewählt</a>. Was wählst Du diesen Herbst?</strong><br />
Ich habe Rotgrün gewählt und werde wieder Rotgrün wählen. Ich wünsche mir eine rotgrüne Bundesregierung.</p>
<p><strong>Zahlst Du gerne Steuern?</strong><br />
Ich zahle einigermassen gerne Steuern, aber ich zahle auch unfassbar viele Steuern. Es braucht die staatliche Umverteilung, denn nur auf freiwilliger Basis funktioniert das nicht.</p>
<p><strong>Ich kann oft kaum glauben, wie staats- und obrigkeitsgläubig deutsche Journalisten und Blogger teilweise sind.</strong><br />
Der Glaube und die Hoffnung, der Staat möge es irgendwie richten, hat ja oft mit Sicherheitsdenken zu tun und verbindet die Schweiz und Deutschland. Wie ich gelesen habe, ist der durchschnittliche Schweizer der weltweit einzige Mensch, der mehr Versicherungen abschliesst als der durchschnittliche Deutsche. Das ist eine Frage der Lebensinfrastruktur und ihrer Erhaltung. Und in beiden Ländern gibt es ein Wissen um die hohe Relevanz der Infrastruktur. Die Schweiz hat zum Beispiel ihr durch die Berge eher benutzerunfreundliches Land äusserst benutzerfreundlich eingerichtet, es gibt dort Tunnels, Strassen, Zugstrecken, die rein wirtschaftlich keinen Sinn machen. Ich meine, es ist die Aufgabe des Staates, in ganz vielen Bereichen eine Art mit Infrastruktur verbundenes Gemeinwohl sicherzustellen, das allen nützt. Das halte ich nicht unbedingt für staatsgläubig.</p>
<p><strong>Seit der Frankfurter Buchmesse 2006 trägst Du Deine Haare als roter Haarkamm, eine <a href="https://www.ftd.de/panorama/leute/:blogger-ikone-sascha-lobo-und-ewig-lockt-der-iro/70103437.html">«strategische Entscheidung»</a>. Ist es nicht anstrengend, jeden Tag eine Marketing-Frisur zu tragen? Du bist ja nun seit bald 7 Jahren in jeder Runde der Hahn, der Gockel.</strong><br />
Damit habe ich überhaupt kein Problem, ich mag die Frisur ja gern. Aber angenommen, ich würde meine Frisur überhaupt nicht mehr ertragen, würde ich noch eine Nacht darüber schlafen, und sie dann abschneiden.</p>
<p><strong>Wie gehst Du um mit dem Promi-Status, der (unter anderem auch) Deiner Leuchtfrisur geschuldet ist?</strong><br />
Der ist zu 97 Prozent angenehm, man lernt viele Leute kennen, hat viele Möglichkeiten. Ich hadere nicht damit.</p>
<p><strong>«Lobo stammt aus Wilmersdorf, er wurde antiautoritär erzogen, hatte alle Freiheiten», stand mal einem <a href="http://www.morgenpost.de/berlin/article1147014/Im_Netz_mit_Sascha_Lobo.html">Porträt</a> über Dich. Bist Du ein Hippie-Kind?</strong><br />
Meine Mutter ist 1969 von Deutschland auf dem Landweg nach Indien getrampt und hat dort meinen Vater, einen Argentinier, kennengelernt. Ich habe also einen Migrationshintergrund. Meine beiden Eltern hatten in ihren Elternhäusern sehr autoritäre Situationen und haben mich deswegen sehr frei erzogen. Ich habe nie Verbote bekommen, sondern Erklärungen. Meine Mutter hat mir beispielsweise nie verboten, Drogen zu nehmen, das hat dazu geführt, dass ich nie in meinem Leben Drogen genommen habe. Zusammen mit einem muslimisch erzogenen Jungen war ich der einzige meiner Klasse, der nicht gekifft hat.</p>
<p><strong>Hast Du Geschwister?</strong><br />
Ja, einen vier Jahre jüngeren Bruder, den ich sehr liebe und mit dem ich eng befreundet bin. Er ist auch mein Wirtschaftsberater, denn mir fällt es leichter, Geld zu verdienen als es zu verwalten.</p>
<p><strong>In Prozentanteilen: Wie setzt sich Dein Medienkonsum zusammen?</strong><br />
50 Prozent Internet, 49 Prozent mobiles Internet, 1 Prozent Restmedien.</p>
<p><strong>Bist Du ein Nerd?</strong><br />
Ja und Nein, ich hänge zwischen den Welten. Und vermittle zwischen der digitalen und der nicht-digitalen Welt.</p>
<p><strong>Bist Du ein Yuppie?</strong><br />
Nimmt man Yuppie im Wortsinne als «Young Urban Professional», dann stimmt «Young» schon seit einigen Jahren nicht mehr, «Urban» absolut und «Professional» hab ich ja schon mit meinem ersten Buch «Wir nennen es Arbeit» zumindest ironisch gebrochen. So gesehen bin ich Drittel- bis Halbyuppie.</p>
<p><strong>Hast Du die erste Euro-Million bereits verdient?</strong><br />
Ich bin der schlechteste Sparer der westlichen Zivilisation, möchte aber zu meinen konkreten finanziellen Umständen nichts weiter sagen, ausser dass ich keine finanziellen Sorgen habe.</p>
<p><strong>Wie stehst Du zu Ironie?</strong><br />
Ironie ist für mich die Pest der westlichen Zivilisation im 3. Jahrtausend. Ich hasse Ironie und würde sie niemals anwenden.</p>
<p><strong>Wann bist Du zuletzt Bus gefahren?</strong><br />
2009 für den <a href="https://www.youtube.com/watch?v=y9odvf0Fh4o">Vodafone-Spot</a>. Wenn man nicht den Zubringer-Bus vom Terminal zum Flugzeug mitrechnet.</p>
<p><strong>Du lädst Dir grundsätzlich und immer alles legal herunter. Warum? Und wann kommst Du in Versuchung?</strong><br />
In Versuchung komme ich jeden Tag, weil der Zugang zu digitalen Kulturgütern noch immer katastrophal geregelt ist, dumm und kontraproduktiv für alle Seiten, auch wenn das die Urheberrechtslobby nicht wahrhaben will. Es gibt eine Serie von J.J. Abrams, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Revolution_%28Fernsehserie%29">«Revolution»</a>, die mich wahnsinnig interessiert und die ich mir sehr gerne ansehen würde. Mehr kann ich dazu leider nicht sagen, weil ich es nicht schaffe, mir diese Serie in Deutschland digital auf legale Weise zu besorgen. Währenddessen das illegale Angebot ja immer nur zwei Klicks weg ist. Ich nutze es aber nicht, und dafür muss ich mich jeden Tag neu entscheiden.</p>
<p><strong>Du hast den Weg geebnet für die breite Verwendung des furchtbaren Worts «Shitstorm». Kannst Du es bitte wieder zum Verschwinden bringen?</strong><br />
Meine Rolle bei der Verbreitung des Wortes «Shitstorm» ist nur eine Begleitende, ich hab das Wort weder erfunden, noch bin ich dafür hauptverantwortlich. Aber ich trage wahrscheinlich eine mediale <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/sascha-lobo-ueber-die-entstehung-des-begriffs-shitstorm-a-884199.html">Mitschuld</a> an der Verbreitung, ich habe mich dafür entschuldigt. Der «Shitstorm» als Begriff geht nun rauf und runter, irgendwann wird die hochfrequente Verwendung wieder etwas zurückgehen. Die Bedeutung des Begriffs ist heute sehr unscharf, man versteht darunter ganz verschiedene Dinge wie «berechtige Empörungswelle», «Kritikäusserung» oder «Beschimpfungsrandale in Netzwerken».</p>
<p><strong>«Ich bin Experte im Verlieren», hast Du <a href="http://www.mediummagazin.de/magazin-plus/umarmt-das-neue-2/">2009</a> gesagt.</strong><br />
Ich habe darüber schon mehrfach gesprochen, auch <a href="https://www.youtube.com/watch?v=cbRDDw50h-o">«über das Scheitern»</a>. In der Phase der New Economy durfte ich ein sehr intensives Scheitern auf mehreren Ebenen erfahren. Man muss Scheitern lernen, um die Angst davor zu verlieren. Wer zu viel Angst davor hat, zögert vor dem Machen, vor dem Experimentieren. Wiederum sollte man es sich nicht schönreden, denn Scheitern ist ganz grauenvoll! Ich habe in meinem Leben ungefähr 60 Menschen entlassen, was jedes Mal ein ganz schlimmes Scheitern war (bis auf die drei oder vier Ärsche, die ich gerne entlassen habe). Die Mehrzahl dieser Gespräche waren furchtbar für alle Beteiligten, ich musste auch meinen Bruder entlassen, meine damalige Freundin und schließlich mich selbst.</p>
<p><strong>Wie geht’s weiter?</strong><br />
Aktuell fliessen 85 Prozent meiner Zeit in ein von mir mitgegründetes Unternehmen namens <a href="http://sobooks.de">Sobooks</a>, das dieses Jahr starten wird. Sobooks ist kurz für Social Books und soll die nächste Generation der E-Books gestalten. Das E-Book, wie wir es heute kennen, ist nur das, was die Digitalisierung mit dem Buch getan hat. Doch was tut das Internet mit dem Buch, und da vor allem die Sozialen Medien? Diese Fragen versuchen wir mit Sobooks zu beantworten.</p>
<p><small>Das Gespräch mit Sascha Lobo fand am 23. Mai 2013 in Berlin statt.</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/06/04/die-angst-sich-laecherlich-zu-machen-verhindert-extrem-viele-gute-sachen/">«Die Angst, sich lächerlich zu machen, verhindert extrem viele gute Sachen»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>«Ich kritisiere die Journalisten, weil sie wichtig sind»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2013/04/15/ich-kritisiere-die-journalisten-weil-sie-wichtig-sind/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2013/04/15/ich-kritisiere-die-journalisten-weil-sie-wichtig-sind/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Apr 2013 11:52:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Christoph Blocher]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=13530</guid>

					<description><![CDATA[<p>Der Unternehmer und SVP-Politiker Christoph Blocher beschäftigt die hiesigen Medien seit Jahrzehnten. Im Interview mit der MEDIENWOCHE spricht er über die Hassliebe zu den Journalisten und erzählt, wie ihn einst Frank A. Meyer erfolglos vor den Ringier-Karren zu spannen versuchte. Zum Kauf der Basler Zeitung sagt er: «Ich habe zwar nie etwas Falsches gesagt, aber <a href="https://medienwoche.ch/2013/04/15/ich-kritisiere-die-journalisten-weil-sie-wichtig-sind/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/04/15/ich-kritisiere-die-journalisten-weil-sie-wichtig-sind/">«Ich kritisiere die Journalisten, weil sie wichtig sind»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Der Unternehmer und SVP-Politiker Christoph Blocher beschäftigt die hiesigen Medien seit Jahrzehnten. Im Interview mit der MEDIENWOCHE spricht er über die Hassliebe zu den Journalisten und erzählt, wie ihn einst Frank A. Meyer erfolglos vor den Ringier-Karren zu spannen versuchte. Zum Kauf der Basler Zeitung sagt er: «Ich habe zwar nie etwas Falsches gesagt, aber nicht immer alles offen gelegt.» Und schliesslich erklärt er, warum er den Internet-Boom für eine «vorübergehende Sache» hält.</strong></p>
<p><em>Man kann viel sagen über Christoph Blocher, aber nicht, dass er keine Haltung hätte. Seit er 1968 den rechtsliberalen «Studentenring» mitbegründet hat, eine Alternative zu den Studentenverbindungen der linken 68er, ist er, anders als so viele andere, seiner liberal-konservativen Linie treu geblieben. Seit über dreissig Jahren trotzt er modischen Strömungen und wiederholt unermüdlich seine Werte.<br />
Ich treffe den Industriellen und Politiker im Sitzungsraum seiner 2008 gegründeten Beratungsfirma Robinvest. Wir setzen uns an das Ende eines langen Sitzungstischs, an dem eine ganze Delegation aus China Platz fände. Eine grosse goldene Wanduhr tickt im Hintergrund und läutet ab und zu. Auf einem Nebentisch stehen gleich mehrere riesige Bergkristalle, Industriellengeschenke der 1980er-Jahre, montiert auf Sockeln mit Widmungsinschriften. An der Wand hängen Gemälde, aber nicht etwa wertvolle, er könne ja hier «keine teuren Bilder» aufhängen. Also bloss Gemälde von Giovanni Giacometti und Gottardo Segantini. Und ein kleiner Hodler.</em></p>
<p><strong>Sie sind ja ein Gegner des Lobens. Wie stehen Sie zu Kritik?</strong><br />
Pointierte Aussagen sind ja immer gegen eine Fehltendenz gerichtet: ich sage nicht, man solle niemanden loben. Aber ich kritisiere die Mode, jeden für alles zu loben, denn das wertet das Lob ab. Die Loberei, vor allem von sich selbst, ist zu einer grossen Mode geworden in der Politik. Viele Verwaltungsabteilungen sind zu regelrechten Propagandaabteilungen geworden. Sie wollen aktiv die Kommunikation beeinflussen, statt einfach nur zu orientieren, wie es ist.<br />
Lob muss in medizinalen Dosen verabreicht werden, denn es baut den Mensch mehr auf, wenn man ihm sagt, was noch nicht gut ist, was er verbessern kann. Die Hauptaufgabe der Medien ist es, mit der Politik kritisch umzugehen, und nicht, sie zu loben. Es muss herausgefunden werden, was für Hinter- und Nebenabsichten einer verfolgt.</p>
<p><strong>Sie sind seit Jahrzehnten harter Kritik ausgesetzt.</strong><br />
Dass man mich so kritisiert, ist ein Zeichen, dass man mich ernst nimmt &#8211; «die schlechtesten Früchte sind es nicht, woran die Wespen nagen» [ein <a href="https://de.wikiquote.org/wiki/Gottfried_August_B%C3%BCrger">Zitat</a> von Gottfried August Bürger]. Ich sagte mal bei einem Jubiläumsanlass der SVP Zürich: «Wir danken den Medien, dass sie uns zwanzig Jahre in die Pfanne gehauen haben.»</p>
<p><strong>Wer über so lange Zeit so hart kritisiert wird, hat aber vielleicht auch selbst etwas falsch gemacht.</strong><br />
Es hätte schon einen Weg gegeben, um nicht kritisiert zu werden: Nichts machen oder das Gleiche wie die anderen. Bei der Kritik an mir ist das Motiv das Fundamentale: Meine Kritiker wollen die Richtung nicht, für die ich stehe, und es stört sie, dass sie sich durchsetzt.</p>
<p><strong>Die Ablehnung geht aber doch schon über ihr Motiv hinaus, oft wird nicht das «was» kritisiert, sondern das «wie».</strong><br />
Wenn man mit dem Gegner in der Sache nicht klar kommt, dann kritisiert man den Stil. Kann ja sein, dass ich einen schlechten Stil habe. Aber lieber einer mit einem schlechten Stil, der das Gute bewirkt, als einer mit gutem Stil, aber nichts Gutes schafft. Und: Jede Funktion braucht ihren eigenen Stil! Man darf nicht vergessen, dass die SVP genötigt war, Oppositionspolitik zu betreiben. Wenn Sie in der Regierung sind, Macht, Geld, Zeitungen, Fernsehen auf ihrer Seite haben, dann können Sie sehr wohl einen guten Stil pflegen. Aber wenn Sie alleine in der Opposition sind und von den Medien keine Unterstützung haben, dann dürfen Sie keinen guten Stil haben, dann können sie nicht allzu freundlich sein, sonst gehen sie unter. Dann reicht es zum Beispiel nicht, die Ausschaffung krimineller Ausländer zu fordern, dann müssen Sie ein Plakat machen mit schwarzen und weissen Schafen [angesprochen ist das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sch%C3%A4fchenplakat">Schäfchenplakat</a>]. Das gibt dann eine Diskussion und einen Lärm um den Stil, aber die Problematik ist lanciert.</p>
<p><strong>Davon fühlen sich dann aber einige Menschen verletzt, die Ihnen in der Sache womöglich zustimmen würden.</strong><br />
Solchen Kritikern sage ich jeweils: Dann gehen Sie voran mit einem guten Stil. Ich möchte grundsätzlich niemanden persönlich verletzen, auch wenn das hin und wieder mal vorkommt. Wenn eine ganze Gruppe kommt und sich in ihren Gefühlen verletzt fühlt, kann ich das nicht nachvollziehen. Das muss man ertragen.</p>
<p><strong>Ich kann mir gut vorstellen, dass Ausländer in der Schweiz schlechte Gefühle bekommen haben im Wahlkampf der letzten Parlamentswahlen.</strong><br />
Sie sprechen das <a href="http://www.masseneinwanderung.ch/downloads/index.html">Plakat zur Masseneinwanderungsinitiative</a> an. Natürlich ist das etwas brüskierend. Wir wollen, dass nicht so viele in die Schweiz kommen, und wir können das ja nicht darstellen, ohne die Sache beim Namen zu nennen. Ursprünglich ist die SVP eine Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei &#8211; wir sind sicher nicht dagegen, dass Ausländer in der Schweiz arbeiten. Aber wir sind gegen kriminelle Einwanderer und gegen solche, die unseren Sozialstaat ausnützen wollen.</p>
<p><strong>Als Unternehmer im zweiten Glied, elder statesman, einer von zweihundert Nationalräten und einer von sieben SVP-Vizepräsidenten haben Sie doch gar nicht mehr die Relevanz, um dauernd in den Medien zu vorzukommen.</strong><br />
Eben, das finde ich auch.</p>
<p><strong>Warum berichten Medien trotzdem dauernd über Sie? </strong><br />
Das müssen Sie die fragen. Ich bin einer der wenigen echten Unternehmer im Parlament, das gibt mir eine beängstigende Unabhängigkeit. Ich kann alles sagen. Ohne fürchten zu müssen, dass ich entlassen werde oder dass jemand bei meinem Arbeitgeber interveniert.</p>
<p><strong>Journalisten sind schlecht angezogen, faul, ideologisch und arbeiten ungenau. So die Vorurteile. Wie ist die Wirklichkeit?</strong><br />
Mir ist es egal, wie Journalisten angezogen sind. Auch wenn ich nicht ganz einsehe, dass bei Veranstaltungen, an denen alle in Anzug und Krawatte daherkommen, nur der Fotograf und der Journalist so aussehen, als hätten sie grade den Schweinestall ausgemistet. Für die meisten Journalisten verbindet sich mit mir eine Art Hassliebe. Einerseits haben wir Konflikte, weil ich eine politische Meinung vertrete, die sie nicht gutheissen, denn die meisten Journalisten sind nun mal links. Andererseits suchen die Journalisten auch jemanden, der etwas sagt, wenn er redet.<br />
Ich habe eine grosse Achtung vor dem Beruf des Journalisten, es ist ein sehr wichtiger und schwieriger Beruf. Es ist anspruchsvoll, jeden Tag eine Zeitung zu füllen, kurz und prägnant über Themen zu schreiben, über die man nicht immer Bescheid weiss &#8211; selbst könnte ich wohl kein Journalist sein. Ich kritisiere Journalisten so stark, weil Medien wichtig sind, sie orientieren die Menschen, wie es in der Welt aussieht. Ich kritisiere nur Leute, die eine wichtige Funktion haben.<br />
Doch mir fällt auf, dass viele Journalisten diesen Beruf nicht ernst nehmen, voneinander abschreiben oder Seiten auffüllen. Es gibt wenige ganz gute Journalisten, sicher weniger als früher. Für mich ein Meisterjournalist ist <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Urs_Paul_Engeler">Urs Paul Engeler</a> von der Weltwoche &#8211; der recherchiert doch wie eine Wühlmaus und bringt immer wieder tiefere Wahrheiten zum Vorschein. So sollten Journalisten sein, doch ich fürchte, so werden sie an den Journalistenschulen und an den Universitäten nicht ausgebildet.<br />
Verleger machen den Fehler, dass sie bei Massnahmen zur Kostensenkung auch beim Redaktionsbudget sparen, aber so kriegen sie die guten Leute auf dem Markt nicht, denn gute Leute kosten halt mehr. Bei den Zeitungen muss man überall sparen: Bei den Raumkosten, den Verteilkosten, den Papierkosten. Aber an einem Ort darf nicht gespart werden: Bei der Qualität der Journalisten.</p>
<p><strong>In Zeitungskarikaturen wurden Sie oft etwas dümmlich mit riesiger Unterlippe dargestellt &#8211; hat Sie sowas je verletzt?</strong><br />
Nein, das ist mein Markenzeichen! Wenn ich den Spiegel schaue, habe ich allerdings noch nie gemerkt, dass ich eine derart grosse Unterlippe habe.</p>
<p><strong>Sie haben einen Doktortitel, Sie sammeln Hodler und Anker, lesen gerne Karl Barth und hören am liebsten Mozart. In den Medien werden Sie aber nicht etwa als Intellektueller dargestellt, sondern als dumpfer Rechtspopulist. Sind Sie ein Rechtspopulist?</strong><br />
Ein Populist ist einer, der den Leuten nach dem Maul redet. Ich bin das Gegenteil eines Populisten, denn ich rede nicht den Leuten nach dem Maul, sondern ich versuche, das Volk von einer Haltung zu überzeugen, von der ich glaube, dass sie gut ist für Land und Volk. Richtig hingegen ist, dass ich rechts stehe und den Sozialismus für ein grosses Verderbnis halte: Ich bin nicht für mehr Staat, sondern für mehr Bürger, nicht für mehr Bürokratie, sondern für mehr Freiheit.</p>
<p><strong>Sie misstrauen dem Staat so sehr, dass Sie sogar Ihr Stipendium zurückbezahlt haben.</strong><br />
Als Werksstudent erhielt ich ein Stipendium von gesamthaft 50&#8217;000 Franken. Sobald ich über diese Summe verfügte, ging ich zur Zürcher Regierung und sagte: «Ich möchte dieses Geld mit Zins und Zinseszins zurückzahlen.» Diese Möglichkeit war gar nicht vorgesehen, denn offenbar kam noch keiner vorher auf die Idee, ein Stipendium zurückzuzahlen. Es musste ein neues Konto eingerichtet werden. Ebenso lehne ich es heute ab, die jährliche Pension von 220&#8217;000 Franken zu beziehen, die mir als ehemaliger Bundesrat zustünde. Ich bin so ein freier Mann, der dem Staat nichts schuldet.</p>
<p><strong>Nächstens sprechen Sie auf einer <a href="http://www.fondationbeyeler.ch/sites/default/files/fondation_beyeler/downloads/mm/2013/mm_ferdinand_hodler_und_das_image_der_schweiz_d.pdf">Podiumsdiskussion über Ferdinand Hodler</a>, und seit einigen Jahren bringen sie jeweils am 2. Januar dem Volk Schweizer Kultur nahe. <a href="http://www.blocher.ch/artikel/wuerdigung-grosser-toggenburger-persoenlichkeiten/aec5e1067a5d68b9d87c75573d224d80.html">Dieses Jahr sprachen Sie</a> in Wattwil/SG über Huldrych Zwingli, Ulrich Bräker und Babeli Giezendanner. Eine Art volkstümliches Feuilleton?</strong><br />
Mich kennt man vor allem als Politiker. Doch Politik ist keine isolierte Sache, sondern verkörpert eine Gesamtheit. Sie hat einen Hintergrund, ein Fundament, und da gehört auch die Kultur dazu. Mit diesen Würdigungen wichtiger Persönlichkeiten versuche ich, solche Fragen etwas zu beleuchten. Nach Basel zur Hodler-Diskussion fahre ich mit etwas Bauchweh. Ich weiss nicht recht, ob ich meinen Gesprächspartnern gewachsen bin, ich bin ja schliesslich kein Kunsthistoriker.</p>
<p><strong>Lesen Sie selbst den Kulturteil der Zeitung?</strong><br />
Ich lese viele Bücher. Und ich lese auch den Feuilleton-Teil, wenn ich ihn denn verstehe, einige drücken sich ja sehr blasiert aus. Wenn ich Ruhe habe, widme ich mich der Kultur.</p>
<p><strong>Als junger Parlamentarier trafen Sie zusammen mit Ringier-Mann <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Frank_A._Meyer">Frank A. Meyer</a>. Wie war das?</strong><br />
Es war vor über 30 Jahren. Als ich eine Weile im Nationalrat war, wurde ich von Frank A. Meyer zum Essen eingeladen. So wie ich mich erinnere, sagte er mir: «Herr Blocher, Sie sind die Entdeckung am Sternenhimmel!» Er machte mir eine Reihe von Vorschlägen, wie ich mich politisch verhalten könnte, und ich fragte mich, wohin er will. Am Schluss des Gesprächs bot er mir eine enge Begleitung durch den Ringier-Verlag an, von guten Artikeln im «Blick» war die Rede, sogar von Reden, die für mich geschrieben werden könnten. Da platze mir der Kragen, ich frage: «Herr Meyer, für wen halten Sie mich?», und verliess das Essen auf der Stelle. So kam es zum Bruch zwischen uns. Bei Adolf Ogi sah ich dann, wie so ein Deal funktioniert.</p>
<p><strong>Die Staatsanwaltschaft hat vor einem Jahr Ihren Computer <a href="http://www.nzz.ch/aktuell/schweiz/blocher-unterliegt-am-zuercher-obergericht-1.18053464">beschlagnahmt</a>.</strong><br />
Beschlagnahmt wurde der Computer des Sekretariats. Ich kann keinen Computer bedienen, ich kann nicht mal einen Taschenrechner bedienen, ich mache das alles im Kopf. Allerdings war ich der erste Politiker in der Schweiz, der eine Website hatte, doch anschauen kann ich sie mir nicht, da ich keinen Internetzugang habe. Und einen Fernseher hatte ich auch noch nie.</p>
<p><strong>Sie sagten der Südostschweiz am Sonntag am 25. November 2012: «Die Frage ist, ob die Leute auch in Zukunft noch Zeitungen lesen. Das hängt mit dem Internet zusammen, wobei ich glaube, dieser Internet-Boom sei eine vorübergehende Sache. Leute, die sich richtig informieren wollen, lesen Zeitungen.» Was für Anhaltspunkte haben Sie, dass «dieser Internet-Boom» eine «vorübergehende Sache» ist?</strong><br />
Die Euphorie beginnt abzuflauen. Viele Leute, die ich kenne, beginnen, sich zu disziplinieren und ihren Medienkonsum zu regulieren. Nicht wenige fangen wieder an, Zeitung zu lesen.<br />
Im Nationalrat sitze ich in der hintersten Reihe und sehe, was die anderen Parlamentarier so machen. Es hört niemand den Debatten zu und alle schauen auf ihre Bildschirme. Ununterbrochen laufen Informationen durch. Wenn ich die am Abend nach einem Detail frage, haben die keine Ahnung. Ich sehe darin nichts mehr als die Erfüllung eines Informationsreizes. Die neuste Mitteilung deckt jeweils die alte zu, am Ende bleibt nichts. Meinem Informationsbedürfnis kommen Zeitungen viel besser entgegen.</p>
<p><strong>Mit «Tele Blocher» [<a href="https://medienwoche.ch/2011/06/23/morgeli-sunneli-herrliberg/">siehe dazu unseren Artikel</a>] sind Sie selbst im Internet präsent. Für Sie eine perfekte Lösung: Jede Woche kommt ein Journalist dahin, wo Sie sind &#8211; selbst tragen Sie weder Kosten noch Verantwortung.</strong><br />
Es ist ein einfaches Medium: Ein Kameramann und ein Journalist besuchen mich jeweils am Freitag um 7 Uhr morgens, ich muss mir nur zwei Stunden Zeit nehmen. Die Verantwortung liegt bei Verleger Norbert Neininger, der schwärmt vom historischen Wert der Sendung, aber das müssen dann mal andere beurteilen. Ich habe mir lediglich den Namen «Tele Blocher» gesichert, um gegen mögliche Missbräuche vorgehen zu können.</p>
<p><strong>Kommen wir zur Basler Zeitung: Wie haben sich denn nun die Verkaufsverhandlungen abgespielt?</strong><br />
Jemand sollte diese Zeitung in die Hände nehmen, fand ich, damit sich die Medienkonzentration in der Schweiz nicht weiter zuspitzt. Die ersten neuen Besitzer waren bekanntlich Tettamanti und Wagner. Da kam es zum Bruch. Später übernahm Moritz Suter, doch beides funktionierte nicht. Beim erneuten Verkauf stellte Moritz Suter die Bedingung, dass er nur an mich oder meine Familie verkaufen wolle, weil er die Kaufinteressenten von der Medienvielfalt Holding nicht kenne. Also kaufte sie meine Tochter [Rahel Blocher], und verkaufte sie eine Woche später der Medienvielfalt Holding weiter, deren Hauptaktionär Tito Tettamanti ist. Weil Tettamanti die Basler Zeitung Medien – ein kleiner, stark diversifizierter Konzern – nicht sanieren konnte und wollte, übernahm ich diese industrielle Aufgabe und auch das Risiko.</p>
<p><strong>Wieso wurde bei der Finanzierung der Basler Zeitung Medien eine derart intransparente Kommunikationsstrategie gefahren? Informationen kamen stets häppchenweise an die Öffentlichkeit, perfekt serviert für alle, die ein Interesse daran haben, diese zu skandalisieren. Haben Sie da Fehler gemacht?</strong><br />
Ja, vielleicht hätte ich sie am Besten gleich selbst gekauft, doch das ist aus heutiger Sicht leicht zu sagen. Finanziell wäre ich zu einem Kauf in der Lage gewesen, doch ich wollte nie eine Parteizeitung, sondern eine weitere Stimme in der Medienlandschaft. So wurden nun halt alle Transaktionen skandalisiert, auch durch Medien von Verlagen mit eigenen Interessen.</p>
<p><strong>«Blocher hat Glaubwürdigkeit verspielt durch seine Intransparenz», <a href="http://www.tageswoche.ch/de/2011_50/basel/146842/grosser-unmut-wegen-strohmaennern-und-einem-chef-ideologen.htm">schrieb</a> beispielsweise «Basler-Zeitung»-Redaktor Thomas Lüthi.</strong><br />
Ich habe zwar nie etwas Falsches gesagt, aber nicht immer alles offen gelegt. Die Basler Zeitung gehört heute der Medienvielfalt Holding AG, weil ich Risiken der Sanierung übernommen habe, steure ich die Sanierung. Doch jetzt ist die Zeitung auf einem guten Weg, sie wird die Schweizer Medienlandschaft bereichern.</p>
<p><strong>Beat Jans von der SP <a href="http://www.nzz.ch/aktuell/schweiz/verzicht-auf-eine-lex-basler-zeitung-1.18051714">schreibt</a>: «Die Reichen der SVP wollen die Medien der Schweiz einnehmen». Planen Sie die Berlusconisierung der Schweiz?</strong><br />
Weil man Zeitungen rettet? Das hätten doch andere auch machen können. Wieso haben denn die Linken und die Gewerkschafter die Basler Zeitung nicht gekauft? Warum haben die feinen Herren es zugelassen, dass die National-Zeitung mit den Basler Nachrichten fusioniert wurde? Sie hätten ohne Weiteres Zeitungen kaufen und betreiben können, doch sie waren zu bequem. In der Basler Zeitung jedenfalls schreiben auch Linke und Grüne. Das wäre bei Zeitungen der Linken nicht so. Mit der Demokratie hatten es die Linken noch nie.</p>
<p><strong>Sind Sie finanziell an der Basler Zeitung oder an der Weltwoche beteiligt?</strong><br />
Ich bin bei der Medienvielfalt Holding nicht als Eigentümer beteiligt, auch meine Tochter nicht. Roger Köppel ist Alleineigentümer der Weltwoche. Dass das in Zweifel gezogen wird, ist Rufschädigung.</p>
<p><strong>Wann kommt der Film <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Bund-finanziert-Kinofilm-ueber-Christoph-Blocher/story/28150671">«Blocher &#8211; une vie»</a> von Jean-Stéphane Bron in die Kinos?</strong><br />
«Blocher – une vie» ist der Arbeitstitel. Wann er kommt, weiss ich nicht. Was er schlussendlich bringt, weiss ich auch nicht. Es ist – glaube ich – mehr eine tiefenpsychologische Untersuchung.</p>
<p><strong>Wann haben Sie das Pfeifenrauchen eingestellt, und warum?</strong><br />
Ich war ein leidenschaftlicher Pfeifenraucher, doch eines Tages zündete ich die Pfeife nicht mehr an, ich weiss gar nicht warum. Eigentlich wollte ich nie aufhören, doch ich rauche nicht mehr. Seit etwa 15 Jahren nicht mehr.</p>
<p><strong>Do you speak English?</strong><br />
Schlecht. Das ist der Nachteil meines zweiten Bildungswegs. Wenn ich mit Amerikanern zusammen bin, dann rede ich Englisch, doch einen Vortrag auf Englisch würde ich keinen halten.</p>
<p><strong>Sie haben in den 1980er-Jahren Fabriken in China aufgebaut. Ist es nicht etwas lächerlich, wenn sich Journalisten, die kaum mehr als drei Restaurants in New York gesehen haben, kosmopolitischer fühlen als Sie, Sie gar für provinziell halten?</strong><br />
Ich muss dann einfach lachen. Von 1983 bis 2003 habe ich 117 grosse Fabriken gebaut in China, im Wert von je 80 bis 100 Millionen Franken. So eine Fabrik beschäftigt rund 600 Mitarbeiter, in China arbeiten dann vielleicht 2000 drin, weil damals die Produktivität klein war. Ich habe aber nicht nur in China Fabriken gebaut, sondern auch der Türkei, in Taiwan, Japan, Pakistan, in Afrika, ich kenne doch die ganze Welt! Und dann soll ich provinziell sein? Gerade weil ich die Welt kenne, setze ich mich für die Unabhängigkeit und Selbständigkeit der Schweiz ein.</p>
<p><strong>Andererseits sind es Sie und Ihre SVP, die die Schweiz zupflastern mit Bildern einer heilen Schweiz, die es so doch gar nie gegeben hat.</strong><br />
Schauen Sie doch unsere Staatsfinanzen an und vergleichen Sie die mit Japan, den USA, der EU. Schauen Sie unseren Wohlstand an, unsere Freiheit. Die Schweiz hat nicht die besten Politiker, denn die sind überall gleich. Aber die beste Staatsform. Ich wehre mich eigentlich nur dafür, dass diese unsere Staatsform nicht kaputt gemacht wird. Unsere Säulen sind die Direkte Demokratie, der Föderalismus, die Neutralität. Diese Werte verteidigt unsere Partei unerbittlich.</p>
<p><strong>Wir leben in einer Gesellschaft, in der nur die Ältesten jemals etwas anderes als Wohlstand gekannt haben. Ist das nicht gefährlich?</strong><br />
Das ist sehr gefährlich, denn «nichts ist schwerer zu ertragen als eine Reihe guter Tage» [ein <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_gefl%C3%BCgelter_Worte/A#Alles_in_der_Welt_l.C3.A4sst_sich_ertragen.2C_nur_nicht_eine_Reihe_von_sch.C3.B6nen_Tagen.">Goethe-Zitat</a>]. Viele Leute wissen gar nicht, was eine Krise ist.</p>
<p><strong>In den Medien ist seit 2008 fast nur von Krise die Rede.</strong><br />
Aktuell ist eine Überhitzung zu beobachten, aber sicher keine Krise.</p>
<p><strong>Mich erstaunt Ihre Ausdauer. Wir haben jetzt fast zwei Stunden geredet, Journalisten scheinen immer vor Ihnen müde zu werden.</strong><br />
Ja, ich bin gut «zwäg». Seit fast 50 Jahren laufe ich meine 6,2 Kilometer, mehr oder weniger immer die gleiche Strecke. Im Sommer schwimme ich jeweils 500 Meter.</p>
<p><strong>Sie sind mehrfacher Milliardär. Es gibt Leute, die sagen, dass jemand, der so viel Geld hat, das gar nicht auf ehrliche Weise verdient haben kann. Zu wie viel Prozent haben Sie ihr Vermögen auf ehrbare Weise verdient?</strong><br />
Ich bin Unternehmer und mein Vermögen sind Unternehmen. Ein Unternehmer, der arm ist, ist das Traurigste, was es gibt. Mein Geld habe ich ausschliesslich mit unternehmerischen Tätigkeiten verdient. Wenn sich in den letzten zehn Jahren das Familienvermögen verdoppelt hat, weil die EMS-Chemie Holding AG gut gearbeitet hat, ist das etwa nicht «ehrenhaft»? Der Börsenwert ist aktuell auf über 6 Milliarden Franken, vor zehn Jahren war er vielleicht bei 3, als ich die Firma kaufte, noch auf 100 Millionen Franken. Was ist denn hier unehrlich daran? Wer behauptet, dieses Geld sei nicht ehrlich verdient, soll konkrete Kritik vorbringen.<br />
Ein Unternehmer trägt das volle Risiko, einfache Leute verstehen das eigentlich recht gut. Meine Mitarbeiter fanden es auf jeden Fall nie verkehrt, dass ich ein reicher Unternehmer bin. Sie wissen: Es gibt für sie nichts Traurigeres als ein armer Unternehmer, weil es ihnen dann schlecht geht.</p>
<p><small>Das Gespräch mit Christoph Blocher wurde am 5. April 2013 in Männedorf geführt.</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/04/15/ich-kritisiere-die-journalisten-weil-sie-wichtig-sind/">«Ich kritisiere die Journalisten, weil sie wichtig sind»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>«Ich war noch nie relaxed»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2013/03/15/ich-war-noch-nie-relaxed/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Felicie Notter]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 15 Mar 2013 06:44:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Carsten Schloter]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Swisscom-CEO Carsten Schloter ist ein Manager, der sich in den Medien gerne von der menschlichen Seite zeigt. Rhetorische Kniffe setzt er gezielt ein. Doch das weitgehend makellose Image hat auch Schattenseiten. Seine Leidenschaft komme ihm zuweilen in die Quere, sagt er in unserem Gespräch über Manager im Rampenlicht, persönliche Kommunikationsstrategien und die Swisscom im Medienwandel. <a href="https://medienwoche.ch/2013/03/15/ich-war-noch-nie-relaxed/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/03/15/ich-war-noch-nie-relaxed/">«Ich war noch nie relaxed»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Swisscom-CEO Carsten Schloter ist ein Manager, der sich in den Medien gerne von der menschlichen Seite zeigt. Rhetorische Kniffe setzt er gezielt ein. Doch das weitgehend makellose Image hat auch Schattenseiten. Seine Leidenschaft komme ihm zuweilen in die Quere, sagt er in unserem Gespräch über Manager im Rampenlicht, persönliche Kommunikationsstrategien und die Swisscom im Medienwandel.</strong><br />
<img decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2013/03/schloter.jpg" alt="" width="1285" height="890" class="alignnone size-full wp-image-56910" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2013/03/schloter.jpg 1285w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2013/03/schloter-300x208.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2013/03/schloter-768x532.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2013/03/schloter-1024x709.jpg 1024w" sizes="(max-width: 1285px) 100vw, 1285px" /><br />
Beim Gespräch mit Carsten Schloter ist auch Swisscom-Medienchef Sepp Huber anwesend. Er zeichnet das Interview mit dem iPhone auf – «als Backup für die Journalisten», wie er sagt. Ins Gespräch klinkt er sich aber nur bei einer Frage ein, bei der ihn Schloter direkt einbezieht.</p>
<p><strong>MEDIENWOCHE: CEOs und Manager stehen in der Schweiz derzeit stark unter Beobachtung…</strong><br />
Carsten Schloter: …unter Generalverdacht! (lacht)</p>
<p><strong>Die Empörung über Manager-Gehälter ist gross, in der Öffentlichkeit, in den Medien.</strong><br />
Diese ganze Debatte über Manager ist begründet. Es sind Dinge passiert, die im Sinne eines gesellschaftlichen Zusammenhalts nicht geschehen dürften. Wir müssen uns bewusst sein, dass die Schweiz von einer einzigartigen Stärke lebt: Kaum irgendwo in Europa ist die Kluft zwischen Mitarbeitenden und Führung geringer als hier. Was in den letzten Wochen passiert ist, treibt einen Keil dort hinein und ist unverantwortlich.</p>
<p><strong>Die <a href="http://www.admin.ch/ch/d/pore/vi/vis375.html" target="_blank">nächste Volksinitiative</a>, die Manager in den Fokus nimmt, steht bereits an. Müssen auch Sie sich nun wappnen?</strong><br />
Ich weiss nicht, ob man sich wappnen kann. Man muss einfach versuchen, nicht jene Fehler zu begehen, die die Wirtschaft ganz offensichtlich begangen hat. Sie hat die Minder-Inititative nicht ernst genommen, hat plakativ argumentiert. Die verschiedenen Standpunkte wurden nicht objektiv und sachlich auf den Tisch gelegt. Dadurch wurde die Emotionalität nur noch geschürt und die Glaubwürdigkeit verspielt. Man darf nie versuchen, die Gegenseite zu marginalisieren, sondern muss die Haltung annehmen, dass es einfach verschiedene Perspektiven gibt. Ziel der öffentlichen Diskussion muss sein, diese transparent zu machen. Der Einzelne bildet sich eine eigene Meinung. Das ist ein demokratischer Prozess.</p>
<p><strong>Ihr Bild ist in den Medien bislang weitgehend makellos. Macht Ihnen das schlechte Image der Konkurrenz das Leben leicht?</strong><br />
Ich bin mir nicht sicher, ob ich das unterschreiben würde. Es gibt garantiert Medienschaffende und einen Teil der Öffentlichkeit, die anders über mich denken. Was ich versuche: ehrlich und ich selbst zu sein. Man darf nicht allen Medien gefallen wollen. Diese Haltung wird schnell zum Bumerang, gerade wenn man wie ich über zehn Jahre mit den Medien zusammenarbeitet. Es hat auch etwas damit zu tun, zu den eigenen Schwächen zu stehen. Man ist als Manager nicht unfehlbar, man ist nicht weniger von Gefühlen getrieben als jeder andere Mensch. Darüber in den Medien, gerade in den visuellen Medien offen reden zu können, das ist wichtig.</p>
<p><strong>Sie geben sich also menschlicher als Ihre Konkurrenten?</strong><br />
Das kann ich selbst am wenigsten beurteilen. Aber das entspricht meinen Erfahrungen, die ich im Kontakt mit den Medien gesammelt habe. Möglichst ehrlich, authentisch sein und zu den eigenen Schwächen stehen.</p>
<p><strong>Früher wurde Ihr Auftreten eher mal noch <a href="http://www.bernerzeitung.ch/leben/gesellschaft/Warum-Manager-haeufiger-verlassen-werden/story/29960035" target="_blank">als forsch beschrieben</a>, zu Persönlichem äusserten Sie sich zurückhaltend. Nach der Trennung von Ihrer Frau sind Sie zugänglicher geworden, Ihre Offenheit <a href="http://www.srf.ch/player/video?id=af8e754a-ba42-4503-8ded-5724576932ce" target="_blank">entwaffnete sogar Roger Schawinski</a>. Haben Sie bewusst in die Offensive gewechselt?</strong><br />
Das war kein bewusster Wechsel. Es war einfach etwas sehr Einschneidendes in meinem Leben passiert. (Pause) Es war ein reales Scheitern und in diesem Sinn eine einmalige Erfahrung. Ich habe mir überlegt, wie ich damit umgehe, und habe entschieden, offen darüber zu reden. Sonst versucht man, den Starken zu spielen – und glaubhaft ist das eh nicht.</p>
<p><strong>Die Boulevard-Medien haben Sie mehrmals mit sportlichen Ausflügen beglückt, jedoch im geschäftlichen Umfeld. Die klassische Homestory fehlt noch. Halten Sie diesen Trumpf noch in der Hinterhand?</strong><br />
Ich weiss nicht, ob man bei mir in meiner Familiensituation die klassische Homestory machen kann. Mein privates Leben artikuliert sich um zwei Pole. Zunächst um meine Kinder, und die gehen die Öffentlichkeit nichts an. Und dann um den Sport, und das bekommt man am Rande mit. Das gibt ein gewisses Klischee, ein gewisses Image.</p>
<p><strong>Inwiefern nützen solche Auftritte dem Unternehmen?</strong><br />
Man muss unterscheiden: Ich glaube, das Authentische ist auch wichtig für das Unternehmen. Es gibt eine Wechselwirkung zwischen dem, was eine Marke ausstrahlt, und dem, was die Persönlichkeiten ausstrahlen, die diese Marke verkörpern. Die Ehrlichkeit prägt aber nicht nur den Auftritt nach aussen, sondern auch das Verhalten nach innen. Ein Beispiel: Wir haben sehr viele Kundendaten, mit denen man unglaublich viel anfangen könnte, etwa zu Marketingzwecken. Wie ist damit umzugehen? Das ist nicht nur eine Frage der Legalität – denn vieles ist rechtlich zulässig, womit sich der Kunde nicht ausdrücklich einverstanden erklärt hat. Es gibt nur die eine, einfache Regel: Was immer wir mit den Kundendaten machen, wir müssen bereit sein uns vor eine Kamera zu stellen, direkt reinzuschauen und erklären können, warum wir der Meinung sind, dass das richtig ist. Das setzt eine engere Grenze, die definiert wird durch Vertrauen.</p>
<p><strong>Ihre Auftritte haben Signalwirkung gegen innen. In der Tat ist auffällig, wie viele Ihrer Mitarbeitenden Sie als charismatisch beschreiben. In den Medien etikettiert man Sie mit <a href="http://www.blick.ch/news/wirtschaft/das-schwerste-interview-des-swisscom-chefs-id23932.html" target="_blank">«überdurchschnittlich beliebt»</a>. Birgt dieses Superstar-Image auch Risiken?</strong><br />
Das hat ganz viele Schattenseiten und Risiken. Menschlich gesehen steckt ein sehr hohes Energieniveau dahinter, auch eine Leidenschaft für das Unternehmen. Das kann gefährlich sein. Ich laufe permanent Gefahr, andere damit zu überfordern. Es beinhaltet auch das Risiko, dass Menschen mit einer divergierenden Meinung auf einmal still werden. Und das ist nicht gut im Sinne einer gesunden Konfliktkultur. Für mich ist das Thema ein Watch-Item. Das habe ich seit 30 Jahren, seit ich im Berufsleben stehe, und das wird mich wahrscheinlich immer begleiten. Fast in jeder Situation muss ich mir überlegen, wie weit ich mich reingeben kann. Ich nehme mich immer etwas zurück.</p>
<p><strong>Sie schlagen oft für einen Manager ungewöhnliche Töne an, <a href=" http://www.tagesanzeiger.ch/digital/internet/Dann-wuerden-wir-die-Bevoelkerung-gegen-uns-aufbringen/story/18949262" target="_blank">manchmal gar philosophische</a>. Heben Sie sich bewusst ab?</strong><br />
Nein. Ich reflektiere gerne. Und zwar nicht nur die unternehmerische, sondern auch die gesellschaftliche Seite von dem, was wir tun. Um ehrlich zu sein, ist es sogar das, was mich am meisten fasziniert. Beispielsweise die Umkehr der Informationsmacht: Wir sind nicht mehr in einer Welt, wo Wenige die Inhalte für die breite Masse machen. Die modernen Medien führen zu einem Punkt der totalen Transparenz. Für mich ist das faszinierend, weil es in der menschlichen Geschichte einmalig ist: Bisher war die Macht der Informationen immer top down. Die Bottom-up-Information ist mächtiger. Ich kann Stunden damit verbringen, über so etwas nachzudenken, mit den positiven und negativen Auswirkungen.</p>
<p><strong>Ihre Rhetorik ist interessant zu beobachten. Mir fällt auf, wie Sie – beispielsweise mit Gesten, Pausen und Wiederholungen – die Aufmerksamkeit des Gegenübers bündeln, ja fast kontrollieren. Sie bestimmen den Rhythmus.</strong><br />
Ja, aber auch das hat zwei Seiten. Es erlaubt einem, die Aufmerksamkeit hochzuhalten. Für gewisse Menschen wird das aber zu intensiv rüberkommen, erdrückend. Und es gibt Situationen, da wirkt es besser als in anderen. Die Technik funktioniert, wenn man ein spannendes Thema vermitteln oder verkaufen möchte. Wenn man aber eine Diskussion moderiert und unterschiedliche Meinungen an den Tag bringen will, wird man Opfer seiner eigenen Rhetorik. Man hat als Mensch ja immer irgendeine Hypothese im Hinterkopf. Die sollte man nicht artikulieren, sonst ist die Diskussion aus, mausetot. Die Rhetorik, das nicht transparent zu machen, beherrsche ich nicht. Ich bin da wahrscheinlich ganz leicht zu durchschauen für meine Kolleginnen und Kollegen. Das bestimmende Element ist übrigens auch für eine Beziehung überhaupt nicht gut.</p>
<p><strong>Schwierigen Fragen begegnen Sie typischerweise mit einem <a href="http://www.bilanz.ch/unternehmen/tv-test-vorsicht-kamera" target="_blank">«komplizenhaften» Lächeln</a>. Wann waren Sie das letzte Mal nicht souverän?</strong><br />
(überlegt lange) Was bedeutet es, souverän zu sein? Wenn souverän bedeutet, relaxed zu sein, dann war ich das wahrscheinlich noch nie. Auch wenn ich vor Mitarbeitern spreche, egal, wie viele es sind. Ich habe immer ein enormes Mass an innerer Spannung. Wenn souverän bedeutet, möglichst authentisch und ehrlich zu bleiben – ich denke, das kann ich. Ich versuche, die Dinge möglichst auf mich zukommen zu lassen. Aus meiner Sicht ist es auch falsch, gewisse Botschaften einzustudieren. Denn was passiert dann? Man platziert die Botschaft, auch wenn sie nicht passt. Zu viel Vorbereitung nimmt einem die Authentizität.</p>
<p><strong>Wie bereiten Sie sich vor?</strong><br />
Vor einem wichtigen Auftritt fängt es zwei, drei Wochen vorher an, in meinem Kopf zu drehen. Ich denke immer wieder daran in einer freien Minute, beim Biken, beim Wandern, unter der Dusche, beim Rasieren. Ich überlege mir zunächst: Wer sitzt mir da gegenüber? Was sind das für Menschen, was bewegt sie? Ich versuche mich hineinzuversetzen in die Stimmung und mir die Schwingungen vorzustellen, die vorhanden sein werden. Wie schaffe ich es, an diese Energie anzudocken? Um das mit einem Beispiel zu untermauern: Wir haben einen internen Anlass, an dem wir die Eigeninitiative von Mitarbeitenden auszeichnen. Die Verleihung ist ein superpositiver Event, eigentlich. Aber ich habe zu erst einmal über diejenigen Mitarbeitenden gesprochen, die angesichts des Stellenabbaus im Augenblick nichts zu feiern haben und furchtbar enttäuscht sind vom Unternehmen.</p>
<p><strong>Welche Rolle spielen Ihre Berater?</strong><br />
Ich bin selber mein schlechtester Berater, wenn es um meine Wirkung geht. Zum Glück haben wir in unserem Unternehmen Menschen, die viel Erfahrung mit der Medienbranche haben und beurteilen können, wenn man überreagiert. Es geht auch um die Tonalität. Man ist ja oft persönlich betroffen – mit dem eigenen Foto in der Schlagzeile, dem eigenen Namen. Selbst nach Jahren gibt es diese Betroffenheit noch, da steht man sich selbst nicht objektiv gegenüber. Dabei geht es ja nicht um einen selbst, sondern um das Unternehmen.</p>
<p><strong>In welcher Form arbeiten Sie am liebsten mit Medien zusammen?</strong><br />
Am liebsten habe ich Live-Interviews. Es ist zwar am intensivsten und am anstrengendsten, hat aber den Vorteil, dass es nicht in andere Worte übersetzt und gekürzt wird. Mir ist auch wichtig, im Gespräch eine Beziehung aufzubauen. Da sitzt einem ein Mensch gegenüber. Das macht das Interview für ihn leichter, für mich und gibt das bessere Ergebnis für den Zuschauer.</p>
<p><strong>Radio oder Fernsehen?</strong><br />
Ich denke, das Bild ist noch mächtiger.</p>
<p><strong>Was haben Sie in Ihrem Unternehmen für eine «Vergabepraxis»: Wie demokratisch oder strategisch lassen Sie die Medien zum Zug kommen?</strong><br />
Diese Frage muss ich Sepp weitergeben [Medienchef Sepp Huber, Anm. d. Red.]. Denn ich habe einen Grundsatz: Ich mache das, was meine Kollegen sagen, was richtig ist. Sie sind die Fachleute.</p>
<p>Sepp Huber: Es gibt einen ganzen Fächer von Kriterien um zu beurteilen, welche Botschaft von wem zu welchem Zeitpunkt platziert werden soll. Hintergrund-Gespräche helfen, vertiefte Informationen zu vermitteln. Wir versuchen bei der Vergabe möglichst fair vorzugehen, wir haben aber viele Anfragen, die wir aus zeitlichen Gründen nicht berücksichtigen können. Ganz so eigenmächtig sind wir als Mediendienst aber nicht, es gibt immer Diskussionen.</p>
<p><strong>Sie sind Deutscher, in Frankreich aufgewachsen. Wie haben Sie sich in der Schweizer Medienlandschaft integriert – reicht es, zwei Landessprachen zu beherrschen?</strong><br />
Es ist nicht nur ein grosser Vorteil, als Deutscher das Französische zu beherrschen, es ist notwendig, um eine Funktion bei Swisscom auf Konzernleitungsstufe auszuüben. Das ist nur schon eine Frage des Respekts. Die Kunden sind in der ganzen Schweiz, und man muss in alle Richtungen kommunizieren können. Es ist schon ein riesiges Handicap, dass ich kein Italienisch spreche.</p>
<p><strong>Gemäss eigener Aussage nutzen Sie <a href="http://www.sonntagszeitung.ch/multimedia/homescreen/homescreen-detailseite/?newsid=244429" target="_blank">«sämtliche Online-Medien»</a>. Heisst das, die gedruckte Zeitung kommt Ihnen nicht auf den Tisch?</strong><br />
Ja. Wenn ich gedruckte Zeitungen lese, dann nur Magazine – weil ich gerade im Flugzeug bin oder wie beim Arzt zufälligerweise eins da liegt (lacht). Tages- oder Wochenendmedien lese ich alle online.</p>
<p><strong>Wie sehen Sie die Zukunft der Schweizer Zeitungslandschaft?</strong><br />
Das grösste Asset eines Medienhauses ist die Marke. Mit der Marke verbindet man als Leser eine gewisse Breite, Tiefe und auch Art der Berichterstattung. Diese Werte muss man pflegen und die Inhalte, die man unter dieser Marke produziert, möglichst breit verwerten. Die Anzahl Vektoren, die Absatzkanäle für Information, wird permanent zunehmen. Wenn man nur auf bestimmte Vektoren setzt, engt man das erreichbare Publikum ein. Derzeit spielt das Thema Bewegtbild eine immer grössere Rolle. Ich bin überzeugt: Jede Medienmarke muss sich die Frage stellen, welche Rolle sie in der Bewegtbild-Landschaft spielen will. Das macht auch ein Stück weit immun gegenüber Verschiebungen zwischen den einzelnen Vektoren, die recht abrupt eintreten können. Ein Beispiel hierfür ist die Verschiebung in der Nutzung vom linearen TV zu On-Demand-Angeboten.</p>
<p><strong>Sie sprechen das «smarte» Fernsehen an. Nicht nur Swisscom TV ist smart, auch die SRG arbeitet am <a href="https://medienwoche.ch/2012/07/17/wir-bewegen-uns-auf-der-gruenen-wiese/" target="_self">Aufbau von HbbTV</a>-Angeboten. Stehen Sie in <a href="https://medienwoche.ch/2012/06/18/programmierter-konflikt/" target="_self">direkter Konkurrenz</a>?</strong><br />
Nein. Es ist unumstritten, dass Fernsehen zunehmend interaktiver wird, und jeder möchte dieses Thema natürlich gestalterisch begleiten. Zwischen dem, was wir machen und dem, was die SRG macht, gibt es einen Unterschied. Findet die Interaktivität kanalübergreifend statt, sind wir diejenigen, die das bieten können. Das andere Extrem ist, wenn die Interaktivität rein im Markenuniversum einer bestimmten Sendekette stattfindet. Es ist kein Schlachtfeld, auf dem nur einer gewinnen kann. Es geht um die unterschiedliche Ausgestaltung der Interaktivität. Das eine ohne das andere wäre ein geringerer Kundenmehrwert. Jeder Kunde wird die Interaktivität individuell nutzen. Das Publikum ist breit und die Mediennutzung diversifiziert, da kommen wir uns nicht in die Quere.</p>
<p><strong>Gemeinsamkeiten können nicht nur Konkurrenz, sondern auch Synergien bedeuten.</strong><br />
Können – durchaus. Die Frage, die sich uns stellt, ist: Wie differenzieren wir uns langfristig, zum Beispiel mit Swisscom TV. Differenzieren können wir uns nur über lokale Inhalte, und da ist die SRG natürlich ein privilegierter Partner. Ein Beispiel dafür ist unsere Zusammenarbeit im Sport über unsere Beteiligung an Cinetrade. In der Fussball-Super-League produzieren wir die ganzen Inhalte und bereiten sie auf, geben aber einen substantiellen Teil der SRG ab, die das ganze Fernsehpublikum bedient. Sowohl der SRG-Kunde erhält mehr, als er historisch je gehabt hat, wie auch unsere Kunden.</p>
<p><strong>Zurück zu Ihrem Kerngeschäft. In der sich global verändernden Telekommunikationswelt wandelt sich <a href="http://www.handelszeitung.ch/unternehmen/swisscom-chef-wettbewerb-mit-apple-und-google" target="_blank">Swisscom zum Infrastrukturanbieter</a>. Kann Swisscom sich so behaupten?</strong><br />
Damit es ein starkes Kundenerlebnis gibt, braucht es ein Endgerät, eine Anwendung und ein Zugangsnetz. Unabhängig von TV wird unser Kerngeschäft immer das Zugangsgeschäft bleiben. Ein Endgerät ist einfach austauschbar. Denken Sie an den berührungsempfindlichen Bildschirm, den zunächst nur Apple hatte – das hat sich inzwischen geändert. Applikationen sind noch einfacher auszutauschen: Nehmen Sie die Mutter aller Applikationen im Internet: Google. Es gibt fünf Pakete, die genau dasselbe machen – Google ist ersetzbar. Das Zugangsnetz hingegen ist viel kritischer. Wir stellen dem Kunden ein Zugangsnetz in einer Qualität zur Verfügung, das nicht ohne Weiteres substituierbar ist. Wir möchten Realität werden lassen, dass der Kunde von all seinen Endgeräten, die er im Alltag nutzt, immer auf alle seine Inhalte zugreifen kann. Es braucht eine hyperleistungsfähige Infrastruktur und ein adäquates Preismodell, um die totale Freiheit zu haben im Datenkonsum.</p>
<p><strong>Sind Sie selber der technologie-affinste Kunde? Haben Sie alle Testprodukte bei sich zuhause?</strong><br />
Ich hab ziemlich viel Zeugs zuhause! Natürlich Swisscom TV, aber ich nutze auch Konkurrenzprodukte – Connect-TV oder auch Apple-TV, für den Vergleich. Und unsere <a href="https://sso.quing.com/quing/quing-home-entdecken/komfort/" target="_blank">eigene Lösung Quing</a> für die Steuerung des Haushaltes. Sie ermöglicht es, verschiedene elektrische Geräte aus der Distanz zu steuern.</p>
<p><strong>Ihr Kühlschrank ist bereits im Netz, sozusagen?</strong><br />
(lacht) Das brächte ihm relativ wenig, diesem Kühlschrank, weil er die meiste Zeit leer steht.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/03/15/ich-war-noch-nie-relaxed/">«Ich war noch nie relaxed»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>«Online-Kommentare sind wie kleine Geschwüre»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2013/02/26/online-kommentare-sind-wie-kleine-geschwuere/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2013/02/26/online-kommentare-sind-wie-kleine-geschwuere/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Stephanie Rebonati]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 26 Feb 2013 08:11:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Mike Müller]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mike Müller bewegt sich gekonnt zwischen TV-Studio, Theaterbühne und Filmset – und steht dort immer auch im Rampenlicht der Medien. Im Interview spricht der 49-Jährige über den «massiven Wandel» des Kulturjournalismus, er vergleicht die grassierenden Leserkommentare mit «kleinen, selbstreferenziellen Geschwüren» und er erklärt, warum er auf die Frage: «Was halten Sie von Roger Federer?» keine Antwort <a href="https://medienwoche.ch/2013/02/26/online-kommentare-sind-wie-kleine-geschwuere/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Mike Müller bewegt sich gekonnt zwischen TV-Studio, Theaterbühne und Filmset – und steht dort immer auch im Rampenlicht der Medien. Im Interview spricht der 49-Jährige über den «massiven Wandel» des Kulturjournalismus, er vergleicht die grassierenden Leserkommentare mit «kleinen, selbstreferenziellen Geschwüren» und er erklärt, warum er auf die Frage: «Was halten Sie von Roger Federer?» keine Antwort gibt.</strong><br />
<img loading="lazy" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2013/02/493991-767x553.jpg" alt="" width="767" height="553" class="alignnone size-full wp-image-56914" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2013/02/493991-767x553.jpg 767w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2013/02/493991-767x553-300x216.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 767px) 100vw, 767px" /><br />
Mike Müller mag Hollywood-Bücher und Zoosendungen, den Begriff Comedian allerdings nicht, wäre er ein Tier, dann ein Gorilla oder eine Amöbe, sagt er. Seine Mutter nannte ihn Michu, sein Bruder sagt über ihn, dass er kein Arschloch ist und Viktor Giacobbo nennt ihn einen guten Bootsfahrer. Als Kind wollte er Schreiner werden, weil das Holz so gut riecht oder Kübelmann, weil man hinten auf dem Kehrichtwagen stehen darf. Mike Müller trinkt keinen Fair-Trade-Kaffee und mag keine Happy Ends.</p>
<p><strong>MEDIENWOCHE: Am 9. März feiern Sie im Zürcher Theater Neumarkt <a href="http://www.theaterneumarkt.ch/programm/produktionen.html?tx_lltheaterneumarkt_pi2%5BperfUid%5D=60&amp;cHash=e9899939671ccd209e37b49f53160b86" target="_blank">Premiere mit «Truppenbesuch»</a>. In diesem Stück inspizieren Sie die Schweizer Armee. Was steht am Montag in der Presse?</strong><br />
Mike Müller: Keine Ahnung. Das ist ein eingleisiges Verhältnis. Ich spiele für die Leute und die Zeitungen schreiben darüber. Das ist keine dialogische Form.</p>
<p><strong>Die Medien schreiben regelmässig über Ihre Auftritte. Sie können doch einschätzen, wie diese auf Ihr neustes Stück reagieren werden. </strong><br />
Nein, das hat man sich nicht zu fragen. Man tritt ja nicht auf, um diese Kritiken zu bekommen. Abgesehen davon ist die Kritik von Zufällen geprägt. Erstens ist sie reine Geschmackssache und zweitens muss ein Kritiker wissen, was es bedeutet, eine Kritik zu verfassen. Das ist heute ja nicht mehr gewährleistet – besonders bei den Onlinemedien. Wenn aber einer kommt, der weiss, wie eine Rezension angegangen wird und dann eine negative Einschätzung von diesem folgt, dann muss man sich schon überlegen, ob da etwas dran ist oder nicht. Die Bedeutung der Kritik ist bei Filmen anders.</p>
<p><strong>Wie ist es anders?</strong><br />
Wenn der Grundton in den Onlinemedien durchgehend negativ ist, kann man sich einen Film abschreiben. Das kann bitter sein. Kinogänger sind jung und konsumieren Gratis- und Online-Medien. Im Theater und im Fernsehen ist der Altersdurchschnitt höher.</p>
<p><strong>Was haben Sie von Ihrem Bruder, der als Journalist in Berlin lebt, über den Journalismus erfahren?</strong><br />
Durch ihn habe ich mitunter mitbekommen, wie massiv sich der Kulturjournalismus gewandelt hat, was ich dann auch selber im Umgang mit Journalisten merke. Da muss ich manchmal erklären, dass eine Late-Night-Show nie live-live ist, auch die von David Letterman nicht! Es gibt Kulturjournalisten, die zu wenig über die Produktionsbedingungen wissen.</p>
<p><strong>Wurden diese Journalisten schlecht ausgebildet?</strong><br />
Nein, nein, ich will auch kein Journalisten-Bashing veranstalten! Ich schätze sehr viele Kritiker – auch als Leser. Das Problem liegt vor allem bei Online- und Gratismedien. Die Leute müssen dort über allesmögliche schreiben, es muss schnell gehen und dadurch geht die Kompetenz halt zurück. Mich hat einmal eine Journalistin von «20 Minuten» interviewt. Sie wollte mir Leserkommentare vorlesen, ich solle auf diese reagieren, was ich strikt ablehnte. Das kann man auf der Redaktion doch nicht ernst nehmen. Was ist das überhaupt für eine Form? Heute ist es ja mittlerweile so, dass ein Bericht aufgrund von Leserkommentaren generiert wird. Die sind wie kleine, selbstreferentielle Geschwüre, die nachwachsen und es hat sich noch nie jemand gefragt, was die genau sind. Da möchte ich also nicht dabei sein, bei dieser Veranstaltung.</p>
<p><strong>Fühlen Sie sich von Journalisten ernstgenommen?</strong><br />
Das ist von Fall zu Fall verschieden. Journalisten müssen mich nicht unbedingt ernst nehmen. Journalisten müssen ihr Metier ernst nehmen. Denn ich bin als Person unwichtig.</p>
<p><strong>Das stimmt nicht.</strong><br />
Doch. Da bin ich ganz streng. Ich bin nur Ansprechperson in einem bestimmten beruflichen Zusammenhang. Und dann ist es natürlich einfacher, wenn der Journalist etwas über diesen beruflichen Zusammenhang weiss.</p>
<p><strong>Sie treten als Komiker, als Schauspieler und als Gesprächsgast in diversen Sendungen auf. Da geht es auch um den Menschen Mike Müller.</strong><br />
Immer nur über meine Arbeit. Das ist das einzige, was ich interessant und öffentlich erzählenswert finde.</p>
<p><strong>Einerseits sagen Sie konsequent, dass Sie in den Medien nicht über Privates sprechen und andererseits wird Ihr Bauchumfang regelmässig thematisiert, man liest über Ihre politische Gesinnung, über Ihre Bekennung zum Atheismus, Ihre Mitgliedschaft bei Exit, und dass Sie nicht an ein Leben nach dem Tod glauben – ist das nicht alles bereits privat?</strong><br />
Doch, doch. Ich behaupte nicht, dass man das so wahnsinnig strikt trennen kann. Natürlich geben wir in unserem Beruf genug preis. In der Sonntagssendung etwa sieht man extrem viele Schwächen und Macken von uns. Ich finde, das reicht. Ich versuche nicht über Dinge zu sprechen, von denen ich glaube, dass ich gar nichts davon verstehe. Am Sonntagabend nehmen wir uns im Rahmen der Late-Night-Show das Recht, uns mit diversen Themen zu beschäftigen. Wenn mich aber ein Journalist fragt «Was sagen Sie zu Roger Federer?», dann sage ich nichts. Ich sage: «Das ist ein Tennisspieler». Das wird man manchmal gefragt!</p>
<p><strong>Wo beginnt das Private?</strong><br />
Dort, wo es mit dem beruflichen nichts mehr zu tun hat. Die Tatsache, dass ich nicht über alles spreche, ist ja auch eine Form von Imagepflege. Ich möchte einfach wirklich nicht über mich lesen müssen, auf welcher Marke Bürostuhl ich sitze.</p>
<p><strong>Lesen Sie, was über Sie geschrieben wird?</strong><br />
Oft, um zu kontrollieren, ob der Journalist sich an meine Rückmeldung nach dem Gegenlesen gehalten hat. Das will ich also schon wissen und da kann ich auch eklig werden.</p>
<p><strong>Sie nerven sich ab Journalisten, die mit der idealistischen Debatte um ernste und unterhaltende Kultur auf Sie zukommen. Weshalb?</strong><br />
Nerven ist übertrieben. Ich wundere mich. Diese Haltung ist einfach altmodisch. Das kommt von Leuten, die schon lange nicht mehr im Theater oder im Kino waren und vermutlich auch nicht die geilen Serien aus den USA schauen. Das ist etwas, das ich bei Journalisten, die über Kunst schreiben, aber voraussetze. Jemand, der in den 70er stehengeblieben ist, gehört nicht in den Journalismus. Besonders in den letzten zwanzig Jahren haben sich die Grenzen von sogenannter ernster und unterhaltender Kultur verschoben und verwoben – ob in einzelnen Fällen erfolgreich oder nicht, ist eine andere Frage. Mit dem «Bestatter» war das ja auch wieder eine Diskussion: «Geht das überhaupt? Einer, der Late-Night macht, spielt in einem ernsten Krimi?» Diese Frage ist überholt.</p>
<p><strong>Im Rahmen Ihres Krimis «Der Bestatter» wurden Sie vor allem zum Tod und Beerdigungen befragt. <a href="http://www.blick.ch/people-tv/tv/ich-bin-schon-lange-bei-exit-id2158880.html" target="_blank">Im «Blick»-Interview</a> versuchten Sie mehrmals auszuweichen.</strong><br />
Ich weiche nicht aus, weil ich mit meiner Meinung hinter dem Berg halten möchte. Ich weiche aus, weil es eben nicht so wesentlich ist, was ich denke.</p>
<p><strong>Unterschätzen Sie Ihre Meinung? Nehmen Sie sich zu wenig ernst?</strong><br />
Nein, gar nicht. Wenn ich den Bestatter spiele, spielt meine persönliche Meinung zum Thema einfach keine Rolle. Wichtig ist vielmehr, dass ich mich für das Thema interessiere.</p>
<p><strong>Aber Sie können sich ja vorstellen, dass ein Interview mit dem «Blick» in diese Richtung führen könnte – das ist Boulevard.</strong><br />
Ich habe nichts gegen Boulevard. Ich lehne eigentlich kaum eine Interviewanfrage ab, ausser aus zeitlichen Gründen. Wenn der «Blick» über das berichten möchte, dann soll er das tun. Ich habe keine schlechten Erfahrungen mit dieser Zeitung gemacht, ich sage den Journalisten manchmal «so und so weit erzähle ich und das und das spielt keine Rolle».  Aber wenn man eine Fernsehsendung macht und sich zu gut ist für den Boulevard, dann geht etwas nicht ganz auf. Fernsehen ist ein Boulevardformat.</p>
<p><strong>Sie waren bei Aeschbacher, im Literaturclub, im Kulturplatz und vielen anderen Sendungen zu Gast. Sie geben gerne Interviews. Warum?</strong><br />
Ich bin nicht sicher, ob ich gerne Interviews gebe. Ich finde, es führt zu einem gefühlsmässigen Problem, wenn man in kurzer Zeit zu viele Interviews gibt: Es findet eine psychische Inflation statt. Ich gebe nur Interviews auf Projekte bezogen. Das ist Promotion, rein wirtschaftlich betrachtet, könnte man es auch PR nennen. Es ist ja auch nur interessant, über etwas zu reden, wo ich beruflich gerade drinnen bin. Ausser eben es ist auf einer Meta-Ebene, wie es bei diesem Interview jetzt der Fall ist.</p>
<p><strong>Am 25. September 2012 waren Sie <a href="http://www.srf.ch/sendungen/club/mohammed-maulkorb" target="_blank">bei Karin Frei im Club</a>, wo Sie und SVP-Nationalrat Walter Wobmann heftig aneinandergerieten. Dort ging es nicht um Ihren Beruf, sondern um Ihre politische Gesinnung.</strong><br />
Ja, das ist dann daraus geworden. Ich war zu emotional, obwohl ich wirklich ein Problem mit dieser Fremdenfeindlichkeit habe, das ist eine Form von Eitelkeit und Selbstüberzeugtheit. Das stört mich. Aber angefragt wurde ich damals vom Club als Satiriker – da ging es um diesen Mohammed-Trailer – denn es ging um die Frage, ob die Satire so etwas machen darf oder nicht.</p>
<p><strong>So wurden Sie von Karin Frei auch vorgestellt.</strong><br />
Danach wurde ich aber nicht mehr dazu befragt. Eigentlich hätte ich dort auch nur über die Möglichkeiten und Grenzen der Satire sprechen sollen.</p>
<p><strong>Seit fünf Jahren sind Sie sonntäglich in der Satirepolitsendung Giacobbo/Müller zu sehen. Dort thematisieren Sie Aktualitäten der vorangehenden Woche. Hat das mit Journalismus zu tun?</strong><br />
Nur im Ansatz und im Look und in der Form. Aber letztlich ist das eine Unterhaltungssendung.</p>
<p><strong>Letzteres betonen Sie immer wieder. Das finden aber nicht alle. Ex-Mister Schweiz Renzo Blumenthal beklagte sich öffentlich nach Ihrer <a href="http://www.srf.ch/player/tv/giacobbo--mueller/video/giacobbo--mueller-vom-22-05-2011?id=a8c9005c-4cce-4a7a-8c97-a15521d74d88" target="_blank">Sendung vom 22. Mai 2011</a>. Es ging um Rätoromanisch im Kindergarten und Inzucht. Was ist damals vorgefallen?</strong><br />
Er hat vielleicht etwas wenig Humor gezeigt. Ich habe es ja dann richtiggestellt: «Wenn Bündner, die behindert sind aufgrund von Inzucht, sich betroffen fühlen, tut es mir natürlich leid.» Es ist nicht so schlimm, wenn sich jemand mal betupft fühlt.</p>
<p><strong>Kürzlich sagten Sie <a href="http://www.srf.ch/sendungen/focus/komiker-schauspieler-mike-mueller-ich-bereue-viele-pointen" target="_blank">im «Focus»</a>, dass Sie einige Pointen bereuen würden. Welche? </strong><br />
Sage ich nicht.</p>
<p><strong>Nach eigenen Angaben haben Sie noch nie einen Entschuldigungsbrief für eben diese bereuten Pointen geschrieben. Warum?</strong><br />
Ich hatte eigentlich noch nie das Gefühl, dass ich brutal zu weit gegangen bin mit einer Aussage.</p>
<p><strong>Vorletzte Woche haben Viktor Giacobbo und Sie sich in der Sendung umarmt, weil sie Selbstkritik betrieben haben. Wie sieht die wöchentliche Sendekritik bei Ihnen aus?</strong><br />
Das eine ist bilateral, meistens telefonisch am Montag und dann gibt es jeden Donnerstag eine Feedbackrunde, an der jeweils drei von fünf Leuten aus unserem Autorenpool anwesend sind. Die Idee ist, dass Viktor und ich nur zuhören und nicht kommentieren. Das funktioniert.</p>
<p><strong>Die blinden Flecken des Journalismus sind die Selbstbeobachtung und Selbstkritik. Sind das auch die blinden Flecken bei der Satire und Parodie?</strong><br />
Ja, sicher. Wir haben einfach einen Vorteil; wir haben die Videokontrolle.</p>
<p><strong>Wir können auch nachlesen, was wir geschrieben haben.</strong><br />
Schauen ist brutaler. Wir machen ja etwas, das wirkungsorientiert ist und da müssen wir diese Wirkung auch überprüfen. Das Empfinden täuscht häufig, weil unser Beruf mit Tempo und Show zu tun hat. Man kann sich während einer Sendung enorm über etwas aufregen, bei der Videokontrolle erkennt man aber, dass es halb so wild war. Und umgekehrt.</p>
<p><strong>«Schubweise befasse ich mich mit dem Älterwerden», haben Sie <a href="http://www.blick.ch/people-tv/schweiz/ich-will-nicht-nur-noch-der-lustige-dicke-sein-id2007991.html" target="_blank">dem «Blick» gesagt</a>. Im Oktober werden Sie 50 Jahre alt. Was geht in Ihnen vor?</strong><br />
Diese Schübe sind natürlich nicht zahlenmässig. Diese Schübe kommen anders, also meistens körperlich, wenn man beispielsweise findet, dass man auch schon besser skigefahren sei oder einen Dialekt hatte ich auch schon mal schneller drauf gehabt.</p>
<p><strong>Was wünschen Sie sich?</strong><br />
Ein gutes Fest.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/02/26/online-kommentare-sind-wie-kleine-geschwuere/">«Online-Kommentare sind wie kleine Geschwüre»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>«Manche Medien schreiben einfach irgendwas»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2012/12/11/manche-medien-schreiben-einfach-irgendwas/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Felicie Notter]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 11 Dec 2012 09:27:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Luca Hänni]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im Frühling wurde Luca Hänni durch die Casting-Show «Deutschland sucht den Superstar» zum Teenie-Idol. Inzwischen ist er nicht nur volljährig geworden, sondern auch mediengewandter. Ihm ist klar, dass er die Medien genau so sehr braucht, wie sie ihn. Wir treffen uns bei Luca Hänni Zuhause in Uetendorf bei Thun. Dort wohnt er bei seiner Mutter. <a href="https://medienwoche.ch/2012/12/11/manche-medien-schreiben-einfach-irgendwas/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Im Frühling wurde Luca Hänni durch die Casting-Show «Deutschland sucht den Superstar» zum Teenie-Idol. Inzwischen ist er nicht nur volljährig geworden, sondern auch mediengewandter. Ihm ist klar, dass er die Medien genau so sehr braucht, wie sie ihn.</strong><br />
<img loading="lazy" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2012/12/luca_bild.jpg" alt="" width="1680" height="1253" class="alignnone size-full wp-image-56917" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2012/12/luca_bild.jpg 1680w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2012/12/luca_bild-300x224.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2012/12/luca_bild-768x573.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2012/12/luca_bild-1024x764.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 1680px) 100vw, 1680px" /><br />
Wir treffen uns bei Luca Hänni Zuhause in Uetendorf bei Thun. Dort wohnt er bei seiner Mutter. Man duzt sich – wie es «im Musikbusiness» üblich ist. Manager Frank Wiedermann ist dabei, weshalb wir Hochdeutsch sprechen, Luca Hänni mittlerweile fast akzentfrei und mit Floskeln durchsetzt. Es ist ein ungewohntes Thema für den Teenie-Star, der gelernt hat, seine Musik zu vermarkten. Der Manager hört dem Gespräch zu und ergänzt es mit markigen Aussagen. Angesichts der Zielgruppe erklärt er sich bereit, sich zitieren zu lassen – jedoch ohne diejenigen Medien zu benennen, die nicht gut wegkommen.</p>
<p><strong>MEDIENWOCHE: Seit Frühling diesen Jahres bist du <a href="http://www.schweizer-illustrierte.ch/tv-shows/luca-haenni-dsds-superstar-daniele-negroni-dieter-bohlen-bruce-darnell-natalie-horler" target="_blank">ein «Superstar»</a> – und damit ein Medienstar. Welche Interview-Frage wurde dir schon so oft gestellt, dass du sie eigentlich nicht mehr beantworten magst?</strong><br />
Luca Hänni: Wenn man berühmt wird, können sich die Leute denken, dass man ein bisschen mehr verdient als vorher. Ganz oft wird mir die Frage gestellt, was mit dem Geld passiert: Ist alles schon weg, hast du alles verspielt oder was hast du dir damit alles geleistet – meist teure Sachen. Klar interessiert das die Leute, aber die Frage kam mittlerweile einfach zu oft.</p>
<p><strong>Gibst du gerne Interviews?</strong><br />
Ja. Ich mag es, wenn ich auf Google gehen und etwas Neues über mich lesen kann. Bei Zeitungen kann man einfach drauflosquatschen und dann gespannt sein, was genau dabei rauskommt. Cool ist, dass man es aber auch steuern kann und dann da Dinge stehen, die ich selber gesagt habe.</p>
<p><strong>…weil sonst die Journalisten einfach schreiben, was sie sich selber ausgedacht haben?</strong><br />
Das passiert natürlich oft, aber das ist wohl Journalisten-Freiheit. Es wird viel spekuliert und auch viel Unsinn geschrieben. Das ist aber bei jedem Künstler so und völlig normal. Es bringt nichts, wenn man sich aufregt, wenn etwas steht, was man nicht genau so gesagt hat.</p>
<p><strong>Durch die <a href="http://www.rtl.de/cms/sendungen/superstar.html" target="_blank">Castingshow DSDS</a> bist du über Nacht zum Star geworden. Wie hast du den plötzlichen Medienrummel verdaut?</strong><br />
Das war schon krass. Die ersten zwei Tage hatte ich durchgehend Telefoninterviews! Das war auch anstrengend. Jeder Anruf dauerte zwei Minuten, man sagte schnell: Alles ist gut, ich freue mich und tschüss, und dann kam schon der nächste. Jetzt kann man das etwas besser koordinieren. Interviews zu geben, muss man auch erst lernen, gerade vor der Kamera. Noch vor einem Jahr war ich immer ganz aufgeregt, habe gestottert und wusste nicht, was ich sagen soll. Jetzt geht das alles fliessender. Man lernt halt immer dazu.</p>
<p><strong>Was zum Beispiel? </strong><br />
Ich als Schweizer musste aufpassen, dass ich in der Aufregung nicht zu schnell spreche und mich dann verhasple. Dass ich keinen Zusammenhang nenne, den man auch falsch verstehen kann. Die Zeitungen nutzen das aus und machen eine Schlagzeile daraus. Gut ist, wenn man etwas gezielt promoten will. So ist man fokussierter. Sonst schweift man leicht ab, und dann schreiben die Medien natürlich irgendwas.</p>
<p><strong>Wie sieht dein «Medienfahrplan» diese Woche aus?</strong><br />
Wir waren bis vor kurzem auf Tournee, da kommen nachmittags jeweils die lokalen Zeitungen vorbei. Gestern hatte Daniele (der Zweitplatzierte derselben Casting-Show, Anm. der Red.) in Zürich ein Konzert an einer Award-Night, und ich habe Gold und Platin für mein Album in der Schweiz gekriegt. Da haben wir schon am Nachmittag noch etwas gedreht mit RTL. (Luca Hänni überlegt, Manager Frank Wiedermann hilft nach.) Morgen ist Weltpremiere des Musicals Pirates of the Caribbean, ich bin als Zuschauer eingeladen und werde den Medien gegenübertreten. Am Sonntag sind wir in Winterthur bei Radio Top… Und gleich kommt die «Bravo» hier vorbei, die machen ein paar Fotos und zeigen mein Zuhause.</p>
<p><strong>In der Öffentlichkeit bist du der Teenager-Superstar, wie er im Bilderbuch steht. Werden die Medien dir damit als Person gerecht?</strong><br />
Ich glaube, die Medien geben ganz gut wieder, wie ich bin. Ich hab denen ja auch gesagt, wie ich bin. (lacht) Klar läuft vieles in diese Teenie-Schiene rein. Aber das bin ich ja auch. Von daher bin ich voll zufrieden.</p>
<p><strong>Was selten zur Sprache kommt: Du hattest dir auch selber Instrumente beigebracht, bevor du dich in die Obhut von DSDS begeben hast.</strong><br />
Ja, ich spiele Schlagzeug, Klavier und Gitarre. Irgendeine Zeitung hat mal geschrieben: Der kann nur singen und sonst nichts. Wenn man so etwas liest, denkt man schon, das hätte man besser recherchieren können. Das fand ich schon krass.</p>
<p><strong>Was geht dir durch den Kopf, wenn dich die Medien <a href=" http://www.blick.ch/people-tv/tv/ein-schnuegel-und-ein-etagenboy-fuer-dieter-bohlen-id1720694.html" target="_blank">als «Schnügel» bezeichnen</a>?</strong><br />
Das finde ich eigentlich eher schmeichelhaft. Ich sehe das positiv.</p>
<p><strong>In den deutschen Medien bist du immer auch der «Schweizer». Ist das ein Vor- oder ein Nachteil?</strong><br />
Die finden es immer süss, wenn ich Schweizerdeutsch spreche. Manchmal singe ich einen halben Song auf Schweizerdeutsch, das kommt schon sehr gut an.</p>
<p><strong>Dein Dasein als Castingshow-Sieger hast du den Medien zu verdanken. Bist du ein Medienprodukt?</strong><br />
(zögert) Ich bin gemacht von einer Show. Gilt das auch als Medium? Es hat mich natürlich schon vorher gegeben als Musiker, einfach in einem kleineren Rahmen. Aber klar, wenn mich die Medien nicht unterstützt und gepusht hätten, wäre ich nicht zum Star geworden. Das kann man wohl so sagen.</p>
<p><strong><a href="http://www.glanzundgloria.sf.tv/Nachrichten/Archiv/2012/10/07/Schweiz/Happy-Birthday!-Luca-Haenni-wird-18-Jahre-alt " target="_blank">Du bist jung</a>. Fühlst du dich von den Journalisten ernst genommen?</strong><br />
Es gibt beides. Die meisten sind respektvoll. Ich merke einen Unterschied zwischen Radios und Zeitungen. Beim Radio kommt es sehr darauf an, ob der Moderator einen mag oder nicht. Moderatoren sind oft kritischer als Zeitungsjournalisten.</p>
<p><strong>Hast du schon schlechte Erfahrungen mit Medien gemacht?</strong><br />
(Luca Hänni schaut seinen Manager an, beide lachen.) Luca Hänni: Gerade jetzt geht die Gerüchteküche ab, es heisst, Luca trennt sich von Bohlen. Es ist ein neues Album in Planung, aber mit welchem Produzent das im nächsten Jahr herauskommt, ist noch offen. Und dann steht plötzlich überall etwas, was nie gesagt worden ist.<br />
Frank Wiedermann: Luca wurde nicht nur falsch zitiert, sondern es wurde etwas hineininterpretiert. Das ist natürlich schlecht. Jetzt gehen alle Medien drauf und verbreiten es weiter. Gerade die Boulevard-Zeitschriften suchen immer eine Story. Da geht es weder um die Musik noch um den Menschen, sondern nur um die Sensation. Und wenn die nichts haben, schreiben sie eben selber etwas. Es gibt verschiedene Medien, die so ihre Schlagzeilen machen – und das auf Kosten des Künstlers.</p>
<p><strong>Welche Konsequenzen zieht ihr daraus?</strong><br />
Luca Hänni: Man kann nicht einfach abwarten, was passiert, man muss es klarstellen. Das haben wir gestern auf RTL gleich gemacht. Ich mag es nicht, wenn ein Gerücht umgeht.</p>
<p><strong>Und Konsequenzen gegenüber der Zeitung oder dem Journalisten?</strong><br />
Frank Wiedermann: Was will man schon machen. Wir werden sehen, wie wir damit umgehen. Es gibt in der Schweiz eine Journalistin, die wird kein Interview mit Luca mehr machen. Sie hatte ein Interview geführt und fand das wohl total langweilig, weil nichts Neues dabei herauskam. Sie wollte im Privatleben bohren. Am Ende hat sie mich zitiert mit der Erklärung, warum man nichts über das Privatleben sagt. Luca wurde zur Nebensache, und das geht natürlich nicht. Wir hatten schon davor negative Erfahrungen mit ihr gemacht, aber das war der Gipfel.</p>
<p><strong>Lest ihr Interviews denn nicht gegen?</strong><br />
Frank Wiedermann: Im Normalfall lesen wir Interviews gemeinsam durch. Es gibt natürlich tagesaktuelle Boulevardmedien, wo ein Gegenlesen alleine wegen dem Zeitdruck schwierig ist. Oft wird es vom Journalisten aber einfach nicht geschickt. Bei anderen Zeitungen kriegt man die Interviews ganz selbstverständlich zum Gegenlesen. In der Regel geben wir die okay, wir haben ja nichts zu verbergen. Aber wenn jemand wirklich etwas völlig anderes schreibt oder eine Aussage in einem anderen Kontext verwendet, dann muss man das ändern.</p>
<p><strong>Was macht ihr sonst für Erfahrungen mit Boulevard-Medien?</strong><br />
Frank Wiedermann: Boulevard-Medien versuchen oft Tricks anzuwenden, um Sachen rauszukriegen, die es gar nicht gibt. Die wollen für sich eine Geschichte bauen. Wir hatten mal ein Angebot, Luca mit seiner Freundin nach Mauritius in den Badeurlaub zu schicken – bezahlt. Einzige Bedingung: ein Fotograf ist dabei. Das fanden wir toll, nur hatte die Freundin von Luca keine Zeit und ich wäre stattdessen mitgeflogen. Das wollten sie natürlich nicht mehr bezahlen, weil sie nur auf die Exklusiv-Bilder aus waren.</p>
<p><strong>Gibt es umgekehrt auch Medien, die du mittlerweile kennst und denen du vertraust? </strong><br />
Luca Hänni: Es gibt sie schon, die Medien, zu denen man einen sehr guten Draht hat. Aber Medien bleiben Medien. Ich glaube, man kann sollte ihnen nie so richtig vertrauen. Klar, es ist ein Geben und ein Nehmen, beide Seiten wollen immer nur das Beste. Aber das Beste für eine Zeitung ist manchmal auch etwas, was nicht stimmt. Darum halte ich eine gewisse Distanz.<br />
Frank Wiedermann: Die Leute von der Jugendzeitschrift «Bravo», die gleich hier vorbeikommen, kennen wir seit Jahren. Sonst würden wir die nicht nach Hause einladen, das ist doch sehr privat und intim. Bei ihnen können wir uns sicher sein, dass sie die Dinge so schreiben, wie sie gemeint sind – natürlich in ihrer jugendlichen Sprache.</p>
<p><strong>Dein Management nimmt eine wichtige Rolle ein. Gilt das auch für den Umgang mit Medien?</strong><br />
Auf jeden Fall. Die Anfragen gehen ja nicht an den Künstler selber. Das Management checkt ab, worum es genau geht – zu meiner Sicherheit und damit ich mich wohl fühle. Das steht dann auf meinem Plan und ich kann mich darauf einstellen.</p>
<p><strong>Besprecht ihr Gespräche vor?</strong><br />
Luca Hänni: Das ist schon wichtig. Ich fühle mich wohler, wenn ich weiss, worum es geht.<br />
Frank Wiedermann: Wobei Luca sehr frei ist. Wir sagen ihm nicht, was er sagen soll und was nicht. Im Gegenteil. Es geht mehr um Themen wie die anstehende Tour, das Album oder ein Produkt, das man durch die Medien promoten will. Wir, das Management, sind aber nur seine Beraterfirma. Die Entscheidung liegt einzig und alleine beim Künstler, ob er unsere Beratung annimmt. Es ist schliesslich sein Gesicht, das dann im Fernsehen oder in der Zeitung ist.</p>
<p><strong>Hast du mal ein Medientraining erhalten?</strong><br />
Luca Hänni: Ich habe bei DSDS schon gewisse Erfahrungen gesammelt. Ein richtiges Medientraining hatte ich aber noch nie. Das würde mich sehr interessieren, davon habe ich schon viel gehört. Was man alles mit Medien machen kann, klingt cool. Gerade beim Sprechen: wie man Wörter betont oder eben nicht, damit man nicht falsch verstanden wird.</p>
<p><strong>Welche Tipps hat dir dein Management dazu gegeben?</strong><br />
Mich selber sein, entspannt und locker bleiben – das ist das Wichtigste. Und wenn mir Fragen gestellt werden, auf die ich keine Antwort weiss, bin ich frei, diese zu überspringen. Besser einmal überspringen als Quatsch zu erzählen.</p>
<p><strong>Du hast eine eigene <a href="http://www.migros.ch/de/medien/aktuelle-meldungen-2012/luca-haenni.html" target="_blank">Unterwäsche-Kollektion</a>, für die du auch als Model posierst. Ein Pflichtprogramm?</strong><br />
Das mache ich sehr gerne. Ich bin total froh über diese Anfrage. Ich mag Fotoshootings, und die Promos im Laden sind einfach der Hammer. Da sind beide Seiten gut bedient. Alles was Werbung und Medien ist, macht mir Spass. Wie bei den Interviews entscheiden wir zusammen, worauf ich Bock habe und was das Management gut findet.</p>
<p><strong>Gibt es für dich auch Tabus?</strong><br />
Ja klar! Das war ein Unterwäsche-Shooting, weniger würde ich nicht tragen. Für Alkohol würde ich auch keine Werbung machen. Das passt auch nicht zu mir, ich bin halt ein Teenie-Star.</p>
<p><strong>Du kommunizierst intensiv über deinen <a href="http://www.facebook.com/pages/Luca-H%C3%A4nni/320623297957878 " target="_blank">Facebook</a>&#8211; und <a href="https://twitter.com/haenni__luca" target="_blank">Twitter</a>-Account. Welchen Kanal magst du lieber?</strong><br />
Twitter ist eigentlich praktischer, weil man in den Kurznachrichten weniger schreiben muss. Aber Facebook ist einfach der Hammer, weil man mit Fotos und Gewinnspielen ganz viele Leute erreichen und ganz viel machen kann. Aber ich habe die Konten ohnehin verbunden: Instagram, Twitter, das landet alles auch auf Facebook.</p>
<p><strong>Wie stark beeinflusst das Management deine Aktivitäten, zum Beispiel die Hinweise auf Gratis-Konzerte oder dein Tour-Tagebuch auf Facebook? </strong><br />
Das sind eigentlich meine Ideen, das mache ich selber.</p>
<p><strong>Für deine «Fännis», wie du deine Fans nennst, postest du unzählige Herzen. Lieferst du dich emotional aus? </strong><br />
Die Fans fahren voll darauf ab, wenn da Herzchen stehen – und für mich ist es kein Problem, ihnen das zu bieten. Ich kenne aber meine Grenze: Ich schreibe zwar, wenn ich schlafen gehe oder aufstehe, aber mein Privatleben poste ich nicht auf Facebook. Ich habe ich nicht das Gefühl, dass ich mich da ausliefere.</p>
<p><strong>Und umgekehrt: Macht dir die Aufopferung deiner Fans manchmal Angst?</strong><br />
Nicht gerade Angst, aber es gibt schon krasse Sachen. Man muss auch aufpassen, wenn man jemandem auf Facebook zurückschreibt oder auch nur «gefällt mir» klickt. Dann meint die Person gleich, dass wir jetzt Freunde seien.</p>
<p><strong>Deine Freundin hältst du konsequent von den Medien fern. War das ihr Wunsch?</strong><br />
Es war der Wunsch von uns beiden. Wenn sie auch Musik machen würde, wäre das wohl etwas anderes. Ich bin viel unterwegs, und sie muss ja ihr normales Leben weiterleben. Sie wird da rausgehalten, damit sie keine Probleme bekommt.</p>
<p><strong>Von Reality-Shows wie Big Brother hast du dich früher distanziert. Kürzlich warst du dennoch im <a href="http://www.20min.ch/entertainment/tv/story/Luca-Haenni-im-RTL-Trash-TV-28296240 " target="_blank">«Trash»-Format</a> «Mitten im Leben» <a href="http://www.rtl.de/cms/sendungen/real-life/mitten-im-leben/video.html " target="_blank">auf RTL</a> zu sehen. Woher der Sinneswandel?</strong></p>
<p><strong></strong>Ich möchte nicht Hauptdarsteller einer solchen Show sein. Sie kamen einfach bei einem Konzert von mir vorbei und haben mich gefilmt. Klar, ich habe die Fans dann auch reingeholt, aber das war nicht gespielt. In einer Soap wäre ich hingegen gerne einmal zu Gast. Das fände ich cool.<br />
Frank Wiedermann: Erst wollten wir nicht mitmachen. Dann konnten wir aber alles im Vorfeld mit der Redakteurin besprechen, damit es nicht blöd aussieht. In der Show ging es dann vor allem um zwei Mädels, die eine Reise in die Schweiz gemacht haben. Wir haben zugesagt: Eine Stunde Luca Hänni als Thema im Fernsehen – wo kriegt man sonst eine Stunde Musik?</p>
<p><strong>In der Schweiz warst du bei ganz unterschiedlichen TV-Sendungen zu Gast: vom Jugend-Sender Joiz, bis zu traditionelleren Formaten wie Benissimo oder SF bi de Lüt.</strong><br />
Die Teenies lesen bestimmt keine BZ, die sind auf Facebook, schauen Joiz. Da geht es darum, etwas zu performen, um Spass. Es ist mir aber wichtig, auch das ältere Publikum anzusprechen und seriösere Gespräche zu führen, wo es zum Beispiel um die Zukunft geht. Ich werde ja auch älter und will in der Zukunft auch immer noch Musik machen. Da ist es wichtig, auch die älteren Leute auf meiner Seite zu haben.</p>
<p><strong>Gewinner von Casting-Shows verschwinden meist schnell wieder in der Versenkung. Was ist deine Strategie, damit die Medien dich nicht vergessen, wenn es bereits den nächsten Superstar gibt?</strong><br />
Die Strategie ist, Gas zu geben und viel Neues zu machen. Das Ziel ist, nächstes Jahr mit dem neuen Album zu überzeugen, um etwas aus der Castingshow-Ecke rauszukommen. So will ich auch in Zukunft bestehen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/12/11/manche-medien-schreiben-einfach-irgendwas/">«Manche Medien schreiben einfach irgendwas»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>«Medien sind Geiseln von Ausnahmefällen»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2012/11/19/die-medien-sind-geiseln-von-ausnahmefaellen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Felicie Notter]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 19 Nov 2012 09:32:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Reinhard Schulze]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Von 9/11 über den arabischen Frühling bis hin zur Burka-Diskussion: Professor Reinhard Schulze ist als Islamwissenschaftler ein beliebter Ansprechpartner der Medien. Er ordnet aktuelle Ereignisse in der Tagesschau ein, diskutiert im «Club» und gibt Zeitungen Interviews. Nach über zehn Jahren in der Öffentlichkeit kennt er das Geschäft – und damit die Grenzen seiner Zusammenarbeit mit <a href="https://medienwoche.ch/2012/11/19/die-medien-sind-geiseln-von-ausnahmefaellen/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/11/19/die-medien-sind-geiseln-von-ausnahmefaellen/">«Medien sind Geiseln von Ausnahmefällen»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Von 9/11 über den arabischen Frühling bis hin zur Burka-Diskussion: Professor Reinhard Schulze ist als Islamwissenschaftler ein beliebter Ansprechpartner der Medien. Er ordnet aktuelle Ereignisse in der Tagesschau ein, diskutiert im «Club» und gibt Zeitungen Interviews. Nach über zehn Jahren in der Öffentlichkeit kennt er das Geschäft – und damit die Grenzen seiner Zusammenarbeit mit den Medien.</strong><br />
<img loading="lazy" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2012/11/0651824.jpg" alt="" width="1680" height="1095" class="alignnone size-full wp-image-56920" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2012/11/0651824.jpg 1680w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2012/11/0651824-300x195.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2012/11/0651824-768x500.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2012/11/0651824-1024x667.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 1680px) 100vw, 1680px" /><br />
<strong>Medienwoche: Herr Professor Schulze, Ihre Einschätzungen als Islam-Experte sind in den Medien gefragt. Kritiker beurteilen Ihre Warte aber als <a href="http://www.frei-denken.ch/de/2010/10/fvs-rugt-sendung-kulturplatz-vom-6-10-2010/ " target="_blank">«islamfreundlich»</a>. Was ist Ihre Position?</strong><br />
Schulze: Meine Aufgabe als Islamwissenschaftler besteht darin, eben gerade kein politisches Urteil zu vermitteln. Es geht darum, mit rationalen Argumenten, den Informationsstand zu verbreitern und Falschinformationen zu korrigieren. Die Öffentlichkeit soll sich ihre Meinungen und Urteile auf einer gesunden Grundlage bilden können. Welche politischen Haltungen sich daraus ergeben, kann ein Wissenschaftler nicht steuern.</p>
<p><strong>Sehen Sie sich als Gegengewicht zu einer zunehmend islamfeindlichen Stimmung?</strong><br />
In einem bestimmten Teil der Öffentlichkeit ja. Das sind rechts-konservative oder evangelikale Kreise – aber nicht nur. Auch im liberalen Milieu oder auf der politisch linken Seite gibt es Leute, die für sich beanspruchen, eine islamkritische Haltung artikulieren zu dürfen. Hier wird einem Islamfreundlichkeit unterstellt, nur weil man kein moralisches Urteil abgibt. Würde ich sagen, «die Muslimbrüder sind gefährlich», würde man mir das sicher nicht vorwerfen. Sage ich hingegen, «die Muslimbrüder sind als eine Organisation wertkonservativer Art zu verstehen, die in der ägyptischen Szene eine Art von sozialmoralischem Milieu gebildet haben» – dann wird man mir Verharmlosung unterstellen und die Aussage als typisch islamfreundlich werten.</p>
<p><strong>Sie sagten einmal, Ihr Ziel sei es, den «Normalfall Islam» in den Vordergrund zu rücken.</strong><br />
Im Grunde sind wir in der Öffentlichkeit Geiseln von Ausnahmefällen. Die Medien fokussieren auf den Extremzustand. Sie skandalisieren ihn als Teil der Gesamtwelt – das ist nicht nur bei uns, sondern auch in der arabischen Welt so. Eine sehr prononcierte Position oder gar militante Aktion wird als repräsentativ interpretiert; so sehen sich die Protagonisten ja auch gerne selber. Mein Anliegen ist es, etwas dagegen zu steuern: Es gibt auch den Normalfall, und der ist genau so medienrelevant.</p>
<p><strong>Was ist Ihre persönliche Motivation?</strong><br />
Ein komisches Gefühl von Gerechtigkeitsempfinden. Ich stelle mir immer vor, meine eigene Welt würde genau so skandalisiert wahrgenommen, wie wir die muslimische oder arabische Seite wahrnehmen. Da würde ich mich sehr schlecht fühlen.</p>
<p><strong>Wo kennen Sie sich aus, zu welchen Themen äussern Sie sich nicht?</strong><br />
Ich habe in Saudi-Arabien, Ägypten, Syrien, Libanon und Irak gelebt und spreche ein Hocharabisch mit einem syrisch-ägyptischen Dialekteinschlag. Meine Kompetenz endet am Indus. Alles, was östlich davon liegt, ist für mich ein anderes Land.</p>
<p><strong>Gibt es Medienanfragen, die Sie ablehnen?</strong><br />
Definitiv, es gibt für mich eine Grenze der Zusammenarbeit. Medien, die aus einem Problem einen Skandal machen wollen, stehen für mich nicht zur Diskussion. Mit denjenigen Medien, die von mir lediglich die Rolle eines Experten erwarten, kooperiere ich gerne.</p>
<p><strong>Das klingt nach schlechten Erfahrungen.</strong><br />
Ich hatte eine Erfahrung mit dem «Blick», die war nicht so positiv. Es ging um eine Aussage, die sich auf eine Stelle im Koran bezog. Ich wurde dermassen falsch zitiert, dass ich mich selbst als jemanden, der die islamische Gewalt im Grunde befürwortet, wiederfand. Die Medien reduzieren ohnehin schon stark, aber das empfand ich als eine Katastrophe. Seither lehne ich alles ab, was für mich Skandalpresse ist, dazu gehört auch «20 Minuten».</p>
<p><strong>Sie haben auch in anderen Zusammenhängen von einer <a href="http://www.swissinfo.ch/ger/news/newsticker/international/Nach_dem_Minarett_soll_in_der_Schweiz_die_Burka_verboten_werden.html?cid=8808818" target="_blank">zunehmenden Skandalisierung</a> gesprochen. Betrifft sie auch andere Medien?</strong><br />
Im Grunde betrifft es inzwischen alle Medien. Offensichtlich wird der Nachrichtenwert davon abhängig gemacht, wie der Konsument eine Nachricht bewertet. Wenn er sie goutiert, dann ist es eine gute Nachricht – und umgekehrt. Der Skandal wird meist goutiert, wodurch der Skandal einen höheren Nachrichtenwert erhält als eine unspektakuläre Nachricht. Diese konsumorientierte Vermittlung führt zu einer Umstrukturierung der Nachrichten, vom Aufbau bis zum Inhalt.</p>
<p><strong>Welche Medien präferieren Sie als Plattform für Ihre Botschaften?</strong><br />
Radio mache ich gerne. Da hat man etwas mehr Spielraum. Wenn der Gesprächspartner gut ist, kann man wirklich ein interessantes Gespräch führen. Da habe ich schon sehr gute Erfahrungen gemacht. Bei der Presse bin ich zurückhaltend, selber etwas zu schreiben. Die Journalisten haben eine andere Art, Dinge zu benennen und benutzen Bilder, die mir in meinem trockenen akademischen Geschäft nicht so zugänglich sind. Ich bin etwas neidisch, wenn Journalisten eine schöne Feder haben.</p>
<p><strong>Sie wurden auch schon wohlwollend <a href="http://www.izrs.ch/index.php/de/news/diskussionssendungen/229-prof-reinhard-schulze-die-burka-diskussion-ist-qeine-auseinandersetzung-um-nichtsq.html" target="_blank">vom Islamischen Zentralrat zitiert</a>.</strong><br />
Dass einen gewisse Gruppen als Kronzeugen zitieren, würde man manchmal gerne verhindern. Aber das ist in der Informationsgesellschaft, in der wir leben, gar nicht möglich. Damit muss man leben.</p>
<p><strong>Haben Sie diese Rolle in der Öffentlichkeit gesucht?</strong><br />
Gewiss nicht, das war früher auch nicht Teil meines Selbstverständnisses. Allerdings hatte ich vor Beginn meiner akademischen Laufbahn überlegt, in den Journalismus zu gehen. Ich habe auch bei Zeitungen hospitiert, somit ist mir das Geschäft nicht ganz unbekannt. Aber ich hatte mir nie vorgestellt, dass meine akademische Tätigkeit mit einer Medienarbeit verbunden sein würde.</p>
<p><strong>Wie ist es dazu gekommen?</strong><br />
In der Schweiz durch 9/11. Die Ratlosigkeit in der Schweizer Öffentlichkeit war damals gross. Zuvor beschränkten sich meine Einschätzungen auf einzelne arabische Länder, wenn es etwa um die Revolution im Iran ging. Dann aber wurde die Religion zum Thema, und die Fragen bezogen sich nun mehr und mehr auf den Islam.</p>
<p><strong>Kommt es vor, dass Sie aktiv auf Medien zugehen, um ein Thema zu setzen oder eine neue Perspektive in eine Diskussion einzubringen?</strong><br />
In Einzelfällen versuche ich schon, die Aufmerksamkeit ein wenig zu steuern und zu sagen: «Schaut mal auch da hin.» Gerade nach 9/11 hatte ich das Gefühl, hier muss wieder der Normalfall gezeigt werden. Das war auch mein Einstand beim «Bund»: Es gab eine Sitzung mit der Redaktion, wo man darüber beratschlagt hat, wie man das Thema Islam angehen könnte. Daraus hat sich dann eine ganze Porträt-Serie ergeben von Muslimen, die in der Schweiz leben. Angesichts des Tagesgeschäfts an der Uni kommt das aber nicht oft vor.</p>
<p><strong>Experten wollen differenzieren, Journalisten zuspitzen. Wie bewegen Sie sich in diesem Spannungsfeld?</strong><br />
Das ist eine ungeheuer schwere Aufgabe. (seufzt) Die Kommentare oder Antworten, die man etwa am TV zu liefern hat, müssen in kurzen Statements von zwanzig bis dreissig Sekunden abgegeben werden – und das bei Fragen, an die ich gerne erst einen Studenten für seine Masterarbeit ransetzen möchte. Dazu kommt der Wechsel von einer akademischen, wissenschaftlichen Sprache in eine Art Expertensprache. Die Herausforderung ist es, das Informationsbedürfnis der Öffentlichkeit nach einer klaren Antwort zu befriedigen und sich dabei nicht in seinem eigenen akademischen Ethos zu verletzen. Ich finde das ungeheuer schwer, auch heute noch.</p>
<p><strong>Wie trainieren Sie für diesen Spagat?</strong><br />
Was die Mediensprache anbetrifft, bin ich Autodidakt. Aber wir üben das auch gezielt an der Uni: Die Studenten präsentieren ein Thema zunächst akademisch, und in einem zweiten Schritt nochmals für die Öffentlichkeit. Sie sollen erkennen, welche Differenzen es gibt, wo man verallgemeinern darf und wo nicht. Mit welchen Redestrategien sie das akademisch Richtige sagen können und trotzdem verständlich bleiben. Das Berufsfeld von Islamwissenschaftlern hat sich in letzter Zeit stark auf die Öffentlichkeit hin ausgerichtet.</p>
<p><strong>Bei spektakulären Ereignissen erwarten die Medien von den Experten eine schnelle Einordnung. Nach den Anschlägen von 9/11 haben Sie sich <a href="http://www.drs.ch/www/de/drs/themen/panorama/289769.10-jahre-9-11-gespraech-mit-reinhard-schulze-ueber-den-islam.html" target="_blank">Zeit ausbedungen</a>, um sich zunächst selber über die Geschehnisse zu informieren. Zeigen die Medien dafür Verständnis?</strong><br />
Ich sagte damals dem Redaktor, ich hätte keine Ahnung, worum es geht. Da fragte er, ob ich denn in einer halben Stunde etwas sagen könne. Das ist ein wirklich schwieriger Punkt für uns Experten: Wir müssen von der Öffentlichkeit definierte Themen in relativ kurzer Zeit durcharbeiten, um darauf Antworten zu bringen. Ich bedinge mir manchmal eine Viertel- oder halbe Stunde aus. Inzwischen reicht das, es muss reichen. Gerade in Bezug auf Libyen oder Syrien gibt es manchmal sehr spezifische Fragen, sodass ich meine Kontakte vor Ort anrufe. Das ist aber im Moment etwas heikel, ein Telefonat nach Syrien ist nicht unproblematisch. Ich will meine Kontaktpersonen nicht gefährden.</p>
<p><strong>Wie halten Sie sich auf dem Laufenden?</strong><br />
Inzwischen gehört Medienmonitoring zum Tagesgeschäft. Ich lese arabische Zeitungen, höre arabisches Radio. Hiesige Medien nehme ich weniger zur Kenntnis, sie bringen meist nur einen Kommentar zu dem, was die arabischen Medien produzieren. Es gibt wenig originelle westliche Informationen. Die Informationen sind zwar relativ schnell verfügbar, am schnellsten auf der Seite vom Schweizer Fernsehen. Aber es sind doch meist Reproduktionen von Informationen, meist von Al Jazeera.</p>
<p><strong>Wie informieren Sie sich über hiesige Themen?</strong><br />
Dafür sind für mich die schweizerischen Medien natürlich sehr wichtig, gerade was schweizerische oder europäische Politik angeht. Ich lese den Tagesanzeiger und die NZZ, für lokale Berichterstattung den «Bund». Radio höre ich nicht. Fernsehen habe ich auch keinen.</p>
<p><strong>Sehen Sie sich Ihre eigenen Auftritte an, lesen Sie Ihre Interviews?</strong><br />
Nein.</p>
<p><strong>Sie haben auch schon negative Erfahrungen mit den Medien gemacht: Aufgrund falscher Filz-Vorwürfe der Weltwoche haben Sie auf eine Kandidatur <a href="http://www.derbund.ch/bern/Professor-Reinhard-Schulze-zieht-sich-frustriert-zurueck-/story/10308336 " target="_blank">als Vizerektor der Universität Bern verzichtet</a>.</strong><br />
Meine Reaktion war nicht unmittelbar mit der Berichterstattung verknüpft. Aber ja, das ist leider so, dass dann auch die Person eine Rolle spielt und man angegriffen werden kann. Damit habe ich in meiner Naivität gar nicht gerechnet. In der Kampagne, die da gestartet wurde, war ich nur ein Teil in der Argumentation, daher hab ich das schnell weggesteckt. Aber natürlich, persönliche Angriffe sind erniedrigend.</p>
<p><strong>Sie äussern sich zu einer grossen Vielfalt von Themen – mitunter auch innenpolitisch, etwa <a href="http://www.drs.ch/www/de/drs/sendungen/doppelpunkt/2634.sh10105231.html " target="_blank">zur Minarett-Initiative</a> oder <a href="http://www.drs.ch/www/de/drs/sendungen/tagesgespraech/2782.sh10134811.html " target="_blank">zur Burka-Diskussion</a>. Ist dies aus Sicht der Universität als öffentlichen Betrieb kein Problem?</strong><br />
Ich möchte in der Öffentlichkeit nicht als Vertreter der Universität wahrgenommen werden. Ich bin nichts anderes als einer von vielen Professoren, die auf Grundlage ihres Wissens etwas mitteilen. Das war auch eine Überlegung in Bezug auf das Rektorat: In dem Moment, wo man als Vizerektor amtiert, könnte die Expertenrolle gleichgesetzt werden mit der Rolle einer bestimmten Führungsposition in der Universität. Dies auseinanderzuhalten ist nicht unbedingt einfach – ich kann es, aber ob es die Öffentlichkeit kann, weiss ich nicht.</p>
<p><strong>Und als Professor: Gibt es Uni-intern eine Weisung, wie weit Sie gehen dürfen?</strong><br />
Würde ich in einer Sendung meine eigene Meinung vortragen, müsste ich darauf achten, dass darunter bei meinem Namen nicht Universität Bern steht. Wenn ich hingegen als Experte zu einer Sachinformation befragt werde, finde ich es völlig korrekt, wenn der Verweis auf die Universität gemacht wird. Ich vertrete dann eine Information, die von mir als Angestellter der Universität Bern geschaffen worden ist.</p>
<p><strong>Experten, die sich in den Medien äussern, riskieren in Akademikerkreisen als unseriös abgestempelt zu werden.</strong><br />
Es gibt den alten akademischen Ethos, unser Wissen nur für die Wissenschaft, also für unseren Zirkel zu produzieren. Alle Formen der Übersetzung, die man über die Medien verbreitet, werden als sinnlos oder gar als Verfälschung angesehen. Diese Ansicht gibt es schon. Die Reaktionen an der Universität sind aber positiv. Da habe ich auch mit meiner Arbeit als Dekan ein Gegengewicht aufgebaut, sodass klar war, dass ich mich nicht nur für die Medien, sondern auch für die Universität einsetze. Es gibt aber auch Grenzen – nicht alles, was wir akademisch verhandeln, betrifft auch die Öffentlichkeit. Es sind zwei Ebenen, die nicht unbedingt miteinander vermischt werden müssen.</p>
<p><strong>Sie kommen aus Berlin, studierten in Bonn, waren Professor in Bochum und Bamberg. Was hält Sie an der Universität Bern?</strong><br />
Die Leichtigkeit des Seins. (lacht) Das akademische Dasein an einer schweizerischen Universität ist leicht: wenig Bürokratie, flache Hierarchien, gute Kollegialität. Die Konsenspolitik in den politischen Institutionen ist sehr hilfreich: Entscheidungen müssen zwar teilweise mühevoll erarbeitet werden, werden dann aber breit mitgetragen. Ich hatte verschiedene Möglichkeiten, an andere Universitäten zu gehen, aber mir gefällt es hier.</p>
<p><strong>Was unterscheidet Sie von anderen Experten, etwa islamischen Fachpersonen wie <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Farhad_Afshar " target="_blank">Farhad Afshar</a>?</strong><br />
Die armen Experten, die jetzt als Muslime in den Vordergrund gerückt werden. Herr Afshar ist eigentlich Soziologe, wird aber ständig als Muslim befragt. Er muss das Islamische fast apologetisch vertreten. Das heisst, er muss sehr stark moralisch bewerten – und das brauche ich nicht zu tun. Da habe ich einen grossen Vorteil. Ich muss nicht sagen, was ist gut und was ist schlecht. Ich kann nur sagen, was plausibel oder richtig, was unverständlich oder falsch ist.</p>
<p><strong>Eine andere Klasse von Experten sind die Korrespondenten. Oft werden Sie zu ähnlichen Einschätzungen gebeten.</strong><br />
Je nach Aktualität eines Ereignisses ziehen Fernsehen und Radio Augenzeugen vor – zu Recht. Ich kann aus Bern diesen Augenzeugencharakter nicht garantieren. Schlecht finde ich, wenn die Medien mich mangels verfügbarer Korrespondenten doch dafür haben möchten. Ich will nicht als Pseudo-Augenzeuge fungieren, nur weil ich etwas auf Al-Arabiya im Fernsehen gesehen habe.</p>
<p><strong>Die Konflikte in der arabischen Welt sowie das Verständnis zwischen den Kulturen hierzulande – beides wird nicht einfacher, sondern zunehmend angespannt. Frustriert Sie Ihr Forschungsgebiet manchmal?</strong><br />
Absolut. Das ist schon frustrierend, wenn sich eigene pessimistische Vorhersagen über soziale Prozesse bestätigen. Ich würde furchtbar gerne öfter von der Realität widerlegt werden. Gerade jetzt in Syrien, das Elend kann man sich gar nicht vorstellen. Manchmal wünschte ich mir, ich wär’ Astrophysiker.</p>
<p><small>Bild: Adrian Moser</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/11/19/die-medien-sind-geiseln-von-ausnahmefaellen/">«Medien sind Geiseln von Ausnahmefällen»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>«Spontan kommt man am besten rüber»</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Felicie Notter]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 05 Nov 2012 09:50:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Alexander Tschäppät]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Alexander Tschäppät, Berner Stadtpräsident und SP-Nationalrat, hat es zur Cervelat-Prominenz gebracht: Journalisten interessieren sich nicht nur für seine Politik, sondern auch dafür, wie er leibt und lebt. Ihr Spiel macht er mit, lässt sich von den Medien aber nicht mehr so leicht aus der Ruhe bringen – mit wenigen Ausnahmen. Das Gespräch findet während der <a href="https://medienwoche.ch/2012/11/05/spontan-kommt-man-am-besten-rueber/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Alexander Tschäppät, Berner Stadtpräsident und SP-Nationalrat, hat es zur Cervelat-Prominenz gebracht: Journalisten interessieren sich nicht nur für seine Politik, sondern auch dafür, wie er leibt und lebt. Ihr Spiel macht er mit, lässt sich von den Medien aber nicht mehr so leicht aus der Ruhe bringen – mit wenigen Ausnahmen.</b><br />
<img loading="lazy" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2012/11/04112856.jpeg" alt="" width="1680" height="1062" class="alignnone size-full wp-image-56895" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2012/11/04112856.jpeg 1680w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2012/11/04112856-300x190.jpeg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2012/11/04112856-768x485.jpeg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2012/11/04112856-1024x647.jpeg 1024w" sizes="auto, (max-width: 1680px) 100vw, 1680px" /><br />
Das Gespräch findet während der Herbstsession in der Wandelhalle im Bundeshaus statt. Alexander Tschäppät erscheint gutgelaunt und gesprächig. Zweimal huscht er in den Ratssaal ab für eine Abstimmung. Auf unerfreuliche Themen angesprochen, zeigt er sich verärgert bis aufgebracht. An seinem Credo stets authentisch zu bleiben, lässt er damit keine Zweifel.<br />
Das Gespräch kam unter der Bedingung zustande, dass das Interview vor den Stadtberner Wahlen publiziert würde. Alexander Tschäppät kandidiert für eine dritte Amtszeit als Stadtpräsident.</p>
<p><strong>Herr Tschäppät, obwohl ich noch nie mit Ihnen gesprochen habe, meine ich einigermassen gut über Sie Bescheid zu wissen. Entspricht das mediale Bild von «Tschäppu» dem realen Alexander Tschäppät?</strong><br />
In der politischen Beurteilung stimmt es einigermassen, persönlich weniger, aber das ist auch nicht nötig. Meine These lautet: Die Medien schreiben immer den Medien ab. All die Klischees, die es über mich gibt, werden immer wiederholt – ohne, dass je ein Journalist hinterfragt, ob sie wirklich stimmen.</p>
<p><strong>Welche Seiten von Ihnen kommen in den Medien zu kurz?</strong><br />
Ich habe keine so harte Schale und bin gar nicht so mediengestählt, wie viele meinen. Die Leute haben immer das Gefühl, ich stecke alles locker weg, dabei bin ich ein empfindlicher Mensch. Manchmal schlafe ich schlecht. Ich schüttle auch nicht alles aus dem Ärmel. Im Gegenteil: Vor einem Fernsehauftritt bin auch ich gestresst und habe schauriges Lampenfieber.</p>
<p><strong>Die Medien zeichnen oft das Bild von Ihnen als jovialer Typ. Sind Sie ein Lebemann? </strong><br />
Als ich jung war, wurde mir dieses Klischee angehängt. Damals nervte mich das, weil es nicht wirklich zutraf. Jetzt bin ich über sechzig Jahre alt und das Klischee haftet immer noch an mir – so ist es fast ein Kompliment geworden. Was man mir heute noch alles zutraut! Dabei bin ich abends müde und gehe am liebsten ins Bett. Mir die Nächte um die Ohren zu schlagen, das ist passé.</p>
<p><strong>Welche Medien nutzen Sie?</strong><br />
Ich lese zuerst einmal «Bund» und Berner Zeitung. Dann werfe ich einen Blick in den Tages-Anzeiger, um zu wissen, was in Zürich läuft. In der NZZ lese ich nur Ausgewähltes. Dann schaue ich noch schnell Blick und 20 Minuten an. Alles in Print, ich bin ja kein Computerfreak. Am Radio höre ich die Nachrichten, wenn ich morgens früh um 6 eine Stunde mit den Hunden spazieren gehe. Da habe ich ein kleines Transistorradio dabei. Zum Fernsehen komme ich praktisch nie. Wenn ich mal an einem Abend daheim bin, ist das nicht das Wichtigste. Ich habe auch nicht mehr denselben Drang, in die Arena und all diese Sendungen zu kommen.</p>
<p><strong>Dabei haben Sie mit dem Sonntalk, der nun auch <a href="http://www.kleinreport.ch/news/sonntalk-neu-auch-auf-telebaern-70689.html " target="_blank">von TeleBärn gezeigt wird</a>, eine<a href="http://www.telezueri.ch/index.php?id=6830&amp;show_uid=11544&amp;yyyymm=0&amp;cHash=8f154f2dee " target="_blank"> neue Bühne.</a> Wie bereiten Sie sich auf einen TV-Auftritt vor?</strong><br />
Ich schreibe mir keine Quotes auf. Aber ich bereite mich auf Themen vor und versuche, mir eine Meinung zu bilden. Grundsätzlich kommt man am besten rüber, wenn man spontan ist. Das braucht etwas Mut. Vielleicht ist es auch eine Frage der Routine. Eine zu genaue Vorbereitung kommt aus meiner Sicht aufgesetzt daher. Man sieht es, wenn einer genau diesen und jenen Satz loswerden will – und ihn am Ende noch im falschen Kontext platziert. Nur weil ihm ein Berater gesagt hat, es wär’ noch gut. Daran glaube ich so wenig wie an Medientrainings. Aber ich glaube, dass es einen Unterschied macht, ob man ein kariertes oder ein blaues Hemd für den Auftritt im Fernsehen anzieht oder nicht. Für solche praktische Tipps ist Beratung sinnvoll.</p>
<p><strong>Sie scheinen einigermassen beratungsresistent zu sein. Welche Rolle spielt der Informationsdienst der Stadt Bern, der Ihnen zur Verfügung steht? </strong><br />
Inhaltlich lasse ich mich schon beraten, aber nicht im Umgang mit den Medien. Niemand coacht mich. Das ist auch nicht nötig: Als Stadtpräsident in Bern, der den öffentlichen Verkehr benutzt und ab und zu in einer Beiz ein Bier trinkt, weiss ich, was die Leute von mir und meinem letzten Auftritt denken. Ich brauche kein teures Medienbüro, das mir Tipps gibt. Der Informationsdienst steht übrigens nicht nur mir, sondern auch allen anderen Mitgliedern der Stadtregierung und den Direktionen zur Verfügung.</p>
<p><strong>Gab es schon Momente, in denen Sie lieber nicht Stapi gewesen wären, um unbeschwert das Leben geniessen zu können?</strong><br />
Ich habe nicht das Gefühl, mich nicht frei bewegen zu können. Die Beobachtung ist nicht das Problem. Viel mehr spüre ich permanent einen sehr hohen Druck. Wir sind nur noch zu fünft in der Regierung. Dabei bin ich noch der Routinierteste. Aber der Erwartungsdruck wird weiter zunehmen, das ist ein Problem.</p>
<p><strong>Und was ist mit Momenten wie der Anti-Blocher-Parole bei einer <a href="http://bazonline.ch/schweiz/standard/Wo-eine-Buehne-ist-steht-auch-ein-Tschaeppaet/story/13236893 " target="_blank">spontanen Fussball-Siegesfeier</a>?</strong><br />
Das ist eine uralte Geschichte. Das war nichts Schlaues, und dafür habe ich mich längst entschuldigt. Das Verrückte und zugleich Deprimierende dabei: Damit erlangt man Berühmtheit im ganzen Land, anstatt mit den Inhalten, die man liefert. Aber ich nehme mir das Recht heraus, auch mal einen Fehler machen zu können und dann dafür hinzustehen. Es ist auch eine Qualität der schweizerischen Politik, dass dies möglich ist.</p>
<p><strong>Also sind die Medien schuld, die einseitig solche Ereignisse aufgreifen? </strong><br />
Die Medien müssen sich verkaufen, und das geht nicht mit unattraktiven Inhalten. Eine süffige Zeile verkauft sich einfach besser, als wenn einer im Hintergrund gute Arbeit leistet. Das nehme ich den Medien auch nicht übel. Ich denke aber, dass die Leute dessen auch überdrüssig werden können.</p>
<p><strong>Für süffige Zeilen bieten Sie den Medien mehr Gelegenheiten als andere Politiker.</strong><br />
Weil ich sage, was ich denke! Ich bin sicher nicht einer, der aufs Maul hockt oder sich erst überlegt, ob ihm eine Äusserung schadet oder nützt. Ein Politiker hat nur einen Kredit: seine Authentizität und Glaubwürdigkeit. Das ist nicht immer unproblematisch. Aber ich bin, wie ich bin. Was man hier drin (in der Wandelhalle, Anm. d. Red.) nicht von allen sagen könnte…</p>
<p><strong>Am 25. November sind Stadtberner Wahlen. Müssen Sie überhaupt aktiv Wahlkampf betreiben – oder machen das die Medien für Sie?</strong><br />
Die Medien machen das sicher nicht für mich. Wer in der Politik ist, hat eine gewisse Präsenz in den Medien, klar. Sie können dich gut- aber auch schlecht schreiben. Bekanntheit ist ein Element, genügt alleine aber nicht. Ich muss Wahlkampf machen. Erstens wäre ich sonst arrogant, und eine solche Überheblichkeit passiert mir nicht. Zweitens sollte man nie dem Fehler verfallen, zu meinen, man sei schon gewählt.</p>
<p><strong>Ihre Wahlkampagnen fallen immer wieder aus dem Rahmen. Am meisten Aufsehen erregte wohl der Slogan <a href="http://www.bernerzeitung.ch/region/kanton-bern/Alexander-Tschaeppaet-macht-mit-SVPPlakat-Wahlkampf/story/19846607 " target="_blank">«SVP wählt Tschäppät»</a> (SVP stand für «s&rsquo;il vous-plaît»). War das Ihre Idee?</strong><br />
Es wäre arrogant, von meiner Idee zu sprechen. Wir sind immer die gleichen drei, vier Kollegen. Wir kochen zusammen Spaghetti und dann «hirnen» wir. Manchmal hat man schnell eine Idee und manchmal nicht. Diesmal ging es ganz schnell. Schwieriger ist es, sie umzusetzen und zu finanzieren. Aber wir machen alles selber, ohne Werbebüro.</p>
<p><strong>Warum sind Sie eigentlich in den Social Media nicht präsent? Das wäre doch die ideale Plattform, um sich selber zu präsentieren.</strong><br />
Ich bin ein sechzigjähriger Mann, der Mühe hat mit dem Computer – ich habe noch auf einer Hermes-Baby-Schreibmaschine geschrieben. Wäre ich plötzlich auf Facebook und Twitter, wäre das einfach nicht glaubwürdig. Das ist eine andere Generation, und das akzeptiere ich. Es ist ein bewusster Verzicht, auch wenn es wahlstrategisch vielleicht falsch ist. Das ist mir gleich. Ich bin eben, wie ich bin.</p>
<p><strong>Was ist mit Ihren Mitarbeitenden: Verfolgen diese, was in den Social Media über Sie geschrieben wird?</strong><br />
Ich erhalte keine Feedbacks dazu. Ich glaube, je länger man in der Politik ist, desto weniger nimmt man das wahr. Es ist ja immer das gleiche Spiel. Man macht etwas, und der politische Gegner nimmt es auf, um einen in die Pfanne zu hauen. Dieses Ritual ist so alt, dass man es sich gar nicht mehr antun muss.</p>
<p><strong>Dafür ist die klassische Zeitung umso wichtiger? </strong><br />
Zeitunglesen ist nicht mehr das Erste, was ich am Morgen mache. Ich kenne Politiker, die gar keine Zeitung mehr lesen. Ich lese sie schon noch, ich will ja à jour sein. Aber es ist nicht mehr so wichtig, ob mein Zitat nun verwendet wurde oder wie ich auf dem Foto aussehe. Vielleicht ist es das Alter, vielleicht das Übergewicht – man wird gelassener.</p>
<p><strong>Bringt Sie nichts mehr aus der Ruhe?</strong><br />
Kaum. Es gibt einzelne Medien, die einen immer nerven. Aber die sind ja in Zürich daheim.</p>
<p><strong>Am heftigsten kritisiert Sie <a href="http://www.20min.ch/news/bern/story/-Weltwoche--mit-Tschaeppaet-Bashing-12199392" target="_blank">die Weltwoche</a>.</strong><br />
Die nehme ich nicht mehr ernst.</p>
<p><strong>Verletzen Sie solche Angriffe oder gehört das zum Courant Normal?</strong><br />
Sicher verletzt mich das. Alles Unwahre ist eigentlich inakzeptabel. Mich ärgert, dass es Zeitungen gibt, die schlechte oder falsch recherchierte Artikel veröffentlichen. Man muss mich nicht lieben. Wenn Medien einen Sachverhalt kritisch betrachten, den ich vielleicht anders einschätze, habe ich damit kein Problem. Aber man muss beim richtigen Sachverhalt bleiben und nicht gezielt Sachen weggelassen oder verdrehen. Bei der Weltwoche habe ich mehrmals erlebt, dass das nicht der Fall war. Das ist allgemein das Problem dieser Zeitung. Früher war die Weltwoche ein Trendsetter im Journalismus. Ich bezweifle, dass dies heute noch der Fall ist.</p>
<p><strong>Die Weltwoche habe Ihnen angeboten, zu einem Teil der Vorwürfe Stellung zu nehmen. Sie hätten keine Zeit, die Vorwürfe seien lächerlich, sei Ihre Antwort gewesen. </strong><br />
Es lohnt sich nicht, darauf zu reagieren und dem Berichterstatter noch Auftrieb zu geben. Ignorieren ist bei solch merkwürdigen Formen von Journalismus die beste Reaktion.</p>
<p><strong>Es kommt aber durchaus vor, dass Sie auf Medienberichterstattung reagieren, die sie für inhaltlich falsch halten. Zur «Affäre Büschi» gaben Sie gar eine <a href="http://www.bern.ch/neues-aus-ihrer-stadt/2012/grbueschi " target="_blank">Erklärung des Gemeinderats</a> zur Berichterstattung des «Bund» ab. Das ist ungewöhnlich.</strong><br />
Wieso ungewöhnlich? Die Berichterstattung war auch ungewöhnlich – sie war einseitig gefärbt und gab nicht die Wahrheit wieder. Der Gemeinderat beschloss gemeinsam, die Vorwürfe nicht im Raum stehen zu lassen.</p>
<p><strong>Der Fall hatte eine Gesprächsverweigerung mit dem betroffenen Redaktor zur Folge, und Sie haben den Chefredaktor der Zeitung zu sich zitiert. Mussten Sie einfach mal Ihrem Ärger Luft machen? </strong><br />
Ich bin medienmässig ein pflegeleichter Mensch, leicht erreichbar und im Normalfall für ein Statement zu haben. Ich habe erst einmal einem Journalisten gesagt, dass es mir reicht. Das ist nun wirklich nicht kompliziert. In diesem Fall hatte ich das Gefühl, ich werde ungerecht behandelt. Die Spielregeln wurden nicht eingehalten. Der Journalist kann nicht einfach schreiben, was er will, und ich soll schweigen. Er darf wissen, wenn ich etwas nicht korrekt finde. Es gehört zu meiner Glaubwürdigkeit, dass ich nicht kusche. Eine Zeitung zu boykottieren – das wäre ganz klar nicht statthaft. Aber einem Journalisten zu sagen, dass man mit seiner Arbeit nicht einverstanden ist, das muss erlaubt sein in einer Demokratie.</p>
<p><strong>Auch im Stadtrat haben Sie Ihren Ärger über die Vorwürfe im «Bund» ausgedrückt. Daraufhin schrieb der «Bund», Ihre Schelte habe Politiker <a href="http://www.derbund.ch/bern/nachrichten/Hoffentlich-ist-der-Fall-Bueschi-nun-abgeschlossen/story/18781863 " target="_blank">von links bis rechts «irritiert»</a>. Sind die Medien am Schluss immer am längeren Hebel? </strong><br />
Da überschätzen sich die Medien, wenn sie das meinen. Sie können einem nicht zur Abwahl schreiben. Auch wenn sie noch so schlecht über einen schreiben, am Schluss macht sich das Volk eine eigene Meinung.</p>
<p><strong>Ist der Ärger nun verflogen?</strong><br />
Nein, der ist nicht verflogen. Aber dieses Thema diskutiere ich nicht mehr: Die Positionen sind schon lange bezogen. Ich habe den Eindruck, meine Optik interessiere den betreffenden Journalisten wenig. Er hat eine klare Meinung und geht so weit, dass er <a href="http://www.videoportal.sf.tv/video?id=8d1c0b4d-3873-49b9-9f5f-97c606f8d204" target="_blank">damit im Fernsehen auftritt</a>. Ich finde es fragwürdig, wenn ein Journalist einen anderen quasi zum Zeugen macht. Ich mache aber auch nicht ein Leben lang einen dicken Hals deswegen. In der Zwischenzeit habe ich den Journalisten schon oft wiedergesehen. Die Sache ist gegessen. Aber er hat auch gemerkt, dass ich es nicht goutiert habe. Das ist auch gut so. Ich wollte ein Zeichen setzen.</p>
<p><span style="font-weight: bold;">Noch zu Ihrer Person: Aus den Medien weiss man nur gerade, wer ihre Frau ist, dass sie einen Sohn haben und drei Hunde…</span><br />
…es sind zwei Söhne.</p>
<p><strong>Grenzen Sie sich bewusst ab?</strong><br />
Man kann sich dem Voyeurismus nicht ganz verschliessen. Dass die Leute wissen wollen, ob der Stadtpräsident Kinder hat, ist normal. Aber mehr braucht es nicht. Man ist schon ausgestellt genug.</p>
<p><strong>Haben Sie Leichen im Keller? </strong><br />
Der fehlerfreie Mensch ist meines Wissens noch nicht geboren. Ich wäre unehrlich, wenn ich sagen würde, ich hätte noch nie etwas falsch gemacht. Angst vor einem Riesenskandal habe ich aber nicht.</p>
<p><strong>Wie haben Sie reagiert, als zwei Zeitungen <a href="http://www.woz.ch/1044/medientagebuch/was-geht-das-uns-an " target="_blank">das Gerücht thematisiert haben</a>, Sie hätten eine Liaison zu einer anderen Gemeinderätin?</strong><br />
Einmal Klischee, immer Klischee. Das muss mich gar nicht mehr nerven, das ist mir zu blöd.</p>
<p><strong>Wie handhaben Sie den Umgang mit heiklen Fragen? </strong><br />
Dieses Interview will ich sicher gegenlesen. Im Fernsehen kann ich keinen Satz zurücknehmen. Solche Fragen hätte man am TV gar nicht gestellt. Das interessiert kein Mensch, was Tschäppät eine Dreiviertelstunde lang zu Medien erzählt.</p>
<p><small>Bild: Manu Friederich</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/11/05/spontan-kommt-man-am-besten-rueber/">«Spontan kommt man am besten rüber»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>«Alle haben immer eine Meinung über mich»</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Stephanie Rebonati]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 12 Oct 2012 11:44:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Melanie Winiger]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Schauspielerin Melanie Winiger (33) steht seit ihrem Miss-Schweiz-Titel vor 16 Jahren im Rampenlicht der Medien. Die MEDIENWOCHE hat Winiger in New York getroffen, wo sie sich ein zweites berufliches Standbein aufbaut. Im exklusiven Gespräch erklärt sie, wie sich ihr Umgang mit den Medien im Laufe der Jahre verändert hat und weshalb sie in New <a href="https://medienwoche.ch/2012/10/12/alle-haben-immer-eine-meinung-ueber-mich/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Schauspielerin Melanie Winiger (33) steht seit ihrem Miss-Schweiz-Titel vor 16 Jahren im Rampenlicht der Medien. Die MEDIENWOCHE hat Winiger in New York getroffen, wo sie sich ein zweites berufliches Standbein aufbaut. Im exklusiven Gespräch erklärt sie, wie sich ihr Umgang mit den Medien im Laufe der Jahre verändert hat und weshalb sie in New York den Kontakt zu Schweizer Journalisten grundsätzlich ablehnt.</strong><br />
<img loading="lazy" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2012/10/ok_MG_2219.jpeg" alt="" width="851" height="567" class="alignnone size-full wp-image-56924" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2012/10/ok_MG_2219.jpeg 851w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2012/10/ok_MG_2219-300x200.jpeg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2012/10/ok_MG_2219-768x512.jpeg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2012/10/ok_MG_2219-728x485.jpeg 728w" sizes="auto, (max-width: 851px) 100vw, 851px" /><br />
Sie stellt ihr schwarzes Rennvelo an der Ecke Bowery Street und 4th Street im East Village in Manhattan ab. Der Nieselregen liebkost ihr ungeschminktes Gesicht und ihre Hände zittern. «Ich habe grad einen Motorradunfall gesehen, der Fahrer lag unter dem Auto», sagt Melanie Winiger. Bald könne sie ein Drehbuch schreiben, New Yorks Alltag gäbe ihr viel Stoff dazu. Nach einem ungesüssten Eistee ist der Hauruck-Charme wieder in vollem Gange: sie lacht, gestikuliert und erzählt von Journalisten mit Profilierungsneurosen und von jenen, die sie respektiert.</p>
<p><strong>MEDIENWOCHE: Du gestaltest hier in New York einen neuen Lebensabschnitt. Orientierst du dich puncto Medienanfragen auch neu? </strong><br />
Melanie Winiger: Eigentlich nicht. Nach wie vor gebe ich nur Interviews, wenn ich etwas zu erzählen habe, wenn ein Film, eine Kampagne oder ein Projekt am Start sind. Wenn ich aber von Schweizer Journalisten angefragt werde, hier in New York eine Geschichte zu machen, lehne ich diese grundsätzlich ab.</p>
<p><strong>Warum?</strong><br />
Das Ganze wurde von den Medien falsch interpretiert. Ich bin nicht nach New York ausgewandert, ich bin mit einem Standbein hier und mit dem anderen in der Schweiz, wo ich nach wie vor arbeite. Die Medien haben die Geschichte wiedermal so gedreht, wie sie diese haben wollten, quasi: «Melanie hat allen den Laufpass gegeben – see you when I see you». Wenn ich fälschlicherweise so porträtiert werde, meinen auch Kunden, dass ich weg bin und das würde sich auf die Auftragslage auswirken. Das will ich so verhindern.</p>
<p><strong>Warum machst du für die «Medienwoche» eine Ausnahme?</strong><br />
Weil es spannend ist, zur Abwechslung mal über meine Beziehung zu den Medien zu reden und wie ich mich durch sie und mit ihnen entwickelt habe über all diese Jahre.</p>
<p><strong>Du sagst oft, dass du nicht gerne über den roten Teppich läufst. Gibst du gerne Interviews?</strong><br />
Persönliche Interviews wie dieses mache ich gerne, aber auf dem roten Teppich muss ich 25 Mal dieselbe Frage beantworten und dann gibt es immer wieder Journalisten mit Profilierungsneurosen, die doofe Fragen stellen.</p>
<p><strong>Journalisten mit Profilierungsneurosen?</strong><br />
Meistens sind das junge, männliche Möchtegerns, die einen durchgeben wollen. Das imponiert mir einfach nicht. Ich habe schon paar Mal mit Alpha-Männchen und Testosteronüberschuss gedealt. Freche Fragen fände ich ja okay, aber dafür müssen sie fundiert und interessant sein.</p>
<p><strong>Warum passiert dir das immer wieder?</strong><br />
Ich habe immer noch das Image von «frech», bin aber mittlerweile 33 und mit «frech» hat das wenig zu tun. Ich antworte ehrlich und direkt auf Fragen. Sobald mir eine Frage gestellt wird, habe ich das Recht auf eine Antwort. Es hat es noch kein Journalist geschafft, mich mit zweideutigen und frechen Fragen zu schockieren. Manchmal habe ich das Gefühl, dass gewisse Journalisten mir beweisen wollen, dass sie auch schlagfertig sind.</p>
<p><strong>Die Leute wissen nicht, wie mit dir umzugehen.</strong><br />
Wenn Leute gefragt werden, was wichtig ist, sagen sie «ehrlich, offen und direkt». Das ist aber fast niemand. Wenn mir eine Frage gestellt wird, dann bin ich ehrlich, offen und direkt und das schockiert anscheinend. Dann wissen sie nicht, in welche Schublade sie mich stecken sollen und das bereitet ihnen erst recht Mühe.</p>
<p><strong>Hat das mit der Schweizer Mentalität zu tun?</strong><br />
Schubladisieren? Ja. Ich war mal Miss Schweiz, aber in die Missen-Schublade passe ich nicht so recht hinein, heute bin ich Schauspielerin und Moderatorin, da passe ich aber auch nicht ausschliesslich rein.</p>
<p><strong>Wie viele Medienanfragen erhältst du täglich, wöchentlich, monatlich?</strong><br />
Ich habe keine Ahnung. Meine Managerin Lea Rindlisbacher schirmt mich total davon ab. Wir arbeiten seit über sieben Jahre zusammen – sie ist mein Pitbull.</p>
<p><strong>Habt ihr gemeinsam eine Medienstrategie erarbeitet?</strong><br />
Ausser dass wir nur Geschichten machen, wenn wir etwas zu erzählen haben, nein. Wir ticken ähnlich und verstehen uns sehr gut. Es kommt vor, dass sie mir eine Anfrage weiterleitet mit dem Kommentar «Glaub nöd» und dann antworte ich mit einem Smiley. Sie kennt mich wirklich gut.</p>
<p><strong>Wer hat davor deine Media Relations gemanagt?</strong><br />
Ich war sehr lange bei der Miss Schweiz Organisation. Und ich muss ehrlich zugeben, dass ich Angst hatte, dass ich ohne sie keine Jobs bekomme.</p>
<p><strong>Mit welchen Journalisten hast du ein Problem?</strong><br />
Journalisten, die Vorurteile haben und nicht auf das Gespräch eingehen, sondern ihrem festgelegten Roten Faden folgen. Bei solchen Journalisten könnte ich inmitten des Gesprächs etwas total Ausserkontextuelles sagen und es würde darauf einfach die nächste Frage folgen. Journalisten, die mich an Dingen aufhängen wollen, die ich als 17- oder 20-Jährige gesagt habe, nerven mich extrem. Es ist doch ein gutes Zeichen, dass ich nicht mehr dasselbe erzähle wie damals. Ich habe mich weiterentwickelt.</p>
<p><strong>Oft wird geschrieben, dass du damals in L.A. und jetzt in New York noch keine grossen Filmrollen ergattert hast. Was sagst du dazu?</strong><br />
Ich gab mal ein Interview und der Journalist sagte so etwas wie: «Bereits in L.A. ist es dir nicht gelungen, eine grosse Filmrolle zu ergattern und hier in New York auch noch nicht.» Der hat weder recherchiert noch gesunden Menschenverstand eingesetzt. In L.A. habe ich eine Schauspielausbildung gemacht und mit dem Studentenvisa kann man in den USA nicht arbeiten, sondern eben nur studieren. Und in New York bin ich seit ein paar Monaten, in denen ich eine Wohnung eingerichtet und meinen Sohn eingeschult habe – ich finde es nicht so schlimm, dass Martin Scorsese noch nicht angerufen hat.</p>
<p><strong>Behandelst du gewisse Journalisten privilegierter als andere?</strong><br />
Nein. Aber ich merke mir jene Journalisten, die sich an meine Aussagen gehalten haben und jene, die ihre eigene Geschichte daraus ableiten und konstruieren.</p>
<p><strong>Du führst Protokoll?</strong><br />
Im Prinzip, ja. Natürlich nur bei grösseren Geschichten und Interviews, bei denen ich persönlich Kontakt hatte mit den Journalisten.</p>
<p><strong>Du merkst dir jene, die positiv und jene, die negativ über dich schreiben?</strong><br />
Überhaupt nicht. In Artikeln, die gut und wahr waren, musste ich auch Kritik einstecken oder an Dinge erinnert werden müssen, an die ich nicht mehr denken möchte. Aber jene Journalisten haben sich an die Fakten gehalten und mein Wesen erfasst mit allen seinen guten und schlechten Seiten.</p>
<p><strong>In deinen letzten zwei TV- und Radio-Auftritten wurdest du von Männern interviewt. Hast du mehrheitlich mit männlichen Journalisten zu tun?</strong><br />
Nein. Das Verhältnis ist 50/50. Und da gibt es auch keinen Unterschied in der Arbeitsweise. Es gibt unter den Journalistinnen und Journalisten jene und diese.</p>
<p><strong>Ende Mai warst du bei DRS-3 Gast im «Focus». Einer der ersten Sätze von Moderator Dominic Dillier lautete: «Darf ich ganz ehrlich sein am Anfang? Ich habe ‚biz’ Angst vor Ihnen».</strong><br />
Ich weiss eigentlich nicht, warum man Angst haben sollte vor mir. Aber Leute haben wohl Angst, weil ich in der Schweiz nicht so konform bin, wo sonst die Kommunikation sehr diplomatisch und zurückhaltend ist.</p>
<p><strong>Warum sagst du Medienauftritten wie «Focus» und «Sommertalk» zu?</strong><br />
Weil man dort mehr Zeit hat und die Sendungen live sind. Da kann man nichts zusammenbasteln und mir in den Mund legen.</p>
<p><strong>Wie weit hast du dich mit dem Boulevard eingelassen?</strong><br />
Nach Noels Geburt habe ich aufgehört, mein Privatleben in die Medien zu ziehen. Mit meiner Art biete ich schon genug Angriffsfläche und spätestens mit der Geburt meines Sohnes wurde mir bewusst, dass ich eine Grenze ziehen muss. Und diese liegt bei meinem Privatleben.</p>
<p><strong>Hast du deshalb noch nie eine Home-Story gemacht?</strong><br />
Das ist doch langweilig. Da liest man, dass sich irgendjemand eine neue Küche eingebaut hat und auf dem Bild sieht man die dann auf dem Tresen sitzen und irgendwo hat’s eine Katze. Oder Bilder in der Badewanne oder auf dem Bett, am besten noch mit einem Fotoalbum. Abgesehen davon, dass ich diese Geschichten nicht spannend finde, geht hier um mein Privatleben und eben; ich ziehe hier die Grenze.</p>
<p><strong>2002 posiertest du fast nackt mit Babybauch und weissem Hemd in der Schweizer Illustrierten. Warum?</strong><br />
Ganz ehrlich? Weil ich schöne Bilder von meiner Schwangerschaft haben wollte und ich die Arbeiten der Fotografin Sabine Liewald sehr schätze.</p>
<p><strong>Du bist seit deiner Wahl 1996 ein beliebtes Thema in der Schweizer Presse. Wie hast du gelernt, mit Journalisten umzugehen?</strong><br />
Learning by doing. Medientrainings habe ich nie absolviert, die sind wie Erziehungsbücher: es gibt nicht eine Methode, jeder Mensch ist anders und man soll ihn auch so sein lassen. Ich bin mir immer treu geblieben, immer Melanie geblieben – mal mehr, mal weniger. Nur deshalb bin ich nicht wahnsinnig geworden bin.</p>
<p><strong>Wahnsinnig geworden?</strong><br />
Ich wurde als 17-Jährige Miss Schweiz, bin seit 16 Jahren in der Öffentlichkeit. Genauso wie ich davon profitiert und mich dadurch entwickelt habe, habe ich auch darunter gelitten. Es haben alle immer eine Meinung über einen. Auch jene, die dich nicht persönlich kennen.</p>
<p><strong>Bereust du gewisse Medienauftritte?</strong><br />
Nein.</p>
<p><strong>Was haben die Medien zu deiner Karriere von der Miss bis zur Schauspielerin beigetragen?</strong><br />
Sie haben mir extrem viel beigebracht und mich gestärkt – auch wenn sie negativ über mich berichteten. Wenn die Kritik konstruktiv ist, kann ich dazulernen. Es hat mir auch den Drive gegeben, für mich zu kämpfen, für mich hinzustehen. Spannend ist auch, wie sich die Medien in dieser Zeit verändert haben. Mit den Gratismedien ist alles schneller geworden. Warum soll ich eine Zeitung kaufen, wenn ich an der Tramhaltestelle eine gratis kriege? Wer die Schlagzeile hat, wird vom Leser gewählt und darum müssen alle verdammt schnell arbeiten, was zu Missverständnissen und Fehlinformationen führen kann.</p>
<p><strong>Was ist die gravierendste Falschmeldung, die über dich verbreitet wurde?</strong><br />
Meine Mutterschaft. Es wurde über mich geschrieben, dass ich eine Rabenmutter sei. Meinen Sohn Noel habe ich in der «Schweizer Illustrierten» gezeigt, als er zwei Wochen alt war. Heute ist er zehn und war seither nie mehr in der Presse, weil ich ihn davor schütze. Den Schritt in die Öffentlichkeit soll er eines Tages selber machen. Und trotzdem werde ich als Mutter beurteilt und verurteilt, obwohl kein Journalist uns jemals zusammen interviewt oder erlebt hat. Als Schauspielerin und Moderatorin können mich die Medien kritisieren, als Mutter nicht.</p>
<p><strong>Bei Promis vermischen sich Privat- und Intimsphäre sehr rasch.</strong><br />
Das verstehe ich auch. Aber es ist schon genug schwer, mit 22 schwanger zu werden und alleinerziehende Mutter zu sein. Oder ich gehe in Zürich mit einem langjährigen Freund essen und am nächsten Tag heisst es, er sei der neue Mann an meiner Seite.</p>
<p><strong>Liest du, was über dich geschrieben wird?</strong><br />
Die Klatschpresse lese ich nicht. Ich lese jene Interviews und Portraits, für die ich mit Journalisten Kontakt hatte. Meine Mutter hingegen sammelt jeden «Fötzel» und füllt Alben damit. Natürlich ist das herzig, aber manchmal ist es zu viel: Don’t wanna see it, don’t wanna go there!</p>
<p><strong>Musstest du deinem Sohn erklären, warum du in den Medien bist?</strong><br />
Ja. Als 5-Jähriger begann er zu fragen, warum ich auf den Poster zu sehen sei. Das hat er nicht verstanden. Im Tram sagte er immer: «Mami, Mami lug!» In der Schule wollten Kinder Geld von ihm oder sagten ihm, dass sie mich hässlich fänden. Ich habe Noel früh erklärt, dass Kinder nicht von alleine auf solche Dinge kommen. Das versteht er heute, er ist das coolste Kind.</p>
<p><strong>Was wolltest du den Journalisten schon immer mal sagen?</strong><br />
Gewissen möchte ich danke sagen, weil ich ohne sie nicht die Aufmerksamkeit und konstruktive Kritik für meine Arbeit bekommen hätte. Diese Journalisten respektiere ich voll und ganz. Anderen würde ich gerne sagen, dass sie an die Rechnung denken sollen, die am Schluss kommt – denn sie kommt. Was gewisse Journalisten anstellen, weil sie nicht faktentreu berichten, wird nicht vergessen. Ich möchte nicht in deren Haut stecken, denn die wissen genau, dass sie ihren Job nicht richtig machen. </p>
<p><small>Bild: Filipa Peixeiro</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/10/12/alle-haben-immer-eine-meinung-ueber-mich/">«Alle haben immer eine Meinung über mich»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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