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	<title>Arthur Rutishauser | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
	<lastBuildDate>Fri, 18 Feb 2022 14:09:08 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Vermischung von Bericht und Kommentar als Entlassungsgrund?</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2022/02/18/tages-anzeiger-vermischung-von-bericht-und-kommentar-als-entlassungsgrund/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Benjamin von Wyl]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 18 Feb 2022 10:22:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Tages-Anzeiger]]></category>
		<category><![CDATA[Arthur Rutishauser]]></category>
		<category><![CDATA[Mario Stäuble]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Weiterhin bleibt unklar, warum Tamedia einen Reporter des «Tages-Anzeigers» entlassen hat. Auch ein Schreiben der Chefredaktion als Reaktion auf den internen Protest liefert keine plausiblen Erklärungen. Am vergangenen Dienstag wehrten sich grosse Teile der «Tages-Anzeiger»-Redaktion mit einem Protestschreiben an die Chefredaktion gegen die Entlassung eines Kollegen. Ende Januar veröffentlichte der junge Reporter das Porträt einer <a href="https://medienwoche.ch/2022/02/18/tages-anzeiger-vermischung-von-bericht-und-kommentar-als-entlassungsgrund/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Weiterhin bleibt unklar, warum Tamedia einen Reporter des «Tages-Anzeigers» entlassen hat. Auch ein Schreiben der Chefredaktion als Reaktion auf den internen Protest liefert keine plausiblen Erklärungen.</strong><br />
<a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/02/MW-Tagi-Entlassung-20220218.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/02/MW-Tagi-Entlassung-20220218-300x201.jpg" alt="" width="300" height="201" class="alignnone size-medium wp-image-94926" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/02/MW-Tagi-Entlassung-20220218-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/02/MW-Tagi-Entlassung-20220218-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/02/MW-Tagi-Entlassung-20220218-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/02/MW-Tagi-Entlassung-20220218-470x315.jpg 470w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/02/MW-Tagi-Entlassung-20220218-728x485.jpg 728w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/02/MW-Tagi-Entlassung-20220218.jpg 1456w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><br />
Am vergangenen Dienstag wehrten sich grosse Teile der «Tages-Anzeiger»-Redaktion mit einem Protestschreiben an die Chefredaktion gegen die Entlassung eines Kollegen. Ende Januar veröffentlichte der junge Reporter das Porträt einer Stadtzürcher FDP-Politikerin, das sexistische und vor allem antisemitische Stereotypen enthielt. Nach Kritik der Porträtierten und empörten Reaktionen haben der Autor und die Chefredaktion öffentlich um Entschuldigung gebeten.</p>
<blockquote><p>Das antisemitische Porträt sei bloss Anlass für die Entlassung und nicht die Ursache gewesen.</p></blockquote>
<p>Doch nun, da die schweizweite Medienabstimmung und die Stadtzürcher Wahlen vorbei sind, hat man den Reporter trotzdem entlassen. Warum? Darüber herrscht bis heute keine Klarheit. Das antisemitische Porträt, das neben dem Autor auch vier weitere Mitglieder der Tagi-Redaktion gelesen und zur Publikation freigegeben haben, sei bloss Anlass für die Entlassung und nicht die Ursache gewesen: Vielmehr habe sich der Entlassene mit einem anderen Artikel beim Verleger persönlich unbeliebt gemacht, <a href="https://www.republik.ch/2022/02/16/aus-politischen-gruenden-tages-anzeiger-entlaesst-journalisten" target="_blank" rel="noopener">schrieb die «Republik»</a>. Der Verleger habe sich empört gezeigt über eine Recherche zur «Baugarten-Stiftung», einer reichen Institution, die in Zürich viel Hochkultur unterstützt. Falls das zutrifft, wäre nicht nur der Vorgang, dass der Verleger einen Journalisten entlässt, bemerkenswert. Sondern auch, dass nur der Lokalreporter gehen muss – und nicht auch seine Vorgesetzten, die genauso, ja sogar noch stärker, die Verantwortung dafür tragen, was veröffentlicht wird und was nicht.<br />
</p>
<p>Offiziell hörten alle Medien, die nach den Gründen für die Entlassung fragten, von Co-Chefredaktor Mario Stäuble und Superchefredaktor Arthur Rutishauser am 16. Februar, dass es «wiederholt unterschiedliche Auffassungen über Qualität im Journalismus» gegeben habe. Und weiter: «Wir bitten um Verständnis, dass wir uns zu Personalfragen nicht weiter äussern können. Die Qualität unseres Journalismus ist für Tamedia von höchster Priorität. Die Grundlagen dazu sind im Handbuch ‹Qualität in den Medien› festgehalten und den Redaktionsmitgliedern über alle Stufen hinweg bestens bekannt. Wir werden die jüngsten Ereignisse zum Anlass nehmen, unsere internen Kontrollmechanismen weiter zu verbessern und die Kultur des Gegenlesens zu stärken, insbesondere im Hinblick auf sensible Sachthemen.» Der Entlassene, der in seiner kurzen Karriere bereits mehr Preise gewonnen hat als Chef Stäuble und ähnlich viele wie Superchef Rutishauser, soll schlampig arbeiten?</p>
<blockquote><p>Die Chefs geloben, dass man vorhabe, antisemitische Denkmuster kritisch zu reflektieren und zu überwinden.</p></blockquote>
<p>Was es genau auf sich hat mit der «unterschiedlichen Auffassungen über Qualität im Journalismus» ist inzwischen ein bisschen klarer geworden. Und es zeigt sich, dass der Artikel über die Baugarten-Stiftung tatsächlich eine Rolle spielt. Der MEDIENWOCHE liegt die Antwort von Stäuble und Rutishauser vor, mit der sie auf das Protestschreiben der «Tages-Anzeiger»-Redaktion reagieren. Die Chefs geloben, dass man vorhabe, antisemitische Denkmuster kritisch zu reflektieren und zu überwinden. Zum missratenen Porträt der Stadtzürcher Politikerin schreiben sie, es gehe «nebst gleich mehreren unbeabsichtigten antisemitischen Klischees auch um journalistisches Handwerk». «Mehrere Redaktoren» hätten den Text vor der Publikation gelesen, «ohne die Notbremse zu ziehen».</p>
<p>Aber ins Detail gehen sie zum Artikel über die «Baugarten-Stiftung». Die Stiftung sei als Thema für die Berichterstattung «interessant und relevant». Die Recherche dazu halte «in grossen Teilen unseren Ansprüchen stand». Doch anscheinend passt den Chefs der Ton nicht, den der nun entlassene Journalist angeschlagen hat. Der sei polemisch. Als Beleg nennen sie die Bezeichnung der Stiftung als «Perpetuum Mobile, das den Spass des Zürcher Bürgertums finanziert». Wobei diese Formulierung im Original mit einem Fragezeichen versehen ist. Der Autor fragt sich, ob man die Stiftung so bezeichnen dürfe.</p>
<blockquote><p>Derselbe Mario Stäuble, der heute den Artikel für unvollständig hält, hatte ihn einst abgesegnet und für publikationsreif befunden.</p></blockquote>
<p>Solche Polemik verletze die Trennung von «Sachberichterstattung» und Kommentar. Der Text hätte in der am 24. November 2021 publizierten Form nicht erscheinen dürfen, befinden Rutishauser und Stäuble. «Man hätte die fraglichen Stellen überarbeiten und die Recherche vervollständigen müssen – zum Beispiel mit einer Experten-Einschätzung zur Frage, welche Standards sich solche Stiftungen auferlegen, und ob die Baugarten diese erfüllt.» Doch derselbe Mario Stäuble, der heute den Artikel für unvollständig hält, hatte ihn einst abgesegnet und für publikationsreif befunden.</p>

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            [rml_read_more]
<p>Stäuble schreibt über sich in der dritten Person: «Er trägt damit die Verantwortung dafür, dass der Text so publiziert worden ist. Zu diesem Fehler steht er.» Entlassen wurde aber der Reporter und nicht der Chef, der die finale Verantwortung trägt. Hingegen habe der nun Entlassene in mehreren Gesprächen antraben müssen, auch bei Res Strehle «als Verantwortlicher für Qualitätssicherung.»</p>
<blockquote><p>Dass die Formulierung «Spass fürs Zürcher Bürgertum» niemanden in seiner Ehre verletzt, wissen die Chefredaktoren.</p></blockquote>
<p>Der Text über die «Baugarten»-Stiftung enthielt in der Oberzeile das wertende Adjektiv «Geheimnisvoll» und ein Zwischentitel enthielt die rhetorische Frage «Klüngel?». Darüber hinaus bündelt der Artikel des Entlassenen eine Unmenge an Fakten über eine Stiftung, die vielen Leser:innen bisher unbekannt war.</p>
<p>Tamedia-Qualitätsbeauftragter Res Strehle, der auch schon spitz formuliert hat, Superchefredaktor Arthur Rutishauser, der 2021 die antisemitische «Brunnenvergifter»-Metapher verwendete und Chefredaktor Mario Stäuble, der den «Baugarten»-Artikel gelesen hat, wissen allesamt, dass Fakten aufbereitet und in eine lesenswerte Form gebracht werden müssen. Dass die Formulierung «Spass fürs Zürcher Bürgertum» niemanden in seiner Ehre verletzt, wissen sie auch. Schön, können sie die Verantwortung nach unten weiterreichen. Das Schreiben von Stäuble und Rutishauser endet «Mit kollegialen Grüssen».</p>
<p>P.S. Die MEDIENWOCHE hofft, dass die Leser:innen wertende Passagen von der Sachberichterstattung unterscheiden können.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2022/02/18/tages-anzeiger-vermischung-von-bericht-und-kommentar-als-entlassungsgrund/">Vermischung von Bericht und Kommentar als Entlassungsgrund?</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Bundesrät*innen, Radio&#160;SRF, Weltwoche&#160;und&#160;Tamedia</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2021/07/10/bundesraetinnen-radio-srf-weltwoche-und-tamedia/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Bettina Büsser]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 10 Jul 2021 08:50:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[SRF 2 Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Arthur Rutishauser]]></category>
		<category><![CDATA[Bundesrat]]></category>
		<category><![CDATA[Roger Köppel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>The Good – Bundesrät*innen, locker Sommerzeit – und alles wird lockerer. Oder präsentiert sich auf jeden Fall lockerer. So stellte sich Bundesrätin Simonetta Sommaruga, auf Arbeitsbesuch im Senegal, an ein DJ Pult und scratchte mit etwas (Entwicklungs-)Hilfe von DJ Nina. Die Schweizer Medien berichteten mit Begeisterung und Esprit darüber. Derweil war Bundesrat Alain Berset – ziemlich locker <a href="https://medienwoche.ch/2021/07/10/bundesraetinnen-radio-srf-weltwoche-und-tamedia/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-90078" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/07/MW-Good-Bad-Ugly-20210710b.jpg" alt="" width="1456" height="488" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/07/MW-Good-Bad-Ugly-20210710b.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/07/MW-Good-Bad-Ugly-20210710b-300x101.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/07/MW-Good-Bad-Ugly-20210710b-768x257.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/07/MW-Good-Bad-Ugly-20210710b-1024x343.jpg 1024w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /></p>
<h3>The Good – Bundesrät*innen, locker</h3>
<p>Sommerzeit – und alles wird lockerer. Oder präsentiert sich auf jeden Fall lockerer. So stellte sich Bundesrätin Simonetta Sommaruga, auf Arbeitsbesuch im Senegal, an ein DJ Pult und <a href="https://www.pilatustoday.ch/videos/simonetta-sommaruga-macht-in-senegal-die-djane-142816005" target="_blank" rel="noopener">scratchte</a> mit etwas (Entwicklungs-)Hilfe von DJ Nina. Die Schweizer Medien berichteten mit <a href="https://www.srf.ch/play/tv/gesichter--geschichten/video/simonetta-sommaruga-am-dj-pult?urn=urn:srf:video:81808ab7-ef65-4353-a6e8-0cf3f8122416" target="_blank" rel="noopener">Begeisterung</a> und <a href="https://www.nzz.ch/schweiz/sommaruga-scratcht-in-senegal-ld.1634163?mktcid=smsh&amp;mktcval=Twitter" target="_blank" rel="noopener">Esprit</a> darüber. Derweil war Bundesrat Alain Berset – ziemlich locker – als «Bundesbro» zu Gast in der witzigen Parodie <a href="https://www.youtube.com/watch?v=Xg-NmeF1nB8" target="_blank" rel="noopener">«Tagessheesh»</a> («Tagesschau für Millennials») von «Zwei am Morge». Berset trug zwar Anzug und Krawatte, montierte aber die Sonnenbrille, nippte am Bubble Tea und lernte bereitwillig ein neues Vokabular («no cap» – «ist so») – und das alles für einen guten Zweck: Damit sich die Jungen impfen lassen. In den über 300 YouTube-Kommentaren erntete er dafür viel Lob von seinem Impf-Zielpublikum: «Berse isch huere ehre daser immer mitmacht 😂», «Digga Alain Berset so en geile 🤣 bi ihm lauft Die hütig Jugend» und «Daddy Berset eifach en ehremah». Selbst für SRF fiel dabei noch eine Streicheleinheit ab: «Für das zahli sogar gern Serafe Gebühre 😂».</p>
<h3>The Bad – Radio, ärmer</h3>
<p>Abschiedswoche gleich für zwei Sendungen von Radio SRF: Am Sonntag war auf SRF 2 Kultur zum letzten Mal <a href="https://www.srf.ch/audio/52-beste-buecher" target="_blank" rel="noopener">«52 beste Bücher»</a> zu hören, am Freitag auf SRF 3 <a href="https://www.srf.ch/radio-srf-3/aktuell/peter-schneider-die-andere-presseschau-geht-in-pension" target="_blank" rel="noopener">«Die andere Presseschau»</a>. So unterschiedlich wie die beiden Sendungen war auch der Grund für ihre Einstellung. Über das Ende für «Die andere Presseschau» des «Haussatirikers» von SRF 3, Peter Schneider, entschied Schneider selbst: Wie er gegenüber der MEDIENWOCHE bestätigte, war es sein Wunsch, in «Frühpension» zu gehen. Deshalb ist nun Schluss mit der täglichen Kurz-Dosis satirischer und pointierter Zeitungskritik, nach mehr als 30 Jahren. Ein ähnliches Alter hatte «52 beste Bücher» erreicht. Die Sendung – wöchentlich ein ausführliches Gespräch mit der Autorin oder dem Autor einer «herausragenden literarischen Neuerscheinung» – wurde aus Spargründen abgesetzt. Weder ein <a href="https://www.boersenblatt.net/news/literaturszene/literatur-braucht-einen-platz-150249" target="_blank" rel="noopener">offener Brief</a> bekannter Autor*innen noch ein <a href="https://sbvv-unterschriftensammlung.ch/" target="_blank" rel="noopener">Protestschreiben</a> des Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verbands mit über 8000 Unterschriften konnte das verhindern.</p>
<p>Und wie geht es weiter? Schliesslich hatte SRF-Direktorin Nathalie Wappler <a href="https://www.boersenblatt.net/news/literaturszene/srf-direktorin-antwortet-auf-autorenbrief-150327" target="_blank" rel="noopener">versprochen</a>, es werde «weiterhin ein attraktives Literaturangebot» geben. «Das neue Literaturformat ist in Entwicklung», so René Schell, Ad-Interim-Stabschef SRF Kultur und Leiter Audio &amp; Musik, gegenüber der MEDIENWOCHE. «Sobald die Details erarbeitet sind, werden wir sie kommunizieren.»</p>
<h3>The Ugly – Chefredaktoren, aufgeregt</h3>
<p>Die «Ehe für alle» versetzt «Weltwoche»-Chefredaktor und -Verleger Roger Köppel offenbar in heftige Aufregung. «Dann kann man auch sein Pferd oder seinen geliebten Wellensittich heiraten», twitterte er. Und: «Ein Tisch heisst Tisch. Ein Stuhl ist ein Stuhl. Eine Ehe ist die Verbindung zwischen Mann und Frau. (…) Wo Worte ihre Bedeutung verlieren, beginnt die Despotie.» Und schliesslich: «Kann ich dann auch meine superattraktive Cousine heiraten? Wenn ja, bin ich dafür!» Pech gehabt, Herr Köppel: Zwar dürfen in der Schweiz bereits jetzt Cousine und Cousin heiraten – aber Bigamie bleibt auch mit der «Ehe für alle» verboten.</p>
<p>Sehr aufgeregt war auch Tamedia-Chefredaktor Arthur Rutishauser, nachdem er die (unakzeptable) Karikatur mit der Tamedia-Journalistin Michèle Binswanger gesehen hatte, welche das Magazin <a href="https://www.megafon.ch/" target="_blank" rel="noopener">«Megafon»</a> des Berner Kulturzentrums Reitschule auf Twitter veröffentlicht hatte. In einem als satirisch verstandenen Kontext war eine Hinrichtungsszene aus der Französischen Revolution zu sehen, in die der abgeschlagene Kopf von Binswanger hineinmontiert war. Nach Protesten entschuldigte sich das «Megafon» für die Darstellung und löschte sie. Die Geschichte und ihre Folgen können zum Beispiel <a href="https://www.persoenlich.com/medien/aufruhr-wegen-kopfungsbild" target="_blank" rel="noopener">hier</a>, <a href="https://www.megafon.ch/aktuelles/satirefreiheit/" target="_blank" rel="noopener">hier</a>, <a href="https://www.nau.ch/politik/bundeshaus/journalistin-gekopft-strafanzeige-gegen-reitschuler-65960466" target="_blank" rel="noopener">hier</a> und <a href="https://www.woz.ch/2127/tamedia-vs-megafon/wer-cancelt-hier-eigentlich-wen" target="_blank" rel="noopener">hier</a> (in unterschiedlichen Färbungen) nachgelesen werden.</p>
<p>Rutishauser kommentierte in aller Heftigkeit und veröffentlichte den Schluss seines <a href="https://www.tagesanzeiger.ch/das-ist-eine-grenzueberschreitung-998041872470" target="_blank" rel="noopener">Kommentars</a> gleich in drei Versionen, eine im Print, zwei online. Die heftigste Version – «Besorgniserregend ist, dass mittlerweile ein Teil der politischen Linken so intolerant geworden ist, dass sie auf jeglichen Anstand verzichtet und Volksverhetzung betreibt, wie wir sie bei Rechtsextremen erwarten und wie wir sie eigentlich seit 1945 bei uns überwunden glaubten» – war nur vorübergehend online zu lesen. Dann wurde der Nazivergleich kommentarlos entfernt. Gelöscht hat übrigens auch das «Megafon» seinen Tweet. Zu sehen ist das Bild – nur leicht verpixelt – aber nach wie vor bei «20 Minuten». Ob sich Rutishauser, der gegen das «Megafon» eine Klage angekündigt hat, darüber auch so aufregt?</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/07/10/bundesraetinnen-radio-srf-weltwoche-und-tamedia/">Bundesrät*innen, Radio SRF, Weltwoche und Tamedia</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Megafon (Auflage ca. 1000 Exemplare) vs. Tamedia (Auflage &gt;1.3 Mio. Exemplare)</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2021/07/09/megafon-auflage-ca-1000-exemplare-vs-tamedia-auflage-1-3-mio-exemplare/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 09 Jul 2021 07:47:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Michèle Binswanger]]></category>
		<category><![CDATA[Arthur Rutishauser]]></category>
		<category><![CDATA[Megafon]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=90068</guid>

					<description><![CDATA[<p>Auf unserem Twitteraccount veröffentlichten wir vergangenen Sonntag ein Meme, das hohe Wellen schlug. Es bezog sich auf die Verwendung verschiedener Hinrichtungsmetaphern durch die Tamedia-Journalistin Michèle Binswanger. Der Medienkonzern Tamedia kündigte daraufhin eine Strafanzeige gegen uns an. Im Folgenden unsere Stellungnahme zu den Ereignissen.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/07/09/megafon-auflage-ca-1000-exemplare-vs-tamedia-auflage-1-3-mio-exemplare/">Megafon (Auflage ca. 1000 Exemplare) vs. Tamedia (Auflage >1.3 Mio. Exemplare)</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Auf unserem Twitteraccount veröffentlichten wir vergangenen Sonntag ein Meme, das hohe Wellen schlug. Es bezog sich auf die Verwendung verschiedener Hinrichtungsmetaphern durch die Tamedia-Journalistin Michèle Binswanger. Der Medienkonzern Tamedia kündigte daraufhin eine Strafanzeige gegen uns an. Im Folgenden unsere Stellungnahme zu den Ereignissen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/07/09/megafon-auflage-ca-1000-exemplare-vs-tamedia-auflage-1-3-mio-exemplare/">Megafon (Auflage ca. 1000 Exemplare) vs. Tamedia (Auflage >1.3 Mio. Exemplare)</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Aufruhr wegen Köpfungsbild</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2021/07/07/aufruhr-wegen-koepfungsbild/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 07 Jul 2021 20:30:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Michèle Binswanger]]></category>
		<category><![CDATA[Arthur Rutishauser]]></category>
		<category><![CDATA[Megafon]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=90066</guid>

					<description><![CDATA[<p>Die anonyme Onlineplattform «Megafon Reitschule Bern» zeigte die prominente Journalistin mit abgeschlagenem Kopf. Jetzt reicht der Tagi Strafanzeige ein.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/07/07/aufruhr-wegen-koepfungsbild/">Aufruhr wegen Köpfungsbild</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die anonyme Onlineplattform «Megafon Reitschule Bern» zeigte die prominente Journalistin mit abgeschlagenem Kopf. Jetzt reicht der Tagi Strafanzeige ein.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/07/07/aufruhr-wegen-koepfungsbild/">Aufruhr wegen Köpfungsbild</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Herr Krull und der Einheitsbrei</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2018/11/01/herr-krull-und-der-einheitsbrei/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2018/11/01/herr-krull-und-der-einheitsbrei/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[René Zeyer]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Nov 2018 19:35:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Arthur Rutishauser]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wenn eine Tamedia-Zeitung nicht berichtet, dann berichtet keine Tamedia-Zeitung: Der Fall Krull oder ein Lehrstück über die Schädlichkeit des publizistischen Einheitsbreis. Reaktion von Tamedia: Schreiben des Rechtskonsulenten vom 20. November. Die Einverleibung der «Basler Zeitung» in den Tamedia-Konzern ist in vollem Gange. Spätestens Anfang nächstes Jahr wird sich auch in diese Tageszeitung der Einheitsbrei aus <a href="https://medienwoche.ch/2018/11/01/herr-krull-und-der-einheitsbrei/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wenn eine Tamedia-Zeitung nicht berichtet, dann berichtet keine Tamedia-Zeitung: Der Fall Krull oder ein Lehrstück über die Schädlichkeit des publizistischen Einheitsbreis.</strong><br />
<img decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/11/MW-tamedia-einheitsbrei_20181101d.jpg" alt="" width="1456" height="976" class="alignnone size-full wp-image-62964" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/11/MW-tamedia-einheitsbrei_20181101d.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/11/MW-tamedia-einheitsbrei_20181101d-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/11/MW-tamedia-einheitsbrei_20181101d-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/11/MW-tamedia-einheitsbrei_20181101d-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/11/MW-tamedia-einheitsbrei_20181101d-470x315.jpg 470w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /></p>
<p><a href="#Schreiben">Reaktion von Tamedia: Schreiben des Rechtskonsulenten vom 20. November.</a></p>
<p>Die Einverleibung der «Basler Zeitung» in den Tamedia-Konzern ist in vollem Gange. Spätestens Anfang nächstes Jahr wird sich auch in diese Tageszeitung der Einheitsbrei aus der Zentralredaktion in Zürich ergiessen. Bei den Themen Politik, Wirtschaft, Sport und Kultur. Und natürlich werden in Basel Stellen eingespart, das ist ja der Sinn der Sache. Die Restredaktion wird dann vom bisherigen Sportchef Marcel Rohr geführt.</p>
<p>Kein Problem, sagt da der Oberchefredaktor Arthur Rutishauser bei Tamedia, es lese doch kaum ein Basler gleichzeitig den Tages-Anzeiger, ebenso wenig ein Berner oder ein Thuner. Also sei es doch nicht so schlimm, dass in elf Zeitungen ausserhalb des Lokalen das genau Gleiche stehe. Zudem gebe diese Konzentration auf eine Zentralredaktion mehr Power für journalistische Recherche.</p>
<blockquote><p>Das Problem hat einen Namen, und der lautet Krull. So hiess nicht nur ein Hochstapler bei Thomas Mann, so heisst ein ehemaliger Managing Director bei der Bank Bär.</p></blockquote>
<p>Nun, so einfach und schön ist es nicht, wie ich nicht nur aus eigener Betroffenheit weiss. Denn ich publiziere bislang in der BaZ, wo meine meist doch eher kantigen Artikel gerne und ohne Veränderungen genommen werden. Auch wenn sich beispielsweise Banken melden, ob das denn sein müsse und mit dem Anwalt winken. Das wird sich spätestens Ende Jahr erledigt haben.</p>
<p>Na und, mag man sagen, schlecht für Zeyer, aber der BaZ-Leser wird’s wohl verschmerzen. Auch das stimmt, jedoch gibt es ein Problem, das ziemlich viel grösser ist als die Tatsache, dass Zeyer dann eine Publikationsplattform wegbricht. Das Problem hat einen Namen, und der lautet Krull. So hiess nicht nur ein Hochstapler bei Thomas Mann, so heisst ein ehemaliger Managing Director bei der Bank Bär, der gerade in Miami zu zehn Jahren Knast verurteilt wurde. Er hat gestanden, mit Geldwäsche an einem gewaltigen Betrugsfall beteiligt gewesen zu sein, bei dem dem venezolanischen Staat 1,2 Milliarden Dollar geklaut wurden.</p>
<p>Krull war ehemals Vizechef der Bär-Niederlassung in Panama. Die Bank wiederum hat sich von einer weiteren Strafverfolgung in Sachen Steuerstreit mit über einer halben Milliarde Busse freigekauft. Und unterliegt einer Probezeit bis Februar 2019, während deren sie sich nichts Neues zu Schulden kommen lassen darf. Sonst ist die Busse verwirkt und es gibt eine neue. Natürlich sagt die Bank, dass der Fall Krull überhaupt nichts mit ihr zu tun habe. Und rief auch gleich bei der BaZ an, nachdem ich ihr Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben hatte, ob ein Artikel zu diesem Thema wirklich nötig sei.</p>
<blockquote><p>Im Tagi-Imperium herrschte Schweigen zum Urteil. Krull? Wer ist das? War da was? Gibt es da etwas zu berichten?</p></blockquote>
<p>Der Fall ist durchaus interessant, und in den Schweizer Medien wurde von «Blick» über NZZ bis zum «Bote der Urschweiz» und eben auch in der BaZ berichtet. Entweder, indem eine SDA-Meldung publiziert wurde, oder indem Journalisten den Fall aufnahmen. Aber: Im Tagi-Imperium herrschte Schweigen zum Urteil. Krull? Wer ist das? War da was? Gibt es da etwas zu berichten? Ach nein, das liegt ausserhalb der Möglichkeiten der Zentralredaktion, und eine ausführliche SDA-Meldung wurde auch nicht gebracht. Warum?</p>
<p>Nun, recherchieren wir etwas. Der VR-Präsident von Tamedia heisst Pietro Supino. Von Haus aus ist er Rechtsanwalt, und als solcher war er zuvor für die Kanzlei Bär &#038; Karrer tätig. Da gab es mal eine Geschichte um die Offshore-Gesellschaft «Moonshine Trust», aber das wäre eine andere Story. Wichtig hier ist, dass Bär &#038; Karrer seit Jahrzehnten die Hauskanzlei der Bank Bär ist. Natürlich weist es Tamedia auf Anfrage zurück, dass es zwischen dem Schweigen über den Fall Krull und der Anwaltsvergangenheit des VR-Präsidenten einen Zusammenhang geben könnte. «Es gab und gibt keine solche Weisung», meint Oberchefredaktor Arthur Rutishauser. Und kündigt an, dass ein Bericht über Krull am nächsten Tag erscheinen werde. Was er als Winzmeldung unter der Sammelrubrik «Nachrichten» tatsächlich tut.</p>
<p>Allerdings hat die Sache eine Vorgeschichte. Als der ehemalige Bär-Banker in Miami verhaftet wurde, bot ich diese Story mit Hintergrund der «Sonntagszeitung» an. Nach dem üblichen Hin und Her kam man an einem Freitag überein, dass der Artikel am kommenden Sonntag erscheinen wird. Bis mir am Samstag begründungslos per Mail mitgeteilt wurde, dass man ihn mal um eine Woche schiebe. Ich brachte ihn stattdessen im Sonntagsblick unter und mass diesem Schwenk keine weitere Bedeutung bei. Da ich mit dem Wirtschaftschef der «Sonntagszeitung» die Gründe für eine schnelle Veröffentlichung diskutiert und ihn überzeugt hatte, nahm ich an, dass einfach ein Redaktor ohne Rücksprache anders entschieden habe.</p>
<blockquote><p>Die alte Leier: Wenn einem inhaltlich nichts einfällt, beschwert man sich über Ton, Art, Form. </p></blockquote>
<p>Angesichts des Schweigens über den Fall Krull erscheint das aber in einem anderen Licht. Natürlich gab ich auch damals der Bank Bär vorab die Gelegenheit zur Stellungnahme. Ob die das zum Anlass nahm, mal kurz am Samstag zu intervenieren? Gleich auf höchster Ebene? Auf jeden Fall teilte mir der Wirtschafts-Chef der Tamedia-Zentralredaktion mit, nachdem ich gegen diese Verschiebung protestiert und vergeblich ein Gespräch zwecks Lösungsfindung verlangt hatte, dass er «keine weitere Korrespondenz» mit mir mehr wünsche. Ich hätte die Redaktorin, die mir das Verschieben mitteilte und anschliessend auf Tauchstation ging, «in einem inakzeptablen Ton angegangen». Die alte Leier: Wenn einem inhaltlich nichts einfällt, beschwert man sich über Ton, Art, Form. Dabei formulierte ich meinen Protest in deutlichen, aber höflichen Worten, es ging mir ja darum, den Artikel zu veröffentlichen.</p>
<p>Das ist ein gefährliches Beispiel, was der Schweiz droht, wenn es nur noch Einheitsbrei gibt. Den kann man nämlich nicht nur ohne Zähne essen. Den kann man auch zahnlos herstellen. Und ein kritischer Artikel über die Berichterstattung der Zentralredaktion von Tamedia kann garantiert nicht mehr in der Basler Zeitung erscheinen. Auch nicht in der «Sonntagszeitung» oder der «Berner Zeitung» oder im «Bund» oder im «Zürcher Unterländer» oder im «Berner Oberländer» oder im «Thuner Tagblatt». Ach, da gäbe es dann doch noch den neuen Verbund von CH Media? Nun, wieso soll sich der eine der zwei verbliebenen Quasi-Monopolisten mit dem anderen anlegen? Da käme bei Gelegenheit mal eine Retourkutsche, wieso also einen Streit vom Zaun brechen.</p>
<p>Schneller als vielen lieb ist, zeigen sich die problematischen, ja bedenklichen Konsequenzen der Vereinheitlichung der Schweizer Tagespresse. Wenn der Überchefredaktor des Tamedia-Konzerns auf den designierten VR-Präsidenten von Raiffeisen einprügelt und ihn als nicht wählbar bezeichnet, wenn ganze Artikelsalven erscheinen, die dem schweizerisch-angolanischen Geschäftsmann Jean-Claude Bastos vorwerfen, er bereichere sich unziemlich an Angolas Geldern, stehe unter Verdacht der Steuerhinterziehung und Geldwäsche und mache sich auf Kosten der Armen Angolas einen schönen Tag – wo können sich die Betroffenen noch publizistisch zur Wehr setzen, wo ist Platz und Möglichkeit, davon abweichende Meinungen, gar Kritik zu veröffentlichen?</p>
<blockquote><p>Aber wo bleibt die Kontrolle über die Medien selbst, der Widerstreit der Meinungen, wo bleiben die verschiedenen Blickwinkel, das Für und Wider? Wo bleibt die Wahlmöglichkeit des Lesers?</p></blockquote>
<p>Die Vierte Gewalt hat eine zentral wichtige Funktion in einer modernen, demokratischen Gesellschaft. Sie übt Kontrolle aus, prangert an, schafft Öffentlichkeit in Dunkelkammern, enthüllt. Das macht sie unverzichtbar. Aber wo bleibt die Kontrolle über die Medien selbst, der Widerstreit der Meinungen, wo bleiben die verschiedenen Blickwinkel, das Für und Wider? Wo bleibt die Wahlmöglichkeit des Lesers? Auf der Strecke bleibt sie, und das ist nicht nur bedenklich, das ist brandgefährlich für die Gesellschaft.</p>
<p>Dieses Problem ist viel gewichtiger als das Wegbrechen einer Publikationsmöglichkeit für mich. Ich bin immer der Auffassung, dass ich sicherlich nicht die alleinige Wahrheit für mich gepachtet habe. Aber ich bin entschieden der Auffassung, dass nur im Widerstreit der Meinungen und Positionen Fortschritte möglich sind. Durch öffentliches Aufeinanderprallen von Perspektiven, Analysen und Blickwinkeln. Durch Rede und Gegenrede – oder –schreibe. Fehlt das, fehlt der Sauerstoff in der Debatte, und dann fehlt bald einmal der Demokratie die Luft zum Atmen.<br />
&#8212;</p>
<p><a name="Schreiben"><strong>Ein Brei mit Folgen</strong></a><br />
Am 1.11.2018 veröffentliche die MEDIENWOCHE oben stehenden Artikel «Herr Krull und der Einheitsbrei». In ihm kritisierte der Autor René Zeyer den Einheitsbrei, der durch die Belieferung von insgesamt elf grossen Zeitungen in der Deutschschweiz durch eine Zentralredaktion entsteht. Am Fall des in den USA zu zehn Jahren Gefängnis wegen Beteiligung an Geldwäscherei verurteilten ehemaligen Managing Directors der Bank Bär kritisierte der Autor weiter, dass über dieses Urteil kein Wort im Tamedia-Imperium erschienen sei. Dabei wurde Arthur Rutishauser, Chefredaktor der Tamedia-Redaktionen, Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben, wovon er auch Gebrauch machte. Seine Aussagen werden im Artikel zitiert.</p>
<p>Eine Woche nach Erscheinen des Artikels meldete sich Rutishauser telefonisch beim Chefredaktor der MEDIENWOCHE und beschwerte sich, dass er in dem Artikel in seiner Berufsehre angegriffen werde. Von rechtlichen Schritten wolle er aber eher absehen. Eine weitere Woche später telefonierte Rutishauser nochmal, diesmal verlangte er die Löschung des gesamten Artikels bis am folgenden Tag und kündigte widrigenfalls rechtliche Massnahmen an.</p>
<p>Eine weitere Woche später, also insgesamt drei Wochen nach Publikation, wandte sich Matthias Seemann, Rechtskonsulent von Tamedia, mit einem vierseitigen Schreiben an den Autor des Artikels. Darin ist von der Rufschädigung an Rutishausers Berufsehre keine Rede mehr.</p>
<p>Wir veröffentlichen dieses Dokument in voller Länge, an gegebener Stelle ergänzt mit kurzen Stellungnahmen des Autors:</p>
<p>Zürich, 20. November 2018<br />
<strong>lhr Artikel «Herr Krull und der Einheitsbrei»</strong></p>
<p>Sehr geehrter Herr Zeyer</p>
<p>Im Namen der Tamedia AG und Ihres Verlegers, Herr Pietro Supino, möchte ich Ihnen unsere nachfolgende Kritik an Ihrem Artikel <em>«Herr Krull und der Einheitsbrei»</em>, erschienen am 1. November 2018 in der «Medienwoche», zukommen lassen.</p>
<p><strong>Ihre Kritik</strong><br />
In Ihrem Artikel behaupten Sie zu Unrecht und auf rufschädigende Weise, dass die Titel der Tamedia AG über den Fall des ehemaligen Julius-Bär-Bankers Matthias Krull – möglicherweise wegen der Anwaltsvergangenheit ihres Verlegers – geschwiegen hätten. Sie äussern sich wie folgt:</p>
<p><em>«Der Fall ist durchaus interessant, und in den Schweizer Medien wurde von «Blick» über NZZ bis zum «Bote der Urschweiz» und eben auch in der BaZ berichtet. Entweder, indem eine SDA-Meldung publiziert wurde, oder indem Journalisten den Fall aufnahmen. Aber: Im Tagi-Imperium herrschte Schweigen zum Urteil. Krull? Wer ist das? War da was? Gibt es da etwas zu berichten? Ach nein, das liegt ausserhalb der Möglichkeiten der Zentralredaktion, und eine ausführliche SDA-Meldung wurde auch nicht gebracht.</p>
<p>Warum? Nun, recherchieren wir etwas. Der VR-Präsident von Tamedia heisst Pietro Supino. Von Haus aus ist er Rechtsanwalt, und als solcher war er zuvor für die Kanzlei Bär &#038; Karrer tätig. Da gab es mal eine Geschichte um die Offshore-Gesellschaft «Moonshine Trust», aber das wäre eine andere Story. Wichtig hier ist, dass Bär &#038; Karrer seit Jahrzehnten die Hauskanzlei der Bank Bär ist. Natürlich weist es Tamedia auf Anfrage zurück, dass es zwischen dem Schweigen über den Fall Krull und der Anwaltsvergangenheit des VR-Präsidenten einen Zusammenhang geben könnte.»</em></p>
<p><strong>Die Tamedia-Titel haben zum Fall Krull nicht geschwiegen</strong><br />
Diese Ausführungen verbinden Sie mit Kritik an der Vereinheitlichung der Tagespresse in der Schweiz. Tamedia ist grundsätzlich bereit, sich einer solchen Kritik zu stellen. Doch die von Ihnen geäusserte Kritik beruht jedoch auf falschen Grundlagen, wie auch schon ein Leserkommentar zu Ihrem Medienwoche-Artikel festgestellt hatte. Die Behauptung, dass die Titel von Tamedia («Tagi-lmperium») zum Fall Krull geschwiegen hätte, ist von Vornherein unzutreffend. Der Tamedia-Recherchedesk hat mehrmals über den Fall berichtet:</p>
<p><em><a href="https://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/USA-verhaften-ExStarbanker-von-Julius-Baer/story/18550847" rel="noopener" target="_blank">«USA verhaften Ex-Starbanker von Julius Bär»</a></em><br />
(Mario Stäuble, Alexandre Häberli, 26.07.2018);</p>
<p><em><a href="https://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/geld/baerbanker-diente-maduros-familie/story/17200800" rel="noopener" target="_blank">«Bär-Banker diente Maduros Familie»</a></em><br />
(Mario Stäuble, 22.05.2018);</p>
<p><em><a href="https://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/exjuliusbaerbanker-bekennt-sich-schuldig/story/31928907" rel="noopener" target="_blank">«Ex-Julius-Bär-Banker bekennt sich schuldig»</a></em><br />
(Mario Stäuble, 23.08.2018).</p>
<p>Der Fall Krull wurde zudem auch im folgenden Artikel erwähnt:</p>
<p><em><a href="https://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/standard/Operation-600-Zwei-Schweizer-im-VenezuelaSumpf/story/15408382" rel="noopener" target="_blank">«Operation 600: Zwei Schweizer im Venezuela-Sumpf»</a></em><br />
(Mario Stäuble/Christian Brönnimann, 22.05.2018);</p>
<p><strong>Berichterstattung über das Urteil im Fall Krull</strong><br />
In einer Antwort auf einen Leserkommentar behaupten Sie, Sie hätten nicht geschrieben, der Tagi habe nie über Krull berichtet. Jedoch liest sich der oben zitierte Absatz anders, da bei der Lektüre Ihres Artikels tatsächlich klar der Eindruck entsteht, Tamedia-Titel hätten den Fall konsequent verschwiegen (<em>«Krull? Wer ist das? War da was? Gibt es da etwas zu berichten? Ach nein, das liegt ausserhalb der Möglichkeiten der Zentralredaktion [&#8230;]»</em>).</p>
<p>Was das <em>Urteil</em> zum Fall Krull betrifft, so ist zutreffend, dass der Tamedia-Recherchedesk über dieses Urteil, welches am 29. Oktober 2018 bekannt geworden ist, nichts berichtet hat. Der Grund dafür liegt daran, dass an diesem Tag die Schlussarbeiten zur umfangreichen Football-Leaks-Geschichte im Magazin («Giannis Game») zu erledigen waren und der Recherchedesk schlicht nicht dazu kam, die Meldung über Krull zu verarbeiten (welche im Übrigen inhaltlich nicht viel Neues zu den bereits publizierten Umständen und Hintergründen enthielt). Das ist zwar bedauerlich, doch steht dahinter in keiner Weise ein Entscheid, den Fall Krull zu verschweigen &#8211; was ja auch die frühere Berichterstattung von Tamedia über den Fall belegt. Der Vollständigkeit halber muss man darauf hinweisen, dass über das Urteil aber in der «Finanz und Wirtschaft» berichtet wurde, welche ja auch zur Tamedia gehört und bei welcher ebenfalls Herr Supino der Verleger ist:</p>
<p><em><a href="https://www.fuw.ch/article/ex-baer-banker-muss-zehn-jahre-ins-gefaengnis/" rel="noopener" target="_blank">«Ex-Bär-Banker muss zehn Jahre ins Gefängnis»</a></em><br />
(30.10.2018)<br />
Somit ist auch die <strong>Aussage, dass das «Urteil» von den Tamedia-Titeln verschwiegen wurde, letztlich falsch</strong> (bzw. liesse sich höchstens mit der Ausflucht retten, dass «Finanz und Wirtschaft» nicht zum «Tagi-Imperium» zählten). Auf jeden Fall widerspricht auch die Meldung in der «Finanz und Wirtschaft» Ihrer &#8211; falschen &#8211; Theorie einer Einflussnahme des Verlegers.</p>
<p><FONT COLOR="#D85111">Anmerkung 1: Mit viel Aufwand bestreiten, was gar nicht behauptet wurde. Wie richtig zitiert und auch bestätigt, hat Tamedia in seinen Tageszeitungen nicht über die Verurteilung Krulls berichtet. Andere Medien durchaus. Die Gründe dafür sind unerheblich.</FONT></p>
<p><strong>Kein Zusammenhang zur Anwaltsvergangenheit des Verlegers</strong><br />
Damit erübrigt sich auch die Frage, warum Tamedia den Fall Krull angeblich verschwiegen habe. Wie Sie in Ihrem Artikel korrekt erwähnen, weist Tamedia darauf hin, dass es zwischen der Anwaltsvergangenheit des Verlegers und dem Fall Krull keinen Zusammenhang gibt. Insbesondere kennt der Verleger Herrn Krull nicht.</p>
<p>Auch Ihre Unterstellung, dass vielleicht die Bank Bär bei Herrn Supino interveniert und die weitere Berichterstattung damit ausgeschaltet habe, ist falsch (<em>«ob die [Bank Bär] das zum Anlass nahm, mal kurz am Samstag zu intervenieren? Gleich auf höchster Ebene?»</em>). Zudem hätten Sie bei einer näheren Prüfung auch feststellen können, dass diese Theorie ohnehin nicht plausibel ist. Denn Ihr Artikel, der von der «SonntagsZeitung» letztlich nicht abgedruckt wurde, wurde im «Sonntagsblick» vom 12. August 2018 publiziert.</p>
<p><FONT COLOR="#D85111">Anmerkung 2: Wieso stellt das die Plausibilität der Theorie in Frage?</FONT></p>
<p>Eineinhalb Wochen später hat der Tamedia-Recherchedesk am 22. und 23. August 2018 noch zwei ausführliche Artikel zum FalI Krull publiziert. Dies belegt, dass es an dem von Ihnen erwähnten Samstag, 11. August 2018, eben keine Intervention der Bank Bär bei Tamedia gegeben hatte, mit welcher irgendeine Tamedia-Berichterstattung verhindert worden ist.</p>
<p><FONT COLOR="#D85111">Anmerkung 3: Wieso soll eine spätere Publikation zum Thema «belegen», dass an diesem Wochenende keine Intervention erfolgte?</FONT></p>
<p><strong>Grund für die Verschiebung Ihres Artikels war Ihnen bekannt</strong><br />
Hinzu kommt, dass der Grund für die Verschiebung Ihres Artikels (den Sie dann im «Sonntagsblick» veröffentlichten) Ihnen bekannt war. Erstens enthielt Ihr Artikel anfangs keine Stellungnahme der Bank Bär, worauf die Redaktion der SonntagsZeitung bei der Bank Bär nachfragte. Diese hatte tatsächlich eine Stellungnahme abgegeben, wobei deren E-Mail bei Ihnen offenbar nicht angekommen ist. Dadurch verschob sich der Kontroll- und Bearbeitungsprozess. Aus Qualitätsgründen entschloss sich die Redaktion dann, noch einige heikle Fakten zu überprüfen, was den Prozess weiterverschob und eine Publikation am 12. August 2018 nicht mehr erlaubte.</p>
<p>Dass Sie diese <strong>Verschiebung Ihres Artikels – die gemäss dem Gesagten im hohen Qualitätsstandard der SonntagsZeitung begründet ist – nun als Argument verwenden, um die Qualität der Tamedia-Titel generell zu diffamieren («Einheitsbrei»), ist unakzeptabel.</strong> Ein solches Diffamieren ist umso unglaubwürdiger, als Sie in dieser Sache kein unabhängiger Beobachter, sondern Partei sind.</p>
<p><FONT COLOR="#D85111">Anmerkung 4: Es ist richtig, dass die Stellungnahme der Bank Bär in deren Mailausgang hängen blieb. Nachdem sie dann durch die Nachfrage einer Redaktorin der «Sonntagszeitung» nochmal geschickt wurde, um die Anmerkung angereichert, dass das Blatt doch bitte mit «solchen rufschädigenden Spekulationen» zurückhaltend sein solle, wäre es nur darum gegangen, den Satz «wollte keine Stellung nehmen» durch einen Satz aus der Stellungnahme zu ersetzen. Stattdessen erhielt René Zeyer begründungslos die Mitteilung, dass der Artikel um eine Woche geschoben werde. Nachdem auf seine mehrfachen Bitten um ein Gespräch nicht reagiert wurde, bot er ihn dann dem Sonntagsblick an und zog ihn bei der «Sonntagszeitung» zurück. Was die «hohen Qualitätsstandards» betrifft: Das wird der Sonntagsblick gerne hören, der den Artikel publizierte; ohne die «Überprüfung heikler Fakten» – und ohne Folgen, was Bank Bär betrifft.</FONT></p>
<p><strong>Widersprüchliche Aussagen zum «Einheitsbrei»</strong><br />
Darüber hinaus sind auch Ihre Ausführungen zum behaupteten «Einheitsbrei» widersprüchlich: Auf der einen Seite unterstellen Sie, dass bei Themen, die von den Tamedia-Titeln behandelt werden, es praktisch keinen <em>«Platz und Möglichkeiten»</em> für abweichende Meinungen und Kritik mehr gebe. Auf der anderen Seite behaupten Sie, dass der Fall Krull, welcher angeblich bei den Tamedia-Titeln verschwiegen worden sei, jedoch <em>«von Blick über NZZ bis zum Bote der Urschweiz»</em> aufgenommen wurde. Damit zeigen Sie gleich selbst auf, dass es neben den Tamedia-Titeln eben durchaus noch <em>«Platz und Möglichkeíten»</em> für andere Berichterstattung gibt.</p>
<p><FONT COLOR="#D85111">Anmerkung 5: Nochmals widerlegen wollen, was nicht behauptet wurde. Im Artikel steht, dass es innerhalb der Tamedia-Blätter nicht möglich sei, Kritik zu üben. Beispielsweise in der «Berner Zeitung» über den Tages-Anzeiger.</FONT></p>
<p><strong>Fazit</strong><br />
Es ist unbestritten, dass Tamedia aufgrund der ökonomischen Rahmenbedingungen der Medienwelt ihre Produktionsprozesse vereinheitlicht. Es ist legitim, kritisch über diese Vereinheitlichung zu berichten.</p>
<p>In Ihrem Artikel stützen Sie Ihre Kritik jedoch, wie vorstehend dargelegt, auf falsche Unterstellungen, unplausible Theorien – deren Unplausibilität leicht festzustellen gewesen wäre – und widersprüchlichen Aussagen. <strong>Damit betreiben Sie Rufschädigung auf einer falschen faktischen Grundlagen, und wir fordern Sie auf, solches zukünftig zu unterlassen.</strong> Die Tamedia AG behält sich sämtliche rechtlichen Schritte vor.</p>
<p>Bei Fragen oder Diskussionsbedarf stehe ich gerne zur Verfügung</p>
<p>Mit freundlichen Grüssen</p>
<p>Matthias Seemann, Rechtskonsulent</p>
<p>Kopie: Nick Lüthi, Medienwoche</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/11/01/herr-krull-und-der-einheitsbrei/">Herr Krull und der Einheitsbrei</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Gemeinsam Journalismus entsorgt</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2017/05/05/gemeinsam-journalismus-entsorgt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 05 May 2017 13:48:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Eric Gujer]]></category>
		<category><![CDATA[Arthur Rutishauser]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=29115</guid>

					<description><![CDATA[<p>Der eine droht, der andere kuscht: Wie die Chefredaktoren von NZZ und Tages-Anzeiger kritischen Medienjournalismus verhinderten. Die genauen Gründe für das Nicht-Erscheinen eines Porträts des NZZ-Chefredaktors im Tages-Anzeiger bleiben im Dunklen. Das Verhalten von Arthur Rutishauser und Eric Gujer nützt vor allem ihnen selbst. So viel steht fest: Ein Porträt des NZZ-Chefredaktors Eric Gujer, das <a href="https://medienwoche.ch/2017/05/05/gemeinsam-journalismus-entsorgt/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/05/05/gemeinsam-journalismus-entsorgt/">Gemeinsam Journalismus entsorgt</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Der eine droht, der andere kuscht: Wie die Chefredaktoren von NZZ und Tages-Anzeiger kritischen Medienjournalismus verhinderten. Die genauen Gründe für das Nicht-Erscheinen eines Porträts des NZZ-Chefredaktors im Tages-Anzeiger bleiben im Dunklen. Das Verhalten von Arthur Rutishauser und Eric Gujer nützt vor allem ihnen selbst.</strong></p>
<p>So viel steht fest: Ein Porträt des NZZ-Chefredaktors Eric Gujer, das im Tages-Anzeiger anlässlich der NZZ-Generalversammlung hätte erscheinen sollen, wurde nie publiziert und wird auch nie erscheinen. Im Internet kursiert eine unfertige Version des Artikels. <a href="http://www.persoenlich.com/medien/portrat-uber-eric-gujer-kurzfristig-gekippt" target="_blank" rel="noopener">Gemäss dem Branchendienst persoenlich.com</a>, soll NZZ-Chefredaktor Gujer mit rechtlichen Schritten für den Fall einer Veröffentlichung gedroht haben, worauf sich Tages-Anzeiger-Chefredaktor Arthur Rutishauser entschieden hat, den Text nicht zu bringen.</p>
<p>Eric Gujer will sich auf Anfrage zur Sache nicht äussern und verweist an den Tages-Anzeiger. Dessen Chefredaktor Arthur Rutishauser wiederum betont gegenüber der MEDIENWOCHE die Normalität einer Nicht-Publikation: «So was kommt auf jeder Redaktion immer mal wieder vor.» Als übervorsichtig will er seinen Entscheid nicht verstanden wissen. Es gebe genügend Beispiele, die zeigten, dass der Tages-Anzeiger nicht vor rechtlichen Auseinandersetzungen zurückschrecke. In der Tat: Wirtschaftsjournalist Rutishauser, der seit einem Jahr als Chefredaktor von Tages-Anzeiger und Sonntagszeitung amtet, war wegen seiner Recherchen in einige Rechtshändel verstrickt. Konfliktscheu ist er also keineswegs. Umso mehr erstaunt es, dass er bei einem vergleichsweise harmlosen Text den Übungsabbruch befahl. Autor Thomas Widmer, der den NZZ-Chef porträtieren wollte, äussert sich nicht öffentlich zu den Vorgängen.</p>
<p>Im Zentrum des Porträts steht ein Besuch in Gujers Büro. Dort entspann sich zwischen Widmer und Gujer ein lockeres Gespräch, «wenn man von der Passage absieht, in der es um seine Frau geht», wie man im Textentwurf lesen kann. Gujers Gattin arbeitet im NZZ-Feuilleton. Im Porträt stehen tatsächlich auch Aussagen über sie. Nichts besonders Schmeichelhaftes, aber auch nichts wirklich Böses. Der Aspekt des Ehepaars im gleichen Betrieb steht aber weder im Zentrum des Porträts, noch wirkt er unnötig zugespitzt; es geht um Menschliches, Allzumenschliches aus der Arbeitswelt.</p>
<p>Mehrere Medienrechtlerinnen und Fachjuristen, die den Textentwurf kennen, sehen prima vista keine rechtlichen Probleme, die sich nicht vor einer Publikation lösen liessen. Am heikelsten halten die Experten die Abstützung auf Kolportagen aus Drittpublikationen. Hier müsste sich der Autor auf Primärquellen berufen können. Dass Gujers Frau nicht direkt mit den Vorwürfen konfrontiert wurde, hält ein Jurist gar für unerheblich und verweist auf den Pressekodex, der eine Anhörung nur bei «schweren Vorwürfen» verlangt. Eine Persönlichkeitsverletzung Gujers, etwa mit der Bezeichnung als «Machtmensch», könne dagegen kaum vorliegen. Denn das setze voraus, dass die Ehre, Privatsphäre oder Integrität verletzt würde. Zwar sei auch die berufliche Ehre geschützt, aber ein Chefredaktor erscheine noch nicht als unqualifiziert, wenn er als autoritäre Führungsfigur dargestellt werde, so eine Fachmeinung.</p>
<p>Letztlich bleibt es aber müssig, über mögliche Folgen eines unfertigen Textes und einer nich näher bekannten Drohung zu mutmassen. Was genau Gujer an dem Textentwurf moniert hat, der ihm zur Autorisierung vorgelegt wurde, liegt im Dunkeln. Klar ist nur, dass in vergleichbaren Situationen die Parteien in der Regel eine Lösung suchen, mit der beide Seiten leben könnten. Bevor es aber im vorliegenden Fall zum Feilschen um Formulierungen zwischen Werd- und Falkenstrasse kam, lag auch schon der endgültige Entscheid von Tages-Anzeiger-Chefredaktor Arthur Rutishauser vor: Wird nicht veröffentlicht, teilte er den zuständigen Redaktoren aus seinen Ferien mit.</p>
<p>Mit dem öffentlichen Bekanntwerden des Entscheids wuchs das Interesse am Porträt und alsbald kursierte der Text im Internet. Ausserdem zeigten sich WOZ und Weltwoche interessiert, den Artikel doch noch zu publizieren. Rechtlich sei das nicht möglich, teilt Arthur Rutishauer mit: «Die Publikation in einem anderen Medien ist kein Thema, die Rechte liegen beim Tages-Anzeiger.» Nun handelt es sich beim Verzicht auf eine Publikation tatsächlich um einen alltäglichen Vorgang. Für manche Autorinnen mag das Ärger und Enttäuschung mit sich bringen, andere nehmen es gelassener. Entscheidend bleibt in jedem Fall eine glaubwürdige und nachvollziehbare Begründung, nicht zuletzt im Hinblick auf künftige, vergleichbare Situationen. Im Fall des Gujer-Porträts fehlt eine solche. Arthur Rutishauser äussert sich nicht substanziell zu seinem Entscheid. Es wäre indes höchst ärgerlich und erwiese dem Journalismus einen Bärendienst, wenn sich Chefredaktoren gegenseitig schonten, nach dem Motto: Keine Krähe hackt der anderen eine Auge aus. Bis zum Beweis des Gegenteils mit der Veröffentlichung kritischer Chefredaktoren-Porträts in Tages-Anzeiger oder NZZ, darf man diese Erklärung für plausibel halten.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/05/05/gemeinsam-journalismus-entsorgt/">Gemeinsam Journalismus entsorgt</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Untaugliche Ethikregeln</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2017/01/13/untaugliche-ethikregeln/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 13 Jan 2017 15:57:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Namensnennung]]></category>
		<category><![CDATA[SRF]]></category>
		<category><![CDATA[Tamedia]]></category>
		<category><![CDATA[Medienethik]]></category>
		<category><![CDATA[Terror]]></category>
		<category><![CDATA[Tristan Brenn]]></category>
		<category><![CDATA[Arthur Rutishauser]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Schweizer Radio und Fernsehen SRF und Tages-Anzeiger/Sonntagszeitung wollen Terroristen nicht mehr mit vollem Namen nennen und keine Bilder von ihnen veröffentlichen. Dazu setzten sie im letzten Sommer entsprechende Leitlinien in Kraft. Ein halbes Jahr später ist es mit der Zurückhaltung nicht mehr weit her. Vom Berliner Attentäter finden sich Name und Bild in der Berichterstattung <a href="https://medienwoche.ch/2017/01/13/untaugliche-ethikregeln/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Schweizer Radio und Fernsehen SRF und Tages-Anzeiger/Sonntagszeitung wollen Terroristen nicht mehr mit vollem Namen nennen und keine Bilder von ihnen veröffentlichen. Dazu setzten sie im letzten Sommer entsprechende Leitlinien in Kraft. Ein halbes Jahr später ist es mit der Zurückhaltung nicht mehr weit her. Vom Berliner Attentäter finden sich Name und Bild in der Berichterstattung beider Medien. Warum sich das kaum vermeiden lasse, erklären Arthur Rutishauser und Tristan Brenn, die zuständigen Chefredaktoren.</strong></p>
<p>Man kann es nachlesen, schwarz auf weiss. Die Spielregeln sind eigentlich klar: Der «Tages-Anzeiger» zeigt ab sofort <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/den-taetern-keine-buehne-geben/story/16233159" target="_blank">keine Bilder mehr von Attentätern und Amokläufern</a> und die Namen der Täter werden wir abkürzen, hielt Arthur Rutishauser, Chefredaktor von Tages-Anzeiger und Sonntagszeitung, Ende Juli vergangen Jahres fest. Einen Monat später legte Schweizer Radio und Fernsehen nach: Man verzichte darauf, Bilder und Namen von Attentätern zu zeigen, <a href="https://www.srgd.ch/de/aktuelles/2016/09/05/umgang-mit-terrorattentaten-und-amoklaufen-bei-srf/" target="_blank">hielten damals die Chefredaktionen von Schweizer Radio und Fernsehen SRF fest</a>.</p>
<p>Unter dem Eindruck sich häufender Attentate im letzten Sommer mit Dutzenden von Toten in Deutschland und Frankreich, reagierten Medien in der Schweiz und im Ausland mit Anweisungen an ihre Redaktionen, fortan zurückhaltender über Tatverdächtige und tatsächliche Terroristen zu berichten; neben Tages-Anzeiger und Radio SRF etwa auch die Zeitung Le Monde und der Nachrichtensender BFM aus Frankreich.</p>
<p>Ein halbes Jahr später reibt man sich verwundert die Augen. Sowohl der Tages-Anzeiger, und insbesondere sein Online-Ableger tagesanzeiger.ch, aber auch bei SRF scheinen die hehren Regeln der Medienethik schon wieder vergessen. Der Name des Berliner Attentäters findet sich voll ausgeschrieben und auch Bilder des Tunesiers gibt es zu sehen. Was ist geschehen? Haben die Chefredaktoren die neuen Regeln gelockert oder gar annulliert?</p>
<p>Arthur Rutishauser verneint: «Wir haben die Richtlinie nicht gelockert», teil der Chefredaktor von Tages-Anzeiger und «Sonntagszeitung» auf Anfrage mit. Damit gälte eigentlich weiterhin: Namen nicht voll ausschreiben und grundsätzlich keine Bilder, ausser Beweisbilder, wie etwa Aufnahmen von Überwachungskameras. «Was die Namensnennung anbelangt, waren wir im Print soweit mir bekannt konsequent». Das stimmt nicht ganz. Der gedruckte Tages-Anzeiger schrieb in seiner Ausgabe vom 23. Dezember den Namen des Berliner Attentäters mehrfach voll aus, ebenso die «Sonntagszeitung» in zwei ihrer Ausgaben. Und auch bei den Vorgaben zur Abbildung gibt es Defizite. So findet sich in der «Sonntagszeitung» vom 8. Januar ein Porträtbild des jungen Manns, wenn auch nur ein kleines, das nicht als Beweis- oder Fahndungsbild durchgeht.</p>
<p>Auf tagesanzeiger.ch sei die Richtlinie deshalb nicht konsequent umzusetzen, «da es halt sehr schnell geht und wir und wir teilweise mit ‹20 Minuten› zusammengeschaltet sind», erklärt Rutishauser. tagesanzeiger.ch bezieht einen Teil seiner Nachrichten aus einer Redaktionseinheit, die auch «20 Minuten» beliefert. Da dieser sogenannte Newsexpress nicht im Zuständigkeitsbereich von Arthur Rutishauser liegt, kann es vorkommen, dass Beiträge mit anderen medienethischen Standards einfliessen.</p>
<p>Wie der Tages-Anzeiger kann auch Schweizer Radio und Fernsehen SRF seine selbst auferlegten Zurückhaltung in der Terrorberichterstattung nicht vollumfänglich einhalten. In TV-Sendungen und Onlinebeiträgen finden sich Name und Bild des Berliner Attentäters gleich mehrfach. Tristan Brenn, Chefredaktor Fernsehen SRF, sieht darin aber keinen Regelbruch, sondern legitime Ausnahmen: «Das war ein bewusster Entscheid aufgrund einer anderen Interessengewichtung.»</p>
<p>Solange ein flüchtiger Attentäter eine Gefahr für die Öffentlichkeit darstelle, so Brenn, verzichte das Schweizer Fernsehen auf eine Anonymisierung. Diese Ausnahme habe man beim Abfassen der neuen Leitlinien so vorgesehen. «Sobald der Täter in Mailand gestellt war, haben wir keine Bilder mehr von ihm gezeigt, auch seinen Namen nie mehr erwähnt, weder in den Sendungen noch online.» Hier irrt Brenn. Die «Rundschau» preist die Sendung vom 11. Januar auf ihrer Webseite mit der Nennung des vollen Namens des Berliner Attentäters an. In der Sendung selbst blieb er dann allerdings regelgetreu anonymisiert.</p>
<p>Wie ernst die Chefredaktoren ihre eigenen Leitlinien nehmen, zeigt auch der nachlässige Umgang mit versehentlichen Namens- und Bildveröffentlichungen. Klar kann es mal vorkommen, dass ein Journalist eine von der Nachrichtenagentur abgefasste Bildlegende mit voller Namensnennung übernimmt. Im Web wäre es allerdings möglich, diesen Lapsus nachträglich zu korrigieren. Das aber machten bisher weder Tages-Anzeiger noch SRF.</p>
<p>Bei all den Ausnahmen und Sonderfällen, sowie einer an Desinteresse grenzenden Nachlässigkeit in Umsetzung und Kontrolle der eigenen Leitlinien, stellt sich unweigerlich die Frage: Was bringt es eigentlich – ausser dem Applaus der Medienethiker – solche Regeln aufzustellen? Strikte Vorgaben vertragen sich im Journalismus schlecht mit der gängigen Praxis des situativen Abwägens im Einzelfall. Erschwerend wirkt zudem das Organigramm moderner Redaktionsorganisationen. Bei Plattformen, die aus zahlreichen Quellen gespeist werden, kann man leicht den Überblick verlieren, wer nun welche Inhalte nach welchen Standards anliefert.</p>
<p>Entscheidend bleibt letztlich, was das Publikum wahrnimmt. Und das sieht Bilder eines Attentäters und liest seinen vollen Namen, obwohl die Redaktionen doch eigentlich genau das vermeiden wollten, um den Terroristen keine zusätzliche Bühne zu geben. Bevor Chefredaktoren vollmundig Versprechen abgeben, wäre es wohl sinnvoller, wenn sie zuerst intern die Praktikabilität neuer Leitlinien prüfen und erst danach an die Öffentlichkeit treten, oder aber die Übung abblasen, wenn ihnen klar wird, dass sich solche Leitlinien nicht einhalten lassen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/01/13/untaugliche-ethikregeln/">Untaugliche Ethikregeln</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Behörden sollen ungestört von Journalisten kommunizieren können</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/06/09/behoerden-sollen-ungestoert-von-journalisten-kommunizieren-koennen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dominique Strebel]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 Jun 2016 06:04:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Urteil]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Medienfreiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Recherche]]></category>
		<category><![CDATA[Sonntagszeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Bundesgericht]]></category>
		<category><![CDATA[Pressefreiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Behörden]]></category>
		<category><![CDATA[Arthur Rutishauser]]></category>
		<category><![CDATA[Chefredaktor]]></category>
		<category><![CDATA[Tages-Anzeiger]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein aktuelles Urteil aus Lausanne zur Veröffentlichung amtlicher geheimer Verhandlungen schützt die Meinungsbildung des Staates selbst da, wo keine Meinung mehr gebildet wird. Das erlaubt den Behörden den Zeitpunkt der Publikation ohne störende Recherche selbst festzulegen. Arthur Rutishauser, Chefredaktor von Tages-Anzeiger und Sonntagszeitung, soll gebüsst werden, weil er aus dem Entwurf des Berichts zur parlamentarischen <a href="https://medienwoche.ch/2016/06/09/behoerden-sollen-ungestoert-von-journalisten-kommunizieren-koennen/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein aktuelles Urteil aus Lausanne zur Veröffentlichung amtlicher geheimer Verhandlungen schützt die Meinungsbildung des Staates selbst da, wo keine Meinung mehr gebildet wird. Das erlaubt den Behörden den Zeitpunkt der Publikation ohne störende Recherche selbst festzulegen.<br />
<span id="more-27584"></span><br />
Arthur Rutishauser, Chefredaktor von Tages-Anzeiger und Sonntagszeitung, soll gebüsst werden, weil er aus dem Entwurf des Berichts zur parlamentarischen Untersuchungskommission (PUK) zur BVK-Affäre rund fünf Wochen vor der offiziellen Veröffentlichung zitiert hat. Das hat das Bundesgericht in seinem neuesten Urteil zum Straftatbestand der Veröffentlichung amtlicher geheimer Verhandlungen (Art. 293 StGB) entschieden (<a href="http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;zoom=&amp;type=show_document&amp;highlight_docid=aza%3A%2F%2F25-05-2016-6B_1267-2015 " target="_blank">Urteil 6B_1267/2015</a> vom 25. Mai 2016).</p>
<p>Das höchste Schweizer Gericht widerspricht damit den <a href="https://drive.google.com/file/d/0B-Zv5IS6RhDqeHZtZHkyOTJMQ1ZxMXBoSlYzVUx1eW92U1hN/view?usp=sharing" target="_blank">Entscheiden von Zürcher Bezirks- und Obergericht</a> sowie des <a href="http://presserat.ch/_01_2013.htm" target="_blank">Schweizerischen Presserates</a>. Sie alle beurteilten das Vorgehen des Journalisten als korrekt. Mit dem Bundesgerichtsentscheid tut sich also eine Kluft zwischen Medienethik und Medienrecht auf. Und es bestätigt sich der Eindruck, dass kantonale Gerichte mehr Verständnis für die Arbeit der Medien haben als das Bundesgericht.</p>
<p>Das Bundesgericht gibt dem Schutz der Meinungsbildung der Behörden ein sehr hohes Gewicht. Es sei «unerheblich», ob der Zeitungsartikel die Meinungsbildung der PUK tatsächlich beeinflusst habe, schreiben die höchsten Schweizer Richter. «Ein diesbezügliches Risiko genügt.» (Erw. 2.6).</p>
<p>Führen wir uns die konkreten Umstände vor Augen: Da hat eine parlamentarische Untersuchungskommission mehr als zwei Jahre lang ermittelt. Sie hat um Formulierungen und Wertung gerungen, einen Text erstellt und die Betroffenen, die bereits ausführlich befragt worden waren, zur Stellungnahme zu diesem Schlusstext eingeladen. Die Stellungnahmen sind bereits bei den Parlamentariern eingetroffen. Sie müssen sie nur noch verarbeiten. An diesem Tag, dem 28. August 2012, veröffentlicht Rutishauser seinen Artikel.</p>
<p>Gibt es da noch irgendeine Meinungsbildung der Parlamentarier, die geschützt werden muss?<br />
<a href="https://drive.google.com/file/d/0B-Zv5IS6RhDqeHZtZHkyOTJMQ1ZxMXBoSlYzVUx1eW92U1hN/view?usp=sharing" target="_blank">Nein, sagte das Zürcher Obergericht</a>, das – im Unterschied zum Bundesgericht – die konkreten Abläufe im Detail nachzeichnete. «Zu diesem Zeitpunkt ist das Interesse des Staates an der (vorläufigen) Geheimhaltung des Schlussberichts lediglich noch darin zu sehen, den Zeitpunkt der Publikation der von ihm erarbeiteten lnformationen und Meinungen ungehindert selber zu bestimmen.» Und daran sei das öffentliche Interesse gering.</p>
<p>Das Bundesgericht interessieren die konkreten Umstände nicht. Das blosse Risiko einer Beeinflussung genügt den höchsten Schweizer Richtern. Es stützt sich dabei auf den Entscheid Bédat des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) <a href="http://hudoc.echr.coe.int/fre?i=001-161899" target="_blank">vom März 2016</a>. Dieser Entscheid der Grossen Kammer des EGMR hielt fest, dass der Staat nicht belegen müsse, ob die Meinungsbildung der Untersuchungsbehörden und Gerichte beeinflusst worden sei, wenn er einen Geheimnisbruch sanktioniere. Das Risiko eines Einflusses auf das Verfahren genüge bereits («Le risque d’influence sur la procédure justifie en soi&#8230;» Ziff. 70). Diese Aussage des EGMR zu einer laufenden Strafuntersuchung kann wohl kaum telquel auf ein faktisch abgeschlossenes parlamentarisches Untersuchungsverfahren übertragen werden.</p>
<p>Würde diese rigide Haltung Schule machen, hätten Journalisten zu warten, bis es dem Staat zu informieren beliebt – auch wenn die Meinungsbildung schon längst fertig ist. Egal ob die Behörden sich noch Wochen oder Monate Zeit lassen, um den für sie richtigen Zeitpunkt zu wählen. Das kann gerade bei einem Fall wie der Affäre BVK stossend sein, in dem auch der Staat selbst – seine Behördenmitglieder, aber auch Kontroll- und Aufsichtsinstanzen versagt haben. Wollen wir zahme Journalisten, die brav auf die Medienkonferenz warten?</p>
<p>Der Presserat nicht. Der Journalist soll auf Berichterstattung verzichten, wenn ein vertrauliches Dokument in den nächsten Tagen öffentlich werden würde, meint das Selbstregulierungsorgan in seinem Entscheid zum gleichen Fall. Wenn es also Wochen geht, bis der Bericht öffentlich wird, darf der Journalist veröffentlichen, wenn keine äusserst wichtigen Interessen dadurch verletzt werden.</p>
<p>Das Bundesgericht hat es sich auch einfach gemacht, als es die Frage prüfte, ob Arthur Rutishauser Gründe hatte, sofort zu publizieren und nicht die 5 Wochen bis zur möglichen Veröffentlichung zu warten. Es schreibt nur, es sei «nicht erkennbar, inwiefern gute Gründe bestanden haben könnten.»</p>
<p>Der Presserat – in seinem Entscheid vom Januar 2013 noch sehr nahe bei der öffentlichen Diskussion über den Skandal – bezeichnet es als «legitim» nicht bis zur Medienkonferenz zu warten «angesichts des unbestritten grossen öffentlichen Interesses am Thema BVK, das in den Medien seit Monaten für Schlagzeilen gesorgt hatte, und nachdem auch aufgrund des im gleichen Zusammenhang geführten Strafverfahrens schon viele Informationen publik waren». Und fügt an, es würde «jedenfalls zu kurz greifen, die vorzeitige Veröffentlichung von Informationen aus dem Berichtsentwurf auf eine blosse Jagd auf Primeurs zu reduzieren.»</p>
<p>Mit seinem neuesten Entscheid dehnt das Bundesgericht den Geheimnisbereich weiter aus. Das fördert geradezu Indiskretionen, denn es wird immer Parlamentarier geben, die Journalisten geheime Dokumente zukommen lassen. Verurteilt wird aber immer nur der Medienschaffende, nicht der Parlamentarier. Man meint den Esel und schlägt den Sack. Dabei ist es das Parlament selbst, das seinen eigenen Laden nicht im Griff hat.</p>
<p>Zudem gehen die Behörden willkürlich gegen Journalisten vor. Viele Medienschaffende, die vertrauliche Dokumente öffentlich machen, werden nicht belangt. So gibt es gemäss polizeilicher Kriminalstatistik pro Jahr nur ein bis zwei Anzeigen. Diese Anzeigen richten sich gegen jene Journalisten, die unbequem sind, die kritische Fragen stellen, die bohren und hartnäckig sind. Also genau jene, die die öffentliche Meinungsbildung braucht.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/06/09/behoerden-sollen-ungestoert-von-journalisten-kommunizieren-koennen/">Behörden sollen ungestört von Journalisten kommunizieren können</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Arthur Rutishauser: «SVP-Wähler sollen auch informiert sein»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/01/22/arthur-rutishauser-svp-waehler-sollen-auch-informiert-sein/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 22 Jan 2016 12:14:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Arthur Rutishauser]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Arthur Rutishauser verantwortet seit Anfang Jahr den «Tages-Anzeiger», das «Magazin» und die «SonntagsZeitung». Welchem Titel fühlt sich der «Super-Chefredaktor» am nächsten? Und wird der Tagi weiter nach rechts rutschen, auf die gleiche politische Linie wie die «SonntagsZeitung»? persoenlich.com hat den Chef von 220 Mitarbeitern im Büro getroffen.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/01/22/arthur-rutishauser-svp-waehler-sollen-auch-informiert-sein/">Arthur Rutishauser: «SVP-Wähler sollen auch informiert sein»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Arthur Rutishauser verantwortet seit Anfang Jahr den «Tages-Anzeiger», das «Magazin» und die «SonntagsZeitung». Welchem Titel fühlt sich der «Super-Chefredaktor» am nächsten? Und wird der Tagi weiter nach rechts rutschen, auf die gleiche politische Linie wie die «SonntagsZeitung»? persoenlich.com hat den Chef von 220 Mitarbeitern im Büro getroffen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/01/22/arthur-rutishauser-svp-waehler-sollen-auch-informiert-sein/">Arthur Rutishauser: «SVP-Wähler sollen auch informiert sein»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Kopflose Produkte</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/10/30/kopflose-produkte/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 30 Oct 2015 15:06:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Tages-Anzeiger]]></category>
		<category><![CDATA[Ringier]]></category>
		<category><![CDATA[Tamedia]]></category>
		<category><![CDATA[Blick]]></category>
		<category><![CDATA[Sonntagszeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Arthur Rutishauser]]></category>
		<category><![CDATA[Chefredaktor]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=26010</guid>

					<description><![CDATA[<p>Ringier schafft den «Blick»-Chef ab, bei Tamedia teilt ab 2016 eine Person die Leitung von Tages-Anzeiger und Sonntagszeitung: Bei den Grosskonzernen hat der Chefredaktor ausgedient. Dafür gibt es neu Kanalverantwortliche, die den Content marktförmig konfektionieren. Die publizistische Verantwortung wird so verwischt. Es ist wahr: Der 1959 gegründete, einst gloriose «Blick», geführt von Persönlichkeiten wie Felix <a href="https://medienwoche.ch/2015/10/30/kopflose-produkte/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ringier schafft den «Blick»-Chef ab, bei Tamedia teilt ab 2016 eine Person die Leitung von Tages-Anzeiger und Sonntagszeitung: Bei den Grosskonzernen hat der Chefredaktor ausgedient. Dafür gibt es neu Kanalverantwortliche, die den Content marktförmig konfektionieren. Die publizistische Verantwortung wird so verwischt.<br />
<span id="more-26010"></span><br />
Es ist wahr: Der 1959 gegründete, einst gloriose «Blick», geführt von Persönlichkeiten wie Felix von Schumacher, Charles La Roche, Fridolin Luchsinger oder Peter Übersax, hat <a href="https://twitter.com/ediester/status/659623414030860288">keinen «exklusiven» publizistischen</a> Leiter mehr, wie Ringier-Mediensprecher Edi Estermann twitterte:</p>
<blockquote class="twitter-tweet" lang="en">
<p lang="de" dir="ltr"><a href="https://twitter.com/nick_luethi">@nick_luethi</a> Keinen &quot;exklusiven&quot; mehr, wenn Sie so wollen, nein.</p>
<p>&mdash; Edi Estermann (@ediester) <a href="https://twitter.com/ediester/status/659623414030860288">October 29, 2015</a></p></blockquote>
<p><script async src="//platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script></p>
<p>Ex-«Cash»-Chefredaktor Fred David kommentierte das so:</p>
<blockquote class="twitter-tweet" data-conversation="none" lang="en">
<p lang="de" dir="ltr"><a href="https://twitter.com/nick_luethi">@nick_luethi</a> <a href="https://twitter.com/ediester">@ediester</a> Fiel mir auch auf:Viele sind plötzlich Chefs, irgendwo irgendwie. Wer wirklich Chef ist, bleibt offen. Newsroom halt.</p>
<p>&mdash; Fred David (@frontsight) <a href="https://twitter.com/frontsight/status/659480607676854272">October 28, 2015</a></p></blockquote>
<p><script async src="//platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script></p>
<p>Wenn also der «Blick» zukünftig über die Stränge schlägt, dann gibt es keinen Chefredaktor mehr, der zur Verantwortung gezogen und gegebenenfalls entlassen werden könnte. Rechtlich verantwortlich ist so oder so der Verlag. Doch die publizistische Verantwortung wird künftig irgendwo im Newsroom versanden. Klar, es gibt eine <a href="https://twitter.com/ediester/status/659738721873473536">«Tagesverantwortlichkeit»</a>, aber die wird intern bleiben. Vielleicht war&#8217;s ja dann die Praktikantin, die den Fehler gemacht hat. Oder die Reinigungskraft. So geschützt werden dann auch die unheilvollsten Mitarbeiter überleben können, solange ihre Beziehungen zu den wichtigen Bezugspersonen im Ringier-Universum intakt sind. Denn wenn die Verantwortlichkeit nicht mehr zugeordnet werden kann, wird die Leistung zum Accessoire. Dass deswegen die durchaus gerechtfertigte Kritik an Managern und Unternehmern, die sich nach groben Fehlleistungen davonstehlen, im «Blick» eingestellt werden wird, ist jedoch nicht zu erwarten. Auch nicht zu erwarten ist, dass der «Blick» keine Fehlleistungen mehr produzieren wird.</p>
<p>Gemäss der <a href="http://www.ringier.ch/de/press-releases/corporate/publishing/weiterentwicklung-des-newsrooms-der-blick-gruppe-iris-mayer-und">Ringier-Medienmitteilung</a> bleiben Christine Maier und Philippe Pfister Chefredaktoren des «SonntagsBlick». Sebastian Pfotenhauer und Katia Murmann sind neu «Mitglieder der Chefredaktion der Blick-Gruppe». Der bisherige Leiter des «Blick am Abend», Peter Röthlisberger, wird gemeinsam mit Iris Mayer und vier Stellvertretern den «Blick-Desk» leiten. Mayer ist eine Vertraute des Geschäftsführers der Blick-Gruppe, Wolfgang Büchner, und neben Michael Ludewig, «Managing Editor» der «Blick»-Gruppe, der einzige frische Geist in der Reorganisation.</p>
<p>Abseits davon hat sich das Modell Frank A. Meyer, also wichtig zu sein und viel zu verdienen, ohne eine besondere Verantwortung zu tragen, vervielfacht &#8211; was den Auserwählten natürlich zu gönnen ist. Meyer, der wie alle wirklich wichtigen Leute nicht in Medienmitteilungen aufgeführt werden muss, bleibt selbstverständlich Ringier-Publizist in Berlin. Daneben scharen sich nun der enttrohnte «Blick»-Chefredaktor René Lüchinger («Chef-Publizist» sowie «Mitglied der Chefredaktion der Blick-Gruppe sowie der Chefredaktion des SonntagsBlick») sowie die Ringier-Publizisten Hannes Britschgi und Peter Hossli, die sich beide auf LinkedIn als «Editor-at-large» ausweisen. Wie bis anhin werden also Lüchinger und Britschgi die Marken «Ringier» oder «Blick» vertreten, wenn mal wieder eine Podiumsdiskussion ansteht oder ein Empfang. Da es mangels Chefredaktor keine charismatische Autorität gibt, die den «Blick» vertritt, darf sich jeder etwas als Botschafter fühlen.</p>
<p>Dass es zur Marktwirtschaft gehört, nicht nur Personal einzustellen, sondern auch, sich davon zu trennen, fällt Ringier schwer, insbesondere bei Kaderleuten. Führungskräfte werden wegbefördert, oder man schreibt einen Satz wie diesen in die Medienmitteilung, bei dem man gar nicht weiss, ob man mehr Mitleid haben soll mit dem Arbeitgeber oder dem Arbeitnehmer:</p>
<blockquote><p>Mit Rüdi Steiner, heute Chefredaktor von Blick.ch, werden derzeit noch Gespräche über eine neue verantwortungsvolle Aufgabe bei Ringier geführt.</p></blockquote>
<p>Bei Tamedia wird Arthur Rutishauser ab 2016 auch noch den Tages-Anzeiger leiten &#8211; als wäre es nicht anspruchsvoll genug, Chef der «Sonntagszeitung» zu sein. Die Redaktionen der beiden Zeitungen, aber auch Print und Online, arbeiten je länger je mehr zusammen, und auch mit den Zeitungen «Der Bund» und «Berner Zeitung» werden eifrig Artikel ausgetauscht. Hinzu kommt die <a href="http://www.tamedia.ch/de/pressekontakt/medienmitteilungen/2015/pressrelease/leading_european_newspaper_alliance_europaeische_zeitungen_gruenden_gemeinsamen_verbund/">Content-Partnerschaft LENA</a>, die mit Zeitungen wie «Die Welt» oder «Le Figaro» Artikel teilt. Das alles verwässert, für was der Tages-Anzeiger und die Sonntagszeitung mal angetreten waren. Für was diese Zeitungen stehen und ob sie eine Haltung haben, die nicht austauschbar ist, wird in Zukunft noch schwieriger zu eruieren sein.</p>
<p>Falls es stimmt, dass Journalisten zu Marken werden müssen oder untergehen werden, dann ist der Entscheid pro kopflose Produkte seltsam. Oder können Journalisten etwa nur zu Marken werden, wenn sie keine Verantwortung tragen? Angesichts der Schwemme von Kadermitarbeitern bei Ringier glaubt man fast gar nicht mehr, dass ein Peter Übersax den «Blick» mit einem oder vielleicht zwei Stellvertretern zur höchsten Auflage aller Zeiten bringen konnte. Aber eben, die Zeiten haben sich geändert. Heute ist der «Blick» nicht mehr nur eine einmal täglich erscheinende Zeitung, sondern einiges mehr. Nur: Die Organisation der Verantwortlichkeiten hat damit nichts zu tun.</p>
<p><small>Siehe dazu auch den Beitrag <a href="https://medienwoche.ch/2015/03/04/die-konzern-chefredaktoren/">«Die Konzern-Chefredaktoren»</a>, der sich mehr mit der Situation der Chefredaktoren bei Tamedia auseinandersetzt sowie die <a href="https://medienwoche.ch/tag/ringier2013/">Ringier-Serie von 2013</a>.</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/10/30/kopflose-produkte/">Kopflose Produkte</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Der fusionierte Chefredaktor</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/01/29/der-fusionierte-chefredaktor/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 29 Jan 2015 12:38:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Chefredaktor]]></category>
		<category><![CDATA[Tages-Anzeiger]]></category>
		<category><![CDATA[Tamedia]]></category>
		<category><![CDATA[Sonntagszeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Arthur Rutishauser]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ab 2016 leitet Arthur Rutishauser in Personalunion zwei der grössten Zeitungen der Schweiz. Der amtierende Chefredaktor der Sonntagszeitung wird in einem Jahr auch die Nachfolge von Res Strehle als Tages-Anzeiger-Chef antreten. Mit der faktischen Fusion der beiden Titel verabschiedet sich Tamedia vom redaktionellen Binnenpluralismus. Vor einem halben Jahr hiess es noch, eine Zusammenlegung von Tages-Anzeiger <a href="https://medienwoche.ch/2015/01/29/der-fusionierte-chefredaktor/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ab 2016 leitet Arthur Rutishauser in Personalunion zwei der grössten Zeitungen der Schweiz. Der amtierende Chefredaktor der Sonntagszeitung wird in einem Jahr auch die Nachfolge von Res Strehle als Tages-Anzeiger-Chef antreten. Mit der faktischen Fusion der beiden Titel verabschiedet sich Tamedia vom redaktionellen Binnenpluralismus.<br />
<span id="more-22947"></span><br />
Vor einem halben Jahr hiess es noch, eine Zusammenlegung von Tages-Anzeiger und Sonntagszeitung <a href="http://www.kleinreport.ch/news/drei-arbeitsgruppen-prufen-zusammenarbeit-von-tages-anzeiger-und-sonntagszeitung-78426/" target="_blank">sei kein Thema</a>. Es gehe lediglich um eine punktuelle Zusammenarbeit der beiden Tamedia-Titel mit dem Ziel, Kräfte zu bündeln, ohne die jeweilige Marke zu verwässern. Seither wurden die Ressorts Gesellschaft, Kultur, Wissen der beiden Zeitungen zusammengelegt, bald folgt auch noch das Ausland. Eine eigenständige Berichterstattung in den sogenannten Kernressorts Inland, Wirtschaft und Recherche reiche aus, um das publizistische Profil zu wahren. Nun folgte der nächste, weit bedeutsamere Schritt hin zu einer Verschmelzung von Tages-Anzeiger und Sonntagszeitung. Ab Frühjahr 2016 werden die beiden Zeitungen von ein und demselben Chefredaktor geleitet. <a href="http://www.tamedia.ch/de/pressekontakt/medienmitteilungen/2015/pressrelease/arthur_rutishauser_designierter_chefredaktor_des_tages_anzeigers/" target="_blank">Gestern hat Tamedia bekannt gegeben</a>, dass Arthur Rutishauser nach der Pensionierung von Res Strehle dessen Amt als Chefredaktor des Tages-Anzeigers übernehmen wird. Die Leitung der Sonntagszeitung behält er weiter.</p>
<p>Das ist kein neues Modell. Bereits Rutishausers Vorvorgänger Andreas Durisch <a href="http://www.werbewoche.ch/andreas-durisch-uebernimmt-facts" target="_blank">amtete als Doppelchef</a> von Sonntagszeitung und Nachrichtenmagazin Facts – das dann allerdings <a href="http://www.nzz.ch/aktuell/startseite/newzzf360ck81-12-1.523286" target="_blank">eingestellt wurde</a>. Als schlechtes Omen für das Schicksal des Tages-Anzeigers muss man das nicht lesen. Vielleicht nur dahingehend, dass ein Titel ohne eigenen Chefredaktor zwangsläufig an Profil verliert, was sich wiederum auf die wirtschaftliche Entwicklung negativ auswirken kann. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Res_Strehle" target="_blank">Res Strehle</a>, ein linker Schreiber und streitbarer Publizist, prägte und prägt noch bis zu seiner Pensionierung die öffentliche Wahrnehmung des Tages-Anzeigers massgeblich. Ein halber Tagi-Chefredaktor hingegen, wie Rutishauser einer sein wird, muss dauernd erklären, welchen Hut er gerade aufhat.</p>
<p>Mit dem gemeinsamen Chef endet auch das Konkurrenzverhältnis zwischen den beiden Blättern. 1987 gründete die damalige TA-Media die Sonntagszeitung, um die trägen Strukturen des Tages-Anzeigers aufzubrechen. Der interne Wettbewerb hatte aber nicht nur innen-, sondern auch medienpolitische Implikationen: «Das gepflegte, interne Konkurrenzverhältnis bot einen weiteren Vorteil: Es galt in der politischen Debatte als Beweis dafür, dass die zunehmende Medienkonzentration auf Unternehmensebene durch den Wettbewerb der Redaktionen kompensiert werde», schrieb der <a href="http://www.schweizamsonntag.ch/ressort/medien/3075/" target="_blank">Medienjournalist Christian Mensch</a>. Nun wird der interne publizistische Wettbewerb ausgeschaltet. Den Vorwurf des Einheitsbrei muss sich Tamedia gefallen lassen.</p>
<p>In der Tages-Anzeiger-Redaktion hielt sich gestern die Begeisterung in Grenzen nach Bekanntwerden der Spitzenpersonalie. So kursierten flugs lakonische und empörte <a href="https://storify.com/nick_luethi/begeisterung-uber-neuen-tagi-chefredaktor-halt-sic" target="_blank">Kommentare auf Twitter</a>. Ein Redaktor meinte, ihm sei egal, wer unter ihm Chefredaktor sei, ein anderer pflichtete ihm umgehend bei. Ein weiterer Journalist schrie in einem Tweet raus: «LAUT STATUT BESTÜNDE EIN ANHÖRUNGSRECHT DER REDAKTION.» Tamedia hat die Redaktion nicht in das Auswahlverfahren miteinbezogen, wie dies gemäss der Erklärung der Pflichten und Rechte der Journalistinnen und Journalisten vorgesehen wäre. Die schweigende Mehrheit der Tagi-Redaktion wird den Entscheid mit einiger Gelassenheit entgegengenommen haben, schliesslich ist der designierte Chef kein Unbekannter. Von 2010 bis 2013 arbeitete Rutishauser als stellvertretender Chefredaktor des Tages-Anzeigers.</p>
<p>Die Ernennung Rutishausers kam indessen für alle Beteiligten überraschend. Res Strehle soll durchaus bereit gewesen sein, auch über das reguläre Pensionsalter hinaus als Chefredaktor zu arbeiten. Arthur Rutishauser wiederum ging nicht davon aus, dass die beiden Zeitungen je zusammengelegt werden könnten. Vor eineinhalb Jahren, als er die Leitung der Sonntagszeitung übernahm, <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/ipad/schweiz/Ich-moechte-rasch-klarmachen-wohin-es-mit-der-SonntagsZeitung-gehen-soll/story/17299265" target="_blank">sagte er in einem Interview</a> auf die Frage, ob er dereinst als Superchefredaktor auch den Tages-Anzeiger leiten werde: «Das sicher nicht, weil die Zeitungen nicht zusammengelegt werden. Sie bleiben unabhängig, sie haben andere Abonnenten und eine andere politische Ausrichtung.»</p>
<p>Dass es plötzlich schnell gehen musste, dürfte nicht zuletzt eine Folge der jüngsten Entwicklung am Währungsmarkt sein. Die Medienbranche rechnet mit unabsehbaren negativen Folgen, insbesondere auf dem Werbemarkt. Erste Branchen haben bereits einen Inseratenstopp verordnet. Das sind keine schönen Aussichten für einen Medienkonzern, der sich mitten in einer Transformationsphase befindet und dessen Eigentümerfamilie einen konstanten Geldfluss erwartet. Entsprechend hoch ist der Druck auf die Leitungspersonen, die Renditeerwartungen zu erfüllen.</p>
<p>Rutishauser empfahl sich der Unternehmensleitung als Idealbesetzung, weil er in der kurzen Zeit als Chefredaktor der Sonntagszeitung gezeigt hat, dass er mit den harten Budgetvorgaben <a href="http://www.persoenlich.com/news/medien/sonntagszeitung-schlankheitskur-nach-tamedia-rezept-320483" target="_blank">von Tamedia umgehen kann</a>. Die Sonntagszeitung arbeitet gegenwärtig mit einem Sparauftrag von 4.5 Millionen Franken, verteilt über drei Jahre. Zahlreiche Abgänge auf der Redaktion sind die Folge davon. Zwar hat Rutishauser auch wieder Leute angestellt, unter dem Strich arbeiten aber weniger Leute für die Zeitung und auch die Ressortfusion mit dem Tages-Anzeiger trägt zur Verschlankung bei.</p>
<p>Der journalistische Leistungsausweis von Arthur Rutishauser ist dagegen durchzogen. Im Fall einer Recherche zur BVK-Pensionskasse verstiess er gegen vertragliche Abmachungen. Der Fall hatte Kostenfolgen für Tamedia in sechsstelliger Frankenhöhe. Auch sonst griff Rutishauser daneben. Etwa im letzten April, als er vermeintliche Ungereimtheiten eines Unternehmers aus der Start-up-Szene <a href="http://www.persoenlich.com/news/medien/sonntagszeitung-mir-scheint-da-wird-uberreagiert-314477" target="_blank">skandalisierte</a>. Um grösseres Übel abzuwenden, gewährte Rutishauser schliesslich dem Unternehmer ein <a href="http://www.sonntagszeitung.ch/read/sz_30_03_2014/wirtschaft/Bei-uns-gibt-es-keine-Theoretiker-209602" target="_blank">Interview als Möglichkeit zur Gegendarstellung</a>. Unglücklich war jüngst auch die Aufmachung eines Interviews mit Bundesrat Johann Schneider-Ammann, das Rutishauser am WEF für den Tages-Anzeiger geführt hatte. <a href="http://www.nzz.ch/wirtschaft/world-economic-forum-2015/medien-polemik-ueber-tiefere-loehne-1.18467418" target="_blank">Der übermässig zugespitzte Titel</a> sorgte für grossen Ärger im Wirtschaftsdepartement und die NZZ rieb der Konkurrenz ihre grenzwertige Redaktionspraxis genüsslich unter die Nase.</p>
<p>Noch dauert es ein Jahr, bis Arthur Rutishauser seinen zweiten Chefredaktorenposten übernimmt. Bis dann wird sich der 49-Jährige Journalist an der Columbia Journalism School in New York weiterbilden in Sachen Digitaljournalismus. Schliesslich erfolgte die Zusammenlegung der Chefredaktionen von Tages-Anzeiger und Sonntagszeitung «nicht zuletzt durch die zunehmende Bedeutung der digitalen Verbreitungskanäle», schreibt Tamedia. Rutishauer war bisher nicht unbedingt als Digitalspezialist aufgefallen. <a href="http://www.tamedia.ch/de/pressekontakt/medienmitteilungen/2014/pressrelease/relaunch_der_sonntagszeitung_und_neues_digitalangebot/" target="_blank">Der digitale Relaunch der Sonntagszeitung</a> im letzten Jahr unter Rutishausers Leitung taugt schlecht als Massstab für eine künftige Online-Strategie. Wahrscheinlicher ist die Integration der Sonntagszeitung ins Newsnet, wie dies demnächst <a href="https://twitter.com/christophzimmer/status/557308654706515968" target="_blank">auch mit «Das Magazin» geschehen soll</a>. Ob eine Schnellbleiche in den USA das nötige Rüstzeug bietet, um die Herkulesaufgabe der digitalen Transformation bewältigen zu können, kann man mit Fug bezweifeln. Darum kommt dem künftigen Organigramm der beiden Redaktionen eine grosse Bedeutung zu. Denn ein Superman ist Rutishauser nicht. Er braucht ein Entourage, an die er Aufgaben delegieren kann. Schliesslich will er auch als doppelter Chefredaktor als schreibender Journalist weiterarbeiten.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/01/29/der-fusionierte-chefredaktor/">Der fusionierte Chefredaktor</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Alles nichts ohne Glaubwürdigkeit</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2012/03/21/alles-nichts-ohne-glaubwuerdigkeit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 21 Mar 2012 06:00:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[Tages-Anzeiger]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Kracht]]></category>
		<category><![CDATA[Debatten]]></category>
		<category><![CDATA[Horst Schlämmer]]></category>
		<category><![CDATA[Diskussion]]></category>
		<category><![CDATA[Michele Roten]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Glaubwürdigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Daniel Binswanger]]></category>
		<category><![CDATA[Das Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Georg Diez]]></category>
		<category><![CDATA[Arthur Rutishauser]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Journalisten diskutieren im Netz vermehrt unter den Augen der Öffentlichkeit. Gut so, schliesslich gibt es keinen Grund, die res publica in abgeschlossenen Elitenzirkeln zu verhandeln. Zum Vorschein kommt dabei die wichtigste Eigenschaft des Journalisten: die Glaubwürdigkeit. Auf dem Schiff Tages-Anzeiger gibt immer wieder Diskussionen, wie soll es auch anders sein. Es gibt nicht nur die <a href="https://medienwoche.ch/2012/03/21/alles-nichts-ohne-glaubwuerdigkeit/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/03/21/alles-nichts-ohne-glaubwuerdigkeit/">Alles nichts ohne Glaubwürdigkeit</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Journalisten diskutieren im Netz vermehrt unter den Augen der Öffentlichkeit. Gut so, schliesslich gibt es keinen Grund, die res publica in abgeschlossenen Elitenzirkeln zu verhandeln. Zum Vorschein kommt dabei die wichtigste Eigenschaft des Journalisten: die Glaubwürdigkeit.<br />
<span id="more-30453"></span><br />
Auf dem Schiff Tages-Anzeiger gibt immer wieder Diskussionen, wie soll es auch anders sein. Es gibt nicht nur die Galeere, in der die Ruder auf den Schlag des <a href="https://medienwoche.ch/2011/12/02/unter-dem-content-diktator/">Content-Diktators</a> bewegt werden. Es gibt auch ein Hauptdeck, das geschrubbt werden muss. Und ein Oberdeck, auf dem im makellosen Anzug über den richtigen Kurs reflektiert wird.</p>
<p>Neu ist, dass öffentlich diskutiert wird. Im seit Mitte Januar existierenden <a href="http://blog.dasmagazin.ch/">Blog von Das Magazin</a> gibt Daniel Binswanger <a href="http://blog.dasmagazin.ch/2012/03/11/der-absurde-angriff-des-tages-anzeiger-auf-snb-direktoriumsmitglied-jean-pierre-danthine/?goslide=0">am 11. März</a> dem Recherchechef des Mutterblatts Tages-Anzeiger, Arthur Rutishauser, zu verstehen, dass er sich bei den Recherchen zu den Lunch-Spesen eines Nationalbank-Direktoriumsmitglieds in eine Bagatelle verbissen hat:</p>
<blockquote><p>«(&#8230;) einen Enthüllungsartikel über Jean-Pierre Danthine geschrieben, der auf mich wirkt wie aus einem satirischen Giacobbo/Müller-Sketch über Boulevard-Enthüllungsjournalismus.»</p></blockquote>
<p>Und <a href="http://blog.dasmagazin.ch/2012/03/13/wie-frau-sein-der-nachkriegszeit-version-2012/">am 13. März</a> nimmt Michèle Roten einen Tages-Anzeiger-Artikel von Ev Manz auseinander:</p>
<blockquote><p>«Ich versuche mich daran zu erinnern, wann ich das letzte Mal so einen Quatsch gelesen habe.»</p></blockquote>
<p>Und Thomas Zaugg schreibt <a href="http://blog.dasmagazin.ch/2012/03/14/thomas-matter-mit-gattin-marion/?goslide=0">am 14. März</a> über die Verlagsschwester Sonntagszeitung. <small>(<strong>Nachtrag</strong>, 21. März, 13:30 Uhr: Thomas Zaugg <a href="https://twitter.com/#!/thomaszaugg/status/182404202818043904">weist</a> <a href="https://twitter.com/#!/thomaszaugg/status/182434919815979008">per</a> <a href="https://twitter.com/#!/thomaszaugg/status/182404699511726080">Twitter</a> darauf hin, dass das Zitat von Roten nicht als Kritik am &#8222;Tages-Anzeiger&#8220;-Artikel gemeint ist, sondern sich auf den Mama-Coach bezieht.)</small></p>
<p>Öffentlich gestritten wird auch im Bürogebäude an der Zürcher Förrlibuckstrasse (<a href="https://dominiquestrebel.wordpress.com/2012/03/09/die-fehler-des-alex-baur/">Dominique Strebel vom «Beobachter» vs. Alex Baur von der Weltwoche</a>), zwischen Zürich und Berlin (<a href="http://bundesplatz.blog.nzz.ch/2012/02/06/der-mude-achte-bundesrat/">René Zeller von der NZZ vs. Frank A. Meyer vom Ringier-Verlag</a>), zwischen Radiopionieren und Edelfedern (<a href="http://blog.persoenlich.com/?p=3374">Roger Schawinski von Radio1 vs. Constantin Seibt</a> vom Tages-Anzeiger) und natürlich in den Leserbriefspalten der Zeitungen (<a href="https://twitter.com/#!/kohlenklau/status/179234593650642949/photo/1">Andi Kunz von der Weltwoche vs. Peter Rothenbühler in der Aargauer Zeitung</a>). Fast tägliche Beispiele für Diskussionen liessen sich aus den öffentlichen und halböffentlichen Räumen von sozialen Netzwerken wie Twitter und Facebook anführen.</p>
<p>Wenn sie nicht in einen kleinkarierten Streit ausarten, sind öffentliche Debatten erfreulich, auch wenn sie unter der gleichen Marke, unter dem gleichen Verlagsdach stattfinden. Es wäre doch sehr überraschend, wenn unter Journalisten, die zur Meinungsvielfalt beitragen sollen, Meinungseinfalt bestehen würde. Viele der angeführten Debatten brechen nach Rede und Gegenrede abrupt ab. Diese Kürze verleiht der Diskussion zwar eine angenehme Übersichtlichkeit, das (erneute) Eingehen auf die Argumente des Anderen wäre aber schon wünschenswert.</p>
<p>Der offensichtliche Gewinn solcher Debatten für das Publikum ist die Einsicht in den Journalisten abseits seines Werks. Wie verteidigt er seine Arbeit, wie tickt er, kann er sich auch abseits von Redaktionsprozessen ausdrücken? Einige Diskussionen führen auch zurück zum Kern des Journalismus, den Fakten. Auch wenn nicht wenige Unterhaltungsarbeiter, Quotenbolzer, Fantasten keine Scham haben, sich Journalisten zu nennen, so sind sie das natürlich nur so lange, wie sie dem Publikum Fakten liefern. Ein <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tom_Kummer">Tom Kummer</a> mag ein grossartiger Schreiber sein &#8211; und nicht seine ausgedachten Interviews machen ihn zum Fälscher, sondern der Verkauf von ihnen als Gespräche, die tatsächlich stattgefunden haben. Die Auseinandersetzung mit den Fakten befördern auch Watchblogs wie <a href="http://www.bildblog.de/">Bildblog</a> oder <a href="http://www.kobuk.at/">Kobuk</a>.</p>
<p>Ein Journalist kann, anders als eine Versicherungsfachfrau, ein Friseur oder eine Erwachsenenbildnerin, keine Diplome vorweisen, die ihm durch eine Ausbildung garantierte Fachkenntnis garantieren. Denn Journalist ist, und das ist gut so, ein ungeschützer Beruf, der ergreifen kann, wer sich dazu befähigt fühlt. Um so abhängiger ist ein Journalist vom Vertrauen, das das Publikum in seinen Namen setzt oder in die Marke, unter der er publiziert.</p>
<p>Die Bewahrung der Glaubwürdigkeit ist entscheidend. Es ist bald dreissig Jahre her, dass der «Stern» gefälschte <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hitler-Tageb%C3%BCcher">Hitler-Tagebücher</a> vorabdruckte &#8211; doch noch heute verbinden viele diese Fehlleistung direkt mit der Marke. Umgekehrt kann die Glaubwürdigkeit eines Titels einen Ruf zerstören &#8211; wie zuletzt Georg Diez im «Spiegel» mit seinem Artikel <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-83977254.html">«Die Methode Kracht»</a> bewiesen hat. Auch wenn sich umgehend <a href="http://www.kiwi-verlag.de/news/17022012-offener-brief-an-die-spiegel-chefredaktion-zu-kracht/">17 Autoren</a> mit dem Schriftsteller Christian Kracht solidarisierten und «die Grenzen zwischen Kritik und Denunziation überschritten» sahen, so werde Kracht von nun an immer das Attribut «umstritten» oder, noch diffuser, «problematisch» anhaften, schrieb beispielsweise <a href="http://www.begleitschreiben.net/christian-kracht-imperium/">Gregor Keuschnig auf begleitschreiben.net</a>:</p>
<blockquote><p>Alleine die Tatsache, dass jemand im »Spiegel« derart gegen den Autor Stellung bezogen hat, reicht aus, um diese Meinung als Teil des Diskurses zu erhalten und immer wieder – je nach Bedarf – aus der Schublade zu holen.</p></blockquote>
<p>Was ein Vorwurf taugt, stellt sich oft erst in den Debatten dazu heraus. Kommunikationsarbeiter aller Art tun gut daran, sich an Ort und Stelle der Diskussion einzuschalten und die Faktenlage im eigenen und im öffentlichen Sinne zu bereichern. Es mag Momente geben, in denen Schweigen eine Antwort ist, doch in aller Regel ist die Darlegung der eigenen Position das Richtige.</p>
<p>Die Deutung der Debatte ist dem Konsumenten überlassen. Er entscheidet, welche Argumente ihn zu überzeugen vermögen &#8211; und passt je nach dem den eigenen Medienkonsum an. Denn wer sich mit unbelegten Vorwürfen wichtig machen will, gehört kritisiert, verklagt oder irgendwann einfach ignoriert, ganz so wie jeder gemeine <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Troll_%28Netzkultur%29">Troll</a>. Das gilt für den Twitterer, den Blogger, den Blick-Kolumnisten, den NZZ-Redaktor und selbst für den mehrfach preisgekrönten Journalisten.</p>
<p><small>Verwendete Bilder: <a href="https://www.facebook.com/HorstSchlaemmer">facebook.com/HorstSchlaemmer</a></small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/03/21/alles-nichts-ohne-glaubwuerdigkeit/">Alles nichts ohne Glaubwürdigkeit</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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