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Medienwissenschaft

Medien drängen die Wissenschaft an den Rand

Es ist kein Geheimnis: Wenn Medien sparen, fallen zuerst Rubriken und Ressorts zum Opfer, die als «nice-to-have» gelten. Darunter fällt auch die Wissenschaftsberichterstattung. Eine Konferenz nahm sich kürzlich der Problematik an und suchte nach Wegen, wie auch inskünftig Wissen und Forschung eine angemessene Präsenz in den Medien finden. Eine Patentlösung, wie das zu ändern sei, gibt es keine, aber Ansätze, wie Journalismus fernab der (Werbe)marktlogik funktionieren könnte. Als Beispiele für neue Förder- und Finanzierungsmodelle wurden drei Projekte vorgestellt. Neben Sept.info, einer Westschweizer Plattform für «slow journalism», und der rein nutzerfinanzierten «Republik», gilt vor allem das Online-Magazin «Higgs» als Hoffnungsträger für einen «neuen» Wissenschaftsjournalismus. Sein Erfolg steht und fällt indes mit der Bereitschaft, dass die öffentliche Hand, private Unternehmen, Stiftungen und Hochschulen, das Projekt unterstützungswürdig finden und finanziell zu tragen bereit sind. Das ist jetzt noch nicht der Fall.

Perspektiven des Journalismus in der digitalen Medienwelt

Der Medienwissenschaftler Horst Pöttker macht sich Gedanken zur Zukunft des Journalismus angesichts der fundamentalen Umwälzungen im Mediengeschäft: Kostendruck, Outsourcing, Entlassungen, Auflagenrückgang, rapide sinkende Anzeigeneinnahmen: Es herrscht Konsens, dass die Printmedien in einer Krise stecken und dass deren tiefere Ursachen im digitalen Medienumbruch zu suchen sind. Einig unter Journalismusforschern, aber neuerdings auch unter demokratischen Politikern ist man sich weiterhin in der Sorge, dass die Krise zu einer Deprofessionalisierung des Journalismus führt. Welche Perspektiven hat der Journalismus angesichts dieser Herausforderungen?

Wer alles vom Service public profitiert (sogar jene, die ihn nicht nutzen)

Warum sollen auch jene eine Medienabgabe bezahlen, die ein damit finanziertes Angebot gar nicht nutzen? In der «Republik» geben die Medienwissenschaftler Mark Eisenegger und Linards Udris Antworten auf jene Frage, die den Gegnern öffentlich finanzierter Medien als Argument für die Gebührenabschaffung dient, so auch aktuell im Abstimmungskampf um «No Billag». Von Service-public-Medien profitiere das gesamte Mediensystem, schreiben Eisenegger und Udris, die sich dabei auf zahlreiche internationale Studien stützten. Mit der Abschaffung von Service-public-Medien «würde nicht nur ein sehr hochwertiger Teil des Mediensystems wegbrechen, sondern es würde auch die Qualität der anderen Anbieter leiden, weil Benchmarks verloren gingen, an denen sich auch die Privatmedien orientieren.» Einen weiteren indirekten Effekt sehen die Autoren bei der gesellschaftlichen Integration, wobei sie darunter mehr verstehen als nur den Zusammenhalt zwischen den Sprachregionen und Landesteilen der Schweiz, sondern auch den Beitrag des Service public für die «zahlreichen Schweizen» (Thomas Maissen), für alt und ganz jung, die nicht zur «werberelevanten Zielgruppe» zählen oder für Sinnesbehinderte. Das Fazit: «Service-public-Medien bieten eine kommunikative Infrastruktur, von der wir alle profitieren.»

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«Wir haben kein abgehobenes Qualitätsverständnis, Praxis und Publikum verstehen uns»

Qualität wird gemessen und die Medien dazu vermessen. Das «Jahrbuch Qualität der Medien», initiiert von Kurt Imhof selig, erscheint im siebten Jahr. Seit jüngst gibt es zudem ein Medienqualitätsrating. Doch wozu der akademische Aufwand? Mark Eisenegger, Mitherausgeber des Jahrbuchs, über Qualitätsforschung in Bewegung und die Annäherung an die Erwartungen von Praxis und Publikum.