von Nick Lüthi

«Arena»: Nicht geeignet für Sendungskritik

Die «Arena» mit Daniele Ganser von Ende Februar sorgte für gehörigen Wirbel und brachte den Sendungsmachern schliesslich eine Rüge des Ombudsmanns ein. Davon erfährt der «Arena»-Zuschauer aber nichts. SRF reagierte lediglich mit einer Agenturmeldung und Statements in anderen Medien öffentlich auf den Rüffel. TV-Chefredaktor Tristan Brenn verteidigt das Vorgehen.

Die Kritik kam geballt und sie war laut. Und wie sich jetzt zeigt: sie war in Teilen auch berechtigt. Die «Arena» vom 24. Februar 2017 wird nicht als Glanzstück in die Geschichte des Schweizer Fernsehens eingehen, sondern als Lehrstück von einer missglückten Gratwanderung. Moderation und Redaktion scheiterten an der selbst gestellten Aufgabe, sich erkenntnisbringend mit der grassierenden Fundamentalkritik an den Massenmedien – also auch mit sich selbst – auseinanderzusetzen. «Trumps Krieg» endete in einem mittleren Desaster. Moderator Jonas Projer drohte gar, die Sendung abzubrechen. Dass es Beschwerden hageln würde, war schon während der Sendung absehbar.

Das Gute an einer Entgleisung im Schweizer Fernsehen: Dank professioneller Programmaufsicht wird Kritik bei der SRG kanalisiert und mit angemessenem Aufwand gewürdigt. Wer etwas zu beanstanden hat, tut dies dem Omudsmann kund. Das geschah auch in diesem Fall. Wurden Regeln missachtet? Grenzen überschritten? Die Ombudsstelle bündelte die rekordhohe Anzahl von fast 500 Beschwerden und nahm danach ausführlich Stellung. Zu Wort kommen im Schlussbericht auch «Arena»-Redaktionsleiter und -Moderator Jonas Projer, sowie SRF-TV-Chefredaktor Tristan Brenn. Sie können sich so gegen die Publikumskritik verteidigen. Über den Schlussbericht des Ombudsmanns berichteten zahlreiche Medien.

Doch ausgerechnet das «Arena»-Publikum erfährt von der kritischen Aufarbeitung der Unfallsendung nichts. Weder in der ersten Sendung nach Publikation des Berichts noch auf der Webseite thematisiert die Redaktion die Arbeit der Ombudsstelle. SRF berichtete lediglich mit einer redigierten Agenturmeldung über die Rügen. Das ist nicht im Sinn von Ombudsmann Roger Blum. Bei früherer Gelegenheit sagte er, es wäre erstrebenswert, dass seine Stellungnahmen «in den jeweiligen Programmen und auf deren Websites mitgeteilt werden müssten».

Gegen ein solches Vorgehen sprächen vor allem praktische Gründe, erklärt TV-Chefredaktor Tristan Brenn auf Anfrage. Konsequenterweise müssten sämtliche Beanstandungen thematisiert werden, auch solche, die der Ombudsmann für nicht gerechtfertigt hält. Es gehe nicht, so Brenn, «in der einen Sendung auf Schlussberichte des Ombudsmannes einzugehen und in der anderen nicht.» Genau das ist aber heute die Praxis. Während die einen, etwa Late-Night-Host Dominic Deville, die Rüge des Ombudsmanns zeitnah und offensiv thematisieren in der eigenen Sendung, tun es andere wiederum nicht.

Dass mit solchen Hausmitteilungen die Sendeformate von Radio und TV strapaziert werden könnten, lässt sich ja noch einigermassen nachvollziehen. Weniger verständlich bleibt hingegen, warum auf den Websites der Sendungen, die Stellungnahmen des Ombudsmanns nicht systematisch veröffentlicht werden. Bei der «Arena» gibt es die Rubrik «Mehr zum Thema». Mindestens dort gehört ein Link auf den Schlussbericht hin und nicht nur auf die weniger frequentierte Seite von «Hallo SRF».

Kommentieren

*Pflichtfelder

Ihre Persönlichen Daten werden nicht veröffentlicht oder weitergegeben.

Leserbeiträge

Konrad Staudacher 28. April 2017, 11:44

Danke, Nick Lüthi, und dran bleiben, bis sich die ‚Arena‘ öffnet. Danke.

Antworten...

H.Trickler 28. April 2017, 05:17

Dass eine so schwierige Sendung entgleist kann man verstehen und akzeptieren.

Auf der Webseite des Ombudsmanns kann man dazu die Stellungnahme von Chefredaktor Tristan Brenn und Moderator Projer nachlesen.

Sie zeigen sich darin völlig uneinsichtig, und dies kann man m.E. nicht akzeptieren. Angesichts dieser Situation müssten doch Köpfe rollen?

Antworten...

Konrad Staudacher 28. April 2017, 06:28

Gibt es denn da ein Seilziehen zwischen Projer + Brenn?

Projer ist ja nicht auf den Kopf gefallen.
– Es fiel wohl nicht nur mir auf, wie unbedarft er sich verhielt, er der sonst immer gut vorbereitet auftritt.
– Könnte hinter diesem Auftreten eine Absicht gelegen haben,. Und wenn ‚Ja‘, welche?

Antworten...