von Nick Lüthi

Nun sind auch die Russen weg

Ende 2012 hat sich die «Stimme Russlands» aus dem Schweizer Äther verabschiedet. Während knapp zwei Jahren verbreitete der staatliche Auslandradiosender sein Programm auch über den Sender Monte Ceneri. Der Abschied der Russen dürfte den Schlusspunkt unter die 82-jährige Geschichte der Mittelwelle in der Schweiz gesetzt haben.

Das Ende einer Epoche der schweizerischen Radiogeschichte blieb weitgehend unbemerkt: Mit dem Rückzug der «Stimme Russlands» vom Sendestandort Monte Ceneri wird in der Schweiz nach über 80 Jahren kein Radioprogramme mehr über Mittelwelle verbreitet. Im März 2011 nahm der russische Staatssender den Betrieb auf, den er vor zwei Wochen beendet hat. Beim Bundesamt für Kommunikation Bakom will man aber noch nicht vom definitiven Aus sprechen, nur weil derzeit kein Sender eine der fünf Schweizer Frequenzen nutzt. «Wer Interesse hat, viel Geld auszugeben, um sein Programm über Mittelwelle zu verbreiten, kann das aus unserer Sicht jederzeit tun», schreibt René Wehrlin vom Bakom auf Anfrage. Damit signalisiert der Medienspezialist, dass sich kaum jemand in Unkosten stürzen wird, um eine Uralttechnologie wiederzubeleben. Der eigentliche Todesstoss erfolgte bereits vor vier, respektive zwei Jahren. Zwischen 2008 und 2010 hatte die SRG ihre drei «Landessender» Monte Ceneri, Beromünster, Sottens ausser Betrieb genommen. Die letzten verbleibenden Mittelwelle-Programme werden seither über UKW und DAB-Digitalradio ausgestrahlt.

Bei einer Bedürfnisabklärung des Bakom für die weitere Nutzung der Mittelwelle zeigte sich ein klares Bild. Die Analog-Technologie hat ausgedient. So empfahl der Verband der Schweizer Privatradios seinen Mitgliedern, nur noch auf UKW und die digitale Verbreitung zu setzen. Auf für die SRG war klar: «Ein Wiedereinstieg in die Mittelwelle ist kein Thema.» Zwar witterten ein paar Radiozwerge ihre Chance, aber mit Ausnahme eines Testbetriebs des christlichen Radio Gloria ging keines der Projekte on air. Einzige Ausnahme blieb die «Stimme Russlands», die von den brachliegenden Frequenzen profitierte. Die Schweiz verfügt fünf davon, die ihr «ewig erhalten» bleiben, wie sich René Wehrlin vom Bakom ausdrückt. Was konkret heisst: So lange, bis im Rahmen einer neuen Wellenkonferenz der ITU eine neuen Frequenzordnung geschaffen wird, präzisiert Wehrlin.

Damit ist das Ende nur ein halbes Ende. Wie die Russen plötzlich auftauchten, könnten auch andere ihr Programm beim Bakom melden und eine Funkkonzession beantragen. Der Betrieb aber kostet. Ob nach den Russen jemand das nötige Kleingeld aufbringt, mag man ernsthaft zu bezweifeln. Das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Mittelwelle ausgedient hat. In Grossbritannien hat sich kürzlich der Regulator für den Weiterbetrieb der Medium Wave bis mindestens 2020 ausgesprochen. Anders als in der Schweiz, strahlt in Grossbritannien weiterhin ein grosser Teil der Sender seine Programme weiterhin über Mittelwelle aus. Eine alte Technologie ist nicht überall gleich alt.

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