von Ralf Turtschi

1x ist kein Mal

Wie oft sind wir schon über das Malzeichen gestolpert. Mit dem kleinen Einmaleins nistete sich das Malzeichen in unserer Grosshirnrinde gleich neben Plus-, Minus- und Geteiltzeichen ein. Da führt es nun seinen säuerlichen Kampf gegen das x, das ihm vor der Sonne steht.

Das x wurde bei der Platzvergabe auf der Tastatur übervorteilt, während das richtige Malzeichen nur über die Zeichentabelle oder über Sonderzeichen eingefügt werden kann. Die Mediengesellschaft ist immer nur so gut, wie sich im Umgang mit Minderheiten zeigt.

Das Malzeichen wird seiner Bedeutung entsprechend in der Mathematik eingesetzt oder in Formulierungen gebraucht, die daran erinnern. Beim 4×4-Antrieb geht nun einmal um einen Vier-mal-vier-Antrieb und nicht um einen Vier-x-vier-Antrieb. Ein x ist kein Malzeichen. Das Malzeichen sieht aus wie ein Pluszeichen mit rechtwinkligen Schenkeln. Meistens steht es etwas höher als das x. Der Buchstabe x weist eventuell Serifen auf und hat nie rechtwinklige Schenkel. Das Malzeichen liegt auf der Schweizer Tastatur (Windows) unter Alt + 0215 (auf dem Nummernblock). Beim Mac gibts keinen Tastaturkürzel, nur den Weg über Einfügen > Zeichentabelle.

Wie schaffen es bloss die Chinesen, Tausende von Piktogrammen in Madarin in die Zeitung zu setzen? Wir armen Abendländer mühen uns mit läppischen 26 Buchstaben, 10 Ziffern und ein paar Sonderzeichen. Es müsste doch drinliegen, Apostroph oder Malzeichen richtig zu tippen! Wer möchte mir widersprechen?

Da wir in einer schnelllebigen Zeit immer abgekürzter und bequemer formulieren, steht die Schreiberin vor der Aufgabe, einmal, 1× oder 1-mal zu tippen. Abgesehen davon, dass frau mit der sogenannten Bequemschreibweise fast keinen Platz gewinnt, ist diese oft im Lauftext weniger flüssig zu lesen. Zwischen zwölfmal und 12-mal liegen zwei Buchstaben Platzgewinn, die dann blöderweise noch vom Zeilenhonorar abgehen.

Bei festen Wendungen wie 4×100-m-Lauf steht kein Abstand beim Malzeichen. Bei Masseinheiten wie 24 × 18 cm steht hingegen ein Abstand und zwar ein geschützter Leerschlag (Strg + Shift + Leertaste), damit sie nicht getrennt wird. Die ausgeschriebene Variante darf nicht mit der gekürzten Variante kombiniert werden: 20 × 20 m oder 20 mal 20 Meter sind richtig, falsch hingegen ist 20 mal 20 m. Man reibt sich die Augen, denn 5× 1 Meter ist nicht gleich 5 × 1 Meter. Bei ersten Begriff handelt es sich um fünfmal einen Meter, beispielsweise bei einem Metermass. Beim zweiten Besipiel ist eine Fläche gemeint. Ist doch grossartig, wie feinsinnig deutsch eingesetzt werden kann. Sofern man das Malzeichen intus hat.

Das Malzeichen wird im Sinn von «-fach» oder «-mal» eingesetzt: 10-fach-Zoom oder 10× Zoom. Man beachte die Abstände und Bindestriche. 10× 2 Tickets zu gewinnen, aber nicht 10× zwei Tickets. Das Malzeichen steht anstelle des Wortes «-mal» und wird ohne Abstand an die Zahl gestellt: 7× Übernachtungen DZ/HP. Die Fügung «zwei- bis dreimal pro Woche» kann wie folgt geschrieben werden: 2- bis 3-mal pro Woche oder 2–3× pro Woche. Der Bis-Strich (= Gedankenstrich) ersetzt das Wort «bis». Den ganz Fixen sei gesagt: 2–3×/W klingt eher nach einer Energieformel, da Woche mit W (auch für Watt) oder Wo. abgekürzt wird. «Zum 100sten Mal» (Nomen) oder «zum 100. Mal» hingegen wird besser ausgeschrieben: zum hundertsten Mal. Unpassend ist: zum 100sten-mal.

Selbstverständlich kann man bis zur Unkenntlichkeit abkürzen. Bin gespannt, wie sich das sprachliche Reduzieren «to the max» weiter entwickelt. Dabei kann man bestimmt die Hälfte der Buchstaben wegrationalisieren. Zum Beispiel ist das x überflüssig, weil wir es mit gs ersetzen können, z würde durch ts ersetzt, dabei würde das Malzeichen auf der Tastatur Platz finden, das wäre viel× besser.

SMS lebt die sprachliche Kompression vor: KO10MISPÄ (komme 10 Minuten später) oder DAU (dümmster anzunehmender User) oder WASA (warte auf schnelle Antwort). Wenn dereinst weiter abgekürzt nur noch 010010011 in den Medien geschrieben steht, dafür in einem wunderbaren Blocksatz, dann gn8.

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