von Robert Ruoff

Das Vertrauen ist hin. Die Gegensätze bei SRF brechen auf.

Das Kommunikationsunternehmen SRF hat ein massives internes Kommunikationsproblem: Die gegenseitigen Verletzungen nehmen zu am Leutschenbach und an der Aare, die Kommunikation zwischen Fernseh- und Radiomitarbeitern wird bitterer und der Informationsfluss zwischen der Belegschaft und der Führung ist in entscheidenden Bereichen auf das pflichtgemässe Minimum geschrumpft. Das ist keine gute Voraussetzung für eine konvergente Zusammenarbeit, gleichgültig, auf welche Weise sie organisiert sein wird.

Es ist offenkundig, dass bei der Entwicklung der digitalen Zusammenarbeit im Schweizer Radio und Fernsehen SRF eine massive Beschädigung der Marke droht, die während Jahrzehnten den Service public im besten Sinn verkörperte, als Garantin von Qualität und Vielfalt. Diese Qualität trägt Namen: «Rendez-vous», «Tagesgespräch», «International», «Echo der Zeit» und etliche andere. Die Journalistinnen, die im Radiostudio Bern für Qualität und Vielfalt dieser Sendungen verantwortlich sind, sollen nun nach dem Willen der SRF-Direktion umziehen in den neuen digitalen Newsroom ins Fernsehzentrum in Zürich-Leutschenbach.

Die «Fabrik», die am Leutschenbach aufgezogen wird, «ist gut für schnelle News auf vielen Kanälen, erschwert aber einzigartigen, hintergründigen Journalismus massiv», sagte Radio-Inlandredaktorin Priscilla Imboden am 1. Juli dem Kleinreport. Man könnte auch sagen: Es droht der Verlust einer historisch erarbeiteten Qualität des Service public in der Schweiz durch die Anwendung der digitalisierten Arbeitsteilung in einer Marketing-gesteuerten Organisation. Und die Verantwortlichen für das Unternehmen SRF und sein publizistisches Angebot haben bisher nicht die geringste Andeutung gemacht, wie sie die überlieferte Qualität in die digitale Zukunft überführen wollen.

Der Informationsfluss zwischen der Belegschaft und der Führung ist in entscheidenden Bereichen auf das pflichtgemässe Minimum geschrumpft.

Wer sich als Aussenstehender durch den vielfältigen Stoff arbeitet und zahlreiche Gespräche führt auf beiden Seiten des Barrikadenkampfes um die digitale Zukunft von Schweizer Radio und Fernsehen und um den Umzug von rund 200 Menschen aus dem Radiostudio Bern nach Zürich, stellt fest: die gegenseitigen Verletzungen nehmen zu am Leutschenbach und an der Aare, die Kommunikation zwischen Fernseh- und Radiomitarbeitern wird bitterer und der Informationsfluss zwischen der Belegschaft und der Führung ist in entscheidenden Bereichen auf das pflichtgemässe Minimum geschrumpft. Das ist keine gute Voraussetzung für eine konvergente Zusammenarbeit, gleichgültig, auf welche Weise sie organisiert sein wird, an welchem Ort zu welcher Zeit. Das Kommunikationsunternehmen SRF hat ein Kommunikationsproblem.

«Avanti dilettanti!» möchte man so manchen zurufen in der Chefetage von Schweizer Radio und Fernsehen SRF. Und wahrscheinlich betrifft es auch den einen oder anderen auf der obersten Stufe der SRG. Man fragt sich, ob sie nicht anders können oder nicht anders wollen. Wir erleben bei SRF eine Art Normalisierung der italienischen Art: der nächste Skandal deckt den vorangegangenen zu, wobei es bei oft auch Ungeschick und Fehltritte sind. Aber sie häufen sich. Und es betrifft nicht nur die professionelle Organisation. Es betrifft auch die Trägerschaft, die eigentlich die Basis des Unternehmens wäre. So auch unlängst im Fall eines geplanten Artikels für das Magazin «Link» der SRG Deutschschweiz, der nicht veröffentlicht wurde.

Die Autorin hatte unter anderem Direktor Ruedi Matter und die Berner SSM-Co-Präsidentin Priscilla Imboden befragt. Matter sagte nichts Neues, heisst es, und Imboden sagte, was sie denkt. Hat also der Ruedi Matter wieder eingegriffen, wie jüngst schon beim nicht realisierten Beitrag von «Schweiz aktuell»…? (was dementiert wurde) – nein, hat er nicht. Auch die Generaldirektion nicht, die informiert war. Also keine Zensur. Der Text war aus Sicht der «Link»-Redaktion mit Blick auf die neuesten Entscheidungen des SRG-Verwaltungsrats ganz einfach nicht mehr in allen Punkten auf dem Stand der Dinge. Und so schrieb dann der interimistische Geschäftsführer der SRG Deutschschweiz in seiner Eigenschaft als Präsident der SRG Basel ersatzweise einen Text, in dem er die «Standortfrage» zur «Standpunktfrage» erklärte. Es war einer dieser bekannten «sowohl – als auch»-Kommentare, bei denen man als Lesende erst nach eingehender Analyse vermuten kann, wo der Verfasser denn seinen «Standpunkt» hat. Irgendwo in der Nähe der Direktion wahrscheinlich.

Solange die Trägerschaft sich als PR-Organisation der Direktion versteht und Konflikte verwedelt, nimmt sie ihre Führungsaufgabe nicht wahr.

Die Episode ist deshalb erwähnenswert, weil sie auf ein tiefer liegendes Übel verweist. Solange die Trägerschaft sich als PR-Organisation der Direktion versteht und Konflikte verwedelt, nimmt sie ihre Führungsaufgabe nicht wahr. Nach dem grandiosen Abstimmungserfolg von «No Billag» steht die andere Seite der «kritisch-konstruktiven» Begleitung auf der Tagesordnung: die radikale Kritik – die an die Wurzeln geht –, und die rückhaltlose Diskussion, die das gesamte kreative Potential nutzt, das in der SRG vorhanden ist. Das heisst nicht automatisch Parteinahme. Es heisst aber, Raum zu schaffen für eine Auslegeordnung der Argumente und eine zunächst durchaus kontroverse Suche nach Lösungen. Dazu gehören die Fachkompetenz und das Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die täglich mit in absoluter Eigenverantwortung qualifizierte Arbeit abliefern. Nicht nur beim Radio. Auch beim Fernsehen, Online, in Produktion und Administration.

Auch diesmal macht sich die Trägerschaft mit ihrem Magazin «Link» also nicht zum Vorreiter einer offenen, freien Diskussion. Die qualifizierte Belegschaft kommt einmal mehr nicht zu Wort. Nicht einmal mit ein paar Zitaten in einem Lauftext. Und die Nachfrage zeigt, dass das zumindest zum Zeitpunkt des Gesprächs auch für das nächste Heft nicht vorgesehen ist.

Aber die Trägerschaft hat eine Führungsaufgabe. Sie ist vor 17 Jahren in Programmfragen entmachtet worden. Sie hat sich dieser Entscheidung gebeugt und die Rolle der «kritisch-konstruktiven» Begleitung der «professionellen Organisation» der SRG übernommen. Aber sie ist nach wie vor «Trägerschaft» in einem ganz substantiellen Sinn: Sie ist der historische Kern der SRG, die aus Vereins- und Stiftungs- und Genossenschaftsstrukturen entstanden ist. Und sie ist Kontrollorgan, zumindest durch die Wahl des Regionalrats, des Regionalvorstands und dadurch des Verwaltungsrats. Und es wäre naheliegend, dass sie in wesentlichen Fragen der Unternehmensentwicklung auch die Debatte öffentlich macht und damit wirklich einen «link», eine Beziehung zwischen den verschiedenen Beteiligten herstellt. Und damit auch die Unternehmensleitung – und auch die zahlende Öffentlichkeit – auf gravierende Probleme hinweist. Und auf Lösungsmöglichkeiten. Rechtzeitig.

Das geschieht nicht. Hingegen stellt das Trägerschafts-Magazin in der neuesten Ausgabe fest, dass die kleine Schweiz «erstaunlich viele Studio-Standorte» hat (also kann man das Radiostudio Bern problemlos schliessen?), dass viereinhalb Stunden Arbeitsweg an einem Tag in Zug, Bus und Bahnhöfen für den Kulturjournalisten «Machbar!» sind (die Berner Radiomacherinnen werden diese Zukunftsaussicht geniessen), und dass sich das Radio von den «klassischen Radiofesseln» befreit und vor allem auch bei der jüngeren Generation zunehmend erfolgreich ist. Nachdem nach langen Mühen zum Beispiel ein Podcast wie «Einfach Politik» realisiert werden konnte.

Die Belegschaft geht davon aus, dass mit den nach unten angepassten Messgrössen die Bedeutung vom «Echo der Zeit» kleingerechnet werden soll.

Gleichzeitig wird das klassische Radioprogramm in der SRF-Broschüre «Medientrends Deutschschweiz 2018» schlechtgeschrieben. Es heisst dort: «Im Jahr 2017 erreicht das ‹Echo der Zeit› (…) durchschnittlich 142’000 Personen, die Reichweite lag «bei den 15-59jährigen knapp ein Viertel unter dem Wert von 2013». Diese Zahl ist als Vergleichsgrösse schlicht falsch. Das «Echo» wird nicht nur auf SRF1 um 18 Uhr ausgestrahlt, wie das die Autoren der Studien annahmen, sondern auch auf SRF4 News, SRF 2 Kultur und der Musikwelle. Die richtige Zahl beträgt laut Mediapulse total 422’000 Hörerinnen und Hörer pro Sendung. Die Belegschaft geht davon aus, dass mit den nach unten angepassten Messgrössen die Bedeutung dieses SRF-Flaggschiffs kleingerechnet werden soll.

Vielleicht war es auch einfach die Fehlleistung von ein paar beflissenen Programmstatistikern, die die programmpolitische Absichten der Direktion stützen wollten. Dass sie im gleichen Atemzug die einigermassen stabile Reichweite der F«Tagesschau» hervorhoben, gab der Liebesbeziehung zwischen Radio und Fernsehen aber auch keinen Schub. Und wer die SRF-Broschüre «Medientrends SRF 2018» sorgfältig liest, nimmt wahr, dass Zahlen und Trends die Programm- und Medienstrategie der Fernsehdirektion deutlich signalisieren.

Die Chefredaktion des Radios sah sich in dieser Sache jedenfalls zu Krisensitzung mit Redaktionsleitern des Radios und der Publikumsforschung veranlasst. Die Fehlleistung der Publikumsforschung wurde bestätigt. Die Forderung, die Fehlinformation vom Netz zu nehmen, wurde hingegen abgelehnt. Das würde zu viel Aufsehen erregen. Und die Studie sei zu gross und wichtig. Also wird das Publikum jetzt offiziell mit einer Fehlinformation versorgt.

Das Vertrauen ist seit einiger Zeit angeschlagen, nicht nur zur Direktion von SRF, sondern auch zur Chefredaktion des Radios.

Die meisten Gesprächspartner für diesen Artikel – Gegner wie Befürworter des Umzugs der Informationsabteilung und Gegner wie Befürworter des digitalen Newsroom-Konzepts – waren nur unter der Bedingung zum Gespräch bereit, dass ihr Name nicht genannt wird. Mit drei oder vier Ausnahmen. Deshalb wird hier im ganzen Text bewusst gar kein Name genannt. Ausser bei Zitaten und Namen, die schon in anderen Publikationen öffentlich wurden. Ein kleines Signal für eine Entwicklung, die wir in der Regel autoritären Gesellschaften zuschreiben. Und die nach dem Motto beginnt: Wer ungeschoren bleiben will, hält still.

Das Vertrauen ist seit einiger Zeit angeschlagen, nicht nur zur Direktion von SRF, sondern auch zur Chefredaktion des Radios. Und auch am Leutschenbach ergaben Befragungen durch die Mitarbeitenden selber bekanntlich kein sonderlich gutes Ergebnis für die Direktion. Die gegenwärtige hauseigene Informationspolitik macht die Stimmung nicht besser. In der Personalinformation vom 28. Juni 2018 gab SRF-Direktor Matter das bekannt, was ein paar Minuten später auch der breiten Öffentlichkeit mitgeteilt und von der Belegschaft auch so erwartet wurde: Einsparungen SRG-weit von 100 Millionen Franken innert vier Jahren, 30 davon bei SRF, Abbau von 250 Vollzeitstellen, Einstellung von ein paar beliebten Fernsehsendungen, kurz: die Hiobsbotschaften, an die sich die Öffentlichkeit schon wegen der ständigen Wiederholung bereits gewöhnt hat.

Konkreter wurde es in der zweiten Runde der Mitarbeiter-Information, im Radiostudio Bern, die Direktor Matter der Radio-Chefredaktorin Lis Borner überliess. Und da kam es knüppeldick. Der Sparbeitrag des Radios, so hiess es da, wäre der Umzug der Abteilung Information von Bern nach Zürich. Sollte der Umzug aber nicht stattfinden, müssten stattdessen in Bern 25 Vollzeitstellen gestrichen werden. Das ist selbstverständlich weder Druck noch Drohung. Es ist eine einfache, betriebswirtschaftliche Rechnung. Die 25 Stellen machen in etwa die gut drei Millionen Franken aus, die durch einen Umzug nach Zürich angeblich gespart werden. Auf die Frage aus dem Personal, ob sie denn zusichern könne, dass bei einem Umzug nach Zürich tatsächlich keine Stellen gestrichen würden, konnte die Chefredaktorin allerdings keine Garantie abgeben. [Richtigstellung: Die Aussage an dieser Stelle im ursprünglichen Text, «dass der SRG-Verwaltungsrat die Sparvorgabe für das Radiostudio Bern von 3 auf 6 Millionen verdoppelt hat» wurde vom Autor vor Veröffentlichung bei sachkundigen Quellen nochmals überprüft; sie hat sich dabei in dieser Form nicht bestätigt. Sie hätte daher aus der Endfassung des Textes entfernt werden müssen. Der Autor bedauert ausdrücklich dieses Versehen.]

Die Belegschaft vermutet aber ganz generell, dass bei der Information im traditionellen Radioprogramm kräftig gespart werden soll.

Auf die Frage aus dem Personal, ob sie denn zusichern könne, dass bei einem Umzug nach Zürich tatsächlich keine Stellen gestrichen würde, konnte die Chefredaktorin allerdings keine Garantie abgeben. Die Belegschaft vermutet aber ganz generell, dass bei der Information im traditionellen Radioprogramm kräftig gespart werden soll, auch wenn «der Löwenanteil der SRF-Nachrichtennutzung nach wie vor in Radio und Fernsehen stattfindet», wie es in der SRF-Studie «Medientrends Deutschschweiz 2018» heisst. Wer diese Studie sorgfältig weiter liest, kann sich in etwa vorstellen, wohin die Reise geht. Dort heisst es auch, «dass auch Drittplattformen wie die globalen sozialen Medien hinsichtlich der Nachrichtennutzung immer wichtiger werden», also Social-Media-Plattformen wie Facebook, Instagram oder Youtube.

Auf welche Weise das Radio in den Newsroom des Fernsehens am Leutschenbach integriert werden soll, weiss allerdings bei den Radioschaffenden niemand so genau. Ausser den Wenigen, die die Konzentration von Radio, Fernsehen und Online am Leutschenbach vorantreiben. Über den «Newsroom 19», der im kommenden Jahr in Betrieb gehen soll, gibt es ein Informationspapier, das die gesamte Kernorganisation und die Verbindung zu Aussenstellen aufführt. Der Radiobelegschaft ist es nie ausgehändigt worden. Das ist insofern folgerichtig, als dass das Radio ursprünglich gar kein zentraler Teil des Projektes war.

Im Papier über die Kernorganisation des «Newsrooms» vom Mai 2018 taucht das Radio nur am Rande auf: als selbständige, aussenstehende Einrichtung, wie das SRF–Kompetenzzentrum Kultur in Basel. Auch das Radio soll am Newsroom einfach mit Kontaktpersonen angedockt werden, so der ursprüngliche Plan. Die Redaktion ist nicht integriert. Lediglich die Chefredaktion Radio erscheint da, und zwar in der Liste der «redaktionellen Schnittstellen». Eine volle Integration der Informationsabteilung des Radios ist also zumindest für die Öffentlichkeit neu. Und sie ist auch ziemlich neu für die Radio-Mitarbeitenden im Radiostudio Bern. Sie haben von der «Prüfung eines Umzugs» Anfang April erfahren, ziemlich genau einen Monat nach der «No Billag»-Abstimmung.

Geht es beim geplanten Umzug des Radiostuios Bern nach Zürich um einen stärkeren inhaltlichen Zusammenschluss des Radios mit Fernsehen und Online, dann hat Radio- und Fernsehdirektor Rudolf Matter ein Problem.

Entweder wurde das Radio in Bern im ursprünglichen Konzept einfach vergessen; das würde der Wahrnehmung etlicher Mitarbeitender entsprechen. Oder das Konzept «Newsroom mit Radio» ist ein Schnellschuss. Das würde vielleicht die wechselnden Begründungen verständlich machen: zuerst der geplante Umzug der Generaldirektion in die Räume des Radiostudios, dann das Sparpaket der SRG, dann Synergien bei der technologischen Entwicklung. Bisher wirken alle diese Begründungen nicht wirklich überzeugend. Oder es geht um einen stärkeren inhaltlichen Zusammenschluss des Radios mit Fernsehen und Online. Und dann hat Radio- und Fernsehdirektor Rudolf Matter ein Problem.

Bei seinem Amtsantritt hat der SRF-Direktor mit berechtigtem Stolz verkündet, dass er auch im gemeinsamen Radio-Fernsehunternehmen SRF die Informationsabteilungen getrennt organisieren will, das heisst: sie sollen weiterhin zwei getrennten Chefredaktionen unterstellt bleiben. Im Betriebskonzept des künftigen Newsrooms, der 2019 in Betrieb genommen werden soll, heisst es nun aber im Kapitel über «redaktionelle Schnittstellen» für die Chefredaktion Radio: «Die Fachredaktionen im Newsroom bieten Chancen für eine noch engere Zusammenarbeit, da sich nun die Organisationsformen bei CR Radio und CR TV angleichen. Grosses Potential besteht namentlich in den Bereichen Planung, gemeinsame Themen oder Rechercheteam, der Nutzung von trimedialen Fachpersonen für Megathemen (…). Künftig wird eine Vertretung von CR Radio am Decision Desk arbeiten. Geprüft wird, ob die CR Radio auch am Planungsdesk präsent sein wird.» Die Fachredaktion soll in separaten Räumen untergebracht werden, die für das Radio aber noch umgebaut und eingerichtet werden müssen.

Das bedeutet aber folgerichtig: Die Vielfalt der Themen, der Blickwinkel, der Vertiefung, der Standpunkte, die unterschiedlichen Meinungen, die Rudolf Matter mit den getrennten Chefredaktionen sicherstellen wollte, reibt sich im Alltagsbetrieb auf, denn das Radio wird von der Themenwahl am Beginn der Produktion bis zu ihrem Ende, der Verbreitung, voll in einen zentralisierten Entscheidungsprozess einbezogen. Alles wird aktuell vom «Decision Desk» aus gesteuert oder ein paar Tage im Voraus vom Planungsdesk, und «es schwindet die Themenvielfalt auf unseren Kanälen», wie Priscilla Imboden im Kleinreport sagt.

Es steht zu befürchten, dass sie recht hat. Wenn sich die Arbeit von Radio und Fernsehen von Anfang in einem gemeinsamen Newsroom so eng verzahnen, in einer grossen, einheitlichen, zentralistisch gesteuerten Informationsfabrik, dann verliert die Organisation mit zwei getrennten Chefredaktionen zunehmend ihre praktische Bedeutung. Dabei ist es unerheblich, ob die Chefredaktion Radio mit der Abteilung Information im eigentlichen Newsroom-Bau angesiedelt ist oder lediglich baulich damit verbunden ist. Entscheidend ist, ob die Arbeitsprozesse faktisch integriert sind in die zentral gesteuerten digitalen Planungs-, Produktions- und Verbreitungsabläufe im Newsroom.

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