von Nick Lüthi

Jetzt sendet nur noch das Lokalfernsehen aus dem CNN-Studio

Das Ende von «CNN Money Switzerland» zeigt ein weiteres Mal, dass sich Nachrichten-TV in der Schweiz nicht aus dem Markt finanzieren lässt. Mit etwas mehr finanzieller Bescheidenheit hätte der Sender vielleicht etwas länger überlebt.

Am Ende war Corona schuld. So lautet die offizielle Erklärung. «Hard-hit by the Covid-19 crisis», hart getroffen von der Corona-Krise, schreibt «CNN Money Switzerland» in der Mitteilung zum eigenen Konkurs. Knapp drei Jahre nach Sendestart gehen beim schweizerischen Business-TV in den nächsten Tagen die Lichter aus.

Dass es so weit kommen könnte, begann sich in den letzten Monaten abzuzeichnen. Für Schlagzeilen und ein schlechtes Image sorgten die beiden Hauptgeldgeber und Verwaltungsräte des Senders. Gegen die zwei Brüder aus Bangladesch ermittelt die lokale Justiz, nachdem sie im Streit um einen Kredit zwei Bankmitarbeiter misshandelt haben sollen. Ausserdem gehen Gläubiger wegen offenen Rechnungen in der Höhe von einer Million Franken gegen den Sender vor. Am vergangenen Sonntag entschied der Verwaltungsrat, Konkurs anzumelden für das Unternehmen. Das Geld fehlte insbesondere bei der Werbung. Zufriedenstellend lief dagegen das Geschäft mit gesponserten Inhalten, die aber nur einen Drittel des Ertrags ausmachten, wie Geschäftsführer Christophe Rasch gegenüber «Le Temps» ausführte.

Ob «CNN Money Switzerland» ohne die ausserordentlichen Umstände der Covid-Pandemie viel länger durchgehalten hätte, darf demnach bezweifelt werden. Vieles sprach von Beginn wegen gegen einen nachhaltigen Erfolg. Da wäre zuerst einmal der Markt, der kleine schweizerische TV-Markt. In der Vergangenheit sind alle Vorhaben gescheitert, ein nationales Nachrichtenprogramm zu etablieren, das sich allein aus Werbung finanziert. Selbst CH Media als grösstes privates TV-Unternehmen bietet in seinen nationalen Programmen massgeblich Sport, Show und Unterhaltung. Informationsjournalismus ist (zu) teuer.

Von den absehbar harten Bedingungen auf dem Werbemarkt liessen sich die Verantwortlichen nicht entmutigen. Im Gegenteil. Der Sender schöpfte von Beginn weg aus dem Vollen. Top-Studios, Top-Personal, Top-Gäste: «This is CNN.»

In solchen Momenten glitt die Weltläufigkeit schnell ins Provinzielle ab.

Das Programm gab sich weltläufig. Nationale und internationale Prominenz aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft, Unterhaltung und Kultur reichte sich die Klinke. Die dominierende Form der Berichterstattung war das Gespräch, nicht Hard-Talk, sondern gefällige Konversation. Doch der Zwang zur englischen Sprache führte regelmässig zu unfreiwillig komischen Situationen. Etwa dann, wenn Bundesrat Ueli Maurer genötigt wurde, in dem ihm schlecht vertrauten Idiom Auskunft zu geben. In solchen Momenten glitt die Weltläufigkeit schnell ins Provinzielle ab. Auf Untertitel verzichtete «CNN Money Switzerland». Eigentlich unverständlich, gemessen am Aufwand, den der Sender sonst betrieben hatte.

«CNN Money Switzerland» war das Werk von Christophe Rasch. Der Westschweizer Medienunternehmer erwarb von CNN eine Lizenz, die es erlaubte, den Namen und die Technologie des Nachrichtensenders aus Atlanta (USA) verwenden zu dürfen. Als Startrampe diente Rasch seine Medienagentur MediaGo, die unter anderem für Kunden Videowerbung produziert. Auch für Unternehmen, über die CNN Money Switzerland kritisch berichten sollte. Eine heikle Konstruktion, wie Beobachter beurteilten.

Aber das sind Petitessen im Vergleich zur grösseren Mission. Bereits vor zwanzig Jahren sagte Rasch: «Das Fernsehen muss sich neu erfinden.» Er leitete damals die Online-Redaktion des Westschweizer Fernsehens und war mitverantwortlich für den neuen Auftritt von tsr.ch.

Bei «La Télé» klaffte im fünften Betriebsjahr ein Loch von anderthalb Millionen Franken in der Jahresrechnung.

Dem Ausspruch liess Rasch in den folgenden Jahrzehnten Taten folgen. Dabei dachte er stets gross: Mit «La Télé» wollte er ab 2009 ein Regionalfernsehen zum nationalen Sender ausbauen. Und mit «CNN Money Switzerland» lancierte er einen nationalen Sender mit internationalem Anstrich. Beide Versuche endeten unrühmlich. Bei «La Télé» klaffte im fünften Betriebsjahr ein Loch von anderthalb Millionen Franken in der Jahresrechnung. Bei «CNN Money Switzerland» geht es auch um einen siebenstelligen Betrag, der fehlt.

Schon bei «La Télé» richtete Rasch mit der grossen Kelle an. Obwohl der Regionalsender über eine Konzession für die Kantone Waadt und Freiburg verfügte, eröffnete er ein Studio in Genf. Seine Expansionsstrategie fusste auf der damals neu geschaffenen Möglichkeit, regionale Programm auch gesamtschweizerisch ausstrahlen zu dürfen. Doch der Tatendrang ging mit ihm durch, bis der Verwaltungsrat nach dem Blick in die Kassenbücher die Reissleine zog. Man einigte sich auf einen schnellen Abgang. Der neue Mann an der Spitze des Senders, der umtriebige Freiburger Anwalt Damien Piller, sah Rasch im Rückblick zwar «voller Qualitäten. Er ist ein Visionär». – Aber: «Er ging ein wenig zu schnell. Bevor man ein Unternehmen entwickelt, muss man das bereits Bestehende konsolidieren.» Dies erklärte Piller im Mai 2014 gegenüber «Le Temps». Darum müsse man einen Schlussstrich ziehen unter seine Strategie. Fortan lag der Fokus des Senders wieder auf der Region zwischen Saane und Genfersee.

Wie bei «La Télé» setzte Rasch auch bei «CNN Money Switzerland» auf eine aufwändige und kostspielige Infrastruktur. «Modernste Kameras, abnehmbare Riesenbildschirme und Touchscreens für Interaktivität. Dem Direktor [Christophe Rasch] ist die Freude anzusehen, wenn er vom Gerätepark schwärmt, der ihm zur Verfügung steht», schrieb Mehdi Atmani im PME Magazine nach einem Besuch der Studios in Zürich vor dem Sendestart Ende 2017.

Von den Investitionen in die Hi-Tech-Studios profitieren nun immerhin Dritte. In Gland am Genfersee hat Rasch mit finanzieller Beteiligung von «CNN Money Switzerland» ein neues Sendezentrum errichten lassen, das Ende August eingeweiht wird. Fortan wird dort nur noch der Lokalsender «NyonRégion Télévision» NRTV sein Programm produzieren. Eigentümer und Vermieter der Studios ist Rasch mit seiner Gesellschaft MediaGo. Damit war er auch an «CNN Money Switzerland» beteiligt, und früher an «La Télé». Die verschiedenen Hüte, die Rasch damit trug, brachten ihm den Vorwurf mangelnder Transparenz ein. Mit der Pleite des CNN-Projekts kann er sich nun wieder ganz auf seine MediaGo konzentrieren – bis er ein weiteres Mal das Fernsehen neu erfinden muss.

Leserbeiträge

Ueli Custer 21. August 2020, 11:31

Das war schon vor dem Start absehbar. Wer glaubt, in einem kleinen Markt in einer Nicht-Landessprache ein absolutes Mini-Nischenpublikum mit klassischen TV bedienen und das auch noch aus Werbung finanzieren zu können, hat irgendwie das kleine 1 x 1 nicht begriffen.

Ben 21. August 2020, 12:52

Ich glaube die Richtung würde schon funktionieren, aber die klassischen Medien sind halt dermassen unter Druck, da Blogs, private News-Channels etc. schon wesentlich mehr Reichweite generieren.

Da denke ich, dass einfach der Anschluss an die nächste Medienwelle verpasst wurde.