Marktplatz der Talente

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Ronnie Grob, 11. Januar 2016, 10:40

Das Zürcher Startup Do Nxt will kreativen Menschen ein regelmässiges Einkommen ermöglichen und zieht dazu ein Abomodell für Produzenten von Inhalten auf. Für den Start Mitte Januar 2016 werden noch Künstler, Journalisten und Blogger gesucht. Falls sich Konsumenten ähnlich grosszügig zeigen wie bisher beim Crowdfunding, könnte das Projekt eine Chance haben.

Do Nxt ist ein Marktplatz, der Produzenten und Konsumenten von Inhalten zusammenbringen will: Auf der einen Seite stehen Kunden, die per Abo regelmässig Geld zur Verfügung stellen. Und auf der anderen Lieferanten, die ihre Supporter regelmässig mit «Belohnungen» in Form von Inhalten versorgen, also mit Musikstücken, Videos, Tutorials, Rezepten oder Produkten. An den Vermittler Do Nxt zahlt der Kunde eine Kommission von fünf Prozent sowie die Transaktionskosten an den Payment-Provider. Insgesamt werden rund zehn Prozent wegfallen vom gespendeten Betrag – vergleichbar mit dem, was die Crowdfundingplattform We Make it abzieht. Die periodische Zahlung steht im Gegensatz zu den Einmaleinlagen der klassischen Crowdfunding-Portale und löst deren Probleme. Krautreporter.de etwa musste kürzer treten, weil nach einem Jahr nicht mehr so viele Leser zahlen mochten. Mit regelmässigen Zuwendungen jedoch – nichts anderes als das klassische Abomodell – ist allen geholfen. Der Spender verkraftet die regelmässige Abbuchung von Kleinbeträgen gut. Und der Empfänger kann dank dem kontinuierlichen Geldstrom arbeiten und für die nähere Zukunft planen.

So funktiniert Do Nxt from donxt.com on Vimeo.

Gründer von Do Nxt ist der Niederländer Joris Straatman. Er legt Wert darauf, dass Do Nxt nicht in erster Linie mit Wohltätigkeit zu tun hat. Vielmehr sei es ein Abosystem, mit dem man sich auf Produzenten von Inhalten abonnieren könne: «Der Vorteil von Do Nxt ist, dass man nur zahlt für das, was man wirklich will. Die Kunden können ihr Geld gezielt anlegen und es bieten sich Finanzierungsmöglichkeiten für sehr viele freie Berufe.» Straatman wird bald 40, hat eine Tochter, und wohnt nun schon seit zwölf Jahren im Raum Zürich; nach einem abgeschlossenen Studium in Nijmegen (Artificial Intelligence) zog er um in die Schweiz. Vor zwei Jahren hörte er beim von ihm mitgegründeten Carsharing-Plattform Sharoo auf, um etwas Neues zu bauen: «Ich wollte zunächst eine Plattform bauen für Startups, die sich vernetzen können. Doch dann sah ich, dass es im Kulturbereich von Etsy und Dawanda abgesehen kaum professionelle Plattformen gab. Aber ein grosses Bedürfnis von Menschen, zu interagieren, auch auf einer finanziellen Basis.»

Mit Sprachversionen in Deutsch und Englisch ziehlt Do Nxt auf den gesamteuropäischen Markt ab. Vorbild ist offensichtlich das 2013 in San Francisco gegründete Patreon. Im Moment wirke es wie eine sehr ähnliche Vision, gibt Do-Nxt-Mitarbeiter Jonas Wechsler zu: «Wir wollen aber im Vergleich den Content stärker in den Vordergrund stellen. Es wird eine Wall geben und man wird den Leuten folgen können, so ein bisschen wie bei YouTube.» Anders als bei We Make it sind nicht kreative Gruppen, sondern vor allem Individuen und Indie-Leute angesprochen. Aber nicht nur: Wer zum Beispiel den Breakdancern «Dominance Crew» 5 Franken im Monat gibt, erhält dafür ein monatliches «Breakdance Instruction Video».

Dem Leitspruch des Portals – «Democratising media and culture with monthly support income» – werden vor allem Blogger unterschreiben können, aber natürlich auch Journalisten. «Wir haben bisher zwei Foodblogger mit dabei, aber auch Magazine», sagt Straatman: «Ich glaube, dass sich auch Leute, die ein Buch schreiben wollen, so gut finanzieren könnten. Autoren etwa könnten ein Buch stückweise verkaufen: 15 Kapitel à 3 Franken ergäben so einen Verkaufspreis von 45 Franken, das ist doch ein fairer Preis.»

Bisher aktiv sind etwa Comiczeichner, die ihren Supportern regelmässig einen neuen Comic zur Verfügung stellen. Oder Spieledesigner, die ihrer Crowd den jeweils neusten Prototyp anbieten können. Nach eineinhalb Monaten in der Pre-Beta haben bereits über hundert Kreative ein Profil angelegt und stehen bereit für den Start des Portals Mitte bis Ende Januar. Wenn sie ihre Inhalte monatlich auf Do Nxt posten, dann entsteht so etwas wie ein geschlossenes Soziales Netzwerk mit Bezahllösung. Für grosse Medien wie Zeitungen und Zeitschriften gibt es ja Blendle. Do Nxt könnte eine Chance für Kleine sein, die gross werden wollen (oder wenigstens ihre Spesen einspielen wollen). Dazu braucht es aber nicht nur Kreative, die ihre Arbeiten einstellen, sondern auch Konsumenten, die diese finanzieren wollen. Und warum sollte das nicht gelingen?

Ronnie Grob
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Ronnie Grob

Autor MEDIENWOCHE

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Leserbeiträge


  1. Hans-Jürgen John, 12. Januar 2016, 09:14

    Hallo Herr Grob


    Das ist ein interessanter Artikel. Gut geschrieben.

    Der erste Teil ist besser als der zweite. Im zweiten gibt es zu viele Anbieter, die genannt werden, ohne dass auf sie - sicher aus Platzgründen - eingegangen werden kann.

    Ich werd den Artikel gleich mal teilen. Bei LinkedIn habe ich nur um die 7.800 Follower. Aber es sind viele Journalisten, Kreative, und so weiter dabei.

    Wollen wir uns vernetzen? Auf LinkedIn bin ich Hans-Jürgen John, Founder Johntext. Mit der E-Mail Adresse hansjohn67@hotmail.com kommen Sie in mein Netzwerk auch ohne Goodwill von LinkedIn.


    Herzliche Grüsse
    Hans-Jürgen John image description

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