Können nur Clowns mit Migrationshintergrund Bundesrat werden?

hamster
Nina Fargahi, 12. Juni 2017, 17:07

Er ist ein Secondo, cool, unflätig und alles andere als staatsmännisch. Und plötzlich wird er Bundesrat. Gewählt mit 162 Stimmen im ersten Wahlgang. Was sonst nicht einmal in Märchen vorkommt, ist die Storyline einer von Swisscom, Samsung und Watson produzierten Webserie. Ohne Klischees kommt das Kurzformat allerdings nicht aus.

Ferdinand Hugentobler alias Hamster heisst der «freshe Bundesrat», und schon in der ersten Episode der vierteiligen Mini-Serie zeigt er sich heillos überfordert: Von den nackten Statuen im Bundeshaus und den nackten Brüsten einer Femen-Aktivistin, von der flirtenden Reporterin, die ihn abends gerne treffen möchte und dem Kiffer, der ihm eine Pfeife anbietet. Wie Odysseus versucht «Hamster» mehr oder weniger erfolgreich den Verführungen zu widerstehen, die der neue Job so mit sich bringt.

Hamster, der vom Schauspieler Silvio Lang verkörpert wird, schreibt in seiner Kolumne bei Swisscom: «Man hat mir einen Anzug gebracht, den Bart schön föhnfrisiert und mir eine neue Frisur verpasst. Ich habe ein paar wichtige Ausdrücke gelernt, wie «panaschieren» (wobei ich da immer Durst bekomme), «Konkordanz» (meine Mama kommt ja aus Kamerun – die tanzen das dort auch!) und «EDA» (wobei ich komplett gegen Drogen bin).»

Die Figur des Hamsters wird bewusst als äusserst sympathisch und volksnah, aber auch als politisch vollkommen inkompetent gezeichnet. So weit, so unterhaltsam. Folgende Fragen drängen sich hier aber auf: Wieso hätte beispielsweise ein junger Bündner nicht in die Rolle des Hamsters gepasst? Ist dies das Bild, das die Öffentlichkeit von den Secondas und Secondos hat oder haben soll, nämlich das von lustigen Spassmachern, ohne die geringste Eignung für ein verantwortungsvolles Amt?

Das Komödiantische speist sich offenbar aus der vermeintlich absurden Vorstellung, dass ein Secondo vom erfolglosen Kunstmaler zum höchsten Schweizer Amtsträger wird. Hätte «Hamster» keinen Migrationshintergrund, wäre diese Biografie nicht einmal unüblich in der Schweiz. Vor diesem Hintergrund stellt sich letztlich noch die Frage: Ist der Gedanke eigentlich so abwegig, dass ein Secondo Bundesrat werden könnte, der das politische Geschäft auch beherrscht?

Nina Fargahi

Nina Fargahi

Designierte Chefredaktorin «Edito»

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